#Allgemeines

4. März 2010 | Die Rheinuferstrasse dient 2011 wieder als Festplatz

Schaffhauser Nachrichten, Region
(ek)

Noch immer erzählen viele Menschen, die 2001 die 500-Jahr-Feier in Schaffhausen besuchten, von diesem Fest. Dabei findet vor allem die Rheinuferstrasse Erwähnung, die für diesen Anlass gesperrt und in eine Beizenmeile umfunktioniert wurde. Gleiches soll wieder im kommenden Jahr geschehen, und zwar vom 24. bis zum 26. Juni. An diesen drei Tagen findet «Schaffusia 2011» statt, ein Fest für die gesamte Region Schaffhausen, wie das OK schreibt. Dieses ist Ende Januar gegründet worden und wird von Karin Spörli geleitet. Dem OK steht ein Patronatskomitee zur Seite. Diesem gehören von der Regierung Rosmarie Widmer Gysel und Reto Dubach sowie Stadtpräsident Thomas Feurer, Stadtrat Peter Käppler, der Steiner Stadtpräsident Franz Hostettmann, Hanspeter Kern, Gemeindepräsident von Buchberg, und Giorgio Behr, Bernhard Klauser, André Müller und der Kulturbeauftragte der Stadt Schaffhausen, Jens Lampater, an.
Das OK hat auch schon einige Ideen für das Fest, das das Salz zum Thema hat und unter dem Motto «Das Salz im kleinen Paradies» steht, entwickelt: Neben einem umfangreichen Programm auf der Rheinuferstrasse soll am 24. Juni auf dem Fronwagplatz ein Erkersingen mit verschiedenen Tenören stattfinden. Dazu gibt es ein grosses Feuerwerk, und am Samstag wird auf dem Herrenacker ein Konzert durchgeführt. Am Fest sollen Vereine, Gruppierungen, Gastrobetriebe und Marktfahrer aus der ganzen Region mitmachen. Sie sollen bis Mitte April angeschrieben werden. Beteiligt ist auch der Verein Agglomeration Schaffhausen. Fest steht auch, dass das Unterstadtfest Teil von «Schaffusia 2011» sein wird und dass weitere «Schaffusia»-Feste immer ein Thema haben sollen. «Die verantwortlichen Gremien freuen sich sehr, eine einmalige und mit der Region Schaffhausen verbundene Veranstaltung realisieren zu können», so das OK.

#Allgemeines

1. März 2010 | Alumni: «Bitte mehr Selbständigkeit!»

Schaffhauser Nachrichten
Anna Rosenwasser

«Ehemalige Zöglinge» ist in etwa die Übersetzung für Alumni. Etwas verloren warteten sie auf Einlass, die Zöglinge des Maturajahrganges 2008. Viele von ihnen waren zuvor am jährlichen Besuchstag der Kantonsschule gewesen. Neu war dabei das anschliessende Ehemaligentreffen in der Mensa. Schon im November hatte die Kantonsschule alle Maturanden vom vorletzten Jahr zu einem «Gedankenaustausch bei einem Apéro riche» eingeladen. Die Kanti sei interessiert daran, wie es ihnen mit ihrem Rucksack an Wissen ergangen sei, hiess es im Schreiben. Rund 25 Prozent der 160 Ex-Maturanden folgten am vergangenen Samstag dieser neuartigen Einladung.
Mit ihren Rucksäcken voll Reisen, Arbeitserfahrung und Uni-Leben setzten sich die Alumni sogleich klassenweise zusammen. Leicht nostalgisch plauderten sie bei Apfelschorle und Fleischhäppchen. Urs Saxer begrüsste die Maturanden. «Der Drang ins Gymnasium ist nach wie vor ungebrochen», nahm der Rektor gleich vorweg. Dennoch wolle die Kantonsschule an sich arbeiten. Erst kürzlich seien zwei gewichtige Studien zu der Verkürzung auf vier Jahre erschienen. Diese Untersuchungen, zusammen mit Rückmeldungen von Professoren, malten allerdings kein gutes Bild der Kantonsschulabgänger: Das selbständige Arbeiten und die schriftliche Ausdrucksfähigkeit seien unzureichend. Die Schulleitung der Kantonsschule Schaffhausen hat diese Ergebnisse eingehend diskutiert. «Wir wollen nicht auf die Politiker warten», hielt Saxer fest. Deshalb wird dem Erziehungsdepartement in Bälde ein Bericht über die Verbesserungsmassnahmen vorgelegt. Hier kommen die Alumni ins Spiel: Denn wer kann die Kanti besser bewerten als diejenigen, die dort vier Schülerjahre durchlebt haben? Nach einer kurzen Präsentation der wichtigsten Verbesserungsvorschläge waren die Ex-Schüler selbst am Zug. Sie sollten besprechen, was ihnen im Nachhinein in der Kantonsschule am wertvollsten schien – und welche Fächer und Kompetenzen ihrer Ansicht nach fehlten. Die Plauderstimmung mündete in ernsthafte Diskussionen, deren Ergebnisse auf die Papiertischtücher geschrieben wurden. Saxer notierte anschliessend die Punkte, die die Klassen für die wichtigsten hielten. Dabei zeigten sich die Prioritäten der Ehemaligen: Studierende forderten vor allem mehr Selbständigkeit, viele Abgänger zusätzliche Inhalte wie Statistik. Vor allem dem Englisch wurde viel Bedeutung beigemessen. Markus Gut bemängelte den Geschichtsunterricht: «Wir beginnen in der Primarschule, in der Sek und in der Kanti mit der Steinzeit – aber nie haben wir eingehend Schweizer Geschichte!», monierte der ehemalige Schüler. Nicht selten deckte sich die Kritik der Alumni auch mit den Vorschlägen vonseiten der Schule. Geplant ist nach dem ersten Ehemaligentreffen nun ein jährliches Wiedersehen der Abschlussklassen, etwa bei einem Nachtessen mit einem Lehrer. Diese Art der Rückmeldung hiess der Grossteil der Anwesenden gut. Die Tafel, an denen Saxer die Vorschläge seiner ehemaligen Zöglinge notiert hatte, fotografierte der Rektor sorgfältig ab. Das Ergebnis wird er dem Erziehungsdepartement zusammen mit dem Bericht präsentieren. Die Alumni indes entliess er wieder – nach einer Diskussionsrunde, die so reich war wie ihr Apéro.


**«Die Erwartungen wurden erfüllt»**

Kantonsschulrektor Urs Saxer äusserte sich nachstehend zur Idee der Alumni-Treffen.

*Ist das Treffen so verlaufen, wie Sie es erwartet und sich erhofft hatten?*
Urs Saxer: Ja, ich bin zufrieden! Der anwesende Viertel aller Alumni diskutierte ernsthaft und intensiv. Dementsprechend kamen klare und aussagekräftige Rückmeldungen. Die Erwartungen sind also durchaus erfüllt.

*Wie kam es zu den Alumni-Treffen?*
Saxer: In der Öffentlichkeit findet eine Diskussion über die Qualität der Gymnasien statt. Ehemalige können uns am besten sagen, was das angeeignete Wissen gebracht hat – und direkte Gespräche bringen oft klarere Informationen als der schriftliche Weg!

*Inwiefern werden die Vorschläge der Ehemaligen umgesetzt?*
Saxer: Sie bestärken einige unserer Vorhaben und zeigen uns die Richtung. Was ich bisher nicht in dieser Form gehört habe, ist beispielsweise die Forderung nach mehr Selbständigkeit im Laufe der vier Jahre. Auch die Idee des Lehrer-Feedbacks werde ich, zusammen mit weiteren Punkten, an der Lehrerkonferenz vorstellen. Deshalb wollen wir die Gespräche weiterführen.

Interview Anna Rosenwasser

#Notizen zu Namen

27. Februar 2010 | Noch kein Vorentscheid über Standort für Endlager gefallen

Schaffhauser Nachrichten, Front, Region
Michael Brunner, Erwin Künzi, Mark Gasser

Bei der langen Suche nach einem Standort für ein Endlager für radioaktive Abfälle ging gestern eine weitere Etappe zu Ende. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hatte Ende 2008 sechs Regionen bezeichnet, die für ein Endlager für schwach- bis mittelradioaktive und/oder hoch radioaktive Abfälle aus geologischer und sicherheitstechnischer Sicht in Frage kommen. Nun urteilten Experten, ob die Einschätzungen der Nagra richtig sind. Konkret erstellte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) ein Gutachten und zog dazu unter anderem die Kommission für nukleare Entsorgung und das Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo) bei. Diese Benotung ist wichtig, weil die Nagra in der Kritik stand, nicht immer sauber vorzugehen. Entsprechend erleichtert dürfte sie sein, dass das Zeugnis gut ausfiel. Das ENSI bescheinigt der Nagra «eine fachlich fundierte, umfassende und nachvollziehbare Analyse der geologischen Grundlagen».
Für die betroffenen Regionen bedeutet das, dass sie im Rennen um ein Endlager bleiben. Konkret kommen damit für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle weiterhin das Weinland, das Gebiet Nördlich der Lägeren (ZH/AG) und der Bözberg (AG) in Frage. Möglichkeiten für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sehen die Experten ebenfalls in diesen drei Gebieten, plus in den Regionen Südranden (SH), Jurasüdfuss (SO/AG) und Wellenberg (NW/OW).

**Wellenberg doch vom Tisch?**
Trotz diesem Nicht-Entscheid sind die Ergebnisse der Experten interessant. Vor allem den Wellenberg schätzen sie kritischer ein als die Nagra. Noch vor einigen Jahren hatte die Nagra hier ein Lager konkret geplant — und wurde durch eine Volksabstimmung gestoppt. Die nun andere Einschätzung habe aber nichts mit dem Volksentscheid zu tun, versichern die Experten. Vielmehr habe die Nagra früher ein Endlager in einem Berg gesucht, um die Abfälle waagrecht zuführen zu können. Heute wolle sie die Abfälle im Boden versenken. Damit deutet vieles daraufhin, dass der Wellenberg, zur Freude der Anwohner, bald aus dem Rennen fallen wird. Auch den Jurasüdfuss beurteilen die Experten eher kritisch. Allgemein waren sie in der Bewertung der Standorte leicht kritischer als die Nagra. Einzig die Erosion im Südranden schätzen sie günstiger ein. Das Gutachten des ENSI wird nun der Kommission für nukleare Sicherheit zur Stellungnahme vorgelegt. Danach folgt eine Art Vernehmlassung, in die auch die Nachbarstaaten einbezogen werden. Voraussichtlich 2011 entscheidet der Bundesrat, welche Optionen weiterverfolgt werden.


**Kommentar**
von Erwin Künzi

**Widerstand gegen Endlagerpläne ist weiterhin nötig**
Was gestern Nachmittag in Bern bekannt gegeben wurde, konnte nicht wirklich überraschen: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hat alle sechs Standorte abgesegnet, die die Nagra für den Bau von Atommüll-Endlagern vorgeschlagen hat. Jetzt wird die Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) das Gutachten der ENSI prüfen und dazu in zwei Monaten Stellung beziehen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die KNS zum gleichen Resultat wie die Vorinstanzen kommen wird. Anschliessend erstellt das Bundesamt für Energie einen Bericht, der zur Vernehmlassung unter anderem auch an die Kantone geht.
Dann schlägt die Stunde der Schaffhauser Regierung: Sie muss mit ihren, vom Bund unabhängigen, Experten prüfen, ob die Resultate der Nagra nachvollziehbar sind und was es mit den Vorbehalten in Sachen Bautechnik auf sich hat, die die Kommission für nukleare Entsorgung geäussert hat. Sie muss bereits dann und nicht erst in der zweiten Etappe der Standort-suche die sozioökonomischen und raumplanerischen Vorbehalte einbringen, die gegen die Standorte Zürcher Weinland und Südranden sprechen. Ganz allgemein ist sie dazu aufgefordert, gemäss der am 19. Mai 2008 vom Kantonsrat überwiesenen Motion Widerstand zu leisten gegen Atommüll-Endlager auf Kantonsgebiet sowie auf dem Gebiet im Abstand von 30 Kilometern zur Kantonsgrenze. Denn Widerstand ist nötig, das hat der kürzliche Versuchsballon des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, gezeigt: Der wollte offenbar Benken gleich mitnutzen, nicht zuletzt deshalb, weil der Widerstand in der Schweiz gering sei.


**Südranden rückt weiter in den Fokus**
von Mark Gasser

*Zustimmung auf der ganzen Linie – jedenfalls fast. In den Beurteilungen vorgeschlagener Standorte für ein Endlager durch Fachgremien fallen kleinere Unterschiede zur Nagra-Bewertung auf. Der Südranden als Standort wird als einziger positiver bewertet.*

Vorweg: Die Bewertung der Standortgebiete sowohl für hoch radioaktive (HAA) wie auch für schwach- und mittelaktive atomare Abfälle (SMA) brachte keine Überraschungen zutage. Wie bereits in dieser Ausgabe berichtet (Frontseite), stellte das Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) der Nagra bei ihrer Standortauswahl aus dem Jahr 2008 ein gutes Zeugnis aus. «Die Zuteilung ist aus unserer Sicht vernünftig», formulierte Hans Wanner, Leiter Entsorgung des ENSI, an der gestrigen Medienkonferenz im Bundeshaus. Alle von der Nagra Ende 2008 vorgeschlagenen möglichen Standortregionen werden vom ENSI, aber auch von swisstopo (Bundesamt für Landestopografie) und von der Kommission nukleare Entsorgung (KNE) als «geeignet» zur weiteren Prüfung empfohlen.
Mit einem Wort: Die Nagra hat sich im Ton nicht vergriffen. Denn der Ton ist (wortwörtlich) weiterhin Trumpf: das ENSI betrachtet die verschiedenen bereits von der Nagra vorgeschlagenen Tonschichten, welche sowohl für die Lagerung von HAA als auch SMA weiterhin verfolgt werden sollen, als legitime Wirtsgesteine. Das ENSI bewertet allerdings die möglichen Einflüsse des Nuklearabfalls auf die Gesteinsschichten teilweise vorsichtiger als die Nagra. So wird im Vergleich zu anderen Wirtsgesteinen wie Kristallin das Verhalten der Tongesteine in Bezug auf Temperatur, Gasdrücke durch Metallkorrosion sowie die Bildung einer Auflockerung im Bereich der Lager (lagerbedingte Einflüsse) nur als «bedingt günstig» beurteilt. Konkret: Andere Wirtsgesteine eigneten sich in dieser Hinsicht besser. «Die Nachteile können durch technische Massnahmen beherrscht werden», so das ENSI. Ein Vorentscheid könnte in Bezug auf die Region Wellenberg mit dem Gutachten gefallen sein: Das ENSI und vor allem die KNE stellen der Region Wellenberg im Gegensatz zur Nagra in Bezug auf die Explorierbarkeit, Prognostizierbarkeit, felsmechanische Eigenschaften und die untertägige Erschliessung (Bautechnik) nur eine «bedingt günstige» Bewertung aus. Ähnlich sieht es auch beim Jurasüdfuss aus. Hans Wanners Prognose: «Der Jurasüdfuss und der Wellenberg haben geringere Chancen als andere Gebiete, in die engere Auswahl zu kommen.» Dafür erhielt der Südranden als Standortregion für ein Endlager schwach- und mittelradioaktiver Abfälle bei der gesamten Kriteriengruppe «Eigenschaften des Wirtsgesteins beziehungsweise des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs» bessere Noten als von der Nagra: Der Aspekt «Erosion» wurde sogar besser bewertet als von der Nagra. Weil ausserdem die Mächtigkeit des Wirtsgesteins im Westen abnehme, seien die Lagerkammern bevorzugt im mittleren und östlichen Teil (also Richtung Neuhausen) zu platzieren.

**Bautechnische Vorbehalte**
Was die Bautechnik anbelangt, wird die Nagra über die Bücher gehen müssen: ENSI und KNE weisen auf «offene Fragen vor allem bei der Bautechnik hin, die in den nächsten Etappen beantwortet werden müssen». Insbesondere hat das ENSI Vorbehalte bei den bisher vorgesehenen Stützmitteln für die unterirdischen Lagerstätten angemeldet – diese seien bislang nur bis zu einer Tiefe von 650 Metern erbracht. «Die von der Nagra bezeichnete maximale Tiefenlage von 900 Metern unter Terrain in Tongesteinen für HAA-Lager beurteilt das ENSI in Bezug auf die bautechnischen Anforderungen als optimistisch.» Tiefergehende Anlagen müssten voraussichtlich mit zusätzlichen Stützmitteln versehen sein, deren Langzeitverhalten (Sicherheit) noch vertieft zu untersuchen sei.


**Reaktionen**

**«Nur eine einseitige Betrachtung»**
Wenig überrascht zeigte sich Gabriela Buff, Präsidentin von «Klar! Schaffhausen»: «Die ENSI hat die Studie der Nagra einer einseiti-gen Betrachtung un-terzogen: Im Zentrum standen nur die bautechnischen Machbarkeiten.» Nicht berücksichtigt worden seien die sozioökonomischen Faktoren. Ebenso ausgeklammert wurden gemäss Buff weitere Fragen, etwa die Rückholbarkeit der Abfälle. Die geologischen Kriterien würden von den Standorten Benken und Südranden sehr gut erfüllt: «Aber das kann nicht der einzige Aspekt sein.» In der nächsten Zeit wird der Verein versuchen, die Bevölkerung zu sensibilisieren: «Die Leute müssen merken: Das geht uns alle an.» (rob)

«Wir sind sehr enttäuscht»
«Wir sind sehr enttäuscht», sagt Jean-Jacques Fasnacht, Co-Präsident von «klar! Schweiz». «Das ENSI nimmt den Willen der Bevölkerung nicht ernst.» Alle Bedenken bezüglich Sicherheit würden nicht in Erwägung gezogen. «Wir werden weiterhin gegen ein Endlager in der Region kämpfen.» Neben dem politischen Widerstand werde die Opposition auch noch resoluter auftreten. «Alle Regionen agieren vernetzt, es darf kein Schwarzer-Peter-Spiel stattfinden.» Denn ein Endlager in einem bevölkerten Gebiet zu bauen, sei eine Todsünde. «Denn wir tragen die Verantwortung für die Generationen, die nach uns kommen. Unsere Kinder haben ein Recht auf eine intakte Umwelt.» (jhu)

«Akzeptanz hängt vom Einbezug ab»
«Ich habe nicht damit gerechnet», sagt der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher, «dass in diesem frühen Stadium bereits ein Standortgebiet ausscheidet.» Die Akzeptanz für das weitere Auswahlverfahren und für einen möglichen Endlagerstandort in Grenznähe hänge für die Landkreise und die deutschen Gemeinden entscheidend davon ab, ob betroffene deutsche Gemeinden in das Verfahren mit einbezogen werden. «Oberstes Ziel bei der weiteren Endlagersuche muss vor allen anderen Aspekten der Schutz der Menschen und der Umwelt sein, denn ein Endlager mit seinen möglichen Folgen wird unsere nachfolgenden Generationen bis in unvorstellbare Zeiträume beschäftigen.» (jhu)

«Die Situation hat sich verschlechtert»
Auch Neuhausen am Rheinfall wäre von einem Lager auf dem Südranden betroffen, Gemeindepräsident Stephan Rawyler war über die gestrige Beurteilung durch das ENSI gar nicht erfreut: «Die Situation für Schaffhausen hat sich klar verschlechtert: Wir sind jetzt mit zwei weiteren Standorten in der Kategorie, die als ‹sehr geeignet› bezeichnet wird, während andere nur noch als ‹geeignet› aufgeführt werden.» Deshalb befürchtet Rawyler eine verstärkte Fokussierung auf den Südranden und Benken. «Ich hoffe, dass sich die Bevölkerung der Problematik bewusst wird und auch die Regierung sich laut und deutlich vernehmen lässt. Die Region darf nicht zum atomaren Abfallkübel werden!» (rob)

«Wir wehren uns nach wie vor»
Das Resultat der ENSI-Abklärungen hat Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf, die das Dossier Endlager betreut, nicht überrascht. «Es wurde bestätigt, was auch unsere kantonalen Fachleute erwartet haben.» In der zweiten Hälfte 2010 wird der Kanton zum Bericht des Bundes Stellung beziehen können, wobei die Haltung der Regierung klar ist: «Wir wehren uns nach wie vor gegen diese Standorte, denn wir sind ja von Gesetzes wegen dazu verpflichtet.» Im April werden die Resultate der sozioökonomischen Studie vorliegen, die die Regierung in Auftrag gegeben hat. «Der Kantonsrat erhält dazu noch vor den Sommerferien eine Vorlage», so Hafner-Wipf. (ek)


**Aufwertung Region Südranden wird als einziges Standortgebiet leicht besser benotet von der ENSI**

Überraschenderweise hat der Südranden als Endlagerstandort für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) eine vermeintliche «Aufwertung» durch das ENSI erfahren – wenn auch nur in einem Beurteilungskriterium. Hinsichtlich der «Erosion» betrachtet das ENSI nämlich die verfestigten Schotterresten auf Höhe des Südrandens und des Klettgaus ebenso wie die über 1 Million Jahre alte und durch Gletscher kaum veränderte Talform des Klettgau als «Zeichen für eine sehr geringe Erosion». Besser als in der sogenannten Vorfaltenzone (Nördlich Lägeren, Bözberg) oder im Jurasüdfuss bewertet die ENSI die bautechnische Eignung beim Südranden: Durch eine günstige Schichtung erreiche der Opalinuston hier bessere Festigkeit und Verformungseigenschaften. Dadurch sollen auch die untertägige Erschliessung und die Wasserhaltung relativ einfach sein.
Das lang gestreckte Standortgebiet Südranden sei tektonisch wenig beansprucht, werde aber im Osten (wie das Weinland) von einer «regionalen Störungszone» begrenzt, ansonsten lägen keine Anzeichen einer erhöhten tektonischen Zergliederung vor. Da im 24 km2 grossen Standortgebiet Südranden mehr als der benötigte Platzbedarf des Wirtgesteins Opalinuston zur Verfügung stehe, sei eine optimale Anordnung der Lagerkavernen möglich, um einzelnen (störenden) geologisch-tektonischen Strukturen im Untergrund «auszuweichen». Die Langzeitstabilität über 100 000 Jahre wird von der ENSI als günstig beurteilt. Dieser Zeitraum gilt als Richtwert für die SMA. (M. G.)


**Zürcher Weinland Gute Tiefenlage und geringe Verformung des Wirtsgesteins überzeugen das ENSI**

Der Kreis der Kandidaten für einen Endlagerstandort wurde gestern zwar offiziell nicht kleiner, doch das Zürcher Weinland gehört weiterhin zu den Kandidaten sowohl für SMA als auch für HAA.
Im Zürcher Weinland liegen mit dem Opalinuston und der Tongesteinsabfolge Brauner Dogger gleich zwei mögliche Wirtsgesteine vor, was eine flexible und optimierte Standortwahl ermöglicht. Beide Wirtsgesteine werden vom ENSI als sehr günstig bewertet, «weil beide selbstabdichtend und praktisch wasserundurchlässig sind». Zugegebenermassen sei aber der Braune Dogger noch weniger gut untersucht worden. Dennoch: Die Experten gehen von einer hohen Zuverlässigkeit der geologischen Aussagen aus, zumindest was die auf 100 000 Jahre ausgerichtete Langzeitstabilität für ein SMA angeht. Unter dem Strich schneidet das Weinland aber als SMA-Standort leicht weniger gut ab als der Südranden – die Aspekte Charakterisierbarkeit der Gesteine und die untertägige Erschliessung sind im Zürcher Weinland offenbar weniger vorteilhaft, doch immer noch «günstig». Platz für den Bau eines Lagers für HAA oder SMA oder sogar für ein Kombilager, so die Experten, sei im Gebiet (49 km2) genug vorhanden. Sowohl die Tiefenlage als auch die geringe Verformung des Wirtsgesteins und die geringe horizontale Zergliederung sprächen dafür. Beim Kriterium «Nutzungskonflikte» bewertet das ENSI den Indikator «Mineralquellen und Thermen» indes nur als bedingt günstig bis günstig. (M. G.)


**So geht es weiter Die nächsten Schritte**

Anhörungen
Nach der bevorstehenden Stellungnahme der Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) wird ein Ergebnisbericht des Bundesamts für Energie (BFE) in eine dreimonatige Anhörung bei Kantonen, Nachbarstaaten, Parteien und Organisationen geschickt.

Eingrenzung
Der Bundesrat trifft voraussichtlich Mitte 2011 eine Auswahl weniger Standortgebiete (mindestens zwei Standorte pro Abfallkategorie). Etappe 2 des Sachplans Geologische Tiefenlager (2011–2014/15) beinhaltet eine tiefergehende sicherheitstechnische Überprüfung ebenso wie die «regionale Partizipation» und sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudien zu den Standorten.

#Notizen zu Namen

25. Februar 2010 | Engagiert seit 200 Jahren

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Wunderli

Im Jahr 1810 entstand – neben vielen weiteren sozialen Organisationen – die Gemeinnützige Gesellschaft Schaffhausen (GGS). Im 19. Jahrhundert griff die Gesellschaft zahlreiche soziale Aufgaben auf, so gründete sie eine Sparkasse, bot Fortbildungen für Fabrikarbeiterinnen an und ermöglichte es armen Kindern, für eine Woche Ferien auf dem Land zu machen.
Viele ehemalige Aufgaben seien mit der Zeit überflüssig geworden, da sie – teils vom Staat, teils von anderen Organisationen – übernommen wurden, erklärt Christoph Waldvogel, der Präsident der GGS. «Ferienangebote für Schaffhauser Kinder anzubieten, ist auch heute noch eine Kernaufgabe der GGS», so Waldvogel. Vor dreissig Jahren sei dann der Freiwilligendienst in den Schaffhauser Spitälern hinzugekommen. «Rund 60 Freiwillige leisten unzählige Stunden Fronarbeit.» Es seien vor allem Arbeiten, für die das Personal keine Zeit finde, wie beispielsweise mit Patienten spazieren zu gehen oder ihnen bei der Einnahme der Mahlzeiten behilflich zu sein. Das Ferienangebot besteht bereits seit 1880. Damals war das Ziel, arme und kränkliche Kinder gesund zu ernähren und ihnen Erholung auf dem Land zu bieten. Heute steht dieser Aspekt nicht mehr im Vordergrund, sondern eher das Vermitteln von Gemeinschaftserlebnissen. «Die Nachfrage nach den Ferienlagern ist immer noch sehr gross», bestätigt die Präsidentin der Schaffhauser Ferienlager, Margrit Ambühl. Auch dieses Jahr seien wieder viele Anmeldungen eingegangen. «Es fällt mir jedoch in letzter Zeit auf, dass es wieder mehr Anfragen nach Vergünstigungen gibt», so Ambühl. Der Unkostenbeitrag von 250 bis 330 Franken sei auch heute für viele Eltern nur schwer aufzubringen. Die vielfältigen Aktivitäten kann die GGS nicht allein durch Mitgliederbeiträge finanzieren. Obwohl die Gesellschaft vom Kanton sowie von der Stadt und verschiedenen Gemeinden unterstützt wird, stammt das meiste Geld aus den Einnahmen des Pradotel in Churwalden, welches im Besitz der GGS ist. Das Pradotel sei in den letzten Jahren ausgebaut worden und werde sowohl von Gruppen wie auch Einzelpersonen sehr geschätzt. Das Jubiläumsjahr will Präsident Waldvogel auch dazu nutzen, für die GGS zu werben. «Die vielen Jubiläumsaktivitäten bieten eine gute Möglichkeit, auf die Tätigkeitsfelder der GGS aufmerksam zu machen und eventuell neue Mitglieder zu gewinnen», so Waldvogel.


**Jubiläumsjahr Neben dem Festakt können Schulklassen den Zirkus Balloni hautnah erleben**

Am 28. Mai findet im Park Casino Schaffhausen der Jubiläumsfestakt statt. Regierungsrat Erhard Meister wird das Grusswort sprechen. Die Festrede hält die Präsidentin der GGS Schweiz, Annemarie Huber-Hotz.
Vom 7. bis 10. September lädt die GGS den Zirkus Balloni nach Schaffhausen ein. Auf der Breite können angemeldete Klassen gratis die Zirkusvorstellung verfolgen. Am Nachmittag besteht dann die Möglichkeit, den Zirkusalltag an verschiedenen Posten näher kennenzulernen. Über den Mittag werden die Teilnehmer gratis verpflegt. Pro Tag können jeweils vier bis fünf Schulklassen aus dem Kanton Schaffhausen teilnehmen. Am Mittwoch gibt es zwei öffentliche Zirkusvorstellungen. Interessierte Lehrpersonen können sich per sofort anmelden. Genaue Informationen finden sich unter (www.ggs-schaffhausen.ch). Im April erscheint die Jubiläumsschrift «200 Jahre GGS», mit Informationen über die Geschichte der Gesellschaft. Neben den speziellen Jubiläums-aktivitäten finden auch dieses Jahr sieben Ferienlager statt. (dw)

#Notizen zu Namen

24. Februar 2010 | Zwei Kandidaten für die Regierung

Schaffhauser Nachrichten, Region
(ek)

Bei der Alternativen Liste Schaffhausen (AL) liegt eine zweite Kandidatur für die Ersatzwahl in die Regierung vor. Nachdem die AL der Stadt Schaffhausen Kantonsrat Jonas Schönberger portiert hat (siehe SN vom 20. Februar), schickt neu die AL Klettgau Kantonsrat Matthias Frick aus Trasadingen ins parteiinterne Rennen. Frick studiert Geschichte und Politologie an der Universität Zürich, arbeitet im Staatsarchiv Zürich und ist VPOD- Mitglied. «Nach Ansicht der Klettgauer Alternativen ist Matthias Frick der ideale Kandidat im Rennen um den offenen Regierungssitz. Er verfolgt eine mutige und sachliche Politik und verfügt über ein ausserordentlich hohes Mass an Fach- und Sozialkompetenz» heisst es in einer Mitteilung der AL Klettgau. Die AL nominiert ihren Kandidaten für die Wahl vom 29. August am 12. April.

#Allgemeines

24. Februar 2010 | Grosser Kater bei den Brauereien

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Christian Gurtner

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im letzten Jahr nicht besonders tief ins Bierglas geschaut. Unter dem Strich wurden 0,2 Prozent weniger Gerstensaft getrunken als im Vorjahr. Da die Bevölkerung in diesem Zeitraum stark gewachsen ist, ging der Pro-Kopf-Konsum wohl recht deutlich zurück. Wie viele Liter genau Herr und Frau Schweizer im Durchschnitt tranken, ist noch nicht bekannt. «Der Konsum war aber sicher rückläufig», bestätigt Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauereiverbands.

Für den Rückgang macht Kreber drei Faktoren verantwortlich. Einmal sei das Wetter letztes Jahr zwar teilweise sehr warm, der Sommer aber nicht überragend gewesen. Zudem sei der Effekt der Fussball-EM im eigenen Land, von dem die Bierbrauer im Vorjahr profitiert hätten, weggefallen. Und auch die Wirtschaftskrise habe die Brauereien getroffen. «In der Krise wird zwar nicht unbedingt weniger Bier getrunken, aber es gibt eine Verschiebung hin zu billigerem Bier.» So nahmen die Bierimporte um 7,2 Prozent zu, während die Inlandproduktion um 1,9 Prozent schrumpfte.

**Carlsberg hängt Heineken ab**
Dass beim Bier nicht richtig zugelangt wurde, spürten auch die Platzhirsche auf dem hiesigen Biermarkt. Vor allem der Nummer zwei, dem holländischen Heineken-Konzern, schwammen die Felle davon. Besser lief es Branchenführer Carlsberg. Feldschlösschen, die Schweizer Tochter der dänischen Firma, konnte ihren Marktanteil erneut steigern (von 42 auf 44 Prozent) und so auch den Umsatz erhöhen. Die führende Brauerei der Schweiz verdiente mit dem Bierverkauf im letzten Jahr deutlich mehr Geld. Ein wichtiger Grund für das Umsatzplus von 3,6 Prozent bei Feldschlösschen ist jedoch die Integration der Biermarken «1664» und «Kronenbourg», die Anfang des letzten Jahres im Zuge der Übernahme von Scottish & Newcastle durch Carlsberg zur Gruppe stiessen. Lässt man diese Übernahme ausser Acht, hat die Firma, die in Rheinfelden, Freiburg und Sitten Bier braut, um 2,0 Prozent zugelegt. Weltweit konnte Carlsberg klar mehr Bier verkaufen. Weil sich der Durchschnittspreis der verkauften Biere verringerte, ging der Umsatz aber zurück. Heineken büsste in der Schweiz derweil 4,4 Prozent des Umsatzes ein. Dank Kosteneinsparungen und eines besseren Produktemixes sei der Gewinn aber gestiegen, gibt der Konzern an, ohne genaue Zahlen mitzuteilen. Zu Heineken Switzerland gehören die Marken Haldengut, Calanda, Ittinger Klosterbräu und seit dem Jahr 2008 die Brauerei Eichhof, deren Integration im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Betrachtet man den Weltmarkt, konnte Heineken den Umsatz steigern, obwohl der Konzern weniger Bier verkaufte. Heineken widerfuhr also genau das Gegenteil von dem, was Carlsberg passierte.

**Angst vor dem Alkoholgesetz**
Was die Zukunft angeht, sind die beiden Bierriesen skeptisch. Bei Heineken rechnet man mit einem rückläufigen Bierkonsum in der Schweiz. Auch Feldschlösschen ist für das laufende Jahr zurückhaltend. Und mittelfristig drohten mit dem neuen Alkoholgesetz «weitere unnötige Regulierungen», schreibt die Brauerei in einer Mitteilung. Das Gesetz, das frühestens 2013 in Kraft tritt, befindet sich zurzeit in der Vernehmlassung. Der Bundesrat will damit die Schaffung rechtlicher Grundlagen für gezielte Massnahmen gegen Billigstangebote sowie für zeitlich und örtlich limitierte Alkoholverbote abklären.

#Allgemeines

18. Februar 2010 | Abwechslungsreiche Präsentationen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Fabienne Meister

Endlich hat das Warten ein Ende. Die Schüler arbeiten seit einem Jahr an ihren Abschlussarbeiten und dürfen diese seit gestern präsentieren. In ihren Präsentationen stellen sie ihr angesammeltes Wissen über ein frei gewähltes Thema der Öffentlichkeit vor. Gemäss Thomas Stamm, einem der drei Prorektoren an der Kantonsschule Schaffhausen, wählten die Schüler am häufigsten Themen aus den Bereichen Geschichte, Geografie, Biologie und Bildnerischems Gestalten. Es gebe jedoch keinen Trend, wie etwa eine auffällige Zahl an Arbeiten über die Wirtschaftskrise. Im Gegenteil, er freut sich über die Vielfalt der Themen der Arbeiten mit einem Umfang zwischen 30 und 50 Seiten. «Naturwissenschaftliche Theorien und historische Analysen sind aber hoch im Kurs», so Stamm. Häufig wird ein Arbeitsfeld ausgesucht, das bereits durch ein Hobby, Familienangehörige oder Freunde bekannt ist.
Diese Arbeit wird heute noch mit den Prädikaten sehr gut, gut oder ungenügend bewertet. Sie gilt jedoch nur bei den Prädikaten sehr gut und gut als angenommen. Das Bestehen dieser umfangreichen Arbeiten ist Bedingung, um zur Schlussklausur zugelassen zu werden. «Zukünftig wird diese Aufgabe für die Abschlussanwärter jedoch keine Hürde mehr darstellen», fügt Stamm hinzu. Die eidgenössischen Richtlinien wurden geändert, und das bisherige Prädikat wird durch Noten ersetzt. Sollten diese dann ungenügend sein, so hat der Schüler die Möglichkeit, diese mit anderen Fächern doppelt zu kompensieren. Die Präsentationen der Maturaarbeiten wie auch selbständigen Arbeiten der Fachmittelschule Schaffhausen sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf der Internetseite der Kantonsschule sind alle Daten für die Präsentationen vermerkt. Als Abschluss findet die Prämierungsveranstaltung mit ausgewählten Arbeiten am 27. Mai um 19.00 Uhr in der Aula der Kantonsschule statt.

#Notizen zu Namen

16. Februar 2010 | BBZ-Lehrer Armin Bösiger geht in Pension

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Ernst Schläpfer, Rektor BBZ Schaffhausen

Wenn nun das neue Semester beginnt, wird ein markantes, das BBZ lange Zeit mitprägendes Gesicht, noch weniger am Lehrertisch auftauchen. Armin Bösiger geht nämlich leicht vorzeitig in Rente. Armin Bösiger, geboren im Mai 1946, verbrachte seine Jugendjahre in Schaffhausen. Nach Abschluss der Kantonsschule besuchte er das Lehrerseminar in Schaffhausen. Eine erste Anstellung als Primarlehrer fand er dann in Wangen im Kanton Schwyz. Nach vierjähriger Tätigkeit als Primarlehrer liess er sich im damals einjährigen Biga-Kurs zum Gewerbeschullehrer ausbilden. Die Praktika absolvierte er übrigens in Schaffhausen unter anderem beim nachher langjährigen Kollegen Hans-Werner Hübscher. Für knapp zwei Jahre unterrichtete er in der Folge an der Gewerbeschule Pfäffikon, bevor er, wie jeder richtige Schaffhauser, wieder in seine Heimatstadt zurückkam. Seit 1974 unterrichtete er nun an der Gewerbeschule Schaffhausen, sozusagen als einer der Felsen in der Brandung, unerschütterlich, obwohl die Schule mehrmals den Namen und auch den Träger wechselte.

**Idealer Allgemeinbildner**
Armin Bösiger ist ein politisch, kulturell, literarisch und an Gesellschaftsfragen vielseitig interessierter Mensch und als solcher natürlich geradezu ein idealer Allgemeinbildner an einer Berufsfachschule. Sein besonderes Anliegen waren aber die formalen Aspekte der deutschen Sprache. Es gab wohl kein Komma und keine unglückliche Satzstellung, die seinem Auge entgingen. Neuerungen und Entwicklungen im deutschen Sprachgebrauch verfolgte er mit ganz besonderem Interesse, und wer wissen wollte, welche Schreibform vom Duden gerade als die richtige deklariert wurde, musste einfach Armin fragen. Armin Bösiger interessierte sich bereits früh für die Berufsmittelschule, da er diese Schulform als eine ideale Ergänzung zur Berufslehre empfand. Im Nachhinein erwarb er sich auch noch die Lehrberechtigung auf dieser Stufe und unterrichtete hier die beiden Fächer Deutsch sowie Wirtschaft und Recht. Als unangefochtener Doyen der ABU-Lehrer (Allgemeinbildender Unterricht) war es eine Selbstverständlichkeit, dass er während Jahren, im Auftrag der Lehrabschlussprüfungskommission, die Aufgabe des Prüfungsleiters ABU übernahm und so verantwortlich dafür war, dass eine ganze Generation von jungen Berufsleuten anspruchsvolle, aber korrekte Lehrabschlussprüfungen in diesem Bereich vorgesetzt bekam.

**Legendärer Freitagsklub**
Durch das Mitmachen im legendären Freitagsklub nahm Armin Bösiger auch einen gewissen Einfluss auf die Schulentwicklung, welcher dann später durch seine langjährige Einsitznahme in der Schulleitung auch offiziell legalisiert wurde. Er prägte das BBZ während Jahren mit, sei es durch seine oft kritischen, aber treffenden Voten in der Schulleitung, sei es allein durch seine prägende Präsenz am Mittagstisch auf «seinem» Platz. In letzter Zeit begann die Gesundheit des Vorzeigelehrers zu kriseln, sodass er gezwungen war, seine Lehrtätigkeit immer mehr einzuschränken. So beendet nun Armin Bösiger auf Ende Wintersemester seine 36-jährige Tätigkeit an der Berufsfachschule unseres Kantons und tritt ins Rentenalter ein. Nun, ganz kann er es noch nicht lassen, er wird nämlich eine Klasse noch zum Lehrabschluss führen. Mit Armin Bösiger verlässt uns eine der prägenden Gestalten unserer Schule. Wir alle und mit uns zwei Generationen von Schaffhauser Berufsleuten sind Armin zu grossem Dank verpflichtet. Wir wünschen ihm noch einige Jahre des Geniessens bei hoffentlich guter Gesundheit und natürlich, dass er noch an manchen Aktivitäten unserer, seiner Schule teilnehmen kann.

#Aktivitas

8. Februar 2010 | Das neue Quartalsprogramm ist online!

[Quartalsprogramm Februar-April](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/anlaesse-der-aktivitas/)

#Notizen zu Namen

4. Februar 2010 | Vitrine

Express (Beilage) Schaffhauser Nachrichten, Vitrine

Liebe Tina, lieber Marco

zu Eurem 1. Hochzeitstag am 6. Februar 2010
Geht allezeit im gleichen Schritt;
dann gehen Glück und Liebe mit!
Meine besten Wünsche mögen Euch auf diesem Weg begleiten!

In Liebe
Eure Trauzeugin Andrea

#Notizen zu Namen

3. Februar 2010 | Rektor Eduard Looser verlässt die PHSH

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Rosmarie Widmer Gysel, Regierungsrätin, Vorsteherin des Erziehungsdepartements

Als am 1. Februar 2010 frühmorgens wie immer die Türen der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen (PHSH) ge-öffnet wurden, um Studierende, Dozierende und Mitarbeitende von Verwaltung und Didaktischem Zentrum einzulassen, war Eduard Looser erstmals seit 37 Jahren nicht mehr unter ihnen. Er, der im Jahre 1973 als Lehrbeauftragter für Pädagogik, Psychologie, Didaktik und Heilpädagogik seine langjährige Karriere als Dozent am Oberseminar Schaffhausen begann und diese als Hauptlehrer, Leiter der berufspraktischen Ausbildung, Leiter des Pädagogischen Seminars Schaffhausen und schliesslich als Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen weiterführte, hat an jenem Tag den sogenannt entscheidenden Schritt in eine neue, hoffentlich für ihn wiederum spannende Lebensphase begonnen: Er ist in den Ruhestand übergetreten, nachdem er die Leitung der von ihm mit grossem persönlichem Engagement mit aufgebauten und geführten einzigen Hochschule des Kantons Schaffhausen an seinen Nachfolger Thomas Meinen übergeben hatte.
Eduard Looser gilt nicht nur in der Region als ausgewiesener Kenner der Lehrpersonenbildung. Wer sich in der einschlägigen Szene schweizweit oder auch im süddeutschen Raum auskennt und bewegt, wird schnell feststellen, dass Eduard Looser als Rektor der PHSH und damit als Verantwortlicher einer wichtigen Bildungsinstitution unseres Kantons zu denjenigen Persönlichkeiten gehört, die man nicht nur kennt, sondern auf die man hört und deren Wort Beachtung geschenkt wird, weil sie effektiv Substanzielles im fachlichen Diskurs beizutragen haben. Eduard Looser weiss, dass nebst einem soliden theoretischen Rüstzeug das praktische Können von eminenter Bedeutung ist für jede erfolgreiche Tätigkeit als Lehrperson in Schule und Klassenzimmer. Er hat daher unter anderem der berufspraktischen Ausbildung das ihr gebührende Augenmerk auch nach der Überführung des Pädagogischen Seminars in eine Hochschule geschenkt, was sich nachhaltig positiv auf die Marktfähigkeit der die Schaffhauser PH absolvierenden Studierenden ausgewirkt hat: Sie sind über die Kantonsgrenzen hinaus gefragt und gelten als in jeder Hinsicht gut vorbereitet für die Erfüllung ihres Lehrauftrages. Eduard Looser hat mit seiner Person und mit seiner Persönlichkeit die Schaffhauser Lehrpersonenbildung mehr als nur geprägt. Er hat sie geformt, verändert, neu gestaltet und positioniert – gut positioniert. Er hat es immer verstanden, Dozierende, Mitarbeitende und Studierende zu motivieren, wobei er der Vermittlung der Freude am Beruf stets einen grossen Stellenwert zugemessen hat. Gerade darin mag auch ein Teil seines Erfolges begründet sein. Bestimmt ist indessen ein weiterer Grund für eine ihm noch nach jahrelanger Tätigkeit unverändert wichtig gebliebene Aufgabe in seiner Berufung zu finden. Der Regierungsrat des Kantons Schaffhausen dankt Eduard Looser herzlich für seinen grossen Einsatz und die zuverlässige, kompetente Erfüllung seines Amtes als Rektor der PHSH wie auch für seine Tätigkeit in den interkantonalen Gremien und Fachgruppen. Es mögen ihm zahlreiche neue Herausforderungen beschieden sein, die es ihm ermöglichen, seine Kompetenzen und seine Persönlichkeit einzubringen. Wir wünschen ihm in diesem Sinne für seine Zukunft nur das Beste!

#Notizen zu Namen

26. Januar 2010 | «Dank des Mutterlandes» an Edi Looser

Schaffhauser Nachrichten,
Karl Hotz

Es sei heute Mode geworden, so Walter Bircher, der Rektor der pädagogischen Hochschule Zürich, alles immer messen zu wollen. Hätte man die Zahl der Gäste zum Massstab dafür gemacht, wie beliebt Edi Looser als Rektor der Pädagogischen Hochschule (PHSH) gewesen ist, so wäre seine Abschiedsfeier von gestern Abend im Hombergerhaus Zeugnis dafür gewesen, dass Looser in der entsprechenden Skala ganz weit oben steht: Alles, was im Schaffhauser Bildungswesen Rang und Namen hat, war da.
Erziehungsdirektorin Rosmarie Widmer Gysel hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie meinte, Edi Looser habe den «Dank des Mutterlandes» redlich verdient. Loosers über 40-jähriges Engagement in der Lehrerbildung sei Berufung, nicht Beruf gewesen. Stets habe er verkörpert und gelebt, was er gelehrt habe. Edi Looser habe beim Auf- und Ausbau der PHSH keine einfache Zeit gehabt und sei immer mit Herzblut für die Hochschule eingestanden. Mit Ungeduld – «und ich muss anfügen, dass ich manchmal auch ungeduldig bin und Ungeduld durchaus auch positiv sein kann», so Widmer Gysel – habe er für seine Anliegen beziehungsweise jene der PHSH gekämpft. Walter Bircher – die PHSH arbeitet ja mit der Zürcher Hochschule zusammen – meinte seinerseits, er habe in der Zeit mit Edi Looser gelernt, was es heisse, den Anliegen eines kleinen Kantons Gehör zu verschaffen. Am weitesten zur Feier angereist war wohl Stefan Boemer, Rektor der Hochschule Eupen im deutschsprachigen Teil Belgiens. Er habe mit Looser ganze drei Minuten gesprochen, dann sei bereits das erste gemeinsame Projekt aufgegleist gewesen, lobte er die Zusammenarbeit. Der Campus als Lebensraum Edi Loser selber zeigte in seiner kurzen Abschiedsrede nochmals eindrücklich, dass der Ausdruck «Herzblut» nicht einfach eine Floskel in den Dankesreden war. Es sei ein Privileg gewesen, an der PHSH Lehrer sein zu dürfen. Eine Hochschule sei mehr als eine Lehranstalt. Es gehe für die Lernenden immer auch darum, Mitverantwortung für ihr Fach und dessen Weiterentwicklung und Vermittlung an die Gesellschaft zu tragen. Lehrer an der PHSH seien darum vor allem Mentoren – «mit etwas mehr Erfahrung», setzte Looser schmunzelnd hinzu. Das verberge sich auch hinter der Bezeichnung «Campus» – er sei ein Lebensraum und eine Lebensgemeinschaft zugleich. Heute werde viel Aufhebens um den Bachelor-Abschluss gemacht, der die Lernenden laut Vorgabe befähige, ins Berufsleben einzusteigen. Das sei an allen PHSH der Schweiz nichts Neues: Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten seien Absolventinnen und Absolventen befähigt, nach ihrer Ausbildung vom ersten Tag an vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten. Umrahmt wurde die Feier von Musikvorträgen der Absolventinnen und Absolventen.

#Allgemeines

20. Januar 2010 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

Am Montag konnte die Senioren-Uni mit einem ganz besonderen Gast aufwarten, nämlich Eugen Haltiner, Verwaltungsratspräsident der Finma. Ein besonderer Gast will auch besonders angekündigt sein. Dies übernahm alt Stadtpräsident Marcel Wenger, der ans Publikum gerichtet gleich zu Beginn meinte: «Warum schauen Sie überhaupt noch die Arena? Die Senioren-Uni ist viel aktueller.» In der Folge erinnerte er an seine gemeinsame Kantonsschulzeit mit Haltiner. «Wir waren damals beide Präsidenten einer Verbindung: er von der Scaphusia und ich von den Munötlern.» In einem gemeinsamen Projekt hätten sie es geschafft, die beiden Verbindungen für kurze Zeit zu fusionieren, allerdings mit gewissen Schwierigkeiten: «Weil wir keinen Alkohol tranken und die Scapher Alkohol trinken mussten.» Gerade deshalb seien auch nicht alle Altherren einverstanden gewesen. «Wir haben uns aber entschieden, diesen Merger als Erfolg zu verkaufen, und es war auch einer», schloss Wenger.

#Notizen zu Namen

19. Januar 2010 | «Ich habe eine positive Sicht der PH»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

*In welchem Zustand übergeben Sie die PHSH an Ihren Nachfolger, Thomas Meinen?*
Eduard Looser: Ich habe natürlich eine positive Sicht der PHSH. Geht man von ihrem Grundauftrag aus, von der Lehrer-Grund- und -Weiterbildung, so ist die PHSH in einem sehr guten Zustand. Ich sehe, dass ihre Absolventen sehr gefragt sind: 50 Prozent oder mehr werden uns von anderen Kantonen buchstäblich aus den Fingern gerissen, und das auch bei Lehrerüberfluss. Negative Rückmeldungen gibt es nicht, und in Schulhäusern von Feuerthalen über Winterthur bis Zürich arbeiten viele Schaffhauser Lehrkräfte. Es ist für mich die grösste Genugtuung zu sehen, dass die von uns ausgebildeten Lehrer vom didaktischen und pädagogischen Können her sichere Werte sind. Die Schule ist also in einem guten Zustand, und die Studierenden identifizieren sich stark mit ihr. Das zeigt sich jeweils dann, wenn man für irgendetwas Hilfe braucht und sich sofort Freiwillige melden. Auch der Umgangston an der Schule wird geschätzt. Das Unterrichtsangebot ist im Allgemeinen gut, wo nicht, greifen wir jeweils ein.

*Beim Start der PHSH 2003 haben Sie sich sicher Ziele gesetzt, die Sie mit der PHSH erreichen wollten. Wo waren Sie erfolgreich?*
Erreicht haben wir die gesetzten Ziele auf jeden Fall beim Aufbau des Grundangebots: Wir haben die Grundausbildung, die Weiterbildung, das Dienstleistungsangebot und die Forschung glaubwürdig etabliert. Ein erstes Ziel haben wir 2006 durch die eidgenössische Anerkennung, und zwar ohne Auflagen, erreicht. Als zweites Ziel ebenfalls erreicht haben wir die politische Absicherung der PHSH in Schaffhausen. Das war nicht selbstverständlich, denn bis zum Start der PHSH war die Kantonsschule die Schaffhauser Hochschule. Heute ist die Akzeptanz der PHSH gross, auch wenn es in Schaffhausen politische Kreise gibt, die permanent gegen sie «guseln». Darum bin ich froh, dass der Regierungsrat im Juni 2009 ein klares Bekenntnis zur Weiterführung der PHSH abgelegt hat.

*Gibt es auch Ziele, die Sie nicht erreicht haben?*
Verschiedene Projekte, die wir zusammen mit anderen Hochschulen geplant hatten, mussten leider auf Eis gelegt werden. Es besteht aber die Chance, dass sie später nochmals aufgegriffen werden, so etwa die Projekte «Frühe Kindheit», zusammen mit der Universität Konstanz und der PH Thurgau, oder «Tagesschulen», zusammen mit der befreundeten deutschsprachigen belgischen Hochschule in Eupen. Ein weiterer Bereich, mit dem ich nicht zufrieden bin, ist die Überfrachtung unserer Studienpläne. Nach drei Jahren muss die PHSH funktionsfähige Lehrkräfte entlassen. Da muss jede Minute genutzt werden, und für ein offenes, ungebundenes Studentenleben, in dem auch ein freieres Lernen zum Zuge kommt, bleibt wenig Platz.

*Zurzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der PHSH. Wohin sollte Ihrer Meinung nach die Reise gehen?*
Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass ich, wie auch sonst niemand von der Schulleitung, nicht Mitglied dieser Arbeitsgruppe bin. Daher bleiben meine Aussagen dazu vage. Es ist aber wichtig, dass diese Arbeitsgruppe versucht, den Studienbetrieb zu öffnen und vom rein schulischen Betrieb etwas abzurücken. Das durchzusetzen, dürfte aber nicht leicht sein. Dazu kommt noch Folgendes: Als Leiter der PHSH stehe ich immer mit einem Bein auch in der Politik und mit dem anderen in der Lehrerbildung. Als Lehrerbildner bin ich nie nur ein kantonaler Angestellter, sondern muss auch beachten, was im schweizerischen Kontext geschieht. Mit anderen Worten: Die Vorgaben für die Zukunft der PHSH kommen ebenso sehr aus den schweizerischen Entwicklungen als auch aus dem kantonalen Umfeld. Ich bin mir bewusst, dass das zu Interessenkonflikten führen kann.

*Es gibt Stimmen, die meinen, Schaffhausen sei zu klein für eine eigene PH, und ein Zusammengehen zum Beispiel mit Zürich befürworten. Was sagen Sie dazu?*
Ein Zusammengehen mit Zürich ist überhaupt nicht nötig. Kleine Autos haben genau gleich viele Bestandteile wie grosse, die Komplexität bleibt sich gleich. In der Schweiz gibt es sieben kleine PH, darunter auch Schaffhausen, die einen unbändigen Überlebenswillen haben. Es darf nicht sein, dass die drei bis vier grossen PH alles vorgeben und normieren. Wer so argumentiert, müsste auch die kleinen Kantone aufheben. Dazu kommt, dass die PHSH ein gutes Netzwerk hat und mit anderen PH in der Schweiz gut verbunden ist. Wir wursteln nicht vor uns hin, sondern treiben die Entwicklungen national und international mit anderen Hochschulen voran. So werden wir zum Beispiel in Deutschland immer wieder zitiert und zu Fachtagungen eingeladen. Schaffhausen sollte auf seine PH stolz sein, wie überhaupt der Kanton als Ganzes stolzer sein und sich nicht immer kleiner und unbedeutender machen sollte, als er in Wirklichkeit ist.

*Sie waren 42 Jahre lang im Lehrer- beruf tätig. Wie hat sich dieser Beruf in dieser Zeit gewandelt?*
Grundsätzlich bin ich nicht der Meinung, dass sich dieser Beruf zum Schlechten geändert hat. Was sich geändert hat, ist, dass es für eine Lehrkraft mehr Verbindlichkeiten gibt als früher, dass sie aber auch besser ausgebildet ist. Besser ist auch das Weiterbildungsangebot, das heute sensationell ist, und auch die Betreuung durch das Inspektorat ist breiter ausgebaut. Aber das Zentrum des Lehrerberufs ist immer noch das gleiche: Im Klassenzimmer mit Schülern zwei bis drei Jahre verbringen, mit Schülern, die dich gerne haben oder nicht, für die du ein wichtiger Teil ihres Lebens bist. Das ist auch heute noch so.

*Würden Sie heute den Lehrerberuf ergreifen, wären Sie allein unter Frauen. Ist der Lehrberuf für Männer zu wenig attraktiv?*
Männer sind eher konservativ und wollen mit ihrem Beruf auch eine Familie ernähren können. Andrerseits haben sie Angst vor groben Wechseln in der Berufsbiografie, anders als Frauen, die akzeptieren können, dass sie nicht ihr ganzes Leben im gleichen Beruf verbringen. Allerdings muss ich hier auch sagen, dass die Männer, die wir an der PH haben, super Typen sind, leistungsbereit und verantwortungsbewusst. Richtig ist aber, dass es zu wenige sind, was ich bedaure, denn auch Männer können zum Beispiel sehr gute Unterstufenlehrkräfte sein.

*Was müsste man tun, um ganz allgemein den Lehrberuf für junge Leute wieder attraktiver zu machen?*
Die Feminisierung des Lehrerberufs kann man im Augenblick nicht aufhalten. Möglich wäre ein Angebot als «Lehrer auf Zeit», für fünf bis zehn Jahre. Das führt allerdings zum Problem, dass man den Anschluss in den anderen Berufen verpasst. Vorstellen könnte ich mir aber auch, dass der Lehrerberuf als zweites oder drittes Studium oder Beruf propagiert wird. Wir haben heute schon an der PH Studierende, vor allem Männer, die ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung haben, zum Beispiel als Informatiker, Forscher oder Handwerker, jetzt aber den Beruf wechseln wollen.

*Ab Februar sind Sie nicht mehr Rektor der PHSH. Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?*
Sicher werde ich bei der Radio- und Fernsehgenossenschaft Zürich-Schaffhausen (RFZ) weitermachen, wo ich für die Bildungsangebote verantwortlich bin. Ich werde auch als Experte tätig sein. Dazu habe ich eine grosse Familie mit acht Enkeln, die mich brauchen. Ein Segelschiff braucht ebenfalls Zeit, und meinem halb landwirtschaftlichen Betrieb im Tessin will ich mich auch widmen. Zudem will ich noch die Lastwagenprüfung machen, da ich auch Freude an der Technik habe. Und schliesslich möchte ich das kulturelle Angebot in Schaffhausen vermehrt nutzen und auch auf Reisen gehen, vor allem in Europa.

Eduard Looser Biografische Angaben

Geburtsdatum 17. September 1946
Ausbildung Schulen in Schaffhausen, Kantonsschule 1967 mit Primarlehrerpatent abgeschlossen. 1977 Lizenziat an der Universität Zürich in Pädagogik, Heilpädagogik und Psychologie
Berufliche Tätigkeit Verschiedene Lehrtätigkeiten, ab 2000 Leiter des Pädagogischen Seminars Schaffhausen, seit 2003 Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule
Weitere Tätigkeiten Unter anderem bis 1999 Major der Infanterie; seit 2008 Vorstand der RFZ und Präsident der Bildungskommission der RFZ
Zivilstand Verheiratet mit Franziska Looser-Weilenmann, fünf erwachsene Kinder, acht Enkel
Hobbys Familie, Lesen, Segeln, Weinbau, kulturelle sowie technische Interessen

#Notizen zu Namen

19. Januar 2010 | Gelassener Auftritt im Kreuzfeuer der Kritik

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

Kommt er wirklich? Diese Frage hat sich auf dem Weg zum Park Casino gestern wohl so manch einer gestellt, denn als Referent der Seniorenuni war Eugen Haltiner angekündigt worden: der Verwaltungsratspräsident der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, der in den letzten Tagen und Wochen heftig unter Beschuss stand. Hintergrund der Diskussionen ist die Herausgabe von UBS-Kundendaten an die amerikanische Justiz, welche das Bundesverwaltungsgericht als rechtswidrig einstufte. Von den Querelen rund um seine Person liess sich Haltiner jedoch nicht beunruhigen. Wie angekündigt, erschien er an der Seniorenuni und hielt einen überraschend entspannten Vortrag.
Thema war die Rolle der Finma in der gegenwärtigen Finanzkrise. Zunächst legte Haltiner dar, welches Gewicht der Finanzsektor in der Schweizer Wirtschaft habe, um dann zu erklären, dass sich der Finanzbereich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt habe. «Nicht oder schwach regulierte Bereiche haben immer mehr an Bedeutung gewonnen, und damit haben auch die Intransparenz und die Komplexität zugenommen.» Dem müsse man sich stellen. Die Aufgabe der Finma sei es, die Banken und Versicherungen zu überwachen, zu kontrollieren und wenn nötig einzugreifen. Dabei müsse die Finma sowohl die Individuen als auch das System schützen. «Die Datenherausgabe an die USA liegt genau in diesem Spannungsfeld», sagte Haltiner. Letztlich habe die Finma abwägen müssen, ob sie jene rund 250 Personen schützen solle, deren Daten herausgegeben werden sollten, oder ob man lieber Milliarden von Verlusten in Kauf nehmen wolle, die ein Konkurs der UBS zur Folge gehabt hätte. «Und eine Anklage der amerikanischen Justiz hat noch kein Unternehmen überlebt.» Daher sei die Entscheidung klar zugunsten der Herausgabe der Daten ausgefallen, und man sei auch davon ausgegangen, dass die Sache rechtens sei. Das Referat war zweifellos interessant, trotzdem waren wohl viele Besucher gerade wegen der anschliessenden Fragerunde gekommen, und Haltiner beantwortete die Publikumsfragen bereitwillig: «Wie kann es sein, dass die UBS dieses Jahr vier Milliarden Boni auszahlen kann?», wollte eine Frau wissen. «Natürlich hat die Bank Verluste gemacht, aber das sind Altlasten», antwortete Haltiner. Die operative Leistung sei nicht so schlecht gewesen. «Ausserdem gibt es einen Wettbewerb, und das flüchtigste Kapital sind gute Leute.» Und die seien immer noch gesucht, «der Markt ist nicht tot». Die Bank komme nicht darum herum, gute Löhne zu zahlen. «Wir dürfen den Wert der Unternehmung nicht zerstören, schon gar nicht, nachdem wir sie zweimal gerettet haben», gleichzeitig müsse man auch dem politischen Empfinden Rechnung tragen. «Das ist eine Gratwanderung.» Ein Mann wollte wissen, ob der Schweizer Finanzplatz eine Zukunft habe, «auch ohne dreckige Geschäfte». «Dank unseren Qualitäten werden wir im Finanzverwaltungsgeschäft immer überdurchschnittlich sein, wenn wir ihm Sorge tragen», zeigte sich Haltiner überzeugt.


Nachgefragt Eugen Haltiner, Verwaltungsratspräsident der Finma

**«Wir haben gemacht, was unsere Aufgabe ist»**

Nach dem Referat sprachen wir mit Eugen Haltiner über Bauernopfer, gewagte Äusserungen und notwendige regulatorische Massnahmen.

*Die UBS hat gegen amerikanisches Recht verstossen, und der Bundesrat hat die heikle Aufgabe, die Kundendaten herauszugeben, der Finma überlassen. Nun müssen Sie für alles den Kopf hinhalten …*
Eugen Haltiner: Ich fühle mich nicht als Bauernopfer. Wir haben gemacht, was unsere Aufgabe ist. Rückblickend kann ich sagen, dass wir die Daten nicht hätten herausgeben müssen, wenn der Bundesrat das Notrecht ergriffen hätte. Die Hauptsache ist aber, dass wir das Ziel erreicht haben, dass wir den Kollaps vermeiden konnten. Und auch wenn der Bundesrat Notrecht ergriffen hätte, änderte das nichts an der Tatsache, dass in Umgehung des Amtshilfeverfahrens Daten herausgegeben worden wären.

*Wie das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, war die Herausgabe der Kundendaten rechtswidrig, trotzdem haben Sie auch heute betont, dass Sie es wieder tun würden …*
Es geht mir darum, Verständnis dafür zu schaffen, dass in der damaligen Situation kein anderer Entscheid möglich war, auch wenn man jetzt festgestellt hat, dass es keine genügende Rechtsgrundlage dafür gegeben hat. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich wieder so handeln würde, wenn es nochmals zu einem solchen Fall käme. Das Beispiel zeigt aber, dass eine Gesetzesrevision im Bankengesetz nötig ist, das den Behörden mehr Flexibilität gibt, um in Krisensituationen zügig und effizient zu handeln.

*Kommt die UBS in der ganzen Sache nicht zu glimpflich davon?*
Wenn es straf- oder zivilrechtliche Klagemöglichkeiten gäbe, würde man sie ergreifen. Wir müssten strafrechtlich aktiv werden, aber wir haben keinen strafrechtlichen Tatbestand, der von Belang ist.

*Die CS und die UBS sind noch immer «too big to fail». Wie sieht es hier mit regulatorischen Massnahmen aus?*
Die stabilitätsfördernden Schritte haben wir in Angriff genommen. Im Bereich von Eigenkapital- und Liquiditätsbestimmungen müssen deutlich höhere Anforderungen gestellt werden. Wir wollen eine Situation schaffen, in der wir entscheiden können, ob wir ein Unternehmen kollabieren lassen oder nicht. Wenn man beispielsweise das Schweizer Geschäft einer Bank als eigene Gesellschaft isolieren könnte, dann könnte man es bei einem Kollaps herauslösen, an einen Dritten verkaufen und den Rest kollabieren lassen. Die Nationalbank und wir arbeiten derzeit solche Vorschläge aus.

Interview Jan Hudec

#Aktivitas

8. Januar 2010 | Neue Umfrage!

Auf der Startseite rechts unten oder [hier](https://www.scaphusia.ch/umfragen/2010/01/07/die-gebrueder-brunger-fesch-und-mezzo-sind-laut-der-umfrage-vom-26-11-09-die-groessten-wildsauen-innerhalb-der-scaphusia-zur-ehrung-sollen/) findet Ihr die neue Umfrage.

#Allgemeines

15. Dezember 2009 | Der Falke trägt eine positive Botschaft

Schaffhauser Bock, Letzte
Ursula Litmanowitsch

Die Generalversammlung der Brauerei Falken AG im Park Casino am Freitagabend war wie gewohnt ein Höhepunkt im Schaffhauser Gesellschaftsleben. Jeder kennt zwar jeden, aber jeder trifft an der Falken-GV auch stets jemanden, den er das Jahr über aus den Augen verloren glaubte.
Es war der Abend des entspannten Smalltalks und des intensiven Netzwerkens. «Ein Bier mit dir» geriet zur willkommenen Maxime des Anlasses, an dem die gesanglichen Wogen hochgingen, als Falken-CEO und VR Philipp Moersen höchstpersönlich das Traditionslied «Schützenliesel, dreimal hats gekracht» anstimmte. Wobei alle im Saal dann überaus bierselig mitsangen, mitsummten, -krächzten, -wimmerten, -grölten. Und, je nach Verfassung, lupenrein oder kreuzfalsch intonierten. Je nachdem, wie viel Lager, Edelfalke, ZwoAcht, First Cool, Munot-Weizen, Prinz, Zwickel oder Eidgenoss die Sangesfreudigen intus hatten.
Die diesjährige Falken-GV konnte erneut eine Rekordteilnahme der Aktionäre verzeichnen. 290 Aktionäre vertraten 2660 Aktienstimmen. Die AktionärInnen genehmigten die Jahresrechnung 2008/ 2009, welche einen Gewinn von 312?000 Franken ausweist. Zudem werden 150000 Franken in Dividenden ausgeschüttet. Für eine Aktie erhält ein Aktionär also netto 32.50 Franken.
In seiner Ansprache orientierte Verwaltungsratspräsident Dr. Jürg P. Spahn, dass sich die Falken AG in der Wirtschaftskrise gut behaupten konnte, sich aber dem weltweit rückläufigen Absatz nicht zu entziehen vermochte. Es zahle sich indes aus, dass die Brauerei ihre Strukturen überarbeitet und gestrafft habe. Trotz schwieriger Marktverhältnisse hat die Falken AG in die Technik investiert, um den hohen Stand zu wahren.
Weiter orientierte Spahn, dass der bis­herige Verkaufs- und Marketingleiter, Markus Höfler, die Geschäftsleitung im Bereich Getränke übernimmt. Geschäftsleiter der Geschäftsbereiche Immobilien und Finanzanlagen bleibt Philipp Moersen. Für den verstorbenen Verwaltungsrat Dr. Henri Christin gab es eine Schweigeminute.
Nach einem eindrücklichen Film über die Tante JU, welche seit Kurzem als «Falke» in die Lüfte steigt, gab VR-Präsident Spahn seine akkurat gereimten Vierzeiler zum Besten. Da hiess es etwa: «Falken Bier steht punkto Kraft, über jedem andern Saft. Selbst Viren und Bazillen, lassen sich mit Falken killen.» Dann ging es zum traditionellen Ochsenmaulsalat, gefolgt von einer kalten Platte und Käseplatte, über.

#Allgemeines

12. Dezember 2009 | Geistesriese mit bacchantischen Zügen

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Martin Schweizer

Unter seiner Federführung war die in Zürich redigierte und gedruckte «Tat» eine Zeitung mit Niveau, eine Qualitätszeitung, wie man heute sagt. Das der Migros und dem Landesring der Unabhängigen nahestehende Blatt erschien jeweils am Abend, und überliefert ist, dass der in mehrfacher Beziehung recht unkonventionelle Chefredaktor Erwin Jaeckle seine Leitartikel mitunter von Stein am Rhein aus direkt seiner Sekretärin ins Telefon diktierte.

**Erfolgloser Aufruf**
Die 1935 gegründete Zeitung und das während langer Zeit im ganzen deutschsprachigen Raum hochgeschätzte Feuilleton, die «Literarische Tat», gibt es längst nicht mehr; auch ein 1977 in letzter Minute von prominenten Persönlichkeiten wie Traugott Wahlen, Hans Peter Tschudi, Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, den Schriftstellern Alfred A. Häsler und Ernst Jünger lancierter Aufruf zur Rettung der «Literarischen Tat» fruchtete nichts. Nach einem episodischen und boulevardesken Auftritt des späteren Medienpioniers Roger Schawinski und einem Streik der Redaktoren wurde das Blatt 1978 eingestellt.

**Von der Bildfläche verschwunden**
Auch der Landesring der Unabhängigen verschwand von der Bildfläche und ist, wenn überhaupt, jüngeren Leuten kaum noch geläufig – die oft umstrittene, aber kämpferische Partei des legendären und streitbaren Migros-Genossenschaft-Gründers Gottlieb Duttweiler wurde in jenen Kantonen, wo die Bewegung denn aktiv war, sukzessive und Ende der neunziger Jahre auf nationaler Ebene ganz aufgelöst.

**Herausragende Persönlichkeit**
Erwin Jaeckle, geboren 1909 in Zürich, starb in hohem Alter, 88-jährig, am 2. Oktober 1997. Nun hätte er seinen 100. Geburtstag begehen können, doch der Anlass schien praktisch niemandem bedenkenwert. Sein ehedem klangvoller Namen scheint inzwischen in Vergessenheit geraten zu sein, und es ist wenig wahrscheinlich, dass er in der breiten Öffentlichkeit noch ein Begriff ist. Dabei gehörte Jaeckle während Jahrzehnten zu den herausragenden Persönlichkeiten der Deutschschweiz – politisch, literarisch. Jaeckle war ein leidenschaftlicher Dichter, Denker, ein Philosoph mit unerhört reichem Wissen, ein engagierter Politiker mit eidgenössischem Mandat und ein Zeitungsmann von grossem Charisma. Wer ihn kannte, achtete ihn, schaute, zumal als junger Schnösel, bewundernd an ihm hoch und beneidete ihn wohl auch um seine enorme Produktivität, seine Belesenheit und seine Schlagfertigkeit.

**Breites Spektrum**
In einer 60 Seiten umfassenden und kürzlich erschienenen Broschüre zum 100. Geburtstag führt der Historiker Pirmin Meier aufgrund auch von Gesprächen mit der in Zürich Witikon lebenden Witwe Annebeth Jaeckle-Treadwell nicht weniger als 100 Titel auf, philosophische, kultur- und religionsgeschichtliche Werke, aber auch Dutzende Gedichtbändchen – eine geradezu bombastische Fülle von Publikationen, die selbst für kulturbeflissene Büchernarren nur schwer überschaubar und verkraftbar ist; Pirmin Meier spricht von einer «Hyperaktivität» Jaeckles; auch treue Leser, meint er, hätten bei diesem «Überschwang den Anschluss oft nicht mehr gefunden».

**In dünner Luft**
Jaeckle, der «in der Blütezeit des Zürcher Feuilletons zusammen mit Werner Weber diesem die Richtung gezeigt hatte», bewegte sich nach Ansicht Meiers vor allem in seinem Spätwerk «von Tag zu Tag in dünnerer Luft». Der Geistesriese mit durchaus bacchantischen Zügen habe als «Einsamer in den Wind gesprochen» – eine Schlussfolgerung, die man in dieser Rigorosität nicht unbedingt teilen muss, doch unbestreitbar ist: Die «Droge seines Lebens» war, sagt Meier zu Recht, «nebst Begeisterungsfähigkeit die Arbeit».

**Verlockender Zauber**
Der Historiker erinnert in diesem Zusammenhang auch an ein ganz anderes Thema, an Jaeckles im Benziger Verlag erschienenes Buch «Dichter und Droge». Nach dem Vorbild von Albert Hofmann und im Beisein von Ernst Jünger unternahm er in Stein am Rhein im Dezember 1966 einige Selbstversuche mit LSD – mit am Ende eindeutigem Befund. «Die Drogenzauber», konstatierte er, «muten verlockend an», doch seien «entscheidende Phänomene ernüchternd». Auch Hofmann wisse, dass das «Drogenerlebnis nicht mehr zu Tage bringt, als vorgegeben ist». Und, mit Seitenblick auf Baudelaire: «Die Magie entzündet falsches Licht», wogegen Dichter und Philosophen ihre «Seele durch andauernde Arbeit und Kontemplation» erneuerten.

**Jahrelang Gast im «Ochsen»**
Teile seines mehrere tausend Seiten umfassenden Monumentalwerkes entstanden ab Mitte der sechziger Jahre in Stein am Rhein, im ehrwürdigen «Roten Ochsen» am Steiner Rathausplatz, wo Jaeckle von Hausbesitzer Oscar Wanner eine gediegene «Schreibklause» mieten konnte und wo der Chefredaktor meist am Wochenende schriftstellerisch tätig war. Abends dislozierte Jaeckle jeweils in die unteren Gemächer, in die heimelige Weinstube und an den für seine überschäumende Geselligkeit bekannten Stammtisch des «Ochsen». Viel Lokalprominenz traf sich dort, darunter, unvergesslich, auch Ständerat Koni Graf.

**Lesungen im «Rehbock»**
So oft es ging, nahm Erwin Jaeckle in Stein am Rhein auch teil an den seinerzeit von Jochen Greven in der Galerie Rehbock initiierten literarischen Lesungen; lebhafte und sich oft spontan entwickelnde Debatten von Husserl bis Celan fanden in dieser von Eric Bührer geleiteten Galerie statt. Seine Verbundenheit zu Stein am Rhein unterstrich Jaeckle ausserdem an seinem 60. Geburtstag, den er auf der Burg Hohenklingen feierte.

**Legendäre «Freitagsrunde»**
Etwas anspruchsvoller als der Treffpunkt im «Ochsen» war damals die berühmte Zürcher «Freitagsrunde», zu der neben Jaeckle Literaturkritiker Max Rychner, Manesse-Verleger Walter Meier, Robert Faesi, Emil Staiger, Werner Weber und Schriftsteller wie Joseph Breitbach und Alexander Xaver Gwerder zählten. Man traf sich im Cafe Odeon zu einem «anregenden, in der Regel strukturierten Gespräch». Nachher wechselte man in die «Kronenhalle» und im Sommer in einen nahegelegenen Landgasthof.
Erwin Jaeckle war ein unabhängiger, zu keiner kriecherischen Haltung fähiger Kopf, was er auch während des Aktivdienstes unter Beweis stellte; er gehörte zu jenen Offizieren des «Gotthardbundes», die sich für einen bedingungslosen Widerstand, notfalls auch gegen den Bundesrat, ausgesprochen hatten. Pirmin Meier verweist zudem auf die Standfestigkeit Jaeckles gegenüber Duttweiler; es gab da offenbar manchen Krach zwischen dem MigrosGründer und dem von «Dutti» 1942 persönlich eingesetzten Chefredaktor – eine «Prawda des Landesrings» war die «Tat» aber nie; Jaeckle hielt die redaktionellen Zügel fest in der Hand und liess sich zeit seines Lebens «aus Überzeugung vom Geist der Widerrede» beseelen.
Auch als sich Gottlieb Duttweiler 1948 im Bundeshaus mit einem Steinwurf fragwürdig in Szene setzte, mochte ihm Jaeckle nicht zu folgen, wie Meier in seiner verdienstvollen Betrachtung* festhält. Der Chefredaktor der «Tat» schritt nicht unüberlegt zur Tat, war vielmehr ein Mann des Wortes und ein begnadeter Rhetoriker, wie es «solche in der Geschichte des eidgenössischen Parlaments nicht oft gegeben hat». Im Nationalrat sprach er immer ohne Manuskript, seine Erfahrungen mit der Kunst der freien Rede kann man auch in einem «Knigge für Parlamentarier» nachlesen.

“Erwin Jaeckle, «Lerne das Leben und lebe das Lernen» von Pirmin Meier, herausgegeben von der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur, Bergstrasse 22, 8044 Zürich.


**Dichter und Philosoph**
In der Nachfolge Goethes
Stationen Der schriftstellerische Nachlass von Erwin Jaeckle befindet sich im schweizerischen Literaturarchiv, das sein Wirken unter anderem so umschreibt: Erwin Jaeckle (1909-1997), promovierter Germanist, langjähriger Chefredaktor der «Tat» und Politiker des Landesrings der Unabhängigen, hat ein vielbändiges Werk geschaffen. Seine Schriften versteht er als Elemente einer «Pansophie», sein Anliegen als disziplin- und kulturüberschreitende Weltwahrnehmung in der Nachfolge Goethes, Novalis’ und Rudolf Pannwitz’ (1881-1969). Literarisch betätigte sich Jaeckle vor allem als Lyriker.


Gemütlich anno 1978 bei einem Glas Roten im «Roten Ochsen» in Stein am Rhein, von links nach rechts Hausbesitzer Oscar Wanner, Chefredaktor Erwin Jaeckle und alt Stadtpräsident Arnold Bächtold. Stehend die damals neue Wirtin der Weinstube, die aus dem Simmental stammende Verena Weissmüller.
Archivbild B. + E. Bührer

#Allgemeines

12. Dezember 2009 | «Die Brauerei steht für Qualität und Genuss»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Walter Joos

Der schweizerische Biermarkt erweist sich trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage und des weltweit rückläufigen Bierabsatzes als erstaunlich stabil. Dies stellte Jürg P. Spahn gestern zu Beginn der Generalversammlung der Brauerei Falken AG im Park Casino in Schaffhausen fest. Der seit Jahren anhaltende Kampf um Marktanteile zwischen den inländischen und den ausländischen Bieren sowie zwischen den Marktführern und den kleineren Brauereien setzt sich jedoch in unverminderter Härte for. Erfreulicherweise konnte sich die Brauerei Falken als mittelgrosses, eigenständiges und regional verwurzeltes Unternehmen einmal mehr mit Erfolg behaupten.

**Ertragskraft erneut verbessert**
Die Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen sanken zwar laut dem von Philipp Moersen, Vizepräsident des Verwaltungsrates und Mitglied der Geschäftsleitung, erläuterten Geschäftsbericht zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 30. September 2009 um rund 2.3 Prozent auf 221.84 Millionen Franken. Gleichzeitig stieg jedoch der Gewinn um 7.4 Prozent auf 312 354 Franken. Dazu bedurfte es laut Jürg P. Spahn allerdings besonderer Anstrengungen. So wurden die Strukturen weiter gestrafft, die Kostendisziplin verstärkt und die Produktionsanlagen dem neusten Stand der Technik angepasst. «Die Brauerei steht für Qualität und Genuss», betonte der Prasident des Verwaltungsrates. Zudem komme im Unternehmen stets die Marge vor der Menge. Der Brauerei sei es in den letzten Jahren zudem gelungen, ihr Absatzgebiet schrittweise zu erweitern. Diese Chance gelte es auch in den kommenden Jahren zu nutzen. Dazu sei die Brauerei gut aufgestellt, betonte Jürg P. Spahn.

**Neue Aufteilung der Verantwortung**
In personeller Hinsicht hatte die Brauerei im vergangenen Geschäftsjahr vom Tod ihres früheren Verwaltungsrates Henri Christin Kenntnis zu nehmen. Der Verstorbene gehörte dem Aufsichtsorgan des Unternehmens bis 1995 an. Der Verwaltungsrat beschloss im weiteren, den Geschäftsbereich Getränke im Sinne eines ersten Schrittes zur Regelung der Nachfolge und Entlastung von Philipp Moersen dem bisherigen Leiter für Markiting und Verkauf Markus Höfler, zu übertragen. Philipp Moersen bleibt als Mitglied der Geschäftsleitung für die Bereiche Immobilien und Finanzen verantwortlich. Oskar Dommen gehört der Geschäftsleitung weiterhin als Braumeister an. Der Geschäftsbericht und die Jahresrechnung wurden von den 290 anwesenden Aktionärinnen und Aktionären einstimmig genehmigt. Die Kapitalgeber gewährten dem Verwaltungsrat zudem die beantragte Entlastung und stimmten auch der Ausschüttung einer gegenüber dem Vorjahr unveränderten Dividende von zehn Prozent mit überwältigendem Mehr zu.

**Ein echter Falke gehört in die Lüfte**
Zum Abschluss des geschäftlichen Teils der Versammlung präsentierte Jürg P. Spahn den Teilnehmern der Generalversammlung einen unterhaltsamen Film über einen Ausflug der Belegschaft mit einer mit den Falken-Emblemen verzierten Junkers Ju 52. Er ergänzte die Vorführung mit einem wie immer – in gereimte Verse gegossenen launigen Kommentar.

Brauerei Falken: Jahreskennzahlen 2008/09

in Mio. Franken 08/09 07/08
Nettoerlöse 23.97 22.81
Jahresgewinn 0.31 0.29
Umlaufvermögen 5.96 00
Anlagevermögen 11.77 12.43
Fremdkapital 13.68 14.04
Eigenkapital 4.05 3.89
Rückstellungen 9.55 8.17
Flüssige Mittel 0.37 0.36
Personalaufwand 5.73 5.61
Dividende pro Aktie (in Fr.) 50 50
#Notizen zu Namen

8. Dezember 2009 | “Keine Euphorie, aber vorsichtiger Optimismus”

Schaffhauser Bock
Markus Bührer

Wenn die Scaphusia im Rahmen der Spefuxenwerbung zum öffentlichen Vortrag einlädt, folgt der Ablauf den Ritualen der 151-jährigen Traditionsverbindung. Da wird zuerst der älteste anwesende Alte Herr begrüsst (Dr. Peter Uehlinger v/o Igel, Staatsschreiber a. D.), der am weitesten angereiste Anwesende, Gäste befreundeter Verbindungen im Rahmen der Netzwerkpflege und schliesslich der Referent selbst, Dr. oec. publ. Erich Spörndli v/o Flohn, aktiv 1959–1961 – alles locker und eloquent durchgezogen vom langjährigen Zürcher Nationalrat Dr. Michael E. Dreher v/o Aal.
«Die Finanzmarktkrise, die im Sommer 2007 einsetzte, hält uns mit ihren Auswirkungen immer noch in Atem», leitete Erich Spörndli sein Referat ein. Der Scaphusianer beleuchtete im vollen Saal des Restaurants Falken vor Farbenbrüdern und Gästen die Rolle der Nationalbank in der Finanzkrise. Kann die «SNB» der Krise überhaupt entgegenwirken? Hat sie sich mit ihrem Beitrag zur Rettung der UBS übernommen? Und besteht die Gefahr eines Teuerungsschubes? Mit erwartungsgemäss grosser Sachkompetenz, aber trotzdem in verständlichen Worten erläuterte der Ökonom volkswirtschaftliche Zusammenhänge und die Funktionen der Nationalbank.
Anschaulich erklärte Erich Spörndli, wie die Krise im Immobilienmarkt der USA ihren Anfang nahm. Hypotheken waren an Schuldner gewährt worden, welche sich diese eigentlich nicht leisten konnten. Steigende Zinssätze und sinkende Häuserpreise führten zum Kollaps, als die Zinsen für die Hypotheken und dann diese selbst nicht mehr zurückbezahlt werden konnten. Da Hypotheken in den USA gehandelt werden können, wurden viele Wertschriftenpakete mit teils zweifelhaften Hypotheken – den «subprimes» – vermeintlich abgesichert.
Diese Pakete wurden weltweit vermarktet und förderten die Ausweitung der US-Hypothekarkrise zur weltweiten Finanzmarktkrise. Die Rating-Agenturen waren dafür mitverantwortlich, da sie den die Wertschriften ausgebenden Investmentbanken Seriosität der Anlagen (AAA-rating) bescheinigten.

Worin besteht nun aber die Rolle der «SNB» in dieser Krise? Da das Vertrauen unter den Banken bis Ende 2007 so stark gesunken war, dass sie einander kaum noch Kredite gaben, erhielten die Schweizer Banken zu akzeptablen Bedingungen nicht mehr ausreichend US-Dollars auf dem Geldmarkt. Die Nationalbank beschaffte deshalb Dollars durch sogenannte Swap-Geschäfte, das heisst sie erhielt von der amerikanischen Zentralbank Fed Dollars, deren Gegenwert wiederum dem Fed in Schweizer Franken gutgeschrieben wurde. Gegen Hinterlegung von Wertschriften konnten die Schweizer Banken dann bei der SNB Dollars beziehen. Dass Zentralbanken solche Swap-Geschäfte abschliessen, sei aussergewöhnliche, Massnahme, so der Referent. Im Normalfall gewährten Notenbanken den Banken nur flüssige Mittel in eigener Währung.
Auch der «Fall UBS» wurde von Spörndli zur Sprache gebracht. Um die Bilanz der UBS zu entlasten und damit einem möglichen Zusammenbruch vorzubeugen, habe sich die Nationalbank erklärt, der UBS Wertschriften im Wert von bis zu 54 Milliarden US-Dollar abzukaufen. Zum Zeitpunkt der Übergabe habe sich die Lage aber bereits so weit gebessert, dass «nur» Papiere von rund 39 Milliarden Dollar übernommen wurden. Der darauf entstandene Wertverlust von 4.5 Milliarden werde vorderhand durch eine Garantie der UBS gedeckt. Die Nationalbank habe sich mit diesem Engagement nicht übernommen, stellte Spörndli fest – Risiken seien dennoch vorhanden. Doch die UBS hätte man einfach retten müssen, da ein Untergang die schweizerische Volkswirtschaft stark geschädigt hätte.
Bekanntlich stürzte aber nicht nur der Finanzmarkt, sondern die allgemeine Wirtschaft ausgehend von den USA in eine Krise. Dass die schwere Rezession nicht in einem totalen Kollaps endete, sei den vereinten Bemühungen der Regierungen und Notenbanken zu verdanken. Durch eine massive Ausweitung der Geldmenge habe man den Banken mehr und billigeres Geld zur Verfügung gestellt, das sie ausleihen konnten. Wegen des Wettbewerbs der Banken untereinander seien daraufhin die Zinsen gesunken, was den Nachfragerückgang beim Export und bei den Investitionen gebremst habe. Eine Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung zeichne sich ab. Trotzdem sei Vorsicht geboten: Die Geldmenge, die sich in einem halben Jahr von 45 auf 120 Milliarden Franken beinahe verdreifacht hatte, müsse wieder reduziert werden. Ansonsten drohe eine Inflation. Die Schwierigkeit bestehe darin, diese Reduktion im richtigen Tempo voranzutreiben.

Zum Abschluss seines Vortrags wagte der Referent einen Ausblick in die Zukunft. Internationale Organisationen gingen davon aus, dass es mit der Weltwirtschaft ab 2010 wieder aufwärts gehe. Der Einbruch der Produktion könne aber nur allmählich wettgemacht werden, da die Finanzierung und Sanierung der Staatsdefizite, die in der Krise gemacht wurden, grosse Anstrengungen erfordern und den Aufschwung schwächen werden. Zu Euphorie bestehe somit kein Anlass, so Spörndli, «vorsichtiger Optimismus scheint mir aber durchaus angebracht!»
Die Diskussion am Ende des Vortrags wurde rege genutzt, wobei vorab die Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der HSG und der UZH durch interessante Voten und Fragen besonders hervorstachen. Anschliessend begaben sich die Scaphusianer eine Etage tiefer zum zweiten Akt in ihre Falkenbude, wo die Scaphusianer den fidelen Teil ihrer Anlässe seit 1912 feiern.

**Zur Person**
Erich Spörndli v/o Flohn, (*1942), Dr. oec. publ., ehem. Direktor und Stellvertreter des Vorstehers des III. Departements der Schweizerischen Nationalbank (stv. Mitglied des Direktoriums). Matura in Schaffhausen 1961, Scaphusia 1959–1961, Doktorat UZH 1971, Post-Doc John Hopkins University Baltimore 1973, Lehre und Forschung UZH bis 1975, KOF ETH «Chefökonom» bis 1988, 1989–2004 Schweizerische Nationalbank, Leiter Bereich Monetäre Operationen (Geldmarkt, Verwaltung der Währungsreserven, Goldverkäufe und Risikomanagement) und Stv. des zuständigen Direktoriumsmitglieds.


Karikatur EFH, Thema: “Ich dachte, wir wollten uns nur ein Haus kaufen.”

#Allgemeines

1. Dezember 2009 | Das Trinkhorn der Zofingia Schaffhausen von 1851

Studentica Helvetica
(Zeitschrift der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte)
25. Jahrgang / 2009, Heft Nr. 50
Paul Ehinger

Vom langjährigen Präsidenten der Altzofngia Schaffhausen, Hans D. Schoch, aktiv gewesen in der Z! Zürich und der Z! St. Gallen (Bruder von alt Ständerat Otto Schoch Z! Bern und Z! St. Gallen), bekam der Autor dieses Beitrags im Herbst 2008 eine interessante Meldung, wofür ihm herzlichst gedankt sei: Im Schaffhauser Staatsarchiv befindet sich ein Trinkhorn mit dem Standort K301_4_14_1F und der Systematik 6.212.5 «Studentenverbindungen, Burschenschaften (Umformen, Burschenschaftsinsignien usw.)»; vermutlich sollte es Uniformen heissen. Das 45 cm lange Objekt mit einem Durchmesser von 9,5 cm stammt aus dem Jahre 1851. Seine Provenienz: Mittelschulverbindung Scaphusia; es wurde von dessen AH und Archivar Ernst Alexander Rubli eingeliefert, der auch Mitglied der SVSt ist. Als Eigentümerin ist die Scaphusia Schaffhausen aufgeführt, welche das Horn dem Staatsarchiv als Depositum anvertraut hat. Als Erwerbungsdatum wird auf der Archivinventar-Kartei der 6. März 1996 angegeben.
Es handelt sich gemäss Beschreibung um ein «stark gewundenes Ochsenhorn der Scaphusia». Und weiter: «Rand mit silberner (Aussenseite) bzw. messingener Fassung (Innenseite)». Das Tragband fehlt, aber auf dem Horn ist «eine silberne Plakette mit Gravur» aufgeschraubt. Und auf dieser Gravur findet sich eine kleinere Sensation, denn darauf steht: «Der Section Schaffhausen. Die Zofinger in Bonn. 1851. D. Haas, Ph. De la Harpe, Th. Hug, Ph. Roget, R. Schinz, E. Stähelin, F. Thormann, H. Zimmer, D. Zündel.»

**Ein Geschenk von Zofingern in Bonn**
Mit anderen Worten: Es handelt sich mitnichten um ein Trinkhorn der Scaphusia Schaffhausen, sondern um ein solches der Zofingia Schaffhausen! Wir sind den Namen dieser neun Studenten, die damals an der Universität Bonn studierten, im Centralkatalog des Centralarchivs des Schweizerischen Zofingervereins/Zofingia (SZV) im Staatsarchiv Basel nachgegangen. Nur über D. Haas haben wir keine Angaben gefunden.
Philippe de La Harpe, geb. 1.4.1830 in Paudex, gest. 25.2.1882 in Lausanne, 1845-46 Belles Lettres, admittiert 18.4.1848 in der Z! Lausanne, seit 1852 Arzt in Lausanne; Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (HBLS) Bd. VII, S. 52, und Livre d’or Z! Vaud Nr. 600.
Theodor Hug, geb. 16.6.1830, gest. 1.1.1889 in Zürich, adm. in der Z! Zürich 8.5.1848, 1854 Prof. für klassische Philologie an der Kantonsschule Schaffhausen, 1871 dasselbe in Zürich, Präsident des Schweizerischen Gymnasiallehrervereins ab 1871; HBLS IV, S. 383.
Philippe Roget, geb. 28.3.1830, gest. 13.4.1892, von Genf, adm. 26.1.1848 in der Z! Genf. Zuerst Lehrer in Moudon, ab 1869 Bibliothekar in Genf, Konservator der öffentlichen Bibliothek in Genf, CBl Jg. 32 / S. 407.
Rudolf Schinz, geb. 1825, gest. 5.6.1883, adm. Juli 1845 in der Z! Zürich, Pfarrer.
Ernst Staehelin, geb. 18.10.1829, gest. 2.1.1888 in Basel, adm. 17.6.1848 in der Z! Basel, 1855-60 Pfarrer in Rheinfelden, 1860-87 in Basel, HBLS VI, S. 517, Nr. 22.
Friedrich Thormann-von Graffenried, geb. 25.10.1831, gest. 9.2.1882 in Bern, adm. 27.1.1849 in der Z! Bern, Bergwerksdirektor in Frankreich, Grossrat, HBLS VI, S. 732, Nr. 48.
Henri Zimmer, geb. 30.6.1830 in Néaux Croisettes, gest. 19.12.1898 in Aubonne, Belles Lettres 1845, adm. 28.3.1848 in der Z! Lausanne, Brigadearzt, Livre d’or Z! Vaud Nr. 613.
David Zündel, geb. 12.3.1829, gest. 19.3.1892 in Bischofszell, adm. Z! Schaffhausen am 20.6.1846, 1861-92 Pfarrer in Bischofszell-Hauptwil.

**Zofingia Schaffhausen hatte immer Keilprobleme**
Der einzige Schaffhauser in Bonn war David Zündel, aufgeführt in der Liste von 1868. (1) Man darf wohl annehmen, dass von ihm die Idee dieses Geschenks ausging, zumal er in keiner akademischen Sektion des SZV aktiv geworden war. Wie nun kam dieses wertvolle Objekt in den Besitz der Scaphusia Schaffhausen? Zuerst einige Fakten. Die Zofingia Schaffhausen wurde 1824 als Filialsektion der ältesten Sektion des SZV, der Zofingia Zürich (gegr. 1819), gegründet. Die Wirren um die Trennungen 1847 Neuzofingerverein – 1850 Helvetia – 1855 Neuzofingerverein überstand sie schadlos. Sie war aber stets mit Keilproblemen beschäftigt, so dass sie sich nur 1835-1838, 1844-1851 und 1855-1858 als eigenständige Sektion über Wasser halten konnte. 1825-1834 und 1852-1858 hatte sie den inferioren Status einer Filialsektion der Zofingia Zürich. 1839-1843 war sie suspendiert. (2) Die Mitgliederzahlen (Aktive und Neuaufnahmen) waren wie folgt: 1825 2, 1826 2, 1827 2, 1829 5, 1830 5, 18315, 1832 4, 1833 7, 1834 7, 1835 5, 1836 6, 1837 3, 1838 4, 1844 4, 1845 1, 1846 8, 1847 8, 1848 3, 1849 3, 1850 5, 1851 7, 1852 1, 1853 4, 1854 4, 1855 6, 1856 6, 1857 15 (!) und 1858 4. Das ergibt total nur 90 Mitglieder während 34 Jahren. (3)
Die Scaphusia setzt ihr Stiftungsdatum auf den 24. Septembert 1858 an, also genau in jenem Jahr, als die Z! Schaffhausen ihren Betrieb infolge eines neuen Schulgesetzes einstellen musste. Die Frage ist naheliegend: Hat es einen Konnex zwischen der Zofingia und der Scaphusia gegeben? Einen Konnex in Analogie zur Zofingia Aarau – Helvetia Aarau – Argovia Aarau oder zur Zofingia Solothurn – Wengia Solothurn? Die Hypothese ist nicht abwegig, dass AHAH der Zofingia Schaffhausen Beziehungen zur Scaphusia Schaffhausen hatten und auf diesem Weg das Trinkhorn zu den Scaphusern gelangte.

**Ein Blick in die scaphusianische Historiographie**
Doch ein Blick in die Verbindungsgeschichten der Schaffhauser Pennalie verläuft eher enttäuschend. Auf der Homepage lesen wir denselben Artikel wie im Wikipedia-Lexikon: «Im Umfeld der entstehenden Gymnasialvereine, die sich immer mehr zu Verbindungen entwickelten, wurde die Scaphusia als vierter Verein dieser Art am 24. September 1858 von Hermann Freuler sowie vier weiteren Kommilitonen gegründet. Lautete die Devise in den frühen Jahren noch ‹litteris et amicitiae et patriae›, so strich man Ende des vorletzten Jahrhunderts die vaterländische Komponente und verkürzte die Devise zur heutigen Form ‹litteris et amicitiae›. Als Zeichen der vaterländischen Gesinnung waren die Farben oder Couleur der Scaphusia anfänglich Rot und Weiss. … 1861 wurden dann nach dem Vorbild der Gymnasia Turicensis und anderer Gymnasialvereine die blau-weiss-blauen Farben eingeführt, die die Scaphusianer noch heute tragen.»
Am ergiebigsten ist die Lektüre der Scaphuser-Geschichte von 1908. Da lesen wir, dass die erste Sitzung der neugegründeten Pennalverbindung den Beschluss fasste, «Bänder und Cerevismützen der Zofingia zu beschaffen». (4) Für das Jahr 1861 wird der Wechsel der Bänder vermerkt, «nur die Mützen blieben noch weiss». (5) Im selben Jahr gab es offenbar Bestrebungen des SZV, «die Scaphusia für sich zu retten»; doch die Anstrengungen waren vergeblich, «aus derselben eine Sektion Schaffhausen zu bilden». Von der Zofingia wurde vermutlich der Status hospes perpetui für ausländische Mitglieder übernommen. (6) Erst Mitte März 1865 wurden die weissen durch hellblaue Mützen ersetzt. (7)
Je weiter sich die Verbindung von ihrem Gründungsdatum entfernte, desto mehr wurde der Konnex zur Zofingia Schaffhausen verschüttet. Die am ehesten wissenschaftlichen Kriterien genügende und auch brillant formulierte Geschichte der Scaphusia, die aus der Feder des Historikers Kurt Bächtold stammt, genügt sich mit der lapidaren Feststellung: «Zofingia und Ritterzirkel dürfen als Vorläufer der Scaphusia betrachtet werden.» (8) Dann aber wird vom SZV nichts mehr berichtet. Leider weisen alle Beiträge zur Schaffhauser Verbindung kein Quellen- oder Literaturverzeichnis auf. Die Archivalien, die offenbar ziemlich vollständig im Kantonsarchiv Schaffhausen lagern, müssten also noch genauer konsultiert werden. Ihr Archivar Ernst A. Rubli verneint aber auf entsprechende Fragen jeglichen Konnex zwischen den beiden Verbindungen.
Man kommt nicht um den Eindruck eines immer wieder vorkommenden Beispiels einer Form verbindungsspezifischen «Gärtlidenkens» herum. Aufmerksamkeit hätten doch die ersten Farben Rot-Weiss und die erste Devise «litteris et amicitiae et patriae» der Scaphusia erheischt. Müsste man sich nicht fragen, woher diese Farben und diese Devise stammten? Es sind nämlich die Farben und die Devise der Zofingia. Neben dem «Gärtlidenken» mögen auch intercorporative Aversionen eine Rolle gespielt haben. Die Scaphusia gilt nicht gerade als Nachwuchsverbindung der Zofingia, wenn es auch immer wieder Zweibänderleute gibt. Ansonsten wechseln die Scaphuser, wenn überhaupt, an den Hochschulen eher zu den schlagenden Corporationen, in Zürich zuweilen zu den Singstudenten.
In der Sekundärliteratur über das Verbindungswesen bzw. die Bildungsgeschichte Schaffhausens stösst man auf die Arbeit «Meine Schulerinnerungen» von Carl August Bächtold, die er 1908 im Historisch-Antiquarischen Verein Schaffhausen vorgetragen hat und die er im Schaffhauser Intelligenzblatt 1918 / Nr. 80-93 publizierte (auch als SA erschienen). (9) Carl August Bächtold wurde am 4. Mai 1855 bei der Rekonstitution der Z! Schaffhausen admittiert. In seinen Erinnerungen haben wir einen wichtigen Hinweis auf einen allfälligen Übergang von der Zofingia zur Scaphusia gefunden: «Im Winter diente der Teil vom Obertor bis zum Mühlenthor als Schlittbahn, wo sich der Studio mit der weissen und bald blauen Kappe mit den höheren Töchtern zu diesem Wintervergnügen einfand.» (10) Und auf der gleichen Seite etwas weiter unten: «Von der weissen und bald blauen Kappe habe ich soeben geredet. Wir hatten nämlich damals die Zofingia hier. Die Sektion war am Aussterben; ich weiss nicht mehr, wer der letzte Sprössling war. Ich glaube Wilhelm Steiger, der spätere Dr. med. (11) Von ihm übernahm Joh. Meyer Archiv und Insignien.» (12)
Bächtold schildert dann das Leben der Zofingia Schaffhausen mit neun Mitgliedern. Dabei erwähnt er ein Trinkhorn: «Unsere heimischen Feste waren einfach; man machte einen Umzug im Cerevis und mit dem Trinkhorn, die ersten Studentenlieder durch die Gassen schmetternd, holte ein Fässchen Bier und trank es aus im Vereinslokal.» (13) Und dann die interessante Passage: «Nur einmal, als der eben entstandene jüngere sog. Gymnasialverein uns mit verschiedenen Flaschen Nusswasser besuchte, und wir ehrenhalber gezwungen waren, unsere höhere Würde und grössere Leistungsfähigkeit zu dokumentieren, geschah es», dass der Kantonsschüler mit einem Rausch nach Hause zurückkehrte. Hier wird klar: Es gab Kontakte zwischen Zofingern und Scaphusianern. Vermutlich erhielt Johann Meyer zusammen mit dem Archiv auch das Trinkhorn, was umso wahrscheinlicher sein dürfte, da er selber Staatsarchivar war.
Bächtold schloss im April 1856 ab, «der grosse Zeitpunkt, wo die Metamorphose in den Vollblutstudenten vor sich gehen sollte». Er zog dann zum Studium nach Basel, wo er am 9. Mai 1856 in der Z! Basel aktiv wurde, sie dann aber im September des gleichen Jahres verliess «wegen Mangel an Zeit und moralischen Skrupeln». Nach dem Studium der Theologie war er Pfarrer, 1862-69 in Gächingen und dann in der Kantonshauptstadt. 1903 erhielt er den Dr. h.c. der Uni Zürich. (14)

**«Ein organischer Zusammenhang»**
Am klarsten hat Emil Walter, Neunkirch, in seiner Chronik des 1911 gegründeten Schaffhauser Altzofinger-Verbandes auf die zofingerischen Wurzeln der Scaphusia hingewiesen. (15) Durch die Einführung des neuen Schulgesetzes wurde der SZV in Schaffhausen «nach und nach ein sterbendes Gebilde, indem er nicht mehr als Hochschulverbindung gelten durfte». Wohl habe die Sektion am Rheinfall eine Zeit lang bis zur Gründung der Scaphusia vegetiert, aber dann war Schluss: «Indem die ersten Mitglieder dieses neuen Gymnasialvereins sich die weissen Mützen der untergegangenen Zofingia beschafften und trugen, die 1865 durch die blauen Mützen ersetzt wurden, indem sie von den Zofingern die Devise ‹litteris et amicitiae› übernommen hatten, bestand zwischen den beiden Verbindungen ein organischer Zusammenhang. Es war im Grunde ein Wechsel von ‹rot-weiss-rot› in ‹blau-weiss-blau›, eine Wachtablösung mit Namensänderung, während Ziel und Bestrebungen die gleichen blieben.»
Emil Walter fügt dann noch an, dass es gelegentlich Scaphusianer gab, die an der Hochschule in eine Sektion des SZV eintraten, so etwa stud. med. Ernst Moser, der spätere Spitalarzt, «dessen Scaphusianer- und Zofingerherz bis ins hohe Alter nie erkaltete». Er war es dann auch, der 1911 die Altzofingia Schaffhausen ins Leben rief, zuerst nur mit einem regelmässigen Abendschoppen. Immerhin entsprossen der Z! Schaffhausen einige berühmte Persönlichkeiten, so die zwei Stadtpräsidenten Heinrich Ammann, auch National- und Ständerat, und Hans von Ziegler, ebenfalls Ständerat, im Weiteren Johann Georg Oschwald, Ständerat, Wilhelm Joos, Nationalrat, Johann Jakob Blumer, Bundesrichter und Ständerat, sowie Friedrich von Tschudy, Regierungsrat und Ständerat. (16)
Als Hans D. Schoch das Trinkhorn entdeckte, war sein erster Gedanke: «Dieses gehört uns und wir müssen darnach trachten, dass es wieder in unseren Besitz zurückgelangt.» Auch Prof. Dr. Christian Sauter, aktiv Munot Schaffhausen und dann Z! Zürich, hegte solche Gedanken. Doch davon wurde ihnen abgeraten. Hauptsache dürfte wohl die Tatsache sein, dass das Trinkhorn nicht der Scaphusia, sondern eigentlich der Zofingia gehört! Es wäre sicherlich wertvoll, die Archivalien der Scaphusia im Hinblick auf unsere Hypothese noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie dem auch sei: Hans D. Schoch liess das wertvolle Objekt auf eigene Kosten restaurieren. Zur feierlichen Übergabe trafen sich eine Delegation der Zofingia Schaffhausen und der Scaphusia in Stetten, worüber der nachfolgende Anhang informiert.


1 Vgl. Catalogue des membres des sections de Fribourg en Brisgau, Schaffhouse, Aarau, Sion, Schwytz, Lausanne 1868, hier S. 5, 1848 / Nr. 3.
2 Vgl. Der Schweizerische Zofingerverein 1819-1969, Bern 1969, S. 403.
3 Diese Angaben zusammengestellt aus dem Catalogue des membres des sections de Fribourg en Brisgau, Schaffhouse, Aarau, Sion, Schwytz, Lausanne 1868.
4 C. Rüegg: Zum 50jährigen Stiftungsfest der Scaphusia, Schaffhausen 1908, S. 3.
5 Ebd., S. 5.
6 Ebd., S. 6.
7 Ebd., S. 8; laut Ernst A. Rubli sollen die weissen Mützen billiger gewesen sein, weshalb sie fast sechs Jahre lang getragen worden seien.
8 Kurt Bächtold: 100 Jahre Scaphusia 1858-1958, Schaffhausen 1958, S. 9. In den beiden anderen Werke zum 75-jährigen (von Rolf Henne) und zum 125-jährigen Jubiläum (hg. von Kurt Bächtold) sind keine Vermerke betreffend Zofingia vorhanden.
9 Carl August Bächtold (geb. 15.2. 1838 in Merishausen, gest. 5.2. 1921 in Schaffhausen) figuriert nicht in der Liste.
Anm. 1, wohl aber unter dem Namen August Brächtold (1855 / Nr. l), also falsch geschrieben.
10 C. A, Bächtold, Meine Schulerinnerungen, zuerst erschienen im Schaffhauser Intelligenzblatt Nr. 80-93/1918, uns vorliegend als Separatabzug mit 47 S., hier S. 44.
11 Wilhelm Steiger, geb.?, gest. 3.8.1889 in Schaffhausen, x der Z! Schaffhausen, adm. Z! Basel 17.5.1851 in der Z! Basel, xx WS 1851, Austritt 13.5.1854, Grund laut Centralkatalog: «weder Nutzen noch Freude am Verein».
12 Bächtold, Schulerinnerungen, S. 44; Johann Meyer, von Ruedlingen, geb. 11.12.1835, gest. 8.12.1889 in Frauenfeld, in der Liste 1868 aufgeführt, adm. Mai 1855 bei der Rekonstitution der Z! Schaffhausen, Übertritt in die Z! Basel, Austritt 1857, Dr. phil. h.c., 1869 Kantonsschullehrer in Frauenfeld, 1880 Kantonsbibliothekar und Staatsarchivar, CBI. Jg. 52 / S. 140.
13 Bächtold, Schulerinnerungen., S. 45.
14 Ebd., S. 46.
15 Emil Walter, Zofingia in Schaffhauser Sicht 1911-1961, S. 2 f.; Manuskript in der Stadtbibliothek Schaffhausen G 61.597. Das Hauptverdienst der Zofingia Schaffhausen sei, so Walter, die Einführung des Turnens in Schaffhausen gewesen. Emil Walter (1886-1966) war Reallehrer und Bienenzüchter und seit 1916 Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft.
16 Vgl. Kurt Peyer: Schaffhausen und der Schweizerische Zofingerverein, in Schaffhauser Mappe 1969, sowie im Cbl. 109/1968-69, S. 192-196; Kurt Peyer war nicht Zofinger.


**Die Revitalisierung des Zofinger Trinkhorns**
Von Ernst A. Rubli

In den Jahren 1824-1858 hat in der Stadt Schaffhausen eine Sektion des Schweizerischen Zofinger-Vereins bestanden, «deren Lebensflamme bald aufflackerte, wieder in sich zusammensank, bald verlöschte und aufs neue entzündet wurde», wie der Autor der 100-Jahr-Festschrift der Scaphusia vermerkt.
Zofingia und ein sog. «Ritterzirkel», eine Verbindung unter Schülern des Gymnasiums und Studenten des Collegiums Humanitatis (gegr. 1845), bestanden also im Vorfeld der Scaphusia. Es wäre jedoch vermessen zu behaupten, diese hätte sich aus diesen Corporationen heraus entwickelt. Die Gründerväter unserer heute noch bestehenden Gymnasial-/Mittelschulverbindung lehnten sich viel eher an die bereits bestehenden Gymnasialvereine in Basel und Bern an. Im Jahre 1858 löste sich jedenfalls die Zofinger-Sektion Schaffhausen, deren Akten heute als Depositum Nr. 66 im Staatsarchiv Schaffhausen lagern, endgültig auf.
Als einziger bekannter Gegenstand aus dieser Zeit gilt ein Trinkhorn aus dem Jahre 1851 mit einer breitovalen Silberplakette: «Der Section Schaffhausen / Die Zofinger in Bonn 1851». Dieses Horn muss in dunkler Vorzeit in den Besitz der Scaphusia übergegangen sein. Nachdem es jahrzehntelang auf dem Dachboden des «Falken» gelagert hatte, wurde es im Jahre 1978, zusammen mit einigen anderen historischen Gegenständen, vom Schreibenden ins Museum Allerheiligen transferiert, wo es heute unter der Inv.-Nr. 51320 zur Depositensammlung unserer Verbindung gehört.
Zweifelsohne ist dieses Stück von beidseitigem Interesse, zu dessen Wahrung Hans D. Schoch v/o Timian in verdankenswerter Weise den entscheidenden und salomonischen Anstoss gegeben hat.
Am 23. April 2009 wurde zwischen den beiden Verbindungen, vertreten durch Dr. Niklaus Wüthrich v/o Mutz (x Alt-Zofingia-Sektion SH), lic. iur. Hans D. Schoch v/o Timian, die AHAH x Dr. iur. M. Frey v/o Pauke (S!) und Ernst A. Rubli v/o Balz (S!), eine schriftlich vorliegende Vereinbarung getroffen, laut welcher das Trinkhorn in der Depositensammlung der Scaphusia verbleibt, der Zofingia aber für besondere Anlässe und gemäss den Ausleihbedingungen des Museums das Recht zur zwischenzeitlichen Auslösung eingeräumt wird.
Wir danken an dieser Stelle Hans D. Schoch ganz herzlich dafür, dass er das soweit intakte Horn, welches am 28. Juni 2009 unter dem Beisein einiger Zofinger und Scaphusianer im Hause Hans und Doris Schoch in Stetten (SH) vorgestellt wurde, auf eigene Kosten hat ergänzen lassen (Silberösen und rot-weiss-rote Kordel).

#Notizen zu Namen

1. Dezember 2009 | Von den Subprimes zur Finanzkrise

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Alexander Joho

Die momentane Weltwirtschaftskrise verstört und fasziniert gleichermassen. In ihrem spektakulären Ausmass stellt sie Experten vor ein Rätsel und ist gleichzeitig ein ansprechendes Anschauungsbeispiel. Der spannende Vortrag von Dr. oec. publ. Erich Spörndli, dem ehemaligen stellvertretenden Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), stiess beim Scaphusia-Bund, welcher den Anlass organisiert hatte, auf offene Ohren.

**Leichtfertig Kredite vergeben**
Zu Beginn führte Spörndli das Publikum zwei Jahre zurück in die Vergangenheit: Mit den sogenannten Subprimes wurden in den USA leichtfertig Kredite en gros vergeben; die Risiken vermeintlich sicher auf Investmentbanken verteilt, die diese Instrumente vorrangig anboten. Doch bereits im Frühjahr 2007 zeigten sich erste Verluste: Zinssätze stiegen, der Anstieg der Hypotheken wurde zunächst gestoppt, und drehte in einen Rückgang, als sich die Preise, nach mehr als zehn Jahren des Wachstums, als zu überhöht herausstellten. Aus Eigenkapitalbedenken hatten die regulären Banken in den USA das Risiko ausgelagert, die zahlreichen und teilweise sehr undurchsichtigen Finanzinstrumente nahmen numerisch aber derart überhand, dass schlichtweg der Überblick verloren ging und die Kontrolle versagte, wie Spörndli ausführte. Zunächst traf es die Investmentbanken wie Fannie Mae oder Freddie Mac, der Wert ihrer Aktien fiel ins Bodenlose. Damit zusammenhängend der anschliessende Aktienkursverfall von Grossbanken wie UBS, Crédit Suisse oder der Citigroup. Und hier setzte Spörndli mit der Rolle der SNB ein. Anfang 2008 wurde bereits ein wenig Optimismus gestreut und der Markt sollte sich leicht erholen, doch womit niemand in der Finanzbranche so richtig gerechnet hatte, war das Misstrauen der Anleger. Die Börsenwerte fielen noch weiter. Die Schweizerische Nationalbank hielt sich zuerst mit Devisenaustauschen mit anderen Notenbanken über Wasser, um den landeseigenen Banken mit zusätzlichem Geld unter die Arme zu greifen. Was der SNB wie auch der gesamten Finanzwelt schwer zu schaffen machte, war der enorme Kredit über zunächst 60 Milliarden Franken an die UBS im Oktober 2008. Da der Handel mit Subprimes durch die Krise in den USA ausgesetzt wurde, konnten dementsprechend kein Preis und keine Bewertung erzielt werden, wodurch vor allem die UBS auf ihren Krediten festsass, was die ungewohnt hohe Abschreibung zur Konsequenz hatte.

**Zinssenkungen ab Oktober**
Der Welthandel taumelte, staatliche Konjunkturprogramme wurden hastig geschnürt. Die schlimmste Rezession seit über 70 Jahren führte zu einem Rückgang beim Häuserbau, die Exportindustrie verzeichnete und verzeichnet noch immer einen Auftragseinbruch von 20 bis 50 Prozent. Die SNB versuchte daher, mit Zinssenkungen ab Oktober 2008, Deviseneinkäufen und der Vergrösserung der Geldmenge im Inland des Konjunkturproblems Herr zu werden. Nun günstigere Kredite ermöglichten eine Zunahme in der Bautätigkeit, Investitionen in Maschinen stiegen, und der Konsum konnte wieder angekurbelt werden. Der vergleichsweise schwächere Schweizer Franken machte Schweizer Produkte wieder interessanter. Spörndli konnte zum Abschluss seines Referates konstatieren, dass diese Finanzkrise schwere Schäden hinterlassen habe, die Notenbanken sowie Grossbanken diese jedoch gut verdaut und gekontert hätten. Die Talsohle sei jedoch erreicht, und obschon die Mehrzahl der Grossbanken noch «an Krücken» gingen und die Arbeitslosigkeit weiter leicht ansteigen werde, sei vorsichtiger Optimismus angebracht. Eine wirkliche Erholung, so Spörndli, könne für 2010/2011 erwartet werden.


#Aktivitas

25. November 2009 | Terminänderung

Das Datum des Vortrags von Joannis Chronis v/o Mythos über die Schweinegrippe wurde im gedruckten Quartalsprogramm leider falsch angegeben. Der Anlass findet nicht am Samstag, 5. Dezember 2009, sondern am **Freitag, 4. Dezember 2009**, um 20.00 Uhr in der Bude statt.

#Notizen zu Namen

23. November 2009 | Linksaussen formiert sich erneut über den Röstigraben hinweg

Schaffhauser Nachrichten, Region
Conradin Leeser

Die Linke steckt in der Misere: Sind in wirtschaftlichen Krisenzeiten traditionell Rezepte aus dem sozialistischen Lager gefragt, so präsentiert sich dieses heuer ungewohnt sprachlos, die Kräfte der radikalen Linken sind verzettelt und zersplittert. So weit die Erklärung der Alternativen Liste Schaffhausen und der Ansatz einer neuen, erstmals nationalen Linksaussenpartei: der Linken Alternative, die «La Gauche – Linke Alternative – La Sinistra». Das Credo der geplanten politischen Formation ist dabei ebenso einfach wie radikal: Angestrebt wird ein fundamentaler Kurs- und Paradigmenwechsel, eine antikapitalistische, ökologische und soziale Politik. Und das kommt an: Gegen 200 linke Aktivisten aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin trafen sich am vergangenen Samstag auf dem Schaffhauser Griesbach zum Grundsatzbeschluss der Gründung der neuen Linken Alternative. Ein Beschluss, der nach Programm im Mai des kommenden Jahres in Lausanne mit der formellen Gründung der Partei unterstrichen werden soll. Dass dabei gerade Schaffhausen als Geburtshelfer einer neuen nationalen Linkspartei fungiert, hat gemäss Florian Keller, Kantonsrat AL und Mitorganisator der Veranstaltung, zwar hauptsächlich logistische Gründe, ist aber auch als Tribut der Romands an die Deutschschweizer Minderheit zu werten: «Die Welschen haben uns damit Respekt entgegengebracht und gleichzeitig bewiesen, dass es ihnen mit der neuen Partei ernst ist.»

**Alte Idee neu aufgenommen**
Der Versuch, die linken Gruppierungen zu bündeln, ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren traten die radikalen Linken als Netzwerk «À gauche toute» zu den Nationalratswahlen an – und scheiterten. Keller ortet die Probleme damals wie heute in ideologischen Differenzen zwischen Deutschschweiz und Romandie: «Das sind riesige Unterschiede – diese zu bewältigen, das ist die grösste Hürde im ganzen Prozess.» Nichtsdestotrotz blickt der Jungpolitiker zuversichtlich in die Zukunft, unterscheidet sich das aktuelle Projekt doch in wesentlichen Zügen von früheren Vorhaben: Die Linke Alternative versteht sich als Zusammenschluss von Einzelpersonen und nicht wie «À gauche toute» als Konglomerat bestehender Parteien. «Uns alle verbindet eine starke Sozialpolitik, die Identifizierung mit Grundrechten und der Glaube an die gesellschaftliche Organisationsform», so Keller passioniert. Mit dem Verlauf des Gründungskongresses ist der Kantonsrat der Alternativen Liste entsprechend zufrieden, auch wenn er gewisse Uneinigkeiten in Bezug auf die Ausrichtung der Veranstaltung einräumt: «Meine Erwartungen sind erfüllt, aber es gibt wohl auch viele Personen, die denken, dass man heute ein Programm hätte definieren müssen.» Anstelle 37 aufgekommener politischer Forderungen standen während fünf Stunden entsprechend vielmehr Fragen der gegenseitigen Befindlichkeit im Mittelpunkt der hitzig geführten Debatten. Der Erarbeitung eines politischen Programms gestand man mit grosser Mehrheit mehr Zeit zu. Gewählt wurde hingegen ein 25-köpfiger Koordinationsausschuss, der nun die erste Parteiversammlung Ende Mai in Lausanne vorbereiten soll. Nebst Florian Keller gehört auch der Waadtländer PdA-Nationalrat Josef Zysiadis dem Komitee an.

#Notizen zu Namen

22. November 2009 | Von der Seele der Originalmöbel – Die Trendforscherin Joan Billing

NZZ am Sonntag, Stil
Rebekka Kiesewetter

Das Haus in Baden, in dem die Trendforscherin Joan Billing und ihr Lebenspartner Samuel Eberli wohnen, hat keine Geschichte, und auch wenn seine Mauern sprechen könnten, schwiegen sie. Was sollten sie schon erzählen, seit ihrer Errichtung 2007 hatten sie kaum Zeit, etwas zu erleben.
Möbel können ebenso wenig sprechen; auch die von Joan nicht. Obwohl man es meinen könnte, wenn sie als ihr Sprachrohr fungiert. Die Aargauerin ist Expertin auf dem Gebiet «Wie teile ich meine Begeisterung auf ansteckende Art mit»: Sie weiss zu jedem Gegenstand in ihrem Heim etwas zu erzählen, nichts ist zu klein, um als besonders gewürdigt zu werden. Im Hause Billing-Eberli ist nichts «einfach da». Und dies ist gar nicht so selbstverständlich: Wer weiss denn schon bei jedem Ding genau, wieso er oder sie es besitzt? Wer kann sagen, warum es einem teuer ist (auch wenn sein monetärer Wert gegen null tendiert)? Joan Billing aber kann es.

**Verrückt nach Design**
Zum Beispiel das Day Bed von Eileen Gray: ein Designklassiker, das ist bekannt. Doch «Hauptsache, alt und teuer» ist kein Kriterium, das bei Joan zieht, und ein Grund, ein Möbel aufzustellen, schon gar nicht. Die graue Liege ist für sie nicht bloss ein hübscher Gegenstand oder ein Statussymbol. Nein, sie ist ein bunter Strauss aus vielen Geschichten, aus Hintergrundwissen und Erinnerungen. «Die Möbel von Eileen Gray gefielen mir schon in meiner Jugend, damals habe ich begonnen, mich mit dem Leben der Designerin auseinanderzusetzen», erzählt sie, gerät in Fahrt, gibt der Bewunderung Ausdruck, die sie für Gray empfindet. Die Designerin hatte im frühen 20. Jahrhundert mit Formen und Materialien experimentiert und neue Wege gefunden.
«Mich faszinieren Dinge, die für ihre Entstehungszeit innovativ waren, egal, ob das gestern oder vor 100 Jahren war», sagt Joan. Gefällt ihr etwas, möchte sie alles darüber in Erfahrung bringen. Wenn man mit Joan spricht, lässt man sich von ihrer Begeisterung anstecken, hängt noch einem Gedanken nach, den sie formuliert hat, während sie bereits vom Hundertsten ins Tausendste gelangt ist, da Parallelen zieht, dort etwas anmerkt und dann wieder aufs Mobiliar zu sprechen kommt. Auf Dinge, die sie schon lange begleiten. «Die Corbusier-Liege habe ich als Kind zur Rutsche umfunktioniert», erinnert sie sich. Joan ist mit Möbelklassikern aufgewachsen – ihr Vater ist Architekt und Sammler – und kennt keine Scheu, auch wertvolle Stücke zu benutzen, in den Alltag zu integrieren.
Die Billings sind eine designverrückte Familie, Möbel wie die Corbusier-Liege wandern zwischen den Haushalten hin und her. «Wenn ich eines Teils überdrüssig werde, es nicht in eine neue Wohnung passt und ich es nicht weggeben will, frage ich meine Mutter, ob sie es eine Zeitlang zu sich nehmen möchte», erzählt Joan. Ausleihen und Tauschen funktioniere nicht nur im Familienkreis, ist sie überzeugt. Gutes Design soll in Umlauf gebracht und gebraucht werden, es gehöre nicht ins Museum. Es sei ausserdem wichtig, dass die Geschichte eines Objektes, das Wissen um seinen Ursprung weitergegeben werden. Deshalb haben Billing und Eberli vor drei Jahren die Verkaufsausstellung Design+Design ins Leben gerufen. Keine Messe, betont sie, sondern ein Salon Privé für innovatives, rares und schönes Vintage-Design.
Momentan findet der Event in einem Saal des Zürcher Kunsthauses statt, doch der Raum platzt aus allen Nähten, so gross ist das Interesse auf Aussteller- und Besucherseite. Trotz dem Andrang ist die Stimmung gut, familiär, intim. Genau wie an der Braun-Börse, die Joan vor zwanzig Jahren das erste Mal mit ihrem Vater Rolf besuchte und die sie als Ursprung der Design+Design-Idee beschreibt: Liebhaber der Elektronika, welche bei Braun in den fünfziger bis siebziger Jahren hergestellt wurden, trafen sich damals in einer Jugendstilvilla, um zu fachsimpeln, zu tauschen und zu handeln. Bis heute teilt Joan die Sammelleidenschaft für die Kultgeräte mit ihrem Vater.
Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit sind Worte, die Joan oft verwendet. Man muss nicht, wie sie es tut, mit dem Trendforscher-Star Li Edelkoort zusammenarbeiten, um zu wissen, dass es wichtige Themen sind. Für den Erfolg einer Messe wie Design+Design mit ihrem Angebot an wertigen, beständigen und nostalgischen Produkten, sagt Joan, seien die Voraussetzungen heute ideal. Das Interesse an Designklassikern sei so breit vorhanden wie noch nie. Eine Original-Dies und ein echter Das, ein früher Dings und ein Dangs in seiner Erstversion. Muss das sein? Tut’s nicht auch eine Fälschung (zumal sie bedeutend billiger ist)? Joan lässt sich auf Diskussionen nicht ein, sagt: «Das Original behält seinen Wert, es kann mindestens zum Kaufpreis wiederverkauft werden.» Ausserdem sagt sie Dinge wie: «Originale ihrer Zeit haben eine Seele», und: «Das Wissen darum, dass es rar und wertig ist, intensiviert die Bindung zu einem Vintage-Möbel.» Seele? Bindung? In Bezug auf Dinge? Für Joan scheinen Sachen tatsächlich lebendig zu sein, so leidenschaftlich spricht sie von dem, was sie umgibt.

**Was andere denken, ist egal**
Sie verteilt ihren unerschöpflichen Enthusiasmus zu gleichen Teilen auf Dinge, Menschen und die Natur: Auch der Fluss, der unmittelbar vor den grossen Fenstern rauscht, kriegt etwas von der Begeisterung ab, und ebenso die grosse Silberweide, deren Äste über die Scheiben streichen. «Ich musste mich erst an die hohen Räume, die grossen Fenster gewöhnen. Aber jetzt fühle ich mich wohl, so nahe am Fluss. Es beruhigt mich.» Hatte sie, die vorher in einer Gründerzeit-Wohnung in der Badener Innenstadt gelebt hat, keine Angst, dass ihre angejahrten Möbel nicht zum Neubau passen würden? «Nein», sagt Joan, «Vintage-Design passt überallhin, weil es einen starken Charakter hat. Patina wirkt kombiniert mit Neuem charmant.»
Ist es für Samuel, den Architekten, und Joan, die wegen ihres Jobs gleichermassen belächelt und bewundert wird, wichtig, wie ihr Heim von anderen Leuten wahrgenommen wird? Möchten Sie mittels ihres Einrichtungsstils eine bestimmte Haltung zeigen? «Unsere Wohnung ist genau auf uns zugeschnitten; Hauptsache, wir fühlen uns darin wohl, was andere denken, ist egal. Aber die Einrichtung spiegelt unsere Art zu leben. Ob wir wollen oder nicht», sagt Joan. Und wie, möchte man von ihr, die nonchalant Accessoires und Möbel zusammenwürfelt und sie zu einem absolut stimmigen Ensemble fügt, wissen, findet man einen eigenen Stil? Was, wenn die Intuition beim Einrichten versagt, nicht vorhanden ist? Dann soll man sich Hilfe holen, rät die Trendforscherin. Und abkupfern dürfe man auch: «Es gibt den virtuosen Koch, der nie in ein Buch schaut, und den Rezept-Treuen. Beide machen leckeres Essen. Genauso ist es beim Einrichten.»


**Design+Design**

«Vintage» lautet das Stichwort für die Möbel-Verkaufsmesse «Design+Design», die von Joan Billing und Samuel Eberli zum dritten Mal organisiert wird. Der Ausdruck steht für Designstücke aus den Jahren 1920 bis 1990. Auf 750 Quadratmetern halten im grossen Vortragssaal des Kunsthauses Zürich 20 Händler ihre rare Ware feil. Speziell für den Anlass wurden 50 signierte Hocker und 30 signierte Tische aus Faserzement des Lausanner Designers Nicolas Le Moigne hergestellt (Stückpreis 500 Fr.). Zusätzlich erscheint ein Katalog zum Thema «Faszination Faserzement». Design+Design, Sa, 28. 11. (10 bis 20 Uhr), So, 29. 11. (10 bis 17 Uhr). Ort: Kunsthaus Zürich.



Joan Billling und ihr Lebenspartner Samuel Eberli (Bild: Vera Hartmann)

#Aktivitas

11. November 2009 | Bilder Fonduestamm und Baslerstamm

Hier findet ihr die Bilder vom

[Fonduestamm am 24.10.2009](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/10/24/fondue-stamm/)
[Baslerstamm am 4.11.2009](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/11/04/basler-stamm/).

#Notizen zu Namen

30. Oktober 2009 | Den Wald auch für die Zukunft erhalten

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Guido Elser

Als Folge der Mediationsakte 1803 und der Bundesverfassung 1848 wurden die Gemeinden neu organisiert. Damals erhielten auch in Diessenhofen alle volljährigen Schweizer Einwohner Stimmrecht in Stadtangelegenheiten. Nach dem Ausscheidungsvertrag des öffentlichen Bürgergutes der Gemeinde Diessenhofen vom 25. April 1872 hat die Bürgergemeinde an die Stadt Gredhaus, Siegelturm, Rathaus, die Rheinbrücke und andere abgegeben. Der heutigen Bürgergemeinde blieben somit noch die Wälder und die Fischenz.

**Die Wälder der Bürgergemeinde**
Seither ist die Bürgergemeinde Diessenhofen Besitzerin von 235 Hektaren Wald, der sich wie folgt aufteilt; Rodenberg 130 Hektaren; Buechberg 51 Hektaren; Stammerberg 15 Hektaren; Schaarenwald 13 Hektaren, Rauhenberg (Deutschland) 23 Hektaren, Läui und Bleichi nochmals gut 2 Hektaren. Diese Walgebiete sind nicht zusammenhängend.

**Hügeliger Rodenberg**
Die grösste zusammenhängende Waldfläche befindet sich im Rodenberg mit rund 130 Hektaren. Diese Wälder befinden sich im hügeligen Gelände an Hanglagen zwischen 391 (Rhein) und 591 m ü. M. (Kapf). Die Wälder im Buechberg und Schaaren sind dagegen weitgehend flach. Als Besonderheit besitzt die Bürgergemeinde noch Wald in Deutschland auf dem Gailingerberg, dem sogenannten Rauhenberg. Vor einem Jahr hat sich die Bürgergemeinde Diessenhofen mit dem Staatswald im Bezirk und den Bürgergemeinden Rheinklingen, Kaltenbach, Wagenhausen und diversen Privatwaldbesitzern zum neuen Forstrevier am Rhein zusammengeschlossen. Für die gesamte Waldfläche in diesem Revier ist Förster Jakob Gubler zuständig. Er wohnt in Eschenz und steht der Bevölkerung als Ansprechpartner für die gesamten Waldfragen zur Verfügung. Die einzelnen Waldbesitzer (insbesondere auch die Bürgergemeinde Diessenhofen) sind jedoch weiterhin selbständig und finanziell unabhängig.

**Ökologisch wertvoll**
In der Bürgerverwaltung ist Urban Brütsch, Forstingenieur ETH, zuständig für das Ressort Bürgerwald. Er hat auch diese Angaben zum Bürgerwald zusammengestellt. Wie Brütsch und Bürgerpräsident Bruno Giuliani betonen, soll der Wald den kommenden Generationen langfristig erhalten bleiben. Nebst der Holznutzung dient der Wald vor allem als Erholungsraum. Deshalb wird er auf der gesamten Fläche nach den Grundsätzen des naturnahen Waldbaus gepflegt und genutzt. Angestrebt werden im heutigen Waldbau gut strukturierte Bestände (möglichst stufig aufgebaut). Die Naturverjüngung wird gefördert und bevorzugt. Eine grosse Baumartenvielfalt wird unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten angestrebt. Die Buche, die in diesem Gebiet die Hauptbaumart darstellt, spielt deshalb im Bürgerwald eine wichtige Rolle. Die Waldränder sind ökologisch wertvoll und sollen erhalten und gefördert werden. Altholz und Totholz werden bewusst im Wald stehen respektive liegen gelassen, da dieses einer Vielzahl von Lebewesen (Insekten, Vögel und anderen Tierarten) Lebensraum und Nahrung bietetDas gesamte Waldgebiet im Schaaren ist als Sonderwaldreservat ausgewiesen und wird dementsprechend gezielt gepflegt. Ferner gibt es im Rodenberg mehrere Flächen, die als Altholz- oder Totholzinseln ausgeschieden wurden und zurzeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Im Etzwilerberg auf der Waldfläche der Bürgergemeinde Diessenhofen existiert sogar ein Totalreservat. In diesem Gebiet wird aus Naturschutzgründen auf jegliche Nutzung verzichtet. So kann man beobachten, wie sich ein ursprünglich bewirtschafteter Wald unter natürlichen Verhältnissen weiterentwickelt.

**Vom Werkhof**
1982 baute die Bürgergemeinde im Rodenberg den Werkhof mit der Jacques-Huber-Stube. Bis zur neuen Reviereinteilung vor gut einem Jahr diente er der Bürgergemeinde als wichtiger Standort für den Bürgerwald – mit Garagen für die Traktoren und Maschinen. Inzwischen werden die Garagen für das Überwintern von Schiffen benutztDen Werkhof mit dem riesigen Vordach nutzt die Bürgergemeinde als Lagerplatz für Brennholz. Die Jacques-Huber-Stube kann von Einwohnern von Diessenhofen für Festlichkeiten bis zu 35 Personen gemietet werden. Sie hat eine gute Infrastruktur mit Küche, Geschirrspülmaschine, Kühlschrank, Geschirr, etc. Für das Putzen ist der Mieter verantwortlich. Ansprechpartner ist alt Förster Hans Weber (052 657 14 23), für Bestellungen von Brennholz Förster Jakob Gubler (079 720 39 25) zuständig.

#Alt-Scaphusia

30. Oktober 2009 | Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschiede unseres lieben Farbenbruders

[Kurt Bächtold olim Gispel](https://www.scaphusia.ch/mitglieder/gispel/1936/)
Dr. phil. I / alt Ständerat
aktiv 1935-1937

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der [Totensalamander](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/11/25/totensalamander/) findet am Mittwoch, 25. November 2009 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Abdankungsfeier findet am Dienstag, 10. November um 14.00 Uhr im Münster Schaffhausen statt.

Die Beisetzung findet am Freitag, 13. November um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Wilchingen statt.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2009 | Tango und Beschwingtes – ein kurzes Intermezzo

Schaffhauser Nachrichten, Herbstmesse
Claudia Härdi

«Das Motto unseres Standes ist ‹lokal vereint›. So ist es auch naheliegend, dass wir an dieser Herbstmesse Vereine vorstellen», sagt Rémy Guhl vom Schaffhauser Fernsehen ins Mikrophon. Er hiess gestern das Saxophonquartett der Musikschule Schaffhausen auf der Bühne des Gemeinschaftsstandes der Schaffhauser Medien, der Elektrizitätswerke, der Städtischen Werke, der Sasag und von Falkenbier willkommen. Das Saxophonquartett der Musikschule Schaffhausen, das sind Linda Bräu, Sopransaxophon; Fabian Carisch, Tenorsaxophon; Lukas Seiler, Baritonsaxophon, und Celina Guhl, Altsaxophon.
Ewald Hügle, der den Musikschülern an der Musikschule Schaffhausen das Saxophonspielen beibringt, musste heute für Linda Bräu einspringen. «Be happy» und «Summertime». Mit diesen zwei Songs begann das Quartett gestern sein Repertoire. Weiter ging es mit einem ruhigen Stück von Astor Piazolla, einem argentinischen Bandoneonspieler, Komponisten und Begründer des Tango Nuevo. Zum Abschluss spielte das Quartett ein frisches Stück des Jazzpianisten und -komponisten Herbie Hancock. Mit diesen vier Stücken stellte das Quartett stellvertretend die Musikschule Schaffhausen vor. In der Musikschule könnten die Schüler über 30 Instrumente lernen, sagt Hügle. Sogar Babys werden unterrichtet – im Babysingen. Guhl will wissen, in welchem Alter man sein Baby in die Musikschule schicken könne. «Mit drei Monaten beginnt es. Ich habe es noch vor mir», scherzt Hügle.
Die Musikerinnen und Musiker des Saxophonquartetts sind keine Anfänger mehr. Lukas Seiler spielt seit sieben Jahren Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon. «Ich spiele Saxophon, weil das Sax ein genauso colles Instrument ist wie die Gitarre. Ausserdem ist es ein sehr vielseitiges Instrument», sagt Seiler, während er sein Instrument wieder sorgfältig in den Koffer verstaut. Er hegt den Traum, einmal Berufsmusiker zu werden. Das Quartett ist nicht die einzige Musikgruppe an der Musikschule, die zusammen musiziert. «Zuzreit stellen wir eine Big Band zusammen. Leider fehlen uns noch Blechbläser, erzählt Hügle, der vor dem nächsten Kurzkonzert auf der Herbstmesse eine Privatmsuikstunde eingeplant hat und sich nun beeilen muss.