#Notizen zu Namen

26. Januar 2010 | «Dank des Mutterlandes» an Edi Looser

Schaffhauser Nachrichten,
Karl Hotz

Es sei heute Mode geworden, so Walter Bircher, der Rektor der pädagogischen Hochschule Zürich, alles immer messen zu wollen. Hätte man die Zahl der Gäste zum Massstab dafür gemacht, wie beliebt Edi Looser als Rektor der Pädagogischen Hochschule (PHSH) gewesen ist, so wäre seine Abschiedsfeier von gestern Abend im Hombergerhaus Zeugnis dafür gewesen, dass Looser in der entsprechenden Skala ganz weit oben steht: Alles, was im Schaffhauser Bildungswesen Rang und Namen hat, war da.
Erziehungsdirektorin Rosmarie Widmer Gysel hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie meinte, Edi Looser habe den «Dank des Mutterlandes» redlich verdient. Loosers über 40-jähriges Engagement in der Lehrerbildung sei Berufung, nicht Beruf gewesen. Stets habe er verkörpert und gelebt, was er gelehrt habe. Edi Looser habe beim Auf- und Ausbau der PHSH keine einfache Zeit gehabt und sei immer mit Herzblut für die Hochschule eingestanden. Mit Ungeduld – «und ich muss anfügen, dass ich manchmal auch ungeduldig bin und Ungeduld durchaus auch positiv sein kann», so Widmer Gysel – habe er für seine Anliegen beziehungsweise jene der PHSH gekämpft. Walter Bircher – die PHSH arbeitet ja mit der Zürcher Hochschule zusammen – meinte seinerseits, er habe in der Zeit mit Edi Looser gelernt, was es heisse, den Anliegen eines kleinen Kantons Gehör zu verschaffen. Am weitesten zur Feier angereist war wohl Stefan Boemer, Rektor der Hochschule Eupen im deutschsprachigen Teil Belgiens. Er habe mit Looser ganze drei Minuten gesprochen, dann sei bereits das erste gemeinsame Projekt aufgegleist gewesen, lobte er die Zusammenarbeit. Der Campus als Lebensraum Edi Loser selber zeigte in seiner kurzen Abschiedsrede nochmals eindrücklich, dass der Ausdruck «Herzblut» nicht einfach eine Floskel in den Dankesreden war. Es sei ein Privileg gewesen, an der PHSH Lehrer sein zu dürfen. Eine Hochschule sei mehr als eine Lehranstalt. Es gehe für die Lernenden immer auch darum, Mitverantwortung für ihr Fach und dessen Weiterentwicklung und Vermittlung an die Gesellschaft zu tragen. Lehrer an der PHSH seien darum vor allem Mentoren – «mit etwas mehr Erfahrung», setzte Looser schmunzelnd hinzu. Das verberge sich auch hinter der Bezeichnung «Campus» – er sei ein Lebensraum und eine Lebensgemeinschaft zugleich. Heute werde viel Aufhebens um den Bachelor-Abschluss gemacht, der die Lernenden laut Vorgabe befähige, ins Berufsleben einzusteigen. Das sei an allen PHSH der Schweiz nichts Neues: Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten seien Absolventinnen und Absolventen befähigt, nach ihrer Ausbildung vom ersten Tag an vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten. Umrahmt wurde die Feier von Musikvorträgen der Absolventinnen und Absolventen.

#Allgemeines

20. Januar 2010 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

Am Montag konnte die Senioren-Uni mit einem ganz besonderen Gast aufwarten, nämlich Eugen Haltiner, Verwaltungsratspräsident der Finma. Ein besonderer Gast will auch besonders angekündigt sein. Dies übernahm alt Stadtpräsident Marcel Wenger, der ans Publikum gerichtet gleich zu Beginn meinte: «Warum schauen Sie überhaupt noch die Arena? Die Senioren-Uni ist viel aktueller.» In der Folge erinnerte er an seine gemeinsame Kantonsschulzeit mit Haltiner. «Wir waren damals beide Präsidenten einer Verbindung: er von der Scaphusia und ich von den Munötlern.» In einem gemeinsamen Projekt hätten sie es geschafft, die beiden Verbindungen für kurze Zeit zu fusionieren, allerdings mit gewissen Schwierigkeiten: «Weil wir keinen Alkohol tranken und die Scapher Alkohol trinken mussten.» Gerade deshalb seien auch nicht alle Altherren einverstanden gewesen. «Wir haben uns aber entschieden, diesen Merger als Erfolg zu verkaufen, und es war auch einer», schloss Wenger.

#Notizen zu Namen

19. Januar 2010 | «Ich habe eine positive Sicht der PH»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Künzi

*In welchem Zustand übergeben Sie die PHSH an Ihren Nachfolger, Thomas Meinen?*
Eduard Looser: Ich habe natürlich eine positive Sicht der PHSH. Geht man von ihrem Grundauftrag aus, von der Lehrer-Grund- und -Weiterbildung, so ist die PHSH in einem sehr guten Zustand. Ich sehe, dass ihre Absolventen sehr gefragt sind: 50 Prozent oder mehr werden uns von anderen Kantonen buchstäblich aus den Fingern gerissen, und das auch bei Lehrerüberfluss. Negative Rückmeldungen gibt es nicht, und in Schulhäusern von Feuerthalen über Winterthur bis Zürich arbeiten viele Schaffhauser Lehrkräfte. Es ist für mich die grösste Genugtuung zu sehen, dass die von uns ausgebildeten Lehrer vom didaktischen und pädagogischen Können her sichere Werte sind. Die Schule ist also in einem guten Zustand, und die Studierenden identifizieren sich stark mit ihr. Das zeigt sich jeweils dann, wenn man für irgendetwas Hilfe braucht und sich sofort Freiwillige melden. Auch der Umgangston an der Schule wird geschätzt. Das Unterrichtsangebot ist im Allgemeinen gut, wo nicht, greifen wir jeweils ein.

*Beim Start der PHSH 2003 haben Sie sich sicher Ziele gesetzt, die Sie mit der PHSH erreichen wollten. Wo waren Sie erfolgreich?*
Erreicht haben wir die gesetzten Ziele auf jeden Fall beim Aufbau des Grundangebots: Wir haben die Grundausbildung, die Weiterbildung, das Dienstleistungsangebot und die Forschung glaubwürdig etabliert. Ein erstes Ziel haben wir 2006 durch die eidgenössische Anerkennung, und zwar ohne Auflagen, erreicht. Als zweites Ziel ebenfalls erreicht haben wir die politische Absicherung der PHSH in Schaffhausen. Das war nicht selbstverständlich, denn bis zum Start der PHSH war die Kantonsschule die Schaffhauser Hochschule. Heute ist die Akzeptanz der PHSH gross, auch wenn es in Schaffhausen politische Kreise gibt, die permanent gegen sie «guseln». Darum bin ich froh, dass der Regierungsrat im Juni 2009 ein klares Bekenntnis zur Weiterführung der PHSH abgelegt hat.

*Gibt es auch Ziele, die Sie nicht erreicht haben?*
Verschiedene Projekte, die wir zusammen mit anderen Hochschulen geplant hatten, mussten leider auf Eis gelegt werden. Es besteht aber die Chance, dass sie später nochmals aufgegriffen werden, so etwa die Projekte «Frühe Kindheit», zusammen mit der Universität Konstanz und der PH Thurgau, oder «Tagesschulen», zusammen mit der befreundeten deutschsprachigen belgischen Hochschule in Eupen. Ein weiterer Bereich, mit dem ich nicht zufrieden bin, ist die Überfrachtung unserer Studienpläne. Nach drei Jahren muss die PHSH funktionsfähige Lehrkräfte entlassen. Da muss jede Minute genutzt werden, und für ein offenes, ungebundenes Studentenleben, in dem auch ein freieres Lernen zum Zuge kommt, bleibt wenig Platz.

*Zurzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der PHSH. Wohin sollte Ihrer Meinung nach die Reise gehen?*
Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass ich, wie auch sonst niemand von der Schulleitung, nicht Mitglied dieser Arbeitsgruppe bin. Daher bleiben meine Aussagen dazu vage. Es ist aber wichtig, dass diese Arbeitsgruppe versucht, den Studienbetrieb zu öffnen und vom rein schulischen Betrieb etwas abzurücken. Das durchzusetzen, dürfte aber nicht leicht sein. Dazu kommt noch Folgendes: Als Leiter der PHSH stehe ich immer mit einem Bein auch in der Politik und mit dem anderen in der Lehrerbildung. Als Lehrerbildner bin ich nie nur ein kantonaler Angestellter, sondern muss auch beachten, was im schweizerischen Kontext geschieht. Mit anderen Worten: Die Vorgaben für die Zukunft der PHSH kommen ebenso sehr aus den schweizerischen Entwicklungen als auch aus dem kantonalen Umfeld. Ich bin mir bewusst, dass das zu Interessenkonflikten führen kann.

*Es gibt Stimmen, die meinen, Schaffhausen sei zu klein für eine eigene PH, und ein Zusammengehen zum Beispiel mit Zürich befürworten. Was sagen Sie dazu?*
Ein Zusammengehen mit Zürich ist überhaupt nicht nötig. Kleine Autos haben genau gleich viele Bestandteile wie grosse, die Komplexität bleibt sich gleich. In der Schweiz gibt es sieben kleine PH, darunter auch Schaffhausen, die einen unbändigen Überlebenswillen haben. Es darf nicht sein, dass die drei bis vier grossen PH alles vorgeben und normieren. Wer so argumentiert, müsste auch die kleinen Kantone aufheben. Dazu kommt, dass die PHSH ein gutes Netzwerk hat und mit anderen PH in der Schweiz gut verbunden ist. Wir wursteln nicht vor uns hin, sondern treiben die Entwicklungen national und international mit anderen Hochschulen voran. So werden wir zum Beispiel in Deutschland immer wieder zitiert und zu Fachtagungen eingeladen. Schaffhausen sollte auf seine PH stolz sein, wie überhaupt der Kanton als Ganzes stolzer sein und sich nicht immer kleiner und unbedeutender machen sollte, als er in Wirklichkeit ist.

*Sie waren 42 Jahre lang im Lehrer- beruf tätig. Wie hat sich dieser Beruf in dieser Zeit gewandelt?*
Grundsätzlich bin ich nicht der Meinung, dass sich dieser Beruf zum Schlechten geändert hat. Was sich geändert hat, ist, dass es für eine Lehrkraft mehr Verbindlichkeiten gibt als früher, dass sie aber auch besser ausgebildet ist. Besser ist auch das Weiterbildungsangebot, das heute sensationell ist, und auch die Betreuung durch das Inspektorat ist breiter ausgebaut. Aber das Zentrum des Lehrerberufs ist immer noch das gleiche: Im Klassenzimmer mit Schülern zwei bis drei Jahre verbringen, mit Schülern, die dich gerne haben oder nicht, für die du ein wichtiger Teil ihres Lebens bist. Das ist auch heute noch so.

*Würden Sie heute den Lehrerberuf ergreifen, wären Sie allein unter Frauen. Ist der Lehrberuf für Männer zu wenig attraktiv?*
Männer sind eher konservativ und wollen mit ihrem Beruf auch eine Familie ernähren können. Andrerseits haben sie Angst vor groben Wechseln in der Berufsbiografie, anders als Frauen, die akzeptieren können, dass sie nicht ihr ganzes Leben im gleichen Beruf verbringen. Allerdings muss ich hier auch sagen, dass die Männer, die wir an der PH haben, super Typen sind, leistungsbereit und verantwortungsbewusst. Richtig ist aber, dass es zu wenige sind, was ich bedaure, denn auch Männer können zum Beispiel sehr gute Unterstufenlehrkräfte sein.

*Was müsste man tun, um ganz allgemein den Lehrberuf für junge Leute wieder attraktiver zu machen?*
Die Feminisierung des Lehrerberufs kann man im Augenblick nicht aufhalten. Möglich wäre ein Angebot als «Lehrer auf Zeit», für fünf bis zehn Jahre. Das führt allerdings zum Problem, dass man den Anschluss in den anderen Berufen verpasst. Vorstellen könnte ich mir aber auch, dass der Lehrerberuf als zweites oder drittes Studium oder Beruf propagiert wird. Wir haben heute schon an der PH Studierende, vor allem Männer, die ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung haben, zum Beispiel als Informatiker, Forscher oder Handwerker, jetzt aber den Beruf wechseln wollen.

*Ab Februar sind Sie nicht mehr Rektor der PHSH. Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?*
Sicher werde ich bei der Radio- und Fernsehgenossenschaft Zürich-Schaffhausen (RFZ) weitermachen, wo ich für die Bildungsangebote verantwortlich bin. Ich werde auch als Experte tätig sein. Dazu habe ich eine grosse Familie mit acht Enkeln, die mich brauchen. Ein Segelschiff braucht ebenfalls Zeit, und meinem halb landwirtschaftlichen Betrieb im Tessin will ich mich auch widmen. Zudem will ich noch die Lastwagenprüfung machen, da ich auch Freude an der Technik habe. Und schliesslich möchte ich das kulturelle Angebot in Schaffhausen vermehrt nutzen und auch auf Reisen gehen, vor allem in Europa.

Eduard Looser Biografische Angaben

Geburtsdatum 17. September 1946
Ausbildung Schulen in Schaffhausen, Kantonsschule 1967 mit Primarlehrerpatent abgeschlossen. 1977 Lizenziat an der Universität Zürich in Pädagogik, Heilpädagogik und Psychologie
Berufliche Tätigkeit Verschiedene Lehrtätigkeiten, ab 2000 Leiter des Pädagogischen Seminars Schaffhausen, seit 2003 Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule
Weitere Tätigkeiten Unter anderem bis 1999 Major der Infanterie; seit 2008 Vorstand der RFZ und Präsident der Bildungskommission der RFZ
Zivilstand Verheiratet mit Franziska Looser-Weilenmann, fünf erwachsene Kinder, acht Enkel
Hobbys Familie, Lesen, Segeln, Weinbau, kulturelle sowie technische Interessen

#Notizen zu Namen

19. Januar 2010 | Gelassener Auftritt im Kreuzfeuer der Kritik

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

Kommt er wirklich? Diese Frage hat sich auf dem Weg zum Park Casino gestern wohl so manch einer gestellt, denn als Referent der Seniorenuni war Eugen Haltiner angekündigt worden: der Verwaltungsratspräsident der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, der in den letzten Tagen und Wochen heftig unter Beschuss stand. Hintergrund der Diskussionen ist die Herausgabe von UBS-Kundendaten an die amerikanische Justiz, welche das Bundesverwaltungsgericht als rechtswidrig einstufte. Von den Querelen rund um seine Person liess sich Haltiner jedoch nicht beunruhigen. Wie angekündigt, erschien er an der Seniorenuni und hielt einen überraschend entspannten Vortrag.
Thema war die Rolle der Finma in der gegenwärtigen Finanzkrise. Zunächst legte Haltiner dar, welches Gewicht der Finanzsektor in der Schweizer Wirtschaft habe, um dann zu erklären, dass sich der Finanzbereich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt habe. «Nicht oder schwach regulierte Bereiche haben immer mehr an Bedeutung gewonnen, und damit haben auch die Intransparenz und die Komplexität zugenommen.» Dem müsse man sich stellen. Die Aufgabe der Finma sei es, die Banken und Versicherungen zu überwachen, zu kontrollieren und wenn nötig einzugreifen. Dabei müsse die Finma sowohl die Individuen als auch das System schützen. «Die Datenherausgabe an die USA liegt genau in diesem Spannungsfeld», sagte Haltiner. Letztlich habe die Finma abwägen müssen, ob sie jene rund 250 Personen schützen solle, deren Daten herausgegeben werden sollten, oder ob man lieber Milliarden von Verlusten in Kauf nehmen wolle, die ein Konkurs der UBS zur Folge gehabt hätte. «Und eine Anklage der amerikanischen Justiz hat noch kein Unternehmen überlebt.» Daher sei die Entscheidung klar zugunsten der Herausgabe der Daten ausgefallen, und man sei auch davon ausgegangen, dass die Sache rechtens sei. Das Referat war zweifellos interessant, trotzdem waren wohl viele Besucher gerade wegen der anschliessenden Fragerunde gekommen, und Haltiner beantwortete die Publikumsfragen bereitwillig: «Wie kann es sein, dass die UBS dieses Jahr vier Milliarden Boni auszahlen kann?», wollte eine Frau wissen. «Natürlich hat die Bank Verluste gemacht, aber das sind Altlasten», antwortete Haltiner. Die operative Leistung sei nicht so schlecht gewesen. «Ausserdem gibt es einen Wettbewerb, und das flüchtigste Kapital sind gute Leute.» Und die seien immer noch gesucht, «der Markt ist nicht tot». Die Bank komme nicht darum herum, gute Löhne zu zahlen. «Wir dürfen den Wert der Unternehmung nicht zerstören, schon gar nicht, nachdem wir sie zweimal gerettet haben», gleichzeitig müsse man auch dem politischen Empfinden Rechnung tragen. «Das ist eine Gratwanderung.» Ein Mann wollte wissen, ob der Schweizer Finanzplatz eine Zukunft habe, «auch ohne dreckige Geschäfte». «Dank unseren Qualitäten werden wir im Finanzverwaltungsgeschäft immer überdurchschnittlich sein, wenn wir ihm Sorge tragen», zeigte sich Haltiner überzeugt.


Nachgefragt Eugen Haltiner, Verwaltungsratspräsident der Finma

**«Wir haben gemacht, was unsere Aufgabe ist»**

Nach dem Referat sprachen wir mit Eugen Haltiner über Bauernopfer, gewagte Äusserungen und notwendige regulatorische Massnahmen.

*Die UBS hat gegen amerikanisches Recht verstossen, und der Bundesrat hat die heikle Aufgabe, die Kundendaten herauszugeben, der Finma überlassen. Nun müssen Sie für alles den Kopf hinhalten …*
Eugen Haltiner: Ich fühle mich nicht als Bauernopfer. Wir haben gemacht, was unsere Aufgabe ist. Rückblickend kann ich sagen, dass wir die Daten nicht hätten herausgeben müssen, wenn der Bundesrat das Notrecht ergriffen hätte. Die Hauptsache ist aber, dass wir das Ziel erreicht haben, dass wir den Kollaps vermeiden konnten. Und auch wenn der Bundesrat Notrecht ergriffen hätte, änderte das nichts an der Tatsache, dass in Umgehung des Amtshilfeverfahrens Daten herausgegeben worden wären.

*Wie das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, war die Herausgabe der Kundendaten rechtswidrig, trotzdem haben Sie auch heute betont, dass Sie es wieder tun würden …*
Es geht mir darum, Verständnis dafür zu schaffen, dass in der damaligen Situation kein anderer Entscheid möglich war, auch wenn man jetzt festgestellt hat, dass es keine genügende Rechtsgrundlage dafür gegeben hat. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich wieder so handeln würde, wenn es nochmals zu einem solchen Fall käme. Das Beispiel zeigt aber, dass eine Gesetzesrevision im Bankengesetz nötig ist, das den Behörden mehr Flexibilität gibt, um in Krisensituationen zügig und effizient zu handeln.

*Kommt die UBS in der ganzen Sache nicht zu glimpflich davon?*
Wenn es straf- oder zivilrechtliche Klagemöglichkeiten gäbe, würde man sie ergreifen. Wir müssten strafrechtlich aktiv werden, aber wir haben keinen strafrechtlichen Tatbestand, der von Belang ist.

*Die CS und die UBS sind noch immer «too big to fail». Wie sieht es hier mit regulatorischen Massnahmen aus?*
Die stabilitätsfördernden Schritte haben wir in Angriff genommen. Im Bereich von Eigenkapital- und Liquiditätsbestimmungen müssen deutlich höhere Anforderungen gestellt werden. Wir wollen eine Situation schaffen, in der wir entscheiden können, ob wir ein Unternehmen kollabieren lassen oder nicht. Wenn man beispielsweise das Schweizer Geschäft einer Bank als eigene Gesellschaft isolieren könnte, dann könnte man es bei einem Kollaps herauslösen, an einen Dritten verkaufen und den Rest kollabieren lassen. Die Nationalbank und wir arbeiten derzeit solche Vorschläge aus.

Interview Jan Hudec

#Aktivitas

8. Januar 2010 | Neue Umfrage!

Auf der Startseite rechts unten oder [hier](https://www.scaphusia.ch/umfragen/2010/01/07/die-gebrueder-brunger-fesch-und-mezzo-sind-laut-der-umfrage-vom-26-11-09-die-groessten-wildsauen-innerhalb-der-scaphusia-zur-ehrung-sollen/) findet Ihr die neue Umfrage.

#Allgemeines

15. Dezember 2009 | Der Falke trägt eine positive Botschaft

Schaffhauser Bock, Letzte
Ursula Litmanowitsch

Die Generalversammlung der Brauerei Falken AG im Park Casino am Freitagabend war wie gewohnt ein Höhepunkt im Schaffhauser Gesellschaftsleben. Jeder kennt zwar jeden, aber jeder trifft an der Falken-GV auch stets jemanden, den er das Jahr über aus den Augen verloren glaubte.
Es war der Abend des entspannten Smalltalks und des intensiven Netzwerkens. «Ein Bier mit dir» geriet zur willkommenen Maxime des Anlasses, an dem die gesanglichen Wogen hochgingen, als Falken-CEO und VR Philipp Moersen höchstpersönlich das Traditionslied «Schützenliesel, dreimal hats gekracht» anstimmte. Wobei alle im Saal dann überaus bierselig mitsangen, mitsummten, -krächzten, -wimmerten, -grölten. Und, je nach Verfassung, lupenrein oder kreuzfalsch intonierten. Je nachdem, wie viel Lager, Edelfalke, ZwoAcht, First Cool, Munot-Weizen, Prinz, Zwickel oder Eidgenoss die Sangesfreudigen intus hatten.
Die diesjährige Falken-GV konnte erneut eine Rekordteilnahme der Aktionäre verzeichnen. 290 Aktionäre vertraten 2660 Aktienstimmen. Die AktionärInnen genehmigten die Jahresrechnung 2008/ 2009, welche einen Gewinn von 312?000 Franken ausweist. Zudem werden 150000 Franken in Dividenden ausgeschüttet. Für eine Aktie erhält ein Aktionär also netto 32.50 Franken.
In seiner Ansprache orientierte Verwaltungsratspräsident Dr. Jürg P. Spahn, dass sich die Falken AG in der Wirtschaftskrise gut behaupten konnte, sich aber dem weltweit rückläufigen Absatz nicht zu entziehen vermochte. Es zahle sich indes aus, dass die Brauerei ihre Strukturen überarbeitet und gestrafft habe. Trotz schwieriger Marktverhältnisse hat die Falken AG in die Technik investiert, um den hohen Stand zu wahren.
Weiter orientierte Spahn, dass der bis­herige Verkaufs- und Marketingleiter, Markus Höfler, die Geschäftsleitung im Bereich Getränke übernimmt. Geschäftsleiter der Geschäftsbereiche Immobilien und Finanzanlagen bleibt Philipp Moersen. Für den verstorbenen Verwaltungsrat Dr. Henri Christin gab es eine Schweigeminute.
Nach einem eindrücklichen Film über die Tante JU, welche seit Kurzem als «Falke» in die Lüfte steigt, gab VR-Präsident Spahn seine akkurat gereimten Vierzeiler zum Besten. Da hiess es etwa: «Falken Bier steht punkto Kraft, über jedem andern Saft. Selbst Viren und Bazillen, lassen sich mit Falken killen.» Dann ging es zum traditionellen Ochsenmaulsalat, gefolgt von einer kalten Platte und Käseplatte, über.

#Allgemeines

12. Dezember 2009 | Geistesriese mit bacchantischen Zügen

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Martin Schweizer

Unter seiner Federführung war die in Zürich redigierte und gedruckte «Tat» eine Zeitung mit Niveau, eine Qualitätszeitung, wie man heute sagt. Das der Migros und dem Landesring der Unabhängigen nahestehende Blatt erschien jeweils am Abend, und überliefert ist, dass der in mehrfacher Beziehung recht unkonventionelle Chefredaktor Erwin Jaeckle seine Leitartikel mitunter von Stein am Rhein aus direkt seiner Sekretärin ins Telefon diktierte.

**Erfolgloser Aufruf**
Die 1935 gegründete Zeitung und das während langer Zeit im ganzen deutschsprachigen Raum hochgeschätzte Feuilleton, die «Literarische Tat», gibt es längst nicht mehr; auch ein 1977 in letzter Minute von prominenten Persönlichkeiten wie Traugott Wahlen, Hans Peter Tschudi, Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, den Schriftstellern Alfred A. Häsler und Ernst Jünger lancierter Aufruf zur Rettung der «Literarischen Tat» fruchtete nichts. Nach einem episodischen und boulevardesken Auftritt des späteren Medienpioniers Roger Schawinski und einem Streik der Redaktoren wurde das Blatt 1978 eingestellt.

**Von der Bildfläche verschwunden**
Auch der Landesring der Unabhängigen verschwand von der Bildfläche und ist, wenn überhaupt, jüngeren Leuten kaum noch geläufig – die oft umstrittene, aber kämpferische Partei des legendären und streitbaren Migros-Genossenschaft-Gründers Gottlieb Duttweiler wurde in jenen Kantonen, wo die Bewegung denn aktiv war, sukzessive und Ende der neunziger Jahre auf nationaler Ebene ganz aufgelöst.

**Herausragende Persönlichkeit**
Erwin Jaeckle, geboren 1909 in Zürich, starb in hohem Alter, 88-jährig, am 2. Oktober 1997. Nun hätte er seinen 100. Geburtstag begehen können, doch der Anlass schien praktisch niemandem bedenkenwert. Sein ehedem klangvoller Namen scheint inzwischen in Vergessenheit geraten zu sein, und es ist wenig wahrscheinlich, dass er in der breiten Öffentlichkeit noch ein Begriff ist. Dabei gehörte Jaeckle während Jahrzehnten zu den herausragenden Persönlichkeiten der Deutschschweiz – politisch, literarisch. Jaeckle war ein leidenschaftlicher Dichter, Denker, ein Philosoph mit unerhört reichem Wissen, ein engagierter Politiker mit eidgenössischem Mandat und ein Zeitungsmann von grossem Charisma. Wer ihn kannte, achtete ihn, schaute, zumal als junger Schnösel, bewundernd an ihm hoch und beneidete ihn wohl auch um seine enorme Produktivität, seine Belesenheit und seine Schlagfertigkeit.

**Breites Spektrum**
In einer 60 Seiten umfassenden und kürzlich erschienenen Broschüre zum 100. Geburtstag führt der Historiker Pirmin Meier aufgrund auch von Gesprächen mit der in Zürich Witikon lebenden Witwe Annebeth Jaeckle-Treadwell nicht weniger als 100 Titel auf, philosophische, kultur- und religionsgeschichtliche Werke, aber auch Dutzende Gedichtbändchen – eine geradezu bombastische Fülle von Publikationen, die selbst für kulturbeflissene Büchernarren nur schwer überschaubar und verkraftbar ist; Pirmin Meier spricht von einer «Hyperaktivität» Jaeckles; auch treue Leser, meint er, hätten bei diesem «Überschwang den Anschluss oft nicht mehr gefunden».

**In dünner Luft**
Jaeckle, der «in der Blütezeit des Zürcher Feuilletons zusammen mit Werner Weber diesem die Richtung gezeigt hatte», bewegte sich nach Ansicht Meiers vor allem in seinem Spätwerk «von Tag zu Tag in dünnerer Luft». Der Geistesriese mit durchaus bacchantischen Zügen habe als «Einsamer in den Wind gesprochen» – eine Schlussfolgerung, die man in dieser Rigorosität nicht unbedingt teilen muss, doch unbestreitbar ist: Die «Droge seines Lebens» war, sagt Meier zu Recht, «nebst Begeisterungsfähigkeit die Arbeit».

**Verlockender Zauber**
Der Historiker erinnert in diesem Zusammenhang auch an ein ganz anderes Thema, an Jaeckles im Benziger Verlag erschienenes Buch «Dichter und Droge». Nach dem Vorbild von Albert Hofmann und im Beisein von Ernst Jünger unternahm er in Stein am Rhein im Dezember 1966 einige Selbstversuche mit LSD – mit am Ende eindeutigem Befund. «Die Drogenzauber», konstatierte er, «muten verlockend an», doch seien «entscheidende Phänomene ernüchternd». Auch Hofmann wisse, dass das «Drogenerlebnis nicht mehr zu Tage bringt, als vorgegeben ist». Und, mit Seitenblick auf Baudelaire: «Die Magie entzündet falsches Licht», wogegen Dichter und Philosophen ihre «Seele durch andauernde Arbeit und Kontemplation» erneuerten.

**Jahrelang Gast im «Ochsen»**
Teile seines mehrere tausend Seiten umfassenden Monumentalwerkes entstanden ab Mitte der sechziger Jahre in Stein am Rhein, im ehrwürdigen «Roten Ochsen» am Steiner Rathausplatz, wo Jaeckle von Hausbesitzer Oscar Wanner eine gediegene «Schreibklause» mieten konnte und wo der Chefredaktor meist am Wochenende schriftstellerisch tätig war. Abends dislozierte Jaeckle jeweils in die unteren Gemächer, in die heimelige Weinstube und an den für seine überschäumende Geselligkeit bekannten Stammtisch des «Ochsen». Viel Lokalprominenz traf sich dort, darunter, unvergesslich, auch Ständerat Koni Graf.

**Lesungen im «Rehbock»**
So oft es ging, nahm Erwin Jaeckle in Stein am Rhein auch teil an den seinerzeit von Jochen Greven in der Galerie Rehbock initiierten literarischen Lesungen; lebhafte und sich oft spontan entwickelnde Debatten von Husserl bis Celan fanden in dieser von Eric Bührer geleiteten Galerie statt. Seine Verbundenheit zu Stein am Rhein unterstrich Jaeckle ausserdem an seinem 60. Geburtstag, den er auf der Burg Hohenklingen feierte.

**Legendäre «Freitagsrunde»**
Etwas anspruchsvoller als der Treffpunkt im «Ochsen» war damals die berühmte Zürcher «Freitagsrunde», zu der neben Jaeckle Literaturkritiker Max Rychner, Manesse-Verleger Walter Meier, Robert Faesi, Emil Staiger, Werner Weber und Schriftsteller wie Joseph Breitbach und Alexander Xaver Gwerder zählten. Man traf sich im Cafe Odeon zu einem «anregenden, in der Regel strukturierten Gespräch». Nachher wechselte man in die «Kronenhalle» und im Sommer in einen nahegelegenen Landgasthof.
Erwin Jaeckle war ein unabhängiger, zu keiner kriecherischen Haltung fähiger Kopf, was er auch während des Aktivdienstes unter Beweis stellte; er gehörte zu jenen Offizieren des «Gotthardbundes», die sich für einen bedingungslosen Widerstand, notfalls auch gegen den Bundesrat, ausgesprochen hatten. Pirmin Meier verweist zudem auf die Standfestigkeit Jaeckles gegenüber Duttweiler; es gab da offenbar manchen Krach zwischen dem MigrosGründer und dem von «Dutti» 1942 persönlich eingesetzten Chefredaktor – eine «Prawda des Landesrings» war die «Tat» aber nie; Jaeckle hielt die redaktionellen Zügel fest in der Hand und liess sich zeit seines Lebens «aus Überzeugung vom Geist der Widerrede» beseelen.
Auch als sich Gottlieb Duttweiler 1948 im Bundeshaus mit einem Steinwurf fragwürdig in Szene setzte, mochte ihm Jaeckle nicht zu folgen, wie Meier in seiner verdienstvollen Betrachtung* festhält. Der Chefredaktor der «Tat» schritt nicht unüberlegt zur Tat, war vielmehr ein Mann des Wortes und ein begnadeter Rhetoriker, wie es «solche in der Geschichte des eidgenössischen Parlaments nicht oft gegeben hat». Im Nationalrat sprach er immer ohne Manuskript, seine Erfahrungen mit der Kunst der freien Rede kann man auch in einem «Knigge für Parlamentarier» nachlesen.

“Erwin Jaeckle, «Lerne das Leben und lebe das Lernen» von Pirmin Meier, herausgegeben von der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur, Bergstrasse 22, 8044 Zürich.


**Dichter und Philosoph**
In der Nachfolge Goethes
Stationen Der schriftstellerische Nachlass von Erwin Jaeckle befindet sich im schweizerischen Literaturarchiv, das sein Wirken unter anderem so umschreibt: Erwin Jaeckle (1909-1997), promovierter Germanist, langjähriger Chefredaktor der «Tat» und Politiker des Landesrings der Unabhängigen, hat ein vielbändiges Werk geschaffen. Seine Schriften versteht er als Elemente einer «Pansophie», sein Anliegen als disziplin- und kulturüberschreitende Weltwahrnehmung in der Nachfolge Goethes, Novalis’ und Rudolf Pannwitz’ (1881-1969). Literarisch betätigte sich Jaeckle vor allem als Lyriker.


Gemütlich anno 1978 bei einem Glas Roten im «Roten Ochsen» in Stein am Rhein, von links nach rechts Hausbesitzer Oscar Wanner, Chefredaktor Erwin Jaeckle und alt Stadtpräsident Arnold Bächtold. Stehend die damals neue Wirtin der Weinstube, die aus dem Simmental stammende Verena Weissmüller.
Archivbild B. + E. Bührer

#Allgemeines

12. Dezember 2009 | «Die Brauerei steht für Qualität und Genuss»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Walter Joos

Der schweizerische Biermarkt erweist sich trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage und des weltweit rückläufigen Bierabsatzes als erstaunlich stabil. Dies stellte Jürg P. Spahn gestern zu Beginn der Generalversammlung der Brauerei Falken AG im Park Casino in Schaffhausen fest. Der seit Jahren anhaltende Kampf um Marktanteile zwischen den inländischen und den ausländischen Bieren sowie zwischen den Marktführern und den kleineren Brauereien setzt sich jedoch in unverminderter Härte for. Erfreulicherweise konnte sich die Brauerei Falken als mittelgrosses, eigenständiges und regional verwurzeltes Unternehmen einmal mehr mit Erfolg behaupten.

**Ertragskraft erneut verbessert**
Die Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen sanken zwar laut dem von Philipp Moersen, Vizepräsident des Verwaltungsrates und Mitglied der Geschäftsleitung, erläuterten Geschäftsbericht zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 30. September 2009 um rund 2.3 Prozent auf 221.84 Millionen Franken. Gleichzeitig stieg jedoch der Gewinn um 7.4 Prozent auf 312 354 Franken. Dazu bedurfte es laut Jürg P. Spahn allerdings besonderer Anstrengungen. So wurden die Strukturen weiter gestrafft, die Kostendisziplin verstärkt und die Produktionsanlagen dem neusten Stand der Technik angepasst. «Die Brauerei steht für Qualität und Genuss», betonte der Prasident des Verwaltungsrates. Zudem komme im Unternehmen stets die Marge vor der Menge. Der Brauerei sei es in den letzten Jahren zudem gelungen, ihr Absatzgebiet schrittweise zu erweitern. Diese Chance gelte es auch in den kommenden Jahren zu nutzen. Dazu sei die Brauerei gut aufgestellt, betonte Jürg P. Spahn.

**Neue Aufteilung der Verantwortung**
In personeller Hinsicht hatte die Brauerei im vergangenen Geschäftsjahr vom Tod ihres früheren Verwaltungsrates Henri Christin Kenntnis zu nehmen. Der Verstorbene gehörte dem Aufsichtsorgan des Unternehmens bis 1995 an. Der Verwaltungsrat beschloss im weiteren, den Geschäftsbereich Getränke im Sinne eines ersten Schrittes zur Regelung der Nachfolge und Entlastung von Philipp Moersen dem bisherigen Leiter für Markiting und Verkauf Markus Höfler, zu übertragen. Philipp Moersen bleibt als Mitglied der Geschäftsleitung für die Bereiche Immobilien und Finanzen verantwortlich. Oskar Dommen gehört der Geschäftsleitung weiterhin als Braumeister an. Der Geschäftsbericht und die Jahresrechnung wurden von den 290 anwesenden Aktionärinnen und Aktionären einstimmig genehmigt. Die Kapitalgeber gewährten dem Verwaltungsrat zudem die beantragte Entlastung und stimmten auch der Ausschüttung einer gegenüber dem Vorjahr unveränderten Dividende von zehn Prozent mit überwältigendem Mehr zu.

**Ein echter Falke gehört in die Lüfte**
Zum Abschluss des geschäftlichen Teils der Versammlung präsentierte Jürg P. Spahn den Teilnehmern der Generalversammlung einen unterhaltsamen Film über einen Ausflug der Belegschaft mit einer mit den Falken-Emblemen verzierten Junkers Ju 52. Er ergänzte die Vorführung mit einem wie immer – in gereimte Verse gegossenen launigen Kommentar.

Brauerei Falken: Jahreskennzahlen 2008/09

in Mio. Franken 08/09 07/08
Nettoerlöse 23.97 22.81
Jahresgewinn 0.31 0.29
Umlaufvermögen 5.96 00
Anlagevermögen 11.77 12.43
Fremdkapital 13.68 14.04
Eigenkapital 4.05 3.89
Rückstellungen 9.55 8.17
Flüssige Mittel 0.37 0.36
Personalaufwand 5.73 5.61
Dividende pro Aktie (in Fr.) 50 50
#Notizen zu Namen

8. Dezember 2009 | “Keine Euphorie, aber vorsichtiger Optimismus”

Schaffhauser Bock
Markus Bührer

Wenn die Scaphusia im Rahmen der Spefuxenwerbung zum öffentlichen Vortrag einlädt, folgt der Ablauf den Ritualen der 151-jährigen Traditionsverbindung. Da wird zuerst der älteste anwesende Alte Herr begrüsst (Dr. Peter Uehlinger v/o Igel, Staatsschreiber a. D.), der am weitesten angereiste Anwesende, Gäste befreundeter Verbindungen im Rahmen der Netzwerkpflege und schliesslich der Referent selbst, Dr. oec. publ. Erich Spörndli v/o Flohn, aktiv 1959–1961 – alles locker und eloquent durchgezogen vom langjährigen Zürcher Nationalrat Dr. Michael E. Dreher v/o Aal.
«Die Finanzmarktkrise, die im Sommer 2007 einsetzte, hält uns mit ihren Auswirkungen immer noch in Atem», leitete Erich Spörndli sein Referat ein. Der Scaphusianer beleuchtete im vollen Saal des Restaurants Falken vor Farbenbrüdern und Gästen die Rolle der Nationalbank in der Finanzkrise. Kann die «SNB» der Krise überhaupt entgegenwirken? Hat sie sich mit ihrem Beitrag zur Rettung der UBS übernommen? Und besteht die Gefahr eines Teuerungsschubes? Mit erwartungsgemäss grosser Sachkompetenz, aber trotzdem in verständlichen Worten erläuterte der Ökonom volkswirtschaftliche Zusammenhänge und die Funktionen der Nationalbank.
Anschaulich erklärte Erich Spörndli, wie die Krise im Immobilienmarkt der USA ihren Anfang nahm. Hypotheken waren an Schuldner gewährt worden, welche sich diese eigentlich nicht leisten konnten. Steigende Zinssätze und sinkende Häuserpreise führten zum Kollaps, als die Zinsen für die Hypotheken und dann diese selbst nicht mehr zurückbezahlt werden konnten. Da Hypotheken in den USA gehandelt werden können, wurden viele Wertschriftenpakete mit teils zweifelhaften Hypotheken – den «subprimes» – vermeintlich abgesichert.
Diese Pakete wurden weltweit vermarktet und förderten die Ausweitung der US-Hypothekarkrise zur weltweiten Finanzmarktkrise. Die Rating-Agenturen waren dafür mitverantwortlich, da sie den die Wertschriften ausgebenden Investmentbanken Seriosität der Anlagen (AAA-rating) bescheinigten.

Worin besteht nun aber die Rolle der «SNB» in dieser Krise? Da das Vertrauen unter den Banken bis Ende 2007 so stark gesunken war, dass sie einander kaum noch Kredite gaben, erhielten die Schweizer Banken zu akzeptablen Bedingungen nicht mehr ausreichend US-Dollars auf dem Geldmarkt. Die Nationalbank beschaffte deshalb Dollars durch sogenannte Swap-Geschäfte, das heisst sie erhielt von der amerikanischen Zentralbank Fed Dollars, deren Gegenwert wiederum dem Fed in Schweizer Franken gutgeschrieben wurde. Gegen Hinterlegung von Wertschriften konnten die Schweizer Banken dann bei der SNB Dollars beziehen. Dass Zentralbanken solche Swap-Geschäfte abschliessen, sei aussergewöhnliche, Massnahme, so der Referent. Im Normalfall gewährten Notenbanken den Banken nur flüssige Mittel in eigener Währung.
Auch der «Fall UBS» wurde von Spörndli zur Sprache gebracht. Um die Bilanz der UBS zu entlasten und damit einem möglichen Zusammenbruch vorzubeugen, habe sich die Nationalbank erklärt, der UBS Wertschriften im Wert von bis zu 54 Milliarden US-Dollar abzukaufen. Zum Zeitpunkt der Übergabe habe sich die Lage aber bereits so weit gebessert, dass «nur» Papiere von rund 39 Milliarden Dollar übernommen wurden. Der darauf entstandene Wertverlust von 4.5 Milliarden werde vorderhand durch eine Garantie der UBS gedeckt. Die Nationalbank habe sich mit diesem Engagement nicht übernommen, stellte Spörndli fest – Risiken seien dennoch vorhanden. Doch die UBS hätte man einfach retten müssen, da ein Untergang die schweizerische Volkswirtschaft stark geschädigt hätte.
Bekanntlich stürzte aber nicht nur der Finanzmarkt, sondern die allgemeine Wirtschaft ausgehend von den USA in eine Krise. Dass die schwere Rezession nicht in einem totalen Kollaps endete, sei den vereinten Bemühungen der Regierungen und Notenbanken zu verdanken. Durch eine massive Ausweitung der Geldmenge habe man den Banken mehr und billigeres Geld zur Verfügung gestellt, das sie ausleihen konnten. Wegen des Wettbewerbs der Banken untereinander seien daraufhin die Zinsen gesunken, was den Nachfragerückgang beim Export und bei den Investitionen gebremst habe. Eine Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung zeichne sich ab. Trotzdem sei Vorsicht geboten: Die Geldmenge, die sich in einem halben Jahr von 45 auf 120 Milliarden Franken beinahe verdreifacht hatte, müsse wieder reduziert werden. Ansonsten drohe eine Inflation. Die Schwierigkeit bestehe darin, diese Reduktion im richtigen Tempo voranzutreiben.

Zum Abschluss seines Vortrags wagte der Referent einen Ausblick in die Zukunft. Internationale Organisationen gingen davon aus, dass es mit der Weltwirtschaft ab 2010 wieder aufwärts gehe. Der Einbruch der Produktion könne aber nur allmählich wettgemacht werden, da die Finanzierung und Sanierung der Staatsdefizite, die in der Krise gemacht wurden, grosse Anstrengungen erfordern und den Aufschwung schwächen werden. Zu Euphorie bestehe somit kein Anlass, so Spörndli, «vorsichtiger Optimismus scheint mir aber durchaus angebracht!»
Die Diskussion am Ende des Vortrags wurde rege genutzt, wobei vorab die Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der HSG und der UZH durch interessante Voten und Fragen besonders hervorstachen. Anschliessend begaben sich die Scaphusianer eine Etage tiefer zum zweiten Akt in ihre Falkenbude, wo die Scaphusianer den fidelen Teil ihrer Anlässe seit 1912 feiern.

**Zur Person**
Erich Spörndli v/o Flohn, (*1942), Dr. oec. publ., ehem. Direktor und Stellvertreter des Vorstehers des III. Departements der Schweizerischen Nationalbank (stv. Mitglied des Direktoriums). Matura in Schaffhausen 1961, Scaphusia 1959–1961, Doktorat UZH 1971, Post-Doc John Hopkins University Baltimore 1973, Lehre und Forschung UZH bis 1975, KOF ETH «Chefökonom» bis 1988, 1989–2004 Schweizerische Nationalbank, Leiter Bereich Monetäre Operationen (Geldmarkt, Verwaltung der Währungsreserven, Goldverkäufe und Risikomanagement) und Stv. des zuständigen Direktoriumsmitglieds.


Karikatur EFH, Thema: “Ich dachte, wir wollten uns nur ein Haus kaufen.”

#Allgemeines

1. Dezember 2009 | Das Trinkhorn der Zofingia Schaffhausen von 1851

Studentica Helvetica
(Zeitschrift der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte)
25. Jahrgang / 2009, Heft Nr. 50
Paul Ehinger

Vom langjährigen Präsidenten der Altzofngia Schaffhausen, Hans D. Schoch, aktiv gewesen in der Z! Zürich und der Z! St. Gallen (Bruder von alt Ständerat Otto Schoch Z! Bern und Z! St. Gallen), bekam der Autor dieses Beitrags im Herbst 2008 eine interessante Meldung, wofür ihm herzlichst gedankt sei: Im Schaffhauser Staatsarchiv befindet sich ein Trinkhorn mit dem Standort K301_4_14_1F und der Systematik 6.212.5 «Studentenverbindungen, Burschenschaften (Umformen, Burschenschaftsinsignien usw.)»; vermutlich sollte es Uniformen heissen. Das 45 cm lange Objekt mit einem Durchmesser von 9,5 cm stammt aus dem Jahre 1851. Seine Provenienz: Mittelschulverbindung Scaphusia; es wurde von dessen AH und Archivar Ernst Alexander Rubli eingeliefert, der auch Mitglied der SVSt ist. Als Eigentümerin ist die Scaphusia Schaffhausen aufgeführt, welche das Horn dem Staatsarchiv als Depositum anvertraut hat. Als Erwerbungsdatum wird auf der Archivinventar-Kartei der 6. März 1996 angegeben.
Es handelt sich gemäss Beschreibung um ein «stark gewundenes Ochsenhorn der Scaphusia». Und weiter: «Rand mit silberner (Aussenseite) bzw. messingener Fassung (Innenseite)». Das Tragband fehlt, aber auf dem Horn ist «eine silberne Plakette mit Gravur» aufgeschraubt. Und auf dieser Gravur findet sich eine kleinere Sensation, denn darauf steht: «Der Section Schaffhausen. Die Zofinger in Bonn. 1851. D. Haas, Ph. De la Harpe, Th. Hug, Ph. Roget, R. Schinz, E. Stähelin, F. Thormann, H. Zimmer, D. Zündel.»

**Ein Geschenk von Zofingern in Bonn**
Mit anderen Worten: Es handelt sich mitnichten um ein Trinkhorn der Scaphusia Schaffhausen, sondern um ein solches der Zofingia Schaffhausen! Wir sind den Namen dieser neun Studenten, die damals an der Universität Bonn studierten, im Centralkatalog des Centralarchivs des Schweizerischen Zofingervereins/Zofingia (SZV) im Staatsarchiv Basel nachgegangen. Nur über D. Haas haben wir keine Angaben gefunden.
Philippe de La Harpe, geb. 1.4.1830 in Paudex, gest. 25.2.1882 in Lausanne, 1845-46 Belles Lettres, admittiert 18.4.1848 in der Z! Lausanne, seit 1852 Arzt in Lausanne; Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (HBLS) Bd. VII, S. 52, und Livre d’or Z! Vaud Nr. 600.
Theodor Hug, geb. 16.6.1830, gest. 1.1.1889 in Zürich, adm. in der Z! Zürich 8.5.1848, 1854 Prof. für klassische Philologie an der Kantonsschule Schaffhausen, 1871 dasselbe in Zürich, Präsident des Schweizerischen Gymnasiallehrervereins ab 1871; HBLS IV, S. 383.
Philippe Roget, geb. 28.3.1830, gest. 13.4.1892, von Genf, adm. 26.1.1848 in der Z! Genf. Zuerst Lehrer in Moudon, ab 1869 Bibliothekar in Genf, Konservator der öffentlichen Bibliothek in Genf, CBl Jg. 32 / S. 407.
Rudolf Schinz, geb. 1825, gest. 5.6.1883, adm. Juli 1845 in der Z! Zürich, Pfarrer.
Ernst Staehelin, geb. 18.10.1829, gest. 2.1.1888 in Basel, adm. 17.6.1848 in der Z! Basel, 1855-60 Pfarrer in Rheinfelden, 1860-87 in Basel, HBLS VI, S. 517, Nr. 22.
Friedrich Thormann-von Graffenried, geb. 25.10.1831, gest. 9.2.1882 in Bern, adm. 27.1.1849 in der Z! Bern, Bergwerksdirektor in Frankreich, Grossrat, HBLS VI, S. 732, Nr. 48.
Henri Zimmer, geb. 30.6.1830 in Néaux Croisettes, gest. 19.12.1898 in Aubonne, Belles Lettres 1845, adm. 28.3.1848 in der Z! Lausanne, Brigadearzt, Livre d’or Z! Vaud Nr. 613.
David Zündel, geb. 12.3.1829, gest. 19.3.1892 in Bischofszell, adm. Z! Schaffhausen am 20.6.1846, 1861-92 Pfarrer in Bischofszell-Hauptwil.

**Zofingia Schaffhausen hatte immer Keilprobleme**
Der einzige Schaffhauser in Bonn war David Zündel, aufgeführt in der Liste von 1868. (1) Man darf wohl annehmen, dass von ihm die Idee dieses Geschenks ausging, zumal er in keiner akademischen Sektion des SZV aktiv geworden war. Wie nun kam dieses wertvolle Objekt in den Besitz der Scaphusia Schaffhausen? Zuerst einige Fakten. Die Zofingia Schaffhausen wurde 1824 als Filialsektion der ältesten Sektion des SZV, der Zofingia Zürich (gegr. 1819), gegründet. Die Wirren um die Trennungen 1847 Neuzofingerverein – 1850 Helvetia – 1855 Neuzofingerverein überstand sie schadlos. Sie war aber stets mit Keilproblemen beschäftigt, so dass sie sich nur 1835-1838, 1844-1851 und 1855-1858 als eigenständige Sektion über Wasser halten konnte. 1825-1834 und 1852-1858 hatte sie den inferioren Status einer Filialsektion der Zofingia Zürich. 1839-1843 war sie suspendiert. (2) Die Mitgliederzahlen (Aktive und Neuaufnahmen) waren wie folgt: 1825 2, 1826 2, 1827 2, 1829 5, 1830 5, 18315, 1832 4, 1833 7, 1834 7, 1835 5, 1836 6, 1837 3, 1838 4, 1844 4, 1845 1, 1846 8, 1847 8, 1848 3, 1849 3, 1850 5, 1851 7, 1852 1, 1853 4, 1854 4, 1855 6, 1856 6, 1857 15 (!) und 1858 4. Das ergibt total nur 90 Mitglieder während 34 Jahren. (3)
Die Scaphusia setzt ihr Stiftungsdatum auf den 24. Septembert 1858 an, also genau in jenem Jahr, als die Z! Schaffhausen ihren Betrieb infolge eines neuen Schulgesetzes einstellen musste. Die Frage ist naheliegend: Hat es einen Konnex zwischen der Zofingia und der Scaphusia gegeben? Einen Konnex in Analogie zur Zofingia Aarau – Helvetia Aarau – Argovia Aarau oder zur Zofingia Solothurn – Wengia Solothurn? Die Hypothese ist nicht abwegig, dass AHAH der Zofingia Schaffhausen Beziehungen zur Scaphusia Schaffhausen hatten und auf diesem Weg das Trinkhorn zu den Scaphusern gelangte.

**Ein Blick in die scaphusianische Historiographie**
Doch ein Blick in die Verbindungsgeschichten der Schaffhauser Pennalie verläuft eher enttäuschend. Auf der Homepage lesen wir denselben Artikel wie im Wikipedia-Lexikon: «Im Umfeld der entstehenden Gymnasialvereine, die sich immer mehr zu Verbindungen entwickelten, wurde die Scaphusia als vierter Verein dieser Art am 24. September 1858 von Hermann Freuler sowie vier weiteren Kommilitonen gegründet. Lautete die Devise in den frühen Jahren noch ‹litteris et amicitiae et patriae›, so strich man Ende des vorletzten Jahrhunderts die vaterländische Komponente und verkürzte die Devise zur heutigen Form ‹litteris et amicitiae›. Als Zeichen der vaterländischen Gesinnung waren die Farben oder Couleur der Scaphusia anfänglich Rot und Weiss. … 1861 wurden dann nach dem Vorbild der Gymnasia Turicensis und anderer Gymnasialvereine die blau-weiss-blauen Farben eingeführt, die die Scaphusianer noch heute tragen.»
Am ergiebigsten ist die Lektüre der Scaphuser-Geschichte von 1908. Da lesen wir, dass die erste Sitzung der neugegründeten Pennalverbindung den Beschluss fasste, «Bänder und Cerevismützen der Zofingia zu beschaffen». (4) Für das Jahr 1861 wird der Wechsel der Bänder vermerkt, «nur die Mützen blieben noch weiss». (5) Im selben Jahr gab es offenbar Bestrebungen des SZV, «die Scaphusia für sich zu retten»; doch die Anstrengungen waren vergeblich, «aus derselben eine Sektion Schaffhausen zu bilden». Von der Zofingia wurde vermutlich der Status hospes perpetui für ausländische Mitglieder übernommen. (6) Erst Mitte März 1865 wurden die weissen durch hellblaue Mützen ersetzt. (7)
Je weiter sich die Verbindung von ihrem Gründungsdatum entfernte, desto mehr wurde der Konnex zur Zofingia Schaffhausen verschüttet. Die am ehesten wissenschaftlichen Kriterien genügende und auch brillant formulierte Geschichte der Scaphusia, die aus der Feder des Historikers Kurt Bächtold stammt, genügt sich mit der lapidaren Feststellung: «Zofingia und Ritterzirkel dürfen als Vorläufer der Scaphusia betrachtet werden.» (8) Dann aber wird vom SZV nichts mehr berichtet. Leider weisen alle Beiträge zur Schaffhauser Verbindung kein Quellen- oder Literaturverzeichnis auf. Die Archivalien, die offenbar ziemlich vollständig im Kantonsarchiv Schaffhausen lagern, müssten also noch genauer konsultiert werden. Ihr Archivar Ernst A. Rubli verneint aber auf entsprechende Fragen jeglichen Konnex zwischen den beiden Verbindungen.
Man kommt nicht um den Eindruck eines immer wieder vorkommenden Beispiels einer Form verbindungsspezifischen «Gärtlidenkens» herum. Aufmerksamkeit hätten doch die ersten Farben Rot-Weiss und die erste Devise «litteris et amicitiae et patriae» der Scaphusia erheischt. Müsste man sich nicht fragen, woher diese Farben und diese Devise stammten? Es sind nämlich die Farben und die Devise der Zofingia. Neben dem «Gärtlidenken» mögen auch intercorporative Aversionen eine Rolle gespielt haben. Die Scaphusia gilt nicht gerade als Nachwuchsverbindung der Zofingia, wenn es auch immer wieder Zweibänderleute gibt. Ansonsten wechseln die Scaphuser, wenn überhaupt, an den Hochschulen eher zu den schlagenden Corporationen, in Zürich zuweilen zu den Singstudenten.
In der Sekundärliteratur über das Verbindungswesen bzw. die Bildungsgeschichte Schaffhausens stösst man auf die Arbeit «Meine Schulerinnerungen» von Carl August Bächtold, die er 1908 im Historisch-Antiquarischen Verein Schaffhausen vorgetragen hat und die er im Schaffhauser Intelligenzblatt 1918 / Nr. 80-93 publizierte (auch als SA erschienen). (9) Carl August Bächtold wurde am 4. Mai 1855 bei der Rekonstitution der Z! Schaffhausen admittiert. In seinen Erinnerungen haben wir einen wichtigen Hinweis auf einen allfälligen Übergang von der Zofingia zur Scaphusia gefunden: «Im Winter diente der Teil vom Obertor bis zum Mühlenthor als Schlittbahn, wo sich der Studio mit der weissen und bald blauen Kappe mit den höheren Töchtern zu diesem Wintervergnügen einfand.» (10) Und auf der gleichen Seite etwas weiter unten: «Von der weissen und bald blauen Kappe habe ich soeben geredet. Wir hatten nämlich damals die Zofingia hier. Die Sektion war am Aussterben; ich weiss nicht mehr, wer der letzte Sprössling war. Ich glaube Wilhelm Steiger, der spätere Dr. med. (11) Von ihm übernahm Joh. Meyer Archiv und Insignien.» (12)
Bächtold schildert dann das Leben der Zofingia Schaffhausen mit neun Mitgliedern. Dabei erwähnt er ein Trinkhorn: «Unsere heimischen Feste waren einfach; man machte einen Umzug im Cerevis und mit dem Trinkhorn, die ersten Studentenlieder durch die Gassen schmetternd, holte ein Fässchen Bier und trank es aus im Vereinslokal.» (13) Und dann die interessante Passage: «Nur einmal, als der eben entstandene jüngere sog. Gymnasialverein uns mit verschiedenen Flaschen Nusswasser besuchte, und wir ehrenhalber gezwungen waren, unsere höhere Würde und grössere Leistungsfähigkeit zu dokumentieren, geschah es», dass der Kantonsschüler mit einem Rausch nach Hause zurückkehrte. Hier wird klar: Es gab Kontakte zwischen Zofingern und Scaphusianern. Vermutlich erhielt Johann Meyer zusammen mit dem Archiv auch das Trinkhorn, was umso wahrscheinlicher sein dürfte, da er selber Staatsarchivar war.
Bächtold schloss im April 1856 ab, «der grosse Zeitpunkt, wo die Metamorphose in den Vollblutstudenten vor sich gehen sollte». Er zog dann zum Studium nach Basel, wo er am 9. Mai 1856 in der Z! Basel aktiv wurde, sie dann aber im September des gleichen Jahres verliess «wegen Mangel an Zeit und moralischen Skrupeln». Nach dem Studium der Theologie war er Pfarrer, 1862-69 in Gächingen und dann in der Kantonshauptstadt. 1903 erhielt er den Dr. h.c. der Uni Zürich. (14)

**«Ein organischer Zusammenhang»**
Am klarsten hat Emil Walter, Neunkirch, in seiner Chronik des 1911 gegründeten Schaffhauser Altzofinger-Verbandes auf die zofingerischen Wurzeln der Scaphusia hingewiesen. (15) Durch die Einführung des neuen Schulgesetzes wurde der SZV in Schaffhausen «nach und nach ein sterbendes Gebilde, indem er nicht mehr als Hochschulverbindung gelten durfte». Wohl habe die Sektion am Rheinfall eine Zeit lang bis zur Gründung der Scaphusia vegetiert, aber dann war Schluss: «Indem die ersten Mitglieder dieses neuen Gymnasialvereins sich die weissen Mützen der untergegangenen Zofingia beschafften und trugen, die 1865 durch die blauen Mützen ersetzt wurden, indem sie von den Zofingern die Devise ‹litteris et amicitiae› übernommen hatten, bestand zwischen den beiden Verbindungen ein organischer Zusammenhang. Es war im Grunde ein Wechsel von ‹rot-weiss-rot› in ‹blau-weiss-blau›, eine Wachtablösung mit Namensänderung, während Ziel und Bestrebungen die gleichen blieben.»
Emil Walter fügt dann noch an, dass es gelegentlich Scaphusianer gab, die an der Hochschule in eine Sektion des SZV eintraten, so etwa stud. med. Ernst Moser, der spätere Spitalarzt, «dessen Scaphusianer- und Zofingerherz bis ins hohe Alter nie erkaltete». Er war es dann auch, der 1911 die Altzofingia Schaffhausen ins Leben rief, zuerst nur mit einem regelmässigen Abendschoppen. Immerhin entsprossen der Z! Schaffhausen einige berühmte Persönlichkeiten, so die zwei Stadtpräsidenten Heinrich Ammann, auch National- und Ständerat, und Hans von Ziegler, ebenfalls Ständerat, im Weiteren Johann Georg Oschwald, Ständerat, Wilhelm Joos, Nationalrat, Johann Jakob Blumer, Bundesrichter und Ständerat, sowie Friedrich von Tschudy, Regierungsrat und Ständerat. (16)
Als Hans D. Schoch das Trinkhorn entdeckte, war sein erster Gedanke: «Dieses gehört uns und wir müssen darnach trachten, dass es wieder in unseren Besitz zurückgelangt.» Auch Prof. Dr. Christian Sauter, aktiv Munot Schaffhausen und dann Z! Zürich, hegte solche Gedanken. Doch davon wurde ihnen abgeraten. Hauptsache dürfte wohl die Tatsache sein, dass das Trinkhorn nicht der Scaphusia, sondern eigentlich der Zofingia gehört! Es wäre sicherlich wertvoll, die Archivalien der Scaphusia im Hinblick auf unsere Hypothese noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie dem auch sei: Hans D. Schoch liess das wertvolle Objekt auf eigene Kosten restaurieren. Zur feierlichen Übergabe trafen sich eine Delegation der Zofingia Schaffhausen und der Scaphusia in Stetten, worüber der nachfolgende Anhang informiert.


1 Vgl. Catalogue des membres des sections de Fribourg en Brisgau, Schaffhouse, Aarau, Sion, Schwytz, Lausanne 1868, hier S. 5, 1848 / Nr. 3.
2 Vgl. Der Schweizerische Zofingerverein 1819-1969, Bern 1969, S. 403.
3 Diese Angaben zusammengestellt aus dem Catalogue des membres des sections de Fribourg en Brisgau, Schaffhouse, Aarau, Sion, Schwytz, Lausanne 1868.
4 C. Rüegg: Zum 50jährigen Stiftungsfest der Scaphusia, Schaffhausen 1908, S. 3.
5 Ebd., S. 5.
6 Ebd., S. 6.
7 Ebd., S. 8; laut Ernst A. Rubli sollen die weissen Mützen billiger gewesen sein, weshalb sie fast sechs Jahre lang getragen worden seien.
8 Kurt Bächtold: 100 Jahre Scaphusia 1858-1958, Schaffhausen 1958, S. 9. In den beiden anderen Werke zum 75-jährigen (von Rolf Henne) und zum 125-jährigen Jubiläum (hg. von Kurt Bächtold) sind keine Vermerke betreffend Zofingia vorhanden.
9 Carl August Bächtold (geb. 15.2. 1838 in Merishausen, gest. 5.2. 1921 in Schaffhausen) figuriert nicht in der Liste.
Anm. 1, wohl aber unter dem Namen August Brächtold (1855 / Nr. l), also falsch geschrieben.
10 C. A, Bächtold, Meine Schulerinnerungen, zuerst erschienen im Schaffhauser Intelligenzblatt Nr. 80-93/1918, uns vorliegend als Separatabzug mit 47 S., hier S. 44.
11 Wilhelm Steiger, geb.?, gest. 3.8.1889 in Schaffhausen, x der Z! Schaffhausen, adm. Z! Basel 17.5.1851 in der Z! Basel, xx WS 1851, Austritt 13.5.1854, Grund laut Centralkatalog: «weder Nutzen noch Freude am Verein».
12 Bächtold, Schulerinnerungen, S. 44; Johann Meyer, von Ruedlingen, geb. 11.12.1835, gest. 8.12.1889 in Frauenfeld, in der Liste 1868 aufgeführt, adm. Mai 1855 bei der Rekonstitution der Z! Schaffhausen, Übertritt in die Z! Basel, Austritt 1857, Dr. phil. h.c., 1869 Kantonsschullehrer in Frauenfeld, 1880 Kantonsbibliothekar und Staatsarchivar, CBI. Jg. 52 / S. 140.
13 Bächtold, Schulerinnerungen., S. 45.
14 Ebd., S. 46.
15 Emil Walter, Zofingia in Schaffhauser Sicht 1911-1961, S. 2 f.; Manuskript in der Stadtbibliothek Schaffhausen G 61.597. Das Hauptverdienst der Zofingia Schaffhausen sei, so Walter, die Einführung des Turnens in Schaffhausen gewesen. Emil Walter (1886-1966) war Reallehrer und Bienenzüchter und seit 1916 Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft.
16 Vgl. Kurt Peyer: Schaffhausen und der Schweizerische Zofingerverein, in Schaffhauser Mappe 1969, sowie im Cbl. 109/1968-69, S. 192-196; Kurt Peyer war nicht Zofinger.


**Die Revitalisierung des Zofinger Trinkhorns**
Von Ernst A. Rubli

In den Jahren 1824-1858 hat in der Stadt Schaffhausen eine Sektion des Schweizerischen Zofinger-Vereins bestanden, «deren Lebensflamme bald aufflackerte, wieder in sich zusammensank, bald verlöschte und aufs neue entzündet wurde», wie der Autor der 100-Jahr-Festschrift der Scaphusia vermerkt.
Zofingia und ein sog. «Ritterzirkel», eine Verbindung unter Schülern des Gymnasiums und Studenten des Collegiums Humanitatis (gegr. 1845), bestanden also im Vorfeld der Scaphusia. Es wäre jedoch vermessen zu behaupten, diese hätte sich aus diesen Corporationen heraus entwickelt. Die Gründerväter unserer heute noch bestehenden Gymnasial-/Mittelschulverbindung lehnten sich viel eher an die bereits bestehenden Gymnasialvereine in Basel und Bern an. Im Jahre 1858 löste sich jedenfalls die Zofinger-Sektion Schaffhausen, deren Akten heute als Depositum Nr. 66 im Staatsarchiv Schaffhausen lagern, endgültig auf.
Als einziger bekannter Gegenstand aus dieser Zeit gilt ein Trinkhorn aus dem Jahre 1851 mit einer breitovalen Silberplakette: «Der Section Schaffhausen / Die Zofinger in Bonn 1851». Dieses Horn muss in dunkler Vorzeit in den Besitz der Scaphusia übergegangen sein. Nachdem es jahrzehntelang auf dem Dachboden des «Falken» gelagert hatte, wurde es im Jahre 1978, zusammen mit einigen anderen historischen Gegenständen, vom Schreibenden ins Museum Allerheiligen transferiert, wo es heute unter der Inv.-Nr. 51320 zur Depositensammlung unserer Verbindung gehört.
Zweifelsohne ist dieses Stück von beidseitigem Interesse, zu dessen Wahrung Hans D. Schoch v/o Timian in verdankenswerter Weise den entscheidenden und salomonischen Anstoss gegeben hat.
Am 23. April 2009 wurde zwischen den beiden Verbindungen, vertreten durch Dr. Niklaus Wüthrich v/o Mutz (x Alt-Zofingia-Sektion SH), lic. iur. Hans D. Schoch v/o Timian, die AHAH x Dr. iur. M. Frey v/o Pauke (S!) und Ernst A. Rubli v/o Balz (S!), eine schriftlich vorliegende Vereinbarung getroffen, laut welcher das Trinkhorn in der Depositensammlung der Scaphusia verbleibt, der Zofingia aber für besondere Anlässe und gemäss den Ausleihbedingungen des Museums das Recht zur zwischenzeitlichen Auslösung eingeräumt wird.
Wir danken an dieser Stelle Hans D. Schoch ganz herzlich dafür, dass er das soweit intakte Horn, welches am 28. Juni 2009 unter dem Beisein einiger Zofinger und Scaphusianer im Hause Hans und Doris Schoch in Stetten (SH) vorgestellt wurde, auf eigene Kosten hat ergänzen lassen (Silberösen und rot-weiss-rote Kordel).

#Notizen zu Namen

1. Dezember 2009 | Von den Subprimes zur Finanzkrise

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Alexander Joho

Die momentane Weltwirtschaftskrise verstört und fasziniert gleichermassen. In ihrem spektakulären Ausmass stellt sie Experten vor ein Rätsel und ist gleichzeitig ein ansprechendes Anschauungsbeispiel. Der spannende Vortrag von Dr. oec. publ. Erich Spörndli, dem ehemaligen stellvertretenden Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), stiess beim Scaphusia-Bund, welcher den Anlass organisiert hatte, auf offene Ohren.

**Leichtfertig Kredite vergeben**
Zu Beginn führte Spörndli das Publikum zwei Jahre zurück in die Vergangenheit: Mit den sogenannten Subprimes wurden in den USA leichtfertig Kredite en gros vergeben; die Risiken vermeintlich sicher auf Investmentbanken verteilt, die diese Instrumente vorrangig anboten. Doch bereits im Frühjahr 2007 zeigten sich erste Verluste: Zinssätze stiegen, der Anstieg der Hypotheken wurde zunächst gestoppt, und drehte in einen Rückgang, als sich die Preise, nach mehr als zehn Jahren des Wachstums, als zu überhöht herausstellten. Aus Eigenkapitalbedenken hatten die regulären Banken in den USA das Risiko ausgelagert, die zahlreichen und teilweise sehr undurchsichtigen Finanzinstrumente nahmen numerisch aber derart überhand, dass schlichtweg der Überblick verloren ging und die Kontrolle versagte, wie Spörndli ausführte. Zunächst traf es die Investmentbanken wie Fannie Mae oder Freddie Mac, der Wert ihrer Aktien fiel ins Bodenlose. Damit zusammenhängend der anschliessende Aktienkursverfall von Grossbanken wie UBS, Crédit Suisse oder der Citigroup. Und hier setzte Spörndli mit der Rolle der SNB ein. Anfang 2008 wurde bereits ein wenig Optimismus gestreut und der Markt sollte sich leicht erholen, doch womit niemand in der Finanzbranche so richtig gerechnet hatte, war das Misstrauen der Anleger. Die Börsenwerte fielen noch weiter. Die Schweizerische Nationalbank hielt sich zuerst mit Devisenaustauschen mit anderen Notenbanken über Wasser, um den landeseigenen Banken mit zusätzlichem Geld unter die Arme zu greifen. Was der SNB wie auch der gesamten Finanzwelt schwer zu schaffen machte, war der enorme Kredit über zunächst 60 Milliarden Franken an die UBS im Oktober 2008. Da der Handel mit Subprimes durch die Krise in den USA ausgesetzt wurde, konnten dementsprechend kein Preis und keine Bewertung erzielt werden, wodurch vor allem die UBS auf ihren Krediten festsass, was die ungewohnt hohe Abschreibung zur Konsequenz hatte.

**Zinssenkungen ab Oktober**
Der Welthandel taumelte, staatliche Konjunkturprogramme wurden hastig geschnürt. Die schlimmste Rezession seit über 70 Jahren führte zu einem Rückgang beim Häuserbau, die Exportindustrie verzeichnete und verzeichnet noch immer einen Auftragseinbruch von 20 bis 50 Prozent. Die SNB versuchte daher, mit Zinssenkungen ab Oktober 2008, Deviseneinkäufen und der Vergrösserung der Geldmenge im Inland des Konjunkturproblems Herr zu werden. Nun günstigere Kredite ermöglichten eine Zunahme in der Bautätigkeit, Investitionen in Maschinen stiegen, und der Konsum konnte wieder angekurbelt werden. Der vergleichsweise schwächere Schweizer Franken machte Schweizer Produkte wieder interessanter. Spörndli konnte zum Abschluss seines Referates konstatieren, dass diese Finanzkrise schwere Schäden hinterlassen habe, die Notenbanken sowie Grossbanken diese jedoch gut verdaut und gekontert hätten. Die Talsohle sei jedoch erreicht, und obschon die Mehrzahl der Grossbanken noch «an Krücken» gingen und die Arbeitslosigkeit weiter leicht ansteigen werde, sei vorsichtiger Optimismus angebracht. Eine wirkliche Erholung, so Spörndli, könne für 2010/2011 erwartet werden.


#Aktivitas

25. November 2009 | Terminänderung

Das Datum des Vortrags von Joannis Chronis v/o Mythos über die Schweinegrippe wurde im gedruckten Quartalsprogramm leider falsch angegeben. Der Anlass findet nicht am Samstag, 5. Dezember 2009, sondern am **Freitag, 4. Dezember 2009**, um 20.00 Uhr in der Bude statt.

#Notizen zu Namen

23. November 2009 | Linksaussen formiert sich erneut über den Röstigraben hinweg

Schaffhauser Nachrichten, Region
Conradin Leeser

Die Linke steckt in der Misere: Sind in wirtschaftlichen Krisenzeiten traditionell Rezepte aus dem sozialistischen Lager gefragt, so präsentiert sich dieses heuer ungewohnt sprachlos, die Kräfte der radikalen Linken sind verzettelt und zersplittert. So weit die Erklärung der Alternativen Liste Schaffhausen und der Ansatz einer neuen, erstmals nationalen Linksaussenpartei: der Linken Alternative, die «La Gauche – Linke Alternative – La Sinistra». Das Credo der geplanten politischen Formation ist dabei ebenso einfach wie radikal: Angestrebt wird ein fundamentaler Kurs- und Paradigmenwechsel, eine antikapitalistische, ökologische und soziale Politik. Und das kommt an: Gegen 200 linke Aktivisten aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin trafen sich am vergangenen Samstag auf dem Schaffhauser Griesbach zum Grundsatzbeschluss der Gründung der neuen Linken Alternative. Ein Beschluss, der nach Programm im Mai des kommenden Jahres in Lausanne mit der formellen Gründung der Partei unterstrichen werden soll. Dass dabei gerade Schaffhausen als Geburtshelfer einer neuen nationalen Linkspartei fungiert, hat gemäss Florian Keller, Kantonsrat AL und Mitorganisator der Veranstaltung, zwar hauptsächlich logistische Gründe, ist aber auch als Tribut der Romands an die Deutschschweizer Minderheit zu werten: «Die Welschen haben uns damit Respekt entgegengebracht und gleichzeitig bewiesen, dass es ihnen mit der neuen Partei ernst ist.»

**Alte Idee neu aufgenommen**
Der Versuch, die linken Gruppierungen zu bündeln, ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren traten die radikalen Linken als Netzwerk «À gauche toute» zu den Nationalratswahlen an – und scheiterten. Keller ortet die Probleme damals wie heute in ideologischen Differenzen zwischen Deutschschweiz und Romandie: «Das sind riesige Unterschiede – diese zu bewältigen, das ist die grösste Hürde im ganzen Prozess.» Nichtsdestotrotz blickt der Jungpolitiker zuversichtlich in die Zukunft, unterscheidet sich das aktuelle Projekt doch in wesentlichen Zügen von früheren Vorhaben: Die Linke Alternative versteht sich als Zusammenschluss von Einzelpersonen und nicht wie «À gauche toute» als Konglomerat bestehender Parteien. «Uns alle verbindet eine starke Sozialpolitik, die Identifizierung mit Grundrechten und der Glaube an die gesellschaftliche Organisationsform», so Keller passioniert. Mit dem Verlauf des Gründungskongresses ist der Kantonsrat der Alternativen Liste entsprechend zufrieden, auch wenn er gewisse Uneinigkeiten in Bezug auf die Ausrichtung der Veranstaltung einräumt: «Meine Erwartungen sind erfüllt, aber es gibt wohl auch viele Personen, die denken, dass man heute ein Programm hätte definieren müssen.» Anstelle 37 aufgekommener politischer Forderungen standen während fünf Stunden entsprechend vielmehr Fragen der gegenseitigen Befindlichkeit im Mittelpunkt der hitzig geführten Debatten. Der Erarbeitung eines politischen Programms gestand man mit grosser Mehrheit mehr Zeit zu. Gewählt wurde hingegen ein 25-köpfiger Koordinationsausschuss, der nun die erste Parteiversammlung Ende Mai in Lausanne vorbereiten soll. Nebst Florian Keller gehört auch der Waadtländer PdA-Nationalrat Josef Zysiadis dem Komitee an.

#Notizen zu Namen

22. November 2009 | Von der Seele der Originalmöbel – Die Trendforscherin Joan Billing

NZZ am Sonntag, Stil
Rebekka Kiesewetter

Das Haus in Baden, in dem die Trendforscherin Joan Billing und ihr Lebenspartner Samuel Eberli wohnen, hat keine Geschichte, und auch wenn seine Mauern sprechen könnten, schwiegen sie. Was sollten sie schon erzählen, seit ihrer Errichtung 2007 hatten sie kaum Zeit, etwas zu erleben.
Möbel können ebenso wenig sprechen; auch die von Joan nicht. Obwohl man es meinen könnte, wenn sie als ihr Sprachrohr fungiert. Die Aargauerin ist Expertin auf dem Gebiet «Wie teile ich meine Begeisterung auf ansteckende Art mit»: Sie weiss zu jedem Gegenstand in ihrem Heim etwas zu erzählen, nichts ist zu klein, um als besonders gewürdigt zu werden. Im Hause Billing-Eberli ist nichts «einfach da». Und dies ist gar nicht so selbstverständlich: Wer weiss denn schon bei jedem Ding genau, wieso er oder sie es besitzt? Wer kann sagen, warum es einem teuer ist (auch wenn sein monetärer Wert gegen null tendiert)? Joan Billing aber kann es.

**Verrückt nach Design**
Zum Beispiel das Day Bed von Eileen Gray: ein Designklassiker, das ist bekannt. Doch «Hauptsache, alt und teuer» ist kein Kriterium, das bei Joan zieht, und ein Grund, ein Möbel aufzustellen, schon gar nicht. Die graue Liege ist für sie nicht bloss ein hübscher Gegenstand oder ein Statussymbol. Nein, sie ist ein bunter Strauss aus vielen Geschichten, aus Hintergrundwissen und Erinnerungen. «Die Möbel von Eileen Gray gefielen mir schon in meiner Jugend, damals habe ich begonnen, mich mit dem Leben der Designerin auseinanderzusetzen», erzählt sie, gerät in Fahrt, gibt der Bewunderung Ausdruck, die sie für Gray empfindet. Die Designerin hatte im frühen 20. Jahrhundert mit Formen und Materialien experimentiert und neue Wege gefunden.
«Mich faszinieren Dinge, die für ihre Entstehungszeit innovativ waren, egal, ob das gestern oder vor 100 Jahren war», sagt Joan. Gefällt ihr etwas, möchte sie alles darüber in Erfahrung bringen. Wenn man mit Joan spricht, lässt man sich von ihrer Begeisterung anstecken, hängt noch einem Gedanken nach, den sie formuliert hat, während sie bereits vom Hundertsten ins Tausendste gelangt ist, da Parallelen zieht, dort etwas anmerkt und dann wieder aufs Mobiliar zu sprechen kommt. Auf Dinge, die sie schon lange begleiten. «Die Corbusier-Liege habe ich als Kind zur Rutsche umfunktioniert», erinnert sie sich. Joan ist mit Möbelklassikern aufgewachsen – ihr Vater ist Architekt und Sammler – und kennt keine Scheu, auch wertvolle Stücke zu benutzen, in den Alltag zu integrieren.
Die Billings sind eine designverrückte Familie, Möbel wie die Corbusier-Liege wandern zwischen den Haushalten hin und her. «Wenn ich eines Teils überdrüssig werde, es nicht in eine neue Wohnung passt und ich es nicht weggeben will, frage ich meine Mutter, ob sie es eine Zeitlang zu sich nehmen möchte», erzählt Joan. Ausleihen und Tauschen funktioniere nicht nur im Familienkreis, ist sie überzeugt. Gutes Design soll in Umlauf gebracht und gebraucht werden, es gehöre nicht ins Museum. Es sei ausserdem wichtig, dass die Geschichte eines Objektes, das Wissen um seinen Ursprung weitergegeben werden. Deshalb haben Billing und Eberli vor drei Jahren die Verkaufsausstellung Design+Design ins Leben gerufen. Keine Messe, betont sie, sondern ein Salon Privé für innovatives, rares und schönes Vintage-Design.
Momentan findet der Event in einem Saal des Zürcher Kunsthauses statt, doch der Raum platzt aus allen Nähten, so gross ist das Interesse auf Aussteller- und Besucherseite. Trotz dem Andrang ist die Stimmung gut, familiär, intim. Genau wie an der Braun-Börse, die Joan vor zwanzig Jahren das erste Mal mit ihrem Vater Rolf besuchte und die sie als Ursprung der Design+Design-Idee beschreibt: Liebhaber der Elektronika, welche bei Braun in den fünfziger bis siebziger Jahren hergestellt wurden, trafen sich damals in einer Jugendstilvilla, um zu fachsimpeln, zu tauschen und zu handeln. Bis heute teilt Joan die Sammelleidenschaft für die Kultgeräte mit ihrem Vater.
Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit sind Worte, die Joan oft verwendet. Man muss nicht, wie sie es tut, mit dem Trendforscher-Star Li Edelkoort zusammenarbeiten, um zu wissen, dass es wichtige Themen sind. Für den Erfolg einer Messe wie Design+Design mit ihrem Angebot an wertigen, beständigen und nostalgischen Produkten, sagt Joan, seien die Voraussetzungen heute ideal. Das Interesse an Designklassikern sei so breit vorhanden wie noch nie. Eine Original-Dies und ein echter Das, ein früher Dings und ein Dangs in seiner Erstversion. Muss das sein? Tut’s nicht auch eine Fälschung (zumal sie bedeutend billiger ist)? Joan lässt sich auf Diskussionen nicht ein, sagt: «Das Original behält seinen Wert, es kann mindestens zum Kaufpreis wiederverkauft werden.» Ausserdem sagt sie Dinge wie: «Originale ihrer Zeit haben eine Seele», und: «Das Wissen darum, dass es rar und wertig ist, intensiviert die Bindung zu einem Vintage-Möbel.» Seele? Bindung? In Bezug auf Dinge? Für Joan scheinen Sachen tatsächlich lebendig zu sein, so leidenschaftlich spricht sie von dem, was sie umgibt.

**Was andere denken, ist egal**
Sie verteilt ihren unerschöpflichen Enthusiasmus zu gleichen Teilen auf Dinge, Menschen und die Natur: Auch der Fluss, der unmittelbar vor den grossen Fenstern rauscht, kriegt etwas von der Begeisterung ab, und ebenso die grosse Silberweide, deren Äste über die Scheiben streichen. «Ich musste mich erst an die hohen Räume, die grossen Fenster gewöhnen. Aber jetzt fühle ich mich wohl, so nahe am Fluss. Es beruhigt mich.» Hatte sie, die vorher in einer Gründerzeit-Wohnung in der Badener Innenstadt gelebt hat, keine Angst, dass ihre angejahrten Möbel nicht zum Neubau passen würden? «Nein», sagt Joan, «Vintage-Design passt überallhin, weil es einen starken Charakter hat. Patina wirkt kombiniert mit Neuem charmant.»
Ist es für Samuel, den Architekten, und Joan, die wegen ihres Jobs gleichermassen belächelt und bewundert wird, wichtig, wie ihr Heim von anderen Leuten wahrgenommen wird? Möchten Sie mittels ihres Einrichtungsstils eine bestimmte Haltung zeigen? «Unsere Wohnung ist genau auf uns zugeschnitten; Hauptsache, wir fühlen uns darin wohl, was andere denken, ist egal. Aber die Einrichtung spiegelt unsere Art zu leben. Ob wir wollen oder nicht», sagt Joan. Und wie, möchte man von ihr, die nonchalant Accessoires und Möbel zusammenwürfelt und sie zu einem absolut stimmigen Ensemble fügt, wissen, findet man einen eigenen Stil? Was, wenn die Intuition beim Einrichten versagt, nicht vorhanden ist? Dann soll man sich Hilfe holen, rät die Trendforscherin. Und abkupfern dürfe man auch: «Es gibt den virtuosen Koch, der nie in ein Buch schaut, und den Rezept-Treuen. Beide machen leckeres Essen. Genauso ist es beim Einrichten.»


**Design+Design**

«Vintage» lautet das Stichwort für die Möbel-Verkaufsmesse «Design+Design», die von Joan Billing und Samuel Eberli zum dritten Mal organisiert wird. Der Ausdruck steht für Designstücke aus den Jahren 1920 bis 1990. Auf 750 Quadratmetern halten im grossen Vortragssaal des Kunsthauses Zürich 20 Händler ihre rare Ware feil. Speziell für den Anlass wurden 50 signierte Hocker und 30 signierte Tische aus Faserzement des Lausanner Designers Nicolas Le Moigne hergestellt (Stückpreis 500 Fr.). Zusätzlich erscheint ein Katalog zum Thema «Faszination Faserzement». Design+Design, Sa, 28. 11. (10 bis 20 Uhr), So, 29. 11. (10 bis 17 Uhr). Ort: Kunsthaus Zürich.



Joan Billling und ihr Lebenspartner Samuel Eberli (Bild: Vera Hartmann)

#Aktivitas

11. November 2009 | Bilder Fonduestamm und Baslerstamm

Hier findet ihr die Bilder vom

[Fonduestamm am 24.10.2009](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/10/24/fondue-stamm/)
[Baslerstamm am 4.11.2009](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/11/04/basler-stamm/).

#Notizen zu Namen

30. Oktober 2009 | Den Wald auch für die Zukunft erhalten

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Guido Elser

Als Folge der Mediationsakte 1803 und der Bundesverfassung 1848 wurden die Gemeinden neu organisiert. Damals erhielten auch in Diessenhofen alle volljährigen Schweizer Einwohner Stimmrecht in Stadtangelegenheiten. Nach dem Ausscheidungsvertrag des öffentlichen Bürgergutes der Gemeinde Diessenhofen vom 25. April 1872 hat die Bürgergemeinde an die Stadt Gredhaus, Siegelturm, Rathaus, die Rheinbrücke und andere abgegeben. Der heutigen Bürgergemeinde blieben somit noch die Wälder und die Fischenz.

**Die Wälder der Bürgergemeinde**
Seither ist die Bürgergemeinde Diessenhofen Besitzerin von 235 Hektaren Wald, der sich wie folgt aufteilt; Rodenberg 130 Hektaren; Buechberg 51 Hektaren; Stammerberg 15 Hektaren; Schaarenwald 13 Hektaren, Rauhenberg (Deutschland) 23 Hektaren, Läui und Bleichi nochmals gut 2 Hektaren. Diese Walgebiete sind nicht zusammenhängend.

**Hügeliger Rodenberg**
Die grösste zusammenhängende Waldfläche befindet sich im Rodenberg mit rund 130 Hektaren. Diese Wälder befinden sich im hügeligen Gelände an Hanglagen zwischen 391 (Rhein) und 591 m ü. M. (Kapf). Die Wälder im Buechberg und Schaaren sind dagegen weitgehend flach. Als Besonderheit besitzt die Bürgergemeinde noch Wald in Deutschland auf dem Gailingerberg, dem sogenannten Rauhenberg. Vor einem Jahr hat sich die Bürgergemeinde Diessenhofen mit dem Staatswald im Bezirk und den Bürgergemeinden Rheinklingen, Kaltenbach, Wagenhausen und diversen Privatwaldbesitzern zum neuen Forstrevier am Rhein zusammengeschlossen. Für die gesamte Waldfläche in diesem Revier ist Förster Jakob Gubler zuständig. Er wohnt in Eschenz und steht der Bevölkerung als Ansprechpartner für die gesamten Waldfragen zur Verfügung. Die einzelnen Waldbesitzer (insbesondere auch die Bürgergemeinde Diessenhofen) sind jedoch weiterhin selbständig und finanziell unabhängig.

**Ökologisch wertvoll**
In der Bürgerverwaltung ist Urban Brütsch, Forstingenieur ETH, zuständig für das Ressort Bürgerwald. Er hat auch diese Angaben zum Bürgerwald zusammengestellt. Wie Brütsch und Bürgerpräsident Bruno Giuliani betonen, soll der Wald den kommenden Generationen langfristig erhalten bleiben. Nebst der Holznutzung dient der Wald vor allem als Erholungsraum. Deshalb wird er auf der gesamten Fläche nach den Grundsätzen des naturnahen Waldbaus gepflegt und genutzt. Angestrebt werden im heutigen Waldbau gut strukturierte Bestände (möglichst stufig aufgebaut). Die Naturverjüngung wird gefördert und bevorzugt. Eine grosse Baumartenvielfalt wird unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten angestrebt. Die Buche, die in diesem Gebiet die Hauptbaumart darstellt, spielt deshalb im Bürgerwald eine wichtige Rolle. Die Waldränder sind ökologisch wertvoll und sollen erhalten und gefördert werden. Altholz und Totholz werden bewusst im Wald stehen respektive liegen gelassen, da dieses einer Vielzahl von Lebewesen (Insekten, Vögel und anderen Tierarten) Lebensraum und Nahrung bietetDas gesamte Waldgebiet im Schaaren ist als Sonderwaldreservat ausgewiesen und wird dementsprechend gezielt gepflegt. Ferner gibt es im Rodenberg mehrere Flächen, die als Altholz- oder Totholzinseln ausgeschieden wurden und zurzeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Im Etzwilerberg auf der Waldfläche der Bürgergemeinde Diessenhofen existiert sogar ein Totalreservat. In diesem Gebiet wird aus Naturschutzgründen auf jegliche Nutzung verzichtet. So kann man beobachten, wie sich ein ursprünglich bewirtschafteter Wald unter natürlichen Verhältnissen weiterentwickelt.

**Vom Werkhof**
1982 baute die Bürgergemeinde im Rodenberg den Werkhof mit der Jacques-Huber-Stube. Bis zur neuen Reviereinteilung vor gut einem Jahr diente er der Bürgergemeinde als wichtiger Standort für den Bürgerwald – mit Garagen für die Traktoren und Maschinen. Inzwischen werden die Garagen für das Überwintern von Schiffen benutztDen Werkhof mit dem riesigen Vordach nutzt die Bürgergemeinde als Lagerplatz für Brennholz. Die Jacques-Huber-Stube kann von Einwohnern von Diessenhofen für Festlichkeiten bis zu 35 Personen gemietet werden. Sie hat eine gute Infrastruktur mit Küche, Geschirrspülmaschine, Kühlschrank, Geschirr, etc. Für das Putzen ist der Mieter verantwortlich. Ansprechpartner ist alt Förster Hans Weber (052 657 14 23), für Bestellungen von Brennholz Förster Jakob Gubler (079 720 39 25) zuständig.

#Alt-Scaphusia

30. Oktober 2009 | Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschiede unseres lieben Farbenbruders

[Kurt Bächtold olim Gispel](https://www.scaphusia.ch/mitglieder/gispel/1936/)
Dr. phil. I / alt Ständerat
aktiv 1935-1937

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der [Totensalamander](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/2009/11/25/totensalamander/) findet am Mittwoch, 25. November 2009 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Abdankungsfeier findet am Dienstag, 10. November um 14.00 Uhr im Münster Schaffhausen statt.

Die Beisetzung findet am Freitag, 13. November um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Wilchingen statt.

#Notizen zu Namen

29. Oktober 2009 | Tango und Beschwingtes – ein kurzes Intermezzo

Schaffhauser Nachrichten, Herbstmesse
Claudia Härdi

«Das Motto unseres Standes ist ‹lokal vereint›. So ist es auch naheliegend, dass wir an dieser Herbstmesse Vereine vorstellen», sagt Rémy Guhl vom Schaffhauser Fernsehen ins Mikrophon. Er hiess gestern das Saxophonquartett der Musikschule Schaffhausen auf der Bühne des Gemeinschaftsstandes der Schaffhauser Medien, der Elektrizitätswerke, der Städtischen Werke, der Sasag und von Falkenbier willkommen. Das Saxophonquartett der Musikschule Schaffhausen, das sind Linda Bräu, Sopransaxophon; Fabian Carisch, Tenorsaxophon; Lukas Seiler, Baritonsaxophon, und Celina Guhl, Altsaxophon.
Ewald Hügle, der den Musikschülern an der Musikschule Schaffhausen das Saxophonspielen beibringt, musste heute für Linda Bräu einspringen. «Be happy» und «Summertime». Mit diesen zwei Songs begann das Quartett gestern sein Repertoire. Weiter ging es mit einem ruhigen Stück von Astor Piazolla, einem argentinischen Bandoneonspieler, Komponisten und Begründer des Tango Nuevo. Zum Abschluss spielte das Quartett ein frisches Stück des Jazzpianisten und -komponisten Herbie Hancock. Mit diesen vier Stücken stellte das Quartett stellvertretend die Musikschule Schaffhausen vor. In der Musikschule könnten die Schüler über 30 Instrumente lernen, sagt Hügle. Sogar Babys werden unterrichtet – im Babysingen. Guhl will wissen, in welchem Alter man sein Baby in die Musikschule schicken könne. «Mit drei Monaten beginnt es. Ich habe es noch vor mir», scherzt Hügle.
Die Musikerinnen und Musiker des Saxophonquartetts sind keine Anfänger mehr. Lukas Seiler spielt seit sieben Jahren Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon. «Ich spiele Saxophon, weil das Sax ein genauso colles Instrument ist wie die Gitarre. Ausserdem ist es ein sehr vielseitiges Instrument», sagt Seiler, während er sein Instrument wieder sorgfältig in den Koffer verstaut. Er hegt den Traum, einmal Berufsmusiker zu werden. Das Quartett ist nicht die einzige Musikgruppe an der Musikschule, die zusammen musiziert. «Zuzreit stellen wir eine Big Band zusammen. Leider fehlen uns noch Blechbläser, erzählt Hügle, der vor dem nächsten Kurzkonzert auf der Herbstmesse eine Privatmsuikstunde eingeplant hat und sich nun beeilen muss.

#Allgemeines

20. Oktober 2009 | Neue Werbekampagne der regionalen Brauerei

Schaffhauser Bock
Christian Saggese

«Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein», singt Reinhard Mey in seinem bekannten Erfolgslied. Ein Gefühl, welches viele Menschen kennen, wenn sie sehnsüchtig in den Himmel blicken. Speziell, wenn noch ein Vogel wie ein Falke stolz und mit einer grossen Eleganz in der Höhe seine Runden dreht. Aber auch wenn «Tante Ju» über den Köpfen erscheint. Das klassische Passagier- und Transportflugzeug aus Zeiten des zweiten Weltkrieges löst bei praktisch jedem Beobachter ein nostalgisches Gefühl aus, das Verlangen, selbst mit dieser Maschine durch die Lüfte zu gleiten. Diese Verbindung des eigenen Markenvogels zu den Eigenschaften der JU-Maschine brachten Markus Höfler, «Falken»-Marketingverantwortlicher und Mitglied der Geschäftsleitung, im vergangenen De­zember auf die Idee, damit eine Werbekampagne zu lancieren.

**Tradition mit Neuem verbinden**
Bereits vor fünf Jahren flog Höfler zum ersten Mal mit der Maschine. Es war nicht das letzte Mal. Trotzdem war es eher ein glücklicher Zufall, dass man den Flieger nun zu einer originellen Werbeidee nutzen könne. «Uns war klar, der Falke gehört auch in seinen gewohnten Lebensraum, in die Lüfte», so Höfler. Doch wie soll man dies darstellen, ohne zu polarisieren? Ein Düsenjet kommt nicht in Frage, baut dieser automatisch eine Verbindung zu Krieg oder allgemein Militär auf. Ein Airbus? Verbinden die Menschen beim Anblick eher mit den ständigen Diskussionen rund um den Fluglärm. «Doch die Tante JU hat jeder gern», so Höfler. Und der Flieger passe sich dem Slogan der Bierbrauerei an. «Viel Zeit für ein gutes Bier» stehe symbolisch stark zur gemütlichen Flugzeugmarke. «Die JU 52 ist zwar sehr laut, aber trotzdem elegant. Sie lässt sich beim Flug Zeit, entdeckt wie der Falke die Welt in gemütlichen langsamen Schritten. Dies passt sehr gut zu unserem Slogan», erklärt Höfler. Also wurde Kontakt mit Kurt Wald­meier, Geschäftsführer der JU-Air in ­Dübendorf, aufgenommen. Dieser besitzt drei der JU 52-Maschinen und war sofort von der Idee begeistert. «Bei der Zusammenarbeit war es allen Beteiligten wichtig, dass der Flieger eine Verbindung zum beworbenen Produkt haben muss. Die Flieger haben eine solch lange traditionelle Geschichte und ­werden von den Organisatoren und Piloten mit einem solch persönlichen ­Ehrgeiz und einer Motivation betrieben, dass der eigentliche kommerzielle Gedanke keine Rolle spielt.» So konnte die Brauerei Falken die Werbefläche für rund drei Jahre zu einem sehr günstigen Preis mieten, eine Verlängerung des Vertrages ist nicht ausgeschlossen. Genaue Zahlen nennt Höfler nicht, es sei aber deutlich eine günstigere Variante als viele andere Werbe­kampagnen, beispielsweise mehrere Zeitungsinserate. Mit dem Projekt verbindet man auch die Tradition mit der Moderne, was oft ein schwieriges Unterfangen ist. «Auch die Brauerei Falken AG gibt es bereits seit über 200 Jahren und doch gehören wir noch der heutigen Zeit an. Genau wie die JU 52», sagt Höfler. Eine Idee, welche übrigens vor vier Jahren auch die IWC Schaffhausen nutzte.

**Eine Reise durch die Schweiz**
Während vier Wochen wurde das Flugzeug sorgfältig mit dem Falken-Signet bestückt. Ein mühsames Unterfangen, da der Flieger während dieser Zeit auch in den Einsatz musste und durch das Wellblech die Arbeit sowieso ein schwierigeres Unterfangen ist. Im August wurde die Maschine fertiggestellt und flog seinen ersten «Einsatz» mit dem Namen der Brauerei. Dabei hat die Falken AG keinen Einfluss auf die Flugroute. Der Flieger werde ganz gewöhnlich von den Organisatoren betrieben. Ob der Flieger nun in Bern, Lausanne oder Montreux landet, darüber habe man keine Kontrolle und will diese auch nicht. «Wir haben aber trotzdem viele Möglichkeiten, den Flieger zu nutzen. So verlosen wir an unsere Kunden, beispielsweise an der diesjährigen Herbstmesse, Flugplätze.» Insgesamt haben 16 Personen in einer JU 52 Platz. «Aber natürlich wären noch andere Aktionen denkbar. Man könnte neue Produkte darin vorstellen. Oder, wenn das Bier beispielsweise in Basel bestellt wird, erstmals als Werbegag mit dem Flieger dorthin transportieren.» Jedoch beurteile man solche Pläne Schritt für Schritt, definitiv geplant ist noch nichts.

**Trotzdem regional bleiben**
Doch auch wenn der Flieger das Falkenbier national und sogar international ins Blickfeld bringt, bedeutet das nicht dass man den Standort Schaffhausen zweitrangig behandle, ganz im Gegenteil. Das Projekt habe keinen Einfluss auf das Engagement der Firma beispielsweise bei regionalen Veranstaltungen. Wenn jedoch ein Produkt wachsen will, müsse man auch expandieren, denn der Markt in Schaffhausen sei schon so gut besetzt. «Ich sehe darin sogar einen Vorteil für unseren Kanton», so Höfler abschliessend, «Falken bleibt ein Schaffhauser Produkt. So werden die Leute, welche die JU 52 sehen, sogar begeistert sein wie unser leider oft als verschlossen bekannter Kanton auf solch freche und originelle Weise in die Welt hinausgeht!»

Technische Daten
Spannweite: 29,25 m
Länge: 18,5 m
Flügelfläche: 110,5 m2

Startgeschwindigkeit: 120 km/h
Reisegeschwindigkeit: 180 km/h
Reichweite: 1200 km
Gipfelhöhe: 6300 m


Vielleicht erblickt man die “Falken JU52” auch einmal in der Region über unseren Köpfen. (Hier noch als Fotomontage.)

#Aktivitas

20. Oktober 2009 | Quartalsprogramm Herbstquartal 2009

Nun ist das Quartalsprogramm des kommenden Quartals online und auf der Frontseite unter [«Anlässe»](https://www.scaphusia.ch/anlaesse/) zu finden.

#Alt-Scaphusia

2. Oktober 2009 | Hugo Orgis olim Kick

Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Hugo Orgis olim Kick, Dipl. Ing. ETH, Generation 1935

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Abdankungsfeier findet am Freitag, 9. Oktober 2009 um 14.00 Uhr in der Kirche in Lohn statt.

#Allgemeines

26. September 2009 | Ein Unternehmen auch nur «spielend» zu führen ist nicht leicht

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Martin Edlin

Die vierköpfige Geschäftsleitung des in der Parfumherstellung tätigen, als Aktiengesellschaft geführten Unternehmens Carbon hielt an der Generalversammlung suboptimale Nachrichten bereit. In den letzten fünf Geschäftsjahren hatte man trotz Strategiewechsel von Tief- auf Hoch- und Höchstpreise wegen einer Wirtschaftskrise und unverhoffter Auslandskonkurrenz bis zu 11 Millionen Jahresverlust erwirtschaftet. Die Zielsetzung des Unternehmens wurde offensichtlich (noch) nicht erreicht. Dennoch ist die Geschäftsleitung optimistisch: In drei Jahren sollte, wenn die Bankkredite zurückbezahlt sind, der Börsenkurs steigen und eine Dividendenausschüttung möglich sein. Auf die Frage eines Aktionärs, wie sicher sein investiertes Geld sei, erklärte die Firmenleitung optimistisch, dass Carbon auf Innovation setze und dank Stellenabbau und Reduktion der Lagerbestände bald wieder schwarze Zahlen schreiben werde.
Carbon und 14 andere Firmen, die gestern im Klostergut Paradies ihre GV abhielten, gehören trotz allem Realitätsbezug nur zu einem computergestützten, von der Ernst-Schmidheiny-Stiftung entwickelten Unternehmensplanspiel. Mit ihm führt die Kantonsschule in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Wirtschafts-Vereinigung Schaffhausen (IVS) zweimal pro Jahr eine Projektwoche durch, an der sich diesmal 61 Kantonsschülerinnen und -schüler der vierten Klasse und 20 ausgesuchte Lehrlinge beteiligten. Ziel: Anhand eines Modells die Grundzusammenhänge in einem Unternehmen erkennen und mit Hilfe einer Simulation konkrete Entscheidungen in verschiedenen Führungsbereichen treffen lernen. Der Computer speist dabei die unterschiedlichsten Parameter ein, von der Finanzkrise über die mit Streikdrohung unterstrichene Lohnforderung des Personals bis zum Nachfrageeinbruch. Beim Besuch eines realen Unternehmens in der Region wird zudem das Verhältnis Arbeitnehmer–Arbeitgeber ausgelotet. Die Unterrichtenden sind Kaderleute aus ortsansässigen Firmen. Andrin, CEO von Carbon, hat dabei «die praktische Anwendung dessen erlebt, was wir in der Schule gelernt haben». Es sei spannend gewesen, «die Effekte zu sehen, welche die einzelnen Spielkomponenten ausgelöst haben». Seine Marketingverantwortliche Leticia hat die Erfahrung gewonnen, «wie schwierig es ist, Entscheide zu treffen». Im Spiel habe sie auf hohe Risiken gesetzt, die «ich in der Realität nie eingehen würde». Das habe wohl dazu geführt, dass sie «nicht alles ganz so ernst genommen» habe. So oder so: Das spielerische Learning by Doing wurde von den jungen Menschen als bereichernd für den späteren Berufseinstieg empfunden … und hat dazu Spass gemacht.

#Allgemeines

25. September 2009 | Den Gedankenaustausch fördern

Schaffhauser Nachrichten, Region
Timea Capusneanu

Das Zehn-Jahr-Jubiläum des Schüleraustausches zwischen der Kantonsschule in Schaffhausen und dem Joseph-Haltrich-Gymnasium Bergschule in Schässburg (Sighisoara) wurde kürzlich gefeiert. Anlass dazu bot der diesjährige Besuch von Schässburger Bergschülern in der Kantonsschule Schaffhausen, der vom 14. bis zum 24. August stattfand. In der überreichten Urkunde wurden die «dadurch geschaffene Möglichkeit des offenen, interessierten und engagierten Gedanken- und Erfahrungsaustauschs, des Abbaus von stereotypen Vorstellungen über die beiden Länder und die langjährigen bereichernden Freundschaften» gewürdigt.

**Ein reichhaltiges Programm**
Ins Leben gerufen hatte diesen Austausch die UNESCO-Arbeitsgruppe der Schaffhauser Kantonsschule; er wurde über die Jahre durch deren «Motor», Geschichtslehrer Hans-Ruedi Dütsch und sein Team, auch aufrechterhalten. Die Verbindung der beiden Schulen kam aufgrund der Kontakte der beiden Rathäuser zustande, wobei Lehrerin Manuela Pigagnelli, inzwischen Ehrenbürgerin der Stadt Schässburg, eine bedeutende Rolle gespielt hat. Wie in den vergangenen zehn Jahren fuhren auch in diesem Sommer 20 Schüler und fünf Lehrer der Bergschule für acht Tage nach Schaffhausen. Die herzliche Aufnahme durch Schüler, Eltern, Lehrerschaft und Schulleitung der Kantonsschule wurde von einem reichhaltigen Programm begleitet, das bei bestem Wetter ablaufen konnte. Ausser beim Unterrichtsbesuch, bei dem Erproben eines Kletterzentrums, der Besichtigung der berühmten Klosterbibliothek in St. Gallen und der Maestrani-Schokoladenfabrik in Flawil war das gute Wetter auch nötig: Bei den Führungen durch Schaffhausen, Stein am Rhein, Luzern und Zürich, bei der Besichtigung des Rheinfalls in Schaffhausen und der Fahrt über den Vierwaldstätter See sowie bei der Wanderung auf der «Rigi» wäre Regen nicht willkommen gewesen. Beim schönen Wetter konnte zudem fast täglich im Hallen- und Freibad, im Vierwaldstätter See oder im Rhein gebadet werden.

**Wiedersehen im nächsten April**
Wenn auch die Schüler und Lehrer der Schaffhauser Kantonsschule vormittags in die Schule gehen «durften», gaben die gemeinsam verbrachten Nachmittage und vor allem die Abende den Gästen und Gastgebern reichlich Gelegenheit, die vorab über E-Mail geknüpften Kontakte nun zu Freundschaften reifen zu lassen. Dementsprechend schwer fiel der Abschied bei der Abfahrt der Schüler und Lehrer der Bergschule, die sich nun auf das für April 2010 angesagte Wiedersehen in Schässburg mit den Schülern und Lehrern der Kantonsschule Schaffhausen freuen können.

#Allgemeines

24. September 2009 | Heineken will kein Keineken

Schweizer Familie, Menschen
Nr. 39
Markus Schneider

Schlotternd stehen 15 junge Leute in der Neujahrsnacht 2009 vor einer Garage zuoberst am Brunnihang über dem Klosterdorf Engelberg. In ihren Gläsern perlt kein Champagner, dafür Bier. Sie stossen auf eine lokale Bieridee an, von der sie voll überzeugt sind. Ein neues Bier wollen sie brauen: echtes Engelberger Klosterbräu, das im Gegensatz zum hiesigen Eichhof kein Heineken ist. Auf der Stelle empfangen sie eine «himmlische Eingebung» für den Namen, unter dem sie «ihr Bier» lancieren werden: «Kein Heineken = Keineken».
Also gründen sie einen Verein, reservieren die Internetadresse www.keineken.ch und tragen beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum die Marke ein. Vom Brauen haben die Jungen zwar keine Ahnung, abgesehen vom «Grufti» ihrer Runde: Conrad Engler, der bald 55 ist, aus Basel kommt, immer in Engelberg Ferien gemacht hat und nun am Brunnihang wohnt – im Haus über der Garage. Hat Keineken-Präsident Conrad Engler Durst, trinkt er Bier. Doch er meidet «Allerweltspfützen». Sein Lieblingsbier «Amber» wird gebraut von «Unser Bier» – einem Verein, der in Basel nach der Übernahme des lokalen Feldschlösschen durch den Goliath Carlsberg entstanden ist. Bei «Unser Bier» ist Conrad Engler Aktionär, dort hat er einen Braukurs absolviert.
Acht Monate nach der Neujahrsnacht folgt der himmlische Moment. Am 29. August 2009, zum ersten Jahrestag der Eichhof-Übernahme durch Heineken, lädt der Verein zum «Antrinken» an den Brunnihang. Unten in der Garage lagern die ersten 1200 Flaschen Klosterbräu der Marke «Keineken». Conrad Engler, früher Journalist, hat die Medienmitteilung verfasst. Reto Eller, junger Grafiker aus Engelberg, hat das Logo kreiert, das die Etiketten ziert. Der Flascheninhalt stammt aus der Basler Klein-Brauerei «Unser Bier»: «Vollmundig und so lieblich, dass es auch von Frauen geschätzt wird» (Eigenwerbung).
Prostend stehen die 15 Firmengründer auf der Terrasse, als das Mobiltelefon von Conrad Engler klingelt. Drei Stunden sind verflossen, seit er die Presseeinladung versandt hat. Ein Anwalt des Heineken-Konzerns meldet sich. Er droht mit strafrechtlichen Folgen samt finanziellen Forderungen.
Bald fährt die Obwaldner Kantonspolizei vor und beschlagnahmt die 1200 Flaschen, die auf Wunsch von Heineken in Amsterdam kein «Keineken» sein dürfen. Ebenfalls konfisziert werden 100 Gläser, die von der nahen Glasi in Hergiswil NW produziert und mit dem Logo «Keineken» versehen wurden. Alles läuft friedlich, ja nüchtern ab. Laut Hausdurchsuchungsprotokoll verhalten sich die jungen «sehr kooperativ». Jetzt aber kämpfen sie weiter gegen den Goliath, sich schelmisch freuend über den Medienrummel, der bis Kanada und Neuseeland gereicht hat. Wurde in der Neujahrsnacht ob Engelberg eine Weltmarke geboren?
«Wir ziehen unser Gesuch beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum sicher nicht zurück», kündet Anian Kohler an, der in Engelberg arbeitet, in Luzern studiert, als Präsident des neuen Vereins «Engelberger Klosterbräu» amtiert. Und der sich jetzt, als wäre Keineken bereits Heineken, einen «renommierten Anwalt» genommen hat.

#Allgemeines

24. September 2009 | Ein Blondes stärkt die Knochen

Schweizer Familie, Gesundheit
Nr. 39 24.09.2009

Frauen, die öfter mal ein Glas Bier trinken, stärken damit ihre Knochen. Das zeigt eine Studie aus Spanien. Die Wissenschaftler befragten fast 1700 Frauen nach ihren Trinkgewohnheiten. Danach wurden ihre Fingerknochen per Ultraschall untersucht. Es kam heraus, dass diejenigen Frauen, die regelmässig Bier tranken, eine höhere Knochendichte hatten als die Nichttrinkerinnen. Die Autoren der Studie betonen in einem Bericht der englischen BBC-Neves, dass sie deswegen niemandem zum regelmässigen Biergenuss raten würden. Verantwortlich für die schützende Wirkung seien vermutlich die im Bier enthaltenen Pflanzenhormone und nicht der Alkohol. Mehr als zwei Einheiten Alkohol pro Tag – das sind zwei 2,5-dl-Flaschen Bier – würden der Gesundheit schaden und die Knochen sogar schwächen.

#Notizen zu Namen

23. September 2009 | Kunstvisitenkarten für edlen Rebensaft

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
(sr)

Im Wiilädeli in der Steiner Understadt bereichern moderne sowie alte vornehme «Kleider der Weinflaschen» das Auge des Geniessers. Sie gehören heutzutage zum Outfit und sind das Aushängeschild des Inhaltes: die Etiketten auf den Weinflaschen. Als sogenannte Geburtsausweise löst das bedruckte Papier oft Erinnerungen aus, wenn es sich beispielsweise um ältere Exponate handelt, wie sie momentan im Wiilädeli in Stein am Rhein in einer neuen Ausstellung zu bestaunen sind. «Seit der Eröffnung vor drei Jahren bieten wir zusätzlich einheimischen Künstlern eine Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren», erklärt Geschäftsführerin Karin Müller. Mit den Weinetiketten aus dem Bezirk Stein am Rhein habe man eine ganz besondere Ausstellung schaffen können. Man hoffe auch, vermehrt Weinfreunde zu einem Besuch zu animieren. «Wenn man von alten Etiketten redet, dann sind sie höchstens 80 Jahre alt», so der Initiant Ernst A. Rubli, der selber auch schon Etiketten gestaltet hat. Heute schreibt die Lebensmittelverordnung vor, dass jedes Lebensmittel, zu dem auch der Wein gehört, mit der Sachbezeichnung versehen sein muss, woher und von wem er kommt. So ist das Etikett zu einer hochdifferenzierten Angelegenheit mit besonderer Bedeutung für den Weinkenner geworden. Dank moderner Technik entstehen immer wieder Kunstwerke, auch sie sind ein Besuch im Wiilädeli wert, besonders jetzt, wo die Trauben reif sind. Das Wiilädeli zum Raben in der Steiner Understadt ist jeweils mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet. In der Zwischensaison (Januar bis März) gelten andere Öffnungszeiten.

#Notizen zu Namen

14. September 2009 | Selbsternannter Sofakönig durchrennt den ganzen Kanton

Schaffhauser Nachrichten, Region
(lha)

Er hat es geschafft – Yves Keller hielt den 12-Stunden-Lauf durch. 67 Kilometer weit «secklete dä Chäller dur Schafuuse». Dabei durchrannte der selbsternannte «Sofakönig» den Kanton Schaffhausen und streifte dabei noch Deutschland und den Kanton Zürich. Grund des Marathons war für den Radio-Munot-Redaktor, dass er während der Weihnachtsaktion des Radios eine Wette verloren hatte. Mit viel Fleiss und Schweiss brachte er es bereits im Vorfeld zu einer sportlichen Höchstleistung. Wie ein kleiner Held wurde er dann am Samstagabend am Ziel in Schaffhausen empfangen. Alles jubelte, und er drehte sogar noch eine kleine Ehrenrunde, um punkt 20 Uhr durch das Ziel zu laufen.
Sichtlich erschöpft liess er sich von allen gratulieren. «Ich habe daran geglaubt, dass ich es schaffen werde, aber nicht daran gedacht, dass es so rührend wird», sagte Keller mit feuchten Augen. Es sei eine riesige Erleichterung, und der Empfang auf dem Fronwagplatz sei so schön. Die letzten Stunden seien ein Kampf gewesen, gaben seine Betreuer zu, die ihn begleitet hatten. Auf die Frage, ob man ihn in Zukunft an einem Marathon sehen werde, antwortete er: «Vielleicht, aber morgen ganz sicher nicht.» Somit bezahlte er seinen Wetttribut und tat gleichzeitig etwas für den guten Zweck. Man weiss noch nicht, wie viel Geld beim Spendenlauf zusammengekommen ist, aber es wird schon etwas sein bei 67 Kilometern.

#Notizen zu Namen

11. September 2009 | «Beim Laufen werde ich ans Ziel denken»

Schaffhauser Nachrichten, Neuhausen / Schaffhausen
Karin Lüthi

In voller Trainingsmontur steht Yves Keller da, bereit, sein Laufprogramm zu beginnen. Anlässlich der Weihnachtsaktion von Radio Munot hatte er gewettet, dass er zwölf Stunden durch den Kanton Schaffhausen rennen würde, falls die angestrebte Summe tatsächlich zusammenkäme. Sie ist bekanntlich zusammengekommen, und deswegen beisst Keller am kommenden Samstag in den sauren Apfel. «Eigentlich bin ich ja das, was man einen Sofakönig nennt, und somit ziemlich unsportlich», gesteht er. «Da bin ich etwas naiv in ein Unternehmen hineingerutscht, das ich gar nicht abschätzen konnte.»

**Rennen für einen guten Zweck**
Obwohl für den Sofakönig Keller nun eine Leidenszeit begann, nahm er das Training mit grossem Enthusiasmus, und unerschütterlicher Zuversicht in Angriff. Bereits im Januar machte er sich an die Vorbereitung. Pro Woche trainierte Keller vier- bis sechsmal. Entweder betrieb er Krafttraining im Eurofit oder übte sich im Dauerlauf. Zudem hat er sich entschieden, seinen Lauf für einen guten Zweck zu unternehmen. Pro gerannten Kilometer kann man sich für eine Spende für zwei von Schweizerinnen geführte Waisenheime in Peru eintragen. Seine Route beginnt in Stein am Rhein, wo Stadtpräsident Franz Hostettmann den Startschuss geben wird, geht über Diessenhofen nach Schaffhausen und von dort über Neuhausen und Beringen ins Klettgau und schliesslich wieder zurück nach Schaffhausen. Hier will er etwa um 20.00 Uhr auf dem Fronwagplatz eintreffen.

**Trainlngspause wegen Knien**
Es erwies sich, dass die Zeit von Januar bis September fast zu knapp bemessen war, um ein seriöses Vorbereitungstraining aufzubauen, denn es kamen noch zwei Monate krankheitsbedingten Trainingsausfalls dazu. Er bekam Probleme mit seinen laufungewohnten Knien. Erst vor gut zwei Monaten konnte Keller wieder mit dem Training beginnen. Gewisse. Dinge würdee er heute anders machen, ganz besonders würde er mehr Zeit für die Vorbereitung einplanen. Zudem sei es gemäss Keller sehr schwierig, einen Vollzeitjob und das anstrengende Training unter einen Hut zu bringen. Doch als unerschütterlicher Optimist vertraut Keller seinen Betreuern, die ihm verschiedene Mittel angegeben haben, die ihm über die schlimmsten Phasen helfen sollen. Rat hat er sich auch von einem geholt, der es wissen muss. «Der Duathlon-Europameister Andy Sutz empfahl mir, immer ans nächste Ziel zu denken, wenn ich unterwegs bin», erzählt er. Da er aber nur ein Ziel habe, werde er halt an dieses denken, so Keller zuversichtlich.

**Eigene Grenzen kennenlernen**
Die Vorbereitungszeit war ein Prozess der Selbsterkenntnis. Dass ein Teil seines Körpers einfach in Streik gehen kann wie etwa die Knie, war eine erschütternde Erfahrung für den jungen Mann, der sich bisher auf seinen funktionierenden Körper verlassen konnte. Verschiedenes hat er auch ausprobiert, damit er am Samstag weniger zu leiden haben wird. So hat er sich kürzlich die Haare an den Beinen abrasiert, um zu vermeiden, dass er den «Wolf» bekommt. Dabei musste er aber feststellen, dass ihn die nachwachsenden Härchen so schrecklich pieksten, dass das noch fast schlimmer war als der gefürchtete «Wolf».
Für den inzwischen durchtrainierten Sofakönig Keller ist aber eines klar: «Einen ganzen Tag zu laufen hängt nicht nur von der körperlichen Fähigkeit ab, sondern ist vor allem eine Frage der mentalen Stärke.» Keller ist sich im klaren darüber, wie sehr er sich selbst unter Druck gesetzt hat. Schliesslich steht er unter den Augen der Öffentlichkeit. Da er aber einen starken Willen besitzt, traut er sich zu, den Nonstoplauf durch den Kanton zu bewältigen.

#Allgemeines

10. September 2009 | Bierbrauer förderten Wasserversorgung

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Christoph Merki

Da Schaffhausen als Weinbauregion bekannt ist, würde heute niemand vermuten, dass vor geraumer Zeit nicht Rebensaft, sondern frisches Bier die Schaffhauser erfreute. Obschon mit den Klöstern der Wein eine Hochkonjunktur erlebte, sind schon viel früher, aus dem Jahre 1120, schriftliche Belege für neun Bierschenken auf Stadtboden bekannt. Was jedoch viel mehr überrascht, ist die innovative Wasserversorgung, welche für die Produktion von Bier unabdingbar war. «Pro Sud und Bierschenke wurden dazumal schon etwa 5000 Liter Wasser benötigt», weiss Kantonsarchäologe Kurt Bänteli, «darum war eine gute Wasserversorgung auch im Sinne der Bierbrauer und wurde wahrscheinlich auch von ihnen gefördert.» Ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem, bestehend aus einer Ziegelrinne, abgedeckt mit durch Lehm abgedichteten Kalksteinen, versorgte die heutige Altstadt mit Wasser.
Bei Werkleitungssanierungen im Bereich obere Vordergasse und Fronwagplatz wurde vor zwei Jahren diese älteste mittelalterliche Wasserleitung der Schweiz entdeckt. An fünf Stellen auf 100 Meter konnte der mittelalterliche Kanal verfolgt verfolgt werden. «Das Mittelalter wird normalerweise als unterentwickelt dargestellt, doch das stimmt gar nicht», betont Bänteli. Das Wasser für diese Leitung sei wahrscheinlich Quellen auf der Breite entsprungen. «Die archäologischen Funde aus dem Mittelalter in Schaffhausen sind meist einzigartig und lassen auch Experten aufhorchen, nur die Schaffhauser nehmen dies leider nicht zur Kenntnis», resigniert Bänteli. Die Annahme, dass eine Quellfassung im Mühlental die ganze Stadt mit Wasser versorgte, wurde widerlegt. Diese Leitung stamme nämlich aus dem späten 12. oder 13. Jahrhundert und sei in erster Linie für die Vorstadt gedacht gewesen. Auch heute noch werden die meisten Schaffhauser Brunnen von dieser Wasserfassung gespeist. «Diese Wasserzufuhr gilt noch als Notleitung, sollte in Schaffhausen ein ‹worst case scenario› eintreten», so Roger Brütsch, Geschäftsbereichsleiter Gas/Wasser der Städtischen Werke. Im historischen Pumpwerk der Städtischen Werke Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall wurde nun ein kleines Museum eingerichtet, welches sich der Wasserversorgung der Stadt Schaffhausen widmet. Von einer Nachbildung der historischen Ziegelrinne aus dem Mittelalter über Gussleitungen von Georg Fischer bis hin zu den neusten Rohrmaterialien kann so die fast tausendjährige Geschichte der Wasserversorgung verfolgt werden. Am kommenden Samstag besteht die Möglichkeit, im Rahmen des Europäischen Tages des Denkmals das Museum zu besichtigen.