#Notizen zu Namen

15. Oktober 2012 | Politik, eine Familienangelegenheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wenige mächtige Familien «ratsfähig» waren und damit überhaupt Zugang zur politischen Macht hatten. Die hart erkämpften demokratischen Strukturen ermöglichen es heute, dass die Mitbestimmung auf viele, von den Stimmberechtigten gewählte Schultern verteilt wird.

**Zweimal FDP, einmal Jungfreisinn**
Aber natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Stimmberechtigten einzelnen Familien mehr Einfluss einräumen: In der Stadt Schaffhausen etwa hat derzeit keine andere Familie so viel politische Mitbestimmung wie die Familie Hauser. Mit Vater Thomas Hauser und Mutter Katrin Hauser hält die Familie zwei Sitze im Grossen Stadtrat für die FDP. Der 25-jährige Sohn Res Hauser ist nach einem Rücktritt ebenfalls in den Grossen Stadtrat nachgerückt, allerdings für den Jungfreisinn. Das heisst: Zumindest auf dem Papier vereinigt die Familie ein Zwölftel oder 8,3 Prozent der Stimmen des Grossen Stadtrates – nicht eingerechnet ist das Kantonsratsmandat, das Vater Thomas auch in der kommenden Legislatur innehat. Weil Res Hauser aber Mitglied der bürgerlich-liberalen Fraktion ist und damit nicht in derselben Fraktion wie die Eltern sitzt, wird nicht immer gleich abgestimmt. «Es gibt schon viele Diskussionen, aber wir respektieren die Meinung der anderen – das ist für mich die Hauptsache», sagt Katrin Hauser-Lauber. Zudem bleibe man bei solchen Debatten nicht stur, «diese Gespräche erweitern den Horizont», sagt die dreifache Mutter. Wenn es um Grundsatzfragen geht, dann wird auch mal länger diskutiert, und oft wird dabei auch mit dem Ursprung der FDP als liberaler Kraft argumentiert: «Da kann es schon sein, dass ich zugunsten der Partei vielleicht etwas zurückhaltender bin», sagt Hauser-Lauber und betont, «aber bei Themen, die mir am Herzen liegen, gebe ich nicht nach.» So etwa bei der Rhybadi-Vorlage, welche sie und der Sohn ablehnten, der Vater aber unterstützte. Zuweilen nehmen die politischen Debatten auch zu viel Platz ein, «da müssen wir manchmal die Politik einfach beiseitelegen», sagt Hauser-Lauber. Die Politisierung der Jungen (auch die Tochter hat für den Kantonsrat kandidiert) hat über die Gespräche der Eltern stattgefunden, klassisch, beim Mittagessen. Dass Vater, Mutter und Sohn im Stadtparlament sitzen, wurde miteinander schon öfter diskutiert, als problematisch wurde diese Situation aber nicht eingeschätzt. Und: Ja, man wähle sich gegenseitig, «wir wählen alle, die wir mögen und für fähig halten – dazu gehört halt auch die Familie.»

**SP und zweimal Juso**
Einen ganz ähnlichen Einfluss dürfte das Elternhaus auch bei der Familie Fürer gehabt haben: An den Abstimmungssonntagen durften die Kinder Seraina (22) und Casimir (18) zu Hause keinen Lärm machen, denn die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde am Radio mitverfolgt. An diesen Umstand haben sich aber nicht etwa die Eltern erinnert, die der Meinung waren, dass politische Debatten nicht besonders oft stattgefunden hätten, sondern die Kinder: «Das mit dem ruhig sein, haben sie uns kürzlich erzählt, als wir auf die Politisierung zu sprechen kamen», erinnert sich Vater Urs Fürer, der bereits für die SP im Grossen Stadtrat sitzt und erneut kandidiert. Gleichzeitig treten diesmal aber auch seine beiden Kinder an, dies allerdings auf der Liste der Jungsozialisten. Tochter Seraina sogar auf dem 1. Listenplatz; aber weil sie bereits für die kommenden vier Jahre in den Kantonsrat gewählt wurde, würde sie die Wahl aus zeitlichen Gründen nicht annehmen. Denn zu tun hat die Studentin genug, immerhin sitzt sie in der Geschäftsleitung der Juso Schweiz. Für Politik zu interessieren begann sich die Tochter noch bevor die Eltern aktiv politisierten, «ich erinnere mich noch, wie sie mit vierzehn Jahren zwei Tragtaschen voller Ordner heimbrachte und sagte: Ich bin Präsidentin der Juso.» Zuerst hat er ihr davon abgeraten, «doch sie hat sich nicht abbringen lassen. Mit drei Mitgliedern hat sie angefangen und die Partei wieder hochgebracht», sagt der Vater nicht ohne Stolz. Über die Schwester sei dann auch der jüngere Bruder in Kontakt mit der Politik gekommen und konnte sich dafür begeistern, er rangiert auf dem dritten Listenplatz. Obwohl die Juso letztlich für die SP bei den Wählern durchaus zur Konkurrenz werden könnten, sieht Urs Fürer die Situation gelassen: Egal, ob SP, Juso oder AL, politisch finde man sich. Fürer: «Ich bin einfach froh, dass meine Kinder nicht beim Jungfreisinn oder bei der Jungen SVP sind, denn damit hätte ich schon Mühe.»


**Familienangelegenheit Eine kleine SN-Wahlserie**

Am 28. Oktober wählen die Stimmberechtigten der Stadt Schaffhausen den Grossen Stadtrat für die kommenden vier Jahre. Unter den 209 für die 36 Sitze Antretenden finden sich auffällig viele Kandidatinnen und Kandidaten, die jeweils miteinander verwandt sind. Das haben die SN zum Anlass genommen, in einer kleinen Serie vor den Wahlen verschiedene Politikerfamilien der Stadt vorzustellen. Den Auftakt machen wir heute mit den beiden Familien Hauser und Fürer, die bereits mehrere politische Ämter halten. (rob)



Liberalem Gedankengut verpflichtet: Während Vater Thomas und Mutter Katrin Hauser der FDP angehören, politisiert Sohn Res für den Jungfreisinn.
Bild Simon Brühlmann

#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Kantifest

Schaffhauser Nachrichten, Region
(brr)

«Heisse Rhythmen jagten vor Wochenfrist durch die ehrwürdigen Räume der Schaffhauser Kantonsschule» – so heisst es zu Beginn einer Beilage der SN vom Montag, 8. Oktober 1962, zum damaligen Kantifest. Gegen 1200 Teilnehmer seien von der Feier «bezaubert» gewesen. Zum Vergleich: 2012 wurden 3500 Leute erwartet. Die Idee war aber schon damals die gleiche, denn die Schülerinnen und Schüler hatten das Innere des Altbaus (der Neubau entstand erst 1967) mit «einem beispiellosen Aufwand an Ideen und Arbeit» dekoriert: «Stockwerk für Stockwerk, Raum für Raum bildete eine Sehenswürdigkeit für sich.» Wie heuer war 1962 um 2 Uhr nachts das Fest zu Ende. Damals schloss Rektor Albert Wüscher, der ein «unauffälliges und verständnisvolles Regime» geführt habe, «mit grosser Autorität die Pforten seiner Alma Mater». In einem Punkt unterschied sich die Veranstaltung aber zu der diesjährigen: Wie im Artikel beschrieben, waren am nächsten Tag alle Burschen und Mädchen um 8 Uhr wieder zur Stelle, um abzuräumen. Beim Fest vor knapp drei Wochen hingegen wurden am Samstag nur grobe Aufräumarbeiten im und um das Haus getätigt – die grossen Abbauarbeiten fanden erst nach dem erholsamen Wochenende am Montag statt.


#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Minderjährige erhalten Alkohol

Schaffhauser Nachrichten, Inland
(sda)

Minderjährige ab 16 Jahren dürfen in Freiburger Gaststätten weiterhin Bier und Wein konsumieren. Das Kantonsparlament hat das von der Regierung vorgeschlagene Verbot gestern abgelehnt und sich mit 86 zu 14 Stimmen bei 3 Enthaltungen für die geltende Regelung entschieden. Jugendlichen unter 18 Jahren ist also nur der Schnapskonsum untersagt.
Der Staatsrat wollte das Verbot im revidierten Gesetz über die öffentlichen Gaststätten ausdehnen, weil der Alkoholkonsum unter Jugendlichen beunruhigende Ausmasse annehme. Die grosse Mehrheit des Parlaments befand, Junge fänden sonst andere Wege, um sich mit Alkohol zu versorgen.

#Notizen zu Namen

9. Oktober 2012 | Pfadihütte kurz vor dem Richtfest

Schaffhauser Nachrichten, Reiat
Andreas Schiendorfer

Das Kesslerloch in Thayngen braucht man kaum einem Schaffhauser mehr vorzustellen. Hier konnte man vor Urzeiten Rentiere und Wollnashörner jagen, hier bellte einst der älteste Hund der Welt, fast so wild noch wie seine Wolfsmutter. Ein bisschen sieht man sich heute an diese Zeiten zurückerinnert. Nicht nur, weil die Gemeinde alles unternimmt, um die archäologische Fundstätte zu schützen, sondern auch, weil sich ganz in der Nähe, im Wippelwald, wegen der Erneuerung der Pfadihütte immer wieder der Luchs – so der Pfadername von Ruedi Gusset, dem Präsidenten der Thaynger Altpfader – gesichtet wird. Hinzu kommt sogar ein Mammut (alias Peter Uehlinger, Mitglied der Projektleitung). Worum es dabei geht, pfeift der Spatz (Abteilungsleiter Severin Hafner) zufrieden von allen Dächern, doch die Idee dazu ging nicht von den Aktiven aus, sondern stellt quasi – in der Pfadisprache Quaxi (Jacqueline Ehrat, Präsidentin des Elternrats) – ein Geschenk der Eltern und der Altpfader dar.

**60 Helfer**
Man könnte die wundersame Namensliste fast beliebig erweitern, wie Bauleiter Adrian Ehrat freudig erklärt. Gut und gerne 60 freiwillige Helfer hätten sich nämlich seit Ende August für den Bau der neuen Pfadihütte im Wippel eingesetzt, das heisst, beim Abbruch eines Teils des alten Gebäudes mitgeholfen. Ein Augenschein an einem nicht besonders freundlichen Ferienmorgen bestätigt es: Zwei Pfader mit ihren Vätern sind daran, den Kamin zu zertrümmern, und auch die ganze Projektleitung ist vor Ort, diskutiert über den Baufortgang und führt den Schutt in die Deponie hinter dem Berg. «Wir sind ziemlich genau im Zeitplan», berichtet Ehrat. «Am 12. März erhielten wir die Baubewilligung, Ende August ging es los, und nun sind wir bereits daran, die Aufrichte zu planen. Nächsten Frühling können wir die neue Pfadihütte einweihen.» «Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz, welche unser Projekt in Thayngen und auch in den Nachbardörfern ausgelöst hat», führt Peter Uehlinger aus. «Ein richtiger Solidaritätsruck ist durch die Gemeinde gegangen. Das ist für uns genauso wichtig wie der Bau an und für sich. Die Bevölkerung weiss es zu schätzen, wie sich die Pfadfinder, ihre Eltern und die Altpfader engagieren. Und wir erhalten nicht nur schöne Worte, viele Gewerbler unterstützen uns auch mit Material und Esswaren, schicken gratis einen Lehrling vorbei und verrechnen für ihre Arbeit nur den Selbstkostenpreis.»

**Finanzierung auf Kurs**
Dann bereitet also die Finanzierung des 400 000 Franken kostenden Projekts bereits keine Sorgen mehr? Finanzchef Ruedi Gusset schaut erstaunt auf. «So schnell geht das selbst bei den Pfadern nicht», meint er vorsichtig. «Wir sind auf Kurs, aber es ist schwierig, die Materialspenden und Eigenleistungen zu bilanzieren. Spenden sind bereits ansehnliche eingegangen. Doch in unserer Kasse ist noch viel Platz.» Das Minimalziel ist es, den Finanzierungsfehlbetrag auf 100 000 Franken zu drücken. «Den Zins und eine gewisse Amortisationssumme könnten die aktiven Pfadfinder sicher verkraften», meint Uehlinger. Doch Gusset sieht das anders. «Mein Ziel ist eine rote Null. Oder eine schwarze, wenn Sie dies lieber haben.» Das Vermieten der Pfadihütte könnte zusätzliche Einnahmen bringen, aber das ist nicht vorgesehen. «Wir haben früher nicht nur gute Erfahrungen damit gemacht», meint Adrian Ehrat. «Und vor allem soll die Hütte an den Wochenenden unseren eigenen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Mit der vereinseigenen Wiese ist der Wippel ein idealer Ort für die Pfadis.»

**Zusammenhalt**
Der Bau der alten Pfadihütte hatte vor 60 Jahren bei der Thaynger Abteilung einen Anstieg von zuerst 20 auf nicht weniger als 127 Pfadfinder zur Folge. «Wenn das eintritt, müssen wir die Hütte nochmals vergrössern», meint Severin Hafner lachend. «Aber wir sind froh, dass wir den Standort Silberberg aufgeben können und bald wieder eine gemeinsame Hütte haben. Das wird den Zusammenhalt der Pfadis aller Altersstufen stärken. Und natürlich sind wir überzeugt, dass wir so für Neumitglieder noch attraktiver sind.»



Beim Um- und Neubau der Pfadihütte im Wippel naht das Richtfest. Der Anblick zeigt, dass hier umfassend erneuert wird.



Nichts ist den freiwilligen Helfern zu schwer (von links): Adrian Ehrat, Peter Uehlinger und Ruedi Gusset.
Bilder Andreas Schiendorfer

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Wie Wein wundersam wirken kann

Schaffhauser Nachrichten, Service
(mha.)

Die Feststellung, Wein sei das gesündeste und hygienischste Getränk, stammt vom französischen Bakteriologen Louis Pasteur. Bei seinen wissenschaftlichen Studien hatte er herausgefunden, dass mit Bakterien verseuchtes Wasser. durch Zusatz von Wein wieder trinkbar gemacht werden konnte.
Tatsächlich ist vergorener Traubensaft vermutlich das älteste Antibiotikum der Menschheitsgeschichte. Allerdings ist es nicht allein der im Wein enthaltene Alkohol, welcher den Kleinstlebewesen den Garaus macht. Um gegen Bakterien wirksam zu sein, müsste der Alkohol eine Konzentration von mindestens 70 Prozent aufweisen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, ist es das Zusammenspiel der verschiedenen im Wein enthaltenen Stoffe, welche antibiotisch wirken. Selbst in einer Verdünnung von 1:100 kann Wein dazu beitragen, dass das Wachstum von Staphylokokken (eitererzeugende Bakterien) gehemmt wird.
Die prophylaktische Wirkung des Weins, insbesondere bei Darmerkrankungen wie Ruhr und Cholera, war schon in der Antike bekannt. Vor allem in südländischen Armeen gehörte Wein stets zur Grundversorgung der Soldaten. So blieben beispielsweise italienische Truppen während des Ersten Weltkriegs dank einer täglichen Rotweinration weitgehend von diesen Krankheiten verschont, während in deutschen und in englische Einheiten Ruhr und Cholera relativ häufig auftraten.
Noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand Wein als Heilmittel an der Spitze aller ärztlichen Verordnungen. Rotwein half bei Durchfallerkrankungen und allgemeiner Rekonvaleszenz, Weisswein regte die Nierenfunktion an, Champagner half bei Übelkeit und grippalen Infekten, Portwein kam bei akutem Fieber und bei Anämie zur Anwendung. Kein Wunder, verfügten praktisch alle Krankenhäuser der damaligen Zeit über einen grosszügigen Weinkeller. Das zeigt beispielsweise auch der Weinverbrauch im ElisabethHospital in Darmstadt im Jahre 1871. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurden 755 Patienten folgende Mengen an Rebensaft verordnet: 6233 Flaschen Rotwein, 4633 Flaschen Weisswein, 60 Flaschen Champagner und 350 Flaschen Portwein. Es ist durchaus anzunehmen, dass einige Patienten in dieser stets voll besetzten Klinik fast ständig «benebelt» waren. Allerdings wusste schon der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe: «Im Wein liegen gute und produktiv machende Kräfte. Aber es kommt beim Weintrinken stets auf die Zustände, die Zeit und die Stunde an. Und was dem einen nützet, schadet dem anderen.»

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Ellikern bleibt die Zukunft noch zu vage

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
(M.G.)

Am 8. Oktober beginnen die Bauarbeiten für die zweite Etappe im Rahmen der Renaturierungen am Rhein und der Aufwertung der Auenlandschaft um die Thurauen. Dabei sind bauliche Eingriffe im Elliker Feld und in der Schöni geplant. Besonders nah geht diese zweite Etappe der Bevölkerung von Ellikon am Rhein, noch bevor der erste Bagger aufgefahren ist. Spätestens die unangekündigte Rodung einiger Pappeln auf dem Schönidamm im Elliker Feld unterhalb des Dorfes machte für viele nach der Mückenplage vom Sommer das Mass voll: Viele der 100 Elliker Einwohner wollten ihrem Frust Luft machen. Unter anderem in Form eines Briefes an Bundesrätin Leuthard (Uvek), den Kanton und die Axpo. Und jüngst kamen rund 40 Elliker zum eilig einberufenen Informationsanlass, an dem Walter Meier, Delegierter des Regierungsrates, ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen der Elliker Bevölkerung und den Projektverantwortlichen registrierte. Zum Bröckeln dieses Verhältnisses hatten verschiedene Punkte geführt:

**1. Die Mückenplage**
Bereits im April 2010 war der betroffenen Bevölkerung versprochen worden, die Mückenanzahl zu überwachen. Es war offenkundig, dass ein (notwendiger) Eingriff verpasst wurde, nachdem im Juni 2012 der Rheinpegel auf 800 m³/s angestiegen war und ideale Bedingungen für die Mückenlarven schuf: Die Plage nahm im Juni/Juli 2012 Ausmasse an, die ans Hochwasser von 1999 erinnerten. Dr. Peter Lüthy, Fachmann für Stechmücken, führte die Plage auf den alten Thurlauf im Hinterland sowie den erhöhten Grundwasserpegel zurück und rechnete vor, dass die Plage den Gaststätten im Dorf Einbussen von rund 10 000 Franken bescherten. Inklusive der rund 180 Liter des Gegenmittels «Bacillus thuringiensis» zur Bekämpfung der Larven, des Arbeitsaufwandes und der Nachkontrolle würde der Krieg gegen die Insekten jeweils 15 000 Franken pro Jahr kosten. Lüthys Fazit: Ein Einsatz im alten Thurlauf und südlich davon lohnt sich und werde bereits fürs nächste Jahr geprüft. Nur: «Es ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Da muss ich grünes Licht aus Bern haben.» Dieses wollen die Projektverantwortlichen bis im November einholen, nachdem sie im vergangenen Jahr die Situation falsch eingeschätzt hätten. «Ich entschuldige mich persönlich dafür, dass wir das verpassten», so Meier.

**2. Die ominösen «Tümpel»**
Bis 2027 soll das heutige Ackerland im Elliker Feld von Brachflächen, Magerwiesen, Hecken, Obstbäumen und Schilfflächen geprägt sein. Offen ist indes das Resultat im Detail. Doch die latente Angst, dass die Ungenauigkeit bei der langfristigen Planung zu bösen Überraschungen führen könnte, war in Ellikon spürbar. Sowohl Elliker Landwirte als auch die übrigen Anwesenden ärgerte vor allem ein einstiger Landschaftsplan der Vertreterin von der kantonalen Fachstelle Natur, Corina Schiess. Sie versicherte zwar, dass die dort eingezeichneten Tümpel mitten in wertvollem Kulturland oberhalb des Schönigrabens im Elliker Feld nicht mehr aktuell seien. «Räumlich sind die Strukturen erst teilweise festgelegt», erklärte Schiess. Auch die neuen Pläne zeigten erst die Situation für die nächsten fünf Jahre. Darüber, wo bis 2027 weitere Bäume, Brachen, Niederbüsche und Hecken entstehen sollten, «sollen die Bewirtschafter auch mitreden», so Schiess. Bezüglich befürchteter Tümpel gab sie zu Protokoll, dass «eventuell kleinflächige bauliche Massnahmen» geplant seien, aber keine weiteren Gewässer mit schwankendem Pegel, die das Mückenrisiko erhöhten. Auf einen Vorschlag von Schiess, jährlich mit der Bevölkerung die weiteren Massnahmen bei einem Rundgang zu begutachten, erntete sie Lacher: Die Offenheit der zukünftigen Entwicklung der Elliker Schutzzone wurde der Baudirektion als Vagheit ausgelegt.

**3. Der fehlende Damm**
Ursprünglich sollte der abzubrechende hohe Damm am Rheinufer weiter zurückliegend in Form eines kleinen Walls ersetzt werden. Auf Intervention von Naturschutzverbänden wird aber auf die Option eines Walls gänzlich verzichtet. Die ökologische Begleitkommission hatte die «dammlose» Version abgesegnet. Nun wird die Axpo darangehen, im Rahmen der ihr übertragenen Aufwertungsmassnahmen den Damm entlang dem Rhein abzutragen. Für den kollektiven Aufschrei in Ellikon fand Walter Meier wenig Verständnis: Die offizielle Auflage sei 2005 regulär vonstattengegangen, und gemäss Projektfestsetzung durch den Regierungsrat (9. März 2005) «könnte auf den Ersatz des abgebrochenen Dammes … verzichtet werden, wenn mit allen Betroffenen eine Einigung erzielt werden kann». Dies sei der Fall gewesen bezüglich der Landbesitzer, die abtauschten, und der Pächter. «Es kam keine Reaktion aus Ellikon, mit dem Wunsch, der Damm sei zu streichen», so Meier.

**4. Parkflächen und Werkverkehr**
Eine besorgte Mutter wollte wissen, wie viele Lastwagen konkret täglich durch und um Ellikon in Richtung Marthalen und zurück fahren, auf dem Schulweg der Oberstufenkinder. Felix Hansmann, der über die Erdarbeiten der Axpo berichtete, erklärte: Die durchschnittlich 16 Lastwagen pro Tag sollen als Rundkurs die Schöni befahren und nicht durchs Dorf, sondern unterhalb Ellikons von Flaach her- und in Richtung Marthalen wegfahren. Laut Ralph Hächler von der WSB AG für Wasserbau könne bei ihm noch Humus bestellt werden – doch bei Aufschüttungen von mehr als 500 m² brauchten die Landwirte eine Baubewilligung. Auch die Einrichtung eines Buskurses wurde angeregt. Im Zusammenhang mit einem längst geforderten Anschluss Ellikons ans ÖV-Netz ist dieser Wunsch nicht neu. Die Gemeinderätin und Delegierte der Zürcher Planungsgruppe Weinland, Inge Stutz, liess durchblicken, dass der Kanton immerhin Hand geboten hat zur Prüfung eines Rundkurses Flaach–Ellikon–Alten–Marthalen–Flaach. Ein weiteres heisses Eisen sind in Ellikon die Wildparkierer. Trotz der Schaffung von gut 30 Schotterrasen-Plätzen ums Schulhäuschen sei das fürs Dorf nicht genug, so der Tenor. Punkto Parkplätzen meinte Stutz, die ZPW strebe an, temporäre Parkplätze bei der Elliker Brücke zu schaffen. Die Einwohnerin Susanne Friedrich fasste angesichts der Unwägbarkeiten und Verunsicherung in der Bevölkerung zusammen: Das 54-Millionen-Projekt überfordere Gemeinde, Kanton und Bund, und die Konsequenzen seien zu wenig abgeschätzt worden. «Es ist mindestens drei Schuhnummern zu gross.» In mehrfacher Hinsicht geriet die Diskussion zur Replik einer Veranstaltung vom 21. April 2010, bei der die Ängste der Bevölkerung zu Mückenplage, Verkehr und Landtausch zur Sprache kamen. Nur, jetzt war das Projekt in bedrohliche Nähe gerückt – und viele Unsicherheiten waren geblieben.

#Notizen zu Namen

27. September 2012 | 40 Jahre miteinander und füreinander

Schaffhauser Nachrichten
Kurt Zubler

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Schweiz einen enormen Aufschwung. Zwischen 1950 und 1970 stieg die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte von 90000 auf 830 000 an, wovon mehr als 60 Prozent aus Italien stammten. Die rasanten gesellschaftlichen und technischen Veränderungen führten trotz des steigenden Wohlstands zu einer gewissen Verunsicherung. Diese fand ihr Ventil vor allem im Kampf gegen die «Überfremdung», die zwischen 1964 und 1977 zum dominanten politischen Thema wurde. James Schwarzenbach und seine Nationale Aktion nahmen sich der Thematik mit Vehemenz an. 1969 reichten sie ihre Initiative «Gegen die Überfremdung» ein.
Die Heftigkeit der Debatte befeuerte eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die sich besonders gegen die Italiener, richtete. Ihnen schlug eine aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Geringschätzung und Abneigung, ja gar Hass entgegen. Bei einer Annahme der Initiative hätte der Kanton Schaffhausen rund die Hälfte seiner Ausländer fortschicken müssen, mit einschneidenden Auswirkungen für Industrie und Gewerbe.

**Gegen Schwarzenbach-Initiative**
In der ganzen Schweiz regte sich deshalb Widerstand gegen die Initiative. In Schaffhausen amtete der spätere SVP-Ständerat derat Ernst Steiner als Präsident des Aktionskomitees gegen die SchwarzenbachInitiative. Weiter vertreten waren der gesamte samte Regierungsrat, die eidgenössischen Parlamentarier, Stadt-, Gemeinderäte und Grossräte aller Parteien sowie Arbeitgeberund Arbeitnehmervertreter. Das nationale Abstimmungsresultat von 46 Prozent Ja-Stimmen beeindruckte tief, auch wenn die Initiative in Schaffhausen trotz des überdurchschnittlich hohen Ausländeranteils «nur» 40 Prozent Ja-Stimmen erhielt.
Als sich das Komitee nach der Abstimmung versammelte, kam keine Siegesstimmung auf. Zu tief waren die aufgerissenen Gräben, zu viel Unbehagen war ans Licht gekommen. Es galt nun dringend, ein menschlicheres Verhältnis zu den Ausländern zu finden und eine überzeugende Ausländerpolitik zu entwickeln. Die Neue Helvetische Gesellschaft NHG machte das Angebot, diese überparteiliche Aufgabe zu übernehmen. Von Oktober 1970 bis November 1971 erarbeitete eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Kantonsschulrektors Ernst Trümpler in 27 Sitzungen einen umfassenden Bericht mit konkreten Massnahmen. Visionär, liberal und zutiefst humanistisch ging die Arbeitsgruppe vom Recht auf Individualität aus und war der Überzeugung, dass ein gutes Zusammenleben nur auf gegenseitigem Respekt basieren könne: «Es ist ein Eingriff in die Menschenwürde, wenn wir von den Ausländern vollständige Anpassung verlangen (während wir uns weitgehend gleichgültig verhalten). Eigenart, Andersartigkeit ist (im Rahmen unseres Rechtsstaates) ein Recht – ein individuelles Menschenrecht mit dem Anspruch, anerkannt und geachtet zu werden.»

**Die Gründung einer Kontaktstelle**
Ein Hauptanliegen des Berichts war die Schaffung eines neutralen und autonomen Informations- und Koordinationsdienstes für Ausländer und Schweizer. Politisch wurde die Kontaktstelle vom freisinnigen Kantonsrat Kurt Amster lanciert. Im Vorfeld der Gründung wurden sämtliche Arbeitgeber zur Beitrittserklärung und zu einem Jahresbeitrag von 12 Franken pro ausländischen Arbeitnehmer eingeladen. Allein GF mit mehr als 2000 ausländischen Mitarbeitenden stellte über 24000 Franken in Aussicht. Für das erste Geschäftsjahr standen knapp 83 000 Franken zur Verfügung, davon stammten 92 Prozent von der Arbeitgeberschaft. Damit waren die Voraussetzungen zum Aufbau der Kontaktstelle geschaffen.
Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung der Schaffhauser Kontaktstelle Schweizer-Ausländer statt, die kurz darauf ihren Betrieb aufnahm. Der Beratungsalltag war vielfältig und umfasste Fragen zu Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit, Steuern, Versicherungen usw. Oft wurde die Kontaktstelle für Übersetzungen beigezogen zum Beispiel für Merkblätter zur Altglassammlung oder über die Abgabe von Fluortabletten. Auffallend viele Arbeitgeber liessen sich Betriebsordnungen, Informationen über Steuern und Versicherungen sowie verschiedene Korrespondenz übersetzen.
Im Sinn einer Drehscheibe hatte die Kontaktstelle die Vernetzung aller relevanten Akteure aufzubauen und zu koordinieren. Wichtige Themen waren die Klärung und die Vermeidung von Missverständnissen zwischen der ausländischen Bevölkerung und der Verwaltung, die Förderung der fremdsprachigen Kinder in der Schule und die Elterninformation. So entwickelte die Kontaktstelle 1973 eine in fünf Sprachen übersetzte Informationsbroschüre über Bildungsmöglichkeiten und soziale Dienste. Als Informationsorgan publizierte sie von 1975 bis 1993 den «Kontakt», der ab 1994 durch die Beilagen in den «Schaffhauser Nachrichten» und in der AZ abgelöst wurde.
Grosse Aufmerksamkeit schenkte die Kontaktstelle der zwischenmenschlichen Begegnung. So veranstaltete sie am 8. September 1973 und am 11. September 1982 gemeinsam mit Ausländerorganisationen den Treffpunkt International auf dem Fronwagplatz. Begeistert berichtete der Geschäftsleiter Felix Blum vom zweiten Treffpunkt: «Zu Tausenden füllten fröhliche und zufriedene Menschen jeglicher Nationalität den Platz. Die Begegnung wurde zum vollen Erfolg! Rund 900 freiwillige Helfer waren im Einsatz. In ungezählten Stunden ist es gelungen, ein für Schaffhausen wohl einmaliges Fest zu bauen.»
Zu den Zielen der Kontaktstelle gehörte auch der Ausbau zu einem Freizeit- und Begegnungszentrum. Die Suche nach einem geeigneten Lokal blieb lange erfolglos, bis die Stadt im Herbst 1987 die Krummgasse 10 zur Nutzung anbot. Dieses Gebäude konnte als Kultur- und Begegnungszentrum dienen und auch die Dienste der Kontaktstelle aufnehmen. Die feierliche Eröffnung fand am 10. März 1990 statt.
Dem Gedeihen der Kontaktstelle wurde stets grosse Bedeutung zugemessen. Der Kanton war ununterbrochen mit einem Mitglied des Regierungsrats vertreten. Weiter engagierten sich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft, die Kirchen, die Schulen, die Presse und andere Institutionen im Vorstand. Die Stadt Schaffhausen nahm ab 1981 mit dem späteren Präsidenten Kurt Gehring im Vorstand Einsitz, die Gemeinde Neuhausen erst ab 1986, nachdem Regierungsrat Ernst Leu festgestellt hatte, dass «Neuhausen nicht im Vorstand vertreten ist, jedoch immer wieder Probleme auftreten, die eine gemeinsame Lösung erforderlich machen».

**Kohärente Integrationspolitik**
Die Arbeitgeberbeiträge nahmen im Lauf der Jahre stetig ab. Gründe waren die Zuwanderungsbeschränkung, später die Krise der Industrie und der Abbau von Arbeitsplätzen. Die Finanzierung stellte den Verein deshalb regelmässig vor Herausforderungen. Mehrfach mussten Anstellungspensen reduziert, Kosten gesenkt und die Trägerschaft um höhere Beiträge ersucht werden. 1986 beschloss der Verein die Einführung von Einzelmitgliedschaften und den Einbezug der Ausländervereinigungen. Die Migrationsbevölkerung selbst war deshalb erst seit 1987 im Vorstand vertreten. Trotz aller Massnahmen führten die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen zu weiteren Einbussen. Nach 30 Jahren waren die Arbeitgeberbeiträge 2002 auf einen Viertel des Betrages von 1972 eingebrochen. Auf dieser Basis hatte die Kontaktstelle keine Zukunft.
Um die Jahrtausendwende formulierte der Bund erstmals eine aktive Integrationspolitik und lud die Kantone ein, regionale Kompetenzzentren für Integrationsfragen aufzubauen. Der Kanton und die Stadt Schaffhausen ergriffen die Chance und lancierten die Erarbeitung der Leitlinien für eine kohärente Integrationspolitik. In der Folge wurden die fusionierten Vereine des Begegnungszentrums und der Kontaktstelle 2004 in die Integrationsfachstelle Integres überführt.

**Ehrenamtlich für eine gute Sache**
Zu den auffälligsten Entwicklungen seit der Gründung gehören neben der veränderten Zuwanderung sicher die schwindende Unterstützung der Arbeitgeberschaft und der Rückzug von Teilen der Politik. Waren in den 70er-Jahren alle Regierungsparteien geschlossen gegen die Überfremdungsinitiativen und standen hinter dem Aufbau der Kontaktstelle, so hat sich dies gewandelt. Der Leitgedanke der Pioniere von 1972, dass das Ausländerproblem nicht in erster Linie ein Problem der Zahl, sondern eine Frage der Mitmenschlichkeit sei, steht unter Druck. Trotzdem ist die überaus breite Abstützung von Vorstand und Trägerschaft als wichtiges Erbe der Gründungszeit bis heute erhalten geblieben. Über 70 Vorstandsmitglieder und viele mehr in Arbeits- und Aktionsgruppen haben die gemeinsamen Ziele in unzähligen, ehrenamtlich erbrachten Stunden über die Jahre mitgetragen, mitgeprägt und im Geist des gegenseitigen Respekts mit Leben erfüllt. Bei ihnen allen, die hier nicht mit Namen und Verdienst erwähnt sind, bedanken wir uns herzlich. Ohne ihren Einsatz wäre unsere Gesellschaft ein gutes Stück kälter und ärmer.


**Zur Gründung der Kontaktstelle**

Nach der abgelehnten SchwarzenbachInitiative-bat mich Erwin Beyeler, der damalige Chef der Fremdenpolizei, um die Mithilfe zur Gründung einer Kontaktstelle Schweizer-Ausländer. Ich sagte zu, und zusammen mit Redaktor Heinz Dutli formulierten wir ein Pflichtenheft und Vereinsstatuten. Wir kontaktierten umgehend die Arbeitgeberund Arbeitnehmerorganisationen sowie weitere interessierte Institutionen wie Kirchen, Gemeinden und verschiedene Vereine. Nach vielen Besprechungen erhielten wir sukzessive die notwendigen Zusagen für die finanzielle Unterstützung. Im Grossen Rat reichte ich eine Motion für einen Kantonsbeitrag ein. Anfänglich hatte ich einige Kritik einzustecken («schon wieder wird die öffentliche Hand angegangen!»). Nach seriöser Begründung und Bekanntgabe derMitfinanzierenden stimmte der Grosse Rat dem beantragten Jahresbeitrag einstimmig zu.
Nun galt es, die Organisation der Kontaktstelle vorzubereiten. Als Präsidenten gewannen wir Rektor Ernst Trümpler. Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung statt, und die notwendigen Beschlüsse für die Aufnahme der Tätigkeit konnten rasch gefasst werden. Als erster Geschäftsleiter wirkte Hans Gabriel, und am 2. Oktober 1972 konnte die Arbeit offiziell aufgenommen werden. Die Kontaktstelle etablierte sich erfolgreich, und ich glaube somit sagen zu dürfen, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

KurtAmsler, Vorstand 1972-1984


**Erinnern an Lebendigkeit**

Aufbruch im Innern und Umbruch im Umfeld prägten die «Kontaktstelle» Anfang der9oer-Jahre. Bescheiden waren die finanziellen Mittel, klein noch Bundesvorgaben und Bürokratie. Dafür gab es viel persönliches Engagement, konkrete gemeinsame Projekte und freundschaftliche Kontakte. In Fronarbeit schufen Migranten und Schweizer an der Krummgasse ein Begegnungszentrum samt aktivem Trägerverein mit gemischt besetztem Vorstand. Hoch im Kurs standen Kulturaustausch, Kurse und Feste, ja sogar ein runder Tisch, wo die Vertreterinnen und Vertreter der Ausländervereine mit einheimischen Politikern und Schlüsselpersonen ihre Anliegen direkt besprechen konnten. Schmerzlich dann die Erschütterungen in Jugoslawien, welche auch bei uns dunkle Spuren hinterliessen. Nötiger denn je erfüllte die Kontaktstelle ihren Auftrag weiter: Integration nicht als anpasserische Gleichmacherei, sondern als respektvolles Miteinander in der Vielfalt.

Kurt Gehring, Vorstand 1981-1989, Präsident 1990-1994

#Allgemeines

27. September 2012 | Seit 1983 schon in Schaffhausen, seit 1988 in der «Kerze»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Zeno Geisseler

Die erste Bemerkung ist schon falsch. «Rolf, wie man hören kann, kommst du ja aus Bern.» – «Uh, nei!», sagt Rolf Könitzer, Wirt der «Kerze». «Aus der Matte!» Für Nichtberner ist dies einfach ein weiteres Quartier der Hauptstadt, für Stadtberner aber ist es eine eigene Welt. Der junge Rolf lernt in der Schule Geige, wie die Mutter, später dann Gitarre. Der Vater spielt Handorgel. Die Matte ist eine Welt, die «Rouf» schon lange hinter sich gelassen hat. Vor fast 30 Jahren, 1983, landete er nach einigen Wanderjahren in Schaffhausen und übernahm das «Domino». Dort wirtete er viereinhalb Jahre. Polo Hofer trat zweimal im «Domino» auf, er hatte mit Könitzer zusammen die Lehre gemacht, Handlithograf.
Am 1. Oktober 1988 wechselte Könitzer in die «Kerze», zusammen mit seiner Bea, einer Neuhauserin, die er im «Domino» kennengelernt und im Jahr zuvor geheiratet hatte. Die «Kerze» sollte eine Musikbeiz werden. «Damals gab es hier nur die Nachrichten aus dem Telefonrundspruch», sagt er. Fortan gab es die «Musikwochen», auch ein Toni Vescoli spielte schon in der kleinen Beiz in der Stadthausgasse. Wer damals die knarrende Holztreppe zur «Kerze» hochstieg, um sie viel später etwas weniger sicheren Schrittes wieder in der Gegenrichtung zu verlassen, war politisch klar zuzuordnen. «Grün-alternativ, Poch», sagt er. Heute sei dies ganz anders, die «Kerze» sei viel offener. Vom 16-jährigen Kantischüler bis zum Pensionierten kämen alle. Die meisten seien Stammgäste, viele von Anfang an. «Mein ältester Gast ist eine 82-jährige Dame. Sie kommt immer. Ausser, wenn ihr die Musik zu laut wird.» Morgen Freitag, am 28. September, feiert Könitzer 25 Jahre «Kerze». «Schön & Grob» spielen auf, Mundart, Oldies, Country, Folk und Blues. Er kennt einen der Musiker noch aus «Domino»-Zeiten. «Und es gibt Preise wie vor 25 Jahren», sagt Könitzer. «Die Flasche Bier für 3.50, s Halbeli für 15.» 25 Jahre? Der Wechsel war doch 1988? «Jo, eigetlech simer z früe», sagt er, «aber das war schon beim Zehnjährigen so. Erst am Abend haben wir gemerkt, dass es eigentlich erst neun Jahre sind.» Eine vorgezogene Feier weckt gewisse Befürchtungen. Hört er auf? Könitzer winkt ab. «Nenei.» Solange er noch könne, bleibe er. Die grosse Frage ist natürlich, ob er morgen selbst zu seiner Fender oder seiner Epiphone greifen wird. Zum Beispiel mit «Di chline Bäremutze», einem Lied, das sogar auf Youtube zu finden ist. Er lacht. «Mau luege!»

**Zur Person**
Alter 66
Zivilstand Witwer
Wohnort Schaffhausen
Hobbys Musik
Aktuelle Lektüre Mundartgedichte



Ging mit Polo Hofer zusammen in die Lehre, lernte Geige wie seine Mutter und wechselte dann auf Gitarre: Rolf Könitzer.
Bild Zeno Geisseler

#Alt-Scaphusia

24. September 2012 | Heinrich von Ziegler olim Star

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Heinrich von Ziegler olim Star
Dr. chem.
Generation 1945

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Abdankungsfeier findet am Mittwoch, 3. Oktober 2012 um 14.30 Uhr in der reformierten Kirche Zollikon statt.

Die studentische Totenehrung findet am Mittwoch, 31. Oktober 2012, um
20.00 Uhr im Verbindungslokal statt.

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Verleihung Contempo-Förderpreis: Einer für alle – fast alle nehmen ihn an

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Anna Rosenwasser

Der Sagenheld Robin Hood hätte seine wahre Freude gehabt an der diesjährigen Contempo-Verleihung. Der Kulturförderpreis wurde nämlich fair aufgeteilt: Allen Nominierten stehe der Zustupf zu, befand die Jury. Es ist eine Premiere in der Geschichte des Contempo-Preises, der bisher stets an einzelne Künstlerinnen und Künstler vergeben wurde. Ziel der Verleihung ist es zum einen, junge Kunst in Schaffhausen zu fördern. Zum anderen macht der Kulturförderverein Contempo damit auf sich aufmerksam.

**Erstmals Bands ausgezeichnet**
Auch das gewählte künstlerische Genre war ein Novum des Förderpreises, der seit 21 Jahren verliehen wird. Wurden bisher Bühnenbildnerinnen, Fotografen und einzelne Musikerinnen damit gefördert, galt die diesjährige Auszeichnung erstmals ganzen Bands. Vier sehr unterschiedlichen zudem, wie Vereinspräsident Urs Fürer in seiner Ansprache betonte. «Alle vier erbringen eine grosse Leistung», so Fürer, der auch auf weitere beachtenswerte Bands aus der Munotstadt verwies. Fürwahr, die Ausgezeichneten un-terscheiden sich. Deadverse, mit Gründungsjahr 2007 die jüngste der vier Bands, widmen sich dem Hardcore-Punk. Quince hingegen spielen Indie- Pop; ihr erstes Album erschien 2007, kürzlich folgte das zweite. Das Trio Lo Fat Orchestra produziert basslastigen Rock, die Gruppe Plain Zest hingegen temporeichen Punkrock. Alle vier Truppen sind mit ihrer Konzerttätigkeit ausserhalb wie auch innerhalb Schaffhausens präsent: Lo Fat Orchestra etwa traten am diesjährigen «festival» auf, Deadverse beehrten unter anderem das N4-Fest, und Plain Zest agieren auch als Konzertveranstalter in ihrem Schaffhauser Bandraum. Die Musik von Quince konnte noch am Abend der Preisverleihung genossen werden – an der Plattentaufe ihrer CD «Give you my mhhh …», die das Quintett im Anschluss an die Verleihung im «Cardinal» einweihte. Hörproben der weiteren Nominierten genoss das Publikum in Form von Musikvideos und eingespielten Liedern.

**Verzicht zugunsten anderer**
Während Quince nur für eine kurze Zeit in der Kammgarn weilten, tauchte eine der vier nominierten Bands gar nicht erst auf. Deadverse hatten auf den Förderpreis verzichtet, «zugunsten der anderen», wie die Gruppe durch Fürer verlauten liess. So wurde der mit 5000 Franken dotierte Preis nicht wie geplant unter vier, sondern unter drei Bands aufgeteilt. Die gerahmte Auszeichnung war nichtsdestotrotz ein «Viertel-Grammy» – eine Schallplatte, frei nach Robin Hood fair in vier Stücke aufgeteilt. Im Vorfeld der Verleihung fand die Generalversammlung statt, in der unter anderem dem scheidenden Vereinspräsident Urs Fürer ein bis 2022 währendes Kammgarn-Eintrittsbillett überreicht wurde. Im Anschluss an die Preisverleihung trat der frühere Preisträger Camero mit seinen Beatboxkünsten auf. Auch ein Quiz und ein Konzert der Rock-’n’-Roll-Band Baby Halbstark gehörten zum Programm. Buffet und Bar standen ebenfalls allen offen – Robin Hood hätte es gefreut.



Freuen sich über den kollektiven Förderpreis: Chrisi Zimmermann und Thorsten Strohmeier (Lo Fat Orchestra), Peter Bächtold (Quince), Alexander Norring, Gregor Spitzer und Elia Schneider (Plain Zest).
Bild Anna Rosenwasser

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | SVP und ÖBS erringen je einen Sitz zulasten von FDP und SP

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Fast alle bisherigen Schulräte wurden wiedergewählt, das beste Ergebnis schaffte Vreni Osterwalder (SP, 3790 Stimmen) vor Nathalie Zumstein (CVP, 2939 Stimmen) und Manuela Roost Müller (FDP, 2620 Stimmen). Einzige Ausnahme: Andreas Wüthrich (SP, 1039 Stimmen), der als wilder Kandidat gegen den Willen seiner Partei wieder angetreten war, verpasste schon das absolute Mehr (1750 Stimmen).

Dafür kommen drei Neue in den Stadtschulrat: Stefan Bruderer (2565 Stimmen) konnte nach dem Rücktritt von Ruth Gloor 2003 wieder einen Schulratssitz für die ÖBS erringen, ähnlich lief es bei der SVP, die nach einer vierjährigen Absenz mit ihrem Parteisekretär Mariano Fioretti (2179 Stimmen) den Sprung zurück in die Schulbehörde schaffte – bereits vor vier Jahren war Fioretti angetreten und schied als überzählig aus. Till Aders (AL, 2106 Stimmen), der nach der Wahl von Simon Stocker in den Stadtrat kurzfristig als Kandidat aufgestellt wurde und deshalb mit Handicap startete, kann den AL-Sitz verteidigen und beweist damit auch hier, dass die Kleinpartei derzeit die Gunst der Wähler geniesst. Während man bei der SP nach der Bekanntgabe des Resultats ein leichtes Aufschnaufen feststellen konnte – das Zerwürfnis mit Wüthrich und die Rücktrittsdrohung von Schulpräsidentin Huber Ott sind nun erledigt –, ist die FDP die eigentliche Verliererin: Kandidat Daniel Rapold, der den Sitz des zurücktretenden Marcel Sonderegger verteidigen sollte, wurde zwar mit 1789 Stimmen gewählt, schied jedoch als überzählig aus. Im Gegensatz zum Kantonsratswahlkampf wurde um einen Sitz im Stadtschulrat geradezu heftig gestritten, dennoch scheint die Wahl die Menschen nicht besonders bewegt zu haben, das zeigt auch der hohe Anteil an leeren Stimmen: Auf den 11 193 Stimmzetteln mit je sechs Linien waren von gegen 67 000 möglichen Stimmen 44 000 leer.


**Gewinner und Verlierer «Gremium ist nun politisch sehr breit abgestützt»**

Dass die SVP mit Mariano Fioretti nach einigen Jahren wieder den Sprung in den Stadtschulrat geschafft hat, ist für den Familienvater auch ein Zeichen, dass man seine Art goutiert habe. «Ich stand ja völlig allein da», sagt Fioretti, der in den vergangenen Wochen einen intensiven Wahlkampf betrieben hat. «Und sicher haben viele Wähler meine klare Haltung im Bezug auf den Schulleitungszwang, der dann abgelehnt wurde, honoriert», sagt Fioretti. Nach dem schlechten Abschneiden Daniel Preisigs bei den Wahlen in die Stadtexekutive vor vier Wochen habe er gedacht: «Jetzt kriegen wir ein zweites Mal aufs Dach.» Im Stadtschulrat will Fioretti ganz klar die Meinung der SVP einbringen, wie er gegenüber den SN gestern mit Nachdruck betonte. Zu den neu in den Stadtschulrat Gewählten gehört auch Stefan Bruderer von der ÖBS. «Ich habe im Wahlkampf viele enorm gute Rückmeldungen erhalten und freue mich nun über mein gutes Resultat.» Als Gremium sei der Stadtschulrat nun politisch sehr breit abgestützt – darin sieht Bruderer auch eine Chance. Aber wichtig sei, dass man in Zukunft als Behörde gut zusammenarbeite. «Völlig verblüfft» zeigte sich gestern Till Aders von der AL. Er, der seine Kandidatur anstelle des in den Stadtrat wechselnden Simon Stocker erst vor zwei Wochen bekannt gemacht hatte, hat klar nicht mit einer Wahl gerechnet, wie er sagt. «Wir haben gerade mal ein paar Flyer verteilt, und doch habe ich nur 70 Stimmen weniger als der Kandidat von der SVP – das freut mich.» Enttäuschend war das Wahlergebnis für den FDP-Kandidaten, der ebenfalls neu angetreten war. Er nehme es aber sportlich, so Rapold: «Offenbar gibt es einen Trend hin zu den Jungen, und das ist ja auch gut.» Nicht zu erreichen war gestern Andreas Wüthrich, der nach einem Zwist mit der Stadtschulratspräsidentin ohne die Unterstützung seiner Partei (SP) kandidiert hatte. Er erzielte mit 1039 Stimmen das schlechteste Resultat aller Kandidierenden. (lbb)


**Kommentar – Es ändert sich wenig**

Robin Blanck

Wenn es Konflikte gibt zwischen Eltern, Kindern und Lehrperson, spielt es keine Rolle, welcher Partei das Schulratsmitglied angehört, das vermittelnd eingreift. Deshalb werden sich die Auswirkungen der gestrigen Wahl im Rahmen halten – soweit sie denn überhaupt spürbar werden. Nur zur Erinnerung: Die wirklich grossen Veränderungen in den städtischen Schulen stehen mit dem kürzlich präsentierten «Vorsteher+»-Modell erst noch bevor.
Zwar spielt das Parteibuch im Schulratsalltag keine Rolle, bei einer Majorzwahl ist es hingegen von Vorteil, eine starke Partei im Rücken zu haben: Bei der SVP, die sonst bei Exekutivwahlen gerade in den Städten oft schlecht abschneidet, hat dies zum Sitzgewinn von Mariano Fioretti geführt. Überraschender ist da schon die komfortable Wahl von Till Aders (AL) und Stefan Bruderer (ÖBS), zwei jungen Vertretern von Kleinparteien: Es dürfte ihre – positiv formuliert – Unverbrauchtheit gewesen sein, welche die Stimmberechtigten gewählt haben. Die Abwahl von Andreas Wüthrich bewahrt die SP vor der öffentlichen Fortführung einer unangenehmen Auseinandersetzung. Mit noch immer zwei Sitzen im Schulrat kann die Partei den Abgang aber verschmerzen. Bleibt die FDP, die als Verliererin vom Platz geht: Manuela Roost Müller wurde gut wiedergewählt, der zweite Sitz ging verloren. Das zeigt zweierlei: einerseits das Potenzial der FDP und andererseits das fehlende Vertrauen in den zweiten FDP-Kandidaten.

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Krönender Abschluss des SIA-Jubiläumsjahres

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhasuen
Roland Brühwiler

Mit einem dreiteiligen Fest haben die Mitglieder des SIA Schaffhausen am Samstagabend das 100-Jahr-Jubiläum des Vereins gefeiert. Nach zwei kulturellen Teilen in den Hallen für Neue Kunst und im Haberhaus fand der offizielle Festakt mit Reden und Nachtessen im Park Casino Schaffhausen statt. Dabei überbrachte Regierungsrat und Baudirektor Reto Dubach seine besten Wünsche: «Der SIA bürgt für Qualität. Damit gleichen sich die Interessen, denn auch die Regierung will Qualität erreichen.» Gute Bauten und damit eine gute Infrastruktur seien sehr wichtig. Dubach sprach auch drei grosse Herausforderungen an, die in nächster Zeit noch häufiger auf die Architekten und Ingenieure zukommen würden: die Raumentwicklung, die Zersiedelung und der Energieumstieg, bei dem die Energieeffizienz von Gebäuden immer wichtiger werde. Der Präsident SIA Sektion Schaffhausen, Daniel Schmid, will eine bessere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erreichen: «Wir haben uns in den letzten Jahren zu schlecht verkauft.» Die Sektion Schaffhausen des SIA werde sich weiterhin in der Gesellschaft und der Politik einbringen. Er stiess sodann mit den 80 anwesenden Mitgliedern auf die nächsten 100 Jahre an. Der Generalsekretär des SIA, der Schaffhauser Hans-Georg Bächtold, fasste die Geschichte des SIA kurz zusammen – der Mutterverein hat dieses Jahr nämlich mit 175 Jahren auch ein Jubiläum gefeiert. Zu den Herausforderungen zählt Bächtold auch die Ausbildung: «In der Schweiz fehlen zurzeit 15 000 Ingenieure.» Nachdem die Sektion Schaffhausen des SIA schon das ganze Jahr hindurch vermehrt in die Öffentlichkeit getreten war, war der Festakt am Samstag nun der krönende Abschluss des Jubiläumsjahres des Berufsverbandes der Bereiche Bau, Technik und Umwelt.

**Spezielle Vorlesung von Donogood**
Losgegangen war das Jubiläumsfest am Nachmittag mit Gruppenführungen in den Hallen für Neue Kunst. «Gerade Architekten sind ja auch Künstler», erklärte Daniel Schmid. Sie hätten aber auch kritische Fragen gestellt, was zu Diskussionen geführt habe. Den zweiten Teil des Festaktes bildete ein Apéro im Haberhaus mit einer speziell auf den Anlass zugeschnittenen Vorlesung des Trios Donogood. Raphael Burri, Rolf Strub und Walter Millns unterhielten dabei das Publikum blendend. SIA-Mitglieder und Donogood hätten eine Gemeinsamkeit, bemerkte Strub zu Beginn: «Wir möchten das Publikum unterhalten, ihr schafft Liegenschaften, die es zu unterhalten gilt.» Besonders viel Applaus bekam die Nummer, in der Gott Noah den Auftrag gab, eine Arche zu bauen, da er die Erde nochmals zerstören wollte. Noah schaffte es aber nicht, denn er hatte seine liebe Mühe mit streikenden Handwerkern, der Unmöglichkeit des Imports libanesischer Zedern und dem Tierschutzgesetz. Gott sah dann von seinem Vorhaben ab. Denn: «Das schafft schon eure Verwaltung.» Dass das Bauwesen tatsächlich immer komplizierter werde und Vereinfachungen geschaffen werden müssten, bemerkte auch Reto Dubach in seiner Festrede. Beim Nachtessen im Park Casino hatten die Mitglieder dann genügend Zeit, sich untereinander auszutauschen und das Jubiläum richtig zu feiern.



Hans-Georg Bächtold, Daniel Schmid und Stefan Cadosch, Präsident SIA Schweiz, freuen sich über das 100-Jahr-Jubiläum der Sektion Schaffhausen des SIA.
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Kantonsratswahl 2012

Schaffhauser Nachrichten


**Alternative Liste legt zu, Bürgerliche behalten Mehrheit im Kantonsrat**

*Die AL ist nach den gestrigen Kantonsratswahlen die viertstärkste Partei im Parlament. Die FDP hat Federn gelassen, die SVP bleibt die grösste Partei des Kantons.*

von Zeno Geisseler

Der Höhenflug der Alternativen Liste hält an. Nachdem der linken Gruppierung vor wenigen Wochen der Sprung in die Schaffhauser Stadtregierung gelungen war, hat sie gestern auch bei den Kantonsratswahlen zulegen können. Die AL hat die ÖBS überholt und ist mit einem Wähleranteil von 7,48 Prozent neu die viertstärkste Partei im Kanton Schaffhausen. Sie erreicht mit fünf Parlamentariern (+2) Fraktionsstärke. An den Machtverhältnissen im Parlament hat dieser Erfolg jedoch nichts verändert. Der Rat bleibt nach wie vor deutlich bürgerlich dominiert. Zwar hat die FDP drei Sitze verloren und kommt neu noch auf neun Sitze. Die SVP hat jedoch mit der Untergruppe SVP-Senioren einen Sitz gewonnen, zudem kommt auch die christlich-konservative EDU neu auf zwei Sitze (+1). SVP/JSVP/SVP-Senioren kommen auf einen Wähleranteil von 33,6 Prozent.
Bei Links-Grün hat es neben der Stärkung der AL noch weitere Verschiebungen gegeben. Die SP hat einen Sitz verloren, bleibt aber hinter der SVP zweitgrösste Partei. Zudem ziehen neu auch die Juso mit einer Vertreterin in den Kantonsrat ein. Die ÖBS kommt neu noch auf vier Sitze (–1).

**Zwei Präsidenten abgewählt**
Bei den beiden grossen bürgerlichen Parteien haben die Präsidenten die Wiederwahl nicht geschafft. SVP-Präsident Werner Bolli kandidierte erfolglos auf der SVP-Senioren-Liste, FDP-Präsident Nihat Tektas wiederum verpasste vom letzten Listenplatz aus den Einzug ins Parlament um sieben Stimmen.

**Auf einen Blick Der neue Kantonsrat**

SVP 16 Sitze 0
SP 13 Sitze -1
FDP 9 Sitze -3
AL 5 Sitze +2
ÖBS 4 Sitze -1
CVP 3 Sitze 0
JSVP 3 Sitze 0
EDU 2 Sitze +1
JFSH 2 Sitze 0
EVP 1 Sitz 0
SVP Senioren 1 Sitz +1
JUSO 1 Sitz +1


**Kommentar**

**Die Schaffhauser Wähler machen k(l)eine Sprünge**

von Norbert Neininger

Nicht nur die Natur, auch die Schaffhauser Politik macht keine Sprünge. Das gilt für das hinter uns liegende Wahlwochenende: Die Kräfteverhältnisse erweisen sich als nahezu stabil, der Kantonsrat behält eine solide bürgerliche Mehrheit. Und die SVP bleibt die Partei mit dem höchsten Wähleranteil.
Aber es sind die – wenn auch kleinen – Verschiebungen zwischen den Parteien und Blöcken, welche dennoch Anlass für Analysen bieten. So gelingt es der Alternativen Liste, ihren guten Lauf fortzusetzen, und nach dem Gewinn des Stadtratssitzes durch Simon Stocker erreicht die AL nun mit fünf Sitzen Fraktionsstärke. Auf der anderen Seite wurden die Freisinnigen nach erfolgreichen Regierungsrats- und Stadtratswahlen überraschenderweise von der Wählergunst verlassen – sie verlieren drei Sitze, bleiben erfolglos im Stadtschulrat, und ihr Präsident wird abgewählt. Über die Gründe wird sich die liberale Partei Gedanken machen, oder anders gesagt: Sie muss jetzt ernsthaft über die Bücher gehen. Wenn SP und ÖBS je einen Sitz verlieren, mag man im Übrigen ebenso wenig einen Trend erkennen wie beim gleich kleinen Zugewinn der EDU und der Juso. Dass die SVP sich auf hohem Niveau hält, zeigt höchstens, dass sich die Schaffhauser SVP-Wähler von den negativen Schlagzeilen um die Mutterpartei nicht verunsichern lassen. Das Kantonsparlament bleibt vielfältig, und es sind nicht nur die wesentlichen politischen Strömungen, sondern auch die verschiedenen Alterskategorien vertreten – gute Voraussetzungen also, die kommenden vier Jahre mit diesem höchst repräsentativen Parlament anzugehen. Das Wahlverfahren ist für die kleineren Parteien günstig, das war gewollt und zeitigt Erfolg.


**Der Kantonsrat bleibt in bürgerlicher Hand**

*Trotz Sitzverlusten bei der FDP und einem starken Plus der Alternativen Liste bleiben die Kräfteverhältnisse im Schaffhauser Parlament insgesamt fast unverändert.*

von Zeno Geisseler

Der Schaffhauser Kantonsrat bleibt auch in den kommenden vier Jahren fest in bürgerlicher Hand. Bei den gestrigen Gesamterneuerungswahlen für die Amtsperiode 2013 bis 2016 hat sich die Gewichtung auf der Links-rechts-Achse im Vergleich zu den Wahlen von 2008 so gut wie nicht verschoben. SVP, JSVP, FDP, JFSH, CVP, EDU sowie neu die SVP-Senioren kommen auf 36 der 60 Sitze (bisher 37), das linksgrüne Lager mit SP, AL, ÖBS, EVP und neu den Juso hält 24 (bisher 23) Sitze. Nur ein einziger Sitz hat also die Blöcke gewechselt, was für die Mehrheitsverhältnisse aber unerheblich ist.

**SP verliert, Juso gewinnen**
Die grossen Verschiebungen fanden innerhalb der Blöcke statt. Die deutlichste Siegerin ist die Alternative Liste. Die junge, linke Bewegung hat ihr Wahlziel, Fraktionsstärke, erreicht und zieht neu mit fünf (bisher drei) Personen ins Parlament ein. Sie hat ihren Wähleranteil auf 7,48 Prozent steigern können und hat somit die ÖBS als viertstärkste Macht im Kantonsrat abgelöst (Detailzahlen siehe unten links). Die ÖBS hingegen ist unter die wichtige Schwelle von fünf Personen gefallen (neu vier Sitze). Auch die SP verliert einen Sitz und kommt neu auf noch 13 Sitze. Dies wird jedoch kompensiert durch den Einzug der Juso, welche neu eine Vertreterin entsenden.
Auf der bürgerlichen Seite gehört die SVP zu den Siegerinnen. Sowohl die Mutterpartei (-0,27 Prozent) als auch die JSVP (-1,16 Prozent) haben zwar Wähleranteile verloren, doch ihre Delegationen bleiben mit 16 beziehungsweise 3 Personen unverändert. Neu ziehen die SVP-Senioren mit einer Vertreterin in den Rat ein. Die SVP kommt mit ihren zwei Satellitenparteien auf einen Wähleranteil von 33,6 Prozent, 1 Prozent mehr als 2008. Sie ist damit weiterhin die grösste Partei im Kanton.

**Blocher schaffte es nicht**
Prominentester Nicht-Gewählter der SVP ist Gerhard Blocher aus Hallau, der auf der Liste der SVP-Senioren im Wahlkreis Klettgau angetreten war. Er hat zwar am meisten Stimmen seiner Liste geholt, für einen Sitz hat es aber nicht gereicht. Nicht mehr gewählt worden ist zudem SVP-Kantonalpräsident Werner Bolli, der erstmals auf der Liste der SVP-Senioren (Wahlkreis Reiat) angetreten war. Er hat bereits angekündigt, dass er das Parteipräsidium im kommenden Frühling abgeben wird (siehe «Reaktionen» unten). Die Volkspartei wird also mit einem neuen Chef oder, was eher unwahrscheinlich ist, mit einer neuen Chefin in die nächste Legislaturperiode ziehen.
Zugelegt hat auch die EDU, welche mit der SVP zusammen eine Fraktion bildet. Die christlich-konservative Partei ist von einem auf zwei Sitze gewachsen. Die CVP kommt unverändert auf drei Sitze.

**FDP-Präsident abgewählt**
Die FDP hat 3 ihrer bisher 12 Sitze verloren, mehr als jede andere Partei. Wie bei der SVP ist auch bei der FDP der Parteipräsident abgewählt worden. Nihat Tektas war von der Liste der Jungfreisinnigen auf die Liste der Mutterpartei gewechselt und kandidierte auf dem letzten Listenplatz. Er hat die Wahl um sieben Stimmen verpasst, somit dürfte wohl auch im Schaffhauser Freisinn die Diskussion um den Parteivorsitz zum Traktandum werden. Bei den meisten Parteien ist es Usanz, dass die Person an der Spitze auch im Kantonsrat vertreten ist. Seine Wiederwahl verpasst hat im Übrigen auch FDP-Fraktionschef Heinz Brütsch.
Der Wähleranteil der FDP liegt zusammen mit der JFSH neu bei 18,26 Prozent, ein Minus von 3,93 Prozent. Damit dürfte es der FDP künftig wohl noch schwerer fallen, ihre Doppelvertretung in der Kantonsregierung insbesondere gegenüber der jetzt doch deutlich grösseren SP zu rechtfertigen. Diese kommt zusammen mit der Juso auf einen Wähleranteil von 22,6 Prozent, hält aber nur einen Sitz im Regierungsrat.


**Reaktionen – Von überschäumender Freude bis zur Niedergeschlagenheit**

Als Staatsschreiber Stefan Bilger um 18.30 Uhr, anderthalb Stunden früher als geplant, im Regierungsratssaal das Schlussresultat der Kantonsratswahl bekannt geben konnte, fielen die Reaktionen der Parteienvertreterinnen und -vertreter je nach Ergebnis sehr unterschiedlich aus. Nicht aus dem Strahlen heraus kam Florian Keller von der Alternativen Liste, der nicht nur seinen Sitz verteidigt hatte, sondern mit der AL in Fraktionsstärke ins Parlament zurückkehren wird. «Seit letztem Sommer, als wir die Abstimmung um die Pauschalbesteuerung gewonnen haben, und vor allem seit der Wahl von Simon Stocker haben wir ein Siegerimage», erklärte er den AL-Wahlsieg. Die AL wolle aber, trotz Fraktionsstärke, auch in Zukunft weiter eng mit der SP zusammenarbeiten, so Keller.
Dazu ist die SP laut Parteipräsidentin Martina Munz, die im Klettgau glänzend wiedergewählt wurde, auch bereit. Sie geht auch davon aus, dass die neue Juso-Vertreterin sich der SP-Fraktion anschliessen wird. Dieser Juso-Sitz ist für Munz die Kompensation für den Sitz, den die SP insgesamt verlor. «Erschreckend für mich ist, dass drei von den vier bisherigen Frauen abgewählt worden sind», erklärte Munz. «Ich habe dafür keine Erklärung, denn alle waren sehr aktiv und gute Politikerinnen.»
«Damit muss man leben», kommentierte SVP-Parteipräsident Werner Bolli seine Nichtwahl auf der SVP-Seniorenliste im Wahlkreis Reiat. Bei ihm herrsche nicht das grosse Elend, denn erstens sei er 67, und damit sei es Zeit, langsam aufzuhören, und zweitens habe die SVP den Status quo gehalten, meinte Bolli; zudem hätten die SVPSenioren und die EDU je einen Sitz gewonnen. Das Parteipräsidium werde er abgeben, und zwar auf die Delegiertenversammlung hin, die im nächsten Frühling stattfinden werde.
Ebenfalls sein Mandat verloren hat ein anderer Parteipräsident, Nihat Tektas von der FDP. «Zuerst muss das Resultat analysiert werden, bevor ein Rücktritt allenfalls spruchreif wird», sagte er. Zu den Sitzverlusten der FDP meinte er: «Wir sind auf das Niveau von 2004 zurückgestuft worden.»
«Es gibt vermehrt Parteien, die auf der gleichen Linie politisieren wie wir.» So erklärte sich ÖBS-Präsidentin Iren Eichenberger den Sitzverlust ihrer Partei. «Es ist sehr bedauerlich, dass gerade Bernhard Egli abgewählt wurde», meinte sie. (ek)


**Sitzgewinne für die AL und die Neuen**

*Zu den Verlierern im Wahlkreis Schaffhausen gehören die SP, die FDP, die ÖBS und die Jungfreisinnigen, die je einen Sitz abgeben müssen.*

von Erwin Künzi

Die Kräfteverhältnisse zwischen Links und Rechts haben sich, was den Kantonsrat angeht, in der Stadt Schaffhausen nicht gross verschoben, sehr wohl aber die prozentualen Anteile der einzelnen Parteien. Diese Entwicklung wurde noch verstärkt durch zwei Parteien, die SVP-Senioren und die Jungsozialisten, die vor vier Jahren nicht an der Wahl teilgenommen hatten und die prompt je einen Sitz gewannen. Obwohl mit Alfred Tappolet (SVP) nur ein Bisheriger nicht mehr zur Wahl antrat und mit Andreas Gnädinger (SVP) ein Bisheriger nicht mehr im Wahlkreis Stadt, sondern im Wahlkreis Klettgau kandidierte (und dort auch gewählt wurde), gab es doch einige Wechsel in der Delegation, die die Stadt in der kommenden Legislatur in den Kantonsrat schickt: Sieben Kantonsrätinnen und Kantonsräte wurden neu ins Parlament gewählt.
Grosse Wahlsiegerin ist die Alternative Liste (AL). Sie konnte ihren Wähleranteil um 6,15 auf 11,82 Prozent steigern und ist jetzt, nachdem sie die ÖBS überflügelt hat, in der Stadt Schaffhausen die viertstärkste Partei. An der Spitze stehen nach wie vor die Sozialdemokraten (SP), die zwar gegenüber 2008 2,22 Prozent abgeben mussten und dieses Mal auf 24,06 Prozent kamen. An zweiter Stelle ist die SVP mit 18,99 Prozent (–0,58), vor der FDP mit 15,85 Prozent (–3,13). Die Ökoliberalen sind mit 9,25 Prozent (–1,92) noch fünftstärkste Kraft. Es folgen die kleineren Parteien, nämlich die CVP mit 4,28 (–0,47), die Jungfreisinnigen mit 3,78 (+0,14), die EDU mit 3,13 (+0,31), die Junge SVP mit 2,79 (–1,34), die EVP mit 2,44 (–0,56), die Jungsozialisten mit 1,91 und die SVP-Senioren mit 1,71 Prozent; die beiden letzten Parteien nahmen 2008 nicht an der Wahl teil.

**Zwei SP-Frauen abgewählt**
Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Parteien und die Gewählten. Die SP verlor einen ihrer bisher sieben Sitze. Nicht unerwartet wurde Peter Neukomm, der schon bei der Wahl in den Stadtrat das Spitzenresultat erzielt hatte, mit dem besten Ergebnis der SP-Liste gewählt, und zwar nicht als Bisheriger, sondern als neu Kandidierender. Er kam auf 6090 Stimmen. Weiter wurden gewählt Werner Bächtold mit 5691, Matthias Freivogel mit 5657, Peter Käppler mit 5121, Daniel Fischer mit 5052 sowie Jürg Tanner mit 4994 Stimmen. Um 180 Stimmen verpasste die Bisherige Sabine Spross die Wiederwahl; sie ist mit 4814 Stimmen erste Ersatzfrau. Ebenfalls nicht mehr gewählt – sie kam auf 4665 Stimmen – wurde die Bisherige Ursula Leu. Die FDP musste, obwohl sie nur einen Sitz verlor, gleich zwei abgewählte Bisherige verkraften. Der Grund: FDP-Parteipräsident Nihat Tektas, der vor vier Jahren auf der Liste der Jungfreisinnigen gewählt worden war, kandidierte dieses Mal bei der Mutterpartei, wo er aber mit 3298 Stimmen zu wenig Zuspruch fand und jetzt erster Ersatzmann ist. Ebenfalls abgewählt wurde der in Neuhausen am Rheinfall wohnhafte Arzt und Verleger Richard Altorfer, der trotz (oder wegen) seiner wöchentlichen Kolumne in einer Gratiszeitung nur auf 3240 Stimmen kam, was nicht mehr für eine Wahl reichte. Wiedergewählt wurden Jeanette Storrer (4066 Stimmen), Thomas Hauser (3662), Urs Hunziker (3595) und Christian Heydecker (3305), der mit einem Vorsprung von 7 Stimmen auf Tektas seine Abwahl verhindern konnte.

**FDP-Dissident als SVP-Kantonsrat**
Bei der SVP tauchen zwei neue Gesichter auf, die trotzdem bestens bekannt sind. Da ist zum einen Daniel Preisig, der ehemalige SVP-Stadtratskandidat, der dem Kantonsrat auch schon angehörte; er kam auf 2613 Stimmen. Der andere ist der FDP-Dissident Walter Hotz, der auf Anhieb mit 2334 Stimmen auf Platz 3 kam und jetzt zusammen mit seinem Sohn Florian, der bei den Jungfreisinnigen wiedergewählt wurde (1206 Stimmen), im Parlament sitzt. Die anderen SVP-Vertreter sind Thomas Hurter (3361 Stimmen), Samuel Erb (2303) und Peter Scheck (2132). Trotz einer aufwendigen Werbekampagne hat es SVP-Sekretär Mariano Fioretti nicht in den Kantonsrat gereicht. Er ist mit 2058 Stimmen erster Ersatzmann. Die AL kann ihre Abordnung aus der Stadt verdoppeln: Neben den Bisherigen Florian Keller (3440 Stimmen) und Jonas Schönberger (2446) ziehen neu Susi Stühlinger (3016) sowie Till Aders (2636) in den Kantonsrat ein. Erster Ersatzmann ist der neue Stadtrat Simon Stocker (2414). Die ÖBS verliert ihren Fraktionspräsidenten Bernhard Egli, dem 2650 Stimmen nicht zur Wiederwahl reichten; er ist erster Ersatzmann. Gewählt wurden Urs Capaul (3017) sowie Iren Eichenberger (2929).

**Verlust für Jungfreisinn**
Und das sind die weiteren gewählten: CVP: Theresia Derksen (1587); erste Ersatzfrau ist Nathalie Zumstein (1170), die in der Stadt Schaffhausen die Wiederwahl in den Schulrat schaffte. Junge SVP: Christian Ritzmann konnte seinen Sitz mit 581 Stimmen verteidigen; erster Ersatzmann ist Pascal Gurtner (394). Bei der EVP wurde Rainer Schmidig mit 1257 Stimmen wiedergewählt, erster Ersatzmann ist Thomas Stamm (613). Bei der EDU behielt Erwin Sutter mit 945 Stimmen seinen Sitz, erster Ersatzmann ist Beat Brunner (796). Die Jungfreisinnigen konnten den Sitz von Nihat Tektas nicht halten und sind nur noch mitFlorian Hotz im Kantonsrat vertreten, erster Ersatzmann ist Till Hardmeier (1041). Die SVP-Senioren waren neu zur Wahl angetreten und machten einen Sitz. Dieser geht an Nelly Dalpiaz, die auf 405 Stimmen kam und damit äusserst knapp, mit 10 Stimmen, das Rennen vor Werner Schöni machte, der mit 395 Stimmen erster Ersatzmann ist. Die Jungsozialisten, ebenfalls zum ersten Mal dabei, machten mit Seraina Fürer (663) einen Sitz; erster Ersatzmann ist Mirza Michael Hodel mit 547 Stimmen.


**Die EDU Klettgau neu im Kantonsrat**

*Wahlkreis Klettgau*

von Hans-Caspar Ryser

Für die 12 Kantonsratssitze des Wahlkreises Klettgau kandidierten an den diesjährigen Erneuerungswahlen 119 Kandidaten auf 12 Listen. Die Wiederwahl geschafft haben neun bisherige Kandidaten der Parteien SP, FDP, SVP, JSVP und ÖBS. Einen Sitz verloren hat die FDP, während die EDU neu im Kantonsrat vertreten ist.

**Gewinner und Verlierer**
Mit 953 Stimmen neu ins Kantonsparlament gewählt wurde Andreas Schnetzler von der Eidgenössisch-Demokratischen Union EDU, diplomierter Landwirt aus Gächlingen. Dies ist umso überraschender, als die EDU im Wahlkreis Klettgau bis anhin nicht im Parlament vertreten war. Ebenfalls eher überraschend ist die Abwahl von Georg Meier, Unternehmer aus Schleitheim, welcher mit 1279 erhaltenen Stimmen eher knapp abgewählt wurde. Sein Sitz geht damit an die EDU.

**Keine weiteren Veränderungen**
Ansonsten hat sich an der Parteienzusammensetzung der den Klettgau in der Kantonsregierung vertretenden Kantonsräte nicht viel verändert. Was die Anzahl erhaltener Stimmen anbelangt im wahrsten Sinn alle überflogen hat Markus Müller, Berufspilot aus Löhningen, mit 2963 erhaltenen Stimmen. Sowohl der Landwirt Hans Schwaninger aus Guntmadingen als auch Erich Gysel, Winzer aus Hallau, verteidigten ihren Sitz als SVP-Vertreter problemlos. Auch die Vertreterin der Jungen SVP Schaffhausen, die Coifffeuse Manuela Schwaninger aus Guntmadingen, schaffte die Wiederwahl. Anstelle des nicht mehr kandidierenden Gottfried Werner, Beggingen, wurde der vom Wahlkreis Schaffhausen in den Klettgau gewechselte Andreas Gnädinger, Rechtsanwalt aus Siblingen, gewählt. Ebenfalls problemlos schafften Martin Kessler (1493 Stimmen), Ingenieur Fachhochschule aus Trasadingen, und knapp dahinter Beat Hedinger, Geschäftsführer aus Wilchingen, für die FDP. Die Liberalen die Wiederwahl in den Kantonsrat. Bei der Sozialdemokratischen Partei schaffte die bisherige Kantonsrätin Martina Munz, Agronomin ETH aus Hallau, mit 1714 Stimmen die Wiederwahl problemlos. Anstelle des für die SP nicht mehr kandidierenden Thomas Wetter entschied Walter Vogelsanger, Kantonsschullehrer aus Beggingen, mit 1171 Stimmen das Rennen für sich. Auch die bisherige Vertreterin der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen im Kantonsrat, Regula Widmer, selbständige Beraterin aus Beringen, wurde mit 799 Stimmen wiedergewählt. Und die Alternative Liste Schaffhausen konnte mit dem bisherigen Kantonsrat Matthias Frick, Student/Archivmitarbeiter, mit 630 Stimmen ihren Sitz im Kantonsrat verteidigen. Den Sprung in den Kantonsrat nicht geschafft haben die Kandidierenden von CVP, EVP, Jungfreisinnigen , SVP Senioren und JusoPlus.


**SP, FDP, SVP und CVP konnten ihre Sitze halten**

*Wahlkreis Neuhausen*

Neuhausen am rheinfall In der neuen Amtszeit wird die Gemeinde mit zwei neuen Kantonsräten vertreten sein. Christian Di Ronco (CVP) hat mit 638 Stimmen den Sprung in den Kantonsrat geschafft und tritt die Nachfolge von Franz Baumann (CVP) an. Damit hat die CVP ihren Sitz im Kantonsrat halten können. Obwohl die FDP im Wahlkreis Neuhausen am Rheinfall insgesamt einen Stimmenverlust von 5.55 Prozent hinnehmen musste, konnte die Partei ihre bisherigen zwei Sitze im Kantonsrat erfolgreich verteidigen. René Sauzet (FDP) wird die Nachfolge von Stephan Rawyler (FDP) antreten. Er hat 700 Stimmen erhalten. Wiedergewählt wurde zudem Felix Tenger (FDP). Ihn haben 985 Bürgerinnen und Bürger gewählt. Unbestritten waren die drei Sitze der SP, die mit den wiedergewählten Kantonsratskandidatinnen und Kandidaten Franziska Brenn (735 Stimmen), Peter Gloor (757 Stimmen) und Patrick Strasser (881 Stimmen) im Kantonsrat am stärksten vertreten ist und bleibt. Ebenfalls wiedergewählt wurden die Vertreter der SVP, Willi Josel (SVP) mit 681 Stimmen und Dino Tamagni (SVP) mit 952 Stimmen. Obwohl die SVP im Wahlkreis Neuhausen am Rheinfall 1,24 Prozente, die SVP-Senioren sogar 4,14 Prozent zugelegt hatten, reichte es für die SVP-Gruppe nicht für einen dritten Sitz.


**Drei Bisherige weg, drei Neue drin**

*Der Wahlkreis Reiat wartet mit überraschenden personellen Rochaden auf.*

Das ist nun wahrlich ein kleineres personelles, nicht allerdings politisches Erdbeben: Drei Bisherige, Werner Bolli (SVP), Ueli Kleck (SVP) und Heinz Brütsch (FDP) schafften nämlich am Wochenende die Wahl in den Kantonsrat nicht mehr. Dafür ziehen als neue Vertreter aus dem Reiat Philippe Brühlmann (SVP), Marcel Montanari (JFSH) und Ueli Werner (JSVP) in das kantonale Parlament ein.
Das entspricht einer zumindest im Ausmass unerwarteten Rochade, derweil die parteipolitischen Kräfte kaum Veränderungen erfuhren: Die SP hält ihren Sitz mit dem unbestrittenen Bisherigen Richard Bührer (862 Stimmen), und Heinz Rether (425 Stimmen), ebenfalls ein Bisheriger, verteidigte den Sitz für die ÖBS. Die Liberalen konnten ebenfalls ihren Besitzstand, zwei Sitze, wahren, allerdings war dies mit einer Verlagerung zugunsten der Jungen verbunden. Die Jungfreisinnigen holten sich mit Marcel Montanari (312 Stimmen) wohl etwas überraschend einen Sitz, die «alte» FDP verlor einen. Hier schaffte Lorenz Laich (595 Stimmen) die Wiederwahl, Heinz Brütsch (578) dagegen musste dem Sturmlauf der liberalen Jungtürken weichen. Noch weitaus wilder rochierte im Reiat jedoch die SVP, die gleichermassen für den überragenden «Wahlsieger» wie für die Negativsensation sorgte: Philppe Brühlmann, der neue Thaynger Gemeindepräsident, schaffte die Wahl mit dem Spitzenergebnis (1764 Stimmen) vor seinem Vorgänger als Gemeindepräsident, dem Bisherigen Bernhard Müller (1484 Stimmen). Pilot Brühlmann ist im Reiat damit eindeutig der politische Senkrechtstarter des Jahres. Nicht geschafft hat es Ueli Kleck (1178 Stimmen). Der Bisherige liegt noch hinter dem Dörflinger Gemeindepräsidenten Pentti Aellig (1206 Stimmen) – ihnen ist der Sprung nicht geglückt. Das schaffte dagegen Ueli Werner aus Merishausen (296 Stimmen) von der Jungen SVP. Der neu bei den SVP-Senioren kandidierende Werner Bolli (376 Stimmen), ein politisches Urgestein und eine SVP-Grösse, wurde überraschend nicht gewählt – was wohl einer Sensation entspricht. In seinem Fall hat sich der Listenwechsel eindeutig nicht ausgezahlt. (J. R.)


**Im Wahlkreis Stein bleibt alles beim Alten**

*Nichts Neues im Wahlkreis Stein: Die alten Vertreter im Parlament sind auch die neuen. Die ÖBS schaffte es zwar von null auf 10,26 Prozent, allerdings hat sie keinen Sitz.*

Die vier bisherigen Kantonsräte vertreten den Wahlkreis Stein auch weiterhin. Es sind dies: Franz Marty (CVP, Stein am Rhein), Andreas Frei (SP, Stein am Rhein), Beat Hug (SVP, Stein am Rhein) sowie Josef Würms (SVP, Ramsen). Damit bleibt auch die politische Sitzverteilung gleich.
Am meisten Stimmen konnte Beat Hug für sich verbuchen, und zwar 854; sein SVP-Parteikollege Josef Würms machte 723 Stimmen. Josef Würms hatte es bei der Wahl 2008 nicht mehr ins Kantonsparlament geschafft, kam aber als Nachrücker für den zurückgetretenen Franz Hostettmann in diesem Jahr wieder zu einem Sitz, den er nun wieder verteidigen konnte. Die SP, vertreten durch Andreas Frei, konnte keinen weiteren Sitz dazugewinnen. Frei behält seinen mit 685 Stimmen. Frei war in der letzten Amtsperiode für Jakob Hug aus Ramsen nachgerückt. Und auch Bäckermeister Franz Marty aus Stein am Rhein kann seinen Sitz behalten. Er wurde mit 501 Stimmen wiedergewählt. Politisch dominante Kraft im Wahlkreis Stein bleibt die SVP mit 33,05 Prozent trotz eines Stimmverlustes von 5,37 Prozent gegenüber den Wahlen 2008. Federn lassen musste auch die SP, die gegenüber 2008 4,47 Prozent weniger Stimmen machte und nun auf 22,05 Stimmenprozente kommt. Auch die CVP muss mit 1,62 Prozent weniger einen kleinen Verlust hinnehmen und kommt nun auf 13,96 Prozent. Klarer Parteiensieger ist jedoch die ÖBS, die es von null gleich auf beachtliche 10,26 Prozent geschafft hat, aber dennoch keinen Sitz machte. Sie hat Ueli Böhni aus Stein am Rhein, der auf der ÖBS-Liste mit 319 Stimmen an der Spitze lag, Jürg Biedermann aus Hemishofen, Carla Rossi aus Stein am Rhein und David Gallati aus Stein am Rhein ins Rennen geschickt. Und etwas zulegen konnte auch die AL, von 1,43 Prozent 2008 auf jetzt 3,95 Prozent – aber ebenfalls ohne Sitz. Neu angetreten ist die EDU, die 2,09 Prozent erhielt, neu sind ebenso die SVP-Senioren mit 1,95 Prozent und die Juso mit 1,31 Prozent. Und ein bisschen zulegen konnten auch die Jungfreisinnigen Schaffhausen, die mit einem Plus von 0,23 Prozent nun 2,65 Prozent verbuchen können. (efr.)


**Wie erwartet: Andreas Bachmann sicher gewählt**

*Wahlkreis Buchberg / Rüdlingen*

So leicht hebt man im unteren Kantonsteil Favoriten (und Bisherige) nicht aus dem Sattel: Der vor vier Jahren als Nachfolger von Alfred Sieber erstmals in den Rat gewählte Andreas Bachmann (SVP) aus Rüdlingen schaffte die Bestätigung mit 309 Stimmen sicher und ungefährdet und wird eine zweite Amtsperiode in Angriff nehmen können. Mit einem Stimmenanteil von 42,33 Prozent und einem Zuwachs von 6 Prozent hat die SVP die Vormachtstellung in Buchberg und Rüdlingen gegenüber 2008 (36,4 Prozent) deutlich zu akzentuieren vermocht, derweil die FDP mit einem Stimmenanteil von 11,6 Prozent (minus 17,5 Prozent) gegenüber der letzten Kantonsratswahl arg Terrain einbüsste, was jedoch in diesem (kleinen) Wahlkreis mit seinen besonderen Voraussetzungen zu relativieren ist.
So unbestritten der einzige Sitz des Wahlkreises an die SVP ging, politisch einfarbig ist diese Gegend deswegen noch lange nicht. Sie präsentiert sich sogar recht bunt, wenngleich die Farbpalette eher ergänzend zum SVP-Grün wirkt. So holte Stefanie Wirth von der Alternativen Liste Schaffhausen aus Buchberg mit 98 Stimmen das zweitbeste Resultat. Schon vor vier Jahren hatten die Alternativen gut abgeschnitten. Wirth lag noch vor Othmar Schwank (SP) mit 92 Stimmen und Daniel Thévenaz (FDP) mit 85 Stimmen. Die drei bilden gleichsam die erste Verfolgergruppe des Bisherigen Bachmann, während die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten nur beschränkt Unterstützung genossen. Jean-Marc Behr (Jungfreisinnige) kam auf 63 Stimmen, Tobias Riehm (Junge SVP Schaffhausen) erzielte 45 Stimmen, und Ruth Röschli auf der Seniorenliste der SVP erreichte 38 Stimmen. (er.)


**Arbeiterkampflieder zum Wahlsieg**

*Susi Stühlinger und ihre Kollegen von der Alternativen Liste haben gewagt – und gewonnen: Die SN begleiteten die neue Kantonsrätin durch den gestrigen Tag.*

von Mark Liebenberg

Es blieb kaum Zeit für einen Morgenkaffee und eine Zigarette – Susi Stühlinger war gestern früh auf den Beinen. Früh für einen Sonntag. Ein ganz und gar politischer Tag stand an. Dass es einer mit Happy End werden würde, daran wagte sie noch nicht zu glauben. Erste Station: Unterschriftensammeln vor dem Wahlbüro an der Stadthausgasse, für die Landverkaufs-Initiative ihrer Partei, der Alternativen Liste (AL). «Das mag ich am liebsten», sagt die 27-jährige. «Mit den Leuten ins Gespräch kommen und herausfinden, wo sie der Schuh drückt.»
Am Abend zuvor hatte Stühlinger noch eine Preisverleihung in der Kammgarn moderiert. «Keine riesige Sache», sagt sie, «aber ich schaute, dass ich früh ins Bett kam.» Denn fit sein musste sie allemal für das volle Programm: Nach dem Mittag ging es schnurstracks mit dem Auto aufs Land, die Plakate für die Kantonsratswahlen wollten ab- und jene für die Grossstadtratswahl am 28. Oktober auf dem Stadtgebiet aufgehängt werden. Teamarbeit, alle Parteigenossen packen mit an. «Das schätze ich enorm an unserer Partei», sagt Stühlinger. «Wir haben wenig Mitglieder, aber alle sind aktiv dabei.»

**Ein AL-Familienfest nach dem Sieg**
Wahlkampf ist aufreibend und zeitraubend. «Ich war sicher jedes Wochenende in den letzten zwei Monaten in Sachen Wahlen unterwegs», sagt Stühlinger. Im vergangenen Jahr, schmunzelt sie, habe sie ja eine Art Übungslauf gehabt: Zusammen mit Till Aders kandidierte sie für den Nationalrat. «Wir wussten, dass wir keine Chance hatten», sagt Stühlinger, «aber es war ein gutes Training.» Im Gegensatz zu dieser Kandidatur, wo man pausenlos im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden habe, sei dieser Wahlkamp relativ unaufgeregt gewesen. Im Rampenlicht stehe sie eigentlich nicht mal so gern. Als Journalistin – bei der «Wochenzeitung» in Zürich – steht sie normalerweise auf der anderen Seite. Am Nachmittag dann wird Stühlinger sichtlich nervös. «Sprachlos gespannt bin ich», sagt sie. Dann geht alles sehr schnell. Erster Trommelwirbel: Bekanntgabe der Resultate im Wahlkreis Stadt, Stühlinger landet mit 3016 Stimmen auf dem zweiten Platz hinter Florian Keller. Die Partei hat im Wahlkreis sensationelle 6,15 Stimmenprozente zugelegt. Eine starke Position, aber noch ist nichts definitiv. Zeit für einen Kaffee. Was will sie erreichen mit ihrer Politik? «Ich sehe uns als Korrektiv zur bürgerlichen Mehrheit im Kanton» sagt Stühlinger. «Es sind ganz klar die Umverteilungsfragen, die mich am meisten interessieren, im Moment läuft es in die falsche Richtung, und da müssen wir dagegenhalten.» Dann am Abend ist es definitiv: Gewonnen! Küsschen hier, Umarmung dort. Die AL-Familie trifft sich schwebend vor Glück im «Fass» ein. «Jetzt wird erstmal kräftig gefeiert», sagt die frisch gewählte Kantonsrätin. Normalerweise singe man zu fortgeschrittenen Stunde noch Arbeiterkampflieder, so Stühlinger. Und so war es dann auch.

#Allgemeines

22. September 2012 | Rauschende Partynacht in der Kanti

Schaffhauser Nachrichten, Region
Christoph Merki

Entspannung pur in der ersten Klasse des «Vol de Nuit» nach Rom. Verdient geniesst Beat Schnurrenberger die am Fenster vorbeiziehenden Wolken und das erfrischend sprudelnde Cüpli im originalen Flugzeugsitz. Im vierten Stock des Neubaus kommt fast schon das Gefühl grenzenloser Freiheit auf. Charmant bewirtet von Larissa Scheuermeier und Stephanie Baumann, geniessen ebenso Charlotte Ackermann und Bettina Schlick den halbstündigen Flug. «Wir bekommen wahnsinnig feines Essen», loben sie die Boardküche der Klasse 2mc. Ganz so idyllisch zeigt sich das Kantifest aber nicht überall. Vielmehr erwartet die Besucher, vielfach ehemalige Schüler, ein internationales Kunterbunt. Nicht nur die zum Teil liebevoll gebastelte Dekoration, auch die angebotenen kulinarischen Köstlichkeiten lassen die Gäste an verschiedenen Destinationen des Globus innehalten. Ein Hingucker sicherlich der original englische Doppelstockbus – mit Guinnessausschank, versteht sich.

**Ein Schnupf auf die alten Zeiten**
Um Kundschaft werbend, lässt sich die männliche Gilde der Klasse 3na etwas einfallen. Animierend tanzen sie für ihre Karaokebar. Für viele Besucher jedoch weckt der Gang auf den Emmersberg vor allem alte Erinnerungen. «Ich habe wie früher den Einer-Bus genommen und bin die Treppe hinauf zur Kanti gelaufen», zeigt sich Marco Torsello fast schon nostalgisch. Auch sei es interessant, die eigenen Schüler wieder zu treffen und von ihren Zukunftsplänen zu erfahren. Überschwänglicher die Reunion der letzten 5wa. Als hätten sie erst gestern noch die Schulbank gedrückt, darf ebenso ein Schnupftabak auf die alten Zeiten nicht fehlen. «Es ist super, hier werden alte Erinnerungen wach», strahlt Nicole Schnetzler. Ein Erlebnis ist der alle vier Jahre stattfindende Festanlass in den Mauern des Wissens aber auch für die Schüler selbst. «Die Zusammenarbeit ist grossartig», lobt Lehrerin Susanne Bernhard, «die Schüler geben vollen Einsatz.» Mit frischem Sushi und asiatischer Zimmerausstattung kommen so auch die Liebhaber fernöstlicher Gaumenfreuden auf ihre Kosten.

**Börsenspiele um Getränkepreise**
Ideenreich ebenso die «Wall Street Bar», welche die Preise der Drinks der Nachfrage anpasste. Gute Broker konnten sich so zwar nichts Bares ergattern, wohl aber mehr Prozente zu tieferen Preisen. Leckere Muffins und verführerische Kuchen laden bei der Klasse 3fa zum Verweilen im Wunderland von Alice ein. Beliebt bei den frühen Besuchern ist vor allem das asiatische Restaurant. Mit Bami Goreng und Nasi Goreng – auch als Take Away erhältlich – stärken sich viele Besucher vor dem Erkunden der 27 dekorierten Zimmer. Nebst kulinarischen Höhenflügen lohnt sich ebenso ein Innehalten in der Aula. Konzerte von Jazz über Blues bis hin zu Vokalensembles verwöhnen die Festbesucher auch mit akustischen Leckerbissen. Eigentlich reicht die Zeit gar nicht aus, um die vielen Eindrücke und Begegnungen wirklich geniessen zu können. Dennoch sind sich die meisten einig: Ein Kantifest ist jedes Mal wieder ein Highlight.


**Erinnerungsträchtige Schauplätze Ehemalige Schülerinnen und Schüler denken an kleine Anekdoten zurück**

**Tagsüber Malheure, nachts auf der Munotwiese**
Mit dem voll beladenen Tablett in der Mensa hat man sich das Horroszenario vielleicht schon einmal ausgemalt: Was, wenn man das Mittagessen aus Versehen fallen lässt? Hannah Kwasnicki ist diese Art von Malheur in einer originellen Variante geschehen. «Damals war ich ein so genanntes Gmües, also eine Erstklässlerin», erzählt sie. «Auf dem Tablett befand sich unter anderem eine Fantaflasche, die mir runterfiel. Auf dem Boden ging der Verschluss genau so fest auf, dass die gelbe Flüssigkeit rausspritzte. Die Flasche begann sich dadurch zu drehen, spritzte und schäumte – eine Riesensauerei. Einige begannen zu klatschen. Mir aber war es megapeinlich, vor allem als Erstklässlerin! Also hab ich einfach so getan, als wäre nichts passiert. Die Erinnerung an dieses peinliche Erlebnis in der Mensa bleibt bis heute.»
Ein Erlebnis auf der Munotwiese hatte Miriam Barner. Freunde der ehemaligen Kantischülerin feierten ihren Schulabschluss; zur After-Party ging es auf die Munotwiese. «Wir haben spontan dort übernachtet, etwa zwanzig Leute», erinnert sich Barner, die damals noch nicht zu den Abschliessenden gehörte. «Einige von uns, darunter ich, mussten am nächsten Tag direkt in die Schule. Im Unterricht bin ich eingeschlafen.»
Lehrer Urs Walter bringt vor allem mit der Turnhalle Denkwürdiges in Verbindung. «Unser Sportlehrer begrüsste uns jeweils mit der Frage: Wollt ihr Fussball, Volleyball oder Unihockey? Andere Spiele gab es nicht zur Auswahl», schildert Walter. Fünf Jahre lang musste sich die Klasse zwischen den drei Möglichkeiten entscheiden. «Am Morgen wählten wir gern Volleyball, dann mussten wir danach nicht duschen. Zur Mittagszeit, wenn wir uns bewegen wollten, wählten wir Fussball. Erst wenn’s draussen richtig heiss war, entschied sich unser Lehrer für Abwechslung: Dann mussten wir unter der Sommersonne auf der Tartanbahn rennen.»
Die beiden Exkantischülerinnen Anna-Lena Rusch und Jonna Tschannen verbinden mit einem Schulzimmer im Neubau ungewöhnliche Perspektiven. «Unsere Deutschstunden fanden in einem Raum statt, der den Blick über ganz Schaffhausen zuliess», erzählen Rusch und Tschannen. «In der Pause spielten wir ein Spiel, das wir ‹Schaffhausen auf dem Kopf› nannten: Hierfür lehnten wir uns rücklings auf den Fensterrahmen und besahen uns die Stadt aus dieser Perspektive. Das machte wach, war amüsant und gab uns wieder Energie für die nächste Deutschstunde.» Umso trauriger waren die beiden beim Besuch es Zimmers am diesjährigen Kantifest: Das erinnerungsträchtige Deutschzimmer wurde zu einem Kopierraum umfunktioniert.



Herzliche Umarmungen zur Begrüssung vor dem original englischen Doppelstockbus auf dem Pausenplatz im Kantiareal auf dem Emmersberg.


Beat Schnurrenberger lässt sich von den zwei Stewardessen Larissa Scheuermeier (r.) und Stephanie Baumann auf dem Flug nach Rom kulinarisch verwöhnen.


Mit charmantem Lächeln und imposantem Sombrero bewirten Naomi Dünki und Aleyna Ekinci (r.) von der 2mb die Gäste in mexikanischer Manier.

Bilder Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

21. September 2012 | Vor der grossen Sause an der Kanti

Mark Liebenberg

Es herrscht eine Betriebsamkeit wie in einem Ameisenhaufen – seit Mittwoch, Schlag 12 Uhr mittags, gelten alle Anstrengungen und Mühen der Kantonsschüler für einmal nicht Mathe, Chemie oder Französisch, sondern sie schleppen Bretter durch die Korridore, malen hübsche Wanddekorationen und diskutieren angeregt über Dinge wie: Wo kommt das Sofa hin? Wer holt die Wärmeplatten ab? Wie bauen wir das Holzgerüst zusammen?

Für das grosse Fest heute Freitagabend wird für einmal mit den Händen gearbeitet. Dass dem Kantifest so durchaus auch ein pädagogischer Gedanke zugrunde liegt, erklärt Deutschlehrer und Co-Leiter des Organisationskomittees, Ralph Tanner, so: «Es ist uns wichtig, dass die Schüler lernen, was die Durchführung so eines Grossanlasses bedeutet, wie man budgetiert, Ideen und Konzepte entwickelt und sie dann praktisch umsetzt. Das ist für viele eine neue Herausforderung.» Auch lernen sich Lehrer und Schüler auf eine ganz andere Weise kennen.

**Innovative Themenbars**
Doch zuerst die Zahlen: 3500 Besucher werden erwartet, 750 Schüler und 120 Lehrer sind nicht nur für den Aufbau und den Betrieb der 26 verschiedenen Bars, Spelunken, Lounges, Imbissbuden und Restaurants verantwortlich, sondern auch für 13 verschiedene Konzerte und weitere künstlerische Darbietungen. Ein Fest für die Schüler selber, aber auch für die Eltern und Freunde sowie natürlich auch für die jeweils zahlreich erscheinenden Ehema-ligen der Schaffhauser Kantonsschule. Der ganze Anlass ist selbsttragend und kostet für Erwachsene 30 Franken, für Studenten 15. Die Vorbereitungen dauern bereits seit einem Jahr an. Nur alle vier Jahre führt die Kanti die Sause durch. Rektor Urs Saxer: «Jeder Kantonsschüler soll einmal in seiner Schulzeit ein solches Fest erleben und mitgestalten können.» Dass es dabei nicht einfach ums Partymachen geht, wie an einem beliebigen anderen Wochenende, sieht man an den innovativen Ideen, welche die Schüler umgesetzt haben. An oberster Stelle stehen die Themenbars und -restaurants: Sei es in der Wallstreet-Bar, im griechischen Tempel, einem Wiener Café, der Karaoke-Bar, dem Jägerrestaurant oder der Sportbar – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Kulinarisch ist die ganze Welt vertreten: Sushi, Spaghetti, Mexikanisch, Crêpes, Spaghetti und Nordseefisch – alles da. Im Zimmer «Matte Watte» kann man sich einem Zweikampf auf dem Schwedenkasten stellen, im authentischen London-Bus im Innenhof englisches Feeling erleben, in der Science-Bar live Experimente erleben oder im «Vol de Nuit» in original Swissair-Flugzeugsesseln virtuell einen Nachtflug samt Bordmenü geniessen. Und sich dabei vom Bordpersonal bedienen lassen. Und, die Frage muss sein: Wie steht es mit dem Alkohol? «Die Schüler wissen über ihre Rechte und Pflichten Bescheid, und es sind stets Lehrpersonen in der Nähe», sagt OK-Leiter Detlef Roth. Hochprozentiges wird nur in verdünnter Form abgegeben und nur an über 18-Jährige. Aber schon vor vier Jahren, beim letzten Fest, habe man keine Zwischenfälle gehabt.


**Kantifest früher und heute Schicken Sie uns Ihre alten Erinnerungsfotos**

Wer erinnert sich nicht noch genau an «sein» Kantifest? Alle vier (früher: alle fünf) Jahre nur findet es statt und versammelt die grosse Familie der aktiven und ehemaligen Schüler und Lehrer zum grossen feuchtfröhlichen Fest der Kantonsschule Schaffhausen in die altehrwürdigen Mauern. Viele lustige, schöne, deftige und unvergessliche Erinnerungen und Erlebnisse hängen mit dem Kantifest zusammen – lassen Sie die Welt daran teilhaben! Schicken Sie uns Ihre alten Erinnerungsfotos, und teilen Sie Ihre schönen Erinnerungen. Per E-Mail an region@shn.ch oder persönlich am Empfangsschalter der «Schaffhauser Nachrichten» an der Vordergasse 58 abgeben. Annahmeschluss: heute, 17 Uhr. (lbb)



Alles ist hausgemacht, sogar die Dekoration für die Bars, Lounges und Restaurants: Rektor Urs Saxer, OK-Chefs Detlef Roth und Ralph Tanner (v. l. n. r.).
Bild Mark Liebenberg



Fast perfekt, die Illusion: Im Jahre 1986 konnte man sich in einem klassisch-edlen Wiener Café verlustieren.
Das Foto hat Heini Lanz den SN zur Verfügung gestellt.

#Notizen zu Namen

19. September 2012 | «Mein Herz schlägt sachbezogen»

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Es ist kurz nach eins, wir sind in der Cafeteria des Berufsbildungszentrums in Schaffhausen, wo Hansueli Birchmeier seit über 30 Jahren unterrichtet, verabredet und setzen uns an einen Tisch mitten im lichtdurchfluteten Raum. «Warum, Herr Birchmeier, haben Sie sich so spät erst zu einer Kandidatur entschlossen?» – «Nachdem die Kandidaten Nummer 6 und Nummer 7 in die Arena getreten waren, kamen einige in Stein am Rhein auf mich zu und sagten, es wäre gut, wenn sich auch noch ein Parteiunabhängiger aufstellen liesse.»
Dies geschah natürlich nicht aus heiterem Himmel. Hansueli Birchmeier ist in Stein am Rhein bekannt, hat sich in vielen Vereinen und auch in Gremien rund um die Tausendjahrfeier des Städtchens engagiert, wo er seit 20 Jahren lebt. «Als Kantischüler arbeitete ich während der Ferien ab und zu im Altersheim, und nach der Primarlehrerausbildung mehrere Male als Stellvertreter im Schanz- und Hoga-Schulhaus. Damals schon gefiel es mir in Stein am Rhein sehr gut, und ich sagte mir: ‹Eines Tages arbeitest du einmal hier als Lehrer in Stein am Rhein, oder du wohnst da.›»

**Verkörperte Nachhaltigkeit**
Und so kam es auch. Zeichen dafür, dass für Birchmeier langfristiges Denken und Handeln wesensgemäss sind. Er verkörpert die Nachhaltigkeit gewissermassen mit seiner Biografie: Nach vier Jahren Primarlehrer an der Mittelstufe in Ramsen ist er nach einer entsprechenden Ausbildung in Bern und an der Uni Zürich seit über 30 Jahren Berufsfachschullehrer in Schaffhausen. Seit 20 Jahren hat er zudem ein Mandat an der Polizeischule Ostschweiz Schaffhausen, die heute in Amriswil domiziliert ist, inne. Er hat vier Kinder, von denen das älteste der Ausbildung bereits entwachsen ist. Als Hansueli Birchmeier gebeten wurde, in die Stadtratswahl einzusteigen, sagte er zu, und das, obwohl er noch nie in einer Legislativ- oder Exekutivbehörde Einsitz hatte. «Sie würden also relativ unbelastet im Rat Einsitz nehmen?» Birchmeier bestätigt dies und sagt: «Es wäre eine Chance, mit neuen Köpfen zwar nichts Neues zu machen, aber doch etwas anders an die Sachthemen heranzugehen.» – «Welche Akzente möchten Sie setzen?» – «Ich denke zum Beispiel an die Problematik der Alterswohnungen, da ist vieles für mich noch unbefriedigend, und ich denke auch an die Rahmenbedingungen in der Schule, die es zu optimieren gilt.» Hier sind kritisch-konstruktive Diskussionen und Lösungen nötig.» Dann sei es aus seiner Sicht wohl am besten, wenn der gesamte Stadtrat neu besetzt werde am 23. September, stelle ich als Frage. «Ich denke», sagt er, «das wäre eine Chance, ohne dabei das Können und die Verdienste der Bisherigen zu schmälern.» Veränderungen würden jetzt ohnehin mit der Verwaltungsreform umgesetzt. «Da gibt es jetzt andere Schwerpunkte. Und da mitzuarbeiten, das würde mich reizen.» Naheliegend der Gedanke, dass Birchmeiers Wunschreferat das Soziale sein könnte. Doch meint er: «Ich bin für alles offen.» Wie seine Wahlchancen stehen, ist für ihn schwierig abzuschätzen. «Aus sämtlichen Parteien habe ich positive Rückmeldungen bekommen, darunter sind sogar solche, die sagten: ‹Warum kommst du so spät? Ich habe schon gewählt.›» Hansueli Birchmeier lacht. «Dann sage ich jeweils», ergänzt er, «du kannst mich ja im zweiten Wahlgang auf den Zettel schreiben.»

**Das Gewerbe unterstützen**
Birchmeier bezeichnet sich als einen Sachpolitiker. Parteiunabhängig. «Können Sie so neutral sein? Wo schlägt Ihr Herz? Eher links oder eher rechts?» – «Es schlägt sachbezogen. Ich bin ein Pragmatiker und würde sagen, dass die Parteipolitik manchmal die echte Demokratie verhindert. Dann, wenn zum Beispiel ein Vorschlag nur deshalb gebodigt wird, weil er vom politischen Gegner kommt.» Und wie hält er es mit dem Tourismus und der Schaffung von Arbeitsplätzen in Stein am Rhein? «Letztere müssten ja ein Anliegen von Ihnen sein, wo Sie doch junge Berufsleute ausbilden.» – «Ich bin keiner, der Wachstum um jeden Preis anstrebt. Entwicklung muss nachhaltig sein. Wir müssen zum Beispiel das Gewerbe durch gute Rahmenbedingungen unterstützen, damit die jungen Leute hier arbeiten und sich eventuell sogar Wohneigentum zulegen können. Es soll nicht so sein wie im Berner Oberland, wo die Einheimischen keine Chance haben.»

**Heiter-gelassener Familienmensch**
Hansueli Birchmeier liebt Stein am Rhein. «Wenn ich abends über die Brücke gehe, fühle ich mich wie in den Ferien», sagt er, «das ist eine andere Welt. Ich schätze die hohe Lebens- und Wohnqualität. Das alles gilt es zu erhalten.» Hansueli Birchmeier strahlt heitere Gelassenheit aus. Er ist ein Familienmensch. «Der Fernseher steht im Estrich oben, wir diskutieren sehr viel am Familientisch, oder wir hören Musik. Früher haben wir auch ab und zu zusammen musiziert.» Wenn er nicht gewählt werde, breche für ihn keine Welt zusammen. «Es wäre schön, wenn ich gewählt würde.» Und: «Was wir Birchmeiers machen, machen wir 120-prozentig.» Das ist schon fast ein Familienmotto. «Ja», sagt Birchmeier abschliessend, «mein Vater gab mir einmal folgenden Slogan mit auf den Lebensweg: ‹Formuliere immer exakt, was du willst, sonst bekommst du das, was du befürchtest.›» Das hat sich bis dato immer bestens bewährt.»

#Notizen zu Namen

15. September 2012 | «Da braucht es eine andere Kultur»

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

stein am rhein Als Ueli Böhni 50 wurde, machte er die Segelprüfung und ist seither in der Freizeit oft auf dem See anzutreffen, wenn die Winde günstig sind. «Herr Böhni, ist der Wind günstig für Sie, jetzt in die Politik einzusteigen, und wenn ja, warum? Was ist Ihr Motiv?» Politik sei etwas, was ihn, der einer alten Steiner Familie entstammt und im Städtchen aufgewachsen ist, schon immer interessiert habe. «Ich habe mich ja neben meinem Beruf als Arzt immer für anderes engagiert. Ich war Schulpräsident und habe bis heute massgebende Projekte damals in die Wege geleitet, die erste Schulleitung im Kanton zum Beispiel, Einführung der integrativen Schule, und das machte ich sehr gern.»
Dann aber gab es einen beruflichen Wandel, «nach ein paar Jahren Einzelkämpfertum als Haus- und Spezialarzt in Stein am Rhein» verspürte Ueli Böhni den Wunsch, mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis aufzubauen, eine Aufgabe, die seine Kräfte band, sodass er als Schulpräsident zurücktrat. Nun sei es ihm von der Belastung her wieder möglich, sich zu engagieren, und: «Jetzt, wo Franz Hostettmann als Stadtpräsident zurückgetreten ist, habe ich das Gefühl, der Zeitpunkt sei da, wo es den Wandel braucht, und es reizt mich, mitzuarbeiten.» Ob er auch kandidiert hätte, wenn Franz Hostettmann noch im Amt wäre? Das ist offen, meint Ueli Böhni und sagt: «Man könnte den Eindruck haben, alles, was die Leute unzufrieden machte, liege am früheren Stadtpräsidenten, und das ist sicher falsch. Immerhin haben der gesamte Stadtrat und auch der Einwohnerrat vieles widerspruchslos mitgetragen. Ich denke an das Parkhaus: einstimmige Zustimmung im Einwohnerrat, wuchtige Ablehnung durch das Volk, und darum glaube ich, es braucht mehr als nur den Wechsel vom Stadtpräsidenten zur Stadtpräsidentin.» Die Philosophie der Verwaltungsreform und des Leitbildes, das könne eine Stadtpräsidentin nicht alleine durchziehen. «Da braucht es eine andere Kultur. Und ich weiss, wenn sich etwas mal eingeschliffen hat, ist es schwierig, mit den gleichen Personen einen Wandel herbeizuführen.»

**Klare Planung, klare Strukturen**
Nun hat aber Ueli Böhni bei der Stadtpräsidentenwahl Johannes Wyss und nicht Claudia Eimer, die jetzige Stadtpräsidentin, unterstützt. «Keine Ressentiments?» – «Nein. Das sind normale Vorgänge, dass es mehrere Kandidaten gibt. Man unterstützt jemanden, und nach der Wahl ist der Entscheid gefällt. Auch habe ich Claudia Eimer nicht als unfähig betrachtet. Jetzt geht es darum, mit ihr zusammen den Wandel auf den Weg zu bringen.» Ueli Böhni ist ein Sach- und Realpolitiker, Mitglied der Grünliberalen Partei der Schweiz und der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen (ÖBS). «Meine grösste Erkenntnis aus der Finanzkrise ist, dass eine vollkommen freie Marktwirtschaft der Gier des Menschen Tür und Tor öffnet. Das hat mich erschüttert.» Wichtig ist ihm daher, die Zukunft von Stein am Rhein nicht dem Zufall zu überlassen. Mittels eines Leitbildprozesses gelte es kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu definieren, und mittels der Verwaltungsreform seien die Zuständigkeiten im Stadtrat zu klären und zu definieren. Wir stellen eine konkrete Frage: «Spielzeugmuseum ja oder nein?» – «Das finde ich eine schwierige Frage. Es kommt auf die Bedingungen an. Die Frage ist, wie sieht das Kultur- und speziell das Museumskonzept aus, und hat dieses Museum darin einen Platz?» Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, sagt Ueli Böhni, seien kaum strategische Ziele für Stein am Rhein, und, sagt er: «Tourismusprojekte sollen das lokale Gewerbe fördern und wirtschaftlich wie ökologisch sinnvoll sein.» Was die ärztliche Versorgung des Städtchens betrifft, wünscht sich Ueli Böhni die Schaffung einer Infrastruktur, die es jungen Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, sich unkompliziert und flexibel in eine Gemeinschaftspraxis einzubringen. Es sei schwierig, hier an der Peripherie Ärzte zu finden: «Aus Zürcher Sicht hört hinter Winterthur die Welt auf.» Wir haben das Gespräch am frühen Morgen geführt, Ueli Böhni ist Frühaufsteher und liebt die ausführliche Zeitungslektüre zu dieser Tageszeit. Er liest auch gerne Bücher über die Geschichte Europas und der Schweiz der letzten 250 Jahre – «eine Zeit des Umbruchs und des Wandels» –, und er pflegt eine grosse Sammlung «Grafik der Region», die sein Vater begonnen hat und die er wesentlich erweitern konnte. «Und sonst in der Freizeit, ausser Segeln?» – «Ich habe», sagt Ueli Böhni, «beim ‹No e Wili› mitgespielt, singe ab und zu in einem Chor mit, fahre gerne mal mit dem Rad.» Seine liebste Freizeitbeschäftigung aber ist das Organisieren von Weiterbildungskursen für Ärzte und das Unterrichten. Durch die Engagements in der Berufspolitik hat er reichhaltige Erfahrung in Organisationsentwicklung und politischen Prozessen gesammelt.

#Notizen zu Namen

14. September 2012 | SP-Vorstand weist Vorwürfe mit einem Brief zurück

Schaffhauser Nachrichten, Region
(rob)

Das Verhältnis zwischen der SP und dem wilden SP-Stadtschulratskandidaten Andreas Wüthrich sorgt weiter für Wirbel: In einem Brief mit dem Titel «Klärungen und Erklärungen» an alle Mitglieder der Stadt-Sektion wurde nochmals explizit festgehalten, dass es keinerlei Animositäten mit Wüthrich gebe. Ebenso wird der vom Kandidaten erhobene Vorwurf, der Parteivorstand sei unter Druck gesetzt worden (siehe SN vom 8. 9.), zurückgewiesen.
Dass Wüthrich nicht zur Wiederwahl empfohlen wurde, habe zwei Gründe: Es sei Kritik über die Arbeitsweise Wüthrichs an die Partei herangetragen worden, «und zwar sowohl aus dem Stadtschulrat als auch von einzelnen Mitgliedern des Grossen Stadtrates», heisst es in dem von Andres Bächtold, Präsident der Stadt-SP, unterzeichneten Brief. Sämtliche Mitglieder des Gremiums müssten sich gleichermassen einsetzen. «Da wir das auch von bürgerlichen Schulräten einfordern, muss das auf unsere Kandidierenden in hohem Masse zutreffen. Andreas hat da offensichtlich Defizite.» Hinzu komme, dass zwei Parteien – ÖBS und SVP – im Schulrat nicht vertreten seien, was die «demokratischen Prozesse hemmt» und der Schulpolitik insgesamt nicht förderlich sei. Man habe deshalb früh signalisiert, dass man ein in die Kritik geratenes Schulratsmitglied nicht mehr nominieren wolle. Aber: Insbesondere die SVP habe es nicht geschafft, einen valablen Kandidaten zu präsentieren, deshalb hat der SP-Vorstand beantragt, auch Till Aders, den Kandidaten der AL, zu unterstützen. Dies ist von der Partei am Mittwoch bestätigt worden, wie Andres Bächtold sagt. Die Partei sei in der Causa Wüthrich nicht gespalten, «aber weil nicht alle an der Nominationsversammlung dabei waren, gab es eine gewisse Verunsicherung», erklärt Bächtold den Brief. Wüthrich tritt für die SP auch für den Kantonsrat und den Grossen Stadtrat an: «Das haben wir so beschlossen, auch wenn es im Nachhinein vielleicht falsch war», sagt Bächtold.

#Notizen zu Namen

8. September 2012 | Grosses Interesse an viel harter Arbeit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Der Stadtschulrat, vor vier Jahren noch als «Auslaufmodell» verschrien, ist unter Druck, weil er nach zwei gescheiterten Anläufen zur Einführung von Schulleitungen die Lehrpersonenqualifikation (LQS) an die Hand nehmen muss, ausserdem stehen mit der Ablösung des Vorstehersystems und der Einführung der Integrativen Schulungsformen (ISF) weitere tief greifende Projekt an, welche die Schulbehörde beschäftigen werden. Daneben beansprucht die Lösung der steigenden Anzahl von Problemen, die in den Schulen anfallen, die Aufmerksamkeit der Schulräte. Im Klartext: Die Zeiten, in denen das Amt als Durchlauferhitzer für höhere Weihen diente, sind vorbei, es wartet viel Arbeit auf die Schulbehörde. Mehr denn je gefragt sind Führungsqualitäten, die Fähigkeit, die Arbeit von Lehrpersonen zu qualifizieren und den Anliegen von Eltern und Lehrern gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund erstaunt das aktuell grosse Interesse an einem Sitz im Stadtschulrat: Marcel Sonderegger (FDP) und Simon Stocker (AL) verzichten als Bisherige auf eine erneute Kandidatur, alle anderen Stadtschulräte treten erneut an, dazu noch vier neue Kandidaten – macht acht Interessenten für sechs Sitze.

**Vier Herausforderer**
Im Feld der Herausforderer finden sich zwei Vertreter der jüngeren Generation: Stefan Bruderer (*1984) soll für die ÖBS wieder einen Sitz in der Schulbehörde erringen, der Radiomacher, der als Vorstandsmitglied und Parteisekretär tätig ist und bald sein Psychologiestudium abschliessen wird, war unter anderem bereits als Studienberater tätig. Till Aders (1987) wurde erst gestern als Ersatzkandidat für Simon Stocker von der AL präsentiert (siehe unten rechts). Die SVP schickt mit Mariano Fioretti (*1969) ihren Parteisekretär ins Rennen. Der gelernte Zolldeklarant war als Lehrmeister für den Aufbau einer Lehrlingsabteilung tätig. Mit Daniel Rapold (*1959) will die FDP den Sitz von Marcel Sonderegger mit einem erfahrenen Kandidaten verteidigen: dem Personalverantwortlichen der Meier + Cie AG Schaffhausen, die auch die «Schaffhauser Nachrichten» herausgibt (siehe unten).

**Bisherige in Poleposition**
Manuela Roost Müller (FDP), Nathalie Zumstein (CVP) und Vreni Osterwalder (SP) wurden von ihren Parteien für eine weitere Amtszeit nominiert und sind aufgrund ihrer bisherigen Mitgliedschaft im Schulrat in der besten Ausgangslage. Vreni Osterwalder (*1944) gehört dem Stadtschulrat seit 2009 an und ist Präsidentin der Kindergartenkommission. Zwischen 1965 und 2008 war Osterwalder als Primarschullehrerin tätig und wird von ihrer Partei als «motiviert, gradlinig, ehrlich und kommunikativ» angepriesen. Nathalie Zumstein (*1953) ist seit 2007 Schulrätin und hat seit 2008 das Vizepräsidium inne. Manuela Roost Müller (*1959) kommt aus der Privatwirtschaft: Die zweifache Mutter und ausgebildete Primarlehrerin ist im Gastro- und Bäckereibetrieb tätig und dort unter anderem mit Personalfragen befasst (siehe für beide Kandidatinnen auch Kasten unten). Für einigen Wirbel hat die erneute Kandidatur von Jurist Andreas Wüthrich (*1972) gesorgt: Der SP-Mann wollte nach vier Jahren im Schulrat erneut antreten, seine Partei versagte ihm aber die Unterstützung, was Wüthrich nicht an einer Kandidatur hindert. Die Opposition von Schulratspräsidentin Katrin Huber Ott gegen Wüthrich geht so weit, dass sie mit Rücktritt drohte, falls Wüthrich gewählt werde.

**Kein Streit, fachliche Einwände**
Fragt man bei Katrin Huber Ott nach, verweist sie auf fachliche Probleme: «Ich vertrete als Stadtschulratspräsidentin die Auffassung, dass es im Schulrat Leute braucht, die in der Lage sind, als Vorgesetzte Verantwortung zu übernehmen.» Nach dreieinhalb Jahren im Amt sei sie zur Überzeugung gekommen, dass Andreas Wüthrich diese Anforderung nicht erfülle. «Ich betone: Ich habe keinen Streit mit Andreas Wüthrich, es gibt keine persönlichen Differenzen, ich habe einfach den Eindruck, dass er im Schulrat am falschen Platz ist», sagt Huber Ott und fügt an: «Andreas Wüthrich hat im Vergleich zu den andern Schulräten ein viel kleineres Ephorat, er hat lediglich ein Schulhaus und acht Kindergärten zu betreuen. Aber selbst da musste ich in der Vergangenheit als Schulpräsidentin öfter eingreifen und seine Arbeit übernehmen.» Diese Situation sei vor dem Hintergrund der neuen Ephoratsaufteilung des Stadtschulrats und der Umsetzung der konsequenteren Personalführung – inklusive LQS – in Zukunft nicht weiter tragbar. Ob sie ihre Rücktrittsdrohung im Falle einer Wahl Wüthrichs wahr mache, sei derzeit noch offen, «das Schulpräsidium ist eine Aufgabe, die mir am Herzen liegt und die ich nicht gern aufgeben würde», sagt Huber Ott. Hört man sich etwas um, so wird von verschiedenen Seiten bestätigt, dass es Probleme mit Wüthrichs Leistungen gegeben habe. Diese Sicht weist Andreas Wüthrich selbst aber als «Unsinn» zurück: «Es gab nie Klagen aus dem Emmersberg-Schulhaus, das ich betreue, ich habe meine Aufgaben erfüllt», sagt er. Nur in einigen wenigen Fällen habe die Schulratspräsidentin eingreifen müssen, dabei habe es sich jeweils um solche Situationen gehandelt, in denen die Präsidentin gemäss Reglement einbezogen werden müsse. Dass die SP ihn nicht nominiert habe, sei das Resultat einer Erpressung: «Offenbar war man im Parteivorstand nicht stark genug, sich dagegen zur Wehr zu setzen.»

**Keine Frist für Kandidaten**
Es wird also spannend am 23. September, vielleicht vergrössert sich das Kandidatenfeld bis dahin sogar noch: Bevor klar war, ob eine stille Wahl erfolgt, mussten alle Kandidaten sich mit 15 Unterschriften bei der Stadtkanzlei melden. Nun, da das Volk über die Zusammensetzung entscheiden muss, können sich Kandidaten bis zum Wahltag aufstellen lassen.

**Alternative Liste Till Aders kandidiert**

Jetzt ist klar, wen die Alternative Liste ins Rennen um einen Sitz im Stadtschulrat schickt: Es ist ihr Präsident Till Aders (25). Eigentlich hätte der bisherige AL-Vertreter im Stadtschulrat, Simon Stocker (31), für eine weitere Amtszeit kandidieren wollen. Er ist seit 2008 Mitglied der städtischen Schulbehörde. Stocker schaffte jedoch überraschenderweise die Wahl in den Stadtrat und steht deshalb nicht mehr zur Verfügung. In grosser Eile musste die AL eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten suchen, denn die Wahl ist am Sonntag in zwei Wochen, und die Stimmbürger haben die Wahlunterlagen bereits erhalten.
«Wir wollten eine Person portieren, die noch nicht so bekannt war, und haben auch mit zwei Frauen Gespräche geführt», sagte AL-Vizepräsidentin Susi Stühlinger gestern bei der Vorstellung des Kandidaten, «ihnen war das aber zu kurzfristig». Schliesslich habe sich Till Aders zur Verfügung gestellt. Ein Lückenbüsser sei Aders aber nicht. «Till ist geeignet für dieses Amt», sagte Simon Stocker. «Er ist sehr kommunikativ, und getraut sich, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äussern.» Er sei ein intelligenter Denker, es falle ihm leicht, einen Sachverhalt rasch zu erkennen. «Er hat eine ruhige, überlegte Art, und er zeigt viel Empathie.» Aders selbst sagte, dass er einen Beitrag an die hohe Lebensqualität in der Stadt leisten wolle, und da sei die Bildung ein zentraler Punkt. Er sei von vielen Personen auf eine Kandidatur angesprochen worden, das stimme ihn zuversichtlich: «Ich rechne damit, dass ich gewählt werde.» (zge)

**Bürgerliches Trio Manuela Müller Roost, Nathalie Zumstein, Daniel Rapold**

FDP und CVP gehen vereint in die Wahlen zum Stadtschulrat vom 23. September. Gestern stellte Marcel Sonderegger, Präsident der städtischen FDP, das bürgerliche Trio vor: Manuela Roost Müller (FDP, bisher), Nathalie Zumstein (CVP, bisher) und Daniel Rapold (FDP, neu). Manuela Roost Müller, Familien- und Geschäftsfrau, ist seit vier Jahren Schulrätin. Sie möchte die Lehrpersonen, die sie bisher betreut hat, auch weiterhin begleiten. Die Tätigkeit im Stadtschulrat gefällt ihr, denn «ich bin gerne Troubleshooter.» Nathalie Zumstein arbeitet seit 2007 im Stadtschulrat mit. Das möchte sie auch in Zukunft tun, denn mit der Integrierten Schulform (ISF), der Frühförderung und den Tagesstrukturen stehe die Schule vor grossen Aufgaben. Daniel Rapold kandidiert zum ersten Mal für den Stadtschulrat. Der 57-jährige Vater, der als Personalchef der Meier+Cie AG arbeitet, die auch die SN herausgibt, hat zahlreiche Erfahrungen mit der Schule gemacht. «Ich möchte ein Klima schaffen, das lehr- und lernfördernd ist», erklärte er. Besonders wichtig sei ihm die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern.
Die drei sind sich bewusst, dass nach der Ablehnung von Schulleitungen der Stadtschulrat gefordert ist. Zumstein: «Die operative Führung liegt jetzt bei uns: Das ist eine grosse Herausforderung.» Auf das Schuljahr 2013/14 hin sollen die Schulvorsteher aufgewertet werden, und das ist auch nötig, denn, so Roost Müller, «es muss endlich etwas gehen». Eine weitere Baustelle, mit der sich der Stadtschulrat in der nächsten Legislatur beschäftigen muss, ist die lohnwirksame Qualifikation der Lehrkräfte (LQS). Hier wehrt sich Roost Müller vehement gegen die Vorwürfe des Erziehungsdepartements an die Adresse des aktuellen Stadtschulrats: «Es waren unsere Vorgänger, die über acht Jahre lang nichts getan und 74 Lehrkräfte nie qualifiziert haben. Das lässt sich nicht mehr aufholen.» Alle drei sind aber bereit, so viele LQS wie möglich durchzuführen, und zwar nicht wegen der Lohnwirksamkeit, sondern um den Lehrkräften ein Feedback zu geben. (ek)

#Notizen zu Namen

5. September 2012 | Kandidat Nr. 8: Hansueli Birchmeier

Schaffhauser Nachrichten, Stein am Rhein
(r.)

Der diplomierte Berufsfachschullehrer EHB – Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung – Hansueli Birchmeier, Jahrgang 1953, verheiratet, vier Kinder in Ausbildung, parteiunabhängig, kandidiert für den Steiner Stadtrat. Mit seiner Kandidatur ermögliche er als parteiunabhängiger Kandidat eine echte Alternative für eine Veränderung im Stadtrat, heisst es in einer Mitteilung und weiter: «Ich bin bereit, durch eine sachbezogene Politik und Mitarbeit die aufgegleiste Verwaltungsstruktur im Stadtrat mitzugestalten. Es liegt mir viel daran, mittel- und langfristige, nachhaltige Projekte und Ziele zugunsten einer positiven Stadtentwicklung weitsichtig zu planen und konsequent umzusetzen. Verantwortung zum Wohle unserer Stadt und Bevölkerung zu übernehmen und mögliche neue, realisierbare Perspektiven für unsere Stadt aufzuzeigen, ist mir ebenfalls wichtig.» Als Stadtrat möchte Hansueli Birchmeier sich mit aller Kraft einsetzen für optimale Rahmenbedingungen, um den Jugendlichen eine zeitgemässe Ausbildung und einen guten Einstieg in die berufliche Zukunft zu ermöglichen.

#Notizen zu Namen

1. September 2012 | Mit Ueli Böhni sind es nun schon sieben Bewerber

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
(r.)

Wieder ein Kandidat für den Steiner Stadtrat. Laut Mitteilung kandidiert auch Ueli Böhni (52). Es brauche unverbrauchte Köpfe für den von der Bevölkerung gewünschten Wandel. Dafür wolle er sich einsetzen, begründet der Arzt seine Kandidatur. Der ehemalige Schulpräsident, der von 1997 bis 2003 massgeblich an der Einführung der Schulleitungen und der integrativen Schule beteiligt war, politisiert heute in der Ökoliberalen Bewegung. «Die neue Rolle der Stadträte mit einem Stadtpräsidium im Halbamt verlangt hohes Engagement», heisst es. Als Facharzt in einer von ihm mitbegründeten Schaffhauser Praxisgemeinschaft könne er seine Zeit flexibel einteilen. Böhni, in Stein aufgewachsen, fühlt sich mit seiner Heimatstadt sehr verbunden. Deswegen sei er, neben seinem Engagement als Autor von Fachbüchern und Leiter einer ärztlichen Weiterbildungsstruktur eines grossen Berufsverbands, bereit, sich wieder politisch zu engagieren: «Es braucht klare Strukturen, transparente Strategien und eine Kultur der Beteiligung.» Kurz und bündig sein Wahlslogan: «Bewegung im Stadtrat». Mit den bisherigen Stadträten Heidi Schilling (parteilos), Ernst Böhni (SVP) und Beat Hug (SVP) sowie Ursula Knecht Käser (FDP), Urs Kessler (Pro Stein) und Markus Oderbolz (Pro Stein) sind es bereits sieben Bewerber.

#Allgemeines

31. August 2012 | Volksmotion: Weidlinge für alle

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen

«Das Rheinufer gehört allen», mit diesen Worten stellten gestern Mirza Hodel und Timon Happle die Volksmotion «Weidlingssharing» der Juso vor. Die Motion mit 160 Unterschriften sieht vor, dass die Stadt Schaffhausen der Bevölkerung zwei Weidlinge ohne Motor zur Verfügung stellt. Diese Weidlinge können vom Volk gemietet werden. Die Kosten pro Tag sollen je nach Alter des Mieters maximal 40 Fr. pro Tag betragen. Mieten kann den Weidling jeder, der älter als 16 Jahre ist und einen Pontonierkurs besucht hat. Der Stadtrat selbst war zur Zeit der Übergabe aufgrund des Städtetages nicht vor Ort. Die Motion liegt nun beim Grossen Stadtrat, der darüber entscheiden wird, ob er das Anliegen unterstützen möchte.



Bild Selina Zehnder

#Allgemeines

30. August 2012 | Basler Wirte befeuern den Bierstreit

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Lukas Leuzinger

Basel Über eine Handelsfirma lässt der Wirteverband Basel-Stadt künftig Bier von Carlsberg und Heineken importieren – vorbei an den offiziellen Kanälen der beiden Brauereikonzerne. Ab kommender Woche bietet der Verband das Bier sowie weitere Getränke in Pratteln seinen Mitgliedern an – teilweise deutlich unter den Schweizer Listenpreisen, wie er in einer Mitteilung schreibt.
Mit ersten Parallelimporten hatte der Verband im Mai begonnen. «Wir zeigen vor allem den Preistreibern Carlsberg und Heineken, dass wir ihre Geschäftspolitik nicht mehr länger tolerieren», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Hintergrund der Aktion ist die jüngste Preiserhöhung von Heineken. Der Konzern, zu dem unter anderem die Biermarken Eichhof, Calanda und Haldengut gehören, hatte im Juli angekündigt, die Preise per Oktober im Schnitt um 3,9 Prozent zu erhöhen. Heineken folgte damit Konkurrent Carlsberg: Dessen Zugpferd in der Schweiz, die Brauerei Feldschlösschen, hatte nur wenige Monate zuvor eine Preiserhöhung von 4,4 Prozent bekannt gegeben. Seit Jahren erhöhen die beiden grössten Anbieter auf dem Schweizer Biermarkt die Preise praktisch im Gleichschritt – allein seit 2007 um jeweils über 20 Prozent. «Das sieht nach einer Absprache aus», sagt Franziska Troesch-Schnyder, Präsidentin des Konsumentenforums. Sie vermutet, dass die zwei Konzerne ihre Macht ausnutzen. Nachdem Feldschlösschen Anfang Jahr die Preise erhöht hatte, reichte der Wirteverband Basel-Stadt gar eine Anzeige bei Preisüberwacher Stefan Meierhans ein. Dieser leitete Abklärungen ein, wie er auf Anfrage bestätigt. Meierhans sucht mit den betroffenen Parteien nach einer einvernehmlichen Lösung. Besonders ärgerlich sei auch die ungleiche Preissteigerung im Gastgewerbe und im Detailhandel. Laut Wirteverband erhöhten Carlsberg und Heineken zwischen 1995 und 2010 die Preise für Flaschenbiere nicht einmal halb so stark wie die Fassbierpreise. Die Bierkonzerne schieben den Schwarzen Peter zurück. Für den höheren Preis, den der Kunde im Restaurant für ein Bier bezahle, seien sowohl die Brauereien als auch die Wirte verantwortlich, sagt Olivier Burger, Mediensprecher von Heineken Schweiz. «Der Offenbierpreis ist seit 2007 von unserer Seite um 59 Rappen pro Liter gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Preis für einen Liter in der Gastronomie aber um 2.23 Franken verteuert.» Den Vorwurf der Preisabsprache weisen die grossen Brauereien weit von sich. «Wir haben in der Schweiz einen hart umkämpften Markt», sagt Markus Werner, Mediensprecher bei Feldschlösschen. Auch bei den kleinen und mittelgrossen Brauereien sieht man kein wettbewerbsrechtlich bedenkliches Verhalten der grossen Konkurrenten. «Ich glaube nicht, dass es Preisabsprachen gibt», sagt Alois Gmür. Er leitet die Brauerei Rosengarten in Einsiedeln und ist Präsident der IG der Klein- und Mittelbrauereien. Die Listenpreise der Hersteller sagen laut Gmür ohnehin relativ wenig aus. Einerseits erhöhten Carlsberg und Heineken praktisch im Gleichschritt ihre Preise, gleichzeitig kämen sie den Wirten mit immer grosszügigeren Rabatten und anderen Leistungen entgegen. So erhalten viele Wirte Kredite von den Brauereien. Anderen Beizern finanzieren die Konzerne Anschaffungen. Alles wird individuell verhandelt, was Gmür als intransparent kritisiert. Seine Brauerei gewähre Mengenrabatte, aber keine Darlehen. (sda)

#Notizen zu Namen

29. August 2012 | Wegen eines Zerwürfnisses ist er nun wilder Kandidat

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
(lbb)

«Entweder er oder ich», soll die im Juli in stiller Wahl bestätigte Stadtschulratspräsidentin Katrin Huber Ott dem SP-Parteivorstand bereits im Januar 2012 gedroht haben. Die Rede war von ihrem Parteigenossen und Kollegen Andreas Wüthrich, der neben Vreni Osterwalder als zweiter SP-Vertreter seit 2008 im Stadtschulrat sitzt. Die Partei entschied sich dann offenbar für Huber Ott. In der Folge entzog die Delegiertenversammlung dem beim Kanton tätigen Juristen Wüthrich die Unterstützung für eine erneute Kandidatur. Wüthrich will’s aber dennoch nochmals wissen und kandidiert nun folglich als Parteiloser für weitere vier Jahre.
«Sollte ich gewählt werden und Frau Huber Ott ihre Drohung deshalb wahr machen und zurücktreten – dann sei es so. Ich reiche ihr jederzeit die Hand zur Versöhnung», sagt der wilde Kandidat gestern vor den Medien. Über die Gründe für das Zerwürfnis machte er gestern vor den Medien keine Angaben. Der nebenamtlich als Gemeindeschreiber von Bargen und Aktuar des Einwohnerrats von Thayngen engagierte Wüthrich hat nun ein Unterstützungskomitee zusammengestellt, das unter anderem aus mehreren Lehrkräften aus dem Schulhaus Emmersberg besteht. Wüthrich legte seine Ziele und strategischen Schwerpunkte wie folgt dar: Die Lehrer müssten von pädagogisch-theoretischen Vorgaben aus dem Erziehungsdepartement entlastet werden und sollten mehr Freiheit in der Gestaltung ihres Unterrichtes erhalten. «Der Lehrplan wird immer überladener», sagt Wüthrich. Die Schule sei im Umbruch, weshalb etwa Inspektoren wieder vermehrt in die fachliche Beurteilung des Lehrbetriebs einbezogen würden. Die Integration ausländischer Kinder müsse «mit Fingerspitzengefühl, aber auch mit einer strengen und konsequenten Haltung vorangetrieben werden», fordert der Vater einer siebenjährigen Tochter. Zudem biete er als parteiloser Kandidat sich an, da das Gremium damit in Zukunft politisch breiter abgestützt sei und auch die parteilosen Wähler sich im Stadtschulrat vertreten fühlen könnten. Namens seiner Unterstützer empfahl die frühere Primarlehrerin Hanna Meister den Kandidaten, weil er wisse, wo der Schuh drücke: «Nach der Ablehnung der Schulleitungen ist es wichtig, dass die Rolle der Schulvorsteher ausgebaut wird.» Als Vater habe Wüthrich ein immanentes Interesse daran, dass die Projekte schnell und effizient an die Hand genommen würden. Das garantiere Andreas Wüthrich.

#Allgemeines

28. August 2012 | Schafuuser Züngli

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
(dj.)

Bisher war klar: Abgesehen von der Jugend haben die Jungsozialisten und die Jungfreisinnigen wenig gemeinsam. Doch in diesem Sommer betreiben sie «Anliegen-Sharing»: Die breite Schaffhauser Bevölkerung, und nicht nur die bereits seit dem Spätmittelalter ansässigen Familien, sollen vermehrt Zugang zu Weidlingen auf dem Rhein erhalten, was wegen der begrenzten Zahl der Anlegepfosten bisher schwierig war. Die Juso hat dafür die Volksmotion «Weidlingssharing» lanciert, der jungfreisinnige Grossstadtrat Till Hardmeier fordert in einem Postulat «Mehr Rhein für Schaffhausen». Die Juso setzt eher auf den Staat: Die Stadt soll zwei Weidlinge anschaffen, die günstig an die Bevölkerung vermietet werden. Gemäss Hardmeier soll ein privater Betreiber wie ein Carsharing-Anbieter Zugang zum Rheinvergnügen verschaffen. Genauer betrachtet sind die beiden Anliegen aber sehr ähnlich: Die Sehnsucht nach dem Rhein überflutet politische Gräben.

#Allgemeines

25. August 2012 | etwas

du kannst gerne ein animiertes gif einfügen.

#Allgemeines

23. August 2012 | Lehrstunde des feministischen Tanzes

Schaffhauser Nachrichten, Region
Eva Roselt

Auf der Zinne des Munots wurde kürzlich einmal mehr das Tanzbein geschwungen. Und was die Paare, die das Kursangebot nutzten, sich in der fünfgliedrigen Choreografie ertanzten, machte ihnen sichtlich Freude.
Obwohl die Quadrille (auch Française genannt) namentlich die Vierheit ins Zentrum ihrer Bewegungen stellt, lässt sie keinen Zweifel daran, dass jegliches Quadrat ohne Kreis verloren wäre. Ja, es entsteht gar der Verdacht, das es sich hier um einen feministischen Tanz handelt. Nicht nur, dass die Tänzer sich die Hände reichen und die meisten Bewegungen ganz ohne politische Scheu von links gesteuert werden: Kein Herr muss hier führen. Sie werden von der drückenden Dominanz ihres Geschlechts befreit. Es sind die Frauen, die ein wenig voranschreiten und die weitere Bögen tanzen. Dabei ist dies mitnichten ein kopfloser Tanz, und nach einer respektvollen Begrüssung wird promeniert. Diese würdigen Bewegungen lassen erahnen, wozu wir Menschen geschaffen wurden.

**Choreografische Ethik**
Es ist ein im doppelten Sinne taktvolles Zu- und Voneinander, ein umkreisendes Visavis, immer kollektiv und nie solistisch, ja sogar die gelegentlich beengende Zweiheit, die manches Paar aus seinem Alltag kennen mag, wird hier aufgehoben. Der Männertausch ist Programm und wäre selbstverständlich ohne Damentausch nicht denkbar. Wer hier Frivolität vermutet, wird enttäuscht. Die Hüften schweigen, und die choreografische Ethik gehorcht der Mathematik. In einer Zeit, die Tabledance mit Tanz verwechselt, die unter wachsender Vereinsamung und krankem Konsum leidet, war der Quadrille-Kurs auf dem Munot ein lohnendes Kursangebot. Es wäre auch unzureichend, das Erlernen dieses Gemeinschaftstanzes auf einen Akt der Traditionspflege zu reduzieren. Die Quadrille hat nämlich vielfältiges Potenzial. In ihr liegen etwa die Wurzeln des Cancan oder des irischen Square-Dance, der jüngst die Welt erobert hat. Die Schaffhauser beweisen einmal mehr ihre Aufgeschlossenheit, denn die Quadrille ist ein angelsächsischer Exportschlager, der über das napoleonische Frankreich seinen Weg auf die Munotzinne gefunden hat. Dem reichen Erfahrungsschatz und dem Vermittlungsvermögen von Annekäthi Bührer sei Dank, dass der Kurs ein Erfolg war. Ihre Schüler zeigten sich gelehrig und präsentierten schon nach kurzer Zeit ein sehenswertes Ergebnis. Musikalisch getragen wurden die Tänzer von der Organistin und Improvisationskünstlerin Stefanie Senn, die ihren Klavierauszug stets einfallsreich variierte. Auch wenn noch genug Platz für weitere Teilnehmer gewesen wäre, gab es keine Nachwuchsprobleme, denn der Quadrille-Kurs wurde glücklicherweise generationsübergreifend von jung bis alt genutzt. So soll es sein …



Annekäthi Bührer, pensionierte Balletttänzerin und Ballettschulleiterin, lehrt seit 14 Jahren die Quadrille.

#Allgemeines

23. August 2012 | Warten auf Bootspfosten soll verkürzt werden

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
(lbb)

Wenn man in Schaffhausen am Rhein sein Boot vor Anker legen, respektive es an einen der existierenden Pfosten ketten möchte, kann es durchaus sein, dass man dabei wartet, bis man aussieht wie Methusalem. 30 Jahre beträgt die durchschnittliche Wartezeit für die begehrten Pfosten, die man von der Stadt mieten kann. In einem Postulat mit dem Titel «Mehr Rhein für Schaffhausen» fordert Till Hardmeier (JFSH) jetzt vom Stadtrat, Varianten zu prüfen, wie diese Wartezeit verkürzt werden kann, beziehungsweise wie mehr Personen Zugang zum Rhein erhalten. das Postulat schlägt vor, etwa zu prüfen, mehr Pfosten zu bauen oder Gruppen (Vereine, Firmen, Zweckgemeinschaften) bei der Vergabe zu bevorzugen, damit mehr Leute Zugang bekommen. Weiter soll der Stadtrat erwägen, ob ein Konzept analog wie Mobility bei der Pfostenvergabe angewandt werden könnte oder wie allenfalls zusätzlicher Abstellraum in privaten Bootstrockengaragen bereitgestellt werden könnte.

**Vererbung der Pfosten verhindern**
Und schliesslich soll der Stadtrat auch prüfen, ob bei geringer Nutzung ein Pfosten entzogen werden könnte, ob die Vergabedauer reduziert und die «Vererbung» der Pfosten eingedämmt werden könnte. Für Rheinfans unter 50 Jahren, heisst es im Schreiben, sowie für Neuzuzüger, auf die Schaffhausen angewiesen sei, solle der schiffsmässige Zugang zum Rhein «interessant und fair» ausgelegt sein. «Wenn nur Urschaffhauser ein Boot haben können, ist das schade.» Damit Neue und Junge also nicht auf einen Bootspfosten warten müssten, bis sie graue Haare haben, sollen die genannten Ideen geprüft werden, fordern Hardmeier und seine Mitunterzeichner. Bereits im Jahre 1979 habe Grossstadtrat Thomas Hauser einen ähnlichen Vorstoss eingereicht, nun sei es an der Zeit, die Situation neu zu beurteilen und aufzuzeigen, wie das Pfostenmanagement funktioniert und alfällige Verbesserungen zu entwickeln.

#Notizen zu Namen

22. August 2012 | Barfuss: Ein Freiheitsgefühl

Schaffhauser Nachrichten, Region
Selina Zehnder

«Ich will die Freiheit haben, so rumlaufen zu dürfen, wie ich will», sagt Matthias Frick, Hobby-Barfussläufer. Er sei zwar kein Barfüssler, der aus Überzeugung unten ohne rumlaufe, sondern mache es aus dem einfachen Grund, weil er es angenehm finde. «Es gibt aber immer wieder Leute, die sich an meinen nackten Füssen stören», erklärt Frick.
Doch gemäss dem Allgemeinarzt Reto Winkler ist das Barfusslaufen sehr gesund. Denn einerseits haben Barfussläufer weniger Hautprobleme an den Füssen, da diese durch das Laufen abgerieben würden, und anderseits sei das Barfusslaufen sehr wichtig für das Feingefühl im Körper. «Der Fuss ist ein Taktilorgan, mit dem wir uns vortasten. Je weniger wir barfuss laufen, desto mehr verlieren wir die Sensibilisierung in unserem Fuss, da der Fuss durch den Schuh in seiner Funktion der Sensibilisierung eher eingeschränkt wird», erklärt Winkler. Dies sei ein sehr präsentes Problem. «Viele ältere Personen können mir, wenn sie gerade vor mir stehen, nicht sagen, ob sie das Hauptgewicht auf der Ferse, dem Mittelfuss oder der Fussspitze haben. Auch wenn sie wahrscheinlich als Kind viel barfuss gelaufen sind. Doch das Bewusstsein um die einzelnen Muskeln des Fusses hat sich zurückgebildet.» Klar ist, dass heute allgemein zu wenig barfuss gelaufen wird. Zwar gibt es einige Angebote, aber diese sind Raritäten (siehe Kasten). Wer die letzten Tage bei diesen heissen Temperaturen durch die Stadt spaziert ist, sah vor allem Sandalen und Flipflops an den Füssen der Schaffhauser. Barfüssler konnten selten gesichtet werden. So berichtet auch Frick, dass er der Einzige aus seinem Freundeskreis sei, der regelmässig bei warmen Temperaturen barfuss laufe. Achtgeben sollte man als Anfänger im Barfusslaufen vor allem darauf, dass man den Fuss zuerst daran gewöhnt und vorerst nur auf weichem Untergrund geht. Auch auf die kleinen Glasscherben, welche auf der Strasse liegen, sollte man achten. Als selbstverständlich wird angesehen, die Füsse jeden Tag zu waschen. Nur Zuckerkranken wird vom Barfusslaufen abgeraten.


**Barfusslaufen Angebote**

**Barfussbar** In der Zürcher Frauenbadi gibt es jeweils am Mittwoch, Donnerstag und Sonntag Events am Abend, an welchen die Schuhe draussen bleiben.
**www.barfuss.ch/forum** Eine Plattform zum Austausch rund um das Barfusslaufen.
**Themenpfad Barfussweg Gonten** Ein circa fünf Kilometer langer Barfussweg im Appenzell.
**Barfussweg Wuppenau** Ein wahlweise langer oder kurzer Barfussweg im Thurgau.



Regelmässige Barfussläufer wie Matthias Frick spüren keinen Schmerz: Nur die kleinen Glasscherben und eine wetterbedingte Winterpause schwächen ihn.
Bild Selina Zehnder

#Notizen zu Namen

21. August 2012 | 150 Jahre Scaphusia in Bildern und Text

Schaffhauser Bock
Daniel Thüler

Die Scaphusia, die Mittelschulverbindung an der Kantonsschule Schaffhausen, besteht seit 1858. Zum 150-Jahre-Jubliläum haben Michael E. Dreher v/o Aal, Mitbegründer der Autopartei und ehemaliger Nationalrat, sowie einige Mitstreiter (insbesondere Andreas Wüscher v/o Codex) einen ansprechenden, rund 460-seitigen Bildband verwirklicht, der es in sich hat: gezeigt werden Hunderte von Fotos, teil seriös, teils weniger, aus dem Fundus der Altherren: Gruppenfotos der Aktivitas und Alt-Scaphusia, Einzelporträts, Aufnahmen bei den Stämmen, Festcommers und Ausflügen oder Bilder von allen Rektoren der Kantonsschule.

**In historischen Kontext gesetzt**
Doch nicht nur das: In sorgfältiger und liebevoller Klein- und Kleinstarbeit wurden die Namen der vielen Scaphusianer (über 1000 Mitglieder in den 150 Jahren) recherchiert und in die Bildlegenden gesetzt, Texte über die verschiedenen Anlässe aus den Jahresberichten der Alt-Scaphusia zusammengetragen (vorhanden ab 1928), weitere thematisch passende Illustrationen gesucht und das ganze auch in historischen Kontext gesetzt. So befinden sich in blau umrahmten Boxen unter dem Titel «… aber die Scaphusia war da!» jeweils Kurzabrisse über die geschichtlichen Ereignisse des betreffenden Jahres. Alles in allem eine riesige Büez, sodass es den Mitwirkenden nachzusehen ist, dass es mit vier Jahren Verspätung (begonnen wurde 2003) erschienen ist. Dafür wurde kurzerhand ein Nachtrag erstellt, in dem die Aktivitas bis 2012 festgehalten sind.

**Illustre Gästeschar bei der Vernissage**
Zur Buchvernissage am vergangenen Samstag im Restaurant Falken (wo sonst, ist es doch das Stammlokal der Scaphusia) kam eine illustre Schar Aktivitas, Altherren, Sponsoren und Gäste. Unter ihnen befanden sich seitens der Altherren beispielsweise alt Stadtpräsident Felix Schwank v/o Fit, der ehemalige Staatsschreiber Peter Uehlinger v/o Igel und alt Regierungsrat Kurt Amsler v/o Zigan, seitens der Sponsoren unter anderem Ulrich Bremi, ehemaliger GF-Verwaltungsratspräsident, Valentin Landmann, der schweizweit bekannte Rechtsanwalt, John Schnyder, Direktor der Bank Vontobel, Rolf Hartl von der Erdölvereinigung oder Rolf Schneider von der SIG Gemeinnützige Stiftung. Mit Ständerat Hannes Germann, Regierungsrat Reto Dubach und Stadträtin Jeanette Storrer war auch die aktive Politik zugegen. Sie alle wurden vom auf das Werk verdientermassen sichtlich stolzen Michael E. Dreher ausgiebig begrüsst, bevor er, nicht ohne Selbstironie, über die Produktion des Bildbands sprach: «Die Arbeitsorganisation war theoretisch oft gut angedacht, erwies sich dann jedoch nicht als tragfähig.» oder «Erneut kam die Arbeit im Jahre 2010 zum Erliegen. Der Spätsommer brachte plötzliche Spitalaufenthalte mit vier Vollnarkosen innert zwei Monaten, was auch ein routinierter
Sportler nicht ohne weiteres wegsteckt, um ganz genau zu sein: ein routinierter Sportwagenfahrer.» Und zu den geschichtlichen Inhalten des Bandes: «Wir haben zahlreiche politische, wirtschaftliche und soziale Ereignisse und verschiedene Erfindungen festgehalten, wenn auch längst nicht alle. Aber die Frage, ob die Erfindung des Geschirrspülers nicht mindestens so bedeutend gewesen sei wie gewisse Forschungsergebnisse in der Astrophysik, die von Fachleuten als Sensation eingestuft wurden, darf mindestens gestellt werden.»

**Mit «Liebe zum Detail»**
Ueli Böhni, Präsident der Alt-Scaphusia, war voll des Lobes: «Die Liebe zum Detail macht die Qualität des Gesamtwerks aus. Der Bezug zur Lokalhistorie und das Spannen des Bogens zur grossen Geschichte ist durchwegs gelungen.» Es sei eine tolle Fotodokumentation, welche die eigentliche Jubiläumsfestschrift optimal ergänze.

Persönliche Anmerkung des Autors dieses Artikels: Selber nicht an der Kantonsschule, geschweige denn in der Scaphusia, freue ich mich trotzdem sehr über den vorliegenden Bildband. Einen Bezug zur Scaphusia habe ich durchaus: Mein Grossvater, Jakob Bryner v/o Patachon, war, bis er mit 97 Jahren starb, ein begeisterter Alt-Scaphusianer. Selbst im hohen Alter und mit verschiedenen Gebrechlichkeiten konnte er noch den Stämmen und Commers beiwohnen. Denn die jüngeren Scaphusianer scheuten sich nicht, ihn auch mal mit dem Auto im zürcherischen Horgen abzuholen oder ihn in Beizen zu geleiten, die sich nicht im einfach zugänglichen Parterre befanden – wie eine grosse Familie. Als Enkel wurde ich zu Patachons Totensalamander eingeladen, der Ehrung des Verstorbenen, was mich sehr bewegte. Der Bildband ist zugleich ein Zeitraffer, der den Wandel der abgebildeten Personen von ihrer Kanti-Zeit bis ins hohe Alter bildlich festhält. Eine schöne Erinnerung, nicht nur für die Abgebildeten, sondern auch für all ihre Angehörigen und Freunde – ein Blick hinein lohnt sich also auch für Nicht-Scaphusianer sehr! Besten Dank für beides!



Michael E. Dreher mit dem Bildband, flankiert von Aktiven der Scaphusia.


Michael E. Dreher referiert im «Falken» über die Herstellung des Bildbandes.
Bilder: Daniel Thüler