#Notizen zu Namen

5. November 2012 | Einblicke in das geheime Kriegsbuch

Schaffhauser Nachrichten
Hermann-Luc Hardmeier

«Ein Angriff auf Schaffhausen ist nicht unrealistisch!» Das dachte man zumindest im 17. Jahrhundert zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges. Deshalb zeichnete man Pläne, wie man die Stadtmauer verstärken und undurchdringbar machen könnte. Eine zehn Meter tiefe Schanzenanlage war beispielsweise auf der heutigen Munot-Sportanlage geplant. Auch detaillierte Aufstellungen über Soldaten, Waffen und weitere Kriegsmaterialien wurden auf Plänen und in einem Buch mit dem Titel «Geheimes Kriegsbuch Schaffhausen» niedergeschrieben. Zu sehen gab es dies und noch viel mehr am Tag der offenen Tür in Schweizer Archiven im Stadtarchiv mit dem Thema Stadtentwicklung. Auch im Staatsarchiv und den Archiven in Stein am Rhein und Schleitheim wurden historische Schätze wie Bücher, Karten und Filme gezeigt. Im Stadtarchiv führte Peter Scheck im Verlaufe des Tages gut 130 Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung.

**Fotos, von einer Drohne gemacht**
Besonders stolz war er auch auf Flugaufnahmen, die eine Drohne von Schaffhausen im Auftrag des Stadtarchivs aufgenommen hatte. Eine Drohne und das Stadtarchiv? Ist das nicht ein wenig zu modern? Stadtarchivar Peter Scheck muss über solche Klischees schmunzeln. Die technologischen Fortschritte beschäftigen ihn schliesslich täglich: «Die zunehmende Elektronisierung der Gesellschaft ist eine unserer Hauptherausforderungen. Die Datenmenge auf immer neueren Datenträgern macht auch vor den Archiven nicht halt. Wer liest in 100 Jahren noch ein Word-2007-Dokument?», fragte Scheck rhetorisch. «Wir müssen diese Daten ‹haltbar› archivieren und standardisieren.» Über diese Aufgabe freut er sich übrigens sehr: «Die Lösung dieser Probleme ist hochspannend und braucht graue Hirnzellen.» Auch das Internet ist aus dem Stadtarchiv nicht mehr wegzudenken. Die ganzen Bestände sind online einsehbar. Zu den Kunden zählen Ahnenforscher, interessierte Bürger, Architekten mit Fragen zu Gebäuden oder Kantonsschüler mit Maturarbeiten. Pro Jahr kommen etwa 1000 Besucher beziehungsweise Forscher selber vorbei.

**350 Laufmeter Akten**
Viele stellen ihre Fragen aber auch via E-Mail. Darunter gibt es natürlich auch sehr skurrile Anfragen: «Please send me everything about Schaffhausen», war beispielsweise in einer Mail zu lesen, die Peter Scheck eines Tages aus Australien erhielt. «Sollte ich nun unsere 350 Laufmeter Akten in Containerschiffen nach Übersee verschicken?», scherzte Peter Scheck. Der Archivtag zog viele Besucherinnen und Besucher an, und die Organisatoren waren zufrieden.

#Notizen zu Namen

2. November 2012 | Amsler verzichtet, Faccani rutscht nach

Schaffhauser Nachrichten
(rob)

Gestern hat die Stadt Schaffhausen über die nachrückenden Kandidaten informiert, unklar war einzig noch, ob Dieter Amsler (FDP) für Raphaël Rohner (FDP), der aufgrund seiner Wahl in den Stadtrat ausscheidet, nachrücken wird. Jetzt ist klar: Dieter Amsler verzichtet nach reiflicher Überlegung darauf, den frei werdenden Sitz zu übernehmen, und scheidet damit – nach 16 Jahren im Grossen Stadtrat – aus. An seine Stelle rückt der mit 2762 Stimmen nächstplatzierte Diego Faccani (Bild) für die FDP nach: Er sass bisher noch nie im Grossen Stadtrat.
Weiter gemeldet wurden die bereits bekannten Verzichte: Bei den Juso verzichtet Seraina Fürer für Patrik Simmler, Susi Stühlinger und Till Aders verzichten zugunsten von Leonardo Pivetta und Bea Will, und bei den Jungfreisinnigen verzichtet Florian Hotz für Res Hauser. Der Stadtrat wird von den ent-sprechenden Änderungen nach Vorliegen aller Erklärungen an seiner nächsten Sitzung vom kommen- den Dienstag formell Kenntnis nehmen.

#Allgemeines

31. Oktober 2012 | Stadt wird nicht Weidlingsvermieterin

Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg

Einen Weidling für alle – das hatten sich die Jungsozialisten gewünscht. In einer Volksmotion forderten sie die Stadt auf, ein «Weidlingssharing» anzubieten. Dafür solle die Stadt zwei der motorlosen Stocherkähne erwerben und über die Verwaltungspolizei an alle interessierten Personen vermieten. Und zwar für 20 Franken pro Tag für Jugendliche unter 25, für den doppelten Betrag für Personen über 25 Jahren. Die Ausgangslage, so Beat Steinacher (SP) sei, dass man heute gegen 30 Jahre Wartezeit für einen Weidlingsplatz am Rhein rechnen müsse. «Es ist klar, das ein Aufwandüberschuss resultieren würde», sagte Steinacher. Die Kosten seien aber vertretbar und sinnvoll, wenn man sie mit andere Ausgaben wie etwa Sportanlagen vergleiche. Sukkurs erhielten die Jungsozialisten auch von Iren Eichenberger (ÖBS). Weidlingsfahren sei ein Kulturgut, es handle sich also auch um eine Kulturfördermassnahme. Peter Möller (SP) plädierte ebenfalls für die Volksmotion – Detailfragen könnten fantasievoll gelöst werden, etwa in Zusammenarbeit mit dem Pontonierverein.
Dass der Teufel aber meist im Detail stochert respektive steckt, legte Stadträtin Jeanette Storrer dar. Die Anschaffungskosten für zwei Weidlinge bezifferte Storrer auf rund 30 000 Franken, dazu kämen Unterhaltskosten, Betreuungs- und Verwaltungsaufwand in unbekannter Höhe. Bootsvermietung und -bewirtschaftung sowie das Anbieten eines Einführungskurses, wie die Motion ebenfalls forderte, gehöre nicht gerade zu den Kernaufgaben der Stadt. Die bürgerliche Seite im Rat betonte, diese Mehrausgaben seien schwer vermittelbar, gebe es doch bereits heute unzählige Fahrgemeinschaften auf privater Basis sowie private Bootsvermieter. «Väterchen Staat sollte wirklich nur anbieten, was Must-Have ist», meinte Georg Merz (ÖBS). Jeder könne beim Pontonierverein das Weidlingsfahren erlernen, befand auch Beat Brunner (EDU). Walter Hotz (parteilos) hatte für die jungen Sozialisten gar den Rat übrig: «Zeigen Sie einmal selbst Initiative, statt alles dem Staat zu übertragen.»

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Hallau: Dieter Buess und Daniel Meyer neu im Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Hallau

Gleich zwei neue Gemeinderäte wurden in Hallau gewählt: Für den ins Gemeindepräsdidium gewählten Alfred Neukomm-Ammann (Finanzen) wählten die Hallauer Stimmberechtigten Dieter Buess mit 348 Stimmen sowie für die zurücktretende Gabriela Buff (Soziales) Daniel Meyer mit 321 Stimmen in den Gemeinderat; dies bei einem absoluten Mehr von 200 Stimmen. Von den Bisherigen wurden Liliana Götz-Gianini mit 289 Stimmen sowie Hans Neukomm-Schneider mit 232 Stimmen wiedergewählt. Vereinzelte erhielten 409 Stimmen.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Stefanie Huonker und Matthias Frick neu im Gemeinderat Trasadingen

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Hallau
Hans-Caspar Ryser

Als einziger Gemeinde im Klettgau kam es in Trasadingen bei der Bestellung des Gemeinderates zu einer Kampfwahl. Für die beiden vakanten Gemeinderatssitze stellten sich die drei Kandidaten Urs Baumann, Stefanie Huonker und Matthias Frick zur Wahl.
Bei einem absoluten Mehr von 87 Stimmen wurden Stefanie Huonker mit 149 Stimmen sowie Matthias Frick mit 106 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Der ehemalige Schulpräsident Urs Baumann erreichte zwar mit 87 Stimmen just das absolute Mehr, schied jedoch als überzählig aus dem Rennen aus. Dies ist umso erstaunlicher, als sein Bekanntheitsgrad in der Gemeinde hoch ist. Von einem noch höherer Bekanntheitsgrad scheint der ebenfalls kandidierende und klar gewählte Matthias Frick, Kantonsrat von der Alternativen Liste Schaffhausen, profitiert zu haben. Damit hält erstmals ein Vertreter der AL Einzug in eine Klettgauer Gemeindebehörde. Die bisherigen Gemeinderäte Therese Hauser und Hans Werner Külling wählten die Stimmberechtigten mit 153 beziehungsweise 108 Stimmen in den Trasadinger Gemeinderat.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Grossstadtratswahlen: SP verliert, AL, Juso und SVP legen zu

Schaffhauser Nachrichten

Von Robin Blanck

*Deutlich an Boden verliert die SP bei den Grossstadtratswahlen: Zwei Sitze gibt die SPab, SVP, AL und Juso gewinnenje ein Mandat.*

Bereits 2008 hat die SP bei den Grossstadtratswahlen fast 4 Prozent Stimmenanteil verloren, und auch diesmal muss die Partei einen vergleichbaren Verlust hinnehmen: Die SP verliert damit 2 Sitze und schickt noch 7 Vertreter in den Grossen Stadtrat. Im Gegenzug gewinnen AL und Juso je einen Sitz, was die Verluste für das linke Lager insgesamt auffängt.
Zu den Verlierern gehört – nach einem Erfolg vor vier Jahren – auch die städtische FDP: Sie büsst beim gestrigen Wahlgang rund 2,5 Prozent der Stimmen gegenüber 2008 ein und muss eines ihrer bisher 7 Mandate abtreten. Nutzniesserin dieses Rückgangs dürfte die SVP sein, die 2,3 Prozent mehr Stimmen erhält und mit einem zusätzlichen Sitz neu 8 Vertreter in den Rat schickt.

**Mitte als Mehrheitenbeschaffer**
Trotz dieser Verschiebungen haben die gestrigen Grossstadtratswahlen die politischen Machtverhältnisse nicht grundlegend verändert: Noch immer entscheiden die Stimmen der Mitteparteien, in welche Richtung es geht.

**Wenig Interesse an Wahlgang**
Der Wahlgang vermochte nicht zu motivieren: Nur gerade 46,1 Prozent der Stimmberechtigten nahmen teil. Zum Vergleich: Vor vier Jahren lag die Stimmbeteiligung bei den Grossstadtratswahlen bei fast 54 Prozent. Wie Stadtpräsident Thomas Feurer anlässlich der Bekanntgabe der Resultate erklärte, habe sich «eine gewisse Ermüdung» feststellen lassen. Man werde dieses Ergebnis noch genauer analysieren und zusammen mit den Parteien mögliche Massnahmen besprechen.


**Kommentar**

**Der Grosse Stadtrat bleibt gespalten**

Von Robin Blanck

Die Kräfteverhältnisse im Grossen Stadtrat wurden an diesem Wochenende nicht umgekrempelt: Linke und bürgerliche Kräfte halten sich nach wie vor in etwa die Waage. Mit je 17 Vertretern stehen sich die Lager gegenüber, der Grosse Stadtrat wird also weiterhin gespalten sein, und in besonders hart umkämpften Fragen werden die beiden Stimmen der CVP wie bis anhin entscheiden. Allerdings hat die Mitte in den vergangenen vier Jahren öfter mit der Ratslinken gestimmt, auch daran dürfte sich künftig kaum etwas ändern.
Die FDP hat gestern zwar nicht im gleichen Umfang an Stimmen verloren wie bei den letzten Kantonsratswahlen, dennoch droht sie zwischen der noch immer zulegenden SVP und den aufstrebenden Jungparteien aufgerieben zu werden. Ein Mittel gegen diesen fortschreitenden Niedergang hat die Partei noch immer nicht gefunden, aber langsam wird die Zeit für die nötige Rückbesinnung auf liberale Tugenden knapp: Nur noch zwei Sitze trennen den Freisinn inzwischen von der ÖBS oder der AL. Mehr Alarmzeichen geht nicht. Die AL hat zwar den erwarteten zusätzlichen Sitz im Rat erringen können, dennoch blieb die Linkspartei in der Stadt – wo sie das grösste Potenzial hat – hinter den Erwartungen zurück. Das gilt in noch viel stärkerem Masse für die SP, welche massiv Stimmen eingebüsst hat und als Verliererin aus diesen Grossstadtratswahlen hervorgeht: 4 Prozent Verlust in 4 Jahren in einem urbanen Zentrum wie Schaffhausen ist eine verheerende Bilanz. Es fehlt vor allem der politische Nachwuchs. Die Partei muss sich die Frage stellen, wieso sich die Jungen derart entschieden von ihr abwenden.


SP und FDP verlieren, SVP und AL legen zu

Von Robin Blanck

*Ein schwarzer Tag war der gestrige Sonntag für die SP, die über 4 Prozent Stimmen und 2 Sitze verliert: Weil Juso und AL je einen Sitz gewinnen, ändert sich an den Kräfteverhältnissen im Grossen Stadtrat aber nichts.*

«Der Erdrutsch ist ausgeblieben», sagte Stadtpräsident Thomas Feurer gestern kurz nach 18 Uhr zu den rund 100 Personen – Kandidatinnen und Kandidaten sowie Sympathi-santen –, die ins Park Casino gekommen waren. Tatsächlich hat sich wenig verändert, wenn man die politischen Demarkationslinien zugrunde legt: Das linke Spektrum, bestehend aus SP, AL und den neu mit einem Sitz im Grossen Stadtrat vertretenen Jungsozialisten (Juso), hält zusammen 12 Sitze, die Mitte (ÖBS, CVP, EVP) blieb ebenso stabil bei zusammen 7 Sitzen, und dann ist da noch der Block aus FDP, SVP, Jungfreisinn und EDU, der zusammen auf 17 Stimmen kommt. Das entspricht genau den bisherigen Kräftever- hältnissen, bei denen die Mitte meist das Zünglein an der Waage spielte und spielen wird.

**SP als Wahlverliererin**
Interessant ist aber, wie sich die Anteile zwischen den Parteien verschoben haben. Eiskalt erwischt hat es an diesem kalten Wochenende die SP, die als Wahlverliererin dasteht: Die Partei büsst 2 ihrer bisher 9 Sitze ein und fällt von einem Stimmenanteil von 25,36 (2008) auf 21,75 Prozent zurück. Neu für die SP in den Rat gewählt wurde der Gewerkschaftssekretär Osman Osmani. Parteipräsident Andres Bächtold machte gestern keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: «Es gibt nichts schönzureden: Wir haben relativ deutlich verloren», sagte er, «etwa gleich viel Stimmenanteile wie schon vor vier Jahren.» Erklären kann Bächtold, der bereits angekündigt hat, sein Amt als Präsident bei Gelegenheit zur Verfügung zu stellen, die Verluste nicht, «es gelingt der SP einfach nicht, die Jungen anzulocken», sagt Bächtold. Bei den Jungen Stimmen machen dafür andere: AL und Juso dürften mit ihren Erfolgen auch zu den Verlusten der SP beigetragen haben. Tröstlich für Bächtold: «Die Stimmen bleiben zumindest auf der linken Seite.»

**AL erreicht Fraktionsstärke**
Tatsächlich hat die Alternative Liste (AL), die in diesem Herbst mit Wahlerfolgen glänzte, auch an diesem Wochenende einen Sitz hinzugewonnen: Neu stellt sie 4 Mandate und hat damit Fraktionsstärke. Ebenfalls einen Sitz haben sich die Jungsozialisten geholt, die nun erstmals im Stadtparlament mitreden können. AL-Präsident Till Aders war mit dem Ausgang der Wahl zufrieden, «wir haben unser Ziel erreicht» – immerhin hat die Partei über 4 Prozent Stimmenanteil zugelegt. Trotzdem räumte Aders ein, aufgrund der Erfolge der letzten Monate sogar mit einem fünften Sitz geliebäugelt zu haben. Wie bereits angekündigt wird es bei der AL keine Doppelmandate geben, weshalb mehrere Gewählte (Susi Stühlinger, Till Aders) und mehrere Ersatzleute auf den Sitz verzichten: Zusammen mit den beiden Bisherigen Andi Kunz und Martin Jung werden neu Leonardo Pivetta und Bea Will die AL im Rat vertreten. Analog läuft es bei der Juso: Seraina Fürer, die bereits in den Kantonsrat gewählt wurde, verzichtet zugunsten von Patrik Simmler. «Der Kantonsratswahlkampf hatte sicher Einfluss auf diese Wahl, zudem waren wir auf der Strasse und mit einer Initiative präsent», erklärt Seraina Fürer (Juso) den Sitzgewinn.

**SVP gewinnt einen Sitz**
Zufriedene Gesichter gab es gestern bei der SVP, der Siegerin auf bürgerlicher Seite: Im Verbund mit der Jungen SVP gelang es ihr, einen weiteren Sitz zu erobern: Damit stellt die Partei neu 8 Ratsmitglieder, das entspricht 22,6 Prozent der Stimmen (+2,3 gegenüber 2008). Für die SVP neu dabei sind Mariano Fioretti, der kürzlich in den Stadtschulrat gewählt wurde, und Landwirt Hansueli Scheck. Auch Daniel Preisig und der parteilose Walter Hotz haben die Wahl geschafft.

**FDP büsst einen Sitz ein**
Die Gewinne der SVP entsprechen weitgehend den Verlusten, welche die FDP gestern zu verkraften hatte: Der Freisinn büsst eines seiner bisher sieben Mandate ein. Der Stimmenanteil der FDP ist von 18,72 (2008) auf 16 Prozent zurückgegangen. Damit ist Marcel Sonderegger, Präsident der Stadt-FDP, nicht zufrieden: «Ich bin davon ausgegangen, dass wir unsere Sitze halten können», sagt Sonderegger. Für Sonderegger ist das FDP-Ergebnis symptomatisch für die Abkehr von den traditionellen Parteien: «Neue Parteien haben den Vorteil, dass sie nicht staatstragend sind und entsprechend pointierter auftreten können.» Auf die Frage, ob er Parteipräsident bleibe, heisst es: «Kein Kommentar.» Während also dem Chef der Stadt-FDP der Sprung in den Grossen Stadtrat versagt bleibt, hat es dafür ein anderer geschafft: Nihat Tektas, Kantonalpräsident, der die Wahl in den Kantonsrat verpasst hat, nimmt künftig im Stadtparlament Einsitz. Auch das zweite neue FDP-Ratsmitglied hat schon für die FDP politisiert: Nicole Herren gehörte dem Rat früher schon an.

**Drei Schulratsmitglieder im Rat**
Die CVP konnte zwar ihre Sitze verteidigen, aber Gädi Distel musste ihren Sitz zugunsten von Schulrätin Nathalie Zumstein räumen. Neben Schulratspräsidentin Katrin Huber Ott und Mariano Fioretti ist Zumstein das dritte Schulbehördenmitglied, das im Grossen Stadtrat politisiert. Die CVP bildete vor Jahren mit der FDP eine Fraktion, hat aber schon vor längerer Zeit zur ÖBS/EVP-Fraktion gewechselt. Daran, so erste Aussage, wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

**Wenig Wechsel bei Kleinparteien**
Die ÖBS bleibt mit ihren 4 Sitzen personell unverändert, verliert aber gegen 1 Prozent Stimmen. Ähnlich das Bild bei der EVP, die nach wie vor mit Rainer Schmidig im Rat vertreten ist, und bei der EDU, die den Sitz von Beat Brunner verteidigen kann. Der Jungfreisinn bleibt bei 2 Mandaten, neu gewählt wurde nun auch Florian Hotz, der bereits in den Kantonsrat gewählt worden war.


**Stimmenanteile AL und SVP legen zu**

Am meisten Stimmenanteil eingebüsst hat die SP, die neu bei 21,75 Prozent liegt: 2004 erreichte sie noch 29 Prozent, 2008 noch 25,34 Prozent. Auch die FDP hat Stimmen verloren und steht jetzt bei 16 Prozent. Vor vier Jahren entfielen 18,7 Prozent auf die FDP, 2004 waren es noch 18,2 Prozent. Die CVP hat von 5,7 (2008) auf 4,6 Prozent leicht verloren. Zu früherer Stärke hat die SVP zurückgefunden: Vor vier Jahren musste die Partei einen Verlust von 2 Prozent hinnehmen, diesmal gewinnt sie etwas mehr als das hinzu und liegt wieder bei 22,6 Prozent – zusammen mit der Jungen SVP. Die ÖBS hat gegenüber den letzten Wahlen etwa 1 Prozent der Stimmen eingebüsst und verfügt nun über einen Anteil von 10,5 Prozent. Die AL hat am meisten Stimmenanteile zulegen können: Von 5 Prozent (2004) ging es auf 7 (2008), und jetzt erreicht man 11,4 Prozent. Die Juso erreichten auf Anhieb 2,4 Prozent. Kleinere Veränderungen gegenüber den letzten Wahlen gab es bei der EVP: 2,45 Prozent (–0,8), der EDU: 3,77 Prozent (+0,5), und dem Jungfreisinn: 4,41 Prozent (–0,3). (rob)


**Der neue Grosse Stadtrat**

**SP**
Katrin Huber Ott
4606 Stimmen
Christa Flückiger
4499 Stimmen
Peter Möller
4337 Stimmen
Urs Tanner
4328 Stimmen
Urs Fürer
4025 Stimmen
Daniel Schlatter
3821 Stimmen
Osman Osmani
3733 Stimmen

**FDP**
Thomas Hauser
3314 Stimmen
Nihat Tektas
3061 Stimmen
Martin Egger
3004 Stimmen
Katrin Hauser-Lauber
2938 Stimmen
Nicole Herren
2854 Stimmen
Dieter Amsler
2767 Stimmen

**SVP + JSVP**
Daniel Preisig
2569 Stimmen
Hermann Schlatter
2508 Stimmen
Edgar Zehnder
2394 Stimmen
Alfred Tappolet
2190 Stimmen
Hansueli Scheck
2011 Stimmen
Walter Hotz
2489 Stimmen
Cornelia Stamm Hurter
2341 Stimmen
Mariano Fioretti
2139 Stimmen

**ALSH**
Bea Will
1034 Stimmen
Andi Kunz
2657 Stimmen
Martin Jung
1919 Stimmen
Leonardo Pivetta
1615 Stimmen

**JFSH**
Till Hardmeier
1185 Stimmen
Florian Hotz
1166 Stimmen

**JUSOplus**
Patrik Simmler
592 Stimmen

**EVP**
Rainer Schmidig
1310 Stimmen

**CVP**
Nathalie Zumstein
1121 Stimmen
Theresia Derksen
1416 Stimmen

**EDU**
Beat Brunner
987 Stimmen

**ÖBS**
Martin Roost
3228 Stimmen
Iren Eichenberger
2867 Stimmen
Georg Merz
2159 Stimmen
Katrin Bernath
2499 Stimmen


**Das sind die (provisorisch) Abgewählten**

*Mehrere Personen haben die Wiederwahl nicht geschafft. Die eine oder andere dürfte aber noch nachrücken.*

Von Zeno Geisseler

Zwei, drei, vier oder fünf Bisherige haben die Wiederwahl in den Grossen Stadtrat verpasst. Es kommt ein wenig drauf an, wie man zählt. Offiziell wurden fünf derzeitige Mitglieder des Parlaments, die wieder angetreten waren, nicht wiedergewählt: Dieter Amsler (FDP), Gädi Distel (CVP), Res Hauser (JF), Werner Schöni (SVP) und Simon Stocker (AL). Stocker war allerdings vor einem Monat in die Stadtregierung gewählt worden, er stand somit gar nicht mehr als Kandidat zur Verfügung. Sein Name war nur noch auf der AL-Liste eingetragen, weil die Listen bereits vor den Stadtratswahlen eingereicht werden mussten. In Stockers Fall von einer Abwahl zu sprechen, wäre also rein technisch richtig, aber dennoch nicht korrekt.
Bleiben noch vier Abgewählte. FDP-Mann Amsler wurde abgewählt, weil Raphaël Rohner noch 23 Stimmen mehr holte. Doch auch Rohner ist in die Stadtregierung gewählt worden und wird somit seinen Sitz im Parlament gar nicht antreten können. De facto ist also Amsler gewählt. Bleiben noch drei Abgewählte. Etwas unsicher ist die Situation bei den Jungfreisinnigen. Florian Hotz hat den Bisherigen Res Hauser verdrängt, allerdings ist noch nicht klar, ob Hotz, der bereits im Kantonsrat sitzt, auch das städtische Mandat übernehmen wird. Hauser könnte also nachrücken, wir zählen ihn vorerst aber als abgewählt. Keine Zweifel gibt es hingegen bei CVP-Frau Distel und SVP-Mann Schöni. Sie werden kaum nachrücken können. Schöni liegt nur auf dem zweiten Ersatzplatz, es müssten also gleich zwei Parteikollegen vor ihm verzichten, ein Gewählter und der erste Ersatzmann, Markus Leu. Bei der CVP ist Distel zwar auf den ersten Ersatzplatz gekommen, doch es ist nicht anzunehmen, dass die beiden gewählten Kandidatin- nen Theresia Derksen und Nathalie Zumstein verzichten werden.

#Notizen zu Namen

23. Oktober 2012 | «Das meiste schreibt sich von selber»

Steiner Anzeiger
Mark Schiesser

Über 30 Jahre arbeitete er in einer kleinen Lampenfabrik in Niederbipp, seinem Heimatdorf, und verzichtete der Familie zuliebe auf jede literarische Betätigung. Erst in seinem 54. Lebensjahr entschloss sich Gerhard Meier (1917-2008) zu tun, wovon er schon immer geträumt hatte: zu schreiben.
In rascher Folge entstand ein umfangreiches Werk des stillen Poeten und eines der bedeutendsten Schweizer Gegenwartsautoren, wobei sein Rang erst nach und nach erkannt wurde. Seinen Roman «Land der Winde» aus der Amrainer Tetralogie hat auch der Sammlungsund Ausstellungskurator des Schweizerischen Landesmuseums Zürich und Sohn des legendären Steiner Stadtpräsidenten Konrad Graf (1953-1964) mehrfach gelesen. Er hat ihn mitunter zur Herausgabe seines Buches inspiriert.

**Nicht ans Publizieren gedacht**
«Land der Dinge» ist ein Buch, das in erster Linie aus Freude entstanden ist. «Ich habe einfach geschrieben und nicht ans Publizieren gedacht», erzählt Felix Graf an seinem Arbeitsort, dem Zürcher Landesmuseum, dessen Sammlungszentrum im Auftrag des Bundes unter über 850000 Objekten der Kulturhistorischen Sammlung rund 400 beherbergt, die einen direkten Bezug zu Stein am Rhein aufweisen.
Einen neuen indirekten Bezug schafft das Buch von Felix Graf, nach Jahreszeiten geordnet und sehr persönlich die Kindheit in den Fünfziger- und Sechzigerjahren reflektierend. Die Verbindung mit dem Thematischen macht den Reiz des Stoffes aus und wird zum Lesespass, weil man auch die Bereitschaft des Autors zum Loslassen spürt.
(…) Ich habe noch nie ein Sonett geschrieben. Weder ein portugiesisches noch ein deutsches. Schon gar nicht ein schweizerdeutsches. Die intensive Beschäftigung mit dem Portugiesischen und der Blick aus dem Zug auf die Flusslandschaft inspirieren dazu. Zusammen mit der Zweckfreiheit. Musse, *otium*, heisst das produktive Zauberwort (…). Der wiederaufgenommene Jassabend mit den Steiner Schulkollegen, damals im alten Schifferhaus oberhalb des Espi, heute im Hotel Schiff, widerspiegelt locker und subjektiv die Atmosphäre und beschreibt gleichzeitig wissenschaftlich sorgfältig die Kulturgeschichte des Schweizer Nationalsportes, des Jassens.
Der Autor Felix Graf erzählt von der «crônica», einer der beliebtesten Textformen in Portugal und Brasilien, von denen viele gute später in Buchform erschienen sind. «Ich habe viele davon gelesen.» Vor eineinhalb Jahren, nach einer schweren Lungenentzündung, hat er sich entschlossen, diese während eines Ferienaufenthaltes mit «Sprachkur» in Südportugal auszukurieren». Am Atlantik, am Strand von Faro entstanden die Texte in portugiesischer Sprache (…) Portugiesisch als Schlüssel zum Latein. Unbeabsichtigt. Und Portugiesisch als Fenster zur Welt. Das mit Absicht (…) Zurück in der Schweiz, experimentiert er mit diaristischer Kurzprosa, mit prägnanten Notizen. «Ich habe mir gesagt, ich probier’s einfach auf Deutsch. Es funktionierte, und seither schreibe ich einfach.»
Auf der einen Seite gehört das Gebrauchstagebuch als berufsbezogenes Arbeitsinstrument und gedankliches Skizzenbuch seit 30 Jahren zum Alltag von Felix Graf. «Ich schreibe seit Portugal zusätzlich auch ein literarisches Tagebuch, wo ausgefeilte Texte entstehen.» Beim Schreiben für die Rubrik «Dinge im Museum», welche regelmässig im «Tagblatt der Stadt Zürich» erscheint, liefert ein Ölbild des Zürcher Malers Varlin im Museum zu Allerheiligen die Idee für den Einstieg und, irgendwann in der Badewanne, nach dem Lesen von Gerhard Meiers «Land der Winde» entsteht der Buchtitel: So wurde aus «Land der Winde» ein «Land der Dinge» mit dem Regenschirm als Teil der Person, als verselbständigter Körperteil. «Der Regenschirm wirkt wie ein Porträt; er lebt, er lacht, er tanzt …»

**Den Schriftsteller aktiviert**
Und der Inhalt des Buches? Anders als eine Auftragsarbeit, meint Graf, schreibe es sich von selber. «Ich liege in der Sauna, sitze auf einer Bank am Rhein, und so entstehen Texte und Gedichte, quasi als eine Befreiung.» Und nach einer Operation, postoperativen Beschwerden und einem sechswöchigen Arbeitsausfall und nach vielem Nachdenken habe sich dies als ideal erwiesen. Der Spitalaufenthalt und das «Auf-der-Kippe-Sein» hätten es ausgelöst und die Begegnung mit der portugiesischen Sprache den Poeten in ihm geweckt. «Schlussendlich hat das Flachliegen den Schriftsteller aktiviert.»
«Ich kann mich hinsetzen, und es entsteht ein Text», erklärt Felix Graf.und kommt ins Schwärmen. Das Gebrauchstagebuch führe er nebenbei selbstverständlich weiter. «Am liebsten würde ich jedes Jahr ein Buch schreiben», fügt er hinzu, denn er habe ja als einer von 16 Kuratoren im Landesmuseum eine wunderbare Arbeit und einen Schopf am See in Mammern als Rückzugsgebiet. Wegen der immer wiederkehrenden Schmerzen kommen wir über seine Physiotherapeutin mit Glarner Wurzeln auf den Autor Tim Krohn zu sprechen. Und die Schmerzen sind schon wieder vergessen.
Krohn, ein deutscher, in Glarus aufgewachsener Autor – der in astreinem Glarnerdeutsch in «Vrenelisgärtli» die Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte erzählt, «(…) das Vreneli chräsmete meist über das Bödeli und schnäderete in tuusigs erfundenen Sprachen mit jedem Stein und Blüemli und Chäferli und hatte allen viel zu verzellen (…)» –, war auch für ihn eine Offenbarung. So ist aus lauter Angst vor der um den Körper kreisenden Röntgenröhre ein Gedicht über die Insel Werd entstanden. Oder ein Sonett über den Rhein in Portugiesisch. «Drei Tage bevor ich den Text in die Druckerei schicken musste, ist mir eine Übersetzung in Steiner Mundart gelungen», die ebenfalls im Buch erscheint. Gedacht übrigens in erster Linie für seinen Freundeskreis als persönliches Geschenk.
«Mein Zielpublikum ist aber auch der Bekanntenkreis. Und der ist riesig», ist sich Felix Graf bewusst. «Es muss dir aber erst etwas wehtun, dann werden Ressourcen angezapft, von denen man nichts weiss. Sonst kommt man nicht auf die Idee, ein Buch zu schreiben.» Ein Buch, in dem die Lebensmittelpunkte an Untersee und Rhein, die Standorte des Schweizerischen Landesmuseums sowie die portugiesische Welt im Zentrum stehen. Und ein Buch für einen lustigen Mix von Leuten, die sich dafür interessieren könnten und bestimmt auch werden.


*Die Buchvernissage mit Lesung und Apero findet im Rahmen des Winterprogramms der Volkshochschule Stein am Rhein am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr im Windler-Saal statt.*


«Land der Dinge»
Felix Graf
stamm+co. AG,
Schleitheim,
2012,
Fr. 24.-


Felix Graf, geboren 11. Juni 1955, aus Stein am Rhein, Gräzist und Althistoriker, arbeitet seit 22 Jahren im Schweizerischen Nationalmuseum. Unter anderem als Wissenschaftlicher Bibliothekar, Ausstellungskurator, Lehrbeauftragter, Leiter des Museums Bärengasse, interimistischer operativer Leiter der Landesmuseums Zürich und Kurator für alte Drucke. Er publiziert Zeitungs- und Fachartikel, schreibt portugiesische und deutsche Gedichte und führt seit 30 Jahren Tagebuch.


**Crônica**
Die «crônica» ist eine literarische Gattung, die sich in Brasilien seit über 150 Jahren grosser Beliebtheit erfreut. Im Laufe dieser Zeit hat sie eine Formenvielfalt angenommen, die es Literaturwissenschaftlem schwer macht, sie noch klar zu definieren oder auch nur einzugrenzen. In der Regel sind «crônicas» subjektive, oft autobiografisch gefärbte Texte, eher locker dahingeschrieben und bisweilen auch recht amüsant. Sie dürfen sich der Ironie bedienen, zu polemischen Mitteln greifen, Politikern in die Suppe spucken oder auch nur einfach die Herzen der Leser anrühren. (Sr.)



Felix Graf hat aus Freude mit dem Schreiben angefangen.



Schöne Erinnerungen: Der Kunstmaler Christian Schmidt aus Zürich importierte ab 1885 Keimsche Mineralfarben f’ür die Schweiz. Diese zeugen an der Fassade und im Entrée des Landesmuseums Zürich (Bild mit Felix Graf), am Steiner Rathaus und am «Pelikan» von deren Nachhaltigkeit.

Bild Mark Schiesser

#Aktivitas

21. Oktober 2012 | Flyer Quartalsprogramm Herbst

Flyer und Plakate mit dem Herbstprogramm werden ab morgen an der Kanti im Umlauf sein.

qp_12_4_bergsteigen_banner_klein.pdf

#Notizen zu Namen

18. Oktober 2012 | Daniel Meyer (SP) kandidiert für den Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
SP Hallau

Die SP Hallau hat anlässlich ihrer Mitgliederversammlung Daniel Meyer (27) einstimmig als Kandidat für die Gemeinderatswahlen Hallau vom 28. Oktober 2012 nominiert. Die SP Hallau freut sich, mit Daniel Meyer den Hallauerinnen und Hallauern einen engagierten und kompetenten Kandidaten zur Wahl vorzuschlagen.
Daniel Meyer ist seit mehreren Jahren Mitglied der SP Hallau und hat unter anderem den Kantonsratswahlkampf im Bezirk Klettgau für die SP geleitet. Aus der Medienmitteilung geht hervor, dass das ausgeprägte Organisationstalent, die Führungskompetenz sowie sein unermüdlicher Einsatz in allen Tätigkeitsgebieten für die SP Hallau ausschlaggebend gewesen seien, Daniel Meyer als neuen Gemeinderat in Hallau vorzuschlagen. Die SP Hallau empfehle zudem alle bisherigen Mitglieder der Schulbehörde (Dominik Pongracz, Ruth Neukomm, Peter Schöttli) sowie der Rechnungsprüfungskommission (Andrea Bringolf, Fritz Friedli, Christian Näf) zur Wiederwahl.

**Motiviert und viel Tatendrang**
Die Motivation von Daniel Meyer, für die Gemeinderat zu kandidieren, gründe auf einer Mischung von Tatendrang, Neugierde und politischem Interesse. Dabei sei ihm bewusst, dass die Mitgliedschaft in einer Exekutivbehörde viel Verantwortung und eine hohe Arbeitslast mit sich bringe. Doch stelle das Amt auch eine gute Chance dar, mit anzupacken und Hallau weiterzubringen. Aufgewachsen in Wilchingen, sei er seit drei Jahren Mitglied der SP Hallau. Als Ingenieur sei ihm das Lösen von Problemen nicht fremd. Beruflich beschäftige er sich mit dem Unterhalt von Personenzügen der SBB. Jeweils in den Semesterferien während des Maschinenbaustudiums habe er bei bei Fritz Meier AG auf dem Bau gearbeitet. Als Hauptmann im Stab eines Bataillons fühle er sich gut gewappnet, Mitglied in einem verantwortungsvollen Gremium zu werden.

#Notizen zu Namen

17. Oktober 2012 | Matthias Frick (AL) kandidiert für den Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
(r.)

Bei der Wiederbesetzung der Vakanz im Gemeinderat von Trasadingen kommt es zu einer Kampfwahl. Wie die Alternative Liste Schaffhausen (AL) gestern bekannt gab, tritt nämlich der Klettgauer Kantonsrat Matthias Frick bei den Gemeinderatswahlen vom 28. Oktober 2012 in Trasadingen an. Dies, nachdem bereits die Kandidatur des parteilosen Urs Baumann bekannt gegeben wurde.
Mit Matthias Frick schickt die AL eines seiner aktivsten und erfahrensten Mitglieder mit intakten Wahlchancen in den Wahlkampf. Matthias Frick ist angehender Historiker und arbeitet derzeit im Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen. Er ist in Trasadingen aufgewachsen und mit seiner Heimatgemeinde eng verbunden. Er weiss, wo in der Gemeinde der Schuh drückt und welches die Herausforderungen sind, die das Dorf gegenwärtig beschäftigen. Als Kantonsrat verfügt Matthias Frick über die erforderlichen politischen Erfahrungen, um das angestrebte Amt auszufüllen und ihm neuen Schwung zu verleihen. Zudem engagiert er sich bereits heute in der Regionalkonferenz Südranden als Vertreter von Trasadingen.
Matthias Frick ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste Schaffhausen und hat mit mehreren Vorstössen im Kantonsrat, durch seine Mitarbeit in verschiedenen Spezialkommissionen und auch als Kampagnenleiter bei der Prämienverbilligung und der Reichtumssteuer-Initiative unter Beweis gestellt, dass er nicht nur überzeugende Ideen, sondern vor allem auch Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen besitzt, um seine Umwelt mitzugestalten.

#Aktivitas

15. Oktober 2012 | Neue Umfrage!

Die neue Umfrage findet ihr auf der Startseite rechts unten oder [hier!](https://scaphusia.ch/umfragen/2012/10/10/bier-besteht-aus/)

#Notizen zu Namen

15. Oktober 2012 | Politik, eine Familienangelegenheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wenige mächtige Familien «ratsfähig» waren und damit überhaupt Zugang zur politischen Macht hatten. Die hart erkämpften demokratischen Strukturen ermöglichen es heute, dass die Mitbestimmung auf viele, von den Stimmberechtigten gewählte Schultern verteilt wird.

**Zweimal FDP, einmal Jungfreisinn**
Aber natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Stimmberechtigten einzelnen Familien mehr Einfluss einräumen: In der Stadt Schaffhausen etwa hat derzeit keine andere Familie so viel politische Mitbestimmung wie die Familie Hauser. Mit Vater Thomas Hauser und Mutter Katrin Hauser hält die Familie zwei Sitze im Grossen Stadtrat für die FDP. Der 25-jährige Sohn Res Hauser ist nach einem Rücktritt ebenfalls in den Grossen Stadtrat nachgerückt, allerdings für den Jungfreisinn. Das heisst: Zumindest auf dem Papier vereinigt die Familie ein Zwölftel oder 8,3 Prozent der Stimmen des Grossen Stadtrates – nicht eingerechnet ist das Kantonsratsmandat, das Vater Thomas auch in der kommenden Legislatur innehat. Weil Res Hauser aber Mitglied der bürgerlich-liberalen Fraktion ist und damit nicht in derselben Fraktion wie die Eltern sitzt, wird nicht immer gleich abgestimmt. «Es gibt schon viele Diskussionen, aber wir respektieren die Meinung der anderen – das ist für mich die Hauptsache», sagt Katrin Hauser-Lauber. Zudem bleibe man bei solchen Debatten nicht stur, «diese Gespräche erweitern den Horizont», sagt die dreifache Mutter. Wenn es um Grundsatzfragen geht, dann wird auch mal länger diskutiert, und oft wird dabei auch mit dem Ursprung der FDP als liberaler Kraft argumentiert: «Da kann es schon sein, dass ich zugunsten der Partei vielleicht etwas zurückhaltender bin», sagt Hauser-Lauber und betont, «aber bei Themen, die mir am Herzen liegen, gebe ich nicht nach.» So etwa bei der Rhybadi-Vorlage, welche sie und der Sohn ablehnten, der Vater aber unterstützte. Zuweilen nehmen die politischen Debatten auch zu viel Platz ein, «da müssen wir manchmal die Politik einfach beiseitelegen», sagt Hauser-Lauber. Die Politisierung der Jungen (auch die Tochter hat für den Kantonsrat kandidiert) hat über die Gespräche der Eltern stattgefunden, klassisch, beim Mittagessen. Dass Vater, Mutter und Sohn im Stadtparlament sitzen, wurde miteinander schon öfter diskutiert, als problematisch wurde diese Situation aber nicht eingeschätzt. Und: Ja, man wähle sich gegenseitig, «wir wählen alle, die wir mögen und für fähig halten – dazu gehört halt auch die Familie.»

**SP und zweimal Juso**
Einen ganz ähnlichen Einfluss dürfte das Elternhaus auch bei der Familie Fürer gehabt haben: An den Abstimmungssonntagen durften die Kinder Seraina (22) und Casimir (18) zu Hause keinen Lärm machen, denn die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde am Radio mitverfolgt. An diesen Umstand haben sich aber nicht etwa die Eltern erinnert, die der Meinung waren, dass politische Debatten nicht besonders oft stattgefunden hätten, sondern die Kinder: «Das mit dem ruhig sein, haben sie uns kürzlich erzählt, als wir auf die Politisierung zu sprechen kamen», erinnert sich Vater Urs Fürer, der bereits für die SP im Grossen Stadtrat sitzt und erneut kandidiert. Gleichzeitig treten diesmal aber auch seine beiden Kinder an, dies allerdings auf der Liste der Jungsozialisten. Tochter Seraina sogar auf dem 1. Listenplatz; aber weil sie bereits für die kommenden vier Jahre in den Kantonsrat gewählt wurde, würde sie die Wahl aus zeitlichen Gründen nicht annehmen. Denn zu tun hat die Studentin genug, immerhin sitzt sie in der Geschäftsleitung der Juso Schweiz. Für Politik zu interessieren begann sich die Tochter noch bevor die Eltern aktiv politisierten, «ich erinnere mich noch, wie sie mit vierzehn Jahren zwei Tragtaschen voller Ordner heimbrachte und sagte: Ich bin Präsidentin der Juso.» Zuerst hat er ihr davon abgeraten, «doch sie hat sich nicht abbringen lassen. Mit drei Mitgliedern hat sie angefangen und die Partei wieder hochgebracht», sagt der Vater nicht ohne Stolz. Über die Schwester sei dann auch der jüngere Bruder in Kontakt mit der Politik gekommen und konnte sich dafür begeistern, er rangiert auf dem dritten Listenplatz. Obwohl die Juso letztlich für die SP bei den Wählern durchaus zur Konkurrenz werden könnten, sieht Urs Fürer die Situation gelassen: Egal, ob SP, Juso oder AL, politisch finde man sich. Fürer: «Ich bin einfach froh, dass meine Kinder nicht beim Jungfreisinn oder bei der Jungen SVP sind, denn damit hätte ich schon Mühe.»


**Familienangelegenheit Eine kleine SN-Wahlserie**

Am 28. Oktober wählen die Stimmberechtigten der Stadt Schaffhausen den Grossen Stadtrat für die kommenden vier Jahre. Unter den 209 für die 36 Sitze Antretenden finden sich auffällig viele Kandidatinnen und Kandidaten, die jeweils miteinander verwandt sind. Das haben die SN zum Anlass genommen, in einer kleinen Serie vor den Wahlen verschiedene Politikerfamilien der Stadt vorzustellen. Den Auftakt machen wir heute mit den beiden Familien Hauser und Fürer, die bereits mehrere politische Ämter halten. (rob)



Liberalem Gedankengut verpflichtet: Während Vater Thomas und Mutter Katrin Hauser der FDP angehören, politisiert Sohn Res für den Jungfreisinn.
Bild Simon Brühlmann

#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Kantifest

Schaffhauser Nachrichten, Region
(brr)

«Heisse Rhythmen jagten vor Wochenfrist durch die ehrwürdigen Räume der Schaffhauser Kantonsschule» – so heisst es zu Beginn einer Beilage der SN vom Montag, 8. Oktober 1962, zum damaligen Kantifest. Gegen 1200 Teilnehmer seien von der Feier «bezaubert» gewesen. Zum Vergleich: 2012 wurden 3500 Leute erwartet. Die Idee war aber schon damals die gleiche, denn die Schülerinnen und Schüler hatten das Innere des Altbaus (der Neubau entstand erst 1967) mit «einem beispiellosen Aufwand an Ideen und Arbeit» dekoriert: «Stockwerk für Stockwerk, Raum für Raum bildete eine Sehenswürdigkeit für sich.» Wie heuer war 1962 um 2 Uhr nachts das Fest zu Ende. Damals schloss Rektor Albert Wüscher, der ein «unauffälliges und verständnisvolles Regime» geführt habe, «mit grosser Autorität die Pforten seiner Alma Mater». In einem Punkt unterschied sich die Veranstaltung aber zu der diesjährigen: Wie im Artikel beschrieben, waren am nächsten Tag alle Burschen und Mädchen um 8 Uhr wieder zur Stelle, um abzuräumen. Beim Fest vor knapp drei Wochen hingegen wurden am Samstag nur grobe Aufräumarbeiten im und um das Haus getätigt – die grossen Abbauarbeiten fanden erst nach dem erholsamen Wochenende am Montag statt.


#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Minderjährige erhalten Alkohol

Schaffhauser Nachrichten, Inland
(sda)

Minderjährige ab 16 Jahren dürfen in Freiburger Gaststätten weiterhin Bier und Wein konsumieren. Das Kantonsparlament hat das von der Regierung vorgeschlagene Verbot gestern abgelehnt und sich mit 86 zu 14 Stimmen bei 3 Enthaltungen für die geltende Regelung entschieden. Jugendlichen unter 18 Jahren ist also nur der Schnapskonsum untersagt.
Der Staatsrat wollte das Verbot im revidierten Gesetz über die öffentlichen Gaststätten ausdehnen, weil der Alkoholkonsum unter Jugendlichen beunruhigende Ausmasse annehme. Die grosse Mehrheit des Parlaments befand, Junge fänden sonst andere Wege, um sich mit Alkohol zu versorgen.

#Notizen zu Namen

9. Oktober 2012 | Pfadihütte kurz vor dem Richtfest

Schaffhauser Nachrichten, Reiat
Andreas Schiendorfer

Das Kesslerloch in Thayngen braucht man kaum einem Schaffhauser mehr vorzustellen. Hier konnte man vor Urzeiten Rentiere und Wollnashörner jagen, hier bellte einst der älteste Hund der Welt, fast so wild noch wie seine Wolfsmutter. Ein bisschen sieht man sich heute an diese Zeiten zurückerinnert. Nicht nur, weil die Gemeinde alles unternimmt, um die archäologische Fundstätte zu schützen, sondern auch, weil sich ganz in der Nähe, im Wippelwald, wegen der Erneuerung der Pfadihütte immer wieder der Luchs – so der Pfadername von Ruedi Gusset, dem Präsidenten der Thaynger Altpfader – gesichtet wird. Hinzu kommt sogar ein Mammut (alias Peter Uehlinger, Mitglied der Projektleitung). Worum es dabei geht, pfeift der Spatz (Abteilungsleiter Severin Hafner) zufrieden von allen Dächern, doch die Idee dazu ging nicht von den Aktiven aus, sondern stellt quasi – in der Pfadisprache Quaxi (Jacqueline Ehrat, Präsidentin des Elternrats) – ein Geschenk der Eltern und der Altpfader dar.

**60 Helfer**
Man könnte die wundersame Namensliste fast beliebig erweitern, wie Bauleiter Adrian Ehrat freudig erklärt. Gut und gerne 60 freiwillige Helfer hätten sich nämlich seit Ende August für den Bau der neuen Pfadihütte im Wippel eingesetzt, das heisst, beim Abbruch eines Teils des alten Gebäudes mitgeholfen. Ein Augenschein an einem nicht besonders freundlichen Ferienmorgen bestätigt es: Zwei Pfader mit ihren Vätern sind daran, den Kamin zu zertrümmern, und auch die ganze Projektleitung ist vor Ort, diskutiert über den Baufortgang und führt den Schutt in die Deponie hinter dem Berg. «Wir sind ziemlich genau im Zeitplan», berichtet Ehrat. «Am 12. März erhielten wir die Baubewilligung, Ende August ging es los, und nun sind wir bereits daran, die Aufrichte zu planen. Nächsten Frühling können wir die neue Pfadihütte einweihen.» «Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz, welche unser Projekt in Thayngen und auch in den Nachbardörfern ausgelöst hat», führt Peter Uehlinger aus. «Ein richtiger Solidaritätsruck ist durch die Gemeinde gegangen. Das ist für uns genauso wichtig wie der Bau an und für sich. Die Bevölkerung weiss es zu schätzen, wie sich die Pfadfinder, ihre Eltern und die Altpfader engagieren. Und wir erhalten nicht nur schöne Worte, viele Gewerbler unterstützen uns auch mit Material und Esswaren, schicken gratis einen Lehrling vorbei und verrechnen für ihre Arbeit nur den Selbstkostenpreis.»

**Finanzierung auf Kurs**
Dann bereitet also die Finanzierung des 400 000 Franken kostenden Projekts bereits keine Sorgen mehr? Finanzchef Ruedi Gusset schaut erstaunt auf. «So schnell geht das selbst bei den Pfadern nicht», meint er vorsichtig. «Wir sind auf Kurs, aber es ist schwierig, die Materialspenden und Eigenleistungen zu bilanzieren. Spenden sind bereits ansehnliche eingegangen. Doch in unserer Kasse ist noch viel Platz.» Das Minimalziel ist es, den Finanzierungsfehlbetrag auf 100 000 Franken zu drücken. «Den Zins und eine gewisse Amortisationssumme könnten die aktiven Pfadfinder sicher verkraften», meint Uehlinger. Doch Gusset sieht das anders. «Mein Ziel ist eine rote Null. Oder eine schwarze, wenn Sie dies lieber haben.» Das Vermieten der Pfadihütte könnte zusätzliche Einnahmen bringen, aber das ist nicht vorgesehen. «Wir haben früher nicht nur gute Erfahrungen damit gemacht», meint Adrian Ehrat. «Und vor allem soll die Hütte an den Wochenenden unseren eigenen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Mit der vereinseigenen Wiese ist der Wippel ein idealer Ort für die Pfadis.»

**Zusammenhalt**
Der Bau der alten Pfadihütte hatte vor 60 Jahren bei der Thaynger Abteilung einen Anstieg von zuerst 20 auf nicht weniger als 127 Pfadfinder zur Folge. «Wenn das eintritt, müssen wir die Hütte nochmals vergrössern», meint Severin Hafner lachend. «Aber wir sind froh, dass wir den Standort Silberberg aufgeben können und bald wieder eine gemeinsame Hütte haben. Das wird den Zusammenhalt der Pfadis aller Altersstufen stärken. Und natürlich sind wir überzeugt, dass wir so für Neumitglieder noch attraktiver sind.»



Beim Um- und Neubau der Pfadihütte im Wippel naht das Richtfest. Der Anblick zeigt, dass hier umfassend erneuert wird.



Nichts ist den freiwilligen Helfern zu schwer (von links): Adrian Ehrat, Peter Uehlinger und Ruedi Gusset.
Bilder Andreas Schiendorfer

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Wie Wein wundersam wirken kann

Schaffhauser Nachrichten, Service
(mha.)

Die Feststellung, Wein sei das gesündeste und hygienischste Getränk, stammt vom französischen Bakteriologen Louis Pasteur. Bei seinen wissenschaftlichen Studien hatte er herausgefunden, dass mit Bakterien verseuchtes Wasser. durch Zusatz von Wein wieder trinkbar gemacht werden konnte.
Tatsächlich ist vergorener Traubensaft vermutlich das älteste Antibiotikum der Menschheitsgeschichte. Allerdings ist es nicht allein der im Wein enthaltene Alkohol, welcher den Kleinstlebewesen den Garaus macht. Um gegen Bakterien wirksam zu sein, müsste der Alkohol eine Konzentration von mindestens 70 Prozent aufweisen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, ist es das Zusammenspiel der verschiedenen im Wein enthaltenen Stoffe, welche antibiotisch wirken. Selbst in einer Verdünnung von 1:100 kann Wein dazu beitragen, dass das Wachstum von Staphylokokken (eitererzeugende Bakterien) gehemmt wird.
Die prophylaktische Wirkung des Weins, insbesondere bei Darmerkrankungen wie Ruhr und Cholera, war schon in der Antike bekannt. Vor allem in südländischen Armeen gehörte Wein stets zur Grundversorgung der Soldaten. So blieben beispielsweise italienische Truppen während des Ersten Weltkriegs dank einer täglichen Rotweinration weitgehend von diesen Krankheiten verschont, während in deutschen und in englische Einheiten Ruhr und Cholera relativ häufig auftraten.
Noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand Wein als Heilmittel an der Spitze aller ärztlichen Verordnungen. Rotwein half bei Durchfallerkrankungen und allgemeiner Rekonvaleszenz, Weisswein regte die Nierenfunktion an, Champagner half bei Übelkeit und grippalen Infekten, Portwein kam bei akutem Fieber und bei Anämie zur Anwendung. Kein Wunder, verfügten praktisch alle Krankenhäuser der damaligen Zeit über einen grosszügigen Weinkeller. Das zeigt beispielsweise auch der Weinverbrauch im ElisabethHospital in Darmstadt im Jahre 1871. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurden 755 Patienten folgende Mengen an Rebensaft verordnet: 6233 Flaschen Rotwein, 4633 Flaschen Weisswein, 60 Flaschen Champagner und 350 Flaschen Portwein. Es ist durchaus anzunehmen, dass einige Patienten in dieser stets voll besetzten Klinik fast ständig «benebelt» waren. Allerdings wusste schon der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe: «Im Wein liegen gute und produktiv machende Kräfte. Aber es kommt beim Weintrinken stets auf die Zustände, die Zeit und die Stunde an. Und was dem einen nützet, schadet dem anderen.»

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Ellikern bleibt die Zukunft noch zu vage

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
(M.G.)

Am 8. Oktober beginnen die Bauarbeiten für die zweite Etappe im Rahmen der Renaturierungen am Rhein und der Aufwertung der Auenlandschaft um die Thurauen. Dabei sind bauliche Eingriffe im Elliker Feld und in der Schöni geplant. Besonders nah geht diese zweite Etappe der Bevölkerung von Ellikon am Rhein, noch bevor der erste Bagger aufgefahren ist. Spätestens die unangekündigte Rodung einiger Pappeln auf dem Schönidamm im Elliker Feld unterhalb des Dorfes machte für viele nach der Mückenplage vom Sommer das Mass voll: Viele der 100 Elliker Einwohner wollten ihrem Frust Luft machen. Unter anderem in Form eines Briefes an Bundesrätin Leuthard (Uvek), den Kanton und die Axpo. Und jüngst kamen rund 40 Elliker zum eilig einberufenen Informationsanlass, an dem Walter Meier, Delegierter des Regierungsrates, ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen der Elliker Bevölkerung und den Projektverantwortlichen registrierte. Zum Bröckeln dieses Verhältnisses hatten verschiedene Punkte geführt:

**1. Die Mückenplage**
Bereits im April 2010 war der betroffenen Bevölkerung versprochen worden, die Mückenanzahl zu überwachen. Es war offenkundig, dass ein (notwendiger) Eingriff verpasst wurde, nachdem im Juni 2012 der Rheinpegel auf 800 m³/s angestiegen war und ideale Bedingungen für die Mückenlarven schuf: Die Plage nahm im Juni/Juli 2012 Ausmasse an, die ans Hochwasser von 1999 erinnerten. Dr. Peter Lüthy, Fachmann für Stechmücken, führte die Plage auf den alten Thurlauf im Hinterland sowie den erhöhten Grundwasserpegel zurück und rechnete vor, dass die Plage den Gaststätten im Dorf Einbussen von rund 10 000 Franken bescherten. Inklusive der rund 180 Liter des Gegenmittels «Bacillus thuringiensis» zur Bekämpfung der Larven, des Arbeitsaufwandes und der Nachkontrolle würde der Krieg gegen die Insekten jeweils 15 000 Franken pro Jahr kosten. Lüthys Fazit: Ein Einsatz im alten Thurlauf und südlich davon lohnt sich und werde bereits fürs nächste Jahr geprüft. Nur: «Es ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Da muss ich grünes Licht aus Bern haben.» Dieses wollen die Projektverantwortlichen bis im November einholen, nachdem sie im vergangenen Jahr die Situation falsch eingeschätzt hätten. «Ich entschuldige mich persönlich dafür, dass wir das verpassten», so Meier.

**2. Die ominösen «Tümpel»**
Bis 2027 soll das heutige Ackerland im Elliker Feld von Brachflächen, Magerwiesen, Hecken, Obstbäumen und Schilfflächen geprägt sein. Offen ist indes das Resultat im Detail. Doch die latente Angst, dass die Ungenauigkeit bei der langfristigen Planung zu bösen Überraschungen führen könnte, war in Ellikon spürbar. Sowohl Elliker Landwirte als auch die übrigen Anwesenden ärgerte vor allem ein einstiger Landschaftsplan der Vertreterin von der kantonalen Fachstelle Natur, Corina Schiess. Sie versicherte zwar, dass die dort eingezeichneten Tümpel mitten in wertvollem Kulturland oberhalb des Schönigrabens im Elliker Feld nicht mehr aktuell seien. «Räumlich sind die Strukturen erst teilweise festgelegt», erklärte Schiess. Auch die neuen Pläne zeigten erst die Situation für die nächsten fünf Jahre. Darüber, wo bis 2027 weitere Bäume, Brachen, Niederbüsche und Hecken entstehen sollten, «sollen die Bewirtschafter auch mitreden», so Schiess. Bezüglich befürchteter Tümpel gab sie zu Protokoll, dass «eventuell kleinflächige bauliche Massnahmen» geplant seien, aber keine weiteren Gewässer mit schwankendem Pegel, die das Mückenrisiko erhöhten. Auf einen Vorschlag von Schiess, jährlich mit der Bevölkerung die weiteren Massnahmen bei einem Rundgang zu begutachten, erntete sie Lacher: Die Offenheit der zukünftigen Entwicklung der Elliker Schutzzone wurde der Baudirektion als Vagheit ausgelegt.

**3. Der fehlende Damm**
Ursprünglich sollte der abzubrechende hohe Damm am Rheinufer weiter zurückliegend in Form eines kleinen Walls ersetzt werden. Auf Intervention von Naturschutzverbänden wird aber auf die Option eines Walls gänzlich verzichtet. Die ökologische Begleitkommission hatte die «dammlose» Version abgesegnet. Nun wird die Axpo darangehen, im Rahmen der ihr übertragenen Aufwertungsmassnahmen den Damm entlang dem Rhein abzutragen. Für den kollektiven Aufschrei in Ellikon fand Walter Meier wenig Verständnis: Die offizielle Auflage sei 2005 regulär vonstattengegangen, und gemäss Projektfestsetzung durch den Regierungsrat (9. März 2005) «könnte auf den Ersatz des abgebrochenen Dammes … verzichtet werden, wenn mit allen Betroffenen eine Einigung erzielt werden kann». Dies sei der Fall gewesen bezüglich der Landbesitzer, die abtauschten, und der Pächter. «Es kam keine Reaktion aus Ellikon, mit dem Wunsch, der Damm sei zu streichen», so Meier.

**4. Parkflächen und Werkverkehr**
Eine besorgte Mutter wollte wissen, wie viele Lastwagen konkret täglich durch und um Ellikon in Richtung Marthalen und zurück fahren, auf dem Schulweg der Oberstufenkinder. Felix Hansmann, der über die Erdarbeiten der Axpo berichtete, erklärte: Die durchschnittlich 16 Lastwagen pro Tag sollen als Rundkurs die Schöni befahren und nicht durchs Dorf, sondern unterhalb Ellikons von Flaach her- und in Richtung Marthalen wegfahren. Laut Ralph Hächler von der WSB AG für Wasserbau könne bei ihm noch Humus bestellt werden – doch bei Aufschüttungen von mehr als 500 m² brauchten die Landwirte eine Baubewilligung. Auch die Einrichtung eines Buskurses wurde angeregt. Im Zusammenhang mit einem längst geforderten Anschluss Ellikons ans ÖV-Netz ist dieser Wunsch nicht neu. Die Gemeinderätin und Delegierte der Zürcher Planungsgruppe Weinland, Inge Stutz, liess durchblicken, dass der Kanton immerhin Hand geboten hat zur Prüfung eines Rundkurses Flaach–Ellikon–Alten–Marthalen–Flaach. Ein weiteres heisses Eisen sind in Ellikon die Wildparkierer. Trotz der Schaffung von gut 30 Schotterrasen-Plätzen ums Schulhäuschen sei das fürs Dorf nicht genug, so der Tenor. Punkto Parkplätzen meinte Stutz, die ZPW strebe an, temporäre Parkplätze bei der Elliker Brücke zu schaffen. Die Einwohnerin Susanne Friedrich fasste angesichts der Unwägbarkeiten und Verunsicherung in der Bevölkerung zusammen: Das 54-Millionen-Projekt überfordere Gemeinde, Kanton und Bund, und die Konsequenzen seien zu wenig abgeschätzt worden. «Es ist mindestens drei Schuhnummern zu gross.» In mehrfacher Hinsicht geriet die Diskussion zur Replik einer Veranstaltung vom 21. April 2010, bei der die Ängste der Bevölkerung zu Mückenplage, Verkehr und Landtausch zur Sprache kamen. Nur, jetzt war das Projekt in bedrohliche Nähe gerückt – und viele Unsicherheiten waren geblieben.

#Notizen zu Namen

27. September 2012 | 40 Jahre miteinander und füreinander

Schaffhauser Nachrichten
Kurt Zubler

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Schweiz einen enormen Aufschwung. Zwischen 1950 und 1970 stieg die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte von 90000 auf 830 000 an, wovon mehr als 60 Prozent aus Italien stammten. Die rasanten gesellschaftlichen und technischen Veränderungen führten trotz des steigenden Wohlstands zu einer gewissen Verunsicherung. Diese fand ihr Ventil vor allem im Kampf gegen die «Überfremdung», die zwischen 1964 und 1977 zum dominanten politischen Thema wurde. James Schwarzenbach und seine Nationale Aktion nahmen sich der Thematik mit Vehemenz an. 1969 reichten sie ihre Initiative «Gegen die Überfremdung» ein.
Die Heftigkeit der Debatte befeuerte eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die sich besonders gegen die Italiener, richtete. Ihnen schlug eine aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Geringschätzung und Abneigung, ja gar Hass entgegen. Bei einer Annahme der Initiative hätte der Kanton Schaffhausen rund die Hälfte seiner Ausländer fortschicken müssen, mit einschneidenden Auswirkungen für Industrie und Gewerbe.

**Gegen Schwarzenbach-Initiative**
In der ganzen Schweiz regte sich deshalb Widerstand gegen die Initiative. In Schaffhausen amtete der spätere SVP-Ständerat derat Ernst Steiner als Präsident des Aktionskomitees gegen die SchwarzenbachInitiative. Weiter vertreten waren der gesamte samte Regierungsrat, die eidgenössischen Parlamentarier, Stadt-, Gemeinderäte und Grossräte aller Parteien sowie Arbeitgeberund Arbeitnehmervertreter. Das nationale Abstimmungsresultat von 46 Prozent Ja-Stimmen beeindruckte tief, auch wenn die Initiative in Schaffhausen trotz des überdurchschnittlich hohen Ausländeranteils «nur» 40 Prozent Ja-Stimmen erhielt.
Als sich das Komitee nach der Abstimmung versammelte, kam keine Siegesstimmung auf. Zu tief waren die aufgerissenen Gräben, zu viel Unbehagen war ans Licht gekommen. Es galt nun dringend, ein menschlicheres Verhältnis zu den Ausländern zu finden und eine überzeugende Ausländerpolitik zu entwickeln. Die Neue Helvetische Gesellschaft NHG machte das Angebot, diese überparteiliche Aufgabe zu übernehmen. Von Oktober 1970 bis November 1971 erarbeitete eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Kantonsschulrektors Ernst Trümpler in 27 Sitzungen einen umfassenden Bericht mit konkreten Massnahmen. Visionär, liberal und zutiefst humanistisch ging die Arbeitsgruppe vom Recht auf Individualität aus und war der Überzeugung, dass ein gutes Zusammenleben nur auf gegenseitigem Respekt basieren könne: «Es ist ein Eingriff in die Menschenwürde, wenn wir von den Ausländern vollständige Anpassung verlangen (während wir uns weitgehend gleichgültig verhalten). Eigenart, Andersartigkeit ist (im Rahmen unseres Rechtsstaates) ein Recht – ein individuelles Menschenrecht mit dem Anspruch, anerkannt und geachtet zu werden.»

**Die Gründung einer Kontaktstelle**
Ein Hauptanliegen des Berichts war die Schaffung eines neutralen und autonomen Informations- und Koordinationsdienstes für Ausländer und Schweizer. Politisch wurde die Kontaktstelle vom freisinnigen Kantonsrat Kurt Amster lanciert. Im Vorfeld der Gründung wurden sämtliche Arbeitgeber zur Beitrittserklärung und zu einem Jahresbeitrag von 12 Franken pro ausländischen Arbeitnehmer eingeladen. Allein GF mit mehr als 2000 ausländischen Mitarbeitenden stellte über 24000 Franken in Aussicht. Für das erste Geschäftsjahr standen knapp 83 000 Franken zur Verfügung, davon stammten 92 Prozent von der Arbeitgeberschaft. Damit waren die Voraussetzungen zum Aufbau der Kontaktstelle geschaffen.
Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung der Schaffhauser Kontaktstelle Schweizer-Ausländer statt, die kurz darauf ihren Betrieb aufnahm. Der Beratungsalltag war vielfältig und umfasste Fragen zu Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit, Steuern, Versicherungen usw. Oft wurde die Kontaktstelle für Übersetzungen beigezogen zum Beispiel für Merkblätter zur Altglassammlung oder über die Abgabe von Fluortabletten. Auffallend viele Arbeitgeber liessen sich Betriebsordnungen, Informationen über Steuern und Versicherungen sowie verschiedene Korrespondenz übersetzen.
Im Sinn einer Drehscheibe hatte die Kontaktstelle die Vernetzung aller relevanten Akteure aufzubauen und zu koordinieren. Wichtige Themen waren die Klärung und die Vermeidung von Missverständnissen zwischen der ausländischen Bevölkerung und der Verwaltung, die Förderung der fremdsprachigen Kinder in der Schule und die Elterninformation. So entwickelte die Kontaktstelle 1973 eine in fünf Sprachen übersetzte Informationsbroschüre über Bildungsmöglichkeiten und soziale Dienste. Als Informationsorgan publizierte sie von 1975 bis 1993 den «Kontakt», der ab 1994 durch die Beilagen in den «Schaffhauser Nachrichten» und in der AZ abgelöst wurde.
Grosse Aufmerksamkeit schenkte die Kontaktstelle der zwischenmenschlichen Begegnung. So veranstaltete sie am 8. September 1973 und am 11. September 1982 gemeinsam mit Ausländerorganisationen den Treffpunkt International auf dem Fronwagplatz. Begeistert berichtete der Geschäftsleiter Felix Blum vom zweiten Treffpunkt: «Zu Tausenden füllten fröhliche und zufriedene Menschen jeglicher Nationalität den Platz. Die Begegnung wurde zum vollen Erfolg! Rund 900 freiwillige Helfer waren im Einsatz. In ungezählten Stunden ist es gelungen, ein für Schaffhausen wohl einmaliges Fest zu bauen.»
Zu den Zielen der Kontaktstelle gehörte auch der Ausbau zu einem Freizeit- und Begegnungszentrum. Die Suche nach einem geeigneten Lokal blieb lange erfolglos, bis die Stadt im Herbst 1987 die Krummgasse 10 zur Nutzung anbot. Dieses Gebäude konnte als Kultur- und Begegnungszentrum dienen und auch die Dienste der Kontaktstelle aufnehmen. Die feierliche Eröffnung fand am 10. März 1990 statt.
Dem Gedeihen der Kontaktstelle wurde stets grosse Bedeutung zugemessen. Der Kanton war ununterbrochen mit einem Mitglied des Regierungsrats vertreten. Weiter engagierten sich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft, die Kirchen, die Schulen, die Presse und andere Institutionen im Vorstand. Die Stadt Schaffhausen nahm ab 1981 mit dem späteren Präsidenten Kurt Gehring im Vorstand Einsitz, die Gemeinde Neuhausen erst ab 1986, nachdem Regierungsrat Ernst Leu festgestellt hatte, dass «Neuhausen nicht im Vorstand vertreten ist, jedoch immer wieder Probleme auftreten, die eine gemeinsame Lösung erforderlich machen».

**Kohärente Integrationspolitik**
Die Arbeitgeberbeiträge nahmen im Lauf der Jahre stetig ab. Gründe waren die Zuwanderungsbeschränkung, später die Krise der Industrie und der Abbau von Arbeitsplätzen. Die Finanzierung stellte den Verein deshalb regelmässig vor Herausforderungen. Mehrfach mussten Anstellungspensen reduziert, Kosten gesenkt und die Trägerschaft um höhere Beiträge ersucht werden. 1986 beschloss der Verein die Einführung von Einzelmitgliedschaften und den Einbezug der Ausländervereinigungen. Die Migrationsbevölkerung selbst war deshalb erst seit 1987 im Vorstand vertreten. Trotz aller Massnahmen führten die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen zu weiteren Einbussen. Nach 30 Jahren waren die Arbeitgeberbeiträge 2002 auf einen Viertel des Betrages von 1972 eingebrochen. Auf dieser Basis hatte die Kontaktstelle keine Zukunft.
Um die Jahrtausendwende formulierte der Bund erstmals eine aktive Integrationspolitik und lud die Kantone ein, regionale Kompetenzzentren für Integrationsfragen aufzubauen. Der Kanton und die Stadt Schaffhausen ergriffen die Chance und lancierten die Erarbeitung der Leitlinien für eine kohärente Integrationspolitik. In der Folge wurden die fusionierten Vereine des Begegnungszentrums und der Kontaktstelle 2004 in die Integrationsfachstelle Integres überführt.

**Ehrenamtlich für eine gute Sache**
Zu den auffälligsten Entwicklungen seit der Gründung gehören neben der veränderten Zuwanderung sicher die schwindende Unterstützung der Arbeitgeberschaft und der Rückzug von Teilen der Politik. Waren in den 70er-Jahren alle Regierungsparteien geschlossen gegen die Überfremdungsinitiativen und standen hinter dem Aufbau der Kontaktstelle, so hat sich dies gewandelt. Der Leitgedanke der Pioniere von 1972, dass das Ausländerproblem nicht in erster Linie ein Problem der Zahl, sondern eine Frage der Mitmenschlichkeit sei, steht unter Druck. Trotzdem ist die überaus breite Abstützung von Vorstand und Trägerschaft als wichtiges Erbe der Gründungszeit bis heute erhalten geblieben. Über 70 Vorstandsmitglieder und viele mehr in Arbeits- und Aktionsgruppen haben die gemeinsamen Ziele in unzähligen, ehrenamtlich erbrachten Stunden über die Jahre mitgetragen, mitgeprägt und im Geist des gegenseitigen Respekts mit Leben erfüllt. Bei ihnen allen, die hier nicht mit Namen und Verdienst erwähnt sind, bedanken wir uns herzlich. Ohne ihren Einsatz wäre unsere Gesellschaft ein gutes Stück kälter und ärmer.


**Zur Gründung der Kontaktstelle**

Nach der abgelehnten SchwarzenbachInitiative-bat mich Erwin Beyeler, der damalige Chef der Fremdenpolizei, um die Mithilfe zur Gründung einer Kontaktstelle Schweizer-Ausländer. Ich sagte zu, und zusammen mit Redaktor Heinz Dutli formulierten wir ein Pflichtenheft und Vereinsstatuten. Wir kontaktierten umgehend die Arbeitgeberund Arbeitnehmerorganisationen sowie weitere interessierte Institutionen wie Kirchen, Gemeinden und verschiedene Vereine. Nach vielen Besprechungen erhielten wir sukzessive die notwendigen Zusagen für die finanzielle Unterstützung. Im Grossen Rat reichte ich eine Motion für einen Kantonsbeitrag ein. Anfänglich hatte ich einige Kritik einzustecken («schon wieder wird die öffentliche Hand angegangen!»). Nach seriöser Begründung und Bekanntgabe derMitfinanzierenden stimmte der Grosse Rat dem beantragten Jahresbeitrag einstimmig zu.
Nun galt es, die Organisation der Kontaktstelle vorzubereiten. Als Präsidenten gewannen wir Rektor Ernst Trümpler. Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung statt, und die notwendigen Beschlüsse für die Aufnahme der Tätigkeit konnten rasch gefasst werden. Als erster Geschäftsleiter wirkte Hans Gabriel, und am 2. Oktober 1972 konnte die Arbeit offiziell aufgenommen werden. Die Kontaktstelle etablierte sich erfolgreich, und ich glaube somit sagen zu dürfen, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

KurtAmsler, Vorstand 1972-1984


**Erinnern an Lebendigkeit**

Aufbruch im Innern und Umbruch im Umfeld prägten die «Kontaktstelle» Anfang der9oer-Jahre. Bescheiden waren die finanziellen Mittel, klein noch Bundesvorgaben und Bürokratie. Dafür gab es viel persönliches Engagement, konkrete gemeinsame Projekte und freundschaftliche Kontakte. In Fronarbeit schufen Migranten und Schweizer an der Krummgasse ein Begegnungszentrum samt aktivem Trägerverein mit gemischt besetztem Vorstand. Hoch im Kurs standen Kulturaustausch, Kurse und Feste, ja sogar ein runder Tisch, wo die Vertreterinnen und Vertreter der Ausländervereine mit einheimischen Politikern und Schlüsselpersonen ihre Anliegen direkt besprechen konnten. Schmerzlich dann die Erschütterungen in Jugoslawien, welche auch bei uns dunkle Spuren hinterliessen. Nötiger denn je erfüllte die Kontaktstelle ihren Auftrag weiter: Integration nicht als anpasserische Gleichmacherei, sondern als respektvolles Miteinander in der Vielfalt.

Kurt Gehring, Vorstand 1981-1989, Präsident 1990-1994

#Allgemeines

27. September 2012 | Seit 1983 schon in Schaffhausen, seit 1988 in der «Kerze»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Zeno Geisseler

Die erste Bemerkung ist schon falsch. «Rolf, wie man hören kann, kommst du ja aus Bern.» – «Uh, nei!», sagt Rolf Könitzer, Wirt der «Kerze». «Aus der Matte!» Für Nichtberner ist dies einfach ein weiteres Quartier der Hauptstadt, für Stadtberner aber ist es eine eigene Welt. Der junge Rolf lernt in der Schule Geige, wie die Mutter, später dann Gitarre. Der Vater spielt Handorgel. Die Matte ist eine Welt, die «Rouf» schon lange hinter sich gelassen hat. Vor fast 30 Jahren, 1983, landete er nach einigen Wanderjahren in Schaffhausen und übernahm das «Domino». Dort wirtete er viereinhalb Jahre. Polo Hofer trat zweimal im «Domino» auf, er hatte mit Könitzer zusammen die Lehre gemacht, Handlithograf.
Am 1. Oktober 1988 wechselte Könitzer in die «Kerze», zusammen mit seiner Bea, einer Neuhauserin, die er im «Domino» kennengelernt und im Jahr zuvor geheiratet hatte. Die «Kerze» sollte eine Musikbeiz werden. «Damals gab es hier nur die Nachrichten aus dem Telefonrundspruch», sagt er. Fortan gab es die «Musikwochen», auch ein Toni Vescoli spielte schon in der kleinen Beiz in der Stadthausgasse. Wer damals die knarrende Holztreppe zur «Kerze» hochstieg, um sie viel später etwas weniger sicheren Schrittes wieder in der Gegenrichtung zu verlassen, war politisch klar zuzuordnen. «Grün-alternativ, Poch», sagt er. Heute sei dies ganz anders, die «Kerze» sei viel offener. Vom 16-jährigen Kantischüler bis zum Pensionierten kämen alle. Die meisten seien Stammgäste, viele von Anfang an. «Mein ältester Gast ist eine 82-jährige Dame. Sie kommt immer. Ausser, wenn ihr die Musik zu laut wird.» Morgen Freitag, am 28. September, feiert Könitzer 25 Jahre «Kerze». «Schön & Grob» spielen auf, Mundart, Oldies, Country, Folk und Blues. Er kennt einen der Musiker noch aus «Domino»-Zeiten. «Und es gibt Preise wie vor 25 Jahren», sagt Könitzer. «Die Flasche Bier für 3.50, s Halbeli für 15.» 25 Jahre? Der Wechsel war doch 1988? «Jo, eigetlech simer z früe», sagt er, «aber das war schon beim Zehnjährigen so. Erst am Abend haben wir gemerkt, dass es eigentlich erst neun Jahre sind.» Eine vorgezogene Feier weckt gewisse Befürchtungen. Hört er auf? Könitzer winkt ab. «Nenei.» Solange er noch könne, bleibe er. Die grosse Frage ist natürlich, ob er morgen selbst zu seiner Fender oder seiner Epiphone greifen wird. Zum Beispiel mit «Di chline Bäremutze», einem Lied, das sogar auf Youtube zu finden ist. Er lacht. «Mau luege!»

**Zur Person**
Alter 66
Zivilstand Witwer
Wohnort Schaffhausen
Hobbys Musik
Aktuelle Lektüre Mundartgedichte



Ging mit Polo Hofer zusammen in die Lehre, lernte Geige wie seine Mutter und wechselte dann auf Gitarre: Rolf Könitzer.
Bild Zeno Geisseler

#Alt-Scaphusia

24. September 2012 | Heinrich von Ziegler olim Star

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Heinrich von Ziegler olim Star
Dr. chem.
Generation 1945

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Abdankungsfeier findet am Mittwoch, 3. Oktober 2012 um 14.30 Uhr in der reformierten Kirche Zollikon statt.

Die studentische Totenehrung findet am Mittwoch, 31. Oktober 2012, um
20.00 Uhr im Verbindungslokal statt.

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Verleihung Contempo-Förderpreis: Einer für alle – fast alle nehmen ihn an

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Anna Rosenwasser

Der Sagenheld Robin Hood hätte seine wahre Freude gehabt an der diesjährigen Contempo-Verleihung. Der Kulturförderpreis wurde nämlich fair aufgeteilt: Allen Nominierten stehe der Zustupf zu, befand die Jury. Es ist eine Premiere in der Geschichte des Contempo-Preises, der bisher stets an einzelne Künstlerinnen und Künstler vergeben wurde. Ziel der Verleihung ist es zum einen, junge Kunst in Schaffhausen zu fördern. Zum anderen macht der Kulturförderverein Contempo damit auf sich aufmerksam.

**Erstmals Bands ausgezeichnet**
Auch das gewählte künstlerische Genre war ein Novum des Förderpreises, der seit 21 Jahren verliehen wird. Wurden bisher Bühnenbildnerinnen, Fotografen und einzelne Musikerinnen damit gefördert, galt die diesjährige Auszeichnung erstmals ganzen Bands. Vier sehr unterschiedlichen zudem, wie Vereinspräsident Urs Fürer in seiner Ansprache betonte. «Alle vier erbringen eine grosse Leistung», so Fürer, der auch auf weitere beachtenswerte Bands aus der Munotstadt verwies. Fürwahr, die Ausgezeichneten un-terscheiden sich. Deadverse, mit Gründungsjahr 2007 die jüngste der vier Bands, widmen sich dem Hardcore-Punk. Quince hingegen spielen Indie- Pop; ihr erstes Album erschien 2007, kürzlich folgte das zweite. Das Trio Lo Fat Orchestra produziert basslastigen Rock, die Gruppe Plain Zest hingegen temporeichen Punkrock. Alle vier Truppen sind mit ihrer Konzerttätigkeit ausserhalb wie auch innerhalb Schaffhausens präsent: Lo Fat Orchestra etwa traten am diesjährigen «festival» auf, Deadverse beehrten unter anderem das N4-Fest, und Plain Zest agieren auch als Konzertveranstalter in ihrem Schaffhauser Bandraum. Die Musik von Quince konnte noch am Abend der Preisverleihung genossen werden – an der Plattentaufe ihrer CD «Give you my mhhh …», die das Quintett im Anschluss an die Verleihung im «Cardinal» einweihte. Hörproben der weiteren Nominierten genoss das Publikum in Form von Musikvideos und eingespielten Liedern.

**Verzicht zugunsten anderer**
Während Quince nur für eine kurze Zeit in der Kammgarn weilten, tauchte eine der vier nominierten Bands gar nicht erst auf. Deadverse hatten auf den Förderpreis verzichtet, «zugunsten der anderen», wie die Gruppe durch Fürer verlauten liess. So wurde der mit 5000 Franken dotierte Preis nicht wie geplant unter vier, sondern unter drei Bands aufgeteilt. Die gerahmte Auszeichnung war nichtsdestotrotz ein «Viertel-Grammy» – eine Schallplatte, frei nach Robin Hood fair in vier Stücke aufgeteilt. Im Vorfeld der Verleihung fand die Generalversammlung statt, in der unter anderem dem scheidenden Vereinspräsident Urs Fürer ein bis 2022 währendes Kammgarn-Eintrittsbillett überreicht wurde. Im Anschluss an die Preisverleihung trat der frühere Preisträger Camero mit seinen Beatboxkünsten auf. Auch ein Quiz und ein Konzert der Rock-’n’-Roll-Band Baby Halbstark gehörten zum Programm. Buffet und Bar standen ebenfalls allen offen – Robin Hood hätte es gefreut.



Freuen sich über den kollektiven Förderpreis: Chrisi Zimmermann und Thorsten Strohmeier (Lo Fat Orchestra), Peter Bächtold (Quince), Alexander Norring, Gregor Spitzer und Elia Schneider (Plain Zest).
Bild Anna Rosenwasser

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | SVP und ÖBS erringen je einen Sitz zulasten von FDP und SP

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Fast alle bisherigen Schulräte wurden wiedergewählt, das beste Ergebnis schaffte Vreni Osterwalder (SP, 3790 Stimmen) vor Nathalie Zumstein (CVP, 2939 Stimmen) und Manuela Roost Müller (FDP, 2620 Stimmen). Einzige Ausnahme: Andreas Wüthrich (SP, 1039 Stimmen), der als wilder Kandidat gegen den Willen seiner Partei wieder angetreten war, verpasste schon das absolute Mehr (1750 Stimmen).

Dafür kommen drei Neue in den Stadtschulrat: Stefan Bruderer (2565 Stimmen) konnte nach dem Rücktritt von Ruth Gloor 2003 wieder einen Schulratssitz für die ÖBS erringen, ähnlich lief es bei der SVP, die nach einer vierjährigen Absenz mit ihrem Parteisekretär Mariano Fioretti (2179 Stimmen) den Sprung zurück in die Schulbehörde schaffte – bereits vor vier Jahren war Fioretti angetreten und schied als überzählig aus. Till Aders (AL, 2106 Stimmen), der nach der Wahl von Simon Stocker in den Stadtrat kurzfristig als Kandidat aufgestellt wurde und deshalb mit Handicap startete, kann den AL-Sitz verteidigen und beweist damit auch hier, dass die Kleinpartei derzeit die Gunst der Wähler geniesst. Während man bei der SP nach der Bekanntgabe des Resultats ein leichtes Aufschnaufen feststellen konnte – das Zerwürfnis mit Wüthrich und die Rücktrittsdrohung von Schulpräsidentin Huber Ott sind nun erledigt –, ist die FDP die eigentliche Verliererin: Kandidat Daniel Rapold, der den Sitz des zurücktretenden Marcel Sonderegger verteidigen sollte, wurde zwar mit 1789 Stimmen gewählt, schied jedoch als überzählig aus. Im Gegensatz zum Kantonsratswahlkampf wurde um einen Sitz im Stadtschulrat geradezu heftig gestritten, dennoch scheint die Wahl die Menschen nicht besonders bewegt zu haben, das zeigt auch der hohe Anteil an leeren Stimmen: Auf den 11 193 Stimmzetteln mit je sechs Linien waren von gegen 67 000 möglichen Stimmen 44 000 leer.


**Gewinner und Verlierer «Gremium ist nun politisch sehr breit abgestützt»**

Dass die SVP mit Mariano Fioretti nach einigen Jahren wieder den Sprung in den Stadtschulrat geschafft hat, ist für den Familienvater auch ein Zeichen, dass man seine Art goutiert habe. «Ich stand ja völlig allein da», sagt Fioretti, der in den vergangenen Wochen einen intensiven Wahlkampf betrieben hat. «Und sicher haben viele Wähler meine klare Haltung im Bezug auf den Schulleitungszwang, der dann abgelehnt wurde, honoriert», sagt Fioretti. Nach dem schlechten Abschneiden Daniel Preisigs bei den Wahlen in die Stadtexekutive vor vier Wochen habe er gedacht: «Jetzt kriegen wir ein zweites Mal aufs Dach.» Im Stadtschulrat will Fioretti ganz klar die Meinung der SVP einbringen, wie er gegenüber den SN gestern mit Nachdruck betonte. Zu den neu in den Stadtschulrat Gewählten gehört auch Stefan Bruderer von der ÖBS. «Ich habe im Wahlkampf viele enorm gute Rückmeldungen erhalten und freue mich nun über mein gutes Resultat.» Als Gremium sei der Stadtschulrat nun politisch sehr breit abgestützt – darin sieht Bruderer auch eine Chance. Aber wichtig sei, dass man in Zukunft als Behörde gut zusammenarbeite. «Völlig verblüfft» zeigte sich gestern Till Aders von der AL. Er, der seine Kandidatur anstelle des in den Stadtrat wechselnden Simon Stocker erst vor zwei Wochen bekannt gemacht hatte, hat klar nicht mit einer Wahl gerechnet, wie er sagt. «Wir haben gerade mal ein paar Flyer verteilt, und doch habe ich nur 70 Stimmen weniger als der Kandidat von der SVP – das freut mich.» Enttäuschend war das Wahlergebnis für den FDP-Kandidaten, der ebenfalls neu angetreten war. Er nehme es aber sportlich, so Rapold: «Offenbar gibt es einen Trend hin zu den Jungen, und das ist ja auch gut.» Nicht zu erreichen war gestern Andreas Wüthrich, der nach einem Zwist mit der Stadtschulratspräsidentin ohne die Unterstützung seiner Partei (SP) kandidiert hatte. Er erzielte mit 1039 Stimmen das schlechteste Resultat aller Kandidierenden. (lbb)


**Kommentar – Es ändert sich wenig**

Robin Blanck

Wenn es Konflikte gibt zwischen Eltern, Kindern und Lehrperson, spielt es keine Rolle, welcher Partei das Schulratsmitglied angehört, das vermittelnd eingreift. Deshalb werden sich die Auswirkungen der gestrigen Wahl im Rahmen halten – soweit sie denn überhaupt spürbar werden. Nur zur Erinnerung: Die wirklich grossen Veränderungen in den städtischen Schulen stehen mit dem kürzlich präsentierten «Vorsteher+»-Modell erst noch bevor.
Zwar spielt das Parteibuch im Schulratsalltag keine Rolle, bei einer Majorzwahl ist es hingegen von Vorteil, eine starke Partei im Rücken zu haben: Bei der SVP, die sonst bei Exekutivwahlen gerade in den Städten oft schlecht abschneidet, hat dies zum Sitzgewinn von Mariano Fioretti geführt. Überraschender ist da schon die komfortable Wahl von Till Aders (AL) und Stefan Bruderer (ÖBS), zwei jungen Vertretern von Kleinparteien: Es dürfte ihre – positiv formuliert – Unverbrauchtheit gewesen sein, welche die Stimmberechtigten gewählt haben. Die Abwahl von Andreas Wüthrich bewahrt die SP vor der öffentlichen Fortführung einer unangenehmen Auseinandersetzung. Mit noch immer zwei Sitzen im Schulrat kann die Partei den Abgang aber verschmerzen. Bleibt die FDP, die als Verliererin vom Platz geht: Manuela Roost Müller wurde gut wiedergewählt, der zweite Sitz ging verloren. Das zeigt zweierlei: einerseits das Potenzial der FDP und andererseits das fehlende Vertrauen in den zweiten FDP-Kandidaten.

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Krönender Abschluss des SIA-Jubiläumsjahres

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhasuen
Roland Brühwiler

Mit einem dreiteiligen Fest haben die Mitglieder des SIA Schaffhausen am Samstagabend das 100-Jahr-Jubiläum des Vereins gefeiert. Nach zwei kulturellen Teilen in den Hallen für Neue Kunst und im Haberhaus fand der offizielle Festakt mit Reden und Nachtessen im Park Casino Schaffhausen statt. Dabei überbrachte Regierungsrat und Baudirektor Reto Dubach seine besten Wünsche: «Der SIA bürgt für Qualität. Damit gleichen sich die Interessen, denn auch die Regierung will Qualität erreichen.» Gute Bauten und damit eine gute Infrastruktur seien sehr wichtig. Dubach sprach auch drei grosse Herausforderungen an, die in nächster Zeit noch häufiger auf die Architekten und Ingenieure zukommen würden: die Raumentwicklung, die Zersiedelung und der Energieumstieg, bei dem die Energieeffizienz von Gebäuden immer wichtiger werde. Der Präsident SIA Sektion Schaffhausen, Daniel Schmid, will eine bessere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erreichen: «Wir haben uns in den letzten Jahren zu schlecht verkauft.» Die Sektion Schaffhausen des SIA werde sich weiterhin in der Gesellschaft und der Politik einbringen. Er stiess sodann mit den 80 anwesenden Mitgliedern auf die nächsten 100 Jahre an. Der Generalsekretär des SIA, der Schaffhauser Hans-Georg Bächtold, fasste die Geschichte des SIA kurz zusammen – der Mutterverein hat dieses Jahr nämlich mit 175 Jahren auch ein Jubiläum gefeiert. Zu den Herausforderungen zählt Bächtold auch die Ausbildung: «In der Schweiz fehlen zurzeit 15 000 Ingenieure.» Nachdem die Sektion Schaffhausen des SIA schon das ganze Jahr hindurch vermehrt in die Öffentlichkeit getreten war, war der Festakt am Samstag nun der krönende Abschluss des Jubiläumsjahres des Berufsverbandes der Bereiche Bau, Technik und Umwelt.

**Spezielle Vorlesung von Donogood**
Losgegangen war das Jubiläumsfest am Nachmittag mit Gruppenführungen in den Hallen für Neue Kunst. «Gerade Architekten sind ja auch Künstler», erklärte Daniel Schmid. Sie hätten aber auch kritische Fragen gestellt, was zu Diskussionen geführt habe. Den zweiten Teil des Festaktes bildete ein Apéro im Haberhaus mit einer speziell auf den Anlass zugeschnittenen Vorlesung des Trios Donogood. Raphael Burri, Rolf Strub und Walter Millns unterhielten dabei das Publikum blendend. SIA-Mitglieder und Donogood hätten eine Gemeinsamkeit, bemerkte Strub zu Beginn: «Wir möchten das Publikum unterhalten, ihr schafft Liegenschaften, die es zu unterhalten gilt.» Besonders viel Applaus bekam die Nummer, in der Gott Noah den Auftrag gab, eine Arche zu bauen, da er die Erde nochmals zerstören wollte. Noah schaffte es aber nicht, denn er hatte seine liebe Mühe mit streikenden Handwerkern, der Unmöglichkeit des Imports libanesischer Zedern und dem Tierschutzgesetz. Gott sah dann von seinem Vorhaben ab. Denn: «Das schafft schon eure Verwaltung.» Dass das Bauwesen tatsächlich immer komplizierter werde und Vereinfachungen geschaffen werden müssten, bemerkte auch Reto Dubach in seiner Festrede. Beim Nachtessen im Park Casino hatten die Mitglieder dann genügend Zeit, sich untereinander auszutauschen und das Jubiläum richtig zu feiern.



Hans-Georg Bächtold, Daniel Schmid und Stefan Cadosch, Präsident SIA Schweiz, freuen sich über das 100-Jahr-Jubiläum der Sektion Schaffhausen des SIA.
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Kantonsratswahl 2012

Schaffhauser Nachrichten


**Alternative Liste legt zu, Bürgerliche behalten Mehrheit im Kantonsrat**

*Die AL ist nach den gestrigen Kantonsratswahlen die viertstärkste Partei im Parlament. Die FDP hat Federn gelassen, die SVP bleibt die grösste Partei des Kantons.*

von Zeno Geisseler

Der Höhenflug der Alternativen Liste hält an. Nachdem der linken Gruppierung vor wenigen Wochen der Sprung in die Schaffhauser Stadtregierung gelungen war, hat sie gestern auch bei den Kantonsratswahlen zulegen können. Die AL hat die ÖBS überholt und ist mit einem Wähleranteil von 7,48 Prozent neu die viertstärkste Partei im Kanton Schaffhausen. Sie erreicht mit fünf Parlamentariern (+2) Fraktionsstärke. An den Machtverhältnissen im Parlament hat dieser Erfolg jedoch nichts verändert. Der Rat bleibt nach wie vor deutlich bürgerlich dominiert. Zwar hat die FDP drei Sitze verloren und kommt neu noch auf neun Sitze. Die SVP hat jedoch mit der Untergruppe SVP-Senioren einen Sitz gewonnen, zudem kommt auch die christlich-konservative EDU neu auf zwei Sitze (+1). SVP/JSVP/SVP-Senioren kommen auf einen Wähleranteil von 33,6 Prozent.
Bei Links-Grün hat es neben der Stärkung der AL noch weitere Verschiebungen gegeben. Die SP hat einen Sitz verloren, bleibt aber hinter der SVP zweitgrösste Partei. Zudem ziehen neu auch die Juso mit einer Vertreterin in den Kantonsrat ein. Die ÖBS kommt neu noch auf vier Sitze (–1).

**Zwei Präsidenten abgewählt**
Bei den beiden grossen bürgerlichen Parteien haben die Präsidenten die Wiederwahl nicht geschafft. SVP-Präsident Werner Bolli kandidierte erfolglos auf der SVP-Senioren-Liste, FDP-Präsident Nihat Tektas wiederum verpasste vom letzten Listenplatz aus den Einzug ins Parlament um sieben Stimmen.

**Auf einen Blick Der neue Kantonsrat**

SVP 16 Sitze 0
SP 13 Sitze -1
FDP 9 Sitze -3
AL 5 Sitze +2
ÖBS 4 Sitze -1
CVP 3 Sitze 0
JSVP 3 Sitze 0
EDU 2 Sitze +1
JFSH 2 Sitze 0
EVP 1 Sitz 0
SVP Senioren 1 Sitz +1
JUSO 1 Sitz +1


**Kommentar**

**Die Schaffhauser Wähler machen k(l)eine Sprünge**

von Norbert Neininger

Nicht nur die Natur, auch die Schaffhauser Politik macht keine Sprünge. Das gilt für das hinter uns liegende Wahlwochenende: Die Kräfteverhältnisse erweisen sich als nahezu stabil, der Kantonsrat behält eine solide bürgerliche Mehrheit. Und die SVP bleibt die Partei mit dem höchsten Wähleranteil.
Aber es sind die – wenn auch kleinen – Verschiebungen zwischen den Parteien und Blöcken, welche dennoch Anlass für Analysen bieten. So gelingt es der Alternativen Liste, ihren guten Lauf fortzusetzen, und nach dem Gewinn des Stadtratssitzes durch Simon Stocker erreicht die AL nun mit fünf Sitzen Fraktionsstärke. Auf der anderen Seite wurden die Freisinnigen nach erfolgreichen Regierungsrats- und Stadtratswahlen überraschenderweise von der Wählergunst verlassen – sie verlieren drei Sitze, bleiben erfolglos im Stadtschulrat, und ihr Präsident wird abgewählt. Über die Gründe wird sich die liberale Partei Gedanken machen, oder anders gesagt: Sie muss jetzt ernsthaft über die Bücher gehen. Wenn SP und ÖBS je einen Sitz verlieren, mag man im Übrigen ebenso wenig einen Trend erkennen wie beim gleich kleinen Zugewinn der EDU und der Juso. Dass die SVP sich auf hohem Niveau hält, zeigt höchstens, dass sich die Schaffhauser SVP-Wähler von den negativen Schlagzeilen um die Mutterpartei nicht verunsichern lassen. Das Kantonsparlament bleibt vielfältig, und es sind nicht nur die wesentlichen politischen Strömungen, sondern auch die verschiedenen Alterskategorien vertreten – gute Voraussetzungen also, die kommenden vier Jahre mit diesem höchst repräsentativen Parlament anzugehen. Das Wahlverfahren ist für die kleineren Parteien günstig, das war gewollt und zeitigt Erfolg.


**Der Kantonsrat bleibt in bürgerlicher Hand**

*Trotz Sitzverlusten bei der FDP und einem starken Plus der Alternativen Liste bleiben die Kräfteverhältnisse im Schaffhauser Parlament insgesamt fast unverändert.*

von Zeno Geisseler

Der Schaffhauser Kantonsrat bleibt auch in den kommenden vier Jahren fest in bürgerlicher Hand. Bei den gestrigen Gesamterneuerungswahlen für die Amtsperiode 2013 bis 2016 hat sich die Gewichtung auf der Links-rechts-Achse im Vergleich zu den Wahlen von 2008 so gut wie nicht verschoben. SVP, JSVP, FDP, JFSH, CVP, EDU sowie neu die SVP-Senioren kommen auf 36 der 60 Sitze (bisher 37), das linksgrüne Lager mit SP, AL, ÖBS, EVP und neu den Juso hält 24 (bisher 23) Sitze. Nur ein einziger Sitz hat also die Blöcke gewechselt, was für die Mehrheitsverhältnisse aber unerheblich ist.

**SP verliert, Juso gewinnen**
Die grossen Verschiebungen fanden innerhalb der Blöcke statt. Die deutlichste Siegerin ist die Alternative Liste. Die junge, linke Bewegung hat ihr Wahlziel, Fraktionsstärke, erreicht und zieht neu mit fünf (bisher drei) Personen ins Parlament ein. Sie hat ihren Wähleranteil auf 7,48 Prozent steigern können und hat somit die ÖBS als viertstärkste Macht im Kantonsrat abgelöst (Detailzahlen siehe unten links). Die ÖBS hingegen ist unter die wichtige Schwelle von fünf Personen gefallen (neu vier Sitze). Auch die SP verliert einen Sitz und kommt neu auf noch 13 Sitze. Dies wird jedoch kompensiert durch den Einzug der Juso, welche neu eine Vertreterin entsenden.
Auf der bürgerlichen Seite gehört die SVP zu den Siegerinnen. Sowohl die Mutterpartei (-0,27 Prozent) als auch die JSVP (-1,16 Prozent) haben zwar Wähleranteile verloren, doch ihre Delegationen bleiben mit 16 beziehungsweise 3 Personen unverändert. Neu ziehen die SVP-Senioren mit einer Vertreterin in den Rat ein. Die SVP kommt mit ihren zwei Satellitenparteien auf einen Wähleranteil von 33,6 Prozent, 1 Prozent mehr als 2008. Sie ist damit weiterhin die grösste Partei im Kanton.

**Blocher schaffte es nicht**
Prominentester Nicht-Gewählter der SVP ist Gerhard Blocher aus Hallau, der auf der Liste der SVP-Senioren im Wahlkreis Klettgau angetreten war. Er hat zwar am meisten Stimmen seiner Liste geholt, für einen Sitz hat es aber nicht gereicht. Nicht mehr gewählt worden ist zudem SVP-Kantonalpräsident Werner Bolli, der erstmals auf der Liste der SVP-Senioren (Wahlkreis Reiat) angetreten war. Er hat bereits angekündigt, dass er das Parteipräsidium im kommenden Frühling abgeben wird (siehe «Reaktionen» unten). Die Volkspartei wird also mit einem neuen Chef oder, was eher unwahrscheinlich ist, mit einer neuen Chefin in die nächste Legislaturperiode ziehen.
Zugelegt hat auch die EDU, welche mit der SVP zusammen eine Fraktion bildet. Die christlich-konservative Partei ist von einem auf zwei Sitze gewachsen. Die CVP kommt unverändert auf drei Sitze.

**FDP-Präsident abgewählt**
Die FDP hat 3 ihrer bisher 12 Sitze verloren, mehr als jede andere Partei. Wie bei der SVP ist auch bei der FDP der Parteipräsident abgewählt worden. Nihat Tektas war von der Liste der Jungfreisinnigen auf die Liste der Mutterpartei gewechselt und kandidierte auf dem letzten Listenplatz. Er hat die Wahl um sieben Stimmen verpasst, somit dürfte wohl auch im Schaffhauser Freisinn die Diskussion um den Parteivorsitz zum Traktandum werden. Bei den meisten Parteien ist es Usanz, dass die Person an der Spitze auch im Kantonsrat vertreten ist. Seine Wiederwahl verpasst hat im Übrigen auch FDP-Fraktionschef Heinz Brütsch.
Der Wähleranteil der FDP liegt zusammen mit der JFSH neu bei 18,26 Prozent, ein Minus von 3,93 Prozent. Damit dürfte es der FDP künftig wohl noch schwerer fallen, ihre Doppelvertretung in der Kantonsregierung insbesondere gegenüber der jetzt doch deutlich grösseren SP zu rechtfertigen. Diese kommt zusammen mit der Juso auf einen Wähleranteil von 22,6 Prozent, hält aber nur einen Sitz im Regierungsrat.


**Reaktionen – Von überschäumender Freude bis zur Niedergeschlagenheit**

Als Staatsschreiber Stefan Bilger um 18.30 Uhr, anderthalb Stunden früher als geplant, im Regierungsratssaal das Schlussresultat der Kantonsratswahl bekannt geben konnte, fielen die Reaktionen der Parteienvertreterinnen und -vertreter je nach Ergebnis sehr unterschiedlich aus. Nicht aus dem Strahlen heraus kam Florian Keller von der Alternativen Liste, der nicht nur seinen Sitz verteidigt hatte, sondern mit der AL in Fraktionsstärke ins Parlament zurückkehren wird. «Seit letztem Sommer, als wir die Abstimmung um die Pauschalbesteuerung gewonnen haben, und vor allem seit der Wahl von Simon Stocker haben wir ein Siegerimage», erklärte er den AL-Wahlsieg. Die AL wolle aber, trotz Fraktionsstärke, auch in Zukunft weiter eng mit der SP zusammenarbeiten, so Keller.
Dazu ist die SP laut Parteipräsidentin Martina Munz, die im Klettgau glänzend wiedergewählt wurde, auch bereit. Sie geht auch davon aus, dass die neue Juso-Vertreterin sich der SP-Fraktion anschliessen wird. Dieser Juso-Sitz ist für Munz die Kompensation für den Sitz, den die SP insgesamt verlor. «Erschreckend für mich ist, dass drei von den vier bisherigen Frauen abgewählt worden sind», erklärte Munz. «Ich habe dafür keine Erklärung, denn alle waren sehr aktiv und gute Politikerinnen.»
«Damit muss man leben», kommentierte SVP-Parteipräsident Werner Bolli seine Nichtwahl auf der SVP-Seniorenliste im Wahlkreis Reiat. Bei ihm herrsche nicht das grosse Elend, denn erstens sei er 67, und damit sei es Zeit, langsam aufzuhören, und zweitens habe die SVP den Status quo gehalten, meinte Bolli; zudem hätten die SVPSenioren und die EDU je einen Sitz gewonnen. Das Parteipräsidium werde er abgeben, und zwar auf die Delegiertenversammlung hin, die im nächsten Frühling stattfinden werde.
Ebenfalls sein Mandat verloren hat ein anderer Parteipräsident, Nihat Tektas von der FDP. «Zuerst muss das Resultat analysiert werden, bevor ein Rücktritt allenfalls spruchreif wird», sagte er. Zu den Sitzverlusten der FDP meinte er: «Wir sind auf das Niveau von 2004 zurückgestuft worden.»
«Es gibt vermehrt Parteien, die auf der gleichen Linie politisieren wie wir.» So erklärte sich ÖBS-Präsidentin Iren Eichenberger den Sitzverlust ihrer Partei. «Es ist sehr bedauerlich, dass gerade Bernhard Egli abgewählt wurde», meinte sie. (ek)


**Sitzgewinne für die AL und die Neuen**

*Zu den Verlierern im Wahlkreis Schaffhausen gehören die SP, die FDP, die ÖBS und die Jungfreisinnigen, die je einen Sitz abgeben müssen.*

von Erwin Künzi

Die Kräfteverhältnisse zwischen Links und Rechts haben sich, was den Kantonsrat angeht, in der Stadt Schaffhausen nicht gross verschoben, sehr wohl aber die prozentualen Anteile der einzelnen Parteien. Diese Entwicklung wurde noch verstärkt durch zwei Parteien, die SVP-Senioren und die Jungsozialisten, die vor vier Jahren nicht an der Wahl teilgenommen hatten und die prompt je einen Sitz gewannen. Obwohl mit Alfred Tappolet (SVP) nur ein Bisheriger nicht mehr zur Wahl antrat und mit Andreas Gnädinger (SVP) ein Bisheriger nicht mehr im Wahlkreis Stadt, sondern im Wahlkreis Klettgau kandidierte (und dort auch gewählt wurde), gab es doch einige Wechsel in der Delegation, die die Stadt in der kommenden Legislatur in den Kantonsrat schickt: Sieben Kantonsrätinnen und Kantonsräte wurden neu ins Parlament gewählt.
Grosse Wahlsiegerin ist die Alternative Liste (AL). Sie konnte ihren Wähleranteil um 6,15 auf 11,82 Prozent steigern und ist jetzt, nachdem sie die ÖBS überflügelt hat, in der Stadt Schaffhausen die viertstärkste Partei. An der Spitze stehen nach wie vor die Sozialdemokraten (SP), die zwar gegenüber 2008 2,22 Prozent abgeben mussten und dieses Mal auf 24,06 Prozent kamen. An zweiter Stelle ist die SVP mit 18,99 Prozent (–0,58), vor der FDP mit 15,85 Prozent (–3,13). Die Ökoliberalen sind mit 9,25 Prozent (–1,92) noch fünftstärkste Kraft. Es folgen die kleineren Parteien, nämlich die CVP mit 4,28 (–0,47), die Jungfreisinnigen mit 3,78 (+0,14), die EDU mit 3,13 (+0,31), die Junge SVP mit 2,79 (–1,34), die EVP mit 2,44 (–0,56), die Jungsozialisten mit 1,91 und die SVP-Senioren mit 1,71 Prozent; die beiden letzten Parteien nahmen 2008 nicht an der Wahl teil.

**Zwei SP-Frauen abgewählt**
Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Parteien und die Gewählten. Die SP verlor einen ihrer bisher sieben Sitze. Nicht unerwartet wurde Peter Neukomm, der schon bei der Wahl in den Stadtrat das Spitzenresultat erzielt hatte, mit dem besten Ergebnis der SP-Liste gewählt, und zwar nicht als Bisheriger, sondern als neu Kandidierender. Er kam auf 6090 Stimmen. Weiter wurden gewählt Werner Bächtold mit 5691, Matthias Freivogel mit 5657, Peter Käppler mit 5121, Daniel Fischer mit 5052 sowie Jürg Tanner mit 4994 Stimmen. Um 180 Stimmen verpasste die Bisherige Sabine Spross die Wiederwahl; sie ist mit 4814 Stimmen erste Ersatzfrau. Ebenfalls nicht mehr gewählt – sie kam auf 4665 Stimmen – wurde die Bisherige Ursula Leu. Die FDP musste, obwohl sie nur einen Sitz verlor, gleich zwei abgewählte Bisherige verkraften. Der Grund: FDP-Parteipräsident Nihat Tektas, der vor vier Jahren auf der Liste der Jungfreisinnigen gewählt worden war, kandidierte dieses Mal bei der Mutterpartei, wo er aber mit 3298 Stimmen zu wenig Zuspruch fand und jetzt erster Ersatzmann ist. Ebenfalls abgewählt wurde der in Neuhausen am Rheinfall wohnhafte Arzt und Verleger Richard Altorfer, der trotz (oder wegen) seiner wöchentlichen Kolumne in einer Gratiszeitung nur auf 3240 Stimmen kam, was nicht mehr für eine Wahl reichte. Wiedergewählt wurden Jeanette Storrer (4066 Stimmen), Thomas Hauser (3662), Urs Hunziker (3595) und Christian Heydecker (3305), der mit einem Vorsprung von 7 Stimmen auf Tektas seine Abwahl verhindern konnte.

**FDP-Dissident als SVP-Kantonsrat**
Bei der SVP tauchen zwei neue Gesichter auf, die trotzdem bestens bekannt sind. Da ist zum einen Daniel Preisig, der ehemalige SVP-Stadtratskandidat, der dem Kantonsrat auch schon angehörte; er kam auf 2613 Stimmen. Der andere ist der FDP-Dissident Walter Hotz, der auf Anhieb mit 2334 Stimmen auf Platz 3 kam und jetzt zusammen mit seinem Sohn Florian, der bei den Jungfreisinnigen wiedergewählt wurde (1206 Stimmen), im Parlament sitzt. Die anderen SVP-Vertreter sind Thomas Hurter (3361 Stimmen), Samuel Erb (2303) und Peter Scheck (2132). Trotz einer aufwendigen Werbekampagne hat es SVP-Sekretär Mariano Fioretti nicht in den Kantonsrat gereicht. Er ist mit 2058 Stimmen erster Ersatzmann. Die AL kann ihre Abordnung aus der Stadt verdoppeln: Neben den Bisherigen Florian Keller (3440 Stimmen) und Jonas Schönberger (2446) ziehen neu Susi Stühlinger (3016) sowie Till Aders (2636) in den Kantonsrat ein. Erster Ersatzmann ist der neue Stadtrat Simon Stocker (2414). Die ÖBS verliert ihren Fraktionspräsidenten Bernhard Egli, dem 2650 Stimmen nicht zur Wiederwahl reichten; er ist erster Ersatzmann. Gewählt wurden Urs Capaul (3017) sowie Iren Eichenberger (2929).

**Verlust für Jungfreisinn**
Und das sind die weiteren gewählten: CVP: Theresia Derksen (1587); erste Ersatzfrau ist Nathalie Zumstein (1170), die in der Stadt Schaffhausen die Wiederwahl in den Schulrat schaffte. Junge SVP: Christian Ritzmann konnte seinen Sitz mit 581 Stimmen verteidigen; erster Ersatzmann ist Pascal Gurtner (394). Bei der EVP wurde Rainer Schmidig mit 1257 Stimmen wiedergewählt, erster Ersatzmann ist Thomas Stamm (613). Bei der EDU behielt Erwin Sutter mit 945 Stimmen seinen Sitz, erster Ersatzmann ist Beat Brunner (796). Die Jungfreisinnigen konnten den Sitz von Nihat Tektas nicht halten und sind nur noch mitFlorian Hotz im Kantonsrat vertreten, erster Ersatzmann ist Till Hardmeier (1041). Die SVP-Senioren waren neu zur Wahl angetreten und machten einen Sitz. Dieser geht an Nelly Dalpiaz, die auf 405 Stimmen kam und damit äusserst knapp, mit 10 Stimmen, das Rennen vor Werner Schöni machte, der mit 395 Stimmen erster Ersatzmann ist. Die Jungsozialisten, ebenfalls zum ersten Mal dabei, machten mit Seraina Fürer (663) einen Sitz; erster Ersatzmann ist Mirza Michael Hodel mit 547 Stimmen.


**Die EDU Klettgau neu im Kantonsrat**

*Wahlkreis Klettgau*

von Hans-Caspar Ryser

Für die 12 Kantonsratssitze des Wahlkreises Klettgau kandidierten an den diesjährigen Erneuerungswahlen 119 Kandidaten auf 12 Listen. Die Wiederwahl geschafft haben neun bisherige Kandidaten der Parteien SP, FDP, SVP, JSVP und ÖBS. Einen Sitz verloren hat die FDP, während die EDU neu im Kantonsrat vertreten ist.

**Gewinner und Verlierer**
Mit 953 Stimmen neu ins Kantonsparlament gewählt wurde Andreas Schnetzler von der Eidgenössisch-Demokratischen Union EDU, diplomierter Landwirt aus Gächlingen. Dies ist umso überraschender, als die EDU im Wahlkreis Klettgau bis anhin nicht im Parlament vertreten war. Ebenfalls eher überraschend ist die Abwahl von Georg Meier, Unternehmer aus Schleitheim, welcher mit 1279 erhaltenen Stimmen eher knapp abgewählt wurde. Sein Sitz geht damit an die EDU.

**Keine weiteren Veränderungen**
Ansonsten hat sich an der Parteienzusammensetzung der den Klettgau in der Kantonsregierung vertretenden Kantonsräte nicht viel verändert. Was die Anzahl erhaltener Stimmen anbelangt im wahrsten Sinn alle überflogen hat Markus Müller, Berufspilot aus Löhningen, mit 2963 erhaltenen Stimmen. Sowohl der Landwirt Hans Schwaninger aus Guntmadingen als auch Erich Gysel, Winzer aus Hallau, verteidigten ihren Sitz als SVP-Vertreter problemlos. Auch die Vertreterin der Jungen SVP Schaffhausen, die Coifffeuse Manuela Schwaninger aus Guntmadingen, schaffte die Wiederwahl. Anstelle des nicht mehr kandidierenden Gottfried Werner, Beggingen, wurde der vom Wahlkreis Schaffhausen in den Klettgau gewechselte Andreas Gnädinger, Rechtsanwalt aus Siblingen, gewählt. Ebenfalls problemlos schafften Martin Kessler (1493 Stimmen), Ingenieur Fachhochschule aus Trasadingen, und knapp dahinter Beat Hedinger, Geschäftsführer aus Wilchingen, für die FDP. Die Liberalen die Wiederwahl in den Kantonsrat. Bei der Sozialdemokratischen Partei schaffte die bisherige Kantonsrätin Martina Munz, Agronomin ETH aus Hallau, mit 1714 Stimmen die Wiederwahl problemlos. Anstelle des für die SP nicht mehr kandidierenden Thomas Wetter entschied Walter Vogelsanger, Kantonsschullehrer aus Beggingen, mit 1171 Stimmen das Rennen für sich. Auch die bisherige Vertreterin der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen im Kantonsrat, Regula Widmer, selbständige Beraterin aus Beringen, wurde mit 799 Stimmen wiedergewählt. Und die Alternative Liste Schaffhausen konnte mit dem bisherigen Kantonsrat Matthias Frick, Student/Archivmitarbeiter, mit 630 Stimmen ihren Sitz im Kantonsrat verteidigen. Den Sprung in den Kantonsrat nicht geschafft haben die Kandidierenden von CVP, EVP, Jungfreisinnigen , SVP Senioren und JusoPlus.


**SP, FDP, SVP und CVP konnten ihre Sitze halten**

*Wahlkreis Neuhausen*

Neuhausen am rheinfall In der neuen Amtszeit wird die Gemeinde mit zwei neuen Kantonsräten vertreten sein. Christian Di Ronco (CVP) hat mit 638 Stimmen den Sprung in den Kantonsrat geschafft und tritt die Nachfolge von Franz Baumann (CVP) an. Damit hat die CVP ihren Sitz im Kantonsrat halten können. Obwohl die FDP im Wahlkreis Neuhausen am Rheinfall insgesamt einen Stimmenverlust von 5.55 Prozent hinnehmen musste, konnte die Partei ihre bisherigen zwei Sitze im Kantonsrat erfolgreich verteidigen. René Sauzet (FDP) wird die Nachfolge von Stephan Rawyler (FDP) antreten. Er hat 700 Stimmen erhalten. Wiedergewählt wurde zudem Felix Tenger (FDP). Ihn haben 985 Bürgerinnen und Bürger gewählt. Unbestritten waren die drei Sitze der SP, die mit den wiedergewählten Kantonsratskandidatinnen und Kandidaten Franziska Brenn (735 Stimmen), Peter Gloor (757 Stimmen) und Patrick Strasser (881 Stimmen) im Kantonsrat am stärksten vertreten ist und bleibt. Ebenfalls wiedergewählt wurden die Vertreter der SVP, Willi Josel (SVP) mit 681 Stimmen und Dino Tamagni (SVP) mit 952 Stimmen. Obwohl die SVP im Wahlkreis Neuhausen am Rheinfall 1,24 Prozente, die SVP-Senioren sogar 4,14 Prozent zugelegt hatten, reichte es für die SVP-Gruppe nicht für einen dritten Sitz.


**Drei Bisherige weg, drei Neue drin**

*Der Wahlkreis Reiat wartet mit überraschenden personellen Rochaden auf.*

Das ist nun wahrlich ein kleineres personelles, nicht allerdings politisches Erdbeben: Drei Bisherige, Werner Bolli (SVP), Ueli Kleck (SVP) und Heinz Brütsch (FDP) schafften nämlich am Wochenende die Wahl in den Kantonsrat nicht mehr. Dafür ziehen als neue Vertreter aus dem Reiat Philippe Brühlmann (SVP), Marcel Montanari (JFSH) und Ueli Werner (JSVP) in das kantonale Parlament ein.
Das entspricht einer zumindest im Ausmass unerwarteten Rochade, derweil die parteipolitischen Kräfte kaum Veränderungen erfuhren: Die SP hält ihren Sitz mit dem unbestrittenen Bisherigen Richard Bührer (862 Stimmen), und Heinz Rether (425 Stimmen), ebenfalls ein Bisheriger, verteidigte den Sitz für die ÖBS. Die Liberalen konnten ebenfalls ihren Besitzstand, zwei Sitze, wahren, allerdings war dies mit einer Verlagerung zugunsten der Jungen verbunden. Die Jungfreisinnigen holten sich mit Marcel Montanari (312 Stimmen) wohl etwas überraschend einen Sitz, die «alte» FDP verlor einen. Hier schaffte Lorenz Laich (595 Stimmen) die Wiederwahl, Heinz Brütsch (578) dagegen musste dem Sturmlauf der liberalen Jungtürken weichen. Noch weitaus wilder rochierte im Reiat jedoch die SVP, die gleichermassen für den überragenden «Wahlsieger» wie für die Negativsensation sorgte: Philppe Brühlmann, der neue Thaynger Gemeindepräsident, schaffte die Wahl mit dem Spitzenergebnis (1764 Stimmen) vor seinem Vorgänger als Gemeindepräsident, dem Bisherigen Bernhard Müller (1484 Stimmen). Pilot Brühlmann ist im Reiat damit eindeutig der politische Senkrechtstarter des Jahres. Nicht geschafft hat es Ueli Kleck (1178 Stimmen). Der Bisherige liegt noch hinter dem Dörflinger Gemeindepräsidenten Pentti Aellig (1206 Stimmen) – ihnen ist der Sprung nicht geglückt. Das schaffte dagegen Ueli Werner aus Merishausen (296 Stimmen) von der Jungen SVP. Der neu bei den SVP-Senioren kandidierende Werner Bolli (376 Stimmen), ein politisches Urgestein und eine SVP-Grösse, wurde überraschend nicht gewählt – was wohl einer Sensation entspricht. In seinem Fall hat sich der Listenwechsel eindeutig nicht ausgezahlt. (J. R.)


**Im Wahlkreis Stein bleibt alles beim Alten**

*Nichts Neues im Wahlkreis Stein: Die alten Vertreter im Parlament sind auch die neuen. Die ÖBS schaffte es zwar von null auf 10,26 Prozent, allerdings hat sie keinen Sitz.*

Die vier bisherigen Kantonsräte vertreten den Wahlkreis Stein auch weiterhin. Es sind dies: Franz Marty (CVP, Stein am Rhein), Andreas Frei (SP, Stein am Rhein), Beat Hug (SVP, Stein am Rhein) sowie Josef Würms (SVP, Ramsen). Damit bleibt auch die politische Sitzverteilung gleich.
Am meisten Stimmen konnte Beat Hug für sich verbuchen, und zwar 854; sein SVP-Parteikollege Josef Würms machte 723 Stimmen. Josef Würms hatte es bei der Wahl 2008 nicht mehr ins Kantonsparlament geschafft, kam aber als Nachrücker für den zurückgetretenen Franz Hostettmann in diesem Jahr wieder zu einem Sitz, den er nun wieder verteidigen konnte. Die SP, vertreten durch Andreas Frei, konnte keinen weiteren Sitz dazugewinnen. Frei behält seinen mit 685 Stimmen. Frei war in der letzten Amtsperiode für Jakob Hug aus Ramsen nachgerückt. Und auch Bäckermeister Franz Marty aus Stein am Rhein kann seinen Sitz behalten. Er wurde mit 501 Stimmen wiedergewählt. Politisch dominante Kraft im Wahlkreis Stein bleibt die SVP mit 33,05 Prozent trotz eines Stimmverlustes von 5,37 Prozent gegenüber den Wahlen 2008. Federn lassen musste auch die SP, die gegenüber 2008 4,47 Prozent weniger Stimmen machte und nun auf 22,05 Stimmenprozente kommt. Auch die CVP muss mit 1,62 Prozent weniger einen kleinen Verlust hinnehmen und kommt nun auf 13,96 Prozent. Klarer Parteiensieger ist jedoch die ÖBS, die es von null gleich auf beachtliche 10,26 Prozent geschafft hat, aber dennoch keinen Sitz machte. Sie hat Ueli Böhni aus Stein am Rhein, der auf der ÖBS-Liste mit 319 Stimmen an der Spitze lag, Jürg Biedermann aus Hemishofen, Carla Rossi aus Stein am Rhein und David Gallati aus Stein am Rhein ins Rennen geschickt. Und etwas zulegen konnte auch die AL, von 1,43 Prozent 2008 auf jetzt 3,95 Prozent – aber ebenfalls ohne Sitz. Neu angetreten ist die EDU, die 2,09 Prozent erhielt, neu sind ebenso die SVP-Senioren mit 1,95 Prozent und die Juso mit 1,31 Prozent. Und ein bisschen zulegen konnten auch die Jungfreisinnigen Schaffhausen, die mit einem Plus von 0,23 Prozent nun 2,65 Prozent verbuchen können. (efr.)


**Wie erwartet: Andreas Bachmann sicher gewählt**

*Wahlkreis Buchberg / Rüdlingen*

So leicht hebt man im unteren Kantonsteil Favoriten (und Bisherige) nicht aus dem Sattel: Der vor vier Jahren als Nachfolger von Alfred Sieber erstmals in den Rat gewählte Andreas Bachmann (SVP) aus Rüdlingen schaffte die Bestätigung mit 309 Stimmen sicher und ungefährdet und wird eine zweite Amtsperiode in Angriff nehmen können. Mit einem Stimmenanteil von 42,33 Prozent und einem Zuwachs von 6 Prozent hat die SVP die Vormachtstellung in Buchberg und Rüdlingen gegenüber 2008 (36,4 Prozent) deutlich zu akzentuieren vermocht, derweil die FDP mit einem Stimmenanteil von 11,6 Prozent (minus 17,5 Prozent) gegenüber der letzten Kantonsratswahl arg Terrain einbüsste, was jedoch in diesem (kleinen) Wahlkreis mit seinen besonderen Voraussetzungen zu relativieren ist.
So unbestritten der einzige Sitz des Wahlkreises an die SVP ging, politisch einfarbig ist diese Gegend deswegen noch lange nicht. Sie präsentiert sich sogar recht bunt, wenngleich die Farbpalette eher ergänzend zum SVP-Grün wirkt. So holte Stefanie Wirth von der Alternativen Liste Schaffhausen aus Buchberg mit 98 Stimmen das zweitbeste Resultat. Schon vor vier Jahren hatten die Alternativen gut abgeschnitten. Wirth lag noch vor Othmar Schwank (SP) mit 92 Stimmen und Daniel Thévenaz (FDP) mit 85 Stimmen. Die drei bilden gleichsam die erste Verfolgergruppe des Bisherigen Bachmann, während die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten nur beschränkt Unterstützung genossen. Jean-Marc Behr (Jungfreisinnige) kam auf 63 Stimmen, Tobias Riehm (Junge SVP Schaffhausen) erzielte 45 Stimmen, und Ruth Röschli auf der Seniorenliste der SVP erreichte 38 Stimmen. (er.)


**Arbeiterkampflieder zum Wahlsieg**

*Susi Stühlinger und ihre Kollegen von der Alternativen Liste haben gewagt – und gewonnen: Die SN begleiteten die neue Kantonsrätin durch den gestrigen Tag.*

von Mark Liebenberg

Es blieb kaum Zeit für einen Morgenkaffee und eine Zigarette – Susi Stühlinger war gestern früh auf den Beinen. Früh für einen Sonntag. Ein ganz und gar politischer Tag stand an. Dass es einer mit Happy End werden würde, daran wagte sie noch nicht zu glauben. Erste Station: Unterschriftensammeln vor dem Wahlbüro an der Stadthausgasse, für die Landverkaufs-Initiative ihrer Partei, der Alternativen Liste (AL). «Das mag ich am liebsten», sagt die 27-jährige. «Mit den Leuten ins Gespräch kommen und herausfinden, wo sie der Schuh drückt.»
Am Abend zuvor hatte Stühlinger noch eine Preisverleihung in der Kammgarn moderiert. «Keine riesige Sache», sagt sie, «aber ich schaute, dass ich früh ins Bett kam.» Denn fit sein musste sie allemal für das volle Programm: Nach dem Mittag ging es schnurstracks mit dem Auto aufs Land, die Plakate für die Kantonsratswahlen wollten ab- und jene für die Grossstadtratswahl am 28. Oktober auf dem Stadtgebiet aufgehängt werden. Teamarbeit, alle Parteigenossen packen mit an. «Das schätze ich enorm an unserer Partei», sagt Stühlinger. «Wir haben wenig Mitglieder, aber alle sind aktiv dabei.»

**Ein AL-Familienfest nach dem Sieg**
Wahlkampf ist aufreibend und zeitraubend. «Ich war sicher jedes Wochenende in den letzten zwei Monaten in Sachen Wahlen unterwegs», sagt Stühlinger. Im vergangenen Jahr, schmunzelt sie, habe sie ja eine Art Übungslauf gehabt: Zusammen mit Till Aders kandidierte sie für den Nationalrat. «Wir wussten, dass wir keine Chance hatten», sagt Stühlinger, «aber es war ein gutes Training.» Im Gegensatz zu dieser Kandidatur, wo man pausenlos im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden habe, sei dieser Wahlkamp relativ unaufgeregt gewesen. Im Rampenlicht stehe sie eigentlich nicht mal so gern. Als Journalistin – bei der «Wochenzeitung» in Zürich – steht sie normalerweise auf der anderen Seite. Am Nachmittag dann wird Stühlinger sichtlich nervös. «Sprachlos gespannt bin ich», sagt sie. Dann geht alles sehr schnell. Erster Trommelwirbel: Bekanntgabe der Resultate im Wahlkreis Stadt, Stühlinger landet mit 3016 Stimmen auf dem zweiten Platz hinter Florian Keller. Die Partei hat im Wahlkreis sensationelle 6,15 Stimmenprozente zugelegt. Eine starke Position, aber noch ist nichts definitiv. Zeit für einen Kaffee. Was will sie erreichen mit ihrer Politik? «Ich sehe uns als Korrektiv zur bürgerlichen Mehrheit im Kanton» sagt Stühlinger. «Es sind ganz klar die Umverteilungsfragen, die mich am meisten interessieren, im Moment läuft es in die falsche Richtung, und da müssen wir dagegenhalten.» Dann am Abend ist es definitiv: Gewonnen! Küsschen hier, Umarmung dort. Die AL-Familie trifft sich schwebend vor Glück im «Fass» ein. «Jetzt wird erstmal kräftig gefeiert», sagt die frisch gewählte Kantonsrätin. Normalerweise singe man zu fortgeschrittenen Stunde noch Arbeiterkampflieder, so Stühlinger. Und so war es dann auch.

#Allgemeines

22. September 2012 | Rauschende Partynacht in der Kanti

Schaffhauser Nachrichten, Region
Christoph Merki

Entspannung pur in der ersten Klasse des «Vol de Nuit» nach Rom. Verdient geniesst Beat Schnurrenberger die am Fenster vorbeiziehenden Wolken und das erfrischend sprudelnde Cüpli im originalen Flugzeugsitz. Im vierten Stock des Neubaus kommt fast schon das Gefühl grenzenloser Freiheit auf. Charmant bewirtet von Larissa Scheuermeier und Stephanie Baumann, geniessen ebenso Charlotte Ackermann und Bettina Schlick den halbstündigen Flug. «Wir bekommen wahnsinnig feines Essen», loben sie die Boardküche der Klasse 2mc. Ganz so idyllisch zeigt sich das Kantifest aber nicht überall. Vielmehr erwartet die Besucher, vielfach ehemalige Schüler, ein internationales Kunterbunt. Nicht nur die zum Teil liebevoll gebastelte Dekoration, auch die angebotenen kulinarischen Köstlichkeiten lassen die Gäste an verschiedenen Destinationen des Globus innehalten. Ein Hingucker sicherlich der original englische Doppelstockbus – mit Guinnessausschank, versteht sich.

**Ein Schnupf auf die alten Zeiten**
Um Kundschaft werbend, lässt sich die männliche Gilde der Klasse 3na etwas einfallen. Animierend tanzen sie für ihre Karaokebar. Für viele Besucher jedoch weckt der Gang auf den Emmersberg vor allem alte Erinnerungen. «Ich habe wie früher den Einer-Bus genommen und bin die Treppe hinauf zur Kanti gelaufen», zeigt sich Marco Torsello fast schon nostalgisch. Auch sei es interessant, die eigenen Schüler wieder zu treffen und von ihren Zukunftsplänen zu erfahren. Überschwänglicher die Reunion der letzten 5wa. Als hätten sie erst gestern noch die Schulbank gedrückt, darf ebenso ein Schnupftabak auf die alten Zeiten nicht fehlen. «Es ist super, hier werden alte Erinnerungen wach», strahlt Nicole Schnetzler. Ein Erlebnis ist der alle vier Jahre stattfindende Festanlass in den Mauern des Wissens aber auch für die Schüler selbst. «Die Zusammenarbeit ist grossartig», lobt Lehrerin Susanne Bernhard, «die Schüler geben vollen Einsatz.» Mit frischem Sushi und asiatischer Zimmerausstattung kommen so auch die Liebhaber fernöstlicher Gaumenfreuden auf ihre Kosten.

**Börsenspiele um Getränkepreise**
Ideenreich ebenso die «Wall Street Bar», welche die Preise der Drinks der Nachfrage anpasste. Gute Broker konnten sich so zwar nichts Bares ergattern, wohl aber mehr Prozente zu tieferen Preisen. Leckere Muffins und verführerische Kuchen laden bei der Klasse 3fa zum Verweilen im Wunderland von Alice ein. Beliebt bei den frühen Besuchern ist vor allem das asiatische Restaurant. Mit Bami Goreng und Nasi Goreng – auch als Take Away erhältlich – stärken sich viele Besucher vor dem Erkunden der 27 dekorierten Zimmer. Nebst kulinarischen Höhenflügen lohnt sich ebenso ein Innehalten in der Aula. Konzerte von Jazz über Blues bis hin zu Vokalensembles verwöhnen die Festbesucher auch mit akustischen Leckerbissen. Eigentlich reicht die Zeit gar nicht aus, um die vielen Eindrücke und Begegnungen wirklich geniessen zu können. Dennoch sind sich die meisten einig: Ein Kantifest ist jedes Mal wieder ein Highlight.


**Erinnerungsträchtige Schauplätze Ehemalige Schülerinnen und Schüler denken an kleine Anekdoten zurück**

**Tagsüber Malheure, nachts auf der Munotwiese**
Mit dem voll beladenen Tablett in der Mensa hat man sich das Horroszenario vielleicht schon einmal ausgemalt: Was, wenn man das Mittagessen aus Versehen fallen lässt? Hannah Kwasnicki ist diese Art von Malheur in einer originellen Variante geschehen. «Damals war ich ein so genanntes Gmües, also eine Erstklässlerin», erzählt sie. «Auf dem Tablett befand sich unter anderem eine Fantaflasche, die mir runterfiel. Auf dem Boden ging der Verschluss genau so fest auf, dass die gelbe Flüssigkeit rausspritzte. Die Flasche begann sich dadurch zu drehen, spritzte und schäumte – eine Riesensauerei. Einige begannen zu klatschen. Mir aber war es megapeinlich, vor allem als Erstklässlerin! Also hab ich einfach so getan, als wäre nichts passiert. Die Erinnerung an dieses peinliche Erlebnis in der Mensa bleibt bis heute.»
Ein Erlebnis auf der Munotwiese hatte Miriam Barner. Freunde der ehemaligen Kantischülerin feierten ihren Schulabschluss; zur After-Party ging es auf die Munotwiese. «Wir haben spontan dort übernachtet, etwa zwanzig Leute», erinnert sich Barner, die damals noch nicht zu den Abschliessenden gehörte. «Einige von uns, darunter ich, mussten am nächsten Tag direkt in die Schule. Im Unterricht bin ich eingeschlafen.»
Lehrer Urs Walter bringt vor allem mit der Turnhalle Denkwürdiges in Verbindung. «Unser Sportlehrer begrüsste uns jeweils mit der Frage: Wollt ihr Fussball, Volleyball oder Unihockey? Andere Spiele gab es nicht zur Auswahl», schildert Walter. Fünf Jahre lang musste sich die Klasse zwischen den drei Möglichkeiten entscheiden. «Am Morgen wählten wir gern Volleyball, dann mussten wir danach nicht duschen. Zur Mittagszeit, wenn wir uns bewegen wollten, wählten wir Fussball. Erst wenn’s draussen richtig heiss war, entschied sich unser Lehrer für Abwechslung: Dann mussten wir unter der Sommersonne auf der Tartanbahn rennen.»
Die beiden Exkantischülerinnen Anna-Lena Rusch und Jonna Tschannen verbinden mit einem Schulzimmer im Neubau ungewöhnliche Perspektiven. «Unsere Deutschstunden fanden in einem Raum statt, der den Blick über ganz Schaffhausen zuliess», erzählen Rusch und Tschannen. «In der Pause spielten wir ein Spiel, das wir ‹Schaffhausen auf dem Kopf› nannten: Hierfür lehnten wir uns rücklings auf den Fensterrahmen und besahen uns die Stadt aus dieser Perspektive. Das machte wach, war amüsant und gab uns wieder Energie für die nächste Deutschstunde.» Umso trauriger waren die beiden beim Besuch es Zimmers am diesjährigen Kantifest: Das erinnerungsträchtige Deutschzimmer wurde zu einem Kopierraum umfunktioniert.



Herzliche Umarmungen zur Begrüssung vor dem original englischen Doppelstockbus auf dem Pausenplatz im Kantiareal auf dem Emmersberg.


Beat Schnurrenberger lässt sich von den zwei Stewardessen Larissa Scheuermeier (r.) und Stephanie Baumann auf dem Flug nach Rom kulinarisch verwöhnen.


Mit charmantem Lächeln und imposantem Sombrero bewirten Naomi Dünki und Aleyna Ekinci (r.) von der 2mb die Gäste in mexikanischer Manier.

Bilder Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

21. September 2012 | Vor der grossen Sause an der Kanti

Mark Liebenberg

Es herrscht eine Betriebsamkeit wie in einem Ameisenhaufen – seit Mittwoch, Schlag 12 Uhr mittags, gelten alle Anstrengungen und Mühen der Kantonsschüler für einmal nicht Mathe, Chemie oder Französisch, sondern sie schleppen Bretter durch die Korridore, malen hübsche Wanddekorationen und diskutieren angeregt über Dinge wie: Wo kommt das Sofa hin? Wer holt die Wärmeplatten ab? Wie bauen wir das Holzgerüst zusammen?

Für das grosse Fest heute Freitagabend wird für einmal mit den Händen gearbeitet. Dass dem Kantifest so durchaus auch ein pädagogischer Gedanke zugrunde liegt, erklärt Deutschlehrer und Co-Leiter des Organisationskomittees, Ralph Tanner, so: «Es ist uns wichtig, dass die Schüler lernen, was die Durchführung so eines Grossanlasses bedeutet, wie man budgetiert, Ideen und Konzepte entwickelt und sie dann praktisch umsetzt. Das ist für viele eine neue Herausforderung.» Auch lernen sich Lehrer und Schüler auf eine ganz andere Weise kennen.

**Innovative Themenbars**
Doch zuerst die Zahlen: 3500 Besucher werden erwartet, 750 Schüler und 120 Lehrer sind nicht nur für den Aufbau und den Betrieb der 26 verschiedenen Bars, Spelunken, Lounges, Imbissbuden und Restaurants verantwortlich, sondern auch für 13 verschiedene Konzerte und weitere künstlerische Darbietungen. Ein Fest für die Schüler selber, aber auch für die Eltern und Freunde sowie natürlich auch für die jeweils zahlreich erscheinenden Ehema-ligen der Schaffhauser Kantonsschule. Der ganze Anlass ist selbsttragend und kostet für Erwachsene 30 Franken, für Studenten 15. Die Vorbereitungen dauern bereits seit einem Jahr an. Nur alle vier Jahre führt die Kanti die Sause durch. Rektor Urs Saxer: «Jeder Kantonsschüler soll einmal in seiner Schulzeit ein solches Fest erleben und mitgestalten können.» Dass es dabei nicht einfach ums Partymachen geht, wie an einem beliebigen anderen Wochenende, sieht man an den innovativen Ideen, welche die Schüler umgesetzt haben. An oberster Stelle stehen die Themenbars und -restaurants: Sei es in der Wallstreet-Bar, im griechischen Tempel, einem Wiener Café, der Karaoke-Bar, dem Jägerrestaurant oder der Sportbar – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Kulinarisch ist die ganze Welt vertreten: Sushi, Spaghetti, Mexikanisch, Crêpes, Spaghetti und Nordseefisch – alles da. Im Zimmer «Matte Watte» kann man sich einem Zweikampf auf dem Schwedenkasten stellen, im authentischen London-Bus im Innenhof englisches Feeling erleben, in der Science-Bar live Experimente erleben oder im «Vol de Nuit» in original Swissair-Flugzeugsesseln virtuell einen Nachtflug samt Bordmenü geniessen. Und sich dabei vom Bordpersonal bedienen lassen. Und, die Frage muss sein: Wie steht es mit dem Alkohol? «Die Schüler wissen über ihre Rechte und Pflichten Bescheid, und es sind stets Lehrpersonen in der Nähe», sagt OK-Leiter Detlef Roth. Hochprozentiges wird nur in verdünnter Form abgegeben und nur an über 18-Jährige. Aber schon vor vier Jahren, beim letzten Fest, habe man keine Zwischenfälle gehabt.


**Kantifest früher und heute Schicken Sie uns Ihre alten Erinnerungsfotos**

Wer erinnert sich nicht noch genau an «sein» Kantifest? Alle vier (früher: alle fünf) Jahre nur findet es statt und versammelt die grosse Familie der aktiven und ehemaligen Schüler und Lehrer zum grossen feuchtfröhlichen Fest der Kantonsschule Schaffhausen in die altehrwürdigen Mauern. Viele lustige, schöne, deftige und unvergessliche Erinnerungen und Erlebnisse hängen mit dem Kantifest zusammen – lassen Sie die Welt daran teilhaben! Schicken Sie uns Ihre alten Erinnerungsfotos, und teilen Sie Ihre schönen Erinnerungen. Per E-Mail an region@shn.ch oder persönlich am Empfangsschalter der «Schaffhauser Nachrichten» an der Vordergasse 58 abgeben. Annahmeschluss: heute, 17 Uhr. (lbb)



Alles ist hausgemacht, sogar die Dekoration für die Bars, Lounges und Restaurants: Rektor Urs Saxer, OK-Chefs Detlef Roth und Ralph Tanner (v. l. n. r.).
Bild Mark Liebenberg



Fast perfekt, die Illusion: Im Jahre 1986 konnte man sich in einem klassisch-edlen Wiener Café verlustieren.
Das Foto hat Heini Lanz den SN zur Verfügung gestellt.

#Notizen zu Namen

19. September 2012 | «Mein Herz schlägt sachbezogen»

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Es ist kurz nach eins, wir sind in der Cafeteria des Berufsbildungszentrums in Schaffhausen, wo Hansueli Birchmeier seit über 30 Jahren unterrichtet, verabredet und setzen uns an einen Tisch mitten im lichtdurchfluteten Raum. «Warum, Herr Birchmeier, haben Sie sich so spät erst zu einer Kandidatur entschlossen?» – «Nachdem die Kandidaten Nummer 6 und Nummer 7 in die Arena getreten waren, kamen einige in Stein am Rhein auf mich zu und sagten, es wäre gut, wenn sich auch noch ein Parteiunabhängiger aufstellen liesse.»
Dies geschah natürlich nicht aus heiterem Himmel. Hansueli Birchmeier ist in Stein am Rhein bekannt, hat sich in vielen Vereinen und auch in Gremien rund um die Tausendjahrfeier des Städtchens engagiert, wo er seit 20 Jahren lebt. «Als Kantischüler arbeitete ich während der Ferien ab und zu im Altersheim, und nach der Primarlehrerausbildung mehrere Male als Stellvertreter im Schanz- und Hoga-Schulhaus. Damals schon gefiel es mir in Stein am Rhein sehr gut, und ich sagte mir: ‹Eines Tages arbeitest du einmal hier als Lehrer in Stein am Rhein, oder du wohnst da.›»

**Verkörperte Nachhaltigkeit**
Und so kam es auch. Zeichen dafür, dass für Birchmeier langfristiges Denken und Handeln wesensgemäss sind. Er verkörpert die Nachhaltigkeit gewissermassen mit seiner Biografie: Nach vier Jahren Primarlehrer an der Mittelstufe in Ramsen ist er nach einer entsprechenden Ausbildung in Bern und an der Uni Zürich seit über 30 Jahren Berufsfachschullehrer in Schaffhausen. Seit 20 Jahren hat er zudem ein Mandat an der Polizeischule Ostschweiz Schaffhausen, die heute in Amriswil domiziliert ist, inne. Er hat vier Kinder, von denen das älteste der Ausbildung bereits entwachsen ist. Als Hansueli Birchmeier gebeten wurde, in die Stadtratswahl einzusteigen, sagte er zu, und das, obwohl er noch nie in einer Legislativ- oder Exekutivbehörde Einsitz hatte. «Sie würden also relativ unbelastet im Rat Einsitz nehmen?» Birchmeier bestätigt dies und sagt: «Es wäre eine Chance, mit neuen Köpfen zwar nichts Neues zu machen, aber doch etwas anders an die Sachthemen heranzugehen.» – «Welche Akzente möchten Sie setzen?» – «Ich denke zum Beispiel an die Problematik der Alterswohnungen, da ist vieles für mich noch unbefriedigend, und ich denke auch an die Rahmenbedingungen in der Schule, die es zu optimieren gilt.» Hier sind kritisch-konstruktive Diskussionen und Lösungen nötig.» Dann sei es aus seiner Sicht wohl am besten, wenn der gesamte Stadtrat neu besetzt werde am 23. September, stelle ich als Frage. «Ich denke», sagt er, «das wäre eine Chance, ohne dabei das Können und die Verdienste der Bisherigen zu schmälern.» Veränderungen würden jetzt ohnehin mit der Verwaltungsreform umgesetzt. «Da gibt es jetzt andere Schwerpunkte. Und da mitzuarbeiten, das würde mich reizen.» Naheliegend der Gedanke, dass Birchmeiers Wunschreferat das Soziale sein könnte. Doch meint er: «Ich bin für alles offen.» Wie seine Wahlchancen stehen, ist für ihn schwierig abzuschätzen. «Aus sämtlichen Parteien habe ich positive Rückmeldungen bekommen, darunter sind sogar solche, die sagten: ‹Warum kommst du so spät? Ich habe schon gewählt.›» Hansueli Birchmeier lacht. «Dann sage ich jeweils», ergänzt er, «du kannst mich ja im zweiten Wahlgang auf den Zettel schreiben.»

**Das Gewerbe unterstützen**
Birchmeier bezeichnet sich als einen Sachpolitiker. Parteiunabhängig. «Können Sie so neutral sein? Wo schlägt Ihr Herz? Eher links oder eher rechts?» – «Es schlägt sachbezogen. Ich bin ein Pragmatiker und würde sagen, dass die Parteipolitik manchmal die echte Demokratie verhindert. Dann, wenn zum Beispiel ein Vorschlag nur deshalb gebodigt wird, weil er vom politischen Gegner kommt.» Und wie hält er es mit dem Tourismus und der Schaffung von Arbeitsplätzen in Stein am Rhein? «Letztere müssten ja ein Anliegen von Ihnen sein, wo Sie doch junge Berufsleute ausbilden.» – «Ich bin keiner, der Wachstum um jeden Preis anstrebt. Entwicklung muss nachhaltig sein. Wir müssen zum Beispiel das Gewerbe durch gute Rahmenbedingungen unterstützen, damit die jungen Leute hier arbeiten und sich eventuell sogar Wohneigentum zulegen können. Es soll nicht so sein wie im Berner Oberland, wo die Einheimischen keine Chance haben.»

**Heiter-gelassener Familienmensch**
Hansueli Birchmeier liebt Stein am Rhein. «Wenn ich abends über die Brücke gehe, fühle ich mich wie in den Ferien», sagt er, «das ist eine andere Welt. Ich schätze die hohe Lebens- und Wohnqualität. Das alles gilt es zu erhalten.» Hansueli Birchmeier strahlt heitere Gelassenheit aus. Er ist ein Familienmensch. «Der Fernseher steht im Estrich oben, wir diskutieren sehr viel am Familientisch, oder wir hören Musik. Früher haben wir auch ab und zu zusammen musiziert.» Wenn er nicht gewählt werde, breche für ihn keine Welt zusammen. «Es wäre schön, wenn ich gewählt würde.» Und: «Was wir Birchmeiers machen, machen wir 120-prozentig.» Das ist schon fast ein Familienmotto. «Ja», sagt Birchmeier abschliessend, «mein Vater gab mir einmal folgenden Slogan mit auf den Lebensweg: ‹Formuliere immer exakt, was du willst, sonst bekommst du das, was du befürchtest.›» Das hat sich bis dato immer bestens bewährt.»

#Notizen zu Namen

15. September 2012 | «Da braucht es eine andere Kultur»

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

stein am rhein Als Ueli Böhni 50 wurde, machte er die Segelprüfung und ist seither in der Freizeit oft auf dem See anzutreffen, wenn die Winde günstig sind. «Herr Böhni, ist der Wind günstig für Sie, jetzt in die Politik einzusteigen, und wenn ja, warum? Was ist Ihr Motiv?» Politik sei etwas, was ihn, der einer alten Steiner Familie entstammt und im Städtchen aufgewachsen ist, schon immer interessiert habe. «Ich habe mich ja neben meinem Beruf als Arzt immer für anderes engagiert. Ich war Schulpräsident und habe bis heute massgebende Projekte damals in die Wege geleitet, die erste Schulleitung im Kanton zum Beispiel, Einführung der integrativen Schule, und das machte ich sehr gern.»
Dann aber gab es einen beruflichen Wandel, «nach ein paar Jahren Einzelkämpfertum als Haus- und Spezialarzt in Stein am Rhein» verspürte Ueli Böhni den Wunsch, mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis aufzubauen, eine Aufgabe, die seine Kräfte band, sodass er als Schulpräsident zurücktrat. Nun sei es ihm von der Belastung her wieder möglich, sich zu engagieren, und: «Jetzt, wo Franz Hostettmann als Stadtpräsident zurückgetreten ist, habe ich das Gefühl, der Zeitpunkt sei da, wo es den Wandel braucht, und es reizt mich, mitzuarbeiten.» Ob er auch kandidiert hätte, wenn Franz Hostettmann noch im Amt wäre? Das ist offen, meint Ueli Böhni und sagt: «Man könnte den Eindruck haben, alles, was die Leute unzufrieden machte, liege am früheren Stadtpräsidenten, und das ist sicher falsch. Immerhin haben der gesamte Stadtrat und auch der Einwohnerrat vieles widerspruchslos mitgetragen. Ich denke an das Parkhaus: einstimmige Zustimmung im Einwohnerrat, wuchtige Ablehnung durch das Volk, und darum glaube ich, es braucht mehr als nur den Wechsel vom Stadtpräsidenten zur Stadtpräsidentin.» Die Philosophie der Verwaltungsreform und des Leitbildes, das könne eine Stadtpräsidentin nicht alleine durchziehen. «Da braucht es eine andere Kultur. Und ich weiss, wenn sich etwas mal eingeschliffen hat, ist es schwierig, mit den gleichen Personen einen Wandel herbeizuführen.»

**Klare Planung, klare Strukturen**
Nun hat aber Ueli Böhni bei der Stadtpräsidentenwahl Johannes Wyss und nicht Claudia Eimer, die jetzige Stadtpräsidentin, unterstützt. «Keine Ressentiments?» – «Nein. Das sind normale Vorgänge, dass es mehrere Kandidaten gibt. Man unterstützt jemanden, und nach der Wahl ist der Entscheid gefällt. Auch habe ich Claudia Eimer nicht als unfähig betrachtet. Jetzt geht es darum, mit ihr zusammen den Wandel auf den Weg zu bringen.» Ueli Böhni ist ein Sach- und Realpolitiker, Mitglied der Grünliberalen Partei der Schweiz und der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen (ÖBS). «Meine grösste Erkenntnis aus der Finanzkrise ist, dass eine vollkommen freie Marktwirtschaft der Gier des Menschen Tür und Tor öffnet. Das hat mich erschüttert.» Wichtig ist ihm daher, die Zukunft von Stein am Rhein nicht dem Zufall zu überlassen. Mittels eines Leitbildprozesses gelte es kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu definieren, und mittels der Verwaltungsreform seien die Zuständigkeiten im Stadtrat zu klären und zu definieren. Wir stellen eine konkrete Frage: «Spielzeugmuseum ja oder nein?» – «Das finde ich eine schwierige Frage. Es kommt auf die Bedingungen an. Die Frage ist, wie sieht das Kultur- und speziell das Museumskonzept aus, und hat dieses Museum darin einen Platz?» Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, sagt Ueli Böhni, seien kaum strategische Ziele für Stein am Rhein, und, sagt er: «Tourismusprojekte sollen das lokale Gewerbe fördern und wirtschaftlich wie ökologisch sinnvoll sein.» Was die ärztliche Versorgung des Städtchens betrifft, wünscht sich Ueli Böhni die Schaffung einer Infrastruktur, die es jungen Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, sich unkompliziert und flexibel in eine Gemeinschaftspraxis einzubringen. Es sei schwierig, hier an der Peripherie Ärzte zu finden: «Aus Zürcher Sicht hört hinter Winterthur die Welt auf.» Wir haben das Gespräch am frühen Morgen geführt, Ueli Böhni ist Frühaufsteher und liebt die ausführliche Zeitungslektüre zu dieser Tageszeit. Er liest auch gerne Bücher über die Geschichte Europas und der Schweiz der letzten 250 Jahre – «eine Zeit des Umbruchs und des Wandels» –, und er pflegt eine grosse Sammlung «Grafik der Region», die sein Vater begonnen hat und die er wesentlich erweitern konnte. «Und sonst in der Freizeit, ausser Segeln?» – «Ich habe», sagt Ueli Böhni, «beim ‹No e Wili› mitgespielt, singe ab und zu in einem Chor mit, fahre gerne mal mit dem Rad.» Seine liebste Freizeitbeschäftigung aber ist das Organisieren von Weiterbildungskursen für Ärzte und das Unterrichten. Durch die Engagements in der Berufspolitik hat er reichhaltige Erfahrung in Organisationsentwicklung und politischen Prozessen gesammelt.

#Notizen zu Namen

14. September 2012 | SP-Vorstand weist Vorwürfe mit einem Brief zurück

Schaffhauser Nachrichten, Region
(rob)

Das Verhältnis zwischen der SP und dem wilden SP-Stadtschulratskandidaten Andreas Wüthrich sorgt weiter für Wirbel: In einem Brief mit dem Titel «Klärungen und Erklärungen» an alle Mitglieder der Stadt-Sektion wurde nochmals explizit festgehalten, dass es keinerlei Animositäten mit Wüthrich gebe. Ebenso wird der vom Kandidaten erhobene Vorwurf, der Parteivorstand sei unter Druck gesetzt worden (siehe SN vom 8. 9.), zurückgewiesen.
Dass Wüthrich nicht zur Wiederwahl empfohlen wurde, habe zwei Gründe: Es sei Kritik über die Arbeitsweise Wüthrichs an die Partei herangetragen worden, «und zwar sowohl aus dem Stadtschulrat als auch von einzelnen Mitgliedern des Grossen Stadtrates», heisst es in dem von Andres Bächtold, Präsident der Stadt-SP, unterzeichneten Brief. Sämtliche Mitglieder des Gremiums müssten sich gleichermassen einsetzen. «Da wir das auch von bürgerlichen Schulräten einfordern, muss das auf unsere Kandidierenden in hohem Masse zutreffen. Andreas hat da offensichtlich Defizite.» Hinzu komme, dass zwei Parteien – ÖBS und SVP – im Schulrat nicht vertreten seien, was die «demokratischen Prozesse hemmt» und der Schulpolitik insgesamt nicht förderlich sei. Man habe deshalb früh signalisiert, dass man ein in die Kritik geratenes Schulratsmitglied nicht mehr nominieren wolle. Aber: Insbesondere die SVP habe es nicht geschafft, einen valablen Kandidaten zu präsentieren, deshalb hat der SP-Vorstand beantragt, auch Till Aders, den Kandidaten der AL, zu unterstützen. Dies ist von der Partei am Mittwoch bestätigt worden, wie Andres Bächtold sagt. Die Partei sei in der Causa Wüthrich nicht gespalten, «aber weil nicht alle an der Nominationsversammlung dabei waren, gab es eine gewisse Verunsicherung», erklärt Bächtold den Brief. Wüthrich tritt für die SP auch für den Kantonsrat und den Grossen Stadtrat an: «Das haben wir so beschlossen, auch wenn es im Nachhinein vielleicht falsch war», sagt Bächtold.

#Notizen zu Namen

8. September 2012 | Grosses Interesse an viel harter Arbeit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Der Stadtschulrat, vor vier Jahren noch als «Auslaufmodell» verschrien, ist unter Druck, weil er nach zwei gescheiterten Anläufen zur Einführung von Schulleitungen die Lehrpersonenqualifikation (LQS) an die Hand nehmen muss, ausserdem stehen mit der Ablösung des Vorstehersystems und der Einführung der Integrativen Schulungsformen (ISF) weitere tief greifende Projekt an, welche die Schulbehörde beschäftigen werden. Daneben beansprucht die Lösung der steigenden Anzahl von Problemen, die in den Schulen anfallen, die Aufmerksamkeit der Schulräte. Im Klartext: Die Zeiten, in denen das Amt als Durchlauferhitzer für höhere Weihen diente, sind vorbei, es wartet viel Arbeit auf die Schulbehörde. Mehr denn je gefragt sind Führungsqualitäten, die Fähigkeit, die Arbeit von Lehrpersonen zu qualifizieren und den Anliegen von Eltern und Lehrern gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund erstaunt das aktuell grosse Interesse an einem Sitz im Stadtschulrat: Marcel Sonderegger (FDP) und Simon Stocker (AL) verzichten als Bisherige auf eine erneute Kandidatur, alle anderen Stadtschulräte treten erneut an, dazu noch vier neue Kandidaten – macht acht Interessenten für sechs Sitze.

**Vier Herausforderer**
Im Feld der Herausforderer finden sich zwei Vertreter der jüngeren Generation: Stefan Bruderer (*1984) soll für die ÖBS wieder einen Sitz in der Schulbehörde erringen, der Radiomacher, der als Vorstandsmitglied und Parteisekretär tätig ist und bald sein Psychologiestudium abschliessen wird, war unter anderem bereits als Studienberater tätig. Till Aders (1987) wurde erst gestern als Ersatzkandidat für Simon Stocker von der AL präsentiert (siehe unten rechts). Die SVP schickt mit Mariano Fioretti (*1969) ihren Parteisekretär ins Rennen. Der gelernte Zolldeklarant war als Lehrmeister für den Aufbau einer Lehrlingsabteilung tätig. Mit Daniel Rapold (*1959) will die FDP den Sitz von Marcel Sonderegger mit einem erfahrenen Kandidaten verteidigen: dem Personalverantwortlichen der Meier + Cie AG Schaffhausen, die auch die «Schaffhauser Nachrichten» herausgibt (siehe unten).

**Bisherige in Poleposition**
Manuela Roost Müller (FDP), Nathalie Zumstein (CVP) und Vreni Osterwalder (SP) wurden von ihren Parteien für eine weitere Amtszeit nominiert und sind aufgrund ihrer bisherigen Mitgliedschaft im Schulrat in der besten Ausgangslage. Vreni Osterwalder (*1944) gehört dem Stadtschulrat seit 2009 an und ist Präsidentin der Kindergartenkommission. Zwischen 1965 und 2008 war Osterwalder als Primarschullehrerin tätig und wird von ihrer Partei als «motiviert, gradlinig, ehrlich und kommunikativ» angepriesen. Nathalie Zumstein (*1953) ist seit 2007 Schulrätin und hat seit 2008 das Vizepräsidium inne. Manuela Roost Müller (*1959) kommt aus der Privatwirtschaft: Die zweifache Mutter und ausgebildete Primarlehrerin ist im Gastro- und Bäckereibetrieb tätig und dort unter anderem mit Personalfragen befasst (siehe für beide Kandidatinnen auch Kasten unten). Für einigen Wirbel hat die erneute Kandidatur von Jurist Andreas Wüthrich (*1972) gesorgt: Der SP-Mann wollte nach vier Jahren im Schulrat erneut antreten, seine Partei versagte ihm aber die Unterstützung, was Wüthrich nicht an einer Kandidatur hindert. Die Opposition von Schulratspräsidentin Katrin Huber Ott gegen Wüthrich geht so weit, dass sie mit Rücktritt drohte, falls Wüthrich gewählt werde.

**Kein Streit, fachliche Einwände**
Fragt man bei Katrin Huber Ott nach, verweist sie auf fachliche Probleme: «Ich vertrete als Stadtschulratspräsidentin die Auffassung, dass es im Schulrat Leute braucht, die in der Lage sind, als Vorgesetzte Verantwortung zu übernehmen.» Nach dreieinhalb Jahren im Amt sei sie zur Überzeugung gekommen, dass Andreas Wüthrich diese Anforderung nicht erfülle. «Ich betone: Ich habe keinen Streit mit Andreas Wüthrich, es gibt keine persönlichen Differenzen, ich habe einfach den Eindruck, dass er im Schulrat am falschen Platz ist», sagt Huber Ott und fügt an: «Andreas Wüthrich hat im Vergleich zu den andern Schulräten ein viel kleineres Ephorat, er hat lediglich ein Schulhaus und acht Kindergärten zu betreuen. Aber selbst da musste ich in der Vergangenheit als Schulpräsidentin öfter eingreifen und seine Arbeit übernehmen.» Diese Situation sei vor dem Hintergrund der neuen Ephoratsaufteilung des Stadtschulrats und der Umsetzung der konsequenteren Personalführung – inklusive LQS – in Zukunft nicht weiter tragbar. Ob sie ihre Rücktrittsdrohung im Falle einer Wahl Wüthrichs wahr mache, sei derzeit noch offen, «das Schulpräsidium ist eine Aufgabe, die mir am Herzen liegt und die ich nicht gern aufgeben würde», sagt Huber Ott. Hört man sich etwas um, so wird von verschiedenen Seiten bestätigt, dass es Probleme mit Wüthrichs Leistungen gegeben habe. Diese Sicht weist Andreas Wüthrich selbst aber als «Unsinn» zurück: «Es gab nie Klagen aus dem Emmersberg-Schulhaus, das ich betreue, ich habe meine Aufgaben erfüllt», sagt er. Nur in einigen wenigen Fällen habe die Schulratspräsidentin eingreifen müssen, dabei habe es sich jeweils um solche Situationen gehandelt, in denen die Präsidentin gemäss Reglement einbezogen werden müsse. Dass die SP ihn nicht nominiert habe, sei das Resultat einer Erpressung: «Offenbar war man im Parteivorstand nicht stark genug, sich dagegen zur Wehr zu setzen.»

**Keine Frist für Kandidaten**
Es wird also spannend am 23. September, vielleicht vergrössert sich das Kandidatenfeld bis dahin sogar noch: Bevor klar war, ob eine stille Wahl erfolgt, mussten alle Kandidaten sich mit 15 Unterschriften bei der Stadtkanzlei melden. Nun, da das Volk über die Zusammensetzung entscheiden muss, können sich Kandidaten bis zum Wahltag aufstellen lassen.

**Alternative Liste Till Aders kandidiert**

Jetzt ist klar, wen die Alternative Liste ins Rennen um einen Sitz im Stadtschulrat schickt: Es ist ihr Präsident Till Aders (25). Eigentlich hätte der bisherige AL-Vertreter im Stadtschulrat, Simon Stocker (31), für eine weitere Amtszeit kandidieren wollen. Er ist seit 2008 Mitglied der städtischen Schulbehörde. Stocker schaffte jedoch überraschenderweise die Wahl in den Stadtrat und steht deshalb nicht mehr zur Verfügung. In grosser Eile musste die AL eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten suchen, denn die Wahl ist am Sonntag in zwei Wochen, und die Stimmbürger haben die Wahlunterlagen bereits erhalten.
«Wir wollten eine Person portieren, die noch nicht so bekannt war, und haben auch mit zwei Frauen Gespräche geführt», sagte AL-Vizepräsidentin Susi Stühlinger gestern bei der Vorstellung des Kandidaten, «ihnen war das aber zu kurzfristig». Schliesslich habe sich Till Aders zur Verfügung gestellt. Ein Lückenbüsser sei Aders aber nicht. «Till ist geeignet für dieses Amt», sagte Simon Stocker. «Er ist sehr kommunikativ, und getraut sich, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äussern.» Er sei ein intelligenter Denker, es falle ihm leicht, einen Sachverhalt rasch zu erkennen. «Er hat eine ruhige, überlegte Art, und er zeigt viel Empathie.» Aders selbst sagte, dass er einen Beitrag an die hohe Lebensqualität in der Stadt leisten wolle, und da sei die Bildung ein zentraler Punkt. Er sei von vielen Personen auf eine Kandidatur angesprochen worden, das stimme ihn zuversichtlich: «Ich rechne damit, dass ich gewählt werde.» (zge)

**Bürgerliches Trio Manuela Müller Roost, Nathalie Zumstein, Daniel Rapold**

FDP und CVP gehen vereint in die Wahlen zum Stadtschulrat vom 23. September. Gestern stellte Marcel Sonderegger, Präsident der städtischen FDP, das bürgerliche Trio vor: Manuela Roost Müller (FDP, bisher), Nathalie Zumstein (CVP, bisher) und Daniel Rapold (FDP, neu). Manuela Roost Müller, Familien- und Geschäftsfrau, ist seit vier Jahren Schulrätin. Sie möchte die Lehrpersonen, die sie bisher betreut hat, auch weiterhin begleiten. Die Tätigkeit im Stadtschulrat gefällt ihr, denn «ich bin gerne Troubleshooter.» Nathalie Zumstein arbeitet seit 2007 im Stadtschulrat mit. Das möchte sie auch in Zukunft tun, denn mit der Integrierten Schulform (ISF), der Frühförderung und den Tagesstrukturen stehe die Schule vor grossen Aufgaben. Daniel Rapold kandidiert zum ersten Mal für den Stadtschulrat. Der 57-jährige Vater, der als Personalchef der Meier+Cie AG arbeitet, die auch die SN herausgibt, hat zahlreiche Erfahrungen mit der Schule gemacht. «Ich möchte ein Klima schaffen, das lehr- und lernfördernd ist», erklärte er. Besonders wichtig sei ihm die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern.
Die drei sind sich bewusst, dass nach der Ablehnung von Schulleitungen der Stadtschulrat gefordert ist. Zumstein: «Die operative Führung liegt jetzt bei uns: Das ist eine grosse Herausforderung.» Auf das Schuljahr 2013/14 hin sollen die Schulvorsteher aufgewertet werden, und das ist auch nötig, denn, so Roost Müller, «es muss endlich etwas gehen». Eine weitere Baustelle, mit der sich der Stadtschulrat in der nächsten Legislatur beschäftigen muss, ist die lohnwirksame Qualifikation der Lehrkräfte (LQS). Hier wehrt sich Roost Müller vehement gegen die Vorwürfe des Erziehungsdepartements an die Adresse des aktuellen Stadtschulrats: «Es waren unsere Vorgänger, die über acht Jahre lang nichts getan und 74 Lehrkräfte nie qualifiziert haben. Das lässt sich nicht mehr aufholen.» Alle drei sind aber bereit, so viele LQS wie möglich durchzuführen, und zwar nicht wegen der Lohnwirksamkeit, sondern um den Lehrkräften ein Feedback zu geben. (ek)