#Notizen zu Namen

19. August 2010 | Eugen Haltiner tritt auf Ende Jahr zurück – Präsident der Finanzmarktaufsicht gibt Demission bekannt.

Neue Zürcher Zeitung
(sda)

Haltiner, der heute 62 Jahre alt ist, hatte 2006 das Präsidium der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) übernommen. In dieser Funktion habe er wesentlich an der Weiterentwicklung der Finanzmarktaufsicht mitgewirkt und den Aufbau der Finma vorangetrieben, schreibt das EFD. Anfang 2009 übernahm Haltiner das Präsidium der neu geschaffenen Finma.
Haltiner habe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Schweiz die Finanzkrise im internationalen Vergleich gut überstanden habe, heisst es weiter. Die Massnahmen zur Stabilisierung des Schweizer Finanzplatzes, an deren Entwicklung er an vorderster Front mitgearbeitet habe, hätten die Schweizer Volkswirtschaft vor grossem Schaden bewahrt.

#Notizen zu Namen

19. August 2010 | Von Anfang an der falsche Mann

Tages-Anzeiger
Markus Diem Meier

Die Finma (früher Bankenkommission) hat als Regulierungsbehörde zu verhindern, dass Finanzinstitute zu grosse Risiken eingehen und dafür zu sorgen, dass sie die Regeln einhalten. In diesem Sinn hat der nun zurücktretende Eugen Haltiner als oberster Chef der Finma und zuvor der Bankenkommission versagt. Denn es war die Pflicht seines Gremiums, die Grossbank UBS gut genug zu überwachen, damit sie nicht in das doppelte Schlamassel geriet, das einerseits die Volkswirtschaft der Schweiz bedroht und andererseits den Ruf des Landes massiv geschädigt hat. In dieses Schlamassel haben einerseits die Milliardenspekulation der Grossbank mit verbrieften Immobilienschrottpapieren in den USA geführt und andererseits die dort systematisch betriebene Beihilfe zum Steuerbetrug.
Genau für diese Bank hat Haltiner die unglaublich lange Zeit von 30 Jahren gearbeitet – am Schluss in ihren obersten Führungsgremien. In dieser Bank hat ihn eine Kultur geprägt, die heute zum Glück infrage gestellt wird. Die Nachfolger in der UBS tun jedenfalls alles, um sie abzuschütteln. In dieser Kultur liegt auch der wahre Grund für die Krise, in die die Bank gestürzt ist und mit der sie dem Land insgesamt geschadet hat. Diese Kultur wurde durch ein bis zum Grössenwahn gesteigertes Machtbewusstsein geprägt. Für die Anliegen der Öffentlichkeit blieb kaum Achtung übrig. Das war besonders deutlich beim Untergang der Swissair zu spüren. Auch Regulierung galt als lästig. Regulierungsbehörden hatten vor allem dafür zu sorgen, dass die Bank in ihren Geschäften nicht behindert wird. Wegen dieser Kultur war Eugen Haltiner von Anfang an der Mann, den man am allerwenigsten zum Chef der Aufsicht hätte machen dürfen.

**Zweifel am Sinn von Regulierung**
Schon bei seinem Amtsantritt am 1. Februar 2006 – damals noch als Chef der Finma-Vorgängerbehörde Bankenkommission – zweifelte der neue oberste Chef der wichtigsten Regulierungsbehörde öffentlich am Sinn von Regulierung überhaupt. Sie sollten stärker auf ihre Notwendigkeit mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Banken überprüft werden, erklärte er. Diese banktypische Gewichtung jener Zeit wurde der UBS und dem Land in der Krise zum Verhängnis: Denn ihre gigantischen Gewinne zuvor und ihre herausragende Stellung im internationalen Wettbewerb hatte die Bank vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Aufsicht zu wenig genau hingeschaut hat, sodass sie unbemerkt Regeln brechen konnte. Als Konsequenz daraus ist die Bank beinahe untergegangen.
Noch nach dem Ausbruch der Finanzkrise, am 23. Dezember 2007, erklärte Eugen Haltiner in einem Interview: «Die von der UBS rechtzeitig ergriffenen Massnahmen und die offenbar konservativen Wertberichtigungen haben die Situation nach heutiger Kenntnis wieder in ein Gleichgewicht gebracht.» Möglicherweise war er wirklich nicht besser informiert. Doch dann hat er seinen Job nicht gemacht. Vielleicht konnte und wollte er das wahre Ausmass der Krise einfach nicht sehen, weil es nicht in sein Weltbild gepasst hat.

**Die alte Garde des Bankgeheimnisses tritt ab**
Eugen Haltiner verlässt seinen Posten fast zeitgleich mit Hans-Rudolf Merz. Das ist kaum Zufall. Beide haben sich bei der UBS, beziehungsweise der Bankgesellschaft, einem der Vorgängerinsitute, schon Mitte der 70er-Jahre kennengelernt. Gemeinsam haben sie die UBS durch die Herausgabe von Kundendaten im Februar 2009 vor einem Prozess in den USA bewahrt und damit das Ende des Bankgeheimnisses eingeleitet. Ausgerechnet sie, die mit einem Bankensystem gross geworden sind, die dieses Geheimnis als wichtigen Pfeiler ihres Geschäfts betrachtet hat. Beide mussten erkennen, dass die Banken, wie sie sie gekannt haben, nicht mehr existieren oder zumindest nicht mehr existieren dürfen. Der Wind hat gedreht. Staatliche Aufsicht gilt nicht mehr als störend, sondern als notwendig. In eine solche Welt passt Eugen Haltiner nicht hinein, schon gar nicht als oberster Regulierer.

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19. August 2010 | Haltiner tritt zurück

Tages-Anzeiger
(sam/sda)

Der Bundesrat habe am Mittwoch den Rücktritt Haltiners zur Kenntnis genommen, teilte das Finanzdepartement (EFD) mit. Haltiner, der heute 62 Jahre alt ist, hatte 2006 das Präsidium der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) übernommen. In dieser Funktion habe er wesentlich an der Weiterentwicklung der Finanzmarktaufsicht mitgewirkt und den Aufbau der Finma vorangetrieben, schreibt das EFD. Anfang 2009 übernahm Haltiner das Präsidium der neu geschaffenen Finma.
Haltiner habe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Schweiz die Finanzkrise im internationalen Vergleich gut überstanden habe, heisst es weiter. Die Massnahmen zur Stabilisierung des Schweizer Finanzplatzes, an deren Entwicklung er an vorderster Front mitgearbeitet habe, hätten die Schweizer Volkswirtschaft vor grossem Schaden bewahrt.

**Suche eingeleitet**
Der Bundesrat sprach Haltiner den Dank aus «für seine geleisteten Dienste im Interesse des Finanzplatzes und die stets ausgezeichnete Zusammenarbeit». Über die Nachfolge will er im November entscheiden. Das Finanzdepartement schreibt, es habe die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten eingeleitet.
Laut der Finanzmarktaufsicht (Finma) legt deren Präsident Eugen Haltiner sein Mandat auf eigenen Wunsch nieder. Der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen, teilte die Finma am Mittwoch mit. Haltiner wird in der Mitteilung mit folgenden Worten zitiert: «Obwohl mir mein Entscheid nicht leicht gefallen ist, erfolgt er zu einem verantwortbaren Zeitpunkt. Die Fusion zur Finma konnte dank grossem Einsatz aller Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden. Ich bin überzeugt, dass sich die Finma unter ihrer starken Geschäftsleitung zielgerichtet weiterentwickeln und solide verankern wird.»

**«Enormer Einsatz»**
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Finma danken Haltiner für seinen «enormen Einsatz». Die Finma sei heute auf gutem Kurs, hält Finma -Direktor Patrick Raaflaub fest. Dies sei massgeblich das Verdienst von Haltiner. «Ich bedaure seinen Rücktritt ausserordentlich», wird Raaflaub in der Mitteilung zitiert.

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19. August 2010 | Finma-Präsident Eugen Haltiner tritt per Ende des Jahres zurück

Schaffhauser Nachrichten, Titelseite / Wirtschaft
sda

Der Entscheid zum Rücktritt sei ihm nicht leicht gefallen, erklärte der aus Schaffhausen stammende Haltiner. Er hinterlasse eine gut funktionierende Behörde. «Die Finma wird sich unter ihrer starken Geschäftsleitung zielgerichtet weiterentwickeln.» Haltiner trete auf eigenen Wunsch zurück, hiess es weiter. Der Schritt habe nichts mit der Kritik an seiner Person zu tun, hielt Finma-Sprecher Alain Bichsel fest.

Haltiner hatte 2006 das Präsidium der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) übernommen, nachdem er zuvor bei der UBS Mitglied des Group Managing Board gewesen war.

**Lob vom Finanzdepartement**
Als EBK-Präsident habe Haltiner wesentlich den Aufbau der Finma vorangetrieben, würdigte ihn das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD). Anfang 2009 übernahm Haltiner dann das Präsidium der Finma. Auch dank dem Finma-Präsidenten habe die Schweiz die Finanzkrise im internationalen Vergleich gut überstanden, schreibt das EFD. So hätten die Massnahmen zur Stabilisierung des Finanzplatzes Schweiz die hiesige Volkswirtschaft vor grossem Schaden bewahrt. Ins gleiche Horn blies die Bankiervereinigung: Sie würdigte unter anderem die Rolle der Finma beim Rettungspaket für die UBS im Oktober 2008. Über Haltiners Nachfolge will der Bundesrat im November entscheiden. Die Suche nach geeigneten Kandida-ten ist eingeleitet. Als mögliche Nachfolger werden der St. Galler Privat- bankier Konrad Hummler, der Genfer Privatbankier Ivan Pictet sowie Peter Siegenthaler, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, genannt. Finanz- und Wirtschaftspolitiker sind sich einig: Die Nachfolgerin oder der Nachfolger müsse Persönlichkeit und Rückgrat haben. Der neue Präsident der Finanzmarktaufsicht solle die Welt der Grossbanken kennen, ohne an ihrem Gängelband zu gehen.

**Kritik wegen UBS**
Im Gegensatz zum Lob nach der Rücktrittsverkündung steht die Kritik während Haltiners Amtszeit: Wegen seiner früheren Managerstellung bei der UBS kamen immer wieder Zweifel auf, ob er für die Aufsicht über die Banken geeignet sei. Für Unmut sorgte etwa die Tatsache, dass Haltiner parallel zur Tätigkeit bei der Finma eine Pension seines ehemaligen Arbeitgebers UBS erhielt. Vom Bund bezog er 320 000 Franken Lohn pro Jahr, wie dem Kaderlohnreport zu entnehmen ist. Er hatte sich 57-jährig als UBS-Topmanager frühpensionieren lassen.

**Zu wenig Druck ausgeübt**
Während der UBS-Steueraffäre musste sich der ehemalige Bankier wiederholt den Vorwurf der «mangelnden Distanz» gefallen lassen. Links- wie Rechtsparteien, aber auch Kleinaktionäre der UBS gehörten zu den Kritikern. Auch der Bundesrat ermahnte Haltiner und die Schweizer Bankenaufsicht: Die EBK habe vor und während der Finanzkrise zu wenig Druck auf die UBS ausgeübt, bilanzierte die Landesregierung im vergangenen Mai.

**Umstrittene Herausgabe von Daten**
Kritik brachte Haltiner auch die Herausgabe von UBS-Kundendaten an die USA ein. Das Bundesverwaltungsgericht kam zum Schluss, dass diese rechtswidrig war. Von verschiedenen Seiten wurde deshalb im Januar der Rücktritt des Finma-Präsidenten gefordert. Haltiner sagte damals, er sei bis Ende 2011 gewählt. «Selbstverständlich erfülle ich meine Aufgabe nur, wenn ich das Vertrauen des Bundesrats habe», fügte er an. Den Vorwurf des rechtswidrigen Vorgehens wies Haltiner zurück.

**Strafanzeige von US-Kunden**
Juristisch liegt der Ball beim Bundesgericht: Die Finma zog das Urteil weiter. Die Richter in Lausanne müssen nun entscheiden, ob die Finma die Auslieferung von rund 300 UBS-Kundendaten an die US-Behörden anordnen durfte. Hängig ist auch eine Strafanzeige gegen die Finma und Haltiner. Sie wurde von Anwälten eingereicht, die US-Kunden der UBS vertreten. Die Bundesanwaltschaft hat Vorabklärungen eingeleitet. Ein Strafverfahren wurde bislang nicht eröffnet. (sda)


**Haltiner-Rücktritt Politiker wünschen sich einen zweiten Philipp Hildebrand**

Haltiners Nachfolger soll zwar von Banken etwas verstehen, aber nicht von einer Grossbank kommen, sagte Hans Geiger, emeritierter Professor am Institut für schweizerisches Bankenwesen, gestern. Geiger empfiehlt darum einen Privatbankier für das Finma-Präsidium: «Das sind keine angestellten Manager, sondern sie tragen Verantwortung», sagte er.
Vom Finma-Präsidenten erwarte man profunde Kenntnisse vor allem der Grossbanken, wodurch Leute aus deren Dunstkreis bei der Nachfolge automatisch im Vordergrund stünden, sagt dagegen der Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof. Der Schlüssel liegt für ihn in der Persönlichkeit. Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand etwa habe gezeigt, dass man sich vom Einfluss der Banken lösen könne. «Eine solche Persönlichkeit schafft Vertrauen gegenüber der Bevölkerung, aber auch gegenüber den Banken», sagte Bischof.

**Beim Lohn gibt es ein Problem**
Gleich tönt es bei Wirtschaftspolitikern der anderen Bundesratsparteien. FDP-Nationalrat Philipp Müller weist jedoch auf das Problem der Entlöhnung hin. Einem Wunschkandidaten, der die «Tricks dieser Herrschaften» kenne und trotzdem unabhängig sei, müsse man einen Vertrag mit langfristigen Perspektiven und einen sehr guten Lohn anbieten können. Auch dann werde das Salär noch unter dem liegen, was sich in der Privatwirtschaft verdienen lasse. Darum brauche es jemanden, der Freude an dem Job habe.

**Biss gegenüber Banken und Politik**
Auch Hansruedi Wandfluh, Präsident der nationalrätlichen Wirtschaftskommission, nennt Fachwissen und Unabhängigkeit als wichtigste Anforderungen an den Haltiner-Nachfolger. «Es braucht jemanden, der sich gegenüber den Banken, wenn nötig aber auch gegenüber der Politik, durchsetzen kann», sagte der Berner SVP-Politiker. Für SP-Nationalrat Roger Nordmann kommt die Unabhängigkeit noch vor der Fachkompetenz. Der Finma-Präsident müsse die Branche zwar gut kennen, Bankenspezialist müsse er aber nicht unbedingt sein, sagte der Waadtländer. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse betont neben dem Praxisbezug die Bedeutung der internationalen Vernetzung des Finma-Präsidenten. So könne der Präsident einen international guten Ruf der Finma gewährleisten, sagte Geschäftsleitungsmitglied Thomas Pletscher. (sda)

**Kommentar**

**Er war einer der Retter der UBS**

*Von Hans Wicki*

Endlich, dürfen die Kritiker von Eugen Haltiner zu seinem Rücktritt als Präsident der Finanzmarktaufsicht Finma sagen. Eigentlich schade, denn er hat einen guten Job gemacht, heisst es dagegen aufseiten der Befürworter. Und der Mann, der in den vier Jahren seiner Tätigkeit, erst als Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission und dann der Finma, so viel Lob wie Tadel auf sich gezogen hat, wird mit der Reaktion beider Seiten leben.
Zuerst zum Vorwurf, er habe zeit seines Wirkens der UBS zu nahe gestanden. Er hat es in der Grossbank zum Top-Manager gebracht und galt als ausgewiesener Kenner des Bankenwesens. Dass er wegen dieser Qualifikation den Bundesjob angetragen erhielt, darf deshalb nicht erstaunen. Und er ist, wenn es die Situation erforderlich machte, in den Ausstand getreten. Vielleicht hat gerade die gescholtene Nähe dazu beigetragen, dass er in der UBS-Krise erstaunlich kaltblütig handeln konnte. Mit der Herausgabe der umstrittenen Kundendaten trug er mass- geblich dazu bei, dass der Grossbank nicht nur ein Rattenschwanz von Klagen erspart blieb, sondern dass sie das US-Geschäft weiter betreiben kann und somit sich wieder erholen konnte. Dass Haltiner dabei mit Zustimmung des Bundesrates – man kann auch sagen auf dessen Befehl – handelte, muss im Nachhinein als mutig betrachtet werden. Mittlerweile ist die UBS wieder so stark, dass sie die an die Nationalbank abgetretenen toxischen Papiere zurückkaufen würde – so die SNB dies zuliesse. Doch die Zinsen bessern die SNB-Bilanz auf und sichern die Kantonsbeiträge.

#Notizen zu Namen

19. August 2010 | Zum Tod des Althistorikers Peter Frei

Neue Zürcher Zeitung; Ausgaben-Nr. 191; Seite 14; Zürich und Region
Thomas Ribi (rib)

Was kann man über vergangene Epochen wirklich wissen? Peter Frei hätte die Frage zurückhaltend beantwortet. Als Althistoriker, der seine Informationen aus einem Trümmerfeld oft zufällig überlieferter Zeugnisse gewinnen musste, mahnte er stets zu Skepsis. Zugleich aber beharrte er darauf, dass eine sorgfältige Lektüre und Interpretation der Quellen zu konkreten, gesicherten Ergebnissen führen kann. Und er zeigte seinen Studierenden an der Universität Zürich in Vorlesungen und Seminarübungen immer wieder exemplarisch, in welchem Spannungsfeld die Geschichtswissenschaft steht: auch unscheinbare Quellen wie Grabinschriften, Lagerlisten oder Verwaltungstexte in sorgfältiger Lektüre zum Reden zu bringen – ohne mehr in sie hineinzuinterpretieren, als sie hergeben können.

**Klassische Antike und Orient**
Peter Frei, der am 7. August gestorben ist, suchte den Zugang zur alten Welt vor allem über deren schriftliche Hinterlassenschaft. Mit dem Studium der Klassischen Philologie, der Indogermanistik und der Alten Geschichte hatte der 1925 Geborene dafür eine solide Basis gelegt. Schon früh richtete er den Blick über die «klassische Antike», über Griechenland und Rom hinaus. Die Kulturen des alten Orients, die Völker des Alten Testaments, die Grossreiche der Hethiter, Perser und Assyrer und die Völker Kleinasiens waren es, die er in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte.
Voraussetzung dafür war vor allem die umfassende Kenntnis der Sprachen des antiken östlichen Mittelmeerraums. Das Hethitische, das Akkadische, das Aramäische, das Hebräische und die kleinasiatischen Idiome: Peter Frei verband die Kenntnis der Sprachen und ihrer linguistischen Grundlagen mit einem klaren Blick für historische Zusammenhänge, was ihn unter Fachkollegen zu einem Ratgeber machte, dessen Urteil man vertraute. In interdisziplinären Lehrveranstaltungen mit Vertretern der alttestamentlichen Wissenschaft, der Orientalistik oder der Byzantinistik galt seine Aufmerksamkeit besonders den Wechselwirkungen zwischen den Grossreichen und den Randkulturen der alten Welt. In einer kürzlich erschienenen Monografie zur Geschichte des antiken Kleinasien hat Peter Frei die Summe seiner Beschäftigung mit dem Hethiterreich, mit den Lykiern, Phrygiern, Lydern und anderen Völkern zwischen Mesopotamien und der Ägäis so knapp wie eindringlich zusammengefasst.

**Lehren und Erfahren**
Generationen von Historikern hat Peter Frei an der Universität Zürich von 1968 bis 1993 mit den Grundlagen der Alten Geschichte vertraut gemacht. In langjähriger Feldforschung widmete er sich daneben der Edition antiker und byzantinischer Inschriften aus West-Kleinasien – ein Unternehmen, an dem er mit seiner Frau bis zu seinem Tod arbeitete. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit setzte sich Frei zudem in universitären Gremien und als Erziehungsrat für die Universität ein. Schliesslich führte er auf Studienreisen regelmässig Studentengruppen in den Vorderen Orient, vor allem in die Türkei. Vieles von dem, was in Seminaren und Kolloquien anhand von Texten behandelt worden war, bekam da in der Landschaft ein konkretes Gesicht. Wer je mit Peter Frei gereist ist, hat auch das gelernt: dass sich manches nicht lehren, sondern nur erfahren lässt.

#Allgemeines

17. August 2010 | «Einen Weidling zu bauen, ist spannend»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Alfred Wüger

Auf dem Gelände der Firma Kohler in Thayngen kurvt ein Mitarbeiter, der ein Liedchen pfeift, um die Bretterstapel. Es ist Beat Kuhn. «Ja», wird er später sagen, «wir sind ein zufriedenes Völklein hier.»

Als Erstes führt er uns in die «Werft», das ist der Bereich der Zimmerei, wo die Weidlinge gebaut werden. Ausserdem sind ein Schreiner und ein Schlosser eingemietet. Beat Kuhn: «Wir sind eine Hallengemeinschaft.» Die Zimmerei Kohler ist der einzige Betrieb in der Region, der Stachelweidlinge herstellt, und zwar nur Stachelweidlinge. «Wir haben diesen Betriebszweig von Peter Wanner übernommen.» Peter «Peti» Wanner ist unter Weidlings- und Rheinenthusiasten eine bekannte Grösse. Vor rund 20 Jahren baute er seinen ersten Weidling – Beat Kuhn: «Damals tat das in der Region keiner mehr» –, und danach bekam er Aufträge, und das Geschäft wuchs. Peter Wanner zog es dann in die Welt hinaus, und er verkaufte sein Know-how an die Zimmerei Kohler, deren Chef, Urs Kohler, auch ein begeisterter Weidlingfahrer ist, und so übt Beat Kuhn dieses Handwerk nun seit rund neun Jahren aus. «Ich mache das megagern, einen Weidling zu bauen. Das ist Handwerk, da braucht man auch einmal einen Stechbeitel. Und Augenmass! Es ist eine spannende Arbeit.»

**Mehrheitlich aus hiesigem Holz**
Eine Sägerei aus Wilchingen liefert das gut gelagerte Holz. Zehn Meter lange Bretter. Die Bäume wachsen in Beggingen. Der Boden und die Seitenwände des Weidlings werden aus Tannenholz gefertigt und die Bretter mit Hilfe von Schablonen zugeschnitten. «Dann werden die Bodenbretter nach oben gebogen, in Form gepresst und mit den Spanten und den Seitenbrettern verschraubt.» Das werde nur mit Kraft, ohne Dampf, gemacht, sagt Beat Kuhn. Fast 1000 Schrauben würden für ein einziges Boot verwendet. Dann sind da noch die charakteristischen Bänder, die mit einer Art Riesenbostitchklammern festgemacht sind. «Die Bretter liegen mit angeschrägten Kanten aneinander, und unter dieser schmalen Trapezleiste befindet sich eine Gummidichtung.» Die ersten drei Jahre ist ein Weidling dicht, danach muss er vor dem Einwassern jeweils verschwellt werden. Wenn wir das fertige Schiff auf dem Bock in der «Werft» der Zimmerei Köhler genau betrachten, sehen wir verschiedene Farben, obwohl es nicht bemalt ist. Das Tannenholz der Seitenwände und des Bodens hat einen Grünstich. «Das Holz», sagt Beat Kuhn, «ist wie die Telefonmasten gegen Fäulnis druckimprägniert.» Die festgetackerten Leisten sind rötlich: Lärchen- oder Douglasienholz. Die Scheuerleiste oben ist ebenfalls rötlich und ganz glatt. «Das ist afrikanisches Sipo, das einzige exotische Holz, das wir verwenden. Es gibt keine Spiesse, und an dieser Kante hält man sich ja oft fest.» Und dann gibt es noch die beiden «Scho» genannten Hölzer vorne und hinten, wo die Ringe für die Ketten eingelassen sind. Sie sind, wie die Spanten, aus Eiche. Vier Holzarten sind es also, aus denen ein Weidling gebaut wird.

**Unikate trotz Schablone**
Und obwohl die Zimmerei Kohler nur ein einziges Modell herstellt, und das erst noch mit Schablonen, ist jedes Boot anders. Eine Woche dauern die Vorbereitungsarbeiten, und eine weitere muss man rechnen, bis der Weidling fertig zusammengesetzt ist. Dann ist er 350 Kilogramm schwer, 9,2 Meter lang, am Boden 86 cm breit, und von Scheuerleiste zu Scheuerleiste sind es 1,50 Meter. Kostenpunkt: knapp 10 000 Franken, Lebensdauer: 15 bis 20 Jahre.
Jetzt hat man zwar ein Schiff, aber fahren könnte man damit nicht. Es fehlt das Zubehör. Neben Kette, Anker, Brettern zum Anlehnen, Lampen – all das kriegt man auch bei Kohler – insbesondere Stachel und Ruder. «Stellen Sie die auch her?» – «Die Stachel kaufen wir ein», sagt Beat Kuhn, «und zwar in der Kistenfabrik Muothathal.» Früher seien die Pontoniere des Militärs Hauptabnehmer gewesen, und da habe es auch in Mannenbach am Untersee einen Hersteller gegeben. Die Ruder würden sie in der «Werft» selber verleimen. «Konrad Trümpler fräst sie dann aus. Er ist eigentlich Pilot und macht das zum Ausgleich.» Auch Kinderruder haben die Thaynger Weidlingsbauer im Angebot. Damit sich früh üben kann, wer ein Meister werden will. Denn das «Schwellen», wie die charakteristische Bewegung mit dem Stehruder genannt wird, mit der man das Boot in der Flussmitte manövriert, sei gar nicht so einfach. Beat Kuhn weiss es, obwohl er selber kein Weidlingfahrer ist. «Wir hatten keinen Weidling, und so bin ich nicht damit aufgewachsen. Ich fahre sehr gerne mit, aber sonst baue ich sie lieber und gehe schwimmen.»


**Zur Person**

Ausbildung
Beat Kuhn wuchs in Neuhausen auf und lebt seit 20 Jahren in Schaffhausen. Nach der Sekundarschule lernte er – Sohn eines Schreiners – Zimmermann. «Ich liebe meinen Beruf.»
Freizeit
Nein, lacht Beat Kuhn, einen eigenen Weidling habe er nicht. «Ich fahre lieber mit und gehe an den Rhein, um zu baden.» Er ist Vater von drei Kindern. «Da bin ich ausgelastet.» Die Familie ist gerne draussen in der Natur, geht mit in die Jungwacht/Blauring-Lager, um zu kochen, Skifahren ist wichtig, und wenn es ums Lesen geht, schlägt Beat Kuhn gerne die «WOZ» auf.
Meine Stärke
«Ich habe recht viel Ausdauer, wenn es sein muss.» Er zögert. «Man spricht nicht gerne über die Stärken, oder?»


**Frisch von der Leber weg – Sieben Fragen zu Sinn und Glück im Leben**

Interview Alfred Wüger

*Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?*
Beat Kuhn: Ich würde immer noch gerne Dachstühle und Weidlinge bauen. Ich habe gefunden, was ich haben muss.

*Waren Sie ein guter Schüler?*
Vielleicht wäre ich besser ge-wesen, wenn ich für die Schule mehr Zeit gehabt hätte. Ich streifte schon damals lieber im Wald herum, als drinzusitzen.

*Was waren Ihre Lieblingsfächer?*
Rechnen, Geometrie, Biologie, Geografie.

*Was ist für Sie Glück?*
Die Familie und dass es so ist, wie es ist. Auch bei der Arbeit. Wir sind ein zufriedenes Völkchen hier.

*Was wünschen Sie den Menschen allgemein?*
Mehr Ruhe und weniger Hektik. Was man heute nicht erledigen kann, das erledigt man eben morgen.

*Was würden Sie niemals in Ihrem Leben tun?*
Wenn es zu umgehen ist in meinem Leben, dann möchte ich nicht in einem Büro arbeiten. Die Freiheit auf dem Bau und in der Werkstatt ist gross. Wir haben Eigenverantwortung und können vieles selber entscheiden.

*Haben Sie Haustiere?*
Nein, das haben wir nicht. Drei Kinder reichen.

#Allgemeines

17. August 2010 | Seit 211 Jahren frei und unabhängig

Schaffhauser Bock
Marcel Tresch

Seit mehr als zwei Jahrhunderten wird in der Munotstadt bestes Bier gebraut. Für das Traditionsunternehmen eine Ehrensache, dass Braumeister Oskar Dommen seit 1984 persönlich die hochstehende Qualität der Zutaten, der Produktion und des Bieres ganz persönlich überprüft. Die Brauerei ist eine besondere Kunst, die ein feines Gespür, ein enormes Fachwissen, ein besonderes handwerkliches Geschick sowie die Liebe zum Beruf erfordert. Dabei ist die fachspezifische Erfahrung eines erstklassigen Braumeisters durch nichts zu ersetzen. Das äusserst beliebte Falken-Bier aus dem Fulachtal wird seit 1984 von Oskar Dommen gebraut, wobei er die Rohstoffe sorgfältig auswählt, die Rezeptur behutsam abstimmt und eine exakte Steuerung der Brauvorgänge sicherstellt. «Das sind äusserst wichtige Vorgänge», so der Braumeister, «damit das Bier jederzeit gleich gut schmeckt.» Darin liegt auch eines der Geheimnisse begründet, dass die Schaffhauser Brauerei seit 1799 bewahren konnte, was einen guten Gerstensaft ausmacht: Eigenständigkeit und Geschmack. Auf das Erstere ist das Traditionsunternehmen in einem weitern Sinn mit Recht stolz. Trotz Wirtschaftskrisen, Weltkriegen, Konkurrenzkämpfen, Brauereiübernahmen durch nationale und internationale Grosskonzerne, gesellschaftlichem und technologischem Wandel ist die Brauerei Falken seit 211 Jahren unabhängig geblieben. Und so soll es auch in Zukunft bleiben. Für das Schaffhauser Unternehmen geht es nicht immer nur um Profite, sondern in erster Linie um ein Stück Lebensqualität, die wiederum eine Haltung gegenüber der Braukunst ist, die sich direkt auf das Produkt überträgt. Damit ist ein weiteres Geheimnis gelüftet: das Geheimnis der Gelassenheit ohne Hektik, oder wie es der Slogan einschlägig ausdrückt: «Viel Zeit für ein gutes Bier.»

**Freiheit, Selbstständigkeit und Stolz**
Die Anfänge der Schaffhauser Traditionsbrauerei gehen auf das Jahr 1799 zurück. Damals wurde das Bier im Haus «Zum Zedernbaum» gebraut. Der Ausschank aber erfolgte in der Liegenschaft «Zum grossen Falken» an der Vorstadt. Damit ist auch die Namensgebung und der geläufige Begriff «Falken-Bier» erklärt und begründet. Der Falke steht auch im Firmenlogo ganz klar im Vordergrund. Der Greifvogel verkörpert schliesslich, was dem Unternehmen äusserst wichtig ist: Freiheit, Unabhängigkeit sowie der Stolz auf ein wirklich gutes Bier. Als 1895 die eidgenössische Postverwaltung den «Zedernbaum» erwarb, siedelte die Brauerei drei Jahre später in die neuerstellten Räumlichkeiten im Fulachtal am heutigen Standort über. Seither hat der Betrieb, der derzeit über 70 Angestellte beschäftigt, sämtliche Höhen und Tiefen erlebt. Dennoch konnte sich die Schaffhauser Brauerei auf dem sich stets verändernden Schweizer Biermarkt behaupten sowie die angestrebte Eigenständigkeit wahren. Im konsequent modernisierten und den neuesten Anforderungen angepassten Fachbetrieb werden heute täglich 46 000 Liter Bier gebraut, während zwölf bis 15 Wochen in 95 Lagertanks mit einem totalen Fassungsvermögen von 2,3 Millionen zwischengelagert und danach in der vollautomatischen Füll- und Verschliessungsanlage in 24 000 Flaschen pro Stunde abgefüllt. Der Gesamtgetränkeverkauf liegt bei zehn Millionen Litern. Ein Betriebsrundgang bringt für Laien Erstaunliches zu Tage. Moderne Betriebsanlagen gewährleisten eine hochstehende Bierqualität. Zudem überraschen die Dimensionen und Ausmasse der Brauerei. Neben der angesprochenen Tagesproduktion und dem hohen Lagervolumen verfügt der Betrieb zum Beispiel auch über Silos für 2600 Tonnen Malz, das einem Zweijahresbedarf entspricht. Zudem sorgen rund 20 Fahrzeuge in verschiedensten Grössen für einen reibungslosen Lieferservice in den Hauptabsatzgebieten der Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich. Neben dem eigenen Produkt bietet die Brauerei den Service eines Voll-Getränkesortimenten-Lieferanten – unter anderem in den eigenen Getränkemärkten Schaffhausen und Stein am Rhein – an. Innovationen und Trends sorgen zudem für eine Vielfalt an verschiedenen Bieren. Neben dem traditionellen Falken Lager hell und dunkel sind auch Edelfalke, Falken Prinz, Munot-Weizen, Falken Panaché, Falken Alkoholfrei, Zwo Acht mit reduziertem Alkoholgehalt, Falken Festbier, Falken Eidgenoss, First Cool und anderes mehr erhältlich.

**Die Braumeister der Brauerei Falken seit 1898:**
• 1898–1938 – Karl Binder
• 1936/38–1945 – Fritz Kutter
• 1945–1951 – Hans Locher
• 1951–1959 – Aristide Juillerat
• 1959–1971 – Fritz Cambensy
• 1971–1984 – Hans Sonderegger
• seit 1984– Oscar Dommen


Ein Blick in den Betrieb der Schaffhauser Brauerei Falken AG zeigt Interessantes.


Die Flaschen-Reinigungs-Maschine hat eine Leistung von 24 000 Flasche pro Stunde.


Braumeister Oskar Dommen überprüft seit 26 Jahren die Qualität der Falken-Biere.


Erfolgreich: GL Markus Höfler, VR-Präsi Jürg P. Spahn, VR-Vize-Präsi Philipp Moersen (v.l.).


Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit.

#Notizen zu Namen

13. August 2010 | Die Kandidaten kreuzen die Klingen

Schaffhauser Nachrichten, Region
Interview Zeno Geisseler und Erwin Künzi

*Meine Herren, wechseln wir zu Beginn mal die Rollen. Sie sind für die nächsten fünf Minuten nicht Kandidat, sondern Wahlkampfmanager Ihres Kontrahenten. Also: Ernst Landolt, warum sollen wir Matthias Frick in den Regierungsrat wählen?*

Ernst Landolt: Matthias Frick ist jung und unverbraucht. Er hat keine politischen Altlasten und kann unbelastet in diesen Wahlkampf gehen. Als Wahlkampfmanager würde ich zudem herausstreichen, dass Frick, obwohl er links steht, vom Land kommt, also eigentlich aus den Stammlanden der SVP. Das ist aussergewöhnlich.

*Matthias Frick, wie verkaufen Sie als temporärer Kampagnenleiter Ernst Landolt?*

Matthias Frick: Ernst Landolt ist ein Kandidat der SVP, wie man sie gerade auf nationaler Ebene weniger kennt. Er ist zum Bespiel offen gegenüber erneuerbaren Energien. Und er getraut sich, eine eigene Meinung zu haben, die vom Kurs der nationalen Mutterpartei abweicht. Ich sehe ihn fast ein wenig als Vertreter der BGB (Bauern-, Gewerbeund Bürgerpartei, einer Vorgängerin der SVP, Red.).

*Sie beide bringen einen unterschiedlich gefüllten politischen Rucksack mit. Ernst Landolt sass zehn Jahre im Gemeinderat von Rüdlingen, hat also Exekutiverfahrung. Matthias Frick sitzt im Kantonsrat. Was ist wichtiger?*

Landolt: Ich sehe es nicht als Nachteil an, den Ratsbetrieb nicht aus erster Hand zu kennen. Mit Rosmarie Widmer Gysel und Erhard Meister haben wir derzeit auch zwei Regierungsräte, die vorher nicht im Parlament waren. Und Reto Dubach war kein Kantonsrat, sondern Staatsschreiber.

Frick: Es ist ganz klar ein Vorteil, dass ich den Kantonsrat und die Kommissionsarbeit aus erster Hand kenne. Was man aus der Zeitung erfährt, ist nicht das Gleiche, wie wenn man selbst im Rat sitzt und mitdiskutiert.

Landolt: Gut, aber so lange sitzt du auch noch nicht im Kantonsrat. Wir sprechen von anderthalb Jahren. Im Übrigen bin ich Mitglied der Schweizerischen Landwirtschaftskammer, des nationalen Parlaments der Landwirtschaft. Auch da muss man Mehrheiten finden, Kommissionsarbeit leisten, ich bin also nicht ganz ohne Parlamentserfahrung.

*Sie, Herr Frick, kandidieren ohne jegliche Exekutiverfahrung für das höchste Exekutivamt im Kanton. Das sind nicht gerade ideale Voraussetzungen.*

Frick: Jeder Exekutivpolitiker hatte irgendwann seinen ersten Arbeitstag im Amt. Keiner wurde als Gemeinderat oder Regierungsrat geboren. Ernst Landolt wurde seinerzeit als Gemeinderat auch ins kalte Wasser geworfen.

*Kommen wir zu den Sachthemen. In der Stadt Schaffhausen wird über eine massive Steuersenkung abgestimmt. Unterstützen Sie diese Vorlage?*

Landolt: Aus dieser Diskussion halte ich mich heraus. Ich komme aus Rüdlingen und masse mir nicht an, mich in eine städtische Vorlage einzumischen. Umgekehrt hätte ich das auch nicht gern.

*Dann fragen wir ganz grundsätzlich: Sind Steuersenkungen gut?*

Landolt: Ich bin gegen unbedarfte Steuersenkungen um jeden Preis. Ich sehe auf Kantonsebene zwar durchaus noch Potenzial, insbesondere bei den Unternehmenssteuern. Aber der Kanton muss seine Aufgaben wahrnehmen können und die Infrastruktur in Schuss halten. Dazu braucht er Steuereinnahmen. Das gilt auch für eine Gemeinde. Sind alle Strassen voller Schlaglöcher, wird die Gemeinde nicht attraktiver, wenn die Steuern sinken, dafür aber Geld für die Infrastruktur fehlt.

*Matthias Frick, Sie wohnen auch nicht in der Stadt. Haben Sie trotzdem eine Meinung zu den Steuersenkungen?*

Frick: Natürlich. Ich bilde mir auch ein Urteil, wenn in Amerika ein neuer Präsident gewählt wird, und ich bin überzeugt, dass selbst Ernst Landolt dazu eine Meinung hat, die er auch kundtut. Aber zur Steuervorlage: Sie will die Steuern um 15 Prozent senken, und das ist überhaupt nicht durchdacht.

*Warum nicht?*

Frick: Die jungfreisinnigen Initianten sollen bitte mal zeigen, wo sie wirklich sparen wollen. Wenn der Stadtrat keine USM-Haller-Möbel mehr kaufen darf, ist das ja schön und gut. Aber damit spart man vielleicht 10 000 Franken. Bis zu den geplanten 15 Millionen Franken Einsparungen ist es noch ein weiter Weg. Ohne Stellenabbau wird das nicht gehen, und das unterstütze ich nicht.

*Eine wichtige Aufgabe der Regierung ist es, optimale Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. Was heisst das aus Ihrer Sicht?*

Landolt: Das ist eine Kernaufgabe, und das ist auch mein Ziel, deshalb sehe ich ja bei den Unternehmenssteuern noch Potenzial. Das hilft, neue Unternehmen anzusiedeln.

Frick: Ich bin auch für die Ansiedlung neuer Firmen. Aber nicht um jeden Preis. Wir müssen selektiv vorgehen. Nur Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und umweltfreundliche Produkte herstellen, sollen bei der Ansiedlung unterstützt werden.

Landolt: Wir haben bereits viele Gesetze und Verordnungen, an die sich die Unternehmen halten müssen. Keine Firma kann einfach schalten und walten, wie sie will. Wenn wir weitere Hürden aufstellen und höhere Auflagen schaffen, dann werden die Firmen einfach nicht mehr zu uns kommen.

Frick: Die Zahl der potenziellen Firmen wird sich zwar verringern. Wenn wir uns aber auf die kleine Gruppe nachhaltiger Unternehmen fokussieren, können wir diese dafür umso stärker fördern.

Landolt: Kannst du mir eine einzige Firma nennen, die in den letzten zehn Jahren angesiedelt wurde, die wir nicht hätten holen sollen?

Frick: Ich rede von der Zukunft. Und hier brauchen wir genaue Vorgaben und müssen uns konsequent der Nachhaltigkeit verpflichten.

*Das ist ein gutes Stichwort: Wie stark soll die Landschaft geopfert werden, um alternative Energien zu nutzen, etwa Windturbinen auf dem Randen?*

Frick: Die Landschaft ist schon jetzt stark von den Menschen geprägt. Wir haben keine unberührten Urwälder mehr, das ist alles Kulturland. Windräder am Horizont können durchaus einmal als schön, natürlich oder heimatlich betrachtet werden, genauso wie die in Reih und Glied angeordneten Tannenwälder. Deshalb finde ich es nicht so schlimm, wenn wir Windräder auf den Randen stellen.

*Mit der gleichen Logik könnte man auch eine Autobahn durchs Klettgau befürworten.*

Frick: Rein vom ästhetischen Standpunkt her schon. Aber nachhaltig wäre das nicht. Ein Windrad schon. Das besteht im Wesentlichen aus einem Betonsockel und einem Stahlturm. Diese Anlage kann man leicht wieder entfernen.

Landolt: Der Kanton muss die erneuerbaren Energien so stark wie möglich nutzen und fördern. Ich sehe Potenzial im Holz – Schaffhausen ist ein Waldkanton –, in der Sonnenenergie, im Biogas und im Wasser. Wenn der Rhein ohne negative Folgen für die Umwelt etwas mehr gestaut werden könnte, sollte man das tun. Wind ist durchaus ein Thema. Wichtig ist, alle Energieformen zusammen zu betrachten.

*Am Anfang des Gesprächs mussten Sie Werbung für Ihren Gegner machen, jetzt dürfen Sie sich selbst verkaufen. Also: Warum sollen die Bürger gerade Sie in den Regierungsrat wählen?*

Frick: Die Gesamtbevölkerung sollte in der Regierung besser repräsentiert werden. Ich bin ein Vertreter der jungen Generation. Und ich bin der Kandidat, der sich konsequent für die Nachhaltigkeit einsetzt. Ich bin für ein gerechtes Steuersystem, das die Nichtprivilegierten privilegiert. Die Abgabenlast für die Normalverdiener muss gesenkt werden. Ich befürworte den Steuerwettbewerb nur bis zu einem gewissen Grad, weil zu drastische Senkungen grosse Nachteile mit sich bringen. Deshalb wäre ich der ideale Kandidat für den Regierungsrat.

Landolt: Unser Kanton hat noch viel Potenzial, und ich werde meinen Beitrag dazu leisten, dieses Potenzial zu nutzen. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass unsere Wirtschaft optimale Rahmenbedingungen hat, dass Arbeitsplätze geschaffen und nicht abgebaut werden. Weiter möchte ich, dass unser Kanton attraktiver für Zuzüger wird. Zentral ist der Erhalt einer hohen Lebensqualität, wichtig ist aber auch ein gesundes Augenmass bei der Steuerbelastung. Nicht zuletzt brauchen wir gute Verkehrsverbindungen. Und – das ist ganz wichtig: Das urbane Zentrum des Kantons und die Landschaft müssen gleich behandelt werden, gerade auch bei der Wirtschaftsförderung.

#Notizen zu Namen

13. August 2010 | Grosser Bahnhof für die Weltmeister

Schaffhauser Nachrichten
(hcs.)

Wer sich am Donnerstag kurz vor 19 Uhr dem Bootshaus des Ruderclubs Schaffhausen näherte, der spürte, hier muss etwas Grosses los sein. Zum einen waren viel mehr Leute in Langwiesen als sonst, und zum anderen hing eine Blache «Alex + Markus – Weltmeister herzlich willkommen» über dem Eingang, und es war aufgedeckt zum von Kanton und Stadt gesponserten Apéro. Als RCS-Präsident Christian Rohr seine Begrüssungsansprache begann, waren Regierungsrat Christian Amsler, Stadtrat Peter Käppler, der Feuerthaler Gemeindepräsident Jürg Grau, Kantirektor Urs Saxer und die beiden Ruder-Weltmeistern von 1982, Stephan Netzle und Konrad Trümpler an Prominenz anwesend.

Sie wollten alle den Schaffhauser U-19-Weltmeistern die Ehre erweisen. Solche Feste sind selten genug, zum letzten Mal war das bei Netzle/Trümpler vor 28 Jahren der Fall. Superlative wie «Sie haben alle deklassiert», «a historic moment» oder «a piece of magic, das seid ihr sicher» waren in der Rede von Clubpräsident Christian Rohr gewiss nicht übertrieben. «Ihr habt auch hart gearbeitet dafür», betonte er, «die sieben wöchentlichen Trainings im Winter habt ihr auf zehn gesteigert. In den vier Wochen vor dem Anlass in Sarnen war es mit euren welschen Bootskollegen sogar dreimal täglich.» Dem gebührt grosse Anerkennung. Rohr hob mit Manuel Studach, der die beiden über 195 cm grossen Talente als Erster förderte, Roland Altenburger, der ihnen mit Markus Handschin zusammen den Feinschliff verpasste, und Nationaltrainer Simon Cox das Trainerteam wie auch die Familien, die hinter diesem tollen Erfolg stünden, hervor. In der Folge lobten die Behördenvertreter Christian Amsler («Ihr seid wichtige Botschafter für die Region») und Peter Käppler die Weltmeister, Amsler übergab ihnen zwei Aufkleber «Das kleine Paradies» fürs Boot und mit Käppler einen gemeinsamen Check über 1000 Franken. Jürg Grau, Präsident der kleineren RCS-Bootshaus-Standortgemeinde, war mit Bargeld gekommen. Zum Schluss dankte Markus Kessler allen, aber besonders ihren Trainern für die grosse Unterstützung. Das Schlusswort gehörte dem Kantischüler Alex Plüss: «Ich danke der Kanti Schaffhausen, die mir das mit ermöglicht hat. Es gibt vielleicht bessere Bedingungen, aber es macht mich sehr stolz, für die Schweiz zu rudern.»



Aus den Händen des Schaffhauser Regierungsrates Christian Amsler nehmen Markus Kessler und Alex Plüss (r.) den gemeinsamen Check des Kantons und der Stadt Schaffhausen, vertreten durch Stadtrat Peter Käppler (l.), entgegen.
Bilder H. C. Steinemann

#Notizen zu Namen

12. August 2010 | Ein Achtungserfolg für Matthias Frick? – Die Regierungsratsersatzwahl vom 29. August ist praktisch schon entschieden

Schaffhauser AZ, Kanton
Bernhard Ott

Das ist nicht zuletzt die Folge der klugen Nomination der SVP. Als Nachfolger für den per Ende 2010 zurücktretenden Erhard Meister hat sie keinen Hardliner, sondern den vergleichsweise grünen Bauernsekretär und Landwirt Ernst Landolt aufgestellt, der auch bei anderen Parteien geschätzt wird. Landolt polarisiert nicht, darum wird es der SVP leicht fallen, den frei werdenden Sitz zu behaupten.
Die Nomination Landolts war einer von diversen Gründen, warum die SP auf eine eigene Kandidatur verzichtete. Hätte die SVP einen «Fundi» präsentiert, wäre die Ausgangslage wohl anders gewesen. Aber noch ein anderer Grund sprach gegen eine eigene Kandidatur: Die SP vertritt nach wie vor den Anspruch, aufgrund ihres Wähleranteils stünden ihr zwei Sitze im Regierungsrat zu. Sie konnte darum die SVP als wählerstärkste Partei nicht mit einer anderen Elle messen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Linke nun einfach geschlossen den Namen Landolt auf den Stimmzettel schreiben wird. Mit Matthias Frick von der AL steht eine Alternative zur Verfügung, die die Wahl im Schlafwagen verhindert. Matthias Frick ist zwar mit seinen 24 Jahren noch eindeutig zu jung und zu unerfahren für ein Regierungsamt, aber dass er und seine Partei sich trotz geringer Erfolgsaussichten engagieren, verdient Respekt – und einen Achtungserfolg an der Urne.
Mit der Wahl des AL-Kandidaten können wir demonstrieren, dass wir uns mittelfristig eine andere Zusammensetzung der Schaffhauser Regierung wünschen, eine, die das effektive Gewicht der politischen Lager besser repräsentiert als heute. Nicht wählen zu gehen oder leer einzulegen, ist zwar auch eine Möglichkeit, diese Varianten sind aber weniger aussagekräftig als ein gutes Wahlergebnis für Matthias Frick.

#Alt-Scaphusia

11. August 2010 | Herbert Lempen olim Calm

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Herbert Lempen olim Calm
lic. oec. HSG
Generation 1959

in Kenntnis zu setzen.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 25. August 2010 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 18. August 2010 um 13.30 Uhr in der Kapelle des Waldfriedhofs statt.

#Notizen zu Namen

9. August 2010 | Sensationelle U-19-Ruderer holen Gold

Schaffhauser Nachrichten
(hcs.)

Im Verlaufe der Junioren-WM in Tschechien ruderte sich der Schweizer Vierer mit in die Favoritenrolle. Sowohl den Vorlauf als auch den Halbfinal gewann das U-19-Quartett Augustin Maillefer (Lausanne Sports Aviron), Alex Plüss, Markus Kessler (beide Ruderclub Schaffhausen), Louis Margot (Forward Rowing Club Morges) und Steuermann Marco Brechbühl (Seeclub Luzern) souverän. Und am Sonntag dominierten die Schweizer auch den Final. Schweizer Junioren holten an Titelkämpfen letztmals 1997 eine Medaille und erst die dritte Goldmedaille für ein Schweizer Juniorenboot überhaupt. Die letzten Goldmedaillen liegen noch länger zurück. 1994 gewannen der Junioren-Achter und der Juniorinnen-Doppelzweier in München den Titel.

Mit einem Start-Ziel-Sieg unterstrichen die von Junioren-Nationaltrainer Simon Cox gecoachten jungen Ruderer und ihr Steuermann die ihre Favoritenrolle, in welche sie sich im Verlaufe der WM hineingerudert hatten. Die beiden Schaffhauser mit den zwei Welschen und dem Luzerner Steuermann hatten den Vorlauf sowie den Halbfinal gewonnen und einen starken Eindruck hinterlassen, den stärksten aller 14 Boote. Nach der schnellsten Vorlauf- und Halbfinalzeit wurde die Konkurrenz auf das Schweizer Boot aufmerksam. Im Finalrennen startete das Schweizer Boot wiederum am schnellsten und übernahm die Führung. Das war wichtig, um den anderen Halbfinalsieger Italien von Beginn weg unter Druck setzen zu können. Bei 500 Metern hatten die Schweizer bereits eine drei Viertel Bootslänge Vorsprung. Bei der Hälfte waren es gute 2,5 Sekunden. Die dritten 500 Meter waren während der ganzen Regatta eine Stärke der Schweizer – auch im Final. 500 Meter vor dem Ziel war Verfolger Italien endgültig abgeschüttelt, und der Vorsprung betrug nun etwas mehr als eine ganze Bootslänge. Die Stimmung beim Zieleinlauf im Ruderstadion von Roudnice kochte, und sogar der Streckenkommentator wechselte 100 Meter vor der Zieleinfahrt von Englisch auf Schweizerdeutsch. Mit einem Vorsprung von 2,2 Sekunden holten sich die jungen Schweizer die Goldmedaille. Aus den Händen von Denis Oswald, dem Schweizer Präsidenten des Weltruderverbandes Fisa, nahmen die frisch gekürten Weltmeister ihre Medaillen entgegen. Der Schaffhauser Clubtrainer von Alex Plüss und Markus Kessler, Roland Altenburger, war extra nach Roudnice gereist, um seine Ruderer am Beckenrand zu unterstützen. Auch er freute sich wie die Athleten ernorm über diesen tollen Erfolg: «Wir haben vor allem im Winter hart gearbeitet für diese Medaille. In den letzten vier Wochen vor dem Anlass haben die vier in Sarnen noch den letzten Schliff bekommen.» Für die vier sei nun vieles möglich, er hoffe auf einen Platz an den Olympischen Spielen 2012 in London.



Der Schweizer Vierer mit Steuermann rudert souverän in den Final: Augustin Maillefer, die Schaffhauser Alex Plüss und Markus Kessler sowie Louis Margot.
Bild Roland Altenburger

#Notizen zu Namen

4. August 2010 | Matthias Frick: «Ich bin ein Lokalpatriot»

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Die Kantonsschule ist für jeden Schüler ein prägender Ort. Manche finden hier ihre erste grosse Liebe. Andere stellen die Weichen für ihre berufliche Zukunft. Für Matthias Frick war seine Zeit an der Kantonsschule Schaffhausen wesentlich für seine politische Entwicklung. Deshalb hat der Regierungsratskandidat der Alternativen Liste die Schule als Anfangspunkt unserer kleinen Reise durch die Region gewählt. Sie soll uns an Orte führen, die wichtige Wegmarken für ihn sind.
«Ich bin schon vor der Kanti politisiert gewesen», sagt Frick, als wir uns auf ein Mäuerchen mit Blick auf die Stadt setzen. «Aber hier wurden mir die Augen geöffnet für Zusammenhänge auf der Welt, die ich vorher nicht gesehen hatte.» Besonders der Geografielehrer, Herr Jud, hatte es dem Schüler angetan. Die Umwelt war im Unterricht ein Thema, die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens. «Ich erkannte, wie wichtig Ökologie und Nachhaltigkeit sind», sagt Frick. «Erstaunt war ich nur, dass das nicht alle in meiner Klasse so sahen wie ich.»

**Scaphusia: Frick v/o Labor**
Während der Kantizeit trat er auch der Mittelschulverbindung Scaphusia bei. Ein Linker in einer Verbindung? «Die Scaphusia ist apolitisch», sagt Frick. «Viele Mitglieder sind aber politisch engagiert, auch in der Linken.» Florian Keller, wie Frick ein Gründungsmitglied der Alternativen Liste, ist ein Farbenbruder – und zusammen sitzen sie im Kantonsrat. In der Scaphusia erhielt Frick den Vulgo «Labor». «Arbeit, Mühe», übersetzt er. «Das passt gut zu mir. Ich kann in meiner Freizeit nicht nichts machen, bei mir muss immer etwas laufen.» Seit 2006 studiert Frick Geschichte und Politologie an der Universität Zürich. Zu 40 Prozent arbeitet er im Staatsarchiv (siehe auch Kasten oben rechts). Die Saat für Fricks politisches und ökologisches Engagement wurde in seiner Familie ausgebracht. Die Mutter hat jeweils Fair-Trade-Produkte gekauft, der Vater war in der Gewerkschaft VPOD aktiv und kandidierte mehrmals auf der SP-Liste. «Er nahm mich an 1.-Mai-Umzüge mit, auf dem Rücken trug er eine batteriebetriebene Sirene», erinnert sich Frick. Sein vielleicht erstes politisches Erlebnis waren die Demonstrationen im Zusammenhang mit der GSoA-Initiative gegen den Kauf neuer Kampfflugzeuge. Das war 1993, er war damals acht Jahre alt. Heute ist Frick sowohl im VPOD wie auch in der GSoA Mitglied. Wir nehmen die S-Bahn nach Hüntwangen-Wil. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sei für den Kanton Schaffhausen zentral, sagt der GA-Besitzer. Ihn stört aber, dass Strassen und öffentlicher Verkehr gleichberechtigt ausgebaut werden sollen. Nachhaltig sei das nicht. Der ÖV müsse viel stärker gefördert werden. Vom Perron aus sieht man in der Ferne die Bauarbeiten für den Ausbau auf Doppelspur. Sind wir deshalb hier? «Ja, aber nicht nur», sagt Frick. Von Hüntwangen-Wil aus nimmt er jeweils den Zug nach Zürich, wo er studiert und unter der Woche lebt. Das machen viele Pendler aus dem Klettgau so. Die meisten fahren mit dem Auto zum Bahnhof. Auch Matthias Frick. Den Ausbau des ÖV zu fördern und gleichzeitig Auto zu fahren, ist für ihn kein Widerspruch. Er sieht das pragmatisch: «Die Fahrt mit dem Zug via Schaffhausen dauert anderthalbmal so lang und ist nur einmal in der Stunde möglich.» Wenn der Halbstundentakt komme, werde er mit Sicherheit häufiger den Zug nehmen. Oder, wie er schelmisch anfügt, «wenn es einen Eisenbahntunnel zwischen Erzingen und Hüntwangen gäbe». Auf dem Parkplatz des Bahnhofs steht ein VW Passat, Baujahr 1991. «Der hat 402 000 Kilometer», sagt Frick nicht ohne Stolz, «und verbraucht 7 Liter auf 100 Kilometer». Wir fahren über den Berg nach Trasadingen zu seinem Elternhaus. In Trasadingen ist Frick aufgewachsen, hier ist seine Heimat. «Ich bin kein Nationalpatriot», sagt er. «Aber ein Lokalpatriot.» Kann er sich auch vorstellen, in Trasadingen politisch tätig zu werden, ein Gemeinderatsamt zu übernehmen? «Das ist derzeit kein Thema. Der jetzige Gemeinderat macht seine Sache sehr gut.» Frick öffnet das Garagentor. Auf einer Hebebühne steht das Skelett eines Volvo Amazon, Baujahr 1968. Er hat das Coupé in Deutschland gekauft, für 200 Euro, und eigenhändig von der deutschen Grenze nach Trasadingen geschoben. Jetzt restauriert er den Wagen. Auch das ist eine Form von Nachhaltigkeit.

**Realistische Erwartungen**
Wir gehen zum Bahnhof Trasadingen. Bald kommt der Zug zurück nach Schaffhausen. Würde Matthias Frick in den Regierungsrat gewählt, würde sein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Wird es so weit kommen? «Bei den letzten Wahlen waren die Bürgerlichen zerstritten, die SP führte eine grosse Kampagne mit einem sehr guten Kandidaten. Und trotzdem wurde der FDP-Vertreter gewählt», sagt Frick. «Jetzt stehen FDP und SVP Schulter an Schulter, und der einzige Gegner ist ein 25-jähriger Student von der Alternativen Liste. Es wird schwierig werden.»

**Matthias Frick Student und Kantonsrat**
Persönliches. Matthias Frick, Jahrgang 1985, wuchs in Trasadingen auf und besuchte in Schaffhausen die Kantonsschule. Nach einem Zwischenjahr begann er 2006 an der Universität Zürich ein Studium der Geschichte und der Politologie. Frick arbeitet als Werkstudent mit einem Teilzeitpensum im Staatsarchiv Zürich in der Aktenerschliessung. Frick ist Mitglied der Gewerkschaft VPOD, der GSoA, von Klar! Schaffhausen, des VCS, der Scaphusia und von Pro Specie Rara. Politisches. Matthias Frick wurde bereits im Elternhaus politisiert. Er ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste und wurde im Herbst 2008 für den Wahlkreis Klettgau in den Kantonsrat gewählt. Frick setzt sich speziell für die Verkehrs- und Energiepolitik ein und engagiert sich in den entsprechenden Spezialkommissionen des Kantonsrats.

#Allgemeines

3. August 2010 | Nur die Grossen schlagen auf

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Reto Wäckerli

Die Stange und das Grosse werden in vielen Schweizer Beizen teurer: Feldschlösschen, das zum dänischen Carlsberg-Konzern gehört, schlug im Juli bei den Marken Feldschlösschen und Cardinal um 4 Prozent auf. Heineken, das Haldengut, Calanda und Eichhof braut, verlangt ab dem 1. Oktober im Schnitt 2,5 Prozent mehr, wie Firmensprecherin Carmen Wyss einen Bericht der Zeitung «Sonntag» bestätigt. Von den Preiserhöhungen betroffen sind in beiden Fällen nur Bierfässer und Mehrwegflaschen, wie sie vor allem in der Gastronomie verwendet werden. Einwegflaschen und Büchsen bleiben verschont. Die Preiserhöhung ist erstaunlich. Denn die Brauereien beklagen gleichzeitig, dass in den Schweizer Restaurants immer weniger Bier getrunken wird. Theoretisch müsste eine geringere Nachfrage aber zu einem härteren Preiskampf und somit zu tieferen Preisen führen. «Wir können diese Erhöhung nicht eins zu eins nachvollziehen», sagt Anton Schmutz, Direktor von GastroSuisse, dem Dachverband der Schweizer Hoteliers und Wirte.

**Falkenbier zieht nicht mit**
Überrascht sind auch kleinere Brauereien. «Wir haben eine Anpassung bis jetzt nicht einmal diskutiert», sagt Ernst Zingg, Verkaufsdirektor der St. Galler Brauerei Schützengarten. Denn die Preise für Hopfen und Malz seien gesunken. «Wir können nun wieder zu normalen Bedingungen einkaufen.» Auch bei der Schaffhauser Brauerei Falken ist eine Preiserhöhung kein Thema: «Wir beobachten den Markt dauernd, derzeit gibt es aber keinen Grund, von unseren Partnern mehr Geld zu verlangen», sagt Verkaufs- leiter Markus Höfler. Die Wirte hätten genug andere Sorgen. Schützengarten und Falken sind im Vergleich zu Feldschlösschen und Heineken Zwerge. Die beiden Riesen haben einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Der Verdacht steht deshalb im Raum: Nützen die beiden Platzhirsche ihre Marktmacht aus? Haben sie sich sogar abgesprochen? Die Unternehmen widersprechen energisch: «Das Bierkartell gibt es schon lange nicht mehr», sagt Carmen Wyss von Heineken. «Was die anderen Brauereien machen, entzieht sich unseren Kenntnissen», sagt Markus Werner von Feldschlösschen. Beide begründen die Preiserhöhungen mit einer veränderten Kostenstruktur: «Der Betrieb einer Reinigungsanlage beispielsweise bleibt gleich teuer, auch wenn wegen der rückläufigen Nachfrage weniger Mehrwegflaschen zu reinigen sind», sagt Werner. Bei Heineken wird zudem darauf verwiesen, dass dies die erste Preiserhöhung seit fast zwei Jahren sei. Bei den Rohstoffpreisen sei man zudem an langfristige Verträge gebunden. Und der Aufwand für die Energie und die Logistik habe zugenommen – was auch die Verantwortlichen bei Schützengarten und Falken einräumen. Für sie rechtfertigt dies trotzdem keine Preiserhöhung.

**«Es gibt kein Bierkartell»**
Also doch ein Kartell von Feldschlösschen und Heineken? Die Wettbewerbskommission (Weko) winkt ab. «Bei der letzten Überprüfung haben wir festgestellt, dass im Schweizer Biermarkt niemand eine marktbeherrschende Stellung hat», sagt der stellvertretende Direktor Patrik Ducrey. Gaststätten könnten auf andere Anbieter ausweichen. Und um eine Untersuchung wegen Preisabsprachen einzuleiten, brauche es deutliche Indizien. Etwa, dass die Erhöhung gleichzeitig erfolge. Das ist im Fall von Feldschlösschen und Heineken nicht so.

**Flexibilität ist schwierig**
Auch Anton Schmutz vom Wirtedachverband GastroSuisse will nicht von einem Kartell sprechen. «Die beiden Brauereien haben aber eine starke Stellung.» Und die Bindung eines Wirts an eine Brauerei sei wegen der Logistik und der oft lang laufenden Verträge stark. «Viele Wirte können deshalb nicht so flexibel reagieren, wie sie eigentlich möchten.»

#Allgemeines

3. August 2010 | In der Beiz wird der Gerstensaft teurer

Schaffhauser Nachrichten, Front
(wä)

Viele Schweizer Wirte müssen neue Getränkekarten drucken. Denn die beiden grössten Brauereien des Landes, Feldschlösschen und Heineken, wollen mehr Geld für ihr Bier. Feldschlösschen erhöhte per 1. Juli die Preise für Mehrwegflaschen und Fassbier um 4 Prozent. Heineken, das etwa Haldengut, Calanda und Eichhof braut, zieht im Oktober mit etwa 2,5 Prozent nach. Beim Importbier Miller sind es sogar 10 Prozent.
Kleinere Brauereien halten sich hingegen mit Preiserhöhungen zurück. Bei der Schaffhauser Brauerei Falken und dem St. Galler Schützengarten sind sie zum Beispiel kein Thema.

#Notizen zu Namen

31. Juli 2010 | Landolt und Frick kreuzten die Klingen

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

Der Auftakt zum gestrigen SN-Wahlpodium im Zunftsaal zun Kaufleuten war erstaunlich entspannt: «Wir haben der Einfachheit halber schon bald einmal Duzis gemacht», erklärte SVP-Kandidat Ernst Landolt, zum Verhältnis zum Gegenkandidaten befragt, und AL-Kandidat Matthias Frick meinte: «Ernst Landolt macht einen sympathischen Eindruck, und wenn er in einer anderen Partei wäre, könnte man ihn durchaus wählen.» Dann stellten die beiden noch fest, dass sie einen grünen Daumen haben: Während Frick Dahlien züchtet, sind es bei Landolt Sonnenblumen.
Doch dann wurde es ernst, als SN-Chefredaktor Norbert Neininger, nachdem er die Kandidaten kurz vorgestellt hatte, wissen wollte, wie es die beiden mit Atommüll-Endlagern auf Schaffhauser Boden halten würden. Die Schaffhauser Regierung habe den Auftrag, sich gegen solche Lager zu wehren, und diesen Auftrag würde er im Falle einer Wahl ernst nehmen und erfüllen, erklärte Ernst Landolt. Persönlich sei er der Meinung, dass man alles daransetzen müsse, dass das Endlager nicht in die Region Schaffhausen komme. Schaffhausen unternehme grosse Anstrengungen, um für Neuzuzüger attraktiv zu sein, und da passe ein solches Lager nicht. Matthias Frick pflichtete bei und forderte, auch andere mögliche Standorte in der Schweiz müssten genau abgeklärt werden. Gegensätzliche Standpunkte ergaben sich bei der Frage nach den Atomkraftwerken. Frick plädierte für den Ausstieg aus der Kernenergie: «Der Kanton muss aus dieser schmutzigen Energie aussteigen, wenn er glaubwürdig sein will.» Diesem Ausstieg stand Landolt skeptisch gegenüber: «Wenn wir jetzt die AKW abstellen, gehen rasch die Lichter aus», meinte er und warnte vor «Energieromantik». Voraussetzung für einen Ausstieg sei, dass der Atomstrom durch erneuerbare Energien ersetzt werden könne: «Hier ist uns Deutschland um Längen voraus, hier müssen wir ansetzen.» Damit konnte sich Frick wieder einverstanden erklären: «Je mehr wir in die erneuerbaren Energien investieren, je rascher haben wir sie, und desto schneller kann man die AKW abschalten.» Also Windräder auf dem Randen aufstellen?, fragte Neininger. Ja, wenn jeder Windstoss ausgenutzt werden muss, so Landolt; es werde Diskussionen wegen des Landschaftsschutzes geben, aber: «Vielleicht kommen wir gar nicht darum herum.» Weniger Skrupel, Windräder aufzustellen, hatte Frick: «Die Landschaft in der Schweiz ist ohnehin gänzlich vom Menschen gestaltet, und damit passen die Räder auch auf den Randen.» Bei den Sonnenkollektoren waren sich beide wieder einig: «Wenn man ernsthaft für erneuerbare Energie ist, braucht es sie flächendeckend», (Landolt) und: «In 20 Jahren wird es auch auf dem Munot Sonnenkollektoren haben.» (Frick). Themawechsel: Wie halten es die Kandidaten mit dem Steuerwettbewerb? Den braucht es, denn tiefe Steuern sind ein wichtiger Standortfaktor, meinte Landolt. Es gebe aber auch Grenzen: «Im Kanton Zug können immer mehr normale Leute es sich nicht mehr leisten, dort zu wohnen, weil die tiefen Steuern so viele Gutverdienende angezogen haben. Das will ich nicht, man muss einen guten Mix finden.» Attraktivierung ja, aber bei den Firmen, die mit den günstigen Steuern angelockt würden, müsse man auch darauf achten, ob diese nachhaltige Produkte herstellten, so Frick: «Eine Firma wie Transocean in Zug brauchen wir bei uns im Kanton Schaffhausen nicht.» Während beim Thema «Gemeindefusionen» Einigkeit herrschte («Muss von den Gemeinden selber kommen und kann nicht von oben verordnet werden»), gingen beim Schulkonkordat HarmoS die Meinungen auseinander. «Diese Koordinierung des Schulwesens ist seit 150 Jahren fällig. Es kann nicht sein, dass die Schule von Kanton zu Kanton verschieden ist.» sagte der AL-Kandidat. Etwas differenzierter fiel die Haltung von Ernst Landolt aus: Der Grundsatz sei okay, vor allem, dass überall die gleichen Stundenpläne eingeführt würden. Mit anderen Aspekten von HarmoS habe er aber mehr Mühe: «Die Gemeinden müssen ihren Schulalltag noch gestalten können, und das ist jetzt gefährdet.» Zum Schluss wollte Gesprächsleiter Norbert Neininger wissen, warum das Schaffhauser-volk gerade Ernst Landolt beziehungsweise Matthias Frick in die Regierung wählen solle. «Weil ich ein Vertreter der Linken bin und für Ökologie und die wirtschaftlich Schwachen einstehe», empfahl sich Frick. «Weil ich einen Beitrag dazu leisten will, Schaffhausen weiterzubringen», erklärte Landolt.


Podium zur Regierungsrats-Ersatzwahl
**Die Stimmen aus dem Publikum**

Mehr klare Statements, mehr Erfahrung und ein Zweierticket …
«Jobsharing» lautete die Losung von Sabine Wirth Thommen: Die beiden Kandidaten sollten sich das Amt teilen. Sie kommt wie Katrin Geier aus Buchberg – und die beiden Frauen kennen sowohl Frick als auch Landolt seit mehr als 20 Jahren. Überraschungen gab für sie das Podium also (fast) keine her. Nur der souveräne Auftritt von Matthias Frick überraschte sie angenehm.
Christian Müller, Landwirt aus Thayngen, fand, dass man den beiden Kandidaten härtere Fragen hätte stellen sollen, «etwa zum Thema Asyl oder AHV/IV-Missbrauch», sagte Müller. Vom Kandidaten Frick war Müller nicht enttäuscht, «er braucht aber noch mehr Lebenserfahrung – auch politische muss er noch zulegen». Allzu viel Neues hat Müller gestern nicht erfahren, «die Katze wurde nicht aus dem Sack gelassen».
Für Adrian Ackermann und Mirella Walter war ihr Kandidat Frick der Gewinner des Duells. «Es braucht einen Vertreter der jungen Generation», waren sie sich einig. «Oft waren die beiden ja einer Meinung», fand Walter. Anerkennung gab es von Ackermann auch für den SVP-Mann: «Landolt hat gezeigt, dass er mehr Erfahrung hat – aber er hängt doch sehr stark dem Altbekannten nach.»
Für wen Till Aders – der Präsident der AL – Sympathien hegt, ist keine Frage. Er fand, sein Kandidat Frick habe mit Fachwissen gepunktet. Aus der Schule kennt Oscar Köllner Matthias Frick. Und er konnte versichern: Matthias Frick ist auch als Regierungsratskandidat total authentisch.
Als positiv bezeichnete Matthias Wipf den Umstand, dass die Bevölkerung aus zwei Kandidaten auswählen kann. «Für die Demokratie ist das begrüssenswert», sagte er. Weniger zufrieden war er mit dem Auftritt der beiden Kandidaten: «Ich hätte mir von beiden klarere Aussagen und Visionen gewünscht.»
Matthias Freivogel und Esther Bänziger hielt es während der Debatte im Zunftsaal kaum mehr auf den Stühlen, die beiden Sozialdemokraten machten sich sogar mit Zwischenrufen bemerkbar. «Landolts Aussagen zu HarmoS waren falsch», monierte Bänziger. Und auch Freivogel geizte nicht mit Kritik: «Wer einmal das Volkswirtschaftsdepartement übernehmen will, muss wissen, dass das Sicherheitszentrum ein Thema ist!»
Andreas Schirrmacher kennt Frick von der Scaphusia her. Und trotzdem: Die Stimme seines Kollegen ist er sich auch nach dem gestrigen Abend nicht sicher. Auch wenn er zum Teil Ansichten mit Frick teilt und gut findet: Die Ideen zur Umsetzung – Stichwort Energie – überzeugten ihn nicht immer, Landolt machte ihm den sichereren Eindruck und steht ihm sachpolitisch näher. Zufrieden war Fricks Wahlkampfleiter José Krause. Ihm gefielen die kurzen Sätze seines Kandidaten. «Aber ein bisschen angriffiger hätte er schon auftreten können.»
(rob/dk)

#Notizen zu Namen

30. Juli 2010 | Letzte Chance für zwei Ausflugsplätze

Schaffhauser Nachrichten, Stein/Diessenhofen
Thomas Riesen

Diessenhofen Idyllisch gelegen sind die beiden Feuerstellen «Mörderbuck» unterhalb der Klinik St. Katharinental. Direkt daneben eine Anlegestelle für Gäste vom Rhein her und auch Wander- und Radweg sind ganz in der Nähe. Kein Wunder, sind die Grillplätze an schönen Tagen sehr begehrt. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Eine der beiden Grillstellen wurde im Frühling verwüstet und wiederhergerichtet. Jetzt ist das gleiche noch einmal passiert – bei beiden Plätzen gleichzeitig. «Wir sind bereit, etwas für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, aber so geht es nicht», sagt Urban Brütsch, Präsident des Forstreviers und in der Bürgergemeinde (sie hat die beiden Feuerstellen gesponsert, die Red.) für den Wald zuständig. Das sei eine «Sisyphos-Arbeit». Und der Revierförster Jakob Gubler ergänzt: «Die Feuerstellen waren solide gebaut, die drei Stützen in Beton gegossen und die Grillroste mit Ketten verbunden. Das hat Kraft gebraucht.»

**Grillroste gestohlen**
Unabhängig davon: Derzeit können beide Grillstellen nicht genutzt werden, denn die Grillroste wurden von den Vandalen gleich mitgenommen. Anzeige erstattet hat bis jetzt jedoch weder Brütsch noch Gubler. «Gegen wenn denn? Das bringt doch nichts», sagt der Revierförster, und auf die Frage, wer es gewesen sein könnte, sagt Brütsch: «Für einen Wanderer oder Velofahrer wäre es wahrscheinlich eher mühsam gewesen einen grossen Grillrost mitzunehmen. Eventuell war es ein Besucher vom Rhein her.» Gleichzeitig wissen er und Gubler aus Erfahrung, dass man mit einer Feuerstelle umso mehr Probleme hat, je besser zugänglich sie ist. Dann werde auch mit dem Auto herangefahren und zum Beispiel das bereitgestellte Holz gestohlen. Das sei bei anderen Feuerstellen beobachtet worden. Andererseits kennen sie diese neue Art von Problemen bei den anderen, grösseren Grillstellen, die sie unterhalten, nicht, weil diese weniger gut zugänglich sind. Es stellt sich also die Frage: Wie weiter? Brütsch und Gubler haben sich im Vorfeld des Gespräches darüber Gedanken gemacht und sind zum Schluss gekommen, das beide Plätze noch einmal schön hergerichtet werden. Sollte es in nächster Zeit jedoch noch einmal zu einem Fall von Vandalismus kommen, werden sie geschlossen. Das bedeutet in der Praxis ein Grillverbot beim «Mörderbuck», denn Grillieren ist im Schaarenwald nur an offiziellen Feuerstellen erlaubt. «Das wäre schade, denn bisher hatten wir hier mit Abfällen nur wenig und sonst gar keine Probleme», sagt der Revierförster.

**Kosten von rund 2000 Franken**
Die Kosten für eine Sanierung der beiden Feuerplätze betragen rund 2000 Franken, schliesslich seien sie bereit, etwas Solides, Schönes zur Verfügung zu stellen. Ergänzend hat Gubler bei der Stadtgemeinde Diessenhofen angefragt, ob sich diese möglicherweise daran beteiligt, und dazu das Gespräch mit Stadtammann Walter Sommer gesucht. Dieser weilt in den Ferien. Stellvertretend sagt der Stadtschreiber Armin Jungi: «Ich könnte mir vorstellen, dass ein solches Gesuch im Stadtrat eine Chance hätte.» Auf die Frage, ob die Stadtgemeinde bei ihren Feuerstellen beim «Tote Maa» und in der Badi ebenfalls schlechte Erfahrungen mit Vandalismus gemacht hat, sagt er: «Das gab es auch schon, ist jedoch eine Weile her. Wir haben eher ein Problem mit dem Abfall.»

#Allgemeines

30. Juli 2010 | Qualitätssiegel für Brauerei Falken

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
(sda)

Zehn mittlere und kleinere Schweizer Privatbrauereien haben sich gestern auf dem Tellspielareal bei Interlaken auf Qualität eingeschworen. Sie alle wurden mit dem Qualitätssiegel der deutschen Vereinigung Brauring ausgezeichnet. Das Qualitätssiegel soll die kleinen Brauereien im hart umkämpften Biermarkt stärken und ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den grossen Weltkonzernen verschaffen. Von dem Gütesiegel sollen Konsumenten, Gastronomen und der Handel profitieren, schreiben die Brauereien in einer gemeinsamen Mitteilung. Mediengerecht inszeniert, leisteten die Vertreter der zehn Brauereien vor den Kulissen des Tellspiels einen Qualitätsschwur. Damit verpflichten sie sich unter anderem, ihre Biere einer jährlichen Prüfung bei einem unabhängigen Institut zu unterziehen. Das Siegel erhielten die Brauereien Felsenau (Bern), Rugen (Interlaken), H. Müller (Baden), Brauerei Baar (Baar), Locher (Appenzell), Falken (Schaffhausen), Adler (Schwanden), Rosengarten (Einsiedeln), Stadtbühl (Gossau) und Sonnenbräu (Rebstein). Die Kooperationsgesellschaft Brauring, die das Qualitätssiegel vergibt, wurde 1973 gegründet und zählt heute 200 Brauereien in Deutschland und 26 in der Schweiz und Österreich zu ihren Mitgliedern.

#Notizen zu Namen

28. Juli 2010 | Alternative Liste stellt Kandidaten vor

Schaffhauser Nachrichten, Region
Zeno Geisseler

Die Regierungsratswahl ist für die Alternative Liste eine Riesenchance. Ein Sitzgewinn wäre für die jungen Linken zwar eine grosse Überraschung, und das sehen die Aktivisten ganz realistisch. Aber der Kampf um die Nachfolge von SVP-Regierungsrat Erhard Meister ist in jedem Fall eine erstklassige Plattform, um Programm, Parolen und Personen zu promoten. Wer als Einziger der SVP die Stirn bietet, hat die Aufmerksamkeit auf sicher. Da sind die 10 000 Franken, die der AL für den Wahlkampf zur Verfügung stehen, gut eingesetztes Geld, egal, wer den Sitz am 29. August letztlich holt.
An der gestrigen Vorstellung ihres Kandidaten Matthias Frick war denn die Regierungsratswahl zwar das Hauptthema, die AL nutzte den Anlass aber auch, um auf andere politische Anliegen aufmerksam zu machen, namentlich auf ihre Hochschul-Initiative, über die am gleichen Tag abgestimmt wird. Trotzdem versteht die AL die Kandidatur nicht als Alibi-Übung. Es sei wichtig, den Sitz in der Regierung nicht kampflos dem politischen Gegner zu überlassen, sondern dem Volk eine Auswahl zu bieten, sagte AL-Präsident Till Aders. Frick sei trotz seiner 25 Jahre jemand, der für den Regierungsrat geeignet sei. Nicht zuletzt, weil er als Kantonsrat im Gegensatz zum SVP-Nominierten die Parlaments- und Kommissionsarbeit gut kenne. Frick selbst versteht sich getreu der AL-Linie als Vertreter der Jungen und der ökologisch engagierten Linken: «Wir haben schon genug Babyboomer in unserer Regierung», sagt er. Die Steuerprivilegien für Gutsituierte gehörten abgeschafft, der Schutz der Arbeitnehmer müsse ausgebaut werden. Zudem soll die Nachhaltigkeit beim Wachstum des Kantons eine viel grössere Rolle spielen. Weiter gelte es, mit allen Mitteln den Zuwachs des Privatverkehrs einzudämmen. Mit dem Bau des Galgenbucktunnels und dem Ausbau der A4 nach Winterthur etwa seien völlig falsche Grundsteine gelegt worden. Frick sieht sich dennoch nicht als ideologiegesteuerter Ökofundamentalist. Er wolle eine lösungsorientierte Sachpolitik betreiben und sei durchaus auch kompromissbereit. Das lebt er auch vor: Frick besitzt zwar ein Generalabonnement der SBB, in die Ferien nach Frankreich fährt er aber in seinem eigenen Auto. Und wenn er in der Freizeit nicht gerade Bäume veredelt, schraubt er in der Garage an einem Oldtimer herum.


Matthias Frick
Zur Person

Ausbildung Matthias Frick, geboren 1985, wuchs in Trasadingen auf. Kantonsschule in Schaffhausen, seit 2006 Student (Geschichte und Politologie) an der Universität Zürich. Daneben tätig in der Aktenerschliessung im Staatsarchiv Zürich. Politisches Frick ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste und wurde im Herbst 2008 in den Kantonsrat gewählt. Schwerpunkte: Verkehr und Energie. Engagements Matthias Frick ist Mitglied der Gewerkschaft VPOD, der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), von Klar! Schaffhausen, des VCS, der Mittelschulverbindung Scaphusia und der Pro Specie Rara.

#Notizen zu Namen

27. Juli 2010 | Manchmal ist ein Schritt über die Schwelle notwendig

Schaffhauser Nachrichten, Kolumne
Felix Schwank

Unserer Zeit wird nachgesagt, sie sei nicht geschichtsbewusst. Die Tageszeitung scheint das zu widerlegen. Mit einem Jubiläumsbericht pro Woche darf man rechnen. Die Jubiläumsreden sind geblieben, stehen aber oft im Schatten der kulturellen Beigaben. Ihnen gilt die Freude jener, die das Unternehmen weitertragen. Das Traditionelle wird noch gestreift. Der Stadtpräsident sagt es mit Bezug auf die 300 jährige Steigschule zum Beispiel so: «Ich habe dieses Schulhaus in guter Erinnerung, trotzdem ist der Unterricht im Steigschulhaus nicht immer angenehm gewesen. Wenn wir nicht gemacht haben, was der Lehrer wollte, sind die Strafen klar gewesen.» Ich weiss es von ihm, dass Willy Pfunder, der zu Thomas Feurers Zeit dort Lehrer war, «Kopfnüsse» verteilte. Nein, Körperstrafen, das habe es bei ihm nicht gegeben. Dies sagte der Lehrer in einem Kreis, in welchem ein ganz früher Pfunder-Schüler dabei war. Ein Lächeln umspielte dessen Mund, dann redete er seinen ehemaligen Lehrer mit dem Cerevis an, den man Willy Pfunder bei der Scaphusia zugeteilt hatte: «Weisst du nicht mehr, Uhu, wie du die Sünder im Turnen zu den Ringen befohlen hast, wo die Seile herunterhingen. Übers Knie hast du sie genommen und die Seile doppelt. Uhu gab es zögernd zu, aber mit dem Beifügen, es sei die Ausnahme gewesen. Die Strafen seien klar gewesen, hat Thomas Feurer gesagt. Hat er «Kopfnüsse» kassiert, weil er, wie er sagt, manchmal bei den Abweichlern war?
Willy Pfunder war als Lehrer das, was wir heute als gute, alte Schule bezeichnen würden. Bei einem meiner Besuche kam er auf die Rechtschreibung zu sprechen. Ich habe mir dazu ein paar Notizen gemacht und finde in meinem Tagebuch unterm 9. März 1986 Folgendes: «Ich (W. Pf) habe festgestellt, dass es ca. 300 Rechtschreibfehler gibt, die immer wieder vorkommen. Gegen diese Fehler habe ich einen Schlachtplan gemacht. Ich habe Diktatserien geschaffen, in denen die 300 Wörter nach und nach vorkommen. Verpackt in eine kleine Geschichte. Die Sache durfte nie langweilig werden. Die hartnäckigsten Fehler habe ich durch Wiederholung der Wörter ausgemerzt. In der 5. Klasse konnte bei mir praktisch jeder fehlerfrei schreiben.»
Der Unterricht im Steigschulhaus sei nicht immer angenehm gewesen, erinnert sich der Stadtpräsident. Das Exakte, das in den Sätzen Pfunders zum Ausdruck kommt, hat das Mühsame zum Begleiter. Das muss so sein und wird so bleiben, auch wenn wir dem Spielerischen, das zu Kreativem führt, seinen Platz einräumen. Folgt die Steigschule, ja unsere Schule, dieser Tradition – und sie wird vom Lehrer sichergestellt -, bleibt vom Jubiläum das Wesentliche.
Wenn nun im Kanton Zürich in den nächsten Jahren 1000 Lehrer fehlen, wird es auch für Schaffhausen eng. Der unselige Streit über die geleiteten Schulen, der bei uns Zeichen der Sturheit trägt, ist zu beenden. Es gibt andere Mittel, um den Lehrern mehr Möglichkeiten zu geben, ihren Unterricht zu gestalten. Dazu gehört sicher, dass man die Computer zügelt, die zu viel Papier auf die Lehrerpulte herunterladen. Wo gut bezahlte Schulräte als Ephoren (Aufseher) mit den Problemen nicht mehr fertig werden, könnte ein Trouble-Shooter eingesetzt werden. Die geleitete Schule neigt nach Ansicht vieler zur Überverwaltung. Wer die Schule vom Spargebot ausnehmen will, tut ihr nichts Gutes. Es überrascht, wie harsch die Politik in Schaffhausen mit jungen Leuten umspringt, die sich an das Wort «sparen» wagen. Natürlich wird auch übers Ziel hinausgeschossen. Meine Freisinnigen täten gut daran, die Reihen zu schliessen. Wenn einer, der in der Partei weit oben steht, meint, die Türe bleibe offen, dann sage ich ihm als ehemaliger Parteipräsident: «Offene Türen erzeugen allenfalls Durchzug. Manchmal ist ein Schritt über die Schwelle nötig.» Wenn es beim Freisinn so lottert wie jetzt, sind die nächsten Wahlen verloren. Das sind harte Worte, ich weiss.
Und wenn ich es friedlich haben will, verziehe ich mich gerne ins Engadin. Hochzeitstag! Der 59.! Ob sich da ein Jubiläum anbahnt, liegt nicht in unserer Hand. Wir fuhren hin. Ein trüber Tag. Die Strasse aber jenseits des Flurlinger Tunnels trocken. Da braust von rechts einer daher. Einfahrt ja, aber da noch ein Zweiter, mit Vollgas. Leicht. auf die Bremse und dann die Frage, macht dieses diesige Wetter die Lenker verrückt? Die Quittung kommt auf der Zürcher-Oberland-Autobahn, auf jenem Stück, das die Geschwindigkeit bei höchstens 80 km/h haben will. Ein Schatten im Rückspiegel. Schon vorbei. Ein Sportwagen, ein zweiter, ein dritter, alle auch deutlich über 120 km/h. Kein Rennen, einfach so, weil Sonntag ist. Weil man damit rechnet, auch die Polizei habe Sonntag. Die Fahrt über den Julier war sonnig. Nach Bivio das grosse gelbe Blühen der Wiesen, das Mäandern der Bäche, die von den Hängen sprudeln. Im Engadin zog der Scheibenwischer knarrende Spuren. Werde ich zum ersten Mal bei Regen in Sils einfahren? Nein, der Himmel war uns gnädig, blaute auf, wir zogen gegen den See. Aber der Wind war stürmisch, so stürmisch, dass ich meinen kosmetischen Spruch vom Faltenglätter Malojawind unterdrückte. Dann der Abend. Es gebe für uns einen Apero. Es gab mehr. Es gab eine Überraschung: Unter der Tür stand unsere Tochter mit wunderbaren Rosen im Arm. Welch ein Segen doch Kinder sind. Und Kindeskinder. Am goldenen Hochzeitstag vor neun Jahren waren wir, mit Marianne, den Blumenweg von Baseglia nach Grevasalvas gegangen. Diesmal wagten wir es noch von Plaun da Lej aus, das halbwegs liegt. Langsam, mit vielen Halten folgten wir dem Strässchen. Die Sonne spielte mit dem Gelb der Trollblumen. Dazwischen Gruppen jener Veilchen mit dem langen Sporn, deren warmes Violett uns erfreute. Längerer Halt bei einem weiss herabschäumenden Bach und dann das Dörfchen. Grevasalvas, Heidifilm. Wir sassen in der Sonne, dachten daran, dass wir früher über die Sumpfwiesen mit dem Wollgras nach Blaunca gestiegen waren. Und dann, auf nassem, bachbettartigem Weg, hinunter nach Pila, wo jener Giovanoli haust der, wie man sagte, die besten Würste im Tal bereitete. Wir kamen ins Träumen, blickten hinunter auf den gleissenden See. Unser kleines Jubiläum war von tiefer Dankbarkeit erfüllt.

#Aktivitas

25. Juli 2010 | Das neue Quartalsprogramm ist online!

[Quartalsprogramm August – Oktober](https://scaphusia.ch/anlaesse/anlaesse-der-aktivitas/)

#Allgemeines

14. Juli 2010 | «Wir wollen die Lebensqualität erhalten»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

*Schaffhausen entwickelt sich – trotz der stetig zunehmenden Anstrengungen seitens der Wirtschaftsförderer – im Vergleich zu den benachbarten Standorten in einem eher bescheidenen Masse. Warum?*
Thomas Holenstein: In Schaffhausen sterben Jahr für Jahr mehr Menschen, als im gleichen Zeitraum geboren werden. Dieser negative Geburtenüberschuss muss zuerst kompensiert werden. Ohne Neuzuzüger würde unsere Bevölkerung schrumpfen. In den letzten Jahren ist es uns in zunehmendem Masse gelungen, diesem unerfreulichen Trend Einhalt zu gebieten.

*Die Wirtschaftsförderer plädieren stets für ein möglichst günstiges Steuerklima. Unter dem Strich zahlen die Steuerpflichtigen jedoch nach wie vor mehr als in den benachbarten Gemeinden im Kanton Zürich.*
Marcus Cajacob: Regierung und Parlament haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von konkreten Schritten zur Verbesserung des Steuerklimas für natürliche und juristische Personen unternommen. Bei den natürlichen Personen nähern wir uns der im Kanton Zürich geltenden Steuerbelastung in kleinen Schritten an. Zudem wurde vor zwei Jahren eine erhebliche Entlastung bei den juristischen Personen beschlossen. Die damit verbundenen Steuerausfälle wurden innerhalb kurzer Zeit durch zusätzlich akquirierte Unternehmen kompensiert. Wir bewegen uns also stetig in der richtigen Richtung.

*Nach Ansicht verschiedener Politiker ist die Steuerbelastung nicht unbedingt der wesentlichste Faktor bei einer Standortwahl. Wo liegen denn aus Ihrer Sicht die Prioritäten?*
Ueli Jäger: Die Attraktivität eines Standortes hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Dazu gehören zum Beispiel auch die Verkehrsanbindung, das Bildungsangebot, der Gesundheitsdienst und die Verfügbarkeit von geeigneten Immobilien.

*Regierung und Stadtrat setzen in wirtschaftlicher und in demografischer Hinsicht auf ein weiteres kontinuierliches Wachstum. Warum können wir uns denn nicht einfach mit der vorhandenen Substanz zufrieden geben?*
Holenstein: Wachstum ist für uns kein Selbstzweck. Es geht dabei in erster Linie um den Erhalt der Lebensqualität der heutigen und der künftigen Einwohner sowie um die Sicherstellung der staatlichen Leistungsfähigkeit sowie einer angemessenen Nachfrage im Bereich des Konsums. Ohne die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und den Zuzug neuer Einwohner geraten wir auf fatale Weise ins Hintertreffen.

*Sie rücken bei Ihren Imagekampagnen stets unsere paradiesischen Verhältnisse in den Vordergrund. Gleichzeitig huldigen Sie einer Wachstumsstrategie, welche unserer viel gelobten Überschaubarkeit kaum förderlich sein dürfte.*
Cajacob: Das heisst, dass wir pro Kopf unter dem Strich mehr Steuern zur Sicherstellung der staatlichen Dienstleistungen und der vorhandenen Infrastruktur zahlen müssten. Ein moderates Wachstum ist aus unserer Sicht eine Notwendigkeit. Wir wollen damit eben gerade die Lebensqualität erhalten.

*Um das angestrebte Wachstum zu ermöglichen, brauchen wir aufgrund der in den letzten Jahren gemachten Analysen mehr attraktiven Wohnraum und mehr verfügbares Bauland.*
Jäger: Der Wohnraumbedarf nimmt nicht nur wegen der erwarteten Neuzuzüger kontinuierlich zu. Die Statistiken zeigen, dass auch die bereits ansässige Bevölkerung immer mehr Wohnflächen beansprucht. Um unsere demografische Struktur zu verbessern, besteht eindeutig Handlungsbedarf. Wir brauchen gut situierte Familien mit Kindern. Überalterte Immobilienbestände drücken zudem auf die Mietpreise und hemmen damit potenzielle Investoren.

*Ist es denn primär eine Sache der öffentlichen Hand, das Immobilienangebot zu verbessern?*
Holenstein: Der Wohnungsbau soll auch in Zukunft in erster Linie durch private Investoren erfolgen. Der Kanton, die Stadt und die Gemeinden haben jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, um die Attraktivität unserer Region als Wohnort und Lebensraum zu steigern. Die Regierung hat die Notwendigkeit zum Handeln erkannt. Unter Federführung des Baudepartements prüft eine breit abgestützte Arbeitsgruppe geeignete Massnahmen. Beispielsweise Anreize für Sanierungen, die Schliessung von Baulücken oder Verdichtungen.

*Nach den Vorstellungen des Stadtrates soll die Stadt vor allem nach «innen» wachsen. Besteht dabei nicht die Gefahr, dass eine Vielzahl von attraktiven Grünflächen im Siedlungsgebiet verschwindet?*
Holenstein: Wir wollen unsere weitgehend intakte Umwelt so weit wie möglich schonen. Aus diesem Grund möchten wir nicht einfach weiteres Kulturland erschliessen und zubetonieren. Wir verfügen an verschiedenen Orten über seit längerer Zeit ungenutzte Potenziale und möchten daher die bestehenden Siedlungsräume qualitativ aufwerten und diese besser nutzen. Dazu gehören auch die Nutzung von freien Flächen im Siedlungsgebiet und die damit mögliche Erhaltung von Grünflachen ausserhalb.

*Die Wirtschaftsförderung setzt im wirtschaftlichen Bereich in erster Linie auf den Zuzug von international tätigen Unternehmen im Bereich von Dienstleistungen.*
Cajacob: Wir sind in erster Linie dort aktiv, wo wir eine Chance und einen maximalen «return on investment» für den Kanton und die Gemeinden haben. Wir haben in den vergangenen Jahren nicht nur für zusätzliche Steuereinnahmen, sondern auch für die Schaffung einer Vielzahl von neuen Arbeitsplätzen gesorgt. Wir sind ausserdem bestrebt, bestimmte Schwerpunkte zu setzen. Ein erstes Beispiel ist das in enger Zusammenarbeit mit der Branche entstandene Ausbildungszentrum für Verpackungsspezialisten.

*Aus Sicht der ländlichen Gemeinden streben Sie vor allem eine Stärkung des urbanen Zentrums an. Möchten Sie das übrige Gebiet des Kantons in einen regionalen Naturpark verwandeln?*
Jäger: Unsere Strategie beruht auf bereits bestehenden natürlichen und historisch gewachsenen Schwerpunkten. Neben der unabdingbaren Stärkung des urbanen Zentrums soll sich auch die Landschaft mit ihren gewachsenen Dorfstrukturen und Naturräumen weiter entwicklen. Dazu bedarf es keiner neuen Vorschriften, sondern der Planung und der Umsetzung von möglichst breit abgestützten Projekten. Hierzu zählt auch die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken eines regionalen Naturparks. Wir sind überzeugt, dass sich mit Hilfe einer integralen Stärkung des Tourismus, des Weinbaus, der Landwirtschaft und der Naherholung auch für die ländlichen Gebiete neue Perspektiven eröffnen.

*Stehen Ihre angestrebten Ziele – Clusterbildung in bestimmten wirtschaftlichen Bereichen und Schaffung von regionalen Naturparks – nicht in einem gewissen Widerspruch?*
Cajacob: Die Kombination von innovativen Entwicklungen im Zentrum der Region und die gleichzeitige Nähe zu einer teilweise fast unberührten Landschaft innerhalb einer überschaubaren Region zählten zu den eigentlichen Vorzügen unseres Kantons. Die damit verbundene Vielfalt wird sowohl von der einheimischen Bevölkerung als auch von den Neuzuzügern gleichermassen geschätzt.

*Je mehr wir unsere natürlichen Grenzen überschreiten und Schaffhausen in den Sog der «greater Zurich area» gerät, desto grösser ist doch die Gefahr, dass Siedlungsdruck und Verkehrsbelastung zunehmen.*
Jäger: Wir können – davon sind wir überzeugt – unsere Position im Wettbewerb der Standorte ohne gleichzeitige Aufgabe unserer Trümpfe ausbauen. Wir streben aus diesem Grunde in erster Linie ein moderates Wachstum mit nachhaltiger Ausrichtung an.

**Strategische Zielsetzung Stärkung des Standortes**

Vorrangiges Ziel von Regierung und Parlament sind nach wie vor die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die weitere Attraktivierung des Kantons Schaffhausen als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Die volkswirtschaftliche Basis soll weiter vergrössert und diversifiziert werden, mit dem Ziel, zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen, zusätzliches Steuersubstrat für Kanton und Gemeinden zu generieren sowie die notwendigen Investitionen am Standort Schaffhausen auszulösen.
Weiter wollen die Behörden von Kanton und Stadt die verschiedenen Träger der Projekte zur Regional- und Standortentwicklung bei der Realisierung ihrer Vorhaben tatkräftig unterstützen. Die 2009 gestartete Imagekampagne «Schaffhausen – ein kleines Paradies» wird – in den Grundzügen unverändert – auch im laufenden Jahr fortgesetzt.

**Standortentwicklung «Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es»**

Den einheimischen Behörden und den von ihnen beauftragten Wirtschaftsförderern ist es in den letzten zwölf Jahren gelungen, die Rahmenbedingungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft in den Bereichen öffentlicher und privater Verkehr, Bildung und Steuern schrittweise zu verbessern. Dank einer zielgerichteten, auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Politik konnten im Laufe der Jahre neue Arbeitsplätze geschaffen, Investitionen ausgelöst, der Konsum erhöht und in einem erheb-lichen Masse zusätzliche Steuereinnahmen generiert werden. Damit sich der Kanton Schaffhausen gemäss der zu Beginn dieses Jahrtausends vom Regierungsrat definierten Leitidee als attraktiver Lebensraum und Wirtschaftsstandort mit hoher Lebensqualität und zu einem Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung entwickeln kann, müssen die heute vorhandenen Rahmenbedingungen aus der Sicht der Wirtschaftsförderer in den kommenden Jahren verbessert werden. Die Behörden haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Projekten entwickelt und die zu deren Realisierung notwendigen finanziellen und recht-lichen Grundlagen geschaffen. Dazu zählen unter anderem das vom Verein Agglomeration Schaffhausen am 22. November 2007 gutgeheissene Agglomerationsprogramm sowie das vom Parlament am 19. Mai 2008 gutgeheissene Gesetz zur Förderung der regionalen Standortentwicklung. Mit diesen Erlassen wurden wesentliche Grundlagen geschaffen, zu einer möglichst raschen Umsetzung der im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung von Stadt und Land geplanten Investitionen. Dazu zählt auch die Bereitschaft des Bundes, die konkreten Massnahmen in finanzieller Hinsicht massgeblich zu unterstützen. Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Doch es gibt – zumindest laut Erich Kästner – nichts Gutes, es sei denn, man tut es. (W. J.)

#Notizen zu Namen

9. Juli 2010 | In Zukunft heissts «chrampfe und gnüüsse»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

«China ist die grosse Herausforderung, und Sie müssen sich damit auseinandersetzen.» Auf diesen Satz spitzte Wirtschaftsförderer Thomas Holenstein seine Ausführungen an die Maturandinnen und Maturanden zu, bevor diese ihre Maturzeugnisse in Empfang nehmen konnten. Urs Saxer, der Rektor der Kantonsschule, hatte Holenstein nicht zuletzt deshalb eingeladen, weil dieser während einiger Jahre den Wirtschaftsstandort Schweiz in China vertreten hatte. Was er über das aufstrebende Reich der Mitte zu sagen hatte, war eindrücklich. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss kam Holenstein auf die Gegenwart zu sprechen: «In China läuft ein gesellschaftliches Experiment, das einen totalitären Staat mit der Marktwirtschaft verbindet.» Die Chinesen würden mit dem Westen als Vorbild und mit schweizerischen Tugenden an ihrem Wohlstand arbeiten. Ohne Zweifel werde das 21.Jahrhundert das chinesische Jahrhundert sein, mit Folgen auch für die Schaffhau- ser Maturanden, die sich mit dieser Herausforderung auseinanderzusetzen hätten. Einfach nur den Wohlstand zu geniessen, gehe nicht mehr: Es müssten Leistungen erbracht und für die Demokratie gekämpft werden. Mit den Worten «Chrampfe und gnüüsse – es braucht beides» schloss Holenstein.

**Gratulation der Regierung**
Seine Rede war der nachdenklichere Teil einer stimmungsvollen Feier, zu der Angehörige, Freunde, Lehrkräfte und weitere Personen, die sich mit den erfolgreichen Prüflingen verbunden fühlten, in die Kirche St. Johann gekommen waren. Die Grüsse und Gratulationen des Regierungsrats überbrachte Christian Amsler, der Vorsteher des Erziehungsdepartements, der die Gelegenheit nutzte und für den Lehrerberuf warb. «Sie sind die Zukunftshoffnung des kleinen Paradieses Schaffhausen», rief er den erfolgreichen Absolventen der Maturaprüfung zu, bevor diese klassenweise die blumengeschmückte Bühne betraten und aus der Hand von Urs Saxer ihre Zeugnisse erhielten. Jede und jeder bekam den verdienten Applaus, und wenn die Prüfungsleistung besonders gut war, eine Einladung zum Förderprogramm der schweizerischen Studienstiftung oder ein Schreibset. Immer wieder unterbrochen wurde die Zeugnisübergabe durch musikalische Einlagen, die durchs Band von hauseigenen Kräften, das heisst von Schülerinnen und Schülern der Kantonschule, bestritten wurden. Zum Schluss wurde Fabian Kraxner für die beste Maturaprüfung 2010 ausgezeichnet: Aus der Hand von Richard Ronner erhielt er für seinen Notendurchschnitt von 5,78 den Anerkennungspreis der Stiftung der Verbindung Munot. Zum Schluss wurde gemeinsam das alte Studentenlied «Gaudeamus igitur» gesungen.

**Profil M musisch/sprachlich**
Nina Ackermann, Schaffhausen, beabsichtigte Ausbildung: Rechtswissenschaften; Michael Bänziger, Neuhausen am Rheinfall, noch nicht entschieden; Nina Böni, Flurlingen, noch nicht entschieden; Anita Bosshard, Beringen, Pädagogische Hochschule; Belinda Brauchli, Wilchingen, Theater; Aline Bürgin, Schaffhausen, Psychologie; Nadine Burkert, Schaffhausen, Praxis; Linda Burri, Schaffhausen, Kunst; Anabel Da Pra, Schaffhausen, noch nicht entschieden; Gianluca Di Deo, Neuhausen am Rheinfall, Humanmedizin; Leonie Eaton, Uhwiesen, Auslandsaufenthalt; Anna Eichrodt, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Andrea Engel, Diessenhofen, Physik; Jacqueline Fäs, Neuhausen am Rheinfall, Information/Dokumentation; Jonas Fischer, Schleitheim, Humanmedizin; Anna Fontana, Dachsen, Rechtswissenschaften; Anna Fryscak, Schaffhausen, Praxis; Silvana Geisshüsler, Stetten SH, Pharmazie; Janina Graule, Schaffhausen, Humanmedizin; Tanja Griadunova, Basadingen, Kunst; Vanessa Guidetti, Ramsen, Umweltwissenschaften; Nina Helg-Kurmann, Schaffhausen, noch nicht entschieden; Janine Hofer, Lohn SH, Hotellerie; Sibil Hofer, Schaffhausen, Architektur; Robin Hübscher, Schaffhausen, noch nicht entschieden; Leonie Hunter, Schaffhausen, Politikwissenschaft; Nino Keller, Schaffhausen, Praxis; Vera Küng, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Anja Leu, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Dominique Looser, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Pauline Lüthi, Flurlingen, Auslandsaufenthalt; Selina Lüthi, Thayngen, Pädagogische Hochschule; Johanna Mattern, Trasadingen, Auslandsaufenthalt; Désirée Metzler, Dachsen, Praxis; Valentina Missio, Beringen, Pädagogische Hochschule; Arlène Müller, Löhningen, Pädagogische Hochschule; Ramona Neidhart, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Anna Portmann, Schaffhausen, Humanmedizin; Lorena Ricci, Schaffhausen, Tourismus; Claudia Rohr, Schaffhausen, Information/Dokumentation; Franca Schaad, Neuhausen am Rheinfall, Praxis; Carola Schabert, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Kathrin Schäppi, Thayngen, Russisch; Joscha Schraff, Gächlingen, Jazzschule; Lina Stahel, Beringen, Musik; Beatrice Strasser, Stein am Rhein, Pädagogische Hochschule; Michaela Tobler, Neuhausen am Rheinfall, Pädagogische Hochschule; Jules Trümpler, Schaffhausen, Agronomie; Yasemin Tüzel, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Manuel von Burg, Lohn SH, noch nicht entschieden; Manuela Voss, Stetten SH, Auslandsaufenthalt; Lynn Walter, Löhningen, Praxis; Karin Wäspe, Uhwiesen, Soziale Arbeit; Sara Wohlwend, Ramsen, Pädagogische Hochschule.

**Profil N naturwissenschaftlich/mathematisch**
Lea Behlau, Flurlingen, beabsichtigte Ausbildung: Humanmedizin; Christoph Bohren, Thayngen, Umweltwissenschaften; Niculin Detreköy, Diessenhofen, Physik; Claudia Deuber, Osterfingen, Erdwissenschaften; Robin Dreyer, Hemishofen, Maschinenbau; Florian Fanger, Thayngen, noch nicht entschieden; Christopher Gabriel, Schaffhausen, noch nicht entschieden; Simon Gmür, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Elisabeth Güttinger, Schaffhausen, Umweltwissenschaften; Ralph Hartmeier, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Felix Hauser, Schaffhausen, Praxis; Matthias Karst, Stein am Rhein, Sprachen; Luca Keller, Dörflingen, Maschinenbau; Blanka Krznaric, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Marco Lang, Uhwiesen, Maschinenbau; Marco Mächler, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Armon Mändli, Lohn SH, noch nicht entschieden; Hannes Müller, Dörflingen, Maschinenbau; Laura Neumann, Beringen, Praxis; Fritz Prengel, Beringen, Auslandsaufenthalt; Nico Reber, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Katharina Rieker, Diessenhofen, Wirtschaftswissenschaften; Andrin Rohner, Dachsen, Maschinenbau; Corinne Ruh, Buch SH, Agrar-/Lebensmittelwissenschaft; Silvan Scheerer, Gächlingen, Wirtschaftswissenschaften; Bettina Schlatter, Beringen, Humanmedizin; Nicolas Schmid, Schaffhausen, Maschinenbau; Robert Spleiss, Schaffhausen, Informatik; Jasper Stücheli, Schaff-hausen, Praxis; Michael Waldvogel, Feuerthalen, Auslandsaufenthalt; Andri Weber, Hallau, Biologie; Lukas Wehren, Stetten SH, Maschinenbau; Christoph Werner, Beggingen, Humanmedizin; Raphael Widmer, Beringen, Maschinen-/Elektrotechnik.

**Profil S sprachlich/altsprachlich**
Nina Brauchart, Schaffhausen, beabsichtigte Ausbildung: Internationale Beziehungen; Kathleen Di Paolo Cortes, Schaffhausen, Internationale Beziehungen; Anita Djordjevic, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Katarina Dujmovic, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Anna Ebi, Gächlingen, Humanmedizin; Minhet Fakic, Neuhausen am Rheinfall, Pädagogische Hochschule; Ladina Feucht, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Nadia Filippi, Schaffhausen, Sprachen; Leticia Hollenstein, Schaffhausen, Sprachen; Ronja Hübscher, Beringen, Auslandsaufenthalt; Andreas Hunziker, Schaffhausen, Umweltwissenschaften; Fabian Kraxner, Diessenhofen, Zahnmedizin; Nora Leutert, Schaffhausen, Sprachen; Jessica Mazzola, Thayngen, Sprachen; Silvio Meier, Schaffhausen, Praxis; Julian Miguez, Uhwiesen, Geschichte; Tabea Näf, Gächlingen, Wirtschaftswissenschaften; Mia Rajcic, Schaffhausen, Hotellerie; Enrico Regazzoni, Feuerthalen, Altertumswissenschaften; Pascal Richter, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Lilith Ritzmann, Flurlingen, Rechtswissenschaften; Gianluca Scheidegger, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Deborah Schneider, Neunkirch, Humanmedizin; Martin Schnetzler, Siblingen, Wirtschaftswissenschaften; Fabienne Schober, Uhwiesen, Rechtswissenschaften; Claude Schwyn, Beringen, noch nicht entschieden; Shena Seger, Schaffhausen, Praxis; Lucas Seiler, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Stefanie Stammer, Beringen, Architektur; Camilla Stauffacher, Neuhausen am Rheinfall, Auslandsaufenthalt; Matthias Tanner, Löhningen, Rechtswissenschaften; Janine Thöni, Schaffhausen, Humanmedizin; Lara Toffolon, Flurlingen, noch nicht entschieden; Tibor Vàradi, Löhningen, noch nicht entschieden; Samuel Vogelsanger, Beggingen, Physik; Laura Walter, Schaffhausen, Hotellerie; Bruce Weder, Schaffhausen, Humanmedizin; Carole Werdenberg, Schaffhausen, Umweltwissenschaften; Ladina Wunderli, Thayngen, Hotellerie; Philipp Zens, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt.

#Notizen zu Namen

6. Juli 2010 | Plüss / Kessler überzeugend

Schaffhauser Nachrichten
Roland Altenburger

Der Ruderclub Schaffhausen durfte nach einer erfolgreichen Saison mit einigen Erwartungen an den Rotsee zu der Schweizer Meisterschaft reisen. Seit über 25 Jahren zum ersten Mal wieder konnten Männer A des RCS das Podest besteigen. Jedoch nicht alle Erwartungen oder Hoffnungen konnten erfüllt werden. Die Hitze im Rotseebecken machte den Athleten zu schaffen, ein Gewitter am Samstag hatte sogar einen Rennunterbruch zur Folge. Die Rennen konnten aber alle unter fairen Bedingungen abgewickelt werden.

**Silber im Männer-Zweier**
Alex Plüss und Markus Kessler (beide Jahrgang 1992) fuhren im Zweier ohne Steuermann der Männer gegen zwei routinierte Spitzenruderer ein gutes Rennen um das SRV-Fanion. Die Luzerner Mario Gyr/Michael Schmid konnten ihren Titel wohl erfolgreich verteidigen, mussten sich allerdings sehr anstrengen, um die beiden kecken Schaffhauser Junioren in Schach halten zu können. Im Männer Skiff drang David Aregger (20) in den A-Final vor, indem er auf den sechsten Platz ruderte. Er bereitet sich nun auf seinen internationalen Einsatz bei der U-23-WM im weissrussischen Brest (22. bis 25. Juli) vor. Im Einerrennen der leichten Frauen schaffte Patricia Holenstein ebenfalls den Einzug ins A-Finale, wo sie in einem guten Rennen Platz vier erreichte.

**Gold und Meistertitel bei den U 19**
Alex Plüss und Markus Kessler holten in ihrer Kategorie Junioren U 19 im Zweier ohne Steuermann den Meistertitel nach einem weiteren souveränen Sieg. Somit blieben sie in der ganzen Saison ungeschlagen und dürfen mit grossen Ambitionen an der Junioren-WM im tschechischen Roudnice (vom 5. bis 8. August) für den Schweizer Ruderverband (SRV) im Vierer starten. Im Leichtgewichts-Doppelzweier der Frauen trafen die Schwestern Lea (23) und Patricia Holenstein (19) auf Kaderruderinnen und konnten nicht in den Kampf um die Spitze eingreifen. Sie wurden aber immerhin Dritte.

**Bronze im Achter**
Der Seeclub Zürich entschied das Rennen im Achter der Männer nicht ganz unerwartet in einem harten Kampf knapp vor der überraschenden Grasshopper-Crew und der Renngemeinschaft Schaffhausen/Kreuzlingen für sich. Das war enttäuschend für die RCS/RCK-Ruderer (mit Nico Stahlberg David Aregger, Alex Plüss, Markus Kessler, Daniel Rohr, Joel Horni, Mathias Stehrenberger, Severin Studach und Steuermann Samuel Ess), hatten sie doch bisher alle Rennen dieser Saison dominiert. Im Gegensatz zu den Zürcher Booten konzentrierten sich die Schaffhauser indes nicht nur auf den Achter und mussten eventuell für jedes harte Rennen büssen. Der Seeclub gewann in 5:52:80 hauchdünn mit 17 Hundertstelsekunden Vorsprung auf die Grasshoppers; Schaffhausen/Kreuzlingen verloren mit 5:57:57 fast fünf Sekunden auf die Erstklassierten, holten aber klar vor Vevey, Baden und Morges die Bronzemedaille – für Plüss/ Kessler war es die dritte SM-Medaille. Nicht ganz erfüllt wurden die Erwartungen bei den übrigen Junioren. Einzig bei den U 15 im Doppelzweier konnten Marvin Lüddecke und Christian Ess das B-Finale gewinnen, im Doppelvierer reichte es den jüngsten Schaffhausern (Marvin Lüddecke, Valentin Hoff, Marek Stahel und Christian Ess) zum 6. Platz.



RCS-Präsident Christian Rohr durfte den beiden erfolgreichsten Schaffhausern die Goldmedaille überreichen: Markus Kessler (links) und Alex Plüss (rechts) holten Gold im Zweier U 19, Silber im Zweier der Aktiven und Bronze im Achter.
Bild Roland Altenburger

#Allgemeines

1. Juli 2010 | Für die Technik begeistern

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

Der Schweiz fehlen die Techniker. Viel zu wenige Maturanden entscheiden sich für ein naturwissenschaftliches Studium. Diese Malaise ist zwar lange erkannt, doch man kann schliesslich niemanden zwingen, Chemie oder Maschinenbau zu studieren. Der Weg kann nur über die richtige Motivation führen, und genau das versucht die Kantonsschule derzeit mit einer Technikwoche, an der je eine dritte Klasse des N- und des S-Profils teilnimmt.

**Kampf der Roboter**
«Gegen die Greifarme habt ihr eh keine Chance», prahlt ein Schüler, während er seinen Lego-Roboter auf dem Spielfeld platziert. Es ist Mittwochnachmittag kurz nach drei, und der Höhepunkt des Tages steht auf dem Programm, ein Roboterduell. Das Spielprinzip ist einfach: Das Spielfeld sind zwei Rampen, die sich in der Mitte treffen. Auf der Kante liegen Pingpongbälle, die die Schüler mit einem selbst zusammengebauten und programmierten Roboterfahrzeug in die gegnerische Hälfte schubsen müssen. Das Wichtigste ist aber, dass der Roboter die Arbeit selbst macht, eingreifen dürfen die Schüler nicht. Die knapp 20 Jugendlichen stehen um den Tisch herum und fiebern bei den Duellen mit. «Ich finde das Programm heute genial», sagt Simon Galli. Jetzt, wo es um den Wettkampf geht, sind alle voll bei der Sache, auch jene, die sonst nicht viel mit Technik anfangen können. «Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass das keine Magie ist, die die Roboter bewegt», sagt Vance Carter, der den Kurs leitet.

**Das Verständnis fördern**
«Eine Technikwoche führen wir zum ersten Mal durch», erklärt Prorektor Georg Keller, der das Projekt lanciert hat. «Wir wollen damit erreichen, dass das Verständnis für die Technik bei den Schülern wächst und damit auch die Motivation grösser wird, ein entsprechendes Studium zu absolvieren.» Die Technikwoche läuft an der Kantonsschule aber erst als Versuch, an dem nur zwei dritte Klassen teilnehmen. Nur zwei Klassen sind es, weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist, denn die Kantonsschule lässt die Technikwoche vom Verein IngCH durchführen. IngCH ist ein Verein aus verschiedenen Unternehmen, darunter ABB, Roche und auch GF, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den Nachwuchs für technische Berufe zu fördern. «Referenten, Kursleiter und das Material bekommen wir kostenlos zur Verfügung gestellt», so Keller. Ziel ist, dass die Technikwoche an der Kantonsschule künftig für einen ganzen Jahrgang angeboten wird. Mittels einer Befragung soll aber zuerst evaluiert werden, ob das Angebot etwas bringt und inwieweit es angepasst werden muss, «schliesslich wollen wir die Schüler ja nicht noch davon abschrecken, einen technischen Beruf zu ergreifen.»

**Frust, weil andere frei haben**
Die Roboter zu programmieren, macht den Schülern sichtlich Spass, immerhin ist es auch ein ziemliches Erfolgserlebnis, wenn sie ihr Fahrzeug zum Beispiel mittels Händeklatschen steuern können. Die Technikwoche als Ganze stösst bei den Schülern aber nicht nur auf Wohlwollen. Neben dem praktischen Teil stehen auch Vorträge zur Technikgeschichte sowie Ausflüge an die ETH oder in technische Betriebe auf dem Programm, und da haben Fabian Müller und Simon Galli auch ein paar Längen geortet. «Eines der Referate war recht langweilig.» Ansonsten gefällt den beiden die Technikwoche aber ganz gut. Überhaupt nichts anfangen mit den ersten beiden Tagen konnten Laura Seifert und Hannah Kwasnicki. Die Vorträge fanden sie ziemlich öde, und ein technischer Beruf komme für sie ohnehin nicht in Frage. Seifert will Lehrerin werden und Kwasnicki im sozialen Bereich arbeiten, «daran ändert auch die Technikwoche nichts». Was die Schüler aber am meisten ärgert: Weil die Maturprüfungen laufen, haben die anderen frei, «und das bei diesem Wetter.» Die Schüler werden dies wohl irgendwann verschmerzen können. Ganz deutlich hat sich aber gezeigt, dass sie sich von praktischen Anwendungen am ehesten begeistern lassen. Nur logisch also, dass die Kantonsschule ab nächstem Jahr zumindest einmal für alle Erstklässler praktische Übungen in der Physik anbieten will.

#Allgemeines

29. Juni 2010 | Gastkolumne – Technikwoche

Schaffhauser Bock, Titelseite
Urs Saxer

An der Kantonsschule Schaffhausen gibt es verschiedene Themenwochen: Es gibt Sportwochen, Projektwochen, Wirtschaftswochen und diese Woche ganz neu, auch eine Technikwoche. Die Welt der Technik ist faszinierend und spannend. Für viele Schülerinnen und Schüler ist diese Welt aber auch gleichzeitig etwas fremd, vielleicht wegen der enormen Komplexität oder der rasanten technologischen Entwicklung. Technik ist aber immer auch ein Teil unserer Kultur und wir müssen uns mit den technologischen Entwicklungen und dem damit verbundenen Fortschritt intensiv auseinandersetzen. Die schweizerische Wirtschaft benötigt dringend mehr Naturwissenschaftler und Ingenieure. In den Legislatur- und Regierungszielen unseres Erziehungsdepartementes ist die Förderung der Naturwissenschaften sogar explizit aufgeführt. Nun sind für den Mangel an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren nicht nur die Gymnasien verantwortlich, das Interesse ist bereits auf Sekundarstufe und auf der Primarstufe zu wecken. Gleichzeitig sind auch die Anreize auf dem Arbeitsmarkt für technikorientierte Berufe zu verbessern. In der Kantonsschule wollen wir mit der Technikwoche bei den Klassen ein besseres Verständnis für naturwissenschaftliche Phänomene und Zusammenhänge und damit auch ein grösseres Interesse an Naturwissenschaften und Technik und den entsprechenden Berufen fördern. Die Zielsetzungen der Technikwoche lassen sich nur mit vertieften Kontaktmöglichkeiten zu den naturwissenschaftlich-technischen Studien- und Berufsbereichen erreichen. Für diese Kontakte danke ich im Namen der Schülerinnen und Schüler allen beteiligten Schaffhauser Unternehmungen ganz herzlich.

#Notizen zu Namen

22. Juni 2010 | Die ÖBS wählt drei neue Vorstandsmitglieder

Schaffhauser Nachrichten

Die Wahl von neuen und die Verabschiedung von zurücktretenden Vorstandsmitgliedern sowie die Rechnungsabnahme waren Traktanden an der GV der ÖBS Schaffhausen.
Gewohnt humorvoll und souverän führte Präsidentin Iren Eichenberger durch die Generalversammlung der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen (ÖBS). In ihrem Jahresbericht wies auf die zahlreichen Aktivitäten der ÖBS inner- und ausserhalb der Parlamente im vergangenen Jahr hin. Gleich fünf bewährte und teilweise langjährige Vorstandsmitglieder musste die ÖBS an diesem Abend verabschieden. Es waren dies aus Schaffhausen alt Kantonsrat René Schmidt und Bürgerratspräsidentin Brigitte Oechslin, aus Neuhausen die ehemaligen Sektionspräsidenten Ueli Furrer und Fränzi Vögele und aus Bibern der Steiner Stadtschreiber und frühere Erziehungsrat Stephan Brügel. Ihnen allen wurde mit herzlichem Applaus, freundlichen Worten und einer Flasche Süssmost für ihr grosses Engagement für die ÖBS gedankt.
Die Präsidentin konnte der Versammlung drei engagierte neue Vorstandsmitglieder zur Wahl vorschlagen. Mit Applaus gewählt wurden Apotheker Georg Merz aus Schaffhausen, die Thaynger Einwohnerrätin Maria Härvelid und als Vertreter der jungen Generation der Neuhauser Michael Bernath. Unberührt von der Finanzkrise blieb die Kasse der ÖBS. Die Rechnung, die von Kantonsrätin Regula Widmer verantwortet wurde, schloss mit einem erfreulichen Gewinn, sodass ein kleines Polster für die anstehenden Wahljahre entstanden ist. Weiter wurde bekannt, dass die ÖBS am 24. Juni die beiden Regierungsratskandidaten Ernst Landolt und Matthias Frick zu einem Hearing einladen und dann über eine allfällige offizielle Unterstützung entscheiden wird. Bereits früher hatte sich die ÖBS im Rahmen des ersten ÖBS-Forums des Jahres intensiv mit der Bildungspolitik beschäftigt. Unter der Leitung von ÖBS-Erziehungsrätin Ruth Gloor wurden unter anderem HarmoS, das neue Schulgesetz und der Berufsauftrag für Lehrpersonen diskutiert. Dabei ergab sich in der Diskussion, dass die ÖBS nicht gegen neue Schulleitungen ist, dass bei der Umsetzung aber gewisse Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Weiter wurde betont, dass der neue Berufsauftrag nicht zu einem Kontrollinstrument für die Lehrpersonen werden soll. Im Herbst wird sich die ÖBS in einem weiteren Forum noch einmal mit der Bildungspolitik auseinandersetzen. (ÖBS/S. B.)

#Allgemeines

22. Juni 2010 | Jedem sein Bier

Coopzeitung
Stefan Fehlmann

«Zuerst wird man ja mal ausgelacht, wenn man den Leuten sagt, dass man ein Biersommelier ist», erklärt Walter Tobler. Kein Wunder: Jeder weiss, was ein Weinsommelier ist. Schliesslich gehört dieser in der gehobenen Gastronomie zum guten Ton und findet sich fast schon in jedem besseren Restaurant oder Hotel.
Ein Biersommelier hingegen ist so etwas wie ein bunter Hund. Und entsprechend selten. Ganze acht dürfte es davon in der Schweiz derzeit geben. Das stört Walter Tobler aber nicht. Denn der 53-jährige Wirt aus Überzeugung, wie er selber von sich sagt, weiss es besser: «Im Grunde genommen sind ein Bier- und ein Weinsommelier das Gleiche. Nur dass Bier meiner Meinung nach ungemein vielfältiger ist als Wein.» Das war auch mit ein Grund, warum er sich vor drei Jahren in München und Salzburg zum diplomierten Biersommelier ausbilden liess, eine Ausbildung, die in der Schweiz nicht existiert.
«Bier hat mich immer fasziniert. Ich war neugierig und wollte Argumente für das Bier haben», sagt Tobler. Was nicht verwunderlich ist, immerhin schenkt er in seinen Betrieben, so etwa im historischen «Zum Goldenen Leuen», auch bekannt als «National oder Naz» im St. Galler Klosterviertel eigenes, «huus-braui»-Bier aus. Zusammen mit seinem Braumeister entwickelt er regelmässig neue Biere und führt Degustationen durch. Zudem gibt er sein Wissen auch an der Ostschweizer Gastronomiefachschule weiter.
Nur: Wie wird Bier eigentlich degustiert? «Im Grunde genommen genau gleich wie Wein. Mich interessieren die Farbe, der Schaum, der Geruch und schliesslich das, was im Mund passiert», erklärt Tobler und fügt lachend an: «Mit dem kleinen Unterschied, dass wir das Bier nicht ausspucken wie den Wein, sondern trinken.» Was aber nicht heissen will, dass Biersommliers schlicht und einfach Schluckspechte sind. Vielmehr muss das Bier auch geschluckt werden, um seine Bitterkeit zu bestimmen, und diese zeigt sich eben erst im sogenannten Nachtrunk. Ansonsten kommt beim Bierdegustieren ein ähnliches Vokabular zum Tragen wie beim Wein. So kann ein Bier schon einmal nach frischem Heu riechen und nach Schokolade schmecken. Und es gibt ein spezielles Degustationsglas. Dieses ist unten schmal, öffnet sich zur Mitte und verschliesst sich gegen oben wieder, bevor es sich nochmals leicht öffnet.
Dazu der Fachmann: «Mit dem unteren, schmaleren Teil können wir die Farbe bestimmen, der sich öffnende Teil hilft den Geschmack zu entfalten, derweil die Verengung den Schaum komprimiert, damit sich dessen Struktur bestimmen lässt.» Das klingt spannend und schreit nach der Probe aufs Exempel mit ein paar ausgesuchten Spezialitäten aus dem breiten Biersortiment, welches Coop in grösseren Supermärkten anbietet. Tobler ist von der internationalen Auswahl sehr angetan. Zum Beispiel vom «Schneider Weisse», ein würziges Weizenbier aus Bayern. Dummerweise ist das mitgebrachte Muster ein wenig zu warm. Bier muss kühl sein. 4 bis 6 Grad sind ideal. «Je leichter das Bier, desto kühler sollte es sein. Einzig die dunklen, schweren englischen Stout-Biere vertragen ein wenig Temperatur», klärt er auf. Trotzdem, das Weizenbier schmeckt ihm. Ihm gefallen der kräftige Charakter, die Karamellfarbe und das Bananenaroma. Klingt interessant.
Und würde er für ein gutes Essen auch Bier statt Wein empfehlen? «Unbedingt», erklärt er im Brustton tiefster Überzeugung. «Dieses Bier etwa passt garantiert gut zu Frischkäse und auch zu Fleisch.» Und dann zeigt sich ein Leuchten in seinen Augen: «Und zum Dessert sowieso.» Sein Tipp? Frische Erdbeeren! Warum nicht, einen Versuch wärs wert. Prost!





Foto: Christoph Sonderegger

#Notizen zu Namen

18. Juni 2010 | Die Stadtfahne

Schaffhauser Nachrichten, Sport
Matthias Dubach

Wer in Durban während der Partie Spanien – Schweiz im Moses- Mabhida-Stadion genau auf den Bildschirm schaute, konnte je nach Kameraeinstellung am Fernseher eine Schaffhauser Stadtfahne auf der Tribüne entdecken, sekundiert von einem Banner der Falken-Brauerei. Die Fans, welche mit den Fahnen auf ihre Herkunft hinwiesen, heissen Lorenz Textor, Andreas Grieder, Marco Zeltner, Simon Meyer und Turgut Gülay (v. l.). Schon vor dem Spiel posierte das Quintett siegesgewiss an der Strandpromenade von Durban.





Text und Bild Matthias Dubach

#Notizen zu Namen

11. Juni 2010 | Schaffhausen ist bereit für den Anstoss

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Wunderli und Robin Blanck

Heute beginnt das grosse Fussballfest in Südafrika, auch in Schaffhausen hat sich in den letzten Tagen die Vorfreude auf die Fussball-Weltmeisterschaft bemerkbar gemacht, wenn auch nicht im selben Umfang wie noch vor zwei Jahren, als die Schweiz die Europameisterschaft zusammen mit Österreich ausgerichtet hatte.
Im Kindergarten Munothalde in Schaffhausen herrscht echte WM-Stimmung: In der Garderobe des Kindergartens findet ein Match statt, «wir sind die Spielvi» – «wir die Schweiz!», rufen die Knaben, dann Schuss und Tor. Jubelgeschrei, es steht 2:2. «Das nächste Goal entscheidet», sagt Kindergärtnerin Patrizia Walter, die einen nicht benutzten Raum des Munothalden-Kindergartens in eine WM-Spielwiese verwandelt hat: Es gibt Luftballons mit Fussballmuster, einen Tschüttelikasten, Fussball-Memory, Bücher, Girlanden mit den Fahnen der teilnehmenden Nationen und – nebst vielen weiteren Attraktionen – natürlich auch ein eigenes WM-Studio mit Spielplan und einem Poster der Schweizer Nati. Im WM-Studio wird gerade emsig gearbeitet, die alte Schreibmaschine von Patrizia Walter steht nie still, Interviews werden geführt, die Kinder als Reporter. Wie bereits in früheren Jahren hat Walter die WM-Werkstatt eigens für die Kinder zusammengestellt, für die Kindergärtnerin ist das Thema vertraut: «Ich bin selber Fussballfan», gesteht sie, die früher auch öfter die Spiele des FCS besucht hat. Die Begeisterung für das runde Leder geht zurück auf Walters Cousine Monika Stahel, die 1964 am ersten für Frauen zugelassenen Schiedsrichterkurs teilgenommen hat. Eine junge Reporterin mit Mikrofon in der Hand interviewt den Kollegen von der Zeitung: Man ist sich einig, Alex Frei wird spielen können. Plötzlich Jubel in der Garderobe: Die Schweiz schlägt die Spielvi – auch ohne Frei. In der Garage von Urs Zahner in Flurlingen ist auch schon alles bereit für den WM-Auftakt, richtig los geht es aber nicht morgen, sondern erst am Montag, 21. Juni: Am Tag der Sommersonnenwende, genau um 16 Uhr, wenn die Schweiz gegen Chile spielt, wird er zusammen mit seinen Freunden mit dem Brauen eines «Sommersonnenwende-WM-Biers» beginnen. Vor fünf Jahren hat ihm sein Schwager ein Buch über das Bierbrauen geschenkt, seither wurde die Garage zur Brauerei und damit zur Produktionsstätte des «Mondlinger Bräus» umfunktioniert. Rund 50 Liter Bier ergibt ein Brauvorgang, «wenn alles ideal läuft», sagt der Chiropraktiker mit Praxis in Schaffhausen. Das WM-Bier werden die Brauer allerdings nicht mehr während der Weltmeisterschaft geniessen können: Nach einer Gärung von bis zu sieben Tagen muss das Bier noch vier bis sechs Wochen kühl gelagert werden. Auf dem Trockenen bleiben muss die Mondlinger-Bräu-Truppe aber nicht – schliesslich lagern ja noch ein paar Flaschen mit den von Daniela Räss gestalteten Etiketten in der Garage. Für den Schaffhauser Lorenz Textor und seine fünf Mitreisenden beginnt die WM heute auf dem Flughafen Kloten: Von dort reist man nach Kapstadt, im Gepäck sind Tickets für alle drei Gruppenspiele der Schweizer Mannschaft, dafür werden die Schaffhauser während zweier Wochen quer durchs Land reisen und weitere Partien besuchen. Die Vorfreude auf das Ereignis währt aber schon fast vier Jahre: 2004 schauten sich Textor und ein Freund in Dortmund das WM- Spiel Schweiz – Togo an, das brachte sie auf die Idee, auch bei der WM in Südafrika dabei zu sein. An einem Abend im Schaaren wurde der Vorschlag mit den Freunden – auch sie Mitglieder der Mittelschulverbindung Scaphusia – diskutiert und für gut befunden. Weil aber solche Vorhaben vier Jahre im Voraus meist von allen unterstützt werden, aber die meis- ten plötzlich nicht mehr mitziehen, wenn es Ernst gilt, wurde der Verein «Falkenprinzen» gegründet: Die Mitglieder verpflichten sich, das nötige Geld im Voraus einzuzahlen und an der Reise teilzunehmen. Als legitime Rücktrittsgründe – mit Rückerstattung des eingezahlten Geldes – gelten gemäss Statuten etwa ausbildungsbedingte Absenzen, nicht aber die Entbindung eines Kindes: «Wir wussten, dass wir 2010 30 Jahre alt sein würden und dass Verpflichtungen die Reise verhindern könnten», sagt Architekt Textor, der in den vergangen beiden Jahren in New York seinen MBA gemacht hat. Tatsächlich mussten mehrere Vereinsmitglieder absagen, sodass vier Kollegen aus dem gleichen Scaphusia-Jahrgang, der sogenannte Jahrgangsgötti aus der Verbindung und ein weiteres Verbindungsmitglied übrig blieben. «Gegen Spanien sehe ich kaum eine Möglichkeit, dass die Schweiz gewinnt, gegen die beiden anderen Teams liegt etwas drin», ist Textor überzeugt. Für Fussballverrückte, welche die Spiele nicht in Südafrika verfolgen können, besteht die Möglichkeit, eines der drei Public Viewings im Kanton aufzusuchen. Das grösste Public Viewing ist die «Ersparniskasse Arena Schaffhausen» im Mosergarten. Mitorganisator Luciano Di Fabrizio versichert, dass es noch freie Plätze gibt. Die Sitzplätze für eines der Spiele mit Schweizer Beteiligung würden aber langsam rar, so Di Fabrizio. «Für das dritte Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Honduras sind bereits jetzt alle Sitzplätze ausverkauft.» Stehplätze seien aber nach wie vor erhältlich. Der Grund dafür sei die Tatsache, dass dies das einzige Spiel der Schweizer in der Gruppenphase sei, welches am Abend stattfinde. Ein Rahmenprogramm vor und nach den Spielen gibt es im Mosergarten nicht. «Nach den Spielen dürfen die Besucher aber gerne noch in der Arena verweilen», sagt Di Fabrizio. Von Sonntag bis Donnerstag schliesst diese nämlich erst um halb eins, an den Wochenenden gar erst um halb zwei. In der «Clientis Arena» in Beringen können die Fans die WM unter freiem Himmel verfolgen. Die Organisatoren Christof und Albin von Euw vom Restaurant Gemeindehaus haben gestern Nachmittag mit dem Aufbau begonnen. Wie viele Besucher sie für die Spiele erwarten könnten, sei schwer einzuschätzen sagt Christof von Euw. «Das hängt stark von der Witterung ab.» Platzreservationen sind beim Public Viewing in Beringen nicht möglich, da der Eintritt frei ist. «Wer zuerst da ist», so von Euw, «der mahlt zuerst.» Bei grossem Ansturm können aber kurzfristig noch Stehtische aufgestellt werden. Die Organisatoren des Public Viewing im Stadtgarten in Stein am Rhein sind ebenfalls bereit für den heutigen Anpfiff. «Für die Spiele der Nationalmannschaft, sowie das Eröffnungsspiel und den Final sind die 70 Plätze im VIP-Bereich und viele Tische bereits besetzt», sagt Mitorganisator Oliver Schmid. Trotzdem gibt es an der Abendkasse noch genügend Einzeleintritte. «Bis zu 350 Leute dürfen wir ins Zelt lassen, erst danach müssen wir Leute abweisen.» Vor den Spielen der Nati werden in Stein am Rhein jeweils Bands aus der Region die Besucher auf die Matches einstimmen.