#Notizen zu Namen

31. Oktober 2008 | Petition gegen das neue Schulgesetz

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
Karin Lüthi

Am Mittwochabend fand in der Mehrzweckhalle in Rüdlingen ein ausserordentlich gut besuchter Informationsanlass zum neuen Schulgesetz statt. Zu diesem Anlass eingeladen hatten die Gemeindebehörden der beiden Dörfer sowie der Zweckverband der örtlichen Orientierungsschule.

Die Behörden befürchten mit der Einführung des neuen Schulgesetzes eine massive Verteuerung der Volksschule, was Mehrausgaben von mehreren Steuerprozenten zur Folge hätte. Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel stellte zusammen mit Teilprojektleiter Ruedi Leu in einem ausführlichen, gut dokumentierten Vortrag das neue Schulgesetz und dessen Verwaltungsstrukturen sowie insbesondere den zukünftigen Finanzierungsmodus für Unterrichts- und Infrastrukturpauschalen vor.

**Schule nicht um jeden Preis**
Zankapfel war denn auch die Handhabung der Unterrichtspauschale, die vorsieht, dass nicht mehr wie bis anhin die Lehrerpensen mitfinanziert werden, sondern sich die Finanzierung nach der Anzahl der Schüler eines Schulverbandes richtet. Rüdlingen und Buchberg stehen hinter einer Schaffhauser Schule, wie die Rüdlinger Gemeindepräsidentin Käty Leutenegger in ihrem Grusswort sagte, doch nicht um jeden Preis. Obwohl die beiden Dörfer bereits daran sind, die Optimierung der örtlichen Schulstrukturen in die Wege zu leiten, ist schon jetzt absehbar, dass es wegen der ungünstigen geographischen Lage weitab von anderen Schaffhauser Gemeinden nicht möglich sein wird, die Schule so zu straffen, dass die Schülerzahlen in kostenneutrale Höhe rücken würden.

**Flexiblere Schulpauschalen**
Schon immer musste aus diesen geographischen Gründen, die als unveränderbare Tatsachen zu akzeptieren sind, mit dem Kanton nach kreativen Lösungen gesucht werden. Eine solche Lösung sehen die Behörden in einer flexibleren Handhabung der Schülerpauschalen, so wie es auch im angrenzenden Kanton Thurgau möglich ist. Das neue Thurgauer Schulgesetz zeigt sich in Bezug auf soziale Lasten, die einer Gemeinde mit hohem Ausländeranteil wegen der umfangreichen Fördermassnahmen zufallen, flexibel. Einen ähnlichen Passus wollen auch die beiden Gemeinden des südlichen Kantonsteils in das neue Schaffhauser Schulgesetz eingebaut sehen. Auf die geographischen Gegebenheiten muss nach Meinung Rüdlingens und Buchbergs Rücksicht genommen werden: In Zeiten, in denen sich die Schülerzahlen negativ entwickeln und vom Kanton darum deutlich weniger Geld entrichtet wird, soll entsprechend flexibel eine Geopauschale ausbezahlt werden, die es Rüdlingen und Buchberg erlaubt, ohne massive Erhöhung der Volksschulkosten eine qualitativ hochstehende Volksschule anzubieten.

**Letzte Lesung am 10. November**
Regierungsrätin Widmer Gysel betonte ihre Dialogbereitschaft, zeigte während der anschliessenden öffentlichen Diskussion allerdings wenig konkrete Handlungsspielräume auf. Das Gesetz sei nun so weit fortgeschritten, dass es vor der letzten Lesung im Kantonsrat vom 10. November stehe, solche Änderungen könnten nicht einfach noch ergänzt werden. Die beiden Gemeinden haben nun den Weg einer Petition eingeschlagen, in welcher der Kantonsrat ersucht wird, der ausserordentlichen geographischen Situation des südlichen Kantonsteils Rechnung zu tragen und Hand zu bieten für eine Lösung, die in besonderen Situationen, das heisst bei negativer Schülerzahlentwicklung, spezielle Schülerpauschalen vorsieht.

**Opfer des eigenen Erfolgs**
In seinem Schlusswort brachte Hanspeter Kern, Gemeindepräsident von Buchberg, zum Ausdruck, es scheine, dass die beiden Dörfer Opfer ihres eigenen Erfolgs würden – wären sie nämlich arme Gemeinden, wäre längst eine Sonderlösung gefunden worden. Ganz klar wurde auch, dass der südliche Kantonsteil das neue Schulgesetz vehement bekämpfen wird, sollte es zu keiner einvernehmlichen Lösung kommen.

#Allgemeines

27. Oktober 2008 | Würdiges Jubiläum der Commercia

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Mit einem sportlichen Wettkampf in der Schiessanlage des nördlich von Rüdlingen gelegenen Egghofs, der Generalversammlung des Altherrenverbandes in der Zunftstube zun Kaufleuten an der Vordergasse, der Ehrung der verstorbenen Verbindungsmitglieder bei der Schillerglocke und einem festlichen Couleurball im Park Casino in Schaffhausen gingen am Samstag die Feierlichkeiten zum neunzigjährigen Bestehen der Handelsschulverbindung Commercia zu Ende. Den Auftakt zum Jubiläum bildete am Freitag die Vernissage der in den letzten drei Jahren von einem dreiköpfigen Autorenteam sorgfältig nachgeführten Vereinsgeschichte im Restaurant Frieden (SN vom 25. Oktober). An der Generalversammlung des Altherrenverbandes wurde Stefan Staub v/o Kata als Nachfolger von Jürg Weber zum neuen Präsidenten gewählt. Jürg Weber v/o Tagg und Urban Werner v/o Solar wurden zudem zu neuen Ehrenmitgliedern des Altherrenverbandes ernannt.

– Florian Genther v/o Tulpe – auf unserem Bild in Begleitung seiner charmanten Couleurdame – wirkte als umsichtiger Aktuar und als Mitglied des Vorstandes der Aktivitas an der Organisation und der Durchführung des glanz-vollen 90. Stiftungsfestes der Commercia Schaffhausen mit.

– Lorenz Leuzinger v/o Macchina (links) und David Schöttli v/o Libero (rechts) hiessen die Ehrengäste sowie die von ihren Couleurdamen begleiteten Aktiven und Altherren als Chargierte der Aktivitas im festlich geschmückten Park Casino zum unterhaltsamen Couleurball und zum vorzüglichen Festbankett willkommen.

– Michael Müller v/o Tui, Steffi Vögele v/o Yules und Adrian Haggenmacher v/o Ogeschi nahmen als Vertreter der Verbindung Agronomia Helvetica – sie gehört wie die Commercia dem jeweils in Bremgarten zusammentretenden Kartell an – an den Jubiläumsfeierlichkeiten in Schaffhausen teil.

– Thomas Hurter – auf unserem Bild zusammen mit Ehefrau Cornelia – gratulierte den Mitgliedern der Aktivitas und des Altherrenverbandes zum runden Geburtstag und lobte in seiner kurzen Festansprache die vielfältigen Aktivitäten und die Pflege der kameradschaftlichen Bande innerhalb der Commercia.

– Martin Leu v/o Jet – auf unserem Bild an der Seite seiner attraktiven Couleurdame – gehört seit vielen Jahren dem bisher von Jürg Weber v/o Tagg präsidierten Vorstand des Altherrenverbandes an. In dieser Funktion engagiert er sich für die Erhaltung der vielfältigen Aktivitäten der Commercia.

– René Schmidt – auf unserem Bild zusammen mit Ehefrau Barbara – nahm als amtierender Rektor der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins Schaffhausen am Jubiläumsfest im Park Casino teil. Als Schulleiter freute er sich über das ausgezeichnete Einvernehmen zwischen Schulleitung und Verbindung.

#Allgemeines

25. Oktober 2008 | Erstaunliche Vielfalt sinnvoller Aktivitäten

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Verbindungen sind für viele heranwachsende Menschen der Ausgangspunkt individeller Charakterschulung, ausgeprägter Persönlichkeitsbildung sowie lebenslanger freundschaftlicher Beziehungen unter gleichaltrigen Kommilitonen und mit Angehörigen jüngerer oder älterer Generationen. Die während der Ausbildung geknüpften Kontakte erweisen sich für viele Angehörige einer Verbindung im Verlauf der weiteren persönlichen und beruflichen Entwicklung als wertvolles Netzwerk und eigentliches menschliches Kapital. Diese Tatsache wird insbesondere bei den unterschiedlichen Anlässen der auf studentischen Regeln basierenden Körperschaften sichtbar gemacht.

**Jubilierende Verbindungen**

Im laufenden Kalenderjahr ist es gleich mehreren Burschenschaften und Altherrenverbänden vergönnt, ein grosses Jubiläum zu feiern. So gedachte die am 8. Februar 1908 gegründete Kantonsschulverbindung Munot bereits vor den Sommerferien ihres hundertjährigen Bestehens. Die bereits seit 1858 existierende Kantonsschulverbindung Scaphusia feierte ihr 150-Jahr-Jubiläum im September mit einer Folge von sich über vier Tage erstreckenden Feierlichkeiten. Das Zentenarium der Fortuna – in dieser Verbindung haben sich die ehemaligen Absolventen des Technikums Winterthur zusammengeschlossen – liegt schon sechs Jahre zurück. Der unter dem Kürzel KTV bekannte Kantonsschul-Turnverein blickt dieses Jahr auf eine 80 Jahre überdauernde Existenz zurück. Bereits zehn Jahre früher wurde im Schloss Laufen die Commercia gegründet. Sie feiert darum heute mit einem vielfältigen Programm (siehe Kasten) ihr neunzigjähriges Bestehen.

**Schiessen – Kegeln – Jassen**

Vielfältige Aktivitäten, ein unerschütterliche Wille zur Überwindung von immer wieder die eigene Existenz bedrohenden Schwierigkeiten und ein bemerkenswerter innerer Zusammenhalt zeichnen die Geschichte der einheimischen Handelsschulverbindung aus. Dabei standen nicht etwa die studentischen Kommerse an der ersten Stelle. Einen hohen Stellenwert haben in der Commercia auch das Schiessen, das Kegeln und das Jassen. Bergtouren, Weidlungsfahrten und Handballspiele spielen eine ebenso zentrale Rolle wie Wirtschaftsdebatten und die traditionellen Treffen mit den zum gleichen Kartell gehörenden Verbindungen in Bremgarten.

**Wappnen für spätere Zeiten**

«Es ist bekannt, dass Freunde in der Phase der Ausbildung oft entscheidender auf die Gestaltung der Charaktere einwirken als die Eltern und Erzieher», schreibt Albert Fuchs v/o Spatz in der 1928 verfassten ersten Chronik der Commercia. Diese Jahre in der Verbindung zu verbringen heisse, sich zu wappnen für spätere Zeiten und abgeklärt zu werden für die Gefahren des Lebens an fremden Orten, stellt der 1980 als Eherenmitglied verstorbene Gründer der Commercia fest. Die in der Verbindung geknüpften Kontakte erweisen sich im Laufe des Lebens in vieler Hinsicht als besonders wertvoll. Mancher alte Herr hat einem oder mehreren Kommilitonen den Einstieg in eine neue Umgebung, in eine erfolgreiche Laufbahn oder in ein neues Betätigungsfeld erleichtert. Gleichzeitig sichert die Verbindung für viele ausgewanderte Commercianer einen guten Draht zur Vaterstadt.

**Intervention des Regierungsrates**

Die mit der Pflege studentischer Traditionen verbundenen Werte wurden im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer wieder von verschiedenen Seiten angezweifelt. Auch die Leitung der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins Schaffhausen war den Commercianern alles andere als wohl gesinnt. Dabei kam es mitunter zu offenen Auseinandersetzungen. 1937 musste sogar die Regierung zugunsten der Commercia intervenieren.

**«Vivat – Crescat – Floreat»**

Auch die wirtschaftlichen Krisen, die kriegerischen Auseinandersetzungen in den benachbarten Staaten sowie die sich wandelnde Einstellung der Handelsschüler gegenüber einer Verbindung bescherten der Commercia immer wieder Probleme. Mehr als einmal wurde der Fortbestand der Aktivitas in Frage gestellt. Doch die Commercia erwies sich als beständig. Dies ist in erster Linie einer kleinen Zahl von besonders engagierten Angehörigen des Altherrenverbandes zu verdanken. Wer in der Chronik der jubilierenden Verbindung blättert, stösst bei der Meisterung kleinerer und grösserer Herausforderungen immer wieder auf die gleichen Namen. Zur finanziellen Unterstützung von weiterbildungswilligen Mitgliedern besteht seit 50 Jahren eine Stiftung, die zinslose Darlehen zur Verfügung stellt und erfolgreiche Weiterbildungsabschlüsse mit einer Anerkennungsprämie honoriert. Gleichzeitig besteht seit 1997 ein Sonderfonds zur finanziellen Unterstützung von besonderen Aktivitäten. Dazu zählen etwa die Wirtschaftsdebatten und die Herausgabe der unter dem Motto «Vivat – Crescat – Floreat» nachgeführten Geschichte des Vereins.

**Vernissage Engagiertes Trio veröffentlicht die Geschichte der Commercia**

Jürg Weber v/o Tagg (links) stellte vor drei Jahren eine Arbeitsgruppe zur Nachführung der interessanten Geschichte der Commercia zusammen. Gemeinsam mit Walter G. Elsener v/o Jux (Mitte) und Arthur Tschudi v/o Eros (rechts) sammelte der Präsident des Altherrenverbandes eine Vielzahl von Akten zur Erstellung einer kompakten Chronologie über die Entwicklung sowie die Höhen und Tiefen der einheimischen Handelsschulverbindung. Gestern wurde die insgesamt 65 Seiten umfassende Schrift anlässlich einer Vernissage im Restaurant Frieden vorgestellt und von den Autoren zuhanden der anwesenden Mitglieder signiert. Das erste Exemplar der gut gestalteten Broschüre überreichte Jürg Weber Stadtarchivar Peter Scheck.

**Festprogramm Von der Vernissage bis zum Couleurball mit Bankett**

Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Commercia stiessen die Aktiven und die Altherren gestern Freitag im Restaurant Frieden mit den Autoren auf die neuaufgelegte Geschichte der ehrwürdigen Handelsschulverbindung an.
Heute Samstag treffen sich die Commercianer am Vormittag vorerst auf dem Egghof in Rüdlingen mit Flinte, Blasrohr, Pfeil und Bogen zum traditionellen Commercia-Schiessen. Anschliessend stehen ein Imbiss und das Absenden auf dem Programm. Die Generalversammlung des Altherrenverbandes findet am Nachmittag im Zunftsaal zun Kaufleuten an der Vordergasse statt. Nach der Behandlung der statutarischen Geschäfte und der Aufnahmen folgt die Ehrung der verstorbenen Verbindungsmitglieder bei der Schiller-Glocke. Der Couleurball und das Festbankett im Park Casino bilden heute abend den glanzvollen Abschluss der Jubiläumsfeier. Dabei hält Nationalrat Thomas Hurter die Festansprache. Showeinlagen und musikalische Darbietungen beschliessen das festliche Rahmenprogramm. (W. J.)

**Commercia Schaffhausen Commercio et Amicitiae**

Am 5. Oktober 1918 wurde im Schloss Laufen am Rheinfall unter dem Motto «Commercio et Amicitiae» – Handel und Freundschaft – die Commercia Schaffhausen als Handelsschulverbindung aus der Taufe gehoben. Aufgrund der heute noch gültigen Satzungen bestehen die ordentlichen Zusammenkünfte der aktiven Mitglieder aus einem ersten wissenschaft- lichen und einem zweiten gemüt-lichen Teil. Der erste Teil besteht in der Regel aus Vorträgen, Aufsätzen, Reden oder Deklamationen. Der zweite Teil besteht aus einer diszipinierten und fröhlichen Runde nach im «Comment» fest-gehaltenen Grundsätzen. Heute Samstag feiern die Aktiven und Altherren der Commercia sowie deren Angehörige in Schaffhausen das 90. Stiftungsfest. (W. J.)

#Allgemeines

21. Oktober 2008 | Falken-Bier wird um fünf Prozent teurer

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Hans-Caspar Ryser

Jeweils im Herbst, wenn die Blätter fallen, steigen die Bierpreise. Auch dieses Jahr kommt die Brauerei Falken mit der schlechten Kunde für Bierliebhaber nach abgeschlossenem Braujahr im Oktober. In einer Medienmitteilung gab die Traditionsbrauerei gestern bekannt, dass sie die Bierpreise auf den ersten Januar 2009 um durchschnittlich fünf Prozent erhöhen wolle.

**Hopfen und Malz doppelt so teuer**

«Gestiegene Kosten bei den Rohstoffen, den Energie-, Verpackungs-, Transport- und Lohnkosten haben uns gezwungen, die Preise neu zu kalkulieren und nach oben anzupassen», erklärte dazu Philipp Moersen, Geschäftsführer der Brauerei Falken. Wie Markus Höfler, Leiter Marketing und Verkauf, den SN gegenüber erklärte, haben sich die Preise von Braugerste zur Malzherstellung und für den Hopfen praktisch verdoppelt. Dies sei auch eine Folge der geringeren Verfügbarkeit auf den Weltmärkten aufgrund des höheren Bierkonsums in China sowie der Verwendung von Braugerste zur Bioethanolherstellung. Durch eine laufende Optimierung der Prozesse und Produktionsabläufe versuche zwar die Brauerei Falken, die Preise möglichst stabil zu halten. Doch bei derart hohen Rohstoffkosten liessen sich Preiserhöhungen nicht mehr vermeiden, bedauert Höfler. Alljährlich investiere die Brauerei in die Rationalisierung der Produktion im Umfang des erzielten Umsatzes. So sei jüngst in eine neue Verpackungsanlage investiert worden.

**Preiserhöhung nicht überraschend**

Für Max Reiner, Präsident des Branchenverbandes Gastro Schaffhausen mit eigenem Restaurant in Lohn, kommt die Preiserhöhung für das Bier nicht ganz überraschend, da er vom Branchenverband bereits im Sommer darauf vorbereitet worden sei. «Bei einer Preiserhöhung von fünf Prozent für das Lagerbier gehe ich davon aus, dass sich der Preis für eine Stange Bier um ungefähr 10 Rappen erhöhen wird», rechnet Reiner. Doch entschieden sei diesbezüglich noch gar nichts, zumal die Preisgestaltung individuell erfolge und Preisabsprachen verboten seien.

**Eurojahr hat nicht «eingeschenkt»**

Der Verkauf von Bier und Kleidung hat etwas gemeinsam: Weder die Konjunkturlage noch Grossereignisse wie die Euro 08 sind für den Verkaufserfolg ausschlaggebend, sondern allein das Wetter. Der Sommer sollte warm, aber nicht zu heiss, die Übergangszeiten Frühling und Herbst möglichst warm sein, damit die Bierrechnung schliesslich aufgeht. Gemäss Höfler habe das Braujahr 2007/2008 mit einem recht milden Herbst und einem warmen Frühling verheissungsvoll begonnen. Im Hinblick auf ein umsatzstarkes Eurojahr habe die Brauerei Falken mit dem neulancierten Fussballbier «Trainings-Lager» schon deutlich vor den anderen Biermarken Präsenz im Markt markiert und die Fangemeinde in der Region mit dazugehörendem Fanzubehör auf die Fussball-Europameisterschaft eingestimmt. Doch die Brauerei hatte die Rechnung ohne das Wetter gemacht: Während der ersten EM-Woche herrschte nasskaltes Wetter, das erst gar keinen Durst aufkommen liess. Und mit dem frühen Ausscheiden der Schweizer war das EM-Geschäft eh gelaufen. Somit erstaunt es wenig, dass die ambitiösen Budgetzahlen nicht ganz erreicht werden konnten. Trotzdem gibt sich Moersen mit dem Braujahr zufrieden. Auch beim Ausbau der Marktanteile in südlicher Richtung seien weitere Fortschritte erzielt worden.

#Allgemeines

3. Oktober 2008 | Er prägt seit genau 25 Jahren das Falken-Bier

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Alfred Wüger

Seit 25 Jahren ist Oskar Dommen Braumeister in der Brauerei Falken AG. Er wuchs in Hochdorf im Kanton Luzern auf und erlernte dort den Beruf des Bierbrauers, weil sein Vater auch in der Brauerei gearbeitet hat. «In den Schulferien ging ich in der Brauerei jeweils ‹schnuppern›, wie man heute sagt, die Arbeit gefiel mir, und so dauerte es denn auch nicht lange, und ich hatte einen Lehrvertrag.»

**Das Handwerk des Mälzers**
Nach zweieinhalb Jahren hängte Oskar Dommen noch die achtmonatige Lehre als Mälzer (Verarbeitung von Braugerste zu Braumalz) an. Dazu musste er nach Basel, wo eine Malzfabrik stand. Heute gibt es in der Schweiz keine spezifischen Mälzereien mehr, sie wurden in den 1970er-Jahren alle geschlossen, weil sie mit dem Ausland nicht mehr mithalten konnten. «Es war billiger, das fertige Braumalz zu importieren, als die Braugerste in der Schweiz zu verarbeiten.» Nach wie vor bezieht die Brauerei Falken das Braumalz aus Deutschland, Tschechien oder Frankreich. Der Weg des jungen Bierbrauers Oskar Dommen führte bald ins Ausland. «Auch heute noch ist es die Pflicht der Bierbrauer, dass sie sich auf Wanderschaft, die sogenannte Walz, begeben.» Zuerst war Oskar Dommen in Fribourg, dann arbeitete er als Bierbrauer in Afrika. Er hatte ein Inserat in einer Fachzeitschrift gesehen, meldete sich, bekam dann bald die Aufforderung, sich mit den notwendigen Impfungen zu versehen, «und fünf Wochen später stieg ich ins Flugzeug». Im Auftrag einer deutschen Firma, die in Kano im Norden Nigerias eine neue Brauerei in Betrieb nahm. Das war 1968 und der Vertrag des damals 21-jährigen Oskar Dommen auf 18 Monate befristet.

**Neue Brauerei in Afrika aufbauen**
«Ich konnte mithelfen, einen neuen Betrieb aufzubauen und einzufahren, das war sehr spannend und lehrreich. Es gibt ein Bankgeheimnis, und es gibt ein Braugeheimnis», sagt Falken-Braumeister Oskar Dommen im Labor, wo stets etwas Neues ausprobiert wird. «Damals war die Welt in Afrika noch in Ordnung.» Von der 68er-Revolte in Europa bekam der junge Bierbrauer praktisch nichts mit, er war ausgezogen, die Welt zu erkunden, pflegte aber immer einen Briefkontakt mit seinen Eltern und der Schweiz. Und dann hiess es: ‹De Dommen macht e guete Job, etz cha-n-er uf Swaziland›.» (Ein kleines Königreich in Südafrika).

**Nach zweieinhalb Jahren zurück**
Der heutige Braumeister stösst sich von der Tischkante ab, fährt mit dem Bürostuhl nach hinten und sogleich wieder nach vorn und lacht. «Dort blieb ich dann zwei Jahre und sechs Monate, ha ja, ich wollte ein wenig länger an einem Ort bleiben!» Jetzt hatte Oskar Dommen genügend Geld gespart, um in Berlin das Braumeisterstudium zu absolvieren. Danach arbeitete er als stellvertretender Brauführer in einer Brauerei in der Innerschweiz, heiratete und ging mit seiner Frau noch einmal nach Afrika, diesmal ins französischsprachige Togo, danach ins wieder englischsprachige Gambia an der Westküste. Das alles immer für denselben deutschen Arbeitgeber. «Wie braute man das Bier dort?» – «Genau gleich wie hier, etwas spritziger vielleicht, leichter im Geschmack, ein Tropenbier eben, mit etwas mehr Kohlensäure.» (Der Kohlensäuregehalt im Bier entsteht während des Gärprozesses auf natürliche Weise). In Dakar kamen die beiden Söhne zur Welt. «Als die Zeit kam, wo sie eingeschult werden sollten, entschieden wir uns, in die Schweiz zurückzukehren.» Da war Oskar Dommen 36. Und so leicht, wie er in Afrika die Fremdsprachen gelernt hatte, so leicht fand er in der damaligen Zeit in der Schweiz wieder eine Arbeit. «Ich entschied mich für Schaffhausen.»

**Bio-Standard eingeführt**
In den letzten 25 Jahren habe sich viel geändert, sagt Oskar Dommen. «Der Markt für Getränke, die Produkte- und Verpackungsvielfalt und das Umfeld ist breiter geworden, die gesetzlichen Auflagen wurden strenger, und es herrscht ein Verdrängungswettbewerb. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir die Kosten im Griff haben und ein ganz wichtiger Punkt, die Qualität muss stimmen. In diesem Zusammenhang haben wir schon seit längerer Zeit verschiedene Qualitätsstandards z. B. IFS (International Food Standard) und die Richtlinien der Bio Suisse eingeführt. «Das alles gehört zu meinen vielfältigen Aufgaben, und ausserdem bin ich verantwortlich für die ganze Technik, die verschiedenen Herstellungsprozesse und die Rezepturen.»

**Grosse Vielfalt an Bieren**
Schon kurz nach sechs Uhr morgens ist Oskar Dommen im Büro und bereitet sich für den sehr abwechslungsreichen Arbeitstag vor. Das eigentliche Handwerk des Bierbrauens ist dabei mittlerweile nur noch eine von seinen vielen Managementaufgaben, aber eine wichtige, denn der Braumeister hat die Geschmackspalette der Falken-Biere massgeblich geprägt. «Weizenbier, Maisbier, Schwarzbier, Festbier ZwoAcht, um nur einige zu nennen, die müssen sich unterscheiden. Die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Rohstoffe ist begrenzt. Die Differenzierungen herauszukitzeln, das ist die Kunst des Braumeisters.» – «Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Bier kreieren?» – «Die erste Frage heisst: ‹Wie soll das Bier schmecken?› Dann: ‹Welche Rohstoffe nehme ich, welches Brauverfahren, welche Gärung?› Das schreibe ich dann alles auf. Ich mache ein Rezept, das wir dann im Team diskutieren und ausprobieren. Wenn die Probe trinkreif ist, das geht einige Wochen, ‹gut Ding will Weile haben›, führen wir eine Verkostung durch.» Etwa zwanzig Personen werden eingeladen, das Bier zu degustieren, Leute aus der Produktion, Handwerker, Büroangestellte, Fachleute begutachten das neue «Gebräu» anhand eines Verkostungsrasters. Die Kriterien hat man in der Brauerei Falken AG nicht aus den Fingern geschnippt, sondern sie stehen im Einklang mit den nationalen und internationalen Degustationspaneelen. Ist die Probe für gut befunden worden, besteht die Herausforderung darin, das neue Bier in genau derselben Qualität in grösseren Mengen herzustellen. «Wir sprechen da von 20 000 Litern pro Sud.» Wenn Oskar Dommen erzählt, spürt man die grosse Begeisterung für seinen Beruf aus jedem Satz. Was er denn zum Ausgleich mache, oder sei ein solcher für ihn gar nicht nötig. «O doch, ein Ausgleich ist wichtig.»

**«Ironman» und Skifahrer**
«Bis vor zehn Jahren habe ich intensiv Triathlon trainiert, habe drei Mal den Transswiss-Triathlon als Finisher absolviert, bin ein ‹Ironman› und begeisterter Skifahrer.» Heute hat er diese «extremen» sportlichen Tätigkeiten «nicht mehr nötig». Der Sport ist aber nebst der beruflichen Weiterbildung und dem Studium von Fachliteratur seine Domäne geblieben. «Auf dem Velo kann ich denken, und während dem Joggen kann ich Probleme lösen.» 1996 bestieg Oskar Dommen den Kilimandscharo. Während meiner Afrikazeit war ich oft mit dem Flugzeug über den Berg geflogen, immer sagte der Pilot, jetzt kommt links oder rechts der Kilimandscharo, da musste ich dann einfach einmal rauf!»

**Neue Ideen mit Bedacht**
Oskar Dommen, der Braumeister mit Leib und Seele und bald 62. Der Ruhestand ist nicht mehr allzu fern. «Was kann Ihr Nachfolger Neues bringen?» – «Das ist eine heikle Frage, denn die Brauerei Falken AG pflegt eine Philosophie der Kontinuität. Ein Nachfolger soll nicht alles auf einmal umkrempeln, neue Ideen wollen langsam eingebracht werden, denn die Kunden reagieren sehr sensibel, und die Rezepturen sind in ‹Stein gemeisselt.› Ich habe damals das Bestehende übernommen und nach und nach erweitert.» Oskar Dommens jüngerer Sohn jedenfalls, der auch Bierbrauer, das heisst Lebensmitteltechnologe Fachrichtung Bier, ist, wird nicht in die Fussstapfen seines Vaters treten. Und was macht der Vater, wenn er pensioniert ist? «Beim DEZA», sagt er, «dem Departement für Entwicklungszusammenarbeit, suchen sie immer wieder Spezialisten, die weltweit Entwicklungsprojekte bearbeiten.» Lohn gebe es keinen, nur die Spesen und Versicherungen werden vergütet. «Ich habe einen Berufskollegen, der war schon in Nepal, Peru, Kasachstan im Einsatz – so was würde mich reizen.» Voraussetzung sei natürlich eine gute Gesundheit, sagt Oskar Dommen und fügt herzhaft lachend hinzu: «Ich bin ein grenzenloser Optimist und nehme mir trotz der schnelllebigen Zeit die Musse für ein gutes Bier!» (Welches wohl?)

#Allgemeines

3. Oktober 2008 | Serverumzug

Am kommenden Wochenende vom 4./5. Oktober 2008 zieht die Scaphusia-Website auf einen neuen Server um. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass die Seiten vorübergehend nicht erreichbar sind. Wir bitten um Verständnis.

Aufgrund der neuen technischen Umgebung wird es leider nicht mehr möglich sein, generell “cerevis@scaphusia.ch” E-Mail-Adressen anzubieten. Wer jedoch auf eine solche Adresse angewiesen ist, melde sich bitte beim Webmaster.

#Notizen zu Namen

30. September 2008 | Bei den drei Jungparteien herrscht Freude

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Zu den grossen Gewinnern gehörten bei diesen Kantonsratswahlen die Kleinen, oder auch: die Jungen. Die drei Schaffhauser Jungparteien konnten ihre Sitzzahl trotz Parlamentsverkleinerung deutlich steigern: Die stärkste Jungpartei ist nach wie vor die Junge SVP (JSVP) mit deutlich über 5 Prozent Stimmenanteil. «Für die Junge SVP war das ein sehr gutes Wochenende, wir haben genau unser Ziel – die drei Sitze halten – erreicht», sagt Daniel Preisig, der das Wahlkomitee präsidierte und nun neu zusammen mit Ueli Kleck (bisher) und Manuela Schwaninger (bisher) in den Grossen Rat einziehen wird. Obwohl die JSVP «bereits recht stark war, konnte sie weiter zulegen, und das trotz neuer Konkurrenz auf dem Land und härterer Konkurrenz in der Stadt», spielt Preisig darauf an, dass diesmal auch die beiden anderen Jungparteien ausserhalb des Wahlkreises Schaffhausen angetreten sind. Den Wahlerfolg führt Preisig zum einen auf die politischen Aktivitäten der JSVP in den letzten vier Jahren zurück, zum anderen sei auch die Kampagne sehr gut angekommen. Dass man trotz höherem Stimmenanteil als die Alternative Liste (AL) auf drei Sitze kam, hatte gemäss Preisig mit Pech zu tun: «Wir hatten einen rechnerischen Anspruch auf 3,35 Sitze – und da wurde abgerundet.»

**Mit Glück zum dritten Sitz**
«Rundungsglück» hatte demgegenüber die Alternative Liste (AL) bei der Mandatsverteilung: Am Schluss standen ihr 2,51 Sitze zu, und bei diesem Wert wird gegen oben gerundet. «Mit drei Sitzen haben wir nicht gerechnet», sagt Christoph Lenz, Medienverantwortlicher der Partei. Die AL wird künftig mit Florian Keller (bisher), Jonas Schönenberger und Matthias Frick auch drei Vertreter in den Kantonsrat senden. Diese Personen werden die Wahl – wie die Gewählten der anderen Jungparteien auch – annehmen. Im Rat sei eine weitere Zusammenarbeit der AL mit der SP wahrscheinlich. Zum ersten Mal sei die Partei in allen Wahlkreisen angetreten, das habe sich ausgezahlt. Dass die Partei im Wahlkreis Schaffhausen den höchsten Stimmenanteil unter den Jungparteien erhielt, resultiert laut Lenz aus der Parteitätigkeit: «Von den Kleinparteien waren wir wohl am aktivsten: Da war die Lehrstelleninitiative im Kanton und die Referenden gegen die Stadtbildvorlage und den Video-Artikel in der Stadt. Das zahlt sich aus.» Die Jungfreisinnige Partei (JFSH) wird ab 2009 erstmals im Kantonsrat mitreden, gleich zwei Mandate konnte sie ergattern. Entsprechend zufrieden ist denn auch Präsident Fabian Käslin: «Wir sind völlig überrascht, aber mit dem Resultat natürlich extrem zufrieden.» Dass die Umstellung auf den Pukelsheim der Jungpartei dabei in die Hände gespielt hat, bestreitet Käslin nicht. «Wir hatten aber auch starke Kandidaten in der Stadt und auf dem Land», sagt Käslin, «zum anderen hat die Partei mit ihrem klaren Bekenntnis zur kompromisslosen Freiheit an Profil gewonnen.» Im Rat rechnet Käslin damit, dass man mit der FDP-Mutterpartei weiterhin eine Fraktion bilden wird.

#Allgemeines

20. September 2008 | Kantifest: Reise durch Zeit und Kultur

Schaffhauser Nachrichten,
Christoph Merki

Hoch über der Stadt thronen die Gemäuer der Kantonsschule Schaffhausen. Tag für Tag werden die Schüler dort mit Wissen berieselt. Doch alle vier Jahre wird einmal der Ausnahmezustand ausgerufen, und das Lernen wird zur Nebensache. Es wird gehämmert, gesägt und gemalt, kreative Dekorationsideen werden umgesetzt und nicht zuletzt für die nötigen kulinarischen Leckereien gesorgt. Das Kantifest gilt von jeher als der Höhepunkt auf dem Weg zur Matur, aber auch als willkommene Gelegenheit für ehemalige Schüler, nach langer Zeit die steile Treppe auf den Emmersberg wieder einmal emporzusteigen.

Welch anziehenden Charme die Kunde über die «rauschende Vergnügungsnacht», wie das Kantifest angekündigt wurde, verbreitete, liess sich gestern mühelos am grossen Besucherstrom beobachten. In den sonst schlicht erscheinenden Schulzimmern wurden von den Schülern gemütliche Bars oder heimelige Beizchen eingerichtet. Jedes Zimmer hatte sein eigenes Motto, welches von den jeweiligen Klassen selbst ausgewählt wurde. Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. «Ich finde es toll, was in solch kurzer Vorbereitungszeit von den Schülern fertiggebracht wurde», zeigte sich die Sportlehrerin Sabrina Conti beeindruckt. Von einer Chemie-Bar und dem Wiener Kaffeehaus über die Mittelalter-Schenke bis hin zum Schoggiparadies und dem mexikanisch angehauchten Popocatépetl lud das Angebot zu einer imaginäre Reise durch Zeit und Kulturen auf engstem Raum. Natürlich durfte auch das Paradies für Biertrinker nicht fehlen, die Klasse 2mc stellte ihr Zimmer unter das Motto «Hofbräuhaus» und bot dementsprechend Weissbier vom Fass feil, natürlich serviert von Schülerinnen in traditionellen Dirndlkleidern. «Wir waren ganz überrascht, als uns die Bedienung siezte», lachten die beiden ehemaligen Schüler Matthias Werner und Denis Widmer, «dabei kommt es uns vor, als wären wir erst grad noch hier zur Schule gegangen.» Als ganz besondere Attraktion liess es sich der unter «Chemie-Kalle» bekannte Wahlschotte nicht nehmen, trotz Pensionierung nochmals mit seinem Dudelsack aufzuspielen. «Man sieht ehemalige Schüler und freut sich», meinte er schmunzelnd. Nebst den Gaumenfreuden bot auch das diesjährige Fest Freuden für Augen und Ohren. So konnten sich die Gäste in der Mensa und der Aula von einfangenden bis mitreissenden Tanz- und Musikeinlagen begeistern lassen. Wer danach selbst seine Gesangskünste zum Besten geben wollte, besuchte das Zimmer der 3sa und wurde Kandidat des Kantivision-Songcontests. Karaoke und kühle Drinks wurden zu Garanten für amüsante Unterhaltung. Insgesamt standen den Besuchern über 30 verschieden dekorierte Schulzimmer zum vergnüglichen Verweilen offen. «Es war mal schön, etwas Praktisches zu machen und hier am Fest Freunde zu treffen», war der Kantischüler Nico Müller über die Abwechslung vom Schulalltag begeistert.

#Notizen zu Namen

20. September 2008 | «Lehrer war ich gerne …»

Schaffhauser Nachrichten, Neuhausen
Hermann-Luc Hardmeier

Jeder Neuhauser kennt ihn, die ehemaligen Rosenbergschülerinnen und -schüler sowieso, die historisch Interessierten, die Rheinfallbesucher, die Bleuler-Malschule-Liebhaber: Robert Pfaff, Sekundarlehrer, Lokalhistoriker, Ehrenbürger. Er feiert morgen Sonntag, 21. September, seinen 80. Geburtstag. Bescheiden und dankbar schaut er auf rund 40 Schuljahre zurück, die er noch vor dem Studium in Zürich und Paris in Hemishofen begann. «In zwei Jahren musste ich den ganzen Primarschulstoff der Klassen 1 bis 4 und 5 bis 8 durchnehmen, ich wusste nachher als Sekundarlehrer genau, was die Schüler mitbrachten.» Mit Recht ist er auf diesen Pädagogikmarathon stolz, den Lehrern wurde damals noch zugetraut, fehlende Module selbständig zu erwerben.

**Sekundarlehrer von Format**
Nach dem Studium wurde Robert Pfaff 1956 direkt ans Rosenbergschulhaus in Neuhausen am Rheinfall gewählt, wo er bis zur Pensionierung 1993 volle 37 Jahre als Sekundarlehrer wirkte. Es war die stabile Zeit des Gremiums Fehrenbacher, Geissmann, Schoch unter anderem, die unter Oberlehrer Reinhard Gasser ein eingespieltes Team bildeten. Robert Pfaff war ein leidenschaftlicher und beliebter Geschichtslehrer von natürlicher Ausstrahlung und Sachkompetenz. Schülerinnen und Schüler wussten, woran sie bei ihm waren. Das historische Grundgerüst musste abrufbar sitzen und jederzeit nach Aufschnellen mit sicherer Stimme vorgetragen werden können.

**Ruf an die Kantonsschule**
Das pädagogische Geschick blieb auch an der Kantonsschule nicht verborgen, die während rund 20 Jahren auf Robert Pfaff zählen konnte, wenn bei Stundenüberhang ein Teilpensum zu übernehmen war. Auch als Maturitätsexperte wirkte Robert Pfaff jeweils souverän mit. Der Historische Verein berief Pfaff in den Vorstand und 1973–77 ins Präsidium. 15 Jahre sass er im Kirchenstand und amtete für vier Jahre als Kirchgemeindepräsident. Dass bei der letzten Renovation der katholischen Kirche die Malereien von Johann Schneider nicht unter weissem Putz verschwanden, ist ihm zu verdanken.

**Autor und Ehrenbürger**
Der Reallehrer Albert Steinegger war es, der im Schüler Robert Pfaff die Liebe zur Geschichte weckte. In der Kantonsschule wurde Pfaff von Dr. Karl Schib in seiner Berufung bestärkt. Wie bei seinen Vorbildern blieb es nicht beim Unterrichten, Robert Pfaff publizierte auch. Nebst vielen andern Aufsätzen erschienen aus seiner Feder etwa Die «Bleuler Malschule auf Schloss Laufen» und 1996 die «Foto-Ortsgeschichte von Neuhausen am Rheinfall», die von grosser Detailkenntnis zeugen. 1998 wurde Robert Pfaff für sein umfassendes Wirken mit dem Ehrenbürgerrecht von Neuhausen am Rheinfall ausgezeichnet. Nachdem sein Sohn Matthias, Kunstmaler in San Francisco, und sein vietnamesischer Adoptivsohn Dominic, Techniker, ausgeflogen waren, wurde es an der Büchelerstrasse ruhig. 2000 verlor er seine Frau Ruth Pfaff-Schweizer. Nun lebt Robert Pfaff als Pensionär der ersten Stunde im neueröffneten Altersheim Rabenfluh, wo ihm die betreute Hotelatmosphäre bestens zusagt. Wir gratulieren dem Jubilar und wünschen weiterhin beste Gesundheit.



Sekundarlehrer, Lokalhistoriker, Ehrenbürger: Robert Pfaff kann morgen seinen 80. Geburtstag feiern.
Bild Eduard Joos

#Allgemeines

10. September 2008 | Von einem blau-weissen Banner …

Schaffhauser Nachrichten, Sache … Sächeli

Verwundert rieben sich am letzten Samstag viele Stadtschaffhauserinnen und -schaffhauser die Augen: Auf dem Munot wehte nicht wie gewohnt die Stadtfahne, sondern ein riesiges blau-weisses Banner. Was war geschehen? Hatte die Stadt heimlich den Übertritt zum Kanton Zürich erklärt, um einen tieferen Steuerfuss anbieten zu können, und hatte jetzt die Fahne ihres neuen Heimatkantons gehisst? Hatte irgendeine Kommission des Wohnortmarketings herausgefunden, Weiss-Blau eigne sich besser für die Stadtfahne, um vermögende Zürcher anzulocken? Oder sollten die neuen Farben besser mit der in Zukunft zu propagierenden Vorstellung vom kleinen Paradies korrespondieren (blauer Himmel mit weissen Wolken über paradiesischen Zuständen)? Alles ganz anders, wie sich herausstellte: Das Banner gehörte der Kantonsschulverbindung Scaphusia und war aufgezogen worden, da diese am letzten Wochenende ihr 150-Jahr-Jubiläum feiern konnte.

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9. September 2008 | «Zum Feiern gehören Genossen»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Scaphusia gehören – zumindest offiziell – der Vergangenheit an. Der Bummel von Neunkirch nach Wilchingen, ein stärkender Zwischenhalt bei der Bergkirche St. Othmar, die anschliessende Wanderung durch die Rebberge nach Osterfingen und der abschliessende Umtrunk in der Bergtrotte bildeten gestern Montag bei strahlender Sonne und aufgeräumter Stimmung den krönenden Abschluss des Jubiläums der traditionsreichen Kantonsschulverbindung.

**Bier zur Labung, Wurst zur Stärkung**
Rund 160 Aktive, Altherren und zugewandte Orte nahmen zur Mittagsstunde den Weg durch die Ausläufer des Südrandens unter die Füsse. Ziel der ersten Etappe war der im Auftrag der Organisatoren des «Klettgauertages» – Marco Cecconi v/o Libero und Tobias Meyer v/o Vox – zur Gartenwirtschaft umgestaltete Vorplatz bei der Wilchinger Bergkirche. Dort gab es vorerst Bier und Wurst zur Labung und Stärkung, ehe Hans Ritzmann als ehemaliger Gemeindepräsident die Angehörigen der Scaphusia an einem der schönsten Aussichtspunkte der Region herzlich willkommen hiess. Dabei wies er auf die Verbundenheit der Verbindung mit dem Klettgau hin und zitierte gleichzeitig aus seinem demnächst erscheinenden neuen Gedichtband.

**Dichterische Weisheiten**
«Zur Arbeit kann ich alleine sein, zum Feiern gehören Genossen», lautete eine der in Versform gekleideten Lebensweisheiten des unermüdlichen Heimatdichters. Hans Ritzmann wies zudem auf die Vorteile der grenznahen Gemeinden als Wohnorte hin, hielt ein Plädoyer für möglichst eigenständige Gemeinden und lobte die hohe Qualität der einheimischen Weine. Der Steuerfuss einer Gemeinde sei kein Massstab für Lebensqualität und eine aufgeweckte Bevölkerung, betonte er und wies auf die Vision eines Monolithen als architektonisches Symbol für den wiedererstarkten Rebbau hin. Doch auch die Wirkung des Weines sei letztlich begrenzt, erklärte Hans Ritzmann. Er vermöge nämlich nur jene Qualitäten zu fördern, die er beim einzelnen Individium vorfinde …

**Hervorragende Gesangsvorträge**
Der von Ruedi Leu v/o Banner dirigierte Jubiläumschor verblüffte die jubilierenden Farbenbrüder auch beim gestrigen Bummel sowohl in Wilchingen als auch in Osterfingen mit hervorragenden gesanglichen Einlagen. Zum glänzenden Finale in der Bergtrotte trugen aber auch nach anhaltendem Bierkonsum – im Rahmen des viertägigen Jubiläums rannen rund 4500 Liter durch die durstigen Kehlen – unter anderem der von Paul und Rosmarie Richli gekelterte Jubiläumswein der Scaphusia sowie die von Peter Schudel v/o Mufti vorgetragene Abschiedsode vom «Bierfurz» des gestiefelten Katers bei. Punkt 18.58 Uhr – die dem Gründungsjahr entsprechende Tageszeit – erklärte Ueli Böhni v/o Süüle das viertägige Jubiläumsfest als offiziell beendet. Dem Vernehmen nach will jedoch ein «harter Kern» der Scaphusia heute zwischen Siblingerhöhe und Randental weiterzechen.



Nach einer Zwischenverpflegung bei der Bergkirche Wilchingen ging es weiter zur Trotte in Osterfingen.
Bild: Mark Schiesser

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8. September 2008 | Jubiläum «150 Jahre Scaphusia»: Von Böllerschüssen, Staatsempfängen und Ehrenbechern

Schaffhauser Nachrichten, Splitter

Mit einem «Urknall» und einem blau-weiss-blauen «Niederschlag» wurde das Jubiläum der Scaphusia am Freitag im Garten des Hombergerhauses eröffnet. Aber auch am Samstag und Sonntag begleiteten immer wieder Böllerschüsse und Fanfarenstösse die Aktivitäten der festfreudigen Verbindung. So feuerten Mitglieder des Munotvereins von der Zinne mit allen Rohren, als das Extraschiff gestern zum Ausflug nach Stein am Rhein ablegte. Auch an der Schifflände zu Diessenhofen wurden zu Ehren der Scaphusia mehrere Salutschüsse gezündet. E Mit Trommeln sowie mit einem kraftvollen studentischen Gesang trotzen die Aktivitas und die Alten Herren der Scaphusia am samstäglichen Fackelcortège von der Kantonsschule bis zum Mosergarten dem vergleichsweise starken Regen. Der Niederschlag vermochte die Festfreunde am Jubiläumscommers in der Kammgarn auf jeden Fall in keiner Weise zu trüben. Höhepunkt des Abends waren die von Peter Schudel v/o Mufti inszenierten Produktionen. Im Rahmen des grandiosen Dreiakters sorgten die drei Weisen aus dem Morgenland, sechs Bierträger von der Brauerei Falken und der Staatsempfang mit der von Matthias Sallenbach v/o Plus meisterhaft imitierten Bundesrätin Micheline Calmy-Rey für beste Unterhaltung. E Die hohe Wertschätzung der Scaphusia spiegelt sich auch in der grossen Zahl prominenter Gratulanten. So überrachten Regierungsrat Reto Dubach, Rektor Urs Saxer und Altherrenpräsident Thomas Gross v/o Knall im Stadttheater die Grüsse der Kantonsregierung, der Kantonsschule und des Kartells. Auf dem Munot wurde die Jubiläumsgemeinde von Stadtrat Thomas Feurer und Altherrenpräsident JürgWeber v/o Tagg im Namen der Stadtbehörden und der einheimischen Verbindungen begrüsst, und in der Mehrzweckhalle Schanz in Stein am Rhein kredenzte Stadtpräsident Franz Hostettmann nach seiner Grussadresse zuhanden der ganzen Corona den Ehrengästen und den anwesenden 100-Semestrigen den goldenen Becher.

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8. September 2008 | Jubiläum «150 Jahre Scaphusia»: Fest der Feste. Das viertägige Jubiläumsfest geht heute im Klettgau zu Ende.

Schaffhauser Nachrichten, Region
W.J.

Das am Freitag mit einem Ball im Hombergerhaus eröffnete Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Scaphusia (siehe SN vom 6. September) wurde am Samstag am frühen Nachmittag mit einer Würdigung und einer Kranzniederlegung am Grab von Hermann Freuler, dem 1903 verstorbenen Gründer der Verbindung fortgesetzt. Nach dem anschliessenden Festakt im Stadttheater begaben sich die jubilierenden Farbenbrüder zu einem von Stadt und Kanton offerierten Apéro sowie zum gemeinsamen Nachtessen auf den Munot. Vor dem Cortège durch die Altstadt nahmen die Scaphusianer einen Augenschein von der im Rahmen ihres Jubuläms geschenkten Uhr in der Kantonsschule. Der zweite Jubiläumstag wurde mit dem grossen Festcommers in der Kammgarn auf gesellige Weise abgeschlossen.

Gestern Sonntag standen die Schifffahrt nach Stein am Rhein, der aus meteorologischen Gründe vom Rathausplatz in die Mehrzweckhalle Schanz verschobene Frühschoppen sowie eine Wanderung und das Mittagessen auf Burg Hohenklingen auf dem Programm. Vor der Rückfahrt mit dem Motorschiff Arenenberg nach Schaffhausen überreichte Ueli Böhni v/o Süüle Stadtpräsident Franz Hostettmann in einem symbolischen Akt das Modell der bereits auf dem Burgfried montierten Wetterfahne als Geschenk der Scaphusia an die Stadt Stein am Rhein. Heute wird das Jubiläum mit einem Katerbummel von Neunkirch zur Wilchinger Bergkirche und einem Umtrunk in der Osterfinger Bergtrotte abschlossen.

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6. September 2008 | Jubiläum «150 Jahre Scaphusia»: «Verbindung als Ort der Solidarität»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

«Mir kommt es vor, als würde man in den Anstalten, in denen höhere Bildung vermittelt werden soll, die Studierenden mit Einmachgläsern verwechseln», stellte Jürg Fröhlich v/o Proton in seinem Festvortrag am Jubiläum der Scaphusia fest. Die jungen Leute werden – so die Überzeugung des Professors für theoretische Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich – mit «vorgekochter Information» und «viel oberflächlichem Spezialwissen» – meist direkt aus dem Internet – abgefüllt, das bereits nach wenigen Jahren «sauer», das heisst überholt ist. Statt der Überfütterung mit «schlecht integriertem Vielwissen» sollte unser Bildungswesen so Jürg Fröhlich – den Schülerinnen und Schülern wieder jenes Grundwissen und jene Grundfertigkeiten vermitteln, die auch in zwanzig oder fünfzig Jahren noch nützlich sind.

**Zusammenhänge erkennen**
Jürg Fröhlich ist überzeugt, dass es im Bildungswesen vor allem um die Vermittlung der historischen Fundamente unserer Zivilisation und ihrer Wissenschaften, um die Erörterung von Errungenschaften und Fehlentwicklungen, um das Erkennen von Zusammenhängen geht. Dazu zählt er auch die Entdeckung der eigenen Begabungen und die Förderung von selbstständigem Denken. In dieser Hinsicht kann eine Verbindung wie die Scaphusia nach Ansicht des Ordinarius einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie kann insbesondere die Urteilskraft, Ausdrucksfähigkeit und Zivilcourage fördern, Neugierde wecken sowie Anreize zu wissenschaftlicher Tätigkeit und künstlerischem Gestalten vermitteln. «Sie kann die jungen Leute aber auch darauf aufmerksam machen, dass es zwar in erster Linie auf Inhalte ankommt, aber auch auf die gute Form in dieser formlosen Zeit, und dass man im Disput den Gegner und den Anders-denkenden mit Respekt behandeln soll», betonte Jürg Fröhlich.

**Tatendrang beflügeln**
Der bemerkenswerte Festvortrag, in dem der Referent das 150-jährige Bestehen der Verbindung in den Kontext mit einer ganzen Reihe von weiteren Jubiläen stellte sowie der «Wahrheit des Seins und des Lebens» nachspürte, endete mit einem Plädoyer auf die Menschlichkeit und einem Lob auf die Scaphusia. Dabei gab Jürg Fröhlich seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch die heranwachsende Generation in der Verbindung eine Quelle von Zuversicht, Hoffnung, unkonventionellem und positivem Denken, Kreativität und Zivilcourage findet, das sie zu originellen Einfällen, beachtenswerten Leistungen und mutigen Taten zu beflügeln vermag.

**Verständnis fördern**
Den Gedankenaustausch mit Angehörigen unterschiedlicher Generationen und Lebenswege erachtet Jürg Fröhlich in einer Verbindung als besonders bereichernd. Zudem sieht er in der jubilierenden Scaphusia aber auch einen Ort der Solidarität.

**Menschlichkeit vertiefen**
«Es scheint mir wichtig, dass die Verbindung auch ein Ort ist, wo man die Augen für die Befindlichkeit der Mitmenschen schärft und lernt, ihnen beizustehen, wenn sie uns nötig haben», erklärte der Referent. Jede Generation habe das Ihre dazu beizutragen, dass unsere Welt menschlicher werde.


Festakt: Nach dem Gesang des von Ruedi Leu v/o Banner dirigierten Jubiläumschors begrüsst der Altherrenpräsident Martin Frey v/o Pauke (am Rednerpult) die jubilierenden Farbenbrüder und ihre Gäste im Stadttheater.
Bild: Mark Schiesser

#Allgemeines

6. September 2008 | Jubiläum «150 Jahre Scaphusia»: Rauschende Ballnacht im Hombergerhaus

Schaffhauser Nachrichten, Region
W.J.

Mit einem Apéro, kabarettistischen Einlagen von Jürg Uhlman v/o Sancho, Simon Meyer v/o Brodel und Peter Früh v/o Arcus sowie den gesanglichen Darbietungen des von Ruedi Leu v/o Banner dirigierten Jubiläumschors begann gestern im Garten des Hombergerhauses das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Kantonsschulverbindung Scaphusia. Noch vor dem grossen Bankett, dem von Christian Hunziker dargebotenen Poetry-Slam auf die Scaphusia im 21. Jahrhundert und den vom Ensemble Waideles interpretierten Walzerklängen stach OK-Präsident Ueli Böhni v/o Süüle das erste Fass an. Edy Ulrich v/o Pfiff und Max Duttlinger v/o Divico (Bild) stiessen darauf erfreut auf das bis zum kommenden Montag dauernde Jubiläum an.



Bild: Fabian Stamm

#Notizen zu Namen

6. September 2008 | Aktivitas: Warum treten junge Männer der Scaphusia bei?

Schaffhauser Nachrichten, Region

David Freitag v/o Artis ist Präsident der Aktivitas, also der aktiven Mitglieder an der Kantonsschule. Der 19-Jährige aus Neunkirch ist seit eineinhalb Jahren bei der Scaphusia. Schon sein Götti sei bei einer Verbindung gewesen; «als diverse Freunde mich angesprochen haben, wollte ich selber herausfinden, wie es in einer solchen Verbindung tatsächlich zu und her geht», sagt Freitag. Und es hat ihm gefallen: «Freundschaft, das Zusammensein mit anderen, gemeinsame Erlebnisse: Das alles macht eine Verbindung aus.» Andreas Hunziker v/o Fidel aus Schaffhausen ist als Fuxmajor der Scaphusia dafür verantwortlich, dass sich die Jungmitglieder – im ersten Jahr ihrer Zugehörigkeit Fuxen genannt – anständig benehmen, und zugleich führt er sie in das Verbindungsleben ein. Als ein Freund der Scaphusia beitrat, schaute auch Hunziker einmal vorbei – und blieb. Auch für ihn stehen die Freundschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Vordergrund: «Man verliert sich – wie das sonst halt bei Freunden immer wieder passiert – nie total aus den Augen», sagt der 19-Jährige. Dass die Scapher auch dem Biergenuss nicht abgeneigt sind, ist für Hunziker zwar nicht unwichtig, «aber wenn es nur darum ginge, wäre ich nicht beigetreten». In der Hälfte seiner Fuxenzeit ist Lucas Seiler aus Buchthalen. Der 16-jährige Schweizer mit chinesischen Wurzeln trägt den Cerevis Yang. Anfangs interessierte er sich nicht für die Verbindung, auch er trat nach einem Besuch bei. Zusammenhalt, Freundschaften, die ein Leben lang halten, und das gerade auch zu älteren Verbindungsmitgliedern, das alles gefällt ihm – «das erlebt man in anderen Vereinen nicht». Ebenfalls noch ein halbes Jahr muss Fux Leo Häggi v/o Simba aus Schaffhausen darauf warten, in den Burschenstand aufgenommen zu werden. Auch bei ihm erwachte das Interesse am Verbindungsleben mit dem Besuch der «Bude» – dem Vereinslokal im Restaurant «Falken». Die Ambiance in fröhlicher Runde mit Kollegen hat Häggi auf Anhieb gefallen.


David Freitag v/o Artis


Andreas Hunziker v/o Fidel


Lucas Seiler v/o Yang


Leo Häggi v/o Simba

#Notizen zu Namen

6. September 2008 | «Freundschaften fürs Leben schliessen» – Interview mit Martin Frey v/o Pauke, Präsident der Alt-Scaphusia

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

*Sollen wir noch auf das Bier warten?*
Martin Frey (lacht): Nein, ich kann nur Wasser anbieten. Ernsthaft: Scapher trinken nicht hemmungslos Bier. Unsere Devise heisst: «Litteris et Amicitiae» (Wissenschaft und Freundschaft). Während im sogenannten «ersten Akt» unserer Zusammenkünfte die Wissenschaft – etwa im Rahmen von Vorträgen – im Zentrum steht, ist es im zweiten Akt die Freundschaft. Und dort wird auch Bier getrunken. Das war 150 Jahre so und wird auch weiterhin so sein. Aber das sind ja gerade eben nicht Massenbesäufnisse wie bei den Botellones. Da wird in gewisser Disziplin und Regel getrunken – wobei ich nicht ausschliessen will, dass auch einmal eines über den Durst getrunken wird.

*Sie haben das Stichwort Botellón genannt: Alkohol und Jugend sind derzeit wieder ein Reizthema. Geht das an der Scaphusia spurlos vorbei?*
In den frühen Anfängen stand die Wissenschaft im Vordergrund, von den 1860er Jahren an kam der «zweite Akt» hinzu – offenbar hat das der Scaphusia nicht geschadet –, im Gegensatz zu allen anderen Verbindungen hat sie die Zeiten gut überstanden …

*…Sie spielen darauf an, dass die Scaphusia als einzige Schaffhauser Mittelschulverbindung noch aktive Mitglieder an der Kanti hat …*
Richtig.

*Wie erklären Sie sich diese Entwicklung – der Alkoholgenuss allein kann das ja kaum bewirkt haben?*
Alkohol ist ja für die jungen Leute heute eher ein Hinderungsgrund! Bei den Bierregeln, die früher sehr strikt waren, ist man deshalb heute liberaler, und der Besuch von Veranstaltungen unter der Woche ist auch nicht mehr ganz so zwingend. Das hat sich über die Jahre verändert, da muss man auch eine gewisse Flexibilität an den Tag legen. Ich glaube, wir haben – ohne dabei zu übermarchen – den Zeitgeist jeweils richtig erkannt. Was aber immer noch sehr wichtig ist, sind die «Freundschaften fürs Leben», die in der Scaphusia geschlossen werden.

*Dann steht die Freundschaft im Zentrum?*
Das kann man so sagen. Nehmen Sie unser Jubiläum: Da kommen auch viele Leute aus Übersee. Diese treffen nach Jahren wieder auf ihre alten Freunde, und schon nach wenigen Minuten ist man einander über die gemeinsame Vergangenheit in der Verbindung wieder völlig vertraut. Üblicherweise trennen sich die Wege nach der Matur, die Verbindung bietet als «Mutter Scaphusia» Gewähr dafür, dass man sich im Abstand von Jahren immer wieder einmal an einem Generationentreffen oder einem Weihnachtskommers begegnet.
*Wird die Pflege von Freundschaften heute nicht immer mehr über Portale wie Facebook oder überhaupt die modernen Kommunikationstechniken erfolgen, so dass die Verbindungen überflüssig werden?*
Nein, überhaupt nicht! Die jetzigen Aktiven machen ja fast alles über das Internet und Mobiltelefone – wir haben ja auch eine Homepage, die nachgeführt und rege genutzt wird. Das Gegenteil ist der Fall: Auch im Zeitalter des Internets hat das gesprochene Wort letztlich immer noch erste Priorität. Auch in 200 Jahren wird unser Wahlspruch «Scaphusia vivat, crescat, floreat in aeterna tempora!» (Die Scaphusia möge bis in alle Zeiten leben, gedeihen und blühen!) noch Bestand haben.

*Wie steht es mit der politischen Ausrichtung der Verbindung?*
Die Scaphusia ist apolitisch – es treten beispielsweise gleich viele Scaphusianer von freisinniger wie von linker Seite bei den Kantonsratswahlen an. Früher war das anders, die Grenzen sind heute fliessender – auch das gehört vermutlich zum Erfolgsrezept der Scaphusia mit dazu.

*Natürlich auch die unvermeidliche Frage: Frauen dürfen immer noch nicht beitreten?*
Richtig. Das steht bei uns auch nicht zur Diskussion – die Fidelitas hat das ja probiert und hatte keinen Erfolg. Ich glaube, dass zumindest in Schaffhausen kein derartiges Bedürfnis besteht. Die holde Weiblichkeit ist nach wie vor als «Besen» die Begleitperson an den Bällen oder an einem «Besen-Bummel».

*Im Rahmen der 150-Jahr-Feierlichkeiten findet ein Ball statt: Haben Sie Ihren «Besen» schon?*
Ja, das ist meine Frau, die ich schon in meiner Aktivzeit vor genau 40 Jahren kannte.

*Das Jubiläumsprogramm dauert bis und mit Montag. Welches ist Ihr persönlicher Höhepunkt?*
Für mich ist eigentlich das ganze viertägige Programm ein einziger Höhepunkt. Ich freue mich ausserordentlich auf das Jubiläum, denn das Organisationskomitee unter der Leitung von Ueli Böhni v/o Süüle, das den ganzen Ablauf seit Jahren minutiös geplant hat, hält mir den Rücken frei. Mir bleibt als Altherren-Präsident nur die Rolle einer «Galionsfigur». Es wird dies für mich auch das erstemal sein, dass ich alle vier Tage besuchen kann: Beim 125-Jahr-Jubiläum im Jahr 1983 hatte ich als Anwalt in Schaffhausen frisch angefangen und musste deshalb den Katerbummel am Montag streichen.



Martin Frey steht als Präsident der Alt-Scaphusia dem Altherren-Verband mit über 300 Mitgliedern vor.
Bild: Selwyn Hoffmannn

#Notizen zu Namen

29. August 2008 | Neues Forstrevier gegründet

Schaffhauser Nachrichten, Region
ge

Am Mittwochabend fand im Restaurant «Baumgarten» in Kaltenbach die Gründungsversammlung des neugebildeten «Forstreviers am Rhein» statt. Rund 20 Waldbesitzer nahmen an der Versammlung teil. Als Gast weilte auch Kantonsforstingenieur Paul Gruber in der Runde. Eingangs erklärte Kreisforstingenieur Heinz Kuhn, warum es zur Fusion der bisherigen Forstreviere Diessenhofen (bisher Förster Hans Weber) und Wagenhausen (bisher Förster Jakob Gubler) kam. Einerseits schreibt das Waldgesetz von 1994 vor, dass die Forstreviere reorganisiert werden müssen. Andererseits geht der Diessenhofer Förster Hans Weber Ende September in Pension. Das ebnete den Weg zu dieser Revierzusammenlegung.
Unter Leitung des Diessenhofer Bürgerpräsidenten Bruno Giuliani wurde eine sechsköpfige Arbeitsgruppe gebildet, die den Zusammenschluss gut vorbereitet hatte. So wurde an der Versammlung nur kurz diskutiert, und niemand machte Opposition.

**«Das kann ja nur gutgehen»**
Wichtigste Traktanden waren die Anpassung der Statuten an die neue Situation, die Wahl des Vorstandes und die Wahl des vorgeschlagenen Försters Jakob Gubler. Dieser ist seit 1985 Förster im Revier Wagenhausen und wird nun auch Förster im bisherigen Revier Diessenhofen. Alle Vorschläge der Arbeitsgruppe wurden einstimmig genehmigt. In den neuen Vorstand des «Forstreviers Rhein» wurden gewählt: Urban Brütsch aus Diessenhofen als Präsident und als Vertreter der Waldbesitzer, Bruno Giuliani, Heinz Kuhn, Andrea Isler, Karl Vetterli und Max Erzinger. Der Vorsitzende, Giuliani, wies darauf hin, dass Urban Brütsch studierter ETH-Forstingenieur sei und dass der neugewählte Förster Jakob Gubler nun zwei Ingenieure als Chefs habe. «Das kann ja nur gutgehen», meinte Giuliani dazu.

**Revier ist lebensfähig**
Das Budget für das Langzeitjahr wurde von Kassierin Andrea Isler vorgestellt. Es zeigt einen Überschuss von 2400 Franken auf und wurde diskussionslos genehmigt. Zum Schluss überbrachte Paul Gruber die Grüsse des neuen Departementchefs Jakob Stark, der in nächster Zeit alle 30 Thurgauer Forstreviere besuchen wird, um sich so einen Überblick über den Thurgauer Forst zu schaffen. Auf die Frage aus dem Publikum, ob es demnächst noch zu weiteren Revierzusammenschlüssen kommt, erklärte Gruber, dass dies im Thurgau je nach Situation bei den Förstern möglich sei. Das neue Revier mit gut 600 Hektaren habe aber eine gut Grösse und sei lebensfähig.

#Notizen zu Namen

20. August 2008 | AZ: «Mehr Qualität und mehr Umfang»

Schaffhauser Nachrichten, Medien
Erwin Küenzi

*Bernhard Ott, die «schaffhauser az» wird dieses Jahr 90 Jahre alt. Was war sie, als sie 1918 startete, was ist sie heute?*
Bernhard Ott: 1918 war sie ein Kind des Generalstreiks. Nur 14 Tage nach dem erfolglosen Abbruch des Streiks wurde sie in aller Eile aus dem Boden gestampft. Der Schaffhauser SP stand zwar seit 1902 das «Echo vom Rheinfall» als Sprachrohr zur Verfügung, das in Neuhausen produziert wurde, aber diese Zeitung gehörte einem Verleger namens Waigel, der gegen den Generalstreik war. Darum wünschten sich SP und Gewerkschaften eine eigene Zeitung und gründeten die «Arbeiter-Zeitung». Die erste Ausgabe erschien am 30. November 1918. Seit 1968 heisst die «Arbeiter-Zeitung» «AZ». Seit 1998 ist sie eine Wochenzeitung, mit einer entsprechend anderen inhaltlichen Ausrichtung. Das Schwergewicht liegt jetzt auf der Hintergrundrecherche, nicht mehr auf der Tagesaktualität.

*Die «AZ» war lange Zeit das offizielle Organ der SP. Ist sie das heute noch?*
Nein, die «AZ» ist keine Parteizeitung mehr, aber sie ist eine Zeitung geblieben, die Partei ergreift und klar links von der Mitte steht. Das bleibt auch so, denn damit unterscheidet sich die «AZ» von anderen Schaffhauser Zeitungen und erhält sich damit ihre Position in der Schaffhauser Medienlandschaft.

*Die «AZ» startete als Tageszeitung, heute kommt sie nur noch einmal pro Woche heraus. Warum?*
Finanzielle Probleme zwangen uns zur Umwandlung der «AZ» in eine Wochenzeitung. 1998 sprangen innerhalb kürzester Zeit mit Coop und Denner zwei wichtige Inserenten ab. Wir mussten folglich massiv Kosten senken und konnten die Tageszeitung nicht mehr weiterführen.

*Was sind die wichtigsten Änderungen, die die «AZ» im Laufe-ihrer Geschichte durchgemacht hat?*
Am Anfang war die «AZ» wie alle anderen Schaffhauser Zeitungen eine Vollzeitung, mit Ausland, Sport und allem, was dazugehört. Ab 1970 wurden Ausland und Inland nicht mehr selber produziert, sondern im Rahmen von sogenannten Mantellösungen von einer zentralen Redaktion übernommen. Daneben gab es viele technische Änderungen, wie im übrigen Zeitungsgewerbe auch. Was im Laufe der vergangenen 90 Jahre immer wieder wechselte, war die Trägerschaft: Bis 1975 wurde die «AZ» von einer Genossenschaft herausgegeben. Bis 1996 fungierte die Unionsdruckerei AG als Verlegerin. Seit 1996 ist die «AZ» wieder selbständig. Jetzt wird sie von der az Verlags AG getragen, die aus rund 50 Aktionären besteht.

*Was sind das für Leute, die heute die «AZ» lesen?*
Alle möglichen, auch ausserhalb des linken Kuchens. Im Detail wissen wir es aber nicht, da die letzte Leserbefragung schon 13 Jahre zurückliegt.

*Kann die «AZ» in zehn Jahren ihren 100. Geburtstag feiern?*
Wenn ich das wüsste, würde ich mich als Prophet selbständig machen. Die Antwort auf diese Frage hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Bereitschaft der Inserenten, auch weiterhin bei uns Inserate zu schalten, denn zwei Drittel unserer Einnahmen stammen aus dem Inserateverkauf. Ebenso wichtig ist aber eine genügend grosse Zahl von Abonnentinnen und Abonnenten. Heute haben wir eine Normalauflage von 3000 Exemplaren. Dazu kommen rund vier Grossauflagen pro Jahr. Aus Anlass unseres Jubiläums schalten wir nun gleich vier Grossauflagen nacheinander, um uns in unserer neuen Aufmachung zu präsentieren.

*Was machen Sie, damit die «AZ» weiterbestehen kann?*
Wir werden ab morgen einen neuen, modernen Auftritt mit Farbe haben. Ausserdem wollen wir künftig mehr Zeitung bieten, sowohl punkto Umfang wie auch punkto Qualität.

#Notizen zu Namen

16. August 2008 | «Liberal» – vom Denkansatz zum Unwort

Schaffhauser Nachrichten, Diverses
Michael E. Dreher, Küsnacht

Kollegen aus dem Welschen orten die Ursache des Niedergangs der Liberalen Partei zwar auch bei den Euroturbos und im rotgrünen Kurs einiger Exponenten, vor allem aber im Verlassen der klassisch freisinnigen Linie, die das Markenzeichen der liberalkonservativen Parti Libéral war. In diese Lücke sei die SVP gestossen.
Bei der FDP ist die Entwicklung ähnlich verlaufen. Schon während meiner Zeit an der HSG (1966–69) und danach erst recht war unser Idol der schlagkräftige FDP-Nationalrat Dr. Otto Fischer. Er bekämpfte die von FDP-Bundesrat G. A. Chevallaz und dem Politestablishment verlangten Höchstsätze von 12 Prozent bei der Mehrwertsteuer und 15 Prozent bei der direkten Bundessteuer 1977 erfolgreich; sonst hätten wir heute wohl 500 Milliarden Franken Bundesschulden. Gelegentliche etatistische Entgleisungen der FDP korrigierte Fischer mit dem Schweizerischen Gewerbeverband via Referendum. Die Grand Old Party war führend in Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Wehrfragen. Im Parlament war sie – noch bis 1991 – ein Whos who der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Und mit der Hammerparole «Mehr Freiheit weniger Staat, mehr Eigenverantwortung» hatte die FDP einen Riesenerfolg.
Dann verlor sie Überblick und Augenmass: 1983 mit der Jahrhundertlüge «Waldsterben», 1988/89 mit dem Abschuss der hochqualifizierten Bundesrätin Elisabeth Kopp, 1992 mit dem EWR und generell in der Asylpolitik. So geriet die FDP aus dem Tritt, bis heute.
Auch wenn sie sich künftig FLP nennen will, bleiben die Schläuche alt und der Inhalt abgestanden (siehe auch SN vom 16. 7. 2008). Der Begriff «liberal» ist erodiert, zum politischen Unwort geworden. Jede linke Gruppe nennt sich «liberal», wenn sie sich in der Mitte anbiedern will. Beispiel: Die neuerdings «grünliberale» Verena Diener war im Nationalrat in 91 Prozent aller Abstimmungen mit den Linksex-tremen. Über Nacht wurde sie «liberal». Auch die Splittergruppe BDP wird als «Abspaltung der liberalen Kräfte» von der SVP bezeichnet: der grosse Liberale Samuel Schmid?
«Liberal» ist konturlos, steht für politische Beliebigkeit und mobilisiert nicht mehr. Dazu kommt seit vielen Jahren das Fehlen von Leadertypen an der Spitze der FDP, und die politische Themenführerschaft ist längst an die SVP übergegangen. Eine FLP (Ferrovia Lugano–Ponte Tresa) bringt allenfalls ein neues Logo, aber keinen Aufbruch. Gegen Blocher oder gegen die SVP zu sein reicht als Programm für die Wende nicht ganz; auch nicht, wenn man «Wir Liberalen» oder gar «Hop Sviz» schreibt. Doch ein Grund zur Freude ist das Formtief des einzigen Bündnispartners der SVP nicht.

**Und in Schaffhausen?**
Wer die Schaffhauser Politszene aus der Distanz betrachtet, sieht oft klarer als die Vollblutpolitiker vor Ort. Folglich ist zu fragen, wie es denn um den Führungswillen einer Partei bestellt sei, die unfähig war, einen glaubwürdigen Kandidaten für das Stadtpräsidium aufzubauen. Dafür erklärt der FDP-Anwärter für das Vollamt öffentlich, er kandidiere nur wegen der höheren Pension. Wahrlich ein individueller Ansatz im Interesse des Volkes! Solche Äusserungen – von der Parteiführung ohne Distanzierung hingenommen – zeigen den tatsächlichen Zustand der FDP viel deutlicher als alles Wahlgelaber.

Dr. Michael E. Dreher, Küsnacht am Zürichsee, war zwölf Jahre Nationalrat der Autopartei und ist heute in der Parteileitung der SVP des Kantons Zürich.


Weiterer Artikel zu diesem Thema:

Schaffhauser Nachrichten, Sache … Sächeli
20.08.2008

Hohen Besuch durfte die Kantonsschulverbindung «Scaphusia» begrüssen, als sie am letzten Freitag ihr Geschenk an die Kantonsschule, eine Bodenuhr, einweihte. Michael E. Dreher war eigens aus Küsnacht angereist, um bei dem feierlichen Akt dabei zu sein. Dreher, der während zwölf Jahren für die Autopartei im Nationalrat sass, ist heute Mitglied der Parteileitung der SVP des Kantons Zürich, nachdem er seine Politkarriere im heimatlichen Schaffhausen bei der FDP begonnen hat. Dieser las er übrigens am letzten Samstag im SN-Forum unter dem Titel «Liberal – vom Denkansatz zum Unwort» die Leviten, wobei er vor allem die Stadtschaffhauser FDP wegen ihres Vorgehens bei der Stadtpräsidentenwahl tadelte.

#Allgemeines

16. August 2008 | Möge die Aktivitas die Bodenuhr in Beschlag nehmen

Ansprache von EM Dr. Hans-Rudolf Dütsch v/o Socius
anlässlich der Übergabe des Geschenks (Bodenuhr) der Scaphusia an die Kantonsschule Schaffhausen

Liebe Anwesende
Vertreter der Schulleitung, der Lehrerschaft und der Schülerschaft
Vertreter der Medien
Lieber Herr Koch
Liebe Scaphusianer

**Einleitendes**
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen.
Es ist mir eine grosse Ehre und Freude, einige Worte zur Einweihung der Bodenuhr, welche die Altherrenschaft der Verbindung Scaphusia anlässlich ihres 150. Stiftungsfestes der Kantonsschule schenkt, sagen zu dürfen.
In jungen Jahren ist es ja so, dass der Geburtstag Feiernde in der Regel reichlich beschenkt wird, wird der Jubilar aber älter, ist er selber häufig der Schenkende! Das gilt nun auch für die Scaphusia!
Warum aber macht die Scaphusia ausgerechnet der Kanti ein Geschenk?
Die Kanti und die Scaphusia sind eigentlich siamesische Zwillinge, beide sind ohne den anderen fast nicht denkbar, auch wenn ich zugeben muss, dass die Kanti ohne Scaphusia denkbarer ist als die Scaphusia ohne Kanti! Die Kantonsschule wurde vor 157 Jahren aus der Taufe gehoben, die Scaphusia 7 Jahre später gegründet. Abgesehen von einigen Bubenstreichen dürfte die Scaphusia der Kanti meist zur Ehre gereicht haben. Grosse Geister sind aus Kanti und Scaphusia hervorgegangen.
Liebe Anwesende, mit meinem ganzen Gewicht stehe ich – Sie hören richtig – stehe ich auf dem scaphusianischen Geschenk an die Kanti, das demnächst vom Altherrenpräsidenten Herrn Dr. Frey enthüllt werden wird. Das allein zeigt schon, dass es sich beim Geschenk um etwas ausserordentlich Solides handeln
muss. Etwas, das zwar nicht für die Ewigkeit, das aber doch für eine lange Zeitdauer, geschaffen worden ist und das ein Sinnbild ist für das 150 Jahre lange Zusammengehen von Kanti und Scaphusia. Es handelt sich – ich verrate hier kein Geheimnis – um eine grosse Uhr, genauer um eine Bodenuhr. Das Spezielle an dieser Uhr ist eben, dass sie nicht wie die meisten Uhren irgendwo hängt, sondern dass sie in den Boden eingelassen ist, dass man auf ihr stehen kann.

**Exkurs zur Zeit und zur Zeitmessung**
Es gab Zeiten, in denen sich die Menschen noch wenig um eine genaue Zeitmessung kümmerten oder kümmern mussten, wo der krähende Hahn durchaus als Zeitmesser genügen konnte. Schon in der Antike kannte man die Sonnen- und Wasseruhren, im 13. Jh. kamen Räderuhren und ab Mitte 14. Jh. Turmuhren auf. Fabrikbetrieb und Eisenbahnverkehr zwangen im 18. und 19. Jh. zu immer genauerer Zeitmessung. Und heute gilt es als absolute Selbstverständlichkeit, dass beim Läuten um 10 vor Acht alle Schäfchen schön brav in ihren Bänken sitzen! Jeder Kantischüler verfügt über eine Mehrzahl von äusserst genauen Zeitmessern!
Kein Grund also, würde man meinen, die Schülerschaft mit einer weiteren Uhr zu beglücken. Aber: Diese spezielle Uhr wird inbesondere in den grossen Pausen und bei Regen ein natürlicher Treffpunkt der Scaphusianer werden. Der Ort ist nämlich genial gewählt: Alle Wege führen zur Bodenuhr: aus dem Altbau, aus dem Fördererbau und auch aus dem Ergänzungsbau! Alle jungen Männer, die sich hier versammeln, haben zudem den Überblick über all die vielen schönen jungen Frauen, die an der Kanti bekanntlich immer zahlreicher werden und zwangsläufig hier vorbeiflanieren werden!

**Chronos und Kairos**
Die Griechen kannten nicht nur ein Wort für die Zeit, sondern zwei. Sie haben unterschieden zwischen Chronos und Kairos. Chronos stand für die Zeit im quantitativen Sinne, Kairos für die Zeit im qualitativen Sinn. Chronos kann mit einer gewöhnlichen Uhr gemessen werden, es ist die Menge Sand, die in einer bestimmten Zeit durch das Nadelöhr von oben nach unten rinnt.
Kairos steht für den richtigen Zeitpunkt etwas zu tun oder eben nicht zu tun. Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, muss man die günstige Gelegenheit beim Schopf packen, sie kommt so schnell nicht wieder.
In der griechischen Mythologie ist Kairos der Gott der günstigen Gelegenheit und der besonderen Chance und des rechten Augenblicks und laut dem Dichter Ion von Chios (490-421 v. Chr.) der jüngste Sohn des Zeus.
Vom Bildhauer Lysippos wird er als blühender Jüngling mit geflügelten Schuhen dargestellt, dem eine Haarlocke in die Stirn fällt, während er am Hinterkopf nur spärliche Anzeichen von Haarwuchs erkennen lässt.
Die Redensart, “die Gelegenheit beim Schopf” zu packen, wird auf diese Darstellung des Gottes zurückgeführt: Wenn die Gelegenheit vorbei ist, kann man sie am kahlen Hinterkopf nicht mehr fassen.

**Zurück zu unserer Bodenuhr**
Uhren sind immer auch ein Wertgegenstand.
Früher waren Uhren beliebte Konfirmationsgeschenke und viele bürgerliche Paare haben zu ihrer Hochzeit eine Wanduhr geschenkt bekommen. Und heute sind IWC- und Rolexuhren begehrte Statussymbole. Auch die teuersten dieser Statussymbole sind in der Regel keine Unikate. Genau dies gilt aber für unsere Bodenuhr: Sie ist mit viel Liebe und Sachverstand und als Unikat geschaffen worden.
Natürlich rankt um Uhren auch viel Aberglaube. Weit herum wird das Stillstehen einer Uhr mit dem Tod in Verbindung gebracht. Sympathischer ist die Vorstellung vom Liebeszwang: Befestigt ein Partner ein Haar seiner Partnerin oder die Partnerin ein Haar ihres Partners am Pendel oder Zeiger der Uhr, wird dieser gezwungen, dem anderen dauernd nachzulaufen sprich treu zu bleiben. Nach menschlichem Ermessen sollte diese Bodenuhr nie stillstehen und auch keinem eifersüchtigen Scaphusianer wird es gelingen die Uhr zu öffnen, um ein Haar der Angebeteten am Zeiger zu befestigen.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute diese Bodenuhr einweihen können.
Ein ganz grosser Dank geht an Herrn Koch, der das Bodenuhrprojekt geleitet hat.
Ein Dank auch der Schulleitung, die ohne zu zögern diesem Projekt ihren Segen gegeben hat und last but not least ein grosser Dank an die ganze Altherrenschaft der Scaphusia, welche das Projekt finanziert hat.
Möge die Aktivitas die Bodenuhr in Beschlag nehmen, möge die Aktivitas auch die Zeichen der Zeit erkennen: Es gibt die richtige Zeit für die Musse, die richtige Zeit fürs Lernen, die richtige Zeit für die Liebe und die richtige Zeit für litterae et amicitae.
Ich danke Ihnen.

#Allgemeines

16. August 2008 | Bodenuhr für die Kantonsschule

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Küenzi

Aktive und Alte Herren der Kantonsschulverbindung «Scaphusia» sowie weitere Gäste hatten sich gestern abend im Verbindungstrakt zwischen Alt- und Neubau der Kantonsschule zu einem besonderen Anlass eingefunden. Die «Scaphusia» kann dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern. Eine in den Boden eingelassene und von den Altherren der Verbindung finanzierte Uhr soll in Zukunft an dieses Jubiläum erinnern. Dies nahm Hans-Rudolf Dütsch v/o Socius, Lehrer an der Kantonsschule und Ehrenmitglied der «Scaphusia», als Ausgangspunkt für seine Ansprache. Nach Betrachtungen über das Wesen der Zeit im Wandel der Jahre forderte er die aktiven Scaphusianer auf, die Bodenuhr in Beschlag zu nehmen, um immer den richtigen Zeitpunkt für die Arbeit, aber auch für «Litteris et amicitiae», so der Wahlspruch der Verbindung, zu finden.

Nachdem Martin Frey v/o Pauke, Präsident der Alten Herren, und Stefan Klaiber v/o Zirkel, Leiter des Projektes «Bodenuhr», die Uhr enthüllt hatten, erklärte ihr Schöpfer Hans Koch, was es alles gebraucht hatte, bis sich die Zeiger auf dem mit dem «Scaphusia»-Zirkel verzierten Zifferblatt drehten. Urs Saxer, Rektor der Kantonsschule, bedankte sich für das «würdige Geschenk», bevor nach dem Besingen der «Alten Burschenherrlichkeit» zum Apéro geschritten wurde.


Stefan Klaiber v/o Zirkel (rechts) sorgte als Initiator innerhalb der «Scaphusia» dafür, dass die Kantonsschule eine Bodenuhr als Geschenk erhielt.
Bild: Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

19. Juli 2008 | Rheinschulhaus vor ungewisser Zukunft

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

Es war im November 2002, im Kanton Schaffhausen tobte ein heisser Abstimmungskampf. Am 24. November sollten die Stimmberechtigten über einen Kredit in Höhe von 11,955 Millionen Franken abstimmen. Dieses Geld war für einen Neubau bei der Kantonsschule bestimmt, in dem zur Hauptsache die Diplommittelschule (DMS; heute Fachmittelschule) untergebracht werden sollte. Diese musste das Rheinschulhaus, in dem sie seit 1984 einquartiert war, verlassen, da die Besitzerin des Gebäudes, die Stadt Schaffhausen, Eigenbedarf angemeldet und den Mietvertrag auf Ende April 2000 aufgekündigt hatte. Gegen den Neubau gab es erbitterte Opposition: Die zukünftigen Nachbarn fühlten sich gestört und leisteten Widerstand. Die Leserbriefspalten der SN quollen in der Folge über, beide Seiten kämpften mit grossem Einsatz für ihre Sache. Als die Seniorenallianz antönte, das Rheinschulhaus könnte nach dem Auszug der DMS leerstehen, bezeichnete dies Stadtrat Urs Hunziker in einer “Richtigstellung” als “völlig aus der Luft gegriffen”. In bewegten Worten schilderte er die Raumnot der städtischen Schulen im allgemeinen und der Orientierungsschule im besonderen, die einen Umzug ins Rheinschulhaus unabdingbar machten. “Die Stadt Schaffhausen braucht deshalb den im Rheinschulhaus zur Verfügung stehenden Schulraum dringend, um die bedenkliche Situation in den genannten Schulhäusern zu entschärfen”, schrieb Hunziker am 15. November 2002 in den SN.

Sanierung bis 2006
Das Stimmvolk folgte Hunzikers Flehen und stimmte dem Kredit knapp zu. Neben der Planung für den DMS-Neubau wurde auch diejenige für die Sanierung des Rheinschulhauses an die Hand genommen. Im Juni 2003 erklärte Reto Zubler, der damalige Präsident des Stadtschulrats, dass das 10. Schuljahr, nämlich je zwei 4.-Real- und 4.-Sek-Klassen sowie zwei Werkjahr-Klassen ins Rheinschulhaus verlegt werden sollten. 2004 könne das Volk über eine Sanierungsvorlage abstimmen, 2005 würden die Bauarbeiten beginnen, und im Sommer 2006 sei das sanierte Rheinschulhaus bezugsbereit. Nichts von dem, was Zubler sagte, traf ein. Was war geschehen?
Tatsächlich war, wie Urs Hunziker gegenüber den SN erklärte, das Sanierungsprojekt pfannenfertig ausgearbeitet worden und lag im Jahr 2004 vor. Doch dann passierten zwei Dinge: Das neue Berufsbildungsgesetz des Bundes wurde angenommen. Dieses erlaubte es dem Kanton, das 10. Schuljahr mit finanzieller Unterstützung des Bundes als Brückenangebot zu nutzen. Mit anderen Worten: Die Verantwortung für das 10. Schuljahr ging von der Stadt an den Kanton über. Und dieser benötigte für das Berufsvorbereitungsjahr, wie das 10. Schuljahr neu heisst, keinen zusätzlichen Schulraum, da er selber, unter anderem in der ehemaligen Landwirtschaftlichen Schule Charlottenfels, über Räume verfügte. Dort startet denn auch nach den Sommerferien das erste Berufsvorbereitungsjahr.

Schulraumplanung gefordert
Als zweites kam dazu, dass im März 2005 der Grosse Stadtrat die Erweiterung des Schulhauses Breite abgelehnt und eine Schulraumplanung gefordert hatte, was die Sistierung aller Planungen, so auch derjenigen für das Rheinschulhaus, zur Folge hatte. Inzwischen hat der Stadtrat eine Vorlage zur Schulraumplanung ausgearbeitet. Darin ist das Rheinschulhaus nicht mehr enthalten, wogegen sich die Parlamentskommission, die die Vorlage zurzeit berät, bisher nicht gewehrt hat.
Was soll mit dem Gebäude an der Rheinstrasse, das als Schulhaus nicht mehr gebraucht wird, geschehen? Seine Zukunft ist völlig offen, wie Stadtrat Peter Käppler gegenüber den SN erklärte. Einige Räume sind an die Handelsschule des Kaufmännischen Vereins vermietet, die Verträge laufen bis 2011. Entscheidend wird aber sein, was beim “Mitwirkungsprozess Rheinufer”, der eine Attraktivierung des Rheinufers zum Ziel hat, herauskommt. Die Resultate sollten bis Ende Jahr vorliegen. Dann entscheidet sich, ob im ehemaligen Rheinschulhaus Büros oder eher noch Wohnungen eingerichtet werden. Auch ein Abriss steht zur Diskussion, um einen Durchgang zum Rheinufer zu schaffen. Allerdings dürfte dieses Vorhaben nicht so einfach zu bewerkstelligen sein: Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, dieser dürfte sich aber wegen des Alters des Hauses (siehe Kasten) einschalten. “Der Stadtrat möchte möglichst rasch Klarheit”, so Käppler. Diese dürfte frühstens 2009 kommen, wenn die Resultate der Rheinufer- wie der Schulraumplanung vorliegen.

**Rheinschulhaus Als Waisenhaus geplant, als Schule und Notspital für Grippekranke genutzt**
Das Rheinschulhaus hat seine Existenz einem Traum von Christoph Jezler (1734-1791) zu verdanken. Der Professor für Mathematik und Physik sowie zeitweilige Stadtbaumeister wollte seiner Vaterstadt zu einem Waisenhaus verhelfen. Er konnte den Rat von seinem Projekt überzeugen, in das er 10 000 Gulden seines eigenen Geldes steckte. 1782 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Diese verzögerten sich aber, da Jezler zwar ein Modell (es befindet sich heute im Museum zu Allerheiligen), aber keine Baupläne machen liess. Dazu wollte er alles selber überwachen, und Arbeitskräfte waren auch rar.
So dauerte es bis 1788, bis das Haus an der heutigen Rheinstrasse fertig war. Jezler zog ein, doch der Rat verweigerte ihm die Position des Waisenhausdirektors. Enttäuscht, dass sich sein Traum nicht erfüllt hatte, stürzte Jezler am 15. September 1791 bei einer Wanderung am Alpstein zu Tode.
Die nächsten Jahre blieb das Haus ungenutzt. 1794 entschied der Rat, dort vorerst die Stadtbibliothek und die lateinische Schule unterzubringen. Als letztere 1829 um eine realistische Abteilung und damit zum Gymnasium erweitert wurde, musste die Stadtbibliothek ausziehen. 1851 entstand aus der Verschmelzung des Gymnasiums mit dem Collegium Humanitas die Kantonsschule, die die Räume im Rheinschulhaus belegte. Die durch das Kraftwerk am Rhein vorangetriebene Industrialisierung störte zunehmend den Schulbetrieb, und so war man froh, 1902 den Neubau auf dem Emmersberg beziehen zu können.
Das Rheinschulhaus blieb vorerst leer, ab 1906 wurden dort die Hilfsschule, weitere Schulklassen und der Jugendhort untergebracht. Nachdem das Gebäude bei der Grippeepidemie 1918 als Notspital für Soldaten gedient hatte, wurde es ab 1919 wieder für die Schule genutzt. 1984 zog die Diplommittelschule ein, bis sie 2005 in den Neubau neben der Kantonsschule wechselte. Seither steht das Rheinschulhaus praktisch leer. (ek)

#Notizen zu Namen

17. Juli 2008 | Kopf der Woche: Florian Keller, Kantonsrat ALSH – «Wir dachten, dass wir den Kanton umpflügen können»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

Es soll einfach ein Fest werden – ohne Politik», sagt Florian Keller zur Feier des 5-Jahr-Jubiläums der ALSH, die am Freitag im Mosergarten stattfinden wird. Fünf Jahre ist es jetzt her, seit die Partei gegründet wurde und mit ihrer Ständeratskandidatur gleich im Licht der Öffentlichkeit stand. Keller, der die Partei mitgegründet hat, war damals noch bei der SP. «Wir hatten das Gefühl, dass die SP Jugendliche und Secondos nicht erreicht», erzählt Keller. Schnell hätten sie 25 Leute beisammen gehabt, um eine Ergänzung zur SP ins Leben zu rufen. «Wir waren alle extrem enthusiastisch und dachten, wir könnten den Kanton grundlegend umpflügen.»
Umgepflügt hat die ALSH den Kanton nicht. Aber nach fünf Jahren kann Keller auf einige Erfolge zurückblicken. «Wir haben auf Anhieb den Sprung ins kantonale und ins städtische Parlament geschafft, das kam unerwartet.» Ein weiterer Höhepunkt sei die Erneuerung des Jugendkellers gewesen, die die ALSH eingeleitet hat. Auch verschiedene Strassenaktionen gegen das Vermummungsvgrbot oder die Avanti-Initiative hat Keller in guter Erinnerung. «Und natürlich zählt auch die Verhinderung des Konzertverbots im Mosergarten zu unseren Erfolgen.»
An der Stätte dieses Erfolgs soll denn die Jubiläumsfeier stattfinden. «Es wird eine Gipsy-Kapelle spielen, aber nicht auf der Bühne, sondern auf dem Kiesplatz.» Ausserdem werde es allerlei Köstlichkeiten vom Grill und selbstverständlich auch Bier geben. «Von der Atmosphäre her soll es so sein, als hätten sich 200 Leute zum Grillieren getroffen, eine Art Gartenfest mit Band», meint Keller.
Neben seinem politischen Engagement als Kantonsratsmitglied ist Keller mit einem 45-Prozent-Pensum beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund beschäftig. Für sein Jus-Studium, das er vor zwei Jahren begonnen hat, bleibt ihm nicht mehr viel Zeit. «Ich werde immer mehr zu einer Art Fernstudent», sagt er schmunzelnd. Allerdings hat er das Grundstudium erfolgreich abgeschlossen.
Keller ist in einer SP-Familie aufgewachsen. Politische Auseinandersetzungen gehörten schon früh dazu. Bereits mit 14 Jahren habe er seine Eltern an Parteiversammlungen vertreten. Gute Voraussetzungen also für eine späteren National- oder Ständerat Florian Keller? «Natürlich würde mich das reizen, aber dann müsste ich wohl aus der Partei austreten.» Und solange es noch laufe, habe er das nicht vor. Zudem gibt es ja genug zu tun, schliesslich stehen die Gesamterneuerungswahlen vor der Tür.

Zur Person:
Alter: 24
Zivilstand: Ledig
Wohnort: Schaffhausen
Hobbys: Weidling, Kochen, Politik
Aktuelle Lektüre: «Schatten über dem Kongo» von Adam Hochschild

#Notizen zu Namen

7. Juli 2008 | Bankenüberwachung: Bankenkommission zieht Lehre aus der Bankenkrise und will mehr Personal

Schaffhauser Nachrichten
(sda)

Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) zieht aus der Finanzkrise Konsequenzen: So will sie das Dispositiv bei der Bankenüberwachung anpassen und sich organisatorisch wie auch personell verstärken. Dies sagte der Präsident der EBK, Eugen Haltiner, in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» vom Samstag. So werde die Beaufsichtigung der beiden Grossbanken CS und UBS in der auf Anfang Jahr operativ tätig werdenden integrierten Finanzmarktaufsicht (Finma) enger verzahnt.
Insbesondere für die Überwachung der Grossbanken brauche es mehr Personal. «Wir sollten in der Lage sein, gezielte Überprüfungen auch mit eigenen Leuten vorzunehmen, statt ein Mandat an Revisionsgesellschaften zu vergeben», sagt Haltiner. Das sei insbesondere dann wichtig, wenn die EBK gemeinsam mit ausländischen Aufsichtsbehörden Einblick an Ort und Stelle gewinnen wolle. «Dazu brauchte es mehr und teilweise anders ausgebildete Mitarbeiter», sagt Haltiner weiter. In der Grossbankenaufsicht arbeiten zurzeit rund zwei Dutzend Personen.
Die Instrumente, welche die EBK im Zusammenhang mit der Finanzkrise auf die Banken anwenden könne, würden aber wirken. So kann die Aufsichtsbehörde etwa Einfluss nehmen auf die Eigenmittelausstattung. «Seitens der Politik und der Öffentlichkeit bestehen zum Teil aber Erwartungen, die wir nicht erfüllen können», so Haltiner. Die EBK habe nicht den Auftrag, Krisen oder Verluste der einzelnen Institute zu verhindern. «Unser Auftrag ist der Gläubigerschutz, und den haben wir erfüllt.»

**In der zweiten Halbzeit**

Zeitlich sieht der EBK-Präsident
die Finanzkrise in der zweiten Halbzeit. Doch hänge es von der Stabilisierung der Immobilienmärkte in den USA
und der Marktentwicklung ab, ob es noch eine Verlängerung gebe. Haltiner wird Anfang 2009 vollamtlicher Präsident der integrierten Finanzmarktaufsicht.

#Allgemeines

5. Juli 2008 | Die Verbindungen feiern – Eine Annäherung an Schaffhausen

Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage
Karl Hotz

Als ich zum erstenmal den Begriff «Scapher» hörte, da dachte ich, das müsse wieder so ein Schaffhauser Ausdruck sein – so etwas wie «Gaffer» oder so. Und auch als ein Gesprächspartner bei einem Abendessen als Getränk ein Mineralwasser wählte und dabei erklärte, er sei halt ein alter «Munötler» geblieben, musste ich passen.

Ein völlig anderer Hintergrund an Schulerfahrungen
Als alter Zürcher Oberländer hatte ich erstens keine Ahnung, dass es so etwas wie Mittelschulverbindungen gibt. Die Kantonsschule, die ich besuchte, war bei meinem Eintritt 1960 gerade sechs Jahre alt, und der erste Jahrgang des Langgymnasiums schickte sich gerade an, nach sechseinhalb Jahren Kanti die Matur zu absolvieren. Tradition – das war ein Begriff, den diese Schule in Wetzikon nicht kannte. Die junge Schule hatte ganz andere Sorgen. Sie musste als erste Landmittelschule im Kanton Zürich zuerst einmal beweisen, dass sie mindestens so gut ist wie die Schulen in Zürich und Winterthur. Übrigens: Viele Lehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland waren von Schaffhausen gekommen, weil auf dem Emmersberg keine Aussicht auf ein Hauptlehrerpensum bestand … Einer von ihnen wurde in den sechziger Jahren sogar der zweite Rektor in Wetzikon.
Es brauchte also eine gewisse Zeit, bis ich – aufgeklärt durch meine in Schaffhausen aufgewachsenen Kolleginnen und Kollegen – mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis nahm, dass es in Schaffhausen nicht weniger als drei verschiedene Mittelschulverbindungen gab. Und bis ich zum erstenmal von der Fortuna und der Commercia hörte und verstand, worum es sich dabei handelte, ging es noch einige Jahre länger.

Der Zusammenhalt – bewundert und ein wenig suspekt
Verbindungen kannte ich deshalb nur von der Hochschule. Und sie galten, wenn man, wie ich, gegen Ende der sechziger )ahre während der Globuskrawalle und in der anschliessenden eher unruhigen Jahre an der Universität in Zürich studierte, als verknorzt, veraltet und vor allem als konservativ. Letzteres war in jenen Zeiten nicht gerade ein Kompliment. Die ersten Eindrücke, die ich in Schaffhausen über die Verbindungen gewann, waren nicht dazu angetan, meine Meinung über derartige Gruppen zu ändern. «Er ist halt Scapher oder Munötler», hatte oft einen bewundernden und zugleich skeptischen Beiklang, wenn mir erklärt wurde, warum irgendwer mit irgendeinem anderen besonders gut befreundet war. «Die helfen einander», hiess es halb spöttisch, halb anerkennend.
Anders gesagt: Die Verbindungen waren für mich zwar nicht gerade ein alter Zopf, aber eine jener Schaffhauser Institutionen, von denen man als Zugezogener – und das ist man in dieser Region ja auch noch nach bald 25 Jahren … – nicht so recht wusste, was man halten sollte: eine etwas schrullige Tradition. So etwa wie die Munotbälle mit ihrem Krawattenzwang oder so sonderbare Ausdrücke wie «Pedell» für den Schulhausabwart und «Ephoren», von denen ich bis heute nicht genau weiss, worum es sich handelt.

Die Erinnerungen sprudeln nur so
Da aber der Spruch «Ich lass mir doch mein Vorurteil nicht nehmen» nicht zu meinen bevorzugten Lebensweisheiten gehört, fragte ich jeweils diesen und jenen, was denn das Faszinosum dieser Verbindungen sei, wenn ich merkte, dass er in seinen Kantonsschuljahren auch einer dieser Gruppen angehört hatte. Die Stichworte, die einem dann geliefert wurden, waren ganz unterschiedlich: jahrelange Freundschaften, Saufereien, mehr oder minder lustige Streiche, spannende Auseinandersetzungen mit alten Herren, die es längst zu etwas gebracht hatten, die Anspannung vor dem ersten Referat in grosser Runde mit vielen Erwachsenen und so weiter.
Aber eines war fast immer gleich: Auch bei jenen, die den Kontakt zu ihren Verbindungen nach ihren Kantonsschuljahren abgebrochen hatten und die in den Altherrengruppen aktiv waren, war der Erinnerungsschatz gross. Grösser jedenfalls als bei mir, der ich nach der Matura kaum jemals wieder Kontakt zu meiner Schule gehabt hatte. Auch die rund 50 Kollegen, die mit mir zusammen die Abschlussprüfungen absolviert hatten, habe ich nach dem Studium mehr oder weniger aus den Augen verloren.
Es musste also doch etwas dran sein an den «Freundschaften fürs Leben». Dass Kollegen, die vor 30 oder 40 Jahren zusammen in die Schule gingen, in Wandergruppen regelmässig gemeinsame Ausflüge unternehmen, um nur ein Beispiel zu nennen – das war für mich neu.

Ein kleiner Kanton profitiert von den Netzwerken
Ob diese starken Bande, die viele der Farbenbrüder offensichtlich zusammenhalten, auch mit der Kleinheit des Kantons zu tun haben, der seine Souveränität und Eigenständigkeit ganz anders betonen und bewahren muss, ist für mich nicht ganz klar. Ich vermute, es ist mindestens so sehr umgekehrt: Die Stadt und der Kanton profitieren davon, dass es mehrere dieser Gruppen gibt, die sich unter sich und mit der Region verbunden fühlen. Diese Beilage könnte ein Mittel sein, Verbindungen auch Aussenstehenden näherzubringen.


Weitere Artikel zu diesem Thema:

1858 bis 2008: 150 Jahre Scaphusia;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: Christian Birchmeier v/o Zäckli.

1858 Munötler: Mit Tradition in die Moderne;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: Michael Bührer v/o Pol.

KTV hat seit 1982 keine Aktivitas mehr;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: diverse Autoren.

Fortuna hat im Moment nur Altherren;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: EM Urs A. Meier v/o Print.

Freundschaftliche und berufliche Kontakte [Commercia];
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: Jürg Weber v/o Tagg, Altherrenpräsident.

Notizen zu einer reichen Geschichte;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: Karl Hotz [und anderen Autoren].

Die Innenansicht: Stimmen der Mitglieder;
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; von: Karl Hotz.

Die Verbindungen feiern (Einzelne Beiträge);
in: Schaffhauser Nachrichten, Publibeilage; [Diverse Autoren].

#Allgemeines

4. Juli 2008 | Maturafeier 2008 – Der Startpunkt für die eigene Laufbahn

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

“Sie alle stehen an einem entscheidenden Punkt Ihres jungen Lebens”, meinte Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel zu den frischgebackenen Maturandinnen und Maturanden, als sie ihnen zu ihrer gelungenen Prüfung gratulierte. “Nun haben Sie die Gelegenheit”, so Widmer Gysel weiter, “eine auf Sie zugeschnittene Ausbildung zu wählen.” Die Maturafeier, die gestern in der Kirche St. Johann abgehalten wurde, setzt einen Schlusspunkt unter eine vierjährige Schulzeit und markiert zugleich den Startpunkt für die Laufbahn dieser jungen Frauen und Männer.
Es war ein rundum gelungenes Fest. Dafür sorgten nicht nur die feierlichen Ansprachen, sondern insbesondere auch die stimmungsvollen Musikdarbietungen, die von den Kantonsschülern selbst kamen. Vom Kammerchor über das Vokalensemble bis zum Jazz-Duo – die Auftritte wurden vom Publikum lautstark beklatscht.

“Stellen Sie die Dinge in Frage”
Die Maturarede durfte am gestrigen Abend Bundesanwalt Erwin Beyeler halten, der die Kantonsschule in Schaffhausen 1971 abgeschlossen hat, wie Rektor Urs Saxer informierte. “Mein Pfarrer meinte zu mir, als ich konfirmiert wurde, ich solle Pfarrer werden”, hob Beyeler an. “Wie Sie sehen, habe ich diesen Rat nicht befolgt, aber ich habe seither darum getrauert, dass ich nie vor einer vollen Kirche reden konnte.” Umso mehr freue es ihn nun, hier sprechen zu können, sagte er schmunzelnd. Gute Tipps und Ratschläge für die Maturandinnen und Maturanden werde er sich sparen, “sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen”. Dafür habe er aber einige Bitten an sie: “Gehen Sie hinaus, sammeln Sie Erfahrungen und kommen Sie dann wieder zurück. Lernen Sie die Dinge in Frage zu stellen, und mischen Sie sich ein.” Es sei wichtig, sich politisch zu engagieren. “Bei allem Engagement sollten Sie aber nie vergessen, dass man die Dinge stets auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann. Sie brauchen Biss, ohne verbissen zu sein.”

1000 Franken für die beste Prüfung
Nach einem weiteren Musikstück war es endlich soweit. Die Zeugnisse wurden verteilt. Klassenweise betraten die Maturandinnen und Maturanden das Podium, um von ihrem Rektor ihr Zeugnis entgegenzunehmen, wobei die Klassenbesten jeweils noch extra geehrt wurden. Nach dieser Zeremonie vergab die Verbindung Munot einen Anerkennungspreis für die beste Maturprüfung 2008. Das Preisgeld in der Höhe von 1000 Franken ging an Julia Hepfer.
Zum Abschluss forderte Urs Saxer alle Anwesenden dazu auf, sich zu erheben, um gemeinsam das berühmte Studentenlied “Gaudeamus igitur” anzustimmen. “Gaudeamus igitur” meint zu Deutsch: “Lasst uns also fröhlich sein!” Eine Aufforderung, der die Maturandinnen und Maturanden am gestrigen Abend wahrscheinlich nicht mehr bedurft hätten.


Weitere Artikel zu diesem Thema:

Die Maturafeier 2008 der Kanti Schaffhausen;
in: Schaffhauser Bock, Der Bock ist dabei; von: Stéphanie Stamm.

#Notizen zu Namen

3. Juli 2008 | 3 Fragen an: Ernst Herrmann, Leiter Lebensmittelinspektorat

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen

*1 Wie steht es um die Badewasserqualität in Rhein und Thur?*
An den kontrollierten Stellen im Rhein haben wir durchweg gute Ergebnisse erhalten. Generell kann man sagen, dass das Wasser sehr sauber aus dem Untersee fliesst. Die Qualität des Thurwassers bei Flaach war akzeptabel.

*2 Was meinen Sie mit akzeptabel?*
Das heisst, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht auszuschliessen ist. Bei der Beurteilung akzeptabel sollte man auf das Tauchen verzichten und nach dem Baden gründlich duschen. Zudem sollte man darauf achten, dass Kinder kein Wasser schlucken.

*3 Bleibt die Wasserqualität über die Saison hinweg konstant?*
Die Wasserqualität kann sich mitunter rasch verändern. Bei starken Regenfällen kann es infolge von Abschwemmungen aus landwirtschaftlichen Böden oder aus Regenwasserüberläufen der Kanalisation zu einer temporären Verschlechterung kommen. Insgesamt sollte das Wasser aber sauber blieben. Dem Badevergnügen steht somit nichts im Weg.

#Allgemeines

27. Juni 2008 | «Das ist ein neues Stück unserer Stadt»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Die von den initiativen Unternehmern Hermann Rütimann, Carlo Klaiber und Felix Rütimann angeführte Baugesellschaft Durachpark hat in den letzten anderthalb Jahren die im vorderen Mühlental liegende ehemalige Schrotthalle der Georg Fischer AG in ein modernes Geschäftshaus verwandelt. Gestern waren Vertreter der Behörden, der Wirtschaftsförderung, der Verbände und der Immobilienbranche zu einem Augenschein in das fünfgeschossige moderne Gebäude hinter dem Bahnhof eingeladen. Romeo Graf, Inhaber der für die Vermietung der Räumlichkeiten im Durachpark zuständige Inhaber der RGb Immobilien GmbH, hiess die Gäste im Attikageschoss im Namen der Bauherrschaft willkommen. Er zeigte sich über die Fertigstellung der mit allem Komfort ausgestatteten Baute begeistert und gab gleichzeitig seiner Hoffnung Ausdruck, dass die zurzeit noch leeren Räume möglichst bald mit aktivem Leben erfüllt werden.

Tatkraft und Weitsicht
Vor dem Rundgang durch den Neubau zeigten sich Baumeister Carlo Klaiber als Vertreter der Bauherrschaft, Regierungsrat Reto Dubach, Stadtpräsident Marcel Wenger und Stadtrat Peter Käppler als Exponenten der Behörden von Kanton und Stadt, Architekt Nico Ledergerber vom Architekturbüro Ulmer + Zarotti sowie Wirtschaftsförderer Thomas Holenstein als Beauftragter des Volkswirtschaftsdepartementes über das gelungene Werk erfreut. «Das ist ein neues Stück unserer Stadt», frohlockte Marcel Wenger und dankte den Investoren für ihre Tatkraft und Weitsicht. Aus der Sicht von Thomas Holenstein besteht ein zunehmender Bedarf an modernen Räumen für international tätige Unternehmen und Dienstleister. «Was hier geschaffen wurde, ist genau das, was wir zur Ansiedlung neuer Unternehmen im Kanton brauchen», erklärte der Delegierte für Wirtschaftsförderung. Es sei in der Vergangenheit nicht einfach gewesen, Investoren für neue Geschäftshäuser zu finden. In der Zwischenzeit habe sich das Blatt erfreulicherweise gewendet.

Meilenstein der Entwicklung
Der Glaube an die Zukunft von Schaffhausen und der Wille, ehemalige Werkhallen in neue Büroräumlichkeiten mit modernen Arbeitsplätzen zu verwandeln, haben – so Thomas Holenstein – zugenommen. Die Erstellung des Geschäftshauses Durachpark sei ein weiterer Schritt zu einer verstärkten Nutzung des Mühlentals und ein Meilenstein in der wirtschaftlichen Entwicklung von Kanton und Stadt.

**Geschäftshaus Durachpark Die wesentlichsten Angaben im Überblick**
Das fünfgeschossige neue Geschäftshaus an der Mühlentalstrasse 36/38 wurde auf einer Grundstücksfläche von 3800 Quadratmeter erstellt. Die Baute ist 73 Meter lang, 24 Meter tief und 19 Meter hoch. Die Bruttogeschossfläche wird – das Attikageschoss inklusive – von der Bauherrschaft mit 8466 Quadratmeter und das Gebäudevolumen mit 33467 Kubikmeter ausgewiesen.
Das Erdgeschoss verfügt über Ladenflächen in der Grössenordnung von 358 Quadratmeter, über zwei Einstellhallen mit insgesamt 29 Abstellplätzen sowie über einen separaten Veloraum. In den vier Obergeschossen befinden sich Geschäftsräume für Administration und Dienstleitungen sowie verschiedene Archivräume und Nebenräume. Weitere Archivräume befinden sich im Untergeschoss.
Das Geschäftshaus Durachpark verfügt über viel Komfort, ein neu-zeitliches Design und modernste Gebäudetechnik. Aus ökologischen Gründen wurde mit Hilfe der Minergienorm ein möglichst geringer Energieverbrauch angestrebt. Als Fluchtwege dienen die zentral angeordneten Treppenhäuser.
Die modernen Innenräume lassen den künftigen Nutzern viel Spielraum für eine individuelle und bedürfnisorientierte Gestaltung. Auch in den grosszügig dimensionierten Erschliessungszonen besteht die Möglichkeit für zusätzliche individuelle Unterteilungen. Alle Geschosse sind rollstuhlgängig ausgestaltet und über entsprechende Liftanlagen erreichbar.
Zur Ausstattung des Geschäftshauses zählen im weiteren Unterlagsböden mit Fertigbodenauflagen, kontrollierte Lüftung mit thermoaktivem Bauteilesystem sowie Raumbeleuchtungen über spezielle Trassenführungen.
Als erster Mieter wird die im Bereich der Informatik tätige Varian-Gruppe im Durachpark einziehen. Sie will laut Auskunft von Joe Bowen, CEO von Varian Schweiz, in einer ersten Phase 34 und im Endausbau 50 bis 60 Arbeitsplätze schaffen.

#Notizen zu Namen

21. Juni 2008 | Zeitfragen. Der Stadtpräsident – Ich musste meinen eigenen Weg suchen

Schaffhauser Nachrichten, Beilage
Interview von Martin Schweizer

*Herr Schwank, erinnern Sie sich noch an den ersten Arbeitstag nach der Wahl zum Stadtpräsidenten?*
Nein. Wahrscheinlich deswegen nicht, weil ich schon als Vizepräsident den Vorsitz im Stadtrat häufig übernehmen musste. Hingegen erinnere ich mich sehr wohl an die erste Sitzung nach meiner Wahl in den Stadtrat. Das war im Dezember 1960. Ich hätte darauf beharren sollen, Schulpräsident zu bleiben. Schulreferent und Schulpräsident in einer Hand, das hatte zu Recht schon Stadtpräsident Spahn gefordert. Bringolf aber wollte das nicht.

*Was beschäftigte Sie am meisten als frischgewählter Stadtpräsident?*
Das, was mich schon als Stadtrat umgetrieben hatte. Es ging um die Frage, wie man den Überhang an Investitionen bei einem ungenügenden Steuergesetz finanzieren konnte. Dieses Dilemma blieb dem Stadtrat in vielen Jahren meines Amtes erhalten. Wir verloren ein halbes Dutzend Abstimmungen, in denen es um den Steuerfuss 130 ging. Schliesslich wurde er vom Regierungsrat dekretiert. Verbreitet ist bis heute die Ansicht, die Halbämter-Initiative – drei Stadträte im Halbamt – sei die Retourkutsche des Volkes auf den damals zwar nötigen, aber eben doch erzwungenen Steuerfuss.

*Die regierungsrätliche Dekretur war ein Ärgernis und gab viel zu reden. Noch heftiger ging es aber bei der N4 zur Sache.*
Die N4 war in den siebziger Jahren das Hauptthema, richtig. Der Stadtrat entschied sich für die Stadttangente, wie man damals sagte. Als er sich in der Auseinandersetzung um die Schaarenautobahn, mit der Aktion Rhy der jungen zusammentat, erregte er den Unwillen des Baudirektors. Im Kampf um die N4 stand der Stadtrat an vorderster Front. Einmal verlor ich in den hitzig geführten Debatten die Fassung. Als ein Gegner meinte, wenn die Strasse gebaut sei, sei sie sowieso schon ausgelastet, polterte ich: «ja, wenn man in Schaffhausen lieber schnorrt als baut, kann es so weit kommen! Dann werden die Schaffhauser später zu entscheiden haben, wie viel sie dem Auto noch opfern wollen.» Und genau da stehen wir heute.

*War da nicht noch eine merkwürdige Geschichte im Stadtkeller?*
Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Trunk im Stadtkeller mit dem Regierungsrat, als mein Kollege Aellig im orangen Leibchen der Aktion Rhy erschien. Das machte den Staatsschreiber fuchsteufelswild, einen solchen Stadtrat möchte er nicht beim Kanton, fuhr er mich an. Am Ende verlief aber alles in Minne.

*Nach der langen und bewegten Ära Bringolf sei es für jeden Nachfolger schwierig, das Amt des Stadtpräsidenten auf gleich hohem Niveau auszufüllen. Empfanden Sie das damals auch so?*
Vor der Wahl wollte man von mir eigentlich nur wissen, ob ich die Bachfeste und die grossen Ausstellungen weiter führe. Tapfer sagte ich ja, obwohl ich wusste, dass die Zeit der grossen Ausstellungen vorbei war. Meine übrigen Empfindungen? Ich war nicht Bringolf. Ich musste meinen eigenen Weg suchen. Sorgen machte mir das nicht.

*Wie funktionierte in den siebziger und achtziger Jahren der Stadtrat als Kollegialbehörde?*
Gut.

*Wie gut?*
Wir waren Freunde oder doch Kameraden. Sicher, Kurt Reiniger schien ab und zu nach meinem Amt zu schielen. Dem jungen Intellektuellen schwebte ein härterer Linkskurs vor. Reiniger war intelligent und ein sehr guter Finanzreferent. Nach seiner Abwahl ist er zu schlecht weggekommen.

*Was muss ein Stadtpräsident eigentlich können?*
Möglichst viel und einiges sehr gut. Er muss Menschenkenner sein und die Leute mögen. Eine rasche Auffassungsgabe, ein gutes Gedächtnis und die Kraft der raschen und präzisen Formulierung sind Vorteile. Er muss nein sagen können, auch wenn das nicht zu seiner Beliebtheit beiträgt.

*Soll er Chef oder Moderator sein?*
Beides. Tüchtige Beamte müssen sich entfalten können. Da wird der Chef als Moderator im Vordergrund stehen. Wo es um Politik des Stadtrates geht, wird sie der Stadtpräsident als Chef durchsetzen müssen.

*Was, Herr Schwank, waren für Sie als Stadtpräsident die grössten politischen Herausforderungen?*
Weil baulicher Nachholbedarf abzudecken war und die Anpassung der Steuern unterblieb, stiegen die Schulden der Stadt von 1960 bis 1968 von 50 auf 150 Millionen Franken. Aber abgesehen von den Finanz- und Steuerfragen und auch von der N4, von der schon die Rede war: In den siebziger Jahren hatten wir uns auch mit der Forderungen der 68er-Bewegung auseinanderzusetzen. Aus dem Staat durfte nicht Gurkensalat werden, wie Chaoten forderten. Aber eine gewisse Öffnung war angezeigt. Obwohl nie wirklich definiert wurde, was alternative Kultur meinte, förderten wir das, was sich im Jugendkeller, im Kellertheater und später im Fass entwickelte. Aus Kunst im Kornhaus (KiK) am Herrenacker entstand das, was heute in der Kammgarn herangewachsen ist. Die Hallen für neue Kunst wiederum waren eine zeitgemässe Form grosser Ausstellungen. Mit Max Freivogel und Tina Grütter bekam die Kunstabteilung im Museum zu Allerheiligen den Zug in die Moderne.

*Nicht alles lief reibungslos ab.*
Natürlich nicht. Dem Ehrenbürger Uehlinger beispielsweise hatte ich als Stadtpräsident die Neueinrichtung des Naturmuseums versprochen. Dieses Problem begleitete mich durch die ganze Amtszeit. Bei dem Konzept ging es darum, von der Dramatik unserer Gegend, der Erdgeschichte, zu den Schönheiten, zu Rhein, Rheinfall und Randen, zu führen. Es gab Schwierigkeiten, Verzögerungen und schliesslich einen Stadtpräsidenten, der als Dompteur die Eröffnung des Museums durchsetzen musste. Kurz vor dem Ende meiner Amtszeit war das.

*Mitunter ging es in der Stadt auch chaotisch her und zu.*
In den siebziger und achtziger Jahren traf mich schmerzlich, dass uns die Chaoten zwangen, die Polizei in Monturen zu stecken, die ihnen das menschliche Aussehen raubten. Der Polizeiinspektor stand fast täglich in meinem Büro. Zuweilen musste hart durchgegriffen werden. Ohne Stadtpolizei wäre die Sicherheit nicht zu halten gewesen. Das ist vergessen gegangen.

*Warum stand denn der Polizeinspektor so oft in Ihrem Büro? Was war da los?*
Da gab es zum Beispiel die sogenannte Friedensbewegung, die ihr dem Mercedesstern ähnliches Zeichen an viele Wände sprayte. An andern Orten hiess es auch «Killt Schwank» oder «Stoppt Schwank». Im «Storchen» kam es zu einer Hausbesetzung. Sie endete mit der Zügelhilfe der Stadtpolizei für die Besetzer, denen wir das Logierhaus zur Verfügung stellten.

*Irrtum vorbehalten, war es Ihr Kollege Aellig, der einmal sinngemäss sagte, die kommunale Verwaltung sei so stark und solide, dass keine wie auch immer tätige Exekutive die Stadt «an die Wand» fahren könne.*
Ich kenne den Zusammenhang nicht, der Jörg Aellig zu dieser Aussage bewegt haben mag. Ich halte eine starke Führung der Verwaltung für unabdingbar. Es darf keine kleinen Beamtenkönigreiche geben. Es sollte auch keine Verwaltungszweige geben, die von Durchleuchtungen auszuschliessen sind. Bildung und Soziales zum Beispiel sind wichtig. Sie dürfen viel kosten. Aber nicht zu viel. Effizienz ist bei allen Investitionen gefragt.

*Verfolgen Sie die Politik im allgemeinen und die städtische im speziellen noch immer regelmässig?*
Vielleicht würde man besser sagen: Die Politik verfolgt mich.

*Ihren Wunsch oder Ihre Bitte an die heutigen Politiker?*
Die Rolle des «Bittstellers» liegt mir nicht besonders. Wenn man trotzdem etwas von mir hören will: Ich halte das Subsidiaritätsprinzip für wichtiger als Zusammenlegungen. Was eine Gemeinde erledigen kann, soll sie erledigen. Auf dem kleinen Feuer brennt eine Sache weniger an. Dem Gerede von neuen Besen und frischem Wind sollte man kritisch begegnen. Was gibt das für frischen Wind, wenn man zwei Blähungen zusammenlegt? Auch die Zusammenlegung von Stadt- und Kantonspolizei war unsorgfältig. Jetzt sollte die Sicherheitspolitik von Kanton und Stadt zumindest überprüft werden. Im fehlenden direkten Zugriff des Stadtpräsidenten auf Polizeieinheiten droht das Verhängnis.

*Und der Stadtrat? Soll es mit den Halbämtern auf immer so bleiben?*
Insgesamt hat die Halbämter-Initiative der Stadt und wohl auch dem Kanton geschadet. Ich glaube, man könnte die Zahl der vollamtlichen Stadträte ohne weiteres aufstocken und würde erst noch Geld sparen. Doch wie auch immer: Ich bin überzeugt, dass Schaffhausen Chancen hat. Jetzt müsste aber eine neue Generation in die Hosen!

Dr. Felix Schwank wurde 1960 in den Schaffhauser Stadtrat gewählt. Er war damals 38 Jahre alt, erst Schulreferent, dann Finanzreferent. 1968 wählte ihn der Souverän als Nachfolger von Walther Bringolf zum Stadtpräsidenten. Zwanzig Jahre später trat er in den Ruhestand. Seither kennt ihn die Öffentlichkeit vor allem als Autor von Büchern und als Kolumnist der «Schaffhauser Nachrichten».