Kantonsschule Schaffhausen, Online
Am 9. Juni 2017 fand an der Kantonsschule die Preisvergabe des alle zwei Jahre ausgeschriebenen Wettbewerbs der Stiftung «Scaphusia-Preis» statt.
Die Teilnehmer am diesjährigen Schreibwettwettbewerb mussten eine Kurzgeschichte, einen Sketch oder einen Dialog zum Thema Missverständnis(-se) verfassen.
16 Beiträge wurden eingereicht. Erfreulich ist die Tatsache, dass sich Schülerinnen und Schüler aller Stufen (1. – 4. Klasse) und aller Profile (musisch-sprachlich, naturwissenschaftlich, sprachlich-altsprachlich, FMS) am Wettbewerb beteiligten.
Die Texte wurden von Alexander Wanner gesammelt und anonym an die Jury (Susanne Bernhard, Edith Fritschi, Norbert Hauser, Detlef Roth, Reinhard Nowak) weitergeleitet. Die Jury kannte also keine Namen, als sie die Texte las und beurteilte.
Dies sind die Preisträger und ihre Texte:
1. Rang (1000 Franken in bar): Louise Roos (2sb) mit dem Text
Eine eigene Zeile für die Null
2. Rang (600 Franken in bar): Nils Kessler (3sa) mit dem Text
Weltenbrand
3. Rang (300 Franken in bar): Pascale Pfeiffer (1sa) mit dem Text
Ein einfacher Abend
Schaffhauser AZ
Louise Roos
«Und dieses Handy ist für dich. Somit können wir immer in Kontakt stehen und du kannst sogar mal Cindy in der Schule anrufen. Es hat extra grosse Tasten und ist einfach zu handhaben. Wie gefällt es dir?» Sie sitzt da und starrt auf das Natel. Ein Mobiltelefon. Ein Seniorenhandy. Überdimensionierte Tasten, für jede Zahl eine. Vier Zeilen, zwölf Tasten mit zehn Zahlen und zwei weiteren Symbolen. In der zweituntersten Zeile rechts die Neun, unten in der Mitte die Null. Eine eigene Zeile für die Null, ein neuer Abschnitt, eine eigene Epoche, eine neue Welt. Schon wieder.
Ihr Blick schweift zu den Besuchern. Zwei davon hantieren selbst wild mit ihren Geräten. Sie sind ganz in Gedanken versunken, so weit weg. Gross, diese Handys, geradezu monströs und wie viel Platz sie einnehmen. Der Bildschirm, der beim Berühren gewisser Tasten auf leuchtet, irritiert sie. Ich bin es nicht gewohnt, das ist nicht meine Zeit.
«Danke, ich werde davon gewiss Gebrauch machen.» Ihre Mundwinkel ziehen sich hoch. Einer der Besucher löst seinen Blick vom Handy und geht auf sie zu. «Für dich, eine Lektüre. Ich habe es in einem Buchgeschäft gefunden und mir gedacht, dass es dir gefallen könnte. Du liest ja gerne und oft.» Die Besucherin lächelt. Wie hübsch das ihr bekannte Gesicht doch geworden ist, so gutmütig und reif, so erwachsen. Wie war noch mal ihr Name? Sie sucht, durchkämmt ihr Gedächtnis. Eine Nebelwand tut sich vor ihr auf, sobald sie einen Gedanken zu packen versucht. Begann der Name mit einem S? Und weiter ging es mit … Weg, der Name ist einfach verschwunden im Nichts. Sie kämpft, versucht verzweifelt, ihn wieder zu finden. Falten graben sich in ihre Stirn, Schweiss auf ihren Handf lächen. Dann, Erleichterung: Auf dem Einband des Werkes steht «Von deiner Tochter Sonja». Sie seufzt, blickt auf das Cover der ihr gegebenen Lektüre. Sie liest «die Bücherdiebin», ein Buch, das vom Zweiten Weltkrieg handelt. 1939–1945, so weit weg. «Es ist ein Thema, das dich beschäftigt, wie wir alle wissen, und soll dich dazu animieren, mehr von damals zu erzählen.» «Ja, erzähl doch bitte!», rufen mehrere Stimmen aus. Die Telefone werden zur Seite gelegt, man rutscht ein wenig näher. Sechs neugierige Augenpaare richten sich auf sie. Mustern ihr Gesicht eindringlich, ihr ordentlich zurechtfrisiertes Haar, ihre weisse, fast schon durchsichtig schimmernde Haut, ihre blauen Augen, die hinter dicken, runden, Brillengläsern tief in den Augenhöhlen liegen. Schliesslich fixieren sie ihren Mund und warten. Liegen ihre Haare richtig? Sehen sie die vielen kleinen Falten um ihren Mund? Sind die Ringe unter den Augen zu auffällig? Sie weiss es nicht. Ihre Besucher gaffen und fiebern ihren Worten entgegen.
«An einem Mittwoch hat meine Mutter mir ein schneeweisses Kleid mit Rüschen gekauft», sie sieht alles genau vor sich, kann sich sogar noch an das Parfum ihrer Mutter erinnern. Ganz dezent nach Maiglöckchen duftend, niemals aufdringlich.
Schweigen. Verwirrt schauen sich die Besucher an. Verständnislosigkeit. «Und weiter? Wie war das, als die Bomben fielen?» «Was hast du erlebt?» «Wie war das auf der Flucht?» Fragen über Fragen artikulieren kleine und grosse Mäuler. Bedecken sie, drohen sie zu erdrücken. Es sind jedes Mal die gleichen Fragen, immer dieselbe Geschichte fordernd. Aus ihrem Mund dringt kein Ton. Nicht dieses Mal. Nicht schon wieder dieselben Begebenheiten. Sie schweigt.
Schliesslich erstirbt der Fragef luss. Man lauscht auf die alte, laut tickende Wanduhr und betrachtet eingehend und mit ungewöhnlich grossem Interesse die schwarze Stehlampe neben dem grau melierten Sessel, in welchem sie nachmittags zu sitzen pf legt. «Schön hast du es dir hier eingerichtet.» «Das war… Marina.» «Sie heisst Monika», eine berichtigende Stimme. «Ach ja, …, richtig. Monika schaut immer nach dem Rechten. Manchmal dekoriert sie mein Zimmer.» «Wie reizend. Ist der Blumenstrauss von ihr? Maya, kannst du mir verraten, wie viele Rosen in der Vase stehen?» «Hilf mit», bedeutet die Kleine ihr und setzt sich auf ihren Schoss. Warme Kinderbeine auf ihrem Kleid. Rosige Wangen und ein allzu bekannter Kinderduft. Zu lange haben sie sich nicht mehr gesehen.
Mit ausgestrecktem Zeigefinger und sich leise bewegenden Lippen zeigen sie beide auf jede einzelne Blume und zählen. Viele sind es. Sie verzählt sich, versucht es erneut. Auch die Kleine hat ihre Schwierigkeiten. Balsam für die Seele, Verbundenheit, Verständnis.
«Es sind neun!», schreit die Kleine mit einem Mal und reckt stolz das Näschen in die Luft.
Neun. Neun Rosen, hallt es durch ihren Kopf. Neun skrupellos beendete Leben, neun einzelne Epochen, neun Jahrzehnte. Nummer neun, auf ihrem Mobiltelefon in der zweituntersten Spalte rechts zu finden. Beklemmung.
«Cindy, nun ist dein Geschenk an der Reihe.»
Eine Papierrolle wird in ihren Schoss gelegt. Ihre blauen Augen strahlen und schauen unstet auf das von Kinderhand gebastelte Geschenk. Ihre Hände machen sich an der Schleife zu schaffen, nesteln, zittern, versuchen, kämpfen. Resignieren. Es gelingt ihr nicht. «Warte, ich helfe dir. In deinem Alter könnte ich das auch nicht mehr, solch eine enge Schleife lösen.» Freundliche Worte, die mit einem erzürnten Blick von ihr gestraft werden. Unverständnis zeichnet sich auf den Gesichtern der Besucher ab. Doch sie lässt ihn gewähren, den der mit einem Griff die Schleife zu lösen vermag.
Der Blick auf das Geschenk. Tränen der Rührung in ihren Augen. Ein leises Schluchzen, Freude. Erinnerungen werden wach. «Weisst du noch, Cindy, wie wir gemeinsam Mensch ärgere dich nicht gespielt haben?», fragt sie, auf den Lippen ein Lächeln. «Natürlich. Viele Nachmittage sassen wir an deinem Wohnzimmertisch und haben dabei Apfelkuchen gegessen.» Sie sehnt sich danach. «Oder wie wir mit dem Ball gespielt haben», sie schwelgt in der Vergangenheit, geniesst. «Auf dem Bild habe ich dich aber mit deinem Rollator gemalt. Schau.» Cindy deutet auf das Geschenk. «Psst, darüber sollst du doch nicht so reden!», zischt eine Stimme. Cindys Blick zu Boden.
Ihre Finger verkrampfen sich. «Stimmt, das Ballspielen kann ich nicht mehr», sie versucht ein Lächeln. Ein Kloss im Hals. «Das ist auch nicht gravierend, solange du überhaupt noch mit uns nach draussen kommen kannst.» Die Besucher lachen sich gelöst an. Wieso versteht sie niemand?
Schweigen. Eingehende Betrachtung der Stehlampe.
«Wie wäre es, wenn wir nun unsere Nummern in dein Handy programmieren und dir zeigen, wie man damit umgeht?» «Können wir das nicht ein anderes Mal machen? Lasst uns lieber noch etwas reden», wehrt sie ab. «Aber du wolltest doch so dringend mit uns in Kontakt, ‹up to date› bleiben. Dafür ja auch das Handy!» «Ich», sie weiss nicht, wie sie es sagen soll. Das elektronische Monstrum mit den vielen Symbolen als Bindeglied zweier Welten. «Ich möchte gerne mit euch einen Tee trinken und mich unterhalten.» Sie begreifen nicht. Angesäuerte Blicke. Die alte Wanduhr läutet. «Es ist schon fünf Uhr. Die lange Fahrt nach Hause wird uns einiges an Zeit kosten.» «Durch den Abendverkehr sowieso», stimmt ein anderer zu. Man bückt sich und umarmt sie. «Geniesse noch den Abend», «Gönne dir etwas Feines zu essen» und «Lass den Tag gemütlich ausklingen», rät man ihr. Sie klammert sich an den Klang der Stimmen, spürt und riecht jeden einzelnen, sagt adieu.
Die Besucher verlassen das Heim. «Mama, hat sie sich über unseren Besuch überhaupt gefreut? Und über mein Geschenk? Sie hat sich gar nicht bedankt.» «Liebes, das Handy war das wichtige Geschenk. Darüber hat sie sich gefreut.»
Das Fenster ihres Zimmers steht offen. Sie hat alles gehört. Will schreien, will klä-ren, will sich für das Präsent, das sie zu Tränen gerührt hat, bedanken, will berichtigen. Ihr Hals schnürt sich zu, die Worte bleiben stecken. Das Dröhnen eines Motors. Es ist zu spät.
Sie sinkt in ihren Stuhl zurück, starrt auf den Blumenstrauss. Neun Blumen. Daneben ihr neues Handy. Unberührt, unverstanden, eine andere Welt. Die Null ganz unten. Eine eigene Zeile für die Null. Ein Jahrzehnt mehr. Schon wieder.
**Die Autorin**
Die 16-jährige Louise Roos ist Zweitklässlerin im altsprachlichen Profil der Kantonsschule.
Mit ihrem Text setzte sie sich gegen 15 Mitbewerber durch und gewann den mit 1000 Franken dotierten Scaphusia-Preis.
Der Anerkennungspreis geht auf das Legat eines Alten Herrn der Mittelschulverbindung Scaphusia zurück und zeichnet regelmässig Schülerinnen und Schüler für besondere Leistungen in verschiedenen Disziplinen aus.
Schaffhauser Nachrichten
Clio Zubler
Der Maturball ist ein Ereignis, das man wohl nicht so schnell vergisst. Die jungen Frauen und Männer feiern an diesem Abend trotz der bevorstehenden Abschlussprüfungen und geniessen den gemeinsamen Abend.
Martina Stettler und Chiara Cesaretti organisierten den Anlass, der am Samstag stattfand, gemeinsam mit Melina Bienz, Joelle Gansser, Claudio de Roasa, Irma Omlin, Frederic Su, Corinne Eichholzer, Carole Häner und Nevin Öztürk. «Es war eine Herausforderung, an all die kleinen Sachen zu denken, die geplant werden mussten», sagte Stettler. Seit September sei das OK mit der Planung des Balles mit dem Motto «Mit Stil ins Ziel» beschäftigt gewesen. «Ich freue mich nun aufs Essen und die Musik», meinte Cesaretti.
Für Lara Gansser war es eine besondere Ehre, ihre Schwester Joelle begleiten zu dürfen. «Ich brauchte lang, um ein Kleid zu finden», erzählte diese.
Einen neuen Anzug kaufte auch Sandro Holderegger extra auf den Anlass. Seine Freundin Corinne Eichholzer war im OK für die Finanzen zuständig: «Es war viel Arbeit, hat aber auch Spass gemacht.»
Bereits zum zweiten Mal besuchte Andrea Tanner den Maturball. Ihre Kollegin Tina Ott hatte ihr Kleid schnell gefunden. «Ich trage sogar hohe Schuhe, die bequem sind», sagte sie.
Kantonsschullehrer Markus Werner meinte: «Ich bin fast jedes Jahr hier, die Schüler erwarten das.» Christoph Roost, ebenfalls Lehrer, war zum ersten Mal am Maturball und fotografierte im Auftrag der Schule zusammen mit Mahela Stamm die Schüler. Stamm tat das bereits im vergangenen Jahr, sie liebe es, zu fotografieren. «Am Anfang schauen die Leute auf den Fotos jeweils ein wenig anders aus als am Ende des Abends», sagte sie schmunzelnd.

In den prächtigsten Kleidern: Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen trafen die Maturanden vor dem Park Casino ein.
Bilder Selwyn Hoffmann

Ladies in red: Chiara Cesaretti und Martina Stettler haben mit weiteren acht Personen den diesjährigen Maturball organisiert.

Joelle Gansser (rechts) brachte als Begleitung ihre Schwester Lara mit.

Corinne Eichholzer und Sandro Holderegger geniessen den besonderen Abend miteinander.

Frederic Su und Rafael Sonderegger waren gespannt darauf, wie ihre Klassenkameraden gekleidet sein würden.

Andrea Tanner begleitete ihre Kollegin Tina Ott. Die beiden waren sehr edel gekleidet.

In eleganter Zweisamkeit: Luca Miozzari und Freundin Noemi Zähner.
Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi
Der Autor stand an der Tür und begrüsste viele alte Bekannte. Alle wollten zur Lesung an diesem strahlenden Sonntagvormittag, und so schleppten Elisabeth Schraut, Kulturverantwortliche der Windler-Stiftung, und ihre Assistentin Verena Nussbauer die noch verfügbaren Stühle herbei.
«Felix Graf den Steinern vorzustellen, hiesse Eulen nach Athen tragen», sagte Schraut in ihren einführenden Worten. Der Sohn von alt Stadtpräsident und Ständerat Koni Graf ist erst vor Kurzem wieder nach Stein am Rhein gezogen. In seinen Texten ist der Ort mit viel Geschichte und Geschichten jedoch stets präsent.
Mit der Vorstellung seines dritten, wieder in Tagebuchform geschriebenen – aber weit über ein Tagebuch hinausreichenden – Büchleins machte sich der Autor selbst ein Geschenk, denn er konnte am Sonntag just an seinem 62. Geburtstag lesen. Und so waren denn auch Familienmitglieder, Freunde und Bekannte da – und Verleger Georg Freivogel, in dessen Edition «vogelfrei» das Büchlein erschienen war. Sie genossen den unterhaltsamen Vormittag mit dem «Vielbelesenen, Vielwisser, Humanisten, Chronisten, Sprachbegeisterten und Weinliebhaber», wie Schraut Felix Graf bezeichnete.
Der Autor las dann nicht nur aus seinem Werk, sondern lieferte – wie es wohl die meisten erwartet hatten – begleitende Anekdoten und Anmerkungen, garniert mit viel Esprit und Begeisterung. Er schmückte die Geschichten im Buch aus und sorgte mit Bonmots für Erheiterung. «Man fährt in der Regel nicht schlecht mit Autoritäten, wenn man sie einfach verkleinert», meinte er über eine entsprechenden Passage im Büchlein, das von Steiner Originalen ebenso erzählt, wie es aus der Familiengeschichte plaudert.
Aber «Schnur und Zeichen» geht weit über das Persönliche hinaus, wenn Graf über philosophische Grundfragen reflektiert oder detailkundige Reiseberichte von den Rändern Europas liefert, versetzt mit kunsthistorischen Streiflichtern. Eine erhellende Tour d’Horizon, die Geist und Gemüt anregt. Natürlich fehlte der Apéro mit regionalem Wein nicht, und kaum jemand verliess den Saal, ohne sich mit Graf zu unterhalten oder das Werk am Büchertisch zu erwerben.

Autor Felix Graf (l.) signiert sein Buch «Schnur und Zeichen» für Dichter Bruno Epple von der Höri.
Bild Edith Fritschi
Schaffhauser Nachrichten
Martin Edlin
Das Missverständnis war vorgegeben… Und zwar als Thema für einen Schreibwettbewerb, den die vor 16 Jahren dank eines Legats eines Altherrn der Verbindung Scaphusia ins Leben gerufene Stiftung Scaphusia-Preis für Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule ausgeschrieben hatte. Unmissverständlich dagegen die Vorgaben: Die Texte – Kurzgeschichte, Dialog oder Sketch – mussten auf zwei bis vier Seiten Platz finden, ausserhalb des Unterrichts entstehen und vollumfänglich von den Jugendlichen selbst verfasst werden. Sechzehn Arbeiten wurden eingereicht, und eine fünfköpfige Jury (Kanti-Deutschlehrerin Susanne Bernhard Gross, SN-Feuilletonredaktorin Edith Fritschi, Übersetzer, Lektor und Literat Norbert Hauser, Schriftsetzer, Schriftsteller und Autor Reinhard Nowak und Deutschlehrer und Prorektor Detlef Roth) erkor die drei Gewinner, die gestern an einer kleinen Feier ein Preisgeld von tausend, sechshundert und dreihundert Franken in Empfang nehmen durften.
Um es mit den Worten von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner vorwegzunehmen: Erfreulich, dass sich Schülerinnen und Schüler aller Kanti-Klassen und aller -Profile am Schreibwettbewerb beteiligten und mit ihren Texten, allein schon was die Titel anbelangt, viel Originalität erkennen liessen. Den drei prämierten Arbeiten – sie wurden an der Feier von Reinhard Nowak vorgelesen – darf jedoch noch mehr zugesprochen werden: Sie verraten literarisches Talent, das sich – bei aller Unterschiedlichkeit – sowohl in den subtil genutzten Möglichkeiten der Sprache, in den ersonnenen Handlungen als auch in der Umsetzung des Themas «Missverständnis» zeigte. So schrieb Nils Kessler (Klasse 3sa) unter dem Titel «Weltenbrand» eine mit dem zweiten Preis bedachte fantastischsurreale Geschichte voller humoriger Szenen über den chronologischen Ablauf eines Grossbrandes… Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt» hätte als musikalischer Vorspann dazu dienen können.
Den dritten Preis erschrieb sich Pascale Pfeiffer (Klasse 1sa) mit der Kurzgeschichte «Ein einfacher Abend», eine wie mit kleinen, detailverliebten Pinselstrichen gemalte Erzählung von einem Mädchen, das mitten in der Grossstadt – der genaue Ort entpuppt sich als Missverständnis zwischen seinen Eltern – von seinem Vater abgeholt werden sollte. Die atmosphärische Dichte des Textes ist berührend.
Schliesslich die Wettbewerbsgewinnerin Louise Roos (Klasse 2sb): Sie erzählt in «Eine eigene Zeile für die Null» vom Umgang der Familie mit der neunzigjährigen demenzkranken Oma. «Ein sehr, sehr einfühlsamer Text» (so Norbert Hauser in seiner Laudatio), der den scheiternden Brückenschlag – in Form eines altersgerechten Handys – zwischen einer die Welt nicht mehr verstehenden Frau und der sie deshalb missverstehenden Mitmenschen ausleuchtet, in der Intensität packend und beklemmend zugleich.

Für ihre Texte erhielten Nils Kessler, Pascale Pfeiffer und Louise Roos (v. l. n. r.) von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner die Scaphusia-Preise.
Bild Selwyn Hoffmann
Schaffhauser AZ
Marlon Rusch
*Felix Graf ist kaum zu bremsen. Gesprächspartner überrollt er mal wie ein Güterzug mit der Fülle seiner Gedanken und schlägt dann urplötzlich thematische Haken wie ein junger Hase. Sich von ihm berieseln zu lassen, ist wie eine Massage fürs Gehirn.
Der Menschenfreund hat einen Tisch im Rothen Ochsen reserviert, wo einst sein Urgrossonkel gewirtet hatte und auch auf den Wandmalereien verewigt wurde. Die Episode wird in seinem neuen Buch beschrieben, das Anlass ist für dieses Treffen in Stein am Rhein. Graf bestellt Kaffee und legt los, ohne Punkt und Komma. Fragen hätte das Interview nicht gebraucht.*
*Felix Graf, in Ihrem neuen Buch springen Sie von Exponaten, die Sie im Landesmuseum kuratieren, in die Kulturgeschichte, weiter in die eigene Familiengeschichte und wieder zurück. Ihre Ausführungen sind mal sehr persönlich, dann wieder völlig abstrakt. Im Klappentext schreiben Sie von einer Spurensuche. Was für Spuren suchen Sie?*
Felix Graf Meine eigenen. Spuren, die in die Geschichte und in die Vorgeschichte zurückreichen.
*Zu welchem Zweck?*
All meine Schilderungen und Reflexionen umkreisen im Grunde genommen die Sinnfrage. Aber ich schreibe auch einfach sehr gern. Der rote Faden ist mein Alltag, es ist aber ein stark gedankliches Tagebuch. Letztlich dient die ganze Schreiberei im Gebrauchstagebuch und im literarischen Tagebuch der Selbstvergewisserung.
*Am 29. Januar 2017 schrieben Sie: «So richtig fündig werde ich eigentlich erst, seit ich nicht mehr suche.»*
Das ist wohl eine Alterserscheinung.
*Was finden Sie jetzt, da Sie nicht mehr suchen?
Geschichten. Während des sogenannten Studiums an der Uni recherchiert man nach den Regeln der Kunst. Man schreibt Seminararbeiten, sitzt in den Bibliotheken, führt Gespräche, muss unglaubliche Mengen an Quellen durchforsten und findet meist nichts. Das kann wahnsinnig frustrierend sein. Meine Erfahrung sagt: Was ich gar nicht gesucht habe, ist viel interessanter. Sei es in der Zentralbibliothek oder im Gespräch. Es ist wie beim Kleiderkaufen: Man braucht eine Hose, findet aber einen super Tschopen. Ich erlebe das so im wissenschaftlichen Arbeiten im Museum: Die guten Objekte für die Sammlung, die finde ich nicht, wenn ich sie gezielt suche. Sondern wenn ich per Zufall darüber stolpere. Die guten Ideen für Ausstellungen habe ich ganz sicher nicht im Büro, sondern beim Spazieren. Und die Zusammenhänge sehe ich in der Sauna.
*Am besten würde man sich gar nicht mehr ins Büro schleppen?*
Am besten hält man sich möglichst weit davon entfernt.
*Sie sprechen von Alterserscheinung. Man könnte es wohl auch reiche Erfahrung nennen. Dennoch ist Ihr drittes Tagebuch das letzte seiner Art.*
Ja, diese Form von Schreiben, literarisches Tagebuch, berufsbegleitend, sehr persönlich, eigene Emotionen, Überlegungen, Familiengeschichte, Ortsgeschichte… Das ist jetzt abgeschlossen.
*Endet das literarische Tagebuch, weil Ihre Arbeit im Landesmuseum endet?*
Ja, und nach fast 30 Jahren im Landesmuseum ist das Büchlein auch eine Art Abschiedsgeschenk an meine vielen Kolleginnen und Kollegen.
*Warum gehen Sie in Pension? Sie sind erst 62.*
Ich habe es einfach gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich ein halbes Jahr nach Portugal gehe und dort ein portugiesische Tagebuch schreibe. Eine Einführung in die portugiesische Literatur. Oder dasselbe mit der griechischen Welt. Die interessiert mich auch besonders. Sprache, Kultur, Kunstgeschichte, Kulturgeschichte. Auch spannend wären Erzählungen mit Stein am Rhein im Zentrum. Und ich will mich auf die Inhalte konzentrieren. Noch den einen oder andern Forschungsbeitrag schreiben. Und den Menschen etwas zeigen, was niemand mehr weiss.
*Ist das der eigentliche Zweck Ihres Schaffens?*
Die Schrift als Brücke über den Fluss des Vergessens. Natürlich ist das Vergessen für mich ein Thema und das Schreiben ist ein Mittel gegen das Vergessen. Ich will noch ein paar Dinge festhalten, damit sie nicht verschwinden. Dinge, die so nur ich sagen kann.
*Dinge aus Ihrem Leben.*
Ich habe schon als Bub in Stein am Rhein Führungen gemacht. Habe Touristen mit nach Hause genommen und ihnen alles gezeigt. Die Eltern haben jeweils nur gesagt, die Schlafzimmer seien tabu. So hat es angefangen. Der Vater war Ständerat und Stadtpräsident, hat selbst auch Führungen gemacht. Das habe ich wohl von ihm. Die 50er-, 60er-Jahre in Stein am Rhein, das Quartier mit diesen ehemaligen Privatiers-Villen, die Chrischona-Kapelle nebendran, das Arbeiterquartier: Diese Leute gibt es nicht mehr, diese Gärten gibt es nicht mehr, das ist bereits eine versunkene Welt. Bevor man es merkt, ist die Welt, in der man aufgewachsen ist, verschwunden, und man fragt sich, ob das alles überhaupt je stattgefunden hat. Es war eine so reiche Welt an dieser Wagenhauserstrasse und oben in dieser Bergtrotte, auch sinnlich, mit dem Weinbau, den Reben. Ein paar Tausend Liter gärender Wein im Keller, Stampfen vor und nach der Schule und nachts, Berufsfischerei auf dem Rhein mit den Onkeln, ein offenes Haus, wo es permanent Besuch gab. Manche Leute kamen einfach mittag essen und sind wieder gegangen, kamen einen Schnaps trinken und sind wieder gegangen. Viele Politiker waren da, es war wahnsinnig farbig. Was sie geredet haben, war interessant. In dieser Welt bin ich aufgewachsen. Mittlerweile bin ich der einzige, der sich daran erinnern und das auch schildern kann.
*War das der Grund, kürzlich wieder nach Stein am Rhein zu ziehen? Dass Sie noch näher dran sind?*
Das wäre der einzige Grund gewesen, es nicht zu tun. Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr darüber schreiben kann, wenn ich die Distanz nicht mehr habe. Dass die Quelle versiegt. Das Gegenteil ist passiert! Es gab einen neuen Schub, hat angefangen zu sprudeln. Familiengeschichte. Es sind einige richtige Steiner Kapitel entstanden.
*Es ist immer der Blick zurück. Sie sagen, Stein am Rhein sei prädestiniert für den Blick zurück. Ist das auch eine Flucht vor dem, was sich ändert?*
Mein Fokus liegt, altershalber, auf dem, was sich nicht verändert. Dinge, die immer gleich sind, finde ich viel wertvoller als Dinge, die sich schnell wandeln. Ich glaube an den Sinn der fast schon rituellen Wiederholung. In einem Restaurant, wo ich schon als Kind gegessen habe, beispielsweise im Schiff in Mammern, bestelle ich wie seit jeher Güggeli und vorher gebackene Chretzer. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Kontinuität.
*Sie schrieben am 5. Juni 2016 über den Abstimmungssonntag: «Grundloses Einkommen und Freibier für alle von links, plakative Hetze und digitaler Klamauk von rechts: Ich halte die Entbürgerlichung unserer Welt für ein grosses Übel.» Das ist mehr als Sentimentalität. Das ist Kritik an der Gegenwart.*
Ja natürlich, eine massive Kritik! Ich bin der Meinung, dass alles aus dem Ruder läuft. All diese Fehlentwicklungen, die meistens in Amerika beginnen und bei uns blind adaptiert werden, diese unsinnige Ökonomisierung von allem und jedem, da hat ja ein regelrechter zerebraler Mutationsprozess eingesetzt. Ich sehe keinerlei Anzeichen, dass irgendwie Vernunft oder Bereitschaft zu Sachpolitik und Zusammensitzen einsetzt.
*Kann man dem entgegenwirken, indem man sich auf bessere Zeiten besinnt?*
Ich glaube nicht. Das läuft einfach. Was ich tue, ist erzählen. Und was ich erzähle, ist das Gegenteil von dem, was heute läuft. Die Haltung, das Weltbild. Diese Texte, so verschiedene Themen sie behandeln, sind eingebunden in einem erzählerischen Ganzen. Man kann sie als Plädoyer für den Humanismus lesen. Für ein tiefes Wohlwollen dem Menschen gegenüber. Anders als das negative Menschenbild, das mit der amerikanischen Betriebswirtschaft über die HSG in der Schweiz eingesickert ist. Das Gegenüber ist ein Feind, der dich über den Tisch ziehen will. Es ist das Gegenteil von dem, was an der humanistischen Abteilung der Kantonsschule vermittelt worden ist. Lug und Trug beginnen sich gegenüber Treu und Glauben durchzusetzen. Ich kann mir da nur an den Kopf fassen. Die Antwort auf Ihre Frage ist eigentlich dieses Büchlein. Ich glaube, mir ist die schriftliche Synthese gelungen von dem, was ich gemacht habe im Leben, was mich interessiert und wofür ich einstehe.

Hier ein Schwatz, da ein Schwatz. Hier vor dem Rothen Ochsen mit der ehemaligen Stadtpräsidentin Claudia Eimer.
Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi
«Museen sind keine Abstellräume, sondern Ausgangspunkte», notiert Felix Graf am 20. Februar 2017 in seinem Büchlein. Ein kurzer Satz, der in seiner Knappheit sehr viel aussagt über den Autor, der seit 27 Jahren Funktionen und mit grosser Begeisterung. Das gilt auch für alles andere, was er tut, zum Beispiel die Renovation und den Umbau des «Weissen Adlers» in Stein am Rhein. Als Zunftmeister der Zunft zum Kleeblatt hat er das ambitiöse und rund 1, 7 Millionen Franken teure Projekt mitinitiiert, geplant und von Anfang an begleitet. «Wir wollen das Haus öffnen», sagt er. Damit auch andere etwas davon haben.
Der «Weisse Adler» kommt auch in Felix Grafs Büchlein «Schnur und Zeichen» vor, ebenso das Haus daneben, der «Adler». Graf schreibt und reflektiert über die Wandgemälde von Alois Carigiet an der Fassade, macht sich Gedanken, wie er sie in die Schau im Landesmuseum integrieren kann. Und es gelingt ihm wie vieles andere auch. Da werden Fäden zwischen Stein am Rhein und Zürich und dem Bündnerland geknüpft, und letztlich kommt alles irgendwie zusammen.
Ausgangspunkt für diese spezielle Art des Tagebuchs, für das die brasilianische Form der «Crónica» Pate gestanden hat, ist Grafs kuratorische Tätigkeit. Sie taucht immer wieder auf in «Schnur und Zeichen», wo er sich aufmacht, alles zu erkunden, was ihn bewegt. Das ist die Gegend um Stein am Rhein und den Untersee, es sind die Grenzen Europas, Portugal und Griechenland, wo er über die Philosophie der Antike ebenso nachdenkt wie über die Gegenwart. «Das ist das Schöne an der «Crónica», schwärmt er. «Da hat einfach alles Platz»: Tagebuchnotizen, Literarisches, kunsthistorische Streiflichter, Reflexionen über das Sein, die Philosophie – kurz: alles verbindet sich mit allem. Erhabenes steht neben Banalem, macht Sinn, verbindet und befruchtet sich gegenseitig.
**Gesucht und gefunden**
Geschrieben hat er schon immer gerne, und seit gut 30 Jahren Tagebuch: Am Anfang waren es reine Tätigkeit im Landesmuseum. Irgendwann sind die Notate immer mehr zur literarischen Form geworden; dann, als er sich die portugiesische Sprache aneignete und seine Sprachlehrerin ihn mit dem Genre der «Crónica» vertraut machte. «Es war, als hätte ich genau nach so etwas gesucht und es damit gefunden», sagt er.
So entstand, beinah wie von selbst, 2012 sein erstes Büchlein «Land der Dinge», 2014 folgte «Fluss und Zeit» und nun «Schnur und Zeichen». Über sechs Jahre hat er diese speziellen Tagebücher geschrieben. «Damit hat sich für mich die Form des Tagebuchs erschöpft.» Denn das Buch, das am Sonntag in Stein am Rhein vorgestellt wird – an seinem Geburtstag notabene –, ist sowohl für ihn als auch für Freunde und Bekannte eine Art Abschiedsgeschenk. Felix Graf geht in Pension und will sich künftig auf andere literarische Formen, auf die Forschung und auf das Zunftprojekt «Weisser Adler» konzentrieren.
**Ausgefeilte Formulierungen**
«Schnur und Zeichen» ist auch eine Art Begleitbuch zu einer imaginären Ausstellung», meint er. «Die Dauerausstellung im Musée sentimental meiner selbst.» Das sei ihm jetzt gerade in den Sinn gekommen, freut sich Graf, genauso wie er sich übers Formulieren der Gedanken im Büchlein freut, über die umtreiben und die er in einer schönen, poetisch klaren Sprache und mit ausgefeilten Formulierungen darlegt, stets treffend, aber nie hochtrabend. Dafür manchmal mit Humor, wenn er über die wohlgeformte Töpferin Louise Rudolf schreibt, die einst Mannequin bei «Seiden-Grieder» war und gern fotografierte, und wo er, der faszinierte Bub, auf dem Weg zum Volg gern vorbeiging. Der stinkende Hai Man erfährt Geschichten vom stinkenden Hai beim alten Stemmler in Schaffhausen oder vom letzten Burggraf, dem leutseligen Gastwirt Jakob Graf, der Behörden und kirchliche Kreise auf die Schippe nahm und den Abschied seines Esels verkündete. «Ja», sagt der Autor, «es ist auch ein Büchlein für die Steiner, die sich an die alten Geschichten erinnern wollen.» Man begegnet Originalen aus der Gegend, und längst Vergessenes wird wieder zugänglich.
**Immer tiefer in die Bilder hinein**
Im Lauf der Zeit sind Felix Graf die Bilder, Bildbetrachtungen, überhaupt die Kunstgeschichte wichtiger geworden. «Da bin ich immer tiefer hineingekommen», sagt er, der Wanderer, der gern geografische Gegenden und geistige Gebiete erkundet. Neben der familiären und persönlichen Spurensuche lässt er sich durch Landschaften treiben oder über den See mit seinem Kajak, er reist nach Athen und erwandert Portugal, und unweigerlich sind sie da, im Zug, im Hotelsessel oder im Schopf. «Zuerst im Kopf, ich notiere die Sachen erst später», sagt er. Dann seien sie wie ausgereift. Dabei ist da und dort eine Art Aphorismen entstanden: «Die schönsten Früchte aus dem Garten der Menschheit sind zweifellos die Wörter», schreibt er etwa am 31. Dezember 2016. «Bei den Wörtern handelt es sich um Hülsenfrüchte. Klar. Sie brauchen einen gewissen Schutz. Nur: Hors-sol-Anbau und digitale Düngung lassen die nichtssagenden Hülsen immer dicker und die inhaltlichen Kerne immer dünner werden.» Wie wahr …
**Felix Graf – Vernissage und Lesung im Literaturboot**
Felix Graf, geboren 1955 in Stein am Rhein, ist Gräzist und Althistoriker. Er arbeitet seit 27 Jahren im Schweizerischen Nationalmuseum: Unter anderem als wissenschaftlicher Bibliothekar, Ausstellungskurator, Leiter des Museums Bärengasse , interimistischer operativer Leiter des Landesmuseums Zürich und Kurator für Druckgrafik. Zudem publiziert er Zeitungs- und Fachartikel.
Mit «Schnur und Zeichen» liegt sein drittes literarisches Tagebuch vor. Zuvor erschienen «Land der Dinge» und «Fluss und Zeit».
«Schnur und Zeichen» ist in der «edition vogelfrei» in einer Auflage von 700 Exemplaren erschienen. Felix Graf wohnt mit seiner Frau Ingrid Kunz Graf seit Anfang Jahr wieder in Stein am Rhein, wo er aufgewachsen ist. Davor lebte er in Schaffhausen.
Am Sonntag, 11. Juni, um 11.15 Uhr findet im Windler-Saal Stein am Rhein die Buchpremiere mit Lesung von «Schnur und Zeichen» statt. Am 18. Juni liest Graf im 11-Uhr-Literaturboot Neuhausen, Treffpunkt ist beim Schlössli Wörth. (efr.)
**«Schnur und Zeichen» Erinnerungen, Fotos und Notate zu Ausstellungen**
Sein neues Tagebuch «Schnur und Zeichen», das der Steiner Felix Graf vorlegt, erinnert mit seiner Aufmachung und der französischen Broschur ein wenig an einen Ausstellungskatalog oder einen Wanderführer. Beides ist so intendiert. Auch die sorgfältig ausgearbeiteten Anhänge und Legenden sind ganz bewusst so gemacht. Anders als in seinen früheren Büchern sind auch die Illustrationen und die alten Fotos ein wesentlicher Bestandteil des Büchleins, das so als ein kleines Gesamtkunstwerk daherkommt. Schliesslich enthält es neben persönlichen Reminiszenzen und Erinnerungen zahlreiche grundlegende Überlegungen zu Ausstellungen und Exponaten, die Graf in den letzten Jahren beschäftigt haben. Dabei stellt er auch meist einen Bezug zu seiner Heimat Stein am Rhein her. «Schnur und Zeichen» enthält Notate aus dem Zeitraum zwischen August 2014 und Februar 2017 an den Schauplätzen Schaffhausen, Stein, Höri, dem Rio Lima in Nordportugal und Athen. Der Titel «Schnur und Zeichen» ist ein Zitat aus dem Gedicht «Herrentisch» von Erwin Jaeckle. Dem Herrentisch widmet Graf einen anderthalbseitigen Eintrag in seinem Buch. Er beschreibt eine Winterwanderung von Stein aus über die Ergeten und Oberwald zum Herrentisch auf der alten Route – und mit Jaeckles Gedicht im Ohr. Der Herrentisch liegt an der Grenze hoch über dem Hegau: «Hier wird für Herren getischt / unter Eichen / wechselt der Fuchs verwischt / Schnur und Zeichen» heisst es. Von jenem Punkt aus, meint Graf, meine man, in die Weite einer anderen Welt zu blicken. (efr.)
Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger
Es ist haargenau zehn Jahre her, seit Monika Burgener in einem Leserbrief fragte, was eigentlich vom «guten alten Maturastreich» noch übrig sei. Damals war es offenbar verboten, sich zum Maturastreich zu verkleiden. Ein Burkaverbot ante verbum sozusagen. In diesem Jahr müssen wir von einem «sogenannten Maturastreich» reden, denn es ist doch bei Weitem kein Streich, wenn Maturandinnen und Maturanden mit dem auf «Bahn frei» gestellten Signal der Schulleitung nach dem Drehbuch eines Hollywoodstreifens auf der Munotwiese einen Sportevent mit Wasserpistolen organisieren. Dass der Anlass lustig war, soll hier nicht bestritten werden. Aber unter einem Streich versteht man gemeinhin etwas anderes, nämlich die kreative Überschreitung einer verordneten Grenze. Könnte es sein, dass bei den jungen Menschen zurzeit gar kein Bedürfnis besteht, wider den Stachel zu löcken? Diese Frage muss in diesem Zusammenhang gestellt werden, denn man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die jungen Menschen heute einen überaus angepassten Eindruck machen. Angepasst woran? Gibt es eine Angst, den eigenen Platz im Leben nur dann zu finden, wenn man jedes Anecken vermeidet? Gibt es eine Furcht davor, bei Auffälligkeiten nicht mehr im Rennen um einen lukrativen Job zu sein? Eine Angst davor, aus dem gesellschaftlichen Netz zu fallen?
Im heutigen Zeitalter des «Anything goes» stellt man fest: Nein, nichts geht mehr. Provokationen, so sie denn als solche gemeint sind, laufen ins Leere. Welche Grenzen überschreiten? Welche Tabus brechen? Der Mainstream ist über die Ufer getreten und deckt alles zu. Und das Erstaunlichste daran: Die Jugend lässt sich das gefallen. Wo ist der rebellische Geist? Wo die Sehnsucht nach dem Meer und wo das Samenkorn, das nicht unter alledem erstickt?
Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders
Eugen Wehrli olim Hörnli
Kaufmann
Generation 1936
1919-2017
in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.
Die Abdankung wird am Dienstag, 4. Juli 2017, um 11.00 Uhr in der St. Anna-Kapelle des Klosters Allerheiligen stattfinden.
Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 16. August 2017, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.
Schaffhauser Nachrichten
Tito Valchera
Hunderte verkleidete junge Menschen, teilweise mit Wasserpistolen und Wasserkübeln ausgerüstet, tummelten sich gestern auf der Wiese der Munot-Sportanlage. Sie folgten den Anweisungen von Nino Storrer. Er hatte zusammen mit anderen Schülern den diesjährigen Maturastreich an der Kantonsschule Schaffhausen organisiert.
Ein abgestecktes Spielfeld mit Hindernissen, Gymnastikbällen, Trampolinen, Wasserrutschen und Slackline stand für die Schüler bereit. Das Motto lautete «Die Tribute von Panem» nach der gleichnamigen Hollywoodproduktion. Dieser Science-Fiction-Film spielt in der Nation Panem mit ihrer Hauptstadt Kapitol und zwölf Distrikten. Jedes Jahr treten je ein junges Paar als Distriktvertreter, sogenannte Tribute, an den «Hunger Games» in einem Schaukampf um Leben und Tod gegeneinander an.
**«Es war megacool»**
Am Montag bestimmten die Maturanden die Tribute aus den jüngeren Klassen. Eine davon war Natascha Stamm aus der Klasse 3sa: «Es war anstrengend, aber megacool», sagte sie nach ihrem Einsatz. Sie hatte sich gerade mit den anderen Tributen auf der Wiese einen Kampf um den Tagessieg geliefert. Das Ziel dabei: den anderen die Luftballone wegzureissen.
Auch ihre Klassenkolleginnen waren begeistert: «Es war für uns der bisher grösste Maturstreich, und alles war sehr gut organisiert.» Auch Lehrpersonen wurden als Tribute bestimmt und machten beim Schaukampf mit. So der Geografielehrer Sascha Kardaetz. «Ich finde den Maturastreich grundsätzlich gut, und er macht auch Spass, solange ein gesundes Mass eingehalten wird», sagte er.
Die Maturanden waren an ihren Wasserpistolen erkennbar. Eine davon trug Domenik Grbic aus der Abschlussklasse 3Fb. «Es ist super, etwas zu machen, was nicht mit dem Schulunterricht zu tun hat – in diesem Fall können wir andere Schüler nass machen.»
Dieses Jahr gab es erstmals einen verkürzten Maturastreich an der Kanti Schaffhausen. «Der Militärdienst wurde vorverlegt, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten», erklärte Kantirektor Pasquale Comi. So beginnen die Maturaprüfungen bereits heute Mittwoch. Das Zeitfenster für den Maturastreich beschränkte sich auf Montag und Dienstag. Comi lobte den diesjährigen Anlass: «Dieser Jahrgang amüsiert sich nicht auf Kosten der anderen, jüngeren Schüler, sondern gemeinsam mit ihnen.» Storrer zumindest hatte sichtlich Spass am Streich. «Es war chaotisch, aber das ist normal, wenn Schüler etwas organisieren.»

Auf der Munotwiese lieferten sich Kantischüler gestern einen feuchtfröhlichen Wettkampf – angefeuert von ihren Mitschülern am Spielfeldrand.
Bild Selwyn Hoffmann
Schaffhauser Nachrichten
Clio Zubler
Eine Maturaarbeit zu schreiben, ist eine Herausforderung und eine wertvolle Erfahrung für die jungen Erwachsenen. Auch dieses Jahr wurden die besten der 117 eingereichten Maturaarbeiten der Kantonsschule Schaffhausen zur Prämierung vorgeschlagen. Am Donnerstagabend wurden von den 18 nominierten Arbeiten acht prämiert. Christian Amsler, Vorsteher des Erziehungsdepartements, betonte in seinem Grusswort jedoch: «Es spielt keine Rolle, ob Sie die Goldmedaille gewinnen, Sie alle hätten sie verdient.»
In diesem Jahr gab es keine Nominierung im sprachlichen Bereich, dafür zum ersten Mal zwei prämierte Arbeiten im Bereich Technik und Wirtschaft. Die Preise dafür stiftet die Industrie- & Wirtschafts-Vereinigung Schaffhausen IVS. Deren Vertreter Frank Wentzler überreichte den beiden Gewinnern Leon Marti und Simon Stamm die begehrten, mit 500 Franken dotierten Preise. Marti hatte eine eigene Musikbox konstruiert und gebaut. Stamm suchte eine Lösung für Plastikabfall, den man mit ferromagnetischen Materialen wie Eisen magnetisch machen und so besser sammeln beziehungsweise entsorgen könnte.
**Skeptiker mit Arbeit überzeugt**
Jonas Brütsch wurde im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften prämiert. Er hatte untersucht, ob man eine OL-Karte auch touristisch nutzen kann. «Sie haben mich, einen grossen Skeptiker, mit ihrer Arbeit überzeugt», sagte Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen. Charles Graham durfte von Scheck ebenfalls einen Preis entgegennehmen. Seine Arbeit befasste sich mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Brexits.
Jana Weidmann wurde von Jakob Walter, Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen, gelobt: Er nannte sie «eine Forscherin mit unvoreingenommener, objektiver und kritischer Haltung ». Sie hatte in ihrer Arbeit untersucht, ob mikrowellenerwärmtes Essen schädlich für Menschen sei. Jonas Wolter, ebenfalls im Bereich «Naturwissenschaften und Mathematik» prämiert, hatte einen digitalen Lernbegleiter aufgrund der Lernforschung entwickelt. Markus Landolt überreichte als Vertreter der Schaffhauser Platzbanken die Preise im Bereich Kunst, aus dem Sport gab es keine nominierte Arbeit. Besonders überzeugt hatte Dolker Angotsang mit einem Animationsfilm basierend auf persönlichen Erinnerungen an ihre Flucht aus dem Tibet. «Sie lebt erst seit einigen Jahren bei uns, um so beeindruckender ist die sprachliche Leistung», sagte Landolt. Ronja Bollingers Arbeit über die Mode der Frau und wie sich diese mit der Zeit ändert, wurde ebenfalls prämiert.
**Hervorragende Leistung**
*Die diesjährigen nominierten und prämierten Maturaarbeiten*
**Geistes- und Sozialwissenschaften**
· Prämierte Arbeit: Jonas Brütsch: Touristische Nutzung einer OL-Karte «Rheinfall» 1)
· Prämierte Arbeit: Charles Graham: Brexit – a reflection on the first 60 days
· Arbijosa Kukleci: Ein halbes Volk auf der Flucht. Was Miloševic´s Versuch einer ethnischen Säuberung für Hunderttausende Albaner bedeutete – illustriert am Beispiel der Familie Kukleci
· Fabienne Ritzmann: Frauenstimmrecht – Und wie weiter?
· Björn Wegberg: Die Terrormiliz Islamischer Staat, Ziele und Strategien im Nahen Osten
**Naturwissenschaften, Mathematik**
· Bogdan Gadzhylov: Entwicklung einer Organizer-App für Android mithilfe von Android Studio
· Emanuel Mauch: Bestandesaufnahme des Ökosystems Uhwieser Weiher
· Yannis Möckli: Parrondo’s Paradoxon
· Simon Stamm: Ferromagnetischer Kunststoff und Mikroplastik 1)
· Prämierte Arbeit: Jana Weidmann: Mikrowellenerwärmte Nahrung – Die Frage nach einer potenziellen schädlichen Auswirkung auf den menschlichen Organismus
· Prämierte Arbeit: Jonas Wolter: Entwicklung eines digitalen Lernbegleiters
**Kunst und Sport**
· Prämierte Arbeit: Dolker Angotsang: Ein Animationsfilm
· Prämierte Arbeit: Ronja Bollinger: Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart – Die Mode der Frau im Wandel der Zeit
· Lorenz Strologo: Komposition und musikalische Experimente zum Kurzanimationsfilm «An Object at Rest»
· Simona Volpe: «Alles ist ein Gleichgewicht über dem Wahnsinn», eine persönliche Reise durch DADA
**Technik und Wirtschaft**
· Jonas Brütsch: Touristische Nutzung einer OL-Karte «Rheinfall» 1)
· Prämierte Arbeit: Leon Marti: Bau einer mobilen Lautsprecher-Box
· Seraina Schmed: Benetton, wo liegen die Grenzen der Werbung?
· Noah Nolè: Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses auf die Schaffhauser Wirtschaft
· Prämierte Arbeit: Simon Stamm: Ferromagnetischer Kunststoff und Mikroplastik* 1)
1)
Manche Namen erscheinen aufgrund verschiedener Auswahlverfahren in zwei Bereichen.

Charles Graham durfte von Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen einen Preis für seine Maturaarbeit mit dem Titel «Brexit – a reflection on the first 60 days» entgegennehmen.
Bild Selwyn Hoffmann
Coopzeitung 17-2017
Carole Gröflin
Craft Beer ist derzeit in aller Munde. Nicht nur das Wort, sondern auch der damit gemeinte Gerstensaft. Craft bedeutet Handwerk, dieses steht beim Brauen ungewöhnlicher Bierstile wieder im Fokus. Die Bewegung begann zwar vor rund 40 Jahren in Amerika. Inspiration holten sich die Amis allerdings viel früher in der Alten Welt. In Europa erlebten die mit faden Industriebieren übersättigten Gäste ihr sensorisches Bierwunder: Pils aus Deutschland, britische Ales und Klosterbiere aus Belgien. Als US-Präsident Jimmy Carter dann 1978 das Heimbrau-Verbot aufhob, wurde um die Wette experimentiert.
Gemäss dem amerikanischen Brauereiverband gilt für Craft-Beer-Brauer folgender Grundsatz: klein, unabhängig und traditionell. Wobei besonders ersterer Punkt aus Schweizer Sicht relativ ist. Die Brewers Association geht bei 7 Millionen Hektolitern noch von einer Kleinbrauerei aus ? im Jahr 2015 wurden von der Schweizer Bevölkerung 4,6 Millionen Hektoliter Bier konsumiert.
Auch Philip Bucher wurde auf Reisen mit dem Craft-Beer-Virus infiziert. «Die Auswahl dort ist berauschend. Die Schweizer hinken den Amerikanern rund 15 Jahre hinterher», sagt der Geschäftsführer der Doppelleu Brauwerkstatt. Neben dem gleichnamigen Bier stellen er und sein 35-köpfiges Team in Winterthur auch die Chopfab-Biere her. Die Brauerei legte 2012 los, die Palette umfasst heute 14 obergärige Sorten. Bei obergärigem Bier wird die Hefe während des Brauvorgangs vom entstehenden Kohlendioxid nach oben gedrückt. Im Gegensatz dazu sinkt die Hefe bei untergärigem Bier – etwa Lager – während der Gärung nach unten.
**Begriff Craft im Volksmund hip**
Als Bucher loslegte, war alles noch sehr hemdsärmelig: Während vier Jahren wurde die Brauerei laufend erneuert und erweitert, sie glich zeitweilig einer Baustelle. Seit Dezember 2016 ist nun die neue Anlage mit einer Kapazität von 100?000 Hektolitern in Betrieb. Kann nun auf Schweizer Niveau noch von Craft Beer die Rede sein? «Natürlich!», sagt er postwendend. Im Volksmund sei der Begriff zwar hip, «doch verstehen die wenigsten, was damit wirklich gemeint ist.»
Für Bucher geht es bei Craft Beer nicht um die Grösse der Brauerei, vielmehr sei es die Philosophie dahinter. Geschmacklich müsse etwa eine breite Vielfalt angestrebt werden, die Nase und der Gaumen immer wieder überraschen. «Zudem müssen immer neue Kombinationen versucht werden», sagt der 42-Jährige. So sollen neue Rezepturen nicht gescheut werden: «Ein Bier aus vier oder fünf Spezialmalzen kann toll werden, und im Zusammenspiel mit modernen Hopfensorten sogar noch besser.» Für das «Craft Beer»-Logo auf seinen Flaschen wurde er bereits von anderen Brauereien angefragt. «Dabei geht es weniger darum, dass dies draufsteht; sondern dass Herzblut und Innovation drinstecken.
**Lager bleibt Liebling**
Mit Feldschlösschen hat im Frühjahr ein grosser Akteur sein Sortiment erweitert: Dunkel, Hopfen und Weizen heissen die drei Neuzugänge. Mit dem Weizen wird erstmals seit über 100 Jahren ein obergäriges Bier produziert, sattelt Feldschlösschen nun auch auf Craft Beer um? «Feldschlösschen hatte schon immer Spezialitätenbiere im Angebot, aber rund 80 Prozent der Schweizer trinken nach wie vor gerne Lagerbier», sagt Gaby Gerber, Diplom-Biersommelière und Leiterin Kommunikation bei Feldschlösschen. Die Zahl sei in den letzten Jahren konstant geblieben. Weizen, Pale Ales, Stouts und dergleichen werden gemäss Gerber nach wie vor von einem kleinen Kreis genossen. Aber: «Unsere drei neuen Biere haben einen sehr guten Start hingelegt», erläutert die 44-Jährige. Dass Lagerbier-Trinker nur noch auf sogenanntes Spezialitätenbier wechseln, hält Gerber für unwahrscheinlich: «Wir investieren in die Vielfalt des Angebots, nehmen Trends auf und möchten mit unseren neuen Bieren alle Biertrinker ansprechen.» Die Brauerei Valaisanne, 1972 von Feldschlösschen übernommen, stellt mit dem Pale Ale und dem Weizen Ämrich weitere Spezialitätenbiere her.
**Frauen und Weintrinker als Ziel**
Ein noch zu wenig erschlossener Markt ist sowohl für Feldschlösschen als auch Doppelleu jener der Frauen. «Es ist schon seit vielen Jahren salonfähig, dass Frauen in der Bar ein Bier bestellen», weiss Gerber. Sie war damals 2011 die erste Frau, die die Ausbildung zur Biersommelière gemacht hat. In den letzten Jahren sei ein Kult daraus geworden. «Unser Braufrisch spricht viele Biertrinkerinnen an», sagt Gerber.
Ähnlich sieht dies Philip Bucher von Doppelleu: «Die Branche hat in den letzten Jahren Weinliebhaber und Frauen vernachlässigt.» Doppelleu habe es in den letzten Jahren geschafft, bei diesen zwei Kundengruppen zu punkten. Gerade das Pale Ale «Trüeb» sei ein sanftes Bier, das sich als «Einstieg in die Craft-Beer-Welt eignet». Bucher: «Obwohl es herb ist, habe ich noch nie gehört, dass dieses Bier beim weiblichen Geschlecht nicht gut ankommt.» Dementsprechend lautet auch seine Prognose für die Biertrends: «Pale Ale und India Pale Ale ? kurz: IPA ? werden weiterhin gerne getrunken.»
Pale Ale wird mit hellem Malz gebraut und hat ein hopfiges Fruchtaroma. Das IPA ist etwas schwerer. Denn es wurde speziell für den Export nach Indien entwickelt: Damit das Bier auch nach Ankunft geniessbar war, war ein höherer Alkohol- und Hopfengehalt nötig. In Indien sollte das Bier mit Wasser verdünnt werden – heute wird es unverdünnt genossen.
Pale Ale wird mit hellem Malz gebraut und hat ein hopfiges Fruchtaroma. Das IPA ist etwas schwerer. Denn es wurde speziell für den Export nach Indien entwickelt: Damit das Bier auch nach Ankunft geniessbar war, war ein höherer Alkohol- und Hopfengehalt nötig. In Indien sollte das Bier mit Wasser verdünnt werden – heute wird es unverdünnt genossen.
**Tipp Kochbuch**
Wer mit Craft-Bieren gerne in der Küche experimentieren will, dem sei der Griff zu folgendem Buch empfohlen:

Craft Beer Kochbuch. Von Stevan Paul, Torsten Goffin und Daniela Haug. Brandstätter Verlag, 2015.
Cha Cha Cha, Tango, Walzer, Jive, Discofox.
8 Abende vom 4.5.-22.6. jeweils von 20.00-21.30 Uhr in der Bach-Turnhalle Schaffhausen.
Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler
Die Schaffhauser SP vollzieht derzeit einen Generationenwandel. Mit Daniel Meyer hat die Partei vor zwei Wochen einen Präsidenten gewählt, der nicht einmal halb so alt ist wie sein Vorgänger. Ausserhalb Hallaus, wo der 31jährige Maschinenbauingenieur im Gemeinderat sitzt, kennt man Meyer allerdings kaum. Eine Notlösung sei er dennoch nicht, sagt Meyer im SN-Interview. «Hätte man mir die Aufgabe nicht zugetraut, hätte man mich nicht angefragt und am Parteitag auch nicht gewählt.
Ideologisch sieht er sich nicht als linken Hardliner, auch wenn er seine politische Karriere seinerzeit in der AL startete. Für seine Partei hat er einen klaren Auftrag: «Wir müssen uns schlicht besser vermarkten.» Und: Die Schaffhauser SP soll jünger werden – und moderner.
**«Ich bin nicht der Weltverbesserer per se»**
*Nur halb so alt wie sein Vorgänger ist Daniel Meyer, der neue Präsident der Schaffhauser SP. Jetzt will er die zweitgrösste Partei des Kantons umfassend modernisieren und verjüngen.*
InterviewDaniel Meyer, neuer Präsident der Schaffhauser SP
*Sie sind neuer Präsident der Schaffhauser SP, der zweitgrössten Partei im Kanton. Das ist eine grosse Verantwortung. Wie gehen Sie damit um?*
Die grosse Verantwortung war der Grund, weshalb ich nicht von Anfang an zusagte. Die Anfrage gärte seit dem letzten Winter in mir. Soll ich das auf mich nehmen? Will ich mich exponieren? Ich kam zu dem Schluss, ja, ich wage es. Ich sehe es als Chance, für mich wie für meine Partei.
*Welche Überlegungen stellten Sie an?*
Die Arbeit im Gemeinderat von Hallau gefällt mir, aber der Wirkungskreis dieses Mandats hört irgendwo hinter der Engi auf. Jetzt sah ich eine Gelegenheit, den Sprung auf das kantonale Parkett zu wagen. Dass gleich der Stuhl des Präsidiums frei geworden ist, war vielleicht Zufall. Ich hätte mich auch mit einem gewöhnlichen Vorstandsmandat zufriedengegeben. Aber ich finde, man muss die Chance packen, die man bekommt.
*Sie sind jung und links, eigentlich ein klassischer Fall für die AL, der Sie früher auch angehörten. Warum jetzt die SP?*
Ich wollte eine gemässigtere Politik machen. Gefallen hat mir auch die Ausstrahlung der SP als nationale Partei. Die AL ist ja vor allem im Lokalen engagiert. Und vielleicht war der Übertritt auch eine Emanzipation von einer Zeit, die vergangen ist. Meine AL-Zeit liegt schon länger zurück.
*Sie sind Alter Herr der Mittelschulverbindung Scaphusia. Es fällt auf, dass sich mehrere Scaphusianer in Ihrem Alter politisch stark engagiert haben. In der AL die Kantonsräte Matthias Frick und Till Aders, früher auch Florian Keller, aber auch ein Marcel Montanari von den Jungfreisinnigen. Und Sie stehen jetzt der SP vor. Weshalb ist Ihre Generation so politisch?*
Schwierig zu sagen. Mir fehlt die Aussensicht, ich war ja auch Teil dieser engagierten Gruppe. Wir haben immer viele Diskussionen geführt, da sind auch die Fetzen geflogen. Vielleicht kann man es demografisch erklären? Unsere Generation füllt das Vakuum, das die Babyboomer hinterlassen haben. In der Scaphusia hat übrigens ein Vertreter meiner Generation jetzt auch das Altherrenpräsidium übernommen. Es gibt also Parallelen zur Stabübergabe von Alt zu Jung auf der politischen Ebene.
*Ihr Cerevis in der Scaphusia lautet «Scholle». Wie der Fisch oder wie der Boden?*
Definitiv wie der Boden. Das Klettgauerische ist in mir, man hört es mir ja auch an. Diese Verbundenheit ist mir wichtig.
*Über Politik zu diskutieren, ist das eine. Etwas anderes ist es, aktiv in die Politik einzusteigen. Was gab für Sie den Ausschlag?*
Ich war und bin mit gewissen Zuständen und Umständen nicht zufrieden. Ich will etwas verändern, ich glaube, da geht es mir wie jeder Politikerin oder jedem Politiker. Sie sind bestrebt, eine Veränderung herbeizuführen.
*Mit welchen Zuständen und Umständen sind Sie nicht zufrieden?*
Es macht mir Sorgen, dass der Sozialstaat an allen Ecken und Enden abgebaut wird, etwa bei der Arbeitslosenversicherung. Auf kantonaler Ebene sollen Grossaktionäre ihre ungerechtfertigten Privilegien behalten, was wir mit unserer Initiative bekämpfen. In mir gibt es auch eine grüne Komponente, ich bin ein grosser Fan des öffentlichen Verkehrs, obwohl ich auch ein Auto habe.
*Bei Ihren Auftritten hat man den Eindruck, dass sie weniger ideologisch als pragmatisch denken und handeln. Hat das etwas?*
Ja, durchaus. Ich bin nicht der Weltverbesserer per se, was aber nicht heisst, dass ich nicht kämpfe.
*Wofür?*
Zum Beispiel dafür, dass der gewöhnliche Angestellte auch eine Stimme hat und nicht nur die Vertreter der Hochfinanz.
*Aber das Problem ist doch, dass der gewöhnliche Angestellte heutzutage SVP wählt?*
Ja, aber uns gibt es auch. Wir decken mehr Anliegen ab, als manchmal wahrgenommen wird.
*Wer hat Sie politisch geprägt? Das Elternhaus?*
Weniger. Mein Vater war zwar Gewerkschafter, aber für Politik interessierte ich mich erst ab der Kanti. Als ich dem Stimmrechtsalter näher rückte, wuchs auch das Interesse mitzureden.
*Und woher kommt das linke Element?*
Die Gerechtigkeit und der Ausgleich sind zentral für mich. Und es geht auch um das Verhältnis zum Staat: Der Staat ist für mich nicht der Gegner, sondern letztlich etwas Gemeinsames von uns allen. Wir als Bevölkerung prägen den Staat.
*Wo stehen Sie im linken Parteispektrum?*
Kommt darauf an. Bei Themen, die klar als links gelten, wie Steuerfragen oder Energie, bin ich ganz auf Parteilinie. Aber ich sehe mich sicher nicht als linken Hardliner, auch wenn ich eine Vergangenheit in der AL habe.
*Wo weichen Sie von der Parteilinie ab?*
Der Ausreisser ist die Sicherheitspolitik, dort entspricht meine Haltung nicht ganz dem Parteibuch. Ich bin ein Verfechter der Milizarmee, und im Militär bin ich Offizier.
*Offizier und SP-Präsident, wie geht das zusammen?*
Sehr gut! Wir haben in der Schweiz eine Milizarmee, und ich bin der Meinung, dass diese Milizarmee einen Querschnitt unserer Bevölkerung repräsentieren soll. Unsere Bevölkerung ist zu einem anständigen Anteil auch links. Ich repräsentiere als linker Offizier diesen Teil der Bevölkerung, und das ist aus meiner Sicht für eine staatstragende Partei wie die SP in Ordnung. Ich stehe dazu, dass ich Offizier bin, das habe ich auch in der SP nie verheimlicht. Im Militärdienst selbst spielt das Parteibuch übrigens keine Rolle, da ist die fachliche Qualifikation gefragt und das Erfüllen des dienstlichen Auftrags.
*Die «schaffhauser az» schrieb, der Meyer sei als SP-Präsident eine Notlösung, ein «No Name aus der Provinz». Wahre Worte oder wüste Beleidigung?*
Der «No Name» ist aktuell sicher noch wahr, aber ich arbeite daran. Die «Notlösung» ist eine Beleidigung. Ich stehe für die Erneuerung der Partei, für einen Schritt nach vorne, und ich bin unverbraucht. Das ist doch kein Notfallkonzept! Hätte man mir die Aufgabe nicht zugetraut, hätte man mich nicht angefragt und am Parteitag auch nicht gewählt.
*Ein Parteipräsident sollte auch Mitglied des Kantonsrats sein, heisst es. Sie sind nicht im Parlament. Ist das ein Problem?*
Na ja, FDP-Präsident Marcel Sonderegger ist ja auch nicht im Kantonsrat, und Pentti Aellig von der SVP war es lange Zeit nicht. Ich selbst fände es für die Partei und für mich gut, und ich arbeite daran. Mein Ziel ist es, längerfristig Einsitz zu nehmen.
*Parteipräsidenten sind wie Fussballtrainer: Man erwartet von ihnen Erfolge, sonst sind sie wieder weg.*
Klar, wenn wir nur noch verlieren sollten, müsste man sich fragen, ob ich der Richtige bin. Das wird sich weisen. Abstimmungen gewinnen heisst auch, eine Politik zu machen, die mehrheitsfähig ist. Wenn wir das schaffen und dem Volk zum Beispiel klarmachen können, dass der Spardruck nicht das allein selig Machende ist, dann kommt es gut.
*Da reicht es aber nicht, wenn Sie nur die linken Wählerinnen und Wähler ansprechen, oder?*
Logisch. Man braucht mehr als 50 Prozent, um eine Abstimmung zu gewinnen, und wir sind aktuell im Kanton eine 22-Prozent-Partei. Extreme Forderungen liegen mir weniger. Das kommt auch aus meiner Arbeit in der Exekutive. Wir müssen einen Konsens finden, mit dem alle leben können.
*Der SP-Präsident ist ein Mann, der SP-Regierungsrat ist ein Mann, der SP-Stadtpräsident ist ein Mann: Hat die SP ein Frauenproblem?*
Nein, ein Problem nicht. In der SP sind Frauen hochwillkommen, wir bieten viele Chancen. Aber es stimmt, in den Exekutiven und in der Parteileitung sind sie in der Minderheit. Dies hat auch damit zu tun, dass linke Frauen in meinem Alter in der AL sind.
*Wo sehen Sie die SP in fünf bis zehn Jahren?*
Ich will den Erfolgskurs der letzten zwei Jahre fortsetzen. Wir haben Wähler und Abstimmungen gewonnen. Ein ganz zentraler Auftrag ist weiter die Verjüngung der Partei. Wir brauchen mehr junge Leute, die auch bereit sind, im Vorstand mitzuarbeiten. Die Schaffhauser SP soll jünger werden und moderner. Sie soll auch medial präsenter werden – wie es übrigens die Bündner SP bereits vollzogen hat. Wir machen schon viel, die Basis ist da. Aber wir müssen noch mehr nach dem Sprichwort «Tue Gutes und sprich darüber» handeln. Wir als SP müssen uns schlicht besser vermarkten.
**Daniel Meyer: Zur Person**
Alter: 31
Beruf: Maschinenbauingenieur FH
Zivilstand: ledig
Militär: Major, Nachrichtenoffizier im Ristl Bat 21
Hobbys: Politik, Segeln, Skifahren
Politische Tätigkeiten: Gemeinderat Hallau, Präsident der SP des Kantons Schaffhausen
Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler
Die Schaffhauser SP hat einen neuen Präsidenten: Die Delegierten haben gestern Abend Daniel Meyer (31) aus Hallau zum Nachfolger von Werner Bächtold (63) gewählt.
Dass Meyer den wichtigsten Posten der Schaffhauser Linken übernehmen würde, wussten gestern zu Beginn der Versammlung im Schaffhauser «Güterhof» nicht einmal die Delegierten. Die Parteileitung machte bis zuletzt ein Geheimnis daraus, wen die Findungskommission, bestehend aus Regierungsrat Walter Vogelsanger und SP-Stadt-Präsidentin Monika Lacher, zur Wahl vorschlagen würde.
Vogelsanger lüftete schliesslich den Schleier und stellte Meyer vor. Er stammt ursprünglich aus Wilchingen, er wohnt jetzt aber in Hallau, wo er seit 2013 auch für die SP im Gemeinderat sitzt. Dort leitet er das Sozialreferat. Meyer ist ausgebildeter Maschineningenieur und arbeitet bei den SBB. «Daniel ist ein sehr zuverlässiger und belastbarer Parteikämpfer», sagte Vogelsanger, der auch verriet, dass Meyer einst bei ihm zur Schule gegangen sei.
**«Unter der Schallgrenze geblieben»**
Nach dieser Vorstellung wurden der Bewerber und die Presse vor die Tür gebeten. Die Delegierten mussten aber nicht lange diskutieren. Schon nach wenigen Minuten brauste Applaus auf im Saal, und Meyer, der neue SP-Präsident, wurde hereingeholt.
Bei seiner Antrittsrede machte er keinen Hehl daraus, dass er in der SP und auch ausserhalb noch nicht sehr bekannt sei. «Auf kantonaler Ebene bin ich bis jetzt immer unter der Schallgrenze geblieben», sagte er. Er räumte auch ein, dass seine Sympathien früher bei einer anderen linken Gruppierung gelegen hatten: bei der Alternativen Liste. «Meine Kanti-Generation war praktisch gleichzusetzen mit dem Gründungsdatum der AL», sagte Meyer. Er selbst sei eines der ersten AL-Mitglieder gewesen. «Irgendwo in einer Kiste habe ich den Mitgliederausweis noch, es ist die Nummer elf.»
Aber das sei 2003 gewesen, seither sei viel passiert. Der Entscheid für die SP sei am 1.-Mai-Umzug 2009 gefallen. «Ich war auf der Suche nach einer politischen Heimat, und damals fand ich sie in der SP.» Mit der AL verstehe er sich nach wie vor gut, «aber bei der SP ist die Schnittmenge mit meinen Überzeugungen am grössten».
Für die SP wünsche er sich, dass sie auch in Zukunft für Jüngere interessant sei. Dabei denke er insbesondere an junge Frauen, sagte Meyer. Für die Partei gelte es nun, eine Diskussion zu führen, wie sie sich in der Parteienlandschaft positionieren wolle und wie sie ihren Anteil halten und ausbauen könne.
Die SP hat neben den Wahlen gestern auch noch ihre Parolen für die kommenden kantonalen Abstimmungen gefasst. Sie empfiehlt sowohl für ihre eigene Volksinitiative «Keine Steuergeschenke an Grossaktionäre» wie auch für die Zusammenlegung der Friedensrichterämter ein Ja.

Vorgänger und Nachfolger: Werner Bächtold (links) hat gestern das SP-Präsidium an Daniel Meyer übergeben. Meyer hat sich in der SP unter anderem als Gemeinderat von Hallau einen Namen gemacht.
Bild Zeno Geisseler
Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler
Was ist ein anderes Wort für «misstrauisch»? Wie sagt man «nette Freundin» auf Französisch? Was ist im Satz «Homines doctae saepe legunt» falsch? Und wie hoch ist der Gewinn für einen Skateboard-Händler, wenn er seinen Zulieferer wechselt? – Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich derzeit genau 282 Schaffhauser Sekschüler: Ab heute beginnen die Aufnahmeprüfungen für die Kantonsschule, also für die Maturitätsschule und für die Fachmittelschule.
Los geht es heute Freitagmorgen mit Deutsch, am Nachmittag folgen dann Französisch und – für das sprachlichaltsprachliche Profil – Latein. Morgen Samstag und am Montag gilt es schliesslich, in Mathematik zu zeigen, was man gelernt hat.
**«Grosse Aussagekraft»**
Andere Fächer, etwa Englisch oder Geschichte, werden nicht geprüft. Aber wieso eigentlich nicht? «Deutsch, Französisch und Mathematik sind exemplarisch und haben eine grosse prognostische Aussagekraft», sagt der Rektor der Kantonsschule, Pasquale Comi.
Anders gesagt: Wer in diesen Fächern Mühe hat, der dürfte auch sonst Schwierigkeiten haben, die Kantonsschule zu bestehen. Oder positiv formuliert: Wer in einer Fremdsprache gut ist, dürfte auch mit einer anderen Fremdsprache gut zurechtkommen, und wer sein mathematisches Werkzeug beherrscht, ist auch für Fächer wie Physik und Chemie gewappnet.
«Geprüft», sagt Comi, «wird ausschliesslich regulärer Unterrichtsstoff der Sekundarschule.» Das, was abgefragt wird, ist den 15- bis 17jährigen Kandidatinnen und Kandidaten also schon einmal im Unterricht begegnet. Zudem gibt es an den Sekundarschulen spezielle Unterrichtsgefässe zur Vorbereitung.
Auch in der Prüfung selbst sind die Schülerinnen und Schüler nicht ganz auf sich gestellt. Gewisse Hilfsmittel sind erlaubt, so etwa ein wissenschaftlicher Taschenrechner für die Mathematikaufgaben. Und beim Deutschaufsatz darf der Duden, Band 1, auf dem Tisch stehen. Wer hingegen mit anderen Hilfsmitteln erwischt wird, wird von der Prüfung ausgeschlossen.
**Sieben von zehn kommen durch**
Die langjährige Erfahrung zeigt, dass die Prüfung zwar anspruchsvoll, aber machbar ist: Die Kantonsschule veröffentlicht jeweils die Erfolgs- quote, und diese bewegt sich bei etwa 70 Prozent.
Wie steht es mit Ihnen? Würden Sie die Prüfung bestehen? Wir haben aus alten Aufnahmeprüfungen einige Fragen für Sie vorbereitet. Viel Erfolg!
**«Frisch gedopt ist halb gewonnen»:
Diese Fragen aus vier Fächern stammen aus früheren Aufnahmeprüfungen für die Kanti**
Wer in die Kantonsschule eintreten will, muss zuvor eine Aufnahmeprüfung bestehen. Sie besteht aus drei Fächern: Deutsch, Französisch und Mathematik. Für das S-Profil kommt noch Latein dazu. Hier eine Auswahl von Prüfungsfragen aus früheren Jahren. Ausser solchen Fragen gibt es auch noch Texte, die gelesen und interpretiert werden müssen, in Französisch wird zudem auch das Hörverständnis geprüft. Die Fragen sind für 15- bis 17jährige Sekschüler gedacht.
**Deutsch**
1. Die folgenden Sprichwörter wurden verändert. Wie lauten sie richtig?
·Wie man sich fettet, so riecht man.
·Aller Umfang ist schwer.
·Wer flucht, der findet.
·Wo Rauch ist, ist auch ein Raucher.
·Alter nützt bei Torheit nicht.·?Frisch gedopt ist halb gewonnen.
2. Der «Affe» hat sich in all diesen Wörtern versteckt. Finde sie heraus.
·?_ _ _ A F F E (Eine Art Krug)
·?_ _ A F F E _ _ _ (gehört zur Ausrüstung eines Kunstmalers)
·?_ _ _ _ _ A F F E _ _ _ _ _ (Qualität, Art und Weise)
·? _ _ A F F E _ _ (Eine Wunde, die genäht werden muss, ist …(Partizip I)
·?_ _ A F F E _ _ _ (Gruppenwettlauf)
3. Ersetzedas kursiv gedruckte Wortdurch ein in den Zusammenhang passendes Synonym und passe es grammatikalisch richtig an:
·Sie sieht ihn misstrauisch an.
·Wenn Hilde sich nicht immer so einmischen würde.
·… haben sie dagesessen mit ihren starren Gesichtern.
4. Verändere den gegebenen Begriff in einen Ausdruck der gleichen Wortfamilie. Die Wortart soll dabei gemäss Vorgabe geändert werden. Bei Nomen schreibst du den Artikel dazu. Nominalisierungen und Partizipien zählen nicht! Beispiele: fahren (Nomen) => Die Fahrt; klingen (Adjektiv) => klangvoll.
·denken (Nomen) =>
·schliesslich (Nomen) =>
·geduldig (Verb) =>
·laufen (Adjektiv) =>
5. Welches Wort passt nicht in die Reihe?
·mürbe, elastisch, spröde, brüchig, splitterig
·ungeschickt, linkisch, unbeholfen, umständlich, ungehorsam
·vergüten, ersetzen, vergelten, beschwichtigen, entschädigen
·Abneigung, Ausrede, Ausflucht, Vorwand, Notlüge
**Französisch**
1. Vervollständige die folgenden Sätze mit einem passenden Ausdruck
·C’est un grand problème; il faut trouver … .
·Si je ne fais pas mes devoirs, mon professeur va me … .
·Au cinéma, Nathalie ne voit rien parce qu’elle a oublié … .
·J’aime bien la géographie ; c’est … préférée.
·L’athlète est blessé ; il ne peut pas … tournoi (nicht aller !).
·Mon frère a 16 ans et ne va pas à l’école cantonale ; il est … . (Il travaille dans un garage pour être mécanicien plus tard.)
2. Übersetze. Gib wo nötig das Geschlecht ( m / f ) und beim Adjektiv auch die weibliche Form an.
·das Abenteuer
·leicht [Gewicht]
·vergleichen
·die Reise
·la détente
·avancer
3. Vervollständige den Text, falls nötig, mit den richtigen Präpositionen. Streiche die Lücke, falls es keine Präposition braucht:
Marc fête son anniversaire … été, … juillet. … le matin, il se lève … six heures et il va … la salle de bains et se prépare … aller … l’école. Puis, il cherche … son sac. Où estce qu’il est? (Unter) … le lit , (hinter) … la caisse ou … la chambre … Pascal? Il veut demander … sa mère mais elle n’est pas … la maison. Alors, il va … les voisins, mais ils sont … vacances. Il est triste, parce que son portemonnaie est … le sac et il veut acheter un gâteau … la boulangerie [neben] … l’école. Oh non, il va arriver … gâteau et ses copains ne vont pas être contents!
**Mathematik**
1. Löse die Gleichung nach x auf. Gib das Resultat als ganze Zahl oder als gekürzten Bruch an.
·2[x ? 3(2 ? x)] = 5(x + 1) ? 3(x + 1)
2. Nach allgemeingültigen Regeln muss ein Fussballfeld zwischen 90 und 120 Meter lang sein. Das ist auch in Fantasiland so. Dort gibt es aber drei verschiedene Längenmasseinheiten: Ein Xoul entspricht 30 cm, eine Yecke ist gleich 84 cm, und ein Zessi misst 105 cm. Die Länge eines Fussballfeldes in Fantasiland muss in allen drei Einheiten durch eine natürliche Zahl ausgedrückt werden können. Wie lang (gemessen in Metern und Zentimetern) muss ein Fussballfeld in Fantasiland mindestens sein?
3. Ein Verkäufer von Skateboards setzt diese aus den Einzelteilen Brett, Rädersatz und Zubehör zusammen. Bisher hat er diese Teile zu folgenden Preisen eingekauft: das Brett für 42 Franken, den Rädersatz für 9.20 Franken und das Zubehör für 21 Franken. Sein Gewinn entspricht 39,2 Prozent des Verkaufspreises. Nun wechselt er seinen Zulieferer. Dadurch muss er für das Brett 15 Prozent weniger ausgeben, den Rädersatz erhält er neu für 7.20 Franken, und für das Zubehör muss er 15 Prozent mehr bezahlen.
Den Verkaufspreis lässt er unverändert. Wie gross ist nun der Gewinn des Verkäufers in Prozenten des Verkaufspreises?
4. Aus einem Quadrat der Seitenlänge a wird die schraffierte Fläche F gemäss unten stehender Figur ausgeschnitten.
·Stelle eine Formel auf, mit der sich der Flächeninhalt von F aus a und x berechnen lässt.
·?Sei nun a = 12 cm. Bestimme x durch Probieren mit dem Taschenrechner (bis auf Millimeter genau) so, dass F möglichst genau den halben Flächeninhalt des ganzen Quadrates ausmacht.
5. Holzhändler Huber fährt mit 16 Tonnen Brennholz zum Brennholzmarkt. Es gibt Brennholz in zwei verschiedenen Qualitäten. Eine Tonne der besseren Qualität kostet 400 Franken, und für eine Tonne der normalen Qualität bezahlt man 350 Franken. Abends fährt Herr Huber mit 3,9 Tonnen nicht verkauftem Brennholz und 4500 Franken Einnahmen nach Hause.
·Es sei x die von Herrn Huber verkaufte Menge Brennholz der besseren Qualität in Tonnen. Stelle eine Gleichung für x auf und löse sie.
**Latein**
1. Bilde von den Substantiventimor,consiliumundvictoriafolgende Formen: Akk. Sg., Abl. Sg. und Gen. Pl.!
2. Nenne das Gegenteil folgender Wörter:
·pater
·scribere
·laetus
·clamare
·currere
·nemo
·respondere
·sine
3. Übersetze!
·Hodie multi homines Romam veniunt, nam in Colosseo pugnas gladiatorum clarorum expectant. Gladiatores non modo ex Italia, sed etiam e terris aliis veniunt, quod cuncti gloriae cupidi sunt.
**Kantiprüfung: Die Lösungen**
**Deutsch**
Aufgabe 1:
·Wie man sich bettet, so liegt man.
·Aller Anfang ist schwer.
·Frisch gewagt ist halb gewonnen.
·Wer sucht, der findet.
·Wo Rauch ist, ist auch ein Feuer.
·Alter schützt vor Torheit nicht.
Aufgabe 2:
·Karaffe·Staffelei·Gaffer
·Beschaffenheit·klaffend
·Staffette
Aufgabe 3:
·argwöhnisch, kritisch, skeptisch, ungläubig, zweifelnd, prüfend.
·dreinreden, intervenieren, sich einmengen.
·Aufregung, Eile, Gehetze, Hast, Hetzerei, Angst, Stress, Panik
·unbeweglichen, steinernen, versteinerten, emotionslosen, gefühllosen, leblosen, steifen, gefrorenen, teilnahmslosen, regungslosen, ausdruckslosen
Aufgabe 4:
·der Gedanke/ Andacht / Gedächtnis / Denkmal / Andenken
·der Schluss / Schlussfolgerung / Be-/Entschluss / Schloss
·sich gedulden, dulden
·läuferisch, läufig, geläufig, laufstark, lauffreudig.
Aufgabe 5:
·elastisch·ungehorsam
·beschwichtigen·Abneigung
**Französisch**
Aufgabe 1:
·une solution·me gronder
·ses/les lunettes.·ma matière
·au tournoi·(un) apprenti
Aufgabe 2:
·l’aventure (f.)·léger, -ère
·comparer·le voyage
·die Entspannung, die Erholung
·vorrücken, vorwärtskommen
Aufgabe 3:
·Marc fête son anniversaire en été, en juillet. X le matin, il se lève à six heures et il va dans la salle de bains et se prépare pour aller à l’école. Puis, il cherche X son sac. Où estce qu’il est? Sous le lit, derrière la caisse ou dans la chambre de Pascal? Il veut demander à sa mère mais elle n’est pas à la maison. Alors, il va chez les voisins, mais ils sont en vacances. Il est triste, parce que son portemonnaie est dans le sac et il veut acheter un gâteau à/dans la boulangerie près de / à côté de l’école. Oh non, il va arriver sans gâteau et ses copains ne vont pas être contents!
**Mathematik**
Aufgabe 1:
·x=7/3
Aufgabe 2:
·92 m 40 cm
Aufgabe 3:
·43.54 Prozent
Aufgabe 4:
·F = 3ax ? 2x²
·Für x = 2,3 cm erhält man den besten Wert.
Aufgabe 5:
·x = 5,3
(Die kompletten Lösungswege können hier mangels Platz nicht angegeben werden, sie finden sich aber online.)
**Latein**
Aufgabe 1:
·timor, timorem, timore, timorum ·consilium, consilio, consiliorum ·victoriam, victoria, victoriarum
Aufgabe 2:
·mater, filius·legere ·maestus, miser·tacere ·stare·cuncti·rogare·cum
Aufgabe 3:
·«Heute kommen viele Leute nach Rom, denn sie erwarten im Kolosseum die Kämpfe berühmter Gladiatoren. Die Gladiatoren kommen nicht nur aus Italien, sondern auch aus anderen Ländern, weil alle nach Ruhm begierig sind.»
Schaffhauser Nachrichten
lbb
Als Ersatz für die auf Ende Juni 2017 zurücktretende Oberrichterin Marlis Pfeiffer hat das Schaffhauser Kan- tonsparlament gestern den aus dem Zürcher Oberland stammenden Oliver Herrmann (geb. 1982) mit einem 50-Prozent-Pensum gewählt. Herrmann war seit 2014 Ersatzrichter am Bezirksgericht Zürich und wird weiter zur Hälfte als Gerichtsschreiber am Bundesverwaltungs- gericht arbeiten. Die Wahlvorbereitungskommission hatte Herrmann aus fünf Bewerbungen ausgewählt. Der Rat wählte ihn mit 58 von 58 gültigen Stimmen.
Das Schaffhauser Kantonsgericht muss per Gesetz über mindestens drei Ersatzmitglieder verfügen. Mit der Wahl von Andreas Textor zum ordentlichen Kantonsrichter fehlt ein solches. Der Rat hat gestern den Juristen Philipp Zumbühl (geb. 1986) zum Ersatzrichter des Kantonsgerichts gewählt. Zumbühl ist in Dörflingen aufgewachsen und hat im Dezember 2016 sein Anwaltspatent gemacht. Ein Ersatzrichter übernimmt die Aufgaben eines Einzelrichters oder ist mitwirkender Richter in einer Kammer. Zumbühl erreichte 57 von 57 gültigen Stimmen.
Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg
Schülerinnen und Schüler an Schweizer Gymnasien sollen «ein fundiertes Verständnis der Hintergründe der Informationsgesellschaft entwickeln». Diese Forderung hat die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) aufgestellt. Gymnasiasten sollen die Grundzüge von Programmiersprachen kennen, die technischen Hintergründe von Computernetzwerken verstehen und die Sicherheitsaspekte der digitalen Kommunikation einschätzen können. Im Vorschlag der EDK würde Informatik an Maturitätsschulen entweder zu einem Grundlagenfach oder zu einem obligatorischen Fach erklärt. Diese Idee hat die EDK jetzt in die Anhörung in den Kantonen geschickt. Sind die Signale positiv, soll als Nächstes das Schweizer Maturitätsreglement dahingehend angepasst werden.
**Weiter Weg bis zum Maturafach**
«Ich bin ein klarer Verfechter davon, dass sich die Schule ganz generell der digitalen Herausforderung stellen muss», sagt Christian Amsler, der als Schaffhauser Bildungsdirektor und Mitglied in der EDK zu den treibenden Kräften hinter der Idee eines Informatikobligatoriums auf Gymnasialstufe gehört. «Gerade auch weiterführende Tertiärinstitute wie die ETH machen Druck, dass man hier forcieren muss und dass zum Beispiel auch das Programmieren einen höheren Stellenwert haben muss.» Bereits in der Entwicklung des Lehrplans 21 für die Volksschule habe man besonderes Augenmerk auf diese Diskussion im Kontext einer sich immer stärker digitalisierenden Schul- und Berufswelt gelegt.
Nun sei die Debatte eben auch am Gymnasium angekommen, wo jetzt die Bewertung des Fachs und die Stundendotation zur Disposition steht. «Klar, neue Fächer haben es immer schwer», räumt Amsler ein, «aus Stundendotationsgründen und aus finanziellen Gründen. Der Weg zu einem Maturafach wird noch weit sein.»
**Stärkung der Mint-Fächer**
Von der Schaffhauser Erziehungsdirektion zur Stellungnahme aufgefordert ist auch der Rektor der Kantonsschule Schaffhausen. Pasquale Comi steht der Idee grundsätzlich offen gegenüber, wie er gegenüber den SN sagt. «Die Stärkung der sogenannten Mint-Fächer – also von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie – entspricht dem Zeitgeist», sagt er. Auch die ETH und die Wirtschaftsverbände lägen den Gymnasialrektoren deswegen in den Ohren. Bezüglich der Umsetzung setzt Comi indes noch Fragezeichen: «Völlig offen ist, in welchem Rahmen und auf Kosten welcher anderen Lerninhalte dies geschehen könnte.»
Heute schon kommt jeder Kantonsschüler mit dem Fach Informatik wenigstens einmal in Berührung. Während des zweiten Semesters wird Informatik als Bestandteil des Grundlagenfachs Mathematik in zwei Wochenlektionen unterrichtet. Schüler lernen etwa die Funktionsweise von Algorithmen und den Aufbau komplexer Programme aus einfachen Bausteinen kennen. Das Fach wird geprüft und benotet.
Ab dem dritten Semester kann man an der Kanti Informatik als Freifach belegen, und zwar für eine zweijährige Dauer im Umfang von drei Wochenlektionen. Dort wird eine Programmiersprache erlernt, und dynamische und interaktive Webanwendungen werden programmiert. Im Schnitt zwischen 15 und 20 Schülerinnen und Schüler wählen das Fach pro Jahrgang, der durchschnittlich 130 Schüler zählt. Vier von fünf Schüler sind männlich.
**Eher keine Maturanote**
Das geplante Obligatorium, erklärt Comi, könnte entweder umgesetzt werden, indem man ein neues Grundlagenfach Informatik schaffe, das gleichberechtigt neben Mathematik, Deutsch oder Französisch stehe und direkt maturrelevant wäre. Oder aber, indem man es als neues obligatorisches Fach definiere, das von allen besucht werden müsse und das promotionswirksam sei, aber nicht als Maturanote einfliesse – ausser ein Schüler wähle es als Frei- oder Schwerpunktfach, so wie heute das Fach Recht und Wirtschaft.
Comi sieht eher Letzteres als realistisch: «Man kann den Kanon der Grundlagenfächer nicht beliebig erweitern, ohne dass man die Gewichtung einzelner davon zu verwässern beginnt», ist er überzeugt.
Aber auch wenn Informatik ein obligatorisches Fach würde, stelle sich die Frage, auf Kosten welcher anderer Fächer es eingeführt werden solle: auf Kosten ähnlicher Fächer im Mint-Bereich oder auf Kosten von sozial- und geisteswissenschaftlichen? «Hier sind Konflikte vorprogrammiert», sagt der Kantirektor.
Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi
Seit Oktober war der «Rothe Ochsen» in Stein am Rhein geschlossen. Inhaberin Katharina Keller wollte das Lokal, das bis dahin verpachtet war, selbst übernehmen. Allerdings nicht als Wirtin an der Front, sondern im Hintergrund. Als Geschäftsführer hat sie Oussama Moukrim eingestellt. Moukrim war sechs Jahre lang in der Bordgastronomie der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein tätig und kennt das Metier bestens. «Er hat sein Serviceteam mitgebracht, es ist bestens aufeinander eingespielt», sagt Keller. «Das sorgt für eine gute Atmosphäre.» Denn die Platzverhältnisse, speziell in der Küche des «Rothen Ochsen», sind eng. Deshalb wollen Keller und ihr Partner Peter Lagler, die für das Konzept verantwortlich zeichnen, nur ein kleines, ausgewähltes Speiseangebot führen und vor allem die Einheimischen ansprechen.
Die kamen am Mittwochnachmittag zur Wiedereröffnung zuhauf: Man traf sich zu einem Schwätzchen und einem Glas Wein, dazu servierten Moukrim und sein Team diverse Snacks, die einen Vorgeschmack auf das künftige Angebot gaben.
«Wir möchten täglich ein selbst gekochtes Menü anbieten, das hier zubereitet wird», sagt Keller. Auf der Karte sind Wurst- und Käseplättli, wie es sich für eine Weinstube gehört; es gibt Kutteln, Käsefondue, Salatkreationen, Haustoast, Sandwiches oder «Bölletünne». Nicht alles ist selbst gemacht, sondern kommt aus Steiner Geschäften wie der Metzgerei Villiger. «Natürlich sind bei uns auch Touristen willkommen», sagt Keller. In erster Linie aber liegt es ihr am Herzen, dass die Steiner im «Rothen Ochsen» mit seiner bewegten Geschichte wieder einen Treffpunkt haben, wo sie sich in einer schönen Umgebung austauschen können. Das schien am Wiedereröffungstag auf Gegenliebe zu stossen. Drinnen waren alle Plätze besetzt, und auch draussen hatten sich Nachbarn und Gwundrige zum Apéro versammelt, Moukrim und seinem Team jedenfalls ging die Arbeit nicht aus, alle wurden freundlich begrüsst und bewirtet.
In der Vorsaison wird der «Rothe Ochsen» täglich ausser Montag und Dienstag von 10 bis 22 Uhr offen sein; am Sonntag bis 17 Uhr. In der Hauptsaison ist die Weinstube sieben Tage in der Woche offen. Und punkto Sperrstunde will man flexibel sein. Sollten Vereine oder Gruppen erst später am Abend kommen, wird nicht stur um 22 Uhr geschlossen. «Da richten wir uns schon nach den Gästen», sagt Moukrim.

Es herrscht wieder Leben im «Rothen Ochsen». Oussama Moukrim und sein Team hoffen als Gastgeber auch auf viele Stammgäste aus dem Städtli.
Bild Edith Fritschi
Schaffhauser Nachrichten
sda
Wie bei Autofahrern genügt künftig auch bei Bootsführern ein Atemalkoholtest, um einen zu hohen Pegel nachzuweisen. Das hat der Nationalrat gestern beschlossen. Heute ist eine Blutprobe nötig. Die Rechtsgrundlage für beweissichere Atemalkoholproben ist Teil des revidierten Binnenschifffahrtsgesetzes. Der Ständerat hatte die Vorlage im Dezember gutgeheissen.
Kern ist ein neues System der Sicherheitsaufsicht. Bisher wurden Schiffe umfassend getestet, bevor sie zugelassen wurden. Künftig muss der Gesuchsteller nachweisen, dass ein Schiff sicher ist, und der zuständigen Behörde die erforderlichen Unterlagen vorlegen. Geprüft werden jene Teile, die besonders sicherheitsrelevant sind. Damit wird das Verfahren an jenes angeglichen, das für Eisenbahnen und Seilbahnen gilt. Für die Schifffahrtsunternehmen rechnet der Bundesrat mit moderaten Mehrkosten für den Sicherheitsnachweis.
Ziel ist die Entlastung der Verwaltung. Es gebe neue Arten von Schiffen, beispielsweise Solarschiffe, sagte Kommissionssprecher Kurt Fluri (FDP/SO). Es sei nicht sinnvoll, die Verwaltung die Kompetenzen aufbauen zu lassen, die für die Prüfung notwendig wären.
Die SVP lehnte das Gesetz ab. Es gebe im Bereich der Schifffahrt keine Probleme, sagte Walter Wobmann (SVP/SO). Bei den Datenbanken gehe es nur um die Überwachung der Schifffahrt, ein Alkoholgrenzwert sei bereits im Gesetz festgelegt. Laut Wobmann braucht es das Gesetz daher nicht. «Das ist eine Aufblähung für gar nichts», sagte er. Die Mehrheit war aber anderer Meinung und trat auf das Gesetz ein.
**Keine zentralen Register**
Der Ständerat hatte einige Änderungen an der Vorlage des Bundesrats beschlossen, die der Nationalrat nun übernommen hat. Gestrichen wurde die Rechtsgrundlage für die Einrichtung von zentralen Datenbanken über Schiffe, Halter, Fahrberechtigungen und Administrativ- oder Strafverfahren. Laut Fluri wären die zentralen Datenbanken auf Begehren der Kantone eingeführt worden. Er erinnerte an das Subsidiaritätsprinzip in der Bundesverfassung: Es sei ein Leichtes für die Kantone, sich in einem Konkordat zu einigen und die Register auf kantonaler Ebene einzuführen, sagte er.
Die Linke setzte sich für die Datenbanken ein. Ein Register werde nur geschaffen, wenn die Kantone das wollten, sagte Thomas Hardegger (SP/ZH). «Es gibt keinen Grund, diese Option zu verhindern.» Register unterstützten die Vollzugsorgane und sorgten so für mehr Sicherheit auf Gewässern. Die Mehrheit lehnte das aber mit 134 zu 52 Stimmen ab.
Die Räte änderten die Vorlage in einem weiteren Punkt: Bootsführer sollen erst ab dem vollendeten 75. Altersjahr und nicht schon ab dem 70. ihre Fahreignung ärztlich untersuchen lassen müssen. Die Gesamtabstimmung endete mit 124 zu 62 Stimmen. Die Gegenstimmen kamen von der SVP. Mit einer Differenz bei den Voraussetzungen für die Erteilung des Führerausweises geht die Vorlage zurück an den Ständerat.
Das Binnenschifffahrtsgesetz gilt für sämtliche Fahrzeuge oder Geräte, die auf oder unter der Wasseroberfläche bewegt werden. Für kleinere Schlauch- oder Strandboote gelten aber Ausnahmen.
Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg
*Herr Comi, 110 Maturaarbeiten wurden an der Kantonsschule Schaffhausen dieses Jahr abgenommen. Wie würden Sie den Lerneffekt der selbständigen Arbeit beschreiben?*
Diese Arbeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen, die Kantonsschüler im Laufe der Gymnasialzeit erwerben können. Nach wissenschaftlichen Massstäben selbständig eine Arbeit erstellen ist eine grosse Hürde für die meisten Schüler. Sie stehen vor einem riesigen Berg und müssen lernen, nicht zu verzweifeln, sondern systematisch und fokussiert an ein Thema heranzugehen. Klar, wir geben alle Unterstützung, aber es sind die Schüler, die Motivation und Fleiss an den Tag legen müssen.
*Auffallend ist die Themenbreite. Täuscht der Eindruck. oder ist man offener geworden, auch hinsichtlich den sogenannten Life Sciences?*
Das stimmt, Themen wie Gesundheit, Ernährung, Medizin sind zunehmend gefragt. In der Themenwahl sind die Maturanden frei und unabhängig vom gewählten Profil, und das ist ganz entscheidend. Übrigens ist dieses Jahr mit 31 Arbeiten der mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Bereich – die sogenannten MINT-Fächer – sehr gut vertreten, darauf können wir stolz sein. Die Maturanden sollen ihr Thema selber wählen, und es freut mich auch, dass viele mit der Zeit, in der sie leben, gehen. Ausserdem gibt es einige brandaktuelle Phänomene wie etwa Terrorismus, Brexit, Einkaufstourismus, die aufgegriffen werden. Und auch in regionalen Themen können Maturanden immer wieder einen spannenden Beitrag leisten, etwa zur Lokalgeschichte.
*Wie kann man diese doch sehr unterschiedlichen Arbeiten vergleichen und bewerten?*
Die Benotung erfolgt durch einen betreuenden Lehrer und einen Co-Referenten. Etwa ein Viertel der Note bezieht sich auf den Arbeitsprozess selber, und ein besonderes Gewicht liegt auf der Präsentation der Arbeit, die vor Publikum stattfindet. Entscheidend ist immer, wie die Fragestellung bearbeitet wurde.
*Wie steht die Kantonsschule derzeit bezüglich Maturandenquote da, und wie viele Schüler nehmen ein Hochschulstudium auf?*
Unsere gymnasiale Maturitätsquote liegt seit vielen Jahren mit 15 bis 17 Prozent klar unter dem nationalen Durchschnitt, dafür ist sie bei der Berufsmatur höher als im Landesdurchschnitt. So gleicht sich das aus. Im letzten Jahr haben rund zwei Drittel angegeben, ein ETH- oder Hochschulstudium beginnen zu wollen. Knapp 20 Prozent wollten an einer Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule studieren.
*Der Königsweg mit gymnasialer Matur und Hochschulstudium ist also kein Auslaufmodell?*
Nein. Aber interessant ist, dass sich vor rund 15 Jahren das Geschlechterverhältnis gedreht hat. Heute liegt die Frauenquote an der Kantonsschule bei etwa zwei Dritteln. Wieso das so ist, ist schwer zu sagen. Es gibt die Hypothese, dass es die Volksschule sprachlich begabten Schülern einfacher macht, gute Noten und damit einen Übertritt ins Gymnasium zu erreichen.
Neulich konnte man lesen, dass die Armee immer weniger diensttaugliche Maturanden findet. Sind die Kantonsschüler zu schlapp fürs Militär?*
Das denke ich ganz und gar nicht. Unsere Schüler sind fit, es gibt nach wie vor drei Sportstunden pro Woche. Aber es trifft zu, dass für viele Maturanden der Militärdienst nicht mehr die auch karrieretechnische Anziehungskraft hat wie früher. Ich denke, die Armee müsste die Kompatibilität von Studium und Militärdienst verbessern, um attraktiver zu werden, zum Beispiel mit Ausbildungsgutscheinen. Daran arbeitet man ja.

Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen .
Bild Mark Liebenberg
**Eine Herausforderung für das Schaffhauser Gewerbe**
*Der Einkaufstourismus nach Deutschland ist weit verbreitet in Schaffhausen. Julian Alvarez befasst sich in seiner Maturaarbeit mit den Folgen.*
Von Clio Zubler
Julian Alvarez ist selbst Einkaufstourist und kauft mit seiner Familie immer wieder mal in Deutschland ein. «Ich wollte mehr über die Auswirkungen des Einkauftourismus wissen», sagt der Kantonsschüler. So widmete er seine Maturaarbeit dem Thema. «In meiner Arbeit zeige ich auf, wieso die Leute nach Deutschland gehen und was die Folgen fürs Schaffhauser Gewerbe sind», sagt Alvarez. Er konzentriert sich in seiner Maturaarbeit auf die Lebensmittel- und Modebranche. In einem aufwendigen Theorieteil klärt er vorab den Begriff des Einkaufstourismus, setzt sich mit dem Kaufverhalten der Konsumenten auseinander und erläutert die Einfuhrbestimmungen.
Im zweiten Teil der Arbeit beschreibt er die Gründe für den Einkaufstourismus in der Region. Herausgefunden hat er diese, indem er fünfzig Leute befragt hat. «Ich habe Passanten einmal auf dem Fronwagplatz angesprochen und einmal vor dem Herblingermarkt», erklärt Alvarez. «Es war sehr mühsam und zeitaufwendig, die Umfrage auszuwerten», sagt er. Es zeigte sich, dass der grosse Preisunterschied zwischen der Schweiz und Deutschland tatsächlich der wichtigste Grund ist, um im Ausland einkaufen zu gehen.
**Vollkostenrechnung**
Alvarez erstellte auch eine Vollkostenrechnung für den Einkauf in Deutschland und vergleicht die Preise der Warenkörbe inklusive der Anfahrtskosten und etwaigen Einfuhrzöllen. Den grössten Preisunterschied gebe es in der Lebensmittelbranche zwischen Coop und Lidl, ganze 65 Prozent sind es. «Das war wirklich überraschend», meint Alvarez. «Die Qualität ist aber auch nicht dieselbe.»
**Neue Sichtweisen**
Alvarez’ Ziel war es, neue Sichtweisen auf den Einkaufstourismus und auch Lösungen für das Schaffhauser Gewerbe aufzuzeigen. Der grösste Gewinner der Situation sei der sparende fallen die Auswirkungen des Einkaufstourismus eher klein aus», Gewerbe wegen des Einkaufstourismus fünf bis zehn Prozent der Einnahmen fehlen, gebe es auch ein paar gute Seiten. So müssen die Geschäfte innovativ bleiben und sich vom ausländischen Angebot differenzieren, wie er in seiner Arbeit schreibt. «Die beste Lösung ist meiner Meinung nach, das Schaffhauser Gewerbe den Kunden näherzubringen», sagt der Maturand. Beispielsweise könnte man den Kunden mit einer App zeigen, welche Geschäfte es hier gibt.
**Zur Person**
Julian Alvarez
*Alter*
17 Jahre
*Wohnort*
Lohn
*Nach der Matura*
Militär, dann Wirtschaftsstudium
*Titel der Maturraarbeit*
Einfluss des Einkaufstourismus nach Deutschland auf das SH-Gewerbe
*Fachbereich*
Wirtschaft und Recht.

Julian Alvarez inmitten der Schaffhauser Altstadt. Der wichtigste Grund, um ins Ausland
einkaufen zu gehen, sind anscheinend die grossen Preisunterschiede.
Bild Clio Zubler
Schaffhauser Nachrichten
Daniel Jung
Die «Schaffhauser AZ» hat eine neue Chefredaktion. Seit diesem Monat wird die Arbeiterzeitung von den beiden 29jährigen Journalisten Mattias Greuter und Marlon Rusch geleitet. Die beiden gehören zu einem Team von insgesamt sechs Journalistinnen und Journalisten, die alle zwischen 26 und 31 Jahre alt sind und je im 60-Prozent-Pensum für die AZ schreiben.
«Mit 66 Jahren bin ich langsam ein alter Knabe», sagt Bernhard Ott, der zuvor die redaktionelle Leitung innehatte. «Es wurde Zeit für den Wechsel.» Nun habe die junge Crew die Chance, die Zeitung ohne den Einfluss der älteren Generation weiterzuführen.
**Abkehr vom Tagesjournalismus**
«Die Jungen sind viel radikaler im Verständnis, was es heisst, eine Wochenzeitung zu machen», sagt Ott über seine Nachfolger. Der älteren Garde der AZ sei es nie ganz gelungen, die Gepflogenheiten des Tagesjournalismus abzulegen. Die AZ war bis 1997 eine Tageszeitung. Nach einer kurzen Zwischenphase mit drei Ausgaben pro Woche wurde sie 1998 zum Wochenblatt – aus finanziellen Gründen. Die deutliche Abkehr von Veranstaltungen und Pressekonferenzen habe der AZ gutgetan, ist Ott überzeugt.
«Wir wollen mehr recherchieren und mit jedem unserer Texte eine Geschichte erzählen», sagt Marlon Rusch zu seinen journalistischen Zielen. Für die zwei jungen Chefs hat sich im Alltag aber nicht allzu viel geändert. «Wir sitzen immer noch am selben Ort wie vorher», sagt Rusch. Gegen aussen hin würden sie wohl vermehrt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Schwierige Entscheide würden aber wie bisher von der ganzen Redaktion gemeinsam gefällt. So wurde auch die Entscheidung, wer die Führungsrolle übernehmen soll, im Kollektiv gefällt. Im jungen Team sind Rusch und Greuter am längsten dabei.
**Vom Chef zum freien Mitarbeiter**
Ott bleibt weiterhin als Verlagsleiter verantwortlich für die kommerziellen Belange der AZ Verlags AG. Hiermit hat er eine schwierige Aufgabe. «Die AZ ist ein Defizitgeschäft», sagt er. Aktuell hat die AZ eine verkaufte Auflage von rund 2000 Stück. Ohne Spenden könnte sie nicht überleben. Rund 15 Prozent der Einnahmen stammen derzeit von Sponsoren. Dazu gehören die rund 150 Mitglieder des Gönnervereins sowie fünf grössere Einzelsponsoren. Die restlichen Einnahmen stammen etwa je zur Hälfte aus der Werbung und den Abo-Erlösen. «Früher kamen einmal rund 70 Prozent der Einnahmen von den Inseraten», sagt Ott.
Als Geschäftsführer ist Ott unter anderem für die Lohnadministration, die Bereitstellung der Daten für die externe Buchhaltung und die Pflege der Abonnenten zuständig. Weiterhin nimmt er auch an Redaktionssitzungen teil, sitzt aber nicht mehr am Kopf des Tischs. Als freier Mitarbeiter wird er auch künftig für die AZ schreiben, speziell über Themen der Schaffhauser Geschichte oder Wirtschaft.
Ott stammt aus einem katholischen, bürgerlichen Haushalt. «Es war für viele Leute aus meiner Generation auch eine Abgrenzung zu den eigenen Eltern, bei der SP mitzumachen», sagt er. Ähnliche Prozesse gebe es auch heute noch: Die Entstehung der Alternativen Liste in Schaffhausen, als zweite linke Kraft, habe ebenfalls viel mit persönlichen Biografien zu tun – mit Kindern aus SP-Haushalten, die etwas Eigenes aufbauen wollten. Dass die Schaffhauser Linke heute gespalten ist, macht Ott keine Sorgen. «Die AL kann mit ihrer Oppositionsrolle Leute abholen, welche die SP zu stark als Teil des Systems sehen.» Ott hat schon geschrieben, dass er langfristig eine Fusion von SP und AL erwartet. «Das muss aber selber wachsen», sagt er.
**Grosses Jubiläum**
Die «Schaffhauser AZ» war 1918 gegründet worden. Im nächsten Jahr feiert sie ihr 100-Jahr-Jubiläum. Dafür ist unter anderem ein Jubiläumsbuch geplant, das vom Historiker Adrian Knoepfli verfasst wird. Knoepfli hat bereits über die Geschichte der Alusuisse, der GF oder des Elektrizitätswerks des Kantons Schaffhausen geschrieben. Warum schreibt der Historiker Ott das Buch nicht selbst? «Hans-Jürg und ich wollten, dass es jemand von aussen schreibt», sagt er – der früherer SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr ist Verwaltungsratspräsident der AZ Verlags AG. In den 100 Jahren habe die AZ auch einige «Irrungen und Wirrungen» durchgemacht, sagt Ott. «Dafür ist ein kühler Blick von aussen nötig.»
Warum gibt es die AZ heute noch – während die anderen als sozialdemokratische Parteiblätter gegründeten Arbeiterzeitungen der Schweiz verschwunden sind? «Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass Schaffhausen ein vergleichsweise geschlossener Raum mit übersichtlichen Verhältnissen ist», sagt Ott. Andererseits habe die bürgerliche Ausrichtung der «Schaffhauser Nachrichten» auf der linken Seite stets Raum gelassen. «Und heute haben wir den Vorteil, eine Wochenzeitung zu sein», sagt Ott.
In den wirtschaftlich brenzligen Situationen sei es stets die überzeugte Fangemeinde der AZ gewesen, welche das Überleben ermöglichte. Im Jahr 1996 etwa hatte die Zeitung massive Finanzprobleme. Damals wurde die alte Unionsdruckerei in eine Verlags- und eine Immobilienfirma aufgeteilt sowie das Druckerei-Geschäft verkauft. Der UD Immobilien AG gehören drei Liegenschaften zwischen «Platz» und Webergasse. Ott ist sich bewusst, dass die Existenz der Zeitung weiter vom wirtschaftlichen Erfolg abhängt. «Wenn das Geld nicht reicht, dann kann man machen, was will», sagt er.
Zuletzt konnte die AZ gemäss Ott aber eine leicht Zunahme der Abonnenten feststellen – seit Januar 2016 um rund 3 Prozent. Er ist überzeugt, dass dies mit der neuen journalistischen Ausrichtung zu tun hat.
**«Zum Glück nicht entlassen»**
Auch von der SP habe sich die AZ stärker emanzipiert. «Bis vor 25 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass jemand für die AZ schreibt, der nicht in der SP ist», sagt Ott. Heute ist von den sechs Redaktoren nur einer bei einer Partei – Matthias Greuter war schon auf Wahllisten der AL. Ott weist aber darauf hin, dass er selbst als 28jähriger Journalist in der AZ einmal den damaligen SP-Regierungsrat Paul Harnisch zum Rücktritt aufgefordert hatte – wegen einer Revision des Polizeigesetzes. «Ich wurde damals zum Glück nicht entlassen», sagt er.

«Exekutivpolitiker wollen die Zeitung als Werbetrommel nutzen», sagt Bernhard Ott, Verlagsleiter der «Schaffhauser AZ». Die Rolle der Zeitung sei jedoch eine andere.
Bild Selwyn Hoffmann
Schaffhauser Nachrichten
czu
Zora Njeri Keller
Geboren am 13. Februar, 8.16 Uhr
Gewicht: 2870 Gramm
Grösse: 48 Zentimeter
Am 13. Februar durften die Eltern ihre Tochter Zora zum ersten Mal in die Arme schliessen. Das Paar ist seit drei Jahren verheiratet. Eine Woche früher als am eigentlichen Geburtstermin kam Zora nach einer relativ leichten Geburt zur Welt. «Ihr zweiter Name, Njeri, ist derjenige meiner Mutter», erklärt Tabby lächelnd.
Zoras zweijähriger Bruder Kasper hat sie schnell ins Herz geschlossen und ist aufgeregt und glücklich, eine kleine Schwester zu haben. Mutter und Tochter dürfen das Spital voraussichtlich am Samstag verlassen. Die ganze Familie freut sich darauf, einfach zu Hause zu sein und den gemeinsamen Alltag zu geniessen.

Die glücklichen Eltern: Tabby und Florian Keller mit Kasper aus Schaffhausen
Schaffhauser Nachrichten
Jean-Claude Goldschmid
*Herr Leu, wie haben Sie sich als Gemeindepräsident eingelebt?*
Eigentlich recht gut. Ich wurde auch gut unterstützt, einerseits durch die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, die mir zu einer schnellen Übersicht verhalfen, und andererseits natürlich auch durch die Kollegen im Gemeinderat, die mit ihrer Loyalität viel zu einem erfreulichen Start beigetragen haben.
*Wie ging die Amtsübergabe vonstatten?*
Ich habe, was meine Ämter und Referate betrifft, von einer akribisch vorbereiteten Übergabe profitieren können. Die Gespräche und die Unterlagen, in denen die laufenden Geschäfte, die Pendenzen, aktuelle Themen, ja selbst Umstände mit Konfliktpotenzial festgehalten sind, waren mir bei der Einarbeitung sehr dienlich. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, dass Amtskollegen von mir Berge von Ordnern übernehmen mussten. Bei mir war es gerade mal einer, aber eben zusammen mit einem Stick mit wohlgeordneten Dateien.
*Sie wurden ja im Rahmen einer Kampfwahl gewählt – inwiefern haben sich die Wogen da wieder geglättet?*
Ein so knapper Ausgang im zweiten Wahlgang hinterlässt Spuren, das ist keine Frage. Ich bin mir dessen bewusst und werde mich deshalb besonders bemühen, alle Einwohnerinnen und Einwohner zu vertreten und alle Interessen- und Anspruchsgruppen unserer Gemeinde gleichermassen zu berücksichtigen. Ich bin aber zuversichtlich und überzeugt, gestärkt durch viele Rückmeldungen und diesbezügliche Signale, dass die Kräfte gebündelt werden können und eine förderliche Zusammenarbeit möglich sein wird, wenn es darum geht, für die Entwicklung der Gemeinde die richtigen Lösungen zu finden.
*Welche Prioritäten setzen Sie für Ihre Gemeinde in den nächsten vier Jahren?*
Will man nicht nur Worthülsen und Papiertiger produzieren, müssen die Formulierung von konkreten Zielen und zielführenden Massnahmen aus der Sicht des Gemeinderats auf der Basis einer Auslegeordnung und einer entsprechenden Analyse erfolgen. Daran arbeitet der neu zusammengesetzte Gemeinderat. Im Frühling wird er die Resultate in einem Bericht festhalten. Das soll die Grundlage bilden, aufgrund derer dann die Schwerpunkte und Ziele festgelegt sowie die Instrumente und Mittel, mit denen diese zu erreichen wären, aufgezeigt werden; dies unter Einbezug möglichst vieler Interessen– und Anspruchsgruppen.
*Inwiefern kommt Ihnen Ihre Erfahrung als ehemaliger Gemeinderat beim neuen Amt zugute?*
Wie gewinnbringend ich meine Er- fahrungen einbringen kann, müssen andere beurteilen. Ich stelle aber fest, dass meine beruflichen Erfahrungen und insbesondere die Erfahrungen als ehemaliger Gemeinderat das Einarbeiten erleichtern.
*Und wie wirkt sich das neue Amt auf Ihr Privatleben aus?*
Natürlich musste ich einen Teil des beschaulichen und behaglichen Rentnerdaseins hergeben. Das war mir und auch meiner Frau von vornherein klar. Dennoch hoffe ich sehr, dass sich nach dem grossen anfänglichen Aufwand, der unumgänglich ist, ein Normalzustand einstellt, der noch genügend Zeit übrig lässt für meine Familie, meine Enkelkinder, die Pflege unseres Freundeskreises sowie für Sport und Musik. Ich bin da zuversichtlich. Eine fortschrittliche Vernetzung ermöglicht es mir, von überall her und zu jeder Tages- und Nachtzeit auf alle Unterlagen der Verwaltung und des Gemeinderates zuzugreifen. Das kommt mir sehr entgegen und ermöglicht mir ein effizientes Arbeiten.
*Welche Rolle spielt die Parteipolitik im Wilchinger Gemeinderat?*
Keine! Die gleiche Feststellung gilt auch für meine Zeit als Gemeinderat in den Neunzigerjahren. Selbstverständlich ist jedes Mitglied des Gemeinderates durch eine gewisse politische Ausrichtung geprägt. Aber in einer Exekutive geht es darum, im Konsens zu Entscheidungen zu kommen. Parteipolitik tritt in den Hintergrund.
*Wie stehen Sie zur Zukunft der Schule in der Gemeinde?*
Unsere Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf ein Schulangebot, das sie im Vergleich zu allen anderen Schülern des Kantons nicht benachteiligt. Unsere Schulen in Wilchingen gewährleisten dies auch in ihrer kleinen Einheit immer noch in hohem Masse, davon bin ich überzeugt. Allerdings hat es seinen Preis. Und mit abnehmenden Schülerzahlen und zunehmenden Anforderungen an die zukünftige Schule wird das nicht einfacher. Grössere Schuleinheiten sind eine Antwort. Die Ablehnung eines zentralen Oberstufenschulhauses für Wilchingen und Hallau sollte uns nicht davon abhalten, wenigstens auf der organisatorischen und betrieblichen Ebene mit unseren Nachbargemeinden zusammenzuarbeiten und grössere Einheiten anzustreben, dies unter vorläufiger Nutzung der bestehenden Schulanlagen. Damit verbauen wir uns keine weiteren Entwicklungen und Projekte.
*Sind Gemeindefusionen für Sie ein Thema?*
Ich denke nicht. Auf alle Fälle nehme ich es nicht wahr, dass das Thema Fusion im Unteren Klettgau auf irgendeiner Agenda steht. Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in Sachbereichen und bei gleichen oder ähnlichen Problemstellungen steht im Vordergrund. In diesem Bereich ist schon einiges vollzogen, und die Bereitschaft, diesen Weg weiterzugehen, ist gross. Je erfolgreicher wir diese Zusammenarbeit gestalten können, desto mehr tritt eine Fusion in den Hintergrund.
**Ruedi Leu**
*Mit vier Stimmen Vorsprung gewählt*
Von 1991 bis 1998 hat der heute parteilose Ruedi Leu (65) schon einmal acht Jahre Einsitz im Wilchinger Gemeinderat genommen, damals allerdings noch für die SVP. Im September 2016 wurde er im zweiten Wahlgang mit vier Stimmen Vorsprung vor Virginia Stoll (SVP) zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt.
Beruflich war der inzwischen pensionierte Leu als Schulinspektor tätig. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelkinder. Seine Hobbys sind die Familie, der Freundeskreis, der Sport und die Musik. Er wirkte lange Jahre als Dirigent der Chöre in Wilchingen. Heute geht er gerne in Konzertsäle.

«Natürlich musste ich einen Teil des beschaulichen und behaglichen Rentnerdaseins hergeben – das war mir auch von vornherein klar»: der neue Wilchinger Gemeindepräsident Ruedi Leu in seinem Garten.
Bild zvg
Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger
Wer ins Vereinslokal der Scaphusia tritt, bekommt unweigerlich das Gefühl, in einer andern Zeitepoche gelandet zu sein. Geschnitzte Holztische, ein Parkettboden, vertäfelte Wände, eine Gemütlichkeit, die heute urtümlich anmutet, aber vor 40 Jahren in etlichen Altstadtlokalen noch ganz selbstverständlich war. Seit 1912 befindet sich das Vereinslokal im «Falken». 2002, als die Scaphusianer eigene sanitäre Anlagen einbauen liessen, sei ein Bleiberecht für weitere 25 Jahre vereinbart worden. Davon sind jetzt allerdings auch schon wieder 15 Jahre verstrichen.
Andreas Schirrmacher, der neue Altherrenpräsident der Scaphusia, nimmt an einem der Tische Platz. Wie es sich denn anfühle, für einen so jungen Mann wie ihn, Altherrenpräsident zu sein. Andreas Schirrmacher lacht. «Ja, Altherr ist tatsächlich eine lustige Bezeichnung für jemanden, der gerade mal die 30 überschritten hat und nun Präsident eines Vereins ist, dessen Mitglieder zwischen 19 und 96 Jahre alt sind.» Und er habe, als er angefragt wurde, das Ansinnen erst gar nicht ernst genommen, sondern abgewinkt. «Aber als ich dann immer wieder, und zwar sowohl von Jungen als auch von Alten, gefragt wurde, ob ich das Amt nicht übernehmen würde, da habe ich es dann einmal zu Hause beim Znacht vorgebracht, um vorzufühlen, ob ich da Unterstützung finde.» Offenbar bekam der junge Familienvater auch zu Hause grünes Licht, denn seit gut fünf Wochen ist er nun im Amt. Es sei eben ein Anliegen innerhalb der Verbindung gewesen, im Vorstand eine Verjüngung zu erreichen. «Und seit sieben Jahren sitze ich schon im Vorstand und bin daher mit praktisch allen operativen Geschäften vertraut.»
Der Sinn der Verbindung Scaphusia sei es, bei den jungen Kantonsschülern durch gemeinsames Erleben von Freizeitaktivitäten einen Freundschaftsbund zu schmieden und das Interesse für Themen zu öffnen, mit denen man sich aus eigenem Antrieb vielleicht nicht beschäftigen würde. «Ich erinnere mich an Theaterbesuche in meiner Fuxenzeit, zum Beispiel an Shakespeares ‹Sommernachtstraum›, da wäre ich ohne die Scaphusia allein doch nie hingegangen.»
Ausserdem zerstreue man sich nach der Matura in alle Winde. Das sei zwar auch bei den Scaphusianern so, aber: «Wir sehen uns jeden Dezember an der Jahresversammlung, und alle 12 bis 15 Wochen treffen sich einige zu einem Abendessen. Mittlerweile sind auch die Ehefrauen und die ersten Kinder dabei. Und das alles möchte ich nicht missen. Aber am Anfang, in der aktiven Zeit als Kantischüler, muss man dafür arbeiten. Man muss Zeit mitbringen.»
Aktuell besteht die Aktivitas aus sechs Fuxen und sechs Burschen. Klingt nicht gerade nach viel, gegenüber einem Bestand an Altherren von doch rund 300 Personen. Schirrmacher: «Zahlenmässig müssen wir sagen, dass Verbindungen ein Auslaufmodell zu sein scheinen. Aber wir haben steigende Mitgliederzahlen. Es wird sich auf einem tiefen Pegel stabilisieren. Früher gab es an der Kantonsschule Schaffhausen drei aktive Verbindungen. Jetzt gibt es nur noch uns. Aber ich glaube nicht, dass wir bald aussterben. » Andreas Schirrmacher will denn auch den Kontakt zur Kantonsschule ausbauen und stärken.
Wer als Schüler in der Scaphusia mitmachen wolle, brauche «ein erhebliches Commitment», sagt Andreas Schirrmacher. «Vor allem ohne entsprechende schulische Leistung geht es nicht. Wenn man in der Schule untergeht, kann man sich vor den Eltern und den Lehrern nicht dafür rechtfertigen, dass man zweimal pro Woche an einen Anlass geht, wo Bier getrunken wird. Die Noten müssen stimmen.» Ausserdem könne nicht mehr davon ausgegangen werden, dass jeder zweite oder dritte Kantilehrer Altherr einer Verbindung sei, sprich: «Die Zeiten, wo der Pauker den Pennäler am Morgen nach dem Stammtisch im Unterricht in Ruhe lässt, sind endgültig vorbei.» Anders gesagt: Wenn es bei den Fuxen und den Burschen kriselt, schreiten die Altherren ein: «Ja, dann sehe ich uns in der Pflicht. Wenn man das Farbenband trägt, stellt man sich aus, und dann muss man auch Leistung bringen können. Wir bitten die Aktiven daher, dass sie uns ihre schulischen Leistungen offenlegen.»
Aber dennoch: Das Bier gehört dazu. «Vorzugsweise Falkenbier», sagt Andreas Schirrmacher lachend. Er war 16, als er in die Scaphusia eintrat. «Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich war damals Präsident der Schülerorganisation an der Kanti und wurde immer wieder gefragt, was das für welche seien, die diese Bändel trügen.» Da habe er sich schlaugemacht. Und für den ersten Kontakt mit der Verbindung habe er zum ersten Mal freiwillig einen Kittel angezogen. «Und ich erlebte einen unglaublich tollen Abend!» Am nächsten Morgen sei er dann – wegen des Bieres – «mit einem dicken Kopf erwacht, aber ich wusste: Das hat mir Spass gemacht.»
Nun freut sich Andreas Schirrmacher auf seine Zeit als Altherrenpräsident. «Der Verein hat ein grosses Potenzial und dadurch auch viele Alphatiere. Die Kunst des Präsidenten besteht darin, eine Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schlagen. Wo müssen wir authentisch bleiben, und wo müssen wir mit der Zeit gehen?» Das sei eine Gratwanderung, denn viele würden die Tradition mit eigenen emotionalen Erinnerungen verknüpfen.
«Das Amt bringt einiges an Arbeit mit sich», sagt Andreas Schirrmacher. Jedes Jahr findet eine Wiederwahl statt, eine Begrenzung der Amtszeiten gibt es nicht. «Darauf, wie lange ich das machen werde, will ich mich heute nicht festlegen.»
**Scaphusia**
*Seit 159 Jahren trinkfeste Geselligkeit*
*Früher* An der Kantonsschule gab es in den letzten 100 Jahren drei nennenswerte Verbindungen, nämlich den Kantonsschul-Turnverein KTV, die Scaphusia sowie die Verbindung Munot, deren Mitglieder sich verpflichten, bis zum Austritt aus der Kantonsschule abstinent zu leben.
*Heute* Neben der Verbindung Scaphusia gibt es gegenwärtig noch die Verbindung der angehenden Kaufleute, Commercia. Diese Verbindung ist ebenfalls noch aktiv und kann nächstes Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern.
*Die Scaphusia* Die Verbindung wurde 1858 gegründet, zählt heute 12 Aktive und rund 300 Altherren. Neuer Altherrenpräsident ist seit 2017 der Rechtsanwalt Andreas Schirrmacher v/o Recte.
*Biernamen* Die Biernamen, auch Cerevis oder Vulgo (v/o) genannt, sind in der Scaphusia nach Zürcher Vorbild seit 1861 üblich. Sie sind Symbol dafür, dass der junge Mann mit dem Eintritt ein neuer Mensch wird und für ihn ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
(Wü.)

Das Bier darf nicht fehlen, während Andreas Schirrmacher, der neue Präsident der Altherren der Schaffhauser Kantonsschulverbindung Scaphusia, von seiner Motivation,
als 16-Jähriger in den Verein einzutreten, und seinen jetzigen Zielen erzählt. Das Vereinslokal befindet sich im ersten Stock des «Falken» an der Vorstadt.
Bild Selwyn Hoffmann
Schaffhauser Nachrichten
Stefanie Bernath
Am letzten Wochenende haben Unbekannte zwei Fenster in der Kantonsschule Schaffhausen mit Steinen eingeschlagen. Dabei wurden auch die Türen daneben getroffen. «Ein Lehrer, der am Samstag im Schulhaus war, hat mich und den Hausmeister informiert», sagt Schuldirektor Pasquale Comi. Die Fenster liegen beim Schulhof. Die Steine entnahmen die Täter wahrscheinlich einem nahe gelegenen Brunnen, in dem Steine als Dekorationsmaterial dienen.
Am Samstag haben Schreiner die Fenster provisorisch verschlossen. Die Reparatur erfolgt laut Comi möglichst in den Sportferien. Die Kosten für den Sachschaden sind noch nicht klar. «Vermutlich liegen sie aber bei über 10 000 Franken», sagt Comi. Die Schule hat am vergangenen Samstag Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Steine hat die Polizei mitgenommen, um allfällige DNA-Spuren zu sichern. «Bei aller Frustration, welche ein schulischer Misserfolg provozieren kann, ist ein solcher Akt von Vandalismus nicht zu entschuldigen», hält Comi fest.
Schaffhauser Nachrichten
(r.)
Werden auch Stachler bald auf Alkohol kontrolliert? Diese Frage ist noch nicht abschliessend geklärt. Einen Atemalkoholtest für alle Bootsführer sieht die laufende Revision des Binnenschifffahrtsgesetzes vor. Der Ständerat hat mittlerweile dieser Revision zugestimmt. Sie gilt für sämtliche Fahrzeuge oder Geräte, die auf oder unter der Wasseroberfläche bewegt werden. Ausnahmen würden nur für kleinere Schlauch- oder Strandboote gelten. Die Vorlage geht nun an den Nationalrat.
Staatsschreiber Stefan Bilger sagte auf Anfrage zur Situation der Schaffhauser Weidlingskapitäne, dass der Schaffhauser Regierungsrat derzeit die genaue Ausnahmeregelung prüfe und je nach dem, ob Handlungsbedarf bestehe, aktiv werde. Im Frühling 2015 hatte der Regierungsrat in einer Vernehmlassung Ausnahmen für motorlose Weidlinge auf dem Rhein verlangt.
Schweizer Familie 3/2017
Michael Lütscher
Plopp. Es tönt, als würde eine Champagnerflasche geöffnet. Aber auf dem Tisch steht eine Flasche Pilgrim Triple Ambrée. Ein Bier. Eines, das mit einem Champagnerkorken verschlossen war. Man trinkt es zum Essen, das auf dem weiss aufgedeckten Tisch steht, Kalbssteak mit feinen Nudeln.
«Ich will zeigen, dass sich Bier bestens zu einem Essen eignet», sagt Martin Wartmann, der dieses Bier braut. Die Anerkennung von Bier in der Schweiz als vollwertigem Getränk ist die Mission des weisshaarigen Thurgauers. Bier ist das Leben des 69-Jährigen: In eine Brauerfamilie geboren, hat er als Braumeister und Unternehmer sein ganzes Berufsleben in der Branche verbracht.
Die Champagnerflasche ist Symbol dafür, dass es sich beim «Bière d’Abbaye Triple Ambrée», wie auf der Etikette steht, nicht um ein simples Lagerbier handelt. Triple heisst dreifach vergoren; wie bei Schaumwein findet die letzte Gärung in der Flasche statt. Damit er sich unter dem Druck der Gärgase nicht löst, muss der Verschluss gut gesichert sein.
Goldgelb funkelt das Abteibier im Glas, verführerisch würzig ist sein Geschmack. Es ist so weit weg von einer «Stange» wie ein komplexer Rotwein von einem einfachen Landwein. Ausgeschenkt wird es in ein Weinglas. Weil die Geschmacksvielfalt so besser zur Geltung kommt.
Wartmann hat diese Art des Bierbrauens in den Hinterthurgau importiert – aus Belgien, wo sie in den Klöstern der Trappistenmönche Tradition hat. Sinnigerweise braut er auch in einem Kloster – in Fischingen TG.
Betrieben wird dieses von Benediktinermönchen, die dem Bier gegenüber seit jeher besonders zugetan sind. «Trinken bricht das Fasten nicht» heisst eine Regel des Ordens aus dem 9. Jahrhundert. Während der Fastenzeit ernährten sich die Mönche flüssig, mit selbst gebrautem Bier.
**Bier im Wandel**
Dass ein altgedienter Brauer wie Martin Wartmann ins Kloster gefunden hat, ist bezeichnend für die Vielfalt und den Wandel der Schweizer Brauszene. Aktuell gibt es 740 Brauereien in der Schweiz, 1990 waren es nur 32 gewesen. Ein Bier war damals buchstäblich ein Bier: Die Brauereien hatten in ihrem Kartell den Markt aufgeteilt und die Biersorten beschränkt – auf «Lager», «Spezli» und «dunkel» sowie eine saisonale Spezialität.
Als Pionier brach Wartmann diese Einfalt auf. 1976 lancierte er mit der damaligen familieneigenen Actienbrauerei Frauenfeld ein Weizenbier nach deutschem Vorbild. Dazu inspirieren lassen hatte er sich während seiner Ausbildung zum Braumeister 1969 bis 1972 in Berlin. In den frühen 1980er-Jahren entwickelte er dann das Ittinger Bräu, gebraut mit dem Hopfen der Kartause Ittingen, eines ehemaligen Klosters im Thurgau. Dass dieses Bier speziell war, liess sich auf den ersten Blick an der Farbe erkennen: dunkelgolden wie Bernstein. Das war damals in der Schweiz eine absolute Neuheit. Ittinger verkaufte Wartmann später an den holländischen Braugiganten Heineken, der es seither zusammen mit den Marken Calanda, Eichhof und Haldengut braut. Wartmann gehörte auch zu den Ersten, die die Tradition der Restaurant-Brauerei wiederbelebten, die vor der Erfindung des Kühlschranks weit verbreitet war. Ende der 1980er-Jahre eröffnete er das Brauhaus Sternen in Frauenfeld, woraus später die Back & Brau-Kette wuchs (die dann wegen einer falschen Standortwahl, wie Wartmann sagt, wieder verschwand).
1991 reiste er in die USA nach Austin, Texas, an eine Messe namens Craft Brewers Conference. «Da ist meine schweizerisch-deutsche Brauwelt zusammengekracht», sagt Wartmann. Er war gewohnt, dass Bier aus Gersten- oder Weizenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser bestand. Die jungen Amerikaner aber, die er traf, brauten auch mit Zucker, Gewürzen und Holz, inspiriert von den kunterbunten Brautraditionen Belgiens und Grossbritanniens. Der Begriff «Craft Beer», «handwerkliches Bier», steht mittlerweile auch in der Schweiz für besondere Biere.
«Wir erlauben uns, im Barockkloster barock zu brauen», sagt Wartmann, als er uns durch die kleine Brauerei führt, die in einem früheren Werkgebäude ausserhalb der Klostermauern untergebracht ist. Es riecht nach Bier, in einem Regal sind die neun Pilgrim-Sorten aufgereiht, nebst den Abteibieren auch einfachere, von kleinen 3,3-dl-Fläschchen bis zu 1,5-Liter-Magnum-Flaschen. An einer Wand hängen internationale Auszeichnungen für die erst 2015 eröffnete Brauerei.
Rohre, Tanks, Computer, Monitore – die Räume sind voller Geräte. «Ohne Hightech geht es nicht», sagt Wartmann. 2,5 Millionen Franken hat er mit seinen Partnern, dem Lista-Büromöbelfabrikanten Fredy Lienhard und Andreas Schoellhorn, dem Ex-Chef von Haldengut, investiert.
In einem engen Raum stapeln sich weisse Säcke mit dem Grundstoff: verschiedene Malze – ausgetriebene, getrocknete Getreidekörner. Importiert aus Belgien und Deutschland; in der Schweiz gibt es trotz dem Bierboom keine grössere Mälzerei. In den Säcken lagert Gersten- und Weizenmalz in diversen Röstgraden. Diese bestimmen die Farbe des Bieres – stark geröstetes Malz ergibt dunkles Bier.
Ein industrielles Lagerbier enthält ein einziges Malz, ein Pilgrim-Abteibier vier bis sechs Sorten. Mit dem Hopfen und Wasser aus der Klosterquelle kommen die Malze in die Sudpfannen aus glänzendem Kupfer, wo sie während sechs Stunden auf 62 bis 68 Grad erhitzt werden.
**Das Brauteam**
Verantwortlich fürs Brauen ist Braumeister Philipp Krickl, ein 34-jähriger Deutscher, der in München Braukunst studiert hat. Sekundiert wird er von Johanna Haeberle, 23. Wartmann agiert mehr im Hintergrund, als Geschäftsführer und Marketingmann mit einem Pensum von «50 bis 60 Prozent». Pilgrim ist eine kleine Brauerei, wie so viele der neuen im Lande. Abgefüllt wird zweimal pro Woche, von Hand – von einer Gruppe Rentner. Männer mit technischer Ausbildung, wie Wartmann betont. Gibt es beim Abfüllen Probleme, können sie sie selbst beheben.
1000 Liter werden bei Pilgrim pro Tag gebraut. Von der Sudpfanne gelangen die Abteibiere in offene Stahlbottiche, wo sie unter der Zugabe von Hefe bis vier Wochen lang gären. «So haben wir den Prozess besser unter Kontrolle», sagt Wartmann über die offenen Tanks.
In den einen Bottichen schäumt es, in anderen bewegt sich die braune Suppe wie in einem Whirlpool. Das sind klare Zeichen, dass die Hefen damit beschäftigt sind, Zucker in Alkohol umzuwandeln. «Wenn es still wird, ist der Gärprozess abgeschlossen», sagt Braumeister Krickl.
Ein Abteibier ist dann noch nicht vollendet. In einem geschlossenen Reifetank wird es ein zweites Mal vergoren. Beigaben sind Gewürzsäckchen in der Form von Frauenstrümpfen, gefüllt mit Stoffen wie Bitterorangen, Tannennadeln oder Kardamom. Holzschnitzel, die mit der flüssigen Hefe getränkt sind, treiben im Bier. Sie sorgen für weitere Geschmacksnoten. Zuchthefen sind die heikelsten und teuersten Zutaten beim Brauen; sie entscheiden über die Länge des Gärprozesses, über den Alkoholgehalt und mit über den Geschmack. Die meisten bezieht man aus den USA, wo die führenden Laboratorien für Bierhefen sind.
Wartmanns und Krickls Sorge ist derzeit, die passende Hefe für ihr fünftes Abteibier, das bald als «Imperial Blond» lanciert werden soll, zu finden. Mit 17 Prozent Alkohol soll es stärker als die allermeisten Biere werden. Nach drei unbefriedigenden Versuchen liegt der vierte Sud im Bottich. Die Strömungen an der Oberfläche der ockerfarbigen Brühe zeigen, dass die Hefen noch arbeiten. Probiert werden kann sie dennoch. Cremig ergiesst sie sich ins Glas, süss riechend. Als «Alternative zum Portwein» preist Wartmann das Imperial Blond. «Gerade Frauen lieben solche Biere.»
Wie er darauf kommt? Durch Nähe zu Kunden und Kundinnen. Wer will, kann in der Brauerei degustieren. Und zweimal im Jahr bei der Präsentation der Saisonspezialitäten Freibier trinken.
**Kaufinformationen**
Verkauf im Kloster Fischingen TG und im Online-Shop
www.pilgrim.ch
Zwei Abteibiere sind in grossen Coop-Filialen erhältlich.
ESSEN UND BIER: WAS PASST?
Bier als Begleiter zum Essen hat eine ähnlich grosse Tradition wie Wein. Die Geschmacksvielfalt der Biere ist enorm, auch wenn den allermeisten die Säure fehlt, welche Weine als Essensbegleiter auszeichnet. Die aufgeführten Biersorten werden alle auch in der Schweiz gebraut.
PORTER – dunkel, oft mit Kaffee- oder Schokoladen-aromen – passt zu Austern, gedünsteten Muscheln, Rauchlachs.
STOUT – dunkel bis schwarz, oft mild – passt zu Parmesan, Sbrinz.
BROWN ALE – dunkel, oft mit Caramelnoten – passt zu Roastbeef.
BOCK – alkoholreich und oft malzig-süsslich – passt zu Pizza (z.B. Margherita), Schweinskotelett.
PALE ALE – hell, fruchtig, würzig – passt zu Penne all’arrabiata.
DOPPELTES ABTEIBIER – feinperlig und zweifach vergoren wie Schaumwein – passt zu geschmortem Fleisch, pikantem Weichkäse.
IMPERIAL STOUT – eine besonders kräftige Version eines Stout-Biers – passt zu Schokoladekuchen.
FRUCHTBIER – süsslich, fruchtig, da mit Früchten vergoren – passt zu Cheesecake.

Bierbrauer Martin Wartmann vor der Sudpfanne in der Klosterbrauerei.
Fotos Daniel Ammann

Vier Sorten des dreifach vergorenen Abteibiers mit Champagnerverschluss.
Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger
Hätte im Jahre 1875 Pfarrer Ferdinand Vetter das ehemalige Kloster St. Georgen nicht von der Stadt Stein am Rhein für 20 000 Franken als Familiensitz erworben, wäre es heute wohl kein Museum. Die Anlage war vor dem Verkauf an Pfarrer Vetter in einem maroden Zustand, war sie doch als Industrieanlage, Turnhalle und Schulgebäude und so weiter genutzt worden. Ausserdem war die Stadt Stein am Rhein wegen des Eisenbahnbaus verschuldet und konnte sich historisches Erbe nicht leisten.
**Ferdinand Vetters Lebensaufgabe**
Pfarrer Vetters Sohn, Ferdinand Vetter (1847–1924), war als Germanistikprofessor und Mittelalterfachmann eine der markantesten Persönlichkeiten seiner Zeit, und als er 1888 St. Georgen von seinem Vater übernahm, machte er die Erhaltung der seit der Reformation nicht mehr als Kloster dienenden Anlage zu seiner Lebensaufgabe. Er wurde zum «Retter» des Klosters St. Georgen.»
Um die Anlage zu retten, verband sich Vetter mit den führenden Köpfen im Land, die sich für den Erhalt von Bauwerken und historischen Kunstdenkmälern einsetzten. Es war die Zeit des Historismus, und man stritt sich darum, wo das geplante Landesmuseum errichtet werden sollte: in Bern, wo Ferdinand Vetter unter anderem den Verein gegründet hatte, der den Münsterturm vervollständigte, oder in Zürich, wo sein Gegenspieler, der Industrielle Heinrich Angst (1847–1922), eine starke Stellung innehatte. Vetter und Angst wollten beide der erste Direktor des Landesmuseums werden. Dass Heinrich Angst es schliesslich wurde, hing nicht zuletzt damit zusammen, dass er der bessere Stratege und von weniger aufbrausendem Temperament war als Vetter.
Das Museum, das Ferdinand Vetter in St. Georgen dann einrichtete, setzte den Schwerpunkt auf das Kloster. Diese Gewichtung war ein willkürlicher Entscheid und hätte auch anders ausfallen können. Denn Vetter löschte damit alle Zeugnisse aus den 300 Jahren, in denen hier Zürcher Amtsleute gewirkt hatten, aus. Der Referent, der Konservator des Museums St. Georgen, Andreas Münch, sagte, dass dies aus heutiger Sicht bedauerlich sei, aber damals habe die Denkmalpflege, die gerade erst entstand, das Ziel gehabt, eine einzige Zeitepoche auszuwählen und sozusagen zu inszenieren. So etwa liess Vetter zu Werbezwecken Bildkarten drucken, auf denen einer seiner Söhne als lesender Mönch im Kreuzgang posieren musste.
**Vetter-Biografie ist ein Desiderat**
Heute, gemäss den Gesichtspunkten des «modernen» Denkmalpflegers Josef Zemp (1869–1942) gestaltet, nehmen sich die Räumlichkeiten von St. Georgen geradezu nüchtern aus. Jede Zeit gestalte ihre Museen gemäss ihren Prioritäten, sagte Andreas Münch, heute werde Altes und Neueres nebeneinander stehen gelassen, zur Zeit Ferdinand Vetters war das anders.
1926 kaufte die Gottfried-Keller-Stiftung St. Georgen aus dem Nachlass der Familie Vetter, sodass die Anlage und damit das Museum heute Eigentum der Eidgenossenschaft ist. St. Georgen wird seit 2012 direkt vom Bundesamt für Kultur, wo Andreas Münch arbeitet, betreut.
Ein Desiderat ist weiterhin eine Biografie der vielschichtigen, sehr kommunikativen, aber nicht immer umgänglichen Persönlichkeit des Ferdinand Vetter, der 1884 auch als Autor des ersten Kunstführers von St. Georgen hervortrat sowie als leidenschaftlicher Verfasser von Festspielen.
Rund fünfzig Personen besuchten den Vortrag, organisiert vom Historischen Verein des Kanton Schaffhausen, am Dienstagabend im Museum zu Allerheiligen bei.
Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin
«Herr Ratspräsident, die Glocke gehört Ihnen», sagte der scheidende Präsident des Grossen Stadtrats, Martin Egger (FDP), zum Schluss seiner einjährigen Amtszeit – und machte Platz für seinen Nachfolger Stefan Marti (SP).
Zum ersten Mal kam gestern der Ende November neu gewählte Grosse Stadtrat im Kantonsratsaal zusammen. Die Mitglieder begrüssten sich, gratulierten sich gegenseitig zur Neu- respektive Wiederwahl, und da und dort machte man sich mit den «neuen Gesichtern» bekannt. Entschuldigen musste Martin Egger, der die Sitzung eröffnete und während der ersten drei Traktanden noch die Leitung innehatte, für einmal niemanden. Alle 36 Ratsmitglieder sowie der gesamte Stadtrat – zum ersten Mal mit Katrin Bernath (GLP) – waren erschienen.
**Souveräne Wahl Martis**
Nach der Inpflichtnahme der bisherigen und der neu gewählten Grossstadträtinnen und -räte startete sogleich das Wahlprozedere – denn stolze 14 Wahlen waren am gestrigen Abend traktandiert. Darunter natürlich auch die wichtige Wahl des neuen Ratspräsidenten. Dafür nominiert war Stefan Marti (SP), der sich über eine souveräne Wahl freuen durfte: Von den 36 Ratsmitgliedern gaben deren 28 ihre Stimme dem bisherigen ersten Vizepräsidenten – bei 6 ungültigen oder leeren Wahlzetteln und 2 Stimmen für andere Kandidaten –, der damit 2017 das höchste städtische Amt bekleiden darf.
Als erster Vizepräsident wurde Rainer Schmidig (EVP) gewählt, der im letzten Jahr bereits zweiter Vizepräsident war. Er konnte von 32 gültigen Stimmen deren 30 auf sich vereinen. Als zweiter Vizepräsident neu ins sogenannte Büro des Parlaments gewählt wurde schliesslich Hermann Schlatter (SVP), dies mit 26 Stimmen bei 30 gültigen Wahlzetteln. Alleswurden sie mit grossem Applaus im neuen Amt von den Ratskollegen sowie Gästen im Saal willkommen geheissen.
Komplettiert wurde das Ratsbüro für das Jahr 2017 mit der Wahl der Stimmenzähler. Gewählt wurden die bisherige Stimmenzählerin Cornelia Stamm Hurter (SVP), der abtretende Ratspräsident Martin Egger (FDP) sowie die neu gewählte Grossstadträtin Angela Penkov (AL).
**«Zukunftsweisende Entscheide»**
Bevor Egger seinen Platz auf dem «Bock», dem Stuhl des Präsidenten, verliess, blickte er nochmals auf seine Amtszeit zurück. Insgesamt 17 Sitzungen leitete er im letzten Jahr – davon eine Dreifach- und zwei Doppelsitzungen. «Dabei wurden zukunftsweisende Entscheide gefällt», hielt er fest.
Anschliessend übernahm Stefan Marti das Wort und bedankte sich für die Wahl zum Präsidenten des Grossen Stadtrats. Mit ihm habe das Parlament «gezwungenermassen keinen alten Hasen, sondern einen – wenn auch etwas älteren – ‹Frischling› auf den ‹Bock› gehoben», sagte er. Marti sitzt nämlich erst seit drei Jahren wieder im Rat, nachdem er zuvor schon einmal ein Jahr lang Mitglied gewesen war. Er habe in den letzten zwei Jahren im Vizepräsidium viel gelernt und freue sich auf eine spannende Legislatur mit wichtigen Entscheiden über die Zukunft der Stadt Schaffhausen. Darunter zum Beispiel die Gestaltung des Kammgarn-Areals oder die anstehende Sanierung der KSS.
Es folgten danach noch mehrere stille Wahlen für diverse Kommissionen sowie das Wahlbüro der Stadt (siehe unten), bevor Marti zu seiner Wahlfeier im Haberhaus lud (siehe Seite 19).
**Weitere Wahlen**
Die Kommissionen des Grossen Stadtrats wurden gestern für die Amtszeit von 2017 bis 2020 neu gewählt
In der ersten Sitzung der neuen Legislatur wurden nicht nur die jährlich wechselnden Ämter im Ratsbüro neu vergeben, sondern auch die ständigen Kommissionen des Grossen Stadtrats neu besetzt. Ebenso wurden verschiedene Mitglieder in Verwaltungskommissionen von städtischen oder stadtnahen Betrieben delegiert, um dort die Interessen der Stadt zu vertreten. Zuletzt wurden 30 Stimmenzähler für das Wahlbüro der Stadt gewählt. Sie leisten jeweils an Wahl- und Abstimmungswochenenden einen wichtigen Dienst. Die Nominationen für all diese Gremien waren an einer Konferenz der Fraktionspräsidenten vorbesprochen worden.
*Geschäftsprüfungskommission*
In die Geschäftsprüfungskommission (GPK) wurden folgende sieben Mitglieder gewählt: Diego Faccani (FDP), Urs Fürer (SP), Walter Hotz (SVP), Martin Jung (AL), Marco Planas (SP), René Schmidt (GLP, Präsident) und Cornelia Stamm Hurter (SVP).
*Fachkommission Soziales*
In die Fachkommission für Soziales, Bildung, Betreuung, Kultur und Sport wurden folgende sieben Mitglieder gewählt: Kirsten Brähler (SVP), Iren Eichenberger (ÖBS), Mariano Fioretti (SVP), Res Hauser (Jungfreisinn), Monika Lacher (SP), Urs Tanner (SP, Präsident) und Bea Will (AL).
*Fachkommission Bau*
In die Fachkommission für Bau, Planung, Verkehr, Umwelt und Sicherheit wurden ebenfalls sieben Mitglieder gewählt: Jeannette Grüninger (SP), Markus Leu (SVP), Stephan Schlatter (FDP), Rainer Schmidig (EVP), Simon Sepan (AL), Ernst Yak Sulzberger (GLP) und Edgar Zehnder (SVP, Präsident).
*VK Städtische Werke*
Für die Verwaltungskommission (VK) der Städtischen Werke (SH Power) wurden vier Mitglieder gewählt: Theresia Derksen (CVP), Till Hardmeier (FDP), Hermann Schlatter (SVP) und Urs Tanner (SP).
*VK Freizeitpark KSS*
Für die Verwaltungskommission der KSS Sport- und Freizeitanlagen Schaffhausen wurden folgende drei Mitglieder gewählt: Georg Merz (ÖBS), Bea Will (AL) und Edgar Zehnder (SVP).
*VK Verkehrsbetriebe VBSH*
Für die Verwaltungskommission der Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH) wurden zwei Mitglieder gewählt: Nicole Herren (FDP) und Christoph Schlatter (SP).
*SPK Öffentlichkeitsprinzip*
In die Spezialkommission (SPK) «Öffentlichkeitsprinzip der Stadt Schaffhausen» wurden neun Mitglieder gewählt: Iren Eichenberger (ÖBS), Res Hauser (Jungfreisinn), Walter Hotz (SVP), Martin Jng (AL), Stephan Schlatter (FDP), Rainer Schmidig (EVP, Vorsitz), Cornelia Stamm Hurter (SVP), Urs Tanner (SP) und Jonathan Vonäsch (Juso).
*SPK Revision Geschäftsordnung*
In die Spezialkommission «Teilrevision der Geschäftsordnung» wurden folgende elf Mitglieder gewählt: Martin Egger (FDP), Iren Eichenberger (ÖBS), Diego Faccani (FDP), Walter Hotz (SVP), Martin Jung (AL), Stefan Marti (SP), Christoph Schlatter (SP), Hermann Schlatter (SVP), Rainer Schmidig (EVP), Cornelia Stamm Hurter (SVP, Vorsitz) und Urs Tanner (SP).
*Wahlbüro der Stadt*
Für das Wahlbüro der Stadt Schaffhausen wurden insgesamt 30 Stimmenzählerinnen und Stimmenzäh- ler gewählt: Fabian Berger (AL), Theresia Brambrink (FDP), Nicolas Brauchli (AL), Richard Brauchli (SP), Stefan Bruderer (ÖBS), Verena Danz (ÖBS), Casimir Fürer (Juso), Walter Glanzmann (SVP), Esther Gloor (CVP), Wilhelm Hefti (SP), Noemi Heusler (SP), Franziska Humm (SP), Nora Hurter (SVP), Valentin Käslin (Jungfreisinn), Maria Lapadula (SVP), Rosemarie Leitner (EVP), Bert Marti (GLP), Hanna Meister (SP), Guido Mühlemann (FDP), Ramona Neidhart (GLP), Heidi Pletscher (SVP), Beate Schäpper (SVP), Esther Scheck (SVP), Ester Schmitz (FDP), Anna Sigg (SP), Oliver Sipos (AL), Elisabeth Sutter (EDU), Barbara Tappolet (SVP), Augostino Tarabusi (SP), Jolanda Walther (FDP).(dj.)
**Gestern im Rat**
· Der Grosse Stadtrat nimmt die 36 gewählten Mitgliederin die Pflicht.
· Das Parlament wählt das neue Ratsbüro und die Stimmenzähler. Ratspräsident wird Stefan Marti (SP), 1. Vizepräsident wird Rainer Schmidig (EVP), 2. Vizepräsident wird Hermann Schlatter (SVP).
· Der Grosse Stadtrat wählt die Mitglieder derständigen Kommissionen und zweier Spezialkommissionen, er delegiert Mitglieder in Verwaltungskommissionen von städtischen Betrieben und wählt 30 Stimmenzähler für das Wahlbüro der Stadt Schaffhausen.