#Notizen zu Namen

23. März 2016 | In Zürich erlaubt, in Schaffhausen hingegen verboten

Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

Wie gross darf eine Lampe auf dem Dach eines Taxis sein, und was darf darauf stehen? Ein klares Reglement dafür fehlt in Schaffhausen. Definiert ist aber: Die Leuchte auf dem Dach darf nicht als Werbefläche missbraucht werden. Dagegen habe ein Schaffhauser Unternehmen jedoch im Dezember 2014 verstossen, weshalb der Fahrer – Grossstadtrat Res Hauser, der während dem Studium als Taxichauffeur seinen Lebensunterhalt finanzierte – und dessen Chef sich gestern vor dem Kantonsgericht verantworten mussten.

**Im Kanton Zürich freigesprochen**
Es war nicht das erste Mal, dass Hauser wegen der Taxileuchte auf dem Dach vorgeladen wurde. Wenige Tage bevor er in Schaffhausen wegen der auffälligen Lampe auf dem Taxidach kontrolliert worden war, kam er auch im Kanton Zürich bei einer Fahrt in eine Kontrolle. Der Fall landete vor dem Statthalteramt Bülach, wobei dort das Verfahren eingestellt wurde. Hauser sei von der dortigen Polizei mündlich mitgeteilt worden, dass er mit der Leuchte – installiert vom Schaffhauser Unternehmen – weiterfahren dürfe, bis ein Entscheid des Statthalteramts vorliege. Bevor dieser Entscheid aber gefällt wurde, geriet er in Schaffhausen erneut in eingangs erwähnte Polizeikontrolle – und wurde schliesslich per Strafbefehl zu einer Busse von 400 Franken verurteilt. Auch sein ehemaliger Vorgesetzter wurde per Strafbefehl verurteilt. Seine Busse betrug 200 Franken. Dagegen legten beide Beschuldigten Rekurs ein, weshalb der Fall gestern von Einzelrichterin Nicole Hebden beurteilt werden musste.
Dabei stand vor allem die Frage im Zentrum, ob die Lampe, welche deutlich grösser ist als auf anderen Taxis und mit Telefonnummer, Qualitätssiegel und dem Namen des Taxiunternehmens versehen ist, eine beleuchtete Werbung darstelle oder eben «bloss» eine Taxileuchte sei.

**Ein Jahr lang ohne Beleuchtung**
Um nicht weiter wegen der Lampen Ärger zu bekommen, blieben die Taxileuchten danach ausgeschaltet – selbst wenn das Taxi frei gewesen sei. «Dies hat zu Umsatzeinbussen geführt, da die Leute dachten, das Taxi sei besetzt», sagte der Verteidiger der beiden Beschuldigten, Samuel Nadig. Nach einem Jahr ohne beleuchtete Taxileuchten auf dem Dach habe man die grossen Leuchten wieder abmontiert und durch kleine, unauffällige Modelle ersetzt, auf denen die Aufschrift Taxi und eine Telefonnummer prange. Für seine zwei Mandanten forderte Nadig einen Freispruch, da das Reglement nicht festschreibe, wie gross eine Leuchte sein und was auf dieser stehen dürfe. Einzelrichterin Hebden folgte den Anträgen des Verteidigers jedoch nicht. Mit nur einem Sechstel der Gesamtfläche sei der Taxischriftzug zu klein und der Firmenname zu gross gewesen. «Die Firmenwerbung stand klar im Vordergrund», so Hebden. Sie bestätigte deshalb die Bussen des Straf­befehls. Grossstadtrat Hauser konnte nach dem Urteil nicht nachvollziehen, weshalb in Schaffhausen eine Strafe gefällt, in Zürich aber ein Freispruch ausgesprochen worden ist. Und auch sein Chef konnte die Urteile nicht begreifen, da man die Lampen danach nicht mehr eingeschaltet und jetzt ausgewechselt habe.

#Allgemeines

7. März 2016 | Als die Saite riss, riss Elias Winzeler die Show mit Singen

Schaffhauser Nachrichten
Ronny Bien

Wie jedes Jahr, so präsentierten sich auch in diesem Jahr 27 musikalische Kantischüler/-innen mit einem Konzertabend der Öffentlichkeit. Es spielten fünf Combos aller Altersklassen. Dieses Konzert ist vor allem für die grössten Nachwuchstalente eine optimale Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dazu gehört zweifelsfrei der junge Saxofonist Tobia Ochsner, der einen souveränen Auftritt absolvierte. Improvisieren musste in der Folge Bandsänger Elias Winzeler, dem während des Songs «I’m So Excited» eine Saite an der elektrischen Gitarre riss, sodass er auf eine akustische ohne Gitarrengurt umsatteln musste. Dafür überraschte er mit einer überwältigenden Gesangseinlage beim Amy-Winehouse-Klassiker «You Know I’m No Good». Elias Winzelers Stimme hat grosses Potenzial für die Zukunft.

**Funkige Breakdance-Einlage**
Zu jedem Song präsentierte Pianist Janosch Bohner zur Erheiterung des Publikums einen Hut aus seiner Kollektion, was nebst seinen Fähigkeiten an den Tasten zu seinem Markenzeichen werden könnte. Seine Vielseitigkeit unterstrich Noah Näf, der zuerst in einer Band am Schlagzeug mitwirkte, bevor er in der folgenden Musikgruppe Cajon, Congas und Trompete spielte.
Dass Preveen Panakkal (Voc), Maurice Storrer (Sax), Lorenzo Persi (Git), Marek Stahel (Key), Shardad Ghazi Wakili (Bass) und Jonas Bolliger (Dr) gut eingespielt sind, war schnell zu erkennen. Diese sieben haben sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Der krönende Abschluss folgte während des Hits «Uptown Funk» von Bruno Mars, als Jonas Bolliger eine Breakdance-Einlage zum Besten gab.

**Sprungbrett in die lokale Szene**
Baumeisterin dieser jährlichen Konzertreihen ist Christiane Mathé. Unter ihrer Leitung wachsen die jungen Musikerinnen und Musiker im Gesang oder an ihren Instrumenten und sammeln wertvolle Erfahrungen, von denen sie später in einer eigenen Band profitieren können. In der Schaffhauser Musikszene etablieren sich regelmässig jüngere Bands und sorgen für frischen Wind. Die Motivation der jungen Talente, von der Kantiaula aus die regionalen Bühnen zu erklimmen, ist dem entsprechend gross.

#Allgemeines

7. März 2016 | Bildnerische Kreativität ohne Grenzen

Schaffhauser Nachrichten
Anne Gross

Bilderbücher, Kurzfilme, Fotografien und viele weitere Projekte haben die Maturandinnen, Maturanden und die Fachmittelschulabsolventinnen und -absolventen über ein ganzes Jahr beschäftigt. Die Ergebnisse dieser intensiven Arbeit stellten sie im Zusammenhang mit ihren Präsentationen an einer kleinen Ausstellung im Erweiterungsbau der Kantonschule Schaffhausen vor. «Es ist erstaunlich, in wie viele verschiedene Richtungen die Projekte gehen», so Corina Rauer,Kuratorin des Kunstvereins Schaffhausen.Deborah Kipferhat mit ihren Zeichnungen ein Bilderbuch erstellt, das die Geschichte eines ADHS-Kindes erzählt. «Es war mir sehr wichtig, mal eine andere, positive Seite dieses Themas zu zeigen», so Kipfer. Man vergesse nämlich manchmal, wie fantasievoll und unglaublich intelligent diese Kinder oft seien.Luisa Riccianalysierte in ihrer Arbeit den Bedeutungswandel von Porträts im Laufe der Zeit. Dabei war sie selber überrascht, wie viel überlegter sie beim Fotografieren mit der analogen Kamera vorging. «Ich gehöre ja eigentlich zur Selfie- und Snap-Chat-Generation, wo man einfach mal abdrückt, ohne gross zu zögern», sagt Ricci. ­Camill Sennehat eine fächerübergreifende Arbeit in den Fächern Deutsch und Bildnerisches Gestalten eingereicht, und es entstand dabei ein ganzes Buch. «Es war eine riesige Arbeit Dennoch bin ich mit dem Endergebnis zufrieden.» Damit die künstlerischen Begabungen der jungen Menschen weiterhin unterstützt werden, erhalten die Schüler, die ihre Maturarbeit im Fach Bildnerisches Gestalten eingereicht haben, die Mitgliedschaft im Kunstverein und damit die Möglichkeit, sich an Exkursionen, Ausstellungen und vielen weiteren Veranstaltungen des Vereins zu beteiligen.

Legende



Luisa Ricci stellt nach der Maturarbeitspräsentation ihre Arbeit «Vom analogen Porträt zum digitalen Selfie» vor.
Bilder Selwyn Hoffmann



Andrina Kipfer (rechts) bestaunt die Maturarbeit ihrer Schwester Deborah Kipfer: ein Bilderbuch mit ihren Zeichnungen.



Der Maturand Janik Lobsiger hat eine 3-D-Animation mit Motion-Tracking produziert und einen Kurzfilm daraus gemacht.



Eliane Gigon war Austauschschülerin an der Kanti Schaffhausen und stellt mit ihrem Freund Antoine Woeffray ihre Arbeit vor.



Camill Senne hat in den Fächern Deutsch und Bildnerisches ­Gestalten gearbeitet: Eine Geschichte und Bilder entstanden.



Miro Felix betrachtet mit der Lehrerin Katrin Fischer das Ergebnis seiner digitalen Bildmanipulation mit dem Munot.



Corina Rauer, Kuratorin des Kunstvereins, vor Michael Werners Visualisierung von Herman Hesses «Klein und Wagner».

#Allgemeines

5. März 2016 | So einzigartig wie das Munotglöggli

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Wer am Lindli flaniert, an den vertäuten Weidlingen vorbei, erkennt wohl auf den ersten Blick, dass das eine Idylle ist. Und merkt auf den zweiten Blick, dass nicht alle Boote ­Motoren haben. Warum ist das so?
Wenn der Spaziergänger dann erfährt, dass hinter der augenfälligen Enthaltsamkeit eine behördliche Regelung steht, mag er das, je nach Gusto, für eine vernünftige Sache halten oder als eine unzulässige Beschneidung des Gebrauchs eines persönlichen Besitzes, nämlich des Bootes, ansehen. Und ist damit am wunden Punkt angekommen: Nicht alle Weidlingsbesitzer dürfen ihr Gefährt mit Motorkraft bewegen.
Und im Sommer dann würde dem Spaziergänger auffallen, dass das ­offenbar einige auch gar nicht wollen, denn sie ziehen den Weidling an einem Seil flussaufwärts, steigen beim Restaurant Rheinhalde ins Boot und bewegen dieses dann mit einem Stachel, den sie in regelmässigem Abstand auf dem Flussgrund absetzen und sich daran abstossen, weiter flussaufwärts. Das ist jetzt die reine Idylle. Typisch für den Rhein zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein, ein regionales Wahrzeichen wie die Bölletünne und so einzigartig wie das Munotglöggli.

**Zahlreiche Motorverbote**
Wo sonst gibt es eine 50:50-Regelung? Vielleicht an einem kleinen See? Das Beispiel des Greifensees im Kanton Zürich zeigt, dass es dort zwar eine Kursschifffahrt in bescheidenem Umfang gibt, dass daneben aber überhaupt keine motorisierten Privatboote erlaubt sind. Auch auf den Fliessgewässern im Kanton Zürich, wie der Töss, ist das Fahren mit Motorbooten nicht erlaubt. Die Töss etwa sei im Sommer ein Paradies für «Gummiböötler», heisst es bei der für solche Fragen zuständigen Seepolizei Oberrieden. Auch auf der Limmat gibt es im Sommer ausser dem Pontonierfahrverein Schlieren nur Gummiboote, aber keine Motorboote, mit Ausnahmen für die Polizei, die Feuerwehr und die Boote der Kraftwerke am Fluss. Einzig im Hafenbereich der Stadt Zürich darf die Limmat, sofern man eine Sonderbewilligung hat, mit einem Motorboot befahren werden.
Daniel Fasnacht vom Amt für Umwelt des Kantons Solothurn sagt auf Anfrage, dass es an der Aare verschiedene Anbindezonen und dort dann auch Bootsstege gebe, an denen vier bis fünf Boote festgemacht seien. Das seien in der Regel alles motorisierte Fischerboote. In Solothurn gibt es demzufolge auch nichts, was im Entferntesten an eine 50:50-Regelung ­erinnert. Ausserdem sei das Aareufer mit grossen Blocksteinen befestigt, naturbelassene Uferabschnitte gebe es nur wenige.
Damit ist auch gesagt, dass die topografischen Gegebenheiten, wie sie in Schaffhausen herrschen, mit einem ab der Stadtgrenze rheinaufwärts praktisch unverbauten Ufer, ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal des Flusses zwischen der Munotstadt und Stein am Rhein sind. Nicht zuletzt deshalb kann ja die hiesige Schifffahrtsgesellschaft mit der «schönsten Flussfahrt Europas» um Passagiere werben.
Das Stacheln ist eine meditative Angelegenheit. Man muss sich konzentrieren, es braucht Kraft, Geschick und Ausdauer, um den Weidling zwischen Ufer und den Pfahlreihen mit den vertäuten Booten – solche Pfahlreihen werden die Stachler praktisch bis zur Diessenhofer Brücke begleiten – so zu bewegen, dass man nicht dauernd irgendwo anstösst. Beim Stacheln wird man zeitlos, es ist ein Stresskiller sondergleichen.

**Stacheln am Rhein in freier Natur**
Wirklich völlig einzigartig, so was? Nicht ganz. In Tübingen beispielsweise gibt es vergleichbar gebaute Stocherboote. Sie werden auch ähnlich bewegt, allerdings lediglich auf einem kleinen, gestauten Abschnitt des Neckars auf Stadtgebiet zwischen zwei Wehren. Motoren sind dort zwar verboten, aber eine vergleichbare Idylle? Nein. Am Rhein zwischen Schaffhausen und Stein kann man anlanden, Feuer machen, baden. Sich nach dem anstrengenden Stacheln abkühlen. Es ist still, und klar: Es macht einen Unterschied, ob nacheinander fünf Stachelweidlinge an einem vorbeifahren oder fünf Weidlinge mit Motoren.
Seit wann fährt man eigentlich zum Vergnügen mit Weidlingen auf dem Rhein? «Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts», sagt Stadtarchivar Peter Scheck. Es sei zuerst ein Privileg der Städter gewesen. «Die Studentenverbindung Scaphusia fuhr schon um 1880 mit einem Weidling auf dem Rhein.» Bald trat auch die Polizei auf den Plan. Sie hat ab 1923 Bootskontrollen durchgeführt.
Damals war die Lindli-Promenade nicht ganz 30 Jahre alt. Sie war 1894 angelegt und bepflanzt worden, «zu einer Zeit, wo man das Spazieren entdeckte», wie Peter Scheck sagte.

**Mehr Plätze dank Lindli-Promenade**
1940 gab es zur Lindli-Promenade auch kritische Stimmen: Sie sei alles andere als naturnah, und die Bäume würden, weil sie zu eng stünden, die freie Sicht auf den Rhein behindern. In den frühen 1960er-Jahren wurde die Lindli-Promenade dann in ihrer heutigen Länge bis zur Landesgrenze beim Restaurant Rheinhalde aufgeschüttet. Nicht zuletzt, damit die Stadt mehr Bootsliegeplätze anbieten konnte.
Die Weidlinge übrigens sind ein weit verbreiteter und sehr alter Bootstyp, unabhängig davon, ob sie ge­stachelt oder mit einem Verbrennungs- oder einem Elektromotor bewegt werden.


**Die 50:50-Regelung – Wie es kam, dass die Stadt Schaffhausen die Zahl der Bootsmotoren beschränkte**

Die sogenannte 50:50-Regelung besagt, dass an den Bootspfählen auf dem ­Hoheitsgebiet der Stadt Schaffhausen nicht mehr als 50 Prozent der Boote, meist Weidlinge, von einem Motor ­angetrieben sein dürfen.
Wie es zur 50:50-Regelung kam, ist schriftlich nachzulesen in der Maturaarbeit, die Hanna Engelhart unter dem Titel «Bootspfähle am Lindli» im Jahre 2014 verfasst hat. In dieser Arbeit wird aufgezeigt, wie es 1974 Streit um eine vom Stadtrat erlassene Gebührener­höhung gab. Für Boote mit Motor sollte dreimal so viel Pfahlmiete bezahlt ­werden, mutmassliches, nicht explizit deklariertes Motiv: Schutz der Rheinlandschaft. Der Wassersport-Verband protestierte dagegen und bekam vor Obergericht recht. «Der zunehmende Motorbootverkehr ging damals vor ­allem den Weidlingsstachlern und den Kanuten auf die Nerven», sagt René Uhlmann, Präsident der Aktion Rhy, die zu jener Zeit gegen eine Autobahnbrücke, die über den Schaaren hätte führen sollen, protestierte. Die Aktion Rhy wurde auch gegen die Motorboote aktiv, zumal die Schaffhauser Regierung zögerte, motorlose Boote auf dem Rhein tatsächlich zu bevorzugen. «Am Sonntag konnte man als Weidlingsstachler ja nicht mehr auf den Rhein, weil die Motorboote herum­sausten», so Uhlmann.
1976 trat die Internationale Bodensee-Verordnung in Kraft, die Geschwindigkeitsbegrenzungen vorschrieb. ­Dennoch kam es 1981 zur ersten Protestaktion gegen Motorboote auf dem Rhein, die nächste ein Jahr später und weitere folgten. 1986 beschloss der Stadtrat dann: «Bei der Zuteilung der Bootsliegeplätze sind in erster ­Linie Bewerber zu berücksichtigen, welche sich unterschriftlich verpflichten, auf einen Bootsmotor zu verzichten. Diese Regelung gilt so lange, bis der Motorboot­bestand auf die Hälfte aller städtischen Bootsliegeplätze reduziert ist.»

**Motorboot-Club blitzte ab**
Der sogenannten 50:50-Regelung ­erwuchs bald ­Widerstand vom Motorboot-Club. Allerdings blitzten seine Vertreter 1988 vor Obergericht ab. «Das allgemeine Interesse, mithilfe von Motorkraft möglichst mühelos flussaufwärts zu gelangen, ist jedenfalls dem öffentlichen Interesse an einer ­Reduktion der Liegeplätze für Motorboote und des Motorbootsverkehrs unterzuordnen», hiess es in der Begründung. An diesem Verdikt dürfte sich aus der Sicht der Naturschutzorganisationen wie auch der Aktion Rhy bis heute nichts geändert haben. Sie haben sich folglich zu einer Phalanx zusammengeschlossen und wollen den Stadtrat dazu bringen, auf den Entscheid zurückzukommen und die 50:50-Regelung nicht aufzuheben.
Auch in Feuerthalen-Langwiesen, wo es zwischen der Schaffhauser Rheinbrücke bis fast hinauf zum Paradies rund 130 Bootsplätze gibt, für die die Konzession des Kantons Schaffhausen gilt, war bis zum Inkrafttreten des neuen Schaffhauser Richtplans 2003 die 50:50-Regelung wirksam. «Diese Parität haben wir indes nie ­erreicht», so Bausekretär Robert Schwarzer. «Bei uns ist das Verhältnis heute etwa zwei Drittel zu einem Drittel zugunsten motorisierter Boote.» ­Allerdings würde die Gemeinde bei der Vergabe von Pfosten immer noch Bootsbesitzer bevorzugen, die ihr ­Gefährt ohne Motor betreiben.
Ausser diesen Plätzen gibt es auf dem Gebiet der Gemeinde noch rund 40 Liegeplätze, für die die Konzession des Kantons Zürich gilt. «Und bei diesen Plätzen», so Robert Schwarzer, «gibt es überhaupt keine Beschränkung, was die Motorisierung betrifft.»(Wü.)


**Bootsplätze am Rhein – Von Schaffhausen bis zum See**

Schaffhausen
Zwischen dem ­Rosentalgässchen und dem Restaurant Rheinhalde gibt es 278 Bootsplätze. Davon vergibt die Stadt 238 Plätze.

Feuerthalen-Langwiesen
Hier gibt es 170 Bootsplätze. Auch ohne 50:50-Reglung werden Besitzer von motorlosen Booten bevorzugt.

Paradies
Auf dem Gemeindegebiet von Schlatt gibt es beim Paradies rund 30 Pfähle. Keine Beschränkungen für Motoren.

Büsingen
Büsinger Bootsplätze gibt es nur für Büsinger. Keine Beschränkung für Motoren.

Dörflingen
Die Gemeinde Dörflingen hat 40 Bootsliegeplätze, motorlose Boote werden bevorzugt.

Diessenhofen
Hier gibt es 75 Plätze, davon 18 für die Fischerzunft, und keine 50:50-Regelung.

Stein am Rhein
Die Stadt hat 177 Bootsplätze mit öffentlichem Zugang, 61 Plätze auf privatem Grund und 20 Gastplätze. Alle Boote dürfen Motoren haben.(Wü.)

#Notizen zu Namen

22. Februar 2016 | Zwei Gedenktafeln für Otto Uehlinger

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Der Wind trieb Schnee und Regen durch die Vordergasse, wo sich um 14 Uhr vor dem «Hirschen», dem Geburtshaus des Mundartdichters Otto Uehlinger, der am vergangenen Samstag 100 Jahre alt geworden wäre, über 100 Personen zu einer Gedenkfeier eingefunden hatten. Der Lehrer Beat De Ventura stellte sich mit seinen Schülern auf und intonierte vor dem noch verhüllten Erinnerungsbild das «Randenlied», die wohl bekannteste Komposition des einstigen Lehrers Otto Uehlinger.
Nach diesem schwungvollen Einstieg zitierte Beat De Ventura, der sich zu diesem Anlass angezogen hatte, wie es zu Otto Uehlingers Zeiten modern gewesen war, aus einer Schrift des Mundartautors, die dieser 1978 verfasst hatte. Vor damals 100 Jahren habe ein Professor behauptet, so heisst es darin, dass es 1920 keine Kantonsdialekte mehr geben werde, sondern nur noch «Oltemer Bahnhofsbuffet-Tüütsch». Natürlich habe der Professor nicht recht gehabt: «Me kännt üüs Schafuuser vor allem wägem braate A, wo üsi Schpròòch rund und tüüff macht. Sie töönt we e groossi Glogge.» Dann folgten Beispiele: Zaane statt Zaine, Baa statt Bein/Beine und natürlich Ziiting, Sitzing, Schübling. Und man hörte vom Spiegelei, das ein Stierenaug sei, und vom Überbürzel, wie der Purzelbaum im Schaffhausischen heisse. Und passend zur Witterung sprach De Ventura genüsslich vom «Schnäiele und Bäiele», vom «Pfnüsel» und zeigte die reiche Ausdruckspalette für das Regnen auf: «fiserle, ghäie lòò, schif- fe, saache, tachle, schtrò- dle, schträäze». Jedes dieser Wörter habe sein eigenes Gewicht; die Mundart habe das «Gschpüri» für den richtigen Ausdruck.
Ein Kind durfte dann das Leintuch von der Informationstafel und von der Gedenktafel, einem von der Neunkircher Künstlerin Claudia Girard geschaffenen Porträt des Dichters, ziehen. Die Künstlerin dankte der Gemeinde und allen Sponsoren, darunter der Schaffhauser Mundartverein, und sagte: «Aus der Pose des Dichters und Denkers, die Otto Uehlinger einnehmen konnte, strahlt nicht nur Respekt und Intelligenz, sondern auch Güte.» Und um die Mundwinkel spiele etwas Humorvolles, und in den Augen liege eine ordentliche Schwermut. «Der Mann hat viele schöne und viele schwere Erlebnisse gehabt.»

**«Nüüchilch» versus «Nüüchirch»**
Marianne Leu, die Tochter des Dichters, gab der Feier eine ganz persönliche Note: «Wenn de Otti Uehlinger, de Schtürmer, de Vatti uns sehen könnte, dann wäre er ganz einfach glücklich, dass er nicht vergessen worden ist.» Er würde es geniessen, zu sehen, sagte sie, wie vielen Leuten er mit seinen Geschichten auch heute noch Freude macht, und er wäre stolz, dass seine Lieder noch immer gesungen werden. Und sie erwähnte die Urenkelin, die mit gut drei Jahren schon alle Strophen des «Randenliedes» auswendig singen könne.
Danach lud die Kulturreferentin der Gemeinde Neunkirch, Jana Honegger, ins Altersheim zu einer «Schtubete». In der Wärme gab es Rickli und Wein, Beat De Ventura las Uehlinger-Geschichten vor, man sang die Lieder «Mii Randeland» und «Im Chläggi dihaam» und nahm zur Kenntnis, wie liebevoll Otto Uehlinger mit dem Städtlinamen umging: Neunkirch heisse in der Mundart «Nüüchilch», und dieses Wort klinge, als würde einem jemand die Wange streicheln. Das neuere «Nüüchirch» dagegen sei rau, wie gesandet, und kratze.
Am Schluss stand der Wunsch Otto Uehlingers an die Nachgeborenen gerade im Hinblick auf solche und andere Feinheiten der Sprache: «Ich wünsche euch ein gutes Musikgehör!»



Am Haus zum Hirschen, wo Otto Uehlinger 1916 geboren wurde, enthüllt ein Kind mit Claudia Girard die Gedenktafeln im Beisein von Marianne Leu, der Tochter von Otto Uehlinger (im grauen Mantel). Ganz rechts Beat De Ventura.
Bild Alfred Wüger

#Allgemeines

22. Februar 2016 | Ergebnisse der Abschlussklassen

Schaffhauser Nachrichten
Anna Rosenwasser

Für die einen war es bloss Ausnahmeunterricht an einem Samstagmorgen, für die anderen ein Hauch schulische Nostalgie: Die Kantonsschule Schaffhausen lud vergangenes Wochenende zum Besuchsmorgen. Im Anschluss fand das Alumnitreffen in den Räumlichkeiten der Mensa statt: Ehemalige Schülerinnen und Schüler, die vergangenen Sommer abschlossen, hatten sich hierfür anmelden können. Ein ­gutes Zeichen: Es erschienen mehr Personen als angemeldet. Es sei das vielleicht «spannendste Alumnitreffen» seit längerer Zeit, soRektor Pasquale Comi.Während nämlich während der vergangenen Jahre die Matur- und Fachmittelschul-Abschlussjahrgänge 2011 bis 2014 vom Institut für Bildungsforschung befragt worden waren, kamen die diesjährigen Anwesenden in den Genuss der bisherigen Ergebnisse. Comi fasste Antworten und Tendenzen der Befragungen zusammen und zeigte sich erfreut über die grosse Zufriedenheit der ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die das Schaffhauser Kurzzeitgymnasium nicht nur allgemein, sondern auch im Hinblick auf Sonderveranstaltungen, die Vorbereitung aufs Studium und ihren Ausbildungsstand im Durchschnitt hoch einschätzen. Kritik äusserten die Befragten im Hinblick auf die uneinheitlichen Anforderungen – hier wurden mittlerweile entsprechende Massnahmen getroffen –, das Wahlfachangebot und die Unterschiede zwischen FMS und Maturschule.
Am Ende dieser kurzen Zusammenfassung folgten kaum Fragen der anwesenden Alumni. «Uns betrifft das ja kaum mehr», begründeten etwa Mirusche Suboska, Roger Thöni und Paloma Porfido. Andere erkannten kritische Gedanken in der Zusammenfassung wieder: «Wir konnten Lob und Kritik nachvollziehen», fanden etwa David Marxen, Divya Maliakal und Katharina Kuhn,«die Fächerverteilung im naturwissenschaftlichen Profil hat schon eine Rolle gespielt.» Ausschliesslich positiv ist dafür der Grund für die Anwesenheit von Kaltrina Nuhiu und Céline Spengler: Die beiden FMS-Schülerinnen, die momentan beide ein Praktikum absolvieren, vermissen die Schule.
Künftig wird die Kantonsschule aus Kostengründen die Umfragen verdichten und im Haus mit einer bereits erfolgreich genutzten Software durchführen. Der Jahrgang 2016 soll der erste davon betroffene Abschlussjahrgang sein.


«Die Umfrage ist lange her – und betrifft uns kaum mehr», sagen Mirusche Suboska, Roger Thöni und Paloma Porfido.


Begrüssten die neuen Alumni: Detlef Roth (Prorektor Profil S), Pasquale Comi (Rektor) und Georg Keller (Prorektor Profil M).


Kaltrina Nuhiu und Céline Spengler aus der FMS machen aktuell je ein Praktikum und vermissen die Schule.


Können präsentierte Kritik nachvollziehen: David Marxen, Divya Maliakal und Katharina Kuhn.


Vergnügtes Wiedersehen: Ein halbes Jahr nach dem Abschluss trafen sich einige der Schaffhauser Maturandinnen und Maturanden wieder – erst für den Besuchsmorgen, danach für das Alumnitreffen.
Bilder Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

13. Februar 2016 | Die Mundart verliert ihre Eigenheiten

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Wenn am nächsten Samstag in Otto Uehlingers Geburtsort Neunkirch anlässlich seines 100. Geburtstags eine Gedenkfeier stattfindet, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der verdienstvolle Mundartautor heute weitgehend vergessen ist. Seine Bücher findet man am ehesten noch in Brockenstuben oder hier und dort antiquarisch in einer Buchhandlung.
Christoph Landolt, Mitarbeiter beim Schweizerischen Idiotikon in ­Zürich, kann denn auch keine allgemeine Welle der Mundartliteratur erkennen – und das trotz eines Gross­erfolgs wie «Dr Goalie bin ig» von Pedro Lenz. «Was das Literarische betrifft», sagt Landolt, «ist die Mundart in der Schweiz praktisch gestorben. Auch die, die Erfolg haben, sind letztlich völlig isolierte Figuren.» Zwischen 1900 und 1950 sei das anders gewesen. Da habe es die sogenannte Heimatschutzliteratur gegeben, auch mit vielen Laien­theatern. Im Kanton Schaffhausen war etwa die Wilchingerin Ruth Blum in Mundart für die Bühne aktiv. Dann, so Landolt weiter, seien in den 1960er-Jahren die Berner Troubadoure gekommen. Auch diese Tradition hat bekanntlich Schaffhauser Ableger: Dieter Wiesmann und, seit Neustem, Christoph Bürgin.
Einer noch neueren Strömung, näm- lich der Slam-Poetry, gehört ­Gabriel Vetter, geboren 1983, an. Er sagt: «Ich bin in Beggingen mit Mundartsprüchen und -witzen aufgewachsen. In Beggingen definierte man sich sehr über den eigenen Dialekt. Die Sprache war also immer auch als Merkmal und Kultur spürbar. Ich würde sogar sagen: Der ‹Mundartdichter›, der mich am meisten geprägt hat, war und ist der Begginger Dialekt mitsamt seinen Geschichten. Wundervoll!»
Eine andere Erfahrung hat der gut 60jährige Neunkircher Lehrer Beat De Ventura gemacht, der bei der Feier am kommenden Samstag die Gedenktafel für Otto Uehlinger enthüllen wird. «In der dritten Sekundarklasse nehme ich den Dialekt durch», berichtet er. «Das ist freiwillig. Vor zehn Jahren gab es noch Siblinger Schüler, die sagten: ‹Ich gang haam, mir tot s Baa wee.› Aber heute ist die alte Mundart flächen­deckend verschwunden. Einzelne von den Höfen reden vielleicht noch so, aber allgemein ist ihnen die Internetsprache wichtiger, als sich ‹haamet­vobunde› auszudrücken.»

**Wenn das urbane Zentrum fehlt**
Mundartforscher Christoph Lan­dolt bestätigt diesen Befund. «Es ist eindeutig, dass die Dialekte verflachen. In Schaffhausen ging man wie in St. Gallen auch bereits im frühen 19. Jahrhundert etwa von ‹Laatere› zu ‹Läitere› über. Das heisst, wenn eine Sprache kein urbanes Zentrum hat, wird sie zur Bauernsprache, und wer aufsteigen will, legt dieses Bäurische ab.»
Auch Gabriel Vetter lebt aber nicht mehr auf dem Dorf. Er kann in der Mundart slammen oder die Schriftsprache mit Mundart pfeffern. Dass die Ostschweizer gegenüber den Bernern im Hintertreffen seien, sieht er nicht. Im Gegenteil: «In der Slamszene war die Ostschweiz bis vor Kurzem eigentlich eine regelrechte Übermacht.»
Die Unterschiede in den Mund­arten und die Veränderungen durch die Sprachentwicklung würden in der Schweiz praktisch nicht erforscht, bedauert Landolt – und das sei doch erstaunlich in einem Land, wo die Mundart einen so grossen Stellenwert habe. Aber in der Schweiz sei es eben selbstverständlich, Mundart zu sprechen. Das sei lange überall so gewesen. Denn dass man sich in der Schriftsprache unterhalte, sei eine sehr junge Erscheinung.»


**Dichter, Mundartautor und Komponist Otto Uehlinger**

*«Nääne uf de ganze Wält redt me esoo, we miir redet»*

Heute, am 13. Februar, könnte Otto Uehlinger seinen 100. Geburtstag feiern, wäre er nicht bereits im Jahre 2004 gestorben. Was er der Bevölkerung des Kantons Schaffhausen hinterlassen hat, ist indes zum Teil Volksgut und damit in einem gewissen Sinn unvergänglich geworden. So etwa das «Randelied», neben Dieter Wiesmanns «Bloos e chliini Stadt», die bekannteste Schaffhauser Hymne. Mit dem Refrain «Wär wett i de Stube hocke / du bisch doch no z jung dezue / De Rucksack an Puggel / uf d Socke / Mir haued s in Rande ue» drückt das Lied auf unvergleichliche Weise die Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben, aus.
Alfred Richli, der Mentor des Schaffhauser Wörterbuches, nennt Otto Uehlinger den «populärsten Mundartautor». Er sei populärer als Albert Bächtold, der viel mehr vom Leser verlangt habe. Uehlinger habe dadurch eine Breitenwirkung gehabt, die dem Schaffhauser Mundart-«Olympier» Bächtold versagt geblieben sei. Allerdings habe Uehlinger nicht Bächtolds langen Atem gehabt. Vielmehr sei Uehlinger, so Richli, seinem Übernamen «Stürmer» gerecht geworden: «Kurzer Anlauf, grosse Wirkung und alles bedienen, was die Leute liebten, samt tiefer Tragik, Trauer, Heiterkeit.» So seien kurze Geschichten entstanden – wie sie in den Bänden «Am Trottefüür» aus dem Jahre 1970 sowie «Bim Häidebomm» aus dem Jahre 1979 gesammelt sind. Der rasche Erfolg, den der Autor angestrebt habe, sei ihm auch zuteil geworden, sagt Richli.
Otto Uehlinger schrieb und komponierte übrigens nicht nur das «Randelied», sondern auch das «Reiatlied» sowie das Büsingerlied «Am Rii dihaam» – Werke, die bei ihm bestellt worden waren. Richli: «Diese Lieder prägten sich den Menschen tief ein, weil sie sentimental waren und rhythmisch lebendig.»

**Ein Spracherzieher**
Otto Uehlinger war allerdings nicht nur Mundartautor, sondern er wollte die Mundart den Leuten nahebringen. Er stellte zu diesem Zweck zwei kleine Bändchen zusammen – «Schafuuser Mundaart» und «No meh Schafuuser Mundaart», die 1983 und 1986 von der Kantonalbank herausgegeben wurden, eine gute Resonanz fanden und als Vorläufer des aktuellen «Wörterbuchs der Schaffhauser Mundart» gelten können.
Aufgewachsen war Uehlinger im Restaurant «Zum Hirschen» in Neunkirch. Später zog er nach Osterfingen und war als Lehrer zuerst dort und dann in Schaffhausen tätig, wo er nach seiner Pensionierung als Zivilstandsbeamter wirkte. Er war ausserdem von 1961 bis 1974 Munotvater und genoss daher starke öffentliche Präsenz.
Im Expojahr 1964 wurde sein Gedicht «De Bückiträger» in eine kleine Anthologie mit sieben Schaffhauser Dichtern aufgenommen. Und im Band «Schweizer Dialekte» schrieb Uehlinger 1965: «Üüseri Mundaart ghöört üüs ganz elaage. Nääne uf de ganze Wält redt me esoo, we miir redet. Und kann Mänsch cha üüs die Schprooch ewäg nää, will si i üüs inne ischt wie s Läbe.»
Nun, die Sprache ist wie das Leben pausenlosem Wandel unterworfen. «Otto Uehlinger wollte die Mundart als ernst zu nehmendes Ausdrucksmittel mit Humor populär machen, und das ist ihm auch gelungen», sagt Richli, denn: «Das Spracherzieherische pflegte er wie kein Zweiter.»
(Wü.)


**Schaffhauser Literatur**

*Drei Autoren und ihre Mundartwerke*

Die Schaffhauser Mundartliteratur hat eine reiche Tradition. Wie umfangreich sie einst war, lässt sich auf www.idiotikon.ch inzwischen auch im Internet nachlesen. Aktuell macht nurmehr die Slam-Poetry-Szene von sich reden. Im Folgenden drei völlig unterschiedliche Beispiele von Schaffhauser Mundartautoren:

Albert Bächtold
lebte von 1891 bis 1981. Der Klettgauer schuf ein mehrbändiges autobiografisches Werk, das in seiner Art in der gesamten Deutschschweizer Mundartliteratur einzigartig und weitgehend von hohem literarischem Rang ist. Dies gilt insbesondere für den zweibändigen Roman «Pjotr Iwanowitsch», der derzeit von einer aus Kiew gebürtigen Übersetzerin ins Russische übertragen wird.

Blanka Chiozza-Surbeck
wurde 1920 in Oberhallau geboren und starb 2007. Statt Medizin ­studieren zu können, wuchs sie ins «Rebwerk» hinein und arbeitete später in der Zucker­bäckerei Ermatinger als Verkäuferin. Erst 1995 wurde ihr Hauptwerk «Es ­Mareili» im Meier Buchverlag Schaffhausen, der auch das Werk von Albert Bächtold betreut, heraus- gegeben. Im «Mareili» erzählt Blanka Chiozza-­Surbeck ihre Kindheit.

Gabriel Vetter
wurde 1983 geboren und wuchs in Beggingen auf. «Den Liedermacher Dieter Wiesmann habe ich als Apotheker meiner Mutter wahr- genommen», sagt er, «und mit Albert Bächtold kam ich erst durch den Film ‹Z Kiew redt me Mundaart› in Kontakt. Am meisten hat mich Markus Werner beeinflusst: Bei ihm lernte ich, dass Mundartausdrücke einen Satz träfer oder lakonischer machen können.»
(Wü.)


**Otto Uehlinger Festakt zu Ehren des Dichters**

Feier
Am nächsten Samstag um 14 Uhr wird in Neunkirch am Haus «zum Hirschen», wo Otto Uehlinger als Sohn des Wirte- ehepaars aufwuchs, eine Gedenktafel enthüllt. Der Neunkircher Lehrer Beat De Ventura wird beim Festakt als Otto Uehlinger ver- kleidet auftreten und Texte lesen. Danach gibt es einen Umtrunk.

Stationen
Otto Uehlinger ver- liess in jungen Jahren Neunkirch, wurde Lehrer in Osterfingen und später in Schaffhausen. Ausserdem wirkte er als Zivilstandsbeamter und war von 1961 bis 1974 Munotvater.

Bücher
Heute sind die Bücher von Otto Uehlinger nicht mehr ohne Weiteres greifbar. Dies gilt auch für «Am Trottefüür» und «Bim Häidebomm», die heitere und besinnliche Kurzgeschichten enthalten. Die Stimme des Dichters ist zu hören auf www.mundartschaffhausen.ch.
(Wü.)

#Notizen zu Namen

15. Januar 2016 | Was das Orakel für das Jahr 2016 weissagt

Schaffhauser Nachrichten
Daniel Jung

Ein grosses Stelldichein von Menschen aus der Region Schaffhausen, das war das 38. Bleigiessen der «Schaffhauser Nachrichten». Gestern Abend wurden im Schaffhauser Stadttheater wiederum sechs Prominente eingeladen, einen humorvollen Blick auf die Herausforderungen im Jahr 2016 zu werfen.
Traditionell wird das Blei beim Neujahrsanlass auf einer alten Einzelbuchstaben-Bleigussmaschine aus dem Buchdruck erhitzt. Die Gäste lassen eine Suppenkelle davon in einen Kübel kalten Wassers fallen. Dann zischt es laut, und es entsteht eine unregelmässige, oft bizarre Figur, die es zu interpretieren gilt. Die Gäste stellten sich in kurzen Videobeiträgen selber vor und sprachen über ihre Vorsätze für das neue Jahr. Durch den Abend führte SN-Redaktor Zeno Geisseler.

**Die gestiefelte Springmaus**
Als Erster an der Reihe war gestern FDP-Grossstadtrat Martin Egger, der bereits heute Abend zum Grossstadtratspräsidenten gewählt werden dürfte. Egger goss eine Form, in welcher er «eine Springmaus, die gerade am Trinken ist» erkannte. Das Orakel – eine Stimme, die vom Bühnenhintergrund zum Publikum spricht – forderte Egger auf, die Siebenmeilenstiefel anzuziehen. «Sei offen für alles, was dir begegnet», sagte das Orakel zum Politiker. Ob es sich damit auf mögliche Regierungsratsambitionen des FDP-Politikers bezog, blieb offen. Egger hatte zuvor auf eine entsprechende Frage gesagt, man solle niemals nie sagen.

Katharina Epprecht, Direktorin des Museums zu Allerheiligen, sprach schon vor ihrem Bleiguss von der Brückenfunktion, welche das Museum in Schaffhausen zwischen ­Altstadt und Rheinufer sowie zwischen Bevölkerung und Kunst innehabe. ­Passenderweise goss sie dann eine «Zweibogenbrücke, der noch ein Pfeiler fehlt». Das Orakel prophezeite ­Epprecht, dass ihr Leben im neuen Jahr in Bewegung kommen werde. «Bewegung ist gut», befand Epprecht. Als ­Moderator Geisseler ihren Wechsel vom Museum Rietberg in Zürich nach Schaffhausen mit einem Transfer vom GC-Fussballclub zum FC Schaffhausen verglich, protestierte Epprecht deutlich: «Das ist ein riesiges Missverständnis – das Museum zu Allerheiligen ist ein hervorragendes Museum.»

Das Blei von Peter Uehlinger, Präsident des Munotvereins, erstarrte in der Form eines Tanzschuhs. Dabei wurde auf der Bühne gescherzt, Uehlinger habe «einen Schuh herausgezogen». Das Orakel erkannte im Schuh jedoch nichts ­Negatives, machte ­Ueh- linger aber Mut für neue Wege: «Du musst mehr riskieren, wenn du nicht auf der Stelle treten willst», fand die Stimme aus dem Hintergrund.

**Bunte Papageien in der Bank**
Kantonalbank-Chef Martin Vogel sah in seinem Bleiguss einen Papagei. Bunte Vögel seien in der Bank gar nicht unerwünscht, sagte er. «Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter eine eigene Meinung haben.» Das Orakel behauptete, der Papagei mache Vogel aufmerksam auf «Betrügereien im neuen Jahr». Es ergänzte: «Bleib wachsam, dann wird es ein gutes 2016.»

Yiting Cao, Captain des Volleyballteams VC Kanti, sah in ihrer Form zunächst einen Helikopter, entschied sich aber schliesslich für zwei Ski- fahrer. In Schanghai aufgewachsen, kam die Profisportlerin nach einem Aufenthalt in den USA nach Schaffhausen. «2016 wird ein Jahr voller unerwarteter Möglichkeiten», verkündete das Orakel.

Philipp Müller, abtretender Parteipräsident der FDP Schweiz, goss ein besonders bizarres Gebilde. Er erkannte darin «ein Huhn im Gehege, nachdem der Fuchs da gewesen ist». Als Parteipräsident sei man zwar kein armes Huhn, so Müller, eine Zielscheibe für Angriffe stelle man jedoch oft dar. «Du gewinnst eine neue Gelassenheit», ­verkündete das Orakel, «tu dir etwas Gutes.»


**Silvester-Bleigiessen Ein alter Brauch**

Orakel-BrauchtumBleigiessen wird heute vorwiegend in wenig ernster Weise rund um Silvester praktiziert. Es war aber schon bei den alten Römern verbreitet, die als erste Kultur in grösserem Massstab Blei verwendeten.
*Ablauf*
Beim SN-Bleigiessen werden Bleistücke in einer historischen Bleisatzmaschine erhitzt, bis sie gerade eben geschmolzen sind. Das flüssige Metall wird sodann mit einer Suppenkelle in einen bereitgestellten Kübel mit kaltem Wasser gegossen, wo es sofort zu bizarren Formen erstarrt. Anhand dieser Figuren können die Teilnehmer dann ihre Zukunft erahnen.

Legende



Peter Uehlinger, Präsident des Munotvereins, erkannte in seiner Form einen Tanzschuh. «Schuhe kann man immer brauchen», sagte er pragmatisch.

#Notizen zu Namen

12. Januar 2016 | Die Eierstöcke halten nicht Schritt

Die Weltwoche
Claudia Schumacher

*Schwangerschaften von Frauen über 35 Jahren gelten als riskant. Welches Risiko nimmt Margarita Louis-Dreyfus in Kauf, die nun mit 53 Jahren noch Zwillinge bekommt?*
Das Risiko im Einzelfall lässt sich schwer bewerten. Wenn eine sehr gesunde, sehr fitte, materiell abgesicherte Frau unter ­optimaler medizinischer Betreuung mit 53 Jahren schwanger werden möchte, kann das eine legitime persönliche Entscheidung sein. Und auch wenn es unwahrscheinlich ist: Die Möglichkeit, dass eine Frau mit über fünfzig Jahren auf natür­lichem Wege schwanger wird, besteht ­übrigens. Die älteste Frau, von der wir in diesem Zusammenhang wissen, war 58 Jahre alt.

*Der späte Kinderwunsch ist ein Trend. Nicht nur die Karriereoptionen der ­heutigen Frau, auch die steigende Lebens­erwartung spielt hier mit hinein. ­Verschiebt sich parallel dazu das Fruchtbarkeitsfenster?*
Das ist das Problem: Die Eierstöcke der Frau halten nicht Schritt mit der allgemeinen Entwicklung der Lebenserwartung. Während sich die Samenzellen der Männer millionenfach durch Zellteilung regenerieren und Charlie Chaplin mit achtzig Jahren noch ein Kind zeugen konnte, regenerieren sich die Eier der Frau nicht. Ab 34 Jahren ist das Erbgut in den Eizellen zunehmend brüchig und fehleranfällig. Es ist nicht absehbar, dass sich das ändert.

*Die Evolution müsste sich etwas einfallen lassen.*
Sie hatte wohl einfach nicht genug Zeit ­dazu. Erst mit der Ausbreitung der Verhütungsmittel ab den fünfziger Jahren verschiebt sich das Alter, in dem Frauen ihre Kinder bekommen, nach hinten. Bis auf die Eizellenspende von jüngeren an ältere Frauen gibt es hier bis jetzt keine Lösung.

*Wie hilfreich ist die Möglichkeit, eigene Eizellen einfrieren zu lassen?*
Ich betrachte sie als Notlösung für Frauen, die Kinder möchten, aber aufgrund ­ungünstiger Schicksalswendungen mit dreissig noch nicht absehen können, wann die Familiengründung geschehen könnte. Als einen gesellschaftsfähigen Entwurf für die Mehrheit der Frauen sehe ich die Eizellenvorsorge aber nicht an. Der natürliche Weg, schwanger zu werden, ist immer noch der sicherste – wer die Wahl hat, sollte nicht warten, bis es dafür zu spät ­geworden ist.

*Wie liegen die Kosten bei den assistierten Befruchtungsmethoden?*
Im Raum Zürich kostet das Einfrieren der eigenen Eizellen etwa 5000 Franken. Eine künstliche Befruchtung liegt pro Anlauf bei unter 10?000 Franken. Die Eizellenspende von einer Frau an die andere ist in der Schweiz zwar nicht erlaubt, lässt sich aber über das Ausland arrangieren. Spanien ist ­eine beliebte Anlaufstelle. Dort kostet eine Eizellen­spende etwa 10?000 Euro.

*Wie können junge Frauen präventiv ihre Fruchtbarkeit positiv beeinflussen?*
Nichtraucherin werden oder bleiben. Sport treiben. Genug schlafen. Und ein normales Gewicht halten. Nicht zuletzt sollten ­Frauen mit Kinderwunsch ab dem Alter von dreissig Jahren nur Beziehungen mit Männern eingehen, die für diesen Wunsch offen sind.

*Wenn der Weg am Ende aber doch in die ­Klinik führt: Wie viele Befruchtungszyklen sind vertretbar?*
Die Krankenkasse zahlt – bevor das Rea­genzglas notwendig wird – drei Inseminationen pro Schwangerschaft. Wenn diese drei nicht fruchten, führen wir ein Gespräch mit dem Paar, das sich ab dann finanziell beteiligen muss. Die In-vitro-Fertilisation mit eigenen Eizellen muss aber nicht das Ende sein. Mit fremden Eizellen können sich die Chancen noch einmal um den Faktor 5 oder sogar 10 verbessern.

*Danach gibt es noch die Leihmutterschaft oder Adoption.*
Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten. Seriös wird sie nur in den USA angeboten. Im Einzelfall kann sie sinnvoll sein für Frauen, die ohne funktionsfähige Gebärmutter zur Welt gekommen sind. Doch das ist ein Randphänomen.

*Haben Sie schon einmal Frauen, die mit ­Ihrer Hilfe schwanger werden wollten, ­aufgrund ihres Alters abgewiesen?*
Frauen Mitte vierzig habe ich schon häufig mit Bedauern abgewiesen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer gesunden Schwangerschaft aus eigenen Eizellen bei unter fünf Prozent liegt. Wenn nur die Eizellen der Frau nicht gut sind, sie selbst aber gesund ist, rate ich zur Eizellenspende im Ausland. Wir dürfen hier zwar keine direkten Überweisungen tätigen, aber sehr wohl Kontakte vermitteln.

*Was ist die Zukunftsmusik der Fortpflanzungstechnik?*
Die Präimplantationsdiagnostik ist im Vormarsch: Embryonen können untersucht werden, bevor man sie einsetzt. In Spanien wird das bereits im frühen Stadium praktiziert, in der Schweiz haben wir einer Liberalisierung zugestimmt und müssen im Sommer noch über das Referendum abstimmen. Ich persönlich hoffe auf eine weitere Liberalisierung, denn die Präimplantationsdia­gnostik spart Zeit und Kosten. Man wird zum Beispiel bei Frauen über 38 Jahren viel schneller sagen können, ob sie mit den eigenen Eizellen überhaupt schwanger werden können. Der Fortschritt läuft auf dem Gebiet der Gentechnologie ab. Heutzutage kommt es bei der künstlichen Befruchtung noch häufig zu Mehrlingsgeburten. In Zukunft könnte man aber auch den Energie­gehalt der Embryonen untersuchen mit dem Hauptziel, nur noch einen einzigen Embryo einzusetzen und damit Zwillinge – sofern nicht gewünscht – zu verhindern.

Dr. med. Michael Singer ist ­Fortpflanzungsmediziner im Ärzteteam Gyné am See in Küsnacht ZH.

#Notizen zu Namen

15. Dezember 2015 | Traum und Wirklichkeit vermengen sich

Schaffhauser Nachrichten
Christina Brodowsky

Anfangs wollte Alexander Wanner seine Erlebnisse nur skizzenhaft zusammentragen, wie er bei der Präsentation seines Werkes am Freitagabend im Schaffhauser Bücher-Fass erzählte. «Damit wollte ich mir diese besondere Zeit selbst besser in Erinnerung halten.»
Kaum am Handlungsort des ersten Kapitels angekommen – ein zisterziensisches Kloster im Kanton Fribourg –, kam er jedoch zum Schluss, dass ein trockenes Aneinanderreihen von Stichworten den Erlebnissen nicht gerecht werden konnte. Ein Schlüsselmoment für diese Entscheidung war die Begegnung mit dem Klosterbruder Gaston. Dessen übertrieben wirkende Jovialität hinterliess einen bleibenden Eindruck bei Wanner. Die schlichte Einsamkeit des Klosters trug ebenfalls dazu bei, dass er sich alsbald in seiner Zelle hinsetzte und zu schreiben begann – von Hand, denn elektronische Geräte waren im Kloster nur bedingt toleriert.

**Nicht einfach ein Erlebnisbericht**
Das Buch setzt sich aus vier Kapiteln zusammen, von denen jedes einen anderen Abschnitt des Sabbaticals behandelt. Nach seinem Aufenthalt im Kloster reiste Wanner für ein paar Tage nach Caen, wo er zu seiner ­Studienzeit ein Auslandssemester verbracht hatte. Ein weiterer Abschnitt des Buchs widmet sich Wanners Verständnis für Musik und seinen Erfahrungen als junger und offenbar auch begabter Pianist. Den Abschluss bildet die Schilderung eines Praktikums auf einem Weingut in Bordeaux, welches er ebenfalls während seines Sabbaticals absolvierte.
Ein reiner Erlebnisbericht ist das Buch jedoch keinesfalls. Wanner schiebt immer wieder erfundene ­Sequenzen ein, die dem Leser wie Träume vorkommen. Der Zusammenhang dieser Fantasiegeschichten mit der Haupthandlung ist nicht immer auf Anhieb ersichtlich. Kenntnisse in der griechischen und römischen ­Mythologie erleichtern das Verständnis erheblich.
So kommt in einer Traumsequenz ein Motorradfahrer vor, dessen Helm kleine Flügel zieren, zudem fährt der Mann die erfundene Marke «Mercur AX». Neben dem titelgebenden ­Arkadien – einer sagenumwobenen Gegend in Griechenland – eine weitere Parallelen zu Vergils Aeneis. ­Darin stattet der Götterbote Merkur Aeneas einen Besuch ab. Und eines von Merkurs Erkennungsmerkmalen ist ein Helm mit Flügeln.
Diese Inspiration kam Wanner wohl nicht ganz zufällig, denn bei seinem Aufenthalt im Kloster beschäftigte er sich intensiv mit dem alten Text in lateinischer Originalsprache. Das Sabbatical war für ihn zwar eine Auszeit vom Lateinunterricht, keinesfalls aber vom Latein an sich.



Lebhaft schilderte Kantonsschullehrer Alexander Wanner (l.) die Entstehungsgeschichte seines ersten Buches. Das Bücher-Fass von Georg Freivogel (r.) bot den passenden Rahmen dazu.
Bild Bruno Bührer

#Allgemeines

12. Dezember 2015 | Trotz schwierigem Umfeld mit Jahresergebnis zufrieden

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

369 Falken-Aktionäre fanden gestern Abend den Weg an die ordentliche Generalversammlung der Schaffhauser Traditionsbrauerei im «Park Casino». Unter den geschätzt gut 400 Anwesenden befanden sich Vertreter der nationalen, kantonalen und städtischen Politik sowie Spitzenvertreter der Schaffhauser Wirtschaft.
Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei, machte in seiner Begrüssung keinen Hehl daraus, dass die Bremsspuren des Frankenschocks noch längere Zeit nachwirken werden. Zusammen mit der Unsicherheit auf politischer Ebene – Stichworte Masseneinwanderungs-Initiative und bilaterale Verträge – und dem Einkaufstourismus ennet der Grenze treffe dies den Grenzkanton Schaffhausen noch stärker als andere Regionen. Moersen stellte in diesem Zusammenhang «einen Schwund an Loyalität» fest, «der einen mit Sorge und Unverständnis» erfülle. Falken ihrerseits bekenne sich zu Schaffhausen, versicherte Moersen: «Wir verdienen unser Geld in dieser Region, und entsprechend werden wir es auch in dieser Region und in der Schweiz wieder ausgeben.» Als aktuelles Beispiel für diese Haltung erwähnte Moersen das im Bau befindliche Gär- und Tanklager, in welches Falken fünf Millionen Franken investiert: «Alle den Bau betreffenden Aufträge haben wir an Schaffhauser Unternehmen vergeben.» Die Brauerei Falken habe im abgelaufenen Braujahr 2014/15 ein «ansprechendes Jahresergebnis» erwirtschaftet, so Moersen: «Das lässt es zu, die im Berichtsjahr getätigten Investitionen voll abzuschreiben.» Dass die Brauerei Falken «ein glaubwürdiger und verlässlicher Parter» und «ein sicherer Wert in der Wirtschaftsregion Schaffhausen» sei, habe sie auch «dem Durst und der Markentreue» ihrer Aktionäre zu verdanken.
Nachdem Falken-CEO Markus Höfler das abgelaufene Braujahr hatte Revue passieren lassen, arbeitete die Generalversammlung die statutarischen Geschäfte zügig und ohne Diskussion ab: So wurden Jahresbericht und -rechnung genehmigt, den Mitgliedern des Verwaltungsrates Entlastung erteilt und über die Verwendung des Bilanzgewinns von 0,637 Mio. Franken entschieden: 0,337 Mio. werden auf die neue Rechnung vorgetragen, 0,15 Mio. der freien Reserve zugewiesen und 0,15 Mio. als Dividende ausgeschüttet. Die BDO AG in St. Gallen erhielt für ein weiteres Jahr das Mandat als Revisionsstelle.
Den krönenden Schlusspunkt des offiziellen Teils setzte der Kiffer Fredi Hinz, die Kultfigur des Schweizer Komikers Viktor Giacobbo. «Weisst du, es ist einfach immer wichtig, was du nimmst», lautete die Botschaft des Drögelers, der sich als «Unternehmer im Betäubungsmittelbereich» versteht und sich somit auf Augenhöhe sieht mit nationalen und Schaffhauser Wirtschafts- und Politgrössen – an denen es gestern Abend im «Park Casino» wahrlich nicht mangelte …


**«Der 15. Januar hat dieses Jahr geprägt»**
*Preisdruck im Detailhandel, Ru?ckgang in der Gastronomie – aber auch weitere Erfolge mit vielversprechenden Spezialitäten: Das Bierjahr 2014/15 hat Falken ganz schön gefordert.*

Interview Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei Falken
von Rolf Fehlmann

*Was bleibt in der Rückschau vom Bierjahr
2014/ 2015?*
Im abgelaufenen Braujahr hatten wir grosse Herausforderungen zu bewältigen. Dennoch hatten wir aufgrund der mittlerweile eingespielten Abläufe in unserem Dosenkompetenzzentrum (die Abfüllanlage, Red.) die Möglichkeit, uns wieder vermehrt um die Entwicklung neuer Produkte und Verpackungen zu kümmern. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen.

*Wie hat sich die Aufgabe des Euro-Mindestkurses ausgewirkt?*
Der Nationalbankentscheid vom 15. Januar hat das Jahr geprägt. Der Einkaufstourismus nahm noch einmal neue Dimensionen an, und der Preisdruck des Detailhandels war äusserst intensiv, weil dieser sehr stark preisgesteuert ist. Der Handel hat Preisforderungen an uns gestellt, denen wir aber nicht nachgegeben haben. Darauf sind wir stolz. Wir haben vielmehr unsere Strategie weiterverfolgt, die wir bereits im Vorjahr mit unseren Bügelflaschen eingeleitet hatten, nämlich uns von der Masse abzuheben. Das war auch in der Rückschau der einzig richtige Weg.

*Weshalb?*
Wenn im Detailhandel der Wettbewerb ausschliesslich über den Preis läuft, haben Sie als kleine Brauerei kaum eine Chance, preislich mit den Grossen der Branche gleichzuziehen. Entsprechend muss unser Fokus auch weiterhin auf Spezialitäten liegen. Auch wenn der aktuelle Anteil noch klein ist – 80 Prozent unserer Produktion sind nach wie vor Lagerbier – sind wir vom Potenzial der Spezialitäten überzeugt.

*Wie steht es mit der Präsenz von Falken in der Gastronomie?*
Dort ist Falken traditionellsehr stark, weil wir dort schon in der Vergangenheit Wachstum generieren konnten. Leider ist die Gastronomie zugunsten des Detailhandels weiter stark rückläufig.

*In der Schweiz schiessen kleine Brauereien wie Pilze aus dem Boden, und alle kommen mit Spezialitäten.*
Diese kleinen Brauereien mit ihren Spezialitäten tun der Schweizer Bierlandschaft enorm gut. Spezialitäten helfen, die Einstellungen der Konsumenten gegenüber dem Bier zu ändern, und das ist gut so. Die Schweiz hat einen grossen Nachholbedarf, wenn es um Bierkultur geht.

*Es gibt Restaurants wie den «Güterhof», für den Sie ein eigenes Bier herstellen. Dort wird dem Gast als Erstes ein Güterhofbier angeboten, wenn er ein Bier bestellt. Warum machen das andere Restaurants mit Falkenspezialitäten nicht ebenso?*
Im «Güterhof» bestellen die Gäste mittlerweile nicht «eine Stange», sondern «ein Güterhofbier». Wir sind dabei, unsere Gastronomen zu sensibilisieren – auch wenn es darum geht, ausländische Gäste zu bedienen. Diese bevorzugen meistens ein «local beer». Hinzu kommt, dass Spezialitäten nicht über den Preis verkauft werden und somit auch nicht dem direkten Vergleich mit dem Detailhandel ausgesetzt sind.

*«Adam & Eva» ist Ihre neuste Spezialität. Können Sie diese über unsere Region hinaus verkaufen?*
Ja. Wir hatten «Adam & Eva» erst im Frühjahr 2015 auf den Markt gebracht, weil wir Neu- und Weiterentwicklungen parallel zu unserem Tagesgeschäft bewältigen müssen. April 2015 war aber definitiv zu spät, um eine flächendeckende Distribution noch in diesem Jahr zu erreichen.

*Wie sind Sie mit «Adam & Eva» für 2016 unterwegs?*
In der Schweiz setzen wir mit dem Produkt voll auf Swissness. In den Gesprächen mit dem Detailhandel zeigen sich sehr positive Signale. Äusserst erfreulich ist auch die Nachfrage aus dem Ausland. Wir werden Anfang 2016 die ersten Gespräche mit potenziellen Partnern führen. Darum haben wir die Wort-Bild-Marke «Adam & Eva» als Biermischgetränk für die Schweiz, für Deutschland und Österreich urheberrechtlich schützen lassen.

*Sie wollen ein Biermischgetränk aus dem Hochpreisland Schweiz in die Eurozone exportieren?*
Ja – wenn wir den Preis bekommen, den wir haben müssen. Der Konsument ist durchaus bereit, diesen zu zahlen, weil «Adam & Eva» eine Spezialität ist, die er sonst nirgends findet. Und gerade der deutsche Konsument liebt Biermischgetränke.

*Wie sieht die Bilanz Ihres Dosenkompetenzzentrums aus, das Sie vor drei Jahren in Betrieb genommen haben?*
Niemand hat diesen Erfolg erwartet. Das erste Jahr war aber ein Lehrjahr, das unseren Mitarbeitenden enorm viel abverlangt hat. 2015 sind wir bei einer Kapazität von gut zehn Millionen Dosen im Jahr – zum Vergleich: 2014 hatten wir 14,8 Millionen Dosen. Die Differenz entspricht ungefähr der Kapazität der Abfüllanlage der Appenzeller Brauerei Locher, welche dieses Jahr in Betrieb ging. Zehn Millionen Dosen pro Jahr können wir im Normalbetrieb sehr gut bewältigen. Das gibt uns wieder Luft für die Entwicklung von Spezialitäten und lässt uns Raum für zusätzliche Projekte.

*Für Ihr neuestes Projekt, das Tanklager, sind die Investitionen ja noch grösser als für das Dosenkompetenzzentrum.*
Das ist so. Wir investieren fünf Millionen Franken in neue Gär- und Lagertanks und sind so wieder auf dem aktuellsten Stand der Technik. Diese Investition zeugt auch von unserem Willen, unsere Selbständigkeit hier in Schaffhausen weiterzuführen. Bei der Vergabe der Aufträge haben wir übrigens ausschliesslich auf Unternehmen aus Schaffhausen gesetzt. Wir sehen es als unsere Pflicht an, das verdiente Geld wieder in unserer Region zu investieren.

#Allgemeines

28. November 2015 | Die Platzsituation ist wirklich prekär

Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

Bereits beim Betreten des Ergänzungsbaus der Kantonsschule Schaffhausen kann man die Pommesfrites riechen, welche kurz zuvor von Hunderten von Schülern in der Mensa genossen wurden. «Heute gab es Schnipo», sagt Peter Spörndli, seit sieben Jahren Küchenchef der Mensa. Diese feierte in dieser Woche ihr zehnjähriges Bestehen, weshalb die Schüler täglich ein Wunschmenü bestimmen durften.

**Von der Baracke zum Speisesaal**
Essen konnte man an der Kanti, schon bevor es die heutige Mensa gab. Wo heute der Ergänzungsbau steht, stand nach der Jahrtausendwende eine rote Baracke, die damals als Mensa diente. «Pro Tag wurden dort etwa 20 Mahlzeiten verkauft», erinnert sich Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule. «Es ist wie Tag und Nacht, wenn man die heutige Mensa mit derjenigen in der Baracke vergleicht», sagt er. Und zwar nicht nur, was den Komfort des modernen Speisesaals angehe, sondern vor allem bezogen auf die Essensqualität. «Wir werden hier heute täglich verwöhnt», so Comi. Pro Tag gibt es Pasta mit drei verschiedenen Saucen, ein Vegimenü, einen Tagesteller mit Fleisch sowie ein grosses Salatbuffet. Das breite Angebot ist möglich, weil mit Spörndli ein erfahrener Koch in der Küche steht, der viel Wert auf Abwechslung auf dem Teller und frisch zubereitete Mahlzeiten legt. Ob Gemüse rüsten oder Kartoffeln zu Stock pürieren, was selber gemacht werden kann, wird auch direkt in der Küche zubereitet. Fertigprodukte finden nur selten den Weg in die Mensaküche.
In dieser arbeiten neben Spörndli und seinem dreiköpfigen Fachfrauenteam auch gegen 20 Personen aus dem Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramm der Stiftung Impuls, die wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. «Das ist schon eine grosse Herausforderung», sagt der Küchenchef. Doch habe er sich gezielt für eine soziale Aufgabe entschieden, als er sich 2007 auf die Stelle bewarb. «Nach 15 Jahren als Koch auf Kreuzfahrtschiffen habe ich kulinarisch alles erreicht, was ich mir wünschte», sagt er. Deshalb habe er bewusst eine neue Herausforderung gesucht, die über das Kochen hinausgehe. «Ich profitiere hier sehr von meiner Arbeit auf See», so Spörndli. Auf den Schiffen habe das Küchenteam teilweise aus über 25 verschiedenen Nationalitäten bestanden, weshalb er bald gelernt habe, Integrationsarbeit zu leisten. Erfreut ist Spörndli besonders vom Umgang der Kantischüler mit seinen Mitarbeitern. «Da ist viel Verständnis vorhanden, zum Beispiel wenn es mal etwas länger dauert beim Anstehen», sagt er.

**Essen auf den Treppenstufen**
Bei der grossen Nachfrage komme es nicht selten vor, dass die Schüler bis ins Foyer hinaus anstehen müssten. Das Platzproblem existiert schon seit Tag eins. «Damals rechnete man mit etwa 80 Mahlzeiten täglich und wurde völlig überrannt», erinnert sich Roland Gasser, Geschäftsführer der Stiftung Impuls. Es hatte zu wenig Geschirr, ein zu kleines Vorratslager und vor allem zu wenig Sitzplätze. «Letzterer Punkt ist auch heute noch so», sagt Comi. An schönen Sommertagen könne man auf den Vorplätzen zusätzliche Sitzgelegenheiten bereitstellen, bei schlechtem oder kaltem Wetter gehe das aber nicht. «Die Schüler sitzen dann überall, um zu essen, da es in der Mensa schlicht zu wenig Sitzplätze hat», sagt Spörndli. «Die Platzsituation ist wirklich prekär», betont Comi. Deshalb brauche es einen Anbau, sobald dies die Kantonsfinanzen zulassen würden. «Möglich wäre, einen Wintergarten über den Vorplatz der Mensa zu bauen», sagt er. Dieser wäre wohl die kostengünstigste Variante – und man könne ihn bei schönem Wetter öffnen.



Seit sieben Jahren der Chef in der Kanti-Mensa: Peter Spörndli (r.) legt viel Wert darauf, dass die Menüs täglich frisch zubereitet werden und Abwechslung auf dem Teller geboten wird.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

17. November 2015 | Falken leicht unter Vorjahr

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

Gestern haben die Schweizer Bierbrauer ihre Zahlen für das Braujahr 2014/15 veröffentlicht. Während der Schweizer Biermarkt gemäss Angaben des Schweizer Brauerei-Verbandes um 0,1 Prozent gewachsen ist, blieb der Bierabsatz der Schaffhauser Brauerei Falken gesamthaft betrachtet leicht unter demjenigen des Vorjahres, wie Falken-CEO Markus Höfler gegenüber den SN sagte. Dennoch blicke Falken zuversichtlich in die Zukunft und sei als Unternehmen richtig aufgestellt, betonte er. Umsatzzahlen gibt die Brauerei mit der Einladung zur Generalversammlung bekannt.

**Spuren des Frankenschocks**
Drei Faktoren hätten den Absatz von Falkenbier im Braujahr 2014/15 massgeblich beeinflusst, so Höfler. Zum einen die unmittelbare Nähe Schaffhausens zur deutschen Grenze und der damit verbundene Einkaufstourismus: «Seit dem Frankenschock spüren wir das noch deutlicher.» Zweitens der – auch schweizweit zu verzeichnende – Volumenrückgang in der Gastronomie – ein Absatzkanal, in welchem Falken laut Höfler traditionell sehr stark ist. Schliesslich der gemäss Höfler äusserst hohe Margendruck im Detailhandel, wo Brauereien zwar grosse Volumina absetzen, aber mit kleiner Marge auskommen müssen.
Die Brauerei, so Höfler, profitiere von dem auch schweizweit anhaltenden Trend zu Spezialitäten mit höherer Marge. Diese trügen allerdings gesamtschweizerisch erst gut 20 Prozent zum Absatzvolumen bei: «Darum sind sie noch nicht in der Lage, den Volumenverlust beim Lagerbier zu kompensieren.» Letzteres werde heute ausschliesslich über den Preis verkauft.

**Wirte und Gäste sensibilisieren**
Dennoch sieht Falken gerade in der Gastronomie ein grosses Potenzial für Spezialitäten: «Noch ist Lagerbier das am meisten ausgeschenkte Bier in der Gastronomie, aber beim Konsumenten steigt das Bewusstsein für Spezialitätenbiere.» Die Gastronomen hätten es aber durchaus in der Hand, mehr Spezialitäten zu verkaufen, so Höfler: «Dazu müssen sie allerdings ihr Personal und ihre Gäste sensibilisieren.» Im Schaffhauser Restaurant Güterhof beispielsweise werde dem Gast das – von Falken stammende – «Güterhof»-Bier als Alternative angeboten: «Entsprechend gut ist heute die Nachfrage.» Gerade gegenüber Touristen könnten Gastronomen punkten, wenn sie auf ­regionale Spezialitäten hinweisen würden, ist Höfler überzeugt.

**Sorgen wegen neuer Verordnungen**
Höfler stimmt in die Kritik ein, welche gestern der Schweizer Brauerei-Verband an den neuen Verordnungen im Lebensmittelrecht übte. Diese Anpassungen ans europäische Recht sind derzeit in der Vernehmlassung. Laut dem Verband droht den Brauern hier neues Ungemach. Höfler: «Warnhinweise müssen landesweit dreisprachig angebracht werden, die Herkunfts­deklaration wird deutlich komplizierter, und die Übergangsfristen sind kurz.»

**Zuversicht für 2016**
«Generell positiv» bewertet Höfler hingegen den Ausblick der Brauerei Falken auf das kommende Jahr. So werde etwa das «Trainingslager»-Bier zur Fussball-EM 2016 wieder schweizweit verfügbar sein. Und auch die «sehr gut aufgenommene» Spezialität «Adam und Eva» werde jetzt «im Detailhandel ein Thema werden – auch im Ausland», so Höfler.


**Schweizer Bierkonsum: Kaum mehr Volumen**

Vor europaweit sinkendem Bierkonsum wuchs der Schweizer Biermarkt 2014/15 um 0,1 Prozent. Der Anteil des Schweizer Bieres stieg von 73,2 auf 74,4 Prozent. Die Bierimporte verringerten sich um 4,4 Prozent. Insgesamt wurden in der Schweiz rund 3,5 Millionen Hektoliter Bier gebraut (+1,8 Prozent). Aus dem Ausland eingeführt wurden 1,2 Millionen Hektoliter, wie der Schweizer Brauereiverband mitteilte. Ihm gehören 17 Brauereien an, die für 96 Prozent der Schweizer Bierproduktion stehen. (sda)

#Notizen zu Namen

16. November 2015 | Bürgerliches Duo gewinnt die Wahl

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Das bürgerliche Duo Karin Sigrist / Ueli Böhni wird künftig im Steiner Stadtrat Einsitz nehmen, anstelle der vorzeitig zurückgetretenen Stadträte Heidi Schilling (parteilos) und Beat Hug (SVP). Bei den Wahlen schwang Karin Sigrist (parteilos) obenaus. Sie erzielte mit 937 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 549 ein Glanzresultat. Eindeutig fiel das Votum der Steiner auch für Ueli Böhni (GLP) aus. Er wurde mit 771 Stimmen gewählt.

**Möglichkeit nicht genutzt**
Nicht gereicht hat es der SP-Kandidatin Ruth Wildberger. Sie kam auf 432 Stimmen und blieb damit auch unter dem absoluten Mehr. Die Wahlbeteiligung betrug 63 Prozent. Stimmen-Spitzenreiterin Karin Sigrist zeigte sich erfreut und überrascht über das Resultat. «Nun muss ich dem auch gerecht werden.» In dieser Form habe sie das nicht erwartet, aber offensichtlich brauche es mehr Mitte im Steiner Stadtrat, und das wollen sie und Böhni verkörpern. Bei der Wahl sei es sicher auch von Vorteil gewesen, dass sie von fünf Parteien unterstützt worden seien.
Auch Ueli Böhni interpretiert sein Ergebnis als sehr eindeutig und findet es toll, dass er nun zusammen mit ­Sigrist im Stadtrat arbeiten kann. «Wir sind immer zusammen aufgetreten und haben vermittelt, dass wir kons­truktiv arbeiten und dabei in die Zukunft und nicht zurück schauen wollen.» «Ich musste darauf gefasst sein, nicht gewählt zu werden», sagt Ruth Wildberger. Enttäuscht sei sie nicht. Man habe sie wahrscheinlich zu wenig gekannt, da sie ja keine alt eingesessene Steinerin, sondern Zuzügerin sei. «Und die Steiner haben die Möglichkeit, mich bei den angebotenen Anlässen kennenzulernen, nicht genutzt», konstatiert sie. Und was meint SP-Parteipräsident Rolf Oster? Wildberger habe das SP-Stimmenpotenzial sicher ausgeschöpft; mehr sei da nicht zu holen, sagt er. Die Steiner seien eben bürgerlich orientiert. «Das ist eine Tatsache.»

**Neuer Schulpräsident**
Gewählt wurde auch ein neuer Schulpräsident: Ruedi Rüttimann. Auch er mit dem eindeutigen Resultat von 573 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 379 Stimmen und einer Wahlbeteiligung von 58,6 Prozent. «Damit bin ich sehr zufrieden, und es bestärkt mich, mit Elan an die Arbeit zu gehen, sagt Rüttimann, der die Nachfolge der zurückgetretenen Nicole Schallhart antritt. «Offensichtlich wollen die Steiner, dass ihre gute Schule auch weiterhin auf diesem Kurs bleibt, und trauen mir das zu. Schliesslich wählten die Stimmbürger gestern auch noch Werner Schmid (FDP) in den Einwohnerrat – als Ersatz für Claudia Della Giacoma. Schmid erhielt 806 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 449 Stimmen.

#Allgemeines

10. November 2015 | Kanti sammelt für Flüchtlinge im Kanton Schaffhausen

Schaffhauser Nachrichten
(rom/r.)

Rund 300 Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Kanti Schaffhausen sind am Donnerstag im Rahmen eines Sponsorenlaufs für Flüchtlinge in der Region gerannt. Die beiden Kantilehrerinnen Barbara Surbeck und Helen von Burg hatten den Sponsorenlauf, an dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf freiwilliger Basis ihre Solidarität mit den Flüchtlingen in der Region kund­taten organisiert. «Wir wollten nicht mehr einfach nur zusehen, wir wollten aktiv etwas gegen die Not der Flüchtlinge beitragen», so die beiden Organisatorinnen. Der Aufruf fand Anklang und breite Unterstützung: «Ein Grossteil der Schule hat sich als Läufer oder Sponsoren am Anlass beteiligt», so Surbeck nach dem Lauf. Zahlreiche Lehrpersonen zum Beispiel sind selber mitgelaufen, andere haben ihre Klassen gesponsert. Der Sponsorenlauf wurde auch von der Schulleitung unterstützt. Kantirektor Pasquale Comi schätzte einerseits die Initiative der Lehrpersonen, dachte andererseits aber vor allem auch an die Schüler: «Gerade für unsere Jugendlichen ist es wichtig, die Betroffenheit in eine konkrete Handlung zu überführen. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen auch anhand solch bescheidener Taten merken, dass es besser ist, sich einzu­setzen und zu handeln, als untätig in Ohnmacht zu erstarren.»

**Fünfstelliger Betrag erwartet**
Die Organisatoren gehen davon aus, dass der Sponsorenlauf einen fünfstelligen Frankenbetrag einbringen wird. Der Erlös wird in den gemein­samen Fonds der Institutionen Integres und des Kantonalen Sozialamtes fliessen.

#Notizen zu Namen

7. November 2015 | Till Aders (AL) verlässt den Schaffhauser Stadtschulrat

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Im Schaffhauser Stadtschulrat kommt es zu einem Abgang: Gestern hat Till Aders von der Alternativen Liste (AL) bekannt gegeben, dass er per Ende ­Dezember zurücktreten werde, also ein Jahr vor Ende der regulären Amtszeit. Aders begründete den Schritt mit seiner Ausbildung. Er könne seine Abschlussarbeit für sein Studium bei seinem Arbeitgeber schreiben und dazu sein Stellenpensum aufstocken. «Ich musste diese Chance beim Schopf packen», sagte er. Aus zeitlichen Gründen habe er sich im Gegenzug dafür entschieden, den Stadtschulrat aufzugeben. Dort betrug sein Pensum 20 Prozent, dazu kamen regelmässige Sitzungen und Treffen. Aders ist seit Anfang 2013 Mitglied des Gremiums.
Aders betonte, dass er die Arbeit im Stadtschulrat geschätzt habe: «Ich habe sehr viel gelernt. Ich fand es hervorragend, mit vielen verschiedenen Leuten zusammenzuarbeiten.» Er war für die Schulhäuser Buchthalen und Zündelgut zuständig, für die Kindergärten Buchthalen, Kessel und Windegg sowie für die Lehrpersonen Ernährung und Hauswirtschaft.
Als Nachfolgerin für Aders stellte die AL Angela Penkov (37) vor. Sie ist Co-Schulleiterin und Lehrerin am Linden-Forum sowie Mutter eines Sohnes, der in den Kindergarten geht. Sie lebt seit 2010 in Schaffhausen und hat bei den letzten Nationalratswahlen für die AL kandidiert. «Ich möchte die Stadt mitgestalten», sagte sie, «die Kinder und Jugendlichen liegen mir dabei besonders am Herzen.» Sie wolle unter anderem bei der Integrativen Schulform genau hinschauen. Diese dürfe nicht einfach zu einer weiteren Sparübung ausarten. «Angela bringt das nötige Rüstzeug mit», sagte Till Aders, «sie ist nahe an der Schule und äusserst zuverlässig.»
Melden sich keine weiteren Kandidatinnen oder Kandidaten, gilt Penkov als gewählt. «Insgeheim hoffen wir aber, dass es keine stille Wahl gibt», sagte Florian Keller von der AL. «Wir wären bereit.»
Die Gesamterneuerungswahlen für den Stadtschulrat finden im Sommer 2016 statt.

#Notizen zu Namen

30. Oktober 2015 | Die Zukunft der Freizeitlandschaft

Schaffhauser Nachrichten
Thomas Güntert

«In zehn Jahren werden in Neunkirch autonome Autos herumfahren», sagt Hans-Georg Bächtold (Bild) voraus. Sein Sohn sei Physiker, und der meine, dass es bereits in fünf Jahren so weit sei, dass selbst fahrende Autos per Smartphone geordert werden und die Menschen von A nach B bringen. «Was bequem, billig und einfach ist, setzt sich immer durch», so Bächtold am Mittwochabend in seinem Vortrag vor knapp 40 Interessierten an der Volkshochschule Klettgau in Neunkirch.
«Die Digitalisierung wird die Zukunft bestimmen», betonte der in Osterfingen aufgewachsene Geschäftsführer des Schweizer Ingenieur- und Architektenverbands. Er zeigte in seiner Präsentation zwei eindrückliche Bilder mit Menschen auf dem Petersplatz: Die Menschenmenge, als Papst Benedikt im Jahr 2005 gewählt wurde, und das gleiche Bild bei der Wahl von Papst Franziskus im Jahr 2013, das ein einziges Lichtermeer von hochgestreckten Smartphonen zeigt. Bächtold wollte damit demonstrieren, wie rasant eine Entwicklung gehen kann.
Die Bevölkerungszahl wird in der Schweiz seiner Meinung nach auf über zehn Millionen anwachsen, und die Überalterung wird zunehmen. Da die Kinder früh ausziehen und die Leute länger im Haus bleiben, wird der Bedarf an Wohnfläche steigen. Die Lebensformen werden sich ändern. Viele Menschen werden künftig vernetzt von zu Hause aus arbeiten. «Man braucht multifunktionelle Siedlungen und nonterritoriale Arbeitsplätze», prophezeite Bächtold.
Den Klettgau mit seiner idyllischen Landschaft, den malerischen Dörfern und dem vorzüglichen Wein bezeichnete er als eine Freizeitlandschaft mit einer sehr guten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Er gab allerdings zu bedenken, dass man bei den Entwicklungsmöglichkeiten die Grenzlage berücksichtigen müsse. «Die grenzüberschreitende Raumentwicklung funktioniert nicht», betonte Bächtold. Bestes Beispiel ist die Elektrifizierung der Eisenbahn, die an der Landesgrenze aufhört.

**Mehr Licht in Neunkircher Häusern**
Bächtold stellte fest, dass es im Kanton Schaffhausen viel zu viele Bauzonen gibt und es künftig eine Verdichtung nach innen geben wird. In der Schweiz wurden ein Viertel der Bauten ausserhalb der Bauzonen erstellt. «Die Zukunft wird so aussehen, wie wir sie gestalten», betonte der Referent. Die Entwicklung im Dorf muss sich verändern, da mit der Zersiedelung der Reiz der schönen Landschaft verloren geht. Gebäude, wo die Geschäfte im Parterre leer stehen, sind auch in den Obergeschossen nicht mehr attraktiv und machen den Ortskern uninteressant. «Den langen, tiefen Häusern in Neunkirch fehlt das Licht», so Bächtold. Die Gebäudeformen müssen sich verändern, wobei sich ökonomische, ökologische, gesellschaftliche und gestalterische Aspekte in den Vordergrund drängen. «Diese Entwicklung muss man jetzt angehen und dabei offen für Neues sein.»

#Notizen zu Namen

27. Oktober 2015 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

· Kuchen, Balken, Kurven: Stadtrat Daniel Preisig bereitet Informationen stets in anschaulichen Diagrammen auf. Meist steht ihm ein Beamer zur Projektion bereit. Doch selbst wenn die technischen Hilfsmittel fehlen, weiss Preisig sich zu helfen. Für die Ausstellungseröffnung «Rheinquartier: Vision/Pragmatismus» letzte Woche in der Kammgarn liess er eigens einen Ausdruck anfertigen – der pensionierte Stadtforstmeister Walter Vogelsanger half als Diagrammhalter mit. (sba)

· Mit je einer Stange Bier der lokalen Brauerei in der Hand haben sich die beiden Nationalratskandidaten der Jungfreisinnigen, Marcel Montanari und Res Hauser, für ihr offizielles Wahlkampffoto ablichten lassen. Schleichwerbung bei den Nationalratswahlen? Nein, nein, beruhigten die beiden bei der Vorstellung ihrer Kandidatur. «Falken hat uns nichts dafür bezahlt.» Aber als Mitglieder derScaphusia sind Montanari (v/o Credo) und Hauser (v/o Drossel) dem Gerstensaft natürlich alles andere als abgeneigt. (zge)

· In der Region wird Grünabfall derzeit in den dichten, aber nicht kompostierbaren Kunststoffsäcken gesammelt. Demnächst soll die Grüngutsammlung umgestellt werden, wiederverwendbare Gefässe sind angedacht. Befürchtet werden bei der neuen Sammelmethode jedoch Geruchsprobleme in der heimischen Küche. Ein Bewohner der Schaffhauser Altstadt hat bereits eine clevere, wenn auch nicht unbedingt ansehnliche Lösung gefunden und eine Kübelhalterung am Fensterangebracht. (sba)

· Der Thaynger Gemeindepräsident Philippe Brühlmann macht sich Gedanken über die Jugend von heute – und ihre Eltern. «Warum tolerieren Eltern, dass ihre Jugendlichen auf Schul- und Turnhallendächern Alk­partys machen?», fragt er. Und: «Warum tolerieren Eltern das Littering ihrer Jugendlichen? Bringen Eltern ihren Kindern nicht mehr bei, dass der leere Chipssack in den bereitgestellten Abfalleimer gehört und nicht auf die Turnwiese?» Sein Wort in Gottes Ohr … (jcg)

· Neuhausen ist neuerdings in einem Buchtitel des Schriftstellers Ernst Augustin verewigt worden.«Das Monster von Neuhausen – Ein Protokoll» heisst das Buch. Die Hauptfigur des Romans heisst Tobias Knopp, der sich einer Operation unterzogen hat, die missglückte. Der zur ­Rechenschaft gezogene Chirurg streitet alles ab und beschuldigt den Patienten, bloss zu simulieren. Das Buch «Das Monster von Neuhausen» ist ein Gerichts­roman über die Folgen eines ärztlichen Kunstfehlers. Eine Verteidigungsschrift, vorgetragen an drei Terminen. Herausgegeben hat das Buch der C. H. Beck Verlag aus München. (ch)

· Köche, Restaurants, Hoteliers: Hotellerie und Gastronomie ist in TV-Serien äusserst präsent. Diese Woche messen sich in der Voxserie «Mein himm­lisches Hotel» Hoteliers am Unter- und am Bodensee – grenzüberschreitend. Am Montagabend waren im Wettbewerb der Hoteliers Marie-Anne und Andy Hostettler vom Hotel Ermatingerhof zu sehen. Das Konzept der Sendung ist, dass sich die Teilnehmer von den Kollegenkritisch prüfen lassen. Die Fachleute verbringen jeweils eine Nacht im Haus der anderen und nehmen das Ganze dann kritisch unter die Lupe. Mit dabei in dieser Staffel sind neben dem Ermatingerhof das Seevital Hotel Schiff in Langenargen, das ­Romantik Hotel Johanniter-Kreuz in Überlingen-Andels­hofen heute Abend und morgen das Hotel Swiss inKreuzlingen. Das Finale – man darf gespannt sein – ist am Freitag. (efr.)

#Notizen zu Namen

17. Oktober 2015 | Ein Freund ist nicht mehr

Schaffhauser Nachrichten
Kurt Schönberger

Nur einige wenige Wochen sind es her, als wir mit unserem Freund Peter Uehlinger an einem wunderschönen Sommerabend in der hoch oben am Waldrand auf Gemarkung Löhningen gelegenen Schacher-Hütte unter den weit ausladenden Bäumen gesellig und in fröhlicher Runde zusammensitzen durften. Dem Hüttenbesitzer Beni Schacher gegenüber hatte er nämlich den Wunsch geäussert, doch noch einmal an jenen Ort zurückkehren zu dürfen, an dem er mit dessen Vater, Albert Schacher, und weiteren Jugend-, Turnund Wanderfreunden vor vielen Jahren «legendäre» Männerabende verbringen durfte. Wir jüngeren Kollegen schätzten die Anwesenheit von Peter ausserordentlich und horchten gespannt und interessiert seinen Erzählungen. Müssen das doch schöne alte Zeiten gewesen sein!
Dasselbe konnten die Mitglieder der Wandergruppe der Männerriege Neunkirch erleben, als Peter Ende Juni dieses Jahres zum Abschluss der Wanderungen rund um den Kanton Schaffhausen beim obligaten Znacht unser willkommener Gast war und er etliche Episoden über dieselbe Wanderung von anno 2003 zum Besten gab. Er war nämlich einer jener 13 Kameraden, welche die Kantonsgrenze schon damals per pedes umrundet hatten. Und auch hier durften wir zusammen nochmals in unvergesslichen Erinnerungen schwelgen und ihn von seiner herzlichsten kollegialen Seite erleben. In der Wandergruppe fühlte sich Peter ganz besonders wohl, und er genoss es in den letzten Jahren, in denen er körperlich leider nicht mehr in der Lage war, selbst mitzuwandern, jeweils sehr, wenn ihn ein Kollege abholte und zum geselligen Beisammensein mitnahm. Und für uns Wanderer war es immer wieder eine grosse Freude und Bereicherung, den «Grandseigneur» unter uns zu haben und mit ihm auf alte Zeiten anzustossen. Heute wissen wir: Es sollte das letzte Mal gewesen sein.
In seinem Heimatstädtchen Neunkirch, dem er zeit seines Lebens die Treue hielt, machte er sich Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre verdient – zuerst als Verwaltungsrat und später als Präsident des Verwaltungsrates der damaligen Spar- & Leihkasse Neunkirch. In den Jahren 1990 bis 1996 war er Präsident der Präsidentenkonferenz der Schaffhauser Regionalbanken. Für die Gemeinden Gächlingen, Wilchingen und Neunkirch erarbeitete er neue Ortsverfassungen. Und auch wenn er in Neunkirch, ausser seinem Engagement in der damaligen BGB, später SVP, keine Ämter oder politischen Mandate innehatte, war ihm das Wohlergehen des Städtchens stets ein grosses Anliegen, und er hat sich immer mit voller Überzeugung für seine Heimat eingesetzt. Vielen Besuchern hat er «sein» Städtli Neunkirch mit Stolz vorgestellt und sie durch die Gassen geführt. Aktiv war er auch in der lokalen Pfaderabteilung, unter dem Namen «Bär». In die Geschichte des Städtlis ging er sodann ein als Präsident des Organisationskomitees des kantonalen Musikfestes im Jahre 1993, welch grosse Arbeit ihm vom Musikverein die Ehrenmitgliedschaft und viele fröhliche Stunden eintrug.
Wir nehmen mit grosser Trauer Abschied von Peter Uehlinger, denken aber gerne und mit Freude zurück an viele gemeinsame, fröhliche Stunden und dem Dank dafür, mit ihm zusammen ein Stück des Weges gegangen zu sein. «Adieu lieber Freund!»

#Notizen zu Namen

15. Oktober 2015 | Zum Abschied von alt Staatsschreiber Dr. Peter Uehlinger

Schaffhauser Nachrichten
Ernst Neukomm, Alt Regierungsrat

Am Mittwoch vor einer Woche erreichte uns die traurige Nachricht, dass alt Staatsschreiber Dr. jur. Peter Uehlinger im Alter von 88 Jahren an einer heimtückischen, altersbedingten Krankheit gestorben sei. Der Regierungsrat, seine früheren Mitarbeitenden in der Staatskanzlei und die Chefbeamten des Kantons Schaffhausen waren darüber bestürzt, denn sie schätzten ihren früheren, beruflich kompetenten und stets freundlichen Arbeitskollegen sehr. Viele von ihnen pflegten mit ihm bis zuletzt noch den persönlichen Kontakt. Peter Uehlinger liebte die Geselligkeit. Er besuchte bis im vergangenen September die traditionellen, monatlichen Treffen ehemaliger Chefbeamten und die Zusammenkünfte der alt Regierungsräte.
Obwohl er aus gesundheitlichen Gründen stark gehbehindert war, wollte er kein Stubenhocker sein. Noch lange Zeit liebte er schöne Reisen, besuchte gerne mit seiner Gattin Konzerte und Anlässe, die ihnen Freude machten. Vor noch nicht langer Zeit meinte er zufrieden, sein Leben sei interessant und schön gewesen. Und: «Me mue aber öppis tue derfür.» Das ist ihm vorbildlich gelungen.
Peter Uehlinger ist in seinem Heimatort Neunkirch aufgewachsen. 1947 erwarb er an der Kantonsschule Schaffhausen die Maturität. Freundschaften, die damals in der Kantonsschulverbindung Scaphusia entstanden sind, hatten bei ihm bis ins hohe Alter einen grossen Stellenwert. Gerne erinnerte er sich auch an sein Studium beider Rechte an den Universitäten Zürich, Genf und Basel. Am 5. November 1955 wurde er zum Dr. jur. promoviert. Darnach ist er umgehend zum Betreibungs- und Konkursbeamten des Oberklettgaus gewählt worden. Zwei Jahre später holte ihn der Regierungsrat als juristischen Sekretär und als Stellvertreter des damaligen Staatsschreibers Schudel ins Rathaus. Nach dessen altersbedingtem Rücktritt wurde Peter Uehlinger zum Staatsschreiber gewählt und ihm damit zugleich die Leitung der Staatskanzlei übertragen. Nun hatte er seinen Traumberuf, dem er bis zur Pensionierung 1992 treu geblieben ist. Die Teilnahme und die Mitwirkung an den wöchentlichen Sitzungen des Regierungsrates gehörten zu den Schwerpunkten seiner Tätigkeit als Staatsschreiber. Hinzu kamen die Sitzungsvorbereitungen, das Erstellen des Protokolls und die schriftliche Erledigung von Beschlüssen. Damals gab es durchschnittlich 50 Sitzungen pro Jahr und um die 1500 Regierungsgeschäfte. Trotz der immensen Arbeit im Beruf liebte er es, in der Freizeit in verschiedenen Vereinen und Institutionen mitzuwirken, wie im Vorstand des TCS, des Munotvereins, in der Männerriege, in der BGB Klettgau, als Präsident der Verwaltungsjuristen-Konferenz sowie ab 1985 einige Jahre als Präsident der Sparkasse Neunkirch. Diese Aufzählung seiner Freizeitaktivitäten wird unvollständig sein. Das tut aber seinem eindrücklichen Lebenswerk keinen Abbruch. Weil er sich zudem auch stets bemühte, seiner Gattin Lotti ein guter Ehemann und seiner Tochter Irene (1966) sowie seinem Sohn Peter (1968) ein lieber Vater zu sein. Das wurde ihm an der Feier zu seinem 80. Geburtstag im Jahre 2007 in der Neunkircher Städtlihalle von seiner Familie vor 200 Gästen ganz herzlich verdankt.
Auch ich werde meinen lieben Kollegen Peter Uehlinger in dankbarer Erinnerung halten, seine treue Freundschaft und sein 35jähriges Wirken im Interesse der Allgemeinheit, insbesondere zum Nutzen unseres schönen Kantons.


#Allgemeines

15. Oktober 2015 | Experimente an der Kanti

Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

Es brodelt an der Kanti. Allerdings nicht im Lehrerzimmer, sondern in den Laboren. An drei Tagen bietet der Zentralkurs für Chemie­lehrer zahlreichen Lehrpersonen aus der ganzen Schweiz ein breites Angebot an Workshops. In diesen zeigen Chemielehrpersonen ihren Lehrer­kollegen Beispiele für spannende Unterrichtsthemen und Experimente. «Die Lehrer können voneinander lernen», sagt Thomas Stamm, Prorektor an der Kantonsschule und ebenfalls Chemielehrer. Dies sei eine Bereicherung für den Unterricht. An der Kanti sind ausserdem Lehrmittel für die ­Chemiestunden ausgestellt. Von ­Büchern, Filmen und Folien über ­Modelle bis hin zu Laboreinrichtungen gibt es an der Ausstellung alles, was das Chemielehrerherz begehrt.

**Philosophischer Beginn**
Der Kurs wurde gestern Morgen in der Aula der Kantonsschule eröffnet. Nach der Begrüssung der Lehrer durch den Rektor Pasquale Comi und einer kurzen Eröffnungsrede von Erziehungsrat Christian Amsler wurde die Chemie-Fachschaft der Kanti, welche den Event organisiert hatte, vorgestellt. Anschliessend hielt Prof. Dr. Ernst Peter Fischer aus Heidelberg einen philosophischen Vortrag zu seinem kürzlich erschienenen Buch «Die Verzauberung der Welt». Die Wissenschaft entzaubere die Welt nicht, sondern vertiefe deren Geheimnisse, so Fischer. Jede Antwort werfe nämlich wieder neue Fragen auf. Warum aber nach Antworten suchen, wenn sich daraus nur neue Fragen ergeben? Dazu zitiert Fischer aus Bertolt Brechts Theaterstück «Das Leben des Galilei»: «Das einzige Ziel der Wissenschaft besteht darin, die Bedingungen der menschlichen Existenz zu erleichtern.»

**Mehr Teilnehmer als sonst**
Der Kurs wird vom Verein der Schweizer Naturwissenschaftslehrer (VSN) veranstaltet. Er findet alle drei Jahre – dieses Jahr das erste Mal in Schaffhausen – statt. Der Vorschlag, diesen Kurs in Schaffhausen durchzuführen, kam vor anderthalb Jahren von Chemielehrer Martin Schwarz. «Vor allem seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der Event dieses Mal an der Kantonsschule Schaffhausen stattfindet», sagt Stamm. Der Prorektor ist zufrieden mit der Veranstaltung. «Es haben sich 123 Lehrpersonen angemeldet», so Stamm. Normalerweise werden an diesem Kurs nur zwischen 80 und 100 Teilnehmer erwartet. «Die Lehrer kommen nicht nur aus der Schweiz, es sind sogar einzelne Personen aus Belgien, Deutschland, Österreich und Frankreich angereist», freut sich Stamm.

#Allgemeines

14. Oktober 2015 | Elefantenhochzeit unter Bierbrauern

Schaffhauser Nachrichten
Reuters

Die zwei grössten Bierkonzerne erzielten nach einem Tauziehen seit Mitte September eine Einigung über ein Zusammengehen. Anheuser-Busch Inbev mit Sitz in Belgien zahle 44 Pfund pro Aktie des britischen Herstellers SABMiller teilten die Konzerne gestern mit. Das Bar-Angebot entspreche einem Aufschlag von etwa 50 Prozent auf den Schlusskurs von SABMiller am 14. September. Als Alternative bietet AB Inbev ein gemischtes Angebot mit Bargeld und Aktien an und lockt damit Grossaktionäre mit einer Beteiligung am fusionierten Konzern.
Anheuser-Busch hatte zuletzt am Montag ein nachgebessertes Angebot von 43,50 Pfund vorgelegt und für die Übernahme insgesamt 70 Milliarden Pfund geboten. Mit dem neuen Angebot ist SABMiller 71,2 Milliarden Pfund (knapp 105 Milliarden Franken) wert. SABMiller teilte mit, grundsätzlich mit der Übernahme einverstanden zu sein, bat sich aber zugleich eine Verlängerung der Frist für das bindende Gebot des Konkurrenten um zwei Wochen aus. Die neue Frist für das verbindliche Angebot läuft nun bis zum 28. Oktober. Es sei vereinbart worden, dass AB ­Inbev drei Milliarden Dollar an SABMiller zahlen müsse, falls das Geschäft doch nicht zustande komme.

**Neue Dimension im Biermarkt**
Mit der Übernahme entsteht ein Brauriese neuer Dimension: Weltweit wird künftig etwa jedes dritte Bier aus den Braukesseln des fusionierten Konzerns kommen. In anderen Worten: Der globale Marktanteil kommt auf 30 Prozent zu liegen. Zugleich ist der Deal weltweit der grösste in diesem Jahr und eine der grössten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte. Aus dem Hause AB Inbev kommen Biere wie Budweiser, Corona, Stella Artois oder Franziskaner. Der Konzern war 2008 aus der Fusion der belgischbrasilianischen Inbev-Gruppe mit dem US-Braukonzern Anheuser-Busch entstanden. SABMiller verkauft unter anderem Pilsner Urquell, Miller und Grolsch.

**EU-Kommission schweigt vorerst**
Ob die Behörden der Fusion ihren Segen geben werden, steht noch aus. Die EU-Kommission wollte die Megafusion der Bierriesen nicht kommentieren. Es liege bislang keine Anmeldung zur Genehmigung vor, teilte das Büro von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf Anfrage mit. Die Unternehmen müssten jetzt prüfen, ob sie ihr Vorhaben in Brüssel anzumelden hätten.
Die Fusion dürfte allerdings schon aufgrund ihrer Grössenordnung auf dem Tisch der EU-Kommission als oberster Kartellbehörde Europas landen. Bei solch grossen Zusammenschlüssen ist es üblicherweise so, dass die Konzerne Firmenteile verkaufen oder bestimmte Märkte aufgeben müssen, um grünes Licht aus Brüssel zu ­erhalten.
Der Druck in der Branche ist gross: In den Industrieländern geht der Bierdurst allmählich zurück, nur durch Zukäufe kommen die grossen Unternehmen noch zu bedeutendem Wachstum. Verändertes Konsumverhalten und eine breitere Angebotspalette belasten die grossen Standardsorte. Unter anderem bieten die Konzerne daher auch verstärkt Mischgetränke und Nischensorten an. SABMiller ist neben Afrika auch im asiatischpazifischen Raum stark, AB Inbev in Mittel- und Südamerika.

**Ein Aktionär aus Rapperswil-Jona**
Weder AB Inbev noch SABMiller haben Brauereien in der Schweiz. Dafür brauen hier mit Heineken die Weltnummer drei und mit Carlsberg die Nummer vier. Den Niederländern gehören hierzulande unter anderem Eichhof und Calanda. Carlsberg braut Feldschlösschen. Heineken und Carlsberg könnten von der Riesenhochzeit profitieren, wenn der neue Biergigant Geschäftsbereiche aufgeben muss.


**Jorge Lemann – Der grösste Einzelaktionär von Anheuser-Busch Inbev wohnt in der Schweiz**

sda

Die Gigantenhochzeit von Anheuser-Busch Inbev mit SABMiller rückt den zurückgezogen lebenden schweizerischbrasilianischen Doppelbürger Jorge Lemann in den Fokus. Der grösste Einzelaktionär von AB Inbev wohnt in Rapperswil-Jona SG. Der Milliardär hält gemäss «Financial Times» vom Juni über seine brasilianische Investitionsgesellschaft 3G 12,5 Prozent an AB Inbev.
Lemann besass in Brasilien die Brauerei Brahma. Diese schloss er mit der Lokalkonkurrentin Antarctica zu AmBev zusammen. AmBev fusionierte in der Folge mit der belgischen Interbrew zu Inbev. 2008 gelang mit der Übernahme von Anheuser-Busch der Schritt zur Weltmarktführung. Neben dem Engagement im Biergeschäft und anderen Bereichen kontrolliert Lemanns 3G Burger King. Er bewerkstelligte mit dem US-Investor Warren Buffet zusammen die Fusion der Lebensmittelriesen Heinz und Kraft.
Der Investor verlegte seinen Wohnsitz nach einem Attentatsversuch auf seine Kinder aus Brasilien an den Zürichsee. In seiner Jugend nahm Lemann sowohl für die Schweiz als auch für Brasilien am Davis-Cup im Tennis teil. Sein Vater war aus dem Emmental nach Brasilien ausgewandert und begründete dort im Bankwesen und im Kakaogeschäft das Familienvermögen.


**«Kaum Folgen für die Schweiz»**
Nachgefragt
Interview mit Markus Höfler, CEO der Brauerei ­Falken von Zeno Geisseler

Der grösste Bierbrauer der Welt, Anheuser-Busch Inbev, übernimmt für über 100 Milliarden Franken die Nummer zwei der Branche, SABMiller. ­Markus Höfler, CEO der Brauerei ­Falken, sagt, wie dieser Schritt aus ­seiner Sicht einzuschätzen ist.

*Welche Auswirkungen hat diese Megafusion auf die Schweiz?*
So gut wie keine. In der Schweiz ist die grosse Konsolidierungwelle schon länger vorbei, bei uns dominieren Carlsberg und Heineken den Markt. Bei dem jüngsten Zusammenschluss ging es meines Erachtens vor allem darum, wachsende Märkte in Asien und Afrika zu sichern. In der Schweiz sehen wir eher eine Gegen­bewegung zu den Grossfusionen: Kleine und kleinste Brauereien sind stark im Kommen, es gibt im ganzen Land ja rund 500 Produzenten.

*Können sich kleine Player wie Falken dem Trend zur Grösse entziehen?*
Ja, indem wir innovativ bleiben, nicht jeden Trend mitmachen und nicht einfach Volumen bolzen. Mit Lagerbier, mit dem man einfach den Durst löscht, verdient man heute nichts mehr. Wir setzen auf Bierspezialitäten und auf Genuss und kommen damit am Markt sehr gut an. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir unsere Unabhängigkeit bewahren werden, und investieren deshalb fünf Millionen Franken in unsere Brauerei.


17.10.2015
**Tanz der Biergiganten**
von Zeno Geisseler

In der Bierbranche bahnt sich ein gewaltiger Zusammenschluss an: AB InBev, der weltgrösste Bierbrauer, ist daran, für über 100 Milliarden Dollar die Nummer zwei, SABMiller, zu schlucken. Stimmen die Kartellbehörden dem Deal zu, wird das neue Unternehmen künftig jedes dritte Bier weltweit verkaufen und Traditionsmarken wie Becks, Budweiser, Corona, Grolsch, Franziskaner, Löwenbräu, Stella Artois und Pilsner Urquell vereinen. Zusammen beschäftigen die beiden Bierriesen heute über 200 000 Menschen.

**Die Grossfusion ist der nächste Schritt einer langen Entwicklung**
Fusionen und Übernahmen sind in der Bierbranche nichts Neues. Dies zeigt sich schon an den auffälligen Namen der beiden Unternehmen. AB InBev entstand 2008, als die belgische InBev die amerikanische Anheuser-Busch kaufte. InBev wiederum war erst vier Jahre davor aus dem Zusammenschluss der belgischen Interbrew mit der brasilianischen AmBev hervorgegangen. AmBev und Interbrew waren ihrerseits Produkte früherer Übernahmen. SABMiller ist in der heutigen Form ebenfalls eine junge Gesellschaft: Sie entstand erst 2002 aus der Fusion der südafrikanischen South African Breweries und der US-Gruppe Miller, 2011 kam dann noch die australische Foster’s dazu.
Angesichts dieser Unternehmenshochzeiten in der Vergangenheit ist die jüngste Megafusion der Nummer 1 und der Nummer 2 nur der nächste konsequente Schritt einer Entwicklung, die sich seit Jahrzehnten abzeichnet. Gross ist gut, grösser ist besser, lautet offensichtlich die Devise, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Noch im Juni sprachen die Märkte davon, dass sich AB InBev den Spirituosengiganten Diageo (Johnnie Walker, Guinness) einverleiben könnte, und jetzt mutmasst der «Economist», dass AB InBev insgeheim den prestigeträchtigsten Namen der Getränkewelt überhaupt ins Auge gefasst hat: Coca-Cola. Zuerst einmal wird der Konzern aber den Kauf von SABMiller verdauen. Ob dieser ein Erfolg war, steht sowieso noch in den Sternen. Längstens nicht alle Unternehmenszusammenschlüsse funktionieren; nach der Hochzeitsnacht, das wissen zum Beispiel Daimler und Chrysler, folgen oft die Kopfschmerzen.

**Weniger Auswahl und höhere Preise für die Konsumenten**
Wer profitiert im Idealfall von der Bierfusion? «Unser Traum ist es», schreibt AB InBev auf ihrer Website, «das beste Bierunternehmen der Welt zu sein, das Menschen für eine bessere Welt zusammenbringt!» Das hört sich ganz nett an, aber Grosskonzerne sind natürlich keine Hilfswerke. Wessen Welt vor allem verbessert werden soll, ist klar: die der Aktionäre. Die Konsumenten hingegen müssen wohl eher mit höheren Preisen und einem kleineren Angebot rechnen. Es ist ja das Ziel von Fusionen, die Marktmacht auszubauen und sich auf die profitabelsten Produkte zu konzentrieren. An den Mitarbeitern wird der Merger ebenfalls nicht spurlos vorübergehen. Effizienzgewinne und Arbeitsplatzverluste sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Wo es früher zwei Hauptquartiere gab, braucht es künftig nur noch eines. Schon als InBev Anheuser-Busch übernahm, gingen laut «Wall Street Journal» 1400 Jobs verloren.
Für den Schweizer Biermarkt wird sich hingegen nicht viel ändern. Hierzulande ist die Marktbereinigung längst schon vorbei, und die Nummern 3 und 4 auf dem weltweiten Biermarkt, Heineken und Carlsberg, sind die dominanten Player in der Schweiz. In ihren Händen befinden sich Traditionsmarken wie Feldschlösschen (Carlsberg) oder Calanda (Heineken). SABMiller und AB InBev hingegen halten in der Schweiz keine Brauereien, und so wird es wohl auch bleiben: Der Biermarkt in der westlichen Welt stagniert seit Langem, die Erträge sprudeln in Asien und in Afrika.

**Lieber klein, mein und fein als gross, anonym und beliebig**
Der Drang, wenn nicht Zwang, zur Grösse der Riesen birgt auch Chancen für die ganz Kleinen, von einer Falkenbrauerei in Schaffhausen bis hin zum winzigen Gässli-Bräu aus Buch. Viele Konsumenten haben Bieren abgeschworen, die global präsent sind und doch immer gleich schmecken, meistens also nach nichts. Spannender sind die Bierspezialitäten aus der Region, interessanter sind Biere mit Charakter, die von Leuten gebraut wurden, die man noch kennt. Bier von hier, das ist Heimat abgefüllt in Flaschen, und dieses Gefühl kann man nicht kaufen. Auch nicht für 100 Milliarden Dollar.
Wenn Bierkonzerne fusionieren, dann ist der Erfolg ungewiss. Für Kleine eröffnen sich aber neue Chancen.

#Allgemeines

13. Oktober 2015 | Bootsfahrer schlagen einen Pflock ein

Schaffhauser Nachrichten
Robin Blanck

Noch wartet man auf den Vorschlag des Stadtrates in Sachen Bootsplätze, doch bereits jetzt sorgt das Thema für Diskussionen: So steht eine Aufhebung der Ausgleichsregel, welche bisher ein Gleichgewicht zwischen motorbetriebenen und motorlosen Booten an den städtischen Liegeplätzen verlangt, zur Debatte, nachdem entsprechende Bestrebungen aus dem Parlament laufen. Zudem denkt die Stadt darüber nach, eine Vererbung von Liegeplätzen – sprich: Pfosten – künftig nur noch zwischen Ehepartnern, nicht aber vom Vater auf die Nachkommen zuzulassen (siehe auch SN vom 3. 9.). Fragt man bei Schaffhauser Freizeitkapitänen nach, wird deutlich, dass vorab bei der Motorfrage die Meinungen auseinandergehen.

**Gleichgewicht erhalten**
Hans Bendel, Weidlingsurgestein, will an der Ausgleichsregel festhalten: «Auf dem Rhein sind bereits genügend Motorboote unterwegs», sagt er – und freut sich darüber, dass vermehrt wieder junge Stachler anzutreffen seien.
Dass bereits heute zu viele Motorboote auf dem Rhein verkehrten, findet auch Stachler Rolf Baumann, «die Ausgleichsregel muss deshalb unbedingt erhalten bleiben», sagt er, der sich vor allem an den stark motorisierten Schlauchbooten stört, welche viel Lärm und Wellenschlag verursachen würden. «Solange es Leute gibt, die einen Stachelweidling benützen wollen, sollte man diese bei der Pfostenvergabe bevorzugen», ist René Uhlmann, Stachler und Pionier der «Aktion Rhy», überzeugt. Auch moderne Motoren würden Lärm und Wellen verursachen – und einfach stören: «Jeder Motor weniger ist besser», sagt Uhlmann.
Anders sieht das erwartungsgemäss Kurt A. Bürki, Präsident des Bootsclubs Schaffhausen (BCSH): Eingeführt habe man die Ausgleichsregel mit dem Zweck, ein Gleichgewicht zwischen Stachelweidlingen und Motorbooten zu schaffen, «dieses Ziel ist erreicht, folglich muss die Regel aufgehoben werden». In der Vergangenheit habe man bestimmte Motortypen verboten, sodass heute vor allem modernere und sauberere Aggregate eingesetzt würden, «es gibt also keinen Grund mehr, über ‹schmutzige Motoren› zu schimpfen», findet Bürki.

**Weitergabe nicht einschränken**
Während man sich in diesem Punkt uneinig ist, sieht das bei der Frage der Pfostenweitergabe ganz anders aus: Alle Befragten sprechen sich gegen die Idee aus, die Vererbung einzuschränken und eine Weitergabe nur noch unter Ehepartnern zu erlauben.
Für Hans Bendel wäre eine solche Regelung zu strikt, weil die Kinder oft von ihren Eltern mit dem Weidlingsfahren auf dem Rhein vertraut gemacht würden und entsprechend stark mit dieser Freizeitbeschäftigung verbunden seien: «Ich würde mir eine lockerere, individuellere Lösung wünschen», sagt Bendel.
Baumann sieht bei einer eingeschränkten Weitergabe ein anderes Problem, das ihn selber direkt betrifft: Seit 40 Jahren ist er mit seiner Partnerin zusammen, verheiratet ist das Paar aber nicht – hier würde sich die Frage stellen, wie damit zu verfahren wäre. Baumann glaubt indes, dass es andere Möglichkeiten gäbe: «Wenn einer wirklich auf den Rhein will, findet sich in der Regel jemand für eine Weidlingsgemeinschaft», sagt Baumann. Er, der selber 29 Jahre auf der Warteliste war, teilt sich den Weidling mit zwei anderen Parteien, «das funktioniert sehr gut», sagt er. Ein Verbot der Weitergabe an die Nachkommen schätzt René Uhlmann als «unnötig» ein: Dass der Pfosten vom Vater an den Sohn käme, sei eine «steinalte Tradition», darüber hinaus teilt er die Meinung Baumanns: «Wer sich um den Zugang zu einem Weidling in einer Gruppe bemüht, schafft das auch.» Vehement spricht sich zudem auch der Bootsclub-Präsident gegen die eingeschränkte Weitergabe aus, «das ist Unsinn und kommt einer Enteignung gleich», sagt Bürki. Denn: «Wenn man den Pfosten plötzlich abgeben muss, kann man seinen Weidling auch gleich versenken.» Er hat eine andere Idee zur Verkürzung der Warteliste: «Man muss nur schauen, welche Schiffe gepflegt und benutzt werden und welche vernachlässigt und voller Wasser sind.» Will heissen: Wer das Boot und damit den Liegeplatz nicht nutzt, soll den Pfosten verlieren.

**Obolus spaltet die Front**
Und dann gibt es da noch den finanziellen Ansatz zur Verkürzung der Warteliste, auch das erwägt der zuständige Stadtrat Simon Stocker: Für den Verbleib auf der Liste wird ein jähr­licher Obolus erhoben. Hans Bendel lehnt das nicht grundsätzlich ab, Rolf Baumann und René Uhlmann könnten sich mit einer solchen Regelung ebenfalls anfreunden. Nur bei Bürki stösst auch dieser Ansatz auf Widerspruch: «Wieso sollte ich für etwas bezahlen, was ich nicht habe?» Er schlägt eine Alternative vor: «Ich manchen Gemeinden bleiben nur die auf der Liste, die ihr Gesuch jedes Jahr erneuern.»

#Alt-Scaphusia

8. Oktober 2015 | Peter Uehlinger olim Igel

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Peter Uehlinger olim Igel
Dr. iur., alt Staatsschreiber
Generation 1945
1. April 1927 bis 7. Oktober 2015

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 14. Oktober 2015, 13:30 Uhr in der Bergkirche Neunkirch statt.

Die studentische Totenehrung findet am Mittwoch, 28. Oktober 2015, 20.00 Uhr im Verbindungslokal statt.

#Notizen zu Namen

7. Oktober 2015 | Kandidaten für die Stadtrats-Ersatzwahl Stein am Rhein (II) – Heute: Ueli Böhni (GLP) Gemeinsam nach Lösungen suchen

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Ganz überraschend kam Ueli Böhnis Kandidatur nicht. Denn der Rheumatologe und Schmerzmediziner ist waschechter Steiner, in der Stadt aufgewachsen und führte dort auch sechs Jahre lang eine Einzelpraxis, ­bevor er das Ärztezentrum ZeniT in Schaffhausen mitbegründete, wo er auch als Geschäftsführer tätig ist.
«Nach ein paar Jahren beruflichen Einzelkämpfertums erschien mir das die bessere Möglichkeit», sagt er. Nun aber will er auch im Team des Steiner Stadtrats mitwirken. «Als sich die Frage ergab, habe ich mir das überlegt und bin zum Schluss gekommen, dass ich es auch zeitlich machen kann.» Vor allem aber ist ihm wichtig, dass in Stein am Rhein nach turbulenten politischen Zeiten mit unschönen Diskussionen wieder etwas Ruhe einkehrt und die Geschäfte erledigt werden können. Dazu will er seinen Beitrag leisten. Und dies team- und konsensorientiert und lösgelöst von Parteianbindungen. «Der Stadtrat muss wieder agieren können und proaktiv wirken», betont Ueli Böhni. «Wir müssen in die Zukunft schauen, denn momentan ist vieles ­blockiert.» Zwar habe das politische Tagesgeschäft schon funktioniert, aber viele brisante Themen seien zur Seite geschoben worden. Und das muss sich seiner Ansicht nach dringend und schnell ändern.

**Langfristiges Engagement geplant**
Böhni, der im bürgerlichen Wahlkampfduo mit der parteilosen Juristin Karin Sigrist antritt, sieht sein Engagement im Stadtrat, wenn er gewählt wird, auf jeden Fall längerfristig. Für ihn geht es nicht, sich jetzt nur für ein Jahr wählen zu lassen, nach dem Motto «Schauen wir mal», und nach der Einarbeitung die Segel zu streichen. Vielmehr begreift er die Ersatzwahl auch als Auftakt zu einer nächsten Legislaturperiode im Stadtrat. Dort möchte Böhni nicht parteipolitische Interessen vertreten, sondern gemeinsam mit den anderen Mitgliedern nach Lösungen suchen. «Dafür braucht es keine externen ­Moderatoren», meint er. Sondern die Mitglieder seien gefordert, nicht den Dissens zu suchen, sondern zu schauen, wo gemeinsame Interessen sind, und dort dann anzusetzen. Was für ihn allerdings nicht heisst, die Standpunkte zu verwässern. «Man soll pointiert, aber fair agieren und diskutieren.» Recht habe indes nicht unbedingt der, der das letzte Wort hat. Ihm geht es darum, Fakten auf den Tisch zu legen und nicht stur auf dem eigenen Stadtpunkt zu beharren.
Handlungsbedarf sieht Ueli Böhni bei den momentan brachliegenden Themen Alterspolitik, Schule, der ­Liegenschaftsbewirtschaftung (zum Beispiel Friedauareal) oder Tourismusentwicklung. Auch die Kulturpolitik solle der Stadtrat strategisch besser begleiten. «Es geht nicht an, dass alles nur noch von privater Seite organisiert wird», sagt er. «Wir sind dankbar, dass die Windler-Stiftung so aktiv und finanziell ­engagiert ist.» Doch der Stadtrat könne sich da nicht komplett zurückziehen.
Böhni, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern, war von 1997 bis 2003 auch Schulpräsident in Stein am Rhein; zudem ist er bei der Pro Infirmis SH/TG gemeinnützig beratend tätig. Seine Hobbys sind das Segeln und das Lesen, vor allem über historische und kunstgeschichtliche Themen.
«Ansonsten ist mein Beruf auch mein Hobby», sagt er, der noch einen ärztlichen Berufsverband führt und die Leitung einer Nachdiplom-Weiter­bildungsstruktur für Ärzte innehat. «Das macht etwa 20 Prozent meines Pensums aus.» Möglich sei ihm dieser Einsatz auch, da er nicht zu 100 Prozent im Ärztezentrum arbeite. Punkto Stadtpräsidium ist Böhni ein klarer Verfechter des Teilpensums. «Auf keinen Fall sollte das alte Modell mit einem sehr starken Oberhaupt und einem schwachen Stadtrat wieder eingeführt werden.»

**Mit Herz und Verstand**
Als wichtig erachtet er es, dass der Stadtrat mehr eingebunden und in der Verantwortung ist als früher und dadurch die Dossiers kennt. Das könne man nicht einer einzigen Person überlassen. «Das Teilzeitpensum fürs Stadtpräsidium ist absolut richtig», konstatiert er. Ob er selbst Ambitionen auf das Präsidium hat? «So wie mein berufliches Pensum momentan aussieht, müsste ich mich beruflich stark umorientieren. Und das steht derzeit nicht zur Debatte», sagt er. Denn für ihn gilt beruflich wie privat das Credo: «Was auch immer du anpackst, mache es gründlich – mit Herz und Verstand.»

Wir stellen die drei Stadtratskandidaten für die Ersatzwahl am 15. November vor. Bisher erschienen am Samstag, 3. Oktober: Ruth Wildberger (SP).



Ueli Böhni: «Man soll pointiert, aber fair agieren und diskutieren.»
Bild Edith Fritschi

#Allgemeines

30. September 2015 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

· Steigt man in Schaffhausen von der Bachstrasse den Pfarrweg zur Kantonsschule hoch, kommt man bei der Kanti an zwei Skulpturen vorbei. Bei einer davon, sie zeigt einen stilisierten Vogel oder einen Flügel, ­haben wir gut versteckt einen interessanten Aufkleber entdeckt. «KSH Bitte stehen lassen» steht dort unter einem diagonalen Strich (siehe Bild). Ob da wohl jemand befürchtet, der Flügel müsse dem umstrittenen Jünglingstorso ins Archiv folgen? Die Figur stammt laut einer Plakette von Ueli Schoop in Zürich und ist ein Geschenk des Altherrenverbands der «Schaphusia» aus dem Jahr 1968. (zge)

· 2015 ist das Jahr der Jubiläen: 925 Jahre Beringen, 777 Jahre Büttenhardt, 925 Jahre Büsingen … Ganz im Stillen hat indes Barzheim sein 777-Jahr-Jubiläum begangen. 1238 wurde das Dorf zusammen mit Büttenhardt und Lohn nämlich in einer von der Kirche in Diessenhofen ausgestellten Urkunde zum ersten Mal erwähnt. Gefeiert wurde diese Schnapszahl nicht etwa mit einem Volksfest, sondern lediglich mit einem Kutschenausflug nach Gennersbrunn, den der einzige Verein im Dorf, der Ortsverein Im no Baarze, organisiert hatte. (jcg)

· Beim «Kaminfeuergespräch» dreier SP-Sektionen auf Schloss Laufen bedankte sich Werner Bächtold, Präsident der SP des Kantons Schaffhausen, bei der Moderatorin Dominique Späth auf seine Art. Späth, die Tochter von Kantonsrat Markus Späth, kandidiert, wie der prominente Gast und ehemalige Diplomat und Botschafter in Berlin Tim Guldimann, auf der Zürcher SP-Nationalratsliste. «Frau/Mann, Land/Stadt, jung, kämpferisch und älter, diplomatisch: Das wäre eigentlich die ideale Kombination für den Nationalrat», scherzte Bächtold. Allerdings hat wohl einzig Guldimann (auf der SP-Liste als Nummer 10 von 35 gesetzt) Erfolgsaussichten, gewählt zu werden. (M.G.)

· Ein bekannterSchauspielermit Schaffhauser Wurzeln ist gestern 103 Jahre alt geworden: Lukas Ammann («Graf Yoster gibt sich die Ehre», «Dällebach Kari»). Dem «Blick» verriet Ammann, dass er bis auf ein paar Probleme mit der Bandscheibe noch sehr fit sei. «Ich fahre ­sogar noch Auto», sagte er. Ammann ist Mitglied der Schaffhauser Zunft zum Rüden. (zge)

· Hochbetrieb im Fäsenstaubpark, wo das Playmobil ein Spielland der unbegrenzten Möglichkeiten bietet. Wer sich im Park umsieht, merkt, dass in Richtung des Johannes-von-Müller-Denkmals die alte schwarze und etwas klapprige Handpumpe diesen Sommer ersetzt wurde durch eine moderne Chromstahlpumpe in Form eines Rades. Schön. Und im Steinbett, in dem das Wasser hinunterfliesst in das Auffangbecken, wurden kleine Dämme eingebaut mit Klappen, um das von der Pumpe geförderte Wasser zu stauen. Mindestens theoretisch ist das möglich. Aber die Klappen sind nicht dicht, das Wasser fliesst auch, wenn sie geschlossen sind. Schade um die massiven Konstruktionen der Klappen, die, weil sie nicht funktionieren, unnütz sind. Wie erklär ich’s meinem Kinde? (Wü.)

· Zurück ist die vergoldete Jesusfigur, die 2014 beim Wegkreuz Ilgenpark Ramsen gestohlen wurde. Allerdings ist es nicht der original Heiland. Der bleibt verschollen. Ilgenpark-Leiter Olaf Rühlemannhat sich indes um Ersatz bemüht und eine Bronzefigur bei Kirchenschmuckherstellern in Bayern besorgt. Nun ist das Kreuz wieder komplett und bleibt es hoffentlich auch. (efr.)

#Allgemeines

23. September 2015 | Der nackte Jüngling ist weg

Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

Den meisten Schülern der Kantonsschule wird es bereits aufgefallen sein: Die Skulptur «Männlicher Torso» von Karl Geiser, die seit bald 50 Jahren im Lichthof aufgestellt war, ist seit den Sommerferien verschwunden. Sie wurde entfernt, nachdem ein Lehrer auf die Pädophilie des Künstlers Karl Geiser aufmerksam gemacht hatte. Beim «Männlichen Torso» handelt es sich um die Abbildung eines nackten Jungen. «Kunst eines pädophilen Künstlers in einer Schule kann problematisch sein. Wir wussten noch nicht, wie wir damit umgehen», begründet der Rektor der Kantonsschule, Pasquale Comi, die Entfernung der Skulptur, welche jetzt im Archiv der Kanti steht.

**Amsler lobt den Künstler**
Erst von den SN erfuhr Erziehungsdirektor Christian Amsler von der Entfernung der Skulptur. Er lobt den Künstler in den höchsten Tönen: Geiser sei einer der bedeutendsten Schweizer Künstler überhaupt, sagt er. «Im Lexikon des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft wurde er mit vier Sternen bewertet.» Ob die Entfernung der Skulptur angemessen war, das werde er «in Ruhe mit dem Rektorat der Kantonsschule besprechen», so Amsler. Im Übrigen «wurden und werden Kunstwerke in Kantonsbesitz aufgrund ihres künstlerischen Werts angekauft und nicht wegen der Persönlichkeit des Künstlers oder der Künstlerin», sagte er.
Die Figur wurde der Kantonsschule anlässlich der Einweihung des Förderer-Neubaus 1967 von der Georg Fischer AG überreicht. Der Künstler Karl Geiser war zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre tot. Er beging 1957 Suizid.
Die durch die Abwesenheit der Skulptur angeregte Diskussion möchte die Kanti laut Comi nutzen, um den Unterschied zwischen Künstler und Kunstwerk – auch ganz allgemein – zu thematisieren. Zudem biete der am ehemaligen Standort der Skulptur frei gewordene Platz Raum für gestalterische Eingriffe und künstlerische Interventionen. Es sei der einzige Ort, der solche Eingriffe erlaube, ohne die dominante Architektur des Fördererbaus zu stören. Ob der Torso definitiv aus der Schule verschwindet oder ob er seinen Platz im Mittelpunkt des Fördererbaus irgendwann zurückerhält, ist noch nicht entschieden.
Ganz verschwunden aus der Öffentlichkeit ist Geiser trotz der Aktion bei der Kanti dennoch nicht: Weiterhin im Freien stehen zwei Davidskulpturen beim Museum zu Allerheiligen.



So präsentierte sich der umstrittene Torso noch bis vor Kurzem im Lichthof der Kantonsschule.
Bild Bruno Bührer


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
lbb

**Karl Geiser – Woher der Pädophilievorwurf kommt**

Ein «pädophiler Künstler» sei er, meint die Schulleitung der Kantonsschule Schaffhausen: In keiner Dokumentation sind die sexuellen Neigungen des Künstlers Karl Geiser (1898–1957) deutlicher herausgearbeitet als im Dokumentarfilm «Geysir und Goliath» (2010) des Zürcher Filmemachers Alexander J. Seiler. «Geiser machte aus seinen erotischen Vorlieben keinen Hehl», sagt der 87jährige Filmer gegenüber den SN. Er lässt in seinem Film den exzentrischen Zeichner, Bildhauer und Fotografen Geiser aus den Nachlassbriefen lesen. So berichtet der Künstler von seinem Werkaufenthalt in Paris 1927 prahlend von seinen Affären, etwa mit einer «Negerin» und «Araberknaben». Die Briefe waren an die grosse unerfüllte Liebe seines Lebens gerichtet: Sasha Morgenthaler, die Frau seines Mäzens. 1929 wird er verhaftet und muss für acht Tage ins Bezirksgefängnis Zürich: Ihm wird eine sexuelle Beziehung zu einem 18-Jährigen vorgeworfen. Geiser arbeitete stets mit Modellen – nackte Männer und Frauen aller Altersgruppen gaben sich in seinem Atelier in Zürich-Letten die Klinke in die Hand. «Das Atelier war für ihn auch der Raum der Liebe», so Seiler. «Mit den wenigen, aber umso wichtigeren Frauen seines Lebens wie mit den Knaben und Jünglingen, deren Schönheit er früh und immer heftiger verfiel.» Zwei der wichtigsten Werke Geisers, je eine Gruppe von nackten jungen Männern und Frauen aus dem Jahr 1938, steht übrigens noch heute in Bern – vor dem Haupteingang des städtischen Gymnasiums Kirchenfeld.



Exzentrisches Liebesleben: der Künstler Karl Geiser (Aufnahme von 1938).
Bild zvg


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
lbb

**Um demontierte Skulptur ist eine Kunstdebatte entbrannt**

*Die Demontage einer Bronze­figur in der Kanti wegen der pädophilen Neigung ihres Erschaffers Karl Geiser (1898–1957) löst Diskussionen aus.*

Die Kantonsschule Schaffhausen steht hinter ihrem Entscheid, die Skulptur «Jünglingstorso» des Schweizer Bildhauers Karl Geiser von ihrem Platz im Lichthof im Neubau der Schule zu verbannen. Zuerst wolle man eine vertiefte Diskussion über Kunst und Künstler im Unterricht lancieren, erklären Rektor Pasquale Comi und sein Vorgänger Urs Saxer. Mit dem Thema Pädophilie müsse man heute anders umgehen als in den Jahren, wo die ­Figur installiert worden sei. Nach Regierungsrat Christian Amsler äussert sich jetzt auch ein früherer Kantonsschullehrer zum Vorgehen der Schulleitung. Und der Kunstkurator des Museums zu Allerheiligen wies auf die hohe Bedeutung Geisers in der Kunstwelt hin, von dem zwei sehr bedeutende Werke beim Münster stehen. Derweil wird klar, wieso der Vorwurf der Pädophilie gegen den Künstler erhoben wird.


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Flavio Razzino und Marc Liebenberg

**Entfernung einer Skulptur wirft Fragen auf**

*Die Entfernung der Figur «Jünglingstorso» des Künstlers Karl Geiser (1898–1957) wegen pädophiler Neigungen ihres Erschaffers sorgt für Verwunderung.*

Die Bronzeskulptur «Jünglingstorso» des bedeutenden Bildhauers Karl Geiser (1898–1957) wurde in den Sommerferien vom Lichthof der Kantonsschule Schaffhausen entfernt, nachdem ein Lehrer Anfang Jahr die Schulleitung darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Künstler eine pädophile Neigung gehabt haben soll (siehe SN von gestern). Den Entscheid verteidigt der damalige Rektor Urs Saxer gegenüber den SN: «Die Frage ist durchaus berechtigt, wie man sich zu so einem Kunstwerk stellen soll.» Immerhin, so Saxer, sei für das Thema Pädophilie heute eine grössere Sensibilität vorhanden als noch vor 50 Jahren, als die Statue, als Schenkung von GF, im Neubau aufgestellt wurde. «Heute haben wir ein Gesetz, welches in Fällen von Kindesmissbrauch lebenslange Berufsverbote vorsieht.» Deshalb habe man einen Diskurs über Kunst und Künstler anregen wollen. Entfernt worden sei der Jüngling im vergangenen Juli.
Pasquale Comi, seit 1. August dieses Jahres Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, sagt: «Das war wahrscheinlich nicht ganz glücklich, aber im Nachhinein ist man immer klüger.» Denn jetzt werde eine wichtige Debatte über Kunst von umstrittenen Künstlern öffentlich geführt, «obwohl wir dar­über zuerst in der Schule hätten diskutieren wollen», so Comi. Bereits sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die derzeit ein Konzept für dieses vertiefte Nachdenken über Kunst entwickle. Nach den Herbstferien soll es losgehen.

**Geisers Spuren in Schaffhausen**
Dass die Figur weg ist, fiel jedoch schnell auf – kein Wunder, handelt es sich bei ihrem Schöpfer doch um einen Künstler, der in Schaffhausen unübersehbare Spuren hinterliess. Nicht nur in der Stadt Zürich beim Helvetiaplatz (Arbeiterdenkmal) oder bei der Walche (Löwen) stehen seine Skulpturen; Walther Bringolf – der mit dem Bildhauer persönlich und politisch befreundet war – bat den bereits berühmten Künstler 1946, ein Denkmal für die Bombardierung Schaffhausens am 1. April 1944 zu schaffen. Geisers Vorschlag gewann unter sechs weiteren Beiträgen – zur Ausführung gelangte das Denkmal jedoch nie. Am 4. Juli 1959 wurden auf Veranlassung Bringolfs aber zwei in Bronze gegossene David-Figuren von Karl Geiser in Schaffhausen enthüllt. Die eine, die Freiheit verkörpernde Fassung, zeigt David nackt und steht im Kräutergarten zu Allerheiligen, die andere, in Hirtenknabenart mit einer Hose bekleidet, fand an der Nordfassade des Münsters ihren Platz.
Zusammen mit diesen überlebensgrossen Arbeiten besitzt das Museum zu Allerheiligen fünf Geiser-Werke, wie Kunstkurator Matthias Fischer bestätigt. Zu den beiden Davids kommen ein Jünglingstorso «Heiri», das Modell für das Bombardierungsdenkmal und ein weiteres Artefakt. «Diese Arbeiten befinden sich im Depot», sagt Fischer. Die Entfernung des «Nackten Jünglings» mag er nicht kommentieren. Er sagt nur: «Das zeigt mir nur, dass Kunst in verschiedenen Zeiten unterschiedlich bewertet wird.»
Mit grosser Verwunderung hat auch der langjährige frühere Lehrer für bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule, Edi Schwyn, von der Demontage des Jünglings erfahren: «Ich finde das an den Haaren herbeigezogen», kommentiert der pensionierte Lehrer das Vorgehen seiner Berufskollegen. Die Figur sei ihm seit seiner eigenen Schulzeit vertraut – im Fach Zeichnen hat sie seinen Schülern als Modell gedient. «Meiner Meinung nach hat die Figur nicht im Entferntesten etwas mit Erotik und Sexualität zu tun», so Schwyn. Von den Pädophilie-Vorwürfen gegenüber Geiser habe er bisher keine Kenntnis gehabt. «Ich bin aber der Meinung, dass man so etwas doch nicht einfach auf das Werk eines Künstlers übertragen kann!»
Die Debatte haben die Verantwortlichen mit der Entfernung des nackten Jünglings lanciert. Gut möglich ist jedenfalls, dass die Bronzeskulptur bald wieder im Lichthof der Kantonsschule Schaffhausen steht. «Ich kann mir das gut vorstellen, auch weil wir das Thema Kunst umstrittener Künstler nun in den Klassen, aber auch im Lehrerzimmer diskutieren», sagt Comi.



Erregte Anstoss: Nackter Jüngling aus Bronze im Lichthof der Kanti.
Archivbild SN



Karl Geisers überlebensgrosse David-Statuen: «Freiheits»-David im Kräutergarten des Klosters Allerheiligen und …



… David beim Münster Schaffhausen. Es sind Schlüsselwerke im Spätwerk des Bildhauers.
Bilder Selwyn Hoffmann


25.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
r

**Kantonsschule wird heftig kritisiert**

*Bronzeskulptur*

Für Irritationen hat die diese Woche bekannt gewordene Entfernung einer Bronzeskulptur des renommierten Schweizer Bildhauers Karl Geiser aus dem Lichthof des Neubaus der Kantonsschule Schaffhausen gesorgt. Jetzt äussern sich Kunstsachverständige und Kulturschaffende über die Demontage des «Jünglings­torsos» nach fast 50 Jahren wegen der angeblichen Pädophilie ihres Erschaffers – und die Akteure aus der Kunstszene kritisieren die Schulleitung scharf. Für Katharina Epprecht, Direktorin des Museums zu Allerheiligen, ist die Entfernung der Figur «kaum nachvollziehbar», obwohl die zugrunde liegende Fragestellung durchaus legitim sei. Roger Ballmer vom Kunstverein meint, man müsste die Figur nicht aus der Öffentlichkeit entfernen, um sich differenziert darüber zu unterhalten. Die Kunsthistorikerin Tina Grütter findet die Argumentation schlicht «lächerlich». Und die beiden unter anderem mit bildhauerischen Arbeiten bekannt gewordenen Künstler Vincenzo Baviera und Bruno Ritter machen ihrem Ärger Luft. Derweil werden Erinnerungen wach an den letzten Kunstskandal in Schaffhausen im Jahre 1989.


25.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi und Marc Liebenberg

**«Diskussion am völlig falschen Objekt»**

*Kopfschütteln löst bei Sachverständigen und Kunstschaffenden die Entfernung des «Jünglingstorsos» an der Kantonsschule aus.*

Die diese Woche bekannt gewordene Demontage der Skulptur «Jünglingstorso» des Bildhauers Karl Geiser begründet die Schulleitung mit den pädophilen Neigungen des bereits seit 58 Jahren toten Künstlers (siehe SN von gestern). Man wolle jetzt an der Schule eine Debatte darüber anregen, versprach Mitte der Woche Rektor ­Pasquale Comi. Gestern haben sich nun auch Vertreter der Schaffhauser Kunstszene in die Debatte eingebracht.
Um eine legitime Fragestellung handle es sich durchaus, meint Katharina Epprecht, seit Anfang des Monats Direktorin des Museums zu Allerheiligen. «Das Verhältnis zwischen der Person des Künstlers und seinem Werk könnte Anlass für eine wichtige und ­relevante Disskussion sein.» Man müsse dabei aber unbedingt der grundsätzlichen Eigenständigkeit des Kunstwerks gerecht werden.
Mit der Entfernung der Skulptur aus der Öffentlichkeit – dieser «kaum nachvollziehbaren Aktion» – torpediere die Kantonsschule jedoch im Grunde gerade das, worauf es ihr anscheinend ankomme. «Das Resultat der Auseinandersetzung mit dem Werk und seinem Urheber hat man mit der Demontage im Grunde bereits vorweggenommen. So ist die Disskussion am völlig falschen Ende aufgehängt – und am falschen Objekt», sagt Epprecht. Sie sehe denn auch nicht den geringsten Anlass, die beiden im Besitz des ­Museums befindlichen David-Skulpturen Geisers im Kräutergarten und beim Münster Schaffhausen in irgendeiner Weise dem öffentlichen Raum zu entziehen.

**Suche nach dem «pädophilen Blick»**
Sexualität führe in der Kunst zu vielen Missverständnissen, sagt Kunstvereinspräsident Roger Ballmer. «Wenn man nach einem ‹pädophilen Blick› von Künstlern in der Kunst sucht wird man fast in allen Gattungen und Epochen fündig.» Von der Renaissance bis in die Postmoderne malten und fotografierten Künstler nackte Kinder, oftmals in eindeutig lasziven Posen. Im vorliegenden Fall sei es erst einmal geboten, das Werk konsequent vom Künstler zu trennen, relevant sei einzig die Darstellung. «Die Grenze des Zeigbaren liegt meiner Meinung nach dort, wo Kinder sexualisiert, in lasziven Posen gezeigt werden.» Das sei bei ­Geisers Werk eindeutig nicht der Fall. «Wenn man eine solche Diskussion ernsthaft hätte führen wollen, dann hätte dies auch ohne Entfernung der Skulptur stattfinden können», sagt Ballmer.
Für die Kunsthistorikerin Tina Grütter, einstige Kuratorin der Kunstabteilung am «Allerheiligen», ist die Vermischung von Biografie und Werk eines Künstlers alles andere als gut. «Ein Werk kann sich doch weit über Persönliches hinausheben, und gerade schwierige biografische Gegeben­heiten können die Inspiration sein, dies erst in Kunst zu verwandeln», meint sie. Rembrandt zum Beispiel soll als Mensch sehr unangenehm gewesen sein. «Da dürfte man seine Kunst nicht mehr anschauen, wenn man nur noch Arbeiten, von moralisch sauberen Künstlern möchte.» Sie verweist auch auf die alten griechischen Skulpturen, die in der Kunstgeschichte unbestritten als hochwertig dastehen. «Wohl die meisten davon haben Künstler geschaffen, die sich an Jungenkörpern erfreut haben», sagt sie.

**Tina Grütter: Debatte lächerlich**
Grütter stört es, dass man heute viele Werke nur noch unter sexuellen Aspekten betrachtet und die künstlerische Qualität sekundär wird. «Karl ­Geiser hat seinen Platz in der schweizerischen Kunstgeschichte.» Er habe sich bei aller Stilisierung stets an die Natur gehalten und sei nicht ins ­Abstrakte gegangen, meint Grütter. Das sei mit ein Grund, weshalb die ­Modelle für Geiser eine wichtige Rolle spielten. «Wenn man Geiser aus so ­wenig stichhaltigen Gründen entfernt, dann müsste man auch Werke von ­Gubler wegtun.» Im Übrigen wisse man zu wenig über die Beweggründe und die Inspiration Geisers. Grütter hält die Debatte jedenfalls für lächerlich. «Wenn man so argumentiert, dann ­dürfen bald nur noch bigotte Leute und Moralapostel Kunst machen.»

**«Viele Museen müssten schliessen»**
Vincenzo Baviera, freischaffender Bildhauer in Beggingen, hat sich intensiv mit Karl Geiser befasst und lernte bei dessen Schüler Felix Kohn in ­Zürich, der nach Geisers Selbstmord sein Atelier übernommen hatte. «Klar, Karl Geiser stand offen zu seinen Neigungen, er hat sie aber eben auch als Problem wahrgenommen und darunter gelitten», sagt Baviera. Dass sich der Künstler jemals etwas Schlimmes zuschulden hat kommen lassen, bezweifelt er. «Wenn man jedes Kunstwerk nach den Unzulänglichkeiten seines Urhebers bewerten möchte», glaubt ­Baviera, «dann müsste man ganz viele Museen schliessen.» Zur Entfernung von Geisers Skulptur an der Kantonsschule meint er nur: «Das war wohl eine reine Panikhandlung vor lauterpolitical correctness, es geht aber an der Sache komplett vorbei.»
Bruno Ritter, im Bergell lebender Maler und Bildhauer aus Schaffhausen, ärgert sich über die Schulleitung ebenfalls sehr: «Dass eine so undifferenzierte Behauptung eines Lehrers dazu führt, dass eine Kommission einberufen wird, ist wirklich fasnachtsreif und disqualifiziert die Verantwort­lichen.» Das Problem liege also kaum bei Geiser und seiner Skulptur.

**Kunstskandal 1989 Als Herr Puls nicht ausstellen durfte**
Es ist nicht das erste Mal, dass man sich in Schaffhausen über einen Künstler aufregt: Schon lange vor der «Causa Geiser» hatte die Stadt einen «Kunstskandal. Es war im Jahre 1989, als die Ausstellung des österreichischen Künstlers Erwin Puls, die am 17. August in der Kammgarn eröffnet werden sollte, verboten wurde. Am Ruder war damals der sozialdemokratische Stadtpräsident Max Hess. Er und der gesamte Stadtrat seien einmütig zum Schluss gekommen, die städtische Liegenschaft Kammgarn nicht für die Puls-Schau zur Verfügung zu stellen, meldeten die SN am 17. August 1989: «Grund für diesen Entscheid sind pornografische Fotos sowie ein Videofilm mit pornografischen Szenen, die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden sollten.» Und weiter: «Der Entscheid des Stadtrates war unumgänglich, und unter Zeitdruck waren wir zu raschem Handeln gezwungen», betonten damals Hess und Baureferent ­Marcel Wenger. Sie begründeten den Entscheid damit, dass die Behörde im Vorfeld nicht über den Inhalt der Ausstellung, organisiert von der Kammgarn-Koordinationsgruppe ­(Kakoo) ­informiert worden sei. Erst kurz vor Eröffnung der Schau des Wiener ­Aktionskünstlers habe sich der Stadtrat in corpore vor Ort bei eine Führung ein Bild machen können. Einzelne Teile der Ausstellung empfand er «eindeutig als Pornografie», was Puls – der im Jahr 2003 verstarb – überhaupt nicht in Abrede stellte. Er bediene sich der Mittel der Pornografie, um zu zeigen, wie die Gesellschaft funktioniere, sagte er damals. Auf den Vorschlag, etwa ein Drittel aller Exponate zurückzuziehen, um die Ausstellung dennoch zeigen zu können, waren Puls und die Veranstalter nicht eingegangen. Der Stadtrat verbot also die Schau, auch wenn er einräumte, Kunst benötige einen grossen Freiraum, aber man habe der Öffentlichkeit gegenüber eine Verantwortung. Enttäuscht zeigten sich die Organisatoren, denen bewusst war, dass es sich um eine «brisante Ausstellung» handelte. Genau aus diesem Grund aber wäre der Künstler in den Ausstellungsräumen stets präsent gewesen, um die Diskussion mit den Besuchern zu führen. Diese kam dann nur ausserhalb zustande und wurde zum Stadtgespräch darüber, wo Kunst aufhört und Pornografie beginnt.



Kann man Werk und Künstler trennen? Walther Bringolf 1961 bei der Einweihung des Männertorsos «Heiri» von Karl Geiser im Museum.
Archivbild B. + E. Bührer


**Sotheby’s und Co. Karl Geisers Arbeiten tauchen regelmässig auf dem Kunstmarkt auf**

Karl Geisers Werke sind Stammgäste vor allem in Schweizer Auktionen. So wurde 2012 ein «Jüngling Akt» bei Christie’s in Zürich für 9600 Franken verkauft. Die Figur sieht der Bronze von der Kantonsschule Schaffhausen sehr ähnlich, im Gegensatz zu diesem lebensgrossen Werk war der bei ­Christie’s verkaufte Jüngling aber nur 44 Zentimeter hoch. 2011 bot Sotheby’s in Zürich eine 61 Zentimeter grosse Büste einer jungen Frau und zwei Grafiken für 6000 bis 8000 Franken an, das Los fand aber keinen Käufer. 2004 verkaufte Sotheby’s eine 55 Zentimeter hohe Büste einer «Frau mit Tuch» für 10 030 Franken. Deutlich günstiger, für um die 100 Franken, angeboten wurden Radierungen aus Serien, etwa «Drei nackte Jungen am Strand» aus einer Auflage von 40 Stück. (Auktion für moderne Kunst, 2009, Auktionshaus Michael Zeller).(zge)


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Eduard Schwyn

**Die Schwelle zum Erwachsenwerden**

*Im Mittelpunkt der Debatte über die entfernte Geiser-Skulptur an der Kantonsschule steht das Verhältnis: Leben in der realen Welt – Ausdrucksgestaltung in der Welt der Kunst.*

Da stand jemand nackt da, im Zentrum des schulöffentlichen Raums der Kantonsschule Schaffhausen. Der da entblösst stand, ist nicht aus Fleisch und Blut. Der leicht erhöht auf einem Sockel stehende Jüngling wurde in Bronze gegossen, ist daher unbeweglich, erscheint in seiner Haltung wie im Moment erstarrt. Das eigentliche Original wurde vom Künstler Karl Geiser (1898–1957) Schicht um Schicht mit dem Werkstoff Gips gebildet und später als plastische Vorlage für den Abguss genommen. Während fünfzig Jahren stand die Skulptur an ihrem Ort im Lichthof des Förderer-Gebäudes, nun wurde sie unverhofft entfernt. Die Begründung für diesen Schritt: Nicht die Nacktheit der Figur, vielmehr das dahinter liegende schiere Wissen um die angeblich pädophile Neigung des Künstlers erregte öffentliches Ärgernis seitens der Schulleitung.
Frontal stehende Jünglingsfiguren haben in der Kunstgeschichte eine weit zurückreichende Tradition. Die Abbildung rechts zeigt eine berühmte griechischarchaische Jünglingsskulptur, nämlich den nach seinem Fundort benannten Kuros von Anavyssos (552 v. Chr.). Wir kennen weder den Namen des Künstlers, noch haben wir Kenntnis darüber, ob er sein Leben den damals geltenden Verhaltensnormen entsprechend in moralischer Rechtschaffenheit gelebt hat oder nicht …
Was von ihm für uns erhalten geblieben ist, ist einzig und allein die von ihm aus Stein gebildete Skulptur. Diese Jünglingsfigur ist eine von mehreren, in ähnlicher Haltung und Wirkungsabsicht gestalteten Figuren aus dieser frühen Zeit. Es wird angenommen, dass diese Figuren in der Zeit ihrer Entstehung das Ideal des gereiften Jünglings verkörperten. Diese Figuren treten uns nicht düster und sich als aggressiv gebärdende Krieger entgegen, im Gegenteil, sie öffnen sich dem Betrachter mit einem leisen Lächeln. In einer ähnlichen Haltung erlebe ich die angesprochene Skulptur von Geiser, sie ist in ihrem körpersprachlichen Ausdruck und ihrer zutiefst menschlich warmen Ausstrahlung unmittelbar zugänglich.
Kunstwerke sind immer auch ein Teil der Lebenswirklichkeit ihres Schöpfers, sind Ausdruck des momentanen Daseins eines Menschen. Anlass für den schöpferischen Akt ist wohl immer die Verwurzelung in subjektiver Betroffenheit. Darin eingeschlossen sind auch erotische Impulse, der Trieb des Eros und die Sehnsucht nach seiner Erfüllung. Zusammen auch mit dem polaren Todestrieb sind sie Energien des Gestaltungsaktes, in dem Bewusstes und Unbewusstes, äussere und innere Realität unauflöslich ineinander verwoben sind. Im künstlerischen Tun, in der Literatur wie in der bildenden Kunst können auch sublime Energien als Ersatzhandlungen in der Gestaltung ausgelebt werden und zur Lebensbewältigung des Kunstschaffenden beitragen. Hoffnungen, Sehnsüchte und unerfüllte Wünsche können ins Werk einfliessen und anschaulich manifest, allenfalls von der Gesellschaft im Kunstwerk auch akzeptiert werden. Sollte die sexuelle Neigung des Gestalters jener jetzt in den Fokus einer Debatte geratenen Jünglingsfigur in sein Werk eingeflossen und dort ablesbar sein, nähme die Diskussion einen wesentlich anderen Verlauf. Dies vor allem, weil die Figur im öffentlichen Raum steht.
Nicht etwa die geäusserte Kritik der pädophilen Neigung des Künstlers, sondern deren Übertragung auf sein geschaffenes Werk ist für mich im Anblick dieser Figur unhaltbar.
Dieses Ansinnen vermag der Figur in ihrer würdevoll strahlenden Schlichtheit nichts anzuhaben. Sie ist vollendeter Ausdruck einer Vergegenwärtigung: der junge Mensch an der Schwelle zum Erwachsenwerden. An seinem angestammten Ort bringt dieses Werk menschliche Wärme in die kühle Atmosphäre des Lichthofs.
Durch die Rücknahme ihres Entscheids verliert die Schulleitung keineswegs ihr Gesicht, im Gegenteil: Sie gewinnt an Profil.

*Eduard Schwyn(*1948) ist Kunstpädagoge und war von 1973 bis 2013 Lehrer für bildnerische Gestaltung an der Kantonsschule Schaffhausen. Er war 1985 Co-Gründer des Vereins Bildender Künstler Schaffhausen und arbeitet heute als Kunstschaffender.*



Weit zurückreichende Tradition: Kuros von Anavyssos (552 v. Chr.).
Bild zvg


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Silvio Crola

**Kunst als Stein des Anstosses?**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Während 35 Jahren meines Berufslebens bin ich täglich am Bronze-Jüngling im Lichthof der Kanti vorbeigegangen und habe mich stets gefreut, wie überzeugend diese Statue im Kontext dieses Raumes ihren Platz einnimmt. Eine Verbindung mit der angeblichen Pädophilie ihres Schöpfers Karl Geiser wäre mir nie und nimmer in den Sinn gekommen. Was jetzt als Argument für ihre Entfernung angeführt wird, wirft kein gutes Licht auf die kulturfeindliche Geisteshaltung der selbst ernannten Sittenwächter. Die Entfernung dieses Kunstwerkes ist aber auch eine Respektlosigkeit gegenüber den Donatoren und dem Architekten W. M. Förderer. Ich hoffe, dass der Erziehungsdirektor Christian Amsler mit seinen vernünftigen Argumenten die Schulleitung dazu bewegen kann, die unsinnige Massnahme rückgängig zu machen. Der Bronze-Jüngling gehört unverzüglich wieder an seinen ­angestammten Platz!

26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Walter Seiler

**O tempora, o mores**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Nach fast 50 Jahren friedlicher und weitgehend unbeachteter Existenz an der altehrwürdigen Kanti ist die Skulptur eines nackten Jünglings des renommierten und vermeintlich pädophilen Künstlers Geiser von seinem Standort entfernt worden. Ich möchte mich im Namen einer alternden Mutter (92), die in den 60er-Jahren ihre vier Kinder völlig verantwortungslos dem Anblick dieser Skulptur ausgesetzt hatte, bedanken für diesen raren Heiterkeitsanfall, den diese Aktion bei ihr ausgelöst hat.

26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Eduard Looser

**Kontraproduktive Skandalisierung**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Die Diskussion über die Entfernung des nackten Bübleins beziehungsweise über die Pädophilie des Künstlers gehört in die Kantonsschule. Es gibt dort genügend Leute, junge und alte, die sich aus den verschiedensten Blickwinkeln mit den aufgeworfenen Fragen befassen können. Der Skandalisierungseifer ist kontraproduktiv und nimmt der Kanti ein Thema aus der Hand, dessen Bearbeitung sogar ­locker in den Bildungszielen der Institution Platz hat. Da kommt es dann nicht darauf an, ob die Skulptur auf dem Lichthof oder im Archiv steht. Zudem kommt noch, dass in unserer Gesellschaft Pädophilie keine Quantité négligeable ist, wie man im Zusammenhang mit den Vorwürfen beispielsweise an Priestern sieht. Also kann man die Diskussion ruhig auch echt zulassen, ausser man macht darin einen Unterschied zwischen Priestern und Künstlern.


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

**Geisers Demontage**

Während fast 50 Jahren zierte der «Jünglingstorso» von Karl Geiser den Lichthof der Schaffhauser Kantonsschule. Nun ist der Bronzebub ins Archiv verbannt worden, wegen der pädophilen Neigungen seines seit beinahe 60 Jahren toten Erschaffers. Dieser hatte zeitlebens immer wieder offen über seine sexuelle Orientierung gesprochen, sie wurde in Ausstellungen seiner Werke auch thematisiert. An der Kanti hat nun ein Lehrer ebenfalls Geisers Vergangenheit aufgedeckt und Alarm geschlagen, und die Schulleitung hat sein Werk, es zeigt einen nackten Jungen ohne Arme, entfernen lassen. Temporär, wie sie sagt.

**Werk und Erschaffer zu trennen, ist nicht immer so einfach**
Es war eine Handlung, für die man auf den ersten Blick schon ein gewisses Verständnis aufbringen kann. Ein Bildnis eines unbekleideten Kindes! Erschaffen von einem pädophilen Künstler! Ausgestellt in einer Schule! Das geht doch nicht!
Oder etwa doch? Unbestritten scheint unter den Fachverständigen, dass man Werk und Künstler trennen müsse. Die Arbeit müsse auch für sich alleine bestehen. Dies ist natürlich umso einfacher, je älter ein Werk ist und je weniger man vom Künstler weiss. Schwieriger wird es hingegen, wenn die Biografie eines Künstlers dessen Werk weit überstrahlt. Die Aquarelle eines österreichischen Malers aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert wirken auch harmlos, bis man erfährt, dass der Künstler Adolf Hitler heisst.
Bei Geisers Werk wird die jüngste Debatte um seine sexuellen Vorlieben eine Zeit lang kaum von seinen Arbeiten zu trennen sein. Wer erfährt, dass Geiser sich zu Knaben hingezogen fühlte, betrachtet seine zahlreichen Standbilder, Zeichnungen und Fotografien von nackten Kindern möglicherweise ganz anders. Und wer sich gar getraut, Geisers Werke trotz dieses Ballasts zu sammeln, zu schätzen, ­zugänglich zu machen oder zu verteidigen, gerät schnell in den Verdacht, dessen Pädophilie zu verharmlosen oder insgeheim sogar gutzuheissen.
Das ist natürlich Quatsch. Es ist doch ein Zeichen einer freien Gesellschaft, Kunst mit all ihren Abgründen, Widersprüchen und Widerlichkeiten zu ertragen, eben auch dann, wenn man mit dem Künstler selbst nicht einverstanden ist oder ihn sogar verabscheut.
Oder wäre es etwa besser, man würde nur noch moralisch und ethisch einwandfreie Werke sammeln und ausstellen, die von ebenso moralisch und ethisch einwandfreien Künstlern erschaffen worden wären? Wer bestimmt dann, was «reine Kunst» ist und welche Künstler genehm sind? Irgendein Komitee oder eine Akademie? Oder etwa die Politik? Das geht, aber nur in totalitären Staaten wie Nazideutschland. Dort wurde «entartete», also politisch nicht korrekte Kunst gebrandmarkt, verboten und verbrannt.
Würde man Kunst nur noch nach strengen ethischen Kriterien beurteilen, dann müssten viele Museen gleich schliessen. Nicht nur wegen allfälliger nackter Kinder. Das Elfenbein, aus dem jahrhundertealte asiatische Götterstatuen geschnitzt sind, stammt nicht unbedingt von Lieferanten, die das Internationale Artenschutzabkommen unterzeichnet haben. Und unter welchen Umständen Gold und Edelsteine in antiken Preziosen geschürft wurden, will man lieber auch nicht so genau wissen.

**Warum wird genau der Gegenstand entfernt, über den man reden will?**
Bei Geisers Jüngling stellen sich noch weitere Fragen. Die Statue ist ­integraler Teil des Baus, Architekt Förderer platzierte sie persönlich. Steht es dem Lehrkörper grundsätzlich eigentlich zu, nach eigenem Gutdünken und ohne Absprache mit der Gebäudebesitzerin am Bau Veränderungen vorzunehmen? Darf eine Lehrerin, der die blanken Betonwände im Förderer-Bau auf die Nerven gehen, auch mal rasch zum Pinsel greifen? Wohl kaum.
Und wieso entfernt man eigentlich genau den Gegenstand, über den man, wie die Lehrer bezeugen, eine Diskussion führen will? Dies, nachdem der nackte Jüngling fast ein halbes Jahrhundert an seinem Platz gestanden hatte, ohne dass Tausende von traumatisierten Maturandinnen und Maturanden von dieser Schule abgingen?
Diskussionen über Kunst sind schön und gut, aber als ersten Schritt sollte die Kanti jetzt vor allem eines tun: Geisers Jüngling schleunigst aus dem Archiv holen und wieder in den Lichthof stellen.


30.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Ursula Frey

**Der Jüngling kann im Archiv bleiben**
*Zu «Geisers Demontage», SN vom 26. 9.*

Wenn ich die Statue des jungen Mannes anschaue, fällt mir auf, dass er keine Hände und keine Unterarme hat. Das bedeutet, dass er nicht handeln kann, zur Untätigkeit gezwungen ist und dass er wehrlos ist. Dies sind Eigenschaften, die wir jungen Menschen gerade nicht wünschen! Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass die Statue im Archiv bleiben kann. Sie könnte auch im Museum ausgestellt werden. Für die Kantonsschule wünschte ich mir ein lebensbejahenderes Kunstwerk. Vielleicht findet sich eines von einem zeitgenössischen Schaffhauser Künstler?

30.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Klaus Unger

**Sofortige Relozierung des «Jünglingstorsos»**
*Zu «Geisers Demontage», SN vom 26. 9.*

Arme Kantonsschule. Läufst Gefahr, Opfer pädophiler Übergriffe zu werden durch eine Jünglingsskulptur, die keine Hände hat, und durch ihren längst verstorbenen Gestalter und machst dich, bedauer- und ärgerlicherweise auch für einen ehemaligen Lehrer, lächerlich in der ganzen Schweiz und anderswo durch einen Akt, der von unglaublicher Borniertheit, Anmassung und vor allem von Unverständnis zeugt, was das Verhältnis von Künstler und Werk angeht.
Wenn der Lebenswandel eines bildenden Künstlers, Schriftstellers, Komponisten etc. bestimmend für sein Werk wäre, das heisst für dessen Beurteilung und Wertung im Sinne engstirniger Sittenwächter, dann müssten zahllose Werke aus dem öffentlichen Raum, der öffentlichen Darbietung und insbesondere aus dem Kanon der Kantonsschullektüren schnellstens entfernt werden.
Mit anderen Worten: Bei der aufgeklärten und wissensfundierten Wahrnehmung und Beurteilung von ernst zu nehmender Kunst ist das Leben des Künstlers schon längst Nebensache, es sei denn, es muss die fehlende Sub­stanz des Werks ersetzen. Hingegen ist es ein zentrales Qualitätsmerkmal, in welchem Masse der Künstler jenseits seiner individuellen Biografie eine allgemeingültige menschliche und artistische Wirklichkeit zu schaffen vermag.
Daher braucht es jetzt an der Kantonsschule keine Diskussion über das Verhältnis von Künstler und Werk, sondern die sofortige Relozierung der Skulptur an den angestammten Ort, zumal ihr dieser vom Architekten mit Bedacht zugewiesen wurde. Auch ihm gegenüber ist die «Verwahrung» der Skulptur eine Respektlosigkeit.


3.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
**SMS-Umfrage**

Das Ergebnis:
«Jünglingstorso»: Soll die Skulptur wieder in der Kanti aufgestellt werden?
Ja81 %
Nein19 %
Klare Aussage: Die Umfrageteil­nehmer wünschen sich, dass die ­Kantonsschule Karl Geisers Jünglings-Skulptur wieder ausstellt.


7.10.2015
Leserbrief von Erwin auf der Maur

**Es kommt auf den Betrachter an**
Zur SMS-Umfrage über Karl Geisers Jünglingstorso, SN vom 3.10.

Die SN-Umfrage hat mit 81:19 ergeben, dass der unbekleidete Jüngling wieder in der Kanti aufzustellen sei. Wer sich immer noch daran stossen könnte, müsste beantragen, dem holden Knaben sein Glied abzunehmen. Er steht ohnehin ohne Hände da. Oder ein Tüchlein an der besagten Stelle wäre hilfreich.
Der Schaffhauser Kantonsrat hatte vor einem halben Jahrhundert eine neue Wasserversorgung in der Nähe von Tengen-Blumenfeld besichtigt. Dort musste auch ein künstlerischer Schmuck her. In der Reservoirstation hat man die Statue eines hübschen Mädchens aufgestellt. Sie stand auf einem Sockel über dem Brunnen. Für das Wasserlassen wäre jedoch eine männliche Figur geeigneter gewesen. Die weise Lösung wurde gefunden: Weil vom kritischen Ort der jungen Maid das Wasser an den Beinen entlang hinuntergelaufen wäre, hat man den Ausfluss aus der Statue an den kleinen Finger verlegt. Gut so!
Heute sagt man etwa der katholischen Kirche nach, sie sei prüde. Wer sich die herrlichen Barockkirchen in Deutschland und in der Schweiz ­anschaut, trifft viele Nackedeis an: Putten und unbekleidete Engelchen zieren Altäre und Deckengemälde. Weder betende Nonnen noch fromme Gläubige stossen sich daran. Prüde Besucher in Rom müssten in der Sixtinischen Kapelle und in den Vatikanischen Museen ihr Auge schliessen. Es kommt darauf an, in welcher Gesinnung Kunstwerke den Besucher er­götzen.


20.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

**Der «Jüngling» ist noch nicht zurück**

*Die Entfernung einer Bronzeskulptur aus dem Lichthof der Schaffhauser Kantonsschule sorgte für hitzige Diskussionen. Zum Schulstart fehlt der «Jünglingstorso» jetzt aber immer noch.*

Die Herbstferien sind zu Ende, und die Kantonsschüler sitzen wieder in ihren Bänken. Nur einer ist nicht zurückgekommen; der Sockel im Lichthof der Kanti, auf dem sich seit fast 50 Jahren der «Jünglingstorso» des Künstlers Karl Geiser befand, bleibt leer. Dort, wo einst die Bronzestatue stand, sitzen in der grossen Pause nun Schülerinnen und Schüler und geniessen ihr Pausenbrot.
Der «Jünglingstorso» wurde der Kantonsschule Schaffhausen 1967 anlässlich der Einweihung des Förderer-Baus von der Georg Fischer AG geschenkt. Nachdem die Bronzeskulptur fast 50 Jahre lang den Lichthof der Kanti geziert hatte, wurde sie in den Sommerferien von der Schulleitung entfernt. Begründet wurde die Aktion mit der angeblichen Pädophilie des renommierten Schweizer Bildhauers Karl Geiser (1898–1957). Als die SN auf das Fehlen der Statue aufmerksam machten, entbrannte in der Stadt Schaffhausen eine heftige Debatte. Während manche Leute das Vorgehen der Schulleitung verstehen, sind sich die Kunstverständigen der Region ­einig: Kunstwerk und Künstler müsse man voneinander trennen können, die Statue gehöre zurück an ihren Platz.
Derselben Meinung sind anscheinend auch andere Schaffhauser. Bei einer SMS-Umfrage wollten 81 Prozent der Teilnehmer die Statue wieder an ihrem alten Platz ausgestellt wissen.

**«Nächste Woche wird entschieden»**
Bei den Kantischülern löst das Fehlen der Skulptur unterschiedliche Reaktionen aus. Manche sind mit der Entfernung der Statue einverstanden, manche vermissen den nackten Jüngling, und wieder anderen ist das Thema anscheinend völlig egal.

**Doch wie geht es weiter mit dem «Jünglingstorso»? Darf er irgendwann wieder zurück auf seinen Sockel?**
Was mit der Bronzeskulptur geschieht, ist noch ungewiss. Kanti-Rektor Pasquale Comi sagt, dass die Angelegenheit vorerst in Ruhe mit der Lehrerschaft, der Schulleitung und dem Erziehungsdepartement besprochen werden müsse. Das sollte im Verlauf der nächsten Woche geschehen. Und bis über das weitere Vorgehen in der Causa «Jünglingstorso» nicht entschieden ist, will sich Comi zum Thema nicht mehr äussern. «Ich habe schon meine Ideen», sagt er. Es gehe aber nicht allein um seine Vorstellungen.

**Rückkehr wahrscheinlich**
Geäussert hat sich der Rektor gegenüber den SN aber eigentlich bereits vor den Herbstferien. Damals sagte er, dass er sich eine Rückkehr der Bronzeskulptur an ihren ­ursprünglichen Platz gut vorstellen könne. Erziehungsdirektor Christian Amsler hatte, als er von der Entfernung der Statue erfahren hatte, äusserst positiv über den Künstler Geiser gesprochen. Ausserdem war er der Meinung, dass es bei einem Kunstwerk auf dessen künstlerischen Wert und nicht auf die Persönlichkeit des Künstlers ankomme. Es scheint also sehr wahrscheinlich, dass der «Jünglingstorso» bald wieder abgestaubt und in neuem Glanze im Lichthof ausgestellt wird.


29.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

**Karl Geisers Statue «Franz» wird wieder aufgestellt**

* Kantonsschule*

«Ich habe fertig», sagt Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen zur Diskussion rund um die Jünglingsstatue «Franz» von Karl Geiser gegenüber den SN. Diese fand gestern ihren Abschluss mit dem Entscheid, dass ab Montag, dem 9. November, «Franz» wieder an alter Stätte aufgestellt wird. Die Kantonsschule teilte dies gestern in einer Medienmitteilung mit. Die Skulptur wurde über die Sommerferien von ihrem Standort im Lichthof des Kantonsschule-Neubaus entfernt und ins Archiv verschoben (die SN berichteten).
Die Entfernung der Statue hatte unter Kunstkennern Kopfschütteln ausgelöst. Man müsse das Objekt vom Künstler trennen, lautete der Tenor unter den Kritikern der Aktion. «Die Statue wurde aufgrund der durchaus ernst zu nehmenden Problematik, der belegten Pädophilie des Künstlers in Verbindung mit dem Gegenstand, dem Standort der Skulptur und der veränderten gesellschaftlichen Wahrnehmung der Problematik, entfernt, wenn auch etwas voreilig», heisst es in der Mitteilung.

**Diskussion erwünscht**
Das Objekt «Franz» – der Knabe hiess übrigens wirklich so – zeige einen unsicheren, wehrlosen und zerbrechlichen Jüngling ohne Arme und werfe viele Fragen auf, so Comi. Etwa, ob er für die unvollendeten Menschen auf dem Weg zur Reife stehe oder eine Etappe in der persönlichen Verarbeitung der pädophilen Neigung des Künstlers darstelle. «Wir haben intern viele Diskussionen über diese Fragen geführt», schreibt Comi in der Medienmitteilung. Die beteiligten Personen seien ausnahmslos zum Schluss gekommen, dass man – da die hohe künstlerische Qualität der Skulptur feststeht und im Grundsatz von der Person des Künstlers zu trennen ist – diese Fragen in Zukunft im Wissen um Geisers Biografie und in Anwesenheit der Statue stellen und diskutieren werde. «Die Lehrer finden es wichtig, dass diese Diskussion geführt wird und dass sie am Objekt geführt werden kann», sagt Comi.
Deshalb wird ab übernächstem Montag die Bronzeskulptur wieder an ihrem angestammten Platz im Lichthof der Kantonsschule stehen.


10.11.2015
Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

**Der Bronzejüngling «Franz» kehrt zurück in altem Glanz**

*Für Wirbel gesorgt hat die Entfernung einer Skulptur an der Kanti. Jetzt steht der Jüngling wieder im Lichthof.*

«Franz» ist wieder zurück an seinem alten Platz im Neubau der Kanti. Unscheinbar wie eh und je steht er da auf seinem Sockel, und nichts erinnert mehr an die Aufregung, für die der Bronzeknabe – oder die Entfernung ebenjenes – in den letzten Monaten gesorgt hat. «Ich habe noch nicht einmal gemerkt, dass ‹Franz› wieder hier ist», sagt die Kantonsschülerin Annina Stoll. Viel stärker aufgefallen sei ihr das Fehlen der Skulptur seit den Sommerferien. Vithya Shangar, ebenfalls Kantonsschülerin, findet es gut, dass «Franz» wieder da ist. «Er gehört einfach zur Kanti dazu», findet sie.

**Diskussion entfacht**
Aufgrund von Vorwürfen der Pädophilie gegenüber dem Schweizer Bildhauer Karl Geiser (1898–1957) war die Jünglingsfigur in den Sommerferien provisorisch entfernt worden. Die Demontage der Skulptur wollte die Schulleitung nutzen, um eine Diskussion über Künstler und Kunstwerk anzuregen. Dabei hatten sie allerdings kaum damit gerechnet, dass die Entfernung des Jünglingstorsos auch ausserhalb der Kanti zu kontroversen Diskussionen führen würde. Kunstverständige aus der Region waren sich einig: «Franz» gehöre zurück an seinen alten Platz, denn die Kunst müsse vom Künstler getrennt werden. Nach den Herbstferien entschied die Schul­leitung dann, in Absprache mit dem Erziehungsdepartement, den Jüngling wieder im Lichthof der Kanti aufzu­stellen.

#Allgemeines

18. September 2015 | Ein Freifach für 100 Franken

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Wer in eine öffentliche Schule geht, bezahlt für den Unterricht nichts. Dieser Grundsatz gilt auch für die Kantonsschule Schaffhausen, künftig aber mit Einschränkungen: Das Basisangebot bleibt kostenlos, die Freifächer aber müssen unter bestimmten Bedingungen berappt werden. Mit 30 zu 23 Stimmen hat der Kantonsrat gestern dieser Massnahme aus dem Entlastungsprogramm 2014 zugestimmt. Die Regierung geht davon aus, dass der Nettoaufwand ab 2018 um nicht ganz 300 000 Franken jährlich sinkt. Unter anderem sollen 35 Lektionen wegfallen. Laut ­Regierung werden die Schülerinnen und Schüler voraussichtlich vor allem im Instrumentalunterricht zurückhaltender sein. Dieser soll künftig 500 Franken pro Jahr kosten, und die Bildungsspezialisten gehen davon aus, dass jede vierte Lektion gestrichen wird.
Von der Massnahme betroffen sind nicht alle Freifächer. Mit wenigen Ausnahmen, eben etwa dem erwähnten Instrumentalunterricht, soll ein erstes Freifach grundsätzlich kostenlos bleiben. Jedes weitere Freifach soll dann aber mit 100 Franken pro Jahr zu Buche schlagen (ein Freifach umfasst zwischen einer und drei Stunden pro Woche). Andere Freifächer bleiben auch künftig kostenlos, etwa, wenn sie für das obligatorische Grundangebot besonders bedeutend sind, wie ­Englisch im Ausbildungsprofil S.

**«Absurd und systemfremd»**
Im Rat regte sich von links und rechts Widerstand gegen die Massnahme. «Schüler von Eltern, die ein knappes Budget haben, werden eher verzichten müssen», warnte Kurt Zubler (SP, Schaffhausen). «Eine Massnahme, die Engagement, zusätzliche Leistung und Fleiss bestraft, ist absurd und völlig fremd in unserem Schul­system.» Auch Thomas Hurter (SVP, Schaffhausen) wandte sich gegen den Abbau. «Das ist eine kurzfristige Massnahme, die unseren Kanton schwächen wird», warnte er. «Freifächer sind zusätzliches Wissen.» Es könne ja auch sein, dass jemand ein Freifach besuche, um sich auf ein Studium vorzubereiten. Hurter räumte ein, dass er mit dieser Haltung nicht ganz seiner Fraktion folge. Deren Mehrheitshaltung drückte Markus Müller (SVP, Löhningen) aus: Der Rektor der Kantonsschule selbst habe ihn davon überzeugt, dass diese Massnahme vertretbar sei, sagte er. «Die Kanti hat hauptsächlich die Aufgabe, Schüler zur Hochschulreife zu bringen.» Dies sei immer noch gegeben. Im Übrigen gebe es für Härtefälle immer eine Lösung. Viel bedauerlicher sei es gewesen, dass der Rat seinerzeit die Gymnasialzeit gekürzt habe.
Erziehungsdirektor Christian ­Amsler machte deutlich, dass er im Grundsatz auch keine Freude an dieser Kürzung habe. «Die Regierung hat ­dieses Massnahmenpaket contrecœur geschnürt», sagte er. Aber Schaffhausen leiste sich eben auch das teuerste Gymnasium der Schweiz, «da ist ein massvoller Abbau möglich».
Definitiv entschieden ist die Gebühr für die Freifächer noch nicht. Der Rat muss der Gesetzesänderung in zweiter Lesung noch zustimmen. Ein einfaches Mehr reicht dabei nicht: Wie immer bei Gesetzesänderungen müssen vier Fünftel der Stimmen für die Anpassung sein. Kommt diese Mehrheit nicht zustande, gelangt das Gesetz vor das Volk.


11. September 2015

**Freier Zugang zu Freifächern**

*Aus den Parteien: Die Juso wehrt sich dagegen, dass gewisse Freifächer an der Kanti nur noch gegen Bezahlung verfügbar sein könnten.*

Das Freifächerangebot an der Kantonsschule Schaffhausen ist gross und ­befasst sich mit inhaltlich wichtigen und spannenden Gebieten. Von musikalischem Unterricht über Religionen und Kulturen bis hin zu zeitgeschichtlichen Themen und sogar einem Einblick in die hebräische Schrift und Kultur steht all den Schülern, die aus ihrer Kantizeit mehr als nur die Abschlussnoten mitnehmen wollen, ein grossartiges Angebot offen. Neu soll aber Interesse nicht mehr die einzige Voraussetzung zum Zugang zu den Freifächern sein, sondern auch und vor allem die Dicke des Portemonnaies der ­Eltern. Eine Kostenbeteiligung bei Freifächern oder mit anderen Worten die Ein­führung einer einkommensabhängigen Bildungsmöglichkeit plant der Kantonsrat zur Ent­lastung des eher von Steuererleichterungen für Reiche belas­teten Kantonsbudgets einzuführen.
Wenn es nach einer Mehrheit des Kantonsrats geht, soll künftig zwar das erste Freifach gratis bleiben, danach aber für jedes weitere gewählte Freifach im Jahr 100 Franken bezahlt werden. Der Instrumentalunterricht, bisher eine rege genutzte Möglichkeit zum Ausgleich nach strapazierenden Schultagen oder Lernabenden und zum Kennenlernen von neuen Instrumenten, soll künftig sogar mit 500 Franken pro Jahr möglichst keine interessierten Schüler anziehen. Dieser Massnahme aus dem EP 14, besser bekannt unter ESH4, hat der Kantonsrat kürzlich in erster Lesung zugestimmt. Er stimmte damit nicht nur der Bestrafung von Schülern zu, die sich aus freiem Willen für gesellschaftlich und kulturell wichtige Themen interessieren, mit dieser Zustimmung brach er einen Grundsatz in unserem öffentlichen Bildungssystem, den Grundsatz der Chancengleichheit. Ein Schüler mit Eltern, die sich neben den bereits genug hohen Kosten für Bücher und sonstiges Material nicht auch noch ein Freifach leisten können, wird in Zukunft wegen der finanziellen Situation seiner Eltern nicht mehr den gleichen Zugang zu Bildung und Wissen haben, wie ein Schüler, dessen Eltern so etwas wiefinanzielle Sorgen gar nicht kennen. Konsequent weitergedacht führt dieses Verständnis des Bildungszugangs dazu, dass nur noch Schüler, die sich die Kanti auch leisten können, zur Aufnahmeprüfung zugelassen werden. So weit gehen glücklicherweise wohl nur die wenigsten Sparfantasien, doch nur weil ein Rektor und ein Regierungsrat unter Spardruck diese Massnahme für das Bildungsangebot in Schaffhausen für verkraftbar halten, heisst das noch lange nicht, dass sie es für die Chancengleichheit in unserem Kanton auch ist. Diese Massnahme ist nämlich genau genommen kein Abbau am Bildungsangebot, sondern an der Möglichkeit, dieses Bildungsangebot zu nutzen. Die Chance, sich mit gesellschaftlich und kulturell so wichtigen Themen auseinanderzusetzen, wie sie in den Freifächern der Kantonsschule Schaffhausen vermittelt werden, sollen aber nicht nur Schüler und Schülerinnen mit reichen Eltern haben, diese Chance soll auch in Zukunft allen offen stehen. Wir werden, weil es vermutlich zu keiner 4/5-Mehrheit im Kantonsrat kommen wird, die Chance haben, diese Massnahme in einer Volksabstimmung abzulehnen, damit es in Schaffhausen nicht bald heisst: «Bildung? Nur gegen Bezahlung!»
Mit dieser Zustimmung brach der Schaffhauser Kantonsrat mit dem Grundsatz der Chancengleichheit.

Für die Jungsozialisten SH, Sophie Schudel

#Allgemeines

12. September 2015 | Eine Dolde reicht für eine Mass Bier

Schaffhauser Nachrichten
Roland Müller

Hopfen- und Weinbäuerin Silvia Ulrich steht mitten in der Dreschhalle auf dem Unterstammheimer Hof Hopfengut. Stock um Stock hängt sie die rund fünf Meter langen Hopfenpflanzen in die Zugkette. Diese zieht die Pflanzen hoch und lässt sie in einer grossen Apparatur, die einer Dreschmaschine ähnlich sieht, verschwinden. Es ist die Zeit der Hopfenernte. «In diesem Jahr haben die Pflanzen unter dem Hagel am 13. Mai, aber auch unter der Trockenheit und Hitze gelitten», sagt Sohn Peter Ulrich. Er sorgt dafür, dass die Hopfen vom Aufzuchtgarten im freien Feld auf den Hof kommen.
Dazu zerrt ein am Traktor befestigter Ausleger die Ranken von ihren Drähten und lässt die mit unzähligen Hopfendolden behangenen Pflanzen in den Anhänger fallen. Danach geht’s damit in die Hopfenscheune zur weiteren Verarbeitung. Hier übernimmt Mutter Silvia Ulrich das Zepter. Während Pflanzenreste über Förderbänder wegtransportiert werden, verlassen die gepflückten Hopfendolden ebenfalls über ein Förderband die Maschine. Dabei werden sie nochmals einer Grobreinigung unterzogen. Eine Mitarbeiterin liest nicht sauber von der Pflanze abgetrennte Dolden heraus. Diese gelangen nochmals in die Maschine. Im Nebengebäude folgen nun die weiteren Arbeitsschritte, um die Dolden transportfähig zu machen. In einer speziellen Anlage werden die Hopfen schonend getrocknet. Erst einige Tage später erfolgt das Absacken mit einer speziellen Anlage. Rund 60 Kilo finden in den viereckigen Säcken Platz.
Für die weiteren Verarbeitungsschritte verlassen dann die abgesackten Hopfendolden das Tal und werden in einem der grossen deutschen Anbaugebiete rund um Tettnang nördlich des Bodensees weiterveredelt. Danach kommen sie in Form von Pellets in die Schweiz zurück, wo sie unter den Brauereien aufgeteilt werden.
Die Anbaufläche im Stammertal wurde in den letzten Jahren leicht reduziert. Es sind aktuell noch 65 Aren in Ober- und 615 Aren in Unterstammheim, welche mit dieser mehrjährigen Spezialkultur bepflanzt sind. Landesweit sind es rund 18 Hektaren, wobei weitere Hopfenanbaugebiete im Fricktal, in Wolfwil (SO) und bei der Kartause Ittingen zu finden sind. Im Vergleich zu Deutschland mit ihren weit über 16 000 Hektaren ist dies eine sehr bescheidene Fläche.

**10 Prozent des Inlandsbedarfs gedeckt**
In guten Jahren können gemäss Zahlen aus den deutschen Anbaugebieten 1700 bis 1900 Kilogramm Hopfendolden pro Hektare geerntet werden. Gemäss dem Fachverband reichen die inländischen Erträge aus, um rund zehn Prozent des Bedarfs der Schweizer Brauereien zu decken. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz von den 483 erfassten Brauereien, welche biersteuerpflichtig sind, 3,43 Millionen Liter Bier gebraut. Zusammen mit den Importen ergab dies einen Pro-Kopf-Konsum von 56,3 Litern.
«Gemäss einer Faustregel reicht eine volle und schön ausgewachsene Dolde für das Brauen von einer Mass Bier», erklärt Silvia Ulrich. Denn für das Brauen von 100 Litern Bier brauche es gerade einmal 120 Gramm Hopfen. Am letztjährigen Oktoberfest in München seien 6,5 Millionen Liter Bier konsumiert worden. Dafür würden 7800 Kilogramm Hopfen benötigt – etwas mehr als die Hälfte einer Stammertaler Ernte.

#Notizen zu Namen

8. September 2015 | «Nüüchilch» und seine Latschariplätze

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Hauser

Schmalzfrisur, blauer Anzug und gelbe Krawatte – so erschien Beat De Ventura am Sonntag unter dem Gewölbe beim Gemeindehaus Neunkirch. Rund 60 Interessierte waren gekommen, um den Geschichten des Neunkircher Mundartdichters Otto Uehlinger aus den 30er- und 40er-Jahren zu lauschen. Mit seinen bekannten schauspielerischen Qualitäten verstand es Dorflehrer De Ventura perfekt, das farbenblinde Original Uehlinger zu imitieren.
«D Muetersprooch ischt de eltscht Haametschii, wo mir händ», so begann er seine sprachliche Mundartreise. «Bevor da d Mäntsche händ chöne läse und schriibe, hät am iri Sprooch gsaat, wo si dihaam sind: Du bischt vo Hallau, du vo Ramse, du vo Traadinge und du vo Nüchilch. Ich maanti, me sött i däm Haametschii wider ewängeli meh Soorg ha.» Die Geschichten handelten von Begebenheiten, die Otto Uehlinger zum Teil selber erlebt hatte, oder von Erzählungen, die ihm zugetragen worden waren.

**Von Herolden und Raufbolden**
Im Unterhof interpretierte De Ventura mit der Glocke in der Hand den Ausrufer. Die Ausrufer gingen durch das Dorf und läuteten, bis die Fenster aufgingen, um anschliessend die Angebote der einheimischen Händler oder amtliche Mitteilungen und Veranstaltungen zu verlesen. Sie waren die eigentlichen Herolde der damaligen Zeit.
Am Seltenbach erzählte er eine Geschichte, die davon handelte, dass die jungen Burschen sich öfter zankten und einander bis nach Siblingen trieben. Sie klauten einander die Schulranzen, und die Väter mussten sie wieder auslösen. Der Seltenbach trennte jeweils die Streithähne.
Dass in den Zwanzigerjahren das Turnen aus Deutschland zu uns kam, erfuhr man auf dem Fussballplatz. Es wurde aber nicht nur geturnt – nein, auch die Begeisterung fürs «Tschutten» war gross unter den Burschen. Immer am Sonntag nach der Kinderlehre habe man sich getroffen und «tschuttet.»

**«Gfätterli-Schüeler» vor dem Tor**
Jedes Dorf hatte zur damaligen Zeit schon seinen «Latschariplatz». Da würden die grossen Buben und die jungen Burschen den «Lööli» machen, «grossi Müüler ha» und sich «dihaam» fühlen, erklärte De Ventura. Als einziges Dorf hatte Neunkirch zwei Latschariplätze, getrennt nach Alter. Den einen vor dem Tor und den anderen vor dem Gemeindehaus: im Städtli die Grossen, vor dem Tor «d Gfätterli-Schüeler».
In einer Gasse erzählte De Ventura die Geschichte eines schwerhörigen Mannes, der mit einer Geiss gegen den Hasenberg unterwegs war, und seiner Begegnung mit einem aus Osterfingen kommenden Mann. Durch die Schwerhörigkeit entstand ein lustiger Dialog. Weitere lustige Geschichten aus dem Alltag entlockten den Zuhörern immer wieder spontane Lacher.
Der Oberhof bildete den Abschluss des gelungenen und gut besuchten Anlasses des Vereins Forum Städtli Neunkirch. Beat De Ventura prüfte die Teilnehmer mit einem Fragebogen, der mit Mundartwörtern beschrieben war und deren Bedeutung richtig zugeordnet werden musste. Danach genossen Teilnehmer noch einen Apéro.



Im blauen Anzug mit gelber Krawatte imitierte Beat De Ventura den Neunkircher Mundartdichter Otto Uehlinger.
Bild Rolf Hauser