#Allgemeines

22. September 2014 | Wer «ehrlich gesagt» sagt, ist meist nicht ehrlich

Schaffhauser Nachrichten
(schi)

Und nach der Pause des Medienstamms kommt auch noch Che, mit bürgerlichem Namen Peter Hartmeier, früherer Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», und setzt sich neben Pipe! Niemand bemerkt den damit verbundenen Rollentausch: Der Berichterstatter gerät in Stress, leidet unter dem hohen Erwartungsdruck. Vorne geben zwar Marcus Knill, vulgo Fabulator, und Matthias Ackeret, vulgo Elvis, Verleger des Wirtschaftsmagazins «Persönlich», bedenkenswerte Tipps für den Umgang mit Medien, doch er hört längst nicht mehr zu, studiert nur noch an seinem Titel herum. Kaum glaubt er ihn gefunden zu haben, verwirft er ihn wieder, viel zu wenige Buchstaben. Dann endlich die Erlösung, Urs Peter Naef, Mediensprecher der Migros, erklärt den Mitgliedern der Handelsschulverbindung Commercia die 50-40-10-Regel: «50 Prozent macht das Visuelle aus, 40 Prozent die Sprache und 10 Prozent der Inhalt.» Mediengott sei Dank, der Inhalt ist gar nicht so wichtig. Das verschafft dem Schreiber den nötigen Stressabbau, auch wenn klar ist, dass nur das Fernsehen, nicht aber der Printjournalismus gemeint ist.
Beim Medientraining mittels Videoaufnahmen schlagen sich die Aktivitas-Mitglieder Jeff Unger (Rock) und Patrick Biedermann (Poet) bestens. Und doch bringen Marcus Knill und sein Kameramann Claudio Ferrari manch ein Detail zutage, das sich verbessern liesse, hinsichtlich Blick, Gestik und Mimik, bezüglich Tonalität, Einfachheit und Verständlichkeit der Antworten. Die überraschende Kernbotschaft, die das brillante Duo Knill/Ackeret in einem wahren Pointenfeuerwerk vermittelt, lautet: Das Wichtigste ist die Pause. Lasst euch von den Medien nicht unter Zeitdruck setzen, überlegt, bevor ihr antwortet, verlangt unter Umständen sogar die Telefonnummer, um zurückzurufen. No Stress. Klar wird allerdings auch: Wer «ähh» sagt oder «also», macht keine Denkpause. Verschiedene Experten, verschiedene Kernbotschaften. Commercia-Präsident Alexander Schlehan (Cobra) betont: «Die Aktivitas unter Michael Storrer, vulgo Fly, schlägt sich hervorragend», Martin Schläpfer (Pipe), am Freitag als «Tellerjongleur des Bundeshauses» vorgestellt: «Ihr seid Partner der Journalisten, nicht Angeklagte», und für Peter Hartmeier (Che) steht fest: «Medientraining gehört heute zum Standard. Das Allgemeinwissen wird wieder wichtiger.»

**Das letzte Wort**
Zielführend sind auch anschauliche Bilder und Geschichten. Unverhofft setzt hier Protokollführer Peter Dörig einen glanzvollen Schlusspunkt; Zart nennen sie ihn, richtiger wäre Poeta doctus. Doch merke: Das allerletzte Wort gehört dem Journalisten. Immer. Mit der SN-Fotografin Jeannette Vogel war vermutlich erstmals eine Frau bei der Commercia zu Gast – folgt nun bis zum Jubiläum 2018 die Öffnung?

#Notizen zu Namen

18. September 2014 | Innovativer Rucksack für Bergsteiger gewinnt Studentenpreis

Dyson SA, Pressemitteilung

David Freitag aus Schaffhausen hat mit dem neuartigen Outdoor-Rucksack Caturix den James Dyson Award in der Schweiz gewonnen. Das technische Herzstück des Diplomarbeitprojekts von Freitag an der Zürcher Hochschule der Künste ist ein innovatives Verschlusssystem. Dieses ermöglicht ein einfacheres Erreichen des Rucksackinhalts in allen Lagen und besonders in schwierigeren Kletterpassagen. Dadurch wird die Sicherheit des Bergsteigers erhöht.
In der Schweiz ist der 12. James Dyson Award in Zusammenarbeit mit der swiss design association (sda) verliehen worden. Die nationale Jury hat aus 28 eingereichten Schweizer Projekten aus den Bereichen Industrie- und Produktdesign das beste nationale Projekt ermittelt. In der Schweiz hat Caturix, ein innovativer und äusserst praktischer Rucksack, gewonnen. «Als Ingenieure müssen wir bestehende Dinge hinterfragen und prüfen, ob nicht ein anderer Weg besser ist.» Diese Aussage von Erfinder und Firmeninhaber James Dyson passt perfekt zum Gewinnerprojekt.

**Der Rucksack mit neuartigem Tragesystem für mehr Flexibilität und Sicherheit**

Seit vielen Jahren wurde der Outdoor-Rucksack nicht mehr grundlegend verändert. Durch eigene Erfahrung und viele Selbsttests hat David Freitag (25) erkannt, dass bei herkömmlichen Rucksäcken der Zugang zum Inhalt während schwieriger Kletterpassagen teilweise fast unmöglich ist. David Freitag erklärt: «Solche Strecken können Stunden dauern. Währenddessen müssen Verpflegung und Notfallausrüstung einfach erreichbar sein. In dieser Hinsicht bedeutet höhere Flexibilität zugleich auch mehr persönliche Sicherheit für den Bergsteiger.» Das bewog den Studenten dazu, die grundlegende Funktionalität des Rucksacks zu hinterfragen, und er ist dabei auf das bislang kaum veränderte Tragesystem gestossen.
David Freitag hat mit Caturix einen neuartigen Verschluss für das Rucksack-Tragesystem entwickelt, bei dem die Schulterriemen in einem Kreuz über dem Brustkorb zusammen kommen. Der innovative Verschluss ermöglicht mehr Flexibilität in der Handhabung. In der Ursprungsposition können drei Varianten gewählt werden: Der Verschluss kann in der Mitte getrennt und auf beiden Seiten jeweils diagonal geöffnet werden. Sobald eine Variante ausgelöst wird, verhindert die Mechanik im Verschluss eine Fehlbetätigung der anderen Lösungen. In der Mitte wird der Rucksack getrennt, um ihn klassisch auszuziehen. Die diagonalen Varianten eignen sich, um mit einer Hand den Rucksack nach vorne zu drehen und sich somit Zugang zum gewünschten Inhalt zu verschaffen, ohne den Rucksack ausziehen zu müssen.
Neben dem innovativen Verschlusssystem weist der Rucksack noch weitere Verbesserungen auf: Viel Ausrüstung kann beim Zustieg in einem grossen Fach verstaut werden. Beim Einstieg in die Wand wird dieser Aussenstoff abgenommen, deponiert oder im Rucksack verstaut. Dadurch hat man beim Klettern einen schlanken Rucksack, der mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht. Um ein Durcheinander mit dem Klettergurt und dem Hüftgurt des Rucksacks zu vermeiden, können die Hüftflossen praktisch und schnell verstaut werden. Eine neue Pickelbefestigung ermöglicht zudem das Abnehmen des Pickels vom Rucksack, ohne ihn ausziehen zu müssen. Für anderes Gelände kann der Pickel sicherer befestigt werden.
Jurypräsident Prof. Gregor Naef lobt die Erfindung: «Jeder Bergsteiger kennt das Problem herkömmlicher Rucksacksysteme. Caturix hat eine höchst funktionale, sichere und gleichzeitig unkomplizierte und formschöne Antwort gefunden. Die Chancen, am Markt zu bestehen, sind gegeben.»
David Freitag gewinnt hierzulande den James Dyson Award 2014 und erhält 3000 Franken und eine Jungmitgliedschaft bei der swiss design association.

**Die besten 5 Schweizer Projekte für das internationale Finale gewählt**
Das Schweizer Gewinnerprojekt wird mit 4 weiteren hochwertigen Schweizer Erfindungen an das internationale Finale des James Dyson Award weitergereicht. Hier erhalten alle nochmals die Chance, 30 000 Pfund für sich und 10 000 Pfund für ihre Hochschule zu gewinnen. Die Qualität der Projekte war für das Weiterkommen entscheidend, denn nur bis zu maximal 5 hochwertige Produktideen durften gemäss Reglement weitergereicht werden. Der internationale Gewinner wird am 6. November 2014 bekannt gegeben. Aus der Schweiz haben sich qualifiziert:

**Siegerprojekt:**

**Caturix**
David Freitag, Schaffhausen, Zürcher Hochschule der Künste
Neuartiges Tragesystem für Rucksäcke ermöglicht einfacheres Erreichen des Inhalts, wodurch die Sicherheit beim Bergsport gesteigert wird.

**Finalisten:**

**Down Up**
Alice Spieser, Genf, ECAL/Haute école d’art et de design Lausanne
Der Trink- und Wasserhahn: Mit einem Finger kann das Wasser umgeleitet werden, um wie aus einem Brunnen trinken zu können.

**Woodlouse**
Romain Gaillard, Lausanne, ECAL/Haute école d’art et de design Lausanne
Faltbare und kompakte Schneeschuhe, auf die Bedürfnisse der Freerider angepasst.

**Gills**
Anaïs Benoît, Paris, ECAL/Haute école d’art et de design Lausanne
Schwimmflossen und Wasserschuhe in einem.

**Stride**
Derya Ayfer, St. Gallen, Fachhochschule Nordwestschweiz
Prothesenfuss, bei dem problemlos drei Absatzhöhen eingestellt werden können.

**Über den James Dyson Award**
Beim James Dyson Award können Studierende weltweit ihre Projekte auf der Internetplattform www.jamesdysonaward.org anmelden. Dort präsentieren die Teilnehmenden die Erfindungen mittels Video-, Bild- und Textdateien. Auf der Seite können Interessierte auch jederzeit die weltweit eingereichten Projekte einsehen. Nationale Jurys bewerten die Projekte und reichen bis zu 5 Projekte ans internationale Finale ein und bestimmen einen Ländergewinner.
In der Schweiz setzte sich die Jury zusammen aus Urs Honegger (Redaktor «Hochparterre»), Alexis Georgacopoulos (Direktor ECAL Lausanne), Nicole Kind (Leiterin Industrial Design an der Zürcher Hochschule der Künste), Prof. Gregor Naef (langjähriger Präsident der swiss design association, Dozent an der Hochschule für Gestaltung und Kunst am Institut Industrial Design in Aarau, FHNW) und Peter Schweizer (Geschäftsführer Methosys GmbH). Im Vorfeld sind weltweit über 600 Projekte aus 18 Ländern angemeldet worden.
Der James Dyson Award wird international durch die James Dyson Foundation verliehen, die damit innovative Studenten weltweit unterstützt. Der Award ist die Chance für junge Designer und Designerinnen, auf nationaler und internationaler Ebene entdeckt zu werden und erste Erfahrungen im Wettbewerbsgeschäft zu sammeln.

Siegerprojekt: Caturix von David Freitag



#Allgemeines

16. September 2014 | Wo bzw. wann sollten Männer am ehesten eine Krawatte tragen?

Coopzeitung Nr. 38

Wann soll Mann Krawatte tragen? Für die meisten braucht es dafür einen besonderen Anlass. Immer will sie fast niemand tragen.

**Ein Muss auf Hochzeiten.** Das jedenfalls finden 37 % aller Befragten.

**Mit Krawatte ins Büro** gehört für unter 30-Jährige eher dazu als bei Leuten darüber. 13 % finden sie dort angebracht.

**Frauen wollen Krawatten.** Während jeder fünfte Mann findet, Männer sollten überhaupt keine Krawatte tragen, sind nur 15 % der Frauen dieser Meinung.

**Dass Männer immer eine Krawatte tragen sollten**, findet indes fast niemand: Nur gerade 3 % sind dieser Ansicht. Bei Leuten unter 50 sind es knapp 4 %.

#Notizen zu Namen

15. September 2014 | Der Dichtung und der Klassik verpflichtet

Schaffhauser Nachrichten
Sabine Bierich

Lukas Stamm verfüge über einen intellektuellen Zugang zur Musik, begründete Jurymitglied Ralph Tanner den Entscheid. Stamm hat die Kantonsschule in Schaffhausen absolviert und studiert zurzeit Komposition an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. Lukas Stamm hat den Contempo-Förderpreis am Samstagabend in der Kammgarn entgegengenommen. Dieser ist mit 5000 Franken dotiert. Nebst Lukas Stamm waren die Pianisten Martin P. Werner, Lars Wicki, Nina Haug und Joscha Schraff für den Contempo-Preis 2014 nominiert.

**Die Preisrichter hatten’s schwer**
Es ist der Jury des Contempo-Preises 2014 sicher nicht leicht gefallen, von den fünf jungen Pianisten, die dieses Jahr zur Disposition für den Preis standen, einen Bewerber auszuzeichnen. Verdient hätten sie es alle fünf, so unterschiedlich sind ihre musikalischen Wege, so wenig sind sie miteinander ins Verhältnis zu setzen. Man habe lange die Bewerbungsdossiers gewälzt und sich für diesmal viel Musik zu Gemüte geführt, verkündete die Jury, die sich jeweils im Vorfeld auf einen oder, wie es auch schon passiert ist, gleich auf mehrere Preisträger einigt, die am Ende des Abends bei der Preisverleihung schliesslich bekannt gegeben werden. Mit blumigen Worten und einem Rilke-Gedicht liess der auch einigen als Deutsch- und Philosophielehrer von der Kantonsschule her bekannte Ralph Tanner die Katze aus dem Sack: Die Wahl war auf Lukas Stamm gefallen. Dessen intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Dichtung und den alten Meistern, insbesondere Schubert, und Stamms Hinwendung zur klassischen Komposition hatten den Ausschlag gegeben. Den einen oder anderen mag diese Wahl ein wenig verwundert haben, war doch das Vorspiel von Lukas Stamm nicht das schillerndste des Abends. Er improvisierte auf Publikumsvorschlag über einen regnerischen Sommer, intensiv gefühlt und mit viel Anklängen an Chopin, und im etwas fröhlicheren zweiten Stück mit Grüssen von Beethoven. Aber das Rahmenprogramm sei keine Castingshow, hatte schon zu Beginn der Veranstaltung Contempo-Präsident Andi Kunz gesagt.

**Clowneske Intermezzi**
Während der Veranstaltung sorgte «Superbuffo» (Toni Caradonna) immer wieder clownesk für Stimmung. Die eigentlichen Glanzlichter setzten dann die von Lehrer und Chorleiter Ulrich Waldvogel Herzig in seiner Funktion als dienstältestem Vorstandsmitglied sehr persönlich angekündigten Pianisten: Nina Haug machte den Anfang mit ihrer Version von «Sentimental» von Duke Ellington und Rachmaninows Prélude Opus 32 Nr. 10 h-Moll, bewegend und jazzig durchflutet. Exotisch und schweizerisch zugleich wurde es mit Lars Wicki, der schon als Kind von der Plattensammlung seiner Grossmutter musikalisch inspiriert worden war. Er brachte seine Freude an der Unterhaltungsmusik und deren Umsetzung auf dem Klavier mit Ragtime und Schlagern fröhlich ansteckend und tänzerisch zum Ausdruck. Martin Werner trat nicht selbst auf, sondern war lediglich in einem eindrucksvollen Konzertmitschnitt virtuos zu sehen. Pulsierend setzte sich Jazzpianist Joschua Schraff mit dem gewagtesten Beitrag des Abends, seinem Stück «Titel», in Szene.

**Nachgefragt**
Interview Sabine Bierich

*Was fangen Sie nun mit dem Preisgeld an?*
Stamm: Oh, ich weiss es noch nicht. Das kam alles ganz überraschend für mich. Ich habe nicht damit gerechnet, den Preis zu bekommen. Ich freue mich sehr.

*Was sind Ihre nächsten musikalischen Projekte?*
Stamm: Weiterarbeiten und Klavier spielen! In Arbeit ist ein Liederzyklus mit drei von mir vertonten Gedichten von Kurt Marti: «Inzwischen das Herz der Igel». Er soll in Freiburg im Breisgau uraufgeführt werden, wo ich seit 2013 Komposition studiere. Die Auseinandersetzung mit dem Problem des Künstlers, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen oder eben nicht, ist darin ein zentrales Thema. Ich suche allerdings noch einen Bariton, die Partie wird ziemlich schwierig! Ausserdem habe ich ein Stück für Kammerorchester in Arbeit.

*Was bedeutet Ihnen Schaffhausen?*
Stamm: Ich bin sehr oft in Schaffhausen. Ich bin hier daheim – zwischen all den Reibungen in meinem Leben.

Schaffhauser AZ
18.09.2014

**«Er fühlt sich richtiggehend ein»**

*Der diesjährige Contempo-Preis geht an den jungen Pianisten Lukas Stamm*

Marlon Rusch

Der 20-jährige Pianist Lukas Stamm ist der Contempo-Preisträger 2014. Gesucht wurden dieses Jahr «junge Tastentalente» – ein enges Feld auf den ersten Blick, bei genauerem Hinschauen
und -hören lassen sich die Nominierten in ihrem Schaffen jedoch nur schwer vergleichen.
Es sei der Jury dementsprechend schwergefallen, einen Sieger zu bestimmen, sagt Contempo-Präsident Andi Kunz: «Spielerisch sind sie alle auf einem hohen Niveau, aber es zählte schlussendlich nicht der beste Tastenanschlag. Der Contempo-Preis ist kein Fachpreis, es geht um die Person.»Schliesslich gewann Lukas Stamm den Preis auch wegen seines intellektuellen Zugangs zur Musik und seiner Auseinandersetzung mit der deutschen Dichtung und Musikgeschichte. «Man hat gespürt, dass es ihm nicht nur um die Töne an sich geht, als er bei der Preisverleihung zu Inputs aus dem Publikum improvisiert hat», so Kunz. «Er versucht, die Musik der alten Meister zu verstehen und fühlt sich richtiggehend ein.» Verdient hätten den Preis alle fünf, so Kunz. Schliesslich habe man sich aber entscheiden müssen. Dass mehrere Nominierte den Preis und die 5’000 Franken Preisgeld aufteilen, wie es vor zwei Jahren der Fall war, kam nicht in Frage. Das sei damals etwas unglücklich gelaufen, so Kunz. Um die Wahl in Zukunft transparenter zu gestalten, will der Contempo-Verein die Kriterien für den Preis künftig früher festlegen und kommunizieren, damit die Nominierten bei ihrer Bewerbung schon wissen, worauf es ankomme. So könne die Jury sie dann auch objektiver beurteilen und den Entscheid besser begründen.

#Allgemeines

10. September 2014 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

Am 5. September 1464 wurde mittels Gantbrief die **Vogtei Stammheim** der Stadt Zürich zugeschlagen (SN vom Montag). «Wie wäris woll hittä, wenn d’Vorfahru s Stammertal verchäuft hättid as Chloschter in Sitten?», fragte ein überraschend sprachgewandter Unterstammer Gemeindepräsident Martin Schwager in Walliser Dialekt die Gäste. Dasselbe Szenario stellte er für die einstigen Besitzer vom Kloster Sankt Gallen in den Raum: Würden dann alle im Stammertal noch nasaler daherreden? Schwager war so im Element, dass er beim Jubiläumsanlass «550 Jahre Zugehörigkeit zu Zürich» gleich auch «einen der hohen Herren aus St. Gallen» ankündigte. Der Versprecher erntete Lacher – werden doch im Stammertal immer wieder einmal Scherze über einen herbeigesehnten Kantonswechsel gemacht. Keine Zweifel daran, dass das Stammertal jetzt beim richtigen Kanton ist – und dass es weder zu St. Gallen noch zum Thurgau oder Schaffhausen gehören sollte –, hatte dann der «hohe Herr» selber, Regierungsrat Markus Kägi. Er lobte das Stammertal, inklusive dessen Wein, der die Zunge lockere, über den Klee. «Aber wenn aus dem Stammertal langsam das Stammler-Tal wird, ist es Zeit, aufzuhören», frotzelte er. Ob er damit die Wein trinkenden Stammer oder sich selber meinte, liess er allerdings offen. (M.G.)

Im März ging das Selfie der Oscarverleihung mit Filmstars wie Julia Roberts und Brad Pitt um die Welt, aktuell sorgen die Ice-Bucket-Challenges im Netz für grosse Aufmerksamkeit. Wer eine gute Idee hat und die sozialen Medien geschickt nutzt, kann einen Trend setzen. Das dachten sich wohl auch die Kollegen vom «Südkurier» und riefen kürzlich zum **«Statuen-Posing»**, einem Denkmal-Selfie auf. Die Idee: Die Leser sollten kreativ werden und sich mit/auf/unter Statuen geschickt in Szene setzen, den «toten Denkmälern neues Leben einhauchen». Für erste Beispielfotos mussten Praktikanten und Volontäre des «Südkuriers» herhalten. Über eine Woche nach Lancierung der Idee wurde bislang noch kein Leserfoto veröffentlicht. Von den fast 8000 Facebook-Freunden der Zeitung mit Sitz in Konstanz gab es, Stand gestern, aber immerhin 7 Likes für die Aktion. (sba)

Auf was für **Selfie-Trends** warten wir eigentlich noch? Auf das «Munoting» (Posieren mit den Liebsten vor dem Munot), das «Rhinefalling» (oder «Rhine-Golding», falls noch ein Gold-Vreneli mit auf dem Bild ist), das «Blauburgunding» (Schnappschuss auf dem Lieblingsrebberg) und das «Weidlingspfosting» (nur für echte Schaffhauser)… (jcg)

Die **Scaphusia** ist zwar eine altehrwürdige Mittelschulverbindung, kommunikativ aber ist sie auf dem Stand der Zeit: Sie hat soeben ihre eigene App lanciert, die ab sofort gratis im App Store von Apple erhältlich ist. In der App gibt es unter anderem News, viele Bildergalerien und Termine. Ein Blick in die App lohnt sich nicht zuletzt für junge Interessenten, die sich ein Bild von der Verbindung machen wollen. (zge)

Nur positive Rückmeldungen hat das OK der Steiner Stadtmusik als Veranstalter des **Kantonalen Musiktages** am letzten Sonntag erhalten. Man hat ja auch alle Register gezogen. Sogar in den städtischen Brunnen schwammen farbige Noten aus Styropor. Und alles lief laut OK-Präsident Claudio Götz wie am Schnürchen. Eine kleine Panne allerdings musste man hinnehmen, aber dafür konnten die Veranstalter nun wirklich nichts. Weil die italienischen Fluglotsen streikten, konnte die als Expertin vorgesehene Ursula Buchschacher am Samstag nicht fliegen und fiel aus. Kurzerhand musste man einen Ersatz für die Fachfrau suchen und hatte mit Carmen Weber dann auch Glück. Die Bewertungen konnten durchgeführt werden, und der Tag war ein voller Erfolg. Die Hoga-Halle war übrigens kurz nach 21 Uhr aufgeräumt – Chapeau für alle Helfer. (efr.)

Eine ziemlich **grosse Glocke** zierte am Montag im Kantonsrat den Tisch des Ratspräsidenten Martin Kessler. Es war die Glocke, welche der FC Kantonsrat bei einem Turnier für den 3. Schlussrang erhalten hatte. «Ich wäre gespannt, wie gross die Glocke für den ersten Rang ist», sagte Kessler. (zge)

#Notizen zu Namen

6. September 2014 | Contempo-Preis für junge Tastentalente

Schaffhauser Nachrichten, Region
von Zeno Geisseler

Kunstpreise werden oft vom Staat getragen, von Stiftungen oder von Unternehmen. Der Schaffhauser Contempo-Preis ist etwas anders gestrickt, er wird nämlich ausschliesslich von den rund 200 Mitgliedern des gleichnamigen Vereins finanziert. Diese fördern mit ihrem Jahresbeitrag, derzeit regulär 300 Franken, einerseits die Kultur in der Kammgarn und andererseits eben den mit 5000 Franken dotierten Preis. In der Regel geht der Preis an eine einzelne Person oder Gruppe, die Summe kann aber auch aufgeteilt werden wie zuletzt 2012, als gleich drei Bands ausgezeichnet wurden.

**Keine Vorgaben**
Die Auszeichnung sei als Fördermassnahme gedacht, erklärt Martin Schnider, der zusammen mit Andi Kunz im Co-Präsidium den Verein führt: «Es geht dabei aber nicht nur ums Geld. Wir wollen der Preisträgerin oder dem Preisträger auch eine Botschaft mitgeben: Bleib dran! Du hast Talent!» Was die Gewinner mit dem Preisgeld anstellen, ist ihnen überlassen. «Wir machen keine Vorgaben, dass jemand zum Beispiel eine CD produzieren muss», sagt Schnider. Als 2011 Lea Wäckerlin ausgezeichnet wurde, riet ihr die Moderatorin an der Preisverleihung schlicht und schmunzelnd: «Lass dich bloss nicht anpumpen!» – Schnider betont, dass der Sieger oder die Siegerin nicht einfach nur die Preissumme erhalte, sondern das ganze Jahr hindurch begleitet und unterstützt werde.
Anders als bei vielen Kunstpreisen, welche in der Regel etablierte Künstlerinnen und Künstler auszeichnen, steht beim Contempo nicht immer, aber immer wieder junges Talent im Vordergrund: So sind die für den Preis des Jahres 2014 Nominierten (siehe unten) zwischen 19 und 23 Jahre alt. Ausser ihrem Talent und ihrer Jugend ist ihnen gemeinsam, dass sie in der Region Schaffhausen wohnen oder von dort stammen – das ist, neben dem künstlerischen Potenzial, ein wichtiges Kriterium, um preiswürdig zu sein.

**Auch Gabriel Vetter ausgezeichnet**
Speziell am Contempo-Preis ist zudem, dass jedes Jahr eine andere Sparte bewertet wird (siehe Liste der Preisträger rechts). Oft geht es um Musik in der einen oder anderen Form, dann um das gesprochene oder geschriebene Wort oder um die Bildende Kunst im weiteren Sinn. Und ab und zu wird auch eine Institution ausgezeichnet. Der wohl bekannteste Preisträger ist der Wortkünstler Gabriel Vetter, der 1994 ausgezeichnet wurde.
Welche Kategorie jeweils an die Reihe kommt, das entscheidet die sogenannte Nominationsgruppe. In ihr sitzen aktuell Stefan Colombo, Stefan Kiss, die frühere Preisträgerin Lea Wäckerlin, Diane Manschott, Bea Will und Carlo Lienhard. Die Nominationsgruppe bestimmt auch, wer für den Preis überhaupt infrage kommt – bewerben für den Contempo-Preis kann man sich nämlich nicht, man wird dazu eingeladen. Die Eingeladenen werden über die Nomination informiert und dazu aufgefordert, ein Dossier einzusenden. Die Nominationsgruppe übergibt dann die Shortlist an eine Jury, mal seien es drei, mal auch sechs oder sieben Leute, sagt Schnider. Dieses Gremium, aktuell bestehend aus Ralph Tanner, Ulrich Waldvogel Herzig, Walter Millns (ebenfalls Preisträger), Erwin Gloor und Domenico Busciglio, bestimmt dann die Siegerin oder den Sieger.

**Aufreger und Skandälchen**
Wie es sich für einen Kunstpreis gehört, ist auch der Contempo nicht frei von Aufregern und Skandälchen. So hatten 2011 zwei der vier Nominierten keine Lust, das angeforderte Bewerbungsdossier einzureichen, und fielen aus dem Rennen. 2012, als mehrere Bands ausgezeichnet wurden, verzichtete eine Gruppe auf das Preisgeld, «zugunsten der anderen», wie sie ausrichten liess. Und 2013, als Journalisten im Fokus standen (es gewann SN-Mitarbeiter Alfred Wüger), forderte das ebenfalls nominierte Team des mittlerweile eingegangenen Blogs «Verfaulte Geschichten» mehr Transparenz bei der Preisvergabe. Die Vertreter der AL-Zeitschrift «Lappi» wiederum erklärten schlicht, dass ihnen die Geldgeber und der Preis egal seien.
Wer in diesem Jahr gewinnen wird, hat die Jury übrigens noch nicht bestimmt. Die Bekanntgabe erfolgt erst am traditionellen Contempo-Fest heute in einer Woche, am 13. September. Alle fünf Nominierten zeigen an diesem Abend in der Kammgarn ihr Können, während die Contempo-Mitglieder und Zugewandte Orte ein Nachtessen zu sich nehmen. Vereinsmitglieder sind an diesem Abend eingeladen, Gäste bezahlen einen Selbstkostenbeitrag von 30 Franken.



Martin Schnider ist Co-Präsident des Contempo-Vereins.
Bild Selwyn Hoffmann


**Joscha Schraff**
Joscha Schraff (*1991) ist Jazzpianist. Nach der Kantonsschule in Schaffhausen studierte er an der Jazzschule in Zürich unter dem Berner Jazzpianisten Andy Harder, wo sein Bachelorprojekt mit der Bestnote ausgezeichnet wurde. Momentan befindet sich Schraff im Masterstudium an der Jazzabteilung der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Das Studium wird er voraussichtlich im Frühling 2015 abschliessen. Zu Studienbeginn gründete er das Joscha-Schraff-Trio, inzwischen gibt es auch ein Joscha-Schraff-Quartett. Verschiedene CD-Aufnahmen sind geplant, so im Herbst 2014 zusammen mit Marena Whitcher’s Shady Midnight Orchestra und im nächsten Jahr mit seinem eigenen Quartett. Schraff hat schon verschiedene Preise erhalten, so 2014 den Förderpreis der Friedl-Wald-Stiftung und zwei Preise im kantonsschulinternen Scaphusia-Wettbewerb. (zge)

Joscha Schraff.
Bild zvg


**Lukas Stamm**
Lukas Stamm (*1994) erhielt schon im Alter von fünf Jahren die ersten Klavierstunden. Während seiner ganzen Schulzeit, die er 2012 mit der Matur abschloss, nahm er Klavier- und gegen Ende auch Orgelunterricht. Am Konservatorium in Winterthur absolvierte er ein Vorstudium in Komposition sowie Musiktheorie und Klavier. Zusätzlich belegte er Orchester- und Chorleitung. Seit dem Wintersemester 2013 studiert Stamm Komposition an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. Er ist Organist in Beringen und Merishausen. 2009 gründete er das Klavierduo lukas & lukas, welches bis heute besteht und konzertiert. 2013 erhielt Stamm beim Kompositionswettbewerb der Camerata Zürich den zweiten Preis für sein Werk «Intermezzo für Streichorchester». Im Februar 2015 wird der Liederzyklus «inzwischen das herz der igel» in Freiburg im Breisgau uraufgeführt. (zge)

Lukas Stamm.
Bild zvg


**Martin P. Werner**
Martin P. Werner (*1991) erhielt den ersten Klavierunterricht mit fünf. Als er acht war, erhielt er den Förderpreis der Musikschule Schaffhausen. Im Jahr 2000 trat er ins Konservatorium Winterthur ein und begann 2003 mit dem musikalischen Vorstudium. 2012 hat er mit dem Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen, und 2013 begann er ein Jusstudium an der Uni Zürich. Seine Leistungen wurden durch nationale und internationale Auszeichnungen anerkannt. Unter anderem erspielte er erste Preise bei den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerben sowie einen 1. Preis am Hans-Ninck-Musikwettbewerb. Weiter wurde er von der Royal School of Music in London mit Diplomen in Klavier und Musiktheorie (mit Auszeichnung) belohnt. Im März 2008 gab er sein Début in der Tonhalle mit dem Zürcher Kammerorchester. Er hat drei CDs eingespielt. (zge)

Martin P. Werner.
Bild zvg


**Nina Haug**
Nina Haug (*1995) machte 2013 die Matur in Schaffhausen und studiert seither Klavier an der Hochschule für Musik in Würzburg (künstlerisch, Bachelor). Im gleichen Jahr hat sie auch mit dem Dirigierunterricht angefangen. Zuvor hatte sie unter anderem Klavierunterricht am Konservatorium Winterthur genommen. Weiter spielte sie von 2011 bis 2014 in der MKS Big Band mit. Haug hat mehrere Konzerte gespielt und Auszeichnungen erhalten. Für ihr Jazzquartett BOPa-DROP erhielt sie 2012 den 1. Preis am Schweizer Jugendmusikwettbewerb für Bands und 2013 den Förderpreis der Jazz & Blues Days Beringen. Mit Lisa Stoll holte sie 2012 den 2. Preis im Ostschweizer Musikwettbewerb. Neben der Musik interessiert sich Haug auch sehr für das Theater. Schon 2004 hatte sie ihre erste Hauptrolle («Oliver Twist», Stadttheater). Im August trat sie mit einem Solorezital auf (Brahms, Haydn, Rachmaninow, Schubert. (zge)

Nina Haug.
Bild zvg


**Lars Wicki**
Lars Wicki (*1994) schliesst nächstes Jahr die Kantonsschule Schaffhausen ab. Er ist derzeit Aktivpräsident der Mittelschulverbindung Scaphusia, die ihm den Vulgo «Klimper» gegeben hat, denn er ist begeisterter Klavierspieler. Die Begabung wurde ihm in die Wiege gelegt, sind doch beide Eltern Klavierlehrer. Musikalisch orientiert Wicki sich am US-Pianisten Liberace: «Ich begann, sein Spielen nachzuahmen, was anscheinend bei vielen, vor allem älteren Semestern, sehr gut anzukommen scheint», schreibt er in seiner Bewerbung. Das Künstlerische soll auch auf seinem weiteren Ausbildungsweg zentral sein, allerdings nicht die Musik: Nach der Matur möchte er sich voll und ganz seiner zweiten grossen Leidenschaft widmen – dem Film. Er bekommt eine steigende Zahl von Aufträgen, um Konzerte und Feste zu filmen. In seinem Keller hat Wicki ein Heimkino samt 35-mm-Projektor gebaut. (zge)

Lars Wicki.
Bild zvg


**Contempo-Preis**
Die bisher Ausgezeichneten

**1993** Monika Stahel (Gestaltung/Installationen)
**1994** Ingrid Wettstein und Walter Millns (Theater)
**1995** Lisa Sacchetti (Jazzkeller)
**1996** Cindy & Bert (Musik)
**1997** Schaffhauser Chorprojekte
**1998** Fabian Neuhaus (Klanginstallationen)
**1999** Begegnungszentrum Krummgasse
**2000** Faro und Michael Burtscher (Film)
**2001** Désirée Senn (Musik)
**2002** Sybille Demmerle (Bildende Kunst/Video)
**2003** Luca Ramella (Musik)
**2004** Gabriel Vetter (Slam-Poetry)
**2005** Roman Maeder und Remo Keller alias Milk & Wodka (Grafik)
**2006** Britta Hagen (Bühnenbild)
**2007** Miguel Camero (Beatbox)
**2008** Andrin Winteler (Fotografie)
**2009** Oliver Maurmann (Musik)
**2010** Tom Luley (Kulturvermittlung)
**2011** Lea Wäckerlin (Grafik)
**2012** Lo Fat Orchestra, Quince und Plain Zest (Musik)
**2013** Alfred Wüger (Journalismus)

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26. August 2014 | Der Wirt mit «Schwänzli und Ränzli»

Schaffhauser Nachrichten, Beilage «Wein & Genuss»
Ulrich Schweizer

Seit vergangenem Mai ist Tomislav Babic Präsident von GastroSchaffhausen. «Ich bin der zweite «Falken»-Wirt, dem diese Ehre zuteil wird, der erste war Georges Malzacher», erzählt Babic. «Meine Familie und ich haben einen engen Bezug zu Schaffhausen: Wir wohnen seit 1986 im Kanton, in Stein am Rhein, und ich war immer in der Gastronomie tätig. Als junger Mann mit abgeschlossenem Germanistikstudium und einem jugoslawischen Pass hatte ich in der Schweiz nur die Wahl zwischen Baugewerbe, Gastronomie und Landwirtschaft. Ich entschied mich für das Gastgewerbe, weil ich während des Studiums jahrelang als Kellner gearbeitet hatte.» Angefangen hat Babic in Stein am Rhein im Restaurant Wasserfels. «Das Restaurant Falken habe ich 1996 gepachtet, als ich beschloss, mich selbständig zu machen», fährt der Wirt mit der neckischen Schwänzchenfrisur fort.

**Vererbung vom Sohn auf den Vater**
Sein Sohn trägt die Haare ebenso. Handelt es sich da um eine Familientradition? «Der Erste, der seine Haare lang trug und im Nacken zusammenband, war mein Sohn. Ich war damals sehr dagegen, weil ich befürchtete, das könnte ihm als Schüler in der Kanti Schwierigkeiten bringen», sagt Babic. Doch eines Nachts träumte der Vater davon, dass seinem verzweifelten Sohn die Haare büschelweise ausfielen; daraufhin gab der den Kampf auf. Etwas später wurde Vater Tomislav in den Ferien von seiner Ehefrau Antonia ermuntert, die Haare doch auch länger zu tragen … schliesslich band er sie im Nacken zusammen – «und seither bin ich der Wirt mit dem Schwänzli und dem Ränzli», schliesst er. Gewissermassen ein genetischer Rebound- Effekt, der seltene Fall einer Vererbung vom Sohn auf den Vater, wenn man so will. «Als wir dann 2007 im Auftrag der Gruppe Carlo de Mercurio CDM das Schloss Laufen bis zum Umbau führten, wurde ich von Touristen, die dort eingekehrt waren, in der Altstadt von Schaffhausen wiedererkannt und begrüsst – ‹Aren’t you the guy we met in Schloss Laufen?›. Da erkannte ich den Wiedererkennungswert meiner Frisur, seither ist sie mein Markenzeichen.»

**Grösstes Raucherlokal der Region**
Die Familiengeschichte mit einem persönlichen und einem geschäftlichen Anteil erzählt Tomislav Babic im Erdgeschoss seines «Falken». Die klassische Bierhalle mit den historischen Werbeplakaten für diverse Falken-Biere von Arnold Oechslin an den Wänden und einem runden Stammtisch der Verbindung Scaphusia in der Ecke ist mit seinen gut 300 Quadratmetern sicher das grösste Raucherlokal Schaffhausens, wenn nicht der ganzen Schweiz. «Gemäss Bundesgesetz dürfen maximal 30 Prozent der für die Gäste zugänglichen Fläche als Raucherlokal eingerichtet werden», kommentiert Babic. Bei einer Gesamtfläche von über tausend Quadratmetern ergibt das eine stattliche Räumlichkeit. Unter dem Bogen vor der Bierhalle wurde eine Lounge eingerichtet, die mit ihren zwölf niederen, breiten Sofasitzplätzen zum Fläzen einlädt und von jüngeren Leuten fleissig genutzt wird. Ein älteres Ehepaar aus Frankreich wird freundlich ins Nichtraucherlokal im ersten Stock begleitet, nachdem die Frau bekannt hat: «Je ne fume pas.»

**Die «Bratwurstdiskriminierung»**
An der Bar, unter den beiden Kupferrohrleitungen, die zum zentralen Zapfhahn führen, kommt Babic auf das Thema zu sprechen, das ihn im Moment persönlich und politisch am meisten beschäftigt: die bevorstehende Abstimmung über die Mehrwertsteuer- Initiative des Verbands GastroSuisse. «In den letzten 20 Jahren erlebten wir eine krasse Veränderung bezüglich der Essgewohnheiten», hebt er an. «Die verpackten essfertigen Produkte der beiden Lebensmitteldetailriesen nehmen ganze Kühlregale ein, ob diese Fertigsalate nun Betty B. oder Annas B. heissen.» Der neue Präsident von GastroSchaffhausen setzt sich mit Verve für die Sache des Gastgewerbes ein. Die Aussage von Bundesrätin Widmer-Schlumpf, bei Annahme der Initiative würden der Bundeskasse 750 Millionen Franken entgehen, sei falsch, sagt er. Allfällige Konsequenzen für die Staatskasse müsse die Politik auffangen. «Wir verlangen nicht den tieferen Satz», fährt er fort, «sondern Gleichstellung für gleiche Produkte wie zum Beispiel einen fixfertigen Thai-Nudelsalat. Im Lebensmittelhandel in der Klarsichtverpackung gekauft, wird er mit zweieinhalb Prozent besteuert – bei mir im Restaurant aber mit vollen acht Prozent. Das Gleiche gilt für jede Bratwurst, deshalb hat unser Verband ja jetzt die Plakatkampagne ‹Bratwurstdiskriminierung stoppen!› lanciert. Auf dem Teller wird eine heisse, genussfertige Bratwurst mit acht Prozent besteuert, in Metzgerpapier eingewickelt oder auf dem Papptellerchen wird dieselbe Bratwurst nur mit zweieinhalb Prozent besteuert. Störend ist, dass das identische Produkt unterschiedlich besteuert wird. Was wir mit unserer Initiative anstreben, ist eine Gleichberechtigung für die gleichen Produkte – ich habe kein Problem, wenn der gemeinsame Satz für genussfertige Esswaren, Convenience- und Fertigprodukte am Schluss an beiden Orten, Detailhandel und Restaurants, höher ist als zweieinhalb Prozent.» Mit seinem Einsatz konnte Babic sowohl die Leute von der AL wie auch jene von den Jungfreisinnigenvon einer Ja-Parole überzeugen: «Bei Annahme der Initiative wird jeder Rappen, den das Gastgewerbe so erhält, investiert werden: in längst fällige Renovationen und Unterhaltsarbeiten von Lokalen und deren Infrastruktur in der Küche sowie in die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden», schliesst Babic und fährt mit seiner Führung durch den «Falken» fort.

**Studentenbude und Fahnenzimmer**
Im ersten Stock befindet sich die Bude der Verbindung Scaphusia. An den Wänden hängen reihenweise Wäppchen mit dem «Vulgo», dem Verbindungsspitznamen eines Studenten. In der Ecke steht ein alter Kachelofen mit Originalmalereien von Arnold Oechslin, an der Fensterfront fallen zwei schön gearbeitete Scheiben auf. Wie es sich gehört, ist auf der vorgelagerten Toilette eine sonderbare Einrichtung mit zwei Handgriffen auf Augenhöhe installiert. Bis auf zwei Buchstaben heisst sie genauso wie das Kollophonium, jenes Harz, mit dem der Virtuose seinen Geigenbogen einstreicht, bevor er zum Spiel anhebt – sie wird aber besonders dann benutzt, wenn der Burschenschaftler mit dem Trinken vorübergehend endgültig aufgehört hat … Im «Falken»-Fahnenzimmer hängen in Vitrinen Standarten des Unteroffiziersvereins, des Turnvereins, der Stadtmusik. Der Raum werde rege genutzt, sagt Babic, so gut wie täglich; die Benützung ist für Schaffhauser Vereine und Parteien unentgeltlich. Im fünften Stock wurde eine gemütlichelegante Nichtraucherlounge mit 80 Plätzen eingerichtet, die nicht nur bei jüngerem Publikum sehr beliebt ist. Man kann hier zwischen Tischen mit normaler Sitzhöhe und tiefer gelegten Clubsesseln wählen. Die Sprüche an den Treppenhauswänden weisen darauf hin, dass das ehrwürdige Haus im Besitz einer Brauerei ist: «Ein Bierchen in Ehren kann niemand verwehren», heisst es da, und «In vino veritas, im Bier ist auch so was», «Das einzige Gemüse, das ich mag, ist Bier», «Im Himmel gibt’s kein Bier, drum trinken wir es hier» – auch der gute alte Werbeslogan «Bier ist etwas Gutes» fehlt nicht.



Mit Leib und Seele Gastronom: Tomislav Babic, «Falken»-Wirt und Präsident von Gastro-Schaffhausen, im «Falken»-Raucherlokal im Erdgeschoss.



Stammtisch der Verbindung Scaphusia im Raucherlokal im «Falken»-Erdgeschoss.



Wappenscheibe in der Fensterfront der Scaphusia-Bude.



In der Nichtraucherlounge im Restaurant Falken kann man zwischen normaler Sitzhöhe an Esstischen und tiefer gelegten Clubsesseln und Clubtischchen wählen.
Bilder Ulrich Schweizer

#Allgemeines

19. August 2014 | Lindli bekommt neuen Glanz

Schaffhauser Bock
Ramona Pfund

Seit dem späten 19. Jahrhundert dient das Lindli der Schaffhauser Bevölkerung als Naherholungsraum. In den 1960er-Jahren wurde die Promenade im Zuge des Kraftwerkbaus bis an die Landesgrenze erweitert. Seither ist es einer der beliebtesten Plätze in der Stadt für einen Spaziergang, einen Nachmittag an der Sonne, einen Schwatz oder ein paar Schwimmzüge im erfrischenden Wasser. «Das Lindli ist eine Perlenkette am Rhein», sagte der städtische Baureferent Raphaël Rohner an der Medienorientierung vom letzten Donnerstag. Auch Felix Guhl, Leiter der Stadtgärtnerei, war dieser Meinung: «Hier beginnt das kleine Paradies.» Doch das Alter macht auch vor dem Bijou am Rhein keinen Halt. Im Rahmen des Masterplans «Gestaltung Rheinufer» kommt die zwei Kilometer lange Grünfläche nun unters Messer. Ziel ist es, den starken Charakter des Lindlis zu belassen und nur dort, wo es nötig und möglich ist, zu sanieren und aufzuwerten.

**Einstieg ins Wasser erleichtern**
Einige Massnahmen hat die Stadt bereits realisiert: Die Gehwege sind nach ihrer Erneuerung pfützenfrei und die neuen Abfallkübel fassen ein weit höheres Güselvolumen als früher.
In der nächsten Etappe geht es ausschliesslich ums Ufer. Die ersten Sanierungsarbeiten beginnen bereits diese Woche. Von den circa 14 derzeitigen Einstiegen zwischen dem Rheinuferplatz (Höhe Bushaltestelle Lindli) und der Büsinger Grenze bekommen die 10 meistgenutzten ein neues Gesicht. Die schmalen Einstiege in den Rhein weichen neuen, zwei Meter breiten Treppen, die bis ins Wasser führen.
Den Treidelpfad, den schmalen Plattenweg zwischen Weidlingen und Wiese, ergänzen bald 45 Zentimeter hohe und 1,20 Meter breite Sitzelemente aus Beton. «Mit dem Beton wollten wir uns vom bestehenden Sammelsurium der Materialien abheben. Zudem wäre die Arbeit mit Natursteinen komplexer und damit erheblich teurer», so Felix Guhl. Die bisherige Mauer war mit 20 bis 30 Zentimetern für gehbehinderte oder betagte Menschen als Sitzgelegenheit zu niedrig.

**Rheinuferplatz im frischen Kleid**
Nach einem Baustopp während den Herbstferien wird der Rheinuferplatz aufgefrischt. Der stark frequentierte Badeort ist dann in der nächsten Sommersaison nicht nur doppelt so breit, sondern dank Stufen bis auf den Rheingrund für Schwimmer bequemer begehbar als die bisherigen schrägen Betonplatten. Neue Bänke und eine frische Bepflanzung sorgen für eine noch entspanntere Atmosphäre am idyllischen Plätzchen.
«Wenn das Wetter gut ist, können wir die Arbeiten spätestens Ende November beenden », sagte Planer und Bauleiter Christian Gubler. Er ist zuversichtlich, dass Wasserratten während eines allfälligen Altweibersommers Ende September und Anfang Oktober am Lindli problemlos Zugang zum Wasser finden. Mit nur wenigen Störungen dürften auch Weidlingfahrer rechnen.

**Strandprojekt verworfen**
Ursprünglich wollte die Stadt nicht die alten Einstiege sanieren, sondern einen kleinen Badestrand errichten. Das Lindli hätte durch die Umgestaltung allerdings viel von seinem ursprünglichen Charme verloren. Deshalb verschwand das Projekt wieder aus dem Blickfeld der Planer.
Das wirkt sich positiv aufs Budget aus: Rund die Hälfte der Kosten werden dadurch eingespart. Insgesamt wendet die Stadt für das Lindli nun 250 000 Franken auf. In zwei Jahren folgen weitere Investitionen im Bereich Trotte, also kurz vor der Landesgrenze. Liegewiesen und Plätze zum Spielen ergänzen dann die liebste Flaniermeile der Schaffhauser.

**Parkplatzsituation verbessern**
Im Masterplan «Gestaltung Rheinufer» ist auch das Kammgarnareal ein wichtiger Bestandteil. Bis Ende Jahr will die Stadt Ersatzlösungen für die Nutzer des Westflügels finden. Mit externer Unterstützung analysieren die Planer diese Räume sowie die frei werdenden Etagen durch den Wegzug der Hallen für neue Kunst zuerst auf ihre Nutzungsmöglichkeiten hin.
Als dringlich stuft die Stadtplanung das Thema Parkierung ein. In unmittelbarer Nähe werden zusammen mit der IWC Lösungen gesucht. Neuigkeiten dazu will die Stadt noch vor Jahresende preisgeben.


Weitere Informationen zu den einzelnen Teilprojekten des Masterplan Gestaltung Rheinufer sind unter Masterplan Gestaltung Rheinufer zu finden. [siehe auch: Stadt Schaffhausen: Masterplan – Planung und Umsetzung aufgrund des Mitwirkungsprozesses 2008]

#Allgemeines

15. August 2014 | Am Schaffhauser Lindli wird der Zugang zum Rhein komfortabler

Schaffhauser Nachrichten
Daniel Jung

Schaffhausen Bereits nächste Woche beginnen Arbeiten zur Aufwertung des Lindli. Die Schaffhauser Rheinpromenade wird nicht grundlegend umgestaltet – die von mächtigen Bäumen geprägte Grünanlage soll in ihrem Charakter erhalten bleiben –, verändert wird vor allem der Zugang zum Wasser. Die Massnahmen sind im Bereich zwischen der Bushaltestelle Lindli und der Büsinger Grenze vorgesehen.

**Ausrutschgefahr reduzieren**
Insgesamt werden dort zehn Treppen, die vom Ufer in den Rhein führen, erneuert. Die bisher schmalen Einstiege werden auf zwei Meter verbreitert und bis zum Rheingrund geführt, sodass in Zukunft ein sicherer Einstieg ins Wasser möglich sein wird. An insgesamt zwölf Orten am sogenannten Treidelpfad, der direkt am Wasser entlangführt, werden neue Sitzelemente aus Beton installiert. Die Sitzgelegenheiten sind höher als das bisherige Mäuerchen am Uferpfad und sollen so auch älteren Menschen ein komfortables Sitzen und Aufstehen erlauben. Zuletzt wird im Herbst, nach den Schulferien, der Rheinuferplatz bei der Bushaltestelle Lindli umgestaltet. Der bestehende Badeeinstieg in den Rhein wird auf mehr als das Doppelte verbreitert. Zudem wird die Bepflanzung angepasst und werden auch dort neue Sitzgelegenheiten erstellt. Die vorgesehenen Bauarbeiten sollen insgesamt zwischen 200 000 und 250 000 Franken kosten. Läuft alles nach Plan, sind die Arbeiten bis November abgeschlossen.

«Viele Leute sagen, das Lindli sei schon schön», sagte Baureferent Raphaël Rohner gestern an der Schaffhauser Rheinpromenade. «Das stimmt natürlich», fügte Rohner an. Trotzdem gebe es bestimmte Bereiche, in denen die beliebte Grünanlage der Sanierung und der Aufwertung bedürfe. Mit den Arbeiten, die bereits nächste Woche beginnen, soll nun insbesondere der Ein- und Ausstieg für Schwimmer erleichtert werden. Zudem soll das Sitzen direkt am Ufer komfortabler gestaltet werden. Der Charakter des Lindli als Uferpromenade mit besonderem Baumbestand soll dabei erhalten und wo möglich gar verstärkt werden. «Die ganze Umgebung wird belassen, so wie sie ist», sagte Rohner.

**Breitere Einstiegstreppen**
Das Sanierungsprojekt wurde vom Landschaftsarchitekten Christian Gubler von der Stadtgärtnerei in Zusammenarbeit mit einem externen Ingenieurbüro geplant. Gubler wird auch die Bauleitung übernehmen. Der erste Teil der Arbeiten findet im Abschnitt zwischen dem Rheinuferplatz (bei der Bushaltestelle Lindli) und der Büsinger Grenze statt. An dieser Strecke werden insgesamt zehn Einstiegstreppen in den Rhein verbreitert. Die neuen Treppen, die als Fertigbetonelemente eingebaut werden, sind zwei Meter breit und führen bis zum Rheingrund – rutschige, schiefe Platten können daher entfernt werden. Dadurch soll ein bequemeres Ein- und Aussteigen in den Rhein ermöglicht werden. Im Weiteren wird die niedrige Mauer des Treidelpfades – wo Weidlingsfahrer ihre Boote den Rhein hoch ziehen – an insgesamt zwölf Stellen mit Betonsitzelementen ergänzt. Dadurch werden zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten mit einer bequemen Sitzhöhe nahe am Wasser erstellt. «Da kann man sich auch als Senior gut hinsetzen», sagte Rohner. Nach den Herbstferien und somit zum Ende der Weidlingsaison folgt dann als zweiter Teil die Umgestaltung des Rheinuferplatzes. Der bestehende Badeeinstieg in den Rhein wird dort auf mehr als das Doppelte verbreitert. Neu führen auch hier Stufen anstelle von schrägen Betonplatten bis zum Rheingrund. Neue Sitzgelegenheiten und eine erneuerte Bepflanzung sollen dazu beitragen, dass dieser bisher leicht versteckte Platz mit der spektakulären Aussicht weiterhin ein Lieblingsaufenthaltsort der Besucher der fast zwei Kilometer langen Lindli-Anlage bleibt. Die zehn Einstiegstreppen sind mit rund 75 000 Franken budgetiert, die zwölf Sitzgelegenheiten mit 55 000 Franken und die Umgestaltung des Rheinuferplatzes mit rund 120 000 Franken. Insgesamt sollten die Kosten zwischen 200 000 und 250 000 Franken zu liegen kommen. «Gegenüber ersten Plänen haben wir das Projekt deutlich redimensioniert», sagte Rohner.

**Einbezug der Bevölkerung**
Die Sanierung ist Teil des Masterplan Gestaltung Rheinufer. Bereits wurden in diesem Zusammenhang auch am Lindli Verbesserungen eingeführt, wie etwa die Installation von Unterflur-Abfallcontainern. «Im nächsten Jahr möchten wir den Bereich der Liegewiese ‹Trotte› angehen», sagte gestern Stadtgärtner Felix Guhl. «Auch dabei sind wir wieder offen für die Anliegen der Bevölkerung», so Guhl. Die Stadtgärtnerei und die beauftragten Unternehmer bemühten sich, bei den anstehenden Arbeiten die Behinderungen für Fussgänger und Weidlings- fahrer möglichst gering zu halten.

Weitere Informationen zu den einzelnen Teilprojekten des Masterplan Gestaltung Rheinufer sind unter Masterplan Gestaltung Rheinufer zu finden. [siehe auch: Stadt Schaffhausen: Masterplan – Planung und Umsetzung aufgrund des Mitwirkungsprozesses 2008]



Zehn der bisher schmalen Einstiegstreppen werden deutlich verbreitert, wie Christian Gubler von der Stadtgärtnerei erklärt.



Die bestehende Treppe am Rheinuferplatz wird auf mehr als das Doppelte verbreitert und um die Kurve herum geführt.
Bilder Selwyn Hoffmann


**Leserbriefe**
Lindli: Sinnloser Treppenbau
20.09.2014

An der Schaffhauser Rheinriviera verläuft ein Treidelweg, der von Weidlingsfahrern ohne Veteranenstachel (also motorlos) zum Hochtreideln rege genutzt wird. Doch nun werden ohne erkennbaren Nutzen scharfkantig hässliche Betonbauten eingebaut. Für Weidlingskapitäne nutzlos, da sie ihr Boot an Land ziehen, um so trockenen Fusses ein- und auszubooten. Für Rheinschwimmer ebenso sinnlos, da diese dort ins erfrischende Nass ein- und aussteigen, wo keine Boote hängen. Noch nie habe ich Schwimmer im schmalen Bereich zwischen Booten und Ufer gesichtet, sie bevorzugen den offenen Rhein. Also wozu dieser unnötig teure und hässliche Treppeneinbau? Ein Augenschein vor Ort hätte den Planern vielleicht die Augen geöffnet und sie von dem unsinnigen Tun abgehalten. Ein Tipp für die Zukunft: Schaut doch erst hin und befragt Praktiker, bevor Ihr bürgerfremd Fakten schafft und Steuergelder verschwendet.
Bruno Dellenbach, Dörflingen

#Allgemeines

11. August 2014 | Munotball: «Wir sind die Stars in Town»

Schaffhauser Nachrichten
Martin Edlin

Das Jahr seines 175. Geburtstags war genau zu berechnen: 1839 hatte der Kantonsschulzeichnungslehrer Johann Jakob Beck den Munotverein gegründet und war zum Präsidenten und damit ersten Munotvater gewählt worden. Schwieriger zu kalkulieren war, ob der grosse Jubiläumsmunotball wie geplant am vergangenen Samstagabend über die Bühne beziehungsweise die Zinne des 450-jährigen Bauwerks gehen konnte … den Wetterkapriolen dieses Sommers zum Trotz! «Wird durchgeführt», entschied Munotvater Urs Saxer am regnerischen Samstagmorgen und bewies damit geradezu prophetische Weitsicht: Ein wunderbarer, warmer Sommerabend unter zu Beginn blauem Himmel, über den freundliche weisse Wölkchen zogen, unter denen sich nach dem Eindämmern die grosse Kugel des (Fast-) Vollmonds herausschälte. Romantik pur! Ein Jubiläumswetterglück, dessen man sich auf dem Heimweg nach mitternächtlichem Zapfenstreich so richtig bewusst wurde, als es in der Ferne zu grollen begann, Blitze flackerten und auch bald die ersten Regentropfen fielen.

**615 Böllerschüsse**
Vor 175 Jahren mag es in Sachen Glück (die Meteorologie einmal beiseitegelassen) ähnlich gewesen sein. Dreizehn Jahre lang hatte Johann Jakob Beck mit viel Engagement und Tatkraft um den Erhalt der von Zerfall und Abbruch bedrohten Wehranlage der Stadt Schaffhausen gekämpft. Dann konnte der renovierte Munot eingeweiht werden … mit einem Fest, Reden, Musik und 615 Böllerschüssen. Und das war auch der Salut zur Gründung des Munotvereins, der sich den Fortbestand des Bauwerks und die Pflege des geselligen und gesellschaftlichen Lebens im und auf dem «Schaffhauser Wahrzeichen schlechthin» (so der amtierende Munotvater Urs Saxer) auf die Fahne geschrieben hat. Gut: Die 615 Böllerschüsse liess man nun weg, aber Fest, Reden und Musik gab es, 175 Jahre später, am Jubiläumsmunotball ebenso. Seit weit über hundert Jahren sind die Abendanlässe mit ihrer Française oder Quadrille sechs- bis achtmal im Jahr eine beliebte Tradition. Aber diesmal war die Festlichkeit zum Greifen: Gelb-schwarze Chiffontüchlein schmückten links und rechts die Eingangsbrücke, der Gang durch die Katakomben war von Kerzen und Fackeln in Licht getaucht, und die Zinne hatten Vorstandsmitglieder mit einer hohen Wimpelgirlande eindrucksvoll geschmückt. «Der Munotverein ist die Seele des Gebäudes», sollte später Stadtpräsident Thomas Feurer bei seinem Grusswort «an diesem wunderbaren Jubiläumsanlass» sagen. Oder: Der Munotverein sei einer der nachhaltigsten Vereine, der Ball die längste Festtradition in der Stadt. Weil aber auch Seelen für ihr Wirken Geld brauchen, drückte er Urs Saxer einen Check über 5000 Franken für Jubiläumsprojekte des Vereins in die Hand.

**Glückwünsche der Regierung**
Dass der Munot nicht einfach ein «steinernes Monument ist, sondern ein mit Leben erfülltes Zentrum», sagte «aani vom Land» in Klettgauer Festtagstracht: Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel, welche die Grüsse und die Glückwünsche der Kantonsregierung überbrachte. Sie genoss dieses Leben selbst und tanzte mit ihrem Mann Georg zu den Klängen der Nostalgie Swingers Bigband. Die routinierten Blasmusiker aus Illnau-Effretikon trafen genau den musikalischen Geschmack – aus dem fleissig genutzten Tanzvergnügen zu schliessen. Der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann setzte in seinem Loblied auf das Bauwerk auf Vergleiche, etwa mit der Chinesischen Mauer (wo die Türmchen mickriger und, weil eckig, für die Quadrille ungeeignet seien). Zwar keines der sieben Weltwunder, gehöre der Munot dennoch zu den wichtigsten Baudenkmälern der Schweiz. Derart in rhetorisch glänzendes Licht getaucht, durften sich die Munotvereinsmitglieder als etwas sehr Besonderes fühlen: Die rund sechshundert Schaffhauserinnen und Schaffhauser, darunter viele bekannte Gesichter, Ehren- und weitere Gäste aus nah und fern, die an diesem Abend nicht das Konzert der «Stars in Town» auf dem Herrenacker besuchten, sondern den Jubiläumsmunotball aus-kosteten, liess This Fehrlin, Obmann der Schaffhauser Gesellschaften und Zünfte, wissen: «Wir sind die Stars in Town.» Übrigens: Vor 175 Jahren endete das Einweihungsfest für den renovierten Munot und damit sowohl so etwas wie der erste Munotball als auch dieGeburtsstunde des Munotvereins mit einem handfesten Krach, weil niemand für die Kosten der Festivitäten aufkommen wollte. Die Zeiten haben sich seither zum Guten gewendet. Und das ist ein weiteres positives Fazit des Jubiläumsmunotballs 2014.



Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel in Klettgauer Tracht: «Aani vom Land» tanzt mit.
Bilder Michael Kessler



«Spass haben in schöner Umgebung bei romantischer Musik und mit schönen Begleiterinnen»: Denis Pfeifer v/o Schliff (links) und Andreas Zulauf v/o Klang, Scaphusia-Aktivitas im Vollwichs, geniessen den Jubiläumsmunotball und duellieren sich nur für den Fotografen.



Jedes Jahr mindestens einmal ist sie am Munotball: Für Laura John, in Schaffhausen aufgewachsen und heute in Glattbrugg wohnend, gehört der Anlass (jetzt zum achten Mal) zu «meinen Highlights, seit mich meine Grosseltern erstmals auf die Munotzinne mitgenommen haben».



Gastronomisch «superspannend» lautet das Fazit von Tomislav Babic, der als Chef der RTM H+R AG – Hombergerhaus erstmals in eigener Regie den kulinarischen Teil eines Munotballs betreute, zusammen mit einer, wie man sieht, aufgestellten und speditiven Crew.



«Kennengelernt haben wir uns hier am ersten Munotball im Juni 1959», erinnern sich die Heimwehschaffhauser Heinz – «alter Herr» der Verbindung Munot – und Sibylle Bolli, die heute im aargauischen Unterentfelden leben und sich den Jubiläumsball nicht entgehen lassen.

#Allgemeines

5. August 2014 | Die Schweizer Bieroriginale werden lo­kal gebraut

Schaffhauser Bock

«Die Schweizer Bieroriginale werden lo­kal gebraut. Dank unterschiedlichen Re­zepturen heben sie sich wohltuend von den übrigen, insbesondere von den importierten Einheitsangeboten ab», so Alo­is Gmür, Nationalrat und Präsident der Interessengemeinschaft unabhängiger Schweizer Klein- und Mittelbrauereien (IG) am «charmant-bierigen» Informati­onsanlass in Bern. Und: «Konsumenten wollen heute wissen, woher die Produk­te stammen. Da werden Erzeugnisse aus den Regionen eindeutig favorisiert.» Die privaten Brauer, die eigenständig brauen, decken diese Trends hervorragend ab. Die IG will mit ihrer Aktion zur einheimischen Vielfalt den lokalen Bieren den ihnen zustehenden Platz in der einheimischen Sortenvielfalt sichern. Die Schweizer Ori­ginal- Bier-Spezialitäten wie das Falken Bier sind köstliche Resultate gepflegter regionaler, handwerklicher Braukunst und lokal verankerter Traditionen. Dem auf den ersten Blick recht einfach erschei­nenden Prozess des Brauens liegen auch bei der Brauerei Falken durchwegs über Jahrzehnte erprobte, gewachsene und meist individuelle Verfahren und Techni­ken zugrunde. Die Liebe zum Handwerk und die Leidenschaft für gehobene Quali­tät verleihen der breiten Palette Schwei­zer Original-Biere aus den Regionen den unvergleichlichen Charakter. Kommt hinzu, dass die 26 innovationsfreudigen Brauereien, die in der IG-Bier organisiert sind, höchste Brauqualität garantieren – und diese auch täglich unter Beweis stellen. Am traditionellen Bier-Treffen in Bern sind die IG-Mitglieder – darunter auch die Brauerei Falken – denn auch für die Qualität ihrer hochstehenden Biere mit dem «Qualitätssiegel vom Brau-Ring» ausgezeichnet worden. «Eine wertvolle Bestätigung, dass unsere regionalen Ori­ginal- Bier-Spezialitäten die höchsten An­sprüche an Qualität und Genuss in jeder Hinsicht erfüllen», stellt Markus Höfler fest. Brauereien mit dem Qualitätssiegel bieten dabei etwas ganz Besonderes: Ein Schluck Schweiz aus der Region.

#Allgemeines

30. Juli 2014 | Bierige Charmeoffensive in der Bundesstadt

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Grosse, ausländische Bierkonzerne beherrschen den Schweizer Biermarkt entweder über Beteiligungen oder über Importe. Über ein Viertel des Bierkonsums wird über Einfuhren aus dem Ausland abgedeckt, die Hälfte davon stammt aus Deutschland.
Daneben gibt es aber zahlreiche kleinere Brauereien, die sich trotz dieser Konkurrenz im Markt behaupten – Falken in Schaffhausen, zum Beispiel. 26 dieser Unternehmen haben sich in der Interessengemeinschaft unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien zusammengeschlossen. Zehn Mitglieder dieser IG haben in Bern an einem Anlass auf sich und die einheimische Biervielfalt aufmerksam gemacht, wie die Brauerei Falken gestern mitteilte.

**Gegen Massenbiere**
«Der Anlass richtete sich gegen die Massenbiereinwanderung», sagte Falken-CEO Markus Höfler gestern auf Anfrage. Dies sei einerseits scherzhaft gemeint, andererseits gebe es einen ernsten Hintergrund: Billigbiere aus dem Ausland bedrängten Schweizer Biere. «Sie sind das grösste Problem für Schweizer Brauereien», sagte Höfler. IG-Präsident und Nationalrat Alois Gmür, selbst auch Bierunternehmer (Brauerei Rosengarten in Einsiedeln), sagte laut Medienmitteilung: «Die Schweizer Bieroriginale werden lokal gebraut. Dank unterschiedlichen Rezepturen heben sie sich wohltuend von den übrigen, insbesondere von den importierten Einheitsangeboten ab.» Am Anlass in Bern, an dem auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät teilnahm, wurden weiter die IG-Mitglieder, darunter auch Falken, mit dem Qualitätssiegel vom Brau-Ring ausgezeichnet. Zur Feier dieser Auszeichnung gibt es in Schaffhausen Freibier: Am Freitag, 8. August wird die Brauerei Falken von 17.00 bis 18.00 Uhr im Restaurant Falken ihre mit dem Qualitätssiegel ausgezeichneten Biere gratis ausschenken.

#Allgemeines

28. Juli 2014 | Bügelfläschli-Bier aus Bucher Braugerste, Fun mit Fajitas

Schaffhauser Nachrichten
(us)

Die Fussballweltmeisterschaft ist definitiv vorbei, die Mannschaftsräume in den Trainingslagern dürften mittlerweile ebenso leer sein wie die letzten Flaschen Trainings-Lager (vgl. Genossen vom 2. Juni, «Fussball und Bier»). Doch der Sommer ist noch nicht vorüber, auch wenn er sich zwischendurch mal abmeldet, um dann mit verstärkter Wucht und Hitze wieder einzufahren. Wer Sommer sagt, denkt an Durst, wer Durst sagt, denkt an Bier. Eine Bieridee der besonderen Art hatten die Falken-Brauer, schon bevor der Sommer und die Fussball-WM begonnen hatten: Sie füllten ihre Spezialbiere in Bügelfläschchen mit 33 cl Inhalt – den naturtrüben, bernsteinfarbenen Eidgenoss, das ebenfalls trübe, frische Stammhausbier 1895, dessen Rezept in einem sonst leeren Tresor gefunden wurde und das an ein Zwickelbier erinnert, den Schwarzen Falken und seit Neustem auch den Edelfalken.
Besonders der Eidgenoss dürfte in den Tagen rund um den 1. August Hochsaison haben bei allen, die ihre Vaterlandsliebe mit einem kräftigen Zug zeigen wollen. Da trifft es sich gut, dass dieses Bier tatsächlich zu hundert Prozent aus Schweizer Braugerste gebraut wird, wie Zdzislaw Urbanczyk, der stellvertretende Braumeister bei Falken, bestätigt: «Wir schicken die Braugerste von Schaffhauser Bauern wie Felix Ruh in Buch zum Mälzen nach Deutschland und bekommen sie danach wieder zurück. In unserem Braumeisterbund wird aber gegenwärtig darüber diskutiert, in der Schweiz wieder eine Mälzerei in Betrieb zu nehmen.»
«Die Idee, Braugerste anzubauen, hatte unsere älteste Tochter Martina vor vier Jahren. Sie sprach mit dem damaligen Braumeister von Falken, Oskar Dommen», erzählen Claudia und Felix Ruh. «Auch sein Nachfolger, Michael Hanreich, war sofort dafür, und so liefern wir jetzt schon zum vierten Mal Schaffhauser Braugerste für Schaffhauser Bier.» – Was beim Wein als kontrollierte Herkunftsbezeichnung (AOC) schon lange selbstverständlich ist, hat Falken also auch beim Bier eingeführt.
Hier ist der Name ebenfalls Programm: Im Restaurant El Sombrero an der Webergasse in Schaffhausen hängen die gleichnamigen, reich mit Silberfäden bestickten Schattenspender in Leuchtfarben an den Wänden, und giftbunte Miniponchos sind als Tischsets ausgelegt. Auch dem stumpfsten Gringo muss hier noch vor dem ersten Blick in die Speisekarte dämmern, dass er in einer mexikanischen Cantina gelandet ist. Für 20 Franken wird hier über Mittag ein prächtiges Bastelkit als Fingerfood für das Kind im Manne angeboten: Fajitas. Das Fleisch liegt brutzelnd in der Gusseisenplatte, die Begleitung sind schwarze Bohnen, hellgrüne Guacamole, fein geschnittener Salat und ein Joghurtdip. Diese Komponenten legt man auf die mitgelieferten handtellergrossen Tortillas, schlägt von der Seite einen kleinen Boden ein und rollt das Ganze zu einem Päckchen, das aussieht wie eine essbareZigarre oder Mexikos Antwort auf die vietnamesische Herbstrolle. Ein idealer Imbissplatz für Väter und Söhne, wenn Mama nicht kocht oder die Fingerfarben ausgegangen sind.


#Notizen zu Namen

26. Juli 2014 | Ein erfolgreicher Schaffhauser Auswanderer in Bern

Schaffhauser Nachrichten
Michael E. Dreher

**Nachruf Rainer Kraft**

Kürzlich ist im Alter von nur 68 Jahren Prof. Dr. med. Rainer Kraft seiner mehrjährigen, heimtückischen Krankheit erlegen. Eine Würdigung seiner Persönlichkeit aus Schaffhauser Sicht ist ohne Bezug zur Scaphusia! nicht denkbar. Denn mit der Matura war auch seine Aktivzeit als Scaphusianer zu Ende. Alsdann verliess er Schaffhausen praktisch für immer.
Rainer Kraft wuchs in Neuhausen am Rheinfall mit seinen Eltern, seinem älteren Bruder und seiner jüngeren Schwester im Familienhaus hoch über der Rosenbergstrasse auf. Sein Vater war der Kantonsbaumeister Adolf Kraft, eine bekannte und starke Persönlichkeit. Ich lernte Rainer Kraft am Weihnachtskommers 1962 als Spefuxe kennen. Im folgenden Juni trat er mit drei weiteren hervorragend qualifizierten Fuxen in die Scaphusia! ein, wo er aufgrund seiner markanten Erscheinung mit dem Cerevis «Fels» Verkehrsgeltung erhielt. Mit ihm traten die späteren Prof. Dr. Dr. h.c. Jürg Fröhlich v/o Proton, Dr. med. Andreas Häsler v/o Rubin und lic. oec. HSG Max Duttlinger v/o Divico ein. Dieses Quartett bildete bis vor wenigen Wochen die Generation 1963. Im Sommer 1964 wurde Rainer Kraft Präsident der Aktivitas und führte diese souverän. Allen war gemeinsam, dass sie in der Schule nie Schwierigkeiten hatten (dies im Gegensatz etwa zu anderen Begabten). Er folgte wie auch sein Freund Proton dem Maturatypus A, also mit Griechisch.
Er wusste schon früh, dass er Medizin studieren würde. Anlässlich der Rekrutierung beim legendären Obersten Reimann wich er jedoch auf «Naturwissenschaften» aus, um der Einteilung in die San Trp zu entgehen, und landete wunschgemäss bei der Artillerie. Dort leistete er bei welschen Einheiten seine Dienste, wurde als Oberst Artilleriechef der Geb Div 10 und kommandierte von 1993–1996 das Art Rgt 10. Die Berufung in den Generalstab lehnte er ab, weil ihn der damit verbundene Zeitaufwand in seiner beruflichen Tätigkeit zu sehr eingeschränkt hätte. Gleiches galt auch bezüglich des Kommandos einer Brigade als Milizoffizier, wofür er zur Debatte stand.
Rainer Kraft begann sein Medizinstudium im Herbst 1965 in Lausanne, da er von Anfang an seine Französischkenntnisse vertiefen wollte. Dort legte er das 1. Propädeutische Examen ab. Sodann wechselte er an die Uni Bern, wo er 1973 sein Staatsexamen glänzend bestand. Es folgten die Assistenzjahre am Pathologischen Institut sowie in der Chirurgischen Abteilung des Kantonsspitals Schwyz bei Chefarzt Dr. Marcel Zimmermann, den er von der Scaphusia! her kannte. 1977 erfolgte die Promotion zum Dr. med. Nach Abschluss seiner Zusatzausbildungen war Rainer Kraft Spezialarzt FMH für Pathologie und FMH für klinische Zytologie. 1990 erfolgten die Habilitation und die Beförderung zum Chefarzt der Abteilung für zytologische Krebsdiagnostik am Pathologischen Institut. 1995 wurde er zum a. o. Professor für Pathologie der Medizinischen Fakultät der Universität Bern ernannt.
1997 verliess er das Pathologische Institut, um mit zwei Kollegen das private Zentrum «Pathologie Länggasse» (benannt nach dem Domizil) zu gründen. Dieses Unternehmen wurde in 15 Jahren zu einem der grössten pathologischen Institute der Schweiz mit 14 Fachpathologen und 70 Beschäftigten. Ein voller Erfolg! Er hat dort auch seine unternehmerischen Fähigkeiten bewiesen, was uns auch mal beratend zusammenführte. Noch zu Lebzeiten kam es zur erfolgreichen Nachfolgeregelung im Rahmen eines Management Buy-out. Mit seiner hohen Intelligenz, seinem scharfen Verstand, seiner Bodenhaftung und seinem Durchsetzungsvermögen wäre er auch in anderen Berufen weit oben angekommen.
Sein Lebensmittelpunkt war seit 1967 die Stadt Bern. Nach Schaffhausen kam er eigentlich nur noch an den Weihnachtskommersen und oft an den Schwarzwaldbummel im Rahmen seines Generationsumfelds am «day after». Als ich 1987 in den Nationalrat gewählt wurde, meinte Freund Fels am Weihnachtskommers: «Jetzt sehen wir uns häufiger. Ich telefoniere dir.» In der Märzsession 1988 wurde ich in eine der muffigen Telefonkabinen des Nationalrats gerufen. Er: «So, tönd er sitze?» Ich: «Wa mich betrüfft, au tänke.» Und schon hatten wir das erste Gelächter. In der Folge trafen wir uns in der Regel einmal pro Session und manchmal am Abend zweitägiger Kommissionssitzungen «en ville ou en campagne» zum gehobenen Verzehr auf dem Land oder trafen uns im «Jack’s», dem Restaurant des «Schweizerhofs», eine unserer Lieblingsbeizen. Es war grossartig, in diesen Privatissima ausserhalb des Politbetriebs mit diesem hochintelligenten Freund und brillanten Analytiker die Zeitfragen, Geschäftliches und Persönliches zu diskutieren. Dass wir kaum Differenzen bezüglich unserer politischen und wirtschaftstheoretischen Auffassungen hatten, erleichterte das Gespräch ungemein. Nach wie vor war er in Latein, Geschichte und Literatur sehr beschlagen, jedes Zusammensein war ein geistiger Gewinn. Dazu hat nicht zuletzt sein trockener Humor beigetragen. Er lachte dann, wenn die Pointe um die Ecke ging und besonders scharfsinnig war und andere eventuell noch nicht lachten. Und noch vor sechs Jahren bot er Hand zu einem veritablen Fuxenstreich, den ich ihm vorgeschlagen hatte. In der Runde war er eher schweigsam, wusste aber noch am andern Tag, was gesprochen wurde. Sport jedoch war sein Hobby nicht. Meine Joggerei Bellevue–Monbijoubrücke–Kirchenfeldbrücke–Bellevue konterte er mit der Bemerkung: Ein wohlgenährter Brigadier sei von seinem Korpskommandanten gefragt worden, wie er es eigentlich mit dem Sport halte. Der Welsche habe geantwortet: «Mes sports, Mon Commandant de corps, sont les promenades que je fais dans les cimetières à l’occasion des enterrements de mes camerades qui ont fait du sport.»
In unserer Beziehung manifestierte sich einmal mehr die Tatsache, dass der wahre Wert einer Studentenverbindung nicht in zwei, drei turbulenten Jahren Aktivzeit an der Kantonsschule liegt, sondern danach und lebenslang, wo sich die Burschen «in Amt und Stand» begegnen.
Die Trauer über die Unabänderlichkeit seines Hinschieds wird nur dadurch gelindert, dass sein Leiden nun ein Ende hat. Seiner Gattin Irene, die auf der Strasse des Lebens 39 Jahre an seiner Seite ging, gilt unsere besondere Anteilnahme. Doch Rainer Kraft, Freund Fels, wusste es selbst am besten: Nemini parcetur!


#Notizen zu Namen

26. Juli 2014 | Chnopf der Woche

Schaffhauser Nachrichten
(adf)

Geboren am 21. Juli, 6.46 Uhr
Gewicht: 2930 Gramm
Grösse: 47 Zentimeter
Die glücklichen Eltern: Tamara Mesonero und Martin Dubach aus Schaffhausen

Eigentlich war der Geburtstermin auf den Tag des WM-Finals gesetzt, aber Lionel scheint nicht ein grosser Fussballfan zu sein – so kam er eine Woche später zur Welt. «Wir waren sehr ungeduldig, jeden Tag dachten wir, heute wird es so weit sein», so die frischgebackenen Eltern. Zu Hause wird es nun zu dritt sicher eine grosse Umstellung geben. «Wir sind sehr spontane Menschen, packen einfach mal das Zeug und gehen aus. Das geht nun nicht mehr», so Mutter Tamara. Diese Veränderung nehmen sie aber sehr gerne in Kauf. Erst ein paar Tage alt, sieht man doch schon gewisse Ähnlichkeiten mit den Eltern: «Die Lippen sind ganz klar von Martin und die Ohren von Tamara», so das Ehepaar.


#Allgemeines

21. Juli 2014 | Endlich läufts rund auf der Zinne

Schaffhauser Nachrichten
Anna Rosenwasser

Endlich, endlich hat es geklappt: Am vergangenen Samstagabend fand der Munotball statt. Die drei Wochenenden zuvor war der Anlass wetterbedingt ins Wasser gefallen – umso mehr aber freuten sich die Besucherinnen und Besucher, bei lauem Sommerwetter endlich auf der Zinne das Tanzbein schwingen zu können. Katrin Ehrensperger und Thomas Zweifel sind extra aus Zürich angereist; Ehrensperger wuchs in Schaffhausen auf und kehrt gern zu dieser sommerlichen Veranstaltung zum Wahrzeichen der Munotstadt zurück. Begrüsst werden alle Gäste von Brigitte Kohler, Vorstandsmitglied des Munotvereins; sie hilft an der Kasse mit. Daniel Schmid, ebenfalls Vorstandsmitglied, heisst die Besucherinnen und Besucher willkommen, bevor nach einem Imbiss die Band live zu spielen beginnt.
«Munotgemäss festliche Kleidung» ist laut Einladung gefordert, woran sich Trudi und Franz Heller gerne halten. «Meinen ersten Tanzkurs absolvierte ich in der dritten Sek im Schaffhauser ‹Schützenhaus›», erinnert sich Franz, und «selbstverständlich wird heute getanzt!» Dabei gibt es durchaus auch Gäste, die sitzend die Stimmung auf der Zinne geniessen: Ruth Naef und Walter Hallauer beispielsweise sehen gerne zu, wie andere das Tanzbein schwingen. Danielle Grimm und Claudia Mürset hingegen nehmen sich schon seit Jahren vor, mal mitzutanzen – was nicht immer möglich ist, spielen die beiden Musikerinnen doch im Musikverein Merishausen mit und sorgen so dafür, dass alles melodisch verläuft. Wesentlich für das Klappen des Balles sind aber nicht nur die Musikerinnen und Musiker – sowie das Wetter, wie sich in den vergangenen drei Wochen zeigte –, sondern auch die kulinarische Versorgung. Hierfür sorgen unter anderem Diana Kis-Molnar, Brigitte Saho und Andrea Wyrsch, die im Service arbeiten und den Gästen Getränke und Essen bringen.

#Allgemeines

16. Juli 2014 | Warum sich die Bildungsausgaben lohnen

Schaffhauser Nachrichten
Von Urs Saxer

24 000 Franken. So viel Geld gibt der Kanton Schaffhausen jährlich pro Schüler und Schülerin der Kantonsschule aus. Damit kostet ein Schüler, eine Schülerin der Kantonsschule über 1000 Franken mehr als der Durchschnitt in ausgewählten Vergleichskantonen. Und das ist gut so! Die Begründung kommt gleich.
Wenn der Kanton Schaffhausen im Rahmen des Entlastungsprogramms 2014 wieder 40 Millionen einsparen muss, so ist es auf den ersten Blick verständlich, dass man bei jenen Aufgabenfeldern spart, bei denen man teurer ist als der Durchschnitt in vergleichbaren Kantonen. Guter Durchschnitt ist doch immer noch gut, oder? Und warum soll der Steuerzahler im Kanton Schaffhausen mehr bezahlen für einen Maturitätsausweis als ein Steuerzahler in den Kantonen Thurgau, St. Gallen, Luzern oder Solothurn?

**Konkrete Leistungen vergleichen**
Auf den zweiten Blick sollte man sich aber nicht auf den Durchschnitt der Ausgaben beschränken, sondern die konkreten Leistungen vergleichen. Eine Maturität ist nämlich nicht gleich einer Maturität. Dies hat Prof. Dr. Stefan Wolter im Bildungsbericht 2014 erläutert. Und die Schaffhauser Matura ist erstens besser als der Durchschnitt, weil sie ein besseres (und damit teureres) schulisches Grundangebot hat, wie zum Beispiel mehr Unterrichtsstunden, einen Sprachaufenthalt, Unterricht in Halbklassen und einen wirkungsvollen interdisziplinären Unterricht. Die Schaffhauser Matura ist zweitens besser, weil sie bessere (und damit teurere) schulische Rahmenbedingungen bietet, wie zum Beispiel in der Bibliothek, im Sekretariat, im Hausdienst oder bei den Assistenten. Drittens ist die Schaffhauser Matura besser, weil sie ein besseres (und damit teureres) Zusatzangebot führt, wie zum Beispiel ein breites Freifachangebot und Instrumentalunterricht. Und viertens ist die Schaffhauser Matura besser, weil sie bessere (und damit teurere) Schulentwicklungsprojekte verfolgt, wie zum Beispiel Ethik-, iPad- und Statistikprojekte.

**Grösserer Return on Investment**
Natürlich kann man nun bei diesen – im Vergleich zum Durchschnitt – teureren (und besseren) Bildungsleistungen sparen. Dies ist aber der falsche Ansatz, und zwar aus folgendem Grund: Die Bildungsleistungen haben – im Vergleich zu anderen staatlichen Ausgaben – für die Gesellschaft einen grösseren Return on Investment: Besser ausgebildete Schüler werden in ihrem späteren Arbeitsleben mehr und bessere Wertschöpfung für die ganze Gesellschaft erbringen und damit die Finanzierung der übrigen staatlichen Leistungen überhaupt ermöglichen. Bildungsausgaben müssen sich damit nicht am Durchschnitt des Inputs orientieren, sondern vielmehr an der Effektivität des Outputs. Ein zusätzlich in das Bildungssystem investierter Steuerfranken hat ganzheitlich betrachtet eine vergleichsweise grössere Wirkung als entsprechende Investitionen in andere staatliche Aufgaben. Dies gilt nicht nur für die Kantonsschule Schaffhausen, sondern für alle Schulstufen und gesamtschweizerisch für alle Kantone. Eine überdurchschnittlich gute (und damit teurere) Volksschule, ein überdurchschnittlich guter (und damit teurerer) Lehrabschluss und auch eine überdurchschnittlich gute (und teurere) Matura sind für unsere Gesellschaft in einer immer globalisierteren Welt langfristig die besten Investitionen!

**Prioritäten setzen**
Aus diesem Grund wünsche ich mir Politiker, welche sich gerade auch bei Sparmassnahmen nicht an einer durchschnittlich guten Bildung orientieren, sondern Prioritäten zugunsten der Bildung setzen. Dies übrigens auch, weil eine Gesellschaft mit nur durchschnittlich guter Bildung auf die ganz lange Sicht betrachtet noch mehr wird sparen müssen.

**Urs Saxer** ist Rektor der Kantonsschule Schaffhausen. Sein Text erschien als Editorial des Bulletins der Kantonsschule Schaffhausen vom Juli 2014.


**Leserbriefe**
SN vom 19. Juli 2014
Hände weg vom Durchschnitt
Matthias Freivogel
Kantirektor Urs Saxer sucht Politiker, die sich bei Sparmassnahmen nicht an einer durchschnittlich guten Bildung orientieren, sondern Prioritäten zugunsten der Bildung setzen. In mir haben Sie, Herr Saxer, einen solchen gefunden. Und dies, obwohl ich selber von einer überdurchschnittlichen Kanti nicht (direkt) «profitieren» kann. Wollen wir es im kleinen Paradies schöner haben und – in vernünftigem Rahmen – besser sein als die anderen, kostet es auch mehr, und wir alle haben mehr davon. Deshalb Hände weg vom kurzsichtigen, simplen Durchschnitt! Weiter ermuntere ich alle weiteren Führungspersonen in der Verwaltung und in den Institutionen des Kantons, auch wenn es der Regierung nicht passen sollte, Transparenz herzustellen und die Situation ihres Bereiches so präzis und schlüssig öffentlich darzulegen, wie Urs Saxer es getan hat. Ich bin sicher, auch sie werden fündig.

SN vom 26. Juli 2014
Mehr Effizienz auch bei Bildung
Walter Hotz
Rektor Dr. Urs Saxer von der Kantonsschule Schaffhausen strebt danach, mit grossen Worten den Spardruck abzuwehren (SN 16. Juli 2014). Vielleicht verwechselt er seine Pflichten als oberster Schulchef, oder er will Lehrenden, Verwaltungsangestellten gefallen. Die SP-Etatisten frohlocken bereits über so viel schulmeisterliches Engage- ment zugunsten unreflektierten Geldausgebens (SN 19. Juli 2014). Klar gibt es dümmere Möglichkeiten, zum Beispiel für Energiesubventionen, die wirkungslos verpuffen. Wenn aber Saxer so tut, als bedeute ein zusätzlicher Bildungsfranken immer den gleichen positiven Nutzenzuwachs, macht er einen für einen promovierten Wirtschaftswissenschafter desaströsen Denkfehler oder zumindest eine populistisch motivierte Vereinfachung. Es gibt auch in der Bildung effizientere und weniger effiziente Vorgehensweisen. Vielleicht hat ein Franken im instrumentalen Unterricht eine höhere Wirkung als einer für die Physikassistenten. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt. Die Aufgabe Saxers wäre es, zusammen mit seinem Führungsteam genau dies herauszufinden und dann zu benennen, wie bei gleicher Bildungsleistung 10 Prozent der Kosten eingespart werden könnten. Die Argumen- tation Saxers, finanziellem Input stehe immer ein entsprechender Output gegenüber, ist nachweislich falsch. Sie zeugt von Anbiederung nach unten (gegenüber den Mitarbeitern) und Arbeitsverweigerung nach oben (gegenüber dem Volk), ist aber im Schaffhauser Staatsdienst leider weitverbreitet.

#Allgemeines

11. Juli 2014 | Vorschläge für die Zukunft der Brauerei Falken

Schaffhauser Nachrichten
Beni Muhl

«Eigentlich habe ich Bier ja gar nicht gerne», sagt Josua Sommer und lacht. Trotz seiner Abneigung gegen den Gerstensaft hat er sich im Rahmen seiner Maturaarbeit mit dem alkoholischen Getränk aus Hopfen und Malz auseinandergesetzt. Für Sommer war das aber nicht weiter schlimm, denn es ging in seiner Arbeit um den wirtschaftlichen Aspekt der Brauerei Falken AG und nicht ums Biertrinken. Die Idee zu seiner Abschlussarbeit kam Sommer daheim am Küchentisch. «Meine Familie und ich diskutieren zu Hause sehr gerne über Wirtschaftsthemen», so Sommer. Der Maturand wollte wissen, wo sich die Grenzen des Wachstums bei der Brauerei Falken befinden. Dazu analysierte er die Wachstumsstrategie der Brauerei der letzten Jahre. «Ich habe zuerst untersucht, wie es der Firma zurzeit wirtschaftlich gerade geht», erklärt Sommer. Mit den Daten der Brauerei zeigt er die Verlagerung des Absatzmarktes von der Gastronomie zum Detailhandel auf. Wurden im Geschäftsjahr 2011/2013 noch 55 Prozent des Umsatzes in der Gastronomie umgesetzt, waren es im Folgejahr noch 53 Prozent. Im gleichen Zeitraum konnte hingegen der Anteil des Umsatzes im Detailhandel von 42 auf 43 Prozent gesteigert werden. Für Sommer sind die Gründe klar: Er macht das Rauchverbot und die Promillegrenze beim Autofahren für die Verlagerung des Absatzes in den Detailhandel verantwortlich. Die Stammtischkultur würde unter den Regelungen leiden, was sich schliesslich auch bei den Zahlen des Unternehmens bemerkbar machen würde.

**Drei Ansätze für mehr Wachstum**
Im Hauptteil seiner Arbeit stellt Sommer selber eine Wachstumsstrategie für die Brauerei auf. Aufgrund seiner eigenen Analyse zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der Brauerei und einem Interview mit Esther Stolz, Mitglied des Verwaltungsrats der Brauerei Falken AG, hat er drei Ansätze heraus gearbeitet, die der Brauerei zu mehr Wachstum verhelfen würden. Die Dosenabfüllanlage, die im Jahr 2012 in Betrieb genommen wurde, könnte mit durchgehend zwei oder sogar drei Arbeitsschichten betrieben werden, statt wie bisher nur teilweise zweischichtig. Ausserdem gäbe es die Möglichkeit, das Falkenbier in den Nachbarkantonen bekannt zu machen und dort mehr Umsatz zu generieren. Schliesslich sieht Sommer für die Brauerei Falken noch die Option, das Bier für andere Brauereien mit deren Rezept zu brauen.
Im letzten Teil der Arbeit untersucht er den ethischen Aspekt des Wachstums der Brauerei. Das Hauptproblem seien vor allem die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gefahr des Bieres als Suchtmittel.


Zur Person
**Josua Sommer**
Alter: 19 Jahre
Wohnort: Schaffhausen
nach der Matura: Sprachaufenthalt in der Dominikanischen Republik, danach Betriebswirtschaftsstudium an der Hochschule St. Gallen (HSG)
Titel der Maturaarbeit: «Die Grenzen des Wachstums – Fallstudie an hand der Brauerei Falken AG»
Fachbereich: Wirtschaft und Recht



Wie könnte die Brauerei Falken AG noch weiter wachsen? – Josua Sommer hat in seiner Maturaarbeit eine Wachstumsstrategie für das Unternehmen ausgearbeitet.
Bild Beni Muhl

#Allgemeines

10. Juli 2014 | 3 Fragen an: Urs Saxer Präsident Munotverein (Munotvater)

Schaffhauser Nachrichten
(sba)

*1 Die ersten beiden Munotbälle dieser Saison konnten nicht stattfinden. Aufgrund welcher Kriterien wird ein Munotball abgesagt?*

Drei Bedingungen sind für die Durchführung in der Regel nötig: Temperatur um 20 Uhr mindestens 20 Grad, keine Prognose von länger andauernden Regenfällen, keine Prognosen starker Gewitter mit Wind über 50 km/h.

*2 Darf man beim Munotball als Herr ohne Krawatte erscheinen?*

Mit einer gehobenen Freizeitkleidung (Anzug oder Kombination, geschlossene Schuhe; Krawatte nicht zwingend) ist man munotgemäss festlich gekleidet. Um den Munotbällen die spezielle Ambiance zu verleihen und aus Achtung.

*3 Der Munotverein möchte seine Mitgliederzahlen erhöhen. Was unternimmt der Verein, um sein Ziel zu erreichen – und wie ist der aktuelle Stand?*

Aktuell zählt der Munotverein 4366 Mitglieder. In unserem Jubi-läumsjahr konnten wir vor dem ersten Munotball bereits 187 neue Mitgliedschaften verzeichnen. Wir bieten an den Munotbällen eine spezielle Aktion für unsere Neumitglieder an. Ebenso kön- nen auch Firmen Mitglied werden.

#Allgemeines

8. Juli 2014 | Die offiziellen Regeln zur Maturrangliste

Schaffhauser Nachrichten
(dj.)

Bei gleicher Punktzahl: Was beim Fussball die Tordifferenz ist, das ist bei der Maturprüfung die Anzahl der Sechser.

Letzten Donnerstag fand in der Schaffhauser Kirche St. Johann die Maturfeier statt. Dabei wurde nur ein Schüler als Jahrgangsbester geehrt, obwohl eine Klassenkameradin den gleichen, exzellenten Notendurchschnitt von 5,68 erreicht hatte. Der Schüler wurde auf der Rangliste vor seiner Kollegin eingeordnet, weil er eine höhere Anzahl Sechser im Zeugnis stehen hatte (siehe SN vom Samstag). Uns wurden nun exklusiv die vollständigen Entscheidungskriterien der Rangliste zugespielt:

1: Notendurchschnitt.
2: Anzahl Sechser.
3: Anzahl der verspätet retournierten Bibliotheksbücher (je weniger, desto besser).
4: Anzahl der auswendig gelernten Zeilen im «Faust I».
5: Dauer der Mitgliedschaft im Munotverein.
6: Ranglistenplatz im Smartphone-Spiel «Quizduell».
7: Seitenzahl der Maturarbeit.
8: Das Los entscheidet.

#Allgemeines

8. Juli 2014 | Auch ein Begegnungsort

Steiner Anzeiger
Mark Schiesser

*Es gibt sie vor allem in Gegenden mit Weinbau, die alten Weinstuben. Eine der ältesten schweizweit steht mitten in der Steiner Altstadt und ist ein beliebter Treffpunkt von Steinerinnen, Steinern und Touristen. Herr de Cardenas, Sie führen seit mehr als vier Jahren die Geschicke der Weinstube. Nun kann man bekanntlich ja nicht nur vom Ausschenken von Rebensaft leben, die Gäste dürfen sich bei Ihnen auch bekochen lassen.*
Roberto de Cardenas: Ja, das ist so. Heute bestimmt der Gast klar, was er essen möchte, und es ist bekannt, dass sich das Konsumverhalten längst verändert hat. Aus diesem Grund haben wir unser Angebot erweitert und bieten auch die länglichen Stäbchen aus Kartoffeln, sprich Pommes frites, oder das traditionelle Schweizer Käsefondue an. Unser Küchenchef beweist zusätzlich während sechs Tagen die Woche seine Kreativität am Herd.

*Was wäre, wenn Sie genau dies nicht anbieten würden?*
(runzelt die Stirne) Es gäbe eine Flaute. Und wir hätten ein leere Weinstube.

*Sie bieten das ganze Jahr hindurch Käsefondue an?*
Ja, Touristen, welche uns in Stein am Rhein besuchen, ich denke an die Japaner und Chinesen, fahren zuerst an den Rheinfall, dann reisen sie nach Stein am Rhein und besuchen am Nachmittag unsere einladende Weinstube. Sie möchten dann, egal bei welchen Temperaturen, ein Käsefondue essen und einen warmen Schokoladenkuchen zum Dessert geniessen. Dann nämlich haben sie die drei wichtigsten regionalen und kulinarischen Sachen der Schweiz gesehen respektive genossen.

*Und das wären?*
Den Rheinfall gesehen, ein typisches Fondue gegessen und traditionell auch etwas mit Schokolade probiert zu haben.

*Was für Nationalitäten kommen denn heute bei Ihnen vorbei, die früher nicht gekommen sind?*
Es sind vorwiegend Chinesen, Japaner, überhaupt Touristen aus dem asiatischen Raum. Aus diesem Grund haben wir längst reagiert und unsere Speisekarten in drei Sprachen übersetzt. Auf jeden Fall sind sie immer sehr begeistert und verlassen unser schönes Kleinod mit guten Erinnerungen.

*Das ist schön, mir scheint, Sie schwärmen allgemein immer noch von Stein am Rhein wie am ersten Tag.*
Das Städtchen mit der ganzen Art und Weise zu Leben finde ich genial. Ich möchte eigentlich auch nur Steinerinnen und Steiner begrüssen. Man darf aber nicht vergessen, wir haben hier über 35 Restaurants, davon etwa 30 noch aktiv bei nur 3000 Einwohnern. Eine bekannte Regel rechnet pro 300 Einwohner ein Restaurant. Als älteste Weinstube der Schweiz wäre es schön, wenn wir nur von den Einheimischen leben könnten. Doch das ist nicht mehr möglich.

*Wenn wir von den Einheimischen sprechen. Sie bekommen hier auf dem Rathausplatz ja einiges mit. Es scheint, im Moment herrsche eine gewisse Unruhe im Städtchen. Spüren Sie das auch?*
Ja, man hört einiges. Vor allem schliessen wieder einige Geschäfte im Städtchen und zum Teil sind dies langjährige Betriebe, welche bisher einfach so selbstverständlich offen hatten. Wenn das so weitergeht und alles schliesst, die Besucher vor leeren Geschäften stehen, dann frage ich mich, was wir dann noch anbieten können im mittelalterlichen Kleinod.

*Bleiben wir zuversichtlich und erinnern uns, dass Sie damals gesagt haben, dass sie sehr gut aufgenommen wurden!*
Genau, wir sind stolz, dass wir viele Einwohner aus Stein am Rhein bedienen und kulinarisch verwöhnen dürfen. Mir ist auch klar, dass sie während der Saison weniger vorbeikommen, denn da ist das Städtchen überfüllt mit Touristen. Heute wie auch im Winter werden wir wieder vermehrt darauf achten, unsere Aufmerksamkeit auf die Steinerinnen und Steiner zu richten.

*Mir fällt auf, dass Sie viele Gäste mitten am Nachmittag verpflegen!*
Mein verstorbener Partner und ich haben damals eine gute Wahl getroffen, indem wir unser ganzes Angebot aus der Küche durchgehend ab 11 Uhr bis abends um 21 Uhr anbieten. Dies wird nicht nur von den Besuchern sehr geschätzt. Wir bieten diese Dienstleistung nun schon seit vier Jahren an, und es freut mich, dass die Gäste darauf eingehen.

*Was würden Sie mir denn spontan zum Essen empfehlen?*
Wie wäre es mit einer hausgemachten Rösti, einem Carpaccio oder frischen Eierschwämmli auf knackigem Salat? Das sind alles saisonale und währschafte Produkte, so wie es sich gehört.

*Vor drei Jahren ist ihr Partner plötzlich und während der Arbeit aus dem Leben gerissen worden. Das war ein tragischer Vorfall.*
Er fehlt mir nicht nur privat, sondern auch im Betrieb. Ich freue mich, dass ich heute wieder mit einem Team zusammenarbeiten darf, welches in meinem Sinne die Geschicke dieses traditionellen Betriebes weiterführt.

*Am 1. Juli haben Sie Ihr fünftes Betriebsjahr im «Rothen Ochsen» angefangen. Die Tage sind lang und das Gastgewerbe fordert Kräfte. Wie lange möchten Sie noch als Gastgeber amten, wenn die Frage erlaubt ist?*
Solange es meine Gesundheit zulässt, werde ich hier weitermachen. Denn es ist mir eine Ehre, dieses einmalige Lokal mit all seinem Charme zu führen, und ich freue mich, hier etwas anzubieten, was man sonst nicht bekommt. Ich bereue keinen Tag, habe ein gutes Verhältnis zu meinen gastronomischen Mitbewerbern und berücksichtige wenn immer möglich die regionalen Anbieter.

*Was treibt Sie an?*
Ich sehe unser Angebot als eine Ergänzung zu den anderen Restaurants. Das Konsumverhalten der Gäste hat sich, wie bereits erwähnt, verändert. Man raucht heute weniger, darf weniger Alkohol konsumieren usw. Das heisst im Klartext, man muss sich ständig anpassen, und das tun wir.

*Wie sind Sie bis jetzt mit dem Verlauf der Sommersaison zufrieden?*
Wir haben den Vorteil, dass wir als älteste Weinstube der Schweiz dem Gast auch bei schlechtem Wetter etwas Besonderes bieten können. Und bei schönem Wetter schätzen die Gäste unsere Gartenwirtschaft mitten auf dem Rathausplatz.

*Und wie ist Ihr Verhältnis zur Hausbesitzerin?*
Das ist sehr gut.

*Der Stammtisch fällt nicht mehr wie früher durch den speziellen Aschenbecher auf, sondern wegen seines speziellen Sitzwerks?*
(lacht) Zu meinem runden Geburtstag habe ich bequeme Stühle gekauft. Nach anfänglichem Erstaunen sind alle Benutzer hell begeistert über die bequeme Sitzgelegenheit.

*Planen Sie etwas Neues?*
Ich, und dazu zähle ich selbstverständlich auch mein Team, bin ständig am Ideen entwickeln und ausprobieren. Wir haben also noch einiges vor. Lassen Sie sich einfach überraschen.

*Die Weinstube zum Rothen Ochsen ist täglich, ausser am Dienstag, von 10 bis 23 Uhr geöffnet.*


**Zur Person**
Roberto de Cardenas (62) ist seit 42 Jahren in der Gastronomie tätig. Er ist gelernter Koch und Absolvent der Hotelfachschule in Lausanne.


**«Rother Ochsen»: Erstes Bürger- und Wirtshaus in Stein am Rhein**

Das Haus Rother Ochsen wird schon 1446 urkundlich mit vollem Namen genannt. Später diente es – wie heute wieder – als Wirtshaus. Ab dem 17. Jahrhundert sassen für rund anderthalb Jahrhunderte die Schmids darin, zu denen auch der Freiherr Johann Rudolf Schmid gehörte. Ein Vertreter dieses vornehmen Steiner Geschlechts, vermutlich Georg, Schultheiss (Gerichtspräsident), liess 1615 den Erker anbringen und wohl gleichzeitig auch die Fassade mit biblischen und römischen Motiven durch Schulmeister Andreas Schmucker (1575–1650) – er beteiligte sich auch als Glas- und Freskenmaler – nach Vorbildern von Tobias Stimmer und Hans Holbein bemalen. Es ist seine bekannteste Schöpfung.
Im 18. Jahrhundert überdeckte ein Künstler diese barocken Fresken mit anderen in Öl. Man vermutet, es sei der 1799 verstorbene Steiner Hans Jakob Vetter gewesen. 1898 bildete sich ein Konsortium von kunstverständigen Männern, die den «Rothen Ochsen» zum Zweck der Erhaltung und Restaurierung erwarben. 1899 bis 1900 erfolgte eine Renovation der Wandfresken durch Christian Schmidt, wobei die Übermalungen des 18. Jahrhunderts entfernt wurden. Gleichzeitig restaurierte Schmidt auch die Wandbilder des Saales im zweiten Obergeschoss. Die Ausmalung der Wirtsstube erfolgte 1913 durch Lore Rippmann und August Schmid. 1996 und 2004 wurden die Fassadenmalereien von Rolf Zurfluh fachkundig restauriert. Das Haus ist seit 1900 in privater Hand.
Viele bekannte Zeitgenossen, unter anderem auch der Journalist und Professor für Germanistik, Hermann Böschenstein, der die Weinstube neben weiteren Steiner Schauplätzen in seinem Roman * erwähnte. gingen in der Weinstube ein und aus.
Quelle: Kunstdenkmäler des Kantons SH, Band II, 1958/Sr.

*[Boeschenstein, Hermann: Im roten Ochsen : Geschichte einer Heimkehr – Schaffhausen : Meier, 1977 – ISBN 3-85801-011-1 Pp. – 231 S. ; 22 cm]



Gastgeber Roberto de Cardenas freut sich über viele Einheimische und Touristen, welche die Weinstube immer wieder besuchen.
Bild Mark Schiesser

#Allgemeines

5. Juli 2014 | «Zwei erreichten die Note 5,68»

Schaffhauser Nachrichten
Interview Erwin Künzi

2014 haben alle 130 Maturandinnen und Maturanden, die an der Kantonsschule zur Matur antraten, auch bestanden. Das ist ungewöhnlich; wir befragten dazu Rektor Urs Saxer.

*Wann gab es zum letzten Mal einen solchen Vollerfolg?*
Seit 1997, seit die Maturitätsschule nur noch 4 Jahre dauert und Tiefnoten doppelt kompensiert werden müssen, hatten wir noch keinen solchen Vollerfolg. Früher, als die Matura in 5 beziehungsweise 6 Jahren absolviert wurde, kam dies immer wieder einmal vor.

*Wo liegen die Gründe dafür? War die Prüfung zu wenig streng?*
Die Selektion findet an der Kantonsschule schwergewichtig an der Aufnahmeprüfung und in den ersten beiden Jahren statt. Die Durchfallquoten an den Maturprüfungen liegen in der Regel zwischen 1 und 3 Prozent. Da kann auch einmal eine Durchfallquote von 0 vorkommen.

*Welche Gründe könnten sonst noch für das gute Abschneiden verant- wortlich sein?*
Ein wichtiger Grund liegt bei der Gruppendynamik in den Klassen: Vier Auszeichnungen der Schweizerischen Studienstiftung gab es alleine in der Klasse 4nb. Nathalie Bohl und Luca Marchetti, welche beide den besten Notendurchschnitt von 5,68 dieses Jahrgangs erreicht haben, stammen auch auch aus dieser Klasse 4nb.

*Vergleicht man die Schaffhauser Maturandinnen und Maturanden des Jahrgangs 2014 mit denjenigen der übrigen Schweiz – wo stehen sie?*
Dies wird sich erst in der Zukunft zeigen. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse unserer Ehemaligen-befragung, die darüber Aufschluss geben wird.

#Notizen zu Namen

4. Juli 2014 | Auf der Suche nach dem Entscheid

Schaffhauser Nachrichten
von Erwin Künzi

130 junge Frauen und Männer durften gestern am frühen Abend in der voll besetzten Kirche St. Johann ihr Maturzeugnis in Empfang nehmen. Der Hauptredner der Maturfeier, Professor Kurt Schmidheiny von der Universität Basel, sprach über die Schwierigkeit, nach der erfolgreichen Matur den richtigen Entscheid für den weiteren Lebensweg zu finden. «Ich wünsche Ihnen allen viele gute Entscheide, die Energie, diese kompromisslos zu verfolgen, und den Mut, diese infrage zu stellen», sagte Schmidheiny zum Schluss.

Alle, alle waren sie gekommen, um beim Abschluss der Kantonsschulzeit mit der Übergabe des Maturzeugnisses als Höhepunkt dabei zu sein: Eltern, Geschwister, Göttis, Gotten, Freundinnen und Freunde, aber auch Mitschülerinnen und -schüler sowie die Lehrerschaft füllten die Kirche St. Johann gestern am frühen Abend bis auf den letzten Platz. Und sie durften, wie Rektor Urs Saxer ankündigte, Zeuge von etwas Ungewöhnlichem sein: Alle 130, die zur Maturprüfung angetreten waren, hatten sie auch bestanden: 56 (36 Maturandinnen, 20 Maturanden) im musischen, 47 (4/43) im mathematisch-naturwissenschaftlichen und 27 (18/9) im sprachlich-altsprachlichen Profil.
Vor der Übergabe der Zeugnisse wurde aber noch geredet. Nach der Begrüssung durch Urs Saxer ergriff Regierungspräsident Christian Amsler das Wort. Ausgehend von einem Zitat Albert Einsteins, dass die Fragen die gleichen seien, die Antworten sich aber verändern würden, gratulierte er den Maturandinnen und Maturanden und entliess sie in eine sich rasend verändernde Welt. Amsler nahm auch kurz Bezug auf die Sparvorschläge für die Kantonsschule und meinte dazu: «Die Politik muss sagen, was ihr die Bildung wert ist», um fortzufahren: «Aber heute wird gefeiert.» Hauptredner des Abends war Kurt Schmidheiny, Professor für Wirtschaftsstatistik an der Universität Basel. Wer jetzt ein trockenes Wissenschaftsreferat erwartet hatte, lag zum Glück daneben. Ausgehend von seinem Forschungsgebiet – die Mobilität von Steuerzahlern –, beschäftigte sich der 43-Jährige mit der Suche nach gesichertem Wissen und dem Streben nach guten Entscheiden, angewandt auf die Wahl der Studienrichtung; Entscheide, die das Leben prägen werden und die die Maturandinnen und Maturanden alleine verantworten müssen. Er berichtete von seinen Schwierigkeiten, die er selber damals bei diesem Entscheid hatte, und seiner heutigen Gelassenheit, denn, so eine Erkenntnis von Max Frisch, wie immer der Entscheid ausfällt: «Wir können uns nicht entkommen, wir werden uns auch nicht verfehlen.» Zum Schluss wünschte er den Maturandinnen und Maturanden «viele gute Entscheide, die Energie, diese kompromisslos zu verfolgen, und den Mut, diese in Frage zu stellen.» Und dann war es so weit: Urs Saxer übergab die Zeugnisse, die Klassen versammelten sich eine nach der anderen auf der Bühne, jeder und jede wurde aufgerufen und erhielt nicht nur das begehrte Papier, sondern auch einen grossen Applaus (bei den Männern auch schon mal gemischt mit Pfiffen und Gejohle). Dabei fiel auf, dass die Frauen viel Aufwand für ihr Outfit betrieben hatten und es zum Teil wunderschöne Roben zu sehen gab, während es die Männer eher lässig liebten und oft T-Shirt und Turnschuhe dem Smoking vorzogen. Den Preis der Stiftung der Verbindung Munot für die beste Matur überreichte Peter Rohner an Luca Marchetti, der einen Notenschnitt von 5,68 erzielt hatte. Den festlichen Rahmen der Feier bildeten die Darbietungen der kantieigenen Ensembles – Trompetenensemble, Jazz-Workshop-Band, Vokalensemble, das Projekt Tanz und der Kammerchor. Und der Erstklässler Lorenz Strologo verzauberte am Klavier alle mit seiner Gershwin-Interpretation.


**Abschluss 2014: Die Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen**

Fabian Babic, Schaffhausen, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft/Philosophie; Cyril Bachmann, Flurlingen, Humanmedizin; Alena Bareiss, Barzheim, Medienkommunikation/Sport; Selina Baumann, Schaffhausen, Illustration; Christian Baumann, Schaffhausen, Rechnergestützte Wissenschaften; Bodo Bichsel, Neuhausen am Rheinfall, Kunsthistoriker; Marina Bieri, Neunkirch, Internationale Beziehungen; Lara Björnsen, Schlattingen, Innenarchitektur; Nathalie Bohl, Schaffhausen, Humanmedizin; Meret Bohner, Neuhausen am Rheinfall, Primarlehrerin; Preja Boll, Schleitheim, Medizin; Yannick Bolli, Stein am Rhein, Maschinenbau; Cleopatra Bollinger, Beringen, Biologie/Kunst; Michelle Bradler, Thayngen, Prähistorische Archäologie; Oleksandra Britsko, Schaffhausen, Zwischenjahr; Heidrun Brodowsky, Schaffhausen, Zwischenjahr; Simona Brühlmann, Neunkirch, Pflege FH; Klara Brütsch, Schaffhausen, Psychologie; Tatiana Cabuterra, Schaffhausen, Rechtswissenschaft; Kevin Chacko, Schaffhausen, Humanmedizin; Alessio De Nardo, Löhningen, Biologie/Umweltwissenschaft; Fabrice Dealtrey, Schaffhausen, noch offen; Timur Demiral, Neuhausen am Rheinfall, Maschineningenieurwissenschaften; Semian Detreköy, Schaffhausen, Nanowissenschaften; Joel Di Ronco, Beringen, Militär-Offizier; Luca Donisi, Stetten SH, Medizin; Christine Duer, Stetten SH, Pädagogische Hochschule; Marija Dujmovic, Schaffhausen, Zwischenjahr; Andre Eggli, Schleitheim, Elektrotechnik/Informationstechnologie; Alina Eichrodt, Uhwiesen, Internationale Beziehungen; Anika Erbach, Beringen, Vermittlung Kunst und Design; Céline Erzberger, Schaffhausen, noch offen; Kay Fehr, Flurlingen, Betriebswirtschaftslehre; Markus Ferber, Schaffhausen, Elektrotechnik/Informationstechnologie; Elena Finkler, Ramsen, Zwischenjahr; Hendrik Fischer, Dachsen, Humanmedizin; Luca Fortuna, Schaffhausen, Medienwissenschaften; Seraina Frazzetto, Schaffhausen, Gesundheitswissenschaften; Nils Funke, Flurlingen, Medizin; Vincent Gabriel, Schaffhausen, Zwischenjahr; Kajanan Ganavel, Schaffhausen, Physik; David Gasser, Schaffhausen, Rechtswissenschaft; Melanie Geier, Beringen, Gesang/ Biologie; Kevin Geier, Beringen, Biochemie; Lara Geissmann, Schaffhausen, Primarlehrerin; Jonas Gisler, Schaffhausen, Hotelfachschule; Leslie Gmür, Schaffhausen, Medizin/Recht; Maya Gnädinger, Beggingen, Physiotherapie; Daniel Grabski, Beringen, Maschineningenieurwissenschaften; Noëmi Graf, Schaffhausen, Raumplanung; Felix Graule, Schaffhausen, Elektroingenieurwissenschaft; Natalia Gröbli-Ramirez, Dachsen, Medizin/Internationale Beziehungen; Nora Häggi, Schaffhausen, noch offen; Lukas Hänggi, Schaffhausen, Archäologie; Yannik Hänzi, Neuhausen am Rheinfall, Betriebswirtschaftslehre; Laura Hieke, Gächlingen, Lehrerin; Richard Hombach, Beringen, Betriebswirtschaft; Brandon Huber, Langwiesen, noch offen; Jsabelle Hug, Ramsen, Rechtswissenschaft; Nicolas Juraubek, Schaffhausen, Video; Nina Kaderk, Schaffhausen, Spanisch/Geografie; Tobias Klauser, Schaffhausen, Wirtschaft; Tobias Kobelt, Schaffhausen, Architektur; Noah Köppel, Hemmental, Physiotherapie; Jannis Körth, Thayngen, Altgriechische Sprach- und Literaturwissenschaften; Venjamin Koscica, Schaffhausen, Wirtschaft; Dimitrij Küttel, Schaffhausen, noch offen; Annina Laich, Dörflingen, Zwischenjahr; Andrina Lang, Uhwiesen, Humanmedizin; Michelle Löpfe, Schlatt TG, Praktikum Spital; Rudolf Loretan, Schaffhausen, Informatik; Meret Mache, Lohn SH, Lehrerin Bildn. Gestalten; Cindy Manser, Schaffhausen, Wirtschaft; Luca Marchetti, Feuerthalen, noch offen; Rebecca Masek, Siblingen, Biomedizinische Analytikerin HF; Andreina Miozzari, Schaffhausen, Primarlehrerin; Zejnepe Morina, Schaffhausen, Germanistik/Philosophie; Noemi Moser, Schaffhausen, Zwischenjahr; Steven Näf, Neuhausen am Rheinfall, Physik; Annina Napierala, Neuhausen am Rheinfall, Psychologie; Lars Ochsner, Neunkirch, Betriebswirtschaft; Savio Ogg, Thayngen, Philosophie; Sebastian Ortmann, Schaffhausen, Lebensmittelwissenschaft; Rahel Ott, Buch, Zwischenjahr; Justin Palm, Feuerthalen, Archäologie/Geschichte; Olivier Pfeuti, Löhningen, Wirtschaft; Yixuan Qin, Schaffhausen, Japanologie; Jonas Rahm, Löhningen, Jurisprudenz; Vanessa Rauer, Schaffhausen, Englische Sprach- und Literaturwisenschaft/Publizistik; Vithushika Raveenthiran, Schaffhausen, Rechtswissenschaft/Medizin; Benjamin Ritzmann, Wilchingen, Bauingenieurwissenschaften; Philipp Rohr, Schaffhausen, Geschichte/Medienwissenschaften; Raphael Ruch, Schaffhausen, Jazz-Schule; Jasmin Rüger, Wilchingen, Kindergärtnerin; Julien Sala, Schaffhausen, Maschinenbau; Jemima Schadow, Gächlingen, Gesundheitswissenschaften und Technologie; Jan Scheuermeier, Schaffhausen, Gesang; Lukas Schlagenhauf, Lohn SH, Maschinen-ingenieurwissenschaften; Tamara Schmid, Schaffhausen, Lebensmittelwissenschaft; Lorena Schneider, Schaffhausen, Tourismus; Fredi Schurter, Gächlingen, Maschineningenieurwissenschaften; Ruben Schwarz, Schaffhausen, Informatik; Melanie Sidler, Schlattingen, Medizin; Josua Sommer, Schaffhausen, Betriebswirtschaftslehre; Arlette Stadler, Schaffhausen, Physiotherapie; Nicola Stamm, Schleitheim, Medizin; Daniel Steiner, Neuhausen am Rheinfall, noch offen; Chantal Stoll, Wilchingen, Physiotherapie; Sascha Stoll, Osterfingen, Physik; Laura Tamagni, Neuhausen am Rheinfall, Humanmedizin; Roberto Tanchis, Schaffhausen, Anglistik/Italianistik; Mara Tanner, Hemishofen, Soziologie/Geschichte; Melissa Tempini, Dachsen, Zwischenjahr; Andreas Tobler, Neuhausen am Rheinfall, Wirtschaft; Lionel Trümpler, Schaffhausen, Rechtswissenschaft; Thilo Van der Haegen, Schaffhausen, Sustainable Development; Aleksandra Vasic, Neuhausen am Rheinfall, Rechtswissenschaft; Isabelle von Siebenthal, Büttenhardt, Sozialarbeiterin; Christiane von Stegmann, Thayngen, Humanmedizin; Jonas Wagner, Schaffhausen, noch offen; Oliver Waldvogel, Feuerthalen, Rechtswissenschaft; Adrian Walter, Löhningen, Medizin/Englisch; Marco Walter, Löhningen, Maschinenbauingenieur; Andrin Walther, Hallau, Geschichte; David Wenner, Schaffhausen, Lebensmittelwissenschaft; Nicca-Andrea Willi, Wilchingen, Jurisprudenz; Derek Witzig, Löhningen, Mathematik; Florian Wohlwend, Ramsen, Primarlehrer; Robin Wuigk, Hallau, Biologie; Andreas Zulauf, Schaffhausen, Jurisprudenz/Aviatik.



Rektor Urs Saxer führte in der voll besetzten Kirche St. Johann durch die Maturfeier und übergab den 130 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen ihre Zeugnisse.
Bild Simon Brühlmann



Andrina Lang, die wie die anderen 129 Maturandinnen und Maturanden aus der Hand von Rektor Urs Saxer ihr Zeugnis entgegennehmen durfte.
Bild Simon Brühlmann

#Allgemeines

2. Juli 2014 | Kantischüler protestieren gegen Sparmassnahmen

Schaffhauser Nachrichten
(ek)

Wo sollen beim Staatshaushalt 40 Millionen eingespart werden? Zurzeit läuft die Suche nach Einsparmöglichkeiten. Doch diese spielt sich nicht im stillen Kämmerlein ab, viele Mitarbeitende in der kantonalen Verwaltung, in den Schulen und im Spital sind bei dieser Suche miteinbezogen, was zur Folge hat, dass in einzelnen Fällen bereits heute durchsickert, wo der Sparhebel angesetzt werden soll.
Exemplarisch dafür ist die Kantonsschule. Diese bekam offenbar vom Erziehungsdepartement den Auftrag, 10 Prozent ihres Budgets von rund 16 Millionen Franken einzusparen. Die Schulleitung präsentierte umgehend Sparvorschläge, bezog aber sowohl Lehrer- wie Schülerschaft mit ein und versorgte sie mit den entsprechenden Zahlen. Wenig überraschend, gelangten diese zu einem Kantonsrat, der sich am Montag prompt darüber beklagte, dass Kantilehrer und -schüler mehr über die Sparanstrengungen an ihrer Schule wüssten als die Volksvertreter. «Auf der einen Seite Informationsembargo, auf der anderen basisdemokratische Diskussion von Einzelmassnahmen. Diese Diskrepanz empfinden wir als skandalös und fordern die Regierung auf, endlich mit dem Versteckspiel aufzuhören und die Nebel um das Sparprogramm 14 zu lichten», erklärte Werner Bächtold (SP, Schaffhausen) im Rat (siehe SN von gestern). Aufgrund der Zahlen der Schulleitung hat die Schülerorganisation (SO) der Kanti bereits Stellung zu den Sparvorschlägen bezogen. Sie kritisiert diverse Massnahmen, so den Halbklassenunterricht erst ab 18 Schülern («Je grösser die Halbklassen werden, desto mehr verspielt man die markanten Vorteile des Halbklassenunterrichts»), den Zweier-Unterricht im Instrumentalunterricht («Im Zweierunterricht kann viel weniger auf den einzelnen Schüler eingegangen werden, und das Finden von zwei Schülern auf gleichem Niveau wird sich wohl schwierig gestalten») oder die Kostenbeteiligung der Schüler am 2. und 3. Freifach («Eine Frechheit – es kann nicht sein, dass Schüler und Schülerinnen mit mehr Geld im Vorteil sind! Bildung soll für alle gleich erschwinglich sein, unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern!»). Die SO befürchtet, dass durch einen Leistungsabbau an der Kantonsschule das Bildungsniveau sinkt. Sie hält fest: «Wir als Schülerorganisation und Vertretung der Schülerschaft sind mit diesen vorgesehenen Sparmöglichkeiten, die uns in unseren Bildungsmöglichkeiten stark einschränken und uns so den Zugang zu weiterführenden Schulen massiv erschweren, ganz und gar nicht einverstanden und werden die Einsparungen in der Bildung nicht kommentarlos über uns ergehen lassen. Wir hoffen hierbei auf die Unterstützung aller Bürger und Bürgerinnen unseres noch bildungsstarken Kantons!»

#Allgemeines

1. Juli 2014 | Die Kantonsschule muss sparen: Schulleitung unterbreitet Vorschläge

Schaffhauser Nachrichten
von Zeno Geisseler und Erwin Künzi

40 Millionen Franken soll der Kanton Schaffhausen mit dem Entlastungsprogramm 2014 jährlich einsparen. Wo und wie, das ist offiziell noch nicht bekannt, die Departemente arbeiten ihre Sparvorschläge erst aus. Wie nun aber Kantonsrat Werner Bächtold (SP, Schaffhausen) gestern im Rat darlegte, weiss man in der Kantonsschule bereits mehr: Schon im Mai hätten alle Schülerinnen und Schüler von der Schülerorganisation eine Mail erhalten mit dem Aufruf, zu den Sparplänen an der Kanti Stellung zu nehmen. Im Anhang: eine zehnseitige Tabelle inklusive Budget 2015 der Kantonsschule und 47 Sparvorschlägen im Umfang von 1,6 Millionen Franken – 10 Prozent des gesamten Schulbudgets.
«Jeder Kantischüler verfügt über Detailinfos, während wir im Nebel herumstochern», sagte Bächtold. Auch das Staatspersonal wisse mehr als das Parlament, es habe einen Brief erhalten. Bächtold forderte im Votum im Namen seiner Fraktion, dass die Regierung «entweder alle im Nebel stochern lässt oder mit dem Versteckspiel aufhört». Es war gestern das erste Mal, dass das neue Instrument der Fraktionserklärung im Schaffhauser Kantonsrat zum Einsatz kam. (zge)

40 Millionen Franken jährlich will der Kanton im Rahmen des neuen Entlastungsprogramms 2014 einsparen. Woher das Geld kommen soll, ist noch nicht klar; die Departemente sind erst daran, ihre Sparvorschläge auszuarbeiten. Zu einem Punkt liegen nun aber Details vor: der Kantonsschule. Die Schulleitung habe der Schülerorganisation ein detailliertes Dokument mit zur Verfügung gestellt, sagte Kantonsrat Werner Bächtold (SP, Schaffhausen) gestern im Parlament. Somit hatten die Schülerinnen und Schüler schon vor dem Kantonsrat Kenntnis von Sparvorschlägen.

**Einsparungen von 1,6 Millionen**
Wie Recherchen der SN ergaben, erhielt die Kantonsschule vom Erziehungsdepartment den Auftrag, 10 Prozent ihres Jahresbudgets von rund 16 Millionen Franken einzusparen. Daraufhin arbeitete die Schulleitung ein zehnseitiges Dokument mit Sparvorschlägen in Höhe von 1,628791 Millionen Franken aus. Dieser Vorschlag wurde am 13. Mai einer ausserordentlichen Lehrerkonferenz vorgelegt, an der auch die Vertreter der Schülerorganisation teilnahmen. Diese mailten das Dokument an die Schülerschaft, um deren Meinung einzuholen. Den SN liegt das Dokument vor. Unter anderem soll bei der Informatik gespart werden (Einsparung: 134 000 Franken), Musikinstrumente sollen künftig nicht mehr im Einzelunterricht, sondern in Zweiergruppen gelehrt werden (200 000 Franken). Gespart wird auch beim Personal; so sollen eine Hauswartstelle (110 000 Franken) und eine Informatik-Lehrlingsstelle (16 000 Franken) gestrichen werden. Gespart wird auch bei den Apéros bei Personalanlässen (12 000 Franken). Nachdem die Sparpläne für die Kanti frühzeitig an die Öffentlichkeit gedrungen sind, sind diese Thema an der heutigen Regierungsratssitzung.


**Leserbriefe zu «Die Kantonsschule muss sparen»**

*02. Juli 2014*
Das transparente Vorgehen verdient grosses Lob
Martin Schwarz, Schaffhausen
Zu «Die Kantonsschule muss sparen», SN vom 1. 7.
Wenn die SchülerInnen der Kanti mehr über die Sparpläne wissen als der Kantonsrat, dann hat das seinen Grund: Sie sind, zusammen mit den Lehrpersonen und der Schulleitung, ExpertInnen für ihre Schule. In einer Aktion von grösstmöglicher Transparenz hat die Schulleitung alle an der Schule aktiven Leute gebeten, zu ihren Sparvorschlägen Stellung zu nehmen.
Dieses Vorgehen verdient ein grosses Lob, da dank dieser Transparenz erstens Vertrauen geschaffen wurde und zweitens auch eine grössere Akzeptanz für die dereinst umzusetzenden Budgetkürzungen entsteht. Wir wissen noch nicht, in welcher Form der Regierungsrat den Kantonsrat und die Öffentlichkeit über die konkreten Massnahmen der Sparübung ins Bild setzt. Ich wünsche mir aber, dass er ebensolches Vertrauen zeigt und eine ebensolche Transparenz an den Tag legt, wie dies die Kantonsschulleitung mit den SchülerInnen, Lehrpersonen und Angestellten gemacht hat.

*05. Juli 2014*
Lassen Sie uns gemeinsam auf die Pauke hauen
Vreni Winzeler, Schul- und Kirchenmusikerin, Schaffhausen
Zu «Unser Land braucht seine Handwerker», Leserbrief vom 2. 7.
Lieber Herr Moretti, keine Frage: Das Handwerk brauchts. Ebenso ist es keine Frage, dass es alle anderen auch braucht – als Musikerin bin ich darauf angewiesen, dass alle an einem Projekt Beteiligten ihren ureigenen Beitrag zum Ganzen leisten. Fehler werden von der ganzen Gemeinschaft wohlwollend getragen, und die Erfolge gemeinsamer Leistung geniessen wir auch gemeinsam. Wissen Sie, dass Ihre Malerchübel, die Sie einstens dem Projektchor Reiat gesponsert haben, als beliebtes Moretti-Schlagzeug an der Kantonsschule die angehenden Akademiker zu musikalischen Höhenflügen anregen und befähigen?
Das vermeintliche Sparpotenzial, welches an der Kantonsschule geortet wird und das die umfassende (Aus-)Bildung der angehenden Akademiker gefährdet, ist nur ein Beispiel – die breite Bildung an allen Schulen (auch an den Berufsschulen) ist gefährdet. Lassen Sie uns gemeinsam auf die Pauke hauen: An der Bildung kann nicht gespart werden! Un- sinnige Sparübungen – wir sind gemeinsam dagegen!

*05. Juli 2014*
SMS-Umfrage
Finden Sie es gut, dass die Kantonsschule 10 Prozent einsparen soll?
Ja51 %
Nein 49 %
Die Umfrageteilnehmer sind sich uneins, ob das Budget der Kanti gekürzt werden soll. Nur eine knappe Mehrheit ist für Sparmassnahmen.

#Allgemeines

1. Juli 2014 | Umjubelte KV-Stars in der Handballarena

Schaffhauser Nachrichten
von Mark Liebenberg

Fussball regiert: Rektor René Schmidt liess es sich nicht nehmen, die Analogien zum gerade stattfindenden Welttheater des Fussballs aufzuzeigen: «Ihr habt die Trägheit beim Lernen überwunden, ihr habt Nervosität und Anspannung überstanden, ihr habt getroffen und gewonnen – heute Abend seid ihr die Stars und dürft den Jubel im Stadion geniessen.» Mit ihren Fähigkeitsausweisen hätten die jungen Leute zwar nicht die gleichen astronomischen Verdienstmöglichkeiten wie die Fussballstars. Aber «ihr habt ein Fundament für euren beruflichen Erfolg fürs ganze Leben gelegt». 269 Diplome wurden in der BBC-Arena gestern verteilt. Kein ganz ein- faches Unterfangen. Denn schier unübersichtlich sind die verschiedenen Ausbildungsgattungen und ihre schwindelerregenden Attributszusätze der Berufsleute, die gestern ihren Abschluss feiern konnten: Detailhandelsassistenten und Detailhandelsfachfrauen, Kaufmänner und -frauen mit Basisbildung, Kaufleute erweiterte Grundbildung (mit oder ohne Berufsmaturität), Kaufmänner und Kauffrauen, welche die Ausbildung als Erwachsene absolvieren, dazu die Berufsmaturanden und Berufsmaturandinnen mit gelerntem Beruf sowie die Kaufleute im erweiterten Grund- bildungsprofil mit Berufsmaturität (im Volksmund: Handelsmittelschule). Nicht weniger als 18 Klassen betraten – in festlicher Abendrobe die Damen, in feschen Anzügen die Herren – das Podium und kamen per Händedruck und namentlichem Aufruf zu Ehren – Nachname zuerst, Vorname als Zweites. Und so verwandelte sich an diesem Montagabend die BBC-Arena während fast einer Dreiviertelstunde in eine riesige, durchorganisierte Diplommaschine in die nur hie und da Individualität hereinkam, indem die gut und gern 1500 Freunde, Schätze, Eltern, Mitschüler oder Kollegen des Ausbildungsbetriebs wacker johlten, wenn der junge Mann oder die junge Dame aufgerufen wurde, deretwegen sie gekommen waren. Als Festredner ermutigte Stadtrat Raphaël Rohner die Diplomanden, die momentane Hochkonjunktur zu nutzen, um sich stetig weiterzubilden. «Sie werden schnell merken, dass das nicht nur mit Aufwand verbunden ist, sondern auch Spass macht und das Selbstbewusstsein stärkt», sagte Rohner. Ausserdem ermunterte er die jungen Absolventen, doch in die Welt hinauszugehen und mit reichen Erfahrungen dann aber auch wieder zurückzukehren – gerade der Standort Schaffhausen sei auf junge Berufstätige angewiesen.



Die Prüfungen sind geschafft, das Diplom erhalten, und trotzdem scheinen sie die Fakten selbst prüfen zu wollen: Die HMS-Absolventen Patrick Biedermann (links) und Eduardo Miguel Da Silva Nunes.
Bild Fabian Stamm

#Notizen zu Namen

1. Juli 2014 | Neue Kraft in der Mitte

Schaffhauser Nachrichten
von Robin Blanck

Seit gestern Abend ist die Schaffhauser Politlandschaft um eine Partei reicher: In der Sternwarte Schaffhausen wurde die Grünliberale Partei Schaffhausen als 19. Schweizer Sektion gegründet. Die Partei will sich als sachorientierte Alternative zwischen den Blöcken positionieren und Ökologie mit wirtschaftlichen und sozialen Anliegen verbinden. Dabei kann die Partei bereits bei der Gründung eine Reihe von Mandaten im Kantonsrat und in den Gemeinden vorweisen, welche die Inhaber als ÖBS-Mitglieder erobert haben. Und es sollen noch mehr werden: Die frisch konstituierte Partei unter der Co-Leitung von Regula Widmer und Ueli Böhni hat sogleich Katrin Bernath als Kandidatin für den anstehenden Stadtratswahlkampf nominiert: Bernath will für die GLP einen Sitz der Stadt-Exekutive erobern, nachdem Thomas Feurer – ebenfalls GLP-Neumitglied – seinen vorzeitigen Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben hat.
Grussworte der Mutterpartei überbrachte GLP-Nationalrätin Tiana Moser, die darauf hinwies, dass die Wahlerfolge der vergangenen Jahre nicht selbstverständlich, sondern das Resultat harter politischer Arbeit seien. Diese müsse breit abgestützt sein: «Wir können aber nur gemeinsam erfolgreich sein», betonte Moser. (rob)

Den rund zwei Dutzend Gründungsmitgliedern, die gestern zur Parteigründung schritten, merkte man die 1200 Lichtjahre nicht an, die sie zuvor hinter sich gebracht hatten – zugegebenermassen nur im Planterium der Sternwarte Schaffhausen. Bei Heinz Rether, Kantonsrat der neuen GLP-Sektion Schaffhausen, hat der virtueller Ausflug aber Demut ausgelöst: «Ich hoffe, dass wir das auch auf unseren Weg mitnehmen können», wandte er sich an die Anwesenden. Tiana Moser, Nationalrätin der GLP Zürich, betonte die Schönheit und Symbolkraft der Sternwarte, eines Ortes, der einen innehalten lässt. Dann war es aber mit der Demut und dem Innehalten vorbei, und die basisdemokratische Arbeit begann: Die Parteistatuten wurden von der Versammlung einstimmig gutgeheissen, ebenso unbestritten war die Zusammensetzung des neuen Vorstands, der fast mehr Mitglieder hat als die Partei derzeit, «vorläufig», sagte Rether und erntete damit einen Lacher. Die Geschicke der Partei übertrugen die Anwesenden dem Co-Präsidium bestehend aus Ueli Böhni (Stein am Rhein) und Kantonsrätin Regula Widmer (Beringen). Böhni blickte zurück auf die Entstehung der GLP Schaffhausen, die auf eine interne Debatte in der ÖBS vor drei Jahren zurückgeht: Damals wurde die Frage aufgeworfen, ob man sich mehr Richtung Grüne Partei oder zur GLP hin bewegen solle. Die ÖBS entschied sich für die Grünen, die stärker GLP-Sympathisierenden bereiteten die Gründung der Sektion vor. Diese will sich nun als «kritische, konstruktive Kraft» (Böhni) in der Schaffhauser Politik einbringen, statt Grabenkämpfen solle Sachpolitik betrieben werden. Wie Widmer feststellte, handle es sich nicht einfach um einen Zusammenschluss von ehemaligen ÖBS-Mitgliedern: «Es sind auch junge Menschen da, die bisher noch nicht politisch aktiv waren», sagte Böhni. Aber natürlich finden sich unter den Gründungsmitgliedern auch altbekannte ÖBS-Namen: Bernhard Egli und Hansueli Bernath, dazu auch René Schmidt. Aller Demut zum Trotz ging es danach gleich mit dem Griff nach den Sternen weiter: Noch ehe die Tinte auf dem Gründungspapier trocken war, nominierte die GLP Katrin Bernath als Kandidatin im Stadtratswahlgang vom 28. September.


**GLP Schaffhausen**
Der Vorstand der Partei
Ueli Böhni, Regula Widmer (Co-Präsidium), Kurt Wirz (Kassier), Dani Spitz (Aktuar), Philippe Schultheiss (Medien), Bernhard Egli, Raphi Kräuchi, Katrin Bernath, Maria Härvelid, Patrick Müntener, Christoph Hak, Martin Weder. (r.)



Nationalrätin Tiana Moser (l.) überbrachte die Grüsse der Mutterpartei an die Sektion Schaffhausen, die von Regula Widmer und Ueli Böhni präsidiert wird. Mit Katrin Bernath (r.) will die Partei in der Stadt mitregieren.
Bild B. + E. Bührer

#Allgemeines

28. Juni 2014 | Ein Hundertster mit wehenden Fahnen und herben Enttäuschungen

Schaffhauser Nachrichten
von Mark Liebenberg

Die Stadt, in der er geboren wurde und in der er immer gelebt hatte, kam einen Tag zu spät zum Fest. Der Fussballclub, den er ein Leben lang unterstützt hatte (und dessen Ehrenmitglied er seit 38 Jahren ist), liess den hundertsten Geburtstag von Edwin Bührer ebenfalls unbemerkt verstreichen. Das waren die Wermutstropfen, die Edwin Bührer an seinem hundertsten Wiegenfest zu schlucken hatte.
Doch die guten Nachrichten zuerst: Eine stattliche Anzahl Aktiver und Alter Herren der Handelsschulverbindung Commercia Schaffhausen erwies ihrem rüstigen Ältesten Edwin Bührer v/o Strom am Geburtstag die Ehre bei ihm zu Hause an der Tödistrasse, wo sie von Lidwina und Edwin Bührer und Sohn Rolf empfangen wurden. Mit Fahnen, Vollwichs und Gesang feierte die Delegation den Jubilar, und das hat ihn «wahnsinnig gefreut», wie er sagt.

**Warten auf den hohen Gast**
Altherr Strom war ein besonders engagierter Commercianer, schreibt sein Farbenbruder Arthur Tschudi den SN. Geboren vier Jahre bevor die Studentenverbindung selbst gegründet wurde, habe er bis ins hohe Alter Bergtouren für Junge und Alte organisiert. Der Stadtschaffhauser machte seine Lehre beim Bankverein in Schaffhausen und wechselte im Jahre 1941 zur kantonalen Steuerverwaltung. Dort blieb Edwin Bührer bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1979. Er lebt noch heute mit seinem Frau im eigenen Haus im Quartier Buchthalen. Er hat zwei Kinder und drei Enkel. Die Stadt hatte sich für den Mittwoch nach Pfingsten angemeldet um zu gratulieren. Das Ehepaar Bührer lud ein paar Bekannte ein, stellte ein Fläschchen Wein kühl und wartete auf den hohen Gast. Doch niemand kam. Erst am nächsten Tag läutete der zuständige Stadtrat und brachte Glückwünsche vorbei. Irrtum oder Versäumnis? Das ist einerlei: «Das hat mich schon etwas enttäuscht», sagt Bührer gegenüber den SN. Ebenfalls herb enttäuscht sind die Bührers vom FC Schaffhausen. Nicht einmal eine Glückwunschkarte traf ein – obwohl Bührer 28 Jahre (!) dem Vorstand angehört und während vieler Jahre den Kiosk im Breitestadion geleitet hatte. Ganz anders der FC Zürich, bei dem Bührer ebenfalls Mitglied ist. Noch vor dem Geburtstag trudelte an der Tödistrasse ein Original-Spielertrikot ein mit allen Unterschriften der ersten Mannschaft des FCZ. Nebst einem persönlichen Glückwunschschreiben von FCZ-Präsident Ancillo Canepa. «Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut», sagt Bührer.



Mitglieder der Aktivitas und einige Alte Herren der Verbindung Commercia machten dem rüstigen Altherr Edwin Bührer v/o Strom zu Hause ihre Aufwartung.
Bild zvg/David Schöttli



Ein Trikot des FC Zürich mit Autogrammen aller aktuellen Spieler.
Bild zvg

#Allgemeines

26. Juni 2014 | «Die Aufgaben sind nicht schwieriger, aber einfach anders»

Schaffhauser Nachrichten
von Erwin Künzi

**Kopf der Woche: Alexander Alder, Hauptlehrer für Mathematik an der Kantonsschule Schaffhausen, zu den Maturitätsprüfungen**

Gestern gingen an der Kantonsschule die Maturprüfungen zu Ende, am Abend erhielten die letzten Schülerinnen und Schüler ihre Resultate. Auch für Alexander Alder, Hauptlehrer für Mathematik, war die Arbeit beendet. Den Überblick darüber, die wievielte Matur genau das für ihn gewesen war, hat er in all den Jahren, die er an der Kantonsschule unterrichtet, verloren. 1976 stand er zum ersten Mal als Hilfslehrer vor einer Klasse, 1983 erhielt er ein volles Pensum. Aber erst nach achtjähriger Tätigkeit als Hauptlehrer durfte er eine Matur abnehmen.
Nach seinem Mathematikstudium standen Alder beruflich viele Möglichkeiten offen, er entschied sich dann für den Lehrerberuf, denn «es ist ein Privileg, wenn man über Sachen sprechen kann, die einen interessieren», erklärte er im Gespräch mit den SN. Die Schule hat er nie gewechselt: «Schaffhausen gefällt mir als Wohnort gut, und die Schüler an der Kanti sind angenehm – alles Gründe, um hier zu bleiben.» Was versteht er unter «angenehmen Schülern»? «Sie sind anständig, es gibt kaum disziplinarische Probleme, und die Zusammenarbeit ist in der Regel gut.» Die Früchte dieser Zusammenarbeit können die Schüler an der Matur ernten. Wie unterscheidet sich eine Mathematik-matur von heute von einer vor 20 Jahren? «Zum einen hat sich stofflich einiges geändert», so Alder. «Wir behandeln heute Themen, die früher der Hochschule vorbehalten waren.» Zum anderen erlaube es der Einsatz von technischen Hilfsmitteln (Computer, Taschenrechner), Aufgaben zu stellen, die einen hohen Rechnungsaufwand erforderten. Heisst das, dass die Aufgaben heute schwieriger sind? «Sie sind nicht schwieriger, aber einfach anders», sagt Alder. Veränderungen stellt Alder aber auch bei den Schülern fest: «Die Maturanden können sich heute in der Regel besser verkaufen», ist ihm aufgefallen. 20 Prozent der Maturanden sind in Mathematik «grob ungenügend»: «Das sind mehr als früher», so Alder. Dann gab und gibt es aber auch die, die aus der Masse herausragen. So erinnert sich Alder an einen Schüler, der heute Professor für Mathematik an der Universität Konstanz ist. «Aber dass der gut ist, sah man schon in der ersten Klasse.» Und was hat sich im Rückblick sonst noch geändert? «Vor mehr als 20 Jahren wurde während der Prüfungen im Lehrerzimmer Wein serviert. Heute geht es nüchterner her und zu», erinnert sich Alder mit einem Lachen.


**Zur Person**
*Alter*
62
*Zivilstand*
Verheiratet, drei erwachsene Kinder, sechs Enkel
*Wohnort*
Schaffhausen
*Hobbys*
Velofahren, Wandern, Kajak, Stacheln, Lesen, Schach
*Aktuelle Lektüre*
Der englische Krimi «Locked In» und ein Buch mit Limericks



Seit 1976 – zuerst als Hilfslehrer, später als Hauptlehrer – unterrichtet Alexander Alder an der Kantonsschule Mathematik.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

25. Juni 2014 | «Keine Haie im Rhein»: Kampagne für Sicherheit an Flüssen und Seen

Schaffhauser Nachrichten
von Daniel Jung

Auf dem Bodensee und auf dem 21 Kilometer langen Rheinabschnitt bis Schaffhausen ereigneten sich im letzten Jahr insgesamt 14 Badeunfälle. Dabei konnten fünf Badende verletzt geborgen werden – neun Personen verunglückten tödlich. Ein Fall im letzten Jahr geschah auf dem Rheinstück zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen: Am 13. Juli 2013 ertrank bei Diessenhofen ein 18-jähriger Schwimmer.

**Übermut und körperliche Grenzen**
«Bei jüngeren Personen sind es oft Übermut oder Selbstüberschätzung, die zu Unfällen führen», sagte Urs Eberli, Dienstchef der Thurgauer Seepolizei, gestern an einer Medienkonferenz auf dem Motorschiff «Stein am Rhein» der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Bei älteren Personen seien es oft Herz-Kreislauf-Probleme, die zu Badeunfällen führten. Um über die Risiken des Rheins zu informieren, führen die verantwortlichen Stellen regelmässig Präventionskampagnen durch. In diesem Jahr heisst die gemeinsame Kampagne der Schweizer Wasser- und Seepolizeien «Keine Haie in diesem Fluss». An beliebten Badeplätzen und Einstiegsstellen für Schlauchbootfahrer wurden bereits grosse Tafeln angebracht. Darauf heisst es: «Die Schaffhauser Polizei und die Kantonspolizei Thurgau geben Entwarnung: Auf dem Hochrhein besteht garantiert keine Gefahr durch Haifische.» Jedoch könnten Wiffen, Brückenpfeiler oder Kursschiffe eine Gefahr darstellen. Daher sei es wichtig, dass Bootsbenutzer und Badende gewisse Regeln einhielten.

**Polizeipräsenz auf dem Rhein**
«Der Hai soll Aufmerksamkeit auf sich ziehen», sagte Martin Tanner, Chef der Schaffhauser Verkehrs- und Wasserpolizei. Ein Vorteil der neuen Kampagne sei es, dass sie in mehreren Kantonen flächendeckend verbreitet werde. «Unser Ziel ist es, dass sich die Leute stärker ihrer Eigenverantwortung bewusst werden», sagte Tanner. Neben den Plakaten werden auch Wasserbälle und Aufkleber mit dem Hai-Logo verteilt. Zudem ist ein Hai-Schwimmsack erhältlich. Daneben markieren die Schaffhauser Polizei und die Kantonspolizei Thurgau auch in diesem Jahr Präsenz auf dem Rhein, achten auf das richtige Verhalten der Flussbenützer und greifen ein, wenn dies nötig ist. Neben der Polizei informierte gestern auch die Schifffahrtsgesellschaft URh über Sicherheit auf dem Rhein. «Was uns zu denken gibt, ist die schiere Masse an Fahrzeugen, Vehikeln und Schwimmern, die an einem schönen Tag am Wochenende auf dem Rhein ist», sagte Lukas Reimann, URh-Betriebschef. Die grossen Kursschiffe seien eher träge, die Antriebsschrauben gefährlich. Daher seien die URh-Kapitäne darauf angewiesen, dass Schwimmer und Bootsfahrer genügend Distanz einhielten und keine Mutproben oder waghalsigen Manöver durchführten.


**Schifffahrtszeichen: Stahlwiffe mit drehbarem Aufsatz soll Gefahr reduzieren**

Seit Mitte März befindet sich etwa auf Höhe des Schupfens im Rhein ein neuartiges Schifffahrtszeichen, das über einen drehbaren Schwimmkörper verfügt. Mit dem derzeit laufenden Testbetrieb soll abgeklärt werden, ob sich durch die neue Konstruktion die Gefahr der Wiffen für Schwimmer und Freizeitkapitäne reduzieren lässt.
Das neue Schifffahrtszeichen wurde von Bauingenieur- und Architekturstudenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur entwickelt. Das Schaffhauser Baudepartement, das für die Wiffen im Rheinabschnitt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen zuständig ist, hatte bei der ZHAW eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. Von den Projektgruppen wurden verschiedene mechanische und elektronische Lösungen vorgeschlagen. Praktisch getestet wird nun eine Wiffe aus Stahl, die über einen runden, gummierten Schwimmkörper verfügt. Dieser passt sich dem wechselnden Wasserstand an. Bei einer Kollision soll er verhindern, dass Boote oder Schwimmer an der Wiffe hängen bleiben, und sie abweisen. «Der Drehkörper ist immer noch beweglich», sagte Jürg Schulthess, Leiter der Abteilung Gewässer des kantonalen Tiefbauamts, gestern auf dem Rhein. Die Fachleute waren sich vor dem Testbetrieb nicht sicher, ob sich der Schwimmkörper wegen Seegras oder Muscheln bald nicht mehr drehen lassen würde. Letzte Woche haben Taucher der Schaffhauser Polizei verschiedene Kollisionstests mit Schlauchboot, Kanu, Kajak und Weidling durchgeführt und so Erfahrungen gesammelt. «Das Prinzip funktioniert», sagte Schulthess. Keines der Versuchsboote sei hängen geblieben. Der Versuchsbetrieb soll insgesamt rund ein Jahr dauern. Erst danach wird entschieden, ob weitere Wiffen durch den neuen Typ ersetzt werden. Bereits jetzt sei aber klar, so Schulthess, dass auch mit dem neuen Schwimmkörper die Gefahr der Wiffen nicht vollständig eliminiert werden kann. «Es gilt nach wie vor: Immer genügend Abstand zu den Wiffen halten», sagte er. Bisher hat der Versuch mit dem Wiffenprototyp insgesamt 26 000 Franken gekostet. Zwar ist Schaffhausen für den Wiffenunterhalt zwischen Untersee und Rheinfall zuständig, an den Kosten beteiligen sich aber auch das Bundesland Baden-Württemberg und der Kanton Thurgau zu je einem Drittel. (dj.)


**Regeln für Badegäste und Freizeitkapitäne**
*Vorbereitung*
Unbekannte Flussabschnitte sollten vor der Fahrt erkundet werden.
*Flussschwimmer*
In freie Gewässer wagen sich nur gute und geübte Schwimmer.
*Kältekrampf*
Unterkühlung kann zu Muskelkrampf führen. Je kälter das Wasser, desto kürzer der Aufenthalt darin.
*Sichtbarkeit*
Tragen Sie beim Schwimmen eine auffallende Kopfbedeckung.
*Abstand*
Achten Sie auf genügend Distanz zu Fahrgast- und Kursschiffen, Wiffen und Brückenpfeilern.
*Keine Knoten*
Binden Sie Boote nicht zusammen. Sie sind so nicht mehr manövrierfähig.



Die Gefahr auf dem Wasser geht nicht von Haien aus. Jedoch können Wiffen, Brückenpfeiler oder Kursschiffe eine Gefahr darstellen, wenn Schwimmer und Bootsbenützer Risiken eingehen. Das ist die Botschaft einer neuen Präventionskampagne, welche die Schweizer Wasser- und Seepolizeien in diesem Sommer erstmals durchführen. Gemeinsam mit der Thurgauer Seepolizei sprach Martin Tanner, Chef der Schaffhauser Verkehrs- und Wasserpolizei, gestern über die Gefahren im Flussabschnitt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. «Unser Ziel ist es, dass sich die Leute ihrer Eigenverantwortung stärker bewusst werden», sagte Tanner.
Bild Selwyn Hoffmann