#Allgemeines

21. Juni 2008 | Die Verbindung verlangt eine Mutprobe

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

*SN: Die Verbindung Munot wird 100 Jahre alt; Sie sind Präsident des Altherrenverbandes, also der ehemaligen Mitglieder. Wie geht es der Verbindung heute?*
Carl J. Koch: Wir sind gerüstet für die nächsten 100 Jahre: Wir haben unser Rebhäuschen renoviert, einen neuen Weidling angeschafft, eine Verbindungsgeschichte geschrieben und neue Cantus-Prügel, unsere Gesangsbüchlein, gekauft. Sehr aktiv ist unser Altherrenverband, vor allem die Wandergruppe trifft sich regelmässig zu Ausflügen. Gemeinsame Aktivitäten organisiert auch der Altherrenvorstand. Und wenn es neue Fuxen, also Neumitglieder, gibt, werden die Traditionen an diese weitergereicht.

*Aktivmitglieder, also Kantonsschüler, hat die Verbindung momentan keine?*
Das ist richtig, aber das kann sich jeden Moment wieder ändern: Wenn etwa ein Kantonsschüler Interesse bekundet, kommen meist weitere hinzu, und das Verbindungsleben flackert wieder auf.

*Was hat sich denn in den 100 Jahren des Bestehens verändert, was ist geblieben?*
Früher war das Tragen eines Anzugs für Munötler Pflicht, aber das war zur Gründungszeit auch für Arbeiter normal. Das hat sich geändert. Früher war die Verbindung auch eher elitär: Meist besuchten nur Kinder reicher Familien die Kanti, heute ist das anders.

*Was ist denn geblieben?*
Die Traditionen: einmal die reglementierten Abläufe der Treffen, dann auch die Einteilung in Burschen – die älteren Schüler, die für die Organisation zuständig sind – und Fuxen. Die Fuxen müssen auch heute noch den Burschen gehorchen und Lieder lernen. Aber auch der Knigge wird geprüft. Und: Die Burschen müssen versprechen, während ihrer zweijährigen Aktivzeit keinen Alkohol zu trinken. Für viele junge Männer ist das eine grosse Prüfung, denn sie müssen nein sagen und damit anders sein. Wer das schafft, hat diese Fähigkeit vielleicht später auch im Berufsleben.

*Diese Abstinenz – wichtiger Bestandteil seit der Gründung der Munotia – ist in einer Situation entstanden, als vor allem ärmere Schichten vom Alkoholismus stark betroffen waren. Ist das heute noch zeitgemäss?*
Wenn man die heutigen Auswüchse betrunkener Jugendlicher betrachtet, muss man feststellen, dass sich die Situation kaum verändert hat. Da schadet es nichts, wenn junge Männer sehen, dass es für zwei Jahre auch ohne Alkohol geht. Die meisten unserer Altherren sind übrigens nicht abstinent.

*Mit bald 150 Jahren älteste Schaffhauser Verbindung ist die Scaphusia, die dem Alkohol – im Gegensatz zur Munotia – nicht abgeneigt ist. Wie ist heute das Verhältnis dieser beiden Verbindungen zueinander?*
Die Munotia wurde ja als Protestbewegung zur Scaphusia gegründet – betrachtet man das Rot der Munötler, so ist das eigentlich die Komplementärfarbe zum Blau der Scaphusia. Aber trotzdem mag man sich bei allen Sticheleien natürlich sehr gern. Weil wir ja jetzt gerade keine Aktiven haben, sind auch die Scapher etwas traurig, weil sie niemanden zum Sticheln haben …

*Hat man sich denn je überlegt, die Abstinenz aus den Statuten zu streichen, um mehr Leute anzuziehen?*
Das Problem ist nicht die Abstinenz, sondern der Umstand, dass die Verbindung eine Art Mutprobe verlangt. Aber wenn plötzlich alles erlaubt wird, dann verliert die Verbindung ihre Eigenart. Viele Leute, die in der Verbindung waren, sind besondere Charaktere, vielleicht gerade weil sie es geschafft haben, zwei Jahre gegen den Strom zu schwimmen. Wir gehen lieber unter, als dass wir zu einem Jeder-kann-mitmachen-Verein mutieren.

*Was passiert eigentlich, wenn ein Munötler beim Trinken erwischt wird?*
In den Statuten ist das nicht geregelt. Ich persönlich interpretiere das so, dass die Mitglieder diese Angelegenheit untereinander gütlich beilegen sollten. Dennoch hat das immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt, welche die Gruppe geteilt haben. Die Achillesferse der Munötler ist der Umgang mit der menschlichen Schwäche und nicht die Abstinenz.

*Sind Frauen bei der Munotia schon zugelassen?*
Nein, auch wenn man sich Gedanken über eine gemischte Verbindung gemacht hat. Der heutige Vorstand will das nicht: Gerade während der Kantizeit ist das Interesse der jungen Männer am anderen Geschlecht gross. Wären auch Frauen in der Verbindung, würden sich dadurch unter Garantie amouröse Verstrickungen und Streitereien innerhalb der Gruppe ergeben.

*… aber Frauen sind als “Besen” ja durchaus an gewissen Aktivitäten
beteiligt …*
Ja schon, aber sie sind mehr oder weniger immer noch “extern”. Ich persönlich bin der Meinung, dass es möglich wäre, den Vorstand davon zu überzeugen, die vorhandene Infrastruktur auch einer weiblichen Gruppierung zur Verfügung zu stellen, sofern diese die Werte der Munotia hochhalten würde und auch ausreichend gross wäre.

*Wie geht es mit der Munotia weiter?*
Der jüngste Altherr hat die Kantonsschule letztes Jahr abgeschlossen, und ich gehe davon aus, dass wir Altherren in naher Zukunft von neugierigen Kantischülern kontaktiert werden und bald wieder eine neue Generation von Munötlern das Leben an der Kanti bereichert.

**Das Buch zum Jubiläum Schaffhausen im Spiegel der Studentenverbindung**
Keine langfädige Vereinschronik, sondern ein munteres Werk hat sich die Verbindung Munot zum 100. Geburtstag geschenkt. Autor Michael Bührer gelingt es, die Geschichte der Verbindung mit leichter Feder zu erzählen. Nachdenkliches mischt sich mühelos mit lustigen Anekdoten, und fast nebenbei entsteht so eine kleine Schaffhauser Kulturgeschichte, die nicht nur für “Munötler” sehr aufschlussreich ist.

Gründung
Die Kantonsschulverbindung Munot kann als Spross der Abstinenzbewegung verstanden werden. Die Abneigung gegenüber dem Alkohol allein hätte vermutlich aber noch nicht zur Vereinsgründung gereicht, vielmehr war es die Liebe, die Kantonsschüler Fritz Rippmann v/o Storch beflügelte. Dieser hatte sich nämlich während eines Kuraufenthaltes im Tessin in eine junge Abstinenzlerin verliebt.

Rivalität
50 Jahre vor der Verbindung Munot, nämlich 1858, war bereits die dem Tranke eher zugeneigte Scaphusia gegründet worden. Diese begegnete der neuen Konkurrenz misstrauisch und zuweilen gar mit Hohn und Spott. “Ohne zu wollen”, schrieb Fritz Rippmann, “wurden wir immer mehr in eine Kampfstellung hineinmanövriert und mussten für unsere Überzeugung einen Kampf führen”. Erst viele Jahre später wurde das Verhältnis zwischen den Studentenverbindungen freundlicher.

Vereinsleben
Sehr bunt wird im “Munot”-Buch das Vereinsleben geschildert. Neben den regelmässigen Treffen in der “Bude”, den intellektuellen Auseinandersetzungen, der Organisation von kulturellen Anlässen und den Ausflügen mit den Freundinnen (“Besenbummel”) liest man auch von zahlreichen mehr oder weniger harmlosen Streichen – mit zum Teil prominenter Beteiligung. Berühmt-berüchtigt waren auch die lauthals vorgetragenen “Ständchen”, die manch entnervten Vater einer Angebeteten zum Wassereimer oder Blumentopf greifen liessen.

Das Buch
Auf 107 Seiten hat Germanistikstudent Michael Bührer v/o Pol die bewegte Geschichte der Verbindung Munot zusammengefasst. Das Buch ist reichillustriert; mit Altherren-Präsident Carl-Jürg Koch v/o Freak war ein Spezialist für Layout und Aufarbeitung der Fotos verantwortlich. “Hundert Jahre Verbindung Munot” kann übers Internet für 30 Dollar bestellt werden, und zwar bei www.lulu.com (Stichwort: munot). (sst)

**Jubiläumsstiftung soll Leistungswillen belohnen**
*Der beste Abschluss eines jeden Jahrganges wird künftig mit 1000 Franken honoriert.*
“Wie zeigt man seine Dankbarkeit dafür, dass wir 100 Jahre an der Kantonsschule geduldet waren?”, fragte Richard Ronner, früherer Altherrenpräsident der Kantonsschulverbindung Munot. Und natürlich hatte er eine Antwort auf diese Frage: Aus einer anlässlich des Jubiläums neugeschaffenen Stiftung soll künftig jeweils der beste Maturand oder die beste Maturandin eines Jahrganges 1000 Franken erhalten. Ziel sei es, den Leistungswillen auszuzeichnen: “Es sind die Leistungen einzelner, welche die Gesellschaft weiterbringen”, sagte Ronner und verwies auf die bekannten Schaffhauser Pioniere Heinrich Moser und J. C. Fischer, welche sich um ihre Heimatstadt verdient gemacht haben. Und: Wer den Preis erhalten hat, darf auch zinslose Studiendarlehen bei der Stiftung beantragen. Diese Möglichkeit steht ebenso den Mitgliedern der Munotia offen, und auch die beste Matur eines Mitgliedes wird ausgezeichnet.
Feierlich überreicht – und zwar begleitet vom Applaus der zahlreich erschienenen Kantonsschüler – wurde die Stiftung gestern morgen im Beisein von über 20 Altherren in der Kantonsschulmensa. (rob)


Weitere Artikel zu diesem Thema:

Wehende Fahnen zum Munot-Festtag;
in: Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite, 23.06.08; von: Christoph Merki.

#Notizen zu Namen

19. Juni 2008 | Ein guter Start in eine vielfältige Welt

Vor drei Jahren brachen die 18 Diplomandinnen und zwei Diplomanden zu ihrer pädagogischen Seefahrt auf. Mit diesem Bild blickten die Studierenden am Dienstag auf ihre Zeit an der PHSH zurück. Die Wellen hätten manchmal hart gegen das Boot geschlagen, und das Wetter konnte stürmisch sein, doch immer sei rechtzeitig ein rettender Leuchtturm erschienen oder ein begeisternder Fisch gefangen worden. Zu diesen «Fischen» gehörte der siebenwöchige Sprachaufenthalt in Frankreich, aber auch das charmante Lächeln eines Schülers, welcher der Praktikantin gleich am ersten Tag das Du anbieten wollte. Diese Erlebnisse hätten auch in schwierigen Zeiten motiviert, weiterzumachen. Und vor allem war da das gemeinsame Ziel, das es zu erreichen galt: der Lehrerberuf. An diesem Ufer sind die Studierenden sicher gelandet, zumal 18 von ihnen bereits eine Stelle auf Primar- oder Vorschulstufe erhalten haben. Dieses erfreuliche Resultat sei nicht allein mit dem Lehrermangel zu erklären, betonte Rektor Eduard Looser. Es sei nämlich «nicht so, dass man einfach in offene Stellen hineinspazieren» könne. Die Schaffhauser PH-Abgänger seien den Diplomanden umliegender Kantone in Bezug auf Anstellung weit voraus, sagte Looser weiter und gratulierte den Studenten dafür herzlich.

Gratulationen wurden den Diplomandinnen auch vonseiten der Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel zuteil. «Lassen Sie sich die Freude an Ihrem schönen Beruf nicht nehmen», ermahnte die Regierungsrätin die Studierenden nach einem Exkurs über die bereits vollzogenen und noch zu verabschiedenden Reformen im Bildungswesen. Die Ziele dieser Reformen seien die Vielfalt und die Integration in den Schulklassen zu fördern sowie die Schulleitungen mit mehr Kompetenzen auszustatten. Gleichzeitig sollten sie zu einer standardisierten, klar definierten Überprüfung und «Feedback-Kultur» angehalten werden. Dies sei auch nötig, weil der Lehrerberuf «in jeder Hinsicht herausfordernd» sei, erklärte Widmer Gysel. Dennoch seien die Diplomandinnen und Diplomanden um ihre Aufgabe zu beneiden, «die Beruf ebenso wie auch Berufung umfasst».Auch für Eduard Looser stehen seinen Studierenden «spannende Zeiten bevor». In seiner Ansprache setzte sich der Rektor mit der modernen Pädagogik auseinander. Ebenso fern von einer «Pädagogik der Härte» nach altem Muster als von der sogenannten «Kuschelschule» sieht Looser eine Kontinuität von Rousseau über Goethe bis Montessori und der heutigen «Pädagogik der Vielfalt». Vielfalt sei also ein Schlüsselwort für unsere Gesellschaft und spiegle sich gerade auch in den Schulen. «Offen zu sein für die Ansichten anderer», diesen Rat gab der Rektor seinen scheidenden Studierenden mit auf den Weg, bevor er zu der Diplomübergabe schritt. Eine spezielle Auszeichnung erhielt Sabine Bolli aus Flurlingen, die mit dem besten diesjährigen Resultat abschloss. Zusätzlich zur Diplomübergabe wurden dieses Jahr zum erstenmal rund 40 Primarlehrer für ihre erworbenen Englischkenntnisse zertifiziert. Im Rahmen eines dreiteiligen Programms erhielten Lehrer aus allen Gemeinden die Möglichkeit, sich im Bereich des Englischunterrichts auf der Primarstufe weiterzubilden. Die Zusatzqualifikation umfasste einen dreiwöchigen Aufenthalt in England, berufsbegleitende Didaktikkurse an der PHSH sowie eine Englischprüfung (Niveau C1 oder Advanced). Gemäss der vom Stimmvolk gutgeheissenen Einführung des Englischunterrichts ab der dritten Klasse werden die Fachkräfte ab August 2008 ihre neuerworbenen Kompetenzen in die Praxis umsetzen können.Neben den Studierenden verabschiedete der Rektor schweren Herzens auch den seit fünf Jahren an der PH engagierten Mathematikdozenten Martin Andermatt. Für musikalische Zwischenspiele sorgten der Chor sowie ein Instrumentalensemble der PHSH.

Absolventen

Lehrpersonen der Primarschulstufe Sabine Bolli, Flurlingen; Deborah Gadient, Löhningen; Madeleine Hafner, Stetten; Franziska Heimlicher, Kleinandelfingen; Dorothe Hepfer, Thayngen; Sandra Hübscher, Schaffhausen; Anne Cathrin Jehle, Schaffhausen; Daniela Jehle, Schaffhausen; Sara Debora Keller, Oberembrach; Eva Machatschek, Schaffhausen; Luisa Mastrobuoni, Schaffhausen; Karin Meier, Uhwiesen; Marc Olivi, Siblingen; Aurelia Ott, Dörflingen; Paul Samuel Ulmer, Schaffhausen; Katja Waldvogel, Büttenhardt.Lehrpersonen der Vorschulstufe Marianne Brütsch, Marthalen; Lisa Erne, Schlatt; Bettina Flückiger, Schaffhausen; Anita Kessler, Sool (GL).

#Notizen zu Namen

18. Juni 2008 | CVP Bezirk Diessenhofen: Urban Brütsch zum neuen Präsidenten gewählt

Schaffhauser Nachrichten Stein / Diessenhofen
(ge)

Am Montagabend wählte die gut besuchte GV 2008 der CVP des Bezirkes Diessenhofen, den 43 jährigen Urban Brütsch aus Diessenhofen als neuen Präsidenten. Er ersetzt Thomas Burkhardt aus Basadingen, der die Partei drei Jahre lang geleitet hat. Burkhardt tritt aus beruflichen und familiären Gründen vom Präsidentenamt zurück, bleibt aber weiterhin Mitglied des Vorstandes. Dieser wurde mit Brütsch und den Bisherigen Thomas Burkhardt, Christoph Rohr, Kurt Bürgi und Heinz Bogo bestätigt.

**Ökoliberale Gesinnung**
Urban Brütsch ist Forstingenieur. In der Bürgergemeinde Diessenhofen ist er zuständig für die Finanzen und für den Wald. Er nennt seine politische Gesinnung ökoliberal und engagiert sich auch bei den Projekten Altstadtentwicklung und Rheinufergestaltung.
Im Jahresbericht von Präsident Burkhardt waren die vergangenen Kantonsratswahlen ein zentraler Punkt. Er wies darauf hin, dass es trotz grossen Anstrengungen mit einer sehr ausgewogenen Kantonsratsliste der CVP leider nicht gelungen sei, ihren Sitz zurückzuerobern. Burkhardt sieht den Misserfolg unter anderem auch im Zusammenhang mit der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat, welcher der SVP viele zusätzliche Stimmen brachte und die Stimmenzahl der CVP stagnieren liess. Ohne Listenverbindung habe die CVP überhaupt keine Chancen, je einen Sitz wiederzugewinnen, sagte Heinz Bogo.

#Allgemeines

18. Juni 2008 | Viel Spass für Fans und Mitwirkende

Schaffhauser Nachrichten, Regionalsport
l.h.

Rad Die neuesten Radrennräder haben sie nur bedingt, die sportliche Fitness ebenfalls. Und so waren bei der Prominentenstafette beim Grossen Preis der Stadt Schaffhausen die unterschiedlichsten Stahlrösser aller Jahrgänge auszumachen. Aber auch die Prominenz aus Wirtschaft, Sport und Politik – erstmals vom Präsidenten des Grossen Stadtrates, Thomas Hauser, organisiert und am Mikrophon stimmgewaltig kommentiert – glänzte mit teilweise neuen, aber durchaus fröhlichen und strahlenden Gesichtern. Weil man SVP-Nationalrat Thomas Hurter und alt Regierungsrat Hans-Peter Lenherr zu den Sportlichsten in der Gruppe zählte, gehörte das Team «Politik Mixed» für einige der zahlreich auf der Breite erschienenen und lautstarken Zuschauer zu den Geheimfavoriten auf den Sieg. «Es macht einfach Spass, hier dabei zu sein», so Hurter vor der Aufwärmrunde. Aber auch die anderen Gruppierungen liessen sich in Sachen Sportlichkeit keineswegs an den Rand des Machbaren drängen. So konnten das Team «Gewerbeverein Reiat» mit Andreas Narr, die 125-Jahr-Jubiläums-Mannschaft der «Schaffhauser Kantonalbank» mit Beat Bachmann und Martin Walther sowie die Equipe «Grosser Stadtrat Schaffhausen» mit Martin Egger durchaus trainierte Trümpfe über ihren Speichen hinter sich lassen. Ein letztesmal gemeinsam und mit vereinten Kräften trat das Team «Gemeinderat Hemmental» mit Hermann Schlatter, Daniel Leu, Sandra Schöpfer, Elisabeth Leu und Reto Greutmann in die Pedale, wohlwissend, dass es zukünftig als Schaffhauser Quartierverein ebenfalls auf der Breite sein Stelldichein geben könnte. Nicht ganz den Regeln entsprechend, peilte die Truppe «150 Jahre Scaphusia»* den Tagessieg an. Der Studentenverbindung fehlte für die grosse Favoritenrolle schlicht eine Frau. Ob sie deswegen nur auf dem sechsten Rang landeten? Rangmässig zwischen den Teams der «Römisch-katholischen Kirchgemeinde Schaffhausen» und der «Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen» plazierten sich die politisierenden Pedalentreter «Einwohnerrat Neuhausen am Rheinfall» sowie die rasenden Rettungsleute der Mannschaft «Feuerwehr Schaffhausen». Gegen das in dieser Reihenfolge siegende Spitzenquartett «Gewerbeverein Reiat», «Schaffhauser Kantonalbank», «Politik Mixed» und «Grosser Stadtrat Schaffhausen» hatten sie für diesmal das Nachsehen und sahen nur noch die Hinterräder der stark fahrenden Konkurrenz. Vielleicht kann ja später einmal Publikumsliebling Bruno Risi gewinnbringend einspringen, wenn er seine grosse Karriere beendet hat. Wie dem auch sei, ob Sieg oder Niederlage: Spass hat es allen bereitet, und bei der anschliessenden Preisverleihung im Festzelt strahlten die Gesichter nach wie vor.

*«150 Jahre Scaphusia» (Kaj Späth, Markus Bührer, Andreas Wüscher, Andreas Hauser, Andreas Hunziker), 6. Platz.

#Allgemeines

17. Juni 2008 | The Brevers rocken im Sittertobertal

Schaffhauser Bock
Christian Saggese

Jährlich pilgern Ende Juni, immer parallel zum «Free & Clean-Openair» in Stein am Rhein, bis zu 15’000 Fans jeden Alters ins ansonsten ruhige Sittertobeltal in St.Gallen. Denn an drei Tagen finden Musikacts von Rock, Punk, Metal, Reggae und mehr auf das grüne Gelände. In diesem Jahr bietet der Event Künstler wie Sportfreunde Stiller, Lenny Kravitz, The Prodigy, Züri West und Gentleman – sowie The Brevers aus Feuerthalen. Anlässlich des mycoke-music-Wettbewerb konnte sich die vierköpfige Gruppe einen Platz auf der Bühne am Freitagabend, den 27. Juni um 22.45 Uhr ergattern. «Ein wichtiger Schritt in Sachen Bühnenerfahrung», so Bassist Tobias Wüst. Dies ist aber nicht der erste Auftritt an einem der grossen Schweizer-Openairs für die regionalen Truppe. So rockten The Brevers bereits im letzten Jahr den Berner Hausberg am Gurtenfestival (siehe Schaffhauser Bock Nr. 29/07). Und am Openair St.Gallen folgen die vier Musiker den Spuren der regionalen Ska-Band Plenty Enuff, welche den Event vor drei Jahren eröffnen konnte.

**Vom Insider-Tipp zum selbstlaufenden Act**
Wie bereits vor dem Gurtenfestival meldete sich die Band beim mycoke-music-Wettbewerb an. Hier können Internetuser per Mausklick den Bands die Stimme abgeben. Die besten Acts spielen nun auf der Bühne eines grossen Openairs für ungefähr 25 Minuten ihr Programm. «Letztes Jahr machten wir massiv Werbung für uns. Haben Freunde gebeten, regelmässig für uns abzustimmen. Dieses Jahr meldeten wir uns eigentlich mit weniger Ambitionen an. Doch es wurde zum Selbstläufer und nun sind wir wieder dabei» zeigt sich Wüst erfreut. Kein Wunder, konnte die Band mit ihren Live-Auftritten bereits in Lokalitäten wie dem Volkshaus, dem Gaswerk, der Grabenhalle oder regionalen Hallen mit ihren Live-Qualitäten das Publikum überzeugen. Auch im deutschen Gebiet um Stuttgart konnte die Band erfreuliche Auftritte absolvieren und positive Kritik ernten. «Dies gibt uns Kraft. Jetzt wollen wir nur mehr Erfahrung sammeln – und benötigen selbstverständlich finanzielle Mittel» so Wüst. Am St.Galler-Openair wird das Konzert auf Video festgehalten. Danach können die User online über den besten Auftritt abstimmen. «Bei vielen Bands sind die Songs auf CD Meisterwerke, live gehen die Lieder aber völlig unter» erklärt Wüst, «bei The Brevers spiele wir alle Songs so ein, dass sie live verwertbar sind.» Die beiden finalen Bands spielen dann nochmals gegeneinander. Der Gewinner erhält 20’000 Franken.

**Zukünftige Pläne**
«Das Geld könnte man für zukünftige Investitionen natürlich gut gebrauchen» erzählt Wüst und sieht optimistisch in die Zukunft. «Derzeit arbeiten wir an unserem zweiten Album, welches 2009 erscheint. Das Erstlingwerk war in vielen Bereichen eher ein Schnellschuss. Mittlerweile haben wir 7 bis 8 neue Songs, welche wir auch monate später nochmals verändern wenn etwas nicht stimmt.» Ist die Band also sehr selbstkritisch? «Wir wollen uns natürlich verbessern, doch Perfektion wäre jetzt übertrieben ausgedrückt», so Wüst, «man will noch lange mit den Songs auf der Bühne stehen, damit diese einem Freude bereiten. Wird nun aber zu streng mit dem Ziel perfekt zu sein daran herumgebastelt, verlieren wir die Stimmung. Und diese ist für uns bei der Band am wichtigsten!»

**Mehr Auftritte erwünscht**
Neben der neuen Platte, welche den typischen alten Brevers-Sound behält, aber experimentell sinnvoll weiterentwickelt werden soll, veröffentlicht die Band an diesem Mittwoch einen neuen Song, mit welchem die Band sich vermarkten will. «Zu diesem Song drehen wir mit regionaler Unterstützung noch ein Video» erzählt Wüst, «mit diesem verschicken wir das Lied nachher an verschiedene Radio- und Fernsehstationen.» Für das Video existieren schon zahlreiche Ideen. Nun bleibt abzuwarten, in welcher Form sich diese umsetzten lassen. Und wenn dann alles standhaft aufgebaut ist, will man vermehrt auf Tour gehen. Wüst, welcher auch jetzt noch vor jedem Konzert Lampenfieber verspürt, erzählt von den Plänen: «Wir suchen nun noch ein Booking-Management. Zur Zeit organisieren wir alles alleine. Mit dem Blick auch nach Deutschland gerichtet, hoffen wir bald mehr als die 16 Konzerte im vergangenen Jahr spielen zu dürfen.»
Weitere Informationen zu The Brevers und dem Wettbewerb findet man unter www.mycokemusic.ch und www.thebrevers.com

#Notizen zu Namen

9. Juni 2008 | Erfolgreich bis zum Schluss

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
(J. R.)

Das war eine Ehre, vielleicht die schönste Würdigung, die überhaupt möglich ist: Während Rechnungsgemeindeversammlungen für die Stimmbürger sonst alles andere als anziehend sind, war am vergangenen Freitag der (grosse) Rheintalsaal in Flurlingen exzellent gefüllt. Und das konnte nur einen Grund haben: Zum letztenmal präsidierte Gemeindepräsident Christoph Waldvogel – und zum letztenmal tat er das mit Erfolg. Die Jahresrechnung 2007 und eine Teilrevision der Besoldungsverordnung mit höheren Entschädigungen für Gemeinderat und Gemeindepräsident wurden ohne Opposition angenommen. Damit hat Waldvogel in seiner Präsidialzeit sämtliche Geschäfte an den Gemeindeversammlungen «durchgebracht», wie Ruedi Bänninger, Präsident des Gemeindevereins, feststellte.
Ja, Waldvogel stand eindeutig im Mittelpunkt. Mit der Würdigung Bänningers («eine sehr erfolgreiche Amtszeit») ebenso wie mit einer der traditionellen und legendären Flurlinger «Schnitzelbänken», mit der aktuelle und ehemalige Gemeinderatskollegen Ereignisse aus Waldvogels Amtszeit aufleben liessen. Der Präsident wiederum verabschiedete sich charmant und witzig, aber ohne grosse «Schlussworte»: Gemeindeschreiber Marcel Wegmann überreichte er seine Schlüssel für Gemeindehaus und Trotte, dem Nachfolger, André Müller, einen Elefanten (dicke Haut, weicher Kern, grosse Ohren und ein abgestützter Rüssel, der Standfestigkeit garantiert).
Zuvor, wie betont, passierten die Geschäfte problemlos. Was auch etwas leichter gefallen sein dürfte, weil die Jahresrechnung 2007 glänzend ausgefallen ist. Wie Finanzvorstand Stefan Hofstetter erläuterte, schloss die laufende Rechnung nämlich mit einem Ertragsüberschuss von 225 000 Franken ab – der Voranschlag hatte dagegen einen Aufwandüberschuss von 270 000 Franken vorgesehen. Der eindrückliche Umschwung zu schwarzen Zahlen war auf zahlreiche Einflüsse zurückzuführen. So hatte die Gemeinde einerseits die Ausgaben im Griff, konnte anderseits aber höhere Einnahmen verbuchen; im Bereich Finanzen und Steuern etwa flossen rund 330 000 Franken mehr als budgetiert in die Kasse – nicht zuletzt eine Folge des guten wirtschaftlichen Umfeldes.
Zwar hatte das Flurlinger «Buschtelefon» Widerstand gegen die Teilrevision der Besoldungsverordnung angekündigt, aber in Tat und Wahrheit blieb die Opposition aus. Vielleicht, weil Waldvogel überzeugend argumentiert hatte. Die Stimmberechtigten standen hinter der Erhöhung der Entschädigung von bisher 10 000 auf neu 12 000 Franken für Gemeinderatsmitglieder und der von 8000 auf 9000 Franken erhöhten Zulage des Gemeindepräsidenten. Auch so, machte der scheidende Gemeindepräsident deutlich, sind die Stundenlöhne der Gemeinderatsmitglieder gegenüber beispielsweise Handwerkeransätzen gering.
Einstimmig wurde anschliessend auch die von Finanzvorstand Doris Tempini erläuterte Jahresrechnung 2007 der Primarschulgemeinde angenommen. Mit einem Ertragsüberschuss von 126 000 Franken schloss auch sie positiv ab. Zumindest aus finanzieller Sicht scheint Flurlingen keine Sorgen zu haben.

#Allgemeines

6. Juni 2008 | Auch die Schulleitung spielte mit

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Lara Attinger

Wenn Lehrer sich in pantomimischen Darstellungen üben und Schüler mit Wasserballons werfen, kann das nur eines bedeuten: Der Maturstreich ist wieder im Gange.
Der Kampf um diesen Anlass schien gestern vergessen, nachdem die Schulleitung schon die Verkleidungswoche – wenn auch in abgeschwächter Form – bewilligt hatte. «Damit sie uns nicht dazwischenfunken, haben wir den Lehrern aber nur das Nötigste von unseren Plänen verraten», sagen Robin Staufer und Christian Thüring vom Organisationskomitee.
Am Morgen haben die im «Biedermeierstil» gekleideten Abschlussklassen die Schulzimmer gestürmt. «Einige Klassen waren gerade eine Prüfung am Schreiben», lacht Staufer.

**Cortège durch die Altstadt**
Mit ihrer Aufmachung wollten die Schulabgänger zurück zu den Anfängen des Maturstreichs, als die Maturanden lediglich in festlicher Kleidung einen Umzug veranstalteten.Während die Schüler und Lehrer sich auf der Munotzinne versammelten, liefen die Abschlussklassen durch die Altstadt. Nur die nominierten «goldenen Erstklässler» durften die Maturandinnen und Maturanden an ihrer Cortège begleiten. Ihnen wurde der Begriff «Gmües» – der Ausdruck für Erstklässler- auf die Wangen gestempelt, zudem mussten sie «Chindsgi-Streifen» tragen und mit Unterstützung der Schulabgänger Lieder singen. Als die auffällige Gesellschaft auf dem Munot eintraf, wurden verschiedene Aktivitäten wie zum Beispiel ein improvisiertes Theater von den Lehrern und die Wahl des goldigen Erstklässlers durchgeführt. Das Highlight der Veranstaltung war das Spiel «Extreme Activity»: Ein Schüler musste Lieder gurgeln, einer Wörter erklären, während er mit Wasserballons beworfen wurde, und jemand musste auf Skiern und mit Baseballhandschuhen an den Händen Begriffe vorzeigen. Als einige Lehrer im Rahmen dieses Spiels auf die Bühne mussten, war Rektor Urs Saxer, der den Maturstreich ursprünglich verbieten wollte, eifrig dabei und hat zusammen mit Ralph Tanner pantomimische Darstellungen aufgeführt.
Der Regen konnte die Laune der Kantonsschüler kaum dämpfen. «Unser Schlechtwetterprogramm war: Schirme mitzubringen», sagt Christian Thüring.

#Allgemeines

3. Juni 2008 | Alte Kantitraditionen leben neu auf

Schaffhauser Nachrichten, Region
Lara Attinger

In der gestrigen grossen Pause an der Kantonsschule Schaffhausen präsentierten sich die Schüler der Abschlussklassen mit Hüten aller Art: Junge Damen mit edlen Sonnenhüten sassen in einem Kreis, einige Schüler überquerten den Pausenplatz mit Bauhelmen auf dem Kopf, man sah Jugendliche mit Sombreros, Stohhüten, Zylindern, und die Klasse 4mc war nicht mit Hut, sondern als Hut verkleidet. Grund für diesen Aufzug ist die Verkleidungswoche, die jedes Jahr von den Abgängern der Kantonsschule und der Fachmittelschule durchgeführt wird. An einer Pressekonferenz erklärten die sieben Schülerinnen und Schüler des Organisationskomitees gestern, weshalb sie Hüte tragen.

Kampf um die Verkleidungswoche
In den letzten zwei Jahren herrschte ein erbitterter Kampf seitens der Kantonsschüler gegen das Verbot der traditionellen Verkleidungswoche. Jeweils in der letzten Unterrichtswoche kamen die Maturandinnen und Maturanden verkleidet zur Schule. Das ganze ist gemäss Schulleitung immer mehr ausgeartet. Rektor Urs Saxer erliess deshalb ein Verkleidungsverbot mit der Begründung, dass die Schüler mit ihrem Aufzug den Unterricht störten.
Im November 2007 wurden die diesjährigen Schulabgänger dazu aufgerufen, ein Organisationskomitee für Abschlussaktivitäten wie den Maturball zu bilden. Dieses Komitee sprach den Rektor noch einmal auf sein Verbot an. Um einen Kompromiss zu finden, stellten die sieben Schüler einige Recherchen an und fanden heraus, dass die Verkleidungswoche sowie der Maturstreich auf alten Traditionen basieren, welche ursprünglich keinesfalls provozierend oder anstössig waren. Vor 30 bis 40 Jahren fand die Maturreise noch vor den Abschlussprüfungen statt. Die Maturanden kauften sich auf dieser Reise Hüte, welche sie dann in der letzten Schulwoche trugen. Erst im Laufe der Zeit hat sich daraus die Verkleidungswoche ergeben. Auch der Maturstreich hat sich aus einem solchen Ritual heraus entwickelt. So kamen die Maturanden früher am letzten Schultag festlich gekleidet zur Schule und marschierten im Rahmen eines Cortège, eines Umzuges, durch die Altstadt.

Back to the Roots
Die Abschlussklassen haben sich nun von diesen alten Bräuchen inspirieren lassen und holten die Bewilligung der Schulleitung ein, in dieser Woche Hüte tragen zu dürfen. Gestern in der grossen Pause wurde das Projekt dann den anderen Klassen vorgestellt. Das Organisationskomitee hält es für vorteilhaft, dass man sich mit der Schulleitung abgesprochen hat: “Wir wurden sogar mit technischen Hilfsmitteln wie Mikrophonen und Lautsprechern unterstützt.” Die Schulabgänger werden die anderen Schüler in den grossen Pausen unter anderem mit Theateraufführungen und Gesangseinlagen beglücken. Wie der Donnerstag, an welchem traditionsgemäss der Maturstreich stattfindet, ausfallen wird, wollen die Organisatoren noch nicht genau bekanntgeben. Fest steht, dass sie sich, wie die Kantiabgänger vor 40 Jahren, festlich kleiden und einen Umzug durch die Altstadt veranstalten werden. Anschliessend findet auf dem Munot ein Programm für alle Klassen statt. Die Mitglieder des Organisationskomitees erläutern: “Unser Ziel ist es, die Traditionen der letzten Schulwoche und den Maturstreich zu retten.”

#Allgemeines

26. Mai 2008 | Kanti-Ball Zurück in die tollen fünfziger Jahre

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen

In nostalgischen Gefühlen schwelgten am Samstagabend gegen 250 Damen und Herren aus 7 Kanti- und 2 DMS-Klassen, denn die fünfziger Jahre waren das Motto des Kanti-Abschlussballs im festlich geschmückten Park Casino. Jedenfalls erschienen viele der jungen Männer mit Hüten aus dieser Zeit, derweil sich zahlreiche Damen im Stil von Audrey Hepburn gekleidet hatten (und zum Fototermin bei Ernst und Barbara Müller erschienen). Versteht sich, dass perlende Getränke reichlich flossen.

#Notizen zu Namen

20. Mai 2008 | SVP entscheidet erst im Juni

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Adrian Schumacher

Eigentlich schien gestern abend alles klar zu sein. Zu Beginn der Generalversammlung im Alterswohnheim La Résidence eröffnete Parteipräsident Werner Schöni den 26 anwesenden SVPlern, dass die Findungskommisson trotz monatelanger Suche und zahlreichen Anfragen keine geeigneten Kandidaten für das Stadtpräsidium beziehungsweise das zweite Vollamt habe finden können. Die drei schon bekannten Kandidaten Urs Hunziker (FDP), Thomas Feurer (ÖBS) und Peter Käppler (SP) erhielten in der Folge die Gelegenheit, ihre Motivation und Ziele vor der Generalversammlung darzulegen, ehe sie sich im Rahmen eines gemeinsamen Hearings den Fragen der Zuhörer stellten. Die Mühe hätten sich die drei amtierenden Stadträte indes sparen können – eine Nomination Feurers oder gar Käpplers kam für die SVP-Mitglieder aus parteipolitischen Gründen nicht in Frage; und für Hunziker konnten sich die Anwesenden auch nicht erwärmen. Anstelle einer Stimmfreigabe oder einer Enthaltung einigten sich die Parteimitglieder im Rahmen einer Konsultativabstimmung schliesslich auf Peter Scheck. Der von der Findungskommission einst angefragte und dann in Vergessenheit geratene Stadtarchivar will bis zum kommenden Montag entscheiden, ob er tatsächlich in den Wahlkampf ums Stadtpräsidium steigen will. Die Beschlussfassung der SVP ist neu für den 9. Juni terminiert.


Weitere Artikel zu diesem Thema:

Schon viele ermutigende Mails für Peter Scheck;
in: Schaffhauser Nachrichten, Region, 21.05.08; von: Adrian Schumacher.

Inhalte statt Köpfe;
in: Schaffhauser Nachrichten, Leitartikel, 24.05.08; von: Adrian Schumacher.

#Allgemeines

19. Mai 2008 | Scaphusia-Preis 2008

Schaffhauser Nachrichten, Region
ajo

Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Scaphusia fand in der Aula des alten Kantonsschultraktes ein Musikwettbewerb der Stiftung «Scaphusia-Preis» statt, bei dem Gymnasiasten aller Klassen aufgerufen worden waren, in den beiden Kategorien Klassik sowie Pop/Rock/Jazz die talentiertesten Schüler untereinander auszumachen. Unter der Leitung des Stiftungsratspräsidenten, Alexander Wanner, und von einer renommierten Jury kritisch beurteilt, präsentierten sich die 15 Gruppen von ihrer besten Seite. Der Klassikteil war mit nur sechs Beiträgen eher klein, aber auch hier demonstrierten die jungen Künstler ihr Können: Nebst einem Geigennonett und sieben Flötistinnen gab es zwei weibliche Duos am Klavier.
Jurypräsident Andre Lorenzetti, der ein begeistertes Fazit zog, bedankte sich auch im Namen der Juroren für die hohe Qualität der Beiträge. Der dritte Platz ging an das Orchester mit der «Brasil Suite» von Ernst Mahler, zweite und erste Plätze wurden mehrere vergeben, an Lisa Gretener & Co. für das selbstkomponierte «I Wish I’m Away» und an Anabel Da Pra für ihren Gesang bei George Gershwins «Summertime».
Ein zweiter Platz ging an Basil Kraft/Daniel Perrin/Daniel Rüger und ihre Jazz-Eigenkomposition sowie an die Brüder Joscha/Marius Schraff und Samuel Vonäsch/Noemi Locher für Astor Piazzollas «Libertango» – eine vom Publikum begeistert bejubelte Vorstellung. Ganz vorne fand man Joscha Schraff und Pascal Rüegger mit Michel Camilos «Remembrance» sowie Annina Vögeli, Amanda Moor und Merlin Bärtschi mit ihrer Interpretation von Carl Loewes «Die Freude».

#Allgemeines

13. Mai 2008 | Posieren und lächeln für die Ewigkeit

Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite
Beat Rechsteiner

Farbenfroh war die Schar, die sich am vergangenen Freitag bei schönstem Wetter auf dem Herrenacker versammelte. Christian Birchmeier v/o Zäckli, Altherr der Scaphusia, hatte geladen, und viele Verbindungsbrüder – darunter manch bekanntes Gesicht – folgten seinem Ruf. Birchmeiers Idee: Da vier der fünf Schaffhauser Verbindungen dieses Jahr einen runden Geburtstag feiern, initiierte er eine SN-Sonderbeilage, die am 5. Juni erscheinen wird – und dafür braucht es natürlich auch gelungene Gruppenfotos. Also stellten sich mehr als 200 Mitglieder der Verbindungen Scaphusia (150 Jahre), Munot (100), KTV (80), Commercia (90) und Fortuna (106) vor die Kamera von Bruno und Eric Bührer.
Bis sich schliesslich alle in der richtigen Formation wiederfanden, brauchte es die kräftige, von einem Megaphon unterstützte Stimme von Christian Birchmeier und allseits eine Portion Geduld. Für die meisten war der Fototermin aber letztlich ohnehin nur Mittel zum Zweck: Das Shooting wurde zum ganz grossen Wiedersehen. Über die Verbindungen hinweg wurde geplaudert und in Erinnerungen geschwelgt. Alt Regierungsrat Hans-Peter Lenherr v/o Ready etwa bestaunte mit dem ehemaligen Neuhauser Gemeinderat Hanspeter Hak v/o Ex die Stickereien auf den traditionellen Verbindungsmützen. Michael Grimmer v/o Hertz erinnerte sich, dass Peter Bührer v/o Billy in den 1950er Jahren einst sein Fux gewesen war. Manche solcher Geschichten wussten auch der ehemalige Staatsschreiber Peter Uehlinger v/o Igel und der einstige Chefarzt der Breitenau, Oscar Wanner v/o Strick, zu erzählen. Kurzum, für Gesprächsstoff war gesorgt. Und da dem Fototermin ein Apéro im Park Casino folgte, fehlte zum ausgiebigeren geselligen Beisammensein auch nicht die Gelegenheit …

#Allgemeines

9. Mai 2008 | Pornographische Bilder – 48-jähriger Kantilehrer wurde entlassen

Schaffhauser Nachrichten, Region
(as)

Aufgrund einer Meldung der Bundeskriminalpolizei hat die Schaffhauser Polizei Ende März ein Ermittlungsverfahren gegen einen Lehrer der Kantonsschule Schaffhausen eröffnet. Der Mann stand unter dem Verdacht, bei sich zu Hause Bilddateien mit pornographischem Material aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Dieser Verdacht hat sich in der Zwischenzeit bestätigt, wie es in einer gemeinsamen Medienmitteilung der Schaffhauser Polizei, des Erziehungsdepartements und des Untersuchungsrichtersamts von gestern heisst. Der 48-Jährige ist geständig. Konkret wurde auf der Festplatte des sichergestellten Privatcomputers eine grössere Zahl von Bildern mit pornographischem Inhalt gefunden. Die mittlerweile abgeschlossenen Ermittlungen haben keinen Verdacht auf Übergriffe gegenüber Kindern ergeben. «Auch die sichergestellten Bilder zeigen keinen Einbezug von Kindern in sexuelle Handlungen», erklärte der zuständige Untersuchungsrichter Willi Zürcher auf Anfrage der SN. Es handle sich stattdessen um Nahaufnahmen von entblössten Kindergenitalien und Bilder von Minderjährigen in aufreizender Pose. Noch vor Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurde das Erziehungsdepartement über den Fall informiert, dieses wiederum setzte Urs Saxer, den Rektor der Kantonsschule, umgehend über die Ermittlungen in Kenntnis. Nach einer Anhörung wurde das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung aufgelöst, wie Saxer bestätigt. Der in einem Vollzeitpensum angestellte Lehrer habe sich an der Schule keine Übergriffe zuschulden kommen lassen, auch hätten nie irgendwelche Verdachtsmomente vorgelegen. «Das ganze kam auch für mich aus heiterem Himmel», so Saxer. Der Arbeitsvertrag mit dem Lehrer sei Anfang April, kurz vor den Frühlingsferien, sofort aufgelöst worden, der Unterricht im entsprechenden Fach sei für die betroffenen Klassen für eine Woche ausgefallen. Eine Verurteilung des Lehrers erfolgte noch nicht. Er wird in naher Zukunft allerdings mit einer bedingten Geldstrafe sowie einer Busse wegen Pornographie rechnen müssen, sagt Willi Zürcher.

#Notizen zu Namen

8. Mai 2008 | Rorschach und sein Test – Sag mir, was du siehst

WOZ
Franziska Meister

Seine Klecksbilder haben Generationen von PsychologInnen umgetrieben und sind längst Bestandteil unserer Alltagskultur geworden. Eine Ausstellung in Herisau rückt nun den wenig bekannten Vater der «komplexen Kleckse» ins Licht.
Andy Warhol, Begründer der Pop-Art, schuf in seiner späten Phase eine Reihe von über vier Meter hohen, symmetrischen Klecksbildern, die er «Rorschachs» nannte. Als Inspiration dienten ihm die Kleckstafeln des psychologischen Tests gleichen Namens. Von Hermann Rorschach, dem Schöpfer des Tests, wusste Warhol wenig. Dabei verbindet die beiden Männer einiges. Zum Beispiel die Kritik an ihrem Werk als Trivialisierung von Kunst respektive von Wissenschaft. Und die bislang wenig bekannte Tatsache, dass Rorschach ebenso Künstler wie Wissenschaftler war – was das von ihm entwickelte Testverfahren entscheidend geprägt hat. Eine Hommage an das kreative Potenzial des Rorschachtests und seines Schöpfers lässt sich seit Ende April in Herisau bewundern.
«Ich will nicht nur Bücher lesen, sondern Menschen.» Auf dieses Zitat Rorschachs tritt, wer in die Ausstellung im Museum Herisau eintaucht. Weitere Zitate sind in den grau melierten Filzteppich gesetzt, der mit seiner ausgeprägten Haftfreudigkeit das seine dazu beiträgt, dass man vor den Schaufenstern der Ausstellung kleben bleibt. Eingelassen in eine weisse raumfüllende Skulptur führen diese Schaufenster auf der Vorderseite durch das Leben von Hermann Rorschach, auf der Rück- oder besser Kehrseite durch die Geschichte des Rorschachtests.
Wer sich auf den Rundgang begibt, passiert dazwischen einen Spiegelkorridor. «Es ist eine Passage vom Aussen- zum Innenleben – auch dem eigenen», sagt Iris Blum, die Kuratorin der Ausstellung. «Die Konfrontation mit dem eigenen Spiegelbild bereitet darauf vor, dass man sich nun mit den inneren Bildern, die das Testverfahren abruft, auseinandersetzen wird.»
In den mehr als zwei Jahren, in denen sich Iris Blum mit Hermann Rorschach beschäftigt hat, ist «eine intensive Beziehung mit diesem Mann» entstanden – «nicht nur, weil er ein bisschen aussieht wie Brad Pitt», wie sie schmunzelnd hinzufügt. Attraktiv gefunden hat sie Rorschach nämlich vor allem als Wissenschaftler, als Künstler – und als radikaler Vertreter der Gleichstellung zwischen Frau und Mann. All dies ist auf subtile Weise in die Ausstellung eingeflossen.

**Rorschach, der Feminist**
«Ich bin mir nicht sicher, ob ich es ihm verzeihen kann, dass er einer Studentenverbindung beigetreten ist», sinniert Iris Blum mit Blick auf Rorschachs einschlägige Mütze, in die sein Verbindungsname eingraviert ist: «Klex». Immerhin hat er ausgerechnet an einem Verbindungstreffen ein flammendes Plädoyer für die Frauenemanzipation gehalten. Rorschach setzte sich seit seiner Jugend vehement für die Gleichberechtigung ein – nicht nur im Erwerbs-, sondern auch im Familienleben. Insbesondere in seinem eigenen.
Das illustriert das Schaufenster zu Rorschachs Zeit in Herisau: Vor dem gemalten Hintergrund der Familienwohnung in der Klinik – das Original stammt von Rorschach – bestimmen Puppenmöbel und kleine, bemalte Holztiere die Einrichtung. Angefertigt hat sie Rorschach für seine beiden Kinder in der hauseigenen Schreinerei. Skizzen aus seiner Hand, die ihn beim Baden, Trösten und Spielen mit seiner Tochter zeigen, bekräftigen das Bild eines liebevollen Familienvaters, der auch im Erziehungsalltag zupacken konnte.
Eine egalitäre Rollenteilung mit seiner Frau, der Russin Olga Stempelin, die ebenfalls Ärztin war, liess sich in Herisau indes nicht verwirklichen. Behörden und Anstaltsdirektor verboten ihr die Berufstätigkeit. Das erfährt, wer das Geheimnis der «Olga-Klappe» lüftet: Iris Blum hat sie unauffällig neben verschiedene Schaufenster angebracht. Unter der Klappe verbergen sich biografische Angaben zu Rorschachs Frau und Partnerin. «Der Forschung und Literatur zu Hermann Rorschach ist sie nie mehr als eine Fussnote wert gewesen», sagt Blum.
Dem ist nicht länger so, denn Iris Blum hat Olga Stempelin gleich zwei Beiträge in der Begleitpublikation zur Ausstellung gewidmet. Als Mitherausgeberin ist es ihr ausserdem ein Anliegen gewesen, Olga auch auf der Titelseite sichtbar zu machen.

**Rorschach, der Künstler**
Nebst seiner Tätigkeit als Arzt in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau hat Hermann Rorschach verschiedentlich Theaterstücke mit seinen Patient-Innen eingeübt und aufgeführt, Maskenbälle in der Klinik organisiert und Festplakate gemalt. Sein zeichnerisches Talent findet sich in zahlreichen Ausstellungsstücken belegt, während seine dramaturgische Ader in den einzelnen Schaufenstern augenscheinlich wird: Sie wirken wie kleine Bühnen hinter Glas, auf denen einzelne Stationen von Rorschachs Leben inszeniert und kleine Geschichten dazu erzählt werden.
Über vierzig Schattenfiguren zeugen von Rorschachs Liebe zum Theater. Die Figuren stellen reale Personen aus dem Mikrokosmos der Klinik dar: PatientInnen, Handwerker, PflegerInnen, aber auch der Klinikdirektor und Rorschach selbst sind vertreten. «Leider wissen wir nicht genau, wozu Rorschach seine Schattenfiguren verwendet hat», sagt Blum. «Aber ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass die Figuren nicht eine bestimmte Funktion in Rorschachs Theaterstücken innehatten.» Beeindruckend sind die Figuren nicht zuletzt in ihrer individuellen Lebendigkeit. Rorschach verstand es ausserordentlich gut, Haltung und Bewegung einer Person zu erfassen und zu reproduzieren – sei es mit Zeichenstift oder Pinsel, sei es mit Schere oder Laubsäge.
Einige von Rorschachs Schattenfiguren erwecken die Theaterschaffenden von «Philothea», «Fleisch & Pappe» und «Mafob» im Rahmen der Ausstellung zu neuem Leben: Mit einer halbstündigen Aufführung im Museum stimmen sie jeweils vor den öffentlichen Führungen auf die Ausstellung ein. Iris Blum selbst schreibt an einem eigenständigen Theaterstück mit dem Titel «Herr Rorschach: Ein assoziatives Testspiel in zehn Bildern», das Anfang September Premiere feiern wird – im Krombachsaal der Psychiatrischen Klinik; jenem Ort also, an dem schon Rorschach mit seinen PatientInnen Theater gespielt hat. «Rorschachs Nachlass ist lückenhaft und bietet Raum für Spekulationen. Hier möchte ich anknüpfen und die Geschichten ins Fiktionale weiterspinnen», sagt Blum. «Es gibt zum Beispiel ein Foto von einem angeketteten Affen in der Klinik. Ob Rorschach wohl mit diesem Affen auf Patientenvisite gegangen ist?»

**Rorschach, der Wissenschaftler**
Wie sehr künstlerisches und wissenschaftliches Talent bei Hermann Rorschach ineinanderflossen, kommt in seinen Kleckstafeln – «Klecksografien», wie er sie nannte – zum Ausdruck. Die zehn Tafeln, die noch heute die Testbasis bilden, sind nämlich nicht etwa zufällig beim Beklecksen und Falten von Papier entstanden. Vielmehr hat Rorschach die scheinbaren Zufallsbilder im Verlauf jahrelanger Experimente sorgfältig konstruiert. Eines davon – die Kleckstafel drei – ist in Herisau ausgestellt. Eine Videoinstallation zeigt Hände, welche die Tafel drehen. Die Hörstation davor lädt ein, historischen Assoziatio-nen von Rorschachs PatientInnen aus dem Jahr 1922 zu lauschen. An einer zweiten Hörstation wird nicht nur das Testverfahren erläutert, sondern auch das Verfängliche des Tests beschrieben.
Erste Klecksexperimente führte Rorschach bereits um 1911 während seiner Zeit als Assistenzarzt in Münsterlingen durch – unter anderem mit Schüler-Innen einer Dorfschule. In Herisau hat er dann rund vierzig Klecksbilder hergestellt und zuerst an PatientInnen und PflegerInnen, später auch an Personen ausserhalb der Klinik getestet. «Was könnte das sein?», lautete seine immergleiche Frage. Aufgrund der Antworten hat er die Klecksbilder bis zu einer finalen Serie von zehn Kleckstafeln weiterentwickelt und 1921 unter dem Titel «Psychodiagnostik. Methodik und Ergebnisse eines wahrnehmungsdiagnostischen Experiments (Deutenlassen von Zufallsformen)» veröffentlicht.
Rorschachs Experimente standen nicht im luftleeren Raum, betont Iris Blum. Das Deuten von Zufallsformen – und dazu zählt auch das Kaffeesatz-lesen, wie die Ausstellung zeigt – war im 19. Jahrhundert populär geworden. Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann sich die Testpsychologie zu entwickeln. Alfred Binet, der Vater des Intel-ligenztests, setzte als erster Tintenkleckse ein, um den Fantasiereichtum von Kindern zu überprüfen. Hermann Rorschach ging mit seinem Testver-fahren aber weit über die Klecksversuche früherer Forscher hin-aus, indem er seine Klecksografien so systematisierte, dass sie es ermög-lichten, die gesamte Persönlichkeit eines Menschen zu erfassen.

**Schicksal des Rorschachtests**
Ein Anspruch, der schon damals auf Kritik stiess. Nichtsdestotrotz fand der Rorschachtest, wie er fortan hiess, rasch Verbreitung – vor allem in den USA. Ab Mitte der Dreissiger Jahre setzte dort ein wahrer Rorschachboom ein, obwohl die «Psychodiagnostik» erst 1942 in englischer Übersetzung erschien. Verschiedenste, untereinander konkurrenzierende Schulen entwickelten das Testverfahren von Rorschach weiter. Erst 1974 gelang es John Exner, die besten Ansätze aus diesen Schulen in seinem «Comprehensive System» zu bündeln. Es gilt seither als wissenschaftliches Standardwerk zum Rorschachtest. Auch wenn dieser heute aus verschiedenen Gründen nur noch selten angewandt wird (vgl. Interview in der Printausgabe der WOZ).
Ganz anders als die wissenschaftliche sind die künstlerische und vor allem die populärkulturelle Karriere des Tests verlaufen. Zwar hängt im Museum Herisau kein Warhol. Dafür hat der Künstler Rolf Graf aus dem klebrigen Filzteppich der Ausstellung eine Installation mit Alpsteinsilhouette und Perückenbock geschaffen, die vielfältige assoziative Bezüge zum Rorschachtest erlaubt. Nicht fehlen darf natürlich auch das preisgekrönte Musikvideo von Gnarls Barkley mit dem bezeichnenden Titel «Crazy»: Die Folge von Klecksbildern, die rhythmisch zur Musik entstehen und sich verwandeln, ist als halluzinogene Endlosschlaufe im Halbdunkel eines zusätzlichen Ausstellungsraumes zu bewundern. Dort sind auch weitere Popularisierungsformen des Rorschachtests versammelt: Filme, Comics, Spiele, Kleidungsstücke und vieles mehr.
«Rorschach lauert überall», so das Motto des Raumes. Iris Blum ist überzeugt: «Wenn man erst einmal sensibilisiert ist für die Formen der Kleckstafeln, sieht man sie plötzlich überall. Das visuelle Vermächtnis der Testtafeln lebt weiter – bis hin zu trivialisierten Trash-Objekten.»

**Hermann Rorschach**
Der Schöpfer des Rorschachtests erblickte 1884 in Zürich das Licht der Welt und wusste schon früh, dass er «Irrenarzt» werden wollte. Zwischen 1904 und 1909 studierte er in Zürich, Bern und Berlin Medizin. Bevor er 1915 eine Stelle als Oberarzt in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau antrat, arbeitete er in verschiedenen psychiatrischen Kliniken in der Schweiz sowie in einem Sanatorium in Russland, der Heimat seiner Frau und Arztkollegin.
Die frühesten Versuche mit Klecks-tafeln datieren aus seiner Zeit in Münsterlingen 1911. Bis zu seinem frühen Tod 1922 – er starb an einer Blinddarmentzündung – entwickelte und verfeinerte Rorschach sein «Tolggenexperiment», wie er es nannte, kontinuierlich weiter. 1921 erschien sein Buch «Psychodiagnostik» mit zehn bis dato konstruierten Klecksbildern und einer Beschreibung des damit verbundenen Testverfahrens. Dieses hat als Rorschach-test Weltruhm erlangt.

**Rorschachiade**
Ausstellung: «Komplexe Kleckse – Der Rorschach-Test zwischen Wissenschaft und Magie», Museum -Herisau, 25. April bis 21. Dezember 2008. Aufführungen von «Fleisch & Pappe» und «Philothea», begleitend zu den Führungen. Termine unter www.museumherisau.ch.

Theaterstück: «Herr Rorschach – Ein assoziatives Testspiel in 10 Bildern», Psychiatrisches Zentrum AR Herisau, 5., 12., 13. September 2008.

Buch: Iris Blum, Peter Witschi (HRSG.): «Olga und Hermann Rorschach. Ein ungewöhnliches Psychiater-Ehepaar.» Appenzeller Verlag. Herisau 2008. 144 Seiten. 22 Franken.

#Notizen zu Namen

27. April 2008 | Aus dem Steiner Stadtarchiv

**Nachlass von Dr. Ernst Mettler v/o Silen**

**Brief vom 13.09.1968**
von AH Dr. iur. Hermann Eisenhut v/o Argus (0500)
an AH Dr. iur. Ernst Mettler v/o Silen (0399)
über den Artikel von AH Dr. phil. Samuel Völlmy (0361) im Thaynger Heimatblatt

PDF Brief von Argus an Silen

**«Christopher – Bild einer Jugend»**
von AH Dr. phil. Samuel Völlmy (0361)
Thaynger Heimatblatt 1968

PDF Christopher – Bild einer Jugend

**Programm für das 50. Stiftungsfest vom 3. und 4. Oktober 1908**

PDF Programm des 50. Stiftungsfests

**Handschriftliche Einladung an den Stadtrat von Stein am Rhein vom 28.09.1908**
von AH Heinrich Bächtold v/o Sepia (0315)

PDF Einladung an den Steiner Stadtrat

**Einladung an die Scaphusianer zum 50. Stiftungsfest 1908**
der Scaphusia und der Alt-Scaphusia

PDF Einladung an die Scaphusianer

#Notizen zu Namen

23. April 2008 | Komplexe Kleckse – Der Rorschach-Test zwischen Wissenschaft und Magie

DRS 2
100 Sekunden Wissen
Katharina Bochsler

**Rohrschach-Test**

Hermann Rorschach war Psychiater im psychiatrischen Zentrum in Herisau und Entwickler des legendären, doch heute kaum noch angewendeten Rorschach-Tests.

Hören: Rohrschach-Test (Website Radio DRS)

MP3 Rorschacht-Test (1063 KB)

Schweizerische Ärztezeitung, 2008; 15
Iris Blum

**Olga und Hermann Rorschach im Appenzellerland**

Iris Blum ist wissenschaftliche Archivarin im Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden und Projektleiterin der Rorschach-Ausstellung, Mitherausgeberin der Rorschach-Publikation und Autorin des Theaterstückes «Herr Rorschach – ein assoziatives Testspiel in 10 Bildern».

PDF Museumsbericht in der Schweizerischen Ärztezeitung (957 KB)

Sonderausstellung vom 25. April bis 21. Dezember 2008
Museum Herisau

**Komplexe Kleckse – Der Rorschach-Test zwischen Wissenschaft und Magie**

Die Rorschach-Tafeln mit ihren rätselhaften Formen wurden weltberühmt. Von Singapur bis Herisau kennt man die Kleckse, die an Fledermäuse oder Schmetterlinge erinnern. Wie funktioniert das psychologische Testverfahren? Und wer ist der Schöpfer dieser visuell so anregenden Tintenkleckse?
Die Ausstellung rückt Leben und Werk von Hermann Rorschach (1884-1922) ins Zentrum. Sie zeigt den Erfinder des Tests als Studenten, Russland-Fan, Assistenzarzt, Ehemann, Familienvater, Zeichner, Bastler, Theatermann und Forscher – mit bisher noch nie ausgestellten Objekten. Letzte Station des jung verstorbenen Psychiaters war die Oberarztstelle in der Appenzell-Ausserrhodischen Heil- und Pflegeanstalt Herisau.
Der erste Eindruck der Rorschach-Kleckse als zufällig und schnell hingeworfene Tolggen täuscht – Rorschach suchte lange nach überzeugenden Faltbildern: Der talentierte Mediziner tauschte sich rege mit der Elite der Schweizerischen Psychiatrie aus und testete seine Tafeln über Jahre hinweg an Patientinnen, Patienten und Pflegepersonal, bis er 1921 mit dem Tafelset und der “Psychodiagnostik” an die Öffentlichkeit trat.
Auch wenn das Testverfahren in Europa heute kaum mehr angewandt wird, lauert Rorschach überall. Beinahe magisch angezogen werden Künstlerinnen und Künstler – sie lassen sich von den symmetrischen Tafeln bis heute nachhaltig inspirieren. Einer davon ist der bildende Künstler Rolf Graf. Er zeigt exklusiv ein für diese Ausstellung geschaffenes Werk.
Auch von Kommerz und Trivialität bleiben die Rorschach-Tafeln nicht verschont. So finden die Tintenkleckse bis heute Eingang in Film, Comic, Videoclip und Homemovies. Selbst Boxer-Shorts, Kaffeetassen und Mausmatten aus Amerika sind mit populären Rorschach-Schmetterlingen verziert und stellen den Betrachtenden vor die entscheidende Frage: “What might this be?”

Begleitpublikation: Olga und Hermann Rorschach – Ein ungewöhnliches Psychiater-Ehepaar. Herausgegeben von Iris Blum und Peter Witschi. Erscheint am 24. April 2008.
LinkAppenzeller Verlag

Website Museum Herisau, Sonderausstellung Hermann Rorschach

PDF Bericht der Appenzeller Zeitung von der Eröffnung der Ausstellung (135 KB)

PDF Referat von Iris Blum bei der Ärztegesellschaft AR (35 KB)

PDF Bericht in der «Tüüfner Poscht» vom März 2008 (469 KB)

#Allgemeines

19. April 2008 | Fünf Jahre Pädagogische Hochschule Schaffhausen – eine Zwischenbilanz

Die Pädagogische Hochschule Schaffhausen (PHSH) hat mit dem Wintersemester 2003/2004 ihren Betrieb mit einem ersten Studiengang aufgenommen. Zwischenzeitlich verfügen ihre Diplome über die Anerkennung der EDK. Die Leitung der PHSH arbeitet, gestützt auf den Zusammenarbeitsvertrag mit der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) vom 8. Januar 2003, erfolgreich mit ihrer Zürcher Partnerhochschule zusammen. Diese Kooperation ist Voraussetzung für den Bestand und den Lehrbetrieb der PHSH. Seitens der Exponenten der PHZH wird aber immer wieder betont, dass auch für sie wertvolle Impulse daraus resultieren und dass es sich nicht um eine einseitige Partnerschaft handelt.
Die Verantwortlichen und Dozierenden der PHSH haben sich denn auch mit grossem Engagement für eine gute Positionierung unserer Hochschule innerhalb der Deutschschweiz eingesetzt. Der diesbezügliche Effort ist – beachtet man die vergleichsweise bescheidenen personellen und finanziellen Ressourcen – erheblich und der Erfolg beachtlich. Es darf nämlich nicht übersehen werden, dass sich die Konkurrenzsituation gegenüber den grossen PH im Rahmen der für Hochschulen geltenden Freizügigkeit eher negativ auf die Entwicklung der Studierendenzahlen in Schaffhausen auswirkt. So ist es bis jetzt trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, einen deutlichen Zuwachs an Studierenden zu erzielen. Im Durchschnitt sind insgesamt 71 bis 74 Studierende an der PHSH immatrikuliert, wovon je Studienjahrgang zirka 7 bis 8 Studierende aus anderen Kantonen. Von den jeweils ca. 35 Schaffhauser Studierenden an ausserkantonalen PH sind bis zu zwei Drittel für die an der PHSH nicht angebotene Ausbildung als Sekundarlehrpersonen eingeschrieben.
So weit einige Zahlen. Was gilt es nun für die Zukunft zu beachten? Im letzten Jahr hat die Plenarversammlung der EDK vom «Masterplan Pädagogische Hochschulen» Kenntnis genommen. Er zeigt auf, dass bei der künftigen Aufgabenerfüllung hinsichtlich der qualitativen Aspekte noch beträchtlicher Handlungsbedarf besteht, um die definitive Integration der PH in die Hochschullandschaft zu bewerkstelligen. Nach meiner Beurteilung besteht ein solcher vor allem bezüglich der Schwerpunktbildung im Sinne der Effektivität und der Effizienz. Zudem ist die Forschung und Entwicklung weiter auszubauen, um eine den Anforderungen an eine wettbewerbsfähige Hochschule gerecht werdende forschungsbasierte Lehre anbieten zu können. Dies setzt wiederum in Bezug auf die Dozierenden, den akademischen Mittelbau und die Studierenden eine gewisse Minimalgrösse (ca. 300 Studierende) voraus. Eine weitere Reduktion der Standorte innerhalb der Hochschullandschaft Schweiz und erhebliche zusätzliche Investitionen werden daher unumgänglich sein.
Unser vordringliches Ziel muss es sein, die PH vorzubereiten auf eine erfolgreiche Akkreditierung nach den Bestimmungen des geplanten neuen Hochschulrechts des Bundes. Nur so können wir auch in Zukunft eine qualitativ überzeugende Lehrerbildung anbieten, die internationalen Standards entspricht und die sich nachhaltig positiv auf den Unterricht auswirkt. Die genannte Masterplanung kommt denn auch für das Erziehungsdepartement Schaffhausen einem Auftrag gleich: Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles daransetzen, uns an den Zielsetzungen einer übergeordneten gesamtschweizerischen Hochschulpolitik auszurichten. Das sind wir unseren zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern auch im Kanton Schaffhausen schuldig; darauf haben sie einen Anspruch.


Weitere Artikel zu diesem Thema:

Bequemlichkeit, Prestigedenken, Unehrlichkeit; Zu «Fünf Jahre PHSH – eine Zwischenbilanz», SN vom 19.4.
in: Schaffhauser Nachrichten, Meinungen, 07.05.08; von: Walter Hotz, Schaffhausen.

«Wir wollen unsere Chancen wahren»;
in: Schaffhauser Nachrichten, Region, 14.05.08; von: Walter Joos.

#Allgemeines

17. April 2008 | 230 Kandidaten haben die Aufnahmeprüfung geschafft

Schaffhauser Nachrichten, Region
(as)

Insgesamt haben sich 330 Schülerinnen und Schüler den Examina unterzogen, die den Weg an die Kantonsschule ebnen sollen. Zieht man die Doppelanmeldungen ab, entspricht die Gesamtzahl fast exakt dem Wert des Vorjahres (329). Prozentual weiter gewachsen ist der Anteil jener Schülerinnen und Schüler, die sich für eine naturwissenschaftlich-mathematische Ausbildung interessieren: Dementsprechend beginnen im Spätsommer die meisten Neueintretenden ihre Ausbildung im Ausbildungsprofil N (82). Das gab es seit der Einführung der vierjährigen Maturitätsschule im Jahr 1997 noch nie, wie die Kantonsschule in einer Medienmitteilung schreibt. Die zweitbeliebtes-te Ausbildungsrichtung stellt das musisch-neusprachlich ausgerichtete Profil M dar (62 Eintritte). Auf dem dritten Platz folgt das sprachlich-altsprachliche Profil S mit Latein als Prüfungsfach (43). Weiter gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr die Durchfallquote unter den Prüflingen. Im Profil S beträgt sie noch 18,87 Prozent, im Profil N hingegen bereits 31,67 Prozent. Im Ausbildungsprofil M schliesslich ist fast jeder zweite Prüfling gescheitert (45,61 Prozent). Noch höher liegt die Durchfallquote bei der Fachmittelschule FMS. Von den 112 Kandidatinnen und Kandidaten haben lediglich deren 43 (38,39 Prozent) die Prüfungen bestanden. Dennoch werden im kommenden Sommer wieder zwei erste FMS-Klassen geführt werden können.

#Allgemeines

16. April 2008 | Rauchende Lehrer treffen sich in der Kabine

Schaffhauser Nachrichten, Region
Adrian Schumacher

Geht es nach dem Willen des Ständerats, dürfte das Rauchen in öffentlich zugänglichen Innenräumen – nebst Bars und Restaurants also auch am Arbeitsplatz – landesweit grundsätzlich schon bald untersagt sein. Arbeitgeber könnten ihren Angestellten den Griff zur Zigarette in speziellen Raucherzimmern sowie an Einzelarbeitsplätzen gestatten, sofern diese abgetrennt, besonders gekennzeichnet und mit einer ausreichenden Belüftung versehen sind. Zudem dürften die Kantone noch restriktivere Regeln erlassen, falls sie dies wollen. So wie etwa der Kanton Genf, wo vor kurzem auch Raucherräume verboten worden sind.

Raucherkabine im Lehrerzimmer
Abgesehen von der Gastronomie ist das Rauchen am Arbeitsplatz in Schaffhausen Sache des Arbeitgebers. Der entsprechende Spielraum wird indes unterschiedlich genutzt. Der Grosskonzern Unilever schickt die Raucher seiner rund 700-köpfigen Belegschaft in Thayngen an die frische Luft, wenn diese ihrem Laster frönen wollen. Dort stehen Aschenbecher parat, wie die Medienbeauftragte Anne Zwyssig ausführt. Unilever beteiligt sich auch an der Kampagne “Arbeitsplatz rauchfrei” des Bundesamtes für Gesundheit. Ähnlich verfährt die Cilag AG, die schon seit 1996 ein Nichtraucherunternehmen ist. Auch dort müssen die Raucher nach draussen. Freiheitlich ist das Rauchen in der öffentlichen Verwaltung geregelt. So existieren für die Stadt keine schriftlichen Erlasse, wie Stadtschreiber Christian Schneider erklärt. Der Stadtrat habe lediglich die mündliche Weisung herausgegeben, dass in Räumen mit Publikumsverkehr und an Arbeitsplätzen, wo mehrere Mitarbeiter im gleichen Raum arbeiten, nicht geraucht werden soll.
Geradezu antizyklisch zur hitzigen Raucherdiskussion auf Bundesebene verhält sich die Kantonsschule Schaffhausen: Für die rund zehn Prozent Raucher unter den Lehrern gibt es seit August 2007 eine offene Raucherkabine im Lehrerzimmer. Diese arbeitet so zuverlässig, dass die Nichtraucher am angrenzenden Bartisch nicht vom Qualm ihrer Kollegen belästigt werden. Vor zwei Jahren sei das Thema Rauchen an der Lehrerkonferenz diskutiert worden. Dabei hätte sich die Mehrheit gegen ein Rauchverbot im Lehrerzimmer ausgesprochen, sagt Rektor Urs Saxer. Da sich eine Minderheit durch den Rauch belästigt gefühlt habe, habe man über die Anschaffung der Kabine diskutiert. Nach einer vierwöchigen Probephase seien alle, auch die anfänglich zum Teil skeptischen Raucher, überzeugt gewesen. Doch hat die Eintracht auch ihren Preis: Für die geleaste Raucherkabine wendet die Schule jährlich 10 000 Franken aus dem Budget auf. Saxer kontert die entsprechende Kritik mit dem Verweis auf seine Verantwortung als Arbeitgeber. “Für die Lehrer ist der gegenseitige Austausch sehr wichtig. Hätte ich das Rauchen im Lehrerzimmer verboten, wäre zwangsläufig irgendwo draussen ein zweiter Treff entstanden, was die Kommunikation erschwert hätte.” So gesehen sei die Raucherkabine auch eine Investition in die Nichtraucher, die im übrigen mit der Erziehungsdirektorin Rosmarie Widmer Gysel abgesprochen worden sei. Schüler dürfen vor der Schule in einem klar bezeichneten Rechteck rauchen, so Saxer. “Die Kantonsschule nimmt ihren pädagogischen Auftrag ihnen gegenüber wahr.” Gegenüber den Lehrern existiere ein solcher nicht.


Weitere Artikel zu diesem Thema:


Rauchen an der Kantonsschule – zwischen Ein- und Ausgrenzung;
in: Personal-Zeitschrift der Verwaltung des Kantons Schaffhausen, Erziehungsdepartement; von: Urs Saxer, Rektor.
Mitteilungen | Pressespiegel | 1. Februar 2005

Ob es auch noch für ein paar Havannas reicht?;
in: Schaffhauser Nachrichten, Meinungen, 19.04.08; von: Hansjürg Ogg, Schaffhausen.

Der Vorwand stinkt zum Himmel;
in: Schaffhauser Nachrichten, Meinungen, 26.04.08; von: Elisabeth Walter, Schaffhausen.

Kanti Schaffhausen: Jährlich lösen sich 10’000 Franken in Rauch auf;
in: Schaffhauser Bock, Federfrei, 12.08.08; von: David Schöttli.

#Notizen zu Namen

5. April 2008 | Kochrezept

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Von Florian Keller, Kantonsrat

Ein Spanferkel vom Metzger, etwa 15 Kilo, reicht für gut 20 Personen. Die Haut an Rücken und Schinken am Vorabend carréeförmig einschneiden und das ganze Ferkel grosszügig marinieren. Vorsicht: Nur die Haut einschneiden, nicht das Fleisch. Für die Marinade 1 Liter Olivenöl, 200 Gramm flüssigen Bienenhonig und eine Knolle Knoblauch vermengen, kräftig würzen und diverse Kräuter wie Rosmarin, Salbei, wilden Oregano oder Thymian gehackt beifügen. Das Spanferkel über Nacht in der Hälfte der Marinade einziehen lassen. Am nächsten Morgen dem Ferkel einen Apfel ins Maul stecken, den Bauch mit einem Busch Rosmarin füllen und aufspiessen. Wichtig ist, dass das Gewicht gut um den Spiess verteilt ist, sonst beginnt es irgendwann zu leiern. Das Spanferkel muss jetzt rund zehn Stunden lang über einem Glutenbett gegrillt werden. Dabei die Haut ständig mit Marinade, Honig und Bier bestreichen. Ab und zu einen Schluck Bier in den Bauch verhindert Austrocknung. Ab und zu einen Schluck Bier für den Grillmeister hält auch diesen bei Laune.

#Allgemeines

5. April 2008 | Es geht auch ohne Exzesse

Schaffhauser Nachrichten, Region
Adrian Schuhmacher

Suchtprävention wird an der Kantonsschule Schaffhausen schon seit mehreren Jahren betrieben. So wurden unter der Führung von Sportlehrer Boris Benziger früher Informationsveranstaltungen für die Lehrpersonen durchgeführt, und letztes Jahr zeigte ein Arzt der Forell-Klinik den Schülern die negativen Konsequenzen des Suchtmittelkonsums auf. Für gestern wurde im Rahmen des Aktionstages «Jugend und Suchtmittel» ein anderes Vorgehen gewählt. Um den rund 190 Erstklässlern einen gesundheits- und verantwortungsbewussten Umgang mit Suchtmitteln zu vermitteln, griff die Schule auf das andernorts bestens bewährte Beratungsangebot der Firma ckt GmbH zurück. Das unter dem Patronat des Schweizerischen Studentenvereins SchwStv. stehende Präventionsprogramm wird jährlich an rund 100 Berufsschulen und Gymnasien durchgeführt und findet bei den Zielgruppen grossen Anklang.
Für Rektor Urs Saxer ist klar: «Präventionsarbeit bringt nur etwas, wenn sie interaktiv angelegt ist, sprich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Erfahrungen aktiv miteinbezieht.» Dieser Forderung wurde die Veranstaltung gestern gerecht. Um alle Teilnehmer auf den gleichen Wissensstand zu bringen, informierte Beat Hardmeier, Oberarzt in Anästhesiologie am Spital Lachen/SZ, im Rahmen eines Referats zunächst über psychoaktive Substanzen und ihre Wirkungen. Danach durchliefen die Schüler vier Workshops, die jeweils an Wettbewerbe mit attraktiven Preisen gekoppelt waren. Eventmanager Marcel Mauerhofer zeigte den Jugendlichen Wege auf, wie man private Partys feiern kann, ohne dass diese in Alkoholexzesse ausarten müssen. «Mit ein Hauptgrund einer Party ist das Kennenlernen einer Person oder einer Personengruppe», sagt Mauerhofer. Sein Rezept ist denkbar einfach: Mit Hilfe einfacher Spiele kann ein Veranstalter seine Gäste untereinander in Gespräche verwickeln und sie dazu bringen persönliche Hemmschwellen abzubauen. «Wer nicht still in der Ecke sitzt und sich langweilt, der trinkt auch weniger.» Der Workshop der Fachstelle ASN zum Thema «Alkohol- und Drogenprävention im Strassenverkehr» zeigte mit Hilfe eines Echtauto-Fahrsimulators der neuesten Generation auf, wie gravierend sich Alkohol auf den individuellen Fahrstil auswirkt. In der Funky-Bar erhielten die Teilnehmer schliesslich Ideen für alkoholfreie Cocktails, die man Gästen, die mit dem Auto an die Party gekommen sind, anbieten kann. Peter Würsch von der IKM Guggenbühl AG erarbeitete mit den Schülern anhand von Beispielen zum Thema «Vom Genuss und seinen Schattenseiten» Massnahmen und Vorsätze aus, wie man allfälligen Suchtgefahren begegnen kann. Und André Duttli (Basler Versicherungen) führte den Jugendlichen in einem Referat mit anschliessender Gruppendiskussion die Folgen eines Unfalls vor Augen.

#Allgemeines

2. April 2008 | EBK begrüsst Marcel Ospels Abgang

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Michael Brunner

Es war ein Zufall, dass die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) just gestern ihre Jahresmedienkonferenz abhielt. Doch entsprechend stand die Situation bei der UBS mit den jüngsten riesigen Abschreibungen und dem Abgang von UBS-Chef Marcel Ospel im Vordergrund. Dabei sprach sich die EBK mit überraschend klaren Worten für Ospels Abgang aus, nachdem sie vor kurzem seinen Verbleib noch befürwortet hatte. «Wir begrüssen den Entscheid», sagte EBK-Direktor Daniel Zuberbühler gestern. «Man kann nicht ewig weiterfahren mit immer neuen Abschreibern und Rekapitalisierungen.»
Die Deutlichkeit der Worte lässt vermuten, dass die EBK Druck gemacht hat. EBK-Präsident Eugen Haltiner wollte solche Vermutungen weder bestätigen noch dementieren: «Wir haben eine Beurteilung vorgenommen und der Bank unsere Überlegungen mitgeteilt.» Er zeigte sich überzeugt, dass mit dem personellen Wechsel für die UBS eine Chance verbunden sei.
EBK weist Schuld von sich
Darüber hinaus war die EBK-Spitze sichtlich bemüht, die Situation bei der UBS nicht zu dramatisieren. Die Bank sei stabil, und es habe nie die Gefahr eines finanziellen Zusammenbruchs bestanden. Aber die Beschaffung von neuem Eigenkapital sei dennoch nötig gewesen. Mittelfristig will die EBK die Zielgrösse für den Anteil an Eigenkapital erhöhen. Jetzt in der Krise sei dies aber nicht möglich.
Ob der aktuellen Entwicklung rückte die Frage, welche Schuld die EBK daran trägt, dass auch die beiden Schweizer Grossbanken Opfer der Kreditkrise wurden, etwas in den Hintergrund. Immerhin ist die EBK dazu da, allen Schweizer Banken auf die Finger zu schauen. Die EBK sei wie alle anderen Aufsichtsorgane von der Kreditkrise überrascht worden, sagte Zuberbühler. Und als sie reagiert habe, sei es schon zu spät gewesen. Dass die UBS weltweit von der Kreditkrise am stärksten betroffen sei, könne man nicht der EBK anlasten. Immerhin sei die CS verhältnismässig glimpflich davongekommen. «Die EBK hat nicht besser und nicht schlechter agiert als ihre viel grösseren angelsächsischen Schwesterbehörden.» Die EBK sei aber stark von den Kontrollen der Banken abhängig.

#Allgemeines

20. März 2008 | Von der Schulbank direkt auf die Musicalbühne

Schaffhauser Nachrichten, Region
Viola Bauer

Viel Applaus hat am Montag- und Dienstagabend das Musical «Yolanda» der Maturandinnen Amanda Moor und Zippora Schmidt bei seiner Premiere im ParkCasino geerntet. Und der war wirklich verdient. Ein Jahr lang haben die beiden Schaffhauser Kantonsschülerinnen an dem Musical gearbeitet: die Handlung konstruiert, Dialoge geschrieben, Lieder komponiert, Choreographien einstudiert, Schauspieler und Band gecoacht, Regie geführt, für Licht und Technik gesorgt, Kostüme und Requisiten organisiert, Sponsoren gesucht – die Liste scheint schier endlos. Und nicht zuletzt haben die Maturandinnen auch noch die Hauptrollen in ihrem Musical selbst übernommen. «Man lernt seine Freizeit wieder zu schätzen», meint Amanda Moor, denn davon hatten sie nach eigenen Angaben im letzten Jahr nicht mehr viel.
Begonnen hat alles spasseshalber, als «Witz», wie die zwei jungen Frauen meinen. Lehrer hätten sie zwar vor dem Arbeitsaufwand «gewarnt», aber die musicalfaszinierten Schülerinnen wollten ihre Idee umsetzen. In Anlehnung an Disneys Märchenwelt und die Geschichte von «Die Schöne und das Biest» wollten sie ein modernes Märchen schreiben. Und das ist ihnen gelungen. Klischees von einer oberflächlichen Aufrechterhaltung von Ruhm und Glanz kommen ebenso vor wie der «gefallene» Manager, der sein ganzes Vermögen mit Aktien verspekuliert hat. Auch humoristische Pointen fehlen nicht, wie etwa wenn der junge «Möchtegern-Mittelpunkt-Mann» zu seinen Freunden und Frauen im Stück meint: «Kommt her zu mir, ich bin der Geilste hier!» Oder auch die neckische Aussage des verwöhnten Sohnes aus reichem Hause zur jungen Putzfrau: «So, du bist wieder einmal putzmunter!»
«Wir wollten schon Gesellschaftskritik üben und zum Nachdenken anregen. Im Stück ist alles recht überspitzt dargestellt», so Schmidt. Auch die Gesangseinlagen der jungen Hauptdarsteller, mit teilweise gewagt hohen Tönen, zeigen Potential, aber auch Mut. Gut inszeniert sind auch die Ballettchoreographien, etwa hinter der Schattenwand. Mitgewirkt haben 35 Kantonsschüler und Freunde der beiden Musicalschreiberinnen. Einmal in der Woche und öfter haben sie in letzter Zeit gemeinsam geprobt.
Mit so viel Arbeit und mit «so viel Zeug zusätzlich» wie den ganzen Organisationsarbeiten haben Moor und Schmidt am Anfang nicht gerechnet. «Es hat schöne Momente gegeben, aber auch oft den Punkt: Wie soll es weitergehen? Aber das Ganze war eine gute Erfahrung und hat Freude gemacht», blickt Moor auf ihr Musicalprojekt zurück. Und auch Schmidt zeigt sich jetzt nach den gelungenen Aufführungen erleichtert: «Es freut einen schon, dass das Stück etwas geworden ist.» Eine wirklich herzeigenswerte Maturaarbeit.

#Notizen zu Namen

19. März 2008 | Ferien-Fotowettbewerb der Schaffhauser Nachrichten

Schaffhauser Nachrichten, Region

Einen Monat lang nutzten die SN-Leser die Gelegenheit, ihre schönsten Ferienbilder einzusenden. Letzte Woche hat die Redaktion nun aus den rund zweihundert eingegangenen E-Mails, MMS und Briefen die drei Gewinner ziehen dürfen. Die Sieger trafen sich am Montagmorgen zur Preisübergabe. Den 1. Prei, einen Pro-City-Gutschein im Wert von 400 Franken, sicherte sich Anneke Schuster aus Stetten. Ein Pro-City-Gutschein über 200 Franken ging an Claudia Böhni aus Stein am Rhein und an Sarah Ott aus Buch. Über den dritten Preis, einen Pro-City-Gutschein über 100 Franken, darf sich Manfred Trächsel mit seinem Enkel Florentin freuen.

#Aktivitas

16. März 2008 | Knaben dürfen unter sich sein

Neue Zürcher Zeitung
Suzette Sandoz

Es gibt die alte Tradition der studentischen Verbindungen, etwa Zofingia, Helvetia, Germania. Ebenfalls nach alter Tradition standen diese Verbände nur Knaben offen. Dafür gab es verschiedene Gründe. Während Jahren galt dies auch für Wohltätigkeitsklubs wie den Rotary.
Aus Gründen der Gleichheit wurde der Rotary zu einem gemischten Klub, das heisst, er musste weibliche Mitglieder zulassen. Einige Studentenverbindungen sind inzwischen ebenfalls gemischt. Nun habe ich kürzlich erfahren, dass die Universität Lausanne verschiedenen Studentenverbindungen eine kleine finanzielle Unterstützung gewährt, sie aber jenen verweigert, die nicht gemischt sind. Warum denn, um Himmels willen? Steht das Bedürfnis, sich nur «unter Knaben» treffen zu wollen (oder nur «unter Mädchen», wenn Verbindungen nur für Studentinnen geschaffen würden), wirklich im Widerspruch zum Prinzip der Gleichheit? Muss man den Nachweis einer homosexuellen Gemeinschaft erbringen, um das Recht zu haben, eine Vereinigung, die nur Knaben oder Mädchen vorbehalten ist, zu gründen oder zu erweitern?
Gewiss, es ist oft gesagt worden – und es stimmt –, dass diese studentischen Verbindungen zukünftige berufliche oder politische Netzwerke sind und folglich den Mädchen dieselben Chancen bieten sollten. Aber was hindert denn die Studentinnen daran, eine eigene Vereinigung oder ein eigenes Netzwerk zu schaffen, auch ein gemischtes, wenn sie es wollen? Mit welchem Recht sollten sie die Netzwerke der anderen nutzen dürfen?
Mein Grossvater, sein Sohn, viele meiner Freunde und ihre Söhne waren oder sind Mitglieder der einen oder anderen studentischen Verbindung. Wenn ich ihren Erzählungen über Begegnungen in ihrer Jugend, über ihre Streiche und Diskussionen zuhöre, wird mir bewusst, wie wichtig es manchmal für junge Leute ist, sich in einem bestimmten Rahmen «unter Knaben» zu entspannen. Machen wir uns nichts vor. Die Spasskultur und der Alkoholkonsum sind bei Mädchen und Knaben unterschiedlich. Und nach alter Tradition organisieren die Mitglieder von (männlichen) Verbindungen einen Ball oder eine Party, zu denen die Studentinnen eingeladen werden. Da herrscht eine andere Stimmung; jeder vergnügt sich.
Die Gesellschaft ändert sich. Mag sein, dass neue, gemischte Verbindungen geschaffen werden, die einen anderen Zweck verfolgen als nicht gemischte Verbände, deren männlicher Charakter historisch begründet ist. Aber um Himmels willen, welches Verbrechen begehen denn Personen, die unter sich bleiben wollen? Macht die Gleichheit aus dem Wunsch, sich unter seinesgleichen zu treffen, ein Verbrechen? Nichts ist mit der Freiheit derart unvereinbar als der Druck, der auf die privaten Vereinigungen ausgeübt wird, um sie im Namen eines zerstörerischen Einheitsgedankens zu zwingen, ihren – durchaus legitimen – Charakter zu ändern.
Im Übrigen sollten die Universitätsbehörden keiner einzigen Studentenverbindung finanzielle Unterstützung gewähren, denn diese Verbände stellen kein eigentliches akademisches Interesse dar. Schockierend ist nicht die Tatsache, dass rein private Vereinigungen nicht gemischt sind, sondern dass öffentliche Gelder für rein private Zwecke bereitgestellt werden.
Aber Geld stinkt bekanntlich nicht. Den Universitäten wurden aufgrund des Bundesrechts bis zu 48 000 Franken pro angestellte ordentliche Professorin bezahlt. Man wird sich gewiss an den Mut von Professor Andreas Auer, dem ehemaligen Dekan der Rechtsfakultät der Universität Genf, erinnern, der im Jahre 2001 oder 2002 diese Ausgleichszahlung abgelehnt und erfolgreich verlangt hatte, sie für ein Kolloquium über die Verfassungsmässigkeit der Zahlung einzusetzen.
Wenn die Gleichheit als Vorwand benutzt wird, um die legitime Wahlfreiheit einzuschränken, fällt die Kultur in den Obskurantismus zurück. Und die Verantwortung dafür wird man am Ende den Frauen aufbürden.
Machen wir uns nichts vor. Die Spasskultur und der Alkoholkonsum sind bei Mädchen und Knaben unterschiedlich.

#Notizen zu Namen

15. März 2008 | Michael Sattler und die Wiedertäufer – Märtyrer oder Fanatiker

Schaffhauser Nachrichten, Medien, Journal

**Yves Keller von Radio Munot mit bester Diplomarbeit**

Das knapp 40 Minuten lange Radio-Feature «Michael Sattler und die Wiedertäufer – Märtyrer oder Fanatiker? Eine Spurensuche» von Radio-Munot-Redaktor Yves Keller war die beste Diplomarbeit des zweijährigen Diplomkurses, der kürzlich am Medienausbildungszentrum (MAZ) zu Ende ging. Kellers Arbeit über den Täufer Sattler, der im 16. Jahrhundert auch in Schleitheim wirkte, erhielt die Bewertung A («hervorragend»). Vor zwei Jahren war bereits die Diplomarbeit von Radio-Munot-Redaktorin Nathalie Thomann als beste des Kurses ausgezeichnet worden.

#Allgemeines

6. März 2008 | «Bonisystem muss sich ändern»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Hans-Caspar-Ryser

«Finanzmärkte in Bewegung»: So lautete der schon beinahe trivial anmutende Titel des von allen mit Spannung erwarteten Referats von Konrad Hummler, Privatbankier von Bank Wegelin und Mitglied des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank, zur momentanen Finanzkrise in den USA. Jürg Weber konnte denn auch wiederum «ein volles Haus» zur traditionellen Wirtschaftsdebatte der Handelsschulverbindung Commercia Schaffhausen im Kulturklub des Haberhauses begrüssen.

**Kein Blitz aus heiterem Himmel**
Lange habe Konrad Hummler mit seinen frühzeitigen Warnungen bezüglich der sich abzeichnenden Fehlentwicklungen im amerikanischen Hypothekengeschäft als Rufer in der Wüste gegolten, betonte Jürg Weber in seiner Vorstellung des Referenten. «Von der Aktualität her gesehen liegen wir mit unserem Debattenthema wieder einmal goldrichtig.»
Die US-Kreditkrise sei wahrhaftig kein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Damit leitete Konrad Hummler zu seinen Ausführungen zu diesem noch lange nicht ausgestandenen Thema über. So zeigte er auf, wie sich seit 2003 im US-Hypothekengeschäft der Anteil von Hypotheken mit ungenügender Deckung, sogenannten «Subprime-Hypotheken», laufend erhöhte und mit über 1500 Milliarden Dollar gemessen am Gesamtvolumen von 3000 Milliarden bereits Ende 2006 einen Höchststand erreicht hatte. Den Grund für diese Entwicklung ortete er in der Attraktivität des Geschäftes: Für einen Investmentbanker sei es natürlich besonders attraktiv, mit Krediten, die nichts wert sind, lukrative Geschäfte in Form von in Wertpapieren verbrieften Hypotheken zu tätigen. Solche Geschäfte hätten es unter dem Begriff «Carry-Trade» zu unrühmlicher Bekanntheit gebracht.
Bei der UBS habe der Verwaltungsrat 2004 beschlossen, das Risikomodell der Bank zugunsten solcher «Carry-Trade-Geschäfte» anzupassen. Ganz nach dem Motto «zu gross, um zu fallen» seien die Risikoprämien immer mehr gefallen und hätten die UBS zu solch riskanten Geschäfte animiert.
Mit einem Blick in die Zukunft meint Hummler, dass die Krise noch nicht ausgestanden sei und dass sich die USA bereits in einer Rezession befänden. Er forderte eine strikte Trennung des sicherheitsrelevanten Anlagegeschäftes vom risikoreichen Investmentgeschäft, um das Vertrauen nicht weiter zu strapazieren. «Das Bonisystem muss sich grundsätzlich ändern», forderte er als weitere Massnahme.
Das Co-Referat von Lorenz Leuzinger sowie die Fragen von Martin Schläpfer und aus dem Publikum parierte der Privatbankier mit Bravour.

#Notizen zu Namen

4. März 2008 | Schlechtere Schüler trinken tendenziell mehr

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

«Die Diskussion in den Medien hat mich aufgeschreckt», erklärt Florian Theiler. Immer wieder sei von Komasaufen die Rede gewesen und von einer Generation von Rauschtrinkern. Das habe sein Interesse am Thema geweckt, «ich wollte etwas über den Alkoholkonsum von Jugendlichen in Erfahrung bringen». Er selbst sei passionierter Ausgänger und trinke auch gerne einmal etwas. Insofern wolle er auch nicht den Moralapostel spielen, vielmehr habe ihn interessiert, wie die Situation tatsächlich sei.
Um dies herauszufinden, hat er bereits in den Sommerferien 2007 einen Fragebogen entworfen, den er an alle Kantonsschüler verteilt hat. Von den rund 650 ausgeilten Fragebögen kamen 322 auswertbare zurück, die er dann «in sehr aufwendiger Arbeit» ausgewertet hat. Besonders interessiert hätten ihn die Fragen, wie das Trinkverhalten den Kantonsschülerinnen und -schüler generell aussehe, wann, wo und weshalb sie konsumierten und wie es sich mit dem exzessiven Konsum verhalte.
Ein zu erwartender Zusammenhang habe sich zwischen Alter und Trinkverhalten gezeigt. «Ältere Schüler trinken häufiger und mehr.» Dabei gebe es einen markanten Anstieg vom 16. zum 17. Lebensjahr, die Frage der Legalität des Trinkens scheine für den Konsum eine Rolle zu spielen. «Ausserdem gehen die Älteren auch mehr in den Ausgang, wodurch der Konsum ebenfalls ansteigt.» Denn für immerhin 50 Prozent der Befragten gehört Alkohol nach eigenen Aussagen zum Ausgang dazu. Eine interessante Korrelation konnte Theiler zwischen der schulischen Leistung und dem Alkoholkonsum aufzeigen: «Je schlechter die Schulnoten sind, desto mehr und häufiger trinken die Schüler.»
Generell habe sich in seiner Untersuchung gezeigt, dass der Grossteil der Kantonsschüler nicht in übertriebenem Masse zur Flasche greife. Einige Ergebnisse seien aber schon erschreckend gewesen. «Ich finde es krass, dass 29 Prozent der Befragten angegeben haben, sie würden bisweilen trinken, um den Alltag zu vergessen.» Auch in Bezug auf die Trinkhäufigkeit fördert Theilers Arbeit Bemerkenswertes zutage. So sagten 17 Prozent der Schüler, sie würden zwei- bis dreimal pro Woche Alkohol konsumieren. Unter den männlichen Jugendlichen sind es sogar 26 Prozent. Und immerhin 3 Prozent gaben an, sich zwei- bis dreimal pro Woche einen Rausch anzutrinken.
Insgesamt habe ihm das Verfassen einer eigenen Arbeit trotz des Aufwands viel Spass gemacht, «schade ist nur, dass sie nicht für die Maturnote zählt».

**Zur Person**

Florian Theiler
Alter: 18
Wohnort: Buchthalen
Nach der Matura:
Zwischenjahr mit Sprachaufenthalt, danach geisteswissenschaftliches Studium.
Titel der Maturaarbeit:
Jugend und Alkohol. Eine Analyse des Trinkverhaltens der Kantonsschülerinnen und -schüler.
Fachbereich: Deutsch

#Alt-Scaphusia

4. März 2008 | Todesfall

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschiede unseres lieben Farbenbruders

Prof. Dr. iur. em. Universität Bern Rolf Bär v/o Lux

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Gedenkfeier findet am kommenden Freitag, 07. März 2008 um 11.00 Uhr in der Nydeggkircher in Bern statt.

Die studentische Totenehrung findet am Mittwoch, 26. März 2008 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

#Allgemeines

1. März 2008 | Zurück in alter Pracht und Schönheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Martin Schweizer

Nun hängen sie wieder, die drei riesigen Helgen aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurden in den letzten Monaten nacheinander in minutiöser Feinarbeit restauriert. Gestern Freitagnachmittag kam mit «Diogenes und Alexander dem Grossen» nun auch das dritte Bild aus dem Exil zurück. Frisch, strahlend, in neuem Glanz.
Es geschah am helllichten Tag und ohne Bodyguards: «Diogenes» wurde in einem kleinen Lieferwagen vom Atelier der Neuhauser Restauratorin Barbara Bührer nach Schaffhausen transportiert und problemlos in die Rathauslaube gehievt.

**Keine Angst vor Räubern**
Vor Kunsträubern musste man sich nicht in Acht nehmen. Denn die drei Historienbilder mit Szenen aus der Antike kann man sich nicht einfach unter den Arm klemmen. Dafür sind sie mit bis zu drei Metern Höhe und Breite zu gross und zu schwer.
‘ ‘Entwarnung auch sonst: Der Versicherungswert ist, entsprechend dem künstlerischen Status, bescheiden, mit einem Cézanne, Monet, van Gogh oder Degas sind die Bilder nicht zu vergleichen. Vor allem aber: Die drei Bilder in der Rathauslaube sind nicht signiert, bis heute weiss man nicht wirklich, wer sie gemalt hat.

**Unter den «besten Künstlern»**
Zugeschrieben werden die «Keuschheitsprobe», der «Kranke Königssohn» und der «Diogenes» dem Kunstmaler Johann Martin Veith, der von 1650 bis 1717 lebte. Ihm traut man die Schaffung der monumentalen Werke zu. Aber es ist nur eine Vermutung, die allein auf Johann Caspar Füssli zurückgeht, der dem Schaffhauser Veith einen «Rang unter den besten Schweizer Künstlern seiner Zeit» zuwies. Das war im Jahre 1769, seither gibt es kaum neue Erkenntnisse. Nur eine von Stadtarchivar Peter Scheck gefundene Randnotiz im Genealogischen Register aus dem 18. Jahrhundert, die.allerdings pikant ist.

**Reisen und Heirat**
Danach wurde Johann Martin Veith wohl als «ausgezeichneter» und «berühmter» Künstler bezeichnet, indessen hätten sich «ein leichtes Weib und viele zum Theil ungerathene Kinder schädlich auf seine Arbeit» ausgewirkt. Der Mann heiratete mit 37.Jahren Elisabetha Ott und hatte mit ihr acht Kinder.
Bevor er sich definitiv in seiner Vaterstadt niederliess, hielt sich Veith offenbar während zehn Jahren zu Studienzwecken in Rom und Venedig auf, danach in Warschau beim Fürsten Radizwill.
Im Depot des Museums zu Allerheiligen lagern heute noch weitere elf Bilder, vorwiegend Porträts, die vermutlich von Veith stammen. In der Kunstsammlung Biel befindet sich zudem ein Veith-Oeuvre aus der Collection Reder, ein Stillleben mit «Wildente und Eierkorb».

**Kaum mehr lesbar**
Die drei Bilder, die seit Jahrzehnten in der Rathauslaube hingen und dort verstaubten, waren verschmutzt und kaum mehr lesbar, als Barbara Bührer vor Jahresfrist im Auftrag des Kantons mit der Restaurierung begann.
Die Malerei lag unter stark verbräunten, dicken Firnisschichten. Teile der originalen Farbschichten, etwa der Himmel oder Köpfe, Arme und Hände, waren bei früheren Behandlungen übermalt worden.
Restauriert wird heute in der Regel konservierend mit kleinen Eingriffen, vergleichbar vielleicht mit einer minimal-invasiven Schönheitschirurgie. Hier aber war eine tiefgreifende Reinigung angezeigt. Eine spannende Arbeit auch für die auf Restaurierungen von Gemälden spezialisierte Barbara Bührer. Denn auf einmal kommt unter den Händen der Restauratorin eine vordem verdeckte Figur oder – wie beim «Diogenes» – ein Hund mit grossen Augen zum Vorschein.
Schicht um Schicht musste Bührer die zuletzt vor 85 Jahren behandelten Bildoberflächen mit Lösungsmitteln von Lackschichten und Dreck reinigen, retouchieren, Löcher kitten und schliesslich neu firnissen. In einem erstaunlich soliden Zustand waren dagegen die immerhin dreihundert Jahre alten und aus mehreren Bahnen zusammengenähten Leinwände.
An der Restaurierung eines Bildes arbeitete Barbara Bührer in ihrer Werkstatt an der Zentralstrasse jeweils wenig mehr als hundert Stunden, bei einem Rahmenkredit des Kantons von insgesamt 40000 Franken.

**Geschenk der Brauerei**
Die jetzt restaurierten Bilder hingen bis 1923 im Hotel «Schiff» am Freien Platz, ehe sie als Geschenk der Brauerei Falken an den Kanton in die Rathauslaube kamen. Die Herkunft aus dem «Schiff» gibt neue Rätsel über die Autorenschaft der Bilder auf. Denn das Gasthaus ging anno 1689 für lange Zeit an die bekannte und sehr musisch veranlagte Bürgerfamilie Deggeller, weit herum berühmt damals durch Kantor Hans Caspar Deggeller. Drei Deggeller-Brüder waren in jener Zeit tatsächlich auch Kunstmaler. Verwirrlich nur: In der Familiengeschichte taucht plötzlich auch wieder der Name Veith auf.

**Spurensuche geht weiter**
Dass ein Deggeller die Historiengemälde in der Rathauslaube gemalt hat, erwähnt in einer 1926 erschienenen Schrift allerdings auch Enrico Wüscher-Becchi. Hanns Deggeller wiederum, der die Spurensuche aufrechterhält, vermutet ebenfalls einen Zusammenhang mit seiner Familie; der 90 jährige Zünfter zimmert seit Jahren an einem Stammbaum, der ihn schon um die halbe Welt gebracht hat.
Ausschliessen mag auch Barbara Bührer nicht, dass es ein Deggeller war, der als Maler in Frage kommt. Noch wichtiger aber für die Spezialistin: Abgesehen von einer gewissen Alterung leuchten die Bilder nun wieder in orginalgetreuen Farben, die Restauratorin darf sich zu Recht über die abgeschlossene Arbeit freuen.

**Historienmalerei**

**Drei alte Ölbilder restauriert**
Herkunft Die drei extrem grossen Ölbilder mit den Titeln «Keuschheitsprobe», «Geschichte vom kranken Königssohn» und «Besuch Alexanders des Grossen bei Diogenes» aus dem 17. Jahrhundert stammen vermutlich vom Schaffhauser Kunstmaler Johann Martin Veith (1650- 1717). Sicher ist es nicht, da die Gemälde nicht signiert sind. Bis 1923 hingen die Bilder im Hotel «Schiff», seither in der Rathauslaube und dort in der Umgebung vieler Porträts von Bürgermeistern mit klingenden Namen aus dem 17. und dem 18. Jahrhundert, zu sehen sind unter anderem Tobias Holländer, der, Franz von Meyenburg, Melchior Hurter, Christoph Schalch, Nikolaus Wüscher. Ausser der Reihe: Johannes Rietmann (1679- 1765), seines Zeichens General in sardischen Diensten. Die Rathauslaube ist mit Ausnahme von Samstag und Sonntag öffentlich zugänglich.