#Allgemeines

5. September 2011 | Die Meister des Schweizer Biers in Schaffhausen

Schaffhauser Nachrichten
Nora Cetin

Was braucht es, um ein gutes Bier zu brauen? Erstens: Gerstenmalz oder andere stärkehaltige Rohstoffe, vor allem Getreide wie Weizen, Roggen, Mais, Reis, Hafer, Dinkel oder Emmer, aber auch Zutaten wie Kastanien oder Datteln eignen sich. Zweitens braucht man Hopfen. Er sorgt nicht nur durch seine edlen Aroma-, Bitter- und Gerbstoffe für den angenehm bitteren Geschmack eines Bieres, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf die Haltbarkeit und die Schaumbildung des Getränks.
Entscheidend ist drittens für ein gutes Bier: Wasser. Für helles Bier wird im Normalfall weiches Wasser eingesetzt, für dunkle Biere kann auch härteres Wasser verwendet werden. Und viertens wäre da noch die Hefe. Sie hat wesentlichen Anteil am Charakter und Geschmack eines Bieres. All diese Inhaltsstoffe braucht es, um ein gutes Bier zu brauen. Aber all diese Zutaten wären verschwendet, wäre Hopfen und Malz verloren, wenn es da nicht den Braumeister geben würde, der mit diesen Zutaten zu arbeiten weiss. Um ein gutes Bier zu brauen, braucht es einen guten, einen erfahrenen Braumeister.

**Lebenselixier Bier**
Von überall aus der Schweiz waren die Mitglieder der Schweizerischen Braumeistervereinigung, wie schon im Gründungsjahr 1909, in Schaffhausen zusammengekommen. Nach einem vielfältigen Programm am Nachmittag, organisiert vom Gastgeber, der FalkenBrauerei AG, wurden die Braumeister und Braumeisterinnen am Abend offiziell in Schaffhausen begrüsst. Regierungsrat Reto Dubach würdigte das Bier mit einem kurzen Reim: «Bier, glaube mir, ist ein Lebenselixier.» Stadtpräsident Thomas Feurer lobte das Bier als perfektes Lebensmittel mit grosser handwerklicher Tradition, die nicht verloren gehen dürfe, und die Brauerei Falken als Vorzeigebetrieb der Region. Die längste Rede des Abends war jedoch nicht ein Loblied auf Schaffhausen oder auf das Bier, sondern eine Laudatio für einen ganz besonderen Braumeister. Jeder, der in den letzten 28 Jahren ein Bier aus der Falken Brauerei getrunken hat, hat seine Geschmacksnerven diesem Mann anvertraut: Oskar Dommen.

**Bis nach Afrika …**
Der Laudator Alfred Bucher, ehemaliger Technischer Direktor von Feldschlösschen und langjähriger Freund von Dommen, legte dem Laureaten nahe, ein Buch über sein Leben zu schreiben. Möglicher Titel: «I had a dream … to become a brewmaster». Dieser Traum hat sich für Oskar Dommen erfüllt und ihn, sogar mehrere Male, bis nach Afrika geführt, wo er etwa in Swasiland oder Gambia als Braumeister tätig war. Neben der Leidenschaft fürs Bier hat Oskar noch eine weitere, über die ein Buch geschrieben werden könnte: Triathlon. Laudator Bucher hatte auch für dieses Werk bereits einen Titel ersonnen: «Mit Hopfen und mit Malz im Blut läuft Oskar immer gut». Als Braumeister wählt Dommen die Rohstoffe sorgfältig aus, stimmt die Rezepturen behutsam ab und stellt eine exakte Steuerung der Brauvorgänge sicher. «Dank seiner Erfahrung und Begeisterung braute er Bier, über dessen Geschmack und Qualität man nichts weiter zu sagen braucht», so Bucher. Er übergebe seinem Nachfolger (Uwe Siegrist) Ende des Jahres eine intakte Brauerei auf dem neusten Stand der Technik. Zeit für ein gutes Bier hat Oskar Dommen in Zukunft noch mehr, vielleicht schafft er es dann auch, seinen Kaffe endlich einmal heiss zu geniessen: «Den Znüni-Kaffi lass ich nämlich immer irgendwo stehen und vergesse ihn, bis er kalt ist», sagt Dommen.



Oskar Dommen, Braumeister der Falken Brauerei, im Kreise seiner Berufskollegen.
Bild Nora Cetin

#Alt-Scaphusia

31. August 2011 | Hanspeter Fischer olim Öpfel

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Hanspeter Fischer olim Öpfel
Dr. iur.
Generation 1942

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 28. September 2011 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

#Allgemeines

30. August 2011 | Achtung Bier – jetzt kommen die Frauen!

Coopzeitung Nr. 35 vom 30. August 2011
Bettina Ullmann

*Coopzeitung: Warum wird eine Frau
Biersommelière?*
Gaby Gerber: Ich trinke natürlich selbst gerne Bier. Ich beobachte, dass es vielen Frauen genauso geht wie mir und es wird immer selbstverständlicher, dass Frauen Bier trinken. Die Frauen meiner Generation sind selbstbewusster geworden. Diese Frauen möchte ich über meineTätigkeit erreichen.Meine Ausbildung zur Biersommelière war für mich aber nicht in erster Linie eine Frage von Geschlechterklischees. Die Ausbildung zur Biersommelière hat mich einfach fachlich interessiert.

*Aber das Bierimage ist natürlich sehr männlich.*
Ganz klar. Dabei waren es ganz früher einmal die Frauen, die das Bier gebraut haben. Weil Bier historisch gesehen ein Nebenprodukt der Brotbäckerei war. Heute ist die Branche mehrheitlich in Männerhand.

*Spüren Sie das?*
Ich muss zum Beispiel manchmal erklären, warum mir Bier schmeckt. In der Brauerei Feldschlösschen verkosten wir in einem Team von 19 Leuten täglich verschiedene Biere. Unter diesen Personen sind fünfweibliche Mitarbeiterinnen.

*Gibt es denn einen Unterschied zwischen dem männlichen und weiblichen Biergenuss?*
Grundsätzlich sind Frauen zum Beispiel probierfreudiger als Männer. Das gefällt mir.

*Warum?*
Ich würde gerne allen Bierliebhabern, Frauen wie Männern, vermitteln, dass Bier nicht gleich Bier ist. Wenn wir im Restaurant einenWein bestellen, sagen wir ja auch nicht, «einen Wein bitte!» – sondern wir bestellen einen ganz bestimmten Wein. Die Unterschiede zwischen einem obergärigenWeizenbier, einem Lager, einem süffigen alkolholfreien und so weiter, sind so gross, dass wir von dieser grossen Biervielfalt auch profitieren sollten. Ein Biersommelier in guten Restaurants könnte genauso selbstverständlich sein wie ein Weinsommelier. Das wäre mein Ziel.

*Welche Biere schmecken denn vor allem den Frauen?*
Die Wahrnehmung des Biergeschmacks ist nach meiner Erfahrung nicht gleich wie bei Männern. Viele Frauen mögen keinen ausgeprägten «bierigen» Geschmack, sondern trinken gerne milde oder liebliche Biere. Das kann aber nicht allein an der Bitterkeit liegen. Denn Bitter Lemonund Campari werden auch von Frauen gerne getrunken. Grundsätzlich schmecken Frauen empfindlicher als Männer. Auch unser Eve ist so entstanden.Während der Entwicklungsphase sagte unser Chef, daran lasse er nur Frauen, und so war es. Das Eve wurde ausschliesslich von Frauen entwickelt.

*Welche Biersorten empfehlen Sie zu welchem Essen?*
Ein Amber passt gut zum Essen. Aber natürlich ist relevant, was genau aufgetischt wird. Zu einem hellen Gericht wie Fisch beispielsweise passt auch ein helles Bier. Zu Brot oder einem Wildgericht serviere ich gerne ein Amber oder ein dunkles Bier, zu einem Dessert passt eher ein herbes, helles Spezbier. Wenn man an einem Abend verschiedene Biere nacheinander trinkt, gilt die Regel: vom alkoholarmen zum alkoholhaltigen, vomweniger süssen zum süsseren, vom wenig vollmundigen zum vollmundigen Bier steigern.


**Die Biergeschichte ist auch weiblich**
Man weiss sicher, dass es im alten Ägypten neben Bäckereien auch Brauereien gab. Und das bereits vor rund 5500 Jahren! Frauen waren am Biergenuss durchaus beteiligt und ein bierähnlicher, aus Brotteig gegorener Trank avancierte damals zum Nationalgetränk. Lange Zeit war das Bierbrauen in Frauenhand, unter anderem, weil es so eng mit dem Brotbacken verbunden war. 1358 hiess eine der sieben Brauereien in Strassburg «Zur Bierfrouwen». 1439 gab es in Oxford mehr Frauen als Männer im Braugewerbe. Dann wurden sie jedoch bald aus diesen Berufen vertrieben. Ob Frauen Alkohol trinken durften, war gesellschaftlich nicht immer gleich legitim. Dennoch haben sich die Frauen wahrscheinlich zu keinem


**Gaby Gerber: Die Bierexpertin**
Gaby Gerber (39) wuchs in einem von Frauen geführten KMU auf, das Edelbrände herstellt. Sie ist heute nicht nur Fachfrau für Bier, sondern auch Jurymitglied der Destillata, der grössten internationalen Edelbrandverkostung. Seit 14 Jahren ist sie bei der Brauerei Feldschlösschen angestellt. Ihre Ausbildung zur Biersommelière machte sie an der Brauakademie Doemens (D), diese beinhaltete unter anderem 100 Unterrichtseinheiten und 140 Bierproben. Gaby Gerber ist bei Feldschlösschen zuständig für das Standortmarketing der Brauerei in Rheinfelden.

Umfrage: Trinken Sie gerne Bier?

#Allgemeines

28. August 2011 | Züri-Hell-Bier: Herkunft dunkel

Saldo, 28. August 2011
Thomas Lattmann

Das Bier für Zürich», bewirbt der Verein Züri-Hell sein Bier. Die Etikette auf der Flasche zeigt das nächtlich erleuchtete Grossmünster und das Reiterdenkmal von Hans Waldmann. Züri-Hell gibt sich als Stadtzürcher Bier aus. Abgesehen vom Namen auf der Etikette hat es mit der grössten Schweizer Stadt aber nichts gemeinsam: Denn Züri-Hell wird von der Brauerei Sonnenbräu in Rebstein SG hergestellt. Gemäss Claudia Graf, Geschäftsleitungsmitglied von Sonnenbräu, ist Züri-Hell praktisch identisch mit dem hauseigenen Maisbier.

**Heineken und Carlsberg geben in der Schweiz den Ton an**
Nach der Übernahme und Schliessung zahlreicher Brauereien dominieren in der Schweiz zwei internationale Bierkonzerne: Heineken aus Holland und Carlsberg aus Dänemark. Die beiden Riesen beherrschen rund zwei Drittel des Schweizer Biermarkts. Als Gegenbewegung zu den Einheitsbieren der beiden marktführenden Unternehmen sind in den letzten Jahren zahlreiche Kleinbrauereien entstanden. Die Kleinen wollen sich mit Kundenemotionen, Brautradition, Spezialitäten und Lokalkolorit gegen die Grossen behaupten. Mit ihrer angeblichen Einzigartigkeit rechtfertigen sie den meist höheren Preis für ihre Biere.
Auch Coop hat den Trend zu lokalen Bieren erkannt. Je nach Verkaufsregion befinden sich unterschiedliche Biere im Angebot des Grossverteilers. Über 115 lokale und regionale Biere umfasst das Sortiment.

**Einige Kleinbrauereien gibt es in Wirklichkeit gar nicht**
Züri-Hell ist kein Einzelfall: So lokal verwurzelt und einzigartig sind die Biere vieler Kleinbrauereien nicht – wenngleich der Name und die Werbung etwas anderes verheissen. Einige Brauereien existieren sogar nur auf dem Papier. Deren Biere werden auswärts gebraut. Hier drei Beispiele:

*Brauerei Aare in Bargen BE:*
Sie bedient verschiedene Regionen mit «lokalem» Bier. Die 2006 im Berner Seeland eröffnete Brauerei produziert Lozärner Bier, Churer Stadtbier sowie Goldküstenbräu und Oberländerbräu (Zürcher Oberland). Geschäftsführer Cesare Gallina sagt, dass alle Biere nach den Rezepturen der Auftraggeber produziert würden. Philippe Corbat, einer der besten Bierkenner des Landes und regelmässiges Jury-Mitglied beim Wettbewerb Schweizer Bier des Jahres, bezweifelt dies. Beim Blindtest konnte er keinerlei Unterschiede feststellen zwischen dem Kellerfrisch der Aare-Bier-Brauerei und den Fremdmarken Lozärner Bier und Goldküstenbräu. Gallina habe diesen Sachverhalt ihm gegenüber bestätigt, sagt Corbat.

*Brauerei Locher in Appenzell:*
Diese Brauerei liefert ein weiteres Beispiel von Fremdbrauen. Die Marke Em Basler sy Bier stammt nicht etwa aus einem Sudtopf von den Ufern des Rheins, sondern von der Brauerei Locher. Auf der Etikette ist das aber nirgends deklariert. Die Basler Herkunft wirkt konstruiert: Braugerste und Hopfen sollen von Feldern des Stadtkantons kommen und das Wasser aus «einer der 16 benannten Rheinquellen». Gemeint ist da­mit das Appenzeller Wasser, das letztendlich in den Rhein fliesst. Locher braut im katholischen Appenzell auch die Calvinus-Biere. Mit dem Bild des Reformators Jean Calvin wird bei diesen Bieren die Genfer Identität betont. Von den Frères Papinot in Genf, die auf den Flaschenetiketten angegeben sind, stammen aber lediglich die Rezepturen.

*Brauerei Baar ZG:*
Diese Brauerei stellt seit ein paar Jahren das Amboss-Bier aus dem Zürcher Kreis 5 her. Als «Lieblingsbier unserer Lieblingsstadt» preist sich dieser Gerstensaft an. Auf der Etikette steht lediglich: «Ein Produkt der Amboss Zürich AG. In Kooperation mit der Brauerei Baar». Ob der Biertrinker daraus schliesst, dass Amboss aus dem Kanton Zug kommt, ist fraglich.

Bierspezialist Philippe Corbat kritisiert, dass viele Kleinbrauereien ihr Bier von anderen herstellen lassen und sich auf den Marketing-Aspekt und allenfalls den Vertrieb beschränken. Wird das nicht oder nur ungenügend offengelegt, grenze das für ihn an Betrug.
Deutlicher wird Adrien Weber, Geschäftsführer der Zürcher Turbinenbräu: «Wenn man die Leute über die Herkunft des Bieres anlügt, ist das Etikettenschwindel. Das schadet dem Produkt Bier.» In den vergangenen Jahren habe in der Schweiz nicht die Biervielfalt, sondern die Etikettenvielfalt zugenommen.

**Zuerst kommt das Marketing, dann das Brauen**
Hansjörg Schatt von Züri-Hell weist den Vorwurf des Etikettenschwindels entschieden zurück. Das Brauen sei sehr kapitalintensiv. Deshalb behelfe man sich anfänglich mit einer Fremdabfüllung und kümmere sich zuerst um das Marketing. Seine Vision sei eine Braustätte in Zürich. Coop weiss, dass manche Anbieter von lokalen und regionalen Bieren nicht selber produzieren. Das sei kein Etikettenschwindel. «Wenn wir Produkte ins Sortiment nehmen, geschieht dies, weil der Kunde danach fragt und das Konzept, welches hinter dem Bier steht, als Ganzes überzeugt.»

**Gemälzte Gerste kommt immer aus dem Ausland**
Kein Bier in der Schweiz ist 100 Prozent lokal, weil in der Schweiz keine Mälzerei zur Verarbeitung der Gerste existiert. Aber es gibt Kleinbrauereien, die dem Ideal nahe kommen. Dazu gehören etwa die Brauerei Luzern, Euelbräu in Winterthur oder Turbinenbräu in Zürich. Diese Betriebe führen vom Brauprozess über die Abfüllung bis hin zum Vertrieb und der Vermarktung des Biers alles selber durch. «Für uns ist das selbstverständlich», sagt Adrien Weber von Turbinenbräu.

**Brauereien und ihre Fremdbiere**

*Aare Bier, Bargen BE, braut:*
* Biere von Braukultur Uster ZH, nämlich Goldküstenbräu, Oberländerbräu, Usterbräu
* Lozärner Bier, Luzern
* Churer Stadtbier, Chur GR

*Baar, Baar ZG, braut:*
* Amboss Bier, Zürich

*Falken, Schaffhausen, braut:*
* Striker, Meilen ZH

*Locher, Appenzell AI, braut:*
* Hopfehäxli, Wolfwil SO
* Calvinus, Genf
* Em Basler sy Bier, Basel
* Stammheimer Hopfenperle, Stammheim ZH

*Rosengarten, Einsiedeln SZ, braut:*
* Gottardo, Faido TI
* Pfauenbier, Rapperswil SG
* Entlebucher Bier, Entlebuch LU (Aushilfe bei Kapazitätsengpässen)
* Stadtguet, Winterthur ZH (Flaschenabfüllung und Aushilfe bei Kapazitätsengpässen)

*Sonnenbräu, Rebstein SG, braut:*
* Züri-Hell, Zürich
* Thurbobräu, Wil SG
* lllauer Punt, Illnau ZH



Etikettenschwindel: Em Basler sy Bier, Calvinus, Lozärner Bier, Züri-Hell

#Aktivitas

26. August 2011 | Flyer Quartalsprogramm Sommer

Der Flyer ist ab heute 26. August an der Kanti im Umlauf.

flyer_scaphusia_hs_2011.pdf

#Allgemeines

25. August 2011 | «Im Stammertal gehört der Hopfen dazu»

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
Oskar Keller

*Herr Ulrich, wie wird die Hopfenernte 2011 ausfallen, die heuer wohl zwei Wochen früher beginnt? 2010 haben Sie noch 6000 Kilogramm geerntet …*
Stefan Ulrich: Die Ernte wird nicht zwei Wochen früher beginnen, sondern am 29. August, denn die Abreife ist durch die Tageslänge gesteuert, das heisst, der Erntezeitpunkt variiert nur wenige Tage. Die Erntemenge ist sehr schwer einzuschätzen, und ich wage keine Prognose. Da sind schon viele «Gelehrte» reingefallen, allerdings sieht der Hopfen zum jetzigen Zeitpunkt sehr schön und vielversprechend aus. Vor fünf Jahren hatten indes wir einen verregneten, kalten August. Damals waren alle sehr enttäuscht.

*Der Hopfenanbau in der Schweiz ist am Verschwinden (Gesamtfläche: 17 Hektaren). Er macht etwa 15 Prozent des Bedarfs aus. Im süddeutschen Tettnang beträgt die Anbaufläche heuer 1221 Hektaren! Bauen Sie im Stammertal in Zukunft noch mehr Hopfen an?*
Wir würden gerne mehr Hopfen anbauen, denn die vorhandenen Anlagen und Maschinen würden locker für die doppelte Fläche ausreichen. Daneben müsste aber auch der Preis stimmen, denn ich stelle nicht gern Aushilfskräfte ein, die dann den höheren Lohn haben als ich!

*Der Hopfenübernahmepreis wurde gemäss Beschluss Ihrer Hopfen-Genossenschaft (GSH) für drei Jahre (2010–2012) auf 430 Franken für fünfzig Kilogramm festgelegt. Das sind 8.60 Franken pro Kilo. Hopfenpreise sind Weltmarktpreise. Wie sieht es mit den Erträgen für den Hopfenanbau in Stammheim aus? Sind Hopfen ein gutes Geschäft für Sie?*
Ich arbeite fast ausschliesslich mit Maschinen, die älter als zwanzig Jahre und damit amortisiert sind. Darum und weil wir vieles selber machen, sprich wenig betriebsfremde Arbeitskräfte einsetzen, ist der Anbau noch machbar. Heute mit dem Hopfenbau zu beginnen, ist aber völlig unmöglich.

*Sie sind Mitglied in der Genossenschaft für Schweizer Hopfen (GSH) sowie seit 1991 Präsident des Vereins Schweizerischer Hopfen-Produzenten (VSH) mit neun Mitgliedern. Was bezwecken und nützen diese Organisationen den wenigen Hopfenanbauern?*
Da mindestens alle drei Jahre über den Hopfenpreis verhandelt wird, sind eine gute Absprache und ein Konsens unter den Produzenten sehr wichtig. Ausserdem gibt es viele andere Bereiche, wo eine offizielle Ansprechperson nötig ist – etwa für Pflanzenschutz und Direktzahlungsverordnung –, denn wir haben keine andere Lobby.

*Wie viele Hopfenbauer gibt es noch im Stammertal?*
Heute sind wir im Stammertal noch fünf Pflanzer, als mein Vater 1949 mit dem Anbau begann, waren es acht Bauern und fünf Jahre später sogar 19 Produzenten. Allerdings war der durchschnittliche Hopfengarten nur etwa eine Juchert, circa 36 Aren gross, und heute beträgt die Anbaufläche pro Betrieb doch 1 bis 2,9 Hektaren.

*Gibt es einen Trend bei den Hopfenpflanzen?*
Die Hopfenpflanzen-Neuzüchtungen werden wie alle Kulturpflanzen immer ertragreicher und krankheitsresistenter. In der Schweiz werden vermutlich immer mehr Bitterstoffsorten angebaut, weil die Brauereien dies wünschen. Die Umstellungen gehen aber sehr langsam vor sich, denn eine Sorte kann locker zwanzig bis dreissig Jahre genutzt werden, und ein Sortenwechsel ist mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden.

*Die alte Heilpflanze hat viele Vorzüge, und der Anbau ist speziell. Was fasziniert Sie am Hopfenanbau?*
Der Hopfen ist eine schöne Pflanze, und ein Hopfengarten im August ist doch sehr imposant. Hopfenanbau ist jedes Jahr eine neue Herausforderung und sehr spannend. Es ist jedes Jahr faszinierend, wie schnell die Hopfen in die Höhe schiessen – bis zwanzig Zentimeter pro Tag –, und der Geruch während der Ernte ist unbeschreiblich. Ausserdem bin ich natürlich Bierliebhaber, und etwas für dieses Getränk zu produzieren, freut mich besonders, auch wenn ich die heutigen Biere eher zu wenig bitter finde.

*«Die Schweizer Hopfenbauern haben den Trend im Wechsel der Pflanzen verpasst und die besonderen Aromakomponenten des Hopfens vergessen», meint Bierguru und Brauer Martin Wartmann aus Frauenfeld. Es gilt nach wie vor der Bitterstoffgehalt als allein selig machend, während in den USA und England die spezifischen Aromasorten einen wahren Boom erleben. Wie sehen Sie das?*
Zum Teil gebe ich Martin Wartmann recht, allerdings ist es fast nirgends so, dass etwas angefasst wird, wenn es nicht bezahlt wird. Andrerseits müssen Sie sich die Dimensionen vor Augen halten: In der Schweiz werden etwa 30 Tonnen Hopfen geerntet. 80 Prozent dieser Menge wird von den Konzernen Carlsberg und Heineken gekauft und verwendet, das heisst, wenn wir nicht das produzieren, was sie wollen, können wir 80 Prozent unserer Ernte nicht verkaufen.

*Hopfenlaus und Spinnmilben sind omnipräsent. Wie halten Sie es mit dem Pflanzenschutz?*
Wer erlebt hat, wie schnell so ein Schädling den Ertrag dezimieren und die Qualität zunichtemachen kann, der begreift auch, dass der Hopfenbauer Gegenmassnahmen ergreift. Natürlich heisst die Devise: So viel wie nötig, so wenig wie möglich, aber es ist sehr schwierig, den Verlauf eines Schädlings- oder eines Pilzbefalles abzuschätzen.

*Biologischer Hopfen führt weiterhin ein Schattendasein. Acht von neun Anbauern führen konventionelle Betriebe. Warum bauen Sie nicht Biohopfen an?*
Mit 2,5 Hektaren ist der Bedarf an Biohopfen in der Schweiz mehr als abgedeckt. Ausserdem muss in der Schweiz der gesamte Betrieb nach den Biorichtlinien geführt werden. Als Traubenproduzent kommt das für mich nicht in Frage. Daneben stellt sich die Frage, warum ich Fortschritte in der Anbautechnik und im Pflanzenschutz nicht nutzen sollte. Von einem herausragenden Einhundert-Meter-Läufer erwartet man auch nicht, dass er diese Leistung mit Wasser und Brot vollbringt. Im Übrigen habe ich es zu oft erlebt, dass erstens Konsumenten, die Bioprodukte verlangen, keine Ahnung haben von der Bioproduktion und zweitens, wenn sie im eigenen Garten ein Problem haben, sehr schnell zur Giftspritze greifen. Damit Sie mich richtig verstehen: Ich habe hohen Respekt vor den Biobauern und den Leistungen, die sie erbringen, aber im Hopfenbau ist es enorm schwer und der Ertrag extrem starken Schwankungen unterlegen. Den ökonomischen Aspekt kann ich nicht ausklammern, denn der Hopfenanbau liefert etwa einen Drittel des Betriebseinkommens.

*Der Bierkonsum stieg im Jahr 2010 leicht auf 57,3 Liter pro Kopf. Der Trend geht aber auch zu alkoholreduzierten Bieren – und zu Mineralwasser. Wie sehen Sie die Zukunft für die Schweizer Hopfenbauern? Wird in zwanzig Jahren noch Hopfen in Stammheim und in der Schweiz angebaut?*
Ich fände es sehr schade, wenn der Hopfenbau in der Schweiz zum Erliegen käme. Eine bald hundertjährige Kulturpflanze würde verschwinden und damit viel Wissen und Know-how. Im Weiteren sehe ich den Hopfen als Bereicherung unserer Landschaft. Im Stammertal gehört der Hopfen einfach dazu.

**Hopfenanbau Seit über 60 Jahren Familienbetrieb**
*Stefan Ulrich*
1960 in Unterstammheim geboren, studierte er 1981 an der ETH Zürich Agronomie. 1988 übernahm er mit seiner Frau Sylvia aus Buchberg SH, auch Bäuerin, den 1976 erbauten Hopfenhof in der Nähe des Bahnhofs Stammheim. Ulrich ist seit 1991 Präsident des Vereins Schweizerischer Hopfen-Produzenten (VSH). Stefan und Sylvia Ulrich sowie ihre vier Kinder bewirtschaften 20 Hektaren Land. Sie betreiben vor allem Milchwirtschaft und Rebbau (125 Aren). 2010 begannen sie mit der Zucht der besonderen englischen Jersey-Kühe, denn 2013 tritt die neue Tierschutzverordnung in Kraft, die die Haltung der bisherigen Fleckviehrasse in ihrem Stall untersagt.

*Verarbeitung*
1949, lange nach der «Anbauschlacht Wahlen», begann Stefans Vater René Ulrich, Hopfen anzubauen. Bis 1955 wurden viele Hopfen noch von Hand geerntet. Heute werden die aromatischen Blüten – die Dolden – auf einer Pflückmaschine von den Ranken abgezupft, getrocknet und in 50 bis 60 Kilogramm schweren Ballen verpackt. Die gesamte (getrocknete) Hopfenernte in der Schweiz wird mit Lastwagen in das grösste deutsche Hopfenanbaugebiet, in die bayrische Hallertau – mit über 15 000 Hektaren – gebracht. Dort werden die Hopfen fein gemahlen, die Bitterstoffe standardisiert, und in kleine, zylinderförmige Körper pelletiert, das heisst gepresst.



«Es werden vermutlich immer mehr Bitterstoffsorten angebaut»: Stefan Ulrich, 51, in seinem Hopfengarten in Unterstammheim.
Bild Urs Oskar Keller

#Notizen zu Namen

13. August 2011 | Stühlinger und Aders wollen in Bern Brot statt Spielchen

Schaffhauser Nachrichten, Schaffhausen / Neuhausen
(ek)

«Wir sind leidenschaftliche Wahlkämpfer, und deshalb treten wir auch bei dieser Wahl an.» Mit diesen Worten begrüsste gestern Andi Kunz, Grossstadtrat und Wahlkampfleiter der AL, die Medien zur Vorstellung der beiden AL-Kandidierenden. Das sind Susi Stühlinger, 26 Jahre alt, wohnhaft in der Stadt Schaffhausen, Journalistin, noch bei der AZ, ab 1. September bei der Wochenzeitung (WoZ), und Till Aders, 24 Jahre alt, Präsident der AL, ebenfalls in Schaffhausen wohnhaft, Geografiestudent an der Universität Zürich. Beide sind Gewerkschaftsmitglieder.
Sie führen ihren Wahlkampf unter dem Motto «Brot statt Spielchen». Damit soll, so Kunz, die zunehmende Verflechtung von Politik und wirtschaftlichen Interessen thematisiert werden. «Mit unserer Nationalratskandidatur bieten wir all jenen, die genug haben vom Hass der Rechtspopulisten und von der Gier des Wirtschaftsfilzes, eine Wahlalternative an». erklärte Kunz. Für Susi Stühlinger stehen Mindestlöhne, bezahlbarer Wohnraum und Lebensqualität für alle im Vordergrund. Jeder und jede soll mindestens 22 Franken pro Stunde verdienen, denn «es geht nicht an, dass die Chefs in den Teppichetagen ungeniert Millionen abstauben, während es für andere kaum zum Leben reicht.» Beim Wohnen brauche es durchmischte Quartiere, die Integration und Zusammenhalt fördern. Was die Steuern angeht, so fordert Stühlinger mit der AL: «Schluss mit Steuerprivilegien für wenige zulasten der Mehrheit.»
Till Aders möchte mehr Mitbestimmung: In Bern sollen auch junge, sozial Schwache und Ausländerinnen und Ausländer Gehör finden, denn «eine intakte Gesellschaft existiert nur, wenn allen die Chance geboten wird, die Gesellschaft mitzugestalten». Weiter fordert Aders eine andere Energiepolitik: «Ich setze mich dafür ein, dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dass mit erneuerbarer Energie Arbeitsplätze geschaffen werden und der Forschungsstandort Schweiz gestärkt wird.»
Da die beiden einen gesetzlichen Mindestlohn befürworten, haben sie auch die Unterstützung der Gewerkschaften, erklärte VPOD-Präsidentin Nella Marin. Und die bekannte Slam-Poetin Lara Stoll unterstützt vor allem Susi Stühlinger, da es junge Frauen brauche, «welche die Eier haben, für ihre Ideale zu kämpfen». Die AL will 15 000 Franken für den Wahlkampf ausgeben und erhofft sich einen Stimmenanteil zwischen 5 und 6 Prozent. Die AL-Liste ist mit den Listen der SP, der Juso und der SP International verbunden.



Kandidieren für den Nationalrat: Susi Stühlinger und Till Aders von der Alternativen Liste (AL).
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

22. Juli 2011 | Abschied von fast 40 Jahren Lebensgeschichte

Schaffhauser Nachrichten, Schaffhausen
Jan Hudec

«Es wird sicher etwas komisch sein, wenn die Bücherwand auf einmal leer ist. Aber der Stolz und die Freude darüber, im Landesmuseum verewigt zu sein, überwiegen.» Das sagt Hans Bader, während er vor seiner Wohnung in der Schönbühlstrasse gerade einige seiner 42 Fotokästen in einen Lieferwagen hievt. Sie sind schwer, die kunstfertig in Leinen eingefassten Kartonschachteln, in denen die grossen Papierbögen ruhen, auf die Bader seine Bilder geklebt hat.

**Seiner Frau gewidmet**
Fast 40 Jahre lang hat er das Leben seiner vierköpfigen Familie dokumentiert: Geburtstage, Weidlingsfahrten, 1.-Mai-Demos und Weinlesen aus dem Waadtland, woher seine Frau Marcelle stammt. Ihr hat er alle Fotoboxen gewidmet. Sie habe denn auch entscheiden müssen, ob sie «dieses Zeugnis einer Schweizer Durchschnittsfamilie» ans Landesmuseum verschenken. Sie stimmte zu. «Ich habe mich gefragt, was ich mit den Kästen machen würde, wenn Hans vor mir gehe müsste», erzählt Marcelle Bader. «Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, sie wegzuwerfen.» Deshalb habe gar nichts Besseres passieren können, als dass das Lebenswerk ihres Mannes nun ins Landes- museum aufgenommen werde. Gestern war es nun so weit. Felix Graf, Kurator am Schweizerischen Landesmuseum in Zürich, kam persönlich, um die Fotokästen abzuholen. Bevor es so weit war, musste Hans Bader in den letzten Monaten aber noch einiges an Arbeit leisten. Auf Maquetten trug er ein, wer auf den Bildern zu sehen ist und wo sie entstanden sind. «An alle Namen konnte ich mich nicht mehr erinnern, aber mit der Hilfe von Marcelle konnten ich das meiste rekonstruieren.» Es war ein tiefer Sprung in die eigene Vergangenheit. «Es war interessant zu sehen, mit wem wir so verkehrten. Da gab es Freunde, die kamen und gingen, und da gibt es auch einen harten Kern, der über die Jahre geblieben ist», erzählt Hans Bader. Seine Fotokästen reichen zurück in die frühen 70er-Jahre. Bader hatte den Auftrag von einer Basler Fasnachtsclique, ihre Vorbereitungen auf den Morgenstraich fotografisch zu dokumentieren. Für seine Bilder, die er sorgfältig auf Papierbögen aufklebte, fertigte er eigens einen Fotokasten an, das Handwerk hatte er von einem befreundeten Buchbinder gelernt. «Denn die Fotoalben waren damals viel zu teuer: 45 Franken.» So entstanden 1973 seine ersten Fotokästen, die er dann der Basler Clique verkaufen konnte. Die Idee für die Kästen war geboren, und ab 1974 schenkte er seiner Frau jedes Jahr einen. Der Aufwand, den er betrieb, war riesig. Seine Schwarz-Weiss-Fotografien entwickelte er alle selber. Dazu hatte er sich in der Küche ein Labor eingerichtet. «Wir brauchten einen Plan, damit ich überhaupt zum Kochen kam», erzählt Marcelle Bader lachend. Nach einem Umzug konnte er sich dann eine eigene Dunkelkammer einrichten. Dort arbeitete er vor allem in der kalten Jahreszeit: «Wenn der Weidling im Oktober im Trockenen lag, dann ging ich in die Dunkelkammer und habe dort das Jahr nochmals erlebt.»

**Geschichte von unten gesehen**
Felix Graf, Sohn des ehemaligen Schaffhauser Ständerats Konrad Graf, war vom Geschenk der Baders begeistert. «Dieses Œuvre passt wunderbar in unsere Fotosammlung.» Das Spannende daran sei, dass man auf Baders hochstehenden Aufnahmen die Geschichte aus privater Perspektive sehe. Ein anderer Blickwinkel, als zum Beispiel ein Pressefotograf einnehme. «Die Fotografien zeigen die Geschichte von unten gesehen.» Eine einzigartige Dokumentation, wie eine Schweizer Familie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt hat. Dass Bader seine Fotokästen nicht dem Schaffhauser Stadtarchiv vermacht, hat zwei Gründe. Zum einen seien darin nicht nur Bilder aus Schaffhausen enthalten, sondern aus der ganzen Schweiz. Zum anderen fühle er sich als Stadtzürcher eher Zürich verbunden. «In Schaffhausen hält mich nur der Rhein», sagt der passionierte Weidlingsfahrer. Das Stadtarchiv werde aber sicher jederzeit auf die Dokumente im Landesarchiv zugreifen können, bestätigt Graf. Überhaupt ist für Hans Bader vor allem eins wichtig: «Ich weiss, dass die Kästen an einem guten Ort sind.»

Auf 16 000 Fotografien hat Hans Bader (r.) während fast 40 Jahren das Leben seiner vierköpfigen Familie festgehalten. Für seine Bilder hat er eigens in Leinen eingebundene Kartonkästen angefertigt. Jedes Jahr schenkte er seiner Frau Marcelle einen solchen Fotokasten. Da die Kinder die 42 Kästen nicht übernehmen wollten, haben sich die Baders entschieden, sie dem Schweizerischen Landesmuseum zu schenken. Felix Graf (l.), Kurator des Landesmuseums, ist vom Geschenk begeistert: «Das Werk passt perfekt in unsere Sammlung», die Bilder zeigten einen privaten Blick auf des Leben einer Schweizer Familie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Hans Bader (2. v. l.) übergab gestern seine Fotosammlung dem Schweizerischen Landesmuseum.
Bilder Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

12. Juli 2011 | Neues zu Namen

Schaffhauser Bock

In Stein am Rhein wurde der «Liliputbahn-Verein Stein am Rhein» zur Unterstützung der Liliputbahn gegründet.
In den Vorstand gewählt wurden Roger Schneider, Vize-Präsident; Hansueli Birchmeier, Kassier; Stephan Brügel, Aktuar; Franz Marty, Verbindungsmann Politik, und Markus Zogg, technischer Berater. Gesucht wird noch ein Präsident.

#Notizen zu Namen

11. Juli 2011 | Mords-Splitter

Schaffhauser Nachrichten, Stein
(efr.)

Nicht ganz ohne Pannen lief «Mord an Bord» für die Verantwortlichen. Insgesamt vier Verletzte gab es im Vorfeld, wobei sich die Betroffenen nicht während der Proben, sondern unterwegs oder zu Hause ihre Blessuren holten. Am schlimmsten traf es Hans-peter Hotz alias Domherr Pennington. Er stürzte vom Velo und trug unter anderem einen Schädelbruch davon. Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass er kurze Zeit darauf wieder bei den Proben war und auch die Premiere bravourös (auf dem Bild mit Christine Bader als Händlerin) meisterte und so getrost als der Star des Freilichtspiels gelten darf. Choreografin undArtistin Mika Netser (r.) musste das Geschehen von der Tribüne aus verfolgen. Sie hatte sich beim Einturnen den Zehen so schlimm verletzt, dass ein Auftritt unmöglich war. So sah man sie, statt artistisch an Ringen zu turnen, nun eben im Zuschauerrang neben Regisseur Stefano Mengarelli und Kostümbildnerin Kathrin Kündig. Andere Verletzte konnten allerdings auftreten. Die Verpflegung auf dem «Dampfer» kam beim Premierenpublikum gut an. Wers gediegen wollte, konnte sich fürs dreigängige Captains Dinner im Extrazelt anmelden. Peter Müller, Finanzchef des Letzten «No e Wili» und seine Frau Renate, waren begeistert. Und auch im Brasseriezelt mit Grill dahinter liess man es sich schmecken. Überhaupt ist die Infrastruktur bestens, wofür viele Freiwillige im Einsatz sind. Für die Produktion habe man etwa 100 engagierte Helfer gewinnen können, freute sich OK-Chef Ueli Böhni. Nun müsse nur noch das Wetter mitspielen, denn das hat sich bisher noch nicht so ganz theaterfreundlich gezeigt.

#Notizen zu Namen

8. Juli 2011 | «Alle Optionen liegen Ihnen zu Füssen!»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Jung

«Wir haben’s geschafft mit gemeinsamer Kraft / sind zusammen im Ziel. Das war mehr als ein Spiel. / Es gibt eine Zeit, um sich Sorgen zu machen, /aber jetzt ist die Zeit, um zu tanzen und zu lachen.» Diese Zeilen aus dem Lied «Hier und Jetzt» der A-cappella-Band Wise Guys trug gestern Abend das Vokalensemble der Kanti an der Maturfeier vor. Hervorragend passte das Lied zu dem Abend, an dem bei vielen Maturanden die Erleichterung klar zu spüren war, endlich das begehrte Maturzeugnis in ihren Händen zu halten.
Eröffnet wurde die abwechslungsreiche Feier durch das Trompetenensemble der Kanti, das die Ouverture aus Georg Friedrich Händels «Wassermusik» spielte. Danach begrüsste der gut gelaunte Rektor Urs Saxer den voll besetzten St. Johann: «Wir alle freuen uns, mit euch heute den Abschluss feiern zu können.» Die Kirche war festlich geschmückt, mit Gestecken von Sonnenblumen und zwei Gruppen traditionell gekleideter Burschen der Mittelschulverbindung Scaphusia, die später ihre Mitglieder mit dem Schwingen ihrer Fahne grüssten.

Meilenstein gesetzt
Als Vorsteher des Erziehungsdepartements überbrachte Christian Amsler die Glückwünsche der Schaffhauser Regierung. «Sie haben nun ein wichtiges Zwischenziel erreicht und einen Meilenstein gesetzt», sagte er. Auch eine Lebensweisheit von Mahatma Gandhi gab er den jungen Erwachsenen mit auf den Weg: «Das Glück entflieht uns, wenn wir hinter ihm herrennen. In Wahrheit kommt das Glück von innen.» Es stimme ihn zuversichtlich, so Amsler, dass er hier eine Generation erkenne, die kritisch, fantasievoll und konstruktiv mit Wissen und Traditionen umgeht. Als Gastredner trat der Bildungsforscher Stefan Wolter auf. Er verglich die für viele nun beginnende Studienzeit mit einer langen Wanderung durch die Bildungslandschaft Schweiz. «Sie stehen jetzt auf dem Bildungsgipfel», sagte er zu den Maturanden. «Von hier aus haben Sie eine grossartige Aussicht, und alle Möglichkeiten liegen Ihnen zu Füssen.» Jeder Schritt und jede Entscheidung nach der Matur werde den jungen Menschen zwar Tiefe geben, doch gleichzeitig ihre Möglichkeiten auch einschränken. Wolter wies die zukünftigen Studenten an, in ihre Studienwahl auch ihre Berufsziele einzubeziehen. «Einige unserer Bildungstäler enden in einer Wüste», warnte er. So würden 40 Prozent der Historiker und Kulturwissenschaftler nach ihrem Studium in Positionen arbeiten, für die sie gar keinen Uniabschluss benötigten. Auch dauere die Phase der Arbeit etwa achtmal so lange wie die Studienzeit. «Wählen Sie gut und mit Bedacht», riet Wolter den Maturanden zu Schluss. Danach wurden die Zeugnisse verteilt. Die meisten hatten sich für die Feier elegant gekleidet. Einige junge Männer erschienen in der Ausgangsuniform der Schweizer Armee. Die Schüler der Klasse 4nb trugen ein T-Shirt, das ihre eben beendete Maturreise nach Bulgarien dokumentierte. Stärker als in früheren Jahren wurden spezielle Leistungen herausgehoben. So wurde in jeder Klasse der beste Notenschnitt mit einem edlen Schreibset ausgezeichnet. Schüler, die ein Jahr in Lausanne verbracht hatten, wurden genannt. Maturanden, die eine prämierte Maturarbeit und einen Schnitt über 5,3 erreicht hatten, wurden zur Teilnahme an einem Förderprogramm der Schweizerischen Studienstiftung eingeladen. Und der allerbeste Notenschnitt, den Christian Stähle aus Neunkirch erreicht hatte, wurde von der Verbindung Munot mit 1200 Franken honoriert. «Zwei Drittel der Maturanden beginnen gleich im Herbst ein Studium», sagte Rektor Saxer. 20 Prozent hätten sich für eine mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung entschieden. «Das ist eine deutliche Zunahme, die uns freut», sagte Saxer.

**Profil M musisch/sprachlich**
Jakob Ackermann, Schaffhausen, beabsichtigte Ausbildung: Musik; Luis Aellig, Dörflingen, Musik; Myriam Bächtold, Schleitheim, Soziales; Franziska Bai, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Sarah Bänziger, Neuhausen, Humanmedizin; David Bollinger, Schaffhausen, Humanmedizin; Yvonne Burger, Schaffhausen, Tourismus; Dominic Caviezel, Neuhausen, Auslandsaufenthalt; Chantal Convertini, Thayngen, noch nicht entschieden; Tabea D’Anna, Neuhausen, Chemie; Marie Louise Duer, Stetten SH, Auslandsaufenthalt; Harsha Edavana, Schaffhausen, Humanmedizin; Adrienne Fehr, Schaffhausen, Humanmedizin; Francesca Graf, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Manuela Güdel, Büttenhardt, Bewegungswissenschaften/Sport; Corinne Hänggi, Schaffhausen, Biologie; Julie Hedinger, Wilchingen, Auslandsaufenthalt; Julia Heiri, Schaffhausen, Geografie; Rosina Hieke, Gächlingen, Humanmedizin; Annina Hilty, Stein am Rhein, Psychologie; Nathalie Homberger, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Jessica Huber, Feuerthalen, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften; Stephan Huber, Schaffhausen, Architektur/Bauwesen; Helena Hunziker, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Alfred Ivic, Neuhausen, Rechtswissenschaften; Andrina Jenny, Dachsen, Erziehung; Janine Keller, Neunkirch, Psychologie; Luzia Knobel, Schaffhausen, Kunst; Paul Kohlhaas, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Irina Lerch, Schaffhausen, Physiotherapeutin; Jasmina Licina, Neuhausen, Anglistik; Jerôme Luzi, Schaffhausen, Hotellerie; Nathalie Mächler, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Delia Mändli, Lohn SH, Geschichte; Cinzia Mazzeo, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Florian Meier, Schaffhausen, Praxis; Heinrich Meier, Wilchingen, Wirtschaftswissenschaften; Dominique Michel, Stetten SH, Auslandsaufenthalt; Beni Muhl, Büttenhardt, noch nicht entschieden; Elena Mühlemann, Feuerthalen, Auslandsaufenthalt; Florian Näf, Schaffhausen, Medien-/Kommunikationswissenschaften; Timothy Odermatt, Schaffhausen, Pharmazie; Agnes Oettli, Beringen, Agrar-/Lebensmittelwissenschaft; Alessio Procopio, Thayngen, Pädagogik; Corina Rüedi, Hallau, Pädagogische Hochschule; Nadine Sailer, Stetten SH, Ethnologie und Volkskunde; Sanja Sauter, Neuhausen, Psychologie; Céline Saxer, Schaffhausen, Sprachen; Yolanda Schär, Stein am Rhein, Pädagogische Hochschule; Larissa Schenkel, Neuhausen, Humanmedizin; Elia Schudel, Schleitheim, noch nicht entschieden; Nicole Silvestri, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Tiziana Somma, Flurlingen, Rechtswissenschaften; Tatiana Specchia, Trasadingen, Dolmetscherin; Martina Stamm, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Lukas Stoll, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Simone Stoll, Osterfingen, Kunstwissenschaften; Tobias Sulzberger, Schaffhausen, Humanmedizin; Cyril Surber, Flurlingen, Berufslehre, Linienpilot; Stefanie Thierstein, Schaffhausen, Kunstgeschichte; Maya Thommen, Schaffhausen, Hotellerie; Rahel Tobler, Neuhausen, Rechtswissenschaften; Vanessa Urech, Beringen, Psychologie; Hanna von Siebenthal, Büttenhardt, Lebensmittelwissenschaften; Alisha Wanner, Schaffhausen, Berufslehre, Clown; Sinja Willi, Wilchingen, Soziales; Lukas Wirz, Wilchingen, Musik; Olivia Ziegler, Stetten SH, Auslandsaufenthalt; Nicolas Zurbuchen, Schaffhausen, Umweltwissenschaften.

**Profil N naturwissenschaftlich/mathematisch**
Patrick Bertolini, Neuhausen, Umweltwissenschaften; Larissa Blum, Neuhausen, Rechtswissenschaften; Jonas Bosshard, Neunkirch, Werkstoffwissenschaften; Dominic Brütsch, Schaffhausen, Elektrotechnik; Simon Danner, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Dominic Fawcett, Schaffhausen, Geografie; Armin Fehr, Altdorf SH, Maschinenbau; Christian Fuchs, Thayngen, Rechtswissenschaften; Simon Galli, Neuhausen, Rechtswissenschaften; Peter Güttinger, Schaffhausen, Physik; Leo Häggi, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Helga Kadar, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Pascal Kiarostami, Schaffhausen, Humanmedizin; Hannes Knapp, Wilchingen, Umweltwissenschaften; Alen Krajinovic-Kopic, Schaffhausen, Wirtschaftswissenschaften; Simon Kübler, Oberhallau, Interdisziplinäre Naturwissenschaften; Tobias Loosli, Feuerthalen, Geografie; Emine Lubitcheva, Neuhausen, Rechtswissenschaften; Kevin Mayer, Dörflingen, Berufslehre, Linienpilot; Cyril Meister, Schaffhausen, Elektrotechnik; Manuel Miralhos, Diessenhofen, Architektur; Fabian Müller, Löhningen, Elektrotechnik; Fabrice Müller, Diessenhofen, Humanmedizin; Patrick Müntener, Dörflingen, Biologie; Carolin Noll, Schaffhausen, Physiotherapeutin; Filip Novak, Neuhausen, Biologie; Pascal Oberholzer, Neunkirch, Werkstoffwissenschaften; Batuhan Pamukcu, Neuhausen, Wirtschaftswissenschaften; Boris Radanovic, Schaffhausen, Humanmedizin; Lukas Regli, Hallau, Maschinenbau; Alexander Ristic, Schaffhausen, Informatik; Isabelle Roesch, Schaffhausen, Informatik; Laura Seifert, Schaffhausen, Pädagogische Hochschule; Christian Stähle, Neunkirch, Rechtswissen- schaften; Flor Stammer, Beringen, Musik; Daniel Steinacher, Schaffhausen, Tourismus; Nathalie Steinemann, Schaffhausen, Rechtswissenschaften; Sebastian Stelz, Schaffhausen, noch nicht entschieden; Silvio Stoll, Osterfingen, Bewegungswissenschaften/Sport; Ruben Wohlgenannt, Thayngen, lnformationstechnologie/lnformatik; Lillian Yacoubian, Guntmadingen, Praxis; Gabriel Zehnder, Oberhallau, Erdwissenschaften; Tizian Zeltner, Langwiesen, Informatik; Andreas Zingg, Schaffhausen, Biologie.

**Profil S sprachlich/altsprachlich**
Berna Aydemir, Schaffhausen, Internationale Beziehungen; Erasmus Binotto, Schaffhausen, Geschichte; Laura Ferber, Schaffhausen, Auslandsaufenthalt; Marianne Gatti, Neuhausen, Architektur; Simon Hug, Schaffhausen, Bewegungswissenschaften/Sport; Jasmin Koch, Schaffhausen, Pädagogik; Isabelle Kohler, Schaffhausen, Umweltwissenschaften; Stefan Kübler, Hofen SH, Wirtschaftswissenschaften; Hannah Kwasnicki, Neuhausen, Pädagogische Hochschule; Judith Meisterhans, Flurlingen, noch nicht entschieden; Corina Moser, Neuhausen, Humanmedizin; Ramona Müller, Schleitheim, Auslandsaufenthalt; Claudio Nart, Thayngen, Sport; Felix Palm, Merishausen, Russisch; Rebecca Peyer, Schaffhausen, Theaterwissenschaft; Nathalie Rausch, Schaffhausen, Sprachen; Aurelia Reiser, Schaffhausen, Humanmedizin; Anina Rüger, Wilchingen, Biologie; Marie-Louise Schneider, Ramsen, Musik; Christian Sidler, Wilchingen, Wirtschaftswissenschaften; Michelle Spahn, Dachsen, Auslandsaufenthalt; Benjamin Stettler, Stetten SH, Wirtschaftswissenschaften; Elena Stojkova, Neuhausen, Sprachen; Lukas Studer, Schleitheim, Rechtswissenschaften; Michael Thüring, Stetten SH, Humanmedizin; Vera Tramer, Stein am Rhein, Auslandsaufenthalt; Céline Uehlinger, Neunkirch, Praxis; Anna Vogelsanger, Schleitheim, Pädagogische Hochschule; Jeannine Wanner, Merishausen, Anglistik; Jolanda Wanner, Schleitheim, Praxis.

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5. Juli 2011 | Viel Applaus für Coolbreeze

Schaffhauser Nachrichten, Weinland
Gustav Sigg

Beim letzten Konzert vor der Sommerpause stand in der alten Mühle Gütighausen die Schaffhauser Modern-Combo Coolbreeze im Rampenlicht. In deren Standardbesetzung war eine Band angesagt, die sich in den letzten zehn Jahren – auch als «Hausband» bei den Sommerkonzerten in der «Sommerlust» – weit über die Region hinaus einen Namen erarbeitet hat.
Mit der feierlichen Gospelnummer «The Preachers» von Horace Silver gelang den Musikern gleich ein stimmungsvoller Auftakt, gefolgt vom «C-Jam Blues» von Duke Ellington und der eingängigen Frühkomposition «Doxy» von Saxofonist Sonny Rollings. In der Ballade «Autumn Leaves» stand zuerst Hannes Debrunner mit einem wundervollen Trompetensolo im Mittelpunkt, worauf Diego Breetz in einer Improvisation mit filigraner Basstechnik das berühmte Thema herausspielte. Als Paradenummer für den glänzend disponierten Posaunisten Werner Lempen erwies sich der durch Ray Charles bekannte Klassiker «Georgia on My Mind». Als zusätzliche Herausforderung für den zwischen Becken und Trommeln agierenden Hugo Battaglia gerieten die Latin-Nummern «St. Thomas» und «Watermelon Man». Für den stärksten Applaus sorgte der charismatische Auftritt von Gastsänger Sandro Corchia mit seinen einfühlsam interpretierten Welthits wie «All of Me», «Fly Me To The Moon» und das phrasierungsreiche «Summertime» aus «Porgy und Bess». Kongenial hier jeweils die virtuose Begleitung des Pianisten Jean-Charles Reber plus Team, der durch brillante Solo-Improvisationen und auch durch massgeschneiderte Arrangements schlicht den «Herzschlag» von Coolbreeze bildet.

#Notizen zu Namen

4. Juli 2011 | Festlicher Höhepunkt des Zunftjubiläums

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Eigentlich war es schon am letzten Freitag so weit. Am 1. Juli 2011 war offiziell der runde Geburtstag der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte. Denn genau vor 600 Jahren, am 1. Juli 1411, hatten die Schaffhauser Handwerker das Recht erhalten, sich zu Zünften zusammenzuschliessen. Dies war die Grundlage für eine rund 400 Jahre dauernde Blütezeit, deren Spuren auch heute noch deutlich sichtbar sind. Die offizielle Feier verlegten die heutigen Zunftmeister aus praktischen Gründen aber auf den Samstag. So versammelten sich um 15 Uhr mehrere Hundert Gesellschafter, Zünfter, Gäste und Zugewandte in der Kirche St. Johann in Schaffhausen zum öffentlichen Festakt, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen war.

**Erbe heute noch sichtbar**
Umrahmt von festlichen Klängen des Schaffhauser Barockensembles liess die Gemeinschaft die Geschichte Revue passieren. «Wir wollen heute die Zeit der Zunftherrschaft in Erinnerung rufen», sagte Bernhard Seiler, Obmann der Stiftung der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte. Er erinnerte die Festgemeinde daran, wie sehr Schaffhausen von dieser Epoche auch heute noch geprägt sei, denke man etwa an den Munot oder an den Beitritt des damaligen Stadtstaates zur Eidgenossenschaft. Die Zunftverfassung selbst war den Schaffhauser Handwerkern noch von ihrem österreichischen Landesherrn gewährt worden. Regierungsratspräsident Reto Dubach überbrachte die Gratulationen der Regierung. «Ohne den von den Gesellschaften und Zünften aufgebauten Stadtstaat würde es den Kanton Schaffhausen nicht geben», sagte Dubach, selbst langjähriges Mitglied der Weberzunft. Die Leitprinzipien von damals, Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung, seien auch heute noch hochaktuell. Stadtpräsident Thomas Feurer gratulierte den Vereinigungen namens der Stadtregierung. Er sei stolz darauf, dass man in Schaffhausen dem kulturellen Erbe der Zunftzeit auch heute noch auf Schritt und Tritt begegne, etwa den schönen und kostbaren Zunfthäusern oder dem Munot. Nicht zuletzt dank den Gesellschaften und Zünften sei Schaffhausen keiner dieser geschichts- und gesichtslosen Orte, von denen es viele gebe. Es folgte ein Intermezzo des Barockensembles. Die Musiker hatten für den Anlass bemerkenswerte Stücke aus der Blütezeit der Zünfte ausgewählt, zwei Konzerte von Antonio Vivaldi sowie Stücke von Diego Ortiz, Guillaume Dufay und Johannes Martini. In seiner Festansprache ergründete Staatsarchivar Roland E. Hofer schliesslich ausführlich das historische Umfeld der Ereignisse von 1411 und deren Folgen (siehe Kasten). Danach konnte sich die Festgemeinde am Apérobuffet laben. Die Getränke waren von Stadt und Kanton offeriert worden.


**Staatsarchivar Roland E. Hofer: «1411 war eine gute Investition»**

Wie muss man sich aus heutiger Sicht die Umstände vorstellen, die zur Zunftverfassung von 1411 führten? Dieser Frage ging Staatsarchivar Roland E. Hofer in seiner Festrede nach.
«Schaffhausen», sagte Hofer einleitend, «war damals an die Habsburger verpfändet und damit eine österreichische Landstadt mit einem Habsburger Herzog.» Zwischen Basel und Konstanz sei Schaffhausen die wichtigste und bedeutendste Stadt gewesen, nicht zuletzt als Handelsplatz. Schon im 14. Jahrhundert wurde die Selbstbestimmung auf- und ausgebaut, wobei es zwischen Handwerkern und Adel immer wieder zu Auseinandersetzungen kam. Mit der Zunftverfassung zog Herzog Friedrich der IV. einen Schlussstrich und gewährte den Schaffhausern umfassende Selbstbestimmungsrechte. Die Bürger durften fortan nicht nur Zünfte bilden, sondern auch alle Schlüsselämter wie Bürgermeister, Räte oder Richter besetzen. Wer Mitglied einer Zunft war, war gleichzeitig Bürger, ungeachtet der Höhe seines Vermögens, und durfte also politisch mitbestimmen.

**3000 Gulden für die Urkunde**
Doch warum gewährte der Habsburger Herzog den Schaffhausern überhaupt diese Rechte? Laut Hofer gibt es mehrere Erklärungsansätze. Im Dokument selbst steht, die Verfassung sei der Dank für treue Dienste der Stadt Schaffhausen für das Haus Österreich. Noch andere Gründe seien zu vermuten. So die Absicht, die Stadt enger an Habsburg zu binden. Man könne den Schritt auch als Wirtschaftsförderung verstehen: eine Stadt, die dank besserer Rahmenbedingungen floriert, könne ihrem Landesherrn höhere Kredite gewähren. Geld, sagte Hofer weiter, spielte auch in einem anderen Sinn eine Rolle. Denn die Stadt musste ihrem Herzog, den seine Feinde «den mit der leeren Tasche» nannten, für die Zunftverfassung 3000 Gulden bezahlen. Schon 1415 konnte sich die Stadt auch aus der Pfandschaft loskaufen und damit die Reichsfreiheit wiedererlangen. Nun waren die Grundlagen gegeben, um in Freiheit, Selbstverwaltung und Eigenverantwortung einen souveränen Stadtstaat aufzubauen. Die 3000 Gulden für die Verfassung, sagte Hofer abschliessend, hätten sich gelohnt: ohne Zunftverfassung wäre Schaffhausen wohl eine österreichische Stadt geblieben, was der Geschichte eine ganz andere Wendung gegeben hätte. (zge)



Zunftobmann Bernhard Seiler (rechts) mit Festredner Roland E. Hofer nach dem Festakt am Apéro vor der Kirche St. Johann in Schaffhausen.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

30. Juni 2011 | Wie Schreibenlernen das Denken formt

Schaffhauser Nachrichten, Feuilleton
Roger Staub

Jüngst überraschte die Meldung in den Medien, dass jeder zehnte Schweizer von «funktionalem Analphabetismus» betroffen ist, also kaum lesen und schreiben kann. «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans halt später!», das ist das Credo unserer Zeit, in der wir zu lebenslänglichem Lernen verknurrt sind. Sobald der Mensch aufrecht steht, beginnt er zu gehen, seine Kindheit und Jugend durchrennt er förmlich, und wenn er erwachsen ist, joggt, walkt oder spaziert er. Aber immer «geht» er. Auch der 100-Meter-Läufer «geht», was ihn unterscheidet, sind Laufzeit und Technik. Ähnlich verhält es sich mit dem Schreiben, dessen Bedeutung oft noch unterschätzt wird – nicht nur für die kulturelle, sondern vor allem auch für die persönliche Entwicklung.
Von einem Abgänger wird nach zehn Grundschuljahren erwartet, dass er «des Schreibens mächtig» ist, ein – gemessen am Möglichen – etwas grosses Wort. An weiterführenden Schulen wird die Latte höher gesetzt: Am Gymnasium muss der Aspirant beispielsweise Aufnahmeprüfung und Probezeit bestehen – hat er eine Schreibschwäche, muss er diese mit Stärken in anderen Fächern – zum Beispiel in den Naturwissenschaften – ausgleichen. Und er tut gut daran, seine Schreibkompetenz zu erhöhen, will er auf einer Universität oder Hochschule bestehen. Denn spätestens dort werden ihm die Folgen einer «akademischen Legasthenie» drastisch vor Augen geführt, wenn er in kurzer Zeit einen Text abliefern muss oder dem Redefluss der Vorlesung schreibstumm ausgeliefert ist. Die Verwendung des grammatikalisch männlichen Geschlechts schliesst hier auch die Gymnasiastinnen mit ein, wenngleich eine jüngste Studie zum Schluss kommt, dass die Lese- und Schreibkompetenz junger männlicher Erwachsener denen ihrer Kolleginnen etwas hinterherhinkt. Während Mädchen immer noch vermehrt lesen, sitzen die Jungen länger am Computer.
Die Hochschulen beklagen sich über formale Schwächen, die einen Text zuweilen bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln. Da hilft kein Autokorrekturprogramm und – dank ausgereifter Fahndungsprogramme – inzwischen auch kein Plagiieren. Ghostwriter helfen bereitwillig, lassen sich ihre Dienste aber teuer bezahlen – für eine Seminararbeit bis zu fünftausend Franken. Zudem schiebt man das Problem vor sich her, und wenn’s herauskommt, kann man das Studium (oder das Ministeramt) vergessen.
Besser ist es da schon, wenn die Studierenden gut gerüstet an die Universität gehen. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Gymnasien. «Lesen und Schreiben» gehören im Fächerkanon und unabhängig vom gewählten Profil zu den Grundkompetenzen. Das Fach Deutsch bedient sozusagen die anderen Fächer, die auf Präzision im sprachlichen Ausdruck angewiesen sind, um ihre anspruchsvolle Disziplin vermitteln zu können.
Der vertiefte Erwerb einer eigenen Sprache auf der Grundlage unserer Kultur ist für viele Anwärter einer sogenannten Mittelschule zuerst einmal anstrengend. Am Beginn eines jeden Lernprozesses steht die «Enttäuschung», hier die Enttäuschung, der eigenen Gedanken- und Erfahrungswelt keine adäquate Sprache zur Seite stellen zu können. Deshalb beschränkt sich der Schreibunterricht an den öffentlichen Schulen nicht mehr auf die obligaten drei «Aufsätze» je Semester, die dann auch noch benotet werden. Kreatives Schreiben hat längst Einzug in die öffentlichen Schulen gehalten, auf allen Stufen und oft verbunden mit öffentlichen Veranstaltungen, beispielsweise unter Anleitung erfahrener Autoren, an denen die Schüler einen selbst verfassten Krimi oder ein Gedicht vortragen.
Nun macht kein Turnunterricht aus einem Sportmuffel einen Spitzenathleten, doch verhilft er ihm zu mehr Bewegungsfreiheit und körperlichem Wohlbefinden. Doch einige werden auch Spitzensportler – übertragen auf den Deutschunterricht zu Schriftstellern oder Autoren. Denn auch das ist – nebenbei – die Aufgabe des gymnasialen Unterrichts in allen Fächern: Talente aus ihrem Schlaf zu wecken.
Die Hochschulen haben es immer mehr auf «die schnelle und präzise Rezeption und Produktion von Texten» abgesehen. Doch «Schreiben und Lesen» beinhaltet weitaus mehr als die Vermittlung von nützlichen Fertigkeiten; nämlich das Erfassen der inneren und äusseren Wirklichkeit, reflexive Denkschulung und schöpferisches Gestaltungsvermögen.
So wie der Mathematikunterricht das abstrakte Vorstellungsvermögen erhöht, so erweitert der Schreibunterricht – wie übrigens alle Kunst- und Sprachfächer – die Möglichkeiten des individuellen Ausdrucks sowie die geistige Fantasie. Er ermöglicht, sich «der Welt zu bemächtigen» – analytisch wie musisch, objektiv wie individuell. Und die Segnungen einer vertieften Sprachkompetenz müssen ja nicht alle messbar sein; Psychologen ist die therapeutische Wirkung von Schreibprozessen als Teil der menschlichen Kreativität seit Längerem bekannt.
Im Zeitalter der rasenden Bilder (neue Medien) zwingt Lesen und Schreiben zur Entschleunigung, hier geht nichts schnell, hier unterliegt alles der gestalterischen Sorgfalt. Diese öffnet auch den Blick für die Literatur und die Kunst ganz allgemein, welche in Zeiten ökonomischer und technischer Prioritäten gerne vernachlässigt werden, aber unverzichtbarer Bestandteil einer (auch im wissenschaftlichen und sozialen Sinne) schöpferischen Kultur ist.

Roger Staub unterrichtet an der Kantonsschule Schaffhausen. Er berichtet hier von seinen persönlichen Erfahrungen als Deutschlehrer und nicht aus offizieller Sicht der Schule als Institution.


**Vielfältig Das Lese- und Schreibangebot an der Kantonsschule**

An der Kantonsschule von Schaffhausen bemüht man sich auf verschiedenen Ebenen um die Förderung der Schreibkompetenz. Die intensive Lektüre anspruchsvoller Texte und die analytische Betrachtung des Hochdeutschen verfeinern das Sprachgefühl. Doch genügt das nicht, um den Ausdruck nachhaltig zu verbessern – es muss vor allem geschrieben werden: So werden im Halbklassenunterricht Texte verfasst und vorgetragen. Der intime Rahmen fördert das Vertrauen in die eigenen Texte und ermöglicht eine intensive Betreuung, die notwendig ist, damit bei jedem Schüler dort angesetzt werden kann, wo es stockt.
Im zweiten Schuljahr wird eine Facharbeit geschrieben, gewissermassen als Probelauf für die Maturaarbeit. Jährlich finden Wettbewerbe mit überregionaler Ausstrahlung statt – zum Beispiel Slam-Poetry, aber auch Förderwettbewerbe, welche dem Schreiben das entsprechende Prestige verleihen und den Talenten eine Plattform für ihr überdurchschnittliches Können bieten – ähnlich den Anlässen, wie man sie aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich kennt. (rst)

#Notizen zu Namen

28. Juni 2011 | Viel Lob und etwas Kritik für das Fest

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Jung

Das Wetter war schön, und das Feuerwerk glänzte. Der Wein mundete, und die Grilladen dufteten herrlich. Die Stimmung war gut, und die Tenöre trafen ihre Töne. Wir haben bei verschiedenen Beteiligten nachgefragt, wie sie auf das grosse Volksfest «Schaffusia’11» zurückblicken.
«Grundsätzlich ziehen wir ein sehr positives Fazit», sagte Linda Prager vom «Güterhof» an der Schifflände, wo gestern Nachmittag noch die Aufräumarbeiten der Sandstrandparty abgeschlossen wurden. «Es hat sich gelohnt, einen grossen Aufwand zu betreiben», so Prager. Die Gäste hätten die investierte Arbeit wahrgenommen und geschätzt. «Wir sind auch zufrieden mit dem Umsatz», sagte sie.

**«Freinacht wäre schön gewesen»**
Trotzdem gebe es einige Dinge, die verbessert werden könnten. «Es gab zu wenig Werbung im Vorfeld», meinte Prager. Vielen Schaffhausern sei nicht bekannt gewesen, in welchem Rahmen das Fest stattfinden werde. Die Funktion des Themas «Salz» sei am Fest nicht klar geworden, und die Auftaktveranstaltung sei etwas wenig fulminant verlaufen. «Man hatte nicht das Gefühl, dass jetzt die grosse Feier beginnt», sagte Prager. Auch wäre eine Freinacht von Samstag auf Sonntag schön gewesen. «Um 2 Uhr Schluss zu machen, ist extrem früh.» Marianne Meier hatte mit einem OK von Freiwilligen aus verschiedenen Gemeinden des Klettgaus und des Randentals auf dem Herrenacker einiges auf die Beine gestellt: Ausstellungen und Aktivitäten zu den Themen Rebbau, Wald und Wasser, Landwirtschaft und Tourismus. Ebenfalls hatten die Klettgauer und die Randentaler das Promischwingen und eine Festwirtschaft organisiert. Meier ist mit dem Verlauf des Festwochenendes mehr als zufrieden. «Es war super», sagte sie. «Es hat von A bis Z geklappt. Alles, was wir vorbereitet hatten, kam gut an. Die Besucher waren genial.» Darunter seien viele aus dem Klettgau und dem Randental gewesen, was sie speziell gefreut habe. Auch wirtschaftlich ist sie mit «Schaffusia’11» sehr zufrieden. So ist das OK der Klettgauer und der Randentaler auch gegenüber einer baldigen Wiederholung positiv eingestellt. Durchzogener fällt das Fazit von Bruno Bosshard aus. Er ist Präsident der Genossenschaft Badi Unterer Reiat. Die Badi hatte einen Stand mit Grilladen an der Rheinuferstrasse. «Grundsätzlich war die Stimmung sehr gut», sagte auch er, «es war friedlich und ein wirklich schönes Fest.» Nicht ganz zufrieden war er aber mit den Besucherzahlen in der Festbeiz der Badi. Der Standort weit unten an der Rheinuferstrasse war an einem Endpunkt der Festmeile und zog daher nur wenig Laufkundschaft an. «Die Rheinuferstrasse war ja nicht ganz so gut frequentiert, wie man sich das wahrscheinlich erhofft hatte», sagte Bosshard, «wir hatten diejenigen Besucher aus dem Reiat, die uns gezielt unterstützen wollten.» Ansonsten hätten aber nur wenige vorbeigehende Gäste die Festbeiz besucht. «Die Bühnen und die Konzerte waren genial, aber wir haben aufgrund unserer Lage davon nicht viel profitiert», so Bosshard. Das sei zwar ein Wermutstropfen, insgesamt habe er das Fest aber genossen. Und «auf jeden Fall» würde er auch ein nächstes Mal wieder mitmachen.

**«Schaffusia’11» Wie das Fest auf den Social-Media-Netzwerken ein Thema ist**
Wenn ein Anlass die Menschen bewegt, so schlägt sich das auch auf Social-Media-Netzwerken nieder: Das gilt auch für «Schaffusia’11», das in zahlreichen Fotos präsent ist. «War geil», «Schaffhausen, Switzerland on Saturday. It was the best!» oder auch «Ein gutes Fest» sind nur einige der Kommentare auf Twitter.
Die Beteiligten des Promischwingens beispielsweise publizierten Bilder auf ihren Facebook-Accounts, so etwa auch der Sieger und Kranzträger Till Aders, der nach dem Sieg von Fotograf Stefan Kiss mit seiner Trophäe abgelichtet wurde.
Und wer sich das Feuerwerk vom Munot nochmals anschauen will, findet die besten Momente seit gestern auch auf Youtube. (rob)

#Notizen zu Namen

24. Juni 2011 | Die Spuren der Lehrer

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Katrin Schregenberger

Was haben James Bond und Diplomanden einer pädagogischen Hochschule gemeinsam? Sehr viel, finden die Studierenden der Abschlussklasse H08, die gestern Abend im Hombergerhaus diplomiert wurden.
Eingeleitet wurde die Diplomfeier mit einer Vorführung des Schulchors, der den James-Bond-Song «Im Auftrag Ihrer Majestät» sang. Dann übernahmen die Moderatorinnen Tatjana Tobler und Delia Butti in detektivischer Manier das Wort und versprachen eine Spurensuche der kriminalistischen, pädagogischen und humoristischen Art.

**Die Spurensuche**
Schulrektor Thomas Meinen machte mit seiner Rede den Anfang und lobte die erreichten Lernerfolge der angehenden Lehrpersonen. «Spuren entstehen, wo Wege gegangen werden», so Meinen. Mit dem Diplomabschluss ende dieser Weg jedoch keineswegs. «Lehrende bleiben Lernende», sagte der Schulleiter in feierlichem Ton. Den roten Faden der Spurensuche nahm auch der Erziehungsdirektor des Kantons Schaffhausen, Christian Amsler, in seiner Ansprache auf. Die Spurensuche gehe bei der Arbeit mit Kindern weiter.

**Die Akte H08**
Unter dem Titel «Fahndung 08» zeichneten die Absolventen ihre Fussstapfen selbst in drei performativen Szenen nach. In der ersten Szene wurde in die Köpfe von drei Primarschülern geschaut. «Wenn ich mal Lehrer bin, mache ich das besser», nahm sich einer der Schüler vor. Die Vorführung legte die Fährte weiter über unsensibles Lehrerpersonal bis zum Ideal des verständigen und selbstbewussten Lehrers.

**Spitzenreiterin inkognito**
Den Spannungshöhepunkt der Feier bildete die Diplomübergabe. Mit dem Lehrdiplom erhielten die Absolventen, von denen nur drei männlichen Geschlechts sind, auch den Hochschulabschluss Bachelor of Arts in Primary oder Preprimary Education. Zu Deutsch: Von der Bühne schritten acht frischgebackene Kindergärtnerinnen und 15 angehende Primarlehrpersonen. Die Spitzenreiterin in Preprimary Education war Nicole Macher mit einem Notendurchschnitt von 5,27. Die herausragendste Studentin der Primarstufe jedoch blieb auf eigenen Wunsch ungenannt, da die ganze Gruppe einen aussergewöhnlich hohen Notendurchschnitt von 5,3 vorlegte. Die fünf Besten hatten allesamt einen Notendurchschnitt über 5,3 aufzuweisen. Der Krimi blieb also bis zum Ende spannend und das Rätsel der Spitzenreiterin bis zum Ende ungelöst.

**Die Absolventinnen und Absolventen**

**Lehrpersonen Primarschulstufe**
Jacqueline Berg, Wilchingen; Jasmin Bürgin, Diessenhofen; Nicole Distel, Flurlingen; Janine Fischbacher, Schaffhausen; Florence Graf, Schaffhausen; Irene Hafner, Stetten; Markus Hasler, Hettlingen; Melanie Hehli, Stein am Rhein; Amanda Moor, Stein am Rhein; Simone Moser, Schaffhausen; Andrea Peter, Andelfingen; Franziska Rogg, Rietheim; Namir Schlatter, Uhwiesen; Stefanie Schnyder, Braunwald; Tim Schriber, Schaffhausen; Julia Stamm, Schaffhausen; Christian Wiener, Schaffhausen.

**Lehrpersonen der Vorschulstufe**
Annik Baumann, Schleitheim; Delia Butti, Diessenhofen; Fabienne Fedier, Amsteg; Noemi Finger, Beringen; Debora Grob, Bertschikon; Nicole Macher, Neuhausen; Marina Schneider, Stein am Rhein; Tatjana Tobler, Schaffhausen.

#Notizen zu Namen

11. Juni 2011 | Gratulation zur diamantenen Hochzeit

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
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Die beiden prominenten Jubilare an der Randenstrasse haben am 14. Juni 1951 in der Kirche Oberhofen geheiratet, also vor 60 Jahren. Ruth und Felix Schwank tragen an ihrem Los, dies gleich vorneweg, natürlich nicht schwer, ganz im Gegenteil. Wie viele andere Ehepaare in der gleichen Lage hadern sie keineswegs mit ihrem Schicksal, verbringen miteinander vielmehr seit Jahr und Tag glückliche und zufriedene Stunden, auch wenn die Zeiten mal nicht danach sind.
Deshalb reden wir hier für einmal nicht von Scheidungsraten, von Singles, alleinerziehenden Müttern und Vätern, sondern würdigen jene Eheleute, die auf dauerhafte Beziehungen schwören. Die verbindliche Zweisamkeit ohne vorzeitiges Verfalldatum verdient nicht nur faule Witze, sie kann sehr bereichernd sein, sofern man sich respektiert, sich nicht gegenseitig auf die Nerven geht und nicht dauernd auf den Füssen herumtrampelt. Freiraum muss sein. Allerdings will der Schritt in den Hafen der Ehe gut überlegt sein. «Drum prüfe, wer sich ewig bindet», heisst es bei Schiller. Befasst man sich etwas näher mit der Materie, erfahren wir ausserdem, dass die monogame Ehe in der heutigen Form und in unseren westlichen Breitengraden erst seit dem 15. Jahrhundert wirklich geläufig ist. Unsere Ahnen im Kesslerloch liessen sich noch nicht auf feste Partnerschaften ein. Sagt man. Auch im Mittelalter heirateten unsere Vorfahren nur dann, wenn sie gut gepolstert waren, ergo für Kost und Logis der meist kinderreichen Familie aufkommen konnten. Altbekannt ist die Liebesheirat nicht, die Zwangsehe gab es auch bei uns und wurde erst abgeschafft, als sich die Kirchen und der Staat in die Trauungen und deren Folgen einmischten. Von den vielen und bereits im 17. Jahrhundert gängigen Hochzeitstagen kennen wir hierorts vor allem die silberne (mit 25 Jahren) und die goldene Hochzeit nach 50 Jahren Ehe. Seltener ist die diamantene und – nach 70 Jahren – die sogenannte eiserne Hochzeit. Auf Umwegen haben wir vernommen, dass die Hochzeitreise die Schwanks vor 60 Jahren erst auf die Reichenau, später noch nach London zu Freunden führte. Als die Frischvermählten zurückkehrten, ging in der Munotstadt just ein grosses Stadtfest über die Bühne, das an die 450-jährige Zugehörigkeit Schaffhausens zum Bund der Eidgenossenschaft erinnerte; in der Webergasse soll das junge Paar einen vergnügten Bundesrat Steiger getroffen haben. Wenn nicht eine grosse, so doch eine gediegene kleine Feier wünschen wir an dieser Stelle, verbunden mit herzlichen Wünschen: Ruth und Felix Schwank – sowie allen Ehepaaren, die sich heute oder an einem anderen Tag dankbar und gern an ihre Hochzeit erinnern.



«Drum prüfe, wer sich ewig bindet …»: Ruth und Felix Schwank in ihrer Wohnung, bei einem stimmungsvollen Apéro vor zwei, drei Wochen.
Archivbild Bruno Bührer

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9. Juni 2011 | Aufbruch in unerforschte Welten

Schaffhauser Nachrichten Schaffhausen/Neuhausen
Daniel Jung

Bereits am Montag war auf dem Pausenplatz der Kantonsschule ein UFO gelandet. Allerdings wurde aus Sicherheitsgründen von der Alien-Kontrollbehörde «Men in Black» ein Zelt um das Flugobjekt herum errichtet. Diese ausserirdische Ankunft hatte in der Kanti einige Unruhe hervorgerufen, waren doch seither auf dem Gelände zahlreiche Reporter unterwegs, dargestellt von Maturandinnen und Maturanden. Ebenfalls trat eine Hippie-Sekte auf den Plan, die in der Ankunft des Raumschiffs entweder das Ende der Welt oder den Anfang einer intergalaktischen Umarmung erkannte. Daneben lieferten sich die in schwarze Anzüge gekleideten und mit Sonnenbrillen und Laserpistolen ausgerüsteten «Men in Black» und die verschiedenen ausserirdischen Lebensformen wilde Wasserpistolenschlachten.

Kostümierte Kantischüler
In ihrer letzten offiziellen Schulwoche vor den Prüfungen gehen die Schülerinnen und Schülder der vierten Kantiklassen traditionell verkleidet in den Unterricht – sofern sie diesen überhaupt noch besuchen. Gestern gipfelte ein solches Kostümspektakel wieder einmal in einem unterhaltsamen Anlass für die ganze Schule, der sich nach anfänglichen Spässen und Kapriolen in den Schulhäusern hauptsächlich in der grossen Dreifachturnhalle auf dem Munot abspielte. Dort mussten die unteren Schulklassen jeweils einen thematisch passenden Beitrag vorführen. Die Klassen des sprachlichen Profils hatten eine Weltraumversion des Märchens vom bösen Wolf und den sieben Geisslein ohne Worte darzustellen. Die Schüler des musischen Profils hatten die Aufgabe erhalten, einen Rap zur Kommunikation mit den Ausserirdischen zu erarbeiten – leider waren diese Darbietungen mehrheitlich kaum zu verstehen, sei es wegen der Akustik in der Halle oder der fehlenden Koordination der Sprechsänger. Als humoristischen und obszönen Höhepunkt waren die Klassen des naturwissenschaftlichen Profils angehalten worden, ein Verhütungsmittel für Aliens zu entwickeln. Diese abstrusen Instrumente präsentierten die Gruppen unter grossem Gelächter vor ihren Mitschülern. Ebenfalls wurde in der Halle der «goldene Erstklässler» gewählt – diese Ehre fiel Dilan Rama zu. Neben der «schwärzesten Raucherlunge» wurde auch das beliebteste Kanti-Pärchen ausgezeichnet – hier erhielten Nadine Frei und Alexander von Stegmann am meisten Applaus. Zuvor hatte hatte jedoch Rektor Urs Saxer mit pinkfarbener Perücke und heliumerhöhter Stimme den unteren Klassen erklärt: «Der normale Schulalltag geht um 13 Uhr weiter.»



Ein junger Mann mit Schädelmaske und die vier Maturandinnen Irina Lerch, Isabelle Kohler, Jessica Huber und Yvonne Burger gestern Vormittag am Maturstreich.
Bild Selwyn Hoffmann

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8. Juni 2011 | Keiner zu jung, um Firmenchef zu sein

Schaffhauser Nachrichten; Region
Christoph Aebi

Kurz vor acht Uhr morgens beim Landhaus hinter dem Bahnhof Schaffhausen: Gegen 70 Jugendliche warten auf einen Extrabus. Es herrscht Schulausflugsstimmung. Das Ziel der Fahrt ist jedoch nicht etwa ein Vergnügungspark, sondern das Ausbildungszentrum Klostergut Paradies in Schlatt/TG, ein Klarissenkloster aus dem 13. Jahrhundert. Das direkt am Rhein in einem wunderschönen Park gelegene Anwesen wird als Ort angepriesen, an dem man «fern vom Alltag konzentriert und kreativ arbeiten kann».
Dies ist die Absicht der Kantonsschule Schaffhausen, die im Klostergut zweimal jährlich ihre Wirtschaftswoche durchführt. Das ursprünglich durch die Ernst-Schmidheiny-Stiftung entwickelte Konzept findet in der ganzen Schweiz regen Anklang. An der Kantonsschule Schaffhausen können seit 1972 alle Schülerinnen und Schüler, entweder in der 3. oder 4. Klasse, einmal davon profitieren. Die Wirtschaftswoche bietet gemäss Urs Saxer, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, «einen praxisbezogenen Einblick in die Funktionsweise der Wirtschaft, um dadurch das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu fördern». Als Basis fungiert eine computergestützte Unternehmenssimulation, mit deren Hilfe die Schüler konkrete Entscheidungen aus verschiedenen Führungsebenen einer Unternehmung treffen können. In dieser Woche reisen Schüler und Schülerinnen aus vier Klassen sowie sieben Lehrlinge aus der Region täglich nach Schlatt. Die Klassen werden gemischt und neu zusammengestellt. Dies fördert laut Urs Saxer die Gruppendynamik. Für den Praxisbezug sorgen Führungskräfte aus der Wirtschaft. An diesem Dienstagmorgen vermittelt der 30-jährige Mathias Weber, Verkaufsleiter Homecare bei der IVF Hartmann AG, im «Habsburgerzimmer» des Klostergutes seiner Klasse alles Wissenswerte über das Marketing einer Firma. Er tut dies kompetent und mit anschaulichen Beispielen. Die Schüler und Schülerinnen sind eher scheu, zurückhaltend, aber, wie Mathias Weber betont, «oberpünktlich und sehr diszipliniert». Er macht die Klasse darauf aufmerksam, dass Marketing nicht nur aus Werbung besteht, sondern Selektion, Akquisition und Bindung der Kunden ebenso wichtig sind. Zu Beginn der Woche bildeten die Schüler in der Klasse vier Gruppen und somit vier Unternehmen. Mathias Weber erteilte ihnen den Auftrag, die Geschäftsstrategien für ein Produkt mit einem Maximalwert von 70 Franken zu bestimmen. Mittels Brainstorming generierten die Gruppen Ideen wie die Herstellung von Wein, Mes- sersets, Sesseln oder Steigbügeln. Schliesslich entschieden sich die Schüler, mit ihren soeben gegründe-ten Unternehmen Kontaktlinsen herzustellen. Nun sitzen die frischgebackenen Repräsentanten und Repräsentantinnen der «Clear View AG», der «Swiss Lens Company», der «Öko Eye AG» sowie von «Eagle Eye» gespannt im Raum. Mathias Weber erteilt ihnen nach einem kurzen Theorieblock den Auftrag, ein Kommunikationskonzept für ihre Unternehmen auszuarbeiten. Die Kreativität der Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen ist gefragt. «Öko Eye», welche für die ökologische Produktion ihrer Linsen nur brasilianischen Kautschuk verwendet, appelliert an das soziale Gewissen. Die «Clear View AG» stellt die anhaltende Feuchtigkeit und die lange Tragbarkeit ihrer Produkte in den Vordergrund. Die Resultate werden am Donnerstag in der Klasse präsentiert. Zuvor dürfen sich die Schüler auf den Mittwoch freuen. Dann erhalten sie einen Einblick in ein reales Unternehmen der Region.


**Vier Teilnehmende Erwartungen an die Wirtschaftswoche und Rückblick auf die ersten zwei Tage**

Armin Ajdarpasic (Klasse 3ma): Es ist sehr interessant, zu sehen, wie die Wirtschaft funktioniert. Die Zusammenhänge sind auf den ersten Blick jedoch eher schwierig zu verstehen. Auch ist es nicht ganz einfach, im Unternehmensplanspiel Entscheidungen zu treffen.

Sabine Schäppi (Klasse 3mc): Ich möchte viele interessante Dinge erfahren und den Schulstoff aus der Kanti weiter vertiefen. Wir haben es lässig in unserer Gruppe, und der Unterricht ist spannend. Nun freue ich mich auf die Firmenbesichtigung, welche für den Mittwoch geplant ist.

Marijan Rajan (Automatikerlehrling, Bircher Regiomat AG): Als mich mein Lehrmeister angefragt hat, ob ich bei der Wirtschaftswoche mitmachen möchte, habe ich sofort zugesagt. Zu den praktischen Kenntnissen aus meiner Ausbildung erhalte ich hier noch zusätzliche Theorie.

A. K. (Klasse 3sc): Ich möchte Einblick erhalten, wie es in der Wirtschaft wirklich abläuft. Am ersten Tag mussten wir Entscheidungen treffen, ohne deren Auswirkungen zu kennen. In der Realität ist es jedoch auch so, dass man nicht weiss, wie sich der Markt entwickelt.


**Nachgefragt**

«Die Jugend ist das Kapital von morgen»

Andreas Gisler ist CEO der IVF Hartmann Gruppe sowie Vorsitzender der Bildungs- und Personalkommission der Industrie- & Wirtschaftsvereinigung Schaffhausen (IVS). Die IVS unterstützt die Wirtschaftswochen der Kantonsschule Schaffhausen seit ihren Anfängen.

*Herr Gisler, wie gross ist das Engagement der Industrie- & Wirtschafts- vereinigung Schaffhausen (IVS) bei den Wirtschaftswochen der Kantonsschule Schaffhausen?*
Andreas Gisler: Die direkt bezifferbaren Kosten der Wirtschaftswochen, beispielsweise für die Infrastruktur, betragen mehrere Tausend Franken pro Jahr. Die IVS stellt jedoch auch Führungskräfte als Lehrpersonen zur Verfügung. Aus meiner Firma, der IVF Hartmann AG, unterrichten zum Beispiel ein Verkaufsleiter sowie der IT-Chef die Schüler. Diese Führungskräfte sind während einer ganzen Woche nicht in der Firma. Die zwei Wirtschaftswochen (inklusive Infrastruktur, Lehrpersonen, Sozialtag etc.) kosten somit effektiv ungefähr 100 000 Franken pro Jahr.

*Wieso engagiert sich die IVS derart grosszügig, und was erhofft sie sich davon?*
Gisler: Wir von der IVS sind überzeugt, dass die Jugend das Kapital von morgen ist. Deshalb ist es sehr wichtig, die Jugendlichen auch in praxisbezogenen Wirtschaftsfragen weiterzubilden. Es ist jedoch nicht primär das Ziel zu sagen: «Ich gebe dir etwas, damit du mir auch etwas zurückgibst.» Wir handeln eher nach dem Motto: «Tue Gutes und sprich darüber.»

*Welche Erfahrungen hat die IVS mit der Unterstützung der Wirtschaftswochen gemacht?*
Gisler: Die Erfahrungen sind extrem positiv. Dies betrifft sowohl die Rückmeldungen vonseiten der Schülerinnen und Schüler als auch vonseiten der Berufslernenden und der Fachlehrer.
Interview Christoph Aebi

#Allgemeines

31. Mai 2011 | Festival de Cannes in Schaffhausen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Linda Hatt

Wie jedes Jahr kurz vor den Maturaprüfungen ging der Maturaball der Kantonsschule Schaffhausen und der Fachmittelschule FMS über die Bühne. Dabei ging es bei den Damen natürlich darum, für einmal ein kleiner Star zu sein. Es gab eine grosse Vielfalt an Kleidern zu sehen, von kurz über lang, von klassisch bis hin zu modern. Auch den Farben der Kleider waren keine Grenzen gesetzt, jedoch hielten sich viele Ladys dann doch an dunkle und schlichte Farben, mutige wagten sich jedoch auch an knallrote Roben. Zu den Kleidern mussten selbstverständlich auch die Frisur, die Accessoires und die Schuhe passen. Wobei die eine oder andere dabei erwischt wurde, wie sie ihre Highheels im Laufe des Abends dann doch gegen Ballerinas austauschte. Einige leisteten sich auch extra eine Coiffeurbesuch und liessen sich aufwendige Hochsteckfrisuren machen. Obwohl das Outfit für die Männer wohl eher sekundär war, wussten auch sie sich anzuziehen. Die meisten erschienen in Smoking, und manch einer hatte seine Krawatte sogar dem Kleid der Begleiterin angepasst.
Am Eingang war ein roter Teppich ausgerollt worden, wie für die Filmfestspiele in Cannes. Denn der diesjährige Ball stand unter dem Motto Festival de Cannes. Dieses Motto passe genau in die Zeit, da die echten Festspiele erst gerade über die Bühne gegangen seien, meinte Jasmin Licina vom OK. Sie fügte an, dass die Organisation des Anlasses sehr zeitaufwendig und teilweise kompliziert gewesen sei. Doch der Aufwand hatte sich gelohnt, die Besucher schienen auch alle zufrieden zu sein. «Es isch lässig, besser, als mir erwartet händ», bestätigten zum Beispiel Jonas Busshard und Valerie Lüddecke. Was das Tanzen, also den eigentliche Grund des Anlasses betraf, lief es zumindest zu Beginn etwas harzig. Denn der DJ vergriff sich etwas im Musikstil. Zu elektronischer Musik fiel es den meisten Maturanden schwer, die Tanzschritte aus dem extra zuvor besuchten Tanzkurs umzusetzten. Sie vertrieben sich die Zeit an der Bar, beim Plaudern und am reichhaltigen Dessertbuffet. Teilweise ging es auch etwas hektisch her und zu, wenn sich die ganze Klasse zum Fototermin einfinden sollte. Wie jedes Jahr war ein Fotograf anwesend, der alle Klassen zu einem Foto zur Erinnerung an die Kantizeit ablichtete. Die Stimmung wirkte sehr ausgelassen. Somit war es ein gelungener Abend, um Spass zu haben, sich einmal wie ein Sternchen zu fühlen und ein letztes Mal mit den Mitschülern zu feiern.

#Allgemeines

30. Mai 2011 | Olympisches Training mit Oxalsäure

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Conradin Leeser

Natriumchlorid, Salpetersäure, Kaliumhiocynat, Wasserstoffperoxid. Die braunen und weissen Bouteillen stehen in Reih und Glied, eine nach der anderen. Sorgfältig dem Dichtegrad nach aufgereiht, grosse Flaschen und kleine Fläschchen, der Totenkopf auf rotem Etikett mahnt zur Vorsicht. Erster Gedanke: Wenn das mal nicht richtig «chlöpft und tätscht»! Lucia Meier scheint Gedanken zu lesen: «Die meisten Chemiestudenten kommen wohl tatsächlich über das ‹Chlöpfen› zur Materie», so die angehende Chemikerin mit einem Schmunzeln, «zumindest die Männer.» Sagts und schaut zu ihrem Kollegen Sebastian Keller, der wie sie an der ETH Zürich, Ziel: Masterdiplom, studiert. Die beiden Aargauer beehrten Schaffhausen am Samstag indes nicht explosiver Reaktionen wegen, vielmehr kamen sie in olympischer Mission: die Chemieolympiade ruft. Oder besser: Die Vorbereitungskurse dazu. Säure-Basen-Titration, Redox-Titration, chemische Berechnungen – die beiden Studenten vertiefen mit Olympiakandidaten das theoretische und praktische Einmaleins der Chemie – unter anderem an der hiesigen Kantonsschule. Dass die Kanti das Projekt unterstützt, ist für Prorektor und Chemielehrer Thomas Stamm selbstverständlich: «Schüler und Kursleiter investieren sehr viel in diese Kurse – das möchten wir wertschätzen.» Umso mehr, als die Olympiade einiges von den Teilnehmern abverlangt: «Das Basiswissen muss sehr solide sein, und auch wissenschaftliche Kreativität ist gefragt – organische Probleme sind teilweise sehr abgefahren.» Den Schülern dürfte dabei entgegenkommen, dass ihnen die Lehrer bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen – mitunter ein Verdienst der guten Beziehung zwischen Schülern und Lehrern, ist sich Stamm sicher. «Dadurch, dass wir es miteinander gut haben, können wir auch gut motivieren und unterstützen.» Stellt sich die Frage: Kommt der nächste Olympiasieger aus Schaffhausen? Stamm zeigt sich optimistisch: «Die Chancen sind absolut intakt.» Marion Thalmann, eine der Schaffhauser Olympiakandidatinnen, sieht die Sache derweil etwas pragmatischer: «Man lernt viel, und es ist durchaus eine interessante Erfahrung – wenn es mit Olympia nicht klappt, dann habe ich immerhin schon den Maturastoff repetiert.»

Langer Atem ist bei diesem Versuch gefragt: Sebastian Keller bläst mittels einer Pipette Atemluft – und damit auch Kohlenstoffdioxid – in die Wasserlösung. Der Indikator reagiert dabei auf die eintretende Kohlensäure, wodurch sich bei der Flüssigkeit eine Farbveränderung einstellt.

Genaues Arbeiten ist nebst solidem Basiswissen unabdingbar: Marion Thalmann und Jonas Freitag arbeiten an einer chemischen Analyse. Die Motivation? «Ich möchte später Richtung Chemie studieren – das ist jetzt ein guter Test, ob mir die Materie auch wirklich gefällt», so Freitag.

Redox-Titrationen sind Standardlaborversuche, die an der Chemieolympiade geprüft werden. Kantischülerin Melanie Gut erklärt die bunte Reaktion wie folgt: «Hier wird Kaliumpermanganatlösung in Wasser mit Oxalsäure gegeben. Ist keine Oxalsäure mehr vorhanden, wirds violett.»

E Kursleiter und Olympiaveteranen zugleich: Lucia Meier und Sebastian Keller waren selbst zweimal als Teilnehmer an der Chemieolympiade dabei. «Es war eine tolle Erfahrung – nicht nur die Chemie, sondern auch der Kontakt mit den anderen Nationen ist sehr spannend.»

**Chemieolympiade Fakten zum Wettbewerb**

Die Chemieolympiade ist ein jährlicher Wettbewerb, bei dem sich je vier Schülerinnen und Schüler aus 60 Nationen in theoretischer und praktischer Chemie messen. Teilnahmeberechtigt sind Schüler unter 20 Jahren, nicht aber Studenten. Wissenschaftsolympiaden gibt es auch für Physik, Mathematik und weitere Disziplinen. Die Vorbereitungskurse dienen der Vertiefung der zentralen chemischen Stoffgebiete und üben die Bearbeitung olympischer Aufgabenstellungen – unter anderem chemische Analysen im Labor. An den Kursen für die Nordostschweiz, die in St. Gallen und Schaffhausen stattfinden, nehmen 17 Schüler teil, darunter fünf Schaffhauser. Die Vorbereitungen erfolgen gezielt auf die Schweizer Vorausscheidung im Oktober 2011, an der aus rund 200 Teilnehmenden die vier Finalisten bestimmt werden, welche 2012 an die Chemieolympiade nach Washington D. C. reisen werden. Getragen werden die Förderkurse durch die Herisauer Stiftung Methrom.

#Notizen zu Namen

28. Mai 2011 | Gemeinsam über 275 Jahre auf Kurs

#Notizen zu Namen

27. Mai 2011 | «Spannende Inhalte, gut transportiert»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Jung

Erziehungsdirektor Christian Amsler hat kürzlich einige Präsentationen von Maturaarbeiten besucht. «Ich war sehr beeindruckt von der Auftrittskompetenz der Maturanden», sagte er gestern. Viele Maturaarbeiten seien wahre Wunderwerke geworden, lobte der Regierungsrat. «Alle Themen sind fern von 08/15, wie die jungen Leute im kleinen Paradies», sagte er. Speziell interessierte ihn die später am Abend ausgezeichnete Arbeit von David Bollinger, welche das derzeit politisch relevante Thema des Umgangs mit dem Dialekt behandelt. Auch habe er die ebenfalls nominierte, aber von der Jury nicht ausgewählte Arbeit von Timothy Odermatt zum Thema Rauchstopp an die Gesundheitsdirektorin weitergereicht.

Sprache stand im Zentrum
Von insgesamt 142 in diesem Jahr eingereichten Maturaarbeiten waren elf nominiert worden. Gestern Abend wurden in der Aula der Kantonsschule davon nun sechs Arbeiten, die unter den vielen interessanten Texten speziell hervorragten, von einer Jury ausgezeichnet. Dabei war dieses Jahr die Sprache ein «absolut zentraler Aspekt», wie Prorektor Thomas Stamm sagte. «Ohne eine sprachlich gut formulierte Einführung und präzise gestellte Leitfragen würden manche Grafiken und viele Formeln im leeren Raum dastehen», sagte er. Doch speziell bei den prämierten Arbeiten seien durchwegs «spannende Inhalte gut transportiert worden», so Stamm. Im Fachbereich Sprachen überreichte Georg Freivogel vom Bücher-Fass die Preise an die zwei Gewinner (siehe rechts). Im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften war dies Peter Scheck vom Historischen Verein. Die Kategorie Naturwissenschaften wurde von Iwan Stössel bestritten, der im Namen der Naturforschenden Gesellschaft einen von der Cilag gestifteten Preis übergab. Umrahmt wurde die stimmungsvolle Veranstaltung von Ayesha Rether, die drei Popsongs vortrug, welche sie für ihre selbständige Arbeit an der FMS geschrieben hatte. Sie zupfte dazu ihre akustische Gitarre und wurde am Schluss von einer feinfühligen Dreimannband unterstützt.



Georg Freivogel vom Bücher-Fass (r.) überreichte den Maturanden David Bollinger und Olivia Ziegler ihre Auszeichnungen.
Bild Bruno Bührer

Prämiert Fachbereich Sprachen

Derzeit wird die Stellung der Mundart im Kindergarten heiss diskutiert. In seiner Arbeit «Schaffhauserdeutsche Rechtschreibung» setzte sich David Bollinger aber nicht mit dem gesprochenen, sondern mit dem geschriebenen Dialekt auseinander. Er untersuchte den Einfluss von Kurztexten auf die Schreibweise. Es geht in der Arbeit speziell um Abkürzungen und die veränderten Schreibweisen in SMS und E-Mails. Diese analysierte David Bollinger im schaffhauserischen Kontext.

Prämiert Fachbereich Sprachen

Während der Kantizeit hat Olivia Ziegler in Lausanne ein Welschlandjahr absolviert. Dabei hat sie beobachtet und dokumentiert, wie ihre Kollegen mit SMS umgehen und wie sie die französische Sprache dabei einsetzen. Ihre Erkenntnisse stellt sie in der gestern ausgezeichneten Arbeit «Le langage texto» dar. «Wir hätten nicht zwei thematisch ähnliche Arbeiten im Bereich Sprache ausgezeichnet, wenn sie nicht beide wirklich sehr gut gewesen wären», sagte Prorektor Thomas Stamm.

Prämiert Geistes- und Sozialwissenschaften

In ihrer Arbeit «Ambulare iuvat – 12 Wanderungen zu den Römern in und um Schaffhausen» hat Marianne Gatti eine Art Handbuch zu zwölf Fussmärschen im Raum Schaffhausen erarbeitet. Mit ihrer Anleitung – der Titel bedeutet «Wandern macht Spass» – kann man sich in der Region auf die Spuren der Römer begeben. Zum Teil folgen die Pfade alten Römerstrassen, andere führen an römischen Siedlungen vorbei, etwa Iuliomagus bei Schleitheim. Zusätzlich liefert Gatti Informationen zum antiken Leben in der Region.

Prämiert Geistes- und Sozialwissenschaften

Christian Stähle betrachtete in seiner Arbeit die Situation der Versammlungsdemokratie in verschiedenen Kantonen und Gemeinden der Schweiz. Er untersuchte Gemeindeversammlungen und Landsgemeinden, beschrieb ihre Entwicklung, zeichnete den Einfluss der Einführung des Frauenstimmrechts nach und fragte nach ihrer Zukunft. Dafür wertete er Statistiken aus und interviewte Behördenmitglieder und zum Teil hochrangige Politiker. «Es ist eine politisch sehr gute Analyse», sagte Thomas Stamm.

Prämiert Fachbereich Naturwissenschaften

Ausgangspunkt für die Arbeit von Jonas Bosshard, «Hydrophobe Kunststoffbeschichtungen auf Glas und deren Anwendungs bereich», war die Frage, wie er seinen Badezimmerspiegel so einrichten kann, damit man ihn nicht mehr reinigen muss. Er ging also den Methoden nach, wie man Glas schmutzabweisend beschichten kann. Die Arbeit zeigt aber auch auf, wieso die Technologie derzeit noch weit entfernt ist von einer Anwendung im Haushalt – die beschichteten Ober- flächen sind noch nicht kratzfest.

Prämiert Fachbereich Naturwissenschaften

Alessio Procopio hat in seiner Arbeit die Schlupfrate von Äschen untersucht. Die Arbeit beantwortet Fragen zur Fortpflanzung der Äschen, erklärt aber auch, wie die Fische konkret aufgezogen werden. Dabei nahm Procopio die Aufzuchtprogramme der Äschen in der Fischzuchtanstalt am Rheinfall unter die Lupe. Er arbeitete dort stark mit dem ehemaligen Fischereiaufseher Jakob Walter zusammen. «Procopio hat wissenschaftlich sehr genau gearbeitet», sagte der promovierte Chemiker Thomas Stamm.

#Allgemeines

25. Mai 2011 | Platzverbot für König Alkohol

Neue Zürcher Zeitung
Joachim Güntner

Trinker, zieht euch warm an! Oder vielleicht auch besser nicht, denn ihr könntet dadurch nur noch durstiger werden. Was ungelegen käme, denn die Gegner des fröhlichen Zechens rüsten auf. Gerade jetzt führen Liechtenstein, Deutschland und die Schweiz eine Aktions- bzw. Dialogwoche gegen den Alkohol durch. Noch fehlt zwar solchen Initiativen die ganz grosse Resonanz. Doch es scheint, als habe das Trinken seine freizügigsten Zeiten hinter sich. Überall wird über Lenkungsabgaben und Platzverbote nachgedacht. Alkoholika sollen verteuert, Alterslimiten für die Kunden heraufgesetzt, nächtliche Ladenverkäufe begrenzt und Gelage aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden.

Säufer und Abstinenzler
Liest man einmal quer durch die Websites der deutschen «Aktionswoche Alkohol», möchte man auf der Stelle trocken werden. Da findet sich von den Wonnen des Trinkens nichts, von seinen schrecklichen Folgen alles: Alkoholkonsum macht abhängig, schädigt die Organe und steigert das Krebsrisiko, der Genuss trübt Wahrnehmung und Verstand. Die nach den ersten Gläsern eintretende gute Laune hält oft nicht lange vor, kippt um in Reizbarkeit. Alkohol ist ein Katalysator für Gewaltexzesse. Ob bei Schlägereien am Rande von Sportveranstaltungen oder bei Vergewaltigungen, ob bei den hinter verschlossenen Türen malträtierten Familienangehörigen oder bei den von Kameras dokumentierten spektakulären Brutalitäten in der U-Bahn – regelmässig ist Alkohol im Spiel. Nicht erst der Schläger, schon der aggressionsfreie Süchtige fällt als unangenehmer Zeitgenosse auf. Schwerer Trunk deformiert seinen Charakter und lädiert seine Arbeitsfähigkeit. Wer alkoholkrank ist, ist wirklich krank. Er hat nicht etwa nur ein Zipperlein, da gibt es wahrlich nichts zu beschönigen. Erst recht nicht, wenn davon bereits Kinder und Jugendliche betroffen sind.
Wahrscheinlich wird es Bier, Wein und Schnaps so ergehen wie den Zigaretten: Der Konsum wäre dann nur noch an wenigen Orten erlaubt, und die Etiketten der Genussgifte lauteten etwa: «Chianti 2015. Vorsicht: Ausgiebiger Verzehr von Wein kann zu Leberzirrhose und frühem Ableben führen.» Kommt es dahin, dass endlich nicht nur die Massenware, sondern selbst der 1999er Château Margaux Premier Grand Cru classé derlei Warnungen trägt, so ist es auch mit dem klassenbewussten Saufen vorbei. Noch kann sich ja der Weintrinker mit exquisitem Geschmack und entsprechendem Geldbeutel in dem Selbstbewusstsein sonnen, seine kultivierte Passion für einen exzellenten Roten habe nichts gemein mit den Tafelweinfreuden der suchtgefährdeten Stände. Eine gleichmacherische Kennzeichnungspflicht der Gesundheitsgefahren auf jeder Bouteille wäre da ein arger Schlag ins Kontor.
Man sage nicht, Alkoholpolitik sei wirkungslos, denn wer seinen Stoff wolle, bekomme ihn auch. Es macht schon einen Unterschied, ob der Zugang leicht- oder schwerfällt. Nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation liegt der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol in Ländern mit hohen Preisen und strengen Auflagen deutlich unter demjenigen von Ländern mit einer laxen Praxis. Setzt sich das Vorbild Skandinaviens durch, haben nicht nur die Botellones ein Ende, sondern auch das meditative Sitzen am Quai oder vor der Haustür mit dem Glas in der Hand. Als wir kürzlich nach einer Lesung in Stockholm nichtsahnend nach draussen gingen, um den nach der Veranstaltung servierten Weisswein in frischer Luft auszutrinken, waren sofort Mahner zur Stelle, die «Verboten!» riefen. Die auf dem Trottoir plaudernden Gäste wurden vorsorglich nach ihren Getränken sortiert: Nur wer Nichtalkoholisches an die Lippen führte oder gar nichts trank, durfte bleiben, die andern mussten wieder hinein. Dabei handelte es sich durchweg um wohlgesetzte Personen mit – so hätten wir früher gesagt – untadeligem Benehmen. Dort in Schweden aber reichte ein Fingerbreit Wein im Glas für eine Gesetzesübertretung. Sieht so unser aller Zukunft aus?
«Weniger ist besser!», lautet das Motto der Aktionswoche Alkohol. Weniger, beruhigt sich über diesen Worten der Trinker, ist immer noch mehr als nichts. Die Geschichte der Alkoholgegner ist geprägt von zwei Fraktionen: den moderaten Verfechtern der Mässigung und den Fanatikern der Abstinenz. Zu Letzteren zählte etwa Alfons Fischer, vor hundert Jahren Kämpfer für soziale Hygiene in Baden, für den bereits ein Säufer war, «wer auch nur ein Glas Bier trinkt». Oder Fischers Zeitgenosse Gustav von Bunge, ein Professor für Physiologie in Basel, der predigte: «Ein Mensch, der auf die alkoholischen Getränke vollständig verzichtet, entbehrt gar nichts, er gewinnt nur an Lebensglück und Lebensfreude.»
Spätestens hier ist der Punkt erreicht, wo wir zaghaft zu widersprechen wagen. Nichts gäbe es zu entbehren? Was ist mit dem angenehmen Kick, der zu spüren ist, wenn nach einem tiefen Schluck der erste Alkohol die Blutbahn erreicht und der Nüchternheit einen – vorerst noch sanften – Rempler versetzt? Was mit der Entspannung, dem Verdämmern der Sorgen, der Erwärmung der Glieder? Was mit den diversen Formen einer allseitig erhöhten Bereitschaft, seien es nun die Gesprächs- oder aber die Paarungsbereitschaft? Man kann sich Gegner freundlich und Frauen schön trinken – ist das nichts? Dabei haben wir die Trostfunktion des Alkohols nicht einmal erwähnt. Dieser Trost kann sehr schal sein, das stimmt zweifellos, vor allem am nächsten Morgen. Und doch gab und gibt es Momente, da man seiner schwerlich entbehren mag. «Der Branntwein ist ihnen fast die einzige Freudenquelle», schrieb Friedrich Engels über die Ärmsten des Industrieproletariats. Für sie berge der billige Trank die Gewissheit, «im Rausch wenigstens für ein paar Stunden die Not und den Druck des Lebens zu vergessen».
Als sozialistischer Theoretiker prangerte Engels die Umstände an, nicht den Säufer, nicht den Fusel. «Die Trunksucht hat hier aufgehört, ein Laster zu sein, für das man den Lasterhaften verantwortlich machen kann», schrieb er. Die bürgerliche Tugendlehre kann dies keinesfalls akzeptieren. Auch wer darbt, darf sich nicht einfach gehenlassen. Der «Pest» des Saufens zürnte schon Martin Luther, und das Schrifttum der Reformatoren ist voll von Invektiven gegen dies «grewliche laster», aber zur Verehrung der Nüchternheit kommt es erst mit dem Aufstieg des Bürgertums zur tonangebenden Klasse. Man muss masshalten, verzichten und die Selbstkontrolle bewahren können. Schriftsteller gelten als besonders anfällig für alkoholische Getränke, indessen passt es ins Bild, dass Thomas Mann, der Inbegriff eines Bürgers, nur wenig trank und ein äusserst disziplinierter Autor war. Trocken und fleissig war auch der von seinem Arbeitgeber sehr geschätzte Franz Kafka.
Freilich ist die Liste trinkfreudiger Literaten sehr lang. Auf ihr finden sich so unterschiedliche Naturen wie E. T. A. Hoffmann, Heinrich Heine, Edgar Allan Poe, Hans Fallada, Dylan Thomas, Friedrich Dürrenmatt oder Martin Walser. Besonders eindrucksvoll ist die Parade amerikanischer Literaturnobelpreisträger: Sinclair Lewis, Eugene O’Neill, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck – lauter Alkoholiker. Peter Richter hat in seinem kürzlich erschienenen Buch «Über das Trinken» (eigentlich ist es eher ein amüsantes Plädoyer dafür als bloss ein Buch darüber) daran erinnert, dass «schon Plutarch seine Sachen schrieb», und er kommt zu dem Schluss: «Schreiben ist ideal zum Trinken.» Bei der Schriftstellerei geht der Griff zur Flasche als Teil der Arbeitsroutine durch. In anderen Jobs hingegen würde man damit einen Rauswurf riskieren.

Ein Recht auf Rausch
Statistisch gesehen ist der Gesamtkonsum von «reinem Alkohol pro Kopf» in Europa rückläufig. Die «Branntwein-Seuche», die sich im 16. Jahrhundert unter der armen Landbevölkerung ausbreitete und mit der Industrialisierung dann auch die Städte erfasste, liegt hinter uns. Soldaten erhalten nicht mehr – wie etwa im Dreissigjährigen Krieg – einen Teil ihres Solds in Branntwein ausgezahlt, und das «Koma-Trinken» der Jugend heute wird man schwerlich mit dem Elendsalkoholismus vergleichen wollen, der Friedrich Engels beschäftigte. Trinken um die Wette, und dies bis zur Bewusstlosigkeit, ist übrigens kein Novum. Laut Johannes Lindenmeyers Informationen zur Alkoholabhängigkeit («Lieber schlau als blau», 2005) teilte sich erstmals im 17. Jahrhundert die Bevölkerung in mässige und unmässige Trinker – wobei der Exzess immer eine Sache der Minderheit blieb.
Sorgt sich nun unsere Gesundheitspolitik um Alkoholkranke und Koma-Trinker, wendet sie ihre Teilnahme mit Recht an hilfsbedürftige Gruppen. Nimmt sie aber deren Exempel, um auch gleich die Mehrheit mit Restriktionen zu belegen, so verdient dies Widerspruch. Jugendschutz und Aufklärung sind gut, übergreifende Gängelung ist übel. Unsereins ist beim Trinken schon mit einem Schwips zufrieden. Doch gegen das Regime der Verbote würden wir jederzeit ein Recht auf Rausch behaupten.

#Allgemeines

18. Mai 2011 | Die Zukunft liegt in Asien – und hier

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Philipp Lenherr

Schaffhausen «Global aktiv, in Schaffhausen zu Hause» lautete der Titel des Referats von Yves Serra, seit 2008 CEO von GF. Deutlich über 100 Personen, darunter ehemalige und aktive Mitglieder Handelsschulverbindung sowie rund 30 Schüler und Schülerinnen der Handelsschule KVS und der Kantonsschule Schaffhausen, sind am vergangenen Montagabend in den Gewölbekeller des Haberhaus Kulturklubs in der Schaffhauser Neustadt gekommen, um die 6. Commercia-Wirtschaftsdebatte zu verfolgen. Dort erfuhren sie aus erster Hand, wie sich GF positioniert, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, und welche Anforderungen an die Mitarbeitenden gestellt werden.

Ambitionierte Ziele
GF hat mit dem in diesem Frühling präsentierten Jahresergebnis 2010 bewiesen, dass der Konzern die Krise überwunden hat. Grund für eine Verschnaufpause ist das nicht. Stattdessen will GF den Umsatz von 3,4 Milliarden Franken aus dem Jahr 2010 bis ins Jahr 2015 auf 5 Milliarden Franken steigern. Möglich werden soll dies vor allem durch die boomenden Märkte in asiatischen Ländern, allen voran in China, wo GF bereits seit längerer Zeit präsent ist. «Vor zehn Jahren waren die USA und Europa unsere wichtigsten Märkte. Nun verschiebt sich das Gewicht mehr und mehr nach Asien», begründete Serra die strategische Ausrichtung auf diese Märkte. Eine Gefahr für die Standorte in der Schweiz und den Hauptsitz in Schaffhausen? Nein, sagt Yves Serra. Obwohl GF beispielsweise in China Fabriken betreibt, soll das Know-how in der Schweiz bleiben. Für viele Produkte, die in China hergestellt werden, werden wichtige Teile benötigt, die aus der Schweiz kommen. Wichtig für GF seien auch Standortvorteile der Schweiz wie das allgemein attraktive Geschäftsumfeld und die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Fachkräften. 10 bis 15 Millionen Franken jährlich investiert GF laut Serra in den Standort von GF Piping Systems in Schaffhausen. Das hoch automatisierte Werk arbeite trotz starkem Schweizer Franken sehr erfolgreich und erziele gute Renditen. «Es ist nicht unmöglich, in der Schweiz auch produzieren zu können», so Serra. Als wichtigste Anforderungen an aktuelle und zukünftige Mitarbeitende nannte er Auslandserfahrung – «das erweitert den Horizont». Auch sollte man sich flexibel zeigen bezüglich der Funktion im Unternehmen und des Arbeitsorts. Und ganz wichtig: «Der Wille, Leistung zu bringen».

«Ein reiner Glücksfall»
In der Fragerunde fühlte der Moderator des Abends, Martin Schläpfer, Chef Wirtschaftspolitik beim Migros Genossenschaftsbund, dem Kapitän des Schaffhauser Industriekonzerns auf den Zahn. So sprach er etwa die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Verwaltungsrat von GF und Giorgio Behr, dem grössten GF-Aktionär, an. Auch die aktuelle Atomausstiegsdebatte wurde angeschnitten. Serra, der selber früher über zehn Jahre lang in Japan gearbeitet und gelebt hat, scheint einem allzu schnellen Ausstieg kritisch gegenüberzustehen. «Wir sollten jetzt keine sprunghafte, überhastete Entscheidung fällen. Wenn selbst die Japaner die Situation mit einem kühlen Kopf betrachten, warum nicht auch wir in Europa?» Für herzhaftes Lachen sorgte Schläpfer schliesslich mit der Anspielung auf Serras chinesische Ehefrau – ob hinter dieser Wahl eine rein strategische Überlegung gestanden sei, wollte er wissen. «Nein», entgegnete dieser, «es war ein reiner Glücksfall!»

#Allgemeines

14. Mai 2011 | Die faszinierende Welt der Chemie

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Am frühen Morgen des 1. November 1986 heulten im Grossraum Basel die Alarmsirenen: In einer Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz in Schweizerhalle war ein Brand ausgebrochen, der dadurch verursachte dichte Rauch veranlasste die Behörden, eine mehrstündige Ausgangssperre zu erlassen. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand, das Löschwasser floss anschliessend in den nahe gelegenen Rhein und löste dort ein Fischsterben aus. Seither war immer wieder vom «Chemieunfall» in Schweizerhalle die Rede. Warum eigentlich, fragt sich nicht nur der Chemiker Daniel Leu: «Wenn ein Flugzeug abstürzt, spricht man doch auch nicht von einem Physikunfall.»

Beitrag zur Welterkenntnis
Ereignisse wie in Schweizerhalle haben der Chemie zu einem schlechten Image verholfen, ein Image, das sie nicht verdient, denn an den Unfällen war nicht sie, sondern menschliches Versagen schuld. Sie spielt ganz im Gegenteil in verschiedenen Lebensbereichen eine wichtige Rolle, denken wir nur etwa an die Rolle der Chemie bei der Entwicklung von neuen Medikamenten. Für Daniel Leu, der die Konsultationsfirma Leu&Partner betreibt und im kantonalen Umweltschutzamt für den Bereich «Radioaktive Abfälle» verantwortlich ist, ist Chemie noch viel mehr: «Sie hat einen philosophischen Beitrag zur Welterkenntnis geleistet.» Dank dem Periodensystem der chemischen Elemente konnte die Natur in ihre Einzelteile zerlegt werden. Neue Kombinationen wurden möglich, Materialien konnten analysiert und zum Beispiel Lebensmittel und Gewässer auf Bestandteile kontrolliert werden, die dort nicht hineingehören.

Wichtiger Teil der Wirtschaft
Leu ist nicht der Einzige, der sich am schlechten Image der Chemie stört. Da die UNO das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Chemie ausgerufen hat und sich die Verleihung des Nobelpreises für Chemie an Marie Curie, die die Elemente Radium und Polonium entdeckt hat, dieses Jahr zum hundertsten Male jährt, regte Kurt Seiler, Kantonschemiker und Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen, an, in Schaffhausen einen Tag der Chemie zu organisieren. Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, und so wird heute in der Kantonsschule der Schaffhauser Tag der Chemie durchgeführt, der von Daniel Leu organisiert und von diversen hier ansässigen Chemiefirmen aktiv unterstützt wird. Letztere bilden einen bedeutenden Teil der Schaffhauser Wirtschaft: So ist etwa die Cilag AG mit ihren rund 1000 Arbeitsplätzen der grösste private Arbeitgeber in der Region Schaffhausen. Diese Firmen haben zudem ein vitales Interesse daran, dass sich der Ruf der Chemie bessert. Zurzeit entscheiden sich zu wenige Jugendliche für ein naturwissenschaftliches Studium im Allgemeinen und ein Chemiestudium im Speziellen und fehlen deshalb den Firmen als Arbeitskräfte. Daher richtet sich der Tag der Chemie zwar an die gesamte Öffentlichkeit, möchte aber besonders bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die faszinierende Welt der Chemie wecken. Das soll mit einem breit gefächerten Programm geschehen (siehe Spalte auf dieser Seite); in diesem wird auch versucht, auf kritische Fragen zur Chemie einzugehen und sie zu beantworten.


**Interviews von Erwin Künzi**

**«Antworten liefert oft nur die Chemie»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Kurt Seiler: In der Forschung hat mich die Entwicklung von konkreten Produkten fasziniert. Wie ein Architekt konnte ich neue Moleküle kreieren, herstellen und anschliessend in Sensoren austesten. Es war der praktische Nutzen, der mich anspornte. Dass einige dieser Produkte den Weg auf den Markt gefunden haben, bedeutete zusätzliche Motivation. Heute hilft mir die Chemie, Vorgänge in der Umwelt zu verstehen: Weshalb findet man Antiklopfmittel im Wasser? Wie bildet sich Feinstaub in der Luft? Welche Substanzen sind gefährlich? Antworten sind oftmals nur dank der Chemie zu finden.

*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Seiler: Die spannendsten und wichtigsten Prozesse laufen auf der chemischen Ebene ab. Chemisches Verständnis wird uns helfen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

**«Spass am logischen Denken»**
*Was fasziniert Sie persönlich an der Chemie?*
Simone Hörtner: Ganz besonders gefällt mir an der Chemie die Mischung aus Handwerk und Kopfarbeit, denn beide Komponenten sind entscheidend für erfolgreiches Arbeiten. Weiter begeistert es mich, dass durch chemisches Verständnis und geeignete Analysemethoden die molekulare Struktur eines Stoffes «ersichtlich» wird.
*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Hörtner: Ich kann ein Chemiestudium beziehungsweise eine Lehre als Chemielaborant oder Chemielaborantin allen jungen Leuten empfehlen, die gerne Probleme lösen, sich für Naturwissenschaften und Technik interessieren, gerne exakt arbeiten sowie Spass an logischem Denken haben.

**«Das logischste aller Fächer»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Thomas Stamm: Für mich war Chemie bestimmt das logischste aller Fächer. Diesen Eindruck einer logischen und zugleich schönen Naturwissenschaft verdanke ich nicht zuletzt einer engagierten Chemielehrerin (merci, Madame Curie!) und einem begabten Chemielehrer, die mir Erklärungen aufzeigten für Phänomene, die ich aus dem Alltag und meinem Chemiebaukasten kannte.
*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Stamm: Chemie ist für jene, die gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, die wie ich verstehen wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, aber auch einfach staunen können über Natur- und Alltagsphänomene, eine spannende und höchst anregende Angelegenheit. Und wer einen Beitrag zur Lösung von vielen Gesellschaftsherausforderungen leisten möchte: Studiert Chemie!

**«Chemie ist extrem vielseitig»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Adrian Thaler: Die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Nahrungsmittel, die wir essen, die Materialien, die uns umgeben, alles ist Chemie. Es ist die Stoffvielfalt, die mich fasziniert und die es dem Chemiker ermöglicht, bekannte Stoffe in neue umzuwandeln, die völlig andere Eigenschaften aufweisen und in der Landwirtschaft, Medizin, Industrie und in vielen anderen Bereichen angewandt werden können.
*Warum soll man Chemie studieren?*
Thaler: Die Tatsache, dass die Chemie bei praktisch allen grossen technologischen Herausforderungen eine zentrale Rolle spielt, sollte junge Leute motivieren, Chemie zu studieren und aktiv zur Lösung der anstehenden Probleme beizutragen. Chemie ist extrem vielseitig und bietet besonders in Verbindung mit anderen Wissenschaften ein unerschöpfliches Feld für entdeckungsfreudige junge Forscher.


**Schaffhauser Tag der Chemie**
Das Programm

Zeit und Ort
Der Schaffhauser Tag der Chemie findet heute von 10 bis 16 Uhr in der Kantonsschule Schaffhausen statt. Er steht der interessierten Öffentlichkeit offen. Angeboten werden Demonstrationen, Experimente und Ausstellungen. Es gibt betreute Mitmach-Experimente für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Vorträge und Filme. Vertreten sind neben der Kantonsschule verschiedene Chemiefirmen, das Interkantonale Labor Schaffhausen und die Naturforschende Gesellschaft.

Offizieller Teil
Dieser beginnt um 11 Uhr in der Aula des Altbaus mit Ansprachen von Regierungsrat Christian Amsler, Stadtpräsident Thomas Feurer und Marcus Cajakob von der Wirtschaftsförderung. Im Anschluss befragt Stefan Balduzzi Prof. Dr. Gerd Folkers zum Thema «Chemie – eine Wissenschaft ringt um ihr Image». «Chemische» Slam Poetry von Simon Chen, Musik und ein Apéro beschliessen diesen Teil.

Nobelpreisträger
Um 15 Uhr spricht in der Aula des Altbaus Nobelpreisträger Prof. Dr. Richard Ernst zum Thema «Mein Weg zur Chemie und darüber hinaus».

Kurzvorträge I
Im Raum 325 im Altbau finden folgende Kurzvorträge statt: 10 und 14 Uhr: Urs Weibel: Von der Sexparty bis zum Schafott, alles drin beim Ölkäfer. 10.30 und 13.30 Uhr: Ruth Böni: Spinat & Co. in der Turbo-Version – Chemiker als Gemüsetuner. 13 und 14.30 Uhr: Simone Hörtner: Kleider machen Leute – und verpackte Wirkstoffe bessere Medikamente.

Kurzvorträge II
Im Raum 326 des Altbaus finden folgende Kurzvorträge statt: 10 und 13 Uhr: Pirmin Ulmann: Die Sonne im Tank – Organische Solarzellen und Lithiumionen-Batterien. 10.30 und 13.30 Uhr: Erich Hammer: Der beste Chemiker ist die Natur.

Kurzvorträge III und Show
Im Raum 223 des Altbaus finden folgende Kurzvorträge statt: 10.30 Uhr: Jonas Bosshard: Die selbst reinigende Glasscheibe. 13.30 und 14.30 Uhr: Lisa Hartmeier: Röntgenkontrastmittel – wohin fliesst das? 10, 13 und 14 Uhr: Thomas Stamm: Die Show des Chemielehrers.

Demonstrationen
Trüb Emulsions Chemie: Imprägnierung von Papier. Heisssiegeln von Jogurthbechern. Entstehung einer Emulsion live. Kantonsschule: Stahlgiessen – Nuggets zum Mitnehmen, mit Rainer Steiger. Kantonales Labor: Lebensmittel und Aromen; GC-Sniffer: Sauber sniffen. Destillation von Aromen: Erst Dampf ablassen, dann Aroma fassen. Soxhlet-Extraktion: Willst du’s kompakt, nimm den Extrakt. Molekularküche: Die Küche als Chemielabor. Caramel: Zuckersüsse Chemie. «Kaviar»: Mal als fruchtige Delikatesse. Kochen mit flüssigem Stickstoff: Von Jogurth auf Glace in 8 Sekunden und Pralinen aus der Eiszeit.

Firmen
Folgende Firmen sind mit einem Stand vertreten: Merck & Cie, Cilag AG, Trüb Emulsions Chemie, BASF

Wettbewerb
Die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen führt einen Wettbewerb mit einer Preissumme von 5000 Franken durch.

Festwirtschaft
In der Mensa gibt es Grillspezialitäten, Würste, Salate, Snacks, alkoholfreie Getränke, Kaffee, Bier, Wein.

#Notizen zu Namen

14. Mai 2011 | Alex Plüss bestreitet in dieser Saison keine Wettkämpfe

Schaffhauser Nachrichten
(r.)

Für die Spitzenruderer im Ruderclub Schaffhausen kommt es, wie das Trainer Roland Altenburger vor dem Saisonstart angedeutet hat, zu einer schwierigen Saison 2011. Alex Plüss, der eine von zwei U-19-Weltmeistern von 2010, hat sich entschieden, in dieser Saison keine Wettkämpfe zu bestreiten. Seine im Frühjahr aufgebrochene Rückenverletzung ist auf dem Weg der Besserung, er zieht aber einen sorgfältigen muskulären Aufbau – durch die verletzungsbedingte Passivität entstandene Defizite – einem sofortigen Wiedereinstieg ins SRV-Nationalkader vor. Für den RC Schaffhausen heisst dies auch, dass ein Club-Grossboot für die Schweizer Meisterschaften auf dem Rotsee ins Wasser fällt. Und die Ambitionen von Alex Plüss auf ein Olympiaticket 2012 sind vorerst sistiert. Sein Co-Weltmeister im Vierer mit Steuermann, Markus Kessler, muss sich daher als Riemenruderer umorientieren.

Der dritte RCS-Spitzenruderer, David Aregger, wird sich auf den Einer konzentrieren. Aregger hat sich mit seinem 2. Platz zuletzt an der Regatta Essen in einem Einer-Elitefeld von 17 Booten die Teilnahme am Worldcup München verdient. Er verzichtet wegen der Schule auf das SRV-Vorbereitungscamp in Varese und bereitet sich in Schaffhausen und auf dem Untersee unter Betreuung des Clubtrainers auf diesen wichtigen Wettkampf vor. Das Trainingspensum wird auf zwei bis drei Einheiten pro Tag gesteigert.

#Allgemeines

13. Mai 2011 | Beim Thema Bier ist heute jeder ein Experte

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Mark Schiesser

Ist jemand, der über Bier schreibt und keinen Bierbauch hat, überhaupt kompetent? Ja, wenn man sich dafür als Historiker ein Jahr lang Zeit nimmt, akribisch recherchiert und auch die Branche in der Geschichte verankert.
Während im Restaurant Falken die Gäste genussvoll ihre «Stange» konsumieren, bekommt man oben in der Lounge eine interessante Lektion zum Thema Gerstensaft. «Mit der Bezeichnung Stange ist lediglich die Glasform, nicht aber der Inhalt näher bezeichnet», erklärt Matthias Wiesmann, Zürcher Wirtschaftshistoriker mit Schaffhauser Wurzeln, und weist darauf hin, dass emanzipierte Biertrinkerinnen und -trinker zuerst nach der Biermarke oder deren Spezialitäten fragen sollten. Vor zwei Jahren fasste er den Entschluss, nach der Lizenziatsarbeit über Aufstieg und (Zer-)Fall der Brauerei Hürlimann einen Überblick über die Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz zu verfassen. «Ich wollte Wissenswertes mit Witzigem kombinieren. Das Buch sollte nicht streng wissenschaftlich sein, sondern auch Spass machen», erklärt der «Göttibueb» von Liedermacher Dieter Wiesmann. Ausserdem habe er herausgefunden, dass es nichts über diese Branche gibt. «Bei meinen Recherchen bin ich auch überall auf offene Ohren gestossen, denn beim Thema Bier ist heute jeder ein Experte.» In kleinen eingeschobenen Geschichten zeigt Wiesmann auch erstaunliche Begebenheiten und wissenswerte Details: von Bierdeckelsammlern, Felsenkellern, Eisgalgen, Kartellen und Familienunternehmen. Und auch Arnold Oechslins Werbeplakate oder besser Kunstwerke für die Brauerei Falken haben zur Freude von Grafiker Peter G. Ulmer, einem langjährigen Freund der Familie, ihren Platz im Buch gefunden. «Ich bin stolz, in dieser Branche arbeiten zu dürfen», freute sich Markus Höfler, Falken-Marketingverantwortlicher und Mitglied der Geschäftsleitung, beim Durchblättern. «Schliesslich sind auch wir seit 1799 ein Teil der Bierkultur.» Das reich illustrierte Buch ist ein etwas anderer Genuss, und das nicht nur für Liebhaber des Nationalgetränkes, bei dem man nur sagen kann: na dann, Prost!



Matthias Wiesmann Bier und wir. Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums der Schweiz, Hier + Jetzt Verlag, April 2011, 260 Seiten mit über 200 Abbildungen, 58 Franken.

#Notizen zu Namen

11. Mai 2011 | Ein einfühlsamer Seelsorger

Schaffhauser Nachrichten, Region
Dilgion Merz

Pfarrer Willi Helg ist in Diessenhofen 1933 geboren worden und dort aufgewachsen. Nach dem Besuch der Kantonsschule Schaffhausen liess er sich als Theologe an den Universitäten von Zürich, Göttingen, Paris und Basel ausrüsten. 1961 wurde er von der Zwingligemeinde Schaffhausen zum Pfarrer gewählt. Im Haus am Mattenweg fand er mit seiner Frau Hedi Bollinger und den Kindern Barbara, Ursula und Martin einen starken Lebensmittelpunkt. Hier blieb er verwurzelt, von hier aus zogen sich weite Kreise. Dabei war das Evangelium für ihn zentral. Tief greifende Erlebnisse – so auch der Tod seines jüngeren Bruders Martin mit nur 25 Jahren – machten ihn zu einem einfühlsamen Seelsorger. Schön und bereichernd war die Zusammenarbeit mit seinem Freund und Studienkollegen Georg Stamm im wachsenden Quartier bis 1977. Waren auch die Wechsel in diesem Pfarramt nachher häufiger, die gute Zusammenarbeit blieb. Neben dem professionellen Team war die grosse Schar Freiwilliger der Kern der lebendigen Gemeinde. Auch die ökumenischen Kontakte waren intensiv: Gottesdienste wurden gestaltet, und gelegentlich wurde die Strasse zwischen St. Peter und Zwingli zur belebten Kirchgasse. Willi Helg zog diesen Kreis weiter in der Gründung der Schaffhauser Bettagsaktion 1968, die er während über dreissig Jahren betreute. Zusammen mit seiner Frau gründete und begleitete er den Verein «Freunde des Schulzentrums Les Gazelles in Kinshasa». Ein Aufenthalt im Kongo vermittelte ihm vertiefende Einblicke in seine Arbeit.
1985 bis 1993 weitete sich sein Einsatz nochmals aus durch die Mitarbeit im Kirchenrat. Er, der jede Unterrichtsstunde sorgfältig vorbereitete und auch im Stadtschulrat mitarbeitete, betreute gerne das Ressort des kirchlichen Unterrichts. Mit der ihm eigenen ruhigen Zähigkeit erwirkte er die kantonsweite Einführung des kirchlichen Drittklassunterrichts. 1995 trat er vom Pfarramt zurück. Abgefedert wurde dieser Schritt durch die Weiterführung des Öme-Sekretariats. Dann wurde sein Lebenskreis enger durch die fortschreitende Parkinsonkrankheit. Die letzte Station eines reichen Lebensweges war das Altersheim Steig. Er wusste sich treu begleitet und unterstützt durch seine Frau, seine Familie und seine Freunde. Am Osterdienstag ist Willi Helg in die Weite der grenzenlosen Geborgenheit in der Liebe Gottes heimgerufen worden.


#Notizen zu Namen

4. Mai 2011 | Kantonsrat: Neuer SVP-Fraktionschef

Schaffhauser Nachrichten, Region
(r.)

Die SVP-Fraktion im Kantonsrat hat einen neuen Fraktionspräsidenten: Kantonsrat Peter Scheck aus Schaffhausen. Er hat per 1. Mai Kantonsrat Hans Schwaninger, Guntmadingen, ersetzt. Dieser befindet sich auf Präsidentenlaufbahn. Peter Scheck, Jahrgang 1956, ist Dr. phil. und Stadtarchivar der Stadt Schaffhausen.