#Allgemeines

23. Juni 2009 | Einmal im Leben das eigene Bier brauen

Coop-Zeitung, Touristische Perlen
Christian Degen

Die Anweisungen sind klar und präzise. «Das Gerstenmalz nun langsam ins Wasser geben, gut rühren.» Markus Reutimann, Gastgeber, Bierbrauer, Bauer und Lehrer in einer Person, führt seine Gäste in der Scheune auf seinem Hof in Unterstammheim nördlich von Winterthur souverän zum ersten selbst gebrauten Bier. Nun noch etwas geröstetes Malz für die Farbe zugeben, fertig – aber nur fast. Die wässrige Gerstensuppe, 9,5 Kilo gemahlenes Gerstenmalz auf 40 Liter Wasser, sieht im Moment noch nach allem Möglichen aus und riecht auch so, aber mit Bier hat sie nun echt noch nicht viel zu tun. In den nächsten eineinhalb Stunden wird die Suppe erhitzt, damit die Stärke des Getreides in Zucker umgewandelt werden kann. Und dann fehlt da noch der Hopfen, das eigentliche Gewürz eines Bieres.
Was es mit dem Hopfen auf sich hat, erklärt Reutimann den Teilnehmern seines Schaubrauseminars, einer Gruppe des Pharmakonzerns Roche aus Basel, auf einem Rundgang durch sein Hopfenfeld. Auf dem Weg dorthin kommt es noch zu einer Begegnung der etwas anderen Art. Geissbock «Heliomalt» begrüsst die Gäste. Sein krummes Horn, ein Relikt aus einem Kampf mit einem Widder, lässt ihn skurril aussehen – für die Gäste ist er jedoch gerade deshalb ein beliebtes und willkommenes Fotosujet.
Aber zurück zum wohl wichtigsten Bestandteil eines Bieres, dem Hopfen. Die Pflanzen werden bis zu 7,5 Meter hoch und wachsen pro Tag bis zu 35 Zentimeter. 6500 der Stöcke stehen im Hopfengarten in Reih und Glied – nur Weibchen, die männlichen Pflanzen müssen aussortiert werden, da sonst die Dolden befruchtet und damit weniger ertragreich würden. «Männer brauchts hier nur für die Ernte», lacht Reutimann. Mit den Blüten einer Pflanze können rund 800 bis 1000 Liter Bier gewürzt werden.
Apropos Bier: In der Scheune ist die «Suppe» inzwischen gar. Die Brühe kann nun über ein Sieb in einen frischen Kessel gegossen werden, und man staune, der Saft hält dem optischen Vergleich mit einem Bier bereits stand. Für den guten Geschmack brauchts eben Hopfen, für die Gärung Hefe, und dann vor allem Zeit – erst in rund sechs Wochen ist das Jungbier alt genug und trinkreif – und seine Entstehung aus der Ursuppe vergessen.


**Das eigene Bier – Selber brauen im Zürcher Weinland**

Beim Schaubrauen auf dem Hof «Hopfentropfen», in der kleinsten Brauerei der Schweiz, erfahren Sie einiges über die Geschichte des Biers und brauen durch aktive Mitarbeit ein Hausbier. Hopfen wird aber nicht nur für Bier eingesetzt. Auf dem Hopfenlehrpfad lernen Sie, wie die hochrankige Doldenpflanze wächst und was daraus hergestellt werden kann. Preis: 45 Franken pro Person inklusive Degustation. Weitere Infos und Anmeldung über Tel. 052 745 27 19 oder auf:
www.hopfentropfen.ch

#Allgemeines

22. Juni 2009 | «Wo nicht gebaut, wird bald nicht mehr gebraut»

Schaffhauser Nachrichten
Werner Breiter

Die Situation auf dem Schweizer Biermarkt hat sich in den letzten 20 Jahren bei stetig sinkendem Verbrauch stark verändert. «65 bis 70 Prozent des Absatzes beanspruchen die beiden ausländischen Grosskonzerne Carlsberg und Heineken für sich, um den Rest kämpfen die noch verbliebenen Schweizer Brauereien, wie die Brauerei Falken», stellte Braumeister Oskar Dommen bei der Begrüssung zum Rundgang fest.
Auf dem Rundgang konnte unschwer festgestellt werden, dass die Brauerei Falken in den letzten Jahren technisch gewaltig aufgerüstet hat. Was investiert wird, finanziert das Unternehmen aus den erwirtschafteten Erträgen nach dem Motto «Wo nicht gebaut, wird bald nicht mehr gebraut». Durch den gezielten Ausbau der Anlagen verfügt die Brauerei Falken heute über mehr Kapazität, als die effektive Produktion erfordert. «Wir teilen unsere Produktion in A- und B-Wochen auf, wobei in den ersteren produziert, in den letzteren abgefüllt wird», erklärte Oskar Dommen weiter. Durch Lohnfüllungen wird fast eine vollständige Auslastung der hochmodernen Abfüllanlage erreicht, zwei weitere Aufträge stehen in Aussicht. Den gut signalisierten Rundgang durch die Anlagen legten die Besucher im Einzelsprung zurück, ihre Fragen wurden an den wichtigsten Stationen durch fachkundiges Personal beantwortet. Anfänglich konnte ein Blick auf die zur Herstellung der verschiedenen Biere notwendigen Rohstoffe – Emmer, Caramel-Malz, Weizenmalz, Röstmalz und Weizen für das First Cool – geworfen werden, die in einem ersten Arbeitsgang im Läuterbottich aufbereitet werden. Für jede Biersorte gibt es ein im Computer abgespeichertes Programm, das vom Biersieder anschliessend abgerufen werden kann. Von Mitternacht bis sechs Uhr früh gelangen so bis zum Mittag 45 000 Liter in den Gärtank. Das Brauwasser durchläuft einen Schichtenspeicher und wird in einem weiteren Arbeitsgang entmineralisiert. Im Lagerkeller stehen bei Temperaturen um die null Grad Celsius 95 Lagertanks mit einem Fassungsvermögen von 1,8 Millionen Litern Bier, die dort während 12 bis 15 Wochen gelagert werden. 24 000 Flaschen werden in der Füll- und Verschliessanlage pro Stunde abgefüllt. Zuvor werden die Flaschen und Harasse einem aufwendigen Aufbereitungsprogramm unterzogen. Dem Tag der offenen Tür wohnten Falken-Verwaltungsratspräsident Jürg P. Spahn, Rudolf Moersen und Direktor Philipp Moersen sowie Ständerat Hannes Germann und Stadtrat Urs Hunziker bei. Letztere gesellten sich nach dem Rundgang zu den vielen Besuchern in der gedeckten Festwirtschaft, die sich Bier, Wurst und Brot bei den schmissigen Klängen von Marcel Schellenberg und seiner Band schmecken liessen.

#Notizen zu Namen

22. Juni 2009 | Rudolf Hädener ist in Basel verstorben

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
(W. J.)

Rudolf Hädener ist in der vergangenen Woche in seinem 90. Altersjahr im Felix- Platter-Spital in Basel gestorben. Der über viele Jahrzehnte in Schaffhausen tätig gewesene Rechtsanwalt und Parlamentarier durfte nach einem ausserordentlich aktiven und in geistiger Hinsicht erfüllten Leben nur wenige Wochen nach seiner Einlieferung in das Universitätsspital Basel und der anschliessenden Überführung ins Felix-Platter-Spital für immer einschlafen. In den letzten Jahren lebte Rudolf Hädener in der Nähe seiner Schwester Julia in Riehen. Julia Hädener hat ihren Bruder während dieser Zeit auf eine vorbildliche und aufopfernde Weise persönlich betreut. Rudolf Hädener ist 1920 als Sohn des ehemaligen Grundbuchverwalters Julius Hädener auf die Welt gekommen. Nach Absolvierung der Kantonsschule wandte er sich dem Studium der Rechte und der Anthroposophie zu. In beiden Bereichen hat er sich während Jahrzehnten auf besondere Weise engagiert. Zudem hat Rudolf Hädener sowohl als Rechtsanwalt als auch als Kantonsrat das öffentliche Leben in diesem Kanton mitgeprägt. Sein Einsatz im Zusammenhang mit der Melioration im untern Kantonsteil, sein Engagement um die Einführung der Verwaltungsgerichtsbarkeit und sein Kampf um eine vernünftige Entflechtung von Kirche und Staat sind nur einige wenige Schwerpunkte des vielseitigen Wirkens seitens des langjährigen prominenten Exponenten der FDP.

#Notizen zu Namen

10. Juni 2009 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten, Region

Ungewohntes tat sich am Montag im Kantonsrat: Als das Parlament über das Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen abstimmte, stand neben einigen wenigen SP- und den drei AL-Vertretern auch SVP-Kantonsrat Andreas Gnädinger als einziger Bürgerlicher weit und breit gegen die Vereinbarung auf. Was war geschehen? In der Beratung hatte Florian Keller (AL, Schaffhausen) nachgewiesen, dass einige Bestimmungen des Konkordats bei genauer Betrachtung rechtswidrig sind. Offenbar sprach er so überzeugend, dass Gnädinger, Jurist und Rechtsanwalt, nicht mehr zustimmen mochte. «Der Jurist hat über den SVPler gesiegt», sagte er nachher.

#Notizen zu Namen

10. Juni 2009 | Die Rückkehr der «verlorenen» Scheibe

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Edith Fritschi

Die Damen und Herren Stadträte hatten Grund zur Freude. Denn es galt, die Rückkehr der «verlorenen Wappenscheibe» zu feiern. Dazu waren bis auf Ernst Böhni alle Steiner Stadträte, dazu Stadtpräsident Franz Hostettmann, Stadtschreiber Fritz Jost und Archivar Michel Guisolan erschienen, und der Schaffhauser Stadtrat war in corpore da. Nun werde ein Versprechen eingelöst, das bei der 1000-Jahr-Feier der Stadt Stein am Rhein gegeben worden sei, meinte Stadtpräsident Thomas Feurer. Damals hatte sein Vorgänger Marcel Wenger in einer launigen Rede angekündigt, dass die aus dem Jahr 1679 datierende Wappenscheibe der Stadt Stein am Rhein, die vermutlich ein Wilhelm Wolf angefertigt hatte, als Geschenk der Schaffhauser zum runden Jubiläum wieder den eigentlichen Besitzern zurückgegeben werde.
Seit der frohen Botschaft, die man gerne hörte, sind knapp zwei Jahre vergangen. Gestern wurde nun offiziell Wort gehalten. Wengers Nachfolger Feurer konnte das kostbare Werk dem Steiner Stadtpräsidenten im Museum überreichen. «Es ist für uns eine schöne Überraschung»d, sagte Hostettmann. «Kaum jemand hatte geglaubt, dass die Wappenscheibe jemals wieder nach Stein am Rhein zurückkehren würde.» Damit zweifelte er indes nicht das gegebene Versprechen der Schaffhauser an, sondern wies vielmehr auf die Odyssee der Wappenscheibe hin. Um die Rückgabe hatte sich bereits 1922 Professor Ferdinand Vetter, damaliger Besitzer des Klosters St. Georgen, bemüht. Doch das Gesuch wurde abschlägig und mit Verweis auf die Stadt Schaffhausen als rechtmässige Eigentümerin beschieden. Tempi passati. Die Scheibe wird nun im Zuge der Sanierung wieder im Steiner Rathaus eingegliedert werden. Vorerst aber dürfte sie, so Stadtarchivar Michel Guisolan, provisorisch im kleinen Rathaussaal aufgehängt werden. «Wir geben sie nicht gern her», scherzte Thomas Feurer, «aber wir geben sie, weil wir die Steiner mögen.» Zudem nutze man das Treffen beider Stadtratsgremien, um die Kontakte auszubauen und sich freundschaftlich über eine weitere gute Zusammenarbeit zu unterhalten.

**Einst gabs Kontroversen Wappenscheibe aus dem Kreuzsaal kehrt nach Stein am Rhein zurück**

Die Wappenscheibe, die jetzt wieder nach Stein am Rhein kommt, stammt aus einem Zyklus von Glasgemälden des Altzürcher Glasmalers Hans Wilhelm Wolf von 1679 und zierte ein Kirchenfenster in der Stadtkirche. Dort hatte der Steiner Pfarrer Melchior Kirchhofer gegen den Widerstand der Bevölkerung 1922 eine Erneuerung der Kirche durchgesetzt. Er störte sich vor allem an den Lichtverhältnissen und bezeichnete die Fenster als «alt und finster». Auf einem nicht genau bekannten Weg landeten die Scheiben dann als «Bauschutt» in Schaffhausen und tauchten erst 1856/1888 als städtischer Besitz wieder in den Akten auf. Daraus ist ersichtlich, dass sie seit 1929 im Gymnasium und später im «Allerheiligen» aufbewahrt wurden. 1922 stellte Stein das Begehren um die Herausgabe der Scheiben, und es kam zu einer Kontroverse, in der Gesuch- steller Ferdinand Vetter dem Schaffhauser Stadtrat «Ungerechtigkeit, Bösgläubigkeit und Ergatterung strittigen Besitzes» unterstellte. Der Zeitpunkt für eine Rückgabe war auch denkbar ungünstig: Man war dabei, das Kloster in ein Museum umzubauen, und plante, die Scheiben im Kreuzsaal einzusetzen, was auch geschah.

#Alt-Scaphusia

7. Juni 2009 | Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschiede unseres lieben Farbenbruders

Oscar Wanner olim Strick
Dr. med.
aktiv 1936-1938

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 17. Juni 2009 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Abdankung findet am Montag, 15. Juni 2009 um 13.30 Uhr im Waldfriedhof statt.

#Allgemeines

6. Juni 2009 | Falkens Munot-Weizen ausgezeichnet

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Simon Jörger

Gestern wurden in Zürich von der Interessengemeinschaft der Klein- und Mittelbrauereien im Rahmen der Pro-Bier-Auszeichnung 2009 Biersorten in vier verschiedenen Kategorien prämiert. In der Sparte «obergärige Biere» heisst der Sieger Munot-Weizen von der Brauerei Falken aus Schaffhausen. «Diese Auszeichnung freut mich ausserordentlich», sagte Oskar Dommen, Braumeister der Brauerei Falken, nach der Ehrung. Er sehe dies als Bestätigung an, dass der eingeschlagene Weg der richtige sei. «Wir haben schon mehrere Preise gewonnen, aber diesen stufe ich ganz hoch ein», betonte er.

**Fruchtig und prickelnd**
Das Munot-Weizen charakterisiert Dommen als fruchtig, prickelnd und mit einem speziellen Weizenbieraroma versehen. Es weise einen leicht erhöhten Kohlensäureanteil auf. Es enthält Bierhefe und wird demnach zu den naturtrüben Bieren gezählt. Das Munot-Weizen sei, anders als die 0-8-15-Biere aus der Fernsehwerbung, ein Bier für Feinschmecker. «Im Gegensatz zu den untergärigen Bieren schwimmt bei den obergärigen die Hefe während der Gärung an der Oberfläche der Flüssigkeit», erklärte Dommen. Dies liege an der Hefesorte. Obergärige Biere schmeckten lieblicher, fruchtiger und weniger hopfenbetont, so Dommen. Mehr wollte er zur Herstellung nicht sagen. «Das Bankgeheimnis ist derzeit ja am Wackeln, aber das Braugeheimnis wird nicht so schnell preisgegeben», scherzte der Braumeister. Mitte Mai hat die Brauerei Falken mit dem Eidgenossen eine Neuheit auf den Markt gebracht. Das spezielle daran sei das Honigaroma. Es handle sich dabei um ein liebliches Bier für jeden Biergeniesser, so Dommen. Diesen Herbst soll überdies ein weiteres Produkt lanciert werden. «Das wird auch ein spannende Sache», verriet er.

**Grösste Brauerei des Bewerbs**
Die Brauerei Falken mit ihren gut 60 Mitarbeitern ist neben der Brauerei Locher aus Appenzell die grösste Brauerei, die an dem Bewerb teilgenommen hat. Neben dem Schaffhauser Betrieb wurden auch die Brauerei Felsenau aus Bern, die Brauerei Müller aus Baden und die Brauerei Baar ausgezeichnet. Zum Newcomer des Jahres wurde das Liechtensteiner Brauhaus erkoren. Insgesamt wurden von einer 8-köpfigen Jury 36 verschiedene Biere getestet. Ziel der Interessengemeinschaft sei es, die Biervielfalt der Schweiz zu fördern, sagte der Präsident der Interessengemeinschaft, Alois Gmür. Die kleinen und mittelgrossen Brauereien decken einen Marktanteil von 8 Prozent, aber 90 Prozent der Sortenvielfalt ab. Eine Krise sei bei den kleinen und mittelgrossen Brauereien nicht zu verzeichnen, so Gmür. Es sei im Gegenteil ein Aufwind zu spüren. In diesem Sinne stiessen die anwesenden Mitglieder miteinander auf eine florierende Zukunft mit einer vielfältigen Schweizer Bierkultur an: «Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!»

#Allgemeines

5. Juni 2009 | Erstklassige Heldenmission

Schaffhauser Nachrichten, Region
Conradin Leeser

Es war zweifelsfrei die Nachricht der Woche: Die Kantonsschule plant die energetische Unabhängigkeit, initiiert von Rektor Urs Saxer und wohlwollend unterstützt vom Schaffhauser Kantonsrat. Autarkie im kleinen Paradies, die Befreiung einer Eliteschule aus den Klauen ausländischer Energiemultis. So weit, so unumstritten. Kontroverser: Die jüngsten Autarkiebestrebungen sind begründet auf der postwendenden Inbetriebnahme eines Atomreaktors russischen Fabrikats, Typ RBMK. Dessen Detonation am gestrigen Donnerstag – de facto nach nur zweitägigem Betrieb – der lautstarke Auftakt zum traditionellen Maturastreich der Abschlussklassen von Maturitäts- und Fachmittelschule.

**Aktuelles Thema als Grundlage**
«Wir wollten explizit ein sinnvolles Thema aufgreifen – die Atomthematik hat sich da angeboten, ist sie doch aktuell, und junge Leute machen sich Gedanken darüber», so Sandra Bruderer vom Organisationskomitee, bezugnehmend auf die Beweggründe zur Thematisierung des nuklearen Super-gaus. Dem gestrigen, finalen Reaktorunglück gingen indes bereits Tage zuvor mannigfaltige Aktivitäten der Abschlussschüler voraus: «Am Dienstag wurde der Reaktor per Lastwagen angeliefert und die Schüler durch den Rektor informiert, am Mittwoch dann gab es Protestaktionen gegen den Atomreaktor, konkret mehrere Reden, Plakate und einen Sitzstreik», so Bruderer resümierend.

**Keine Flucht vor Dekontamination**
Vermummt in weissen Ganzkörperanzügen, das Gesicht durch Masken verdeckt, in den Händen und auf dem Rücken Sprühgeräte zur Dekontamination: Die Evakuation ihrer Schulkollegen aus den radioaktiv verseuchten Kantonsschulgebäuden hatten sich die Viertklässler gleich selbst zugeschrieben – nicht nur zur Freude der Betroffenen. Entschädigt für gewässerte Haare und feuchte Kleider wurden die Geretteten letztlich allerdings durch ein äusserst gelungenes Programm im Anschluss: Nebst der Präsentation selbstgetexteter Raps (Rap für die Nachwelt), abstrakter Theatereinlagen der Lehrer und kreativer Arbeiten seitens der jüngeren Jahrgänge dominierte vor allem ein Thema: die Wahl des goldigen Erstklässlers, betitelt als verseuchter Erstklässler. Nomen est omen: Erst gewählt, wurde der frisch Gekürte auch noch gleich auf Heldenmission geschickt – nichts weniger als die Klärung des Reaktorproblems wurde ihm aufgetragen.

**Mit dem Segen des Rektors**
Dass der diesjährige Maturastreich in traditionellem Rahmen verlief, ist dabei keineswegs selbstverständlich: Vor zwei Jahren erhitzte die Abschaffung der Verkleidungswoche durch Rektor Urs Saxer die Gemüter der Schüler, der letzte Schultag stand im Zeichen des Konflikts zwischen Schulleitung und Schülerschaft. Bleibt die Frage: Verlief der Maturastreich heuer ganz nach dem Gusto Saxers? «Für mich war dies ein erfreulicher letzter Schultag. Ich hatte Freude, dass der diesjährige Maturajahrgang ein Thema wählte, das auch Tiefgang ermöglichte und das sich als roter Faden durch die Veranstaltung zog», so der Rektor zusammenfassend.

#Allgemeines

5. Juni 2009 | Verwirrender Damentausch auf dem Munot

Schaffhauser Nachrichten, Region
Linda Hatt

Passend zum sommerlichen Wetter, fand am Dienstagabend der traditionelle Quadrille-Kurs auf dem Munot statt. Alle interessierten Schaffhauser waren herzlich willkommen, sich auf der Zinne in die Freuden und Tücken des Quadrille-Tanzes einführen zu lassen. Seit 1941 wird jedes Jahr ein Kurs angeboten, damit Mitglieder des Munotvereins und Interessierte den ursprünglich höfischen Tanz erlernen können. Am Munotball wird zu Musik von Strauss dann Quadrille getanzt. «Einen Korb geben darf man auf dem Munot nicht, man hatte früher entweder Glück oder Pech», erzählte Annekäthi Bührer, Leiterin des Kurses, von der einst vorherrschenden Herrenwahl. Am Dienstagabend ging es längst nicht mehr so streng her und zu: Alle kamen bereits als Paar. Das Alter der Interessierten war sehr durchmischt, von Kantonsschülern bis zu Senioren waren alle Altersgruppen vertreten. Es war auch nicht so, dass nur blutige Anfänger den Kurs besuchten, denn nur gerade die Hälfte der geschätzten 150 Personen, war zum erstenmal dabei. Dennoch bereitete die Quadrille fast allen Anwesenden in der ersten Stunde etwas Probleme. «Die ganze Sache ist sehr freundlich, es gib sehr viele Knicks», verkündete Bührer zu Beginn. So wurden als erstes genau diese Knicks geübt. Kurzzeitige Verwirrung schaffte der Tausch des «eigenen Mannes» mit einem «fremden» und einem «noch fremderen», wie Bührer den Damentausch erklärte. Bald hatte jeder wieder seine Dame, und nach einigen Wiederholungen sass diese Partie der Quadrille. Nach und nach wich auch die konzentrierte Anstrengung aus den Gesichtern, und man sah dem Partner in die Augen und beobachtete nicht mehr die eigenen Füsse. Die Teilnehmer schienen alle sichtlich Freude an dem Tanz zu entwickeln.

#Allgemeines

30. Mai 2009 | «Toll gemacht, ich bin beeindruckt!»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Claudia Härdi

Die Maturaarbeit ist eine Arbeit, bei der sich die Kantischülerinnen und -schüler mit einer frei gewählten Thematik intensiv auseinandersetzen können. 151 Maturaarbeiten wurden dieses Jahr geschrieben. Von all diesen Arbeiten wurden siebzehn von den Betreuungspersonen in Absprache mit einer Fachkraft zur Prämierung angemeldet. Eine achtköpfige Jury hatte die schwierige Aufgabe, in den vier Kategorien Sprachen, Naturwissenschaften und Mathematik, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Kunst und Sport je maximal zwei besonders beeindruckende Arbeiten für die Prämierung auszusuchen. Nur acht haben schliesslich einen Preis erhalten, auch wenn alle siebzehn zu den besten gehören.
«Wie soll man von siebzehn allesamt sehr guten Arbeiten die besten aussuchen, und wie sollen diese prämierten Arbeiten bezeichnet werden?», fragte sich Prorektor Thomas Stamm in seiner Begrüssungsrede. Hans Dieter Hüsch habe empfohlen, man solle vielsagend «Unwahrscheinlich!» rufen. Doch sei dieser Ausdruck im übertragenen Sinne genauso viel- wie nichtssagend und im eigentlichen Sinne des Wortes auch nicht zutreffend. «Erstaunlich» sei zutreffender. «Am besten gefällt mir exzellent, auch wenn es ein Fremdwort ist, das vage an ein Computerprogramm erinnert», so Stamm.
Nach dem musikalischen Auftakt von Jakob Ackermann und Omar Stefaner, die mit ihren hervorragenden Darbietungen am Flügel das Publikum auf die Preisverleihung einstimmen, wurden dann auch bald die acht Katzen aus dem Sack gelassen.
Die Laudatio für den Preis der unabhängigen Schaffhauser Buchhandlung Fass verlas Georg Freivogel. Walter Jakob, Vizepräsident der Naturforschenden Gesellschaft, verkündete mit viel Witz die Prämierungen für den Preis der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen. Peter Scheck, Stadtarchivar, kürte die geistes- und sozialwissenschaftlichen Arbeiten und übergab den Preis des Historischen Vereins Schaffhausen, und Andreas Liberato von der Schaffhauser Kantonalbank verlas die prämierten Arbeiten im Bereich von Kunst und Sport, die den Preis der Schaffhauser Banken erhielten. Nach der offiziellen Feier wurden alle zu einem kalten Buffet eingeladen. Auch wenn an diesem Abend nicht alle einen Preis mit nach Hause nehmen konnten, so wurden dennoch alle Arbeiten mit einer Urkunde als Anerkennung für die beindruckende Leistung ausgezeichnet. Oder wie Stamm zum Schluss sagte: «Toll gemacht, ich bin beeindruckt!»


**Exzellent Eine Übersicht der Maturaarbeiten, die mit Preisen ausgezeichnet wurden.**

Den Preis der unabhängigen Schaffhauser Buchhandlung Fass für Maturaarbeiten im Fachbereich der Sprachen erhielten: «Français – English – Deutsch: Le multilinguisme dans les entreprises en Suisse Romande» von Vanessa Glauser, betreut von Stefan Genner, und «Damals – Ein Stück über das Leben und die Verluste einer deutschen Jugendlichen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges» von Simone Messerli und Marie-Claire Schug, betreut von Walter Millns.
Den Preis des Historischen Vereins Schaffhausen für Maturaarbeiten im Fachbereich der Geistes- und Sozialwissenschaften erhielten: «Transkription und Interpretation der Renovation des Urbar von 1303, geschehen 1510 (Neunkirch Urbar)» von Lukas Freitag, betreut von Eric De Pizzol, und «Hat die Pressefreiheit Russlands eine Zukunft?» von Edi Bollinger, betreut von Hans-Rudolf Dütsch.
Den Preis der Schaffhauser Banken für Maturaarbeiten im Fachbereich der Kunst und des Sports erhielten: «Recyclophone» von Jeremias Happle, betreut von Anna Ninck, und «Illustrationen zum Roman ‹Die Bruderschaft vom Heiligen Gral› von Rainer M. Schröder» von Patrick Oberholzer, betreut von Silvio Vanzella.
Den Preis der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen für Maturaarbeiten im Fachbereich der Naturwissenschaften und der Mathematik erhielten: «Iterationen von Möbiustransformationen» von Yannick Meier, betreut von Ueli Manz, und «Rheinuferwandel im Staubereich des Kraftwerks Schaffhausen» von Silvan Burger, betreut von Anna Jablonkay.

#Notizen zu Namen

17. Mai 2009 | Die deutsche «Linke» als Vorbild

Schaffhauser Nachrichten, Inland
Michael Brunner

Eine Partei, die den Sozialdemokraten das Wasser links abgräbt: Es ist in etwa das letzte, was die kriselnde SP gebrauchen kann. Doch genau dies strebt Florian Keller, Kantonsrat der Schaffhauser Alternativen Liste, an. Daher treffen sich heute rund 15 Personen aus dem bunten, aber ziemlich zersplitterten linken politischen Lager in Bern. Dabei sind auch einzelne Dissidente aus der SP, möglicherweise sogar national bekannte Persönlichkeiten, allerdings keine aktiven eidgenössischen Parlamentarier, relativiert Keller.
Die Zusammenkunft sei zwar erst ein Arbeitstreffen. Aber Keller hofft, dass schon Anfang kommenden Jahres eine starke Linkspartei nach dem Vorbild der Deutschen «Die Linke» gegründet werden kann. «Das ist nötig, weil die SP die Grundrechte zu wenig konsequent vertritt, den Gewerkschaften gegenüber zu kritisch ist und auf zu rechtes Personal wie Chantal Galladé oder Simonetta Sommaruga setzt.» Keller glaubt zudem, dass bald der Wahlmodus bei den Nationalratswahlen so geändert werden muss, dass kleinere Parteien bessere Chancen haben. «Dafür müssen wir uns vorbereiten, indem wir eine nationale Linkspartei gründen.» Heute hat das Linksaussenlager nur einen Sitz in Bern.

**Frühere Versuche gescheitert**
Ob die Gründung einer starken Linkspartei wirklich gelingt, ist noch ungewiss. Bereits früher, zuletzt vor den nationalen Wahlen 2007, sind solche Versuche jeweils früh steckengeblieben. Haupthindernis ist die Partei der Arbeit (PdA), die heute in Bern nicht vertreten ist. Damit fehlt die traditionsreichste Linkspartei. Laut Keller ist dies aber auch besser so. «Die Partei hat einen Ruf als sektenhaft, und dies nicht zu Unrecht.» Zu dogmatisch halte sie an überkommenen kommunistischen Ideen fest und sei nicht an einer wirklichen Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppierungen interessiert. Wegen diesen Abgrenzungstendenzen hat sich Josef Zisyadis, der einzige PdA-Nationalrat, seit einiger Zeit aus der nationalen Partei zurückgezogen. Und Zisyadis’ Waadtländer Sektion steht laut Keller kurz vor dem Austritt aus der nationalen Partei. Zisyadis wird daher heute beim Treffen ebenfalls dabei sein.

**Walter Angst ist skeptisch**
Obwohl das linke Lager also zerstritten ist, wird auch Walter Angst, für die Zürcher PdA im Stadtparlament, heute in Bern mitreden. Anders als seine Partei findet er eine enge Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppierungen sinnvoll. Er liess sich auch auf einer gemeinsamen Liste mit der Alternativen Liste ins Zürcher Stadtparlament wählen. Trotzdem geht er mit der PdA nicht so hart ins Gericht wie Keller. «Es geht da halt um das Bewahren von Traditionen.» Angst würde es freuen, wenn es gelingt, eine neue starke Linkspartei zu gründen, er ist aber skeptisch: «Das wird wohl nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird.»

#Notizen zu Namen

5. Mai 2009 | Stein am Rhein damals

Schaffhauser Bock
Susann Schnider

Gegen elf Uhr füllte sich der Obergaden im dritten Stockwerk der Burg mehr und mehr. Die Organisatorin Yvonne Bähler, Leiterin von Tourismus Stein am Rhein, strahlte und hatte alle Hände voll zu tun, die Stuhlreihen immer wieder für neue Gäste zu ergänzen: «Mit so viel Interesse haben wir nicht gerechnet, ich bin überwältigt!» Rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich schliesslich versammelt, als Ursula Thüler-Bryner, Tochter und Lektorin des Autors, erzählte, wie das Buch zustande kam.

«Dieses Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden – schade, dass mein Vater die Lesung in dieser stimmigen Umgebung und die Zweitauflage seines Buches nicht mehr miterlebt,» meinte seine Tochter sichtlich bewegt. Vor etwas mehr als 10 Jahren hatte sie ihren Vater ermuntert, seine Erinnerungen auf Diktaphon zu sprechen und bot ihm an, die Aufzeichnungen zu einem Buch zu verarbeiten, das pünktlich zu seinem 90. Geburtstag unter dem Titel «Jugenderinnerungen eines alten Staaners» erschien. «Erstaunlich, wie viele Einzelheiten mein Vater mit 85 Jahren aus seiner Erinnerung abrufen konnte», erzählte Ursula Thüler. Sie las aus dem Kapitel «Kinderjahre» (siehe «Bock» vom 21. April), dann folgten Müsterchen aus der Schulzeit. Einer der eindrücklichsten Momente war die im Originalton gesprochene Hörprobe ab Band.

Die Beschreibung des äusserst mühsamen Limonadentransportes, auf einem von zwei Kühen gezogenen Wagen, von der Schifflände hinauf zur Burg oder die Schilderung der Freundschaft des Autors mit dem Fabrikantensohn Bruno Siegrist von der «Nudli» gaben Aufschluss über Arbeit und Freizeit, aber auch über die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit.

Höchstspannung brachte das Kapitel, in dem sich der Autor als junger Bursche vom «Zinneli» aus – dem kleinen Balkon im Obergaden – an einem Feuerwehrschlauch für einen unerlaubten Ausgang abseilt und morgens um vier Uhr auf gleichem Weg wieder in die Burg zurückkehren soll… Das gebannt lauschende Publikum teilte Alltag, Freuden und Leiden mit dem jungen Jakob in Stein am Rhein. Seine Erzählungen würzte Ursula Thüler mit erklärenden Zwischentexten und stellte nach der Lesung fest: «Immer wieder konnte ich – besonders bei der älteren Zuhörerschaft – zustimmendes Nicken beobachten. Beim Signieren der Bücher haben sich sogar einige Nachkommen von in der Lesung erwähnten Personen vorgestellt!»

#Notizen zu Namen

1. Mai 2009 | Ehrungen und Preise an ETH-Angehörige

Jahresbericht der ETH Zürich 2008

Prof. Dr. Fröhlich, Jürg, Departement Physik, Korrespondierendes Mitglied, Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz, Deutschland

Dr. Fröhlich, Jürg mit PD Dr. med. Emanuela Keller, Prof. Dr. Peter Niederer
und Mario Jenni, Departement Informationstechnologie und Elektrotechnik, ZKB Pionierpreis, 18. März 2008, Technopark Zürich, Zürich, Schweiz/NeMoDevices GmbH, Zürich, Schweiz

#Notizen zu Namen

1. Mai 2009 | Zum Gedenken an Hanns Deggeller-Daetwyler

Schaffhauser Nachrichten, Nachruf
Bernhard Seiler
Obmann der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte

Zu Beginn der Woche nahm eine grosse Trauergemeinde Abschied von Hanns Deggeller. Der am 19. Februar 1918 geborene Bürger der Stadt hat unsere Welt am 17. April dieses Jahres nach einem langen und erfüllten Leben auf sanfte Weise für immer verlassen. Der Verstorbene hat sich auf vielfältige Weise für seine Familie, seine Freunde und Bekannten, seine Geschäftspartner und Mitarbeitenden sowie für die Stadt engagiert und verdient gemacht. Als ehemaliger Aktiver und späteres Mitglied des Altherrenverbandes der Kantonsschulverbindung Scaphusia, als Unternehmer und Geschäftspartner der im Stahlhandel tätigen Deggeller + Peter AG, als Mitglied des Bürgerrates und des Grossen Stadtrates sowie als herausragender Exponent der Zunft zun Schneidern hat Hanns Deggeller führende Funktionen und Aufgaben übernommen.
So wählten ihn die Obherren und Zunftmeister der zwölf Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte 1982 als Nachfolger von Carl E. Scherrer zu ihrem Obmann und verliehen ihm nach seinem Rücktritt von diesem Amt den Titel eines Ehrenobmanns. Vor etwas mehr als einem Jahr konnten die Schaffhauser Gesellschafter und Zünfter mit ihm in geselliger Runde auf seinen 90. Geburtstag anstossen. Auch am Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Scaphusia im vergangenen Herbst nahm Hanns Deggeller bei guter Gesundheit sowie bemerkenswerter geistiger Frische und Beweglichkeit teil. Die alteingesessene Schaffhauser Familie Deggeller war bis etwa 1800 bei den Webern zünftig und gehört seit nunmehr 200 Jahren zur Zunft zun Schneidern. Es war für Hanns Deggeller eine Selbstverständlichkeit, sich schon früh aktiv in der Zunft zu betätigen. Zuerst im Vorstand und dann während zweier Jahrzehnte als Zunftmeister. Die Schneidern bedankten sich bei ihm für sein sehr aktives Wirken mit der Verleihung des Titels Ehrenzunftmeister. Das Zunftwesen hatte für Hanns Deggeller zeit seines Lebens eine grosse Bedeutung, auch über seine eigene Zunft hinaus. Dann regte er als Zunftmeister an, die Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte möchten ihre Kräfte vermehrt bündeln und sich enger zusammenschliessen. So strebte er zum Beispiel mit der Äufnung eines Fonds die Gewährung von Beiträgen für die Renovation von historischen Zunfthäusern in Schaffhausen an. Diese Idee wurde bereits Ende der siebziger Jahre geboren, als aktive Gesellschafter und Zünfter die Erneuerung des Festsaales im Zunfthaus zur Gerberstube finanziell unterstützten.Es war schliesslich fast selbstverständlich, dass Hanns Deggeller zu Beginn der achtziger Jahre Carl E. Scherrer als Obmann der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte ablöste. Mit sehr viel Motivation, Einfühlungsvermögen, Geschick und wenn notwendig einer gewissen Dosis Beharrlichkeit übte er dieses Amt aus. Sein erster bedeutender Erfolg war die Miete der renovierten Schneiderstube an der Vordergasse. Dank seinem Verhandlungstalent konnte er mit den Besitzern dieser Liegenschaft einen für die Zünfte guten Mietvertrag abschliessen. Damit erhielten diese wieder eine «eigene» Zunftstube, die aber auch Dritten zur Verfügung stand. Sein nächstes Ziel, die Errichtung einer Stiftung – wie er dies schon früher angeregt hatte –, fand mit der Beurkundung 1984 einen erfolgreichen Abschluss. Ein neues Gremium, der Stiftungsrat, bestehend aus den Obherren und Zunftmeistern und präsidiert vom Obmann, trat nun alljährlich mindestens einmal zusammen. Nebst den statutarischen Traktanden ergab sich damit ein ideales «Arbeitsinstrument», um die Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte noch näher zusammenzubringen sowie für die Durchführung grösserer Anlässe wie zum Beispiel der in mehrjährigen Abständen stattfindenden Zunftmunotabende. Gemeinsam gelang auch die Beteiligung der Zünfte an den Feierlichkeiten zum Geburtstag der Eidgenossenschaft von 1991 mit einem Tavernenfest in der Schneiderstube und einer Ausstellung der Silberschätze der Schaffhauser Zünfte. Mitgeprägt und mitgetragen hat Hanns Deggeller auch die Herausgabe der sogenannten Neujahrsblätter. Einer der Höhepunkte im Leben der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte ist eine Zusammenkunft jeweils zu Jahresbeginn. Vor 1984, das heisst vor der Gründung der Stiftung, sind an diesem Anlass auch Beschlüsse gefasst und Wahlen durchgeführt worden. Nach der Stiftungsgründung machte der Obmann Hanns Deggeller aus diesem Anlass eine gesellige Zusammenkunft. Er lud dazu jeweils auch Persönlichkeiten, die sich um die Stadt verdient gemacht hatten, ein. Zu Ehren seines Vorgängers als Obmann, Carl E. Scherrer, nannte er diese Zusammenkünfte Karlstage. Damit erinnern sich die Gesellschafter und Zünfte dankbar an den Erneuerer des heutigen Zunftlebens in unserer Vaterstadt Schaffhausen. Nach zwölf Jahren erfolgreichem Wirken als Obmann der Gesellschaften und Zünfte wünschte sich Hanns Deggeller, auf den Karlstag 1993 zurückzutreten. Doch auch als Ehrenobmann war er stets an allen Anlässen als engagierter und interessierter Teilnehmer präsent. Am 17. April ist Hanns Deggeller für immer eingeschlafen. Für alle, die ihn gekannt und geschätzt haben, bleibt er jedoch unvergesslich. Wir entbieten der Familie und den weiteren Angehörigen von Hanns Deggeller unser aufrichtiges Beileid. Wir verneigen uns vor dem Verstorbenen und gedenken seiner in grosser Dankbarkeit.

#Allgemeines

1. Mai 2009 | Mit Hopfen kann man mehr als Bier brauen

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Edith Fritschi

Vom Hopfen wissen wir allenfalls, dass er Geschmacksgeber und wichtige Ingredienz des Bieres ist. Dass man mit dem botanischen «humulus lupulus L», der zusammen mit dem Hanf zur Familie der Cannabicaceen gehört, tausend andere Sachen machen kann, die gut schmecken und dem Körper wohltun, ist weniger bekannt. Violette Tanner, die Kräuterexpertin aus Hemishofen, holt die Pflanze aus dem kulinarischen Schattendasein heraus und zeigt, dass sie Gourmetqualitäten haben kann. Die SN-Mitarbeiterin, die Monat für Monat eine andere Heilpflanze vorstellt, ist im Rahmen ihrer Ausbildung und Abschlussarbeit an der Heilpflanzenschule in Freiburg/Breisgau «auf den Hopfen» gekommen.

**Wickel und Tee statt Tabletten**
«Volksmedizin interessiert mich schon lange», sagt Tanner, die drei Kinder hat, die relativ oft krank waren. Weil sie nicht nur auf Schulmedizin und Pharmakologie setzen wollte, begann sie, sich intensiv mit der Volksheilkunde und überlieferten Rezepten aus Grossmutters «Kräuterkiste» zu befassen. Sie behandelte die Kinder mit Wickeln und Tees statt Tabletten – und das mit Erfolg. Ihr Kräuterwissen und ihr Interesse an Heilpflanzen wurden immer grösser, und sie beschloss, eine Ausbildung zu beginnen. Die hat sie abgeschlossen und bietet nun selbst Kräuterkurse an – mit Spaziergängen oder kulinarischen Tips. «Es geht mir nicht nur darum, die Kräuter als Heilmittel einzusetzen, sondern auch, sie kulinarisch so zu verarbeiten, dass sie der Prävention und dem Wohlbefinden dienen», sagt sie, die auch eine raffinierte und experimentelle Köchin ist.
Manches Rezept hat sie kreiert, unter anderem solche mit Hopfen, die bisher kaum in herkömmlichen Kochbüchern vorgekommen sind. «Ich finde es gut, wenn wir die Kräuter, die man mit etwas Anstrengung unmittelbar vor der Haustür finden kann, in der Alltagsküche verarbeitet», sagt sie. «Wohlergehen und Genuss können eine Symbiose eingehen, und der Aufwand ist gar nicht gross.»
Vielleicht nicht für sie, die auf dem Land wohnt und einen grossen Garten hat. Was aber tun jene, die nicht direkt an der «Kräuterquelle» sitzen? «Man braucht oft gar nicht weit zu gehen», sagt sie. «Ein Spaziergang über die Wiese oder in den Wald genügen, um mit einer reichen Ausbeute an Wildkräutern zurückzukommen.» Davor aber steht die Kenntnis dessen, was Wildkräuter sind und wie sie verwertet werden können. Das kann, wer will, in Kursen oder aus Büchern lernen. Oder man deckt sich auf dem Markt mit Kräutern ein. «Es gibt viele Möglichkeiten», sagt Tanner, die nichts Dogmatisches, Verbiestertes hat. Sie ist weder strenge Vegetarierin, noch verdammt sie hin und wieder ein schnelles Menu aus dem Päckli. «Doch wenn wir nur noch so essen, vergessen wir, was Geschmack sein kann», sagt die Frau, die ihren Joghurt selbst herstellt, eigenes Brot backt oder Öle ansetzt. «Prinzipiell wird viel zu oft auf Convenience Food zurückgegriffen», bedauert sie. «So verlernen die Kinder schon viel zu früh, was wirklich gut ist.»
Tanner ist es ein Anliegen, die Leute «auf den Genuss zu bringen» und darauf hinzuweisen, dass im Prinzip gegen viele Leiden ein Kräutlein gewachsen ist, bevor man zu Medikamenten greift. Nun hat sie den Hopfen entdeckt und zeigt, was man daraus alles machen kann. «Hopfen hat mich deshalb interessiert, weil er in der Schweiz nur an wenigen Orten angebaut wird», sagt sie, nämlich im Stammertal, im Fricktal und in Ittingen. Weil das Stammertal in unmittelbarer Nachbarschaft, liegt, nahm Tanner im Rahmen ihrer Kräuter-Diplomarbeit Kontakt zu Markus und Brigitte Reutimann in Unterstammheim auf, die Hopfen nicht nur anbauen, sondern daraus auch Produkte wie Likör, Seife oder Sirup herstellen und in ihrem Hofladen verkaufen. Zusammen mit Reutimanns hat Tanner auch selbst Bier gebraut. Dann kam ihr die Idee, ein Hopfen-Kochbuch zu machen. Irgendwie erschien ihr dann die Ringbuchausgabe, die zunächst entstanden war, nicht ganz marktgerecht, und sie suchte einen Verlag. Drei Häuser hat sie angeschrieben und das Manuskript eingereicht – und beim Fona Verlag klappte es. In dessen «Premium-Reihe» passte der Hopfen gut ins Konzept. Bis das Buch fertig war, dauerte es aber ein gutes Jahr. «Die Zusammenarbeit war hervorragend», freut sich Tanner. Eine ihrer Aufgaben war es, alle Rezepte, die sie zuvor zu Hause bereits getestet hatte, nochmals zu kochen und für das Food-Fotografie-Team aufzubereiten. Zweimal kamen die Spezialisten Priska Fuhrer und Oliver Halberg zu ihr nach Hemishofen, um die Gerichte ins Bild zu setzen – im Frühling und im Herbst, wenn die Sprossen beziehungsweise der Hopfen geerntet wurde.

**Auch die Familie profitiert**
Nun liegen Tanners Kreationen schön bebildert und mit detaillierten Rezepten in Buchform vor: Da findet man Anleitungen für eine Biersuppe mit Hopfendolden, einen Orangentrifle mit Hopfenlikör oder für Hopfensenf. Unbestrittener Favorit in ihrer Familie ist der Schoggikuchen mit Hopfenlikör, den man bei Besuch in sieben Minuten herstellen kann. Tanners Hopfenphantasien sind reichhaltig: Stets ist ihr wieder Neues eingefallen, sie hat viel probiert und wieder verworfen. Und: «Meine Familie mag längst nicht alles, was ich mache», sagt sie. Doch das stört sie nicht, denn die Geschmäcker sind nun mal verschieden.

**Ganz nach Hippokrates**
Tanners Wissen geht weit über den Hopfen hinaus: Gut 30 Kurse rund ums Thema Heilkräuter und Kulinarik gibt sie jährlich; bei ihr zu Hause, in der Region Zürich, in Deutschland oder Österreich. Solange sie fürs Buch arbeitete, hat sie die Kurse reduziert. Kräuter sind Tanners grosse Passion. Davon profitiert ihre Familie, die, so stellt sie zufrieden fest, deutlich weniger krank sei als früher und mit Begeisterung isst. So trifft das Motto von Hippokrates, das Tanner ihrem Buch vorangestellt hat, voll und ganz zu: «Eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel und eure Nahrungsmittel eure Heilmittel sein.» Die Werber, die den Slogan «Gesundheit aus der Natur» in die Welt setzten, haben sich wohl beim Griechen Hippokrates bedient.
Im Beizli von Eli Hardegger an der Dorfstrasse 19 in Hemishofen findet heute ab 19.30 Uhr ein «Hopfen-Kulinarik-Abend» mit Violette Tanner statt. Da präsentiert Eli Hardegger ein 4-Gang-Überraschungsmenu für 45 Franken mit verschiedenen Hopfendelikatessen. Anmeldungen unter 052 741 57 48. Infos zu den Kräuterkursen: www.kraeuterwissen.ch


**Delikat und speziell Zwei einfache, schnelle Menus mit Hopfentrieben**

Ein Essen für Feinschmecker sind Spaghetti mit Hopfentrieben und Zitronenrahmsauce. Dafür brauchts für 2–3 Personen 250 Gramm Spaghetti, 1–2 Handvoll Hopfentriebe, 20 Gramm Butter, 1 unbehandelte Zitrone, abgeriebene Schale und 2 TL Saft, 1,5 dl Weisswein, 2 dl Rahm, 2–3 EL geriebenen Parmesan, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker und 1–2 EL geröstete Pinienkerne. Spaghetti in Salzwasser al dente kochen, Hopfentriebe die letzten 2–3 Minuten mitkochen, abgiessen. Butter schmelzen, Zitronenschale kurz andünsten, mit Weisswein ablöschen, aufkochen und 5 Minuten schwach köcheln lassen. Rahm beigeben, einkochen lassen, Parmesan unterrühren und mit Salz, Pfeffer, Zucker und Zitronensaft abschmecken. Alles gut mischen; zum Schluss geröstete Pinienkerne drüber. Tanners Lieblingsgericht ist eine Wildkräuterpfanne mit Hopfentrieben, wofür man 20 g Butter, 1 kleine Zwiebel gewürfelt, 1 rote Peperoni, 1 Handvoll Bärlauchknospen, 4 Hv. gekeimte Sprossen von Hülsenfrüchten, 2 Hv. Löwenzahn, Salz, Pfeffer und etwas frischen Ingwer braucht. Hopfentriebe in 5 cm lange Stücke schneiden, Peperoni kleinschneiden, Zwiebeln in Butter dünsten, Peperoni und Bärlauchknospen 4 Min., die Hopfentriebe die letzten 2 Min. mitdünsten, den Löwenzahn nur noch ganz kurz. Mit Salz, Pfeffer und Ingwer pikant würzen.


**Vielseitiger Hopfen Delikatesse und Heilmittel zugleich**

Mit Hopfen kann man viel mehr als Bier brauen. Ursprünglich im Mittelalter als Konservierungsmittel für Getränke genutzt, entdeckte man nach und nach den positiven Einfluss von Hopfen auf Schlafstörungen und Appetitlosigkeit sowie seine krampflösende Wirkung. Kulinarisch hat Hopfen im Frühjahr und im Sommer einiges zu bieten. Ende März wird der Hopfenspargel gestochen, eine Delikatesse für Gourmets. Mitte April bis Mitte Mai werden die jungen Triebe geerntet, die mit Teigwaren oder Reis harmonieren. Reife Hopfendolden gibts im August, ihr Geschmack ist leicht bitter und nussig, was sich gut in Pesto, Chutney und Guacamole macht. Aber auch für Öl, Essig, Senf, Gelee und Likör sind die Dolden geeignet. Hopfen kann man bei Wechseljahrsbeschwerden einsetzen, und man kann damit Kosmetika, Tees oder Tinkturen selbst herstellen. (efr.)

#Allgemeines

29. April 2009 | Sonnenblumen aus der Flasche

Schaffhauser Nachrichten

Die 1974 gegründete Minibrauerei Fischerstube, die in der Rheingasse nur wenige Meter vom grossen Strom entfernt liegt, ist für ihre innovativen Ideen bekannt. Als das Antikenmuseum Basel vor fünf Jahren die weltweit beachtete Ausstellung «Tutanchamun – Das goldene Jenseits» eröffnete, konnten sich die Kunstfans mit «Tut-Anch-Ueli», einer Bier-Hommage an den Pharao, erfrischen. Damals orientierte sich Braumeister Anton Welti an einem alten ägyptischen Rezept und kreierte ein Bier aus Gerstenmalz, dem Urweizen Emmer, aus Hopfen und Datteln. Mit dem Sonnenblumenbier will der Familienbetrieb nun an diesen Erfolg anknüpfen. Die Kleinbasler liessen sich diesmal von der Van-Gogh-Ausstellung im Basler Kunstmuseum inspirieren. Bekanntlich hatte der niederländische Malerfürst ein Faible für die goldgelben Blumen, die er auf einigen seiner berühmtesten Gemälde verewigt hat. Und auch dem Bier soll er zugeneigt gewesen sein: «Ein gutes Bier kann jemanden vom Suizid abhalten», soll der Künstler einst gesagt haben.
Monatelang feilte der inzwischen pensionierte Braumeister Anton Welti an dem Gebräu. Entstanden ist eine leichtgehopfte helle Bierspezialität mit dezentem Sonnenblumenaroma – das «Van Ueli Bier». Es wird in eine transparente Flasche abgefüllt und hat einen erfrischend-blumigen Geschmack mit samtenem Abgang. Für das Flaschenetikett liess die Brauerei ihr Erkennungszeichen, den Ueli, von einem Basler Grafiker als Van Gogh nachmalen. Angeblich soll in den schönen designten Flaschen sogar mehr stecken: «In den gelben Blüten steckt eine stimmungsaufhellende Substanz», sagt Treml. Bemerkenswert ist die Brauerei Fischerstube nicht nur wegen ihres neuesten Bier-Coups. Entstanden ist sie vor 34 Jahren in einem Akt der Rebellion: aus Protest gegen das Kartell der Grossbrauereien. Der damals von vielen belächelte Alleingang des Arztes Hans Jakob Nideker entwickelte sich zur Erfolgsstory. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe weiterer Kleinbrauereien, welche die Tradition der Bierstadt Basel wiederbeleben wollen. Van-Gogh-Fans und Kunstinteressierte können das «Van Ueli Bier» im Museumsshop sowie bei Basel Tourismus kaufen oder sich direkt vor Ort im Museumsbistro servieren lassen. Natürlich schenken auch die beiden Brauereirestaurants Linde und Fischerstube die neue Spezialität aus.

*Brauerei Fischerstube, Rheingasse 45, Basel. www.uelibier.ch*

#Notizen zu Namen

28. April 2009 | In keinem Geschichtsbuch zu finden

Schaffhauser Nachrichten, Stein / Diessenhofen
Mark Schiesser

Alte Geschichten werden immer wieder gerne gehört, vor allem wenn sie von Jakob Bryner stammen, der seine ganze Jugendzeit auf Burg Hohenklingen verbrachte, wo seine Eltern im Jahre 1911 die Schlosspacht übernahmen. «Erstaunlich, wie sich mein Vater als 85-Jähriger noch minutiös erinnert hat», erklärt seine Tochter Ursula Thüler-Bryner. Damit die vielen interessanten Einzelheiten seiner Schilderungen nicht vergessen würden, ermunterte sie ihn damals, seine Erlebnisse ins Diktaphon zu sprechen, und bot ihm an, seine Aufzeichnungen schriftlich zu verarbeiten. Pünktlich zum 90. Geburtstag waren dann die «Jugenderinnerungen eines alten Staaners» erschienen. eine Mischung aus persönlichen und Naturerlebnissen sowie Beschreibungen. «Er wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden», erinnerte Ursula Thüler, die am Sonntag auf Burg Hohenklingen einige Kostproben aus dem Buch las.

#Allgemeines

21. April 2009 | Singen macht klug

Coop-Zeitung, Kinder und Familie
Matthias Zehnder

Es klingt fantastisch, wenn die über 140 Kinder und Jugendlichen der Luzerner Kantorei singen. Kein Zweifel: Das sind alles hochmusikalische Kinder. Oder? Eberhard Rex, der musikalische Leiter der Luzerner Kantorei, schüttelt den Kopf: «Jedes Kind kann singen lernen.»
Er stelle immer wieder fest: «Musikalische Spiele können Kinder fast immer machen. Es sind also eigentlich alle Kinder mit einer Eigenschaft ausgestattet, die man als Musikalität bezeichnen könnte.» Die Musikalität eines Kindes äussere sich nicht primär darin, dass es von sich aus singen könne oder begabt sei für ein Instrument. «Die Grundbedingung für Musikalität ist ein Gefühl für Rhythmus», erklärt Rex.
Wenn ein Kind partout den richtigen Ton nicht trifft und fern jeder Melodie vor sich hinbrummelt, hat das laut Eberhard Rex nichts damit zu tun, dass das Kind nicht singen, sondern damit, dass es nicht zuhören kann. «Diese Kinder haben nicht gelernt, andere und sich selbst zu hören. Das ist oft verbunden mit einer Konzentrationsschwäche.» Singen lernen und zuhören lernen sei eng miteinander verbunden. «Wenn ein Kind singen lernt, dann kann es sich mit der Zeit auch besser konzentrieren.»
In der Luzerner Kantorei lernen die Kinder deshalb nicht nur singen, sondern auch still zu sein, zuzu-hören und sich zurück-zunehmen – nicht gerade Dinge, die heute populär sind. Eberhard Rex ist das klar: «Im Zeitalter von Music Star ist ein Kinderchor eine eher konservativ scheinende Einrichtung. Aber die Fähigkeit zur Stille und ein gewisser Teamgeist sind Stärken, die auch ein Music Star besitzen muss, um überhaupt die Spitze zu erreichen.»
Rex lässt die Kinder in der Kantorei erleben, dass Erfolg durch Training und harte Arbeit erzielt wird. «Kinder brauchen Erfolg, und da, wo sie Erfolg haben, werden sie stark», ist Rex überzeugt. Ist diese Leistungsorientierung kindergerecht? «Die Kinder haben in der Regel kein Problem mit hohen Anforderungen – schon eher die Eltern.» Kinder seien oft viel leistungsorientierter, als ihre Eltern glauben. «Wir geben den Kindern die Möglichkeit, die Leistung erbringen zu können, die sie erbringen wollen.»
Eine Leistung, die den Kindern nicht nur im Chor etwas bringt. Die Stimme, mit der die Kinder singen, ist das persönlichste Ins-trument, das es gibt. Wer seine Stimme zu beherrschen lernt, der lernt auch, seine Persönlichkeit auszudrücken. Oder wie Rex es sagt:«Stimmbildung ist Persönlichkeitsbildung. Wer öffentlich singen kann, der ist auch in der Lage, hinzustehen und öffentlich seine Meinung zu sagen.»
Das kling alles gut. Doch weshalb singen immer weniger Kinder? «Musik ist heute total verfügbar, immer und überall, und verdrängt dadurch das eigene Singen», erklärt Eberhard Rex. Dazu komme: «Die Welt ist so lärmig, dass Musik leicht überhört wird.» Für die Musik sei das fatal.» Vor einem Konzert gibts bei uns im Chor zehn Minuten Silentium: Da wird nichts mehr gesungen, nichts geredet, jeder horcht in sich hinein. Es ist die Stille, die es braucht, damit Musik entstehenkann.»?

**Interview mit Eberhard Rex**
Künstlerischer Leiter der Luzerner Kantorei

Seit August 2000 ist Eberhard Rex künstlerischer Leiter der Luzerner Kantorei. Kinder aus seinen Chören sind in der Schweiz als Sänger gefragt und singen zum Beispiel immer wieder in Opern-aufführungen oder im Fernsehen. Rex gilt deshalb in der Schweiz als einer der führenden Kindermusikpädagogen. In der Luzerner Kantorei singen über 100 Kinder aus der ganzen Innerschweiz. Die Kantorei ist nicht als gemischter Chor organisiert: Buben und Mädchen üben getrennt in einem Knaben- und einem Mädchenchor.

*In der Kantorei singen bestimmt nur ganz musikalische Kinder.*
Das kann man so nicht sagen. Sicher: Die Kinder brauchen von sich aus einen Zugang zur Musik. Die Frage ist aber: Was bedeutet “musikalisch”? Musikalität äussert sich nicht im Singen-Können oder Begabt-Sein für ein Instrument. Die Grundbedingung für Musikalität ist ein Gefühl für Rhythmus. Wenn ein Kind ein gewisses Gefühl für Rhythmus hat, dann ist es musikalisch. Ich stelle das immer wieder fest bei Kindern: So gut wie jedes Kind ist in der Lage, musikalische Spiele zu spielen. Es sind also eigentlich alle Kinder mit der Eigenschaft ausgestattet, die man als “Musikalität” bezeichnen könnte.

*Es kommt aber immer wieder vor, dass in einer singenden Kindergruppe ein paar Buben weit ab von der Melodie etwas vor sich hinbrummeln, das mit dem Lied nicht viel zu tun hat.*
Ja, das gibt es. Das ist aber weniger ein Defizit im Singen-Können als ein Defizit im Hören-Können, vor allem im Zuhören-Können. Die Kinder haben nicht gelernt, andere und sich selbst zu hören. Das ist oft verbunden mit einer Konzentrationsschwäche. Wenn man es schafft, die Kinder dazu zu bringen, zuzuhören und sich selbst zu hören, dann lernen sie auch singen. Umgekehrt kann man es auch nutzen: Wenn ein Kind singen lernt, dann kann es sich mit der Zeit auch besser konzentrieren.

*Das heisst: Wenn Kinder nur brummeln, dann fehlt ihnen nichts ausser der Übung?*
Ja, es fehlt nur die Übung, die Gewöhnung daran. Ob Kinder singen, merkt man ihnen sofort an. Es ist ein riesiger Unterschied in Schulklassen. Wir besuchen um Umkreis von Luzern jetzt gerade viele Schulklassen. Man merkt es schon, wenn man in die Klasse hineinkommt, ob in der Klasse gesungen wird oder nicht. Und zwar nicht daran, ob sie einen mit einem Lied begrüssen, sondern daran, wie aufmerksam sie sind. Eine aufmerksame Klasse singt viel. Die Kinder sitzen dann auch gespannt und erwartungsvoll da. Kinder sind eigentlich von Natur aus gespannt und erwartungsvoll. Diese Aufnahmefähigkeit lässt sich unglaublich trainieren und steigern.

*Die Aufnahmefähigkeit ist da, aber verstopft – zum Beispiel durch Medien?*
Überall da, wo nur einseitig kommuniziert wird, wo man sich nur berieseln lässt, wo man kein reales, sondern nur ein virtuelles Gegenüber hat, stumpft dieses Vermögen ab, ja. Übrigens nicht nur die Aufnahmefähigkeit, auch andere Fähigkeiten. Viele Kinder sind ja heute nicht einmal mehr in der Lage, einen Purzelbaum zu machen.

*Wie lässt sich die Aufnahmefähigkeit wiederherstellen?*
Das ist das, was wir im Chor trainieren, wenn die Kinder zu uns kommen. Wir trainieren die Konzentration auf einen Punkt. Zum Beispiel müssen die Kinder lernen, still zu sitzen. Das ist heute gar nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder über einen längeren Zeitraum, etwa eine Viertelstunde, still sitzen und sich konzentrieren können. Wir waren früher 35 oder 40 Kinder in einer Klasse, da hatte es schon auch mal einen, der nicht still sitzen konnte – aber nur einen. So verbreitet wie das heute ist, war das früher nie. ADHS und ähnliche Phänomene kannte man namentlich noch nicht. Ganz ehrlich – wir hatten es zu unserer Kinderzeit aber auch viel leichter als die Kinder heute. Multimediale Dauerberieselung, bildschirmorientiertes, egozentrisches Spielzeug, virtuelle Bewegungsräume anstatt Spielen im Wald belasten die psychische Entwicklung permanent . Heute müssen Kinder es richtiggehend üben, sich zu konzentrieren und sich von den vielfältigen attraktiven visuellen und auditiven Eindrücken abzugrenzen. Wir erwarten von den Kindern im Chor, dass sie während eines Konzerts still stehen und sich konzentrieren können. Wenn sie dazu in der Lage sind, dann können sie meist auch zuhören und schön singen.

*Woher kommt das, dass Kinder sich nicht mehr zurücknehmen und zuhören können?*
Sie werden ungewollt dazu erzogen. Kinder bekommen heute vielfach in die Wiege gelegt, dass sie immer und überall Mittelpunkt der Welt sind. Die Vermittlung dieses Empfindens wird oft gleichgesetzt oder damit verwechselt, dem Kind zu zeigen, dass es geliebt wird. Keine Frage: Kinder müssen uns wichtig sein. Wenn sie dabei aber nicht lernen, dass es Ebenen gibt, auf denen sie nicht der Mittelpunkt sind oder auch nur für einen kurzen Moment warten müssen, haben sie später Mühe, sich mass- und respektvoll mit ihren Mitmenschen auseinanderzusetzen. Ich habe gerade ein sehr spannendes Buch gelesen, das dieser Frage nachgeht: “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, des Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff. Er hat jahrelang die Entwicklung von Kindern in seiner Praxis beobachtet und stellt fest, dass immer mehr Kinder keine Gelegenheit haben, ihre Psyche altersgemäss auszubilden. Ein schwergewichtiges Thema ist dabei die Partnerschaftlichkeit in der Erziehung: Kinder werden früh in Entscheidungsprozesse von Erwachsenen einbezogen. Zum Beispiel ist es für ein sechsjähriges Kind unmöglich zu entscheiden, ob es in einen Chor gehen soll oder nicht. Das kann ein Kind einfach nicht beurteilen, weil es im Moment lebt. Die Eltern fragen aber die Kinder immer wieder, ob sie im Chor singen möchten. Die Eltern wissen: Das wäre ja gut fürs Kind, aber das Kind sagt: Ich möchte jetzt grad nicht.

*Die Laune des Kindes dominiert also die Entscheidung?*
Genau: Kinder leben im Jetzt und leben nach der Laune. Dieser Laune wird oft zu schnell nachgegeben. Kinder sind nicht in der Lage, eine Entscheidung zu fällen, die möglicherweise Konsequenzen hat für viele Jahre.

*Wie gehen Sie damit in der Kantorei um?*
Zunächst versuchen wir natürlich die Laune, also die Motivation der Kinder für uns zu gewinnen und machen uns dabei deren Begeisterungsfähigkeit zunutze. Aber immer unter der Prämisse: Kein Chaos in der Probe, immer hat der Chorleiter absolut das Sagen, kein Kind ist wichtiger als das andere, und individualistisches Hervortun Einzelner wird nicht unterstützt. Ziemlich konservativ möchte man meinen, im Zeitalter von Music Star. Aber unsere Kinder akzeptieren das problemlos von Anfang an und diejenigen, die längere Zeit im Chor sind, haben erstaunlicherweise mit Musicstar kaum mehr was am Hut. Verstehen sie mich recht: Music Star brauchts auch. Kinder brauchen Helden, vor allem solche, die zeigen, dass Erfolge durch Training und harte Arbeit erzielt werden. Ich nutze aber dann eher Beispiele aus dem Sport, da sind die Zusammenhänge von Engagement und Erfolg deutlicher. Kinder brauchen Erfolg, und da, wo sie Erfolg haben, werden sie stark. Wir versuchen den Kindern, Erfolg zu vermitteln, aber einen Erfolg, den sie selbst erarbeitet haben. Das ist manchmal hart und benötigt viel Einsatz, es geht manchmal auch an die Grenze, aber nur an dieser Grenze stellt sich auch Befriedigung und Entwicklung ein. Da sind die Kinder dann auch zu Recht stolz. Man könnte deshalb auch sagen: Musikalität ist der Schnittpunkt von verschiedenen Eigenschaften und gehört zur Persönlichkeit.

*Sie sprechen von hartem Training – woran arbeiten Sie genau?*
Auf der rein technischen Ebene erarbeiten wir gemeinsam ein bestimmtes Programm. Da geht es also darum, dass jedes Kind zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Noten singt. Es geht aber um mehr als das. Wir versuchen in jeder Probe auch zu vermitteln, dass man sich persönlich für die Musik einsetzen muss und dass es jeden braucht. Wenn einer nur mitsingt und sich vom Kollektiv mitschleppen lässt, schmälert er die Teamleistung. Jeder muss die Verantwortung für das Ganze übernehmen. Das führt dann zu einer nicht geahnten Entwicklung. Wir haben schon auch die hochmusikalischen Kinder, wir haben aber auch viele ganz normale Kinder. Wenn jeder seine persönliche Begabung in den Chor einbringt, dann wächst das Ganze in unglaublicher Weise.

*Jetzt singen Sie aber nicht Rock und Pop, sondern klassische Musik. Finden das nicht viele Kinder schrecklich uncool?*
Ein Kind würde von sich aus diese Frage nicht stellen, es unterscheidet nicht zwischen Klassik und Pop, nur zwischen gefallen und nicht gefallen. Wenn wir heute eine Bach-Motette singen, kommt das für Kinder schon ein bisschen elitär daher. Klassische Musik wird heute oft als nicht kindgerecht bezeichnet und verrät doch nur ein gestörtes Verhältnis der Erwachsenen-Gesellschaft zur Kunst. Die Frage nach dem Kindgerechten hat mit Klassik nichts zu tun. Kindgerecht ist: Lernen wollen, Leistung bringen wollen. Wir geben den Kindern die Möglichkeit, die Leistung erbringen zu können, die sie erbringen wollen. Deshalb definieren wir die musikalische Palette, die wir den Kindern anbieten nicht über das Label „Klassik”, sondern es ist die Musik, die sie authentisch mit ihren Stimmen darstellen können, das heisst, die nicht im Studio technisch zu dem gemacht ist, wonach sie auf der CD klingt. Unter diesem Aspekt ist auch eine Bach-Motette extrem cool.

*Überfordert das die Kinder?*
Was ist Überforderung? Man hat mir zu Beginn gesagt: Wenn du so viel verlangst, springen dir die Kinder ab. Das ist nicht passiert, im Gegenteil: Die Kinder merken, wenn etwas authentisch ist. Die Kinder haben kein Problem mit hohen Anforderungen. Dinge, zu denen Kinder jahrhundertelang selbstverständlich in der Lage waren, können doch eigentlich heute in unserer aufgeklärten Gesellschaft keine Überforderung sein. Sollen wir denn Kinder vor ihren eigenen Fähigkeiten verschonen? Eher sind es die Eltern, die sich gelegentlich nicht vorstellen können, zu welchen musikalischen Leistungen ihre Kinder fähig sind. Diese Eltern reden dann gerne von der Überforderung der Kinder und meinen dabei unbewusst ihren eigenen fehlenden Zugang zur Klassik. Ich kann mich daran erinnern, dass auch meine Eltern damals diesen Zugang erst durch mein Musizieren gefunden haben. Sich gemeinsam auf das Abenteuer Musik einzulassen, das schweisst zusammen, das gibt eine Art Geheimbund. Wir sind eine eingeschworene Truppe und gehen miteinander durchs Feuer. “Keine Lust” ist keine Option.

*Die Kinder singen nicht nur im Chor, sie haben auch Stimmbildung.*
In der Stimmbildung lernt das Kind die technischen Fertigkeiten, die es benötigt, um im Chor mithalten zu können. Die Stimme ist das Instrument – das Kind muss lernen, sein Instrument, also seine Stimme, zu beherrschen. Die Stimme ist das persönlichste Instrument, das es gibt. Man lernt deshalb in der Stimmbildung auch, seine Persönlichkeit auszudrücken. Stimmbildung ist deshalb auch Persönlichkeitsbildung.

*Wie drückt sich das aus?*
Wer öffentlich singen kann, der ist auch in der Lage, hinzustehen und öffentlich seine Meinung zu sagen. Als wir 2005 anlässlich des Jubiläums der Schweizergarde in Rom auftraten, sangen unsere Kinder und Jugendlichen die Soli selbst: Der Sopransolist war 12 Jahre alt, der Tenorsolist war 14, der Basssolist war 16 Jahre alt. In der Kirche sassen 2500 Personen. Welcher Erwachsene wäre da einfach hingestanden und hätte gesungen? Sich da zu trauen, zu singen und sich damit zu äussern, das lernt man in der Stimmbilung. Ein “Gloria in excelsis deo” zu singen, das ist ein Bekenntnis. Nicht unbedingt religiöses, aber ein musikalisches Bekenntnis – und ein Bekenntnis zu seiner Person. Es sind nicht alle zum Solisten geboren, aber die, die fähig sind, ein Solo zu singen, erarbeiten sich in der Stimmbildung die nötigen Werkzeuge dazu.

*…wenn sie die nötige Musikalität mitbringen.*
Wenn wir nur Kinder aus Musikerfamilien hätten, könnten wir nicht überleben. Ich erinnere mich an einen Buben, der konnte keine zwei Töne unterscheiden. Nach drei Jahren Arbeit sang er an der Oper einen der Knaben in der “Zauberflöte”. Einfach deshalb, weil sich der Bub darauf eingelassen hat. Wir haben immer wieder Kinder, denen es nicht leicht fällt. Es gibt auch manchmal Tränen. Wenn die Kinder sich aber auf die Arbeit einlassen, dann haben sie auch Erfolg.

*Jetzt können und wollen nicht alle Kinder gleich in eine Kantorei eintreten. Wie kommen alle anderen Kinder wieder zum Singen?*
Früher hat die Mutter mit den Kindern gesungen. Das war der einfachste Weg. Das kann beim Einschlafen sein, am Tisch, im Familienkreis. An diesem Punkt kommen die Erwachsenen ins Spiel: Die empfinden das Singen oft als peinlich – Kinder nie. Wenn Kinder heute nicht mehr singen, liegt das an den Erwachsenen. Die heutige Elterngeneration ist vielfach geprägt durch eine Kinderzeit im Einfluss der 68er-Revolte. Im Bruch mit den Traditionen der Vorfahren verschwand auch das Singen aus den Kinderstuben. Aber ausgehend von Schulen und Kindergärten ist langsam wieder ein Umkehren der Entwicklung zu spüren. Vielleicht müssen die Erwachsenen das Singen wieder von den Kindern lernen.

*Liegt es vielleicht auch daran, dass einem, angesichts von CDs, DVDs, Fernsehen und Internet das eigene Singen arg kümmerlich vorkommt?*
Das ist das eine: Man traut sich kaum, gegen die Perfektion anzutreten. Das andere ist: Die Medienpräsenz ist heute so hoch, dass man gar nicht mehr zu singen braucht. Musik ist total verfügbar, immer und überall, und verdrängt dadurch das eigene Singen. Die Welt ist so lärmig, dass das Singen „unplugged” allzu leicht überhört wird. Die Menschen heute brauchen anscheinend den Dauerlärm, haben Angst vor dem Nichts, haben Angst, in der Stille irgend etwas zu verpassen. Für die Musik ist das fatal. Bei uns im Chor gibt’s darum zehn Minuten vor einem Konzert ein Silentium: Da wird nichts mehr gesungen nichts geredet, jeder horcht in sich hinein. Es ist die Stille, die es braucht, damit Musik entstehen kann.

#Notizen zu Namen

21. April 2009 | «Meine Jugend auf Burg Hohenklingen»

Schaffhauser Bock
(ut)

In seinen Jugenderinnerungen erzählt Jakob Bryner, wie er als kleiner Knabe seinen Vater bei der täglichen Arbeit begleitete und Bekanntschaft machte mit dem Wald, der Wiese und der mannigfaltigen Tierwelt rund um die Burg. Sein Schulweg führte ihn durch den Klingenwald hinunter nach Stein am Rhein, wo er sich häufig bei seiner Grossmutter aufhielt. Dort hatte er reichlich Gelegenheit, die zahlreichen Handwerker im Städtchen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Jakob Bryner erzählt, wie es damals in der Schule zu- und herging und wie er mit seinen Freunden die freie Zeit mit Spielen verbrachte, die heute fast vergessen sind. Er beschreibt die Arbeiten in Feld und Stall, schildert einen Waschtag, die Sunnete und die jährliche Metzgete. Daneben berichtet er von den damaligen lndustriebetrieben und erzählt von der Einrichtung der modernen Errungenschaften wie Telefon und Strom. Einige Begebenheiten aus seiner Studentenzeit runden das Werk ab und sorgen für ein spannendes, kurzweiliges und humorvolles Lesevergnügen.
Für einmal steht nicht das spektakuläre, in Zeitungen und Geschichtsbüchern dargestellte Zeitgeschehen im Mittelpunkt, sondern der Alltag in einer schweizerischen Kleinstadt zwischen 1910 und 1930.
Die Erstausgabe des Buches erschien vor zehn Jahren unter dem Titel «Jugenderinnerungen eines alten Staaners». Damals ermunterte die Tochter Ursula Thüler-Bryner ihren Vater, seine stets gern gehörten Schilderungen aus seiner Jugendzeit auf Band zu sprechen, und verarbeitete die Aufzeichnungen zu einem Buch. 2006 ist Bryner im Alter von 97 Jahren verstorben.
Meine Jugend auf Burg Hohenklingen, Erinnerungen eines alten «Staaners». Das Buch von Jakob Bryner mit vielen Fotografien der damaligen Zeit hat 170 Seiten und kostet 29 Franken.
Erhältlich bei: Ursula Thüler, Hauptstrasse 60, 8224 Löhningen (ursula.thueler@bluewin.ch) sowie in den meisten Buchhandlungen in der Region, auf der Burg Hohenklingen und im Shop von Tourismus Stein am Rhein.
Lesung im Rahmen der Aktion «Orte und Worte – Literaturlandschaft am Untersee» am Sonntag, 26. April 2009, 11 Uhr, Burg Hohenklingen, Stein am Rhein. Es liest Ursula Thüler-Bryner, die Tochter des Autors.

**Leseproben aus dem Buch**
aus dem Kapitel «Kinderjahre»:
Meine frühesten Kindheitserinnerungen reichen zurück bis in die Zeit vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Mir klingt noch der Name «Titanic» in den Ohren, der Name eines grossen Meerschiffes, das an einen Eisberg gestossen und mit über tausend Menschen gesunken sei. Ich erlebte in diesen Jahren ein Erdbeben und hörte klagen über Hochwasser, das die Keller der Häuser an der Schifflände überflutet habe. Und eines Tages sah ich am Himmel eine tief brummende «Zigarre» erscheinen, die die Grossen «Zeppelin» nannten …
Unvergesslich ist mir jene Nacht geblieben, als mich das Sturmgeläute der Elfuhrglocke jäh aus dem Schlaf riss und die Mutter ins Elternschlafzimmer stürzte, wo mein Bettchen stand. «D’ Ziegelhütte im Niederfeld brännt! Dörfsch cho luege, ich leg di grad a.» Im Vorbeigehen sah ich vom obersten Treppenabsatz aus den Vater am Seil der grossen Glocke ziehen, aber die Mutter führte mich in aller Eile in die Stube. Dort konnte ich auf der Sitzbank am Fenster stehend die Feuersbrunst am Rhein unten gut beobachten. Am nächsten Tag ging ich mit meiner Schwester Berteli ins Städtchen hinunter, um die Brandstätte mit den schwarzen Mauerruinen und den verkohlten, zum Teil noch rauchenden Balken aus der Nähe anzuschauen.

aus dem Kapitel «Alltag auf Burg Hohenklingen»:
So um halb sieben Uhr, wenn die Neuenburger Pendule im Elternschlafzimmer die halbe Stunde in wohlklingendem Ton angekündigt hatte, konnte ich von meinem Bettchen aus beobachten, wie der Vater aufstand und die Kerze auf dem Nachttisch anzündete. Er zog sich an und stieg mit dem Kerzenständer in der Hand die grosse Treppe hoch, um den Milchkessel in der Küche zu holen. Auf dem Weg zum Stall schloss er mit dem langen, schweren Torschlüssel das Burgtor auf, das den ganzen Tag über unverriegelt blieb. Kurz darauf machte auch die Mutter Licht und stand auf. Sie half mir beim Ankleiden, denn das war damals ein ziemlich kompliziertes Geschäft. Ich denke dabei vor allem an die langen, handgestrickten wollenen Strümpfe, an deren oberem Rand ein Knopf angenäht war. Zwei mit Knopflöchern versehene Elastbänder verbanden sie mit dem «Gstältli», einer Art Unterhemd, das am unteren Rand mit den entsprechenden Knöpfen versehen war. Auch Mutter und ich gingen dann im Schein der Kerze die Treppe hinauf und durch den kalten Saal in die Küche. Hier wurde als Erstes die mehr Licht spendende Petrollampe angezündet und ich durfte die Kerze ausblasen.

aus dem Kapitel «Schulzeit»:
Im Frühjahr 1915 marschierte ich als stolzer Erstklässler mit dem Thek am Rücken zum Schulhaus. Die hölzerne Federschachtel mit dem Schiebedeckel und das Schwammbüchsli samt Inhalt klapperten so schön, wenn ich rannte! Diese Dinge hatte ich schon zu Weihnachten bekommen. Damals erhielt man nur notwendige oder mindestens nützliche Sachen geschenkt. In späteren Jahren bekam ich sogar einmal einen Handleiterwagen, der für den allgemeinen Gebrauch bestimmt war, und freute mich dennoch riesig darüber! (…) Zum Gebrauch für Lehrer und Schüler stand hinten in einer Zimmerecke der Spucknapf, «Speuztrucke» genannt, gefüllt mit einer Schicht Sägemehl. Reallehrer Biedermann brauchte keine solche Trucke, wie ich ein paar Jahre später feststellen konnte. Er öffnete bei Bedarf einfach einen Fensterflügel und jagte den heraufgezogenen «Grünen» in hohem Bogen und mit zischendem Geräusch vom zweiten Stock hinaus in Richtung Schlosserei Schneider.

aus dem Kapitel «Fabriken und Industriebetriebe»:
In den Fabrikräumen der lang gezogenen Teigwarenfabrik Lieb, Siegrist & Co. – später die Paniermehlfabrik Lieb AG – kannte ich mich besonders gut aus. Mit den beiden Söhnen der Familie Lieb, Köbi und Noldi, genannt «Nudle», beide um einige Jahre älter als ich, und mit Bruno Siegrist verband mich eine jahrelange Freundschaft. In der Fabrik durfte ich die aus der Teigwarenmaschine herausquellenden, lauwarmen Spaghetti, Nudeln oder Makkaroni auffangen und probieren – Mailänderliteig schmeckte zwar besser! Zwei breite, scharfe, sich drehende Flügelmesser schnitten die eng aneinanderliegenden Teigwürstchen von der auswechselbaren Formscheibe ab. Die feuchten Teigwaren fielen in ein Metallgefäss und gelangten dann in einen Trockenraum. Nach dem Trocknungsprozess wurden sie in mit blauem Packpapier ausgekleidete Kisten abgepackt und per Bahn zum Bestimmungsort geschickt. Die Kisten wurden vom «Kistenmacher» auf Vorrat soweit zusammengenagelt, dass nur noch der Deckel eingepasst werden musste. Einen schöneren Spielplatz als das Kistenlager hätten wir Buben uns – besonders bei Regenwetter – nicht wünschen können. Die Kisten dienten uns als Kutschen- oder Autositze und für den Mauer- oder Wohnungsbau. Der Kistenmacher freute sich wohl nicht besonders, wenn wir uns in seinem Revier breit machten. Aber was konnte er schon ausrichten, denn der Fabrikantensohn Bruno war schliesslich mit von der Partie.

aus dem Kapitel «Mensur*»:
In der Schweiz war die Durchführung von Mensuren schon vor 1920 verboten worden, sie fanden aber offensichtlich im Verborgenen dennoch statt. Einmal in einem echten Rittersaal fechten zu dürfen, das musste von besonderem Reiz sein! Von der ganzen Angelegenheit sollte ich zwar nichts erfahren, aber als neugieriger Sechstklässler hatte ich am nächsten Tag den Grund der aussergewöhnlichen Geschäftigkeit bald ausspioniert und herausgefunden, dass ich die Szene von der alten Treppe aus unbeobachtet verfolgen konnte. Die Fechter wurden so vorbereitet, dass sie vor lebensgefährlichen Verletzungen geschützt waren. Dabei wurde der Halsschlagader besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Kopf blieb frei, ausgenommen die Augen, denen eine Spezialbrille den notwendigen Schutz bot. In eine Art Lederjacke gekleidet, wartete der Fechter schliesslich, bis er vom Rittersaal her aufgerufen wurde…

*studentischer Zweikampf mit Säbel


Soldatenspiel. 1916 (Jakob Bryner, der Autor des Buches, 7-jährig, vierter von rechts)


Familie Bryner, Pächter- und Gastwirtfamilie auf Hohenklingen von 1911-1932 (Autor, 6-jährig, 2.v.l.)

#Allgemeines

17. April 2009 | Eine ganz besondere Verbundenheit

Schaffhauser Nachrichten, Beilage zum Sechseläuten
Von Eugen Haltiner, Präsident Finma

Heimat ist der Ort, mit dem Kindheits- und Jugenderinnerungen verbunden sind, wo die ersten Schuljahre verbracht werden, wo, wo, wo – noch vieles liesse sich anfügen wie in meinem Fall die Kommersjahre in der Scaphusia mit jeweils einem streng geordneten 1. Akt, einem trotz Zucht des Fuxmajors etwas weniger geordneten 2. Akt und der anschliessenden, von Unbeteiligten öfter als Nachtruhestörung empfundenen Sangeslust, getreu dem Motto «ex est commercium, initium fidelitatis». Nicht zu missen sind aber auch die gemeinsamen Erlebnisse aus militärischen Diensten im Füs Bat 61 und, und, und … Dies ist kein Aufruf, wegen der Heimatgefühle das ganze Leben in dieser vertrauten Umgebung zu verbringen, denn erst ausserhalb der Grenzen, südlich des Rheines und hinter dem Kohlfirst beginnen die Lehr- und Wanderjahre. Führt der Weg dann zurück – tant mieux für Schaffhausen! Werden anderswo Wurzeln geschlagen, so bleibt die besondere Verbundenheit, die sich in jeder Begegnung mit Ehemaligen und Ehemaligem wieder erneuert.

#Alt-Scaphusia

17. April 2009 | Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschiede unseres lieben Farbenbruders

Hanns Deggeller olim Forsch
aktiv 1935-1937

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 13. Mai 2009 um 20.00 Uhr in der Bude (ev. kleiner Falkensaal) statt.

Die Abdankung mit anschliessender Urnenbeisetzung findet am Montag, 27. April 2009 um 13.30 Uhr im Waldfriedhof statt.

#Notizen zu Namen

16. April 2009 | Neues zu Namen

Schaffhauser Bock

Beim Kongress der Jungfreisinnigen Schweiz in Laax wurde Fabian Käslin neu in den nationalen Vorstand gewählt. Käslin präsidierte die letzten drei Jahre die Jungfreisinnigen des Kantons und der Stadt Schaffhausen (JFSH) und hat nun sein Amt abgegeben. An der Mitgliederversammlung wurde das Präsidium nun aufgeteilt. Den Kanton präsidiert neu Markus Bührer, für das städtische Präsidium wurde Res Hauser gewählt.

#Notizen zu Namen

16. April 2009 | «Anfangs wurde ich teilweise kritisch beäugt»

Schaffhauser Nachrichten, Sport
(bsi)

Wenn Hans Stamm heute zum Vereinspräsidenten des FC Schaffhausen gewählt wird wird er an der Präsidentenversammlung auch auf diese drei Kollegen treffen: Matthias Sallenbach, Christian Signer und Marc Winzeler. Sie sind die jüngsten Vorsteher eines regionalen Fussballclubs. Ein Gespräch über Herausforderungen, Probleme und Anerkennung.

*Sie sind alle unter 30 Jahre alt und bereits Präsidenten. Welche Rolle spielt die Jugend, auf Ihr Amt bezogen?*
Marc Winzeler: Anfangs wurde ich wegen meines Alters teilweise kritisch beäugt. Die Anerkennung habe ich mir aber mittlerweile erarbeitet. Es gab frischen Wind in den Verein. Da ist es ein Vorteil, dass ich jung bin. Christian Signer: Bei mir war es etwas anders, da einen die Leute in einem kleinen Dorf wie Ramsen sowieso kennen. Matthias Sallenbach: Ein älterer Vereinspräsident hat sicher einen Vorteil, wenn es um das Suchen von Sponsoren geht. Da hilft das in der Regel grössere Beziehungsnetz. Auch finde ich es nicht immer einfach, als Junger einem 40-jährigen Clubmitglied Anweisungen zu erteilen … Winzeler: … die Erfahrung im Sponsoring habe ich auch gemacht. Ein potentieller Geldgeber möchte natürlich gerne ein Gegengeschäft abschliessen. Als Junger ist es nicht immer einfach, darauf einzugehen.

*Oft wird geklagt, die Jungen würden lieber konsumieren, statt im Verein mitzuwirken. Sind Sie eine Ausnahme?*
Sallenbach: Das glaube ich nicht. Wir haben einen jungen Vorstand. Pauschal kann man nicht sagen, die Jungen machen zu wenig. Leute für eine Vorstandsarbeit zu gewinnen ist unabhängig vom Alter schwierig. Signer: Auch unser Vorstand ist altersmässig gut durchmischt. Wir versuchen, die Mitarbeit im Verein so attraktiv wie möglich zu gestalten. Die Juniorentrainer verwalten zum Beispiel ein eigenes Budget, und wir sind bestrebt, pro Juniorenteam stets zwei Personen zu finden. So reduziert sich die Belastung, und man findet eher Funktionäre. Egal, ob alt oder jung.

*Wie sehr suchen Sie als junge Club- vertreter die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen der Region?*
Signer: Von der geographischen Lage Ramsens her ist es schwierig, die Zusammenarbeit mit anderen Clubs zu intensivieren. Die Hauptaufgabe gilt also dem eigenen Verein. Sallenbach: Was sich in Feuerthalen entspannt hat, ist das Verhältnis zum FC Flurlingen. Mit Präsident Uwe Maier pflege ich ein enges Verhältnis, im Juniorenbereich treten wir gemeinsam als Cholfirst United auf. Da haben die neuen Leute in den beiden Vorständen die alte Rivalität überwunden. Winzeler: Zusammenarbeit hat meist mit persönlichen Kontakten zu tun, unabhängig vom Alter. In meinem Fall trifft das auf den FC Lohn und auf Präsident René Seiler zu.

*Als Präsident ist man Anlaufstelle für alle. Wo liegen die Reize dieses Amtes? Was nervt Sie auf der anderen Seite?*
Sallenbach: Die Pflege von Kontakten und das Organisieren des Vereins liegen mir. Reklamationen nachzugehen oder Leuten, die ihre Aufgaben nicht erledigen, ist bei mir wenig beliebt. Signer: Natürlich sind Beschwerden unliebsam. Dafür gefällt es mir, am Sonntag auf dem Platz zu stehen und zu sehen: Im Verein läuft es gut. Dann hat sich die Arbeit im Hintergrund gelohnt. Winzeler: Gemeinsam etwas zu erreichen ist meine Motivation für das Präsidentenamt. Gewöhnen musste ich mich an die Tatsache, dass viele Spieler die Arbeit hinter den Kulissen nicht interessiert und dass ich mich im Doppelamt als Präsident und als Spieler manchmal unbeliebt machen muss. Signer: Stimmt. Als Spieler und als Präsident muss ich auch aufpassen, was ich sage. Es hat verbindlichen Charakter. Es ist beruhigend zu sehen, dass meine Amtskollegen mit den gleichen Problemen kämpfen (lacht).


**Kurzportraits Der Bezug zum Verein, die Ziele und Anliegen der drei jungen Vereinspräsidenten**

Matthias Sallenbach ist am 14. Juni 1986 geboren. Seit nunmehr fünf Jahren gehört Sallenbach dem Vorstand des FC Feuerthalen an, seit Sommer 2007 ist er der Präsident. Der 24-Jährige hat die Juniorenabteilung beim Viert- ligisten durchlaufen, spielte im Fanionteam und ist derzeit noch in der 5.-Liga-Mannschaft aktiv. Die Verbesserung der Infrastruktur ist ein Ziel von ihm, genauso wie das Erhalten und Ausbauen der Juniorenabteilung inklusive qualifizierten Trainern. Eher als Vision bezeichnet Sallenbach die Errichtung eines Clubhauses.

Christian Signer wird am 13. Juli 29 Jahre alt. Er ist seit knapp einem Jahr Präsident des FC Ramsen und spielt seit Jahren als Verteidiger im 3.-Liga-Team. Vor seiner Wahl zum Vereinsober-haupt sammelte Signer Erfahrungen als Juniorentrainer und half beim Organisieren diverser Clubanlässe. Christian Signer setzt auf die Juniorenförderung und will, dass der FCR weiterhin zwei Aktivmannschaften stellt. Die Erweiterung des Clubhauses steht ebenfalls an.

Marc Winzeler steht dem Sporting Club Schaffhausen seit Oktober 2007 vor. Der langjährige Fanionspieler des 4.-Liga-Vereins feierte am 5. März seinen 29. Geburtstag und hat vor, den Club mittelfristig zurück in die 3. Liga zu führen. Eine von den F- bis zu den A-Junioren durchgehende Nachwuchsabteilung ist ein weiteres Anliegen Winzelers.

#Allgemeines

16. April 2009 | Weniger Schüler an Kantiprüfung

Schaffhauser Nachrichten, Region
(r.)

317 Schülerinnen und Schüler haben sich für das nächste Schuljahr in der Kantonsschule angemeldet, dies waren fünf Prozent weniger als letztes Jahr. 205 Schüler haben die Aufnahmeprüfungen bestanden, was einer Erfolgsquote von 65 Prozent entspricht. Die Aufteilung auf die verschiedenen Abteilungen und Ausbildungsprofile ist ausgeglichen: 40 Schüler werden in die Fachmittelschule (FMS) eintreten. In der Maturitätsschule wird mit acht neuen ersten Klassen eine Klasse weniger als im Vorjahr geführt: 63 Schüler beginnen im musisch-neusprachlichen Ausbildungsprofil M, 61 Schüler im naturwissenschaftlich-mathematischen Profil N und 41 Schülerinnen und Schüler im sprachlich-altsprachlichen Profil S mit Latein. Die erfolgreichen Prüflinge starten nach den Sommerferien in die Probezeit, die ein Semester dauert.

#Allgemeines

15. April 2009 | Erster «Suff» im Kindesalter

Schaffhauser Nachrichten, Von Tag zu Tag
(sda)

Jeder siebte 13-Jährige betrinkt sich mindestens einmal pro Monat. Dabei unterscheiden sich Mädchen und Jungen kaum in ihrem Trinkverhal-ten. Probleme, an günstigen Alkohol zu kommen, haben die Jugendlichen nicht. Hinzu kommt, dass häufig im Freundeskreis oder im Elternhaus gebechert wird – also an Orten ausserhalb behördlicher Kontrolle, wie die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenfragen (SFA) feststellt.
Zwar habe der Alkoholkonsum von Jugendlichen seit 2002 abgenommen, schreibt die SFA in einer gestern veröffentlichten Auswertung der europäischen Schülerstudie von 2007. Er sei aber immer noch auf einem hohem Niveau. Die Studie «European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs» (ESPAD) wurde in 43 Ländern durchgeführt. Die Schweiz beteiligte sich – finanziert von der SFA – zum zweitenmal. Gemäss der ESPAD-Studie betrinkt sich in der Schweiz fast jeder siebte Jugendliche im Alter von 13 Jahren mindestens einmal pro Monat. Fast die Hälfte der Befragten hatte im Monat vor der Umfrage Alkohol konsumiert. Mehr als drei Viertel der 13-Jährigen konsumierte mindestens einmal im Leben Alkohol, gut 7 Prozent taten dies 40-mal oder häufiger. Die festgestellten Alkoholkonsum-Muster hält die SFA für bedenklich. «Je früher Alkoholräusche erlebt werden und je früher regelmässig konsumiert wird, desto grösser ist das Risiko, ein Alkoholproblem zu entwickeln.» Um Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, sieht die SFA verschiedene Ansätze. Dazu gehört eine bessere Überwachung der Alkoholabgabe sowohl in Geschäften als auch in Bars, Discos und Restaurants. Wichtig sei eine gute Schulung des Verkaufs- und Servicepersonals.

**Zentrale Rolle der Eltern**
Eine zentrale Rolle spielen laut SFA auch die Eltern. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung mit gegenseitigem Vertrauen sei massgebend. Jugendliche mit dieser Voraussetzung neigten dazu, Alkohol erst später zu versuchen. Sie tränken weniger und hätten später weniger Alkoholprobleme. Die Haltung der Eltern zum Alkoholkonsum sei prägend. Sie müsse klar und konsequent sein. Probiere das Kind ein alkoholisches Getränk aus, sollten Eltern das ernst nehmen, ohne diese erste Erfahrung zu dramatisieren. Dem Kind seien die Wirkung und die Risiken von Alkohol zu erklären.

#Notizen zu Namen

15. April 2009 | Jungfreisinnige

Schaffhauser Nachrichten, Region
(r.)

Nach drei Jahren als Präsident der Jungfreisinnigen Schaffhausen (JFSH) hat Fabian Käslin seinen Rücktritt bereits nach dem äusserst erfolgreichen Wahljahr 2008 bekanntgegeben. Er möchte sich in Zukunft auf sein Mandat im Grossen Stadtrat sowie seine Vorstandstätigkeit bei den Jungfreisinnigen Schweiz konzentrieren. In den drei Jahren unter Käslin haben die JFSH ihren Mitgliederbestand auf über 60 vervielfacht. Der Wähleranteil im Kanton und Stadt Schaffhausen konnten deutlich gesteigert werden.
Als Nachfolger von Fabian Käslin wählte die Jahresversammlung auf kantonaler Ebene den bisherigen Finanzchef Markus Bührer. Der 21-jährige Thaynger studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Bührer betonte in seiner Antrittsrede, dass die JFSH bei den Mitgliedern und beim Wähleranteil weiterwachsen wollen. Neben den starken Sektionen Stadt Schaffhausen, Reiat und Buchberg/Rüdlingen sollen die JFSH auch in den anderen Sektionen verstärkt in Erscheinung treten. Die starke Präsenz der Jungpartei soll weiter gepflegt werden. Mit parlamentarischen Vorstössen, Initiativen oder wie zuletzt in Thayngen mittels Referendum werden die Jungfreisinnigen weiter ihre kompromisslos freiheitliche Politik pflegen, so Bührer. Neben Markus Bührer wurde auch Res Hauser einstimmig gewählt. Er übernimmt ab sofort das Präsidium der Jungfreisinnigen der Stadt Schaffhausen. Der 21-jährige Wirtschaftsstudent stammt aus Buchthalen und ist Mitglied des Schaffhauser Bürgerrates sowie Stimmenzähler der Stadt Schaffhausen. Hauser betonte, dass die JFSH ihrem kompromisslos freiheitlichen Kurs treu bleiben müssten – gerade in Steuerfragen. Hier sei in Schaffhausen deutlicher Nachholbedarf vorhanden.

**«Nein» und Stimmfreigabe**
Neben den statutarischen Geschäften beschäftigten sich die JFSH auch noch mit der Parolenfassung zu den bevorstehenden eidgenössischen Abstimmungen. Der Entscheid zur Ablehnung der Vorlage über biometrische Pässe und Reisedokumente fiel mit grosser Mehrheit. Mit der Statuierung einer zentralen Datenbank zur Speicherung der Ausweisdaten und der Aufhebung der Wahlmöglichkeit zwischen biometrischen und nicht biometrischen Ausweisschriften schiesse die Gesetzesrevision weit über das Ziel und den von Schengen geforderten Standard hinaus, so die Jungfreisinnigen. Aus liberaler Sicht könne einer derartigen Entwicklung hin zum gläsernen Bürger nicht zugestimmt werden. Mit einer Ablehnung dieser Vorlage wird der Weg für ein neues Gesetz ohne Datenbank und mit Passwahlmöglichkeit geebnet. Bei der Vorlage zur Komplementärmedizin beschlossen die JFSH die Stimmfreigabe. Die Gegner der Vorlage betonten, dass alternative Heilmethoden mittels Zusatzversicherungen abgedeckt werden müssten. Die Befürworter der Komplementärmedizin führten ins Feld, dass die alternativen Heilmethoden die Schulmedizin entlasten könnten und so deren Kosten senken würden. Zudem sei die Komplementärmedizin ein Bedürfnis der heutigen Gesellschaft.

#Notizen zu Namen

9. April 2009 | Neues zu Namen

Schaffhauser Bock

Als Nachfolger von Edgar Zehnder wurde der Schaffhauser Peter Scheck (SVP) als Mitglied im Kantonsrat für den Rest der Amtsperiode 2009 bis 2012 ab dem 1. Mai gewählt.

#Notizen zu Namen

7. April 2009 | Bedeutet «konkrete Kunst» tatsächlich nur sich selbst?

Schaffhauser Bock
Jurga Ruesch

Wenn konkrete Kunst nur sich selbst behauptet, hat sie überhaupt das «Recht» sich eine Kunst zu nennen? Wo fängt Kunst an und wo hört Kunst auf? Man sagt: Kunst ist, wenn sie sich auf die Substanz reduziert. Was ist Substanz? Noch dazu derart vergrössert? Ist konkrete Kunst vielleicht in Wirklichkeit eine verborgene stoisch-emotionale Geradlinigkeit des Künstlers? Kennen Sie ein paar mögliche Antworten? August Scherrer aus Stein am Rhein, Chemie-Laborant und später Ofenbauer im eigenen Betrieb, hat eine. Er präsentierte am vergangenen Freitag seine Bilder der konkreten Kunst unter dem Titel «Konkret» in der Galerie Kraftwerk Schaffhausen. Er sagte lächelnd: «Konkrete Kunst ist nicht zeitgemäss, sozusagen altmodisch und sagt nichts tief Verborgenes aus.» So schlicht wie der Titel, so schlicht auch seine ausgestellten Bilder. Die Symbolik ist einfach: Kreise, Rechtecke, Quadrate, Linien. Seine Bilder schaffen Freiräume für ein kreatives Sehen. Sie sind «nur» das, was man sieht. Ein Kreis ist ein Kreis, eine Linie ist eine Linie ohne Anspruch auf eine mühsame Interpretation. Perfektion und Zusammenspiel der Formen und Farbe im Dienste der harmonischen Komposition. Ein solches Bild kann man nicht korrigieren, beim kleinsten Fehler ist es «zum Tode» verurteilt. Mit Trocknungsprozess dauert es eine Woche, bis so ein Werk fertig ist. August Scherrer hat von 1990 bis 2004 als Kurator des Museums «Lindwurm» in Stein am Rhein und als Kunstförderer agiert. Nur wenige wissen, dass er selber bereits seit der Schulzeit malt. Sein Wunsch ist es, Ästhetik und Präzision zu erzeugen. Er liess sich von Künstlern wie Max Bill, Paul Lohse und Victor Vasarely inspirieren. Ein Liebhaber und Kenner der konkreten Kunst würde zuerst mit der Lupe ein Bild auf Perfektion untersuchen, bis er eins kaufen würde. «Alexander E. Rubli ist mein erster Fan und hat bereits fünf Bilder von mir», so Kunstmaler August Scherrer über den Laudator, der sich in seiner Rede als Kenner erwiesen hat: «Man muss sich in seine Bilder nicht einfühlen. Entweder mag man es, oder nicht», sagte Rubli und zitierte anschliessend den vielfältigen Künstler Christian Emil Marie Küpper, der sich später Theo van Doesburg nannte: «Nichts ist konkreter, nichts ist wirklicher als eine Linie, als eine Farbe, als eine Fläche. Es ist das «Konkretwerden» des menschlichen Geistes».

Für August Scherrer ist dies seine zehnte Ausstellung. «Weil ich nicht schreiben und nicht musizieren kann, male ich», so August Scherrer über seinen Werdegang als Kunstmaler. Annerkennung war allgegenwärtig. Nebst den zahlreichen Gästen ehrte den Künstler auch der Schriftsteller Pirmin Meier mit seiner Anwesenheit.
Ausstellungsdauer in der Galerie im Kraftwerk vom 3. bis 26. April.

Wenn nicht emotional, dann geistig auf jeden Fall anspruchsvoll; als ein karges geometrisches Vokabular der Ästhetik und der Harmonie.

#Notizen zu Namen

7. April 2009 | Konkrete Bilder ohne Schnickschnack

Schaffhauser Nachrichten, Schaffhausen / Neuhausen
Simon Staufer

Vernissage

August Scherrers Bilder haben keine Namen. Wer an einem Kauf interessiert ist, findet die Objekte auf einer nüchternen Liste mit nüchternen Zahlen: 80×80 cm, 40×40 cm oder 4x70x70 cm, wenn es sich etwa um eine vierteilige Gruppe handelt. Seine Serie trägt den einfachen Titel «Konkret», und konkrete Kunst ist es auch, mit der sich Scherrer auseinandergesetzt hat. «Kein Firlefanz», meint auch Scherrers guter Freund, der Sekundarschullehrer Alexander E. Rubli, in seinen einleitenden Worten, «kein Schnickschnack.» – Präzis und perfekt», nannte er die Bilder und eröffnete damit am Freitag Scherrers Vernissage in der Galerie Kraftwerk.

Vieles ist grau bei August Scherrer. Seine Werke sind kunstvoll präzise erstellte, schnörkel- und makellose geometrische Figuren in meist kalten Farbtönen. Das matte Abendlicht gab den Werken einen blässlichen, milchigen Ton, die letzten Sonnenstrahlen, die am Anfang der Veranstaltung in die Galerie hineinschienen, liessen sie ganz besonders trocken wirken. Das, meinte Redner Rubli, sei auch etwas vom Faszinierendsten an dieser Kunst: «Je nach Licht sind das ganz andere Bilder». August Scherrer, gelernter Chemielaborant und seit gut vier Jahren im Ruhestand, hat mit Kunst schon eine längere persönliche Beziehung. Er stammt aus Stein am Rhein, wo er über längere Zeit das Museum «Lindwurm» führte und mit verschiedensten Kunstgenres in Berührung kam. «Vor allem habe ich zwar andere Künstler ausgestellt», meint er dazu, «aber ich hatte mich auch schon seit langem in meiner Freizeit selbst künstlerisch betätigt.» 1986 stellte Scherrer zum erstenmal selbstproduzierte Kunst aus, seit einigen Jahren hat er ein eigenes Atelier – «das ist auch wichtig, wenn man selbst tätig sein will. Ich mache höchstens zwei Ausstellungen im Jahr, aber auch dafür brauche ich das Atelier. Dabei will ich gar nicht viel produzieren.» In ein Bild investiert der Künstler etwa eine Woche seiner Zeit. «Ich muss zeichnen, abkleben, trocknen lassen, das ist ein ganzer Prozess, der Stufe um Stufe abläuft.» Die Präzisionsarbeit, die Scherrer leistet, wirkt in der mechanischen Umgebung des Kraftwerks gut aufgehoben. Es sind dezidiert einfache Bilder und Formen, abstrakt und unverspielt. «Diese Bilder passen überall hin», resümierte Rubli, «sie sind einfach da. Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht.» Der Künstler siehts ähnlich: «Die Interpretation überlasse ich anderen.»

#Notizen zu Namen

1. April 2009 | Die Finma ist mit sich selber zufrieden

Schaffhauser Nachrichten, Inland
Michael Brunner

*Die Finma steht in der Kritik. Was gibt sie sich selber für Noten?*
Gute. Laut Finma-Verwaltungsratspräsident Eugen Haltiner hat die Aufsichtsbehörde ihren Auftrag erfüllt. «Wir haben nach Ausbruch der Finanzkrise eigentlich unabhängig, zeit- und sachgerecht entschieden.»

*Also hat die Finma in ihren eigenen Augen alles richtig gemacht?*
Nicht ganz. Haltiner macht einen Vorbehalt. Die Vorgängerbehörden, aus denen die Finma hervorging, hätten Hinweise auf die Finanzmarktkrise nicht rechtzeitig erkannt. Aber die Aufsichtsbehörden anderer Staaten seien da auch nicht weitsichtiger gewesen.

*Zieht die Finma aus den Problemen der Vergangenheit Lehren?*
Teilweise. Laut Haltiner würde der Finma-Verwaltungsrat «in allen Teilen» gleich entscheiden. Laut Finma-Direktor Patrick Raaflaub soll aber die Aufsichtstätigkeit verbessert werden. Insbesondere werde künftig hartnäckiger und kritischer nachgefragt. Auch würden die Eigenmittelvorgaben erhöht.

*Nimmt die Finma die Kritik gar nicht wahr, dass sie zu einem so positiven Urteil kommen kann?*
Doch. Haltiner merkte mit einem Augenzwinkern an, die Finma sei schon nach wenigen Wochen ohne besonderes Werbebudget einem breiten Publikum bekannt. Für die Entscheide der Finma könne die öffentliche Meinung aber nicht ausschlaggebend sein. Ziel der Aufsichtsbehörde müsse es sein, Gläubiger, Investoren und Versicherte sowie die Funktionsfähigkeit des Finanzmarktes zu schützen.

*Massiv in der Kritik stand nicht zuletzt Haltiner selber, weil er als ehemaliger UBS-Mitarbeiter zu wenig unabhängig sei. Was sagt er zu diesem Vorwurf?*
Weil der Finma-Verwaltungsrat gemäss Gesetz Geschäfte von grosser Tragweite zu entscheiden habe, müssten in diesem Gremium Fachleute vertreten sein. Daher brauche es Leute aus der Praxis. Nähe sei vielmehr eine Stärke der Finma. Er sieht daher auch keinen Grund zurückzutreten.

*Warum hat die Finma bei der Herausgabe von UBS-Kundendaten und der Schwächung des Bankgeheimnisses den schwarzen Peter auf sich genommen? Die UBS hätte ja auch selber das Bankgeheimnis verletzen können.*
In den Augen der Finma gab es keine Alternative zur Herausgabe der Daten. Die Bank wäre ansonsten «in die Luft gegangen», nannte es Patrick Raaflaub gestern vor den Medien. Auch sei es klüger gewesen, dass dies die Finma statt der UBS übernommen habe, weil die Behörde juristisch weniger angreifbar sei.

*Will die Finma auch in der umstrittenen Frage der Bonizahlungen im Bankenbereich etwas unternehmen?*
Ja. Ende Mai soll ein Rundschreiben in die Anhörung gehen. Dabei soll auf eine Lohnobergrenze verzichtet werden, wie Raaflaub sagte. Die Vergütungssysteme sollen aber so umgestaltet werden, dass sie nicht mehr zu «schädlichen Risiken» verleiten.

*Die Finma klagte zuletzt, ihr würden Mitarbeitende fehlen. Ist das noch immer so?*
Ja. Zurzeit sind noch rund 60 Stellen vakant. Wegen der Finanzmarktkrise und dem damit verbundenen Stellenabbau bei den Banken und Versicherungen glaubt die Finma aber, dass sie als Arbeitgeber attraktiver wird – und sie diese Lücke bald schliessen kann. Bis dahin muss sie sich laut Haltiner auf die wichtigsten Fälle konzentrieren.

*Wie schätzt die Finma den weiteren Verlauf der Finanzmarktkrise ein? Geraten in der Schweiz auch bisher gesunde kleinere und mittlere Banken in Schwierigkeiten?*
Laut Raaflaub sind neue Schocks möglich. Zudem führe der allgemeine Wirtschaftsabschwung zu mehr Kreditausfällen. Es sei schwierig zu sagen, wie stark dies die heute sehr robusten kleineren Schweizer Banken treffen werde.


**Finma Die Kritikpunkte auf einen Blick**

Entstehung und Funktion Die Finanzmarktaufsicht Finma besteht seit Anfang Jahr. Sie ist das Ergebnis aus der Fusion von Eidgenössischer Bankenkommission, Bundesamt für Privatversicherungen und Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei. Trotz kurzer Lebensdauer steht die Finma bereits massiv in der Kritik. Fehler Im Zusammenhang mit der Bewältigung der Finanzmarktkrise werden ihr schwere Fehler vorgeworfen. Angekreidet wird ihr die Nähe ihrer Exponenten zu einzelnen Firmen. Bonizahlungen Die Finma hat es der UBS trotz dem Bezug von Staatshilfe erlaubt, Boni in Milliardenhöhe an ihre Mitarbeitenden auszuzahlen. Für viele ein Skandal. Daten an die USA Die Finma hat die UBS in einem für Experten fragwürdigen Verfahren angewiesen, Daten über Kunden, die Steuerbetrüger sein sollen, auszuliefern. (mbr)