#Notizen zu Namen

26. April 2013 | Steiner Hausarztpraxis ist künftig im Besitz der Spital Thurgau AG

Schaffhauser Nachrichten
von Edith Fritschi

Der Steiner Hausarzt Georg Schlatter hat das Nachfolgeproblem für sich gelöst: Ende Juni 2014 will er mit Praktizieren aufhören; er hat lange erfolglos nach einer Nachfolge gesucht. Weil es ihm mit dem Modell Gemeinschaftspraxis, das in Stein am Rhein auf gutem Weg ist und wofür er sich mit den Kollegen Andreas Dieterle und Gerhard Schilling eingesetzt hatte, offenbar zu langsam voranging, klopfte er bei der Spital Thurgau AG an. Diese wird die Praxis Mitte 2014 übernehmen. Er befinde sich damit in einer Schrittmacherrolle, schreibt er. Denn auch mit der Fertigstellung eines Gemeinschaftszentrums in Stein am Rhein seien längst nicht alle Probleme wie die Personalrekrutierung gelöst. Zudem bremse dies die Krankenkassen, die Kantonsgrenzen immer noch als Hindernis sähen. In Stein am Rhein ist man über Schlatters Entschluss nicht glücklich. Der Entscheid komme eher überraschend und sei bedauerlich, sagte Stadtpräsidentin Claudia Eimer. Und die Schaffhauser Gesundheitsdirektorin Ursula Hafner-Wipf ist brüskiert, dass sie alles erst erfuhr, nachdem die Verträge unterzeichnet waren. «Ich habe den Thurgauer Gesundheitsdirektor Bernhard Koch erst kürzlich getroffen, und er hat nichts gesagt. Das ist enttäuschend.» So habe man keine Handlungsmöglichkeiten gehabt. Das Vorgehen sei legitim, aber nicht kollegial. Natürlich hätte man sonst die Option einer Übernahme geprüft, da die Steiner dem Schaff- hauser Rettungsdienst angeschlossen seien, sagte sie.


**«Für Kooperation und Gespräche offen»**

*Die Praxis des Steiner Hausarztes Georg Schlatter wird von der Spital Thurgau AG übernommen. Darüber herrscht aber nicht nur eitel Freude.*

Es war ein eigentlicher Überraschungscoup. «Auch wir sind einigermassen überrascht, dass Georg Schlatter an die Spital Thurgau AG verkauft», sagt Stadtpräsidentin Claudia Eimer. Der Stadtrat habe die Nachricht von den anderen beiden Steiner Hausärzten erfahren. Bisher sei man immer davon ausgegangen, dass alle drei Hausärzte hinter der Lösung der neuen Gemeinschaftspraxis ständen. Und erst vor Kurzem konnte der Steiner Stadtrat mitteilen, dass diese an der Chline Schanz geplant sei (vgl. auch separaten Artikel).

Das oberste Ziel der Stadt sei es, die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, und zwar mit einer Praxis rechts des Rheins. «Mit unserem Projekt klappt das auch», sagt Eimer. Bedauerlich finde sie nur, dass Georg Schlatter sich ausgeklinkt und seine Praxis verkauft habe. Gerade Schlatter habe immer darauf gepocht, dass möglichst bald etwas passieren müsse. Die Zeit dränge. «Nun haben wir eine Lösung mit vollem Tempo vorangetrieben und sind schon sehr weit», konstatiert Eimer. Deshalb ist für sie die neueste Situation eher enttäuschend. Georg Schlatter, der sich gestern auf einer Fortbildung befand, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Per Mail wurde aber ein Argumentarium übermittelt, womit er die Entscheidung für die Spital Thurgau AG als Nachfolger begründete. Das Projekt Gemeinschaftspraxis in Stein am Rhein, heisst es dort, werde vermutlich nicht bis zum 1. Juli 2014 fertiggestellt. Zu diesem Termin aber möchte Schlatter aufhören, und er sei, schreibt er weiter, für die Zeit danach bereits andere Verpflichtungen eingegangen. Ergo hätte er das Personal auf die Strasse stellen müssen, und die Patienten hätten in die Röhre geguckt.

**Es gäbe eine Übergangslösung**
«Stimmt so nicht ganz», meint sein Kollege Andreas Dieterle: «Wir haben eine Übergangslösung vorgeschlagen, wie wir den Betrieb für die Patienten auch danach sichern könnten.» Dies zusammen mit Hausarzt Gerhard Schilling. Nun hat Schlatter für sich aber einen Weg gefunden, der garantiert, dass seine Praxis in den nächsten vier Jahren weitergeführt wird. «Wir wissen das seit etwa zwei Wochen», sagt Dieterle. Zwar habe Schlatter bei dem Gemeinschaftspraxisprojekt mitgemacht, aber seit Längerem angedeutet, dass er noch nach anderen Lösungen suche. Die Spital Thurgau AG könne aus einem grösseren Pool von Bewerbern den oder die Geeignetsten auswählen, begründet Schlatter seinen Entscheid zu verkaufen; zudem sei durch die Nähe zum Spital Gewähr für eine qualitativ hochstehende, wissenschaftlich fundierte Medizin geboten. «Wir können Schlatters Gründe akzeptieren», sagt Dieterle. «Was wir aber in den falschen Hals bekommen haben, ist, dass ausgerechnet die Spital Thurgau AG die Praxis übernimmt. «Das ist ein Affront.» Als Reaktion darauf werde man die Zusammenarbeit mit den Spitälern Schaffhausen intensivieren, betont Dieterle. «Wir habe nun eine klare Konkurrenzsituation. Auch wenn seitens der Spital Thurgau AG betont wird, dass die Leute die freie Wahl haben, wird man dort sicher stärker zum Zuge kommen.» Er vermutet zudem, dass die Praxis Schlatter später der Praxis Lang & Spycher in Eschenz einverleibt und diese damit vergrössert wird.

**Durchlässiges Gebiet**
«Darüber haben wir uns bisher keine Gedanken gemacht», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. «Das ist reine Spekulation.» Er betont, dass nicht die Spital Thurgau AG auf Schlatter zugegangen sei, sondern umgekehrt Schlatter die Spital Thurgau AG angefragt habe. «Nachdem er seit Jahren nach einer Nachfolgelösung gesucht und keine gefunden hat, fragte er bei uns an», sagt Kohler. «Weil es Sinn macht, da auch gut die Hälfte von Schlatters Patienten aus dem Thurgau stammt, haben wir zugesagt.» Aber es sei nicht die Politik der Spital Thurgau AG, aktiv Praxen zu rekrutieren, sagt Kohler. «Ebenso wenig betrachten wir es als Affront gegenüber Schaffhausen. Für uns muss eine integrierte Versorgung gewährleistet sein.» Man engagiere sich überdies, damit es künftig überhaupt noch Hausarztpraxen gebe, sagt er. «Wir agieren in einem durchlässigen Gebiet. Viele Patienten aus Stein kommen jetzt schon in den Thurgau, und Thurgauer gehen nach Schaffhausen.» Da spielten Kantonsgrenzen keine Rolle. «Im Übrigen sind wir für Kooperation und Gespräche mit den anderen Hausärzten offen», betont Kohler.


**Gemeinschaftspraxis : Vertrag unterzeichnet, Projekt auf gutem Weg**

Wie im ganzen Kanton steht es auch in Stein am Rhein mit der Nachfolge für die praktizieren- den Hausärzte nicht zum Besten. Deshalb luden die Steiner Ärzte im April letztes Jahr zu einem Podiumsgespräch über die Zukunft der ärztlichen Grundversorgung ein (SN vom 20. April 2012). Mit dabei war auch Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf. Die Situation mit drei Praxen in Stein am Rhein sei zwar noch komfortabel, dürfte sich aber spätestens 2014 verschärfen, wenn Gerhard Schilling und Georg Schlatter aufhörten, hiess es damals. Und wenn Andreas Dieterle voraussichtlich 2016 aufhöre, müsse etwas geschehen. Gemeinsam suchte man dann nach Lösungsmodellen und kam auf die Variante Gemeinschaftspraxis, was alle drei Ärzte unterstützten. Der Steiner Stadtrat teilte vor Kurzem mit, dass man von der Ärztekasse, einer Genossenschaft von Schweizer Ärzten, die Zusicherung habe, dass sie den Praxisbetrieb an der Chline Schanz führen werde (SN vom 15. April 2013). «Die Verträge sind unterschrieben», sagte Stadtpräsidentin Claudia Eimer. In dieser Praxis würden nun Andreas Dieterle und Gerhard Schilling arbeiten, bestätigte Dieterle gegenüber den SN, dies in Teilzeit oder mehr. «Und wir werden das Projekt vonseiten des Kantons kräftig unterstützen», sagte Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf, die bedauert, dass Georg Schlatter nicht mehr dabei ist und seine Praxis an die Spital Thurgau AG verkauft hat. (efr.)

#Allgemeines

19. April 2013 | Wegen 2 Schülern 200 000 Franken gespart

Schaffhauser Nachrichten, Region
von Bodo Lamparsky

Der Einbruch von 25 Prozent in nur zwei Jahren bei den Anmeldungen hatte es vermuten lassen: Auch die Zahl der definitiv in die Probezeit der Maturitätsschule aufgenommenen Schüler hat stark abgenommen – gegenüber 2011 um 22,6 Prozent. Zugleich liegt die Erfolgsquote der Gymi-Anwärter mit 43 Prozent dieses Jahr eher am unteren Rand der üblichen Bandbreite. «Das zeigt, dass die Aufnahmeprüfungen trotz tieferen Anmeldezahlen nicht etwa leichter waren, sondern dass wir das bisherige Anspruchsniveau behalten haben», sagt Kanti-Rektor Urs Saxer. Die gymnasiale Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen wird damit bei unterdurchschnittlich tiefen 16,2 Prozent verharren (Schweiz: 20 Prozent). Mit 19 Prozent weist Schaffhausen hingegen die landesweit höchste Berufsmaturitätsquote auf.
Insgesamt haben 137 Jugendliche den Sprung ans Gymnasium geschafft, 40 weniger als noch vor zwei Jahren. Das füllt je zwei Klassen der musisch-neusprachlichen Ausrichtung (Typus M), der naturwissenschaftlich-mathematischen Ausrichtung (Typus N) und der sprachlich-altsprachlichen Ausrichtung (Typus S), total also sechs Klassen, eine weniger als bisher.

**Die Mädchen sind schuld**
Verantwortlich dafür sind die Mädchen. Der von ihnen klar favorisierte Typus M ist mit einem Minus von über 25 Prozent am stärksten von den rückläufigen Zahlen betroffen. Hier werden nun eine 27er- und eine 26er-Klasse gebildet. Bei nur zwei Schülern mehr hätte es weiterhin für eine dritte Klasse gereicht: Im Kanton Schaffhausen wird ab einem Schülerbestand von 28 eine zusätzliche Klasse gebildet. «Eine Klasse weniger heisst 200 000 Franken Lehrerlöhne weniger», sagt Urs Saxer. 36 bis 38 Wochenlektionen fallen nun weg. Betroffen davon sind die Lehrbeauftragten. Über alle Fachschaften hinweg müssen sie ihre Pensen reduzieren. Aber selbst wenn man jetzt eine Klasse mehr gebildet hätte: Bei derart knappen Verhältnissen wären drei Klassen auf das zweite Schuljahr hin sowieso auf zwei zusammengelegt worden, da 10 bis 20 Prozent der Erstklässler die Probezeit erfahrungsgemäss nicht bestehen. Die abnehmenden Schülerzahlen haben Urs Saxer zunächst zwar «schon beunruhigt». Richtig Sorgen macht er sich aber noch nicht – obwohl die Kurve doch klar nach unten zeigt und sich die wirklich geburtenschwachen Jahrgänge erst in drei Jahren bemerkbar machen werden.

**Latein bleibt gefragt**
Neben dem Typus M hat auch der mathematisch-naturwissenschaftliche Lehrgang im Zwei-Jahres-Vergleich einen Aderlass hinnehmen müssen. Der Mädchenschwund fällt hier besonders krass aus. Zuletzt konnte sich der überwiegend von den Burschen gewählte Typus N aber einigermassen halten, was den Kanti-Rektor freut: Schliesslich werde diese Fachrichtung in Schaffhausen «speziell gefördert». Im letzten Jahr sogar wieder leicht hinzugewonnen hat das sprachlich-altsprachliche Ausbildungsprofil mit Latein als Grundlagenfach. Auch dieser Zuwachs geht allein auf das Konto der Jungs. Das Latein verdankt seine vergleichsweise starke Stellung der Vorbildung an der Sekundarschule: Wer in den Typus S eintreten will, muss es dort als Freifach belegt haben. Ausserdem ist es dann Bestandteil der Aufnahmeprüfung. Mit der Wahl von Latein an der Maturitätsschule lässt sich das «Kleine Latinum» vermeiden – ein häufig unterschätzter Kurs, den etwa die Uni Zürich während der ersten zwei Studiensemester anbietet. Ein Abschluss in Latein ist in Zürich nach wie vor Voraussetzung für die Zulassung zu einer Vielzahl von Studienrichtungen wie etwa Germanistik, Sprachen, Geschichte oder Philosophie. Ausser den drei gymnasialen Lehrgängen kann an der Kanti Schaffhausen auch eine Fachmittelschule besucht werden, die den Zugang zu den Fachhochschulen ermöglicht. Hier halten sich die Schülerzahlen über die Jahre hinweg sehr konstant. Zulieferer der Kanti sind 25 Sekundarschulen, nämlich 19 aus dem Kanton Schaffhausen, 3 (Feuerthalen, Uhwiesen und Marthalen) aus dem Kanton Zürich, 1 (Diessenhofen) aus dem Kanton Thurgau sowie das Lernstudio Winterthur und die Rudolf-Steiner-Schule. Aus Deutschland ist dieses Jahr kein Schüler dabei. Ein Graben zwischen Stadt und Land lässt sich bei der Herkunft der Schüler kaum nachweisen.


**Schulabgänger**

*Der Amtsleiter rätselt über die Zahlren der Kanti*

Auf gut 18 Prozent hat eine Prognose des Bundes den Rückgang der Schulabgänger im Kanton Schaffhausen für die zehn Jahre zwischen 2010 und 2020 veranschlagt. Das ist weit entfernt vom Einbruch der Anmeldungen wie auch der definitiven Übertritte ans Gymnasium von 20 bis 25 Prozent in den zwei Jahren seit 2011. Rolf Dietrich, Abteilungsleiter im kantonalen Berufsbildungsamt, hatte sich daher schon bei der Bekanntgabe der Gymi-Anmeldungen über die stark rückläufigen Zahlen der Kantonsschule gewundert. Denn in der Berufsbildung sehe das Bild nicht so aus: Die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge folge jeweils der Zahl der Schulabgänger nach der 9. Klasse und schwanke niemals in diesem Ausmass. «Wir haben nirgends eine vergleichbare Entwicklung», sagt Rolf Dietrich – auch wenn sich manche Betriebe beklagten, dass es schwieriger geworden sei, anspruchsvolle Lehrstellen zu besetzen. Er kann sich den Rückgang an der Kantonsschule nicht erklären. Allein der Hinweis auf die geburtenschwachen Jahrgänge gebe keine ausreichende Begründung dafür her. (la)



Seit 2011 nimmt die Zahl der Eintritte in die Kantonsschule Schaffhausen ab. (Grün: musisch-neusprachliches Profil. Rot: mathematisch-naturwissenschaftliches Profil. Blau: sprachlich-altsprachliches Profil. Gelb: Fachmittelschule.)
Grafik PD

#Notizen zu Namen

18. April 2013 | Georg M. Frey

Schaffhauser Nachrichten

Georg M. Frey von Schaffhausen, zweisprachiger Master in Wirtschaftsrecht der Universitäten Basel und Genf, hat nach Praktika bei Bär & Karrer AG, Rechtsanwälte, Zürich und am Bezirksgericht Horgen die als sehr anspruchsvoll geltende Anwaltsprüfung des Kantons Zürich bestanden. Wir gratulieren herzlich und wünschen dem jungen Rechtsanwalt alles Gute für seine berufliche Laufbahn, die ihn ab 1. Mai 2013 wieder zur renommierten Zürcher Wirtschaftskanzlei Bär & Karrer AG führen wird.

#Notizen zu Namen

4. April 2013 | Rattern des Projektors ist Musik

Schaffhauser AZ
Peter Pfister

Seit einem guten Jahr können Ton-Nostalgiker im Internet das «Museum of Endangered Sounds» besuchen. Die Töne von Schreibmaschine und Telefonwählscheibe, das Rattern des Filmprojektors, ja sogar der erste Nokia-Klingelton sind alle verstummt und können dort online abgerufen werden. Die technische Entwicklung scheint immer schneller voranzuschreiten,
dabei bleiben manche Qualitäten der alten Technologien auf der Strecke. Diese Tatsache provoziert Gegenbewegungen. Eine davon ist die Wiedergeburt der tot geglaubten Vinylplatte. Eine andere bilden Kinofreaks, die auf die alte Projektionstechnik schwören, welche durch die laufende Digitalisierung der hiesigen Kinosäle immer mehr verdrängt wird.
Einer dieser Filmliebhaber ist der Schaffhauser Lars Wicki. Wicki ist nicht etwa ein alter Kinooperateur wie Alfredo in Giuseppe Tornatores berühmtem Film «Nuovo Cinema Paradiso», sondern ein 18-jähriger Kantonsschüler, der durchaus mit der neuen digitalen Technik umzugehen weiss, arbeitet er doch immer wieder im Kino Kiwi als Filmoperateur.

**Kino im Keller**
Zu Hause hat er mit Hilfe des Partners seiner Mutter in den letzten zwei Jahren einen Kellerraum zu einem kleinen Kinosaal mit einer drei Meter breiten und ein Meter vierzig hohen Leinwand und zwei bequemen Sofas umgestaltet. Prunkstück ist ein voll funktionstüchtiger italienischer 35-Millimeter-Kinoprojektor der Marke Cinemeccanica aus dem Jahr 1996.
Wieso steht ein 18-jähriger auf eine Technik aus dem letzten Jahrhundert? «Ich bin ganz einfach fasziniert davon, liebe es, den Filmstreifen beim Einspannen zu spüren, und das Rattern des Projektors ist Musik in meinen Ohren», erklärt Wicki. Bei der neuen digitalen Technik falle das alles weg. Das Bild sei glasklar, es fehlten das leichte Flimmern und die durchs wiederholte Abspielen entstandenen Abnützungsspuren. «Das entbehrt einfach jeglicher Magie, das ist für mich kein Kino mehr», sagt er mit Überzeugung in der Stimme.
Wie denn diese Passion fürs Kino begonnen habe, wollen wir vom jungen Mann wissen. «Meine Grossmutter besass sehr viele Super-8-Filme», erinnert er sich. «Das interessierte mich, ich kaufte mir bald auf Ebay einen alten Projektor und begann, selber Filme zu projizieren. Im Kino konzentrierte ich mich weniger darauf, was sich vorne auf der Leinwand abspielte, sondern wandte immer wieder fasziniert den Blick nach hinten zum magischen Lichtstrahl, der all die Illusionen nach vorne auf die Leinwand warf.» In der sechsten Klasse liess ihn ein Operateur im Kinepolis erstmals einen Blick in die Projektionskabine werfen. «Ich fühlte mich wie im Himmel», strahlt Lars Wicki. Erst drei Jahre später durfte er wieder in die Kabine und zum ersten Mal Filmmaterial in die Hand nehmen. «Ich glaube, da war es endgültig um mich geschehen», sagt Wicki. Sein bald darauf in der Sekundarschule zum Thema gehaltener Vortrag habe auf jeden Fall nicht mehr enden wollen, ein deutliches Zeichen von Angefressensein.

**Kinooperateur im Kiwi**
Sein Wunsch, im Kinepolis als Operateur arbeiten zu dürfen, sei ihm damals mit dem Hinweis auf sein jugendliches Alter verwehrt worden. Bald darauf durfte Lars Wicki sich aber als Praktikant im Kino Kiwi nützlich machen und hat dabei vieles gelernt, was er seit dem Erreichen des 18. Altersjahrs nun als Operateur im selben Kino gebrauchen kann. Wicki half vor kurzem auch mit bei der Umrüstung des Kinos Kiwi auf das digitale Zeitalter. Besonders freut es ihn, dass in beiden Kinosälen ein herkömmlicher Filmprojektor stehen geblieben ist. Die grosse alte 35-Millimeter-Projektionsmaschine, welche heute das Entrée des Kinos ziert, ist übrigens die erste, welche Lars Wicki besass. Es ist ebenfalls eine italienische Maschine der Marke Cinemeccanica, allerdings aus den 40er Jahren. «Alleine der Reader für die Tonspur hätte mich mehr gekostet als die Maschine, die ich heute installiert habe», meint Wicki.
Um eine neuere Maschine zu finden, habe er im Internet auf dem Filmvorführerforum eine Suchanzeige aufgegeben. «Nach vier Monaten meldete sich ein Kinooperateur aus Deutschland, wo ein Kino digitalisiert wurde. Wir wurden bald handelseinig», erzählt Wicki. Mit einem Spezialtransport kam die 182 Kilogramm schwere Maschine einige Wochen später heil in Schaffhausen an. Ganz unversehrt war sie allerdings nicht: «Beim Ausbau im Kino herrschte scheinbar ein Chaos, und alles musste husch-husch gehen. Statt sämtliche Kabel ordentlich zu lösen, wurden viele einfach durchgeschnitten», seufzt Lars Wicki. So stand er etwas ratlos vor einem riesigen Kabelsalat und hatte keine Ahnung, was wohin gehörte. «Das Einzige, was funktionierte, war der FI-Schutzschalter. Mit anderen Worten: Es hat mir immer wieder die Sicherungen rausgehauen.» Zum Glück half ihm ein befreundeter Elektroingenieur, ebenfalls ein Kinofreak, die Kabel wieder richtig anzuschliessen. Dabei lernte Wicki wieder eine Menge hinzu. Heute gebe es nur noch gelegentlich kleinere Probleme mit dem Projektor.

**James Bond und Heidemarie**
Der Filmfreak freut sich darauf, bald vermehrt Freunde und Bekannte in seinem ausgebauten Heimkino willkommen zu heissen. Allerdings sei sein Repertoire noch etwas dürftig. Lars Wicki nennt nämlich erst zwei Langspielfilme sein eigen: eine Kopie des James Bond-Streifens «Der Spion, der mich liebte», und die Johanna-Spyri-Verfilmung «Heidemarie» mit Gustav Knuth in einer Hauptrolle. Er sei noch auf der Suche nach weiteren Unterhaltungsfilmen, sagt der frischgebackene Kinobesitzer. Im Internet würden 35-Millimeter-Kinofilme heute je nach Qualität zu Preisen zwischen 130 bis 300 Euro angeboten.
Obwohl sich seine Leidenschaft am Kino und an der Projektionstechnik entzündet hatte, drehte Lars Wicki auch selber schon früh einige kleinere Filme, allerdings mit einer Digitalkamera. Und er plant nach Abschluss der Kantonsschule den Film auch zum Thema seines Studiums zu machen, sei es an der Zürcher Hochschule für Künste oder in München, wo er vor einigen Wochen mit der Kantonsschule im Fach Kommunikation und Medien einen interessanten Einblick in die Bavaria-Filmstudios gewinnen durfte.



Jetzt heisst es: Film ab! Lars Wicki beim Scharfstellen in der Projektionskabine.
Foto: Peter Pfister



Das Heimkino im Keller ist bequem und zweckmässig eingerichtet.
Foto: Peter Pfister

#Notizen zu Namen

4. April 2013 | Ein Pionier des Gewässerschutzes

Schaffhauser Mappe Magazin 1/2013
Max Ruh

Geboren wurde Otto Jaag im Jahre 1900. Er wuchs zusammen mit zwei Brüdern in Beringen auf. Unter grossen Opfern ermöglichten die Eltern den intelligenten Knaben den Besuch der Kantonsschule. Der Wissenschaftler Ernst Kehlhofer begeisterte Otto Jaag für die Botanik. Weil für ein Studium das Geld fehlte, liess er sich als Lehrer ausbilden. Er unterrichtete während dreieinhalb Jahren an der Primarschule Beringen. Ein von zwei Gönnerfamilien zur Verfügung gestelltes Darlehen ermöglichte Otto Jaag dann aber ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Genf, das er mit einer Dissertation über die Biologie des Algenpartners in der Flechtensymbiose mit Erfolg abschloss.
An der ETH Zürich fand er 1929 eine Anstellung als erster Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut, wechselte aber nach drei Jahren an das Institut für spezielle Botanik. Hier entwickelte er bis zu seiner Ernennung 1952 zum Direktor der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) eine überaus erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit, die in vielen Publikationen ihren Niederschlag fand. Er habilitierte sich auf dem Gebiet der Hydrobiologie und Kryptogamenkunde und wurde 1941 zum Titular- und 1946 zum ausserordentlichen, 1963 zum ordentlichen Professor der ETH ernannt. 1937 führte ihn eine einjährige Forschungsreise nach dem damaligen Niederländisch-Indien.
Während der Kriegsjahre konzentrierten sich die wissenschaftlichen Arbeiten Otto Jaags speziell auf die Untersuchungen des Seegrundes der Schweizer Seen. Er wies den bedenklichen biologischen Zustand mancher Gewässer nach und legte damit die Basis für seinen über drei Jahrzehnte währenden Einsatz zugunsten des Wasserschutzes. Sein bevorzugtes Untersuchungsgebiet waren für ihn Rhein, Unter- und Bodensee. Als begnadeter Lehrer vermochte er seine Studenten auf unzähligen Exkursionen zu begeistern. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass 1949 eine Schweizerische Vereinigung für Gewässerschutz gegründet wurde, der Vertreter der Wissenschaft, der Wassserwirtschaft, der Hygiene und der Fischerei angehörten. Jaag stellte sich die Aufgabe, die Behörden und die Bevölkerung aufzuklären und sie von der Unerlässlichkeit eines allgemeinen Gewässerschutzes zu überzeugen. Unermüdlich warb er in unzähligen Vorträgen und Diskussionen überall für den wenig populären, weil kostspieligen Gewässerschutz.
Im Jahre 1948 wurden ihm die Organisation und die Durchführung des XI. Internationalen Kongresses für theoretische und angewandte Limnologie in Zürich übertragen. Der Kongress wurde zu einem vollen Erfolg. Jaag gründete und leitete viele Jahre die Föderation des europäischen Gewässerschutzes. Es war der Beginn seiner Expertentätigkeit in vielen internationalen Organisationen, vor allem in der Weltgesundheitsorganisation. 1955 wurde er Mitbegründer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Müllforschung, deren Präsident er bis 1970 war.
Der Bund beauftragte im Jahre 1952 eine unter seinem Vorsitz stehende ausserparlamentarische Kommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfs zu einem Verfassungsartikel und einem Bundesgesetz über den Gewässerschutz. 1953 stimmte das Schweizervolk dem Verfassungsartikel mit 81,4 Prozent zu, was weitgehend der Aufklärungsarbeit von Otto laag zu verdanken war.
Mit grossem Einsatz bemühte er sich um die Einrichtung einer Stiftung der Wirtschaft zur Förderung des Gewässerschutzes in der Schweiz, gedacht als eine Einrichtung zur Ergänzung der Aktionen der öffentlichen Hand. Gegründet wurde sie im Januar 1962. Zu den Aufgaben der Stiftung gehörte eine breit gefächerte Aufklärungsarbeit mittels populärer Artikel über das Wesen des Gewässerschutzes in all seinen Aspekten. Es wurden aber auch Stipendien an ETH-Studenten zum Weiterstudium in den USA gesprochen.
Nach seiner Ernennung zum Direktor des Eawag baute er das Institut zu einem international renommierten Zentrum aus, an dem Limnologen in Theorie und Praxis in Dübendorf und im Seeforschungslaboratorium in Kastanienbaum ausgebildet werden.
Sein Wirken, seine wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen erfuhren unzählige in- und ausländische Würdigungen und Ehrungen. Otto Jaag verstarb 1978 in Zürich.



Otto Jaag (1900-1978) setzte sich zeitlebens Für den Gewässerschutz ein.
Bild: Stadtarchiv Schaffhausen

#Notizen zu Namen

4. April 2013 | Hermann Freuler – Der erste Grüne

Schaffhauser Mappe Magazin 1/2013
Max Ruh

Zu Recht bezeichnete der Historiker Kurt Bächtold den Rechtsanwalt Hermann Freuler als den ersten Grünen unseres Kantons. Wie niemand vor ihm führte er einen unermüdlichen Kampf um die Bewahrung des Rheinfalls vor der Beanspruchung durch die Industrie. Im Jahre 1841 wurde er in Schaffhausen geboren, er besuchte das hiesige Gymnasium und gehörte zu den Gründern der Mittelschulverbindung Scaphusia. Seine juristischen Studien absolvierte er an den Universitäten in Heidelberg, München und Zürich und verbrachte vor Studienabschluss einige Monate in Paris. Heimgekehrt, eröffnete er Mitte der 1860er-Jahre das erste Anwaltsbüro in Schaffhausen. Das von seinem Grossvater ererbte Vermögen ermöglichte eine materielle Unabhängigkeit. Er gehörte 1866 zu den Mitbegründern der «Schaffhauser Zeitung», die in Opposition zu den beiden Tageszeitungen, dem «Intelligenzblatt» und dem «Tageblatt» stand. Als alleiniger Redaktor geisselte er in scharfem Ton den unkritischen Fortschrittsglauben der Liberalen und sah in der Erweiterung der Volksrechte Gleichmacherei und Vermassung. Da die liberal-konservative «Schaffhauser Zeitung» wenig Unterstützung fand, ging sie im Februar 1868 bereits wieder ein.
Im Jahre 1867 gelang Freuler der Sprung in den Kantonsrat. Damit begann für ihn eine politische Laufbahn, welche ihn während der kommenden Jahrzehnte, oft nur für kurze Zeit, zum Mandatsträger der meisten höhern Ämter ausser demjenigen des Regierungsrats machte. Wir finden ihn im Grossen, dann im Kleinen Stadtrat, er war Präsident der Einwohnergemeinde und wie schon erwähnt Mitglied des Grossen Rates, den er mehrfach präsidierte. Mit seinen Ideen war er seiner Zeit oft voraus. Zu seinen Lieblingsideen gehörte der Plan, die Rheinufer vor weitern Überbauungen zu schützen und eine durchgehende Quaistrasse anzulegen. Am 2. Dezember 1875 wählte ihn der Grosse Rat in den Ständerat. Mit seinem Antrag, eine eidgenössische Emissionsbank zu gründen, wurde er zum Vorkämpfer der erst später gegründeten Nationalbank. Aufsehen erregte er mit seiner Kampagne zur Wiedereinführung der Todesstrafe. 1879 legte er sein Mandat nieder. Seine neue Lebensaufgabe, der er sich mit ganzer Leidenschaft widmete, fand er in der Erhaltung des Rheinfalls als Naturwunder. Ausgelöst wurde sein Wirken durch das Konzessionsgesuch der Firma J. G. Nehers Söhne & Cie, welche am rechten Rheinfallufer zur Herstellung von Aluminium ein gewaltiges Turbinengebäude zur Energiegewinnung errichten wollte. Er schrieb zahlreiche Artikel im «Intelligenzblatt» gegen die befürchtete Verschandelung des Rheinfalls und publizierte Studien, die er 1888 unter dem Titel «Rhein und Rheinfall» als Buch veröffentlichte. Bei seinen Nachforschungen stiess er auf Dokumente, welche zeigten, dass früher der ganze Rhein von Langwiesen bis nach Neuhausen unter Schaffhauser Hoheit stand. Als es um die Erteilung einer Kraftwerkskonzession auf der Zürcher Seite ging, strengte er einen Prozess beim Bundesgericht an, der 1895 zugunsten Schaffhausens entschieden wurde. Im gleichen Jahr wurde Freuler als Nachfolger des verstorbenen Gustav Schoch, diesmal vom Volk, erneut in den Ständerat gewählt. Er kämpfte gegen den Beamtenstaat und die Verstaatlichung der Bahnen und schuf sich als Einzelgänger Gegner sowohl bei den Rechten als auch bei den Linken. Einen wertvollen Beitrag im Ständerat vermochte Freuler allerdings bei der Codifikation des schweizerischen Wasserrechts zu leisten. Von seiner lokalen Tätigkeit her galt er als Fachmann. Seine Erfahrungen hatte er 1874 erworben, als der Grosse Stadtrat von Schaffhausen beschloss, die allgemeine Wasserversorgung einzuführen. Er hatte sich damals in verschiedenen Ämtern für die Erschliessung der Quellen eingesetzt.
Ab 1888 führte er bis 1900 und nochmals von 1902 bis zu seinem überraschenden Tod im Jahre 1903 neben seiner Tätigkeit als Anwalt mit gewandter Feder die Redaktion des «Intelligenzblattes». Im Nachruf, den die Zeitung schrieb, stand zu lesen: «Mag in manchen Punkten Freuler in der Städtischen, kantonalen oder eidgenössischen Politik seine eigenen, von Vielen unverstandenen Wege gegangen sein – in einigen Punkten wird ihm auch ein Gegner die Anerkennung nicht versagen; sein Kampf für die Erhaltung des Rheinfalls wird unvergessen bleiben.»



Hermann Freuler (1841-1903) hat sich als Kämpfer für die Erhaltung des Rheinfalls unendliche Verdienste erworben.
Bild: Stadtarchiv Schaffhausen

#Notizen zu Namen

4. April 2013 | Schaffhausens andere Grüne

Schaffhauser Mappe Magazin 1/2013
Karl Hotz

Im Kanton Schaffhausen war und ist halt vieles anders. Das betrifft auch das Verhältnis der Parteien zu Fragen des Umweltschutzes im weitesten Sinn. Da ergaben sich in den letzten 60 Jahren Koalitionen, die in ihrer Art fast einmalig sind. Ein gedrängter Rückblick auf ein vielfältiges Thema.

**Rheinau als Auslöser**
Der Start des Schaffhauser Sonderzuges lässt sich zeitlich genau festlegen: Alles begann am 21. Januar 1951, als der freisinnige Politiker und spätere Ständerat Kurt Bächtold als Redaktor der «Schaffhauser Nachrichten» einen flammenden Artikel gegen das geplante Kraftwerk in Rheinau veröffentlichte. Dieses stand nach über 20-jähriger Planung kurz vor dem Bau. Bächtolds Aufruf, der durch den Stau eine Verschandelung des Rheinfalls befürchtete, hatte einen riesigen Erfolg – nicht zuletzt in seiner eigenen Partei. Oskar Bek, Fridolin Forster, Hans Minder (der Vater von Ständerat Thomas Minder), Arthur Uehlinger – das sind nur einige Namen von Mitstreitern, die zum Teil über Jahrzehnte den Kern eines grossen Umweltflügels in der Schaffhauser FDP bildeten. Aus dem Aufruf resultierte schliesslich eine eidgenössische Volksinitiative, welche die Konzession für das Kraftwerk rückgängig machen wollte. 1954 wurde sie überdeutlich abgelehnt. Nur gerade der Kanton Schaffhausen sagte Ja, alle anderen Stände lehnten ab. Die übrigen Schaffhauser Parteien waren skeptisch (SP) bis deutlich ablehnend (Bauern-, Gewerbe und Bürgerpartei, die heutige SVP). Mit dem Steiner Stadtpräsident Konrad Graf unterstützte aber auch ein prominenter BGBIer das Begehren öffentlich. Die FDP selber lehnte an einem Parteitag eine Ja-Parole mit 46 zu 43 Stimmen ganz knapp ab und entschloss sich zu einer Stimmfreigabe. Der Kampf um die Rheinau hatte verschiedene Folgen. So wurde etwa der Rheinaubund gegründet, über Jahre von FDPlern und später von Koni Graf präsidiert. Dieser Koni Graf, später SVP-Ständerat, war es übrigens auch, der 1979 Bundesrat Rudolf Gnägi auspfiff, als dieser am SVP-Parteitag das Nein zur ersten Atom-Initiative vertrat. Erst später wurde der Rheinaubund die Domäne von Linken und Grünen. Ein weiteres Kind der gleichen Gruppe war auch die Randenvereinigung, die sich erfolgreich gegen Pläne für Einödhöfe auf den Randenhöhen wehrte. Sie war ebenfalls über Jahre eine Domäne der Bürgerlichen.
Auch auf Bundesebene blieb der Rheinaubund aktiv. Eine zweite Initiative wollte das Volk über Konzessionen für Wasserwerke abstimmen lassen. Sie scheiterte 1958 ebenfalls. Die Schaffhauser FDP hatte erneut Stimmfreigabe beschlossen. Die SP und (natürlich) die BGB waren erneut für ein Nein. Das Schaffhauservolk sagte wieder Ja, wenn auch knapper als 1954. Keinen Erfolg hatte auch das Referendum gegen das Spöl-Kraftwerk am Rande des Nationalparks, über das auch 1958 abgestimmt wurde. Diesmal sagte der FDP-Parteitag mit 33 zu 17 deutlich Ja zum geplanten Kraftwerk. Noch viel deutlich war übrigens damals das Ja des Vorstandes der SP Schweiz: 37 Ja-Stimmen standen nur gerade 2 Nein gegenüber.

**Atomkraftwerke änderten Vieles**
Bis Ende der Siebzigerjahre mit dem geplanten Atomkraftwerk Kaiseraugst und etwas später mit dem sogenannten Waldsterben der Kampf um den Umweltschutz in der Schweiz ganz neue, zum Teil fast gehässige Dimensionen annahm, gaben Umweltfragen relativ wenig zu reden. Sowohl die Abstimmungen über das Umweltschutzgesetz (1971) als auch das Wasserwirtschaftsgesetz (1975), das Einschränkungen in der Nutzung der Wasserkraft mit sich brachte, waren wenig umstritten und fanden grosse Mehrheiten. Auch in Schaffhausen gaben die Parteien mit wenig oder gar keinen Gegenstimmen Ja-Parolen heraus.
Die grosse Wende kam erst mit Kaiseraugst. Der letztlich erfolgreiche Kampf gegen das geplante Atomkraftwerk liess jene Konstellationen entstehen, welche heute die Umweltfragen prägen: Links-Grün gegen die bürgerlichen Parteien, um es einmal plakativ auszudrücken.
Immer wieder hatte das Volk durch Initiativen Gelegenheit, sich zur Frage «Atomkraft Ja oder Nein» zu äussern – und sagte, ausser beim Moratorium von 1990 immer Ja dazu. Die erste Initiative von 1979 stand noch ganz im Banne von Kaiseraugst. In Schaffhausen focht ein grosses Komitee für das Volksbegehren. Dabei liefen die Fronten immer noch quer durch die Parteien. Neben den alten Kämpen des Rheinaubundes wie etwa Fridolin Forster oder Gerold Meier trat auch Buchhändler Peter Meili, der für die FDP politisierte, für die Initiative ein. Mit Klaus und Erna Weckerle engagierten sich auch zwei CVPIer, obwohl ihre Partei für ein Nein votierte. Nein sagte, im Gegensatz zur schweizerischen Partei, die immer mehr ins grüne Lager abdriftete, auch der Schaffhauser Landesring. Auffallend die grosse Zahl von Pfarrern im Komitee. Auf der Liste fehlten aber auch Namen, die man aus heutiger Sicht dort erwartet hätte: Kurt Bächtold, der im Herbst des gleichen Jahres als Ständerat zurücktrat, ist genauso wenig zu finden wie die SP-Ständerätin Esther Bührer, die eher überraschend den bisherigen FDP-Sitz eroberte. Die Jungliberalen, die später mit dem Umweltforum zu den heutigen Ökoliberalen fusionierten, waren für die Initiative. Die SP ebenfalls. Die EVP, in der etliche der erwähnten Pfarrherren politisierten, gab die Stimme frei.
Schon fünf Jahre später kam es zur nächsten Ausmarchung, als mit der Atom- und der Energie-Initiative gleich zwei Volksbegehren anstanden. Die Umweltdiskussion hatte durch das Waldsterben an Schärfe zugenommenn. In Schaffhausen sorgten zudem das Projekt für eine Glasfabrik im Herblingertal und Nagrapläne für Bohrungen für ein Endlager in Siblingen für Aufregung. Auf beide Themen wird weiter unten noch eingegangen. Die EVP ging einen Schritt weiter als 1979 und war für beide Initiativen. Die SP ebenfalls. Der LdU hingegen empfahl wie die bürgerlichen Parteien ein doppeltes Nein. Bei diesen gab es allerdings auch Stimmen, die für ein Ja eintraten. So wollten etwa 11 SVPler ein Ja zur Atom- und 9 zur Energie-Initiative, unterlagen jedoch gegen 32 beziehungsweise 33 Nein. Erneut formierte sich aber wieder ein Komitee für die beiden Begehren, dem etliche Bürgerliche angehörten. So etwa der alte Kämpfer Konrad Graf, der sich an einer Pressekonferenz des Komitees dagegen wehrte, dass die Befürworter in die linke Ecke abgedrängt würden. Wieder waren 17 von 38 evangelisch-reformierten Pfarrern im Kanton Mitglied im Komitee. Die FDP widmete sogar ihre Reiattagung dem Thema Energie, an der Kurt Gehring vehement, aber vergeblich für ein doppeltes Ja warb. Gehring trat rund zehn Jahre später aus der Partei aus, enttäuscht darüber, dass es den einstigen grünen Flügel kaum mehr gab. Die drei bürgerlichen Parteien FDP, SVP und CVP waren für ein doppeltes Nein. Das links-grüne Spektrum samt Jungliberalen für ein doppeltes Ja.
Bei der nächsten Abstimmung von 1990 änderte sich an den Fronten wenig. CVP und Landesring waren allerdings nur gegen die Ausstiegs-Initiative, gaben aber für ein zehnjähriges Moratorium die Ja-Parole heraus. EVP, Jungliberale, SP und das 1987 gegründete Grüne Bündnis waren für ein doppeltes Ja. In der SVP stimmte immerhin ein Drittel der Delegierten für die Moratoriums-Initiative.

**Esther Bührer und Kurt Schüle gemeinsam**
Ebenfalls um eine Umweltfrage ging es 1992, als das Volk über eine Gewässerschutz-Initiative und einen Gegenvorschlag abstimmen konnte. Es ging um das sogenannte Restwasser, also jene Menge Wasser, die unterhalb einer Staumauer noch in einem Flussbett fliessen muss. Hier kam es zu einer gemeinsamen Aktion von alt Ständerätin Esther Bührer und Kurt Schüle, der 1991 der SP den Ständeratssitz abgenommen hatte. Die beiden schrieben allen Stimmbürgern einen Brief, in dem sie gemeinsam für die Initiative warben – Schüle gegen seine Partei, die nur für den moderateren Gegenvorschlag war. Schüle war eine Art letzter Vertreter des einstigen grünen Flügels der FDP und hatte in der Nationalratskommission den Gegenvorschlag mit formuliert, um zu retten, was zu retten war. Vergebens hatte er allerdings am Schaffhauser FDP-Parteitag für ein doppeltes Ja geworben. Im Übrigen folgten die Parolen dem inzwischen üblichen Schema von rechts und links-grün, wobei die Bürgerlichen für den Gegenvorschlag immerhin die Ja-Parole ausgaben. Dieser wurde denn in der Volksabstimmung auch deutlich angenommen, im Gegensatz zur Initiative.

**Glasfabrik und NAGRA**
Wie bereits erwähnt, stand der Umweltschutz nicht nur auf eidgenössischer Ebene zur Diskussion (wo neben Atom-Initiativen natürlich auch andere Abstimmungen zum Thema erfolgten, die hier aus Platzgründen weggelassen wurden). In Schaffhausen erregten in den frühen Achtzigerjahren vor allem Pläne für eine Glasfabrik und Nagra-Sondierbohrungen in Siblingen die Gemüter. Nicht zuletzt an diesen beiden Fragen kristallisierten sich im Kanton die heute bekannten Fronten heraus. Die SP, deren Vertreter gegen die Glasfabrik waren, nahm dabei Abschied vom Argument «zusätzliche Arbeitsplätze», das ihre Haltung noch in den Rheinau-Abstimmungen wesentlich mitbestimmt hatten. Die Diskussion um das Waldsterben, die eben entbrannt war, tat das Ihre dazu. Die Bürgerlichen hingegen anerkannten zwar die Probleme, die der Schadstoffausstoss der Glasi bringen würde, stuften aber das Arbeitsplatzargument höher ein, zumal sie ohnehin den Eindruck hatten, eine allgemeine Industriefeindlichkeit greife Platz. Die Haltungen gegenüber den Rheinaudiskussionen hatten sich also fast völlig gekehrt.
Der Streit um Sondierbohrungen der Nagra in Siblingen schliesslich gleicht den heutigen Diskussionen um die EndlagerplänefürAtommüll in Benken und allenfalls im Südranden fast aufs Haar. Auch die politischen Fronten verliefen ähnlich. Schon damals standen SPPolitiker aus dem Klettgau bei den Gegnern in der vordersten Reihe.

**Spezialfall Schaffhauser Grüne**
Den besonderen Konstellationen nach dem Rheinaukampf ist es wohl unter anderem zuzuschreiben, dass sich das Parteienspektrum im Kanton Schaffhausen etwas anders entwickelte als anderswo. Weil grüne Forderungen bis weit ins bürgerliche Lager hinein Widerhall fanden, entstand erst 1987 mit dem Grünen Bündnis eine grüne Partei. Anderswo waren diese längst etabliert und feierten 1987 – nur ein Jahr nach Tschernobyl – Triumphe bei den Nationalratswahlen. 2004 ging das GrüBü mangels Erfolg dann fast sang- und klanglos wieder ein. Dazu trug sicher auch die ökoliberale Bewegung bei, die aus den Jungliberalen herauswuchs – eine Art früher Vorläufer der Grünliberalen, die in der übrigen Schweiz erst in den letzten drei Jahren grosse Erfolge feierten. Dass die Jungliberalen viel grüner waren als anderswo, dürfte auch eine Folge des Kampfes der vielen grünen FDPIer von Kurt Bächtold bis Kurt Schüle gewesen sein, der seine Wahl zum Nationalrat 1979 nicht zuletzt seinem Umweltengagement zu verdanken hatte.



Der Kampf um den Rheinfall im Zusammenhang mit dem Bau des Kraftwerks Rheinau wurde heftig auch in der Zeitung ausgetragen.



Der Freisinnige Kurt Bächtold, später Ständerat, schrieb Anfang 1951 einen flammenden Artikel gegen das geplante Kraftwerk.



Im Frühjahr 1969 protestierten mehrere Tausend Personen bei Hemishofen – unter anderem auch Weidlingsfahrer – gegen das geplante Regulierwehr im Rhein.
Bild: B. + E. Bührer



Heute wird eher gegen Atomabfälle als gegen Stauwerke demonstriert. In Schaffhausen begann diese Bewegung, als 1988 in Siblingen Probebohrungen gemacht wurden.
Bild: B. + E. Bührer

#Notizen zu Namen

28. März 2013 | Damit Schuldenfalle nicht zuschnappt

Schaffhauser Nachrichten
Hans-Caspar Ryser

Bereits seit dem 13. März ist die Internetseite www.achtungschuldenfalle.ch der 5./6. Primarklasse Oberhallau im Netz aufgeschaltet. Sie ist das Ergebnis des aus einer Projektwoche im vergangenen Sommer hervorgegangenen und während sieben Monaten weiterverfolgten Projekts zur Schaffung einer eigenen Internetseite zu einem von der Schulklasse erarbeiteten und bestimmten Thema.
Mit der Internetseite beteiligt sich die Klasse am schweizerischen Wettbewerb «Junior Web Award» und hofft auf eine gute Rangierung mit Auszeichnung.

**Schuldenthema gewählt**
Wie Projektleiter und Lehrer Tim Schriber den SN gegenüber erklärte, habe seine Klasse, bevor sie überhaupt mit dem Erstellen einer Internetseite beginnen konnte, das zu behandelnde Thema festgelegt. Und obwohl das Thema Schulden bei seinen Schülern glücklicherweise noch nicht sonderlich aktuell sei, habe die Klasse beschlossen, diese Thematik in den Mittelpunkt des Internetprojekts zu stellen. Dieser Entscheid habe ihm eindrücklich aufgezeigt, dass das Schuldenmachen angesichts des immer grösser werdenden Angebots an Konsumgütern bereits bei Schülern ein Thema sei.

**In Projektgruppen gearbeitet**
Zur professionellen Projektabwicklung seien fünf Gruppen gebildet worden. Die erste Gruppe recherchierte die bestehenden Hilfe- und Präventionsangebote hinsichtlich des Schuldenmachens. Eine weitere Gruppe interviewte Mitschüler sowie weitere Personen aus ihrem Beziehungskreis zur Schuldenthematik, inklusive der wichtigsten Schuldenfallen. Während zwei weitere Gruppen das Maskottchen «Super Pic» in Anlehnung ans Sparschwein, inklusive Fragen zum richtigen Sparen, aufbereiteten sowie die Promotion für die Internetseite planten, machte sich die grösste Gruppe daran, die Grundlagen zur Schaffung einer Internetseite zu erarbeiten. «Das war ein Chrampf, aber uncool», schwärmte Benjamin Nützi. Zur möglichst professionellen Vertonung der Interviews habe er sogar von zu Hause ein richtiges Mischpult mitsamt den Mikrofonen mitgebracht. Die entstandene übersichtliche Internetseite gliedert sich in die Bereiche «Wir über uns, Spartipps, Links und Maskottchenfrage». Unter den Spartipps zur Vermeidung von Schulden wird empfohlen, über ein Prepaid-Abo die Handyausgaben in den Griff zu bekommen, beim Kauf von «hippen» Kleidern verschiedene Angebote zu vergleichen und Secondhandshops zu berücksichtigen, Schülerrabatte auch im Ausgang zu nutzen oder im Dorf etwas zu unternehmen. Das Maskottchen vermittelt Aufschluss, wo und wie Schüler Geld verdienen können.

**Und so geht es weiter**
Gemäss Lehrer Schriber läuft noch bis zum 3. April für die aufgeschaltete Internetseite die Publikumsbewertung, gefolgt von der Jurybewertung. Und nun hofft die Klasse aus Oberhallau, dass sie kommenden Mai im Rahmen des «Junior Web Award» nach Zürich zur Preisverleihung reisen kann.

#Allgemeines

27. März 2013 | 7 Rundgänge durch die Geschichte

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Das Haus an der Frauengasse 9 in der Schaffhauser Altstadt unterscheidet sich nicht gross von den anderen Häusern in dieser Gasse. Nichts, ausser dem Namen der Gasse, deutet darauf hin, dass sich dort im 15. und im 16. Jahrhundert das städtische Bordell befand. Besitzerin des Freudenhauses war die Stadt Schaffhausen, die es jeweils an einen Frauenwirt oder eine Frauenwirtin verpachtete. 1452 war die Frauenwirtin eine gewisse Els von Mellingen, die der Stadt jährlich eine Pacht von 24 Pfund bezahlte. 1480 wurde für den Frauenwirt eine besondere Ordnung erlassen, die vor allem dem Schutz der Prostituierten diente. So musste er ihnen Essen, bestehend aus Suppe, Fleisch und Gemüse, zu einem festgelegten Preis abgeben, den Wein musste er den Frauen und ihren Freiern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen. Besonders eifrige Bordellgänger waren Priester und Mönche, was lange Zeit geduldet wurde. Erst im 16. Jahrhundert, mit der Reformation, erhielt der Weibel der Stadt den Auftrag, geistlichen Bordellbesuchern, wenn er sie erwischte, die Kleider zu konfiszieren.

**Lücke schliessen**
Diese und ähnliche erstaunliche Fakten, die auch den meisten Einheimischen unbekannt sein dürften, finden sich im Führer «Historische Stadtrundgänge Schaffhausen», den der Historische Verein des Kantons Schaffhausen soeben veröffentlicht hat. Auf 124 Seiten werden Stadtrundgänge zu 7 verschiedenen Themenbereichen angeboten (siehe auch Kasten auf dieser Seite). Auf einem Stadtplan sind die diversen Stationen der Rundgänge verzeichnet, die mit zahlreichen Fotografien illustriert sind. Als Einstieg dient eine kurze Geschichte der Stadt Schaffhausen. «Mit diesem Führer möchte der Historische Verein eine Lücke schliessen und einen Beitrag zum Stadtmarketing leisten», erklärte Britta Leise, Präsidentin des Historischen Vereins, gestern bei der Präsentation des Führers im Haus der Wirtschaft in Schaffhausen. Der Führer dient auch als Band 86 der «Schaffhauser Beiträge zur Geschichte», die vom Historischen Verein jährlich publiziert werden.
Dank Sponsoren konnte auch eine englische Version des Führers («Schaffhausen Seven Walks Through History») produziert werden. Diese wird im Sommer an einer speziellen Veranstaltung für Englischsprachige, sogenannte Expats, die in und um Schaffhausen arbeiten, vorgestellt werden. Beide Versionen sind für jeweils 9.90 Fr. im Buchhandel sowie bei Schaffhauserland Tourismus erhältlich. Übrigens: Am Haus Frauengasse 9 kommt man beim Rundgang «Henker, Hexen, Huren» vorbei.

**Historischer Stadtführer**
Die 7 Rundgänge
Seelenheil und Gottesfurcht *Kurt Bänteli*
Wasserkraft und Pioniergeist *Hans Ulrich Wipf*
Henker, Hexen, Huren *Britta Leise*
Macht und Politik, Erker und Fassaden *Roland E. Hofer*
Salz, Wein und Getreide *Markus Furrer*
Die wehrhafte Stadt *Peter Scheck*
Ohne Wasser kein Leben *Maya Orbann*



Die Autorinnen und Autoren der «Historischen Stadtrundgänge Schaffhausen»: Kurt Bänteli, Hans Ulrich Wipf, Markus Furrer,
Peter Scheck, Roland E. Hofer, Britta Leise und Maya Orbann (von links).
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

26. März 2013 | Hier braucht es viele fleissige Hände

Schaffhauser Nachrichten
Margrith Pfister-Kübler

Mammern «Dies ist eine Arbeit, für die man viele Hände braucht», sagt Revierförster Meinrad Hugentobler und zeigt in die Steilhänge hinein, wo die Mitglieder des Lions Clubs Insel Werd und deren Familienangehörige sich behände bewegen. Sie hacken Stauden um, holzen ab, damit das Wurzelwerk kräftiger wird und so der Hang durch die vermehrte Wurzelbildung gesichert wird. Revierförster Hugentobler kommt mit der Motorsäge zu Hilfe, wo nötig, und sorgt für den sachgerechten Ablauf. Die Clubmitglieder ziehen das Geäst den Hang hinunter, säubern so, dass Licht und Wärme wieder auf den Boden kommen. «Das ist an diesem Burghügel besonders wichtig. Es ist ein Trockenstandort, wo wärmeliebende Pflanzen und Reptilien leben, die besondere Aufmerksamkeit fordern», betont der Revierförster und lenkt den Blick auf mächtige Eichen. «Auch diese Eichen kommen wieder besser zur Geltung, und die Ruine Neuburg ist jetzt gut zu sehen, wenn all das Gesträuch rundherum weg ist.» Das Abholzen stärke die Wurzeln und sei ein gutes System gegen Erosion, ergänzt Hugentobler.

**Auch die Chefärztin holzt mit**
Die Arbeit in den steilen Hängen macht allen sichtlich Spass. Hugentobler beurteilt das praktische Können der Lions-Club-Werd-Leute als einzigartig, im Handumdrehen entholzen sie im mehrstündigen Einsatz die steilen Hänge. Hansjörg Brem, Chef Amt für Archäologie Thurgau: «Wir vom Kanton und die Gemeinde Mammern sind zuständig für die Erhaltung der Burg und den Burghügel. Nicht Bargeld ist das Problem, sondern helfende Hände zu finden, die anpacken können.» Selbst Chefärztin Annemarie Fleisch Marx von der Klinik Schloss Mammern und ihr Mann Architekt Achim Marx holzen, als sei dies ihr Job. Alle Beteiligten erweisen sich als universell einsetzbar. Zur Belohnung für den ehrenamtlichen Einsatz gibt es Würste vom Lagerfeuer und Tranksame für alle Aktiven.



Grosser Arbeitseinsatz zur Hangsicherung: Mitglieder des Lions Clubs Insel Werd im steil abfallenden Gelände unterhalb der Ruine Neuburg.
Bild Margrith Pfister-Kübler

#Allgemeines

21. März 2013 | Die Suche nach der richtigen Quote

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Die Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen beträgt, schaut man nur die Kantonsschule an, 16,2 Prozent. Das liegt unter dem schweizerischen Durchschnitt der gymnasialen Maturitätsquote von 20 Prozent. Heisst das, dass die Schaffhauser Jugendlichen dümmer sind als ihre Altersgenossen in der übrigen Schweiz? Oder ist der Zugang zur Kantonsschule schwieriger als in anderen Kantonen? Was braucht es, damit diese Quote steigt? Soll sie überhaupt steigen? Mit diesen und weiteren Fragen befasste sich Stefan Wolter in seinem Referat «Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?», das er am Dienstagabend in der Kantonsschule auf Einladung des Kantivereins hielt. Wolter ist Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung und damit oberster Schweizer Bildungsforscher, zudem aber auch noch Professor am Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern sowie Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie, ebenfalls an der Universität Bern.

**Der kulturelle «Röstigraben»**
Gleich zu Beginn machte Wolter klar, dass er die im Referatstitel gestellte Frage nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten könne. Warum das so ist, führte er im Folgenden aus. Er präsentierte die Resultate verschiedener Forschungen und Umfragen zum Thema Maturitätsquote. So zeigte sich etwa, dass sich diese in der Schweiz in den letzten Jahren verdoppelt hat, nicht zuletzt darum, weil die Mädchen aufgeholt haben. Das Verhältnis unter den Kantonen hingegen blieb gleich: Die mit den hohen Quoten haben diese weiterhin, die mit den niedrigen auch. Was sind die Gründe für die Unterschiede, warum kommt Genf auf 30 und Schaffhausen nur auf 16,2 Prozent? «Hier wirken die Kultur- und Sprachunterschiede als zentrifugale Kräfte, wir haben einen ‹Röstigraben›», meinte Wolter. Für Kantone mit hoher Maturitätsquote, vor allem auch für den Kanton Genf, schälte Wolter unter anderem diese Merkmale heraus: Es besuchen mehr Jugendliche das Gymnasium, die von der Leistung her nicht dorthin gehören; da es keine Aufnahmeprüfung gibt (ihre Abschaffung wird im Kanton Zürich aktuell rege diskutiert), können sozioökonomische Faktoren eine wichtigere Rolle bei der Aufnahme ins Gymnasium spielen (mit anderen Worten: Kinder reicher Eltern haben, unbesehen von ihren Leistungen, bessere Chancen, ins Gymnasium zu kommen); in Genf schliessen über 50 Prozent, die das Gymnasium beginnen, dieses nicht ab; in der Westschweiz sind die Maturanden ein bis zwei Jahre älter als in der Deutschschweiz. Wolter präsentierte weitere interessante Vergleiche und Zahlen, auch mit anderen Ländern, zum Verhältnis Maturanden-Akademiker sowie Gymnasium–Berufsbildung. Und wie beantwortete er die Frage, die am Anfang seines Referats stand? «Es gibt nicht nur eine richtige Quote», meinte er. Die Bildungspolitik müsse sich aber zwei Fragen stellen. Erstens: Will man eine Schrotflintenpolitik wie in Genf mit seiner hohen Quote, aber einer geringeren Treffsicherheit, oder die Hochpräzisionsgewehrpolitik wie in Schaffhausen, mit einer niedrigeren Quote, aber höherer Treffsicherheit? Zweitens: Was geschieht mit dem Hochschulsystem mit seinem freien Zugang und niedrigen Studiengebühren, wenn alle Kantone ihre Maturitätsquote erhöhen wollen? «Gewisse Kantone missbrauchen das System, indem sie zu viele Maturanden produzieren und so das bisherige Hochschulsystem gefährden», erklärte Wolter. Seinem differenzierten Referat folgte eine angeregte Diskussion, die bei einem Apéro ihre Fortsetzung fand.

#Allgemeines

19. März 2013 | Die Kanti muss mit rückläufigen Schülerzahlen rechnen

Schaffhauser Nachrichten
Bodo Lamparsky

Alles spricht vom Run aufs Gymnasium. Doch im Kanton Schaffhausen melden sich immer weniger 15-Jährige dafür an. Wollten 2011 noch 303 Jugendliche an die Kantonsschule, sind es dieses Jahr nur noch 229 (SN vom Samstag). Ist die Matur also gar nicht mehr so gefragt? Kanti-Rektor Urs Saxer verneint. «Es geht nach wie vor der leistungsstärkste Drittel der Sekundarschüler an die Gymi-Aufnahmeprüfung.» Den Rückgang der Zahlen führt er auf die demografische Entwicklung zurück. Im Klartext: 2013 gibt es einfach weniger 15-Jährige als früher.
Bilden die Anmeldungen fürs Gymi effektiv die Schaffhauser Altersstruktur ab, muss sich die Kantonsschule auf eine längere Durststrecke einstellen: Nochmals richtig eingebrochen sind die Geburtenzahlen im Kanton mit dem Jahrgang 2001 – um sich danach nur ganz langsam zu erholen. Der Schülerschwund werde sich «sicher verschärfen», sagt denn auch Erziehungsdirektor Christian Amsler (FDP). Erst in den jetzigen Kindergärten ziehe der Bestand wieder an. Von einem «massiven Rückgang» sei auch die Berufsbildung betroffen. Lehrstellen blieben erstmals unbesetzt. Amsler: «Das macht vor allem dem Handwerk Sorgen.»

**Lehrbeauftragte als Puffer**
Für Kanti-Rektor Urs Saxer präsentiert sich die Lage gleichwohl «noch nicht dramatisch». Von vier Jahrgängen werde jetzt einer ersetzt. Und dieser zähle voraussichtlich ein Viertel weniger Schüler. Unter dem Strich verliere die Schule somit höchstens einen Sechzehntel ihres Bestands. Und bleibt es in der Maturitätsschule bei sieben – mutmasslich etwas kleineren – Einstiegsklassen, ändert sich für die Beschäftigung des Lehrkörpers gar nichts.
Sollte jedoch eine Klasse gestrichen werden, würden das die Lehrbeauftragten zu spüren bekommen: Jeweils nur befristet angestellt, müssten sie «die Pufferfunktion übernehmen», wie Urs Saxer sagt. Es wären dann 36 Wochenlektionen weniger zu verteilen. Folglich würden die Pensen sinken, wobei 24 Wochenlektionen einer 100-Prozent-Anstellung entsprechen. Probleme bei der Rekrutierung von Lehrkräften erwartet der Kanti-Rektor deshalb aber nicht. Schwierig zu finden seien heute einzig Physik- und Mathematiklehrer. An ihnen herrsche landesweit ein Mangel.
Die rückläufigen Schülerzahlen einfach durch eine höhere Erfolgsquote an den Prüfungen auszugleichen, scheint an der Kantonsschule kein Thema zu sein. Obwohl die Lehrkräfte dies über Prüfungsstoff und Notenschlüssel theoretisch in der Hand hätten. Zwischen 40 und 60 Prozent der Angemeldeten bestehen in Schaffhausen jeweils die Aufnahmeprüfung. Und eine Anweisung der Politik, die – eher tiefe – Maturitätsquote von 16,2 Prozent zu erhöhen, habe er keine, sagt Urs Saxer. Auch wenn Erziehungsdirektor Christian Amsler die Quote persönlich gerne «etwas höher» sähe.

#Allgemeines

19. März 2013 | Der Klimawandel bringt neue Rebsorten

Schaffhauser Nachrichten
Anne Gross

*Abschlussarbeiten 2013 – Teil III:*
**Victoria Graf untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Schaffhauser Rebberge**

Für einen Laien mag der Titel «Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Rebbau im Kanton Schaffhausen» der Maturarbeit der 19-jährigen Maturandin Victoria Graf befremdend tönen. Was hat denn der Klimawandel mit dem Anbau von Reben zu tun? Sehr viel, sagt Graf. Es gebe sowohl positive wie auch negative Folgen für den Rebbau in der Region. Zum einen habe das wärmere Klima der letzten Jahre Einfluss auf die Auswahl der Rebsorten. Die Rebbauern sagen, dass sie durch die Klimaerwärmung immer mediterranere Sorten pflanzen könnten und die Auswahl generell vielseitiger geworden sei. Zum anderen aber wirke sich die Klimaveränderung negativ auf den Gesundheitszustand der Reben aus. In den letzten zehn Jahren seien die Erkrankungen erheblich gestiegen. Ungeziefer, das aufgrund der wärmeren Bedingungen auch bei uns Lebensraum bekomme, mache sich in den Rebbergen breit. Auch die immer extremer werdenden Schwankungen des Wetters seien ein grosses Problem. Starke Niederschläge wie Hagel oder lange Trockenphasen hätten Einfluss auf das Gedeihen der Reben.
Doch wie kommt eine junge Frau, die selbst gar keinen Wein trinkt, auf dieses Thema? Der Vater der Maturandin ist Rebbauer in Stein am Rhein. Für Victoria, die im Betrieb ihres Vaters seit frühster Kindheit mithilft, war schon lange klar, dass sie sich im Rahmen ihrer Maturarbeit intensiv mit dem Rebbau im Kanton Schaffhausen beschäftigen möchte. Als im Geografieunterricht die Klimaerwärmung besprochen wurde, war Victoria «gefesselt» von diesem Thema: Sie wollte daher die Klimaerwärmung mit dem Rebbau in Verbindung bringen. Mithilfe eines Fragebogens, den sie an dreissig Rebbauern der Region verschickte, und mit drei Interviews trug Graf die wichtigsten Informationen zusammen. Das Ergebnis ihrer Überlegungen und Recherchen ist ein siebzig Seiten starkes Werk. Graf hofft, mit ihrer Arbeit der Problematik Klimawandel mit der Verbindung zum Rebbau wieder einen neuen Anstoss gegeben zu haben. Ein regionales Thema, wie der Rebbau gepaart mit der globalen Thematik Klimawandel , könnte für neuen Diskussionsstoff sorgen. Denn sobald die Menschen direkt von diesen Problemen, die der Klimawandel mit sich bringt, betroffen sind, beginnen sie darüber nachzudenken.

Alter 19 Wohnort Stein am Rhein Nach der Matur Militärdienst Titel der Maturarbeit Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Rebbau im Kanton Schaffhausen Fachbereich Geografie

#Allgemeines

16. März 2013 | «Ich halte das für reine Polemik»

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

**Interview mit Urs Saxer, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, zur Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen**

*Urs Saxer, die Wirtschaft auch im Kanton Schaffhausen beklagt einen Mangel an Fachkräften, an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Im Gegensatz dazu beginnen viele Jugendliche, die die Kantonsschule absolviert haben, ein Studium, das diesen Bedürfnissen der Wirtschaft nicht entgegenkommt. Läuft da etwas schief?*
Aus Sicht der Jugendlichen läuft es gar nicht so schief: Um die Jugendlichen wird heute vermehrt geworben; es findet ein Wettbewerb um die klugen Köpfe statt. Und da müssen sich alle Nachfrager vermehrt anstrengen.

*Warum ist das so?*
Das hat vor allem demografische Gründe. Schauen wir uns ein paar Zahlen an: 2009 hatten wir im Kanton Schaffhausen in der 2. Klasse von Sekundar- und Realschule 816 Jugendliche, 2013 sind es noch 692. Das ist ein Rückgang von gegen 20 Prozent, und diesen spüren alle grösseren Bildungsinstitutionen, in der Berufsbildung wie bei den allgemein bildenden Schulen.

*Wie macht er sich bei der Kantonsschule bemerkbar?*
Nehmen Sie die Anmeldungen für unsere Aufnahmeprüfung, die Anfang April stattfindet: Waren es 2011 noch 303 Jugendliche, die in die Kantonsschule wollten, sank diese Zahl 2012 auf 268, aktuell sind es 229. Um auf Ihre erste Frage zurückzukommen: Für die 15-Jährigen läuft es gut, denn sie werden umworben. Schief läuft es aber für die Unternehmen, weil sie teilweise Mühe haben, Lehrlinge zu finden, und für mich als Rektor der Kantonsschule, weil ich wegen sinkender Schülerzahlen weniger Lehrkräfte beschäftigen kann.

*Es gibt also weniger Maturanden und damit weniger Studierende. Wählen diese wenigstens Studienrichtungen, die von der Wirtschaft gefragt sind, oder gibt es zu viele, die nachher Mühe haben, eine Arbeitsstelle zu finden?*
Da muss man sich fragen: Welche Leute braucht die Gesellschaft? Braucht sie vor allem Ingenieure oder nicht auch kritische Geisteswissenschaftler? Im Übrigen halte ich das Gerede von der Akademikerarbeitslosigkeit für reine Polemik; die Jobaussichten sind gut. Es geht doch darum, was ein Jugendlicher will, was sein berufliches Ziel ist im Leben. Viele verzichten zum Beispiel für einen interessanten Job auf das grosse Geld. Jeder muss selber entscheiden, was ihn glücklich macht.

*Und welche Rolle spielt dabei die Kantonsschule?*
Bei der Ausbildung der Jugendlichen haben wir zwei Ziele: Wir wollen sie studierfähig machen und ihnen die vertiefte Gesellschaftsreife vermitteln.

*«Vertiefte Gesellschaftsreife»: Was heisst das genau?*
Wir wollen sie auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft vorbereiten. Wir vermitteln auch Inhalte, die nicht primär für ein Ingenieurstudium nötig sind, die aber dem Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft dienen.

*Und wie finden Sie heraus, ob Sie diese Ziele erreicht haben, und wie es bei Ihren ehemaligen Maturanden nach der Kantonsschule weitergegangen ist?*
Wir sind sehr daran interessiert, was unsere Schüler nach der Matura machen. Deshalb führen wir unter der Leitung von Professor Stefan Wolter eine wissenschaftliche Ehemaligenbefragung durch, die schon vor der Matura beginnt, ein Jahr nach der Matura wiederholt und bis sieben Jahre nach der Matura durchgeführt wird. Wir sind mit den Maturanden des Jahrgangs 2011 gestartet, und wir streben eine Rücklaufquote von 100 Prozent an. Uns interessieren auch diejenigen, die kein Studium begonnen haben; das sind immerhin zwischen 30 und 40 Prozent. Was machen die? In welchen Bereichen sind sie tätig? Sind sie mit ihrer Stellung in der Gesellschaft zufrieden?

*Ich komme auf die zwei Ziele zurück, die Sie für die Kantonsschule formuliert haben. Das ist gut und recht, aber die Wünsche der Wirtschaft können Sie ja auch nicht ignorieren.*
Uns ist nicht gleichgültig, was die Wirtschaft sagt, wenn sie mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler fordert. Darum haben wir diverse Massnahmen ergriffen. So haben wir den Laborunterricht ausgebaut, auch wenn dieser durch das Sparprogramm ESH3 teilweise wieder reduziert wurde. Wir haben zusammen mit dem Wibilea, dem Ausbildungszentrum für Berufe der Elektro- und Maschinenindustrie sowie des Formenbaus, eine Technikwoche sowie Automations-Workshops durchgeführt. Unsere Schüler können in Schaffhauser Betrieben Orientierungspraktika absolvieren, in denen sie Naturwissenschaftler bei der Arbeit erleben. Und jeder Schüler, der sich – und das gilt jetzt für alle Gebiete – auszeichnet, wird unter dem Motto «Leistung wird belohnt» in der Schule gefeiert.

*Regierungsrat Christian Amsler, seit Anfang Jahr Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz Deutschschweiz, möchte die naturwissenschaftlichen Studienrichtungen aber noch ganz anders fördern: Er hat angeregt, einen Numerus clausus für Geisteswissenschaften einzuführen. Was halten Sie davon?*
Ich habe diesen Denkanstoss gerne aufgenommen, habe aber eine klare Meinung: Ich bin grundsätzlich gegen einen Numerus clausus für Studienrichtungen, denn der Studierende, und nicht das System, sollte über die Studienrichtung entscheiden. Was man aber tun kann, ist, Anreize setzen und die Rahmenbedingungen verbessern. Aber jeder sollte weiterhin die Möglichkeit haben, zum Beispiel Theologie zu studieren, wenn er das möchte.

*Wohin geht denn über die letzten Jahre gesehen der Trend bei der Studienwahl?*
Die Diskussionen über die fehlenden Ingenieure und Naturwissenschaftler haben durchaus Auswirkungen auf die Maturanden gehabt. Dazu wieder einige Zahlen: 2010 gaben 15 Prozent an, ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen zu wollen; 2011 waren es 21 Prozent und im letzten Jahr 23 Prozent.

*Am Dienstag, 19. März, spricht Stefan Wolter auf Einladung des Kantivereins über «Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?» (siehe Kasten). Warum gerade dieses Thema?*
2012 hatten wir eine gymnasiale Maturitätsquote von 16,2 Prozent, bei einem schweizerischen Durchschnitt von 20 Prozent. Nimmt man die Berufsmaturität dazu, beträgt die Quote 35,2 Prozent (Schweiz: 33 Prozent). Für mich ist das, auch durch die Rückmeldungen, die ich habe, eine angemessene Quote. Ist es aber auch die richtige? Diese Frage müssen zum einen die beantworten, die nach dem Studium eine Existenz aufbauen wollen, zum anderen die Gesellschaft, die sich auch fragen muss, wie viel Geld sie in welche Studienrichtungen investieren will. Entscheidend sind aber für mich die Direktbetroffenen: Wurden sie von der Kantonsschule gut ausgebildet oder nicht? Die oben erwähnte Befragung dient nicht zuletzt dazu herauszufinden, welche Anpassungen es noch braucht.

*Was erwarten Sie vom Vortrag von Stefan Wolter?*
Ich möchte anhand von konkreten Beispielen wissen, wie andere Kantone und Länder mit diesen Fragen umgehen. Auch möchte ich Antworten auf die Frage, ob wir zu viele Akademiker ausbilden und wie das in Ländern wie Italien und Kanada, die voll auf die Akademisierung gesetzt haben, aussieht. Und natürlich Antworten auf die Frage, die über allem steht: Sind wir in der Schweiz bei der Ausbildung unserer Jugend auf dem richtigen Weg?

*Thema* **Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?**
*Referent* Stefan Wolter ist Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, Professor am Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern und unter anderem Präsident der Expertengruppe Berufsbildung der OECD in Paris.
*Termin* Dienstag, 19. März, 19.30 Uhr
*Ort* Kantonsschule Schaffhausen.
Im Anschluss an den Vortrag wird ein Apéro offeriert.

#Allgemeines

9. März 2013 | Jetzt kann das Dosenbier vom Band rollen

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Bei der Brauerei Falken steht seit Ende November 2012 die erste und einzige Abfüllanlage für Dosenbier in der Schweiz, die unabhängigen Brauereien für deren Abfüllungen zur Verfügung steht. Damit ist Falken in der Lage, eine Nachfrage abzudecken, die jährlich zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Bisher mussten nämlich unabhängige Schweizer Brauereien mangels Abfüllmöglichkeiten in der Schweiz ihre Biere im nahen Ausland in Dosen abfüllen lassen. Dies, weil alle anderen Abfüllanlagen für Dosenbier in der Schweiz von globalen Konzernen für deren eigenen Bedarf betrieben werden. Diese Abfüllumsätze in die Schweiz zurückzuholen ist ein erklärtes Ziel der Schaffhauser Brauerei.

**Zusätzliche Überprüfung**
«Seit der Inbetriebnahme am 26. November haben wir die Abfüllstrasse schrittweise hochgefahren», berichtet Philipp Moersen, seit Dezember 2012 neuer Verwaltungsratspräsident der Brauerei. «Wir haben die Mitarbeitenden geschult, die Abläufe feinjustiert und die Anlageteile abgenommen.» Ausserdem wurde die Anlage unter dem Aspekt der Lebensmittelsicherheit zusätzlich überprüft – als Bierherstellerin ist die Brauerei nämlich freiwillig nach dem «International Food Standard» (IFS) zertifiziert. «Unabhängige Auditoren überprüfen einmal im Jahr, ob Qualität, Abläufe und Logistik die Anforderungen erfüllen», sagt Moersen. Zusätzlich zu diesem regulären Audit musste die Brauerei ein IFS-Zwischenaudit bestehen, weil die Dosenabfüllstrasse die bestehenden Anlagen erweitert.

**Für den Ansturm gerüstet**
Nach Testabfüllungen in Blankodosen (die im Getränkemarkt übrigens ein Verkaufsrenner waren) und ersten Abfüllungen im Auftrag anderer Brauereien sei die Einschwingphase jetzt so weit fortgeschritten, «dass wir gut gerüstet sind, um saisonal höhere Abfüllkapazitäten zu bewältigen», sagt Moersen. Weil in der warmen Jahreszeit mehr Bier getrunken wird, erwartet er die grössten Abfüllvolumina in diesem Jahr für die Monate März bis September: «Für diese Periode sind wir bereits besser ausgelastet als budgetiert», sagt er. Weil die Abfüllstrasse für Dosenbier die Kapazität der gesamten Produktionsanlage erweitere, werde auch die logistische Herausforderung «sehr gross», sagt Moersen. «Zusätzlich zur bisherigen Menge an Flaschen füllen wir zwischen Mai und August rund 70 Prozent unserer Jahresmenge an Dosen ab und brauen daneben unser Biersortiment – alles zur gleichen Zeit.»
Inbetriebnahme


**Dosenkompetenzzentrum**
**Alternative zum Ausland**
*Inbetriebnahme* Die Brauerei Falken hat Ende November 2012 ihre neue Abfüllanlage für Dosenbier in Betrieb genommen. Dieses sogenannte Dosenkompetenzzentrum ist die einzige Anlage in der Schweiz, die es unabhängigen Brauereien ermöglicht, ihr Bier im Inland in Dosen abfüllen zu lassen. Die Abfüllstrasse befüllt 15 000 Dosen pro Stunde und kann neben den populären 50-cl- und 33-cl-Dosen auch 25-cl-«Slim Cans» verarbeiten. Für das laufende Jahr hat Falken bereits vertragliche Zusagen für das Abfüllen von mindestens zehn Millionen Dosen.
*Innovationssonderpreis* Ende Februar 2013 erhielt die Brauerei Falken «für ihren Mut und ihren Innovationsgeist» (Laudatio) den IVS-Innovationssonderpreis der Schaffhauser Platzbanken.

#Allgemeines

5. März 2013 | Bubentraum und Weltrekord

Schaffhauser Nachrichten
(chm)

Pure Leidenschaft erfüllt den Raum, wenn Carlo Schmid von seiner Weltumrundung als 22-jähriger Pilot unter der Flagge von Unicef erzählt. Anlässlich eines Stammes der Studentenverbindungen Commercia Schaffhausen und der Scaphusia Schaffhausen am Freitagabend wurde der junge Weltrekordhalter in die Studentenstube im Restaurant Falken eingeladen.
Mit 11 Jahren flog er das erste Mal in einem Segelflugzeug, mit 15 Jahren hat Schmid das Segelflugzeugbrevet gemacht. Zu dieser Zeit wurde auch die Idee geboren, als jüngster Pilot alleine in einem Flugzeug die Welt zu umrunden und so nebenbei auch sogleich einen Eintrag ins «Guinnessbuch der Rekorde» zu erreichen. «Wir haben uns sieben Jahre vorbereitet und viele Neins akzeptieren müssen», erinnert sich Schmid, «es wurde sogar eigens ein Song kreiert, ‹Zäme um d Welt›, welcher von Fabian Frauenfelder produziert wurde.» Trotz aller Widrigkeiten hob die Cesna sodann im vergangenen Jahr für eine 80 Tage lange Reise vom Militärflugplatz Dübendorf ab. Speziell dabei die Flugzeugkennung mit HB-RTW, angelehnt an das Projekt Round the World.

**Ein kritischer Moment**
Jedoch sollte die über 40 000 Kilometer lange Reise noch einige Herausforderungen bereithalten. In Riad waren es ein Sandsturm und Temperaturen bis 47 Grad und in Indien die Bürokratie, welche Schmid zu schaffen machte. Doch auch ein Absturz der Bordelektronik stellte ihn auf eine harte Probe. Bis das System nach 20 Minuten wieder hinaufgefahren war, musste er mit analogen Instrumenten versuchen, auf Kurs zu bleiben: «Das war ein kritischer Moment.» Ein spezielles Erlebnis war ebenso die Flugstrecke von Nagpur nach Kalkutta. Obschon der indische Wetterbericht strahlendes Wetter vorausgesagt hatte, flog Carlo Schmid vor Kalkutta in ein monsunartiges Unwetter: «Da wurde mir als Pilot aufgrund der Turbulenzen das erste Mal schlecht.» Aber auch von schönen Momenten – wie im russischen Anachir – konnte Schmid erzählen. Weil die Überfluggenehmigung auf sich warten liess, hatte er Zeit, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, arbeitete sogar einen Tag für Igor und half ihm, Alteisen vom Hafen in die Lagerhalle zu transportieren.

**Begleitet vom PC-7-Team**
Noch kurz vor dem Ziel in New York drohte das Projekt jedoch zu scheitern. Bei der vom Bazl vorgeschriebenen Kontrolle nach jeweils 50 Betriebsstunden wurden Abnützungen an Teilen der Turbine festgestellt. Die Prognose: Reparaturzeit sechs bis sieben Monate. Doch die Mechaniker liessen sich von Schmids Herzblut für das Projekt anstecken. Dank Ersatzteilen aus einer anderen Turbine und der Flexibilität aller involvierten Personen konnte Carlo Schmid als jüngster Weltumrunder nach 80 Tagen wieder in heimatliche Lüfte einfliegen. Begleitet vom PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe landete der Weltrekordhalter sodann wieder sicher in Dübendorf. «Es ist recht beeindruckend, dass eine solche Tour alleine bewältigt wurde», sagte der Berufspilot Fabian Fusina, der so die Leistung des jungen Fliegers anerkannte.



Pilot Carlo Schmid (rechts) bei seinem Referat vor den Studentenverbindungen Commercia und Scaphusia.
Bild Christoph Merli

#Allgemeines

4. März 2013 | Musikspektakel an der Kantonsschule

Schaffhauser Nachrichten
Julian Schärer

Für das Bandkonzert, das an der Kantonsschule schon zu einer gewissen Tradition geworden ist, hat sich Leiterin Christiane Mathé einmal mehr einiges einfallen lassen. Das diesjährige Programm umfasste Interpretationen von insgesamt 16 Songs, die von fünf Bands aller Altersstufen während der letzten Monate fleissig eingeübt wurden. Jazz, Rock, Pop, neuere Lieder oder grosse Hits der Musikgeschichte.
Eingeläutet wurde der Abend in der Aula durch «Hard Day’s Night» von den Beatles, vorgetragen von der jüngsten Band. Dem sechsköpfigen Ensemble war zu Beginn die Nervosität noch sichtlich anzumerken, doch bereits mit dem darauf folgenden «All I Have to Do Is Dream» der Everly Brothers hatte sich die Aufregung gelegt – den Newcomern gelang eine spürbare Steigerung. Nachdem auch «Hit the Road Jack» mit einem Applaus belohnt worden war, stand der Auftritt der zweiten Band an. Diese brachte mit den 2011 erschienen «We Are Young» von Fun und «Long Way» von 77 Bombay Street neue, moderne Elemente ein. Insbesondere der Einsatz einer Trompete verlieh den Interpretationen zusätzlichen Pepp. Gleich im Anschluss war die Bühne frei für das grösste Ensemble des Abends – zu acht wurde gleich mit einem absoluten Evergreen losgelegt, «Hotel California» der Eagles. In Anbetracht des jugendlichen Bandalters war das Zusammenspiel erstaunlich ausgefeilt. Das Kunststück, ein ansonsten schon derart ermüdend oft gehörtes Lied nochmals in jeder Hinsicht bühnentauglich zu machen, gelang vorzüglich. Hervorzuheben sind auch die gesanglichen Leistungen der beiden Vocals Cindy Manser und Jan Scheuermeier, die beim umgehend folgenden «I’ve Got You Under My Skin» von Cole Porter sogar noch einen drauflegten und eine starke Performance zeigten. Stings «Englishman in New York» wurde dann erst recht zur Kür für die nunmehr als Solistin agierende Cindy – ihre bereits so ausgereift anmutende und facettenreiche Stimme sorgte für einen ersten Höhepunkt des Abends. Mit der vierten Band kam danach ein Instrumental-Quartett zum Einsatz, das mit Stücken von Wes Montgomery, Earle Hagen und Lee Ritenour richtiggehend ein Jazzfeeling aufkommen liess: Nichts Überhastetes, kein Vocal oder Head-Gitarrist, der das Rampenlicht auf sich zu ziehen versucht hätte. Im Gegenteil, man hätte sich zuweilen gewünscht, dass der eine oder andere noch etwas mutiger, energischer aufgetreten wäre. Fulminant war dann der Einstieg der letzten Band: Lukas Heieck am Keyboard und Bassist Linus Zimmermann deuteten sogleich an, wie viel Talent in diesem Ensemble steckt. Gitarrist Jonas Brugger überzeugte mit filigranen, technisch sauberen Soli – was von den Anwesenden spontan mit einem Applaus belohnt wurde. Derweil harmonierten Roger Thöni am Sax und Samuel Grand an der Trompete klanglich hervorragend, dank Drummer Enso Aellig zusätzlich mit fetten Beats garniert. Komplettiert wurde das Septett durch Solist Amon Rether, der vor dem abschliessenden «I Got You» von James Brown lässig-locker ein wenig mit dem Publikum plauderte und dann eine fantastische Show abzog. Seine Darbietung war indes schon beinahe tourneewürdig und setzte als Highlight des Abends einen würdigen Schlusspunkt.



Das jüngste Ensemble mit (v.l.) Janosch Bohner, Noah Näf, Nina Della Pietra, Alex Plüss, Lisa Näf und (nicht im Bild) Dominic Nakamura.
Bild Bruno Bührer

#Notizen zu Namen

26. Februar 2013 | Grenze als Gleichgewicht des Schreckens – Vortrag von Christian Birchmeier: Die Schweiz an der Waffenstillstandslinie in Korea

Schaffhauser Bock, Nr. 9, 2013
und
Boote vom Untersee und Rhein
Peter Spirig

Christian Birchmeier fungierte in Korea als Verbindungsoffizier und baute das Korea-Archiv in Bern auf. In seinem Vortrag in der Volkshochschule Stein am Rhein blendete er zu Beginn zurück ins Jahr 1953, als die ersten Schweizer Soldaten nach Seoul flogen. Direktflüge gab es nicht. Die Reise führte via Frankfurt, New York, Los Angeles, Hawai und Tokyo auf die ostasiatische Halbinsel. Die Verbindung mit der Schweiz bestand zu Beginn
aus Morsezeichen. Nach einem dreijährigen Krieg, der das Leben von 4 Millionen Menschen forderte, standen sich an der Waffenstillstandslinie Nordkorea und China sowie Südkorea und die UNO mit Soldaten aus 16 Staaten gegenüber.
Waffenstillstand kontrollieren
Vier neutrale Staaten, darunter auch die Schweiz, bildeten die «Neutral Nations Supervisory Commission». Diese hatte die Aufgabe, die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zu kontrollieren. Kein einfaches Unterfangen, da es immer wieder zu Schiessereien kam. «Wir waren viel in Nordkorea, hatten aber nie Kontakt zur Bevölkerung», sagte Birchmeier. Die Kriegsparteien trafen sich zuerst zu regelmässigen Gesprächen. Doch seit einiger Zeit sind diese blockiert. Der Einsatz forderte die Schweiz auch in Sachen Uniform: Diese wurde der hohen Luftfeuchtigkeit nicht gerecht, weshalb in den 60er-Jahren «Kaki-Uniformen» angeschafft wurden.

Beim Blick auf das heutige Nordkorea war zu hören, dass die Ausrüstung der Soldaten alt, aber in grossen Massen
vorhanden sei. Was nervös mache sei die Spitzentechnologie bei Raketen.
Im vergangenen Jahr kam es zum Besuch des Korea-Archivs in Bern durch Nord- und Südkorea. Da ihre Besuche getrennt werden mussten, kam die Delegation vom Norden am Morgen, die vom Süden am Nachmittag. «Vielleicht erinnert man sich eines Tages, dass ein Volk, das gleich denkt, fühlt, schreibt und redet, einmal getrennt war», hofft Birchmeier. Doch die verwandtschaftlichen Verbindungen sterben mehr und mehr aus. Zudem gebe
es Millionen Menschen, die mit dem Unterschied von bitterarm und reich nicht zurechtkommen. Die Waffenstillstandslinie dürfte ein Gleichgewicht des Schreckens bleiben.

Kein Wachstum wegen Hunger
Christian Birchmeier freute sich über den Besuch von Walter Leu aus Unterstammheim. Dieser ist Sekretär der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Korea und erwähnte, Projekte der Agentur für internationale Zusammenarbeit des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten in Nordkorea zu begleiten. Es handle sich um Ernährungsprojekte, die vor zwei Jahren auf Grund einer Motion von Nationalrat Gerhard Pfister eingestellt wurden. Dies mit dem Argument, es gehe nicht, dass man ein solch bösartiges Regime unterstütze. Getroffen werde jedoch das nur Volk. Dies wurde Aussenminister Didier Burkhalter mitgeteilt, doch geändert habe sich nichts. Letztmals habe eine Delegation ein Waisenhaus besucht: «Ich war erst erstaunt, dass man Vier- bis Fünfjährigen Chemie- und Englischunterricht erteilt», sagt Walter Leu. Doch es habe sich herausgestellt, dass es sich nicht um Kinder, sondern um 14- bis 15-jährige Jugendliche handelte. Weil sie in den ersten Lebensjahren dermassen
Hunger leiden mussten, wachsen sie nicht mehr. Auch die Begleiter der Delegation, die von der Regierung gestellt wurden, seien erschüttert gewesen.

#Notizen zu Namen

19. Februar 2013 | Diplomatie und Militär als eigene Welt

Es ist die letzte Grenze eines Kalten Krieges, ein 4 Kilometer breiter und 241 Kilometer langer Streifen, der die koreanische Halbinsel in der Mitte durchschneidet, ein hoch gesichertes Sperrgebiet, vermint, menschenleer, ein Naturparadies.
In diesem Niemandsland, einer sogenannten demilitarisierten Zone, waltet eine fünfköpfige Schweizer Delegation ihres Amtes. Als Militärbeobachter versuchen sie den Frieden zu sichern und die Region zu stabilisieren. Der Steiner Christian Birchmeier war in den 1980er-Jahren als Mitglied der Schweizer Militärdelegation vor Ort.

*Herr Birchmeier, Nordkorea hat seine Drohung wahr gemacht und eine Mini-Atombombe gezündet. Was kann die Schweizer Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea dagegen tun?*
Die Schweizer Offiziere sind weder UNO-Blauhelme noch -Militärbeobachter (Blaumützen), denn die UNO-Flagge steht für die Allianz der 16 truppenstellenden Nationen, welche unter Führung der USA an der Seite Südkoreas
am Krieg teilgenommen hatten. Somit ist sie auf der koreanischen Halbinsel führende Partei. Das Mandat der NNSC (neutrale Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea) basiert auf dem Waffenstillstandsabkommen der Kriegsparteien. Als Armeeangehörige ihres Landes haben die NNSC-Delegierten ihren militärisch-diplomatischen Auftrag transparent und unparteilich zu erfüllen.

*Und kein anderes Land der Welt ist so abgeschirmt wie Nordkorea …*
Schweden und die Schweiz sind noch vor Ort, weil sie nach wie vor ein Mandat haben. Ihre Pflicht und Aufgabe ist vor allem die Information, und seit 2005 gilt es neue Aufgaben wahrzunehmen, welche vor allem der Förderung von Transparenz und der Vertrauensbildung dienen sollen.

*Es sind jetzt schon fast 30 Jahre her, dass Sie selber in Nordkorea stationiert waren. Wie haben Sie das erlebt?*
Es wird zwar viel geschrieben über Korea. Was aber dort effektiv passiert an der Grenze vor dem Eisernen Vorhang, ist nicht zu vergleichen mit der damaligen Situation an der Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Wenn man sieht, was vor allem in Nordkorea effektiv passiert, so etwas kann man gar nicht in Worte fassen.

*Was war denn Ihre persönliche Motivation, diese Aufgabe anzunehmen?*
Ich war damals beruflich und familiär nicht gebunden und hatte gerade mein Studium abgeschlossen. Ich wurde angefragt, ob ich gehen möchte. Als Geograf war das für mich eine einmalige Gelegenheit, zwei Jahre im diplomatischen Dienst arbeiten zu dürfen. Wir hatten Einblick in Dinge, die man als Normalsterblicher gar nicht einsehen kann. Die Diplomatie und das Militär sind diesbezüglich eine Welt für sich.

*Würden Sie nochmals gehen, wenn Sie jetzt wieder angefragt würden?*
(Ohne zu zögern) Sofort, doch bin ich heute familiär und beruflich gebunden. Das Erlebnis Korea ist in jeder Beziehung etwas Einmaliges.

*Ihre Aufgabe bestand darin, als neutraler Beobachter vor Ort Dienst zu leisten?*
Ursprünglich zählten die Waffenstillstandsüberwachung der beiden Kriegsparteien China und Nordkorea sowie Südkorea, Amerika und die UNO als Kriegspartei zu unserer Aufgabe. Früher konnte man die Waffenein- und -ausfuhr an bestimmten Punkten kontrollieren, was heute nicht mehr möglich ist.

*Konnte man sich als Schweizer im Land überhaupt frei bewegen?*
Wir NNSC-Offiziere waren die Einzigen, die sich jederzeit, also Tag und Nacht, zu den Hauptquartieren in Nord- und Südkorea frei bewegen konnten. Wir waren willkommen, reisten herum und wurden eingeladen, was heute nicht mehr möglich ist. Dadurch haben wir auch viel mitbekommen. Es war aber nicht an uns zu entscheiden, was richtig oder falsch ist. Wir wurden gerufen, um zu vermitteln, wenn es beispielsweise Grenzzwischenfälle gab.

*Bestehen heute noch Verbindungen aus dieser Zeit?*
Ja, vor allem zu Freunden aus der Botschaft, zu Offizieren oder zu Südkoreanern.

*Auch persönliche Treffen?*
Weil die Delegation und ich selber dieses Jahr 60 Jahre alt werden, reise ich im Herbst noch einmal nach Korea. Ich war 1998 zum letzten Mal dort und habe es erlebt, wie wenn es gestern gewesen wäre. Das wird bestimmt eine emotionale Angelegenheit.

*Am Freitag halten Sie einen Vortrag über die Waffenstillstandskommission. Werden Sie auch über die heutige Lage in Nordkorea sprechen?*
Aufgrund mir vorliegender Informationen werde ich die heutige Situation in menschlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht aufzeigen. Ich werde auch das Land vorstellen, damit die Zuhörer auch geografisch eine Ahnung davon bekommen, und erklären, wie es zum Krieg gekommen ist. Schliesslich ist es auch interessant zu wissen, was wir als neutrales Land dort verloren haben und was genau die Aufgaben der Militärdelegation sind.


**Zur Person**
Christian Birchmeier (60) schloss nach dem Schaffhauser Primarlehrerpatent seine Studien in Geografie, Geologie, Biologie, Schweizer Volkskunde und neuer Geschichte an der Uni Zürich als dipl. Geograf phil. II und später noch als dipl. Berufsschullehrer für Allgemeinbildung ab. Als Oberst war er bis zur Umteilung in den Armeestab zum militärhistorischen Dienst 1. Nachrichtenoffizier des Artillerieregiments 6 und Mitglied der Militärdelegation in Korea. Er ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in Stein am Rhein.


**Schweizer Delegation: Ausharren an der letzten Grenze des Kalten Krieges**
Seit 1953 leisten Schweizer Offiziere in der neutralen Militärdelegation der NNSC (Neutral Nations Supervisory Commission) an der Waffenstillstandslinie in Panmunjom (Korea) Militärdienst.
Am Morgen des 27. Juli 1953 wurde nach 573 Sitzungen der heute noch gültige Waffenstillstand zwischen den beiden Koreakriegsparteien am 38. Breitengrad in Panmunjom unterzeichnet. Damit endete der am 25. Juni 1950 durch den Angriff der kommunistischen Verbände Kim II Sungs aus Nordkorea über den 38. Breitengrad begonnene Koreakrieg gegen Südkorea. China unterstützte mit etlichen Divisionen der Volksarmee den nordkoreanischen Feldzug. Mithilfe der international zusammengesetzten UNO-Streitkräfte aus 16 Nationen unter dem Kommando des amerikanischen Generals Mac-Arthur war es gelungen, den nördlichen Aggressor wieder hinter den 38. Breitengrad zurückzuwerfen.
Die Bilanz des Krieges war erschreckend: die Nordkoreaner hatten rund 1 Million Tote und Verletzte zu beklagen, die Chinesen weitere 740 000. Die Südkoreaner zählten 833 000 Tote und Verletzte, die USA 130 000, die übrigen UNO-Nationen 15 000. Von den rund 30 Millionen Zivilisten auf der koreanischen Halbinsel waren fast 1 Million tot und gegen 1,5 Millionen verletzt. Das Land war total zerstört und in die Steinzeit zurückgebomt worden.
Das Waffenstillstandsabkommen führte zur Schaffung von zwei Kommissionen: die Militärische Waffenstillstandskommission, in der sich die verfeindeten Parteien bei Vertragsverletzung jeweils am grünen Tisch in Panmunjom zu direkten Gesprächen auf höchster militärischer Ebene einfanden, und die NNSC zur Überwachung des Waffenstillstands. Die ursprünglich aus vier Delegationen bestehende NNSC (Schweizer, Schweden, Polen und Tschechoslowaken) wurde im Zusammenhang mit dem Waffenstillstand als Waffenstillstands-Überwachungsorgan ins Leben gerufen. Bereits am 1. August 1953 trafen die ersten Schweizer Offiziere in Korea ein.
Zu Beginn der Mission bestand die Schweizer Delegation aus rund 100 Mitgliedern, und für die Neutrale Repatriierungskommission (NNRC Heimschaffungskommission für Kriegsgefangene) waren 50 Mann aus der Schweiz eingesetzt. Ihre Tätigkeit dauerte vom 10. September 1953 bis zu deren Auflösung am 21. Februar 1954. Die NNSC hingegen blieb. Ihr Bestand wurde bereits ab Mitte Juni 1956 auf 14 Mann – in den späteren Jahren dann immer weiter zurück bis auf den heutigen Bestand von 5 Offizieren (seitens der Schweiz) – reduziert. Aus militärpolitischen Gründen haben die Nordkoreaner in den 1990er-Jahren die Polen und Tschechen des Landes verwiesen, sodass heute nur noch die Delegationen aus der Schweiz und Schweden in Panmunjom anwesend sind.
(chb/Sr.)



Christian Birchmeier beobachtet im Sommer 1985 als Oberleutnant die Waffenstillstandszone in Panmunjom (Korea).
Bild zvg

#Notizen zu Namen

2. Februar 2013 | Mitglieder von neun städtischen Gremien bestimmt

Schaffhauser Nachrichten
(r.)
Die fünfzehn Mitglieder des Bürgerrats für die Amtsperiode 2013 bis 2016 hat der Stadtrat auf Vorschlag der Fraktionen des Grossen Stadtrates bestimmt. Laut Stadtverfassung wählt der Stadtrat die Mitglieder, wobei die Fraktionen des Grossen Stadtrats ein Vorschlagsrecht haben. Die Sitzverteilung im Bürgerrat ergibt sich aufgrund der neuen Zusammensetzung des Grossen Stadtrates. So hält die SVP/EDU vier Sitze, die SP-Fraktion und die FDP/JFSH-Fraktion je drei. Die ALSH kann zwei und die ÖBS/CVP/EVP-Fraktion drei Sitze beanspruchen.
Die SVP ist wie bisher mit Cornelia Stamm Hurter und Susanne Kobler sowie neu mit André Leder und Hermann Schlatter vertreten. Für die SP-Fraktion nehmen wie bisher Evelyne Ankele, Kurt Höhn und Ursula Vavassori Einsitz. Die FDP/JFSH ist wie bisher mit Dieter Amsler, Andreas Hauser und Ruth Rohner vertreten. Die ALSH ist neu mit Leonardo Pivetta und Emine Ülgen Kunz und die ÖBS/CVP/EVP-Fraktion mit ihren bisherigen Mitgliedern Herbert Distel, Domi- nique Gaido und Brigitte Oechslin im Gremium.

**Gemeindeführungsstab**
Der Stadtrat hat den Gemeindeführungsstab für die laufende Amtsperiode 2013 bis 2016 gewählt: Die Leitung liegt neu bei Sozial- und Sicherheitsreferent Simon Stocker, als zweiter Vertreter des Stadtrates nimmt Stadtpräsident Thomas Feurer Einsitz. Stabschef bleibt Walter Vogel-sanger. Zu stellvertretenden Stab-chefs wurden Christian Schneider, Leiter Kanzlei, und Gianni Dalla Vecchia, Nachrichtenverantwortlicher, gewählt. Weiter wurden in den Gemeindeführungsstab gewählt: Claudia Rudischhauser, Informationsverantwortliche, Hubert Diggelmann und Peter Weber von der Schaffhauser Polizei sowie Alois Sidler von der Verwaltungspolizei. Sacha Distel ist im Gemeindeführungsstab für den Zivilschutz und Herbert Distel und Andreas Ehrat für die Feuerwehr verantwortlich. Werner Kausch ist für den Bereich «Wirtschaftliche Landesversorgung» zuständig. Alexandra Schneider übernimmt seine Stellvertretung. Die technischen Dienste führt Hansjörg Müller, Martin Gugolz vertritt ihn. Für die Wasser- und Energieversorgung sind Arnold Störchli und Roger Brütsch verantwortlich.

**ArbeitsgruppeAttraktivierung Altstadt**
Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Attraktivierung Altstadt wurde Baureferent Raphaël Rohner gewählt. Zweiter Vertreter des Stadtrates ist Simon Stocker. Peter Wehrli von der Pro City, Thomas Peter von der IG Unterstadt und René Uhlmann für den Einwohnerverein Altstadt nehmen weiter Einsitz. Der TCS ist durch Hans Werner Iselin, Schaffhauserland Tourismus, die Wirtschaftsförderung durch Stefan Ulrich und der Hotelierverein und Gastro Schaffhausen durch Arnold Graf vertreten. Martin Schwarz nimmt für die IG Velo Einsitz. Zudem wirken Hansjörg Müller vom Bereich Tiefbau und Entsorgung, Alois Sidler von der Verwaltungspolizei und Marcel Roost von der Schaffhauser Polizei in der Arbeitsgruppe mit.

**Arbeitsgruppe Quartierverkehrskonzepte**
Für die Arbeitsgruppe Quartierverkehrskonzepte hat der Stadtrat folgende Mitglieder gewählt: Den Vorsitz übernimmt Hansjörg Müller vom Bereich Tiefbau und Entsorgung. Weiter wirken in der Arbeitsgruppe Alois Sidler von der Verwaltungspolizei, Hans Werner Iselin, Rolf Amstad, Edgar Zehnder und Karl Huss mit.

**Rebschaukommission**
Bestätigt wurden die Mitglieder der Rebschaukommission für die Amtsperiode 2013 bis 2016. Wie bisher übernimmt der Bereichsleiter Wald und Landschaft, Walter Vogelsanger, den Vorsitz. Die anderen Mitglieder sind Grossstadtrat Thomas Hauser, Kurt Zubler, Önologe, und Adrian Müller, Bewirtschafter.

**Friedhofskommission**
Der Stadtrat wählte an seiner letzten Sitzung die Mitglieder der Friedhofskommission. Von Amtes wegen den Vorsitz übernimmt neu Raphaël Rohner, Baureferent. Die bisherigen Mitglieder Gianni Dalla Vecchia, Bereichsleiter Einwohnerdienste, Felix Guhl, Bereichsleiter Stadtgärtnerei, Carl C. Rahm, Bildhauer, Peter Vogelsanger, evangelisch-reformierter Pfarrer, Stadtbaumeister Jens Andersen und Christoph Cohen, Diakon katholische Kirche, wurden wiedergewählt.

**Theater-, Kultur- und Museumskommission**
Die Theater-, die Kultur- und die Museumskommission werden neu von Bildungsreferent Urs Hunziker präsidiert.
Mitglieder der Theaterkommission sind Matthias Freivogel, Peter Boser, Katharina Furrer, Roland E. Hofer als Vertreter des Kantons, der Leiter des Stadttheaters Jens Lampater sowie der Betriebsleiter des Stadttheaters Peter Surbeck in beratender Funktion, Cornelia Stamm Hurter als Vertreterin des Grossen Stadtrats und Diane Manschott als Aktuarin.
Als Mitglieder in die Kulturkommission wurden gewählt: Jens Lampater, Kulturdienst, Christian Erne, Vertreter TapTab, Bands und freie Szene, Helene Bieler als Vertreterin der Chöre und Musikvereine, Kurt Gallmann als Vertreter von Kammgarn und TapTab, Ursula Stamm als Vertreterin der Literaturszene, Cornelia Wolf als Vertreterin der bildenden Kunst/Vebikus und Esther Hermann als Vertreterin der neueren Musikszene.
Mitglieder der Museumskommission sind Rechtsanwältin Corinna Bohrer-Peyer, Peyer’sche Tobias Stimmer-Stiftung, Jürg Cambensy, Naturforschende Gesellschaft, Markus Werner, Pro Iuliomago, Roland E. Hofer, Kulturbeauftragter des Kantons, Britta Leise, Historischer Verein, Hortensia von Roda, Sturzenegger-Stiftung, Roger Ballmer, Kunstverein, Jakob Walter, Naturforschende Gesellschaft, Matthias Wohlgemuth, Kunstfreunde, Andreas Schiendorfer, Museumsverein, und Christian Schneider, Stadtschreiber (Aktuar).

#Allgemeines

22. Januar 2013 | Schülerbesuch aus Spanien

Schaffhauser Nachrichten, Region
(fep)

Gestern Nachmittag hiess Urs Saxer rund ein Dutzend neue Schüler aus Alicante an der Kantonsschule Schaffhausen willkommen. In seiner Begrüssung betonte er, dass zentraler Punkt dieses Projekts der Austausch und der Kontakt mit Schülern und Schülerinnen aus Spanien und der Schweiz sei. «Woran es in der Welt besonders fehlt, ist Völkerverständigung», sagte Urs Saxer und dafür würden sich besonders in der Schweiz viele Möglichkeiten bieten. So solle der Austausch auch nicht bloss touristischer Natur sein, sondern das ermöglichen, wofür Reisen an sich steht: Den Horizont erweitern, neue Kulturen kennenlernen und Gespräche und Austausch ermöglichen. Rosa Maria Silva, Spanischlehrerin an der Kantonsschule, ging vertieft auf die Ziele dieses Programms ein. Diese seien nicht nur der Spracherwerb, sondern es soll ein reges Gespräch stattfinden und zudem solle aber auch die Möglichkeit gegeben werden, sich über Ängste und Befürchtungen auszutauschen. Eine «totale Immersion» in eine neue und fremde Kultur sei das Ziel.
Während der Projektwoche hatten die Schüler der Spanischklasse aus Schaffhausen selbst die Möglichkeit, dieses Eintauchen während einer Woche in Alicante umzusetzen. Auf diese Weise lernten die Schaffhauser, Kultur, Essen und Sprache in einem authentischen Umfeld kennen und lieben. Nun sind die Schüler aus Spanien dran, eine Woche in der zugeschneiten Schweiz zu verbringen. Dabei werden sie an der Kanti vor allem die verschiedenen Fremdsprachenlektionen und die Sportstunden besuchen. Denn keiner der spanischen Schüler kann bisher deutsch. Dass die Schüler nun ebenfalls eine Woche hier in der Schweiz verbringen können, ist aufgrund der Krise keine Selbstverständlichkeit.

**Krise auch in Spaniens Schulen**
Denn die Krise in Spanien geht vor allem auf Kosten der jungen Generation. Auf die Frage, wie sich die momentane Lage auf den Schulalltag auswirke und wie sie mit den Nöten und Ängsten umgingen, berichteten Esteban Chirino und Sara Ripoll, beide Schüler aus Alicante, dass an spanischen Schulen schon keine Kopien mehr im Unterricht verteilt würden, die Trams nicht mehr fahren und es oft zu Strom- und Wasserausfällen käme. «Die Lebensqualität ist allgemein einfach besser in der Schweiz», fügte Sara Ripoll noch hinzu. Nur die Menschen seien hier in der Schweiz oft viel zurückhaltender und ruhiger als in Spanien. Beide berichteten weiter, dass sie vorhätten, später einmal auszuwandern, wie es viele weitere hochqualifizierte Hochschulabgänger Spaniens derzeit tun.


Schüler aus Spanien und der Schweiz toben im Schnee.
Bild Felix Palm

#Notizen zu Namen

18. Januar 2013 | 41 Jahre im Dienste der Kantonsschule

Schaffhauser Nachrichten, Region
Giancarlo Copetti

Gedanken an seine Person sind für mich untrennbar verknüpft mit der Vorstellung eines lebenstüchtigen Menschen, der seine Energien grosszügig in den Dienst der Allgemeinheit stellt, immer dem guten Gelingen der Sache verpflichtet. Dabei frei von Eitelkeit und von jeglicher Ambition, die eigene Person in den Vordergrund zu rücken.
Er war zunächst Lehrer. Und das durch und durch. Der Jugend zugetan. Dabei geduldig, klar in seinen Ansprüchen, skeptisch gegenüber pädagogisch-didaktischen Modeströmungen. Sein Unterricht war traditionell und solide. Dieser Stil hat sich aus der einfachen Einsicht ergeben, dass der Mensch ein beschränktes Aufnahmepotenzial hat und dass sich dieses nicht beliebig vergrössern lässt. Während ihrer formativen Jahre sollen die Jugendlichen mit massvollen, bestimmt vorgetragenen Forderungen konfrontiert werden. Sie sollen lernen, Versäumnisse zu verantworten. Sie sollen aber auch die Erfahrung machen, wie förderlich Geduld und Nachsicht seitens der Erwachsenen gegebenenfalls sein können. Rainer Schmidigs Schülerinnen und Schüler haben genau das erlebt. Unzählige Generationen danken es ihm.

**Für die schulische Entwicklung**
Schon in jungen Jahren hat Rainer Schmidig seinen Einsatz über den Unterricht hinaus auf die schulische Entwicklung Schaffhausens ausgedehnt. Er hat tatkräftig daran mitgearbeitet, die BMS und die DMS (heute: FMS) zu etablieren. Später, ab 2001, hat er sich auch politisch engagiert und ist seitdem als Vertreter der EVP Mitglied des Kantonsrates und des Grossen Stadtrates. Im frühen Eintritt in die Kantonsschule als Hilfslehrer (so die damalige Terminologie) und im frühen Engagement ausserhalb des Unterrichts spiegelt sich auch der Wunsch wider, in Schaffhausen zu bleiben und hier beruflich Wurzeln zu schlagen. Rainer Schmidig ist kein Kind der Globalisierung. Nicht nur des Alters wegen, sondern auch ideell. Schon Zürich ist ihm zu hektisch und zu gross. Das ist kein Defizit, sondern vielmehr eine Stärke – die Stärke, sich zum Lokalen zu bekennen, ohne provinziell zu sein. Für die Kantonsschule Schaffhausen war es ein Glücksfall, dass sich Rainer Schmidig zunächst als Prorektor (1983–1990) und dann auch als Rektor (1990–2003) zur Verfügung gestellt hat. Er trat die Nachfolge von Rektor Ernst Trümpler an, der leider viel zu früh im Amt verstorben ist. Es galt, in raueren Zeiten einen mutigen Führungsstil zu finden, der sich weiterhin vor allen Dingen an wesentlichen Bildungsinhalten orientiert. Es galt, die von der Gesellschaft immer häufiger an die Schule herangetragenen Desiderate klar zu werten und angesichts der Vielfalt der Auffassungen, was eine gute Schule sei, einen klugen Kurs zu steuern. Dafür war Rainer Schmidig wie wohl kaum jemand anders geeignet. Das hat das damalige Kollegium wohl geahnt und hat ihn praktisch einstimmig als neuen Rektor gewünscht. Dem Wunsch ist er gefolgt, und er hat mit der ihm eigenen Souveränität das Rektorenamt angetreten und ausgeübt. Im klaren Bewusstsein seiner vielen Stärken und im ebenso klaren Bewusstsein seiner (wenigen) Schwächen. Letztere sind kaum ins Gewicht gefallen, weil er sich nie damit schwergetan hat, Aufgaben, für die er sich als nicht sonderlich geeignet sah, zu delegieren.

**Kraft, Energie, Ausdauer**
Die Arbeit an der Spitze der Schule hat Rainer Schmidig mit beneidenswerter Kraft, Energie, Ausdauer, Geduld, Sicherheit und Augenmass geleistet. Erst ein geglückter Charakter vermag aber diese Tugenden auch zu einer Haltung zu bündeln, die der Schüler- und Lehrerschaft und schliesslich der Gesellschaft zugutekommt. Alle, die es mit Rainer Schmidig zu tun hatten, haben seine grossartige Mischung aus Menschenfreundlichkeit und Intelligenz schätzen gelernt. Die Intelligenz von besonderer, facettenreicher Ausprägung. Ich spreche von einer Intelligenz, deren geistiges Auge sowohl theoretische Konstrukte wie praktische Welten zu sehen und klar Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen vermag. Einer Intelligenz, die einen sowohl zur raschen Auffassung als auch zum klugen Handeln befähigt. Einer Intelligenz auch, die Platz einräumt für menschliche Unzulänglichkeiten. Meines Erachtens wundervoll war sein Umgang mit Kritik. Er sah in ihr ein konstitutives Element für eine lebendige, geglückte und von möglichst vielen mitgetragenen Schule. Seine profunde Menschenkenntnis hat mich wiederholt verblüfft. Er kannte die Menschen, die ihn umgaben, gründlich, konnte ihre Fähigkeiten ziemlich genau einschätzen. Die Stärken versuchte er zum Wohl der Schule zu nutzen, mit den Schwächen ging er äusserst grosszügig um. All diese Qualitäten zusammen mit der Tatsache, dass Rainer Schmidig bei keiner Gelegenheit vom Ehrgeiz um die Profilierung der eigenen Person geleitet war, haben ihm einen breiten Respekt und grosse Hochachtung gesichert. Den alten Geist vollumfänglich in die neue Ära hinüberzuretten, war trotz allem nicht möglich. Zu stark wurden die von aussen rührenden Veränderungstendenzen und Erschütterungen. In Rainer Schmidigs Amtszeit fiel der unselige politische Entscheid, die Kantonsschulzeit von fünf auf vier Jahre zu verkürzen. Damit einhergehend musste das Gymnasium neu auch MAR-konform konzipiert werden. In einem schulintern schmerzlichen Prozess sind die Vorgaben umgesetzt worden. Ich wüsste nicht, wie man – will man das Kollegium nicht vollends zum reinen Befehlsempfänger degradieren – eine solch gravierende Umstrukturierung umsichtiger als Rainer Schmidig hätte leiten können. Seiner Weitsicht verdankt unser Gymnasium Profile und Stundentafeln, um die uns andere Schulen beneiden.

**Wichtige Neubauten**
Aber auch wichtige Neubauten verdankt die Schule den herausragenden konzeptionellen Fähigkeiten und dem ausserordentlichen Verhandlungsgeschick des ehemaligen Rektors. Der Bau des Verbindungstraktes mitsamt der für ein Gymnasium zwingend notwendigen Bibliothek ist noch während seiner Amtszeit entstanden. Die Basis für die Schaffung des Erweiterungsbaus, der unter anderem einer professionell geführten Mensa sowie einem Mehrzwecksaal Raum bietet, hat er gelegt. Dass diese Projekte schliesslich auch die Hürde der Volksabstimmung genommen haben, war die verdiente Ernte guter Planung und intensiver Überzeugungsarbeit. Dies sind – beispielhaft und auf keinen Fall im Sinne einer erschöpfenden Aufzählung – wichtige sichtbare Leistungen. Was Rainer Schmidig hinter den Kulissen alles zum Wohlergehen der Schule geleistet hat, wie sehr er uns Lehrerinnen und Lehrern den Rücken freigehalten hat, damit wir uns mit voller Energie und Aufmerksamkeit unserer Unterrichtstätigkeit haben widmen können, das mögen ein paar wenige erahnen, die auch einen Blick hinter die Kulissen erhascht haben. Grösse hat Rainer Schmidig auch mit dem mühelosen Akzeptieren der eigenen Entbehrlichkeit gezeigt, mit dem Gespür für den guten Zeitpunkt des Rücktritts. Nach dreizehn Jahren im Amt als Rektor zog er sich im Sommer 2003 in die zweite Reihe zurück. Gleichzeitig nahm er die Arbeit als mathematischer Experte der kantonalen Pensionskasse auf. In der Schule war er für die folgenden zehn Jahre wieder ausschliesslich als Lehrer tätig. Respektgebietender kann die innere Unabhängigkeit von Status und Ansehen kaum zutage treten.

**Bereicherung durch Familie**
Nun geht auch die Lehrtätigkeit zu Ende. Rainer Schmidig darf mit Stolz auf die insgesamt geleistete Arbeit zurückblicken und kann sich auf eine Zeit freuen, die frei fliesst, unzerstückelt von beruflichen Verpflichtungen. Diese Zeit erfährt sicher weiterhin eine Bereicherung durch seine vielköpfige Familie: Rainer und seine Frau Ruth haben sechs Kinder grossgezogen. Alle hat er als Rektor an ihrem ersten Schultag an unserer Schule willkommen geheissen, allen hat er an der Maturfeier das Reifezeugnis überreicht und alle mit Handschlag verabschiedet. Den Schmidigs ist wirklich Schönes gelungen. Und mit Bestimmtheit werden die zehn Enkelkinder im Hause Ruths und Rainers immer wieder für heitere Turbulenz sorgen. Lieber Rainer, Du warst nie ein Freund grosser Worte. Also halte ich mich jetzt knapp, überzeugt, Dir damit einen Gefallen zu erweisen. Im Namen aller an der Kantonsschule tätigen Personen wünsche ich Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute. Leb wohl!


Bild zvg

#Allgemeines

17. Januar 2013 | Ihr Gespür für Bier

Schweizer Familie, 3-2013
Jost Auf der Maur

Über die nebelverhangenen Gerstenfelder streichen Krähen und suchen im winterlichen Weiss nach verlorenen Körnern. Topfeben sind die Böden hier beidseits des Rheins auf Höhe von Weite SG und Ruggell (FL), fruchtbar und schwarz ist die Erde. Doch viel finden die Vögel nicht, die grosse Ernte der Sommergerste ist längst eingebracht und ins nahe Rebstein SG transportiert worden zur Alten Landstrasse. Da wird seit über 120 Jahren aus Gerste Bier gebraut: Sonnenbräu. Eduard Graf war der Erste. Im Wirtshaus zur Sonne zauberte der stämmige Landwirt und Politiker sein eigenes Bier. Ein nahrhaftes Dunkles. Als er sah, wie erfreulich das Resultat ausgefallen war, liess er im «Rheintaler Boten» am 30. Mai 1891 ein Inserat einrücken und verkündete frohgemut: «Von heute an Bier-Ausschank.»
Claudia Graf dreht sich um auf ihrem Stuhl und zeigt auf das Bild ihres Ururgrossvaters, der mit der Würde seiner Zeit ins moderne Büro der Sonnenbräu-Chefin blickt. «Er war Schützenhauptmann in der Armee und hatte die Brau-Anlage seinem Dienstkameraden Oberst Rohrer abkaufen können», erzählt Claudia Graf. Sie kennt die Geschichte der Sonnenbräu – es ist ihre Familiengeschichte. «Rohrer hatte in Buchs selber eine Brauerei und wollte vergrössern.»
Allein im St. Galler Rheintal habe es damals 34 Brauereien gegeben. Wo sind sie geblieben? Ausgetrunken, verschwunden, vergessen, auch das Rohrer-Bier aus Buchs SG. «Wir sind noch da», sagt Claudia Graf. Da ist kein Triumph in ihrer Stimme, sie weiss um die hohen Wogen, durch die auch ihr Unternehmen hat segeln müssen. Nach dem Ersten Weltkrieg etwa hatten die Banken die Kredite gestrichen. Sonnenbräu stand vor dem Untergang, zumal der Gründer 1918 verstorben war – die beiden Söhne blieben ohne Reserven zurück. Doch da war noch deren Mutter Annette Graf, gescheit und streng. Sie wusste in ihrer Verwandtschaft Geld frei zu machen; von da an mussten die Söhne ihr jeden Abend den Geschäftsgang rapportieren. Annette hatte den Betrieb gerettet. In Rebstein ging die Sonne wieder auf.

**Über drei Millionen Liter**
«Heute geht es uns gut», sagt Claudia Graf. «Den Grundstein zum Erfolg haben meine Vorfahren gelegt, sie hatten ein Gespür für Bier, ein sicheres Auge für die Qualität. Das hat den Ruf früh gefestigt. Das sprach sich herum, das ist geblieben.»
27 Jahre alt ist Claudia Graf. Fünfzig Namen stehen auf der Lohnliste von Sonnenbräu. Die Produktion ist bei 3200000 Litern angelangt. Die kleine Sonnenbräu hat sich als Spezialitätenbrauerei auf dem umkämpften Markt etabliert. Im November 2012 hat Claudia Graf zwei Millionen Franken für den modernsten Füll-Automaten der Schweiz, eine Flaschenwaschanlage und die automatische Reinigungsmaschine investiert, unter Fachleuten als CIP (Cleaning in Place) bekannt. Ein kerngesundes Unternehmen also. Der Ururgrossvater wäre stolz.
Von den drei «Brauerei-Töchtern», wie die Leute Claudia Graf und ihre Schwestern in Rebstein während der Schulzeit genannt haben, schien jedoch keine dem gängigen Bild einer Braumeisterin zu entsprechen. Zumal sie keine Kerle sind mit baumdicken Oberarmen, rot glänzenden Gesichtern und Lederschurz. Claudia Graf hat eine Lehre als Bankkauffrau hinter sich. Ihre beiden Schwestern sind Pflegefachfrauen. Wer sollte die Brauerei übernehmen? Die Eltern haben nie irgendeine Anspielung gemacht, ob denn nicht die eine, ja, vielleicht ein Interesse an der Brauerei haben könnte. Keine Anspielung, kein Druck, aber auch keine voreilige Nachfolgeregelung.
«Als Kind habe ich mehr gespürt denn gewusst, dass die Brauerei etwas Grosses ist und Bedeutung hat.» Claudia Graf ist vom Stuhl aufgestanden, geht nun voran und führt treppauf in den Brauereiturm, wo im Silo das Gerstenmalz auf seinen Einsatz wartet. Hier wird es entstaubt, gereinigt, geschrotet, dann fällt das Malz in die Tiefe, in die Sudpfanne, und freut sich auf das Bad in 9400 Litern reinem Wasser. Claudia Graf tätschelt die massiv gebaute Schrotmaschine, «von Bühler, Uzwil», sagt sie. «Jahrgang 1938, läuft immer noch klaglos.» Mit 16, erzählt sie, habe sie gemerkt, wie ein Wunsch in ihr Form gewann: «Ich wollte nicht einfach eine Ausbildung machen, um dann zu heiraten und daheimzubleiben.» Sie wirft ihr blondes langes Haar über die Schulter – ihre Augen haben dieselbe Stellung, den gleichen Verlauf der Brauen wie die ihres Ururgrossvaters. «Ich wollte etwas unternehmen, bewegen, etwas unter die Leute bringen.» Und just vor ihrer Nase: die Brauerei, ein Familienbesitz. Allein, sie getraute sich vorerst nicht, den Eltern von ihrem Traum zu erzählen. Zumal es ja fast ganz an Vorbildern fehlt – Margherita Fuchs von Mannstein bei der Brauerei Forst in Meran ist in Europa eine der Ausnahmen.

**Eine kluge Abmachung**
Kurz vor Abschluss der Berufsmatura weihte Claudia Graf ihre Mutter dann doch in ihren Berufswunsch ein. So gross die Freude der Eltern, so schnell ging es nun voran: Praktika in der Sonnenbräu, dann ein Jahr lang bei vier ähnlich grossen Schweizer Brauereien. «Dort habe ich von den Mitarbeitenden viel gelernt. Ich war ja eine von ihnen. Wichtig war mir auch, was sie über die Vorgesetzten sagten.» Danach die Ausbildung zur Braumeisterin bei der Münchner Handwerkskammer. Und ein weiteres Jahr für den Abschluss in Getränkebetriebswirtschaft. Im April 2012 übergab Claudia Grafs Vater ihr offiziell den Betrieb.
Vom Brauereiturm herabgestiegen, steht die Leiterin der Sonnenbräu inzwischen im Sudhaus, wo die Sudpfannen sich gemütlich wölben, kupfern schimmern. Ein sinnlicher Ort, dabei blitzblank wie alles hier. Zwei Stunden badet das Gerstenmalz im stufenweise wärmer werdenden Wasser. So gehts in den Läuterbottich. Die Flüssigkeit klärt sich, kommt zurück in die Pfanne, um bei 98 Grad gekocht zu werden. Dann erst darf der brave Hopfen auch mit ins Bad. «Die Sudpfannen sind innen mit Edelstahl ausgekleidet», erklärt die Chefin. «Aber weil es die Tradition verlangt, sind sie aussen aus Kupfer. Gehört zur Imagepflege.»
Als Claudia Graf am ersten Tag ins Büro kam, um ihre Arbeit als Geschäftsleiterin aufzunehmen, liess ihr Vater sie eine Abmachung unterschreiben. Darin heisst es, sie könne nach einem fahr ihre Aufgabe zurückgeben, ohne dass sie eine Erklärung abzugeben brauche. «Zuerst bin ich darüber erschrocken», sagt Claudia Graf: «Traute er mir die Fähigkeiten nun doch nicht ganz zu? Aber dann habe ich gemerkt, welche Grosszügigkeit darin steckt, wie befreiend das wirkte, wie klug diese Geste an mich ist.» Keine Minute habe sie den grossen Schritt seither bereut. Claudia Graf ist in die Fussstapfen ihrer Ururgrossmutter Annette getreten, hat das Unternehmen zwar nicht vor dem Ruin retten müssen, aber sie hat für die Familie die Frage der Nachfolge beantwortet. Und damit auch die Ungewissheit von den Mitarbeitenden genommen.
Nach dem Kochen wird die Flüssigkeit, jetzt heisst sie Würze, in den «Whirlpool» eingespült, damit die trägeren Stoffe wie geronnene Eiweisse, Hopfenreste und Gerstenkornspelzen sich in der Mitte zu einem handballgrossen «Trubkegel» sammeln. Die klaren 9400 Liter Würze aber ziehen darauf weiter in den Schonkocher, verlieren da unedle Geschmacksstoffe, und schliesslich gehts nach rund sieben Stunden ab durch den Kühler in die grossen Tanks im Gärkeller: sieben Tage Tanz mit der befreundeten Hefe. Alkohol entsteht, Kohlensäure. Bier. Das darf dann endlich schlafen gehen, ganze zehn Wochen, bei null Grad. Danach ist es bereit für den grossen Durst.
Claudia Graf ist Präsidentin des Gewerbevereins Rebstein und Mitglied der Freisinnigen Partei, ganz in der Tradition der Familie. Sie hat während ihrer fahre im Ausland gemerkt, dass Rebstein ihre Heimat ist, sie kocht gern mit Freunden, mag Pasta, liebt Schokolade, liest gern – Liebesromane von Nora Roberts – eine ganz normale junge Frau mit einer grossen Leidenschaft: die Brauerei.
Sie sagt: «Mein Grossvater genoss grossen Respekt bei den Mitarbeitenden,
ebenso mein Vater. Und ich, ich habe auch keine Probleme. Ob alle hinter mir stehen, weist sich vielleicht erst in schwierigeren Zeiten.» Der Unterschied zu ihrem Vater sei wohl der: «Ich bin strenger.» Ende des Jahres habe sie erstmals Qualifikationsgespräche durchgeführt. «Ich glaube, dass Menschen klar formulierte Aufgaben möchten.» Die ihre hat ihr das Leben aufgeschrieben.



Das Erbe des Ururgrossvaters: Claudia Graf und Sonnenbräu-Gründer Eduard Graf.
Foto Philipp Rohner

#Notizen zu Namen

17. Januar 2013 | «Aktiv am kulturellen Leben teilnehmen»

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Interview Edith Fritschi

*Ein neuer Zunftmeister bringt auch neue Ideen in die altehrwürdige Institution, Felix Graf. Kann man das so sagen?*
Das kann man. Ich suche den Kontakt zur Bevölkerung und die Kooperationen mit anderen Vereinen, sei es die Volkshochschule, seien es die Pontoniere, sei es der Historische Verein. Die Zunft soll aktiv am gesellig-kulturellen Leben des Städtchens teilnehmen. Und es freut mich, dass der neue Zunftmeister der Zunft zur Rosen, Ueli Böhni, ähnlich denkt. Wir treffen uns nächstens, um über gemeinsame, öffentliche Aktivitäten zu reden.

*Was schwebt Ihnen konkret vor?*
Ich würde den Steinern in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und dem Historischen Verein gerne jedes Jahr einen schönen, öffentlichen Anlass mit Apéro anbieten. Denn die Vereine haben die nötigen PR- und Marketinginstrumente.

*Und Sie haben den Zunftwein …*
Natürlich. Sobald der «Weisse Adler» baulich saniert und restauriert ist, möchte ich die grossartige gotische Stube mit der Bohlenbalkendecke und den Innenraummalereien aus der Renaissance während der Langen Nacht der Museen und während der Erzählzeit öffnen, um Objekte mit Steiner Bezug aus dem Landesmuseum zu präsentieren sowie Autorinnen und Autoren aus der Region eine Plattform zu bieten. Immer mit Zunftwein und Staaner Giige. Wir führen keine trockenen Anlässe durch.

*Wie viele sind denn geplant?*
Nach der Sanierung des «Weissen Adlers» werden es sechs pro Jahr sein. Zu dreien ist die Öffentlichkeit eingeladen, und die restlichen sind intern, wobei bei zweien von ihnen Frauen dabei sind.

*Stichwort «Weisser Adler». Können Sie zum Stand des Projektes ein paar Details nennen?*
Gerne. Mein Amtsvorgänger, Roger Fuog, hat das Projekt während Jahren mit Herzblut vorangetrieben und an einen erfreulichen Punkt gebracht. Das Schaffhauser Architekturbüro Schmid Partner AG, das für die Sanierung und Restaurierung von Hohenklingen und Bürgerasyl verantwortlich zeichnet, hat in enger Zusammenarbeit mit unserer Baukommission, in der unter anderen der im «Weissen Adler» aufgewachsene Architekt Leo Graf sitzt, ein ausgereiftes Bauprojekt und einen detaillierten Kostenvoranschlag ausgearbeitet.

*Und ist die Baueingabe schon erfolgt?*
Ja, das ist schon passiert. Und bald, im Mai oder Juni, befindet eine ausserordentliche Zunftversammlung über die bis dann hoffentlich finanzierte Realisierung des Projektes. Da wir in dem redimensionierten und überarbeiteten Projekt die hofseitige, gotische Fassade freispielen, das Kaltdach aus dem 16. und 17. Jahrhundert integral erhalten und die einzigartige gotische Stube am Rathausplatz der Öffentlichkeit zugänglich machen, hoffen wir auf eine diese denkmalpflegerischen und konzeptionellen Teile des Projektes betreffende Un-terstützung durch die Jakob- und Emma-Windler-Stiftung. Die Baukommission, in der auch der im Neubau an der Bärengasse aufgewachsene Andreas Rippmann und alt Zunftmeister Roger Fuog sitzen, arbeitet zurzeit den entsprechenden Antrag aus.

*Wie kam die Zunft überhaupt in den Besitz des «Weissen Adlers»?*
Der am Rathausplatz gelegene «Weisse Adler» wurde erst in den 1970er-Jahren gekauft. Wir haben das Zunftvermögen demonstrativ in das schmucke Bürgerhaus gesteckt, um es in Steiner Hand zu behalten. Mit der Sanierung, Restaurierung und gemischten Nutzung setzen wir ein heimatschützerisches und ein lokalpolitisches Zeichen: Wir erhalten der Öffentlichkeit ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung und schaffen damit gleichzeitig erschwinglichen Wohnraum und Arbeitsplätze im Städtchen.

*Die alte Steiner Herrenstube – seit 1800 die «Zunft zum Kleeblatt» –, was ist das? Und was wollen ihre Mitglieder?*
Bei aller Gemeinsamkeit ist die Zunft doch für jeden ein wenig etwas anderes. Das trifft für mich zu sowie für meinen Vater Koni, der 24 Jahre lang Zunftmeister war. Auch für Konis Vater Louis hatte die Zunft eine spezielle, individuelle Bedeutung. Kommt hinzu, dass jede Zünfterfamilie das Zunftleben mit anderen, familienspezifischen Traditionen, Treffen und Erinnerungen verbindet. Aber so viel Gemeinsames würden alle unterschreiben: Die Zunft zum Kleeblatt ist ein Stück Heimat, ein familiärer Treffpunkt und eine Stube, im übertragenen und im konkreten Sinne. Der alte Stubencharakter ist historisch wichtiger als der Zunftcharakter.

*Zünfte sind ja reine Herrenclubs. Ist das denn noch zeitgemäss?*
Als Herrenclub würde ich sie nicht bezeichnen. Aber als Männerbünde. Diese haben ihren historischen Platz und gehören sozusagen zu den heute oft zitierten, immateriellen Kulturgütern, die es, wie andere auch, zu konservieren und zu kuratieren gilt. Aber nur am Jahresbott, am Stephanstag, und an ausserordentlichen Mitgliederversammlungen, die den geschäftlichen Teil des Zunftlebens betreffen. Die anderen Anlässe finden mit Frauen und Kindern statt. Ich würde den Teilnehmerkreis an den Zunftanlässen gerne auch auf die Schwestern, Mütter und Töchter von Zünftern ausweiten. Und mit ihnen zusammen die schöne Tradition des Kartenspiels in der Zunft wieder aufnehmen …

*Welche Rolle spielt der Jass denn in der Zunft?*
Das Kartenspiel stand während Jahrhunderten im Zentrum der Stubengeselligkeit. Das ist in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten. Daran würde ich gerne anknüpfen. Und gleichzeitig eine neue Tradition schaffen. Sobald wir die gotische Stube im ersten Stock des «Weissen Adlers» zur Verfügung haben, soll einmal im Jahr, im Februar, ein grosser Zunftjass mit Käsefondue und kleinen verbalen Exkursen, zum Beispiel zur Geschichte des Fondues oder des Jassens, stattfinden. Ganz klar mit Frauen. Und wie ich höre, besteht schon reges Interesse …

*Sie sagten, Sie möchten eine Politik der Öffnung praktizieren. Was steht hierzu noch an?*
Ich meine, dass es genug Steiner Bürger gibt, die sich an irgendeinem Zipfel für das Städtchen engagieren und einsetzen. Leute also, die positiv auffallen und in einem lebendigen «Kleeblatt» gerne dabei wären. Sie alle sollen bei uns eine Heimat finden.

*Das heisst, dass Sie mehr Mitglieder möchten?*
Nein, wir wollen nicht mehr Mitglieder. In der gotischen Stube im «Weissen Adler» haben nur knapp 40 Personen Platz. Aber wir möchten mehr Mitglieder, die in Stein am Rhein aufgewachsen sind oder in Stein am Rhein wohnen und am Zunftleben aktiv teilnehmen. Die Neubesetzung und Verjüngung des Vorstandes um Werner Schmid als Zunftverwalter und Leo Graf als Beisitzer schafft dafür gute Voraussetzungen.

*Welche denn?*
Albert Graf, der das Amt des Stubenmeisters von Mike Stoll übernimmt, ist ebenfalls vor Ort, und Zunftschreiber Alexander Rubli ist in Ramsen aufgewachsen und mit den Steiner Verhältnissen bestens vertraut. Bei der Öffnung legen wir grossen Wert auf eine gute berufliche, politische und weltanschauliche Durchmischung. Das Ziel meiner ersten Amtszeit wäre, dass am Zunftbott 2016 wieder 30 bis 40 Zünfter teilnehmen – statt 20 bis 30 wie jetzt – und dass die Zunft zum Kleeblatt wieder ein selbstverständlicher und integrierender Bestandteil des regen geselligen und kulturellen Lebens im Städtchen ist.

*Wie viele Mitglieder hat die Zunft derzeit, und wer kann überhaupt Mitglied werden?*
Wir sind zurzeit 80 «Kleeblatt»-Zünfter. Wer Steiner Bürger ist und als Gast an drei Zunftanlässen teilgenommen hat, kann dem Zunftmeister ein schriftliches Aufnahmegesuch einreichen. Über die Aufnahme von Neumitgliedern entscheidet die Hauptversammlung am Stephanstag.



Der neue «Kleeblatt»-Zunftmeister Felix Graf will Altbewährtes beibehalten und durch Neues ergänzen.
Bild Edith Fritschi



Das Haus zum «Kleeblatt», nach dem die Zunft heute benannt ist, war das Gästehaus des Klosters Sankt Georgen. Auf dem Hans Asper zugeschriebenen Holzschnitt von 1548 (unser Bild) sind die «Herrenstube» unmittelbar unterhalb der Rheinbrücke und das heute noch bestehende «Kleeblatt» oberhalb der Brücke zu sehen. Die «Herrenstube», eine vornehme Stubengesellschaft mit Wurzeln im Spätmittelalter, wurde um 1800 in «Zunft zum Kleeblatt» umbenannt, weil sie aus der baufälligen «Herrenstube», einem dem heutigen «Rheinfels» vorgelagerten Riegelbau, in das neu erworbene «Kleeblatt» umgezogen war. Beide Bauten sind gut auf einem Holzschnitt in der Eidgenössischen Chronik von Johannes Stumpf zu sehen, die im Jahre 1548 erschienen ist. Es handelt sich bei dieser Illustration, dies nur nebenbei bemerkt, um die älteste gedruckte Darstellung von Stein am Rhein.
Bild zvg/Zentralbibliothek Zürich

#Notizen zu Namen

16. Januar 2013 | Eine Wahl mit wehenden Fahnen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Nach der Bekanntgabe des Wahlresultats konnte man ein für den Schaffhauser Ratssaal seltenes Schauspiel beobachten: Von der Zuschauertribüne aus wurden Fahnen geschwenkt, jene des Turnvereins Hemmental, jene des Frauen- und Töchterchors Hemmental 1940 und auch die alte Gemeindefahne des Dorfes. Kein Wunder, hatte der Grosse Stadtrat doch kurz zuvor mit Daniel Schlatter (SP) einen der Ihren zum Präsidenten gekürt – und das mit 33 der 35 möglichen Stimmen. Schlatter hatte die Sitzung bereits eröffnet, damals aber noch in seiner alten Funktion als 1. Vizepräsident des Rates, denn dem Ratspräsidenten 2012, Raphaël Rohner, war es als neuem Stadtrat nicht erlaubt, den Rat auch nur kurzzeitig noch zu führen.
Seine Antrittsrede hielt Schlatter dann aber als neuer Chef auf dem Bock: Er dankte dem Rat für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und rief dazu auf, «mit Optimismus an die Beratung neuer Geschäfte zu gehen», aber auch die Meinung des jeweils anderen zu respektieren und die Hand für Kompromisse zugunsten der Stadt zu ermöglichen. Er ermahnte die Ratsmitglieder, «dass wir nicht im Rat sitzen, um glücklich zu werden, sondern um unsere Pflicht zu erfüllen». Mit Blick auf die Finanzlage warnte er vor übertriebenen Sparmassnahmen: «Es wird verschwiegen, dass es der Mehrheit von uns gut geht», sagte Schlatter und forderte dazu auf, sich auch für jene einzusetzen, denen es nicht so gut gehe. Anschliessend konnte sich der Rat der Wahl des 1. Vizepräsidenten zuwenden, eine Überraschung blieb aber aus: Die ÖBS schlug den bisherigen 2. Vizepräsidenten Georg Merz (ÖBS) für das Amt vor. Der Rat hiess diesen Vorschlag mit 31 Stimmen gut. Turnusgemäss war es an der SVP, einen Kandidaten für das 2. Vizepräsidium (und damit für die Präsidiumslaufbahn) zu nominieren, und die Partei schlug eine Frau vor: Cornelia Stamm Hurter wurde vom Rat mit 33 Stimmen gewählt. Dass es sich gestern um eine Ratssitzung mit besonderer Hemmentaler Prägung handelte, wurde übrigens schon am Anfang deutlich: Daniel Schlatter gratulierte nämlich Hermann Schlatter (SVP), dem zweiten Hem- mentaler im Grossen Stadtrat, zur am 21. Dezember erfolgten Eintragung der Partnerschaft. Also alles in Minne gestern? Mitnichten. Nach der Wahl der 2. Vizepräsidentin prallten die Meinungen erstmals aufeinander: Die Geister schieden sich an der Frage, ob man zwei oder neu drei Stimmenzähler bestimmen sollte. Die Fraktionspräsidenten hatten sich vorgängig auf drei geeinigt, wobei der SVP/EDU-Fraktion als stärkster Fraktion ein zweiter Sitz im Ratsbüro zugestanden worden wäre. Theresia Derksen (CVP) beantragte jedoch, auf den dritten Stimmenzähler zu verzichten – sehr zur Überraschung und zum Missfallen von SP und SVP. Voten aus der FDP sprachen sich allerdings auch für eine reduzierte Variante aus, dies vor allem mit Verweis auf die möglichen Einsparungen. Es half nichts: Mit 17 gegen 12 Stimmen hielt der Rat an den besprochenen drei Stimmenzählern fest, in diese Funktion gewählt wurden Martin Egger (FDP), Andi Kunz (AL) und Hansueli Scheck (SVP). Keine Chance hatte ein Antrag von Till Hardmeier, der verlangte, die Behandlung der Bauabrechnung des Künzle-Heims sei vorzuziehen und im vereinfachten Verfahren – also ohne vertiefte Diskussion – zu behandeln. Gleichzeitig sollte die für nächsten Dienstag traktandierte Vorlage zur künftigen Rolle von Stadtschulrat und Vorsteher verschoben und die Sitzung gestrichen werden: Das wurde mit 19 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Dafür verlief die anschliessende Wahl der ständigen Kommissionen reibungslos (siehe folgende Seite). Gestritten wurde wiederum über das letzte Traktandum: die Wahl der 30 Stimmenzähler für das Wahlbüro der Stadt Schaffhausen. Bisher wurden diese 30 freiwilligen Helfer in stiller Wahl vom Volk bestätigt. Neu werden sie vom Parlament gewählt. Weil gemäss Kantonsverfassung aber keine Familien mehrfach im Wahlbüro vertreten sein dürfen und unter den Kandidaten drei Ehepaare sind, entbrannte eine heisse Diskussion über die korrekten Wahlmodalitäten. Am Schluss wurde das Traktandum auf eine kommende Sitzung verschoben – damit die Gesellschaft zum gemütlichen Teil des Abends übergehen konnte.

Gewählte Vertreter: Verwaltungskommissionen
Städtische Werke Alfred Tappolet (SVP), Katrin Huber Ott (SP), Till Hardmeier (JFSH), Theresia Derksen (CVP) KSS Edgar Zehnder (SVP), Nihat Tektas (FDP), Bea Will (AL) VBSH Mariano Fioretti (SVP), Urs Tanner (SP)



Leiten zusammen den Grossen Stadtrat 2013: Ratspräsident Daniel Schlatter (SP, Mitte), 1. Vizepräsident Georg Merz (ÖBS) und 2. Vizepräsidentin Cornelia Stamm Hurter (SVP).
Bild B. + E. Bührer

#Notizen zu Namen

16. Januar 2013 | Neuer Kantonstierarzt

Schaffhauser Nachrichten, Region
(r.)

Der Regierungsrat hat Peter Uehlinger, Thayngen, zum neuen Kantonstierarzt ernannt. Der 44-jährige Peter Uehlinger führt seit 2009 eine eigene Tierarztpraxis in Beringen und Thayngen. Seit 2009 amtet er zudem in einer Teilzeitfunktion als stellvertretender Kantonstierarzt. Peter Uehlinger übernimmt seine neue Tätigkeit am 1. Juli 2013. Er ersetzt den in Pension gehenden Urs Peter Brunner.


#Aktivitas

11. Januar 2013 | Bierzeitung vom Weihnachtscommers 2012

Für alle, die die Bierzeitung verpasst oder auf dem Heimweg vom Weihnachtscommers verloren haben. Bei der Aktivitas gibt es noch Exemplare für Fr. 6.50 zu kaufen.

bierzeitung_2012_klein.pdf

#Allgemeines

7. Januar 2013 | Feines Gespür für ein herbes Getränk

Migros-Magazin, Portrait
Almut Berger

Wer hats erfunden? Die Mesopotamierinnen — mit Betonung auf -innen —, vor rund 7000 Jahren und als Nebenprodukt der Brotbäckerei. Auch später waren Bier und Frau kein Widerspruch: So erhielt im Mittelalter die Braut als Mitgift einen Braukessel, und statt zum Kaffeekränzchen luden Frauen ihre Nachbarinnen zum «Bierkränzchen» ein. Selbst der erste wissenschaftliche Bericht darüber, was der Hopfen im Bier bewirkt, wurde von einer Frau verfasst, der Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen.
Heute liegt das Hopfen- und-Malz-Geschäft mehrheitlich in Männerhand. Von den 489 steuerpflichtigen Inlandbrauereien der Schweiz werden gerade mal zwei von Frauen geleitet, hiesige Braumeisterinnen gibt es sogar nur eine. Auch die Abnehmer des Gerstensafts sind in erster Linie männlich: Von den 4,63 Millionen Hektolitern, die im letzten Braujahr konsumiert worden waren, rannen bloss 14 Prozent durch weibliche Kehlen. Fazit: Frauen mögen einfach kein Bier. Falsch, sagt Claudia Graf, Chefin der Sonnenbräu AG in Rebstein SG. Sie ortet vielmehr «eine Art Rollenverteilung» in den Köpfen von Herrn und Frau Schweizer: Während er ein grosses Bier trinke, halte sie sich an einem Glas Wein oder einem Cüpli fest, oder, wenn es hochkomme, auch mal an einem «Herrgöttli». Falsch, sagt auch Diana Fry, Biersommelière aus Neerach ZH. Viele Frauen hätten einfach noch nicht das passende Bier gefunden. Während sie in Kursen Interessierten die Produkte unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien näherbringt, macht sich Bierliebhaberin Monika Saxer aus Zürich übers Internet für ihre Leidenschaft stark: Auf ihrer Website, Bierwandern, serviert sie Tourenvorschläge, an deren Ende jeweils ein lokales Bier steht.

www.bier.ch
www.bierig.ch

**Claudia Graf, Bierbrauerin: Den Platz behauptet**

«Vor 20 Jahren dachte man, dass nur Grossbrauereien gutes Bier machen können.» Braumeisterin Claudia Graf beweist das Gegenteil.
Nach fünf Wochen Maschinenstillstand hat die Rheintaler Spezialitätenbrauerei soeben wieder ihre Produktion aufgenommen. Entsprechend viel um die Ohren hat Sonnenbräu-Chefin Claudia Graf (27). Grund für die Zwangspause war die Sanierung der Abfüllerei. Zwei Millionen Franken haben die neue Flaschenwaschmaschine und die Abfüllanlage gekostet. Heute können in Rebstein SG 13’000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden, 5000 mehr als bisher, wie die Brauerin stolz erklärt. «Damit verfügen wir über die modernste Abfüllanlage der Schweiz, ein grosser Schritt zur Erhaltung unserer Eigenständigkeit.»
Eigenständig zu bleiben, den Platz zwischen den Grossen wie Schützengarten in St. Gallen oder Locher in Appenzell zu behaupten, so lautet das Mantra von Claudia Graf. Sie hat im April die Leitung der Sonnenbräu von ihrem Vater Arnold übernommen und setzt damit eine Tradition fort, die 1891 von ihrem Ur-Ur-Grossvater Eduard Graf, Landwirt, Gemeinderatsschreiber und Ammann von Rebstein, mit der Gasthausbrauerei Zur Sonne begründet worden war. Lange schien es, als wäre nach der vierten Generation Grafscher Brauer Schluss. Während ihre beiden Schwestern Pflegeberufe ergriffen, machte Claudia Graf erst einmal eine Banklehre. Dass sie dann doch noch in den Familienbetrieb einstieg, habe ihre Eltern wohl am meisten überrascht, wie sie sagt. Praktika in diversen Schweizer Brauereien folgte die Ausbildung zur Braumeisterin und Getränkebetriebswirtin in München. «Spätestens dann ist der — nicht wirklich ernst gemeinte — familieninterne Ruf nach einem Bierbrauer-Schwiegersohn verstummt.»
Die 27-Jährige ist nicht nur die jüngste Geschäftsführerin einer Schweizer Brauerei, sondern auch die einzige Braumeisterin der Schweiz. Damit ist sie eine doppelte Exotin in einem Geschäft, das von Männern geprägt wird, auch als Konsumenten. Und hier sieht sie ihre Chance: Sozusagen als erste Tat hat sie mit Diva ein süssliches Wein-Bier-Mischgetränk entwickelt. Mit dem will Claudia Graf Frauen Bier und natürlich auch ihr weiteres Sortiment schmackhaft machen. Dieses besteht aus 19 Biersorten. Produziert wird die jährliche Produktion von 3,2 Millionen Litern von 45 Mitarbeiter.
Ursprünglich standen im Rheintal 34 lokale Brauereien, überlebt hat nur Sonnenbräu. Dass das so bleibt, darauf stösst Claudia Graf an — mit einem grossen Weizengold aus eigenem Sud notabene.

www.sonnenbräu.ch

**Monika Saxer, Bierwanderin: Der schönste Durst**

Monika Saxer (59) hat zwei Leidenschaften: Wandern und Bier. Darum legt sie ihre Touren jeweils möglichst so, dass die müde Wanderin am Ende eine traditionsreiche Gasthausbrauerei, eine Beiz mit lokalem Bierausschank, erreicht. Zumal es, wie sie sagt, vom Wandern den schönsten Durst gibt.
Auf ihrer selbst gestalteten Homepage stellt die kaufmännische Angestellte aus Zürich «all die Oasen in der Wüste der grossen Bierkonzerne» vor, die sie erwandert hat. 73 Touren quer durch die Schweiz sind es bisher, von A wie Allschwil BL mit Ziel Basler Schifflände, wo es im Restaurant Lällekönig alle Basler Biere im Offenausschank gibt, bis Z wie Zürichberg, wo nach zwei Stunden Marsch die Gasthausbrauerei Linde Oberstrass mit einem eigenen «Huusbier» lockt. Auf der Website befinden sich aber auch fünf Tourenvorschläge für Deutschland und sogar einer für das klassische Weinland Frankreich — «alles Feriensouvenirs».
Die Bierwanderin ertüftelt ihre Routen jeweils zuerst mithilfe des Tourenplaners auf der Website von Schweiz mobil, der ihr Distanzen und Höhenmeter frei Haus liefert, bevor sie in die Wanderschuhe steigt. Unterwegs macht sie sich dann laufend Notizen. «Häufig fotografiere ich auch die Wegweiser. Das hilft mir zu Hause, eine verständliche Wegbeschreibung zu verfassen», sagt sie.
Viele ihrer Wanderziele hat die Bierwanderin dem «Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien» des Eidgenössischen Finanzdepartements entnommen. Manchmal wird sie aber auch direkt von lokalen Bierproduzenten angegangen. «Als ich eine Wanderung mit Ziel Luzerner Rathausbrauerei aufgeschaltet habe, hat sich kurz darauf eine weitere lokale Brauerei gemeldet.» Und eine Brauerei aus Basel habe kürzlich gleich selbst einen Wandervorschlag gemailt. Diesen und das dazugehörende Bier wird die Bierwanderin demnächst im Selbstversuch testen. Ein besonderes Augenmerk wird sie dabei wie immer darauf richten, ob die Wanderung mit dem öffentlichen Verkehr machbar ist. «Denn», so sagt sie mit einem Schmunzeln, «da kann man sich auch mal noch ein zweites Bier gönnen.»

www.bierwandern.ch

**Diana Fry, Biersommelière: Von Lager bis Stout**

Baarer Erdmandli, Appenzeller Hanfblüte, Felsenauer Bärni – Diana Fry (36) stutzt: «Das Bärni kenn ich noch nicht», sagt sie und zückt ihren Bierfächer. Dieser umfasst Beschreibungen von 34 Bierstilen – geordnet nach deren typischen Farben – vom hellgelben Lager bis zum fast schwarzen Stout. «Für ein Spezli sehr dunkel», murmelt sie und nimmt einen ersten Schluck. Ihr Fazit: sehr caramelig mit einem Hang zum Malzgeschmack im Abgang.
«Sehr caramelig mit einem Hang zum Malzgeschmack im Abgang»: Diana Fry verkostet das dunkle Bärni von der Berner Brauerei Felsenau.
Über 100 Schweizer Biersorten gibts in der Brasserie Fédéral im Zürcher Hauptbahnhof. Die meisten hat Diana Fry schon verkostet. Die Neeracherin gehört zu den ersten drei Frauen, die 2011 den Lehrgang von Gastrosuisse zum Biersommelier absolviert haben. Bier zu verkosten sei ähnlich anspruchsvoll wie Wein, sagt sie. Geurteilt wird nach Aussehen (Schaum, Körper, Farbe), Aroma (Malz, Hopfen, Hefe) sowie Gaumen (Körper, Textur, Kohlensäure, Abgang). Anders als Wein wird Bier nicht ausgespuckt: «Runterschlucken und gleich durch die Nase ausatmen, erst dann schmeckt man das retronasale Aroma.»
Ihre Affinität zum Gerstensaft entdeckte die heutige Marketingmanagerin als Flight Attendant bei der Swissair. «Die Piloten tranken oft am Zielort zur Entspannung noch ein Bier in der Hotelbar.» Und da ihr Wein nie wirklich zugesagt habe, habe sie mitgezogen. Seither weiss sie, dass deutsches Weizenbier häufig bananig, viele belgische Biere eher säuerlich und tschechisches Pils nach Butterguetsli schmecken. Und dass die Amerikaner Bier sogar mit Rüebli verschneiden – übrigens «erstaunlich gut» –, während die Norweger auch mal Zitronengras in den Sud geben.
Diana Fry trinkt nicht nur gern Bier – am liebsten herbe, dunkle Sorten wie das englische Stout –, sie vermittelt ihr Wissen auch in Degustationsseminaren. Dass hier der Frauenanteil merklich zugenommen hat, freut sie besonders. «Gerade Frauen verbinden Bier häufig mit Massenbesäufnissen oder Bierbäuchen.» Das werde dem hochwertigen Naturprodukt jedoch in keinerlei Weise gerecht. Mit der Gründung eines Biernetzwerks geht die Bierliebhaberin jetzt noch einen Schritt weiter: Unter der Marke Cerevisia, lateinisch für Bier, will sie Akteure und Liebhaber des Schweizer Biers zusammenführen: Brauereien, Restaurants, Bier-Sommeliers, aber auch Produzenten von Biernebenprodukten wie Bierwürsten, Bierkäse oder auch Bierpflegeprodukten.
Dass sie Letztere mit an Bord holen will, ist nur logisch: Diana Fry experimentiert ebenfalls gern mit Bier: Gerade erst hat sie Weizenbier zu einem Gelee eingekocht, das super zu Käse passe. Und momentan tüftelt sie an einem Rezept für Glühbier. «Malziges dunkles Bier funktioniert am besten», so viel weiss sie schon.

www.beer-ambassador.ch
www.cerevisia.ch

Bilder: Ornella Cacace

#Notizen zu Namen

5. Januar 2013 | Frischer Wind mit neuen Zunftmeistern

Schaffhauser Nachrichten
(r.)

Jeweils am 26. Dezember, dem Stephanstag, finden die Zünfter der Zunft «zum Kleeblatt» und der Zunft «zun Rosen» zu einem getrennten Bott zusammen. Da werden, ähnlich einer Generalversammlung, die Jahresgeschäfte behandelt. Das «Kleeblatt» trifft sich dafür im Kleeblattsaal im 1. Stock des Klosters St. Georgen vor der Brücke gleich neben der Bibliothek, und die Zunft «zun Rosen» hat ihre Zusammenkunft im Restaurant Adler. Die Zunft Kaufleutstube oder Zunft zur Rose und Herrenstube oder Zunft zum Kleeblatt sind zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstanden.
Ein wichtiges Traktandum der Kleeblattzunft war der «Weisse Adler» (Chäs Graf). Schon seit Längerem ist man im Besitz dieses Hauses. Vor einigen Jahren wurde die Fassade renoviert. Nun gilt es, baldmöglichst von innen heraus alles wieder instand zu setzen. Damit wurde das Architektenbüro Schmid und Partner beauftragt. Sie haben in Absprache mit einer Kommission aus Kleeblattzünftern auf dieses Zunfbott hin ein Bauprojekt aufgestellt, das sie kurz zuvor der Baubehörde eingereicht und am 26. Dezember 2012 der Zunftversammlung präsentiert hatten. Und man hofft sehr, dass dieses Projekt allen beurteilenden Gremien entspricht. 2012 war für die Zünfte auch ein Wahljahr. Deshalb gab es in beiden Zünften Mutationen, was die Ämtervergabe in der Vorsteherschaft betrifft. Es wurden zwei neue Zunftmeister gewählt. Der «neue alt Zunftmeister» Roger W. Fuog übergab das Amt des Kleeblattzunftmeisters an Felix Graf. Bei der Zunft «zun Rosen» tritt Ulrich W. Böhni die Nachfolge von Zunftmeister Urs Etzweiler an. Wenn die zünftigen Geschäfte unter Dach sind, treffen sich die Rosen- und die Kleeblattzünfter auf einen Umtrunk im «Rothen Ochsen» und tauschen die Ergebnisse der jüngsten Beschlüsse und Neuigkeiten aus. Und die Zunftmitglieder wünschen den neuen Amtsinhabern Erfolg.



Die beiden neuen Steiner Zunftmeister im «Rothen Ochsen»: Ueli Böhni steht der «Zunft zun Rosen» vor, und Felix Graf ist neu an der Spitze der «Kleeblattzunft».
Bild zvg

#Allgemeines

24. Dezember 2012 | Verbindendes Weihnachtstreffen

Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite
Anna Rosenwasser

«Ein frohes Lied aus heitrer Brust macht froh den Lebensgang», klang es am vergangenen Samstagabend aus mehreren Dutzend Männerkehlen. Im Rahmen des traditionellen Weihnachtscommers unternahm die Mittelschulverbindung Scaphusia einen Fackelumzug, der beim Restaurant La Piazza begann, in einer Schlaufe über den Fronwagplatz führte und im Restaurant Falken endete.
Zu diesem Anlass waren die Aktiven genauso geladen wie die sogenannten Altherren der Scaphusia, zu denen etwa der ehemalige St.-Johann-Pfarrer Paulus Bachmann (v/o Diogen) zählt. Auch er war in den Dreierreihen zu finden, in denen die Mitglieder der Scaphusia singend durch die Stadt zogen. Mitgesungen haben auch Reto [Peter; korr. scaphusiaonline] Tobler (v/o Quarz), Robert Weber (v/o Haba) und Tim Schriber (v/o Zeus). Vier Lieder sind es, die beim Fackel-Cortège gesungen werden; damit für das Singen aller vier Zeit bleibt, dreht die beachtliche Männertruppe eine Extrarunde auf dem Fronwagplatz. Dabei beginnt schon so manches generationenübergreifendes Treffen, so auch bei Leo Häggi (v/o Simba) und Alex Streit (v/o Laser). Bereits am Nachmittag begann der Anlass mit der jährlichen Generalversammlung der Mittelschulverbindung. Im Anschluss folgte das Abendessen in diversen Lokalen; der Fackelumzug bildete einen Höhepunkt, dem das Beisammensein im Erdgeschoss des Restaurants Falken folgte. Mit dabei an diesem Fest waren auch Andreas Wüscher (v/o Codex) und Andreas Hauser (v/o Drossel), Christian Birchmeier (v/o Zäckli), Hansueli Birchmeier (v/o Safran) und Peter Sommerauer (v/o Trüffel) sowie Felix Graf (v/o Schärbe), Altherren-Präsident Ueli Böhni (v/o Süüle) und Frank Seiler (v/o Aurel). Wie’s im ersten der vier Lieder so schön heisst: «Wo ein Herz voll Freude schlägt, da ist die Zeit noch gut.»


Der Fackel-Cortège führte vom Restaurant La Piazza über den Fronwagplatz – mit einer Outdoor-Extrarunde – zum «Falken».


Feierten den Weihnachtscommers: Andreas Wüscher (v/o Codex) und Andreas Hauser (v/o Drossel).


Reto [Peter; korr. scaphusiaonline] Tobler (v/o Quarz), Robert Weber (v/o Haba) und Tim Schriber (v/o Zeus) zünden ihre Fackeln an [v.r.n.l.; korr. scaphusiaonline].


Leo Häggi (v/o Simba) und Alex Streit (v/o Laser) am Fackelumzug: Geladen waren Aktive wie auch Altherren.


Nimmt Teil an der Fackel-Cortège: Paulus Bachmann (v/o Diogen), ehemaliger Pfarrer des St. Johann.


Mit von der Partie: Christian Birchmeier (v/o Zäckli) [mitte; korr. scaphusiaonline], Hansueli Birchmeier (v/o Safran) [links; korr. scaphusiaonline] und Peter Sommerauer (v/o Trüffel).


Felix Graf (v/o Schärbe), Altherren-Präsident Ueli Böhni (v/o Süüle) und Frank Seiler (v/o Aurel ) am Commers.

Bilder: Selwyn Hoffmann