#Allgemeines

7. Mai 2010 | «Der Angeklagte sollte Gefühle zeigen»

Schaffhauser Nachrichten, Hintergrund
Luca De Carli

*Ein sehr erfolgreicher Jungakademiker (29) nimmt einen Lehrauftrag in einer grossen Hafenstadt an und erliegt dem Reiz des Milieus. Schmeisst Habilitation und sein bislang gelebtes Leben hin. Können Sie mir erklären, wie es dazu kam, Herr Landmann?*
Valentin Landmann: Damals in Hamburg wollte ich darüber schreiben, wie Personenkreise, die nicht zu einem Richter gehen können, trotzdem ihr Recht durchsetzen. Nach welchen Regeln diese Personen leben. Für meine Untersuchung habe ich versucht, in eine neue Sphäre einzudringen. Habe unter anderem meine ersten Kontakte zu den Hells Angels gehabt. Ich erlebte, wie in einer ersten grossen Welle in ganz Europa Polizeiaktionen gegen diese durchgeführt wurden. Das waren Alibiübungen – Versuche, zu zeigen, dass etwas gegen die organisierte Kriminalität unternommen wird. Ich habe damals erfahren, was es heisst, wenn Randgruppen verteufelt werden. Am Beispiel der Hells Angels und einiger anderer Gerichtsfälle, die ich in dieser Zeit mitverfolgt hatte, stellte ich fest, dass meine Lebensaufgabe nicht länger in der Wissenschaft lag. Ich wollte zu den Leuten. Dorthin, wo ich eine klaffende Wunde sah. Wollte nicht länger Schönheitschirurg, sondern Notfallarzt sein. Auch wenn der Schönheitschirurg sehr wohl eine wichtige Funktion ausübt.

*Wie fanden Sie in Hamburg überhaupt einen Zugang zu den Hells Angels?*
Landmann: Ich klopfte, völlig naiv, bei ihnen im Klublokal an. Dass sie sich damals überhaupt auf ein Gespräch mit mir einliessen, erstaunt mich bis heute. Mit einem bleichgesichtigen Bürolisten, der vor der Tür steht und fragt, ob es sich bei den Hells Angels um Verbrecher handle. Ich hatte damals ja auch meine Vorurteile. Zu meinem Erstaunen entstanden aus diesem ersten Kontakt sehr gute Gespräche. Irgendwie muss ich ihr Interesse geweckt haben.

*Sie stammen aus einem sehr bürgerlichen, intellektuellen Elternhaus. Wie reagierte Ihr altes Umfeld auf den neuen Lebenswandel?*
Landmann: Meine Mutter war Schriftstellerin. Sie stand immer zu mir, als ich begann, mich für Leute am Rand der Gesellschaft einzusetzen. Obwohl ich natürlich nicht ausschliesslich Aussenseiter, sondern auch mal einen Bankdirektor als Mandanten hatte. Aber dieses Einstehen dafür, dass der Staat korrekt zu den Leuten ist, sachgerechte Urteile fällt und nicht irgendwelche Gruppen kriminalisiert, dafür hat sich auch meine Mutter ihr ganzes Leben lang eingesetzt. Sie verstand deshalb meinen Schritt – hätte es aber sicher auch gerne gesehen, wenn ich die akademische Karriere fortgesetzt hätte.

*Gibt es Mandate, die Sie ablehnen? Fälle, mit denen Sie nichts zu tun haben wollen?*
Landmann: Ich sage nicht, dass ich bei bestimmten Taten jemanden als Mandanten grundsätzlich nicht annehme. Ich habe auch schon Lustmörder vertreten, deren Taten niemals entschuldigt werden können. Habe bei sinnlosen Morden das Mandat übernommen. Ich bin aber dazu gestanden und habe meine Arbeit als richtig empfunden. Es geht dabei immer um die Frage, wie und warum ein Verbrechen passiert ist. Nicht darum, eine Tat zu entschuldigen, sondern den Täter zu verteidigen – und in Ausnahmefällen auch darzulegen, dass er es gar nicht war. Ein Mandat lehne ich allerdings immer dann ab, wenn jemand etwas Unkorrektes von mir erwartet.

*Was verstehen Sie darunter?*
Landmann: Irgendeine Schlaumeierei. Es gibt Leute, die solches von ihrem Anwalt erwarten. Seltsamerweise sind das aber nie die Gangster. Die wissen, was sie von mir erwarten können und was ich machen darf. Brave Bürger aber wollen nach ihrer Verhaftung plötzlich, dass ich für sie alle möglichen Hebel in Bewegung setze, Leute zu Aussagen veranlasse. Da mache ich nicht mit. Oder jemand will einen andern mit meiner Hilfe über den Tisch ziehen und mich dafür am Gewinn beteiligen. Vielleicht bin ich ein zu schlechter Kaufmann, um bei solchen Aktionen mitzumachen. Ich bin nie reich geworden und werde es wohl nie werden. Dafür kann ich in den Spiegel schauen – auch wenn ich in meinem Leben grosse Fehler gemacht habe.

*Einer dieser Fehler brachte Sie fast um die Grundlage Ihrer Existenz. Sie wurden Anfang der Neunzigerjahre wegen Geldwäscherei und Gehilfenschaft zur Finanzierung des Drogenhandels angeklagt und sassen mehrere Wochen im Bezirksgefängnis Winterthur in Untersuchungshaft.*
Landmann: Ich half einem wegen eines Haschischdeliktes vorbestraften Mann. Bei seiner ersten Straftat hatte ich ihn noch nicht vertreten. Ein Bekannter von mir unterstützte ihn dann beim Aufbau eines Renovationsunternehmens und bat mich, ihm einige Türen zu öffnen. Ich willigte ein und trat für ein Honorar von 2000 Franken als Verwaltungsrat in sein Unternehmen ein. Nicht realisiert hatte ich, dass dieser Mann zwar Renovationen vornahm, sich aber gleichzeitig wieder an sehr umfangreichen Drogengeschäften beteiligte.

*Sie rechtfertigen Ihr Engagement damit, dass Sie Ihrem Klienten bei der Resozialisierung helfen wollten.*
Landmann: Ich betrachte die Unterwelt als Spiegel der Gesellschaft. Die beiden Sphären weisen eindeutig Parallelen auf. Ich war deshalb immer der Meinung und bin es selbst heute noch bis zu einem gewissen Grad, dass jemand, der seine Wünsche mit legalen Mitteln verwirklichen kann, keinen Grund hat, zu illegalen zu greifen. Man muss deshalb in der Resozialisierung die Leute so fördern, dass sie ihre Fähigkeiten legal einsetzen können. Klar ist allerdings, dass es immer Anreize geben wird, Illegales zu tun. Die Lehre aus diesem Fall war, dass ich nie mehr aus sozialen Gründen zu so günstigen Konditionen eine Aufgabe übernahm. Für 2000 Franken war es mir schlicht nicht möglich, zig Stunden damit zu verbringen, das Unternehmen zu kontrollieren. Hätte ich genauer hingeschaut, wären mir aber mit Sicherheit Unstimmigkeiten aufgefallen. Das wurde mir schliesslich auch von den Behörden zur Last gelegt. 1* Heute gehe ich aus Prinzip nicht mehr in Verwaltungsräte. Bleibe bei dem, was ich kann: der Verteidigung.

*Beim Prozess gegen die vier ehemaligen Angestellten des Zürcher Pflegezentrums Entlisberg fiel auf, dass Ihre Mandantin vor Gericht am offensichtlichsten Reue zeigte. War das sie selber oder die Verteidigungsstrategie ihres Anwaltes?*
Landmann: Meine Mandantin war von Anfang an bereit, zu ihrer Tat zu stehen. Natürlich haben aber auch die vielen gemeinsamen Gespräche zu diesem Schritt beigetragen.

*Lässt sich ein Gericht, das sich auf Fakten stützen muss, überhaupt durch Reuebekundungen beeinflussen?*
Landmann: Eine rein formale Bekundung im Stil von «Es tut mir leid» reicht nicht. Wichtig ist aber, dass ein Gericht aus all den Aussagen eines Angeklagten erkennt, wie er heute zu seiner Tat steht. Dass er das Unrecht einsieht. Dass man ihm wirkliches Bedauern anmerkt. Solches Verhalten kann eine Strafe um bis zu einem Drittel reduzieren. Deshalb verstehe ich die Strategie der Verteidigung im Fall der Schläger von München als Aussenstehender nicht.

*Die drei Jugendlichen haben bislang vor Gericht ja konsequent geschwiegen.*
Landmann: Das ist für mich schlicht nicht nachvollziehbar. Ich vertrat vor Kurzem einen jungen Mann, der einen Raubüberfall begangen hatte. Der Überfall geschah in einer alkoholisierten Gruppe von als Problemfälle bekannten Männern. Mein Mandant stand zu seiner Tat. Er konnte seine Tat zwar nicht erklären, aber glaubhaft versichern, dass er sein damaliges Verhalten heute nicht mehr versteht. Das wäre auch das Mindeste, was Gericht und Öffentlichkeit im Fall München erwarten dürften. Dass man zumindest eine Erklärung bekommt, was in den drei Jugendlichen an diesem Abend vorging. Wie so etwas Entsetzliches passieren konnte. Die Tat kann so niemals entschuldigt werden, aber die Aussagen trügen zu einem besseren Verständnis bei. Ich glaube deshalb, dass sich die Verteidigung mit ihrer Strategie eine grosse Chance auf ein sachgerechtes Urteil verspielt.

*Sie haben einmal gesagt, dass Ihre Hauptaufgabe als Verteidiger darin besteht, dem Gericht Ihren Mandanten vorzustellen.*
Landmann: Nicht die Tat zu entschuldigen, sondern sie zu erklären. Dass ein Täter bereit ist, über seine Tat zu sprechen, ist bei Annahme eines Mandates oft noch nicht der Fall. Die Bereitschaft entwickelt sich meist in den Gesprächen. Irgendwann kommt man zu einem Punkt, an dem der Mandant in einen Dialog tritt. Anfängt, seine Gefühle zu zeigen. Er muss ja nicht seine Tat begründen können. Er muss Gefühle zeigen. Beschreiben, was damals in ihm vorging. Das öffnet dann zum ersten Mal den Blick auf das Ganze. Dieser Blick fehlt einem Richter, wenn ein Täter nicht bereit ist zu sprechen. Es gibt aber auch Täter, die nicht darüber sprechen können. Für diese übernimmt dann der Anwalt.

*Was, wenn Sie als Anwalt aber ein ganz anderes Bild von Ihrem Mandanten haben als dieser von sich selbst?*
Landmann: Standardsätze über eine schlechte Kindheit genügen nicht, um mildernde Umstände zu erreichen. Es braucht schon eine detaillierte Aufarbeitung. Sollten Mandant und Anwalt eine andere Sicht des Sachverhalts haben, muss der Anwalt das Gespräch suchen. Er kann aber nicht eine total andere Haltung einnehmen. Am Schluss entscheidet immer der Mandant, wie weit sein Anwalt gehen darf.

*Wie verbreitet ist Ihre Berufsauffassung unter den Verteidigern?*
Landmann: Eine Generalisierung ist nicht möglich. Für mich ist die Darstellung der Tat wichtig. Es gibt aber diverse, von mir hoch geachtete Verteidiger, die einen anderen Stil pflegen. Ich bin einfach der Meinung, dass ich mit meiner Art der Verteidigung sehr oft Erfolge erziele. Erfolg bedeutet für mich ein sachgerechtes Urteil; ein Urteil, hinter dem letztlich alle Parteien stehen können.

1* Das Bezirksgericht Zürich hat Valentin Landmann 1996 wegen mehrfacher qualifizierter Geldwäscherei zu einem Jahr Gefängnis bedingt und zu einer Busse von 15 000 Franken verurteilt. Vom Vorwurf der Finanzierung des Drogenhandels und der Gehilfenschaft zu Begünstigung und Urkundenfälschung wurde er freigesprochen. Das Anwaltspatent wurde ihm nicht entzogen.


*Zur Person*

Valentin Landmann (59) ist seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Zürich. Zuvor lehrte er an der Universität, war Bezirksanwalt und Ersatzrichter. Sein Studium schloss er in nur sechs Semestern mit der höchsten Auszeichnung ab. Auch seine Dissertation erhielt das Prädikat «summa cum laude». 1979 nahm er einen Lehrauftrag am Max-Planck-Institut in Hamburg an. Dort kam er in Kontakt mit dem Milieu, beschloss, sein Leben zu ändern, und zerriss seine Habilitation. Bekannt wurde er als Anwalt des Zürcher Ablegers der Hells Angels. Er verteidigte aber auch einen der Fraumünster-Posträuber sowie im Wetziker Taximord. Zudem schrieb er mehrere Bücher. (ldc)

#Allgemeines

6. Mai 2010 | «Marken sind wichtiger als Produkte»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Philipp Lenherr

Schaffhausen Es war eine der seltenen Gelegenheiten, den 36-jährigen Marketingprofi, der in Graubünden aufgewachsen ist, über seine Arbeit sprechen zu hören. Der heutige CEO und Miteigentümer der englischen Lotus Group hat seine Karriere als KV-Stift bei einem Autozulieferer in Wil begonnen. Dass er nur selten Einladungen für Referate annimmt, hat einen simplen Grund: «Eigentlich mache ich das nicht gerne.» Am Dienstagabend hat er es auf Einladung der Handelsschulverbindung Commercia Schaffhausen im gut gefüllten Keller des Haberhauses in der Neustadt trotzdem getan.

**Marken vermitteln Werte**
«Es geht um die Marke, nicht um das Produkt», stellte Bahar gleich im ersten Teil seines Referats klar. Mit Blick auf Ferrari und Red Bull, beide ehemalige Arbeitgeber von Bahar, und Lotus könne man sogar sagen, «dass es keinen rationalen Grund gibt, deren Produkte zu kaufen». An der Stärke der Marken liege es, dass die Produkte trotzdem gekauft würden. Entscheidend seien Werte, Eigenschaften und Charaktere, für die die Marken stünden. «Der Konsument wünscht, sich mit der Marke zu identifizieren», so Bahar. Es sei deshalb beispielsweise kein Zufall gewesen, dass Red Bull sich von Anfang an ein rebellisches Image gegeben habe. Bei der vorab jugendlichen Zielkundschaft ist das offenbar gut angekommen. Die Diskussionen um ein Verbot des aufputschenden Süssgetränks in einigen Ländern haben der Marke Red Bull mehr genützt als geschadet – der Reiz des Verbotenen lässt grüssen. Ganz andere Werte gelten hingegen bei Ferrari: Tradition, Kompetenz, hohe Leistung und die Farbe Rot beispielsweise. Diese und einige weitere «core values» stellen laut Bahar die Basis für jegliche Aktivität von Ferrari dar. «Sind die Werte definiert, müssen sie konsequent angewendet werden», so Bahar. Ferrari ist dies so konsequent gelungen, dass wohl fast jeder beim Anblick eines roten Sportwagens automatisch an Ferrari denkt.

**«Der britische Porsche»**
An einem ganz anderen Punkt steht Bahar bei Lotus. Der Name Lotus war bis zum Comeback in diesem Jahr lange Zeit aus der Formel 1 verschwunden. Und auch die Lotus-Sportwagen stehen vor grossen Veränderungen. «Bei Lotus sind wir jetzt daran, neue Werte der Marke festzulegen. Diese werden dann die neue Lotus-Welt definieren», so Bahar. Wie die neue Lotus-Welt und die zukünftigen Sportwagen aussehen werden, konnte und wollte er am Dienstagabend in Schaffhausen noch nicht offenlegen. Einen kleinen Vorgeschmack, in welche Richtung es gehen wird, gab er trotzdem: «Lotus soll der britische Porsche werden.» Ein Wandel,der, wie könnte es anders sein, natürlich bei der Marke und nicht bei den Produkten beginnt.


**Commercia Die Schaffhauser Handelsschulverbindung**
Die 1918 gegründete Handelsschulverbindung zählt heute rund 100 Mitglieder im Altherrenverband und hatte in den letzten Jahren jeweils etwa sechs bis zwölf Mitglieder in der Aktivitas. Die meisten Mitglieder sind oder waren Lernende der Handelsschule KVS.
Im Vordergrund steht die Pflege von Kontakten innerhalb der Verbindung sowie zu Angehörigen von anderen Verbindungen. Die Aktivitas treffen sich alle zwei Wochen zum Stamm, die Altherren einmal monatlich. Die Verbindung ist konfessionell und politisch neutral. Die Farben der Commercianer sind Violett-Weiss-Violett. (ple)

#Notizen zu Namen

4. Mai 2010 | Gemeinsam wohnen in der Solitude

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Altersgerechtes Wohnen ist – die Demografie befiehlt es – ein Bedürfnis: Das soll es nun an schönster Lage auch auf dem Emmersberg geben, denn die Künzle-Stiftung will in der ehemaligen Künzle-Villa vier Alterswohnungen einrichten und auf dem benachbarten Grundstück weitere elf Wohneinheiten in einem Neubau erstellen. Gestern wurde das Baugesuch eingereicht; wenn es zu keinen Verzögerungen kommt, könnten die Gebäude im Herbst 2011 bezogen werden.

**Anspruchsvolle Gestaltung**
Wie Kurt Baader, Präsident der Künzle-Stiftung, erläuterte, sei die Idee durchaus nicht neu: Als vor fünf Jahren klar war, dass das Künzle-Heim saniert werden müsste, wollte die Stiftung die Arbeiten angehen und zugleich Alterswohnungen erstellen. Damals kam die Stadt zu einem anderen Ergebnis: Die Stiftung sollte das Land im Baurecht zur Verfügung stellen, die Stadt würde dann bauen. So geschah es auch, der entsprechende Kredit wurde vom Volk gutgeheissen, im Herbst sollte Eröffnung gefeiert werden. Das Wohnungsprojekt wurde damals zurückgestellt, inzwischen ist aber weitergearbeitet worden: Aus einem Wettbewerb ging das Schaffhauser Architekturbüro Bergamini/Néma als Sieger hervor. «Besonders an diesem Projekt ist die Aufteilung auf eine Jugendstilvilla und einen Neubau», sagt Pierre Néma, «das verlangt nach einer besonders guten Gestaltung – auch was die Umgebung anbelangt.» Der Neubau im Minergiestandard wartet mit ähnlichen Detaillösungen auf wie der Bretterhof an der Schifflände, der ebenfalls von Bergamini/Néma stammt: grosse Fenster, Betongurte als Gliederungselemente. Der Bau weist nur drei Geschosse auf und passt sich so den umstehenden Einfamilienhäusern an.

**Schonender Umgang**
Die Umbauarbeiten im Herrenhaus werden in Abstimmung mit der Denkmalpflege realisiert und sollen den ursprünglichen Charakter der Jugendstilvilla wiederherstellen. Geplant ist eine Wohnung im Erdgeschoss, zwei im 1. Stock und schliesslich eine im Dachgeschoss. Das Raumangebot umfasst Wohneinheiten mit zwischen 70 und 90 Quadratmetern, die provisorischen Mietpreise beginnen bei 1100 für die kleinsten und enden bei 2400 Franken für die grössten Wohnungen. Beide Gebäude werden von einer gemeinsamen Pelletsanlage beheizt, die Warmwasseraufbereitung erfolgt über eine Solaranlage auf dem Dach. Nicht erhöht wurde – trotz des Baus von 15 zusätzlichen Wohnungen – die Anzahl Parkplätze auf dem Areal: Noch immer stehen nur fünf Felder zur Verfügung, allerdings werden diese vor den Neubau verschoben. Eine Aufstockung hat auch dem Wunsch der Anwohnerschaft entsprochen, zumal bereits jetzt Parkplatzknappheit auf der Strasse herrscht. Aber: «Diesbezüglich musste ein Kompromiss mit der Stadtbildkommission und weiteren Beteiligten gefunden werden», sagt Baader, «auch mir wären mehr Parklätze lieber gewesen.» Als «perfekte Ergänzung zum Künzle-Heim» begrüsste Urs Hunziker, Heimreferent der Stadt und zugleich Vizepräsident der Künzle-Stiftung, das Projekt. Die künftigen Mieter könnten sich vom geplanten Quartierdienstleistungszentrum unterstützen lassen. Weil Altersvorsorge als Stiftungszweck klar definiert wird, stellt sich die Frage, ab welchem Alter man denn Mieter werden kann: «Eine schwierige Frage», sagt Kurt Baader und verspricht: «Wir werden das grosszügig handhaben.»


**Stiftung**
*Das Vermögen des Kammgarn-Direktors*

Im Jahr 1905 hat Jakob Huldrich Künzle, Direktor der Kammgarnspinnereien Schaffhausen und Derendingen, die Villa Solitude erbauen lassen und den Umschwung mit Zukäufen ergänzt. Für seine Söhne Hans und Richard erstellte er separate Häuser auf dem Areal. 1955, nach dem Tod von Hans Künzle, gründete sein Bruder Pfarrer Richard Künzle die gleichnamige Stiftung. Als Stiftungszweck wird die Altersvorsorge festgelegt, aus dem Vermögen das Künzle-Heim gebaut. (rob)

#Notizen zu Namen

3. Mai 2010 | Soziale Verantwortung wahrnehmen

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Wunderli

«Arbeit, Lohn und Rente statt Profit und Gier», so lautete das diesjährige Motto der 1.-Mai-Feier. Angeführt vom Tambourenverein Schaffhausen, zogen rund 300 Personen via Bahnhofstrasse und Obertor zum Fronwagplatz. Dort angekommen, begrüsste der Schaffhauser Kantonsrat Florian Keller (AL) die Teilnehmer zur 1.-Mai-Kundgebung: «Ich freue mich, dass trotz des wirklich miesen Wetters der Platz praktisch voll ist.» Dies sei ein spezielles Jahr, so Keller weiter. «Die Bürgerlichen planen eine regelrechte Invasion auf die soziale Schweiz, und es gilt, diese Invasion aufzuhalten.» Zu diesem Zweck waren an der 1.-Mai-Feier zahlreiche Unterschriftensammler unterwegs. Sie suchten beispielsweise Unterstützer für ein Referendum gegen die Revision der Arbeitslosenversicherung oder für eine Initiative zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung im Kanton Schaffhausen.

**An die Verantwortung erinnern**
Als erste Referentin trat die St. Galler Nationalrätin Hildegard Fässler (SP) vors Mikrofon. «Im Golf von Mexiko explodiert eine Ölbohrinsel und bedroht das Mississippi-Delta, ein Vulkan auf Island legt den Flugverkehr in Europa lahm.» Der 1. Mai sei der Tag, die Verantwortlichen an ihre Verantwortung zu erinnern. Statt den letzten Tropfen Erdöl aus dem Boden zu holen, solle vermehrt in erneuerbare Energien investiert werden. Statt infolge des Flugchaos nach Staatshilfen zu rufen, sei es notwendig, darüber nachzudenken, die regionale Versorgung zu stärken und unnötige Transporte zu vermeiden. Weiter sprach sich Fässler für ein Ende der «unsäglichen Hatz gegen Deutsche» aus. «Gerade wenn es darum geht, ein mögliches Tiefenlager für radioaktive Abfälle in der Region zu verhindern, können wir die Hilfe unserer nördlichen Nachbarn gut gebrauchen», so Fässler.

**Kürzere Arbeitszeit, gleicher Lohn**
Als regionaler Referent sprach der Schaffhauser Kantonsrat Matthias Frick (AL) über die Folgen von stetigem Wirtschafts- und Produktivitätswachstum. «Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass wir nicht ewig weiterwachsen können», sagte Frick. Statt den stetigen Produktivitätswachstum und die daraus resultierenden Einsparungen beim Arbeitsaufwand durch Mehrproduktion auszugleichen, forderte er weniger Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn. «Diejenigen, die uns die Arbeitszeitverkürzung vermiesen wollen und lauthals nach mehr Wachstum schreien, sind die Vertreter des Kapitals.» Auch Bundesrat Hans-Rudolf Merz gehöre zu diesen Vertretern. Merz versuche momentan alles, damit die Banken auf internationaler Ebene nicht zu einer Abgabe gezwungen werden könnten, um einen Teil der Kosten der von ihnen verursachten Krise zu decken. «Ein Politiker wie Merz», so Frick, «muss zurücktreten. Besser noch, wir treten ihn gemeinsam zurück.» Als letzter Redner und Vertreter der Migranten sprach Giovanni Giarrana, Mitglied des Regio-Vorstands Unia – ZH/SH. Der pensionierte Polymechaniker aus Sizilien hielt seine leidenschaftlich vorgetragene Rede in Italienisch. Danach wiederholte er seine Gedanken über Krieg, Hunger, Rassismus und die Möglichkeit einer besseren Welt auf Deutsch. Giarrana verabschiedete sich mit dem Lied «Bella Ciao». Einige Zuhörer stimmten spontan mit ein. Das anschliessende Fest eröffnete die Band Palkomuski – unterstützt von Florian Keller am Mikrofon – mit der Internationalen.

#Notizen zu Namen

30. April 2010 | Ehrungen und Preise an ETH-Angehörige

Jahresbericht der ETH Zürich 2009
ETH Zürich, Hochschulkommunikation

Prof. Dr. Jürg Fröhlich, D-PHYS, Poincaré Prize of the Daniel
Iagolnitzer Foundation für sein wissenschaftliches Lebenswerk,
International Association of Mathematical Physics.

#Allgemeines

27. April 2010 | Aus für die Glimmstängel in den Restaurants

Schaffhauser Bock, Front
Marcel Tresch

Grundlage des Verbots, das ab dem 1. Mai 2010 in Kraft tritt, ist das Bundesgesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen. «Darauf basierend», so Max Reiner, Präsident von Gastro Schaffhausen, «haben insgesamt 15 Kantone noch schärfere und einschränkendere Bestimmungen erlassen.» Im Gegensatz zum Kanton Schaffhausen, der in seiner gesetzlichen Verordnung lediglich die Vorgaben des Bundes umsetzt und Raucherlokale sowie so genannte Fumoirs zulässt. Als äusserst störend empfindet Reiner, dass nicht – wie bei anderen eingeführten Gesetzen – Übergangsfristen oder zum Beispiel auf eine bestimmte Zeit befristete Versuche vorgesehen sind. Lobenswert findet der Sternen-Wirt aus Lohn dagegen, dass die Gäste in den Fumoirs auch in Zukunft bedient werden können. Während die meisten Gastro­betriebe auf Grund ihrer Grösse für die Öffentlichkeit ohnehin zu rauchfreien Zonen werden, können einige Restaurants, die kleiner als 80 Quadratmeter sind, als Raucherlokale geführt werden. Zur Erteilung einer Bewilligung benötigt der Staat vom Gesuchsteller vier Angaben. Neben den Plänen des Lokals und der Einwilligung des Hauseigentümers sind dies aus baulicher Sicht die technischen Angaben zur Belüftung sowie vor allem die Bestätigung, dass die Angestellten zur Arbeit im Raucherlokal bereit sind.

**Einheitliche Raucher-Beschriftung**
Max Reiner ist einer von rund 60 Gesuchstellern, die im ganzen Lokal das Rauchen zulassen oder ein Fumoir erstellen wollen, die zwischenzeitlich eine Bewilligung erhielten. Entsprechend hat er bereits ein transparentes Schild mit der Aufschrift «Raucherrestaurant – Nichtrau- cher herzlich willkommen!» installiert. Für Fumoirbetreiber wurde eigens ein Kleber kreiert, der auf die Rauchmöglichkeit im Restaurant aufmerksam macht. Beides kann bei Gastro Schaffhausen bezogen werden. Angestrebt wird eine einheitliche Beschilderung, um bereits von weit her erkenntlich zu machen, wo geraucht werden darf. «Einerseits ist das für die Touristen gut», so Max Reiner, «andererseits wollen wir alle Gäste willkommen heissen und die Raucher nicht noch mehr diskriminieren.» Auch wenn der Wirt mit dem Rauchverbot leben kann, befremdet ihn, dass er für die Bewilligung 300 Franken zu bezahlen hatte, obwohl in seinem Lokal schon immer geraucht wurde.

**Einbussen wird es bestimmt geben**
Dass der Bund wenigstens den 1. Mai als Inkraftsetzungsdatum für das Nichtrauchen festgelegt hat, bezeichnet der Gastro-Schaffhausen-Präsident als sinnvoll. «Vorausgesetzt, das Wetter macht die ersten Monate mit», betont Reiner, «können sich die Gäste an die neue Situation gewöhnen, dass sie vor der Restauranttüre rauchen müssen.» Dass bei den Wirtsleuten zumindest die Befürchtung vor Umsatzeinbussen wenn nicht gar eine Existenzangst grassiert, wagt er niemandem abzusprechen. Aus seiner Sicht könnten vor allem grössere und grosse Restaurationsbetriebe, verbunden mit späteren Personalentlassungen, vom Verbot betroffen sein. «Umsatzeinbussen wird es ganz sicher geben», mutmasst Reiner. Doch dies ist nicht seine einzige Befürchtung. Sowohl die Lärmemissionen in der Nacht als auch die dadurch verbundenen Reklamationen dürften steigen, womit – in erster Linie in der Stadt Schaffhausen – das Risiko polizeilicher und behördlicher Restriktionen ebenfalls möglich wäre.

**Motto «Abwarten und Tee trinken»**
Die Probleme ähnlich gelagert sieht Ntallas Georgios, stellvertretender Geschäftsführer der räumlich grossen Kammgarn-Beiz: «Dadurch, dass sich die Leute noch mehr als bisher auf der Strasse aufhalten, ist auch mit entsprechend mehr Problemen zu rechnen.» In Bezug auf das komplette Verbot wird sich für ihn nicht viel verändern. Vor allem zu Essenszeiten sei in der Kammgarn immer Rücksicht von den Rauchern genommen worden. Unter dem Motto «Abwarten und Tee trinken» wird man nun das Gästeverhalten in den Frühlings- und Sommermonaten gut beobachten und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen. Ob ab dem 1. Mai weniger Leute die Kammgarn-Beiz besuchen werden, sei sehr schwierig abzuschätzen. Mit einem Schulterblick über die innerstaatlichen Grenzen sei in den anderen Kantonen, die das Rauchverbot schon vor längerer Zeit in Kraft gesetzt haben, festzu- stellen, dass sich die Restaurantbesucher rasch an die neue Situation gewöhnt hätten. Entsprechend sieht er der Zeit ab und nach dem 1. Mai gelassen entgegen. «Einige freuen sich darüber, andere wiederum nicht», lacht Georgios. Als mögliche Massnahme, den doch vielen qualmenden Kammgarn-Gästen den Aufenthalt vor dem Lokal so angenehm wie möglich zu machen, kann sich der Restaurationsangestellte durchaus eine schön gestaltete Raucherinsel vor dem Haus vorstellen.

**Alte neue Kunden als Rückkehrer**
Luciano Di Fabrizio und Freddy Schlumpf, zusammen Betreiber mehrerer Lokalitäten, nehmen «das, was jetzt kommt» re­lativ gelassen und sind gespannt, wie die Reaktionen der Gäste ausfallen. Für Feststellungen von allfälligen Umsatzeinbussen fehlt ihnen die Vergleichsmöglichkeit. In anderen Kantonen seien sowohl Rückgänge als auch Steigerungen festgestellt worden. Dennoch ist Di Fabrizio in einem gewissen Sinn beruhigt, dass sie für ihr «Eckhaus» an der unteren Stadthausgasse für das Erdgeschoss und für den ersten Stock die mündliche Zusage als Raucherlokal erhalten haben. Im Cuba Club will er nun den Sommer abwarten. Seine Angestellte Angela Schneider kann sich gut vorstellen, dass einige Gäste für gewisse Zeit aus Protest den Bars und Restaurants fern bleiben. Dafür bestünde die Möglichkeit, dass dafür die Nichtraucher als alte neue Kunden zurückkehrten. Luciano Di Fabrizio schliesst aber bezüglich Personal Massnahmen nicht aus, sollten sich krasse Umsatzeinbussen einstellen. Aus baulicher Sicht könnte er sich ab Herbst eine gehobene Smoker-Lounge vorstellen.

**Lieber die Toleranz als ein Verbot**
Auf die Bewilligung für ein Raucherrestaurant hofft «Sunne Beizli»-Wirtin Jeannette Hugentobler aus Neunkirch. Sie begründet ihr Begehren damit, dass sie eine typische Dorfbeiz mit Handwerkern und Kunden, die ihr Feierabendbier geniessen, als mehrheitlich rauchende Stammkundschaft betreibt. Das Nichtrauchen um die Mittagszeit und dann, wenn sich jemand am Qualm stört, werde ohnehin heute bereits eingehalten. «Mir wäre die gegenseitige Toleranz lieber als ein Verbot mit Hintertürchen gewesen», betont die Wirtin.


Einheitliche Beschriftung der Raucherrestaurants.

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24. April 2010 | Mit Ethikunterricht gegen Abzockertum

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

Im September 2008 musste in New York die Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmelden, womit die globale Finanzkrise eingeläutet wurde und die Diskussion um abzockende Banker weltweit begann; in Schaffhausen nahm zur gleichen Zeit an der Kantonsschule eine von der Schulleitung eingesetzte Arbeitsgruppe, die sich aus aktiven und ehemaligen Schülerinnen und Schülern sowie aus Lehrkräften zusammensetzte, ihre Arbeit auf. Sie hatte den Auftrag abzuklären, wie die Bereiche Ethik und Politische Bildung besser im Unterricht verankert werden könnten. Die beiden Ereignisse in New York und Schaffhausen hatten insofern einen Zusammenhang, als das eine das andere bedingte. Bereits im Jahr zuvor, 2007, hatte Thomas Cerny, damals noch Kantonsschüler, sich in einem Artikel im «Kanti-Bulletin» Gedanken darüber gemacht, dass an der Kantonsschule nicht nur Fachwissen unterrichtet werden sollte, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang damit im späteren Leben. In einem Grundsatzpapier, das er später für die AG schrieb und das den SN vorliegt, formulierte er folgende Fragen: «Doch genügen ausgezeichnete berufliche Fähigkeiten, um für gesellschaftsrelevante Entscheidungen gewappnet zu sein? Was sind die Voraussetzungen für einen vernünftigen Entscheid? … Was aber macht jenes Ganze aus? Welche Dinge muss man mit einbeziehen? Hat der Kantonsschulabsolvent – zumindest ansatzweise – Antworten auf diese Fragen? Oder, grundlegender noch, ist er sich beim Verlassen der Kantonsschule dieser Fragen überhaupt bewusst?»
Dass solche Fragen auch andere Schülerinnen und Schüler beschäftigten, zeigte das Echo auf den Artikel im Jahr 2007. Es entstand eine Gruppe, die sich des Themas annahm (siehe auch Artikel auf dieser Seite), aktiv wurde und schliesslich, wie gesagt, im Herbst 2008 offiziell installiert wurde. «Seither erfolgt an der Kantonsschule eine ständige Auseinandersetzung mit der Frage, wie und in welchem zeitlichen Rahmen man den Schüler vermehrt dazu anregen kann, seine Handlungsfreiheit in den Bereichen des Zusammenlebens als Mensch (Ethik) und des Zusammenlebens als Bürger (Politische Bildung) zu begreifen und zu ergreifen», heisst es dazu in dem Papier. Die AG kam zum Schluss, dass der Ausgangspunkt zu einer Beschäftigung mit diesen Fragen die Persönlichkeit jedes Einzelnen sei: «Denn nur die eigene, selbst reflektierte Persönlichkeit kann das integrative Element sein, welches die einzelnen fachlichen Fähigkeiten zu einer ganzheitlichen Sicht verknüpft. Für die Erarbeitung dieser Sicht in der Auseinandersetzung mit sich selbst sollte mehr Zeit eingeräumt werden.» Wie diese Auseinandersetzung konkret erfolgen soll und wie zudem neben der Vermittlung von Fachwissen auch ethische Fragen in den Unterricht integriert werden sollen, das soll mit Hilfe von Versuchen herausgefunden werden. «Meistens gibt es nicht von vornherein die ideale Musterlösung; man soll ausprobieren dürfen, um sich von einer Sache überzeugen zu können. Gleichzeitig will der Versuch durchdacht, gut geplant und – wenn möglich – zuerst in kleinerem Rahmen durchgeführt werden. …. Vor diesem Hintergrund nun kommt der Kantonsschule Schaffhausen eine Pionierrolle zu, denn sie kann genau dieses überlegte Ausprobieren leisten und dadurch möglicherweise als Wegbereiterin für eine erfolgreiche Weiterentwicklung dienen.» Im Idealfall, so heisst es in dem Grundlagenpapier, können die Diskussionen im Klassenverband dazu führen, dass gemeinsame Wertegrundlagen entwickelt werden. «Und das ist etwas, was wir gerade heute in den Zeiten der sogenannten Wertekrise brauchen – neben richtig verstandener Freiheit und der dazugehörenden Verantwortung als Voraussetzungen für eine funktionierende freiheitliche Gesellschaft» ist dazu abschliessend in dem Papier zu lesen. Im Gespräch mit den SN machte Thomas Cerny, der heute 21 Jahre alt ist und nach einem Jahr Studium der Politikwissenschaft in England zurzeit in Zürich Medizin studiert, weitere Ausführungen zum Thema. «Mit der Bildung soll man auch vermittelt bekommen, dass man sich mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten in einem gesellschaftlichen Kontext bewegt, der gegeben ist durch das Spannungsfeld zwischen individuellem Leben und der komplex verknüpften Gemeinschaft. Geschieht dies nicht, passiert das, was wir heute mit der sogenannten Abzockerei erleben.» Der Gang an die Öffentlichkeit sei durch die aktuelle Diskussion zu den Wahlpflichtfächern bedingt. «Wir wollten einen Pflock einschlagen mit dem Ziel, dass Ethik und Politische Bildung, die nicht mit der Staatskunde verwechselt werden dürfen, im Unterricht mehr Gewicht erhalten und Versuche in diese Richtung stattfinden können.» Einen ersten Erfolg kann die AG bereits verbuchen: Ab 2011/12 wird die Ethik aufgewertet (siehe Artikel auf dieser Seite).


**Ethik und Politische Bildung**
Was bisher an der Kantonsschule geschah und noch geschehen wird

Seit Herbst 2008 existiert an der Kantonsschule Schaffhausen eine Arbeitsgruppe, welche im Auftrag der Schulleitung die Frage prüft, wie die Bereiche der Ethik und der Politischen Bildung im bestehenden Fächerkanon stärker und gezielter gefördert werden können. Die gleichnamige Arbeitsgruppe «Ethik und Politische Bildung» geht auf eine Initiative von aktiven und ehemaligen Schülerinnen und Schülern zurück, die aus alltäglichen Beobachtungen innerhalb und ausserhalb des Schulbetriebs den Bedarf für ein eigenständiges Fach Ethik und Politische Bildung feststellten.
Sie wandten sich hierauf an Lehrpersonen, von denen sie annehmen konnten, dass sie ein solches Projekt unterstützen würden, und stellten dieses an einer Lehrerkonferenz vor. Daraufhin erhielt die Gruppe aus Lehrern und Schülern den Auftrag, Perspektiven und Möglichkeiten zu erarbeiten und der Lehrerschaft sowie der Schulleitung in geeigneter Form zu präsentieren. Inzwischen ist einiges geschehen: In einer ersten Phase ging es darum, Informationen und Erfahrungen zu sammeln und auszuwerten. Hierzu besuchte die AG die Kantonsschule Solothurn, wo Ethik als eigenständiges und verbindliches (promotionsrelevantes) Fach unterrichtet wird; man lud Referenten zum Thema an die Kantonsschule ein, führte unter allen fortgeschrittenen Kantonsschulklassen eine Umfrage durch und verfolgte die Entwicklung im gesamten deutschsprachigen Raum aufmerksam. Die Resultate, Diskussionen und Auswertungen führten zur Überzeugung, dass ein eigenständiges Fach in den Bereichen Ethik und Politische Bildung nötig ist, und mündeten unter anderem in einen 60-seitigen Bericht. Aktuell wird die Teildisziplin Ethik innerhalb des Fachs Deutsch – ausgehend von der Literatur – in drei Klassen erprobt. Im Sommer werden erste Resultate vorliegen, welche die nächsten Schritte bestimmen. Einer dieser Schritte steht von Seiten der Schulleitung bereits heute fest: Ab dem Schuljahr 2011/12 müssen sich die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen für ein interdisziplinäres Angebot als kantonales Wahlfach entscheiden. Während eines Jahres wird in drei Lektionen pro Woche ein Thema, das zwei verschiedene Fächer betrifft, interdisziplinär behandelt. Wie Prorektor Pasquale Comi erklärte, macht eine Einführung, die die beiden Fachlehrer im Teamteaching unterrichten, den Auftakt. Dann wird auf die beiden Fächer aufgesplittet, und zum Schluss werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt und die Resultate präsentiert. Angeboten werden sollen rund zehn Fächerkombinationen zu verschiedenen Themen. «Da soll auch die Ethik ihren Platz haben, zum Beispiel in Kombination mit Naturwissenschaften», erläuterte Comi. Zurzeit wird das Angebot erarbeitet, das bis zum Herbst stehen soll. Die Ausschreibung erfolgt im Winter 2010/11, und die Schülerinnen und Schüler können sich bis zum Februar 2011 anmelden. Kursbeginn ist dann im Sommer 2011. Damit ist allerdings die Grundforderung der AG erst teilweise erfüllt. (Thomas Cerny/ek)


**Stichwort Ethik**

Fragestellung
Die philosophische Disziplin Ethik sucht nach Antworten auf die Frage, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden soll – also: «Wie soll ich mich in dieser Situation verhalten?» Die einfachste und klassische Formulierung einer solchen Frage stammt von Immanuel Kant: «Was soll ich tun?» Ihre Ergebnisse bestehen in anwendbaren ethischen (beziehungsweise moralischen) Normen, die beinhalten, dass unter bestimmten Bedingungen bestimmte Handlungen geboten, verboten oder erlaubt sind. Insofern als in der Ethik nach allgemeingültigen Antworten auf die Frage nach dem richtigen Handeln gesucht wird, stellt sich die Frage nach der Möglichkeit allgemeingültiger ethischer Normen und deren Begründung. Diese Diskussion über die Grundlagen der Ethik, ihre Kriterien und Methoden, ist ein wichtiger Teil der philosophischen Disziplin Ethik.

Ziele
Die Ethik ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen, sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen (in einer immer unüberschaubarer werdenden Welt) Hilfen für seine moralischen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt begründen. Die Anwendung dieser Prinzipien auf den einzelnen Fall ist im Allgemeinen nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten Gewissens. Dabei spielt für die richtige moralische Entscheidung neben der Kenntnis allgemeiner Prinzipien die Schulung der Urteilskraft in praktischer Erfahrung eine wichtige Rolle. (Quelle: Wikipedia)

#Allgemeines

22. April 2010 | «Der Name Paradies soll für uns auch Programm sein»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Edith Fritschi

Gastgeber» steht auf seiner Visitenkarte, und genau das möchte er sein. Jens Hopf kennt das Metier bestens. «Zuerst habe ich Koch gelernt, doch das ist lange her», sagt der Gastronom, der zuletzt sieben Jahre lang im Engadin tätig war. «Auf 2200 Metern haben wir eine Skihütte geführt und sind mit den Skiern zur Arbeit gekommen», erzählt er. Nun, da er im «Paradies» in der Wirtewohnung residiert, hat er keinen Arbeitsweg mehr. «Schade, sonst hätte ich gerne das Velo genommen.» Hopf führt das «Paradies» zusammen mit seiner Lebens- und Geschäftspartnerin Tabea Melcher, die aus den Bergen stammt. Auch sie ist gelernte Gastronomin und wird an der Front tätig sein, derweil Hopf primär das Organisatorische machen wird. «Aber wenn Not am Mann ist, springe ich ein.» Früher hat Hopf mit einem Kollegen zusammen das «Fischerhaus» in Kreuzlingen geführt und war dann im «Palace» in Gstaad im Management und später als Sommelier bei Wolfgang Kuchler im «Schäfli» in Wigoltingen tätig. «Wein ist mein Hobby», sagt er.
Ins «Paradies» gekommen ist er, weil er eine neue Herausforderung gesucht und das entsprechende Inserat entdeckt hatte. «Vorher habe ich den Ort nicht gekannt», sagt der gebürtige Deutsche aus Rostock, der seit über 20 Jahren in der Schweiz arbeitet. Er war sofort begeistert von der schönen Lage, und mit der Besitzerin Georg Fischer war man sich schnell einig. Zurzeit wird im «Paradies» auf Hochtouren für die Eröffnung am 1. Mai gearbeitet. Doch schon ab morgen ist dort das «soft opening», will heissen: «Wir sind parat für Gäste, können sie bewirten und nutzen die Zeit für letzte Optimierungen.» Vor gut einem Monat hat Hopf angefangen, und seither hat sein Arbeitstag 18 Stunden. Mobiliar wurde teilweise ausgewechselt, und auch sonst gibt es Umgestaltungen. So wird es wieder einen grösseren Selbstbedienungsbereich mit Kiosk geben. «Für eine Bewirtung der vorhandenen 400 Plätze reichen die Kapazitäten der Küche nicht aus», sagt Hopf. Die Chillout-Lounge, die die Compass Group eingerichtet hat, ist verschwunden, und der verglaste Pavillon wird für Bankette genutzt. Preislich will man für jedes Portemonnaie etwas bieten und für Familien attraktiv sein. «Der Name Paradies soll für uns auch Programm sein», sagt Hopf, dessen oberstes Ziel es ist, die Leute zufriedenzustellen und sie mit einer klassischen, aber modern interpretierten Küche zu verwöhnen. Und die Fische werden in der Beiz am Rhein eine grosse Rolle spielen.


Zur Person

Alter
42 Jahre

Zivilstand
Ledig

Wohnort
Paradies/Schlatt

Hobbys
Velo- und Skifahren

Aktuelle Lektüre
Ein Wein-Fachbuch

#Allgemeines

20. April 2010 | Gesang, Papier, Vögel, Wandel und Aufbruch

Schaffhauser Bock
Stéphanie Stamm

Es war dunkel in der Mensa der Kantonsschule. Gespannt warteten die Zuschauer auf den Beginn der Darbietung. Plötzlich gingen die Notenpultlichter an. Aurelia Reiser und Anna Ebi (Violine) sowie Stefan Behrbohm (Cello) und Nico Haltiner (Piano, Korrepetitor) begannen die ersten Töne zu spielen, währenddem, noch immer im Dunkeln, eine Chorsängerin auf die Bühne trat, zu der sich weitere Sänger gesellten. Schien die Bühne zuerst gross und leer, so füllte sie sich nun allmählich mit Leben. Elegant sassen einige Mitglieder des Kammerchores am Bühnenrand, andere wiederum fügten sich geschickt in das grösser werdende Ensemble ein. Es entstand eine kompakte und doch fluktuierende Masse, die schliesslich die ganze Fläche einnahm. Mit einem berührenden Arrangement aus einem französischen Film wurde das Musical «Passages… ou le chant des oiseaux» eröffnet.

**Papier als tragendes Element**
Die Chorsänger, die gleich zu Beginn in einer herrlich leichten Choreographie souverän agierten, nahmen sich nun raumhohen, hängenden Papierstücken an, ris- sen sie zu Boden, formten neue Elemente und erzeugten mit ihnen Windbewegungen. Das Papier spielte fortan in Form von Schwänen, anderen Vögeln oder gefalteten Fliegern während der ganzen Vorführung eine tragende und überaus wichtige Rolle. Genauso wie die Thematik des beginnenden Frühlings, Wandels und Aufbruchs. Stets war die Choreographie von weichen und fliessenden Bewegungen geprägt. Das Bühnenbild wurde von hellen Farben beherrscht, ebenso die Mitwirkenden, die viel Helles, Pastellfarbenes sowie blumige Accessoires trugen.

**Engagierte Lehrpersonen**
Nach dem ruhigen Anfang mit Streicher- und Klavierklängen ging es musikalisch in eine völlig andere Richtung. Das Quintett des Band-Workshops zeigte sein Können am Saxophon, Bass, Schlagzeug, Piano und an der Gitarre. Daneben spielte die Workshop-Betreuerin an einem zweiten Klavier. Der Sound gab nun der Szenerie gemäss einer Stelle im Programmheft einen anderen Charakter: «Was in einem Moment eindeutig und klar erscheint, ist im nächsten nur noch Erinnerung, kündet von Wandel und Aufbruch.»
Die Produktion stand unter der Leitung von Musiklehrer und Kammerchorleiter Ulrich Waldvogel Herzig, der in Colette Roy-Gfeller eine ideale Regisseurin fand, mit der er schon mehrmals zusammenarbeitete. Die Kooperation läuft derart gut, dass die beiden bis im September bereits wieder ein Projekt erarbeiten werden. Neben ihnen waren auch die Musiklehrerinnen Maya Lüscher Verdes, Béatrice Zeindler, Christiane Mathé und Zeichenlehrer Silvio Vanzella für das Projekt und dessen Gelingen mitverantwortlich.

**Mitspracherecht der Schülerschaft**
Im letzten Juni begann die Projektarbeit zwischen Dirigent und Regisseurin. Ende Januar 2010 fanden die ersten Kammerchorproben statt. In nur knapp drei Monaten haben die Kantischüler eine Produktion auf die Beine gestellt, die sich absolut sehen liess. Wahrscheinlich war es der Feuereifer, der die jungen Menschen gepackt hatte. Es waren nämlich sie, die das Programm weitgehend mitbestimmt hatten. «Ich habe die Schüler gefragt, was sie in einem nächsten Projekt singen wollen. Viele haben Lieder aus zwei verschiedenen Musik-Spielfilmen genannt. Dies fand ich soweit eine gute Idee, doch wollte ich zudem etwas anspruchsvollere Musik einfliessen lassen; dies zeigt sich zum Beispiel in einem Renaissance-Stück, für das wir denn auch die meiste Probenzeit aufwenden mussten», so Waldvogel Herzig zur Entstehung des Musicals.

**Mit Schalk die Texte vorgetragen**
Aus dem grossen Kreis des Kammerchors tat sich zweimal eine kleine Gruppe junger Frauen und Männer hervor, die vielstimmig ihre Lieder zum Besten gaben. Besonders ein «Kyrie» erntete spontanen Szenenapplaus des Publikums, das bis dahin ganz verzaubert ruhig zugehört hatte. Ebenso verzückten die drei Kurzgeschichten «Der Artist», «Die Revolution» und «Der Schwan», die von einer Schülerin und einem Schüler in einem makellosen Deutsch und einer hervorragenden Artikulation sowie mit einem gewissen – nötigen – Schalk vorgetragen wurden.

**Hohe Anforderungen an die Schüler**
Auch die anderen tollen Einzelleistungen waren keineswegs zu verachten. Da überzeugten beispielsweise die Solosänger genauso wie die Schauspieler und Tänzerinnen. Ulrich Waldvogel Herzig betonte schliesslich das grosse Engagement, das seitens seiner Schüler kam, ja kommen musste. «Sie haben sich alle angestrengt. Von Colette Roy-Gfeller ging ein eher abstraktes Regiekonzept aus, das sehr hohe Anforderungen an sämtliche Ausführenden stellte. Sie haben es schliesslich gut umsetzen können.»
Am Ende der Aufführung war allen Beteiligten ein Kränzchen zu winden und ein nicht enden wollender, lang anhaltender Applaus zeugte von der allgemeinen Begeisterung des Publikums.

#Notizen zu Namen

20. April 2010 | Will mitregieren

Schaffhauser Bock, Gastkolumne

Will mitregieren. Gestatten, Matthias Frick, Geschichts- und Politologiestudent. Ich möchte gerne mitregieren. «Geht’s dem noch?», werden Sie sich jetzt fragen und sich – wenn ich an dieser Stelle nicht die Möglichkeit hätte, Ihnen zuvorzukommen – die Antwort gleich selber geben. Ja, mir gehts gut. Auch geistig – falls diesbezüglich noch Zweifel bestehen sollten.
Wir wollen gleich mit einigen Fragen weiterfahren. Sind Sie der Meinung, dass Regierungsräte mindestens vierzig Jahre alt sein müssen und aus dem Establishment kommen sollten? Vom Chefsessel einer Firma direkt ins Regierungsgebäude, oder vom Schreiberstuhl direkt auf den Sessel eines Regierungsrates? Das garantiert Konstanz, da pflichte ich Ihnen bei. Aber ist Konstanz in diesem Zusammenhang das, wofür wir uns entscheiden sollten? Wollen wir stur auf dem bereits gewählten Weg weitergehen, oder soll eine Neuausrichtung in allen Belangen – jederzeit – möglich sein?
Konstanz durch die Wahl eines Vertreters des Establishments heisst auch, dass die Regierung niemals ein Maximum an Repräsentation bieten kann, besteht sie doch allein aus Angehörigen ein und derselben Generation. Ob frühe oder späte Babyboomer spielt da keine grosse
Rolle. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung wird folglich durch sie nicht repräsentiert. Ebensowenig kann also dessen Unabhängigkeit und Unangepasstheit in die Regierungspolitik miteinfliessen.
Letzte Woche hat die Alternative Liste mich, 25, zu ihrem Kandidaten für die Regierungsratsersatzwahl gekürt. Dafür bin ich meiner Partei sehr dankbar, denn ich habe mich aus Überzeugung um diese Aufgabe beworben. Ich bin kein Spasskandidat. Ich meine das ernst.

Matthias Frick
AL-Kantonsrat und Regierungsratskandidat

#Notizen zu Namen

17. April 2010 | Kompromissloser Kampf um den Rhein

Schaffhauser Nachrichten
Martin Schweizer

Alles begann in einem kleinen Kreis verschworener Rebellen. Sie seien gegen «die Machtpolitik des mit den Regierungen verfilzten Elektrokapitals angetreten» und dabei als «Fanatiker und Sentimentale diskriminiert» worden, schrieb Jahre später Erwin Akeret, Nationalrat und Mitbegründer des Rheinaukomitees.
So ähnlich erinnern sich auch die wenigen direkt involvierten Zeitzeugen, die man heute noch befragen kann. Gerold Meier, Hans Minder, Walter Büsch. Sie verherrlichen nichts, sind aber überzeugt, dass ihr Kampf in den Fünfziger- und Sechzigerjahren nicht vergeblich war und der Rheinaubund noch immer seine Berechtigung hat. Starke und politisch unkorrekte Worte fielen damals, nicht von Linken oder Alternativen, wie man sich denken könnte, sondern von bürgerlichen, liberalen Politikern der ehemaligen BGB und der Freisinnigen. Auch dabei: Stadtpräsident Koni Graf, Forstmeister Arthur Uehlinger, Chefarzt Armin Billeter. Es waren keine Grünen oder Umweltaktivisten im heutigen Sinn, vielmehr leidenschaftliche und heimatverbundene Naturschützer. Als im Rheinfallbecken im Januar 1951 die erste Markierung angebracht und damit sichtbar wurde, was der Bau eines Kraftwerkes in Rheinau für den Rheinfall bedeuten könnte, griff auch Kurt Bächtold zu einem beherzten Aufruf zur Feder: Der Bau eines Kraftwerkes beim Benediktinerkloster Rheinau sei «die grösste Kulturschande, die bei uns seit langer Zeit begangen wurde», schrieb der später für die FDP in den Ständerat gewählte junge Redaktor am 22. Januar 1951 in den «Schaffhauser Nachrichten». Die Profile der Bauherrschaft zeigten, dass der Rheinfall zwei Meter Fallhöhe verlieren würde. Das Rhein-fallbecken mit seinen «herrlich bewegten Wasser- und Widerwasserströmen wird sich in einen ruhenden Teich verwandeln», befürchteten Bächtold und seine Mitstreiter. Und der Kampf begann – mit einer gross angelegten Unterschriftensammlung und einer Petition an den bis zuletzt unnachgiebigen Bundesrat. Mit machtvol- len und dennoch friedlich verlau- fenen Volkskundgebungen, an denen jeweils 10 000 und 15 000 Bürger teilnahmen. Zwei auf eidgenössischer Ebene von den Gegnern des Kraftwerkes lancierte Volksinitiativen folgten 1954 und 1956 und wurden im Kanton Schaffhausen angenommen, in der übrigen Schweiz aber deutlich abgelehnt. Schon damals operierten die Befürworter mit Stromengpässen. Auch der fast gleichzeitig geführte Kampf um das Kraftwerk Spöl im Nationalpark war vom «Hunger nach elektrischer Energie» geprägt. Der massive Widerstand gegen das Kraftwerk Rheinau galt trotz der Abstimmungsniederlagen als Signal und in der Schweiz als eigentliche Wende im Natur- und Umweltschutz. Schon wenige Jahre nach der Gründung des Rheinaubundes wurde in der Bundesverfassung ein griffiger Natur- und Heimatschutzartikel verankert. Denkwürdig bleibt der Einsatz gegen die Hochrheinschifffahrt und gegen das geplante Regulierwehr bei Hemishofen. Wie bei Rheinau, als es primär um die Schonung von «Naturschönheiten» ging, protestierten im März 1969 Tausende Demonstranten bei strömendem Regen gegen die NOK-Pläne und für die Erhaltung der «schönsten Stromlandschaft des Hochrheins». Der jetzt jubilierende Rheinaubund lebt bis heute von seiner heroischen und bewegten Geschichte. Die streitbare Bewegung mit ihren in die Jahre gekommenen oder verstorbenen Idealisten hat sich inzwischen allerdings zu einer sachlich orientierten Umweltorganisation geläutert. Konfrontation war gestern, auch aus Sicht der nachfolgenden Generation zwar durchaus notwendig, nur so kamen damals Debatten in Gang. Doch die heute aktiven Mitglieder befinden sich Jahrzehnte danach in einer ganz anderen Situation, bevorzugen konstruktive Gespräche, fachliche Begleitung in Arbeitsgruppen. Im Zentrum ihre Tätigkeit steht indes nach wie vor das Engagement für Gewässer, für Bäche, Flüsse, Moore. Für Renaturierungen oder Projekte wie VivaRiva; Lehrer können im Rahmen ihres Unterrichts für einen Erlebnistag in der Natur ein Team von Experten beim Rheinaubund buchen. Im Vordergrund steht die Faszination für den Lebensraum Wasser. Wasser: Das Thema ist unerschöpflich, der Rheinaubund wird es auch an seinen kommenden Jubiläumsveranstaltungen aufgreifen. Gestartet wird am 7. Mai – am Rheinfall, wo sonst.


**Rheinaubund Schaffhausen ist nach wie vor Sitz und Herz der Bewegung**

*Liberale Politiker sprachen damals von «Kulturschande» und engagierten sich für die Rheinlandschaft*

Stefan Kunz ist Dozent an den Abteilungen für Landschaftsarchitektur und Raumplanung an der Hochschule für Technik Rapperswil und seit Ende 2009 als Nachfolger von Ruedi Schneider Geschäftsführer des Rheinaubundes.

*Aus einer Volksbewegung gegen den Bau des Kraftwerkes Rheinau und für den Schutz des Rheinfalls entstand im März 1960 der Rheinaubund, angeführt damals von Persönlichkeiten wie Walter Büsch, Arthur Uehlinger, Kurt Bächtold, Koni Graf, Gerold Meier, Hans Blum, den «Grünen» der ersten Stunde.*
Stefan Kunz: Es war zunächst weniger eine Umwelt- als eine Heimatschutzbewegung, die Männer kämpften für ihr «Heiligtum» Rheinfall, wie Gerold Meier noch heute sagt. Und sie feierten ihren Kampf mit der späteren Einführung des Heimat- und Naturschutzgesetzes als Erfolg. Faszinierend bleibt, dass es bürgerlich-liberale Kreise waren, die sich damals so vehement für den Naturschutz starkgemacht haben.

*Der Rheinaubund ist längst gesamtschweizerisch tätig. Wo und wie setzt die Organisation ihre Schwerpunkte? Welche Projekte hat sie, kurz gesagt, in den vergangenen Jahren erfolgreich begleitet, welche sind zurzeit aktuell?*
Der Gewässerschutz zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Rheinaubundes. Der Einsatz für Gewässer spiegelt sich auch in unserem Leitbild wider. Punktuell spannen wir auch mit anderen Verbänden zusammen. Im Prinzip sind wir aber regional verankert, in der Nordostschweiz. Wir begleiten beispielsweise die Thur-auensanierung oder arbeiten mit dem Schaffhauser Kraftwerk zusammen, das sich sehr um Renaturierungen und naturnahe Uferverbauungen bemüht. Wichtig für uns ist zurzeit auch die Frage des Restwassers bei Rheinau, laut Gewässerschutzgesetz müsste das Kraftwerk bis 2012 seine Restwasserstrecken ökologisch aufwerten. Von der Umsetzung dieser Forderung sind wir in der ganzen Schweiz aber noch weit entfernt.

*Der Rheinaubund bezeichnet sich als «Anwalt» der Gewässer, er sei national mit 20 weiteren Organisationen zur Verbandsbeschwerde legitimiert. Sind im Moment Beschwerden hängig? Und wer beim Rheinaubund bestimmt, wann ein Rechtsmittel ergriffen wird?*
Beschlüsse fällt der Vorstand aufgrund eines Katalogs von Kriterien. Zurzeit ist keine Beschwerde hängig.

*Liegt aber eine in der Luft?*
Bei der Restwasserfrage in Rheinau könnte es theoretisch in ein bis zwei Jahren so weit kommen.

*Von den Rebellen der Fünfzigerjahre sind aber doch eher brave Enkel übrig geblieben.*
Tatsächlich gewichten wir die reine Facharbeit etwas höher als früher. Wir machen zwar nicht einfach Kompromisse, sind manchmal durchaus auch bissig. Aber wir wissen aus Erfahrung, dass sich die auf Sachkenntnis beruhende Kooperation lohnt. Deshalb sind wir in vielen Arbeitsgruppen tätig. Erfreulich gut laufen auch unsere Wassererlebnistage VivaRiva; in acht Kantonen konnten wir letztes Jahr mit 1200 Lehrern und Schülern 50 Veranstaltungen durchführen.

*Im 20 Mitglieder umfassenden Vorstand des Rheinaubundes finden wir nur gerade einen Schaffhauser: Hans Minder als Revisor.*
Ein Zufall in der jetzigen Übergangsphase. Das wird sich sicher wieder ändern, denn der Sitz und das Herz des Rheinaubundes befinden sich nach wie vor in Schaffhausen.

Interview Martin Schweizer

Ende Januar 1952 zogen 10 000 Demonstranten nach Rheinau. Im August versammelten sich erneut 15 000 Bürger.
Bilder zvg

#Notizen zu Namen

16. April 2010 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten, Region

Florian Keller sei «der Hoffnungsträger einer neuen Linken». Politische Kämpfe bestreite der «Lebemann ebenso lustvoll wie Jassrunden und Chinareisen», schreibt das Strassenmagazin «Surprise» in einem Porträt über den Schaffhauser Alternativen. Er, Keller, empfinde das Bedürfnis, «die Fahne der Aufklärung hochzuhalten». Es komme offenbar in Mode, «den Menschen per Demokratie eine Uniform überzustülpen, meint der junge Linke weiter. Beispiel: Rauchverbot. Das Recht darauf, nicht gestört zu werden, habe « in einer toleranten Gesellschaft niemand». Die Demokratie dürfe nur legiferieren, «wenn die Gesellschaft in Gefahr» sei.

#Allgemeines

15. April 2010 | «Passages … ou le chant des oiseaux»

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Mark Liebenberg

Künstlerische Betätigung ist das Salz in der Suppe gymnasialer Ausbildung. Schön zu sehen, dass man sich auch in Zeiten erhöhten Leistungsdrucks Zeit nimmt, an den Kantonsschulen kreative Leistungen zu fördern. Dass dann nicht einfach eine Talentshow oder ein steifes Chorkonzert resultiert, sondern eine poetische Bühnenshow, die Themen wie Aufbruch und Wandlung vielfach reflektiert, ist dem beherzten, ausdauernden und ideenreichen Einsatz eines Ulrich Waldvogel-Herzig (Gesamtleitung, Arrangements), den Betreuerinnen der Chöre sowie Colette Roy-Gfeller (Regie) zu verdanken.
Alles ist in Bewegung auf der Mensa-Bühne, Papierflieger kommen zum Einsatz, Packpapierrollen sind einmal die Meereswellen, einmal werden daraus Tiere geformt oder der Rhythmus gegeben – Dutzende hübscher kleiner Ideen werden mit einfachsten Mitteln realisiert. Nicht eine Geschichte als Ganzes, sondern kleine Episoden, Songs, Chöre, Szenen und pantomimische Handlungen verdichten sich im Verlaufe der rund anderthalbstündigen Performance (ein detailliertes Programm vermisst man schmerzlich!) zu einem Geflecht von Stimmungsbildern, durchtränkt von subtilem Witz und leiser Poesie. Mit welcher Leichtigkeit hier alles durcheinander fliesst, wie eine sanfte Brise den Impuls gibt und die kleinen Momentaufnahmen und bewegten Bilder in Zeitlupe vonstatten gehen. Und wie das alles – fast wie in der impressionistischen Malerei – zu einem Gemälde voller Souplesse wird, das ist schön anzusehen und noch schöner anzuhören. Französisch durchdrungen ist der Abend, es dominiert als Singsprache, und zwar in Renaissancegesängen wie in moderneren Vokalwerken. Dazu kommen Popsongs und Filmmusik, in kurzen Intermezzi dargeboten von der Band und dem Klaviertrio. Es durchzieht die Revue eine vielleicht bisweilen befremdliche poetische Melancholie, eine sublime Erdenschwere gar, die so gar nicht zu den jungen Menschen mit ihren Träumen und Hoffnungen passen will, die hier auf der Bühne stehen. Doch wer jemals achtzehn war und sich ehrlich zurückerinnert wird verstehen, dass diese Zeit ihren Reiz hat: ein bisschen Weltschmerz ist noch nicht Depro oder Emo und wenn man das mit Hilfe von Bewegung und Musik ausdrücken kann – umso besser. Und alle Tristesse verfliegt, wenn die rund 80 Sänger und Musiker zum Schluss mit Inbrunst den «Body electric» singen. Und schon vorher sind einige musikalische Höhepunkte zu erleben. Eine Ensembleleistung, die sich sehen lassen kann. Das ganze Programm wird übrigens – alle Achtung – auswendig dargeboten. Die Chöre sind sehr gut vorbereitet, herausragend das 16-köpfige Vokalensemble von Béatrice Zeindler mit drei starken Darbietungen. Immer wieder treten aus dem grossen Chor Einzelne heraus, die als Duett, Solo, als Geschichtenleser, als Pantomimen ihre kurzen Geschichten erzählen. Zu viele, um sie hier namentlich zu erwähnen. Zu erleben sind sie noch heute Donnerstagabend. Es lohnt sich.

#Allgemeines

14. April 2010 | Wer selber Bier braut, tut’s mit Ernst

Schaffhauser Nachrichten, Region
Alfred Wüger

«Wenn es nicht schäumt, dann schäumt es nicht, dann nützt es auch nichts, wenn man das Bier aus einem halben Meter Höhe ins Glas giesst.» Das erste Kriterium auf dem Bewertungsblatt der «Swiss Homebrewing Society», das es auszufüllen gilt, ist der Schaum. Und der zu testende Gerstensaft von der wunderschönen Farbe dunklen Bernsteins, der in den Gläsern schimmert, weist tatsächlich keinerlei Schaumkrone auf. Der Geruch könnte als «unauffällig» bezeichnet werden, der Geschmack hingegen als «stiltreu gut», die Bittere als «leicht abweichend», die Rezenz … «Was ist das?» Urs Meier gegenüber weiss es: «Das ist das Prickeln auf der Zunge, das von der Kohlensäure kommt. Das Gegenteil wäre schal.» Nein, schal ist dieses Bier gar nicht: «Stilnähe recht genau» wird angekreuzt – und dann zusammenzählen für den Gesamteindruck: 24 Punkte. Möglich wären 45.
Auf den Tischen überall Körbchen mit Brotwürfeln, wie beim Degustieren von Wein. «Es ist schwieriger, Bier zu degustieren als Wein», sagt Urs Meier, «denn das Bier kann man nicht einfach ausspucken, weil man sonst die Rezenz nicht mehr spürt.» Die, wenn auch kleinen, Gläser zur Gänze leeren darf man allerdings auch nicht, denn sonst …

**Steuern zahlt, wer Bier verkauft**
Während im Saal des Hotels Promenade die rund dreissig Personen – ganz wenige Frauen sind da – die besten drei Biere in jeder der acht Kategorien erküren, unterhalten wir uns im Nebenraum, wo der von den Teilnehmenden selbst gebraute Gerstensaft in mehreren Kühlschränken lagert, mit Rolf Gnädinger. Natürlich braut er, von Beruf Finanzer, auch selber. «Wir verkaufen auch von unserm Bier», sagt er, «im Party-Service-Stil.» Auf diese Verkäufe ist eine Biersteuer – es gilt die Selbstdeklaration – zu entrichten, sie beträgt 10 bis 20 Rappen pro Liter. «Wie kamen Sie zu Ihrem Hobby?» Zuerst sei die Freude am Bier gewesen, sagt Rolf Gnädinger, und dann sei er «aus Zufall» bei einem Anlass auf ein Buch gestossen und habe es versucht. Hopfen, Malz, Hefe, Wasser braucht man. Kaufen können die Hobbybrauer die Zutaten bei Anbietern, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben.

**Wer braut, braucht Zeit**
«Und wieso brauen Sie selber?» – «Wieso macht man eigene Gomfi?», fragt Beat Joss zurück. «Es macht Spass», sagt er. Seine Frau ist auch anwesend. «Ich habe durch meinen Mann gelernt, das Bier zu lieben», sagt sie. «Mir genügt es, beim Brauen zu helfen.» Christoph Eichenberger gar kam erst über das Brauen zum Biertrinken. Es gibt eben unter den Mitgliedern der Swiss Homebrewing Society viele Tüftler. Wie hatte Urs Meier gesagt? «Aus den gleichen Ausgangsstoffen kann ich, je nach ihrer Behandlung, ganz unterschiedliche Biere brauen.» Und obwohl man, so Beat Joss, «ein Einsteiger-Set für 150 Franken» bekommt, sollte gut überlegen, wer sich eins anschafft, denn die Arbeit ist sehr zeitaufwendig. Ueli Schläpfer, der Präsident der Swiss Homebrewing Society, ein Mann mit exorbitant gezwirbeltem Schnurrbart, dessen Enden auf beiden Seiten steil nach oben stehen, hat denn auch – er ist Offsetdrucker von Beruf – kein anderes Hobby. Klar könne man, während das Bier koche, im Garten etwas erledigen, aber: «Ein Sud gibt mehrere Stunden, ein Doppelsud fast einen Tag Arbeit.» Einige ziehen das Bier in Flaschen ab – «weil es einfacher ist» –, andere bevorzugen Fässer.

**Eine Urkunde für die Besten**
«Was bekommt der Sieger?» Rolf Gnädiger wiegelt ab: «Es gibt heute keinen Pokal für die Besten, sondern eine Urkunde. Wichtiger für uns ist der Austausch von Erfahrungen und sind die persönlichen Begegnungen.»

#Notizen zu Namen

14. April 2010 | Matthias Frick AL-Kandidat

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

Der Entscheid, wer am 29. August für die Regierung kandidieren solle, stellte sich der AL Schaffhausen gar nicht mehr, als sie am Montagabend ihre Wahlversammlung durchführte. Bereits vorher hatte einer der beiden möglichen Kandidaten, Kantonsrat Jonas Schönberger (AL, Schaffhausen) erklärt, er lasse Kantonsrat Matthias Frick (AL, Trasadingen) den Vortritt. Frick wurde denn auch nominiert. Er verkörpere, so heisst es in einer Mitteilung der AL, «eine junge, fortschrittliche Politik. Seine Kernanliegen sind eine zukunftsgerichtete Bildungspolitik, mit einem Ausbau des Bildungsstandorts Schaffhausen, und eine nachhaltige Energiepolitik, mit dem Schwerpunkt bei den erneuerbaren Energien.» Im Weiteren ist Frick gegen den Bau eines Atommüll-Endlagers in der Region.

**SP entscheidet am 19. Mai**
Die AL habe ihre Nomination bewusst früh vorgenommen, heisst es in der Mitteilung weiter, da sie auf die Unterstützung der SP hoffe. Ob diese gewährt wird, entscheidet sich am 19. Mai: Dann berät die kantonale SP, ob sie an der Ersatzwahl teilnehmen will oder nicht und ob sie allenfalls die AL-Kandidatur unterstützt.

**Gegen Auswechslungstaktiken**
Mit ihrer Kandidatur verfolgt die AL aber noch ein weiteres Ziel, wie sie schreibt: «Weiter will die AL im Wahlkampf um den frei werdenden Sitz allen Wählerinnen und Wählern die Möglichkeit bieten, jemanden zu wählen, der auch ihre Anliegen vertritt. Es darf nicht sein, dass den bürgerlichen Auswechslungstaktiken tatenlos zugeschaut wird.»

**Tamagni, Müller, Landolt**
Die damit angesprochene SVP bestimmt am 10. Mai, mit wem sie ihren zurücktretenden Regierungsrat Erhard Meister ersetzen will. Bestimmt wird sich an diesem Datum der Neuhauser Gemeinderat Dino Tamagni um die SVP-Nomination bewerben; er ist bereits offiziell von seiner Ortspartei vorgeschlagen worden. Noch nicht offiziell ist die Kandidatur von Kantonsrat Markus Müller (SVP, Löhningen). Experten erwarten ihre Bekanntgabe in den nächsten Tagen. Ebenfalls ins SVP-interne Rennen einsteigen könnte der Schaffhauser Bauernsekretär Ernst Landolt aus Rüdlingen. Er habe noch nicht Nein zu einer Kandidatur gesagt, erklärte er am Montag gegenüber den SN. Er will sich bis Ende des Monats entscheiden.

#Allgemeines

13. April 2010 | Wirte versuchen, das Rauchverbot zu umgehen

Schaffhauser Nachrichten
Jan Hudec

Ein Verbot macht erfinderisch. Ab 1. Mai darf in Bars und Restaurants nicht mehr geraucht werden, und das in der ganzen Schweiz. Viele Wirte freut das wenig, in Basel, wo ein besonders strenges Verbot gilt, haben sie jedoch eine vermeintliche Gesetzeslücke entdeckt. Über 100 Gastronomiebetriebe haben sich dort zum Verein «Fümoar» zusammengeschlossen. Die Gäste können sich für zehn Franken einen Mitgliederausweis kaufen und verzichten mit ihrer Unterschrift auf den Schutz vor dem Passivrauchen. Kurz: Die Mitglieder können in den 100 Lokalen weiterqualmen.
Wäre ein solcher Raucherverein auch in Schaffhausen möglich? «Wir haben natürlich auch davon gehört», sagt Max Reiner, Präsident von Gastro Schaffhausen, «aber wir wissen nicht, ob das toleriert würde.» Rechtlich steht die Fümoar-Lösung tatsächlich auf wackeligen Beinen. Auch die Basler Regierung hat ihre Zweifel angemeldet. Denn das Bundesgesetz schreibt vor, dass nicht mehr als zwei Personen in verrauchten Räumen arbeiten dürfen. In Schaffhausen will man daher abwarten, wie sich die Situation in Basel entwickelt, sagt Reiner. «Wenn das Modell aber funktionieren sollte, könnte ich mir vorstellen, dass sich auch in Schaffhausen ein solcher Verein bildet.» Allerdings hätten sich die Schaffhauser Wirte bereits mit der neuen Situation arrangiert und Schaffhausen habe ja auch ein wenig strengeres Rauchverbot als andere Kantone. So können Lokale mit einer Fläche von unter 80 Quadratmetern eine Bewilligung für ein Raucherlokal beantragen, die übrigen können ein abgeschlossenes Fumoir einbauen. Über 40 Wirte im Kanton haben die Bewilligung für ein Raucherlokal beantragt, weitere zehn Gastronomen wollen ein Fumoir einrichten, wie Beat Hartmeier, Leiter der Gewerbepolizei, erklärt. Dass sich in Schaffhausen ebenfalls ein Verein von Raucherlokalen bildet, lasse das Kantonale Gastgewerbegesetz nicht zu. «Restaurants und Hotels, die öffentlich zugänglich sind, müssen sich in jedem Fall an das Rauchverbot halten», so Hartmeier. Daran ändere auch eine Vereinszugehörigkeit nichts. Das Rauchverbot gelte schliesslich auch für die Klubhäuser der Fussballvereine. Wer sich nicht ans Verbot hält, muss im schlimmsten Fall damit rechnen, dass ihm die Wirtebewilligung entzogen wird, oder es drohen Bussen.

#Allgemeines

9. April 2010 | Ein kleiner Sandstrand, (fast) wie am Meer

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
(ga)

In den Sechzigerjahren wurde auch unser Rheinufer kanalisiert. Viel Geld wurde aufgewendet, um den Fluss zu bändigen. Die heutigen Einsichten und Erkenntnisse lehren, dass eine Uferzone möglichst natürlich zu sein hat, damit die Fische ihren Laichplatz finden und Rückzugsgebiete haben, wo sie sich vom Stress erholen können.
Finanziell getragen wurden die Renaturierungsarbeiten bei der Langwieser «Rheinwiese» durch den Ökofonds der städtischen Werke. Wer sich für den Bezug von Clean-Solution-Ökostrom entschieden hat und einen Rappen mehr für das Kilowatt Energie bezahlt, wirkt indirekt an diesen Projekten im Einzugsgebiet des Kraftwerkes mit. Neben der neu gestalteten Uferzone wurden oberhalb des Bunkers zwei Buhnen erstellt. Sie dienen zur Flussregulierung, dazwischen entstehen aber auch Stillwasserzonen ohne Strömung. Diese Buhnen bestehen aus Steinen und Pflanzenmaterial: Wurzelstöcke und Äste wurden zusammengebunden und mit Gewichten im Rhein versenkt. Damit die Badegäste zu den Ruhezonen genügend Abstand halten, wird zur Kennzeichnung der Stelle noch eine Tafel angebracht werden. Wo die Möglichkeit bestand, wurden bereits andere Uferzonen durch die Schaffhauser Kraftwerke AG naturgetreu saniert. So zum Beispiel im Bereich der «Inner Gründen» in Flurlingen (die SN berichteten). Fast nicht möglich sind solche Sanierungen am Rande von Wohngebieten, da die meisten Privatanstösser damit nicht einverstanden wären. So wird die Uferzone in Feuerthalen und der Stadt Schaffhausen nicht verändert werden können. Die Badegäste dürfen sich bereits jetzt auf die Saison freuen, denn anstelle der glitschigen Steine und Treppen zeigt sich eine sanft abfallende Uferpartie aus Kies, und ein kleiner Sandstrand lädt zum Träumen ein.

#Aktivitas

9. April 2010 | Contre l’avis de l’UNIL, Zofingue peut rester un club pour hommes

Le Temps
Mathieu Signorell

C’est une sacrée claque qu’a ramassée l’Université de Lausanne (UNIL). Elle qui défend bec et ongles l’égalité entre les sexes, elle se voit presque obligée par la justice d’accepter en ses murs une association qui ne veut pas de femmes: Zofingue, société d’étudiants créée au début du XIXe siècle. La jugeant discriminatoire, l’UNIL lui avait refusé en 2008 le label «association universitaire», qui permet notamment d’être plus visible sur le campus. Désavouée par la justice cantonale en septembre 2009, la haute école a vu le 17 février dernier son recours rejeté par le Tribunal fédéral.
Charge maintenant à la commission de recours de l’UNIL, nommée par le Conseil d’Etat, de statuer sur cette affaire. Elle-même l’avait déjà fait en 2008. Mais, selon la justice, elle doit élargir son analyse et ne pas se focaliser uniquement sur l’exclusion des femmes des rangs de Zofingue.
Ne pas accepter les femmes est une question de tradition, selon Henri Klunge, président de la section vaudoise de Zofingue. «D’autre part, comme les filles aiment bien faire des soirées entre elles, telles des soirées pyjamas, nous aimons bien nous rencontrer entre hommes. Au final, ce n’est rien de plus qu’une soirée entre copains, même si c’est davantage organisé.»
«Ne pas accepter les femmes est probablement une conception démodée, à tout le moins mal perçue, qui est discutée au niveau de l’association faîtière suisse environ tous les trois ans», confie Me Philippe Dal Col, avocat de la section vaudoise, lui-même Vieux-Zofingien. Mais, pour lui, les exigences de l’Université vont à l’encontre de la liberté des associations garantie par la législation fédérale. «Une association a tout à fait le droit de refuser un genre sans être pour autant discriminatoire. Prenez un chœur de femmes: on peut légitiment comprendre qu’une telle association ne soit ouverte qu’au genre féminin compte tenu de son but: chanter un répertoire où les hommes n’ont pas leur place.»
D’autres sociétés du campus connaissent le même genre de statuts. C’est le cas de Lémania, qui n’accepte que des étudiants suisses et chrétiens. «Mais, dans la pratique, nous avons su nous adapter à la société actuelle», explique Marie Rochel, présidente de la section vaudoise. Pour elle, la démarche de l’UNIL est «une chasse aux sorcières inutile».
«L’égalité des chances entre hommes et femmes fait partie de nos principes fondamentaux, estime Marc De Perrot, secrétaire général de l’UNIL. Nous ne pouvons donner notre caution à des associations qui ne la respectent pas, ce qui ne les empêche toutefois pas d’être actives sur le campus ou ailleurs.» Comme l’Université de Genève et d’autres hautes écoles suisses, l’UNIL s’est d’ailleurs dotée d’une directive dans ce domaine. De même, elle ne reconnaît pas les associations politiques.
Avocate de l’UNIL dans cette affaire, Antonella Cereghetti ­Zwahlen regrette que le tribunal cantonal «ne soit pas particulièrement ouvert». Composée de deux femmes et un homme, la Cour de droit administratif et public du Tribunal cantonal avait estimé en septembre que l’égalité des chances est sauve, car d’autres sociétés d’étudiants acceptent les femmes. «Un argument pour le moins étonnant», selon la femme de loi, elle-même petite-fille d’un Zofingien. Il a d’ailleurs provoqué la risée des rédacteurs de L’Auditoire, le journal des étudiants, dans leur dernier numéro.
Tatillonne sur certains points, l’UNIL l’est certainement. Exemple avec Stoica, l’association des étudiants tessinois, grisons et italiens. «Nous avons dû rajouter dans nos statuts que nous acceptons les étudiants qui s’intéressent à la culture tessinoise et italienne, ce que nous faisions déjà informellement auparavant», se souvient Nicola Pini, ancien président de Stoica.
«Tant dans ce cas que pour celui de Zofingue, la décision de l’UNIL n’est fondamentalement pas un problème, car les associations doivent être ouvertes à tous», estime Gaétan Nanchen, secrétaire général de la Fédération des associations d’étudiants de l’UNIL. «Mais ce contrôle de la direction doit rester limité!»

#Allgemeines

9. April 2010 | «Wir halten uns an das Bundesrecht»

Schaffhauser Nachrichten, Nachgefragt
Walter Joos

Die Vertreter der Gastronomie loben in der jüngsten Ausgabe ihres Verbandsorgans die pragmatische Haltung der Thurgauer Behörden bezüglich der am 1. Mai in Kraft tretenden Bestimmungen zum Schutz der Nichtraucher.

*Herr Hartmann, wie verhalten sich die Behörden im Kanton Schaffhausen in Sachen Schutz vor dem Passivrauchen?*
Beat Hartmann: Wir halten uns an das Bundesrecht. Der Regierungsrat hat die zur Umsetzung des neuen Bundesrechts nötigen Anpassungen in der geltenden Gastgewerbeverordnung vorgenommen. Die kantonalen Vorschriften enthalten – mit Ausnahme der Meldepflicht von Raucherräumen als Ordnungsvorschrift – im Vergleich zum Bundesrecht keine schärferen Bestimmungen.

3Gilt das auch bezüglich der Anforderungen an die Lüftungen der Fumoirs?*
Hartmann: Hier gibt es die vom Verband der Schweizerischen Lebensmittelinspektoren ausgearbeiteten Richt-linien. Die haben allerdings lediglich empfehlenden Charakter.

*Heisst das, dass – wie im Thurgau – das Vorhandensein eines Fensters zur Lüftung eines Fumoirs genügt?*
Hartmann: Das ist meines Erachtens eine sehr optimistische Auslegung der neuen Bestimmungen. Aus unserer Sicht muss die vorhandene Lüftung ausreichend Gewähr dafür bieten, dass kein Rauch in die mit einem Rauchverbot belegten Räume dringt. Zudem muss ein Fumoir auch in baulicher Hinsicht klar von den übrigen Gasträumen abgetrennt sein.

#Allgemeines

7. April 2010 | Gasthaus Paradies steht demnächst unter neuer Leitung

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Im Gasthaus Paradies weht ab sofort ein frischer Wind. Die 2007 von Georg Fischer zur Führung des bekannten Ausflugsrestaurants am Rhein verpflichtete Compass Group hat ihr vertraglich vereinbartes Engagement laut Daniela Corboz, Leiterin Marketing und Kommunikation der international tätigen Gastrounternehmung, am 31. März beendet. Als neue Pächter hat die Stiftung Paradies Jens Hopf und Tabea Melcher verpflichtet. Frank Schaefer wird gleichzeitig neuer Küchenchef. Dies bestätigte Bettina Schmidt, Leiterin der Konzernkommunikation von Georg Fischer, gestern auf Anfrage. Die neuen Wirtsleute haben in den vergangenen sieben Jahren das Restaurant Alpetta oberhalb von Schuls im Engadin geführt und sind nun ab dem 1. Mai dieses Jahres im Gasthaus Paradies präsent. Auch das Catering im Ausbildungszentrum Paradies der Georg Fischer AG ist in Zukunft nicht mehr Sache der Compass Group. Dieses wird in Zukunft von Dorothea Walder, Leiterin des Klostergutes Paradies, in eigener Regie organisiert. Dabei kommen je nach Anlass und dem Wunsch der Teilnehmer verschiedene externe Lieferanten zum Einsatz. Zu den wichtigen Partnern zählen unter anderen Milan Acimovic vom Hotel Bahnhof in Schlatt sowie Albin und Christof von Euw vom Restaurant Gemeindehaus in Beringen.
Keine Änderung erfährt dagegen der Betrieb des Hombergerhauses. Die als Wohlfahrtsbetrieb gegründete Gaststätte an der Ebnatstrasse wird weiterhin von Jörg Gnotke und seinem zur Compass Group gehörenden Team betrieben. Laut Bettina Schmidt laufen zurzeit Gespräche über eine Optimierung des im letzten Jahr in personeller Hinsicht stark reduzierten Betriebes (SN vom 20. November 2009). Für grössere Anlässe werden die Mahlzeiten nicht mehr in der Küche des Hombergerhauses zubereitet, sondern von der Zentrale der Compass Group in Zürich angeliefert. Das gilt auch bezüglich des Caterings auf dem Munot, das in früheren Jahren in der Verantwortung von Walter Reutimann lag. Der Munot-Verein hat gemäss Aussage von Präsident Urs Saxer die 2008 vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit mit der Compass Group für die kommende Saison erneuert. Zu den Aufgaben des Dienstleistungsbetriebes gehört neben der Bewirtung der Gäste anlässlich der im Sommer regelmässig stattfindenden Abendunterhaltungen auch die Führung des Munot-Bistros zugunsten der auf den Munot kommenden Touristen. Laut Jörg Gnotke wurde das Bistro auf der Munotzinne bereits über die vergangenen Osterfesttage von den Besuchern frequentiert.

#Allgemeines

3. April 2010 | Das am 1. Mai in Kraft tretende nationale Rauchverbot ist ein Skandal

Schaffhauser Nachrichten, Titelseite
Heinrich Villiger

Der Tabakgenuss wurde immer wieder bekämpft: von Sultanen, Kaisern, Päpsten und anderen Würdenträgern. So erklärte etwa der türkische Sultan Murad IV. (1612–1640) das Rauchen zum Kapitalverbrechen. Trotzdem genoss die Menschheit den Tabak fröhlich weiter, sei es beim Rauchen, beim Kauen, beim Schnupfen oder bei den indianischen Naturvölkern auch als Heilmittel oder bei religiösen Handlungen. Die Hetzkampagnen gegen das Rauchen begannen mit dem Aufkommen der sogenannten NGO, der Nichtregierungsorganisationen, von denen einige Hundert dem Rauchen den Kampf angesagt haben, angeführt von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, über zahlreiche Krebsforschungsinstitute bis hin zu unserer Lungenliga. Alle diese Organisationen leben von staatlichen Zuschüssen und Spenden, und um diesen Geldsegen zu erhalten, sind sie gezwungen, Erfolge nachzuweisen.
Dass Rauchen ungesund ist, be-zweifelt heute niemand. Ebenso wenig bestreitet die Tabakindustrie, dass Rauchen Krebs und andere Krankheiten erzeugen kann. Das steht ja inzwischen aufgedruckt auf allen Packungen von Tabakfabrikaten, das weiss jedes Kind. Und trotzdem rauchen die Menschen weiter, durchaus im Bewusstsein, welche Risiken sie damit eingehen, aber dass sie dafür selbst verantwortlich sind. Das gilt ja nicht nur für den Tabakkonsum, sondern genauso für Alkoholgenuss, Essgewohnheiten, Leistungssport. Um das Ziel der WHO, eine «rauchfreie Gesellschaft» bis zum Jahr 2020, zu erreichen, sind also weitere Massnahmen nötig, und so konzentrieren die Tabakgegner ihre Angriffe heute auf den «Passivrauch», dem angeblich weltweit jährlich nebst sechs Millionen Rauchern nochmals einige Millionen Passivraucher zum Opfer fallen würden. Diese Zahlen entbehren jedoch jeder Grundlage. Es gibt bis heute keine medizinisch eindeutigen Beweise, dass eine Todesursache ausschliesslich dem Passivrauchen zuzuordnen ist – und keinen Totenschein, auf dem steht: Todesursache Passivrauchen. Die WHO hat mit ihrer weltweit in Gang gesetzten Kampagne eine Lawine ausgelöst, was naheliegend ist, denn uns allen liegt die Gesundheit der Menschheit am Herzen. Die WHO verschleiert damit jedoch ihre Ineffizienz in anderen Bereichen wie Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern, Hungersnöten, Seuchenbekämpfung sowie nicht annähernd ausreichender ärztlicher Versorgung in den Ländern der Dritten Welt und so weiter. Nichtsdestotrotz übt die WHO einen enormen Druck in Sachen Bekämpfung des Tabakgenusses insbesondere auf die Mitgliedsländer der EU aus und damit indirekt auch auf die Schweiz, weil sich die Schweiz bekanntlich bemüht, unsere Gesetzgebung EU-kompatibel zu gestalten. Zur Bildung von rauchfreien Zonen liegt etwa eine Empfehlung des Rates der Kommission der Europäischen Gemeinschaft im Umfang von 23 Seiten vor. Dazu gehören selbstredend auch die Rauchverbote, die am 1. Mai in der Schweiz in Kraft treten werden. Leider spricht kein Mensch davon, dass die EU keine Kompetenz bei der Rauchergesetzgebung hat. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Staat durch die gesetzlichen Rauchverbote in der Gastronomie das Hausrecht des Gastronomen aushebelt. Jeder Gastronom – und das gilt sinngemäss auch für die Händler von Tabakwaren – muss selbst entscheiden dürfen, ob er sein Lokal als Raucher- oder als Nichtraucherbetrieb führen will. In Bereichen, wo der freie Wettbewerb spielen kann, hat der Staat nichts verloren. Der zunehmenden Bevormundung des erwachsenen Bürgers ist ein Ende zu setzen. Das hat nichts mehr mit Gesundheitsschutz zu tun, sondern ist staatliche Willkür. Deshalb unterstützen wir die Volksinitiative der IG Freie Schweizer Wirte gegen das nationale Rauchverbot.

Heinrich Villiger ist Zigarrenfabrikant.

#Allgemeines

31. März 2010 | Ein Puppenspiel mit Nazifiguren

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Simon Brühlmann

Eine gewisse Neugier erschien berechtigt: Was wird uns hier erwarten? Schon vorab war bekannt, dass das Stück «Der Schicklgruber» die letzten Tage Adolf Hitlers zum Thema hatte, welche auch den Inhalt des deutschen Kinofilms «Der Untergang» gebildet hatten. Doch nun wollte Neville Tranters «Stuffed Puppet Theatre» diese abgründigen Szenen mit Handpuppen darbieten – und obendrein auch noch in englischer Sprache. Kann das gut gehen?
Tranter ist einer der grossen internationalen Meister des Puppentheaters, und so hatte er das Publikum bereits in seinen Bann gezogen, noch ehe die Aufführung richtig begann. Als er sich (in seiner Uniform als Hitlers Adjudant) stumm auf die Bühne stellt, wird es still im Publikum. Tranter braucht nicht zu sprechen oder zu gestikulieren, sein Blick allein genügt – sein langes Zaudern, bevor der Puppenspieler eine der gruseligen Nazifiguren in die Hände nimmt –, um eine einzigartige Spannung zu erzeugen. Diese Spannung wird an zentralen Stellen durch Bühnenlicht und schauerliche Musik intensiviert; alles genau aufeinander abgestimmt. So gehen beispielsweise das Luftwaffenlied, das Goehring singt, und das «Lied vom Tod» durch Mark und Bein – schauerlich und doch erschreckend schön. Die Musik wird nie zum blossen Beiwerk: Aus den Lautsprechern ist neben kratziger Swingmusik auch eine englische Version von Marlene Dietrichs «Lily Marleen» zu hören. Und beim leitmotivisch eingesetzten «Der Mond ist aufgegangen» betont Tranter die düstere Seite des Liedtextes, die Todesthematik, die man bei diesem Lied oftmals vergisst. Andererseits kommt auch das Heitere nicht zu kurz. Schlag auf Schlag kommen die Zoten, die sich mit Schwerpunkt auf Hitlers Gesundheitsfanatismus und auf «Fröilein» Brauns Geilheit (infolge Hitlers sexuellen Desinteresses) konzentrieren. Das ist manchmal köstlich, doch häufig steht die Klischiertheit des Skripts hinter der Subtilität von Tranters Ausdrucksmöglichkeiten zurück. «You piece of Scheisse!» beschimpft Hitler etwa Goehring. Kaum subtiler ist bei an- derer Gelegenheit Goehring selbst: «I have to drop my Lombs!», er müsse nun dringend kacken. Insgesamt waren die Zuschauer hell begeistert. Tranter und das perfekt eingespielte Team im Hintergrund: Sie hatten den herzhaften Applaus verdient. Dass Tranters «Stuffed Puppet Theatre» die Schaffhauser überhaupt mit einer Aufführung beehrte, ist übrigens die Leistung der Organisatoren vom Theater «Schauwerk» – dies sei hiermit verdankt.

#Notizen zu Namen

30. März 2010 | Ideologie in Bewegung – Portrait

Surprise 221 / 10
Christof Moser

«Versammlungspartei» nennt er die SP, und es ist das einzige Mal an diesem Abend, dass er seine Stimme mit leisem Spott unterlegt. «Da fällen die Gremien Entscheide, die dem Parteivolk verkauft werden, und dann wird abgestimmt, fertig. Ich stelle mir unter Politik etwas anders vor.»
Denkfaul? Machtversessen? Abgehoben? Nein, Florian Keller operiert nicht mit mediengerechten Schlagworten, wenn er die SP kritisiert. Sein Werkzeug im politischen Nahkampf ist das Florett. Er ist eloquent, jeder Satz sitzt. Er hat etwas Unaufgeregtes und wirkt ausgesprochen gelassen, obwohl sein Hirn ständig in Bewegung ist. «Ich bin ein Ideologe», sagt Keller über sich. «Das heisst aber nicht, dass ich verbissen bin.»
Keller will die Schweiz linker machen. Im Kleinen, in Schaffhausen, ist ihm das schon gelungen. Da hat Keller die Alternative Liste gegründet, für die er jetzt im Kantonsrat sitzt. Die Wirkung auf die SP liess nicht auf sich warten: «Die Sozialdemokraten haben in der Steuergesetzrevision dank uns davon abgesehen, den degressiven Steueransatz weiter zu unterstützen. Und auch das Hooligan-Gesetz lehnte die SP auf unser Drängen hin fast geschlossen ab.» Die linke Opposition ziehe die Schaffhauser SP-Fraktion nach links. Und genau das soll jetzt irn der ganzen Schweiz passieren.
Zusammen mit vorwiegend jungen Politaktivisten aus der Deutschschweiz und Westschweizer PdA-Politikern arbeitet Florian Keller, 26, am Aufbau einer neuen nationalen Partei: «La Gauche – Alternative Liste – La Sinistra» heisst sie, der Startschuss fiel im November 2009 in Schaffhausen. Eine linke Bewegung soll es werden, basisnah, angriffig, und eben: wirklich links. «Die SP ist eine Partei, die Angst hat vor ihrem eigenen Mut. Es darf in der Politik nicht darum gehen, ob Positionen in der Bevölkerung gut oder schlecht ankommen, es muss darum gehen, ob die Positionen richtig oder falsch sind», sagt Keller: «Alles andere endet im Opportunismus.»
Florian Keller sitzt in der Berner Markthalle vor einer Apfelschorle und erzählt, wie ihn die Abstimmung über die F/A-18-Kampfjets politisiert hat. Keller kommt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus, sein Vater ist Rechtsanwalt, seine Mutter Lehrerin. Er habe sich immer wieder über den Lauf der Dinge aufgeregt und darüber den Weg in die Politik gefunden. Heute studiert er an der Universität Bern Jura, arbeitet für den Schweizerischen Gewerkschaftsbund – und liebt den politischen Diskurs. Wahrscheinlich ist es das, was ihn von so manchen alteingesessenen linken Politikern unterscheidet: seine ungebrochene Lust an der politischen Auseinandersetzung. «Ich weiche keiner Diskussion aus», sagt Keller. Und das merkt man: Seine Argumente sind geschliffen und kampferprobt. Egal bei welchem Thema.
«Links der SP besteht ein politisches Vakuum», sagt Keller. Themen wie das Ausländerstimmrecht blieben verwaist. Auch die politische Grosswetterlage erfordere ein entschiedenes Auftreten – und zwar jetzt. «Es kommt in Mode, den Menschen per Demokratie eine Uniform überzustülpen. Das Rauchverbot ist nur ein Beispiel dafür. Das Recht darauf, nicht gestört zu werden, hat in einer toleranten Gesellschaft aber niemand. Die Demokratie darf nur legiferieren, wenn die Gesellschaft in Gefahr ist», sagt Keller. Er denkt gern in grossen Linien. Das macht ihn als Diskussionspartner spannend, wie selbst politische Gegner anerkennen. Und es lässt ihn so pathetische und wahre Sätze formulieren wie: «Ich empfinde das Bedürfnis, die Fahne der Aufklärung hochzuhalten und jeden Tag daran zu erinnern, dass ihre Werte nie selbstverständlich waren und nie selbstverständlich sein werden.» Wer sagt so etwas heute noch?
Doch bei aller Ernsthaftigkeit: Keller ist ein Lebemann. Politik ist nur eine Leidenschaft. Von Sitzungen und Terminen lässt er sich nicht auffressen. Im Gegenteil: «Ich empfinde Sitzungen nicht als Belastung. Es sind Gelegenheiten, um sich auszutauschen und um Positionen zu ringen.» Trotz seines grossen politischen Engagements nimmt er sich Zeit für Freunde. Regelmässig trifft er sich mit einer Jassgruppe, und dann wird gezockt. Mit dem Geld, das dabei in die Jasskasse fliesst, unternimmt man hin und wieder gemeinsam eine Städtereise.
Unterwegs sein ist überhaupt eine grosse Leidenschaft von Keller. Letztes Jahr reiste er quer durch China. Die asiatischen Kulturen haben es ihm angetan. «Die konfuzianische Tradition fasziniert mich», sagt er. «Die Menschen gehen gleichberechtigt und sorgsam miteinander um. Sie verbiegen sich nicht für Touristen. Das bewundere ich.» Er bereiste auch schon Nordafrika, konnte aber mit den rigiden Regeln des Islam dort nichts anfangen. Und in Südamerika schreckte ihn der Katholizismus ab. Nächstes Jahr will er nach Kirgisien und von dort mit der Bahn nach Kasachstan reisen. «Das ist aber erst ein Traum.»
Vorerst arbeitet er weiter am Aufbau der neuen Partei. Der provisorische Vorstand hat ihn zum Koordinator für die Deutschschweiz gewählt. Noch nimmt die SP kaum Notiz von der linken Konkurrenz. Aber wenn es nach Keller geht, wird sich das bald ändern. «Wir werden die SP dazu zwingen müssen, sich zu entscheiden, ob sie den dritten Weg einschlagen will – wie Labour in Grossbritannien. Oder ob sie sich auf ihre linken Wurzeln besinnt.» Keller will wieder mehr Grundsätzlichkeit in der Politik, und weniger Marketing und Machtkalkül. Er empfände es schon als Erfolg für die neue Bewegung, wenn dies gelänge: «Wir müssen die SP nicht unbedingt überholen, wir müssen sie nur linker machen.»
Berührungsängste kennt Keller nicht. Er ist Mitglied einer Studentenverbindung – nicht unbedingt das, was man von einem Linken erwartet. Er hat kein Problem damit, bei einem Skirennen den Schweizern zuzujubeln. Seine Sensibilität für traditionell linke Anliegen kombiniert er mit Offenheit. Er ist ein Ideologe, ohne seine Überzeugungen mit quasireligiösem Eifer zu vertreten. Er hört gern zu, er denkt gern, er kämpft gern für das, was er richtig findet. Keller ist ein linker Hoffnungsträger. Und wohl schon bald ein ernstzunehmendes Ärgernis für denkfaule Sozialdemokraten.

#Notizen zu Namen

29. März 2010 | Krimispiel auf Dampfer mit Bordkapelle

Schaffhauser Nachrichten, Stein
Edith Fritschi

Stein am Rhein Im Zentrum der Generalversammlung des «No e Wili»-Vereins stand die Präsentation des Konzepts für das Theaterprojekt im Jahr 2011. «Wir haben uns für ein Stück entschieden, das Spannung und Unterhaltung bietet, das alle Generationen anspricht und in dem es zwei Haupt- und zahlreiche Nebenrollen gibt», sagte Ueli Böhni, der das Konzept zusammen mit einem OK ausgearbeitet hat.
Zugleich konnte er mit Stefano Mengarelli auch den Regisseur präsentieren, der aus der Vorlage von Christies Roman «Death on the Nile» (Mord an Bord) ein Gesamtkunstwerk machen möchte. Das Ganze soll auf einem stilvollen Dampfer aus den frühen 70er-Jahren angesiedelt sein, verriet Mengarelli, dem ein vielschichtiger Spielraum mit Innen- und Aussenhandlungen vorschwebt. Das Stück handelt von einem frisch verheirateten Paar, das Flitterwochen auf dem Nil macht, und von anderen Passagieren auf dem Dampfer, auf dem bald einmal Morde passieren.

**Strenge Dramaturgie auflockern**
Mengarelli erweitert die originale Passagierliste um eine Schweizer Reisegruppe, die in einigen chorischen und choreografischen Szenen eine musikalische, komödiantisch-poetische Funktion übernehmen soll. Damit will er Agatha Christies Kriminaldramaturgie auflockern und spektakuläre, unterhaltende Elemente einbauen. Dazu gehört auch eine Bordkapelle. Natürlich dürfe die Beiz bei diesem «Gesamtkunstwerk» nicht fehlen, betonte Böhni. Sie ist im 70er-Jahre-Stil eingerichtet und wird von Peter de Leeuw geführt. Dann kam Böhni auf die finanzielle Seite zu sprechen: Es müsse eine kostendeckende Produktion werden, sagte er. Das Budget sieht Ausgaben in Höhe von 173 500 Franken und Einnahmen von 178 000 Franken vor. Kein geringer Betrag, zumal das Ganze als Freiluftaufführung ohne Dach geplant ist. Ein Grossteil der Kosten soll über die Billette gedeckt werden (108 000 Franken); 30 000 über Sponsoring und 40 000 soll die Theaterbeiz in die Kasse bringen. «Es ist eine Herausforderung, aber wir sind überzeugt, diese zu meistern», sagte Böhni. Auch der Vereinsvorstand habe intensiv über die Kosten diskutiert, sagte Präsident André Ullmann. Man sei überzeugt, dass das Konzept solide sei und man alle Bedingungen, die man sich gesetzt habe, erfüllen könne. So kam man zum Schluss, der Theatergruppe ein zinsloses Darlehen von 100 000 Franken zu gewähren, was die GV mit ihrem Plazet zum Gesamtkonzept ohne Gegenstimme und mit drei Enthaltungen gewährte. Wie bereits beim «No e Wili» basiert auch «Mord an Bord» auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Bestimmte Leistungen wie Tribüne (mit Platz für 300 Leute), Technik, Regie und Musikleitung werden indes bezahlt.

**Freiwillige willkommen**
Das Casting für die Schauspieler wird im August stattfinden; benötigt werden 12 Laien-Akteure und rund 14 Spieler und Spielerinnen für die Reisegruppe. Zusätzlich werden im musikalischen Bereich bis zu 4 Personen im Einsatz stehen. Bis Ende September soll die Rollenvergabe dann abgeschlossen sein. Bei Musik und Akrobatik lässt man sich von professionellen Kräften unterstützen. Zusätzlich werden für die Tätigkeiten im Backoffice rund 50 Helfer gebraucht. Da setzt das OK auf die «No e Wilianer». Da man vor allem die Altstadtbewohner nicht wieder behelligen will, wurde als Spielort die Fridau ausgewählt. Ansprechen will man mit dem Stück ein vielschichtiges Publikum jeglichen Alters in Stein und Schaffhausen, Singen, Winterthur und Kreuzlingen.

#Allgemeines

29. März 2010 | AH-Stamm am 9.4.2010 anstatt 2.4.2010

Wegen Karfreitag findet der AH-Stamm im April nicht am 2.4.10 statt. Er wird um 1 Woche verschoben: **Aprilstamm am 9. 4. 2010**

#Allgemeines

23. März 2010 | Über die Tragik und den Showmaster in Gelb

Schaffhauser Bock
Jurga Ruesch

Der Australier Neville Tranter verbreitete mit «Schicklgruber alias Hitler» mit teils makabren Dialogen und ausdrucksstarkem Spiel Gänsehaut und brachte die erstarrten Gemüter der Zuschauer dann doch immer wieder zum Lachen. Worüber wurde gelacht? Der Galgenhumor gepaart mit starker schauspielerischer Leistung über die geschichtlichen Ereignisse, die alles andere als erfreulich waren, gewannen am Ende an aussagestarken Botschaften, in dem jeder einzelne Charakter mit den eigenen Ängsten im Angesicht des nahenden Todes konfrontiert wurde. Neville Tranter gründete das Stuffed Puppet Theatre 1976 in Australien. Nachdem er 1978 am Festival of Fools in Amsterdam aufgetreten war, übersiedelte er in die Niederlande, wo er seither sein Puppentheater für Erwachsene weiterentwickelt hat. Mittels teilweise lebensgrosser, sprechender Puppen konfrontiert er sein Publikum mit dessen ureigenen Ängsten und Träumen, Bedürfnissen und Wünschen auf eigenartig grausame und erbarmungslose, zugleich aber auch poetische Weise. Tatort: Berlin, der 20. April 1945. Man ist bemüht, im dunklen und dreckigen Bunker den 56. Geburtstag von Adolf Hitler mit viel Speis und Trank zu feiern. Die Telefonverbindungen fallen aus. Draussen tobt der Krieg. Schüsse im Hintergrund. Hitler geht früh zu Bett und ärgert sich, dass auf der Geburtstagtorte nur eine Kerze brennt. Das Ende naht und diese Tatsache, dass die Zeit der Nazis vorbei ist, ist allen Beteiligten bewusst. Das Zyankali steht schon bereit.

**Der Tod unterbricht die Dialoge**
Genau das ist der Moment, als Neville Tranter mit seinen Puppen die Atmos-phäre zu hinterfragen beginnt. Ein unerträgliches Schweigen auf der Bühne, eine Kerze wird angezündet, Drapierungen werden von den Puppen entfernt. «It’s just not fair», protestiert die Puppe, die Rolle von Adolf Hitler zu übernehmen. Lieber möchte sie die Rolle des Joseph Goebbels oder Eva Braun spielen. «Ich bin ein Profi», sagt sie schlussendlich und bekommt den Adolf-Hitler-Schnauz. Neville Tranter schlüpft in die Rolle von Hitlers Adjutanten Heinz Linge. Der Showmaster in Gelb, der Tod, unterbricht mit seinen Auftritten immer wieder die Dialoge in dem er «it’s magic time!» ruft. Der Tod versucht einen Vogel aus dem Hut zu zaubern und am Ende zieht er einen Pleitegeier heraus. Joseph Goebbels und Eva Braun unterhalten sich über Trivialitäten, der kleine Helmut Goebbels kommentiert das Lied «Der Mond ist aufgegangen» und schenkt seinem Vater keine Aufmerksamkeit. Eva Braun wünscht sich Kinder. Sie hat ein Hochzeitskleid an. Hermann Göring singt vor Freude, weil er die Gunst des Führers wiedererlangt hat.

**Kein Mitleid mit den Charakteren**
Hitler begegnet dem Tod. Der kleine Helmut träumt, er sei gestorben und erwacht voller Angst. Joseph Goebbels versucht den Führer zu überzeugen, dass er noch einmal zum Volk spricht. Aber Hitler schweigt. Eva Braun hat ihr Ziel erreicht. Sie ist Frau Hitler. Heinz Linge erhält den Auftrag, die sechs Kinder von Goebbels zu töten. Eva Braun und Joseph Goebbels sterben. Hitler und der Tod unterhalten sich. «Gott ist tot» sagt der Tod und lässt Parallelen zu Nietzsches berühmtem Zitat erahnen. Adolf Hitler will nicht sterben, worauf der Tod sagt: «I know the feeling.» Das Lachen bleibt buchstäblich im Hals stecken. Die gespielten Szenen sind beängstigend real. Das Innere der Rollen wird mit sämtlichen Abscheulichkeiten nach aussen gekehrt. Man empfindet kein Mitleid mit den Charakteren und wenn man lacht, dann nur, um das eigene Gleichgewicht wieder ins Lot zu bringen. Die Bilder haben sich auf die Netzhaut gebrannt und genau dies macht dieses Schauspiel so unvergesslich. Der Tod und die Gier nach Leben, begleitet von der Hoffnungslosigkeit, Absurdität mit Galgenhumor gepaart bleiben den Zuschauern noch lange präsent.


Neville Tranter spielt die Figuren Hermann Göring und Adolf Hitler.

#Notizen zu Namen

22. März 2010 | Zwischen Eleganz und Schweisstropfen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Alexa Scherrer

Ein Hut, der an den typischen Audifahrer der 70er-Jahre erinnert, ein Gilet, das auch unter dem Smoking getragen werden könnte, und ein blaugestreiftes Hemd unter grauem Pullover: Nein, kein Szenario aus der Abschlussfeier des Juristenlehrgangs, sondern Ausdruck des wiederbelebten Lebensgefühls des Rock ’n’ Roll.
Die Schaffhauser Band «The Brevers» feierte am Samstag im Chäller im Rahmen von «Lokalhelden» die Taufe ihres zweiten Silberlings «Undercover» – eine CD mit zwölf Liedern, denen man laut Bassist Tobias Wüst die Reife der letzten zwei Jahre anhört und welche die positive Lebenseinstellung der vier Musiker vermitteln sollen. Nimmt man den Stimmungspegel des Konzerts als Messlatte, hat Letzteres auf jeden Fall funktioniert. Das zahlreich erschienene Publikum liess sich von den vier Vollblutmusikern anstecken und feierte vom Anfang bis zum Schluss ordentlich mit.

**Aus Spass wird Ernst**
«The Brevers» haben vor fünf Jahren ihr erstes Konzert gegeben und gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der Schaffhauser Musikszene. In letzter Zeit kamen die Konzerte aufgrund der Fertigstellung ihrer Platte etwas zu kurz, das werde sich aber jetzt ändern, versprach Tobias Wüst. Musik soll Emotionen transportieren und das funktioniere an einem Livekonzert am besten. Um die sprachlichen Transportwege kümmert sich Sänger und Gitarrist Simon Thoma. «Texten ist eine Fleissarbeit. Fertig ist ein Text erst, wenn er sich während längerer Zeit zusammen mit der Band entwickelt hat.» Die Ideen zur musikalischen Umsetzung kämen oft während der Jam-Sessions im Proberaum – aus Blödsinn entstehe dann plötzlich eine gute Idee, so Wüst. Am samstäglichen Heimspiel haben Felix Meisterhans am Saxofon, Bobby Bührer am Schlagzeug sowie Sänger und Bassist gezeigt, dass man Musik noch lange nicht beruflich ausüben muss, um dazu berufen zu sein. Takt und Rhythmus vereinigten sich mit dem ganzen Körper und die vier schienen teilweise beinahe mit ihren Instrumenten zu verschmelzen. Nach knapp einer Stunde wich der Wollpullover – ganz in Rockstar-Manier – dem Muskelshirt, und die Schweissperlen auf der Stirn zeugten von einem gelungenen Auftritt. Auch wenn Simon Thoma manchmal den Namen des neuen Albums mit dem nächsten Songtitel verwechselte oder sich der eine oder andere schiefe Ton ins Lied schlich, «The Brevers» haben es definitiv verdient, als Lokalhelden bezeichnet zu werden.

#Allgemeines

19. März 2010 | Nicht immer wieder die Steinzeit zum Auftakt

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

Vor rund drei Wochen trafen sich ehemalige Maturandinnen und Maturanden auf Einladung der Kantonsschule, um davon zu berichten, wie sie das in Schaffhausen erworbene Wissen an den Hochschulen anwenden können. Dabei gab es auch Kritik, etwa zum Fach Geschichte: «Wir beginnen in der Primarschule, in der Sek und in der Kanti mit der Steinzeit – aber nie haben wir eingehend Schweizer Geschichte», liess sich ein Ex-Kantischüler in den SN zitieren (siehe SN vom 1. März). Diese Äusserung sorgte in der Fachschaft Geschichte der Kantonsschule für Aufruhr. Es sei eben genau nicht so, dass auf jeder Schulstufe Geschichte unterrichtet werde ohne Rücksicht darauf, was voranging, erklärten Hans-Ruedi Dütsch und Markus Kübler, die beide an der Kantonsschule Geschichte unterrichten, gegenüber den SN.

**Verbindliche Lehrpläne**
Diese Aussage untermauerten sie mit folgenden Fakten: Seit drei Jahren gibt es für die Sekundarschule im Fach Mensch+Mitwelt, in das die Geschichte integriert ist, einen verbindlichen Lehrplan (siehe auch Kasten auf dieser Seite). Die Kantonsschule selber, beziehungsweise ihre Fachschaft Geschichte, hat 2004 den Lehrplan angepasst. Geschichte, genauer das Fach «Geschichte und Staatskunde», wird an der Kantonsschule je nach Ausbildungsprofil während zweier bis dreier Lektionen pro Woche unterrichtet. Ab der dritten Klasse kommt das Ergänzungsfach «Geschichte der Antike» mit drei Lektionen pro Woche dazu, und ab der vierten Klasse wird zusätzlich das kantonale Wahlfach «Geschichte und Staatskunde» mit zwei Lektionen pro Woche angeboten. «Diese beiden Lektionen können genutzt werden, um aktuelle Themen, etwa beim Nahostkonflikt, zu erörtern», sagte Hans-Ruedi Dütsch. Um einen möglichst nahtlosen Übergang von der Sekundarschule zur Kantonsschule zu gewährleisten, finden seit zwei Jahren zwischen den Fachlehrpersonen der beiden Schulstufen Schnittstellengespräche statt. In diesen wird besprochen, was die Schülerinnen und Schüler in der Sekundarschule im Fach Geschichte tatsächlich durchgenommen haben und was sie mit der entsprechenden Hilfe nach dem Übertritt in die Kantonsschule wieder abrufen können. Dabei zeigte sich, dass die kleine Anzahl an Geschichtsstunden in der Sekundarschule ein Problem ist und dass es Wiederholungen braucht.

**Warm-up-Blätter**
Aus diesem Grund hat die Fachschaft Geschichte sogenannte Warm-up-Blätter entwickelt. Mit diesen kann der Stoff aus der Sekundarschule aufgefrischt werden, und der folgende Unterricht knüpft daran an. Bis jetzt gibt es solche Blätter zu den Themen «Entdeckungen und Eroberungen», «Absolutismus», «Absolutismus und Aufklärung» sowie «Die Reformation». Das Blatt wird in einer Lektion durchgearbeitet, mit einem kleinen Test zum Schluss, in dem die Schülerinnen und Schüler erklären müssen, ob Feststellungen wie «Mission bedeutet das Schicken von Waren in fremde Länder» und «Hölle und Fegefeuer sind eigentlich dasselbe» richtig oder falsch sind. Geplant sind insgesamt acht solcher Blätter, deren Inhalt mit den Sekundarlehrkräften abgesprochen ist. Diese haben in einer Umfrage im letzten Herbst übrigens einstimmig erklärt, dass sie die Verbindlichkeit der zu erarbeitenden Grundlagen, eben diese Warm-up-Blätter, respektieren. Die Gespräche zwischen den beiden Stufen gehen weiter, und bereits ist geplant, am 2. und 3. Juli im Rahmen einer Tagung gemeinsam weitere Blätter zu entwickeln.

**Als Maturaarbeit beliebt**
Aber auch zwischen den unteren Stufen wird koordiniert: Als der Lehrplan für die Sekundarstufe eingeführt wurde, nahm man Rücksicht auf den Stoff, der in der Primarstufe vermittelt wird. «Es stimmt deshalb nicht, dass die Linke nicht weiss, was die Rechte tut», erklärte Markus Kübler. Und an der Zukunft des Geschichtsunterrichts wird auch schon gebaut: Künftig sollen den Lernenden Kompetenzen vermittelt werden, die ihnen ein selbständiges Arbeiten ermöglichen; die Fachschaft Geschichte arbeitet am entsprechenden Lehrplan für die Kantonsschule, aber «dass es dann auch stimmt, braucht Zeit», gab Markus Kübler zu bedenken. Die Kantischülerinnen und -schüler werden es zu schätzen wissen: Das Fach Geschichte ist beliebt und liegt bei den Maturaarbeiten zusammen mit der Biologie an der Spitze.

**Geschichtsunterricht Die Fakten**
Primarschule Geschichte innerhalb des Faches Mensch+Mitwelt während neun Jahren. Start in der 1.Klasse mit dem Thema «Zeit», Abschluss in der 9. Klasse mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit. Sekundarschule Geschichte innerhalb des Faches Mensch+Mitwelt während dreier Jahre. Start in der 1.Klasse mit den Themen historische Quellen, Entdeckungen, Aufklärung und Französische Revolu- tion bis zur 3. Klasse mit Zweitem Weltkrieg und der Nachkriegszeit. Kantonsschule Geschichte als «Geschichte und Staatskunde» während vier Jahren. Start in der 1. Klasse mit einem Epochenüberblick und unter anderem Refor-mation und Absolutismus, bis zur 4. Klasse mit unter anderem dem Zweiten Weltkrieg, Dritte-Welt-Konflikten und EU. Ab 3. Klasse Ergänzungsfach Geschichte der Antike, ab 4. Klasse zusätzlich zwei Lektionen «Geschichte und Staatskunde» als kantonales Wahlfach.

#Allgemeines

17. März 2010 | Strengere Regeln für aktive Raucher

Schaffhauser Nachrichten
Walter Joos

Am 1. Mai 2010 treten die auf der nationalen Ebene erlassenen Bestimmungen zum Schutz der Bevölkerung vor dem sogenannten Passivrauchen in Kraft. Das neue Bundesrecht hat zum Ziel, die Bevölkerung vor den schäd- lichen Auswirkungen des Passivrauchens zu schützen. Der Regierungsrat hat in den vergangenen Monaten die zur Umsetzung des neuen Bundesrechts nötigen Anpassungen in der geltenden Gastgewerbeverordnung vorgenommen und am letzten Freitag im Amtsblatt publiziert. Die kantonalen Vorschriften enthalten – mit Ausnahme der Meldepflicht von Raucherräumen – laut einer Mitteilung des Departementes des Innern keinerlei über das Bundesrecht hinaus gehende schärfere Bestimmungen.

**Rauchverbot am Arbeitsplatz**
Von den neuen Vorschriften sind sowohl die bestehenden Gastronomiebetriebe als auch alle übrigen geschlossenen Räume, die mehreren Personen dauernd oder vorübergehend als Arbeitsplatz dienen, betroffen. Hier darf ab dem 1. Mai grundsätzlich nicht mehr geraucht werden. Das Rauchverbot gilt insbesondere in Schalterräumen, Gängen, Cafeterias, Kantinen und Sitzungszimmern. Ebenfalls rauchfrei sind ab dem genannten Datum alle geschlossenen Räume, die öffentlich zugänglich sind. Dazu zählen zum Beispiel Spitäler, Heime, Schulen, Kinos, Museen, Einkaufszentren, Sportanlagen und selbstverständlich sämtliche Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs sowie alle Restaurants. Bezüglich der möglichen Ausnahmen wurden für Gastronomiebetriebe besondere Auflagen erlassen (siehe Kasten).

**15 Gesuche für Raucherlokale**
Wie Beat Hartmann als Leiter der Gewerbepolizei des Kantons Schaffhausen gestern auf Anfrage erklärte, liegen zurzeit ein gutes Dutzend Gesuche aus den verschiedensten Gemeinden zur Führung eines Raucherlokals vor. Wer die Voraussetzungen erfüllt, erhält vom Departement des Innern eine entsprechende Bewilligung. Für die Gesuchsteller besteht allerdings ein gewisses Risiko, dass die Vorschriften über das Passivrauchen innerhalb von drei bis vier Jahren aufgrund einer von der Lungenliga unter dem Titel «Ja zum Schutz vor dem Passivrauchen für alle» lancierten Volksinitiative weiter verschärft wird. Investitionen in besonders leistungsfähige Lüftungsanlagen sowie andere Aufwendungen zum Betrieb eines Raucherlokals sind aufgrund der möglichen weiteren Entwicklung an der Gesetzesfront nach Möglichkeit innerhalb weniger Jahre zu amortisieren.

**Wenig Meldungen für ein Fumoir**
Für die Inhaber von grösseren Gastwirtschaftsbetrieben besteht gemäss den neuen Vorschriften die Möglichkeit, bestimmte Räume als sogenanntes Fumoir zu betreiben. Dieses muss durch feste Elemente von den anderen Räumen auf dichte Weise abgetrennt sein und über eine selbsttätig schliessende Tür verfügen. Das Fumoir darf ausserdem nicht als Durchgang zu anderen Räumen dienen und höchstens einen Drittel der Gesamtfläche aller Ausschankräume aufweisen. Das Fumoir darf ferner den Gästen nicht länger zugänglich sein als die übrigen Schankräume und muss bei jedem Eingang gut sichtbar als solches gekennzeichnet sein. Mit Ausnahme von Raucherwaren dürfen dort zudem keine Leistungen, Produkte, Dienstleistungen und Unterhaltungsmöglichkeiten angeboten werden, die im übrigen Betrieb nicht erhältlich sind. Meldungen über den Betrieb eines Fumoirs liegen bei den Behörden zurzeit lediglich zwei vor.


**Raucherlokale Ausnahmeregelung mit einer ganzen Reihe von besonderen Voraussetzungen**

Wie aus den vom Departement des Innern publizierten Bestimmungen hervorgeht, können einheimische Besitzer von Gastwirtschaftsbetrieben unter Beachtung von bestimmten Voraussetzungen ihr Restaurant auf Gesuch hin als Raucherlokal weiterführen. Dabei darf allerdings die Gesamtfläche aller dem Publikum zugänglichen Räume – dazu zählen neben der eigentlichen Gaststube insbesondere auch alle weiteren Schankräume, Spielbereiche, Foyers, Garderoben, Gänge und Toiletten – die Limite von 80 Quadratmeter nicht übersteigen. Ein Raucherlokal muss über eine ausreichende Belüftung verfügen, die den von der Gesellschaft Schweizerischer Lebensmittelinspektoren erlassenen Vorgaben genügt. In einem Raucherlokal dürfen ferner nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt werden, die einer Tätigkeit in einem solchen Betrieb im Arbeitsvertrag ausdrücklich zustimmen. Schwangere Frauen, stillende Mütter und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen – unabhängig von einem allfällig vorhandenen Einverständnis – weder in Raucherräumen noch in Raucherlokalen beschäftigt werden. Ein Raucherlokal muss ausserdem bei allen Eingängen von aussen deutlich als solches gekennzeichnet werden. (W. J.)

#Aktivitas

9. März 2010 | Fotos: Quarz Vortrag, TS Gispel und Zweifarbenstamm Commercia

Die Fotos der genannten Anlässe sind nun online und unter ‘Anlässe mit Bildern’ zu finden oder unter den folgenden Links:

[Zweifarbenstamm mit e/hwl Commercia (11.09.2009)](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/09/11/zweifarbenstamm/bilder/)

[Vortrag von Quarz: Knigge für Anfänger unf Fortgeschrittene (21.11.2009)](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/anlaesse-mit-bildern/2009/11/21/knigge-fuer-anfaenger-und-vortgeschrittene/bilder/)

[Totensalamander zu Ehren von Kurt Bächtold olim Gispel (25.11.2009)](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/anlaesse-mit-bildern/2009/11/25/totensalamander/bilder/)