#Notizen zu Namen

20. Februar 2009 | Eugen Haltiner, ein Mann mit besonderem Talent zum Prügelknaben

Tages-Anzeiger
vin/ap

Einen Traumstart hat die seit Anfang 2009 aktive Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) wahrlich nicht hingelegt. Obwohl einer ihrer wichtigsten Exponenten schon im letzten November eine Reduktion der UBS-Boni von zehn auf zwei Milliarden Franken in Aussicht gestellt hatte, brach ein wahrer Entrüstungssturm über die FINMA herein, als Ende Januar durchsickerte, dass die Aufsichtsbehörde für 2008 variable Zahlungen in dieser Grössenordnung bewilligt hat.
An vorderster Front steht die FINMA auch bei der Beilegung der Steueraffäre der UBS in den USA und dürfte nun von Anwälten der betroffenen UBS-Kunden mit Klagen eingedeckt werden. Die FINMA steht in der Dauerkritik. Mit dem Ex-UBS-Manager Eugen Haltiner an der Spitze ist die Aufsichtsbehörde als Prügelknabe prädestiniert.

**Schutzschild des Bundesrats**
In beiden Fällen wird man den Verdacht nicht los, dass die FINMA dem Bundesrat auch als eine Art Schutzschild diente, damit er selber den Kopf nicht hinhalten musste. Zumindest die Genehmigung von Gehältern gehört sicher nicht zu den Kernaufgaben der Finanzmarktaufsicht und war im Vornherein eine Aufgabe, mit der keine Lorbeeren zu holen waren.
Der Startschuss zur integrierten Finanzmarktaufsicht über Banken und Versicherungen und die dem Geldwäschereigesetz unterstellten Finanzintermediäre fiel schon vor über zehn Jahren. Atypisch für das Schweizer Finanzmarktrecht ist die Entstehungsgeschichte der FINMA insofern, als es sich nicht um einen gesetzgeberischen Schnellschuss handelte, mit dem die Schweiz auf ausländischen Druck und Kritik am Bankgeheimnis reagierte. Vielmehr ging das Vorhaben durch zwei Expertenkommissionen und mehrere Vernehmlassungen, mit entsprechenden Verzögerungen und Reibungsverlusten.

**Bürgerliche Politiker schwächten FINMA**
Wenn der FINMA nun fehlender Biss oder gar Willfährigkeit vorgeworfen wird, hat das auch damit zu tun, dass dem Finanzmarktaufsichtsgesetz im jahrelangen politischen Prozess manche Zähne gezogen wurden. Überregulierung lautete das Schlagwort, mit dem der von bürgerlichen Politikern unterstützte Finanzplatz gegen jede Gesetzesverschärfung antrat.
So hatte die FINMA-Vorgängerin Eidgenössische Bankenkommission (EBK) zum Beispiel bereits im Jahre 2002 dafür plädiert, das sogenannte Kundenverfahren bei der Amtshilfe abzuschaffen. Also jenes weltweit einmalige Verfahren, das den von der Amtshilfe betroffenen Bankkunden Beschwerderechte einräumt. Wegen der damit verbundenen zeitlichen Verzögerung platzte den USA im Fall UBS nun der Kragen. Nach heftigem Widerstand, namentlich aus dem Kreis der Auslandbanken, wurde das Kundenverfahren lediglich gestrafft. Die Dauer der Verfahren sollten so auf sechs Monate begrenzt werden – ein Ziel, dass im Falle der USA nicht erreicht wurde. FINMA-Chef Haltiner hatte schon Ende 2006 gewarnt, dass das Problem damit nicht gelöst sei und der Druck des Auslands steigen werde.

**Griffige Sanktionen verhindert**
Am Widerstand von Banken und der politischen Mehrheit scheiterte auch das Vorhaben der EBK, die FINMA mit einem griffigen Arsenal von Sanktionen auszurüsten. Der 2003 von der EBK vorgelegte Sanktionenbericht wurde auf dem Höhepunkt der Überregulierungsdebatte in der Luft zerrissen.
Politischer Wille oder besser gesagt Unwille ist auch der Grund, wieso die von der FINMA und ihren Exponenten wiederholt angeprangerten Lücken im Kampf gegen den Marktmissbrauch immer noch von Experten gewälzt werden. «Im Interesse der Reputation des Finanzplatzes Schweiz ist eine wirksame Marktaufsicht zwingend», forderte die EBK vor anderthalb Jahren.
Revidiert wurde unter dem Druck der Swissfirst-Affäre im Eiltempo einzig die Insiderstrafnorm. Weitergehende Vorschläge werden im Auftrag von Bundesrat Hans-Rudolf Merz von einer Expertengruppe gewälzt. Sie soll ihre Erkenntnisse in der zweiten Jahreshälfte vorlegen. Erst dann will der Finanzminister entscheiden, ob ein gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.



Der ehemalige UBS-Manager ist als Prügelknabe prädestiniert: Eugen Haltiner.
Bild: Keystone

#Notizen zu Namen

19. Februar 2009 | Maturarbeit – Fremde Materie in Französisch perfekt gemeistert

Schaffhauser Nachrichten, Aus- und Weiterbildung
Karl Hotz

«L’architecture de l’habitat mobile» – nicht gerade ein Titel, den man für eine Maturarbeit an der Kantonsschule Schaffhausen erwartet. Aber ihr Verfasser, Severin Knecht, legt eben eine «Maturité bilingue» ab. Die Präsentation seiner Arbeit ist in doppeltem Sinne beeindruckend. Da ist einmal der Inhalt: Severin Knecht hat nicht nur ein Haus in der Grösse der weltweiten Container entworfen und mit einem 3-D-Programm für Architekten bis ins Detail durchgedacht und davon auch ein Holzmodell gebaut; da ist auch die Art der Präsentation: Wenn man die Augen schliesst, hat man keinen Moment den Eindruck jemandem zuzuhören, der nicht französischer Muttersprache ist. Damit auch alle verstehen, wovon er redet, hat Knecht vor der Präsentation ein Vocabulaire verteilt, das bautechnische und architektonische Begriffe erläutert – die Zuhörer (Eltern, Bekannte und Schulkollegen) hätten sonst womöglich Mühe gehabt, dem Vortrag in seinen fachtechnischen Verästelungen zu folgen. Ein perfektes Beispiel dafür, welchen Wert eine zweisprachige Matur haben kann. Chapeau!

#Allgemeines

19. Februar 2009 | Maturité bilingue und Immersion

Schaffhauser Nachrichten, Aus- und Weiterbildung
Karl Hotz

Es ist schon fast eine Binsenwahrheit: Unsere Welt wächst immer mehr zusammen. Darum wird auch der souveräne Umgang mit fremden Sprachen immer wichtiger. Ein Weg dazu sind die sogenannten zweisprachigen Maturitäten. Dabei gibt es zwei Formen. Bei der ersten Variante wird – zumindest bei uns in Schaffhausen – das dritte Schuljahr statt auf dem Emmersberg in einer französischsprachigen Mittelschule in der Romandie absolviert – die sogenannte Maturité bilingue. In der Variante zwei wird ein Teil der Fächer ab der zweiten Klasse vollständig in Englisch absolviert. Hier spricht man von der sogenannten Immersionsmethode. Wir unterhielten uns mit Rektor Urs Saxer und Protektor Pasquale Comi, der die Evalutionsphase leitete, über Ziel und Erfahrungen der neuen Methode.

**«Keine Elite der Elite»**
Eines stellt Urs Saxer gleich eingangs klar: «Bei uns ist, anders als teilweise in anderen Kantonen, der Zugang zu beiden Formen sehr offen. Wir wollen keine Elite der Elite, für die die Maturité bilingue oder die Immersionsmethode eine Art Belohnung ist.» Für einen Aufenthalt in der französischsprachigen Schweiz reicht beispielsweise die Note 4,5 in Französisch sowie ein Gesamtnotendurchschnitt in gleicher Höhe. Und beim Immersionsunterricht heisst es in den Richtlinien, er sei für alle Schülerinnen und Schüler des Sprachlich-Altsprachlichen Profils (S) offen, die Freude daran hätten, Fremdsprachen auf eine neue Art zu lernen, und motiviert seien, mit Ausdauer an Problemlösungen zu arbeiten. Zugelassen sind zudem sowohl Schülerinnen und Schüler, die Englisch im Schwerpunktfach, als auch solche, die es im Freifach belegen.

**Erste Tests vor acht Jahren**
Die ersten Versuche mit den neuen Formen, so Pasquale Comi, seien an der Schaffhauser Kantonsschule in den Jahren 2001 bis 2003 unternommen worden. Damals wurden die Fächer Mathematik und Geschichte in englischer Sprache unterrichtet. Die Erfahrungen waren so positiv, dass ab 2004 jährlich ein neuer Klassenzug des sogenannten Ausbildungsprofils S (sprachlich-altsprachlich) in einem erweiterten Pilotversuch in den beiden Fächern und zusätzlich in Physik in Englisch unterrichtet wurden. Auch dieser Pilot verlief sehr positiv, so dass die Kantonsschule dem Erziehungsrat den Antrag stellte, diese Maturitätsform definitiv einzuführen. Im Oktober letzten Jahres wurde der Antrag gutgeheissen. Die Ergebnisse wurden sehr sorgfältig evaluiert. Bei zwei Parallelklassen zeigte sich beispielsweise im Jahre 2006, dass die Klasse mit dem Immersionsunterricht das Tempo am Anfang etwas drosseln musste, bis der fachspezifische und allgemeine Wortschatz erarbeitet war. Doch schon nach wenigen Wochen glichen sich die Unterschiede aus. Ein Jahr später wurden Vergleichsprüfungen im Fach Geschichte durchgeführt – ohne signifikante Unterschiede. Eine letzte Umfrage kurz vor der Matur ergab das gleiche Resultat. Die Lehrkräfte der Immersionsklassen stellten allerdings im Unterricht ein grösseres Interesse fest – was natürlich auch daran liegen könnte, dass eher die Aktiveren und Interessierteren sich überhaupt für eine zweisprachige Matur entscheiden. Und die Maturprüfungen bestätigten schliesslich die vorherigen Resultate: Alle zweisprachigen Schülerinnen und Schüler erhielten das Maturzeugnis, und Experten, die beide Klassen begutachteten, stellten keinerlei Unterschiede fest. Wenig überraschend stellten die Englischlehrer fest, dass die Immersionsklasse beim Hören, Sprechen und Lesen, etwas weniger im Schreiben, überdurchschnittliche Erfolge erzielten – mit unerwarteten Folgen: In der Freifachklasse stellte die Englischlehrerin fest, dass sich die Schülerinnen und Schüler, die die Immersionsklassen nicht besuchten, gehemmter verhielten und sich weniger zu Wort meldeten, weil die Immersionsschüler deutlich besser waren.

**Die gleichen Prüfungen**
Ebenso sorgfältig wurden die Leistungen in Mathematik und Physik verglichen, was fast noch ein wenig einfacher war, denn es konnten in beiden Gruppen einfach die identischen Prüfungsaufgaben gestellt werden. Auch hier wurde festgestellt, dass zu Beginn die Immersionsklassen im Fach Physik etwas schlechter abschnitten – vermutlich wegen des bereits erwähnten gedrosselten Lerntempos. Doch mit der Zeit glichen sich die Unterschiede praktisch aus. In der Mathematik waren die Erfolgsquoten bei den einzelnen Prüfungsfragen zwar unterschiedlich, doch bei den Gesamtnoten schnitten die Immersionsklassen bei den vergleichbaren Fragen leicht besser ab. Umgekehrt war es bei der Entwicklung der Zeugnisnoten in Physik nach einem Jahr: Während die Noten der Immersionsklassen im Durchschnitt ganz minim um 0,03 Punkte sanken, stiegen jene der Normalklasse um 0,2 – alles in allem aber auch keine signifikanten Unterschiede.

**Auch ein Anreiz für die Lehrkräfte**
Rektor Urs Saxer rückt aber auch noch einen anderen Punkt in den Vordergrund: «Wir sehen vor allem den Immersionsunterricht auch als Herausforderung und Entwicklungsmöglichkeit für die Lehrkräfte.» Man verzichte darauf, das sogenannte «Proficiency», einen anerkannten Standard für Englischkenntnisse, zur Bedingung zu machen, man setze einfach sehr gute Englischkenntnisse voraus, insbesondere auch im sprachlichen Ausdruck. Aber natürlich biete man den Lehrkräften, die Immersionsunterricht erteilen wollten, die Gelegenheit zur Weiterbildung. Diese Möglichkeit werde, vor allem in Form von Sprachaufenthalten auch gerne wahrgenommen. Es brauche zudem von allen auch einen Sondereinsatz: «So müssen beispielsweise sämtliche Unterlagen ins Englische übersetzt werden. Und auch sonst braucht die Vorbereitung der Lektionen etwas mehr Aufwand.» Lehrkräfte, die Immersionsklassen unterrichten, erhalten deshalb eine Lektion Entlastung. Sowohl Urs Saxer wie auch Pasquale Comi sind sehr erfreut, dass der Erziehungsrat nun definitiv grünes Licht für die neuen Unterrichtsformen erteilt hat. «Das wertet das Angebot der Kantonsschule Schaffhausen auf», ist Saxer überzeugt.


**Austauschjahr Noten werden übernommen**

Bei der «Maturité bilingue» wechseln Schülerinnen und Schüler in der dritten Klasse der Kantonsschule für ein ganzes Jahr an ein Gymnasium in Lausanne. Sie absolvieren dort den ganz normalen Unterricht. Voraussetzung ist aber, dass auch Schülerinnen und Schüler aus Lausanne nach Schaffhausen wechseln.
Die Grundlagen- und die Wahlfächer werden in Lausanne grundsätzlich weitergeführt. Alle Noten aus Lausanne werden übernommen, so dass – wenn nicht etwas anderes dazwischen kommt – die Matur zusammen mit der Stammklasse in Schaffhausen abgelegt werden kann. Die Maturaarbeit muss allerdings zwingend auf Französisch geschrieben werden – in welchem Fach ist aber offen.


**Immersion Geschichte in Englisch gemeistert**

«Nein, im Fach Geschichte ist die Sprache kaum ein Problem – man findet den Anschluss rasch wieder, auch wenn man einmal ein Wort nicht versteht» – so und ähnlich die Antworten auf die Frage, wie schwierig es sei, dem Geschichtsunterrricht in Englisch zu folgen.
Und in der Tat, wenn man den Schülerinnen und Schülern von Hans-Rudolf Dütsch zuhört, wie sie das ungemein komplexe Thema «Konzentrationslager Auschwitz» diskutieren, kommt man zur Ansicht: «Das kann doch gar nicht so schwierig sein.» Insbesondere in der zweiten Lektion, als drei Kurzvorträge zu verschiedenen Aspekten gehalten werden, muss man dann aber als Zuhörer verflixt gut aufpassen, um immer alles mitzubekommen und zu verstehen, worum es im Detail geht. Dass dann, wenn Zusatzfragen gestellt werden, sowohl Fragende wie Antwortende manchmal nach Begriffen suchen müssen, erinnert einen aber dann wieder daran, dass hier ja im Rahmen der Immersionsmethode ein ganzes Fach in Englisch absolviert wird und das für die Schaffhauser Schülerinnen und Schüler ja eine Fremdsprache ist. Dass Hans-Rudolf Dütsch, der als Jugendlicher drei Jahre in den USA gelebt und nun als Vorbereitung noch das «Proficieny» in England abgelegt hat, selber nicht nur sehr gut Englisch spricht, sondern manchmal fast unmerklich ein wenig hilft, erleichtert die Sache natürlich. Dütsch ist übrigens von der Immersionsmethode begeistert und hat festgestellt, dass die Beteiligung am Unterricht eher stärker ist als in der Muttersprache. Dass er viele Unterlagen für den Unterricht nun doppelt, weil in zwei Sprachen, erstellen muss, nimmt er denn auch ohne Murren in Kauf.

**Den Faden wieder finden**
Noch etwas haben übrigens die Schüler festgestellt: «In Mathematik und Physik ist, vor allem an Anfang, der Unterricht nicht so einfach. Verpasst man den Anschluss, weil man einen Begriff nicht versteht, ist es schwieriger den Faden wieder zu finden.»

#Notizen zu Namen

19. Februar 2009 | 3 Fragen an: Kurt Gehring, Departementssekretär Departement des Innern

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen

*1 Das Departement des Innern des Kantons Schaffhausen wird im Jahr 2010 eine Jagdprüfung durchführen. Wie viele melden sich durchschnittlich an die Prüfung an?*
Im Kanton Schaffhausen gibt es rund 250 aktive Jägerinnen und Jäger. Die Ausbildung eines verantwortungsvollen und kompetenten «Nachwuchses» ist für die Hege und die Jagd sehr wichtig. Jährlich melden sich durchschnittlich zwölf Kandidatinnen und Kandidaten zur Prüfung an.

*2 Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen?*
Zulassungsvoraussetzung ist der Besuch des vom Schaffhauser Jagdschutzverein organisierten einjährigen Vorbereitungskurses mit breiter praktischer und theoretischer Ausbildung.

*3 Was wird geprüft?*
Nur wer die erste Hürde einer anspruchsvollen Schiessprüfung mit verschiedenen Programmen bestanden hat, wird in einer zweiten Phase während eines halben Tages in freier Natur in folgenden Fächern geprüft: Jagdrecht, Wildkunde und Wildbrethygiene, Jagdkunde und Brauchtum, Hundewesen, Waffenkenntnis sowie Ökologie und Waldkunde.

#Allgemeines

18. Februar 2009 | 1. Berner Stamm 2009

#Notizen zu Namen

10. Februar 2009 | Ein Schaffhauser im “Fadenkreuz” – Wer ist eigentlich Finma-Präsident Eugen Haltiner?

Schaffhauser Bock
(lts)

Eugen Haltiner ist Präsident der neuen Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Früher war er bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (später UBS), wo er 2005 vorzeitig pensioniert wurde. Trotz Staatshilfe erlaubte er seinem ehemaligen Arbeitgeber, Boni von knapp zwei Milliarden Franken auszuzahlen. Dies, obwohl die angeschlagene Grossbank vertraglich bindend «nur» zu 1,3 Milliarden Franken verpflichtet ist.
Finma-Chef Eugen Haltiner liess seinerseits verlauten, dass «gute Leute» nur mit sehr hohen Salären und entsprechenden Boni für das Topmanagement «angeheuert» werden können. Bürgerinnen und Bürger interpretieren das so: Je katastrophaler die Leistungen, je unverschämter die Ansprüche.
Doch für Haltiner sind die Medien der «böse Feind». Denn für die emotionale Boni-Debatte machte der ehemalige UBS-Banker vollumfänglich die Medien verantwortlich. «Sie heizen mit ihrer Berichterstattung über das UBS-Hilfspaket seit letztem Herbst die Stimmung im Volk einseitig an,» sagte er dem Sonntagsblick. Dies sei unverantwortlich. Als Beispiel erwähnt er die Sendung «Club», die zum Thema «Boni» im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. (Sendung vom 27.Januar kann im Internet angesehen werden unter http://www.sf.tv/sf1/club).
Haltiner moniert, Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer hätte in der Sendung unwidersprochen behaupten können, die UBS wäre ohne Hilfspaket pleitegegangen. Dies sei eine Fehlinformation und grenze an Volksverhetzung. Haltiner bekam daraufhin eingeschriebene Post von Frau Leutenegger. Volksverhetzung, also die Aufwiegelung mit irreführenden Behauptungen, sei ein hässlicher Vorwurf, ja gar ein Straftatbestand. Sollte Haltiner diese Unterstellung nicht zurücknehmen, werde er sich von einem Richter über die Ehrenrührigkeit belehren lassen müssen.
Eugen Haltiner ist Schaffhauser. Genauer gesagt Herblinger. In einer Sonderpublikation zur Herblinger-Chilbi wurde er im Jahr 2006 portraitiert: «Offenheit, Wertschätzung, aufmerksames Zuhören und echter Dialog sind notwendige Voraussetzungen. Das damit zu erreichende Resultat ist nicht ein verordnetes Gehorchen, sondern ein bewusstes, auch beherztes Engagement,» liess sich Haltiner zitieren, in welcher er sich, damals 2006 grad frisch im neuen Amt als Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission, zu seinen Aufgaben äussert: «Von meinen vielfältigen Kontakten, auch zu ausländischen Aufsichtsbehörden, weiss ich, dass der Finanzplatz Schweiz dank Leistung und Wettbewerbsfähigkeit eine hohe Wertschätzung geniesst. Eine kompetente und starke Aufsicht kann helfen, diese Reputation zu wahren oder, besser noch, weiter auszubauen, denn Konkurrenz etwa in London oder in Singapur schläft nicht.»
Eugen Haltiner ist im Herblinger Kronenacker und an der Jägerstrasse aufgewachsen. Den Kindergarten besuchte er bei «Schwester Elise». Die ersten Schuljahre im Trüllenbuck. Ab der dritten Klasse ging er im damals neu erbauten «Kreuzgut» zur Schule. Nach dem Besuch der Kantonsschule Schaffhausen, wo Haltiner der Verbindung «Scaphusia» angehörte» absolvierte er eine B-Matura (Lateinmatura) und schrieb sich zusammen mit einem Freund und Kantikollegen an der Uni Genf zum Wirtschaftsstudium ein. Weil sein Französisch derart schlecht gewesen sei, habe er es im Welschland gleich mit einem Sprung ins kalte Wasser aufbessern wollen, wird Haltiner zitiert.
Seine berufliche Karriere startete er bei der SBG in Zürich im Rechnungswesen. Nach mehrjährigem Aufenthalt in New York übernahm er die Leitung der SBG-Traditionsfiliale «Römerhof» in Zürich und wurde anschliessend Filialdirektor der Winterthurer SBG. Von 1993 bis 1998 hatte der Herblinger die Verantwortung für den Geschäftsbereich Retailprodukte und Privatkunden. Die Fusion der SBG mit dem Schweizerischen Bankverein zur UBS unterstützte er an vorderster Front als Projektleiter bei der Zusammenführung der beiden Banken. 1998 wurde er Mitglied des Group Managing Board der UBS. Ab 2002 stand er dem Bereich Business Banking vor, welcher das schweizerische Privat- und Firmenkundengeschäft umfasst und 2006 schloss er seine Bankkarriere als Vice Chairman dieses Geschäftsbereichs, für Grosskunden zuständig, ab.
Parallel zum beruflichen Aufstieg vollzog sich auch Haltiners militärische Laufbahn. Diese begann im Schaffhauser Füs Bat 61, wo er es bis zum Hauptmann der Kompanie II/61 brachte. Weitere Kommandanten neben ihm waren Hans Felix Vögeli, späterer CEO der Zürcher Kantonalbank (ZKB), und Urs Oberholzer, Präsident des Bankrates der ZKB. Haltiners Militärkarriere führte weiter über das Kommando des Zürcher Füsilier-Batallions 66 bis in den Generalstab, wo er als Oberst im Stab des vormaligen Feldarmeekorps 4 diente. Als Mitglied der ausserparlamentarischen Rüstungskommission des VBS ist er der Armee weiterhin verbunden.
Nebst Beruf und Militär sei sein drittes Standbein die Familie: «Denn, was auf drei Beinen steht, ist stabil.» Seit mehr als dreissig Jahren ist er mit der Schaffhauserin Jacqueline Benesch verheiratet und hat praktisch täglich telefonischen Kontakt mit seinen Kindern Kathrin und Christoph.
Im August 2005 wurde Haltiner zum Präsidenten der Eidgenössischen Bankenkommission gewählt. Er war der Wunschkandidat von Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Die beiden Finanzfachleute kennen sich schon seit Jahrzehnten.
Wie in der Beilage zur Herblinger-Chilbi 2006 weiter steht, sei Haltiner gefordert, seine Unabhängigkeit vom ehemaligen Arbeitgeber UBS und jene gegenüber Bundesrat Merz unter Beweis zu stellen: «Das bereitet mir keine Sorge, schliesslich habe ich meine berufliche Karriere beendet. Bin somit und fühle mich unabhängig, auch gegenüber meinem früheren Arbeitgeber.»
Als einen seinen Führungsgrundsätze gibt Haltiner an:«Leadership ist für mich nicht an Titel oder hierarchische Stufen gebunden. Es ist die Fähigkeit, Gewohntes immer wieder zu hinterfragen, Grenzen zu sprengen und damit neue Einsichten und Erfahrungen zu vermitteln.»


#Notizen zu Namen

5. Februar 2009 | Verdächtigungen, Rüge und harsche Kritik

Schaffhauser Nachrichten
Adrian Schuhmacher

Gemessen an seiner Grösse ist der Kanton Schaffhausen innerhalb der Kaderpositionen der Bundesverwaltung ausserordentlich gut vertreten. Dass mit dem Stellenwert der Funktion auch die mediale Aufmerksamkeit für deren Träger wächst, ist klar. Dass sich aber mit dem Bundesanwalt Erwin Beyeler, dem Präsidenten der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), Eugen Haltiner, und Kurt Blöchlinger, dem Chef der Bundeskriminalpolizei, derzeit gleich drei Chefbeamte mit einem engen Bezug zu Schaffhausen öffentlicher Kritik ausgesetzt sehen, ist dennoch bemerkenswert.

**Haltiner und die Boni der UBS**
Einen besonders ungemütlichen Job hat derzeit Eugen Haltiner inne. Die grosse Verwirrung um die Bonizahlungen bei der UBS werden zu einem beträchtlichen Teil dem aus Schaffhausen stammenden Ökonomen angelastet. Insbesondere die Tatsache, dass die vom Staat unterstützte UBS für das Jahr 2008 nebst den vertraglich zugesicherten Boni von 1,3 Milliarden Franken weitere 700 Millionen Franken ausschütten kann, stösst der Finanzkommisson des Nationalrats sauer auf. Der 60-Jährige verwies in seinen Erklärungen auf den grossen Wettbewerb um Spezialisten bei den Banken, was die Bonizahlungen rechtfertige. Aus dem Schussfeld der Kritik war Haltiner damit freilich nicht. Insbesondere seine Kommunikation in Sachen UBS sei «absolut ungenügend. Sukkurs erhielt Haltiner am Sonntag von Jean-Pierre Roth, dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank. Haltiner habe mit der «UBS sehr hart verhandelt und das Minimum durchgesetzt», sagte Roth dem «SonntagsBlick».

**Rüge für den Bundesanwalt**
Während sich die Kritik an Haltiner auf dessen Arbeit bezieht, ist Bundesanwalt Erwin Beyeler am Wochenende von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Der 56-jährige frühere Kommandant der Schaffhauser Polizei hat während seiner Zeit als Erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen eine Rüge seiner Aufsichtsinstanz einstecken müssen. Er hatte sich in die Arbeit einer Haftrichterin eingemischt. Die Angelegenheit hatte sich 2004 abgespielt. Beyeler hatte eine von der Haftrichterin angeordnete Haftentlassung als absolut ungerechtfertigt bezeichnet. Gemäss «SonntagsBlick» soll der Entscheid der Haftrichterin Beyeler derart in Rage gebracht haben, dass er völlig die Fassung verloren habe. «Wenn sie den Mann nicht unverzüglich wieder in Haft setze, sorge er dafür, dass ihre berufliche Karriere beendet sei», zitiert ein Insider Beyelers Drohung im «SonntagsBlick». Die Bundesanwaltschaft bestätigte den Sachverhalt am Sonntag. Der «SonntagsBlick» hatte Beyeler schon vor einem Jahr mit der Auseinandersetzung konfrontiert, worauf dieser den Vorfall abstritt.

**Verdacht im «Fall Ramos»**
Mit den schwersten Anschuldigungen sieht sich Kurt Blöchlinger, der designierte Kommandant der Schaffhauser Polizei, konfrontiert. Der «Tages-Anzeiger» äusserte in seiner Freitagsausgabe den Verdacht, dass Blöchlinger zwei Ermittlern ein Strafverfahren angehängt haben könnte – als Rache dafür, dass sie vor dem Informanten Ramos gewarnt hatten. Ramos war Ende 2002 vom damaligen Bundesanwalt und langjährigen Freund Blöchlingers, Valentin Roschacher, in die Schweiz geholt worden, weil er sich von ihm Hinweise auf spektakuläre Drogenfälle erhoffte. Der Coup erwies sich später als Reinfall, worauf Roschacher 2006 den Hut nahm. Vordergründig sollen sich die beiden Ermittler der Urkundenfälschung schuldig gemacht haben, als sie die Unterschrift eines verdeckten Mitarbeiters fälschten, der seinerseits ein Treffen mit einem deutschen V-Mann protokolliert hatte. Der «Tages-Anzeiger» fragt sich nach dem Motiv der Ermittler für die ihnen vorgeworfene Tat, zumal das Protokoll inhaltlich nicht verändert worden sei. «Insider beim Bund sprechen im Zusammenhang mit der Urkundenfälschung von einer Bagatelle und interpretieren den Rauswurf der beiden Ermittler als Strafe für deren Widerstand gegen Ramos», schreibt der «Tages-Anzeiger».

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31. Januar 2009 | UBS-Boni: Finanzkommission erteilt allen Beteiligten schlechte Noten

Schaffhauser Nachrichten
(sda)

Auch die Kommunikationspolitik aller Beteiligten kritisiert die Kommission scharf. Die «hohen vertraglich nicht zugesicherten Boni» in Höhe von aktuell geschätzten 700 Millionen Franken seien angesichts der UBS-Ergebnisse nicht gerechtfertigt, hielt die Finanzkommission am Freitag nach ihrer zweitägigen Sitzung in einem Communiqué fest. Ein gewisses Verständnis sei allerdings für die unteren und mittleren Angestellten angezeigt. Die Streichung variabler und zugesicherter Lohnanteile käme für sie einer massiven Lohnkürzung gleich. Wegen der grossen Verwirrung um die Boni in der Öffentlichkeit hatte die Kommission Eugen Haltiner, den Verwaltungsratspräsidenten der Finanzmarktaufsicht (Finma), zu einer Aussprache geladen. Haltiner verwies dabei auf den grossen Wettbewerb um Spezialisten bei den Banken. Das veranlasse die UBS zum Entrichten der Boni. Zudem sei ein Teil der Boni vertraglich zugesicherter variabler Lohnbestandteil. Die vollständigen Fakten zu den Bezügen bei der Bank würden indessen erst am 10. Februar an der Bilanzmedienkonferenz dargelegt. Die Finma hatte der UBS die Bonuszahlungen im Umfang von 2 Milliarden Franken erlaubt. Wie der Bundesrat in der Folge mitteilte, sind davon 1,3 Milliarden Franken vertraglich gebunden.

**Kritik an Informationspolitik**
Die Kommunikation aller Beteiligten in der Bonus-Angelegenheit erregt im weiteren den Unmut der Kommission. Sie massregelte die Finma, die UBS und den Bundesrat für deren Reaktion auf die Indiskretion in der Presse. «Absolut ungenügend» sei die Kommunikation der UBS nach dem Bekanntwerden der Milliardenboni. Die Finma hätte viel schneller und offener reagieren müssen. Der Bundesrat schliesslich habe «nichts zur Klärung der Fakten beigetragen, sondern die Verwirrung eher noch vergrössert». In Bezug auf die Boni beobachtet die Finanzkommission die Lage laufend weiter und wird auch mit Haltiner eine weitere Aussprache führen. Längerfristig müsse das Salärsystem von falschen Anreizen wegkommen, verlangte das vorberatende Organ. Wie die Kommission mitteilte, lehnte sie einen Minderheitsantrag mit 16 zu 7 Stimmen ab, der den Bundesrat beauftragen wollte, der UBS einen Bonusverzicht nahezulegen.

#Notizen zu Namen

27. Januar 2009 | Referendum gegen Steuererhöhung

Schaffhauser Nachrichten
Wolfgang Schreiber

«Keine Steuererhöhung in Krisenzeiten», diesen Slogan nennt Marcel Montanari, Präsident der Jungfreisinnigen Reiat, als Grund, warum die Jungfreisinnigen beschlossen haben, das Referendum gegen die Steuererhöhung zu ergreifen. Nachdem der Einwohnerrat von Thayngen am 22. Januar beschlossen hatte, den Steuerfuss um drei Prozentpunkte zu erhöhen, entschlossen sich die Jungfreisinnigen einen Tag später an einer ausserordentlichen Parteiversammlung dazu, das Referendum gegen die Steuererhöhung zu ergreifen. «Es geht uns nur um die Steuererhöhung. Am Budget wollen wir keine Abstriche machen, das finden wir so, wie es der Einwohnerrat verabschiedet hat, in Ordnung», präzisiert Marcel Montanari.

**Zahlenmässig kleine Partei**
Die Jungfreisinnigen Reiat sind letzten Herbst gegründet worden. Es ging darum, bei den Kantonsratswahlen als Partei in allen Wahlkreisen mit jungfreisinnigen Kandidaten aufzutreten. Diese Strategie ist einigermassen aufgegangen. Sie vermochten im Wahlkreis Stadt zwei Sitze zu gewinnen. Im Reiat ist die Partei acht Mitglieder und eine Reihe von sogenannten Sympathisanten stark. Die Jungfreisinnigen sind überzeugt, dass eine Steuererhöhung in Thayngen «kurzsichtig und völlig deplaziert» ist. Im Sinne einer fairen und offenen Kommunikation haben sie bereits im Vorfeld der entscheidenden Einwohnerratssitzung klargemacht, dass sie eine Steuererhöhung nicht mittragen werden. Das Missbehagen der Jungfreisinnigen, so Montanari, richtet sich nur gegen die Steuererhöhung, nicht gegen das Budget und schon gar nicht gegen die Investitionen, die Gemeinderat und Einwohnerrat beschlossen haben. Die Jungfreisinnigen werden demnächst einen Postversand an alle Haushaltungen vornehmen. Der Unterschriftenbogen wird voraussichtlich Ende Woche in den Briefkästen sein.

**«Nicht klug», «nicht erfreut»**
Werner Hakios, Präsident der Thaynger FDP, ist nicht erfreut über das Referendum. Er hofft, dass die Zeit genutzt wird, um den Stimmbürgern deutlich zu machen, warum Budget- sowie Steuer- und Gebührenerhöhungen nötig geworden sind. Walter Bernath, der lachend meint, er werde oft als Thaynger Klagemauer benutzt, hat den Jungfreisinnigen abgeraten, das Referendum zu ergreifen. Es sei unklug, gerade jetzt, wo Gemeinderat und Einwohnerrat mit dem Sparen begonnen hätten – was er als grossen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet –, mit einem Referendum zu kommen. Auch sollten der neuen Finanzreferentin Zeit und die Chance gegeben werden, durch ihre Finanzpolitik andere Schwerpunkte im nächsten Budget zu setzen.

**Gemeindepräsident «Das Referendum gegen das Budget ist wie ein Spiel mit dem Feuer»**

Gemeindepräsident Bernhard Müller hat mit einer Stellungnahme zum angekündigten Referendum reagiert. Er findet es persönlich sehr bedenklich, dass keiner der Referendumsführer an der Einwohnerratssitzung anwesend war. Müller fragt sich, ob dies der neue Steuersenkungsaktivismus sei, welcher nun, nicht zuletzt von Auswärtigen, auch in Thayngen praktiziert werden soll. Den Stimmberechtigten empfiehlt er, sich vor Augen zu führen, was tiefe Steuern auf der einen Seite brächten und was an Attraktivität auf der andern Seite wieder verlorenginge: «In diesem Sinne ist das Referendum ein gefähr- liches Spiel mit dem Feuer.»


Gründungsmitglieder der Jungfreisinnigen Reiat. Stehend: Marcel Montanari, Oliver Brütsch; sitzend: Philippe Moser, Markus Bührer, Philipp Zumbühl.
Bild: ZVG

#Notizen zu Namen

27. Januar 2009 | «UBS soll rasch über Boni informieren»

Schaffhauser Nachrichten
Thomas Münzel

*Laut Pressemeldungen vom vergangenen Wochenende soll die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) der UBS für 2008 Boni in Höhe zwischen zwei und zweieinhalb Milliarden Franken genehmigt haben. Wie werten Sie diesen Entscheid?*
Peter V. Kunz: Von meinem Bauchgefühl her empfinde ich das Vorgehen unserer Bankenaufsicht, wenn es denn so ist, als stossend. Auf diese Weise verlieren unsere Behörden zunehmend an Glaubwürdigkeit, und zwar nicht zuletzt in der Bevölkerung. Vom juristischen Standpunkt her betrachtet, dürften die Zahlungen unter Umständen zwar kein Problem darstellen und zulässig sein, aber gegen aussen würde man mit der Auszahlung der Boni ohne Zweifel ein falsches Zeichen senden …

*… zumal ja letztlich Steuergelder verwendet werden, um die Boni auszahlen zu können.*
Indirekt wäre das tatsächlich so, ja. Das ist für mich und wohl auch für viele andere nicht nachvollziehbar. Zudem muss man sich bewusst sein, dass die Zusammenarbeit zwischen der Finma und der Nationalbank im Zusammenhang mit der neuen Auffanggesellschaft, welche die Ramschpapiere der UBS für 60 Milliarden Franken übernommen hat, in juristischen Kreisen sehr umstritten ist.

*Inwiefern?*
Die Finma ist in Bezug auf die Auffanggesellschaft die Aufsichtsbehörde der Schweizerischen Nationalbank, was juristisch heikel erscheint. Insofern ist es schon sehr merkwürdig, wenn nun die Oberaufsichtsbehörde sozusagen Boniauszahlungen genehmigt, welche in anderen Konzernen nie und nimmer bewilligt worden wären. Und auf der anderen Seite werden von der Nationalbank mittels Steuergeldern allenfalls Milliardenverluste der Bank getragen.

*Als wie unabhängig würden Sie die Finma bezeichnen?*
Die Frage ist berechtigt. Man muss künftig sicher noch vermehrt darauf schauen, wen man in diese Kon-trollbehörde wählt. Wenn es zu viele Leute in diesen Aufsichtsgremien hat, die früher in Banken- und Versicherungskreisen gearbeitet haben oder diesen Wirtschaftskreisen sonstwie nahestehen, dann besteht ohne Zweifel eine gewisse Gefahr, dass diese Personen letztlich zu wenig Biss haben. Der Bundesrat wäre gut beraten, auch «kritische Geister» und nicht nur «Diplomaten» in solche Behörden zu berufen.

*Manche vermuten, dass die Finma letztlich gar keine andere Wahl gehabt habe, als die Boni zu genehmigen, da es sich um vertraglich zugesicherte Zahlungen handle. Wie beurteilen Sie das?*
Ich kann das nicht letztgültig beantworten, da mir diesbezüglich die entscheidenden Informationen fehlen. Natürlich gibt es im Bankenbereich vertraglich zugesicherte leistungsbasierte Vergütungen, doch diese werden normalerweise nicht unter dem Terminus Bonuszahlungen aufgeführt. Unter Bonus versteht man heute freiwillige finanzielle Motivatoren. Wenn es also nur darum gehen sollte, dass die UBS allein ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen hat, wäre ich der letzte, der sagen würde, dass man das verhindern sollte. Denn da gäbe es rein juristisch gesehen gar keine Alternative; früher ausbezahlte Boni, die geschuldet waren, kann man meiner Ansicht nach ja auch nicht mehr juristisch zurückverlangen. Doch da man anscheinend achtzig Prozent der ursprünglichen Boniforderungen der UBS zusammengestrichen hat, gehe ich davon aus, dass die UBS offenbar mit zahlreichen Forderungen vorstellig wurde, die nicht vertraglich zugesichert waren. Denn ansonsten hätte die Finma ja wohl kaum so stark intervenieren können.

*Wie soll sich die UBS jetzt verhalten?*
Ich würde der UBS raten, da sie sehr stark unter öffentlicher Beobachtung steht, die Volksseele zu massieren. Inserate mit zufriedenen Kunden allein genügen da allerdings nicht. Es wäre sicher gut, wenn die Grossbank eines Tages der Allgemeinheit irgendeinen guten Dienst erweisen würde; in welcher Form auch immer. Kurzfristig würde ich der UBS allerdings raten, möglichst schnell über die Bonizahlungen zu informieren. Denn wenn die Milliardenbeträge vor allem freiwillige Motivatoren sind, dann ist das kaum zu rechtfertigen. Wenn die UBS aber sagen könnte, dass fast alles ein vertraglicher Lohnbestandteil sei und man deshalb keine Alternative hätte, dann könnten wohl viele – auch ich selber – damit leben.

**«Der Bundesrat wäre gut beraten, auch ‹ kritische Geister › und nicht nur ‹ Diplomaten › in solche Behörden zu berufen»**

Finma Eugen Haltiner verteidigt Entscheid

Bern Konsumentenschützer und die SP sind empört darüber, dass die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) der UBS Bonuszahlungen erlaubt. Deren Präsident, Eugen Haltiner, verteidigt den Entscheid. Wertvolle Mitarbeitende könnten das Unternehmen sonst verlassen, sagte er gestern abend. Diese seien für eine Bank das kostbarste Gut. Wenn sie den Arbeitgeber wechselten, werde der Wert eines Unternehmens zerstört. Laut Haltiner hat es sich allerdings für die Finma um einen schwierigen Entscheid gehandelt. Der SP genügt dies nicht. Sie hält den Finma-Chef für nicht mehr tragbar und fordert dessen Rücktritt. Wer gegenüber der UBS in der heutigen Situation keine Nullrunde durchsetze, dem fehle das politische Gespür. Entweder trete Haltiner selbst zurück, oder Bundesrat Merz müsse handeln. (sda)

#Notizen zu Namen

22. Januar 2009 | «Frauen sind kritischer»

Schaffhauser AZ, Kanton
Susi Stühlinger

«Vier Jahre lang auf der faulen Haut zu liegen, habe ich auf keinen Fall vor», sagt Till Aders, neuer Präsident der Alternativen Liste (AL) Schaffhausen. Im Gegenteil: Parteiintern müsse sich einiges ändern, die Strukturen sollen den Bedürfnissen der Zeit angepasst werden. Überdies sei es nicht die Zeit, um sich auf den eingeheimsten Lorbeeren auszuruhen, sondern sein Ziel, noch mehr Sitze im Parlament zu erobern. Hierfür gelte es, neue Mitglieder anzuwerben.
Diese finden sich unter anderem in der «Falken»-Bude der Scaphusia, so wie vor zwei Jahren auch Aders. «Viele denken, AL-Mitglied und Scaphusianer zu sein, schliesse sich gegenseitig aus», sagt Aders. «Dies ist meines Erachtens eine völlige Fehleinschätzung.» Dass auffällig viele der AL-Aktivisten in den Reihen der Scaphusia rekrutiert würden, sei keine Aussage über die AL, sondern eine Aussage über die Scaphusia. «Der hohe Scaphusianer-Anteil in der Partei zeigt doch, dass es in der Verbindung engagierte Menschen linker Gesinnung gibt und dass Traditionen zu pflegen nicht unvereinbar mit progressivem Denken ist.» Kantonsrat Florian Keller sei zweifellos die treibende Kraft in der Burschenschaft gewesen und habe etliche Scaphusianer zum AL-Beitritt motiviert.

**Mehr Frauen erwünscht**
Wer aus Männerbündeleien schöpft, darf sich über eins nicht wundern: Die Frauen kommen nicht von allein. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis sei wichtig fürs politische Fortkommen, findet der 21-jährige Geografiestudent. «Männer sind von der Tendenz her eher idealistisch, da braucht es kritische Gegenstimmen, um zu kreativen Lösungen zu gelangen.» Zur Findung der Frauen hat er bereits eine Idee: «Weibliche Parteimitglieder sind gehalten, ihre Freundinnen mitzubringen, denn von alleine trauen die sich kaum».. Die Ursache: «Viele Frauen fürchten sich, weil sie denken, sie hätten keine Ahnung von Politik», sagt der AL-Präsident und konstatiert: «Die hatte ich zu Beginn auch nicht. Ahnung kommt vom Zuhören und vom Mitdiskutieren». Aus diesen Gründen möchte Aders auch an der internen Kommunikations- und Informationspolitik arbeiten. Interessierten soll der Einstieg erleichtert werden, zum Beispiel durch bessere Online-Vernetzung und das Anlegen einer AL-Bibliothek.

**Mehr Öffentlichkeitsarbeit**
Kommunikation müsse auch nach aussen hin betrieben werden: «Mehr Publicity», lautet die Losung. Erreicht werden soll diese mittels verschiedenster Aktionen. So sei zum Beispiel die AL-Party vergangenen Sommer im Mosergarten ein voller Erfolg gewesen, derartige Veranstaltungen sollen vermehrt stattfinden. Ansonsten will der neue Präsident sich der Umsetzung der AL-Wahlversprechen widmen: mehr Grün, mehr Kultur, mehr Bildung. Die Zersiedelung will gestoppt, die Rheinuferstrasse saniert, der öffentliche Raum angenehm gestaltet werden. Gegenwärtig stehe vor allem die Unterschriftensammlung für die Hochschul initiative an, welche die Förderung Schaffhausens als Hochschulstandort zum Ziel hat. In puncto Bildung gab es jüngst auch bei der AL Uneinigkeiten: Das Schulgesetz habe ihnen viel Diskussionsstoff beschert. Während der neu in den Stadtschulrat gewählte Simon Stocker die Vorlage befürworte, habe man auch kritische Gegenstimmen vernommen. Ihm persönlich sei die Entscheidung alles andere als leicht gefallen, so Aders, er hat letztlich beschlossen, die Vorlage abzulehnen.

#Notizen zu Namen

21. Januar 2009 | Kirchenratssekretär gewählt

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
(r.)

Rechtsanwalt Jürg Uhlmann tritt per 1. April die Nachfolge von Pfarrer Beat Wanner als Kirchenratssekretär der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen an. Das teilt Doris Brodbeck von der kirchlichen Medienstelle mit. Den mit vierzig Stellenprozenten dotierten Auftrag wird der 59-jährige Jürg Uhlmann neben seiner Anwaltspraxis wahrnehmen. Er leitete früher die Behörde der Kirchgemeinde Münster (Kirchenstand) und ist bereits seit 1998 als juristischer Berater des Kirchenrats tätig. «Angesichts der zunehmend komplexeren kirchlichen Strukturen mit unterschiedlichen Anstellungsverhältnissen ist juristisches Wissen von Nutzen, wie auch bei der Umsetzung der neuen Kirchenordnung auf Gesetzesebene», heisst es in der Medienmitteilung weiter.

#Allgemeines

16. Januar 2009 | Leistung und Motivation sind nötig

Schaffhauser Nachrichten, Inland
(wic.)

Stimmen schon im Gymnasium die Leistungen und fallen die Noten entsprechend aus, so stehen die Chancen gut, im ETH-Grundstudium den nötigen Notendurchschnitt zu erreichen, um das gewählte Fach erfolgreich zu absolvieren. Dieses Ergebnis zeigt eine Untersuchung bei 5216 ETH-Studierenden. Die Studie beschränkte sich jedoch nicht auf die Ergebnisse der ersten Basisprüfung – früher das Vordiplom –, sondern die ETH wertete auch die Maturanoten der Studierenden aus.
Die Basisprüfung gilt als eine der ersten wichtigen Hürden in der akademischen Laufbahn. Wie Professor Heidi Wunderli-Allenspach, derzeit Rektorin der ETH, gestern den «Schaffhauser Nachrichten» sagte, schaffen in der Regel bis zu 75 Prozent die Prüfung, wenn auch viele erst im zweiten Anlauf. Danach sind es nur noch etwa sechs Prozent, die nicht bis zum Schluss durchhalten. Sie ist sich jedoch bewusst, dass zahlreiche Maturi schon gar nicht zur Basisprüfung antreten, sondern sich in der Zeit anders orientieren, was für sie aber ebenfalls eine wichtige Erfahrung darstelle.

**Schaffhausen steht gut da**
Untersucht während vier Jahren wurden Mittelschulen, aus denen sich mindestens 30 Maturi für ein ETH-Studium eingeschrieben hatten; zu den 60 Gymnasien gehört auch die Kantonsschule Schaffhausen. Spitzen- reiter ist die Winterthurer Kantonsschule Rychenberg vor dem Gymnasium Liestal BL. Das Ende der Liste bilden das Gymnasium Immensee SZ und die Kantonsschule von Bellinzona. Schaffhausen klassierte sich hier auf Platz 18. Doch Wunderli-Allenspach will aus der Aufstellung explizit kein Ranking der Schweizer Mittelschulen ableiten. Zu gross seien die Unterschiede, etwa Kurz- oder Langzeitgymnasium, Maturandenquoten in den Kantonen oder Sprachregionen. Sie lobt vielmehr die Vielfalt im Rahmen des Maturitätsanerkennungsreglements (MAR). Dennoch gebe die Aufstellung den Schulen Hinweise zur Schärfung ihrer Profile.

**Griechisch/Latein kein Hindernis**
Laut Wunderli-Allenspach bietet eine gute Maturanote signifikant bessere Chancen, die erste grosse Prüfungshürde an der ETH zu bewältigen. Bei den Maturatypen kommt die Studie zu einem überraschenden Fazit: Wenn Studierende in der Mittelschule als Schwerpunktfächer Latein/Griechisch gewählt hatten, standen sie jenen, die eine mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Matur abgelegt hatten, bei den ETH-Basisprüfungen in nichts nach und erreichten mit ihnen gar die besten Noten. Dagegen fielen Maturanden mit Schwerpunktfächern Wirtschaft/ Recht klar ab. Wunderli-Allenspach schliesst daraus: «Wer als Altsprachler ein ETH-Studium absolvieren will, ist diszipliniert und motiviert.» Zu- dem schafften sie es, allfällige Wissenslücken im mathematischen Bereich nach Studienbeginn schnell zu schliessen.

**Möglichst früh studieren**
Es gebe also keinen Königsweg für ein erfolgreiches ETH-Studium. Das Resultat der Studie zeigt laut Wunderli-Allenspach vielmehr, dass man mit unterschiedlichen Maturatypen zum Erfolg kommt. Ein erstaunliches Ergebnis förderte die Expertise jedoch zutage, nämlich, dass die besten Leistungen 18- bis 20-Jährige zeigten. Deutlich schwächere ETH-Noten erzielten hingegen Studienanfänger, die sich mit 21 Jahren einschrieben. Für die ETH-Rektorin ist dies ein Hinweis darauf, dass erfolgreicher ist, wer das Studium nach der Matur schnell in Angriff nimmt.

**Nachgefragt**

**«Wir sind auf dem richtigen Weg»**

Für Urs Saxer, den Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, liefern die Resultate der ETH-Untersuchung eine Bestätigung der guten Arbeit, die an der Kanti geleistet wird. Dennoch ortet er Verbesserungsmöglichkeiten.

*Im Vergleich der durchschnittlichen Basisnoten belegt die Kantonsschule Schaffhausen den 18. Platz von 62 untersuchten Gymnasien. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?*
Urs Saxer: Im Grundsatz ja. Die Resultate bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Man muss aber bedenken, dass es in der Untersuchung nicht darum ging, ein Ranking unter den Schulen zu erstellen. Stattdessen wurde aufgezeigt, wo die Mittelschulen gewisse Kompetenzen noch stärker fördern können.

*Wo sehen Sie Verbesserungspotential?*
Die Studie der ETH zeigt, dass auch im naturwissenschaftlichen Bereich die Sprachbeherrschung äusserst wichtig ist. Darum werden wir auch in Zukunft in allen Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern ein grosses Augenmerk auf die Sprache legen. Zudem suchen wir den Kontakt zu den Hochschulen, um unser Ausbildungsangebot verstärkt auf die Anforderungen der Universitäten auszurichten. Aus diesem Grund rekrutieren wir derzeit rund die Hälfte unserer Maturitätsexperten unter den Hochschuldozenten.

Adrian Schumacher

#Notizen zu Namen

15. Januar 2009 | Reallehrer geht in den Ruhestand

Schaffhauser Nachrichten, Stein am Rhein
(r.)

Ernst Rubli, Reallehrer im Schulhaus Hopfengarten, wird auf Ende Januar 2009 in den Ruhestand treten. Er war mehr als 30 Jahre im Amt und während über 20 Jahren als Primar- und Realschullehrer in Stein am Rhein tätig.

#Notizen zu Namen

15. Januar 2009 | Bsetzistei

Schaffhauser AZ, Notizen
(R. U.)

Es war nicht das «Fahnenzimmer», das, wie in einem «Bsetzi» der letzten «az» zu lesen stand, völlig verwüstet war. Es war die «Bude» der Scaphusia, die einen Stock tiefer liegt, und die tatsächlich ein verbindungseigenes Lokal – und damit nicht öffentlich zugänglich ist. Das muss der Schreiberling gegenüber Severin Knecht v/o
Pivot, Scaphusia-Präsident, zugeben, der sich beschwert hat.
Entschuldigung! Die beschriebene Verwüstung in besagtem Lokal war, das sei bescheiden angemerkt, aber real.


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Bsetzistei, Schaffhauser AZ
Mitteilungen | Pressespiegel | 8. Januar 2009

#Notizen zu Namen

13. Januar 2009 | Neue Köpfe für die Justiz

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Die Rechtspflegeorgane standen gestern im Parlament im Zeichen der Kontinuität. Obergerichtspräsident David Werner und Kantonsgerichtspräsident Werner Oechslin wurden bereits vor der Mittagspause für vier weitere Jahre in ihren Funktionen bestätigt und vom neuen Kantonsratspräsidenten in Pflicht genommen. Auch die übrigen Mitglieder des Obergerichtes, des Kantonsgerichtes und des Jugendgerichtes wurden in ihrer bisherigen Zusammensetzung bestätigt. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Stimmenzahlen gaben allerdings zum Teil Anlass zu erstaunten Reaktionen oder deutlich hörbaren Unmutsäusserungen.

**Richtlinien gefordert**
Neue Kräfte gibt es bei den Ersatzrichtern. Hier wurde Markus Hugentobler auf Vorschlag der Justizkommission anstelle von Alfred Zollinger zum Ersatzrichter des Obergerichtes gewählt. Im Vorfeld dieses Wahlganges rügte Jürg Tanner (SP, Schaffhausen) allerdings die späte Bekanntgabe des Rücktrittes von Alfred Zollinger sowie den Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung des frei werdenden Mandates. Er stelle aus diesem Grunde im Namen seiner Fraktion den Antrag, für die Ausarbeitung von Wahlvorschlägen detaillierte Richtlinien zu erlassen. Er zweifelte zudem die fachliche Qualifikation des neuen Ersatzrichters am Obergericht an. Bei der Bestellung des Kantonsgerichtes wurden Andrea Berger-Fehr und Marcus Andreas Textor anstelle von Vreni Homberger und Eugen Schneider zu neuen Ersatzrichtern gewählt.

**Umstrittenes Teilpensum**
Unterschiedliche Ansichten prallten bei der Besetzung des Untersuchungsrichteramtes aufeinander. Aus der Sicht der FDP/JF/CVP-Fraktion ist ein Pensum von weniger als 50 Prozent für das Amt eines Untersuchungsrichter nicht geeignet. Die Fraktion verschliesse sich zwar in keiner Weise modernen Arbeitsformen, erklärte Stephan Rawyler (FDP, Neuhausen) gegenüber den anwesenden Volksvertretern; da jedoch bei der Strafverfolgung ein rasches Vorgehen von allen Beteiligten gewünscht werde, sei ein Pensum von 30 Prozent – wie dies das Obergericht für Peter Neukomm vorschlägt – als zu wenig effizient zu betrachten. Aus diesem Grund verweigere die FDP dem als halbamtliches Mitglied des Stadtrates gewählten Untersuchungsrichter die Stimme. Willi Josel (SVP, Neuhausen) vertrat demgegenüber als Vertreter der Justizkommission die Ansicht, dass es keinen Gründe gebe, auf den weiteren Einsatz von Peter Neukomm mit einem Teilpensum von 30 Prozent zu verzichten. Sowohl das Obergericht als auch der Leiter des Untersuchungsrichteramtes hätten keinerlei Bedenken, den bisher vollamtlich tätigen Untersuchungsrichter mit einem reduzierten Pensum zu beschäftigen. Seiner Wahl stehe weder in rechtlicher noch in organisatorischer Hinsicht ein Hindernis im Wege. Nach diesen Voten wurde Peter Neukomm denn auch – zusammen mit seinen übrigen fünf Kolleginnnen und Kollegen – in seiner Funktion als Untersuchungsrichter bestätigt. Auch Staatsanwalt Peter Sticher, Staatsanwaltstellvertreter Richard Jezler, Jugendanwalt Peter Möller, Jugendanwaltstellvertreterin Barbara Wüthrich Frey und Polizeirichter Daniel Jenne wurden wieder gewählt.

**Alfred Stamm bestätigt**
Zum Schluss des ganztägigen Wahlmarathons wurde Alfred Stamm als Leiter der Finanzkontrolle von Kanton und Stadt für weitere vier Jahre bestätigt. Er amtet ausserdem nach dem Willen des Kantonsrates als Revisor zugunsten der Gebäudeversicherung.


Marcus Andreas Textor: Neuer Ersatzrichter am Kantonsgericht.

#Allgemeines

8. Januar 2009 | Bsetzistei

Schaffhauser AZ, Notizen
(R. U.)

Die Medienkonferenz der Jusos und Jungfreisinnigen sollte ursprünglich im «Fahnenzimmer» der Kantonsschulverbindung Scaphusia im Restaurant Falken über die Bühne gehen. Sie wurde aber kurzfristig in den kleinen Saal verschoben. Das wusste der azBerichterstatter aber nicht, weshalb er sich in besagtes Fahnenzimmer verirrte. Dort wurde ihm der Grund für den Ortswechsel schlagartig klar: Der Raum war vollkommen verwüstet, überall standen und lagen teils halb gefüllte, teils geleerte, und auch zerschlagene Gläser und jede Menge Unrat herum. Da scheint die Aktion der Jungparteiler doch viel mehr Sinn zu machen, als dem organisierten Trinken zu frönen.


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Bsetzistei, Schaffhauser AZ
Mitteilungen | Notizen zu Namen | 15. Januar 2009

#Notizen zu Namen

7. Januar 2009 | Till Aders neuer AL-Präsident

An ihrer Jahresretraite hat die Alternative Liste Schaffhausen (AL) Wege und Perspektiven für die Zukunft erörtert, grundsätzlich über ihre Strukturen debattiert und sich einen neuen Vorstand gegeben: Till Aders wird neuer Präsident, Amila Dracic Vizepräsidentin.

Eine ordentliche Schar Aktivistinnen und Aktivisten der Alternativen Liste hat sich am Sonntag während acht Stunden mit den Zukunftsperspektiven für die AL auseinandergesetzt. Die Motivation war nach den geglückten Wahlen 2008 auf einem Höchststand. Unter diesen Vorzeichen konnten an der Retraite zahlreiche Ideen für politische Aktionen debattiert, ausgefallene Vorschläge zur besseren Verankerung präsentiert und nicht zuletzt solide Strukturen beschlossen werden. Der bisherige AL-Präsident David Guthörl hat sein Amt zur Verfügung gestellt, seine Arbeit in den letzten zwei Jahren wurde mit herzlichem Applaus verdankt. Neu wird die AL vom 21-jährigen Geographiestudenten Till Aders präsidiert. Als Vizepräsidentin wurde die 24-jährige Amila Dracic, Grossstadträtin und Mitarbeiterin beim Bundesamt für Migration, gewählt. Weiter machen im Vorstand Andi Kunz (Sekretär), Simon Stocker (Grossstadtrat und Mitgliederverantwortlicher) sowie Florian Keller (Kantonsrat und Kassier) mit.

#Notizen zu Namen

5. Januar 2009 | 2009: Jahr der neuen Herausforderungen

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Der Kanton Schaffhausen ist keine Insel der Glückseligen. Die politischen Probleme und die wirtschaftlichen Turbulenzen in der Schweiz und in den übrigen Ländern führen auch bei uns in den kommenden Monaten zu markanten Veränderungen. Wie gross die Folgen der Krise auf den Finanzmärkten hierzulande sind, ist zwar selbst in Fachkreisen umstritten. Trotzdem sind wir gut beraten, wenn sich Bürger und Behören rechtzeitig überlegen, wie wir die wirtschaftliche Talfahrt der letzten Monate bremsen und deren Folgen ohne allzu grosse Einbussen politisch überwinden können.

**Belebung der Nachfrage**
Für die in globo für vier weitere Jahre bestätigte Regierung stellt sich in diesen Tagen in erster Linie die Frage, ob sie an den zu Beginn dieses Jahrhunderts formulierten strategischen Zielen festhalten und auch im neuen Legislaturprogramm auf ein nachhaltiges Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung setzen will. Angesichts der sich abzeichnenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt müssen sich die Behörden zudem fragen, was sie allenfalls zugunsten einer möglichst guten Auslastung der Wirtschaft und zur Belebung der Nachfrage im Konsumbereich tun könnten. An konkreten Ideen und an den finanziellen Ressourcen fehlt es zurzeit ja nicht.

**Reduktion der Steuerlast**
Mit der im vergangenen Jahr beschlossenen Änderung des Gesetzes über die direkten Steuern – die Vorlage wird den Stimmberechtigten am 8. Februar zusammen mit dem revidierten Schulgesetz zum abschliessenden Entscheid unterbreitet – machen die Behörden ohne Zweifel einen Schritt in die richtige Richtung. Die zugunsten der Familien, des Mittelstandes sowie vermögender Personen vorgeschlagenen Entlastungen sollen zudem gemäss dem festen Willen des Parlamentes durch den fälligen Ausgleich der kalten Progression zu Beginn des nächsten Jahres ergänzt werden. Die CVP strebt ausserdem eine weitere Erhöhung des Kinderabzuges an. Die FDP will sich auch im neuen Jahr für eine Vereinfachung der Steuererklärung stark machen.

**Verbesserung der Infrastruktur**
Im Zusammenhang mit dem Agglomerationsprogramm, der neuen Regionalpolitik sowie weiteren von der Wirtschaftsförderung verfolgten Aktivitäten sollte angesichts der aktuellen Lage möglich schnell geprüft werden, wie wir die bestehende Infrastruktur zugunsten der angestrebten Entwicklung ohne Zeitverlust verbessern könnten.

**Vorgezogene Umsetzung**
Im Rahmen eines kurzfristig realisierbaren Impulsprogramms könnten zum Beispiel die seit langem geplanten Offensiven bei der Technologieförderung, beim Tourismus und im Energiebereich im Interesse der Bevölkerung und der Wirtschaft in die Tat umgesetzt werden. Auch ein rascher Ausbau der Verkehrswege auf Schiene und Strasse könnte den drohenden Einbruch auf dem Arbeitsmarkt mildern. Dazu zählen der geplante Durchstich unter dem Galgenbuck, die Doppelspurprojekte in Richtung Rafzerfeld und im Klettgau, der Bau der geplanten Regio-S-Bahn, die Aufhebung der Bahnübergänge im Klettgau und die Beseitigung des sich abzeichnenden Enpasses auf der Nord-Süd-Achse. Auch die Investitionsvorhaben bei den Spitälern, die Sanierung bestehender Sportstätten sowie die immer wieder vertagte Sanierung oder Verlegung des kantonalen Gefängnisses könnten in den kommenden Monaten im Interesse einer Vollbeschäftigung vorgezogen werden. Vielleicht eröffnet sich dank dem im letzten Jahr aufgelisteten Visionen und dem von der Kantonalbank und dem Kaufmännischen Direktorium geäufneten Generationenfonds plötzlich die Möglichkeit zu günstigen Konditionen zu mehr Attraktivität zu gelangen.

**Widerstand gegen Tiefenlager**
Zu den weniger erfreulichen Per-spektiven zählen hingegen die vor wenigen Wochen publizierten Vorschläge der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), im Südranden und im benachbarten Weinland ein Tiefenlager zu bauen. Diese Pläne müssen von den Behörden gemäss dem in der Verfassung verankerten Willen des Volkes mit allen Mitteln bekämpft werden. Auch diese Aufgabe zählt zu den vordringlichen politischen Herausforderungen des neuen Jahres.

**Kantonsrat Konstituierung, Inpflichtnahme und mehr als 30 Wahlgeschäfte**

Am nächsten Montag tritt der neugewählte und nur noch 60 Mitglieder umfassende Kantonsrat unter dem Vorsitz von Alterspräsident Franz Hostettmann zur seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Nach der Inpflichtnahme wählen die Volksvertreter vorerst die neuen Präsidenten von Regierung und Parlament, die beiden Vizepräsidenten und Stimmenzähler sowie die Kantonsratssekretärin. Als neue Regierungspräsidentin ist Rosmarie Widmer Gysel als neuer Kantonsratspräsident Markus Müller (SVP, Löhningen) vorgeschlagen. Als neue Vizepräsidenten wurden Patrick Strasser (SP, Neuhausen) und Christian Amsler (FDP, Stetten) nominiert. Die Bestellung der vier proportional zu den politischen Kräfteverhältnissen zusammengesetzten ständigen Kommissionen (Geschäftsprüfungskommission, Justizkommission, Gesundheitskommission, Kommission für grenzüberschreitende Zusammenarbeit) dürfte aufgrund der bisherigen Ausgangslage voraussichtlich in stiller Wahl erfolgen. Auch bei der Wahl des Preiskuratoriums für den «Schaffhauser Preis für Entwicklungszusammenarbeit», der Verwaltungskommission der Schaffhauser Bauernkreditkasse und des Bankrats der Schaffhauser Kantonalbank kommt es nach heutigen Erkenntnissen zu keiner Auseinandersetzung. Bankpräsident Rinaldo Riguzzi sowie die weiteren Mitglieder der Bankbehörden stehen geschlossen zur Wiederwahl. Einzig im Erziehungsrat kommt es zu einer kleinen Rochade. So sollen Ruth Gloor anstelle von Stephan Brügel sowie Thomas Hauser anstelle von Aldo Malagoli als Vertreter der Orientierungsschule gewählt werden. Bei den Justizbehörden stellen sich praktisch alle bisherigen Mitglieder zur Wiederwahl. Das gilt insbesondere für Obergerichtspräsident David Werner, Kantonsgerichtspräsident Werner Oechslin, Staatsanwalt Peter Sticherr, Jugendanwalt Peter Möller und Polizeirichter Daniel Jenne. Einzig bei den Ersatzrichtern wurden mit Markus Hugen-toblerr,Andrea Berger-Fehr und Marcus Andreas Textor drei neue Bewerber zuhanden des Kantonsrates nominiert.

**Volksabstimmungen Umstrittene Sachgeschäfte**

2009 gelangen sowohl auf eidgenössischer als auch auf kantonaler Ebene eine ganze Reihe von umstrittenen Vorlagen zur Abstimmung. Bereits am 8. Februar haben Volk und Stände zum Bundesbeschluss über die Weiterführung des Freizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft und über die Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf Bulgarien und Rumänien Stellung zu nehmen. Im Kanton gelangen gleichzeitig eine Teilrevision des Gesetzes über die direkten Steuern (Entlastung des Mittelstandes und der Familien sowie Reduktion der Vermögenssteuer), ein neues Bildungsgesetz sowie das total revidierte Schulgesetz zur Abstimmung. Der 17. Mai, der 27. September und der 29. November sind ausserdem vorsorglich für weitere Volksabstimmungen reserviert.

#Allgemeines

20. Dezember 2008 | 150 Jahre Scaphusia: Filme und Fotos

Die Filme des Jubiläums und der Produktionen am Jubiläum sowie die DVD mit sämtlichen Fotos des Jubiläums können ab sofort hier bestellt werden: [http://scaphusia2008.ch/dvd.php](http://scaphusia2008.ch/dvd.php).

Die Bestellungen werden nach der Produktion (März 2009) versendet.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Stephan Koller v/o Punkt (079 800 24 68 oder [stephan.koller@onemotionag.com](mailto:stephan.koller@onemotionag.com).

#Allgemeines

20. Dezember 2008 | 150 Jahre Scaphusia: Fotos

Die Fotos des Jubiläums finden Sie unter folgendem Link: [http://www.flickr.com/photos/scaphusia/collections/](http://www.flickr.com/photos/scaphusia/collections/).

Den Link erhalten sie auch per SMS mit dem Keyword “Foto” an die Kurznummer 974 (CHF 0.20/SMS).

#Notizen zu Namen

17. Dezember 2008 | Sache … Sächeli – Rennende Sofakönige

Schaffhauser Nachrichten, Region

Radio-Munot-Moderator Yves Keller ist nicht gerade das, was man landläufig als Sportskanone bezeichnet. So gesehen, hat der selbsternannte Sofakönig seit dem Montagmorgen ein echtes Problem. Keller hatte sich nämlich mit den Hörern eine Wette geliefert. Um die Weihnachtsaktion des Senders zugunsten des Schulprojekts Lucecitas in Nicaragua anzukurbeln, bot er an, 12 Stunden am Stück durch die Region Schaffhausen zu rennen, falls das Spendenbarometer bis gestern Dienstag um 10.00 Uhr auf über 20 000 Franken klettern sollte. Diese Spendengrenze wurde nun am Montagmorgen durchbrochen. Jetzt werde er wohl einiges an seinem Lebensstil ändern müssen, meint Keller mit einem mulmigen Gefühl im Magen. Mut macht ihm der Arzt Jean-Jacques Fasnacht. Wenn der Moderator jetzt mit dem Training beginne, sollte er bis zum Sommer bereit sein für den Lauf. Zudem dürften Keller seine Erfahrungen mit aussergewöhnlichen Aufgaben Mut machen. So reiste er im Sommer 2007 ohne Geld durch Deutschland und musste sich dabei sogar das Essen erbetteln. Daher kann er zumindest schlank mit seinem Aufbautraining beginnen.

#Notizen zu Namen

12. Dezember 2008 | «Wachstumsrate ist beunruhigend»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Erwin Küenzi

*Markus Schärrer, die Kosten der Spitäler Schaffhausen sollen höher sein als an anderen vergleichbaren Spitälern. Wie kommen Sie zu dieser Aussage?*
Markus Schärrer: Für diese Vergleiche gibt es zwei Referenzpunkte. Der eine ist die Krankenhausstatistik, die im Auftrag des Bundes erhoben wird. Sie enthält die ökonomischen Daten aus den Betriebsrechnungen. Der andere ist die medizinische Statistik. Sie listet Behandlungen nach Fallgruppen auf. Die Spitäler müssen für jeden Patienten Daten an diese Statistik liefern. Die Daten werden für jeden Patienten einer diagnosebezogenen Fallgruppe (DRG) zugeordnet. Diese Gruppen werden, je nachdem, ob es sich um einen Blinddarm oder eine Herzoperation handelt, mit einer entsprechenden Punktzahl gewichtet. Ab 2012 ist geplant, die Entschädigung der Spitäler aufgrund dieser Punkte festzulegen. Diese Vereinheitlichung mit den DRG erlaubt es auch, Spitäler zu vergleichen.

*Und was heisst das für die Spitäler Schaffhausen?*
Macht man die Berechnung mit diesen DRG-Punkten, so kommen die Zürcher Spitäler auf Basiskosten zwischen 7300 und 9000 Franken pro Fall. Schaffhausen liegt hier bei über 9000 Franken pro Fall. Oder mit anderen Worten: Wäre Schaffhausen ein Zürcher Spital, wäre es, von den Universitätsspitälern einmal abgesehen, das teuerste.

*Wie zuverlässig ist diese Berechnung?*
Es gibt einen Kreis von Spitälern, die unter sich eigene Benchmarks erstellen und diese vergleichen. Da kommen im Detail etwas andere Resultate heraus, aber das Ergebnis zum Schluss ist das gleiche: Schaffhausen ist teuer. Wir haben ein Kostenniveau, das in der Westschweiz normal wäre. Aber in der Ost- und der Zentralschweiz gehört Schaffhausen zu den teuersten Spitälern.

*Warum ist das so?*
Die Gründe dafür liegen zum Teil im Betrieb selber. Die Effizienz gewisser Abläufe muss angeschaut werden. Zudem ist die Zusammenführung der Spitäler Schaffhausen noch nicht in allen Teilen optimal vollzogen. Im weiteren sind die baulichen Voraussetzungen an vielen Orten nicht mehr optimal. Die neusten Gebäude des Kantonsspitals sind schon 30 Jahre alt. Die Grundrisse wurden noch ganz auf stationäre Behandlungen ausgerichtet. Seit Jahren werden die ambulanten Patienten aber immer wichtiger. Heute ist betrieblich beides vermischt. Mit baulichen Anpassungen könnten wir kostenmässig einiges herausholen; Planungen in diese Richtung laufen zurzeit. Zu guter Letzt spielt auch eine Rolle, dass Schaffhausen bei den Fachdisziplinen ein breiteres Angebot hat als zum Beispiel ein Bezirksspital im Kanton Zürich oder im Aargau.

*Können Sie dafür ein Beispiel nennen?*
Wir haben zum Beispiel Spezialisten für Gefässverengungen oder für Nierenkrankheiten. In der Bauchchirurgie, der Gynäkologie und der Urologie werden Leistungen erbracht, die klar über dem Niveau eines normalen Bezirksspitals liegen. Früher wurden Spezialitäten von niedergelassenen Ärzten abgedeckt. Heute arbeiten viele Spezialisten im Spital, und das hat Folgen, da diese oft eine Kaderposition einnehmen, mit dem entsprechenden Lohn und dem Aufwand für die Infrastruktur. Das Verhältnis Fachärzte – Oberärzte hat sich in Richtung Fachärzte verschoben. Die Schaffhauser Öffentlichkeit muss sich die Frage stellen: Wollen wir das, und sind wir bereit, die entsprechenden Kosten zu tragen?

*Wie würden Sie diese Frage beantworten?*
Ich gehe davon aus, dass die Schaffhauser Bevölkerung auch weiterhin bereit ist, etwas mehr zu zahlen für ein gutes Spital, das eine wohnortnahe Versorgung sichert und zudem auch gute Arbeitsplätze in der Region erhält. Der Kostenunterschied zu den Zürcher und den Thurgauer Spitälern darf aber nicht zu gross werden.

*Wo und wie soll im Spital konkret gespart werden?*
Wir vom Gesundheitsamt verhandeln mit den Spitälern vor allem über den Leistungsauftrag und über die jährlichen Kostenbeiträge des Kantons. Aber die Analyse der betrieblichen Abläufe und die daraus folgenden Sparmassnahmen sind Sache des Spitalrats. Was die Breite des Angebots angeht, so braucht es dazu den Austausch zwischen Betrieb und Politik, da letztere den Leistungsauftrag formuliert. Falls höhere Kosten gut begründet sind, kann die Politik auch ja dazu sagen.

*Können Sie das an einem Beispiel erläutern?*
Nehmen wir den Rettungsdienst. Hier lautet die Zielvorgabe, dass die Ambulanz in 90 Prozent aller Fälle innerhalb einer Viertelstunde am Notfallplatz ist. Das kostet natürlich. Gibt man als Vorgabe 20 oder gar 30 Minuten wie in verschiedenen anderen Kantonen oder nimmt man in der Nacht mit reduzierten Pikettdiensten höhere Risiken in Kauf, so sinken die Kosten. Es stellt sich also die Frage: Will man sich die Zielvorgabe 15 Minuten rund um die Uhr leisten?

*Besteht aber nicht die Gefahr, dass diese Sparmassnahmen beim Betrieb, die der Spitalrat zu verantworten hat, auf Kosten der Patienten gehen?*
Das ist das Killerargument, das immer kommt. Es gibt aber auch gute Beispiele, dass dem nicht so sein muss.

*Nämlich?*
Das Limmattalspital, das eine ähnliche Grösse hat wie das Schaffhauser Spital, lag innerhalb des Kantons Zürich zehn Prozent über den Durchschnittskosten und musste deshalb sparen. Innerhalb von anderthalb Jahren wurden beim Betrieb sieben Millionen Franken eingespart, was 60 bis 70 Stellen entspricht. Zuerst gab es einen riesigen Wirbel, aber schliesslich wurde das Sparziel erreicht. Nach dieser Übung ergaben Patienten- wie Personalbefragungen eine höhere Zufriedenheit als vorher. Dem Patienten fallen ineffiziente Abläufe negativ auf, ihre Beseitigung ist in seinem Sinne. Die Gleichung «Teuer = viel Personal = gute Betreuung» stimmt so nicht. Letztlich sind Patienten wie Personal an optimalen Abläufen interessiert. Es gibt in jeder Organisation Dinge, die sich eingebürgert haben und bei denen es sich lohnt, sie zu überprüfen. Das gilt auch für die Spitäler Schaffhausen.

*Was würde passieren, wenn sich die Spitäler Schaffhausen nicht dem Kostenniveau der Spitäler in den Nachbarkantonen anpassen?*
Spitäler können es sich gegenüber den Krankenkassen nicht mehr leisten, teurer zu sein als ihre Nachbarn. Die Zusatzkosten, welche die Kassen nicht zahlen, müssen vom Kanton übernommen werden. Ich erinnere daran, dass der Kanton Schaffhausen heute rund 69 Millionen Franken pro Jahr an seine Spitäler zahlt, das ist ein Viertel seiner Steuereinnahmen. Dieser Betrag wird heute als Block überwiesen. In Zukunft wird es Standardbeiträge pro Patient geben, die gleich hoch sind wie in den anderen Spitälern. Daneben wird ein Rest bleiben, der klarer als bisher zeigt, um wie viel teurer Schaffhausen ist.

*Geht das konkreter?*
Nehmen wir an, die oben beschriebenen Basiskosten pro Fall werden auf 8500 Franken festgesetzt. Davon zahlen die Krankenkassen 45 und der Kanton 55 Prozent. Ich darf aber daran erinnern, dass die Basiskosten heute bei uns über 9000 Franken betragen; die Krankenkassen werden aber nur 45 Prozent von 8500 Franken bezahlen; der Rest bleibt dem Kanton.

*Dann ist Sparen unvermeidlich?*
Das ist so, das zeigt uns ein Blick auf die Kostenentwicklung: Im Durchschnitt zahlt heute jeder erwachsene Kantonseinwohner mehr als 400 Franken pro Monat für das öffentliche Gesundheitswesen: 300 Franken an die Krankenkassen und zusätzlich über 100 Franken aus Steuermitteln an die Spitäler. Seit Jahren wachsen die Kosten im Gesundheitswesen durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr, was einen Zuwachs in zehn Jahren von mehr als 50 Prozent bedeutet. In zehn Jahren müssten wir also schon mehr als 600 Franken monatlich pro Einwohner bezahlen. Das ist kein Bagatellproblem, diese Wachstumsrate ist beunruhigend. Wenn wir für die gleiche Leistung immer mehr Geld vom Bürger wollen, machen wir unseren Job nicht. Wir müssen einen gesellschaftlichen Konsens finden, was wir für das Gesundheitswesen bezahlen wollen und wo die obere Grenze ist. Und von den Investitionen in die Spitäler Schaffhausen haben wir noch gar nicht gesprochen. Für die grossen Bauvorlagen, die in Vorbereitung sind, braucht es auch wieder Geld.

#Allgemeines

6. Dezember 2008 | Falkenaktionäre feiern gutes Braujahr

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Hans-Caspar Ryser

Getreu dem Motto «Man muss die Feste feiern» wie sie fallen, strömten gestern 280 Falkenaktionäre ins Park Casino Schaffhausen, um an der Generalversammlung 2008 der Brauerei Falken AG als einem der traditionsreichsten gesellschaftlichen Anlässe im Wirtschaftsleben von Schaffhausen teilzunehmen. Den Aktionären war denn auch die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben, konnten sie doch unter anderem über die Gewinnverwendung eines wiederum sehr erfolgreichen Braujahres befinden.

**Betrieblicher Gewinnanteil erhöht**
«Es freut mich ganz besonders, dass es uns zum vierten Mal in Folge gelungen ist, trotz eines schwierigen Marktumfeldes und verdoppelter Rohstoffpreise sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zuzulegen», brachte Verwaltungsratspräsident Jürg P. Spahn das erfreuliche Braujahr auf den Punkt. Ganz besonders befriedigt zeigte er sich, dass sich der betriebliche Gewinnanteil gegenüber den Immobilieneinkünften nochmals erhöht habe. Dies sei neben den leicht gesteigerten Bierverkäufen insbesondere der strikten Kostendisziplin zu verdanken. Und dann wurde der VR-Präsident sogar etwas pathetisch: «Falken ist Teil von Schaffhausen, ein Stück regionale Identität, welche wir bewusst pflegen und die unsere Marktstellung in der Region erklärt und sichert.» Bei einem ausgewiesenen Jahresgewinn von 290 774 Franken seien die Rückstellungen von 7 auf 8 Millionen erhöht worden. Mit einem Eigenkapital von 3,89 gegenüber 3,75 Mio. Franken im Vorjahr sei das Unternehmen nach wie vor sehr solide finanziert.

**Einkünfte reinvestieren**
Dies ermögliche es, einen Grossteil der Einkünfte in den Ausbau der Produktion zu reinvestieren. Diese Investitionen in die Zukunft der Falkenbrauerei wertete Spahn als «Ausdruck einer zuversichtlichen Einschätzung der Entwicklungschancen unserer mittelgrossen Brauerei». Die Brauerei Falken verfüge somit über hervorragende Trümpfe, wenn es um die Sicherung der Eigenständigkeit gehe. Und dies könne angesichts der Fusionen im weltweiten Biermarkt gar nicht genug hoch gewertet werden, betonte Spahn gegenüber den SN. Einen ganz besonderen Dank richtete der VR-Präsident an die Mitarbeitenden, welche ganz entscheidend zum Erfolg des Unternehmens beitragen. In seinem Jahresbericht beleuchtete CEO Philipp Moersen das «intensive Braujahr» und würdigte die 25 Jahre Amtszeit des VR-Präsidenten.

**Alle Traktanden genehmigt**
Die Kapitalgeber genehmigten die vorgeschlagene Gewinnverwendung, die Wahl der VR-Mitglieder Jürg P. Spahn, Philipp Moersen und Ronald Forster für eine weitere Amtszeit von drei Jahren sowie die Revisionsstelle.Der Bilanzgewinn von 337 089 Franken werde je zur Hälfte zur Auszahlung einer unveränderten Dividende von 10 Prozent und für den Gewinnvortrag verwendet. Mit dem Reim «Weg mit faulem Ramschpapier, setzen wir auf Falkenbier» leitete der Präsident in seinem lyrischen Jahresrückblick zum legendären Ochsenmaulsalat von Braumeister Oskar Dommen über.

Brauerei Falken: Jahreskennzahlen 2007/08

07/08 06/07
Nettoerlös 22.80 22.24
Jahresgewinn 0.29 0.26
Umlaufvermögen 5.50 5.85
Anlagevermögen 12.42 11.48
Fremdkapital 14.04 13.58
Eigenkapital 3.89 3.75
Rückstellungen 8.17 7.06
Flüssige Mittel 0.36 0.39
Personalbestand 65 MA 65 MA
Dividende pro Aktie 50 50

In Millionen Franken. Dividende in Franken

#Notizen zu Namen

27. November 2008 | Kopf der Woche Bernhard Uhlmann, ehemaliger Chef des Filmpodiums Zürich und Co-Direktor der Cinémathèque Suisse

Schaffhauser Nachrichten, Region
Claudia Härdi

Während man Bernhard Uhlmanns Anekdoten aus der Film- und Kinowelt zuhört, wird einem schnell klar, dass es sich bei Uhlmann um einen hochgradig angefressenen Filmfan und einen versierten Filmkenner handelt, der sein berufliches Leben hauptsächlich dem bewegten Bild und dem Kino – den Geschichten auf der grossen Leinwand – gewidmet hat. Der Name Bernhard Uhlmann wird heute zweifelsohne mit dem Stichwort Film in Zusammenhang gebracht. Nicht nur in der Filmwelt, auch in Schaffhausen ist er kein Unbekannter. Zurzeit läuft das Kinoprogramm «Klassiker & Raritäten» im Kino Kiwi-Scala, das er zusammengestellt und organisiert hat. Jeweils am letzten Sonntag des Monats können sich die Schaffhauser – in bequeme Plüschsessel gefläzt – der Nostalgie alter Filmklassiker hingeben. Während des Interviews fällt ein Dutzend Namen bekannter Regisseure und alter Klassiker. Er scheint wirklich jeden zu kennen. Er habe sogar den Meister des Thrillers, Alfred Hitchcock – der während der Première seines Films «Frenzy» in Zürich weilte –, kennengelernt, erzählt er. Unzählige Geschichten von Bekanntschaften mit Filmgrössen, deren Namen und Bedeutung jüngere Generationen höchstens aus dem Filmlexikon kennen – wenn überhaupt –, gibt Uhlmann während des Gesprächs zum besten. Ein Einblick in eine faszinierende Welt. Uhlmanns biographische Filmspur begann mit einer Anstellung bei der Condor Film AG in Zürich. Lange war er in Zürich für das Filmpodium, die Filmförderung und das Jazz-Festival verantwortlich. Vor allem das Filmpodium wurde sein geistiges Kind. Uhlmann erzählt: «Ich habe 1971 das bescheidene Filmpodium Zürich ausgebaut. Immer montags wurden spezielle Filme gezeigt. Meist solche, die es in Zürich sonst nicht zu sehen gab. So habe ich das Junge Deutsche Kino nach Zürich gebracht.» «Er ist ein armer umherirrender Schnürsenkelverkäufer», so hätten ihn seine Kollegen im Zusammenhang mit seiner Arbeitssituation beschrieben, erzählte Uhlmann. Ab 1983 fand das Filmpodium dann eine wirkliche Heimat im Zürcher Kino «Studio 4». 1993 führte diese Spur in die Cinémathèque Suisse. Erst arbeitete er als Direktionsassistent von Freddy Buache, später wurde er Co-Direktor neben Hervé Dumont. Uhlmann ist mittlerweile pensioniert. «Man wird mich aber noch stets jedes Jahr am Filmfestival La Rochelle antreffen. Es ist das beste Filmfestival, das ich kenne», sagt er vergnügt.

**Zur Person**
Alter 66
Zivilstand Geschieden, 3 Töchter
Wohnort Schaffhausen
Hobbys Film und Jazz
Aktuelle Lektüre «A Very Dangerous Citizen – Abraham Polonsky and The Hollywood Left» von Paul Buhle und Dave Wagner, USA 2001.

#Notizen zu Namen

13. November 2008 | Kurt Bächtold feiert heute seinen 90. Geburtstag

Schaffhauser Nachrichten, Region
Eduard Joos

«Meinem Vater und der Heimat» widmete der junge Kurt Bächtold seine umfangreiche Doktorarbeit über die Verwaltung des Stadtstaates Schaffhausen, die so umfangreich war, dass nur ein Teil gedruckt wurde. Alles ist in der Arbeit und Widmung bereits enthalten, was Kurt Bächtolds Wirken und seine Bedeutung ausmachen sollte: Die Liebe zu Stadt und Landschaft Schaffhausen, die unbestechliche historische Neugier und die Verpflichtung, der nächsten Generation echte Werte zu erhalten.

**Der Redaktor**
Historiker, welche Geschichte nicht nur als Liebe zur Vergangenheit verstehen, sondern als Auftrag zur Zukunftsbewältigung, suchen ein Publikum: Sie werden Lehrer oder Journalisten. Kurt Bächtold trat nach dem Studium, das von Aktivdiensteinsätzen unterbrochen war, 1948 in die Redaktion der «Schaffhauser Nachrichten» ein, die noch vom freisinnigen Geist Ernst Uhlmanns stark geprägt war. Bis Bächtold 1968 die Redaktion verliess, um die Leitung der Stadtbibliothek zu übernehmen, wirkte er in der berühmten «Viererbande» mit Heinz Bollinger, Heinz Dutli und Erwin Waldvogel in dieser Tradition an der Spitze des freisinnigen Lokalblattes, das sich aber bereits ab 1952 einem von der FDP unabhängigen Kurs verpflichtet fühlte.

**Der Politiker**
Als nämlich 1952 der Jungliberale SN-Redaktionskollege Hans Moser von der FDP zum Regierungsratskandidaten erkoren wurde, setzte sich die Redaktion unter Kurt Bächtold von ihm ab und unterstützte nach dem unpopulären Bau des Flusskraftwerks Rheinau («Rheinauskandal») andere Kandidaten, um die Schaffhauser Regierung aus den Angeln zu heben. Der Kampf gegen «Rheinau» hatte mit einem Zeitungsartikel von Kurt Bächtold unter dem Titel «Kulturschande» begonnen. Auch wenn «Rheinau» letztlich doch gebaut wurde, Bächtold hatte die grünen Tendenzen der Schaffhauser entdeckt, genutzt und mit Gesinnungskollegen zum Rheinaubund geformt, die den Natur- und Heimatschutz in der Bundesverfassung verankerten und gegen zerstörerische Neuerungen des technischen Zeitalters zu Felde zogen. Damit war Kurt Bächtold ein Grüner der ersten Stunde, Grün war damals noch eine Farbe der FDP. 1961 wurde Kurt Bächtold glanzvoll in den Ständerat gewählt, in dem er den Kanton Schaffhausen bis 1979 vertrat. Dank seiner offenen, umgänglichen Art wurde er für 1971 zum Präsidenten der kleinen Kammer gewählt. 1973–1979 vertrat Kurt Bächtold die Schweiz im Europarat in Strassburg.

**Der Historiker**
Bächtold hat mit einer historischen Doktorarbeit begonnen und als Redaktor immer auch die geschichtliche Dimension der Politik berücksichtigt. Er nahm sich die Zeit, daneben auch geschichtliche Artikel und Aufsätze zu publizieren. Als Leiter der Stadtbibliothek sass er ab 1968 inmitten der Quellen und intensivierte seine publizistische Tätigkeit. Es gibt heute kaum ein kulturgeschichtliches Schaffhauser Thema, zu dem sich Kurt Bächtold nicht geäussert hat, die Broschüren und Medienartikel gehen in die Hunderte. Wir verdanken Bächtold die fundiert geschriebenen Ortsgeschichten von Beggingen, Büttenhardt, seinem Heimatort Osterfingen und Wilchingen; 1989 ernannte ihn Wilchingen darum zum Ehrenbürger. Als letztes grosses Œuvre verfasste Kurt Bächtold für die neue Kantonsgeschichte das Kapitel Kultur im 19. Jahrhundert. Da er alles wusste, musste er selbst die Quellen oft gar nicht mehr angeben, er war die Quelle. Kurt Bächtold ist darum der Schaffhauser Universalhistoriker schlechthin, dem wir für sein umfassendes Wirken zu grossem Dank verpflichtet sind.

#Notizen zu Namen

11. November 2008 | Kurt Bächtold zum Neunzigsten – Ein aussergewöhnlicher Zeitzeuge wird 90

Schaffhauser Bock
René Steiner

Der Wohnsitz der Familie liegt seit Jahrzehnten am Schaffhauser Vögelingässchen direkt über dem naturnah belassenen Rhein. Ein Privileg. Aber eine Vorzugslage, die erarbeitet ist. Kurt Bächtold war der Erste, der gegen die Hochrheinschifffahrt wirksam die Sturmglocken läutete. Und er wirkte in den vorderen Reihen mit, als es darum ging, die Rheinlandschaft beim Schaarenwald gegen den dort geplanten Nationalstrassenbau zu schützen.

Der 1918 in Merishausen geborene Lehrerssohn war Journalist, wurde Politikerund bleibt bedeutendster Lokalhistoriker und Schriftsteller. In mehr als einer dieser Sparten wurde er durch den Historiker Dr. Karl Schib, seinen Kantonsschullehrer, geprägt. Von diesem bekam er auch die Anregung zu seiner Doktorarbeit der Philosophie: «Verwaltung des Stadtstaates Schaffhausen zwischen Reformation und Revolution». Damit war ein publizistischer Schwerpunkt gesetzt. Bächtold ergänzte die vermehrt stadtorientierten Lokalhistoriker Karl Schib und Carl August Bächtold mit Arbeiten zur Geschichte der Schaffhauser Landschaft. Unter den über 1200 Titeln seiner Bibliographie fallen über ein halbes Dutzend Gemeindegeschichten besonders ins Gewicht. Neben verschiedenen Chroniken oder Vereinsgeschichten fallen in seinen Werken Arbeiten über Carl August Bächtold und insbesondere auch seine Jugendnachbarin Ruth Blum in Wilchingen auf. Der dortige Gemeindehausplatz mit dem Dreigestirn Hallauer-Blum-Bächtold muss publizistisch besonders anregend gewirkt haben. Der Osterfinger Kurt Bächtold bekam 1989 von der Gemeinde Wilchingen das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Das eindrückliche gedruckte Werk, das den Tag überdauert, soll und darf aber das «Tagesgeschäft», nicht vergessen lassen. Statt einem Eintritt in die Basler Chemie dauerte ein als Volontariat geplanter Kurzaufenthalt bei den «Schaffhauser Nachrichten» mehr als zwei Jahrzehnte: K.B. war ab 1947 zunächst Lokal-, dann Inland- und schliesslich bis 1968 Auslandsredaktor an der Vordergasse. Nachher betreute er anderthalb Jahrzehnte die Stadtbibliothek, ergänzte sie mit der Freihandbibliothek in der Agnesenschütte und.bearbeitete die Johannes- und Georg von Müller-Nachlässe.

Es mag noch in der Lokalredaktion gewesen sein, als K.B. den Widerstand gegen das neu geplante Kraftwerk Rheinau in den grösseren Zusammenhang mit der Hochrheinschifffahrt stellte. Er forderte damals schlicht den Rücktritt des gesamten Schaffhauser Regierungsrates, welcher im Gegensatz zur bürgerlichen Jugendbewegung die Hochrheinschifffahrt als Wirtschaftsmotor befürwortete: Krach mit der freisinnigen Stadtpartei und Rücktritt aus dem städtischen Parlament! Doch die Generation um Bächtold hatte die Umwelt- und Naturschutzbewegung in den Fünfzigerjahren richtig vorausgesehen. Als 1961 für einen heftig umstrittenen Wahlgang ein Ständeratskandidat benötigt wurde, nominierte der Schaffhauser Freisinn den damaligen Auslandsredaktor des Intelligenzblattes. K.B. gewann und packte am 6. März 1961erstmals seine Berner Koffer. Knapp drei Jahre darauf folgte bei der Bauernpartei der Steiner Stadtpräsident Konrad Graf erstmals dem Hochrhein-Schifffahrer Ernst Lieb in den Ständerat. Während 16 gemeinsamen Jahren wirkte das schon fast legendäre Natur- und Umwelt-Duo Bächtold-Graf im «Stöckli» als weitgehend ungeteilte Schaffhauser Standesstimme. Ein Parlamentskollege wies bei ihrem Rücktritt darauf hin, dass er sich nur an eine unterschiedliche Stellungnahme in einer grundsätzlichen Frage erinnern könne: Bei der sogenannten «Burgdorfer-Initiative» auf 12 autofreie Sonntage sagte der radikalere Graf «Ja», während der liberaler gesinnte Bächtold sie ablehnte.

Kurt Bächtold wirkte während seiner Berner Zeit ausserdem etliche Jahre im Strassburger Europarat und einige Jahre in der Interparlamentarischen Union mit. Für das Jahr 1974 wählte ihn der Ständerat mit glänzender Stimmenzahl zum fünften Schaffhauser Ratspräsidenten seit der Bildung des Bundesstaates im Jahre 1848. Als die beiden ehemaligen Kantonsschulkollegen im Jahre 1978 gemeinsam zurücktraten, würdigte der Regierungsrat ihr weitgehend gemeinsames Wirken mit einer besonderen Geste: Die beiden «Standesvertreter wurden durch den Regierungspräsidenten mit einer Trachtengruppe in Bern abgeholt.

Persönlich bin ich dem Jubilar erstmals vor 45 Jahren begegnet: Er war damals engagierter, landschaftsorientierter Gegner, ich Befürworter der Eingemeindung von Herblingen. 1978 habe ich ihn eingeladen, als Autor am damals neugegründeten «Schaffhauser Magazin» mitzuwirken. Er musste contre coeur absagen. Sein Stammverleger, der Verlag der «Schaffhauser Nachrichten», drohte mit einer Sperrung: Schaffhauser «Hallstein-Doktrin» haben wir das unliberale Gebaren schon damals genannt. Fünf Jahre später sagte er uns für das Heft mit dem Titelthema über seine Heimatgemeinde Wilchingen zu. Ich erinnere mich noch exakt an seine Stellungnahme: «Wenn das die Leitung der ‘Schaffhauser Nachrichten’ und der ‘Meierei’ nicht begreift, dass ich als Wilchinger hier mitarbeiten muss, kennen sich diese Leute in der Psyche der Schaffhauser nicht aus.» Seit da hat Kurt Bächtold im «Magazin» unter meiner Verantwortung fast 250 Beiträge geschrieben. Bei den «Schaffhauser Nachrichten» blieb er gesperrt… Der Vorgang ist symptomatisch, aber von grundsätzlicher Bedeutung. Unsere direkte Demokratie hat eine weitgehend exakte Gewaltenteilung Volk-Exekutive- Legislative und richterliche Kompetenz. Aber die informativen Kräfte, die Medien, werden zunehmend verfilzt.

Gottfried Keller, Politiker als Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich und weitbekannter Schriftsteller, feierte einen hohen runden Geburtstag auf dem Bürgenstock. Er trug sich unter falschem Namen in die dortige Hotelliste ein. Er wurde entdeckt, Und beim Frühstück durch die Stadtmusik überrascht… Jetzt ist es auf dem Bürgenstock unwirtlich. Kurt Bächtold, der vor zwei Jahren den Tod seiner Frau, Rös Bachtold-Egloff, zu beklagen hatte, verreist für die Tage vor und nach dem 13. November mit seinen vier Kindern nach Paris, einem seiner Studienorte. Unsere besten Geburtstagswünsche begleiten ihn.

#Notizen zu Namen

5. November 2008 | «Unsere Arbeit wird sehr positiv bewertet»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Walter Joos

Herr Looser, wie gut hat sich die Pädagogische Hochschule Schaffhausen (PHSH) in ihrer nunmehr fünfjährigen Existenz im Kanton als neue Bildungsinstitution etabliert?

Eduard Looser: Wir haben uns mit viel Engagement und grosser Beharrlichkeit als erste im Kanton Schaffhausen bestehende Hochschule in die im Bildungswesen bestehende Landschaft auf dynamische Weise integriert. Eine beachtliche Zahl von aktiven und ausgebildeten Lehrkräften – vorab der Volksschulstufe – arbeitet heute neben dem Lehrpersonal der PHSH mit an der Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Master, Bachelor, Diplome, Zertifikate, Zusatzqualifikationen – jeder Abschluss mit seiner definierten Anzahl Credit-Points – sind heute keine Fremdwörter mehr.

*Wie wird denn das bestehende Bildungsangebot von der PHSH von den potentiellen und den bereits im pädagogischen Bereich tätigen Lehrpersonen genutzt?*

Immer mehr junge Leute aus den Mittelschulen und der Berufswelt – aber auch amtierende Lehrerinnen und Lehrer – nutzen die neuen Möglichkeiten der Mobilität in der Aus- und Weiterbildung. Damit wird es möglich, sowohl marktbezogen als auch unter dem Aspekt der persönlichen Entwicklung die eigenen Kompetenzen optimal zu fördern und gewinnbringend einzusetzen. Beiträge aus Schaffhauser Forschungsprojekten, welche in Zusammenarbeit zwischen Dozierenden und Studierenden der PHSH und praktizierenden Lehrpersonen entwickelt wurden, finden heute in einschlägigen internationalen Kreisen Beachtung.

*Im Vorfeld der Gründung wurde von einer Belegung der neuen PHSH von bis zu 120 Studentinnen und Studenten ausgegangen. Heute besuchen 82 Studierende Ihre Schule. Rechtfertigt diese Zahl langfristig den Fortbestand des bisherigen Betriebes?*

In der Abstimmungskampagne wurde 2002 als Planungsannahme tatsächlich von bis zu 120 Studierenden ausgegangen. Diese Zahl erwies sich in der Folge als zu hoch. Mit der heutigen Zahl von gut 80 Studierenden ist die PHSH jedoch in jeder Hinsicht lebensfähig: Zum einen vermag sie den in der Region Schaffhausen vorhandenen Bedarf bestens abzudecken. Zum andern erhält fast die Hälfte der abgehenden Diplomanden jeweils ohne Probleme gute Stellen in den umliegenden Kantonen und in der übrigen Schweiz. Die PHSH wurde im Sommer vor zwei Jahren durch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) ohne jeden Vorbehalt anerkannt. Ich betrachte dies als erfreuliches Ergebnis der konzentrierten Aufbauarbeit des gesamten Schulteams. Die Pädagogische Hochschule Zürich leistete dazu wertvolle Schützenhilfe.

*Wie steht es mit dem finanziellen Aufwand des Kantons für die PHSH, und wie gross ist der Anteil der Studierenden aus anderen Kantonen?*

Der Aufwand für die Pädagogische Hochschule beläuft sich gemäss dem aktuellen Entwurf zum Staatsvoranschlag 2009 auf brutto etwas mehr als vier Millionen Franken. Davon entfallen 2,3 Millionen auf die Ausbildung. Der Anteil der Studierenden aus anderen Kantonen beträgt seit der Gründung der PHSH stets etwa 35 Prozent. Die aus andern Kantonen stammenden Studierenden stellen einerseits eine Bereicherung unserer Schule und ihrer Kultur dar. Andrerseits sind die mit ihrer Wahl und dem Besuch unserer Schule verbundenen Fachhochschulbeiträge durch die entsprechenden Wohnortkantone zugunsten unserer Staatskasse – sie belaufen sich 2009 auf 690 000 Franken – willkommen.

*Die Hochschullandschaft wird sich künftig weiter verändern. Dazu zählen einerseits der neue Masterplan sowie andererseits die bevorstehende Revision der rechtlichen Grundlagen. Welche Auswirkungen hat dies für die PHSH?*

Mit der Revision des Hochschulförderungsgesetzes – die entsprechende Vorlage dürfte demnächst von den eidgenössischen Räten beraten werden – sollen konkrete Antworten auf die weitere Expansion, die Diversifizierung und die Demokratisierung des Hochschulwesens gegeben werden. Die Regelung des Verhältnisses zwischen den verschiedenen Hochschultypen ist angesichts der unterschiedlichen Traditionen und Hierarchien keine leichte Aufgabe. Die PHSH ist jedoch im Lichte der kommenden Hochschulgesetzgebung und des Masterplans mit ihrem Studienangebot gut aufgestellt. Unsere Arbeit wird überall sehr positiv bewertet. Wir erfüllen ausserdem alle vom Bund und von den Kantonen verlangten Auflagen.

*Sehen Sie in Bezug auf die künftige Entwicklung einen konkreten Handlungsbedarf?*

Der Blick auf die Landkarte zeigt, dass in der Ostschweiz – im Gegensatz zu anderen Regionen unseres Landes – eine grosse Zahl von Pädagogischen Hochschulen existiert. Das bedeutet, dass sich die vorhandenen Trägerschaften ernsthaft überlegen müssen, wie sie – ohne die Vorzüge der regionalen Verwurzelung im Bildungsbereich aufzugeben – der Forderung nach verstärkter Vernetzung und Koordination in Bezug auf Zulassung, Angebote, Qualifikation, Qualitätsmanagement und Forschung in Zukunft entsprechen können. Der Trend zur intensiven Zusammenarbeit zwischen den Pädagogischen Hochschulen wird sich in Zukunft verstärken.

#Notizen zu Namen

3. November 2008 | Stadtschulrat mit fünf neuen Gesichtern bestückt

Schaffhauser Nachrichten, Schaffhausen / Neuhausen
Jan Hudec

Die Ausgangslage war spannend im Rennen um den Stadtschulrat. Neun Kandidaten hatten sich für die sechs Sitze beworben, entsprechend schwierig war eine Wahlprognose. Und tatsächlich war das Rennen ziemlich eng, immerhin acht Kandidaten erreichten das absolute Mehr von 1703 Stimmen. Einziger nicht Gewählter ist Grossstadtrat Paul Dill (SVP) mit 1616 Stimmen. Überhaupt markierte die SVP das Schlusslicht, so schaffte auch ihr zweiter Kandidat, Mariano Fioretti, den Sprung in die städtische Schulbehörde nicht und erreichte mit seinen 1711 Stimmen nur den achten Platz. Ein schlechter Tag für die SVP, fing sie damit doch, neben ihrem schwachen Abschneiden im Kampf um den Stadtrat, im Stadtschulrat noch eine zweite Schlappe ein.

Am anderen Ende der Liste befindet sich Vreni Osterwalder (SP), die sich über ein Glanzresultat freuen konnte. Mit 3325 Stimmen distanzierte sie die Konkurrenz um beinahe 1000 Stimmen. «Ich denke, das gute Ergebnis ist sicher auch zustande gekommen, weil die Wählerinnen und Wähler meine langjährige Arbeit, die ich als Lehrerin geleistet habe, schätzen», meinte Osterwalder. Sie freue sich darauf, sich nun weiterhin für die Schule einsetzen zu können. Mit Andreas Wüthrich hat auch der zweite SP-Kandidat den Sprung in den Stadtschulrat geschafft. Er erreichte mit 2232 Stimmen das fünftbeste Resultat. Als kleine Überraschung darf sicherlich der Erfolg des AL-Kandidaten Simon Stocker gewertet werden, der als jüngster Bewerber angetreten war und mit 2425 die zweitbeste Stimmenzahl erreicht hat. «Ich bin schon ziemlich überrascht. Ein derart gutes Resultat hätte ich nicht erwartet, zumal wir ja die kleinste Partei sind, die hier angetreten ist», sagte der verblüffte Stocker. Geholfen hätten sicher die Unterstützung der SP und wohl auch ein gewisser Bekanntheitsgrad, den er sich als Grossstadtrat habe erarbeiten können. Auch die FDP wird im neu zusammengesetzten Gremium zwei Mitglieder stellen. Marcel Sonderegger (mit 2265 Stimmen) und Manuela Roost Müller (2249 Stimmen) erreichten das dritt- respektive viertbeste Resultat. Eher enttäuschend verlief die Wahl dagegen für die beiden bisherigen CVP-Stadtschulräte, die ebenfalls zur Wahl angetreten waren. Natalie Zumstein schaffte mit 2001 Stimmen und dem sechstbesten Resultat zwar noch den Sprung ins Gremium, für den zweiten Bisherigen, Christian Eichholzer, reichte es mit 1724 Stimmen jedoch nicht mehr. «Es ist sicher schade, jetzt nicht mehr Mitglied des Stadtschulrats zu sein», bedauerte Eichholzer die Abwahl nach acht Jahren Mitgliedschaft im Stadtschulrat. «Die Arbeit im Gremium wird mir fehlen.» Man habe bei den Jugendlichen etwas bewirken können. Etwas sorgenvoll in die Zukunft blickt Natalie Zumstein: «Ich glaube, es wird schwierig mit fünf neuen Mitgliedern.» Diese müssten sich jetzt zuerst alle einarbeiten, und das werde sicher einige Zeit in Anspruch nehmen. «Ich erwarte jedenfalls eine arbeitsintensive Zeit.» Gelassener sieht es Simon Stocker: «Ich glaube nicht, dass die neue Zusammensetzung negative Auswirkungen haben wird.» Es stünden ohnehin einige Veränderungen an. Der Stadtschulrat wird mit dem Schulreferenten der nächsten Amtsperiode noch ein weiteres Mitglied erhalten.

#Allgemeines

1. November 2008 | «Heute schleust er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis …» Weihnachtslied

Schaffhauser Nachrichten, Meinungen
Michael E. Dreher

Aus wohlwollender Distanz teile ich die Skepsis, die etwa in den SN-Artikeln «Ein ‹kleines Paradies› unter vielen andern» zwischen den Zeilen und in «Effort genügt nicht» von Walter Joos ziemlich unverblümt zu lesen war. Die Schweiz ist ein schönes Land mit unzähligen beein-druckenden bis spektakulären Aussichtslagen auf Flüsse, Seen, Berge, Städte. Von den 41,290 km2 Territorium sind gemäss Arealstatistik nur rund 6,500 km2 in irgendeiner Form überbaut. Schöne Lagen gibt es in Schaffhausen wie in allen andern Kantonen auch. Nichts Spezielles also. Wer schon auf der Aare von Biel nach Solothurn gefahren ist, wird selbst die Rheinfahrt nach Stein am Rhein nicht mehr als ausserordentlich einmalig empfinden, es sei denn auf dem Bierschiff der Scaphusia.

Paradies (gr. Parádeisos) bedeutet ursprünglich «umfriedetes Grundstück», also ein Hag, eine Mauer, ein Graben um das Paradies, damit keiner hereinkommt, der nicht hinein gehört. So betrachtet wäre ein kleines Paradies oder sogar das Paradies Schweiz ein durchaus interessanter Ansatz. Aber darum geht’s nicht. Der Sinn dieser Kampagne ist ja primär, Zuzüger für die grüne Region am Rhein zu motivieren. Ein gelber Prospekt lädt die Bevölkerung ein, ihre Ideen und Begründungen pro kleines Paradies einzusenden. Er ist hübsch gemacht, zum Beispiel sitzt man auf dem Weidling und lässt die Füsse im Rhein planschen, ein Zeichen von Lebensqualität. Von 40 Jahren Wartefrist für einen Pfosten (SN vom 29. Oktober) ist allerdings nirgends die Rede. Die übrigen Fotos sind völlig beliebig und könnten für jede Region stehen. Was also dürfte das Resultat sein? Die Kampagne bestätigt den Einwohnern, die bereits in der Region wohnen, ihr Auskommen haben und etabliert sind, dass sie im kleinen Paradies leben. Sie kann vielleicht auch bewirken, dass mehr junge Leute die Pendlerei nach Süden auf sich nehmen, weil sie in der Region keinen passenden Arbeitsplatz finden, aber Familie und Freundeskreis vor Ort haben. Ob sie allerdings jemanden, der in einem andern kleinen Paradies wohnt, ohne konkrete Verbesserung der Lebensumstände zum Umzug veranlassen wird, ist eine offene Frage und nach meiner Einschätzung unwahrscheinlich. Unser Land besteht aus unzähligen kleinen Paradiesen, die alle mindestens den Wohn- und Freizeitwert der grünen Region am Rhein haben. Das ist nicht wegzudiskutieren. Zuzug kann jedoch als Folge von neuen Firmenansiedlungen erfolgen. Auch einzelne Deutsche werden sich für die Ansiedlung entscheiden, schon wegen der Nähe zur A81. Aber was soll jemand mit Wohnsitz in den Regionen Zugersee, Vierwaldstättersee oder Zürichsee veranlassen, nordwärts zu ziehen, um alsdann die Mühsal der Pendlerei zum Beispiel nach Zürich auf sich zu nehmen? Es sind in erster Linie gutbezahlte Jobs und hervorragende Verkehrsverbindungen, also kurze Wege, die zu einem Domizilwechsel führen. Zwar ist wenigstens eine Miniautobahn bis Andelfingen im Bau, dann aber geht’s noch jahrelang zweispurig weiter bis zur A1 in Winterthur. Und der Viertelstundentaktfahrplan nach Zürich? Werde ich ihn noch erleben? Steuerliche Anreize – zum Beispiel Erbschaftssteuermodell Schwyz oder eine Vermögenssteuer auf einen Pro-memoria-Wert reduziert – hätten jedoch sicher Wirkung. Nehmen wir also an, die Kampagne trage etwas zur Imageverbesserung bei. Und das wäre ja immerhin etwas. Viel Glück!

Dr. iur. Michael E. Dreher stammt aus Schaffhausen, wohnt seit 1975 in Küsnacht, war von 1987 bis 1999 Nationalrat der Autopartei und ist heute in der Parteileitung der SVP des Kantons Zürich.