#Allgemeines

20. November 2012 | Bier vom Discounter statt in der Beiz

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
(sda)

In der Schweiz wird immer mehr ausländisches Bier getrunken. Der Marktanteil beträgt inzwischen fast 24 Prozent. Trotz des Booms an Kleinbrauereien ist der Absatz der heimischen Hersteller im Braujahr 2011/12 (per Ende September) dagegen erneut gesunken. Damit setzten sich die Trends der letzten Jahre fort, wenn auch weniger prägnant. Für den Schweizer Brauerei-Verband (SBV) ist es ein Hoffnungsschimmer, dass sich das Absatzwachstum der Importbiere von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 4,1 Prozent verlangsamt hat und sich das Minus der schweizerischen Bierproduktion (–0,3 Prozent) in Grenzen hält.
Insgesamt wuchs der Schweizer Biermarkt im vergangenen Braujahr um 0,7 Prozent auf rund 4,6 Millionen Hektoliter. Der Pro-Kopf-Konsum dürfte aber weiter gesunken sein, nahm doch die Wohnbevölkerung in den letzten Jahren stets um rund 1 Prozent zu.

**Einwanderer bleiben ihrem Bier treu**
Die Einwanderer bleiben teilweise Biermarken aus der Heimat treu. So stammen 12,2 Prozent der importierten Biere aus Portugal, 14,5 Prozent aus Frankreich und 51 Prozent aus Deutschland. Dieser Neuzuzügereffekt sei aber nicht entscheidend für den Markttrend, sagte SBV-Direktor Marcel Kreber an einer Medienkonferenz in Zürich. Gewichtigere Faktoren seien die Frankenstärke und das unsichere Wirtschaftsumfeld. Der Einkaufstourismus habe nochmals zugenommen, ebenso die Verlagerung weg von der Gastronomie in den Detailhandel. Diese Entwicklung werde durch Rauchverbote verstärkt, sagte Verbandspräsident Markus Zemp. Allerdings müssen die Restaurantbesucher für Bier auch immer tiefer in die Tasche greifen: Für Aufsehen sorgte im Sommer der Wirteverband Basel-Stadt, der sich gegen neuerliche Preiserhöhungen von rund 4 Prozent der dominierenden Lieferanten Heineken und Carlsberg wehrte und Direktimporte organisierte. Den Bierkonsum drückten auch die rückläufigen Gästezahlen in den Tourismusregionen. Entscheidenden Einfluss hat das Wetter: So lasteten die durchzogenen Sommermonate auf dem Absatz, wie Zemp sagte. Gutes Grillwetter sei für die Brauereien wichtiger als einzelne Grossereignisse wie die Fussball-Weltmeisterschaft. Der Wettbewerb sei intensiv. Dies begünstige die Innovation und steigere die Qualität, auch wenn nicht alle neuen Biersorten lange bestehen blieben, sagte Kreber. Der Boom von Klein- und Kleinstbrauereien sei gut für die Vielfalt und damit das Image von Bier. Sie erreichen aber nur eine Marktnische. Von den über 350 Brauereien in der Schweiz gehören die 16 grössten zum SBV. Diese brauen über 97 Prozent des in der Schweiz hergestellten Bieres. Ihr Umsatz beträgt rund 1 Milliarde Franken. Immer bedeutender wird der Marktanteil der Importbiere, der von 22,9 Prozent im Vorjahr auf 23,7 Prozent gestiegen ist. Der Anteil der ausländischen Marken ist noch höher, denn das in der Schweiz gebraute Bier der beiden dominierenden Konzerne Carlsberg und Heineken wird vom SBV zum inländischen Bier gezählt.

**Gegen politische Eingriffe**
Angesichts des schrumpfenden Absatzes wehren sich die Schweizer Bierbrauer gegen Eingriffe der Politik, auch wenn sie ebenfalls keine Freude an Alkoholexzessen von Jugendlichen oder an Abfallbergen auf Ausgangsmeilen haben. So wehrt sich der Verband bei der laufenden Revision des Alkoholgesetzes gegen nächtliche Alkoholverkaufsverbote im Detailhandel. Auch das Ansinnen von Getränkegrossisten für ein Pflichtpfand lehnt er ab, betrage doch der Glasrücklauf gut 95 Prozent.


**Schaffhauser Biermarkt Auch Brauerei Falken spürt den rückläufigen Inlandkonsum**

Den Trends, welche das Braujahr 2011/12 prägten, konnte sich auch die Schaffhauser Brauerei Falken nicht entziehen, wie Markus Höfler, Geschäftsführer der Brauerei Falken, auf Anfrage der «Schaffhauser Nachrichten» ausführte.
«Als Brauerei in der Grenzregion spüren wir den Einkaufstourismus deutlich, ebenso wie die Verlagerung des Konsums vom Gastgewerbe in den Detailhandel», sagte Höfler. «Trotzdem behaupten wir uns gut und sehen keinen Anlass zum Jammern.» Den Löwenanteil ihrer Umsätze mache die Brauerei Falken nach wie vor mit ihrem klassischen Lagerbier, erläuterte Höfler. «Den Rest tragen die Spezialitäten bei. Damit können wir zwar wachsen; wir sind jedoch nicht in der Lage, den rückläufigen Konsum inländischer Biere vollständig zu kompensieren.» Wegen kleinerer Herstellmengen, spezieller Zutaten und eines höheren Anteils an nicht automatisierbaren Produktionsschritten seien Spezialitäten zwar aufwendiger, meinte Höfler, doch trügen sie dazu bei, «dass wir als Brauerei kontinuierlich Innovationskraft zeigen können.» (rf.)

#Allgemeines

15. November 2012 | Kunstauktion an der Kanti für den guten Zweck

Schaffhauser Nachrichten, Region
Selina Zehnder

Ein Projekt der besonderen Art stellt die Schülerorganisation (SO) der Kantonsschule Schaffhausen auf die Beine: eine Kunstausstellung mit anschliessender Auktion unter dem Motto «Kunst für warme Füsse». «Bis jetzt konnten wir rund 20 verschiedene Künstler dazu bewegen, unserem Projekt ein Kunstobjekt beizusteuern», erklären Vicky Mäder und Melvin Steiger, die beiden Hauptorganisatoren der Kunstausstellung. Der Grossteil der Mitwirkenden seien Schüler. Aber auch Werke des Zeichenlehrers Silvio Vanzella und von Hans Funke, dem verstorbenen Vater einer ehemaligen Kanti-Prorektorin, werden vertreten sein. Dabei seien die Kunstobjekte nicht nur Gemälde und Skulpturen, sondern auch selbst verzierte Jutetaschen und eigens dafür geschriebene Gedichte, welche in Gemälden dargestellt werden. «Unser Ziel war es, mindestens 20 Bilder und Skulpturen zu organisieren. Das haben wir inzwischen sogar übertroffen. Denn einige Künstler steuern gleich mehrere Objekte für die Auktion bei», berichtet Mäder.
Die zündende Idee für das Projekt stammt nicht von der SO selbst. «Im Frühling dieses Jahres kam eine Schülerin auf uns zu und fragte, ob wir nicht mit einem Projekt die Hilfsorganisation ‹ungerwägs› unterstützen könnten», sagt Steiger. Nach reichlicher Überlegung hätten sich die jungen Leute dann entschlossen, eine Kunstausstellung mit anschliessender Auktion zu organisieren. «Mit Kunst ist es möglich, Leute für so ein Projekt zu begeistern», meint Steiger. Der Erlös der Auktion geht vollumfänglich an die Organisation «ungerwägs» aus Bern. «Der Erlös wird Kindern in Moldavien, dem ärmsten Land Europas, zugutekam», erklären die beiden. Denn rund 70 Prozent der Kinder leiden in Moldavien im Winter unter ständiger Kälte. Mit dem Erlös soll ihnen geholfen werden – daher auch das Thema des Projekts: «Kunst für warme Füsse». Während der Ausstellung und der Auktion werde es ausserdem eine Kollekte geben. «So können auch diejenigen, welche kein Kunstwerk ersteigert haben, spenden.»

**Nur noch kleinere Arbeiten**
Die Vorbereitungen für kommenden Samstag laufen im Moment auf Hochtouren. Zwar hätten Vicky Mäder und Melvin Steiger mithilfe des übrigen SO-Vorstandes schon das meiste organisiert, doch würden jetzt noch kleinere Arbeiten anfallen: Bilder einholen, Apéro einkaufen, Präsentationsmedien organisieren, Mindestgebote festlegen und so weiter. «Nun hoffen wir natürlich, dass am Samstagmittag möglichst viele Interessierte kommen werden und entweder ein Bild ersteigern oder sonst spenden.» Denn nur so können die Veranstalter am Schluss der Hilfsorganisation wirklich einen Betrag überweisen, der sich auch sehen lassen kann.

**Ausstellung: «Kunst für warme Füsse»**

Am Samstag, dem 17. November, findet in der Mensa im Ergänzungsbau der Kantonsschule eine durch die Schülerorganisation der Kanti organisierte Kunstausstellung mit anschliessender Auktion statt. Ab 11 Uhr können die Interessierten einen Apéro mit musikalischer Begleitung durch Schüler der Kanti geniessen. Um 11.15 Uhr findet die offizielle Begrüssung statt, wobei die Präsidentin von «ungerwägs», Margret Stoll, die Hilfsorganisation vorstellen wird. Danach haben die Besucher während einer Stunde Zeit, die Kunstwerke zu betrachten und mitzubieten. Das Prinzip, so die beiden Hauptorganisatoren Vicky Mäder und Melvin Steiger, sei dabei wie bei einer Ebay- oder Ricardo-Auktion. Nach Ablauf der Zeit wird verkündet, wer welches Bild ersteigert hat. Die Bezahlung kann direkt bar oder per Einzahlungsschein erfolgen. (sze)

#Allgemeines

14. November 2012 | Weidlingspfosten: Stadtrat will auch eine befristete Nutzung prüfen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Geduld war bisher die Kardinaltugend all jener, die sich einen Weidlingspfosten wünschten: Der Grosse Stadtrat hat nun gestern einen Vorstoss überwiesen, der dafür sorgen soll, dass die Wartezeit – gesprochen wird von Zeiträumen zwischen 30 und 50 Jahren – künftig verkürzt werden soll. Mit 23 gegen 7 Stimmen wurde ein Vorstoss von Till Hardmeier (JFSH) überwiesen, der eine Prüfung der entsprechenden Möglichkeiten durch den Stadtrat verlangt hatte. Brisant: Der Stadtrat hat nicht nur die Bereitschaft signalisiert, einen Ausbau der Kapazitäten und eine Gruppenbevorzugung zu prüfen, sondern auch eine Befristung der Nutzungsdauer für die Weidlingspfosten. Stadträtin Jeanette Storrer nannte hier als möglichen Zeitraum eine Untergrenze von 20 Jahren. Nicht weiter verfolgen will die Stadt die Idee, auf ihrem Land Bootstrockengaragen zu erstellen. Das sei dem schönen Rheinufer abträglich und zudem nicht Aufgabe der öffentlichen Hand. Heute führt die Stadt drei Wartelisten: eine für Interessenten mit einem Schiff mit Motor, eine für solche ohne und eine für jene, die beide Optionen angegeben haben. Die letzte Liste ist mit 250 Wartenden die längste, insgesamt summieren sich die drei Listen auf 600 Personen, wobei manche Personen auf verschiedenen Listen eingetragen sind.
Ausserdem stimmte der Grosse Stadtrat gestern der Vorlage zum Freien Platz zu und überwies ein Postulat zum Bau von Fotovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden.

**Das Warten soll ein Ende haben**

*Mit 23 gegen 7 Stimmen wurde das Weidlingspostulat überwiesen. Trockengaragen für Boote bauen will der Stadtrat aber nicht.*

Die Debatte um die 278 Weidlingspfosten, welche von der Stadt bewirtschaftet werden, ist alt, die Klage über die lange Wartezeit ein bekanntes Problem. Was aber soll man tun, um das Warten zu verkürzen? Till Hardmeier hat seine Vorschläge im Rahmen eines Postulates aufgezeigt: eine zusätzliche Reihe Pfosten einschlagen, Gruppen bei der Vergabe der Pfosten bevorzugen, ein Mobility-ähnliches Angebot auf privater Basis ermöglichen, Bootstrockengaragen bauen oder auch – schärfster Ansatz – bei zu geringer Nutzung des Weidlings den Pfosten entziehen. Den Weg sah Hardmeier aber als zweitrangig an, «ich will einfach, dass die Wartezeit verkürzt wird», sagte er. Und aus dem Stadtrat kam keine Ablehnung, für die Mehrheit der Vorschläge zeigte man sich bei der Stadt empfänglich. Stadträtin Jeanette Storrer äusserte sich zu den drei möglichen Wegen, das Postulat umzusetzen. Weg 1: Änderungen im Reglement – etwa durch die Bevorzugung von Gruppen oder auch die Beschränkung der Nutzungsdauer oder Verbot der Vererbung. Bereits heute sei es nicht möglich, den Pfosten an einen Nachkommen zu übergeben, wenn dieser nicht auf der Warteliste stehe. Eine Nutzungsklausel bringe grossen Kontrollaufwand, zudem gebe es immer Gründe, wieso man den Weidling gerade jetzt nicht brauchen könne. Der Stadtrat sei aber bereit, eine Befristung der Liegeplätze – als «reines Beispiel» nannte Storrer «20 Jahre oder mehr» – zu prüfen, ebenso eine Abgabe des Liegeplatzes beim Wegzug aus dem Kanton Schaffhausen. Für den Stadtrat prüfenswert sei auch die Frage nach der Gruppenbevorzugung. Einen oder mehrere Bootspfähle für ein Boots-Sharing einzusetzen – analog Mobility – beurteilt der Stadtrat ebenso als mögliche Option, die verfolgt werden könnte.
Weg 2 zur Verkürzung der Wartezeit: mehr Pfosten. Hier wies Storrer darauf hin, dass der kantonale Richtplan den Bau zusätzlicher Liegeplätze begrenze. Gleichwohl sei man bereit, einen Ausbau der Kapazitäten an den wenigen verbleibenden Stellen abzuklären. Weg 3 zum Pfosten: Bau von Bootstrockengaragen. In diesem Punkt war es vorbei mit dem Verständnis der Stadt, weil das nun nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sei, wie Storrer erklärte. Wenige Wellen geschlagen habe das Anliegen bei der SVP, «das Verkehrsaufkommen muss auch nicht um jeden Preis erhöht werden», lehnte Ernst Spengler das Postulat ab. Eine dritte Reihe Pfosten und damit eine starke Zunahme des Verkehrs lehnte auch Georg Merz (ÖBS) ab, der Gruppenbevorzugung konnte er aber einiges abgewinnen. Thomas Hauser (FDP) stellte sich hinter die Forderung und drängte vor allem auf einen Ausbau der Anzahl Liegeplätze. Er rief in diesem Zusammenhang dazu auf, sich bei der Revision des Richtplans im Kantonsrat für mehr Pfosten einzusetzen. Zustimmung gab es auch von Beat Steinacher (SP), «auch wenn einzelne Vorschläge Stirnrunzeln hervorgerufen haben».

#Notizen zu Namen

13. November 2012 | Kernkraft: Das Gefühl von Sicherheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Mark Liebenberg

Die Fragestellung war klar und einfach: «Sind unsere Kernkraftwerke sicher?» – dass die Antwort kaum ebenso klar und einfach ausfallen würde, war vorprogrammiert. Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearinspektorats (Ensi), fasste das Dilemma so zusammen: «Würde ich Nein sagen, würden Sie mich fragen, wieso wir dann unsere Atomkraftwerke nicht sofort abstellen. Würde ich Ja sagen, würden Sie mich fragen, wie ich Sicherheit definiere.»
Wanner, der in Schaffhausen geboren und aufgewachsen ist, doktorierte an der ETH in Chemie und arbeitete ab 1994 beim Bundesamt für Energie. Seit zwei Jahren ist er der Direktor des Ensi und damit für die Überwachung der Sicherheit der vier schweizerischen Kernkraftwerke verantwortlich. Aus dieser Optik leitete Wanner den Begriff der Sicherheit zum einen durch bestehende Gesetze und Regelungen her. Wanner erwähnte die Ausserbetriebnahmeverordnung und Betriebs- und Bewilligungsvorschriften sowie Sicherheitsanalysen, welche sein vom Bundesamt für Energie und von den AKW-Betreibern unabhängiges Inspektorat anordnet oder periodisch erstellen lässt. Zum anderen müsse aber der Faktor Zeit in die Beurteilung einfliessen. «Was denken Sie, steigt oder sinkt die Sicherheit eines Kernkraftwerks im Laufe der Zeit?» Tatsache sei, sie steige. Weil das Ensi konsequent und mit gesetzlichem Auftrag die Nachrüstung der Meiler mit neuer Technologie durchsetze, die auch neue Erkenntnisse in der internationalen Atomforschung auf aktuellstem Stand einschliesse. So seien Mühleberg und Beznau heute die um ein Vielfaches sichereren Kernkraftwerke als damals, als sie in Betrieb genommen wurden. «Sicherheit ist kein Zustand, der einmal erreicht wird und den man dann einfach erhalten kann. Sicherheit ist ein andauernder Prozess.»
So viel zur Innenschau. Nun gebe es aber Ereignisse, welche die Sicherheitsdiskussion entscheidend beeinflussen können – wie zum Beispiel die Katastrophe in Fukushima Daichi. Innerhalb weniger Tage und Wochen änderten sich die Rahmenbedingungen völlig, zumindest in der deutschsprachigen Welt. Es sei der Atomausstieg beschlossen worden, und das Ensi habe schnell reagiert und, wie Wanner sich ausdrückt, «aus den Fehlern in Fukushima die Lehren gezogen» und entsprechende Nachbesserungen bei den Schweizer Betreibern sofort durchgesetzt. Die vier Schweizer Atommeiler stünden im internationalen Vergleich sogar sehr gut da, sagte Wanner mit Hinweis auf den EU-Stresstest. Wanner versuchte auch, dem Publikum zu vermitteln, dass gerade die Unfälle in Tschernobyl und Fukushima stark auf menschliches Ver- sagen zurückzuführen seien. Auch daran arbeiteten das Ensi und die AKW-Betreiber unermüdlich. Und: «Nicht jeder Unfall in einem Kernkraftwerk, nicht jede Kernschmelze führen zu einer Umweltkatastrophe mit entweichender Radioaktivität und Verstrahlungen.» Das zeigten zwei Unfälle in den AKW in den USA, wo keine Radioaktivität entwich, obwohl es eine Kernschmelze gab (Harrisburg) oder der Reaktor überflutet wurde (Fort Calhoun).
Ausschliessen könne man einen Unfall jedoch nie, so Wanner. Er könne nur garantieren, dass man in der Schweiz nach höchsten internationalen Standards die Sicherheit der Atomanlagen stetig anpasst. Das Ziel sei erreicht, wenn sich die Bevölkerung sicher fühle. Das habe auch mit Vertrauen zu tun. Wanner gab daher den Ball an das überaus interessierte und diskutierfreudige Publikum zurück und fragte: «Fühlen Sie sich sicher?» Wanner fügte an, dass eine Umfrage ergeben habe, dass zwar rund sechs von zehn Personen der Atomkraft gegenüber negativ eingestellt seien, aber nur 19 Prozent glaubten, die Schweizer Atomkraftwerke seien nicht sicher.

#Allgemeines

13. November 2012 | Kater danach – Wieso uns Alkohol so zusetzt

Schweizer Familie, Gesundheit
Wunderwerk Mensch

Das liegt daran, dass der Körper in einer feuchtfröhlichen Nacht viel Flüssigkeit und Mineralstoffe verliert. Jetzt hilft nur eines: ein herzhaftes Katerfrühstück und viel Wasser.
Die Niere reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt. Es geht vor allem um lebensnotwendige Salze wie Natrium, Kalium und Kalzium. Die Niere filtert Wasser und Mineralstoffe aus dem Blut und führt beides dem Organismus zu. Dafür produziert der Körper ein spezielles Hormon. Trinken wir Alkohol, wird dieses gehemmt. Die Folge: vermehrter Harndrang und das Ausscheiden von Wasser und Salzen, die dem Körper dann fehlen.
Beim Abbau von Alkohol wird zudem eine chemische Substanz freigesetzt. Zusammen mit dem Flüssigkeits- und Mineralstoffdefizit löst sie Schwindel, Kopfweh und Übelkeit aus. Je schneller wir den Verlust von Flüssigkeit und Salzen mit Rollmops und Wasser ausgleichen, desto schneller fühlen wir uns wieder besser.

#Notizen zu Namen

10. November 2012 | Lesung und Buchtaufe: Felix Graf im Windler-Saal in Stein am Rhein

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen





Grossandrang herrschte am Donnerstagabend im Windler-Saal, als Felix Graf, der gebürtige Steiner mit Wohnsitz in Schaffhausen, sein Büchlein «Land der Dinge» im Rahmen der Steiner Volkshochschule aus der Taufe hob und den rund 120 Anwesenden daraufhin markante, humorvolle Passagen daraus vorlas. Auf kleinem Raum und in bildhafter Sprache stellt Graf, Kurator am Landesmuseum, Erlebnisse, Erinnerungen und Gedanken über Aktuelles und Vergangenes in einen schlüssigen Zusammenhang. Für die Steiner, von denen sich einige in den Texten wiederfanden, las er Passagen, die sich mit Stein und dem Untersee befassen. Nach der Lesung kauften sich nicht wenige das Büchlein und liessen es vom Autor signieren. Natürlich nutzte man die Gelegenheit für Gespräche mit Graf – hier der ehemalige Pfarrer Christoph Buff (r.). Und man stiess mit Steiner Stadtwein, den die Gemeinde spendiert hatte, auf das Werk an.
Bild Edith Fritschi

#Alt-Scaphusia

7. November 2012 | Peter Bolliger olim Schluck

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Peter Bolliger olim Schluck
Dipl. Ing. ETH
Generation 1941

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Trauergottesdienst findet am Dienstag, 13. November 2012, 14.00 Uhr in der Reformierten Kirche in Uitikon-Waldegg statt.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 12. Dezember 2012 um 20.00 Uhr in der Bude statt. Den Nekrolog hält verdankenswerterweise Dr. Hans Bohner v/o Schmuck.

#Notizen zu Namen

7. November 2012 | Eine Kopfreise durch Orte und Zeiten

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Panta rhei; alles fliesst ineinander in diesem «Land der Dinge», wie Felix Graf sein «Tagebuch 2011 bis Februar 2012» nennt. «Ich führe», sagt Graf, Sohn des einstigen Steiner Stadtpräsidenten Koni Graf, der von 1953 bis 1964 am Ruder war, «zwei Tagebücher. «Eines seit über 30 Jahren, und das zweite, das literarische, seit eineinhalb Jahren.» Ersteres sei sein Skizzenbuch und Steinbruch für die Nummer 2, die er nun öffentlich gemacht hat für Freunde und Bekannte. «An irgendeinem Punkt hat sich das Büchlein wie von selbst geschrieben», erzählt er im «Wystübli des Frieden», einer Lieblingsbeiz von ihm, wenn er nicht im «Rothen Ochsen» jasst. So, wie er zwischen Schaffhausen, wo er wohnt, Zürich, wo er arbeitet, und Stein, wo seine «Vergangenheit und Jugend wohnt», hin- und herpendelt, so pendelt er auch zwischen Zeiten, Orten und Ebenen in seinem ansprechend gestalteten Buch, mit Varlins Regenschirm als Titelbild, hin und her.

**Eintauchen in die Sprache**
Der Schirm als Schlüssel ins Land der Dinge, in ein Kopfland voller «Waren und Wörter», wie ein von Felix Graf konzipiertes Ausstellungsmodul für das Landesmuseum heisst. Denn der studierte Gräzist und Althistoriker arbeitet seit 22 Jahren am Landesmuseum; seit 2009 als Ausstellungs- und Sammlungskurator. Und er schreibt. Schreibt Kolumnen und wissenschaftliche Artikel über die Dinge, die ihn im Museum umgeben. Nun dieses Bändchen: Man kann sagen, es sei der gelungene Versuch, die «Cronica», eine beliebte literarische Gattung in der portugiesischen Literatur, auch im Deutschen einzubürgern. «Wer einmal die Literatur Portugals und Brasiliens entdeckt hat, ist für immer an sie verloren», erzählt Graf und: «Ich tauche in die Sprache ein. Erst über das Portugiesische erschliesst sich mir die Latinität, um die ich mich zur Zeit des sogenannten Studiums mit mässigen Erfolg bemüht habe», heisst es zu Beginn des Tagebuchs. «Portugiesisch als Schlüssel zum Latein. Unbeabsichtigt. Und portugiesisch als Fenster zur Welt. Das mit Absicht.» Dieses Fenster öffnet Felix Graf weit. Schweift gedanklich mit Störchen nach Afrika und auf die Insel Werd, ins Allerheiligen, ins Museum Stemmler und dann in eine mit Azulejos ausgeschmückte Kapelle am Meer im portugiesischen Faro. Von Grafs «Cronica» war auch seine Portugiesischlehrerin in der Sprachschule Altstadt begeistert. Nicht einmal mehr die Muttersprachler könnten diese so schreiben wie er, meinte sie, als er ihr ein paar Blätter zur Korrektur mitbrachte. Ein Jahr, vier Jahreszeiten, fliessende Übergänge, im Buch angekündigt durch verschiedenfarbige Blätter mit feinen Tierzeichnungen und Prosatexten, unterbrochen von Gedichten wie einem «Rhysonett» auf Dialekt und auf Portugiesisch: Das ist weit entfernt von einem seelenentblätternden Tagebuch. Vielmehr tut sich beim Lesen ein farbiges Panoptikum auf, das sich mit dem Hier und Jetzt genauso befasst wie mit früheren Zeiten, mit der Suche nach der Etymologie von Worten und Begriffen, mit Betrachtungen und persönlichen Empfindungen. Mitunter malt Graf auch mit der Sprache: «Sonniger, aber noch kühler Sommertag. Der Unterluft raut die von Lichtreflexen blitzende Oberfläche des waschküchenwassergrünen Flusses auf. Am Morgen ein dreiviertelstündiger Lauf am Rhein und im Freien.» Inspirieren liess er sich von Orten, Menschen und Autoren, unter anderem auch vom sprachgewaltigen Schriftsteller Gerhard Meier (1917–2008) und dessen «Amrainer Tetralogie» mit dem «Land der Winde». So kam schliesslich Grafs Titel «Land der Dinge» fast wie von selbst zustande.

**Man trifft auf Bekannte**
«Es ist», sagt er, «auch ein wenig das Anschreiben gegen die Vergänglichkeit.» Diese wurde ihm während einer längeren Krankheitsphase und eines Spitalaufenthalts mehr als bewusst. Und er begab sich ins Tröstliche der Literatur, die ihm wiederum Inspiration für Eigenes wird. Es dürften sich einige Leute erkennen in diesem Büchlein, andere sind beim Namen genannt; ebenso kann man einen fragmentarischen Blick in eine Steiner Kindheit der 50er- und 60er-Jahre werfen. Stein, die Gegend drumherum, die Weinberge, der Rhein und der nahe Untersee sind Graf wichtig. Gleichwohl ist er vor 24 Jahren nach Schaffhausen gezogen. «Vielleicht», sagt er, «wäre es mir bei aller Liebe ein wenig eng geworden.» Da er in Zürich arbeitet, ist Schaffhausen als Wohnort praktischer. Er liebt den Weg, zum Bahnhof durch die morgendliche Stadt am Museum vorbei, die Fahrt im Zug, die er zum Wachwerden, Lesen, Denken nutzt. Hier war auch die Begegnung mit Varlins Regenschirm, in Form einer Rubrik, die er für eine Zeitung schrieb. Und da begann dieser Schirm zu tanzen, zu lachen, zu singen, kurz: Er bekam ein Eigenleben, das er jetzt auf dem Buchdeckel weiterführen kann. Und der Autor hat schon wieder Stoff für ein neues Büchlein. «Der geht mir so schnell nicht aus», sagt Graf. Er kann es fast nicht mehr lassen. «Erst die schriftstellerische Bearbeitung verleiht dem Lebensrelief vollplastische Form», schreibt er unter dem Titel «Klassische Archäologie». Und dann heisst es andernorts noch: «Schreiben ist Reisen an Ort.»

Am 8.11.2012 um 19 Uhr stellt Felix Graf sein Büchlein im Rahmen des Winterprogramms der Volkshochschule Stein am Rhein im Windler-Saal vor.



Felix Graf wohnt in Schaffhausen, ist gebürtiger Steiner, arbeitet in Zürich und liebt die portugiesische Sprache.
Bild Edith Fritschi

#Notizen zu Namen

5. November 2012 | Einblicke in das geheime Kriegsbuch

Schaffhauser Nachrichten
Hermann-Luc Hardmeier

«Ein Angriff auf Schaffhausen ist nicht unrealistisch!» Das dachte man zumindest im 17. Jahrhundert zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges. Deshalb zeichnete man Pläne, wie man die Stadtmauer verstärken und undurchdringbar machen könnte. Eine zehn Meter tiefe Schanzenanlage war beispielsweise auf der heutigen Munot-Sportanlage geplant. Auch detaillierte Aufstellungen über Soldaten, Waffen und weitere Kriegsmaterialien wurden auf Plänen und in einem Buch mit dem Titel «Geheimes Kriegsbuch Schaffhausen» niedergeschrieben. Zu sehen gab es dies und noch viel mehr am Tag der offenen Tür in Schweizer Archiven im Stadtarchiv mit dem Thema Stadtentwicklung. Auch im Staatsarchiv und den Archiven in Stein am Rhein und Schleitheim wurden historische Schätze wie Bücher, Karten und Filme gezeigt. Im Stadtarchiv führte Peter Scheck im Verlaufe des Tages gut 130 Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung.

**Fotos, von einer Drohne gemacht**
Besonders stolz war er auch auf Flugaufnahmen, die eine Drohne von Schaffhausen im Auftrag des Stadtarchivs aufgenommen hatte. Eine Drohne und das Stadtarchiv? Ist das nicht ein wenig zu modern? Stadtarchivar Peter Scheck muss über solche Klischees schmunzeln. Die technologischen Fortschritte beschäftigen ihn schliesslich täglich: «Die zunehmende Elektronisierung der Gesellschaft ist eine unserer Hauptherausforderungen. Die Datenmenge auf immer neueren Datenträgern macht auch vor den Archiven nicht halt. Wer liest in 100 Jahren noch ein Word-2007-Dokument?», fragte Scheck rhetorisch. «Wir müssen diese Daten ‹haltbar› archivieren und standardisieren.» Über diese Aufgabe freut er sich übrigens sehr: «Die Lösung dieser Probleme ist hochspannend und braucht graue Hirnzellen.» Auch das Internet ist aus dem Stadtarchiv nicht mehr wegzudenken. Die ganzen Bestände sind online einsehbar. Zu den Kunden zählen Ahnenforscher, interessierte Bürger, Architekten mit Fragen zu Gebäuden oder Kantonsschüler mit Maturarbeiten. Pro Jahr kommen etwa 1000 Besucher beziehungsweise Forscher selber vorbei.

**350 Laufmeter Akten**
Viele stellen ihre Fragen aber auch via E-Mail. Darunter gibt es natürlich auch sehr skurrile Anfragen: «Please send me everything about Schaffhausen», war beispielsweise in einer Mail zu lesen, die Peter Scheck eines Tages aus Australien erhielt. «Sollte ich nun unsere 350 Laufmeter Akten in Containerschiffen nach Übersee verschicken?», scherzte Peter Scheck. Der Archivtag zog viele Besucherinnen und Besucher an, und die Organisatoren waren zufrieden.

#Notizen zu Namen

2. November 2012 | Amsler verzichtet, Faccani rutscht nach

Schaffhauser Nachrichten
(rob)

Gestern hat die Stadt Schaffhausen über die nachrückenden Kandidaten informiert, unklar war einzig noch, ob Dieter Amsler (FDP) für Raphaël Rohner (FDP), der aufgrund seiner Wahl in den Stadtrat ausscheidet, nachrücken wird. Jetzt ist klar: Dieter Amsler verzichtet nach reiflicher Überlegung darauf, den frei werdenden Sitz zu übernehmen, und scheidet damit – nach 16 Jahren im Grossen Stadtrat – aus. An seine Stelle rückt der mit 2762 Stimmen nächstplatzierte Diego Faccani (Bild) für die FDP nach: Er sass bisher noch nie im Grossen Stadtrat.
Weiter gemeldet wurden die bereits bekannten Verzichte: Bei den Juso verzichtet Seraina Fürer für Patrik Simmler, Susi Stühlinger und Till Aders verzichten zugunsten von Leonardo Pivetta und Bea Will, und bei den Jungfreisinnigen verzichtet Florian Hotz für Res Hauser. Der Stadtrat wird von den ent-sprechenden Änderungen nach Vorliegen aller Erklärungen an seiner nächsten Sitzung vom kommen- den Dienstag formell Kenntnis nehmen.

#Allgemeines

31. Oktober 2012 | Stadt wird nicht Weidlingsvermieterin

Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg

Einen Weidling für alle – das hatten sich die Jungsozialisten gewünscht. In einer Volksmotion forderten sie die Stadt auf, ein «Weidlingssharing» anzubieten. Dafür solle die Stadt zwei der motorlosen Stocherkähne erwerben und über die Verwaltungspolizei an alle interessierten Personen vermieten. Und zwar für 20 Franken pro Tag für Jugendliche unter 25, für den doppelten Betrag für Personen über 25 Jahren. Die Ausgangslage, so Beat Steinacher (SP) sei, dass man heute gegen 30 Jahre Wartezeit für einen Weidlingsplatz am Rhein rechnen müsse. «Es ist klar, das ein Aufwandüberschuss resultieren würde», sagte Steinacher. Die Kosten seien aber vertretbar und sinnvoll, wenn man sie mit andere Ausgaben wie etwa Sportanlagen vergleiche. Sukkurs erhielten die Jungsozialisten auch von Iren Eichenberger (ÖBS). Weidlingsfahren sei ein Kulturgut, es handle sich also auch um eine Kulturfördermassnahme. Peter Möller (SP) plädierte ebenfalls für die Volksmotion – Detailfragen könnten fantasievoll gelöst werden, etwa in Zusammenarbeit mit dem Pontonierverein.
Dass der Teufel aber meist im Detail stochert respektive steckt, legte Stadträtin Jeanette Storrer dar. Die Anschaffungskosten für zwei Weidlinge bezifferte Storrer auf rund 30 000 Franken, dazu kämen Unterhaltskosten, Betreuungs- und Verwaltungsaufwand in unbekannter Höhe. Bootsvermietung und -bewirtschaftung sowie das Anbieten eines Einführungskurses, wie die Motion ebenfalls forderte, gehöre nicht gerade zu den Kernaufgaben der Stadt. Die bürgerliche Seite im Rat betonte, diese Mehrausgaben seien schwer vermittelbar, gebe es doch bereits heute unzählige Fahrgemeinschaften auf privater Basis sowie private Bootsvermieter. «Väterchen Staat sollte wirklich nur anbieten, was Must-Have ist», meinte Georg Merz (ÖBS). Jeder könne beim Pontonierverein das Weidlingsfahren erlernen, befand auch Beat Brunner (EDU). Walter Hotz (parteilos) hatte für die jungen Sozialisten gar den Rat übrig: «Zeigen Sie einmal selbst Initiative, statt alles dem Staat zu übertragen.»

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Hallau: Dieter Buess und Daniel Meyer neu im Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Hallau

Gleich zwei neue Gemeinderäte wurden in Hallau gewählt: Für den ins Gemeindepräsdidium gewählten Alfred Neukomm-Ammann (Finanzen) wählten die Hallauer Stimmberechtigten Dieter Buess mit 348 Stimmen sowie für die zurücktretende Gabriela Buff (Soziales) Daniel Meyer mit 321 Stimmen in den Gemeinderat; dies bei einem absoluten Mehr von 200 Stimmen. Von den Bisherigen wurden Liliana Götz-Gianini mit 289 Stimmen sowie Hans Neukomm-Schneider mit 232 Stimmen wiedergewählt. Vereinzelte erhielten 409 Stimmen.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Stefanie Huonker und Matthias Frick neu im Gemeinderat Trasadingen

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Hallau
Hans-Caspar Ryser

Als einziger Gemeinde im Klettgau kam es in Trasadingen bei der Bestellung des Gemeinderates zu einer Kampfwahl. Für die beiden vakanten Gemeinderatssitze stellten sich die drei Kandidaten Urs Baumann, Stefanie Huonker und Matthias Frick zur Wahl.
Bei einem absoluten Mehr von 87 Stimmen wurden Stefanie Huonker mit 149 Stimmen sowie Matthias Frick mit 106 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Der ehemalige Schulpräsident Urs Baumann erreichte zwar mit 87 Stimmen just das absolute Mehr, schied jedoch als überzählig aus dem Rennen aus. Dies ist umso erstaunlicher, als sein Bekanntheitsgrad in der Gemeinde hoch ist. Von einem noch höherer Bekanntheitsgrad scheint der ebenfalls kandidierende und klar gewählte Matthias Frick, Kantonsrat von der Alternativen Liste Schaffhausen, profitiert zu haben. Damit hält erstmals ein Vertreter der AL Einzug in eine Klettgauer Gemeindebehörde. Die bisherigen Gemeinderäte Therese Hauser und Hans Werner Külling wählten die Stimmberechtigten mit 153 beziehungsweise 108 Stimmen in den Trasadinger Gemeinderat.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2012 | Grossstadtratswahlen: SP verliert, AL, Juso und SVP legen zu

Schaffhauser Nachrichten

Von Robin Blanck

*Deutlich an Boden verliert die SP bei den Grossstadtratswahlen: Zwei Sitze gibt die SPab, SVP, AL und Juso gewinnenje ein Mandat.*

Bereits 2008 hat die SP bei den Grossstadtratswahlen fast 4 Prozent Stimmenanteil verloren, und auch diesmal muss die Partei einen vergleichbaren Verlust hinnehmen: Die SP verliert damit 2 Sitze und schickt noch 7 Vertreter in den Grossen Stadtrat. Im Gegenzug gewinnen AL und Juso je einen Sitz, was die Verluste für das linke Lager insgesamt auffängt.
Zu den Verlierern gehört – nach einem Erfolg vor vier Jahren – auch die städtische FDP: Sie büsst beim gestrigen Wahlgang rund 2,5 Prozent der Stimmen gegenüber 2008 ein und muss eines ihrer bisher 7 Mandate abtreten. Nutzniesserin dieses Rückgangs dürfte die SVP sein, die 2,3 Prozent mehr Stimmen erhält und mit einem zusätzlichen Sitz neu 8 Vertreter in den Rat schickt.

**Mitte als Mehrheitenbeschaffer**
Trotz dieser Verschiebungen haben die gestrigen Grossstadtratswahlen die politischen Machtverhältnisse nicht grundlegend verändert: Noch immer entscheiden die Stimmen der Mitteparteien, in welche Richtung es geht.

**Wenig Interesse an Wahlgang**
Der Wahlgang vermochte nicht zu motivieren: Nur gerade 46,1 Prozent der Stimmberechtigten nahmen teil. Zum Vergleich: Vor vier Jahren lag die Stimmbeteiligung bei den Grossstadtratswahlen bei fast 54 Prozent. Wie Stadtpräsident Thomas Feurer anlässlich der Bekanntgabe der Resultate erklärte, habe sich «eine gewisse Ermüdung» feststellen lassen. Man werde dieses Ergebnis noch genauer analysieren und zusammen mit den Parteien mögliche Massnahmen besprechen.


**Kommentar**

**Der Grosse Stadtrat bleibt gespalten**

Von Robin Blanck

Die Kräfteverhältnisse im Grossen Stadtrat wurden an diesem Wochenende nicht umgekrempelt: Linke und bürgerliche Kräfte halten sich nach wie vor in etwa die Waage. Mit je 17 Vertretern stehen sich die Lager gegenüber, der Grosse Stadtrat wird also weiterhin gespalten sein, und in besonders hart umkämpften Fragen werden die beiden Stimmen der CVP wie bis anhin entscheiden. Allerdings hat die Mitte in den vergangenen vier Jahren öfter mit der Ratslinken gestimmt, auch daran dürfte sich künftig kaum etwas ändern.
Die FDP hat gestern zwar nicht im gleichen Umfang an Stimmen verloren wie bei den letzten Kantonsratswahlen, dennoch droht sie zwischen der noch immer zulegenden SVP und den aufstrebenden Jungparteien aufgerieben zu werden. Ein Mittel gegen diesen fortschreitenden Niedergang hat die Partei noch immer nicht gefunden, aber langsam wird die Zeit für die nötige Rückbesinnung auf liberale Tugenden knapp: Nur noch zwei Sitze trennen den Freisinn inzwischen von der ÖBS oder der AL. Mehr Alarmzeichen geht nicht. Die AL hat zwar den erwarteten zusätzlichen Sitz im Rat erringen können, dennoch blieb die Linkspartei in der Stadt – wo sie das grösste Potenzial hat – hinter den Erwartungen zurück. Das gilt in noch viel stärkerem Masse für die SP, welche massiv Stimmen eingebüsst hat und als Verliererin aus diesen Grossstadtratswahlen hervorgeht: 4 Prozent Verlust in 4 Jahren in einem urbanen Zentrum wie Schaffhausen ist eine verheerende Bilanz. Es fehlt vor allem der politische Nachwuchs. Die Partei muss sich die Frage stellen, wieso sich die Jungen derart entschieden von ihr abwenden.


SP und FDP verlieren, SVP und AL legen zu

Von Robin Blanck

*Ein schwarzer Tag war der gestrige Sonntag für die SP, die über 4 Prozent Stimmen und 2 Sitze verliert: Weil Juso und AL je einen Sitz gewinnen, ändert sich an den Kräfteverhältnissen im Grossen Stadtrat aber nichts.*

«Der Erdrutsch ist ausgeblieben», sagte Stadtpräsident Thomas Feurer gestern kurz nach 18 Uhr zu den rund 100 Personen – Kandidatinnen und Kandidaten sowie Sympathi-santen –, die ins Park Casino gekommen waren. Tatsächlich hat sich wenig verändert, wenn man die politischen Demarkationslinien zugrunde legt: Das linke Spektrum, bestehend aus SP, AL und den neu mit einem Sitz im Grossen Stadtrat vertretenen Jungsozialisten (Juso), hält zusammen 12 Sitze, die Mitte (ÖBS, CVP, EVP) blieb ebenso stabil bei zusammen 7 Sitzen, und dann ist da noch der Block aus FDP, SVP, Jungfreisinn und EDU, der zusammen auf 17 Stimmen kommt. Das entspricht genau den bisherigen Kräftever- hältnissen, bei denen die Mitte meist das Zünglein an der Waage spielte und spielen wird.

**SP als Wahlverliererin**
Interessant ist aber, wie sich die Anteile zwischen den Parteien verschoben haben. Eiskalt erwischt hat es an diesem kalten Wochenende die SP, die als Wahlverliererin dasteht: Die Partei büsst 2 ihrer bisher 9 Sitze ein und fällt von einem Stimmenanteil von 25,36 (2008) auf 21,75 Prozent zurück. Neu für die SP in den Rat gewählt wurde der Gewerkschaftssekretär Osman Osmani. Parteipräsident Andres Bächtold machte gestern keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: «Es gibt nichts schönzureden: Wir haben relativ deutlich verloren», sagte er, «etwa gleich viel Stimmenanteile wie schon vor vier Jahren.» Erklären kann Bächtold, der bereits angekündigt hat, sein Amt als Präsident bei Gelegenheit zur Verfügung zu stellen, die Verluste nicht, «es gelingt der SP einfach nicht, die Jungen anzulocken», sagt Bächtold. Bei den Jungen Stimmen machen dafür andere: AL und Juso dürften mit ihren Erfolgen auch zu den Verlusten der SP beigetragen haben. Tröstlich für Bächtold: «Die Stimmen bleiben zumindest auf der linken Seite.»

**AL erreicht Fraktionsstärke**
Tatsächlich hat die Alternative Liste (AL), die in diesem Herbst mit Wahlerfolgen glänzte, auch an diesem Wochenende einen Sitz hinzugewonnen: Neu stellt sie 4 Mandate und hat damit Fraktionsstärke. Ebenfalls einen Sitz haben sich die Jungsozialisten geholt, die nun erstmals im Stadtparlament mitreden können. AL-Präsident Till Aders war mit dem Ausgang der Wahl zufrieden, «wir haben unser Ziel erreicht» – immerhin hat die Partei über 4 Prozent Stimmenanteil zugelegt. Trotzdem räumte Aders ein, aufgrund der Erfolge der letzten Monate sogar mit einem fünften Sitz geliebäugelt zu haben. Wie bereits angekündigt wird es bei der AL keine Doppelmandate geben, weshalb mehrere Gewählte (Susi Stühlinger, Till Aders) und mehrere Ersatzleute auf den Sitz verzichten: Zusammen mit den beiden Bisherigen Andi Kunz und Martin Jung werden neu Leonardo Pivetta und Bea Will die AL im Rat vertreten. Analog läuft es bei der Juso: Seraina Fürer, die bereits in den Kantonsrat gewählt wurde, verzichtet zugunsten von Patrik Simmler. «Der Kantonsratswahlkampf hatte sicher Einfluss auf diese Wahl, zudem waren wir auf der Strasse und mit einer Initiative präsent», erklärt Seraina Fürer (Juso) den Sitzgewinn.

**SVP gewinnt einen Sitz**
Zufriedene Gesichter gab es gestern bei der SVP, der Siegerin auf bürgerlicher Seite: Im Verbund mit der Jungen SVP gelang es ihr, einen weiteren Sitz zu erobern: Damit stellt die Partei neu 8 Ratsmitglieder, das entspricht 22,6 Prozent der Stimmen (+2,3 gegenüber 2008). Für die SVP neu dabei sind Mariano Fioretti, der kürzlich in den Stadtschulrat gewählt wurde, und Landwirt Hansueli Scheck. Auch Daniel Preisig und der parteilose Walter Hotz haben die Wahl geschafft.

**FDP büsst einen Sitz ein**
Die Gewinne der SVP entsprechen weitgehend den Verlusten, welche die FDP gestern zu verkraften hatte: Der Freisinn büsst eines seiner bisher sieben Mandate ein. Der Stimmenanteil der FDP ist von 18,72 (2008) auf 16 Prozent zurückgegangen. Damit ist Marcel Sonderegger, Präsident der Stadt-FDP, nicht zufrieden: «Ich bin davon ausgegangen, dass wir unsere Sitze halten können», sagt Sonderegger. Für Sonderegger ist das FDP-Ergebnis symptomatisch für die Abkehr von den traditionellen Parteien: «Neue Parteien haben den Vorteil, dass sie nicht staatstragend sind und entsprechend pointierter auftreten können.» Auf die Frage, ob er Parteipräsident bleibe, heisst es: «Kein Kommentar.» Während also dem Chef der Stadt-FDP der Sprung in den Grossen Stadtrat versagt bleibt, hat es dafür ein anderer geschafft: Nihat Tektas, Kantonalpräsident, der die Wahl in den Kantonsrat verpasst hat, nimmt künftig im Stadtparlament Einsitz. Auch das zweite neue FDP-Ratsmitglied hat schon für die FDP politisiert: Nicole Herren gehörte dem Rat früher schon an.

**Drei Schulratsmitglieder im Rat**
Die CVP konnte zwar ihre Sitze verteidigen, aber Gädi Distel musste ihren Sitz zugunsten von Schulrätin Nathalie Zumstein räumen. Neben Schulratspräsidentin Katrin Huber Ott und Mariano Fioretti ist Zumstein das dritte Schulbehördenmitglied, das im Grossen Stadtrat politisiert. Die CVP bildete vor Jahren mit der FDP eine Fraktion, hat aber schon vor längerer Zeit zur ÖBS/EVP-Fraktion gewechselt. Daran, so erste Aussage, wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

**Wenig Wechsel bei Kleinparteien**
Die ÖBS bleibt mit ihren 4 Sitzen personell unverändert, verliert aber gegen 1 Prozent Stimmen. Ähnlich das Bild bei der EVP, die nach wie vor mit Rainer Schmidig im Rat vertreten ist, und bei der EDU, die den Sitz von Beat Brunner verteidigen kann. Der Jungfreisinn bleibt bei 2 Mandaten, neu gewählt wurde nun auch Florian Hotz, der bereits in den Kantonsrat gewählt worden war.


**Stimmenanteile AL und SVP legen zu**

Am meisten Stimmenanteil eingebüsst hat die SP, die neu bei 21,75 Prozent liegt: 2004 erreichte sie noch 29 Prozent, 2008 noch 25,34 Prozent. Auch die FDP hat Stimmen verloren und steht jetzt bei 16 Prozent. Vor vier Jahren entfielen 18,7 Prozent auf die FDP, 2004 waren es noch 18,2 Prozent. Die CVP hat von 5,7 (2008) auf 4,6 Prozent leicht verloren. Zu früherer Stärke hat die SVP zurückgefunden: Vor vier Jahren musste die Partei einen Verlust von 2 Prozent hinnehmen, diesmal gewinnt sie etwas mehr als das hinzu und liegt wieder bei 22,6 Prozent – zusammen mit der Jungen SVP. Die ÖBS hat gegenüber den letzten Wahlen etwa 1 Prozent der Stimmen eingebüsst und verfügt nun über einen Anteil von 10,5 Prozent. Die AL hat am meisten Stimmenanteile zulegen können: Von 5 Prozent (2004) ging es auf 7 (2008), und jetzt erreicht man 11,4 Prozent. Die Juso erreichten auf Anhieb 2,4 Prozent. Kleinere Veränderungen gegenüber den letzten Wahlen gab es bei der EVP: 2,45 Prozent (–0,8), der EDU: 3,77 Prozent (+0,5), und dem Jungfreisinn: 4,41 Prozent (–0,3). (rob)


**Der neue Grosse Stadtrat**

**SP**
Katrin Huber Ott
4606 Stimmen
Christa Flückiger
4499 Stimmen
Peter Möller
4337 Stimmen
Urs Tanner
4328 Stimmen
Urs Fürer
4025 Stimmen
Daniel Schlatter
3821 Stimmen
Osman Osmani
3733 Stimmen

**FDP**
Thomas Hauser
3314 Stimmen
Nihat Tektas
3061 Stimmen
Martin Egger
3004 Stimmen
Katrin Hauser-Lauber
2938 Stimmen
Nicole Herren
2854 Stimmen
Dieter Amsler
2767 Stimmen

**SVP + JSVP**
Daniel Preisig
2569 Stimmen
Hermann Schlatter
2508 Stimmen
Edgar Zehnder
2394 Stimmen
Alfred Tappolet
2190 Stimmen
Hansueli Scheck
2011 Stimmen
Walter Hotz
2489 Stimmen
Cornelia Stamm Hurter
2341 Stimmen
Mariano Fioretti
2139 Stimmen

**ALSH**
Bea Will
1034 Stimmen
Andi Kunz
2657 Stimmen
Martin Jung
1919 Stimmen
Leonardo Pivetta
1615 Stimmen

**JFSH**
Till Hardmeier
1185 Stimmen
Florian Hotz
1166 Stimmen

**JUSOplus**
Patrik Simmler
592 Stimmen

**EVP**
Rainer Schmidig
1310 Stimmen

**CVP**
Nathalie Zumstein
1121 Stimmen
Theresia Derksen
1416 Stimmen

**EDU**
Beat Brunner
987 Stimmen

**ÖBS**
Martin Roost
3228 Stimmen
Iren Eichenberger
2867 Stimmen
Georg Merz
2159 Stimmen
Katrin Bernath
2499 Stimmen


**Das sind die (provisorisch) Abgewählten**

*Mehrere Personen haben die Wiederwahl nicht geschafft. Die eine oder andere dürfte aber noch nachrücken.*

Von Zeno Geisseler

Zwei, drei, vier oder fünf Bisherige haben die Wiederwahl in den Grossen Stadtrat verpasst. Es kommt ein wenig drauf an, wie man zählt. Offiziell wurden fünf derzeitige Mitglieder des Parlaments, die wieder angetreten waren, nicht wiedergewählt: Dieter Amsler (FDP), Gädi Distel (CVP), Res Hauser (JF), Werner Schöni (SVP) und Simon Stocker (AL). Stocker war allerdings vor einem Monat in die Stadtregierung gewählt worden, er stand somit gar nicht mehr als Kandidat zur Verfügung. Sein Name war nur noch auf der AL-Liste eingetragen, weil die Listen bereits vor den Stadtratswahlen eingereicht werden mussten. In Stockers Fall von einer Abwahl zu sprechen, wäre also rein technisch richtig, aber dennoch nicht korrekt.
Bleiben noch vier Abgewählte. FDP-Mann Amsler wurde abgewählt, weil Raphaël Rohner noch 23 Stimmen mehr holte. Doch auch Rohner ist in die Stadtregierung gewählt worden und wird somit seinen Sitz im Parlament gar nicht antreten können. De facto ist also Amsler gewählt. Bleiben noch drei Abgewählte. Etwas unsicher ist die Situation bei den Jungfreisinnigen. Florian Hotz hat den Bisherigen Res Hauser verdrängt, allerdings ist noch nicht klar, ob Hotz, der bereits im Kantonsrat sitzt, auch das städtische Mandat übernehmen wird. Hauser könnte also nachrücken, wir zählen ihn vorerst aber als abgewählt. Keine Zweifel gibt es hingegen bei CVP-Frau Distel und SVP-Mann Schöni. Sie werden kaum nachrücken können. Schöni liegt nur auf dem zweiten Ersatzplatz, es müssten also gleich zwei Parteikollegen vor ihm verzichten, ein Gewählter und der erste Ersatzmann, Markus Leu. Bei der CVP ist Distel zwar auf den ersten Ersatzplatz gekommen, doch es ist nicht anzunehmen, dass die beiden gewählten Kandidatin- nen Theresia Derksen und Nathalie Zumstein verzichten werden.

#Notizen zu Namen

23. Oktober 2012 | «Das meiste schreibt sich von selber»

Steiner Anzeiger
Mark Schiesser

Über 30 Jahre arbeitete er in einer kleinen Lampenfabrik in Niederbipp, seinem Heimatdorf, und verzichtete der Familie zuliebe auf jede literarische Betätigung. Erst in seinem 54. Lebensjahr entschloss sich Gerhard Meier (1917-2008) zu tun, wovon er schon immer geträumt hatte: zu schreiben.
In rascher Folge entstand ein umfangreiches Werk des stillen Poeten und eines der bedeutendsten Schweizer Gegenwartsautoren, wobei sein Rang erst nach und nach erkannt wurde. Seinen Roman «Land der Winde» aus der Amrainer Tetralogie hat auch der Sammlungsund Ausstellungskurator des Schweizerischen Landesmuseums Zürich und Sohn des legendären Steiner Stadtpräsidenten Konrad Graf (1953-1964) mehrfach gelesen. Er hat ihn mitunter zur Herausgabe seines Buches inspiriert.

**Nicht ans Publizieren gedacht**
«Land der Dinge» ist ein Buch, das in erster Linie aus Freude entstanden ist. «Ich habe einfach geschrieben und nicht ans Publizieren gedacht», erzählt Felix Graf an seinem Arbeitsort, dem Zürcher Landesmuseum, dessen Sammlungszentrum im Auftrag des Bundes unter über 850000 Objekten der Kulturhistorischen Sammlung rund 400 beherbergt, die einen direkten Bezug zu Stein am Rhein aufweisen.
Einen neuen indirekten Bezug schafft das Buch von Felix Graf, nach Jahreszeiten geordnet und sehr persönlich die Kindheit in den Fünfziger- und Sechzigerjahren reflektierend. Die Verbindung mit dem Thematischen macht den Reiz des Stoffes aus und wird zum Lesespass, weil man auch die Bereitschaft des Autors zum Loslassen spürt.
(…) Ich habe noch nie ein Sonett geschrieben. Weder ein portugiesisches noch ein deutsches. Schon gar nicht ein schweizerdeutsches. Die intensive Beschäftigung mit dem Portugiesischen und der Blick aus dem Zug auf die Flusslandschaft inspirieren dazu. Zusammen mit der Zweckfreiheit. Musse, *otium*, heisst das produktive Zauberwort (…). Der wiederaufgenommene Jassabend mit den Steiner Schulkollegen, damals im alten Schifferhaus oberhalb des Espi, heute im Hotel Schiff, widerspiegelt locker und subjektiv die Atmosphäre und beschreibt gleichzeitig wissenschaftlich sorgfältig die Kulturgeschichte des Schweizer Nationalsportes, des Jassens.
Der Autor Felix Graf erzählt von der «crônica», einer der beliebtesten Textformen in Portugal und Brasilien, von denen viele gute später in Buchform erschienen sind. «Ich habe viele davon gelesen.» Vor eineinhalb Jahren, nach einer schweren Lungenentzündung, hat er sich entschlossen, diese während eines Ferienaufenthaltes mit «Sprachkur» in Südportugal auszukurieren». Am Atlantik, am Strand von Faro entstanden die Texte in portugiesischer Sprache (…) Portugiesisch als Schlüssel zum Latein. Unbeabsichtigt. Und Portugiesisch als Fenster zur Welt. Das mit Absicht (…) Zurück in der Schweiz, experimentiert er mit diaristischer Kurzprosa, mit prägnanten Notizen. «Ich habe mir gesagt, ich probier’s einfach auf Deutsch. Es funktionierte, und seither schreibe ich einfach.»
Auf der einen Seite gehört das Gebrauchstagebuch als berufsbezogenes Arbeitsinstrument und gedankliches Skizzenbuch seit 30 Jahren zum Alltag von Felix Graf. «Ich schreibe seit Portugal zusätzlich auch ein literarisches Tagebuch, wo ausgefeilte Texte entstehen.» Beim Schreiben für die Rubrik «Dinge im Museum», welche regelmässig im «Tagblatt der Stadt Zürich» erscheint, liefert ein Ölbild des Zürcher Malers Varlin im Museum zu Allerheiligen die Idee für den Einstieg und, irgendwann in der Badewanne, nach dem Lesen von Gerhard Meiers «Land der Winde» entsteht der Buchtitel: So wurde aus «Land der Winde» ein «Land der Dinge» mit dem Regenschirm als Teil der Person, als verselbständigter Körperteil. «Der Regenschirm wirkt wie ein Porträt; er lebt, er lacht, er tanzt …»

**Den Schriftsteller aktiviert**
Und der Inhalt des Buches? Anders als eine Auftragsarbeit, meint Graf, schreibe es sich von selber. «Ich liege in der Sauna, sitze auf einer Bank am Rhein, und so entstehen Texte und Gedichte, quasi als eine Befreiung.» Und nach einer Operation, postoperativen Beschwerden und einem sechswöchigen Arbeitsausfall und nach vielem Nachdenken habe sich dies als ideal erwiesen. Der Spitalaufenthalt und das «Auf-der-Kippe-Sein» hätten es ausgelöst und die Begegnung mit der portugiesischen Sprache den Poeten in ihm geweckt. «Schlussendlich hat das Flachliegen den Schriftsteller aktiviert.»
«Ich kann mich hinsetzen, und es entsteht ein Text», erklärt Felix Graf.und kommt ins Schwärmen. Das Gebrauchstagebuch führe er nebenbei selbstverständlich weiter. «Am liebsten würde ich jedes Jahr ein Buch schreiben», fügt er hinzu, denn er habe ja als einer von 16 Kuratoren im Landesmuseum eine wunderbare Arbeit und einen Schopf am See in Mammern als Rückzugsgebiet. Wegen der immer wiederkehrenden Schmerzen kommen wir über seine Physiotherapeutin mit Glarner Wurzeln auf den Autor Tim Krohn zu sprechen. Und die Schmerzen sind schon wieder vergessen.
Krohn, ein deutscher, in Glarus aufgewachsener Autor – der in astreinem Glarnerdeutsch in «Vrenelisgärtli» die Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte erzählt, «(…) das Vreneli chräsmete meist über das Bödeli und schnäderete in tuusigs erfundenen Sprachen mit jedem Stein und Blüemli und Chäferli und hatte allen viel zu verzellen (…)» –, war auch für ihn eine Offenbarung. So ist aus lauter Angst vor der um den Körper kreisenden Röntgenröhre ein Gedicht über die Insel Werd entstanden. Oder ein Sonett über den Rhein in Portugiesisch. «Drei Tage bevor ich den Text in die Druckerei schicken musste, ist mir eine Übersetzung in Steiner Mundart gelungen», die ebenfalls im Buch erscheint. Gedacht übrigens in erster Linie für seinen Freundeskreis als persönliches Geschenk.
«Mein Zielpublikum ist aber auch der Bekanntenkreis. Und der ist riesig», ist sich Felix Graf bewusst. «Es muss dir aber erst etwas wehtun, dann werden Ressourcen angezapft, von denen man nichts weiss. Sonst kommt man nicht auf die Idee, ein Buch zu schreiben.» Ein Buch, in dem die Lebensmittelpunkte an Untersee und Rhein, die Standorte des Schweizerischen Landesmuseums sowie die portugiesische Welt im Zentrum stehen. Und ein Buch für einen lustigen Mix von Leuten, die sich dafür interessieren könnten und bestimmt auch werden.


*Die Buchvernissage mit Lesung und Apero findet im Rahmen des Winterprogramms der Volkshochschule Stein am Rhein am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr im Windler-Saal statt.*


«Land der Dinge»
Felix Graf
stamm+co. AG,
Schleitheim,
2012,
Fr. 24.-


Felix Graf, geboren 11. Juni 1955, aus Stein am Rhein, Gräzist und Althistoriker, arbeitet seit 22 Jahren im Schweizerischen Nationalmuseum. Unter anderem als Wissenschaftlicher Bibliothekar, Ausstellungskurator, Lehrbeauftragter, Leiter des Museums Bärengasse, interimistischer operativer Leiter der Landesmuseums Zürich und Kurator für alte Drucke. Er publiziert Zeitungs- und Fachartikel, schreibt portugiesische und deutsche Gedichte und führt seit 30 Jahren Tagebuch.


**Crônica**
Die «crônica» ist eine literarische Gattung, die sich in Brasilien seit über 150 Jahren grosser Beliebtheit erfreut. Im Laufe dieser Zeit hat sie eine Formenvielfalt angenommen, die es Literaturwissenschaftlem schwer macht, sie noch klar zu definieren oder auch nur einzugrenzen. In der Regel sind «crônicas» subjektive, oft autobiografisch gefärbte Texte, eher locker dahingeschrieben und bisweilen auch recht amüsant. Sie dürfen sich der Ironie bedienen, zu polemischen Mitteln greifen, Politikern in die Suppe spucken oder auch nur einfach die Herzen der Leser anrühren. (Sr.)



Felix Graf hat aus Freude mit dem Schreiben angefangen.



Schöne Erinnerungen: Der Kunstmaler Christian Schmidt aus Zürich importierte ab 1885 Keimsche Mineralfarben f’ür die Schweiz. Diese zeugen an der Fassade und im Entrée des Landesmuseums Zürich (Bild mit Felix Graf), am Steiner Rathaus und am «Pelikan» von deren Nachhaltigkeit.

Bild Mark Schiesser

#Aktivitas

21. Oktober 2012 | Flyer Quartalsprogramm Herbst

Flyer und Plakate mit dem Herbstprogramm werden ab morgen an der Kanti im Umlauf sein.

qp_12_4_bergsteigen_banner_klein.pdf

#Notizen zu Namen

18. Oktober 2012 | Daniel Meyer (SP) kandidiert für den Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
SP Hallau

Die SP Hallau hat anlässlich ihrer Mitgliederversammlung Daniel Meyer (27) einstimmig als Kandidat für die Gemeinderatswahlen Hallau vom 28. Oktober 2012 nominiert. Die SP Hallau freut sich, mit Daniel Meyer den Hallauerinnen und Hallauern einen engagierten und kompetenten Kandidaten zur Wahl vorzuschlagen.
Daniel Meyer ist seit mehreren Jahren Mitglied der SP Hallau und hat unter anderem den Kantonsratswahlkampf im Bezirk Klettgau für die SP geleitet. Aus der Medienmitteilung geht hervor, dass das ausgeprägte Organisationstalent, die Führungskompetenz sowie sein unermüdlicher Einsatz in allen Tätigkeitsgebieten für die SP Hallau ausschlaggebend gewesen seien, Daniel Meyer als neuen Gemeinderat in Hallau vorzuschlagen. Die SP Hallau empfehle zudem alle bisherigen Mitglieder der Schulbehörde (Dominik Pongracz, Ruth Neukomm, Peter Schöttli) sowie der Rechnungsprüfungskommission (Andrea Bringolf, Fritz Friedli, Christian Näf) zur Wiederwahl.

**Motiviert und viel Tatendrang**
Die Motivation von Daniel Meyer, für die Gemeinderat zu kandidieren, gründe auf einer Mischung von Tatendrang, Neugierde und politischem Interesse. Dabei sei ihm bewusst, dass die Mitgliedschaft in einer Exekutivbehörde viel Verantwortung und eine hohe Arbeitslast mit sich bringe. Doch stelle das Amt auch eine gute Chance dar, mit anzupacken und Hallau weiterzubringen. Aufgewachsen in Wilchingen, sei er seit drei Jahren Mitglied der SP Hallau. Als Ingenieur sei ihm das Lösen von Problemen nicht fremd. Beruflich beschäftige er sich mit dem Unterhalt von Personenzügen der SBB. Jeweils in den Semesterferien während des Maschinenbaustudiums habe er bei bei Fritz Meier AG auf dem Bau gearbeitet. Als Hauptmann im Stab eines Bataillons fühle er sich gut gewappnet, Mitglied in einem verantwortungsvollen Gremium zu werden.

#Notizen zu Namen

17. Oktober 2012 | Matthias Frick (AL) kandidiert für den Gemeinderat

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
(r.)

Bei der Wiederbesetzung der Vakanz im Gemeinderat von Trasadingen kommt es zu einer Kampfwahl. Wie die Alternative Liste Schaffhausen (AL) gestern bekannt gab, tritt nämlich der Klettgauer Kantonsrat Matthias Frick bei den Gemeinderatswahlen vom 28. Oktober 2012 in Trasadingen an. Dies, nachdem bereits die Kandidatur des parteilosen Urs Baumann bekannt gegeben wurde.
Mit Matthias Frick schickt die AL eines seiner aktivsten und erfahrensten Mitglieder mit intakten Wahlchancen in den Wahlkampf. Matthias Frick ist angehender Historiker und arbeitet derzeit im Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen. Er ist in Trasadingen aufgewachsen und mit seiner Heimatgemeinde eng verbunden. Er weiss, wo in der Gemeinde der Schuh drückt und welches die Herausforderungen sind, die das Dorf gegenwärtig beschäftigen. Als Kantonsrat verfügt Matthias Frick über die erforderlichen politischen Erfahrungen, um das angestrebte Amt auszufüllen und ihm neuen Schwung zu verleihen. Zudem engagiert er sich bereits heute in der Regionalkonferenz Südranden als Vertreter von Trasadingen.
Matthias Frick ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste Schaffhausen und hat mit mehreren Vorstössen im Kantonsrat, durch seine Mitarbeit in verschiedenen Spezialkommissionen und auch als Kampagnenleiter bei der Prämienverbilligung und der Reichtumssteuer-Initiative unter Beweis gestellt, dass er nicht nur überzeugende Ideen, sondern vor allem auch Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen besitzt, um seine Umwelt mitzugestalten.

#Aktivitas

15. Oktober 2012 | Neue Umfrage!

Die neue Umfrage findet ihr auf der Startseite rechts unten oder [hier!](https://scaphusia.ch/umfragen/2012/10/10/bier-besteht-aus/)

#Notizen zu Namen

15. Oktober 2012 | Politik, eine Familienangelegenheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wenige mächtige Familien «ratsfähig» waren und damit überhaupt Zugang zur politischen Macht hatten. Die hart erkämpften demokratischen Strukturen ermöglichen es heute, dass die Mitbestimmung auf viele, von den Stimmberechtigten gewählte Schultern verteilt wird.

**Zweimal FDP, einmal Jungfreisinn**
Aber natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Stimmberechtigten einzelnen Familien mehr Einfluss einräumen: In der Stadt Schaffhausen etwa hat derzeit keine andere Familie so viel politische Mitbestimmung wie die Familie Hauser. Mit Vater Thomas Hauser und Mutter Katrin Hauser hält die Familie zwei Sitze im Grossen Stadtrat für die FDP. Der 25-jährige Sohn Res Hauser ist nach einem Rücktritt ebenfalls in den Grossen Stadtrat nachgerückt, allerdings für den Jungfreisinn. Das heisst: Zumindest auf dem Papier vereinigt die Familie ein Zwölftel oder 8,3 Prozent der Stimmen des Grossen Stadtrates – nicht eingerechnet ist das Kantonsratsmandat, das Vater Thomas auch in der kommenden Legislatur innehat. Weil Res Hauser aber Mitglied der bürgerlich-liberalen Fraktion ist und damit nicht in derselben Fraktion wie die Eltern sitzt, wird nicht immer gleich abgestimmt. «Es gibt schon viele Diskussionen, aber wir respektieren die Meinung der anderen – das ist für mich die Hauptsache», sagt Katrin Hauser-Lauber. Zudem bleibe man bei solchen Debatten nicht stur, «diese Gespräche erweitern den Horizont», sagt die dreifache Mutter. Wenn es um Grundsatzfragen geht, dann wird auch mal länger diskutiert, und oft wird dabei auch mit dem Ursprung der FDP als liberaler Kraft argumentiert: «Da kann es schon sein, dass ich zugunsten der Partei vielleicht etwas zurückhaltender bin», sagt Hauser-Lauber und betont, «aber bei Themen, die mir am Herzen liegen, gebe ich nicht nach.» So etwa bei der Rhybadi-Vorlage, welche sie und der Sohn ablehnten, der Vater aber unterstützte. Zuweilen nehmen die politischen Debatten auch zu viel Platz ein, «da müssen wir manchmal die Politik einfach beiseitelegen», sagt Hauser-Lauber. Die Politisierung der Jungen (auch die Tochter hat für den Kantonsrat kandidiert) hat über die Gespräche der Eltern stattgefunden, klassisch, beim Mittagessen. Dass Vater, Mutter und Sohn im Stadtparlament sitzen, wurde miteinander schon öfter diskutiert, als problematisch wurde diese Situation aber nicht eingeschätzt. Und: Ja, man wähle sich gegenseitig, «wir wählen alle, die wir mögen und für fähig halten – dazu gehört halt auch die Familie.»

**SP und zweimal Juso**
Einen ganz ähnlichen Einfluss dürfte das Elternhaus auch bei der Familie Fürer gehabt haben: An den Abstimmungssonntagen durften die Kinder Seraina (22) und Casimir (18) zu Hause keinen Lärm machen, denn die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde am Radio mitverfolgt. An diesen Umstand haben sich aber nicht etwa die Eltern erinnert, die der Meinung waren, dass politische Debatten nicht besonders oft stattgefunden hätten, sondern die Kinder: «Das mit dem ruhig sein, haben sie uns kürzlich erzählt, als wir auf die Politisierung zu sprechen kamen», erinnert sich Vater Urs Fürer, der bereits für die SP im Grossen Stadtrat sitzt und erneut kandidiert. Gleichzeitig treten diesmal aber auch seine beiden Kinder an, dies allerdings auf der Liste der Jungsozialisten. Tochter Seraina sogar auf dem 1. Listenplatz; aber weil sie bereits für die kommenden vier Jahre in den Kantonsrat gewählt wurde, würde sie die Wahl aus zeitlichen Gründen nicht annehmen. Denn zu tun hat die Studentin genug, immerhin sitzt sie in der Geschäftsleitung der Juso Schweiz. Für Politik zu interessieren begann sich die Tochter noch bevor die Eltern aktiv politisierten, «ich erinnere mich noch, wie sie mit vierzehn Jahren zwei Tragtaschen voller Ordner heimbrachte und sagte: Ich bin Präsidentin der Juso.» Zuerst hat er ihr davon abgeraten, «doch sie hat sich nicht abbringen lassen. Mit drei Mitgliedern hat sie angefangen und die Partei wieder hochgebracht», sagt der Vater nicht ohne Stolz. Über die Schwester sei dann auch der jüngere Bruder in Kontakt mit der Politik gekommen und konnte sich dafür begeistern, er rangiert auf dem dritten Listenplatz. Obwohl die Juso letztlich für die SP bei den Wählern durchaus zur Konkurrenz werden könnten, sieht Urs Fürer die Situation gelassen: Egal, ob SP, Juso oder AL, politisch finde man sich. Fürer: «Ich bin einfach froh, dass meine Kinder nicht beim Jungfreisinn oder bei der Jungen SVP sind, denn damit hätte ich schon Mühe.»


**Familienangelegenheit Eine kleine SN-Wahlserie**

Am 28. Oktober wählen die Stimmberechtigten der Stadt Schaffhausen den Grossen Stadtrat für die kommenden vier Jahre. Unter den 209 für die 36 Sitze Antretenden finden sich auffällig viele Kandidatinnen und Kandidaten, die jeweils miteinander verwandt sind. Das haben die SN zum Anlass genommen, in einer kleinen Serie vor den Wahlen verschiedene Politikerfamilien der Stadt vorzustellen. Den Auftakt machen wir heute mit den beiden Familien Hauser und Fürer, die bereits mehrere politische Ämter halten. (rob)



Liberalem Gedankengut verpflichtet: Während Vater Thomas und Mutter Katrin Hauser der FDP angehören, politisiert Sohn Res für den Jungfreisinn.
Bild Simon Brühlmann

#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Kantifest

Schaffhauser Nachrichten, Region
(brr)

«Heisse Rhythmen jagten vor Wochenfrist durch die ehrwürdigen Räume der Schaffhauser Kantonsschule» – so heisst es zu Beginn einer Beilage der SN vom Montag, 8. Oktober 1962, zum damaligen Kantifest. Gegen 1200 Teilnehmer seien von der Feier «bezaubert» gewesen. Zum Vergleich: 2012 wurden 3500 Leute erwartet. Die Idee war aber schon damals die gleiche, denn die Schülerinnen und Schüler hatten das Innere des Altbaus (der Neubau entstand erst 1967) mit «einem beispiellosen Aufwand an Ideen und Arbeit» dekoriert: «Stockwerk für Stockwerk, Raum für Raum bildete eine Sehenswürdigkeit für sich.» Wie heuer war 1962 um 2 Uhr nachts das Fest zu Ende. Damals schloss Rektor Albert Wüscher, der ein «unauffälliges und verständnisvolles Regime» geführt habe, «mit grosser Autorität die Pforten seiner Alma Mater». In einem Punkt unterschied sich die Veranstaltung aber zu der diesjährigen: Wie im Artikel beschrieben, waren am nächsten Tag alle Burschen und Mädchen um 8 Uhr wieder zur Stelle, um abzuräumen. Beim Fest vor knapp drei Wochen hingegen wurden am Samstag nur grobe Aufräumarbeiten im und um das Haus getätigt – die grossen Abbauarbeiten fanden erst nach dem erholsamen Wochenende am Montag statt.


#Allgemeines

10. Oktober 2012 | Minderjährige erhalten Alkohol

Schaffhauser Nachrichten, Inland
(sda)

Minderjährige ab 16 Jahren dürfen in Freiburger Gaststätten weiterhin Bier und Wein konsumieren. Das Kantonsparlament hat das von der Regierung vorgeschlagene Verbot gestern abgelehnt und sich mit 86 zu 14 Stimmen bei 3 Enthaltungen für die geltende Regelung entschieden. Jugendlichen unter 18 Jahren ist also nur der Schnapskonsum untersagt.
Der Staatsrat wollte das Verbot im revidierten Gesetz über die öffentlichen Gaststätten ausdehnen, weil der Alkoholkonsum unter Jugendlichen beunruhigende Ausmasse annehme. Die grosse Mehrheit des Parlaments befand, Junge fänden sonst andere Wege, um sich mit Alkohol zu versorgen.

#Notizen zu Namen

9. Oktober 2012 | Pfadihütte kurz vor dem Richtfest

Schaffhauser Nachrichten, Reiat
Andreas Schiendorfer

Das Kesslerloch in Thayngen braucht man kaum einem Schaffhauser mehr vorzustellen. Hier konnte man vor Urzeiten Rentiere und Wollnashörner jagen, hier bellte einst der älteste Hund der Welt, fast so wild noch wie seine Wolfsmutter. Ein bisschen sieht man sich heute an diese Zeiten zurückerinnert. Nicht nur, weil die Gemeinde alles unternimmt, um die archäologische Fundstätte zu schützen, sondern auch, weil sich ganz in der Nähe, im Wippelwald, wegen der Erneuerung der Pfadihütte immer wieder der Luchs – so der Pfadername von Ruedi Gusset, dem Präsidenten der Thaynger Altpfader – gesichtet wird. Hinzu kommt sogar ein Mammut (alias Peter Uehlinger, Mitglied der Projektleitung). Worum es dabei geht, pfeift der Spatz (Abteilungsleiter Severin Hafner) zufrieden von allen Dächern, doch die Idee dazu ging nicht von den Aktiven aus, sondern stellt quasi – in der Pfadisprache Quaxi (Jacqueline Ehrat, Präsidentin des Elternrats) – ein Geschenk der Eltern und der Altpfader dar.

**60 Helfer**
Man könnte die wundersame Namensliste fast beliebig erweitern, wie Bauleiter Adrian Ehrat freudig erklärt. Gut und gerne 60 freiwillige Helfer hätten sich nämlich seit Ende August für den Bau der neuen Pfadihütte im Wippel eingesetzt, das heisst, beim Abbruch eines Teils des alten Gebäudes mitgeholfen. Ein Augenschein an einem nicht besonders freundlichen Ferienmorgen bestätigt es: Zwei Pfader mit ihren Vätern sind daran, den Kamin zu zertrümmern, und auch die ganze Projektleitung ist vor Ort, diskutiert über den Baufortgang und führt den Schutt in die Deponie hinter dem Berg. «Wir sind ziemlich genau im Zeitplan», berichtet Ehrat. «Am 12. März erhielten wir die Baubewilligung, Ende August ging es los, und nun sind wir bereits daran, die Aufrichte zu planen. Nächsten Frühling können wir die neue Pfadihütte einweihen.» «Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz, welche unser Projekt in Thayngen und auch in den Nachbardörfern ausgelöst hat», führt Peter Uehlinger aus. «Ein richtiger Solidaritätsruck ist durch die Gemeinde gegangen. Das ist für uns genauso wichtig wie der Bau an und für sich. Die Bevölkerung weiss es zu schätzen, wie sich die Pfadfinder, ihre Eltern und die Altpfader engagieren. Und wir erhalten nicht nur schöne Worte, viele Gewerbler unterstützen uns auch mit Material und Esswaren, schicken gratis einen Lehrling vorbei und verrechnen für ihre Arbeit nur den Selbstkostenpreis.»

**Finanzierung auf Kurs**
Dann bereitet also die Finanzierung des 400 000 Franken kostenden Projekts bereits keine Sorgen mehr? Finanzchef Ruedi Gusset schaut erstaunt auf. «So schnell geht das selbst bei den Pfadern nicht», meint er vorsichtig. «Wir sind auf Kurs, aber es ist schwierig, die Materialspenden und Eigenleistungen zu bilanzieren. Spenden sind bereits ansehnliche eingegangen. Doch in unserer Kasse ist noch viel Platz.» Das Minimalziel ist es, den Finanzierungsfehlbetrag auf 100 000 Franken zu drücken. «Den Zins und eine gewisse Amortisationssumme könnten die aktiven Pfadfinder sicher verkraften», meint Uehlinger. Doch Gusset sieht das anders. «Mein Ziel ist eine rote Null. Oder eine schwarze, wenn Sie dies lieber haben.» Das Vermieten der Pfadihütte könnte zusätzliche Einnahmen bringen, aber das ist nicht vorgesehen. «Wir haben früher nicht nur gute Erfahrungen damit gemacht», meint Adrian Ehrat. «Und vor allem soll die Hütte an den Wochenenden unseren eigenen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Mit der vereinseigenen Wiese ist der Wippel ein idealer Ort für die Pfadis.»

**Zusammenhalt**
Der Bau der alten Pfadihütte hatte vor 60 Jahren bei der Thaynger Abteilung einen Anstieg von zuerst 20 auf nicht weniger als 127 Pfadfinder zur Folge. «Wenn das eintritt, müssen wir die Hütte nochmals vergrössern», meint Severin Hafner lachend. «Aber wir sind froh, dass wir den Standort Silberberg aufgeben können und bald wieder eine gemeinsame Hütte haben. Das wird den Zusammenhalt der Pfadis aller Altersstufen stärken. Und natürlich sind wir überzeugt, dass wir so für Neumitglieder noch attraktiver sind.»



Beim Um- und Neubau der Pfadihütte im Wippel naht das Richtfest. Der Anblick zeigt, dass hier umfassend erneuert wird.



Nichts ist den freiwilligen Helfern zu schwer (von links): Adrian Ehrat, Peter Uehlinger und Ruedi Gusset.
Bilder Andreas Schiendorfer

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Wie Wein wundersam wirken kann

Schaffhauser Nachrichten, Service
(mha.)

Die Feststellung, Wein sei das gesündeste und hygienischste Getränk, stammt vom französischen Bakteriologen Louis Pasteur. Bei seinen wissenschaftlichen Studien hatte er herausgefunden, dass mit Bakterien verseuchtes Wasser. durch Zusatz von Wein wieder trinkbar gemacht werden konnte.
Tatsächlich ist vergorener Traubensaft vermutlich das älteste Antibiotikum der Menschheitsgeschichte. Allerdings ist es nicht allein der im Wein enthaltene Alkohol, welcher den Kleinstlebewesen den Garaus macht. Um gegen Bakterien wirksam zu sein, müsste der Alkohol eine Konzentration von mindestens 70 Prozent aufweisen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, ist es das Zusammenspiel der verschiedenen im Wein enthaltenen Stoffe, welche antibiotisch wirken. Selbst in einer Verdünnung von 1:100 kann Wein dazu beitragen, dass das Wachstum von Staphylokokken (eitererzeugende Bakterien) gehemmt wird.
Die prophylaktische Wirkung des Weins, insbesondere bei Darmerkrankungen wie Ruhr und Cholera, war schon in der Antike bekannt. Vor allem in südländischen Armeen gehörte Wein stets zur Grundversorgung der Soldaten. So blieben beispielsweise italienische Truppen während des Ersten Weltkriegs dank einer täglichen Rotweinration weitgehend von diesen Krankheiten verschont, während in deutschen und in englische Einheiten Ruhr und Cholera relativ häufig auftraten.
Noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand Wein als Heilmittel an der Spitze aller ärztlichen Verordnungen. Rotwein half bei Durchfallerkrankungen und allgemeiner Rekonvaleszenz, Weisswein regte die Nierenfunktion an, Champagner half bei Übelkeit und grippalen Infekten, Portwein kam bei akutem Fieber und bei Anämie zur Anwendung. Kein Wunder, verfügten praktisch alle Krankenhäuser der damaligen Zeit über einen grosszügigen Weinkeller. Das zeigt beispielsweise auch der Weinverbrauch im ElisabethHospital in Darmstadt im Jahre 1871. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurden 755 Patienten folgende Mengen an Rebensaft verordnet: 6233 Flaschen Rotwein, 4633 Flaschen Weisswein, 60 Flaschen Champagner und 350 Flaschen Portwein. Es ist durchaus anzunehmen, dass einige Patienten in dieser stets voll besetzten Klinik fast ständig «benebelt» waren. Allerdings wusste schon der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe: «Im Wein liegen gute und produktiv machende Kräfte. Aber es kommt beim Weintrinken stets auf die Zustände, die Zeit und die Stunde an. Und was dem einen nützet, schadet dem anderen.»

#Allgemeines

3. Oktober 2012 | Ellikern bleibt die Zukunft noch zu vage

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
(M.G.)

Am 8. Oktober beginnen die Bauarbeiten für die zweite Etappe im Rahmen der Renaturierungen am Rhein und der Aufwertung der Auenlandschaft um die Thurauen. Dabei sind bauliche Eingriffe im Elliker Feld und in der Schöni geplant. Besonders nah geht diese zweite Etappe der Bevölkerung von Ellikon am Rhein, noch bevor der erste Bagger aufgefahren ist. Spätestens die unangekündigte Rodung einiger Pappeln auf dem Schönidamm im Elliker Feld unterhalb des Dorfes machte für viele nach der Mückenplage vom Sommer das Mass voll: Viele der 100 Elliker Einwohner wollten ihrem Frust Luft machen. Unter anderem in Form eines Briefes an Bundesrätin Leuthard (Uvek), den Kanton und die Axpo. Und jüngst kamen rund 40 Elliker zum eilig einberufenen Informationsanlass, an dem Walter Meier, Delegierter des Regierungsrates, ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen der Elliker Bevölkerung und den Projektverantwortlichen registrierte. Zum Bröckeln dieses Verhältnisses hatten verschiedene Punkte geführt:

**1. Die Mückenplage**
Bereits im April 2010 war der betroffenen Bevölkerung versprochen worden, die Mückenanzahl zu überwachen. Es war offenkundig, dass ein (notwendiger) Eingriff verpasst wurde, nachdem im Juni 2012 der Rheinpegel auf 800 m³/s angestiegen war und ideale Bedingungen für die Mückenlarven schuf: Die Plage nahm im Juni/Juli 2012 Ausmasse an, die ans Hochwasser von 1999 erinnerten. Dr. Peter Lüthy, Fachmann für Stechmücken, führte die Plage auf den alten Thurlauf im Hinterland sowie den erhöhten Grundwasserpegel zurück und rechnete vor, dass die Plage den Gaststätten im Dorf Einbussen von rund 10 000 Franken bescherten. Inklusive der rund 180 Liter des Gegenmittels «Bacillus thuringiensis» zur Bekämpfung der Larven, des Arbeitsaufwandes und der Nachkontrolle würde der Krieg gegen die Insekten jeweils 15 000 Franken pro Jahr kosten. Lüthys Fazit: Ein Einsatz im alten Thurlauf und südlich davon lohnt sich und werde bereits fürs nächste Jahr geprüft. Nur: «Es ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Da muss ich grünes Licht aus Bern haben.» Dieses wollen die Projektverantwortlichen bis im November einholen, nachdem sie im vergangenen Jahr die Situation falsch eingeschätzt hätten. «Ich entschuldige mich persönlich dafür, dass wir das verpassten», so Meier.

**2. Die ominösen «Tümpel»**
Bis 2027 soll das heutige Ackerland im Elliker Feld von Brachflächen, Magerwiesen, Hecken, Obstbäumen und Schilfflächen geprägt sein. Offen ist indes das Resultat im Detail. Doch die latente Angst, dass die Ungenauigkeit bei der langfristigen Planung zu bösen Überraschungen führen könnte, war in Ellikon spürbar. Sowohl Elliker Landwirte als auch die übrigen Anwesenden ärgerte vor allem ein einstiger Landschaftsplan der Vertreterin von der kantonalen Fachstelle Natur, Corina Schiess. Sie versicherte zwar, dass die dort eingezeichneten Tümpel mitten in wertvollem Kulturland oberhalb des Schönigrabens im Elliker Feld nicht mehr aktuell seien. «Räumlich sind die Strukturen erst teilweise festgelegt», erklärte Schiess. Auch die neuen Pläne zeigten erst die Situation für die nächsten fünf Jahre. Darüber, wo bis 2027 weitere Bäume, Brachen, Niederbüsche und Hecken entstehen sollten, «sollen die Bewirtschafter auch mitreden», so Schiess. Bezüglich befürchteter Tümpel gab sie zu Protokoll, dass «eventuell kleinflächige bauliche Massnahmen» geplant seien, aber keine weiteren Gewässer mit schwankendem Pegel, die das Mückenrisiko erhöhten. Auf einen Vorschlag von Schiess, jährlich mit der Bevölkerung die weiteren Massnahmen bei einem Rundgang zu begutachten, erntete sie Lacher: Die Offenheit der zukünftigen Entwicklung der Elliker Schutzzone wurde der Baudirektion als Vagheit ausgelegt.

**3. Der fehlende Damm**
Ursprünglich sollte der abzubrechende hohe Damm am Rheinufer weiter zurückliegend in Form eines kleinen Walls ersetzt werden. Auf Intervention von Naturschutzverbänden wird aber auf die Option eines Walls gänzlich verzichtet. Die ökologische Begleitkommission hatte die «dammlose» Version abgesegnet. Nun wird die Axpo darangehen, im Rahmen der ihr übertragenen Aufwertungsmassnahmen den Damm entlang dem Rhein abzutragen. Für den kollektiven Aufschrei in Ellikon fand Walter Meier wenig Verständnis: Die offizielle Auflage sei 2005 regulär vonstattengegangen, und gemäss Projektfestsetzung durch den Regierungsrat (9. März 2005) «könnte auf den Ersatz des abgebrochenen Dammes … verzichtet werden, wenn mit allen Betroffenen eine Einigung erzielt werden kann». Dies sei der Fall gewesen bezüglich der Landbesitzer, die abtauschten, und der Pächter. «Es kam keine Reaktion aus Ellikon, mit dem Wunsch, der Damm sei zu streichen», so Meier.

**4. Parkflächen und Werkverkehr**
Eine besorgte Mutter wollte wissen, wie viele Lastwagen konkret täglich durch und um Ellikon in Richtung Marthalen und zurück fahren, auf dem Schulweg der Oberstufenkinder. Felix Hansmann, der über die Erdarbeiten der Axpo berichtete, erklärte: Die durchschnittlich 16 Lastwagen pro Tag sollen als Rundkurs die Schöni befahren und nicht durchs Dorf, sondern unterhalb Ellikons von Flaach her- und in Richtung Marthalen wegfahren. Laut Ralph Hächler von der WSB AG für Wasserbau könne bei ihm noch Humus bestellt werden – doch bei Aufschüttungen von mehr als 500 m² brauchten die Landwirte eine Baubewilligung. Auch die Einrichtung eines Buskurses wurde angeregt. Im Zusammenhang mit einem längst geforderten Anschluss Ellikons ans ÖV-Netz ist dieser Wunsch nicht neu. Die Gemeinderätin und Delegierte der Zürcher Planungsgruppe Weinland, Inge Stutz, liess durchblicken, dass der Kanton immerhin Hand geboten hat zur Prüfung eines Rundkurses Flaach–Ellikon–Alten–Marthalen–Flaach. Ein weiteres heisses Eisen sind in Ellikon die Wildparkierer. Trotz der Schaffung von gut 30 Schotterrasen-Plätzen ums Schulhäuschen sei das fürs Dorf nicht genug, so der Tenor. Punkto Parkplätzen meinte Stutz, die ZPW strebe an, temporäre Parkplätze bei der Elliker Brücke zu schaffen. Die Einwohnerin Susanne Friedrich fasste angesichts der Unwägbarkeiten und Verunsicherung in der Bevölkerung zusammen: Das 54-Millionen-Projekt überfordere Gemeinde, Kanton und Bund, und die Konsequenzen seien zu wenig abgeschätzt worden. «Es ist mindestens drei Schuhnummern zu gross.» In mehrfacher Hinsicht geriet die Diskussion zur Replik einer Veranstaltung vom 21. April 2010, bei der die Ängste der Bevölkerung zu Mückenplage, Verkehr und Landtausch zur Sprache kamen. Nur, jetzt war das Projekt in bedrohliche Nähe gerückt – und viele Unsicherheiten waren geblieben.

#Notizen zu Namen

27. September 2012 | 40 Jahre miteinander und füreinander

Schaffhauser Nachrichten
Kurt Zubler

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Schweiz einen enormen Aufschwung. Zwischen 1950 und 1970 stieg die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte von 90000 auf 830 000 an, wovon mehr als 60 Prozent aus Italien stammten. Die rasanten gesellschaftlichen und technischen Veränderungen führten trotz des steigenden Wohlstands zu einer gewissen Verunsicherung. Diese fand ihr Ventil vor allem im Kampf gegen die «Überfremdung», die zwischen 1964 und 1977 zum dominanten politischen Thema wurde. James Schwarzenbach und seine Nationale Aktion nahmen sich der Thematik mit Vehemenz an. 1969 reichten sie ihre Initiative «Gegen die Überfremdung» ein.
Die Heftigkeit der Debatte befeuerte eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die sich besonders gegen die Italiener, richtete. Ihnen schlug eine aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Geringschätzung und Abneigung, ja gar Hass entgegen. Bei einer Annahme der Initiative hätte der Kanton Schaffhausen rund die Hälfte seiner Ausländer fortschicken müssen, mit einschneidenden Auswirkungen für Industrie und Gewerbe.

**Gegen Schwarzenbach-Initiative**
In der ganzen Schweiz regte sich deshalb Widerstand gegen die Initiative. In Schaffhausen amtete der spätere SVP-Ständerat derat Ernst Steiner als Präsident des Aktionskomitees gegen die SchwarzenbachInitiative. Weiter vertreten waren der gesamte samte Regierungsrat, die eidgenössischen Parlamentarier, Stadt-, Gemeinderäte und Grossräte aller Parteien sowie Arbeitgeberund Arbeitnehmervertreter. Das nationale Abstimmungsresultat von 46 Prozent Ja-Stimmen beeindruckte tief, auch wenn die Initiative in Schaffhausen trotz des überdurchschnittlich hohen Ausländeranteils «nur» 40 Prozent Ja-Stimmen erhielt.
Als sich das Komitee nach der Abstimmung versammelte, kam keine Siegesstimmung auf. Zu tief waren die aufgerissenen Gräben, zu viel Unbehagen war ans Licht gekommen. Es galt nun dringend, ein menschlicheres Verhältnis zu den Ausländern zu finden und eine überzeugende Ausländerpolitik zu entwickeln. Die Neue Helvetische Gesellschaft NHG machte das Angebot, diese überparteiliche Aufgabe zu übernehmen. Von Oktober 1970 bis November 1971 erarbeitete eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Kantonsschulrektors Ernst Trümpler in 27 Sitzungen einen umfassenden Bericht mit konkreten Massnahmen. Visionär, liberal und zutiefst humanistisch ging die Arbeitsgruppe vom Recht auf Individualität aus und war der Überzeugung, dass ein gutes Zusammenleben nur auf gegenseitigem Respekt basieren könne: «Es ist ein Eingriff in die Menschenwürde, wenn wir von den Ausländern vollständige Anpassung verlangen (während wir uns weitgehend gleichgültig verhalten). Eigenart, Andersartigkeit ist (im Rahmen unseres Rechtsstaates) ein Recht – ein individuelles Menschenrecht mit dem Anspruch, anerkannt und geachtet zu werden.»

**Die Gründung einer Kontaktstelle**
Ein Hauptanliegen des Berichts war die Schaffung eines neutralen und autonomen Informations- und Koordinationsdienstes für Ausländer und Schweizer. Politisch wurde die Kontaktstelle vom freisinnigen Kantonsrat Kurt Amster lanciert. Im Vorfeld der Gründung wurden sämtliche Arbeitgeber zur Beitrittserklärung und zu einem Jahresbeitrag von 12 Franken pro ausländischen Arbeitnehmer eingeladen. Allein GF mit mehr als 2000 ausländischen Mitarbeitenden stellte über 24000 Franken in Aussicht. Für das erste Geschäftsjahr standen knapp 83 000 Franken zur Verfügung, davon stammten 92 Prozent von der Arbeitgeberschaft. Damit waren die Voraussetzungen zum Aufbau der Kontaktstelle geschaffen.
Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung der Schaffhauser Kontaktstelle Schweizer-Ausländer statt, die kurz darauf ihren Betrieb aufnahm. Der Beratungsalltag war vielfältig und umfasste Fragen zu Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit, Steuern, Versicherungen usw. Oft wurde die Kontaktstelle für Übersetzungen beigezogen zum Beispiel für Merkblätter zur Altglassammlung oder über die Abgabe von Fluortabletten. Auffallend viele Arbeitgeber liessen sich Betriebsordnungen, Informationen über Steuern und Versicherungen sowie verschiedene Korrespondenz übersetzen.
Im Sinn einer Drehscheibe hatte die Kontaktstelle die Vernetzung aller relevanten Akteure aufzubauen und zu koordinieren. Wichtige Themen waren die Klärung und die Vermeidung von Missverständnissen zwischen der ausländischen Bevölkerung und der Verwaltung, die Förderung der fremdsprachigen Kinder in der Schule und die Elterninformation. So entwickelte die Kontaktstelle 1973 eine in fünf Sprachen übersetzte Informationsbroschüre über Bildungsmöglichkeiten und soziale Dienste. Als Informationsorgan publizierte sie von 1975 bis 1993 den «Kontakt», der ab 1994 durch die Beilagen in den «Schaffhauser Nachrichten» und in der AZ abgelöst wurde.
Grosse Aufmerksamkeit schenkte die Kontaktstelle der zwischenmenschlichen Begegnung. So veranstaltete sie am 8. September 1973 und am 11. September 1982 gemeinsam mit Ausländerorganisationen den Treffpunkt International auf dem Fronwagplatz. Begeistert berichtete der Geschäftsleiter Felix Blum vom zweiten Treffpunkt: «Zu Tausenden füllten fröhliche und zufriedene Menschen jeglicher Nationalität den Platz. Die Begegnung wurde zum vollen Erfolg! Rund 900 freiwillige Helfer waren im Einsatz. In ungezählten Stunden ist es gelungen, ein für Schaffhausen wohl einmaliges Fest zu bauen.»
Zu den Zielen der Kontaktstelle gehörte auch der Ausbau zu einem Freizeit- und Begegnungszentrum. Die Suche nach einem geeigneten Lokal blieb lange erfolglos, bis die Stadt im Herbst 1987 die Krummgasse 10 zur Nutzung anbot. Dieses Gebäude konnte als Kultur- und Begegnungszentrum dienen und auch die Dienste der Kontaktstelle aufnehmen. Die feierliche Eröffnung fand am 10. März 1990 statt.
Dem Gedeihen der Kontaktstelle wurde stets grosse Bedeutung zugemessen. Der Kanton war ununterbrochen mit einem Mitglied des Regierungsrats vertreten. Weiter engagierten sich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft, die Kirchen, die Schulen, die Presse und andere Institutionen im Vorstand. Die Stadt Schaffhausen nahm ab 1981 mit dem späteren Präsidenten Kurt Gehring im Vorstand Einsitz, die Gemeinde Neuhausen erst ab 1986, nachdem Regierungsrat Ernst Leu festgestellt hatte, dass «Neuhausen nicht im Vorstand vertreten ist, jedoch immer wieder Probleme auftreten, die eine gemeinsame Lösung erforderlich machen».

**Kohärente Integrationspolitik**
Die Arbeitgeberbeiträge nahmen im Lauf der Jahre stetig ab. Gründe waren die Zuwanderungsbeschränkung, später die Krise der Industrie und der Abbau von Arbeitsplätzen. Die Finanzierung stellte den Verein deshalb regelmässig vor Herausforderungen. Mehrfach mussten Anstellungspensen reduziert, Kosten gesenkt und die Trägerschaft um höhere Beiträge ersucht werden. 1986 beschloss der Verein die Einführung von Einzelmitgliedschaften und den Einbezug der Ausländervereinigungen. Die Migrationsbevölkerung selbst war deshalb erst seit 1987 im Vorstand vertreten. Trotz aller Massnahmen führten die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen zu weiteren Einbussen. Nach 30 Jahren waren die Arbeitgeberbeiträge 2002 auf einen Viertel des Betrages von 1972 eingebrochen. Auf dieser Basis hatte die Kontaktstelle keine Zukunft.
Um die Jahrtausendwende formulierte der Bund erstmals eine aktive Integrationspolitik und lud die Kantone ein, regionale Kompetenzzentren für Integrationsfragen aufzubauen. Der Kanton und die Stadt Schaffhausen ergriffen die Chance und lancierten die Erarbeitung der Leitlinien für eine kohärente Integrationspolitik. In der Folge wurden die fusionierten Vereine des Begegnungszentrums und der Kontaktstelle 2004 in die Integrationsfachstelle Integres überführt.

**Ehrenamtlich für eine gute Sache**
Zu den auffälligsten Entwicklungen seit der Gründung gehören neben der veränderten Zuwanderung sicher die schwindende Unterstützung der Arbeitgeberschaft und der Rückzug von Teilen der Politik. Waren in den 70er-Jahren alle Regierungsparteien geschlossen gegen die Überfremdungsinitiativen und standen hinter dem Aufbau der Kontaktstelle, so hat sich dies gewandelt. Der Leitgedanke der Pioniere von 1972, dass das Ausländerproblem nicht in erster Linie ein Problem der Zahl, sondern eine Frage der Mitmenschlichkeit sei, steht unter Druck. Trotzdem ist die überaus breite Abstützung von Vorstand und Trägerschaft als wichtiges Erbe der Gründungszeit bis heute erhalten geblieben. Über 70 Vorstandsmitglieder und viele mehr in Arbeits- und Aktionsgruppen haben die gemeinsamen Ziele in unzähligen, ehrenamtlich erbrachten Stunden über die Jahre mitgetragen, mitgeprägt und im Geist des gegenseitigen Respekts mit Leben erfüllt. Bei ihnen allen, die hier nicht mit Namen und Verdienst erwähnt sind, bedanken wir uns herzlich. Ohne ihren Einsatz wäre unsere Gesellschaft ein gutes Stück kälter und ärmer.


**Zur Gründung der Kontaktstelle**

Nach der abgelehnten SchwarzenbachInitiative-bat mich Erwin Beyeler, der damalige Chef der Fremdenpolizei, um die Mithilfe zur Gründung einer Kontaktstelle Schweizer-Ausländer. Ich sagte zu, und zusammen mit Redaktor Heinz Dutli formulierten wir ein Pflichtenheft und Vereinsstatuten. Wir kontaktierten umgehend die Arbeitgeberund Arbeitnehmerorganisationen sowie weitere interessierte Institutionen wie Kirchen, Gemeinden und verschiedene Vereine. Nach vielen Besprechungen erhielten wir sukzessive die notwendigen Zusagen für die finanzielle Unterstützung. Im Grossen Rat reichte ich eine Motion für einen Kantonsbeitrag ein. Anfänglich hatte ich einige Kritik einzustecken («schon wieder wird die öffentliche Hand angegangen!»). Nach seriöser Begründung und Bekanntgabe derMitfinanzierenden stimmte der Grosse Rat dem beantragten Jahresbeitrag einstimmig zu.
Nun galt es, die Organisation der Kontaktstelle vorzubereiten. Als Präsidenten gewannen wir Rektor Ernst Trümpler. Am 27. September 1972 fand die Gründungsversammlung statt, und die notwendigen Beschlüsse für die Aufnahme der Tätigkeit konnten rasch gefasst werden. Als erster Geschäftsleiter wirkte Hans Gabriel, und am 2. Oktober 1972 konnte die Arbeit offiziell aufgenommen werden. Die Kontaktstelle etablierte sich erfolgreich, und ich glaube somit sagen zu dürfen, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

KurtAmsler, Vorstand 1972-1984


**Erinnern an Lebendigkeit**

Aufbruch im Innern und Umbruch im Umfeld prägten die «Kontaktstelle» Anfang der9oer-Jahre. Bescheiden waren die finanziellen Mittel, klein noch Bundesvorgaben und Bürokratie. Dafür gab es viel persönliches Engagement, konkrete gemeinsame Projekte und freundschaftliche Kontakte. In Fronarbeit schufen Migranten und Schweizer an der Krummgasse ein Begegnungszentrum samt aktivem Trägerverein mit gemischt besetztem Vorstand. Hoch im Kurs standen Kulturaustausch, Kurse und Feste, ja sogar ein runder Tisch, wo die Vertreterinnen und Vertreter der Ausländervereine mit einheimischen Politikern und Schlüsselpersonen ihre Anliegen direkt besprechen konnten. Schmerzlich dann die Erschütterungen in Jugoslawien, welche auch bei uns dunkle Spuren hinterliessen. Nötiger denn je erfüllte die Kontaktstelle ihren Auftrag weiter: Integration nicht als anpasserische Gleichmacherei, sondern als respektvolles Miteinander in der Vielfalt.

Kurt Gehring, Vorstand 1981-1989, Präsident 1990-1994

#Allgemeines

27. September 2012 | Seit 1983 schon in Schaffhausen, seit 1988 in der «Kerze»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Zeno Geisseler

Die erste Bemerkung ist schon falsch. «Rolf, wie man hören kann, kommst du ja aus Bern.» – «Uh, nei!», sagt Rolf Könitzer, Wirt der «Kerze». «Aus der Matte!» Für Nichtberner ist dies einfach ein weiteres Quartier der Hauptstadt, für Stadtberner aber ist es eine eigene Welt. Der junge Rolf lernt in der Schule Geige, wie die Mutter, später dann Gitarre. Der Vater spielt Handorgel. Die Matte ist eine Welt, die «Rouf» schon lange hinter sich gelassen hat. Vor fast 30 Jahren, 1983, landete er nach einigen Wanderjahren in Schaffhausen und übernahm das «Domino». Dort wirtete er viereinhalb Jahre. Polo Hofer trat zweimal im «Domino» auf, er hatte mit Könitzer zusammen die Lehre gemacht, Handlithograf.
Am 1. Oktober 1988 wechselte Könitzer in die «Kerze», zusammen mit seiner Bea, einer Neuhauserin, die er im «Domino» kennengelernt und im Jahr zuvor geheiratet hatte. Die «Kerze» sollte eine Musikbeiz werden. «Damals gab es hier nur die Nachrichten aus dem Telefonrundspruch», sagt er. Fortan gab es die «Musikwochen», auch ein Toni Vescoli spielte schon in der kleinen Beiz in der Stadthausgasse. Wer damals die knarrende Holztreppe zur «Kerze» hochstieg, um sie viel später etwas weniger sicheren Schrittes wieder in der Gegenrichtung zu verlassen, war politisch klar zuzuordnen. «Grün-alternativ, Poch», sagt er. Heute sei dies ganz anders, die «Kerze» sei viel offener. Vom 16-jährigen Kantischüler bis zum Pensionierten kämen alle. Die meisten seien Stammgäste, viele von Anfang an. «Mein ältester Gast ist eine 82-jährige Dame. Sie kommt immer. Ausser, wenn ihr die Musik zu laut wird.» Morgen Freitag, am 28. September, feiert Könitzer 25 Jahre «Kerze». «Schön & Grob» spielen auf, Mundart, Oldies, Country, Folk und Blues. Er kennt einen der Musiker noch aus «Domino»-Zeiten. «Und es gibt Preise wie vor 25 Jahren», sagt Könitzer. «Die Flasche Bier für 3.50, s Halbeli für 15.» 25 Jahre? Der Wechsel war doch 1988? «Jo, eigetlech simer z früe», sagt er, «aber das war schon beim Zehnjährigen so. Erst am Abend haben wir gemerkt, dass es eigentlich erst neun Jahre sind.» Eine vorgezogene Feier weckt gewisse Befürchtungen. Hört er auf? Könitzer winkt ab. «Nenei.» Solange er noch könne, bleibe er. Die grosse Frage ist natürlich, ob er morgen selbst zu seiner Fender oder seiner Epiphone greifen wird. Zum Beispiel mit «Di chline Bäremutze», einem Lied, das sogar auf Youtube zu finden ist. Er lacht. «Mau luege!»

**Zur Person**
Alter 66
Zivilstand Witwer
Wohnort Schaffhausen
Hobbys Musik
Aktuelle Lektüre Mundartgedichte



Ging mit Polo Hofer zusammen in die Lehre, lernte Geige wie seine Mutter und wechselte dann auf Gitarre: Rolf Könitzer.
Bild Zeno Geisseler

#Alt-Scaphusia

24. September 2012 | Heinrich von Ziegler olim Star

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Heinrich von Ziegler olim Star
Dr. chem.
Generation 1945

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Abdankungsfeier findet am Mittwoch, 3. Oktober 2012 um 14.30 Uhr in der reformierten Kirche Zollikon statt.

Die studentische Totenehrung findet am Mittwoch, 31. Oktober 2012, um
20.00 Uhr im Verbindungslokal statt.

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | Verleihung Contempo-Förderpreis: Einer für alle – fast alle nehmen ihn an

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Anna Rosenwasser

Der Sagenheld Robin Hood hätte seine wahre Freude gehabt an der diesjährigen Contempo-Verleihung. Der Kulturförderpreis wurde nämlich fair aufgeteilt: Allen Nominierten stehe der Zustupf zu, befand die Jury. Es ist eine Premiere in der Geschichte des Contempo-Preises, der bisher stets an einzelne Künstlerinnen und Künstler vergeben wurde. Ziel der Verleihung ist es zum einen, junge Kunst in Schaffhausen zu fördern. Zum anderen macht der Kulturförderverein Contempo damit auf sich aufmerksam.

**Erstmals Bands ausgezeichnet**
Auch das gewählte künstlerische Genre war ein Novum des Förderpreises, der seit 21 Jahren verliehen wird. Wurden bisher Bühnenbildnerinnen, Fotografen und einzelne Musikerinnen damit gefördert, galt die diesjährige Auszeichnung erstmals ganzen Bands. Vier sehr unterschiedlichen zudem, wie Vereinspräsident Urs Fürer in seiner Ansprache betonte. «Alle vier erbringen eine grosse Leistung», so Fürer, der auch auf weitere beachtenswerte Bands aus der Munotstadt verwies. Fürwahr, die Ausgezeichneten un-terscheiden sich. Deadverse, mit Gründungsjahr 2007 die jüngste der vier Bands, widmen sich dem Hardcore-Punk. Quince hingegen spielen Indie- Pop; ihr erstes Album erschien 2007, kürzlich folgte das zweite. Das Trio Lo Fat Orchestra produziert basslastigen Rock, die Gruppe Plain Zest hingegen temporeichen Punkrock. Alle vier Truppen sind mit ihrer Konzerttätigkeit ausserhalb wie auch innerhalb Schaffhausens präsent: Lo Fat Orchestra etwa traten am diesjährigen «festival» auf, Deadverse beehrten unter anderem das N4-Fest, und Plain Zest agieren auch als Konzertveranstalter in ihrem Schaffhauser Bandraum. Die Musik von Quince konnte noch am Abend der Preisverleihung genossen werden – an der Plattentaufe ihrer CD «Give you my mhhh …», die das Quintett im Anschluss an die Verleihung im «Cardinal» einweihte. Hörproben der weiteren Nominierten genoss das Publikum in Form von Musikvideos und eingespielten Liedern.

**Verzicht zugunsten anderer**
Während Quince nur für eine kurze Zeit in der Kammgarn weilten, tauchte eine der vier nominierten Bands gar nicht erst auf. Deadverse hatten auf den Förderpreis verzichtet, «zugunsten der anderen», wie die Gruppe durch Fürer verlauten liess. So wurde der mit 5000 Franken dotierte Preis nicht wie geplant unter vier, sondern unter drei Bands aufgeteilt. Die gerahmte Auszeichnung war nichtsdestotrotz ein «Viertel-Grammy» – eine Schallplatte, frei nach Robin Hood fair in vier Stücke aufgeteilt. Im Vorfeld der Verleihung fand die Generalversammlung statt, in der unter anderem dem scheidenden Vereinspräsident Urs Fürer ein bis 2022 währendes Kammgarn-Eintrittsbillett überreicht wurde. Im Anschluss an die Preisverleihung trat der frühere Preisträger Camero mit seinen Beatboxkünsten auf. Auch ein Quiz und ein Konzert der Rock-’n’-Roll-Band Baby Halbstark gehörten zum Programm. Buffet und Bar standen ebenfalls allen offen – Robin Hood hätte es gefreut.



Freuen sich über den kollektiven Förderpreis: Chrisi Zimmermann und Thorsten Strohmeier (Lo Fat Orchestra), Peter Bächtold (Quince), Alexander Norring, Gregor Spitzer und Elia Schneider (Plain Zest).
Bild Anna Rosenwasser

#Notizen zu Namen

24. September 2012 | SVP und ÖBS erringen je einen Sitz zulasten von FDP und SP

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck

Fast alle bisherigen Schulräte wurden wiedergewählt, das beste Ergebnis schaffte Vreni Osterwalder (SP, 3790 Stimmen) vor Nathalie Zumstein (CVP, 2939 Stimmen) und Manuela Roost Müller (FDP, 2620 Stimmen). Einzige Ausnahme: Andreas Wüthrich (SP, 1039 Stimmen), der als wilder Kandidat gegen den Willen seiner Partei wieder angetreten war, verpasste schon das absolute Mehr (1750 Stimmen).

Dafür kommen drei Neue in den Stadtschulrat: Stefan Bruderer (2565 Stimmen) konnte nach dem Rücktritt von Ruth Gloor 2003 wieder einen Schulratssitz für die ÖBS erringen, ähnlich lief es bei der SVP, die nach einer vierjährigen Absenz mit ihrem Parteisekretär Mariano Fioretti (2179 Stimmen) den Sprung zurück in die Schulbehörde schaffte – bereits vor vier Jahren war Fioretti angetreten und schied als überzählig aus. Till Aders (AL, 2106 Stimmen), der nach der Wahl von Simon Stocker in den Stadtrat kurzfristig als Kandidat aufgestellt wurde und deshalb mit Handicap startete, kann den AL-Sitz verteidigen und beweist damit auch hier, dass die Kleinpartei derzeit die Gunst der Wähler geniesst. Während man bei der SP nach der Bekanntgabe des Resultats ein leichtes Aufschnaufen feststellen konnte – das Zerwürfnis mit Wüthrich und die Rücktrittsdrohung von Schulpräsidentin Huber Ott sind nun erledigt –, ist die FDP die eigentliche Verliererin: Kandidat Daniel Rapold, der den Sitz des zurücktretenden Marcel Sonderegger verteidigen sollte, wurde zwar mit 1789 Stimmen gewählt, schied jedoch als überzählig aus. Im Gegensatz zum Kantonsratswahlkampf wurde um einen Sitz im Stadtschulrat geradezu heftig gestritten, dennoch scheint die Wahl die Menschen nicht besonders bewegt zu haben, das zeigt auch der hohe Anteil an leeren Stimmen: Auf den 11 193 Stimmzetteln mit je sechs Linien waren von gegen 67 000 möglichen Stimmen 44 000 leer.


**Gewinner und Verlierer «Gremium ist nun politisch sehr breit abgestützt»**

Dass die SVP mit Mariano Fioretti nach einigen Jahren wieder den Sprung in den Stadtschulrat geschafft hat, ist für den Familienvater auch ein Zeichen, dass man seine Art goutiert habe. «Ich stand ja völlig allein da», sagt Fioretti, der in den vergangenen Wochen einen intensiven Wahlkampf betrieben hat. «Und sicher haben viele Wähler meine klare Haltung im Bezug auf den Schulleitungszwang, der dann abgelehnt wurde, honoriert», sagt Fioretti. Nach dem schlechten Abschneiden Daniel Preisigs bei den Wahlen in die Stadtexekutive vor vier Wochen habe er gedacht: «Jetzt kriegen wir ein zweites Mal aufs Dach.» Im Stadtschulrat will Fioretti ganz klar die Meinung der SVP einbringen, wie er gegenüber den SN gestern mit Nachdruck betonte. Zu den neu in den Stadtschulrat Gewählten gehört auch Stefan Bruderer von der ÖBS. «Ich habe im Wahlkampf viele enorm gute Rückmeldungen erhalten und freue mich nun über mein gutes Resultat.» Als Gremium sei der Stadtschulrat nun politisch sehr breit abgestützt – darin sieht Bruderer auch eine Chance. Aber wichtig sei, dass man in Zukunft als Behörde gut zusammenarbeite. «Völlig verblüfft» zeigte sich gestern Till Aders von der AL. Er, der seine Kandidatur anstelle des in den Stadtrat wechselnden Simon Stocker erst vor zwei Wochen bekannt gemacht hatte, hat klar nicht mit einer Wahl gerechnet, wie er sagt. «Wir haben gerade mal ein paar Flyer verteilt, und doch habe ich nur 70 Stimmen weniger als der Kandidat von der SVP – das freut mich.» Enttäuschend war das Wahlergebnis für den FDP-Kandidaten, der ebenfalls neu angetreten war. Er nehme es aber sportlich, so Rapold: «Offenbar gibt es einen Trend hin zu den Jungen, und das ist ja auch gut.» Nicht zu erreichen war gestern Andreas Wüthrich, der nach einem Zwist mit der Stadtschulratspräsidentin ohne die Unterstützung seiner Partei (SP) kandidiert hatte. Er erzielte mit 1039 Stimmen das schlechteste Resultat aller Kandidierenden. (lbb)


**Kommentar – Es ändert sich wenig**

Robin Blanck

Wenn es Konflikte gibt zwischen Eltern, Kindern und Lehrperson, spielt es keine Rolle, welcher Partei das Schulratsmitglied angehört, das vermittelnd eingreift. Deshalb werden sich die Auswirkungen der gestrigen Wahl im Rahmen halten – soweit sie denn überhaupt spürbar werden. Nur zur Erinnerung: Die wirklich grossen Veränderungen in den städtischen Schulen stehen mit dem kürzlich präsentierten «Vorsteher+»-Modell erst noch bevor.
Zwar spielt das Parteibuch im Schulratsalltag keine Rolle, bei einer Majorzwahl ist es hingegen von Vorteil, eine starke Partei im Rücken zu haben: Bei der SVP, die sonst bei Exekutivwahlen gerade in den Städten oft schlecht abschneidet, hat dies zum Sitzgewinn von Mariano Fioretti geführt. Überraschender ist da schon die komfortable Wahl von Till Aders (AL) und Stefan Bruderer (ÖBS), zwei jungen Vertretern von Kleinparteien: Es dürfte ihre – positiv formuliert – Unverbrauchtheit gewesen sein, welche die Stimmberechtigten gewählt haben. Die Abwahl von Andreas Wüthrich bewahrt die SP vor der öffentlichen Fortführung einer unangenehmen Auseinandersetzung. Mit noch immer zwei Sitzen im Schulrat kann die Partei den Abgang aber verschmerzen. Bleibt die FDP, die als Verliererin vom Platz geht: Manuela Roost Müller wurde gut wiedergewählt, der zweite Sitz ging verloren. Das zeigt zweierlei: einerseits das Potenzial der FDP und andererseits das fehlende Vertrauen in den zweiten FDP-Kandidaten.