#Allgemeines

13. Juni 2007 | Zum Verkteidungsverbot an der Kantonsschule, SN vom 5.6.

Schaffhauser Nachrichten, Meinungen

Schüler noch prüder als unsere Grosseltern

Wenn ich die Vorschläge der Abschlussklassen an der Kanti zur Verkleidungswoche lese, bekomme ich echte Bedenken. Nicht zu viel nackte Haut zeigen, alles mit der Schulleitung absprechen, keinen Unterricht stören. Das sollen die Richtlinien für kommende Jahre sein. Und das haben die Schüler geschrieben. Das ist ja prüder, als es unsere Grosseltern je waren. Die Schüler schwenken damit zu 100 Prozent auf den Kurs des Rektors ein und verkünden gleich noch ein paar Regeln, die nicht einmal dem Rektor in den Sinn gekommen wären. Wenn das die neue Widerstandskultur sein soll, «dänn guet Nacht am sechsi».

Florian Keller, Schaffhausen

Gesellschaftliche Rollen am eigenen Leib ausprobieren

Junge Leute stehen vor den Schulabschlussprüfungen. Wie wird ihre berufliche Zukunft aussehen? Wer von ihnen wird später einmal Ärztin, wer Künstler? Wer Juristin, wer Banker, wer Lehrer? Um solche gesellschaftlichen Rollen schon in der Schulbank am eigenen Leib anzuprobieren (und um von einer Jugend ohne beruflichen Dresscode Abschied zu nehmen), ist es zur Tradition geworden, dass die Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen in der letzten Unterrichtswoche vor den schriftlichen Prüfungen jeweils in ungewohnte Kleider schlüpfen.
Die Lehrpersonen sahen sich einer bunten Schar gegenüber: Hippies, Krawattenträger, Sportlerinnen. Rektor Saxer schickte die Schülerinnen und Schüler kurzerhand nach Hause, mit der Begründung, da sei ein «normaler Unterricht gar nicht mehr möglich». – Warum eigentlich nicht? Im Erwachsenenunterricht sind die Leute je nach Beruf ebenfalls ganz unterschiedlich gekleidet. In Zürich habe ich Kurse für kantonale Beamte geleitet. Einige Teilnehmende waren jeweils uniformiert, die anderen nicht. An der Universität hielt ein Französischprofessor sein Seminar über den Discours indirect libre einmal in Brigadier-Uniform. Der Unterricht litt nicht darunter. Kleider machen Leute, das wissen wir seit Gottfried Keller, aber sie bestimmen nicht die Qualität des Unterrichts.

Ulrich Schweizer, Buch

Ästhetik im Mittelpunkt einer neuen Verbindung

Betreffend den Artikel «Verkleidungsverbot an der Kanti» haben wir eine kleine Kritik anzubringen: Wir Schülerinnen der Abschlussklasse der 3da der DMS beschlossen auf Grund der an unserer Schule dominanten Männerverbindung Scaphusia, eine Gegenverbindung mit ähnlichen Grundsätzen zu bilden. Daher sind wir keine «Turnbändel tragenden Sportgeister», sondern eine neue Schülerverbindung. Anders als bei der Scaphusia ist der Alkohol bei uns auf Grund des Kaloriengehalts tabu. Wir sind sehr um die Gesundheit unserer Mitglieder besorgt. Bei der DMS TV steht die Ästhetik im Mittelpunkt. Neue Mitglieder sind willkommen! Anmeldungen bitte auf DMSTV@gmx.ch

DMS TV, Schaffhausen

#Allgemeines

9. Juni 2007 | Zum Verkteidungsverbot an der Kantonsschule, SN vom 5.6.

Schaffhauser Nachrichten, Meinungen

Was vom guten Maturastreich noch übrig blieb

Seit Mittwöch verfolge ich als Schwester einer Maturandin die Ereignisse um den guten alten Maturastreich – und was davon übrig blieb. Dienstag, 12.00 Uhr: Sitzung mit Rektor, Thema: Verkleidung veboten. Mittwoch, 12.00 Uhr: Sitzung ohne Rektor, Thema: Was ziehen wir an? Erlaubt sei eine Verkleidung, wenn eine klare Botschaft ersichtlich sei», frei nach Saxer. Diese Botschaften waren nicht zu übersehen, aufgemalt auf riesigen Pergamenten. Nein, sie sind nicht gestorben, die echten Kantis vom Emmersberg, und Freude herrschte darüber, die Lehrer anstatt im Pausenräumli heute selbstverständlich draussen anzutreffen. Die Schüler wurden im Plenum nach Hause dirigiert.
Ihr Kritiker, seid doch stolz auf das, was ihr in den vier Jahren aus euren Bengeln für ein schlagfertiges Völklein gemacht habt, sie werden den euch einmal dankbar sein dafür – und ihr ihnen. Ach ja, da fällt mir noch diese Geschichte ein: Minni, Michel und Suse toben auf dem Hof. Eine Nachbarin reisst das Fenster auf. Sie klatscht in die Hände und schreit: Wollt ihr wohl still sein! Da spielen Minni, Michel und Suse woanders. Die Nachbarin ist ihnen zu laut.

Monika Burgener, Hallau

Unhaltbare Repression des Rektors

Nun platzt mir wirklich der Kragen! Letztes Jahr habe ich mich aus Rücksicht auf meine Tochter zurückgehalten. Die damaligen Maturandinnen und Maturanden waren Wochen vor der Matur der Repression des jetzigen Rektors ausgesetzt, in der letzten Schulwoche keinesfalls die jahrelange Tradition der Verkleidungswoche auszuleben. Sie haben einen Weg gefunden und sich alle schwarz gekleidet. Gleichzeitig wurde der Maturastreich verboten und als Gipfel auch eine eigene Maturazeitung. Die Lehrer könnten ja ironisch und sarkastisch auf die Schippe genommen werden. Das zensurierte Resultat war bereits vor einem Jahr ein Schülerbuch nach amerikanischem Vorbild. Kein lustiges und originelles Werk, gestaltet von motivierten Jugendlichen, in ihrer eigenen Sprache, vielleicht im Tonfall manchmal an der Grenze. Aber sollte ein wenig Humor nicht im Lohn eines Kantilehrers inbegriffen sein? Hier muss ich betonen, dass bei meinen älteren Kindern, unter einem anderen Rektor, ein grosser Teil der Lehrerschaft, sogar der Rektor selbst, durchaus mit den Schülern zusammenstand und sich bereitwillig und ebenfalls humorvoll an den Traditionen der Jungen beteiligten. Diese Grosszügigkeit muss bedingungslos in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen vorhanden sein. Diese Lehrer und Lehrerinnen gibt es auch heute noch, aber sie stehen nun ebenfalls unter dem Diktat des Rektors, indem er sie anwies, keine verkleideten Schüler zu unterrichten. Was wollen und verlangen wir eigentlich von jungen Menschen? Sicher keine angepassten, humorlosen Wesen, in ein Schema des amerikanischen Schulbuches gepresst. Sondern eigenständig gestaltend, humorvoll und sich der Einmaligkeit des Jungseins bewusst. Die Maturandinnen und Maturanden haben kurz vor den letzten Prüfungen eine strenge Zeit des «Büffelns» hinter sich. Die Tradition der Verkleidung, des Streiches und der Maturazeitung ist ein Ventil und das letzte Gemeinschaftserlebnis kurz vor dem Auseinandergehen. Übrigens: Vor 30 Jahren war diese heute verpönte Verkleidung ganz normale Alltagskleidung, über die sich kein Lehrer aufregte.

Franziska Brenn, Neuhausen am Rheinfall

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9. Juni 2007 | Härte und Disziplin

Schaffhauser Nachrichten, Leitartikel
Robin Blanck

An der Schaffhauser Kantonsschule hängt der Haussegen schief: Die Schulleitung hat rund 150 Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt. Die eine Hälfte der Heimgeschickten kam in Anzug und Krawatte, die andere im Hippie-Stil mit Batiktuch und Blümchenmuster zur Schule. Diese grobe Provokation der Schülerschaft durfte man sich nicht bieten lassen. Während die dumpfe Gewaltbereitschaft der Verkleidungstäter sich bereits in der Wahl des Hippie-Looks augenfällig manifestierte, stellte die Aktion zudem ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko für die Schule, die rechtsstaatliche Ordnung sowie die Grundfesten unserer Zivilisation dar. Man stelle sich nur einmal vor, welche kriminelle Energie Langhaarperücken und Seidenkrawatten aus einer Horde junger Menschen herausholen können: Gemeinsames Liedersingen! Im Schneidersitz! Auf dem Pausenplatz! In der Pause! Man kann von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Angesichts der Schwere des Vergehens durften _die geständigen Täter nicht mit Milde rechnen: Sie wählten den harten (Nachhause-) Weg. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn die Schüler – wie derzeit in verschiedenen, weniger problematischen Schulen häufig anzutreffen – sich gegenseitig mit Waffen bedroht, Drogen bis zum Exzess konsumiert oder nur zweimal im Jahr den Weg ins Klassenzimmer gefunden hätten. Da hätte man ja drüber reden können, in freundlichen Therapiezimmern, denn eine Lösung gibt es ja immer. Nachdem sich diese Kantonsschüler aber vier Jahre lang mit Literatur, Fremdsprachen, Philosophie, Mathematik, Biologie, Geografie und degleichen mehr auseinandergesetzt haben, kann man sich nicht einfach mit ihnen an einen Tisch setzen und vernünftig reden. Nach vier Jahren an der Kanti verstehen die nur Härte, Disziplin und ohni Znacht is Bett!

#Allgemeines

7. Juni 2007 | Dorsch mit «Bierbauch» in Norwegen

Schaffhauser Nachrichten, Von Tag zu Tag

Norwegische Schüler haben einen 14 Kilo schweren Dorsch mit echtem «Bierbauch» gefangen. Die Teilnehmer eines Schullandheim-Aufenthalts fanden den ungewöhnlichen Fisch am Oslofjord. Weil ihnen der ungewöhnlich kräftige Bauch sofort aufgefallen war, erwarteten die Schüler beim Aufschneiden des Fisches einen mit Krabben, kleinen Fischen und anderer traditioneller Nahrung gut gefüllten Magen. Stattdessen fanden sie eine grüne Halbliterdose mit dänischem Tuborg-Bier.

#Allgemeines

6. Juni 2007 | Stumm «Unrechtsregime herausgefordert»

Schaffhauser Nachrichten, Region
René Uhlmann

Grosse Pause an der Kantonsschule. Gemächlich schlendern Schülerinnen und Schüler auf den Pausenplatz, viele von ihnen setzen sich im Kreis auf den Boden. Gemeinsames Merkmal: Alle haben sie ihren Mund mit Isolierband verklebt.
Das sind die Absolventinnen und Absolventen der Maturklasse, morgen Donnerstag ist ihr letzter Schultag. Mit ihrer Aktion protestieren sie gegen eine Sanktion, die Rektor Urs Saxer am Montag verhängt hatte: Wer «verkleidet» zur Schule kommt, darf den Unterricht nicht besuchen (siehe auch SN von gestern). Wie andere Jahrgänge auch wollten viele (nicht alle) eine – organisiserte – «Verkleidungswoche» durchführen. «Es gab zwei Gruppen: Hippies und Kapitalisten», erklärt Luana Elber, eine Beteiligte. Sie hätten den Unterricht nicht gestört, in der Pause allerdings setzten sich die «Hippies» in Pose, spielten Gitarre und machten auf Blumenkinder. Gestern wären dann die Kapitalisten mit einer Pausenaktion dran gewesen.
Doch jetzt haben sich die Aktivisten dem Willen des Rektors gebeugt; allerdings unter dem erwähnten demonstrativen Protest. Auf einem Flugblatt, unterschrieben mit «die Aufklärer» wird kritisiert: «Die von dem Lehrpersonal vermittelten Werte der kritischen Reflexion, Meinungsfreiheit und dem Entgegenstreben einer glücklicheren und freieren Welt keimten vier volle Jahre in unseren Köpfen, bis sie heute, genau in dieser Stunde, zur vollen Blüte erstarkten und das Unrechtsregime herausforderten.»
Demgegenüber hielt Urs Saxer, der sich gegen Ende der Pause auf dem Platz zeigte, fest: «Die Lehrerschaft hat schon immer Aktivitäten der Abschlussklassen am letzten Tag erlaubt; nicht aber während einer ganzen Woche. Deshalb haben wir von der Lehrerschaft jetzt ein Zeichen gesetzt.»


«Schweigend im Gespräch vertieft»: Protest gegen Rektoratsentscheid.
Bild: René Uhlmann

#Allgemeines

5. Juni 2007 | Verkleidungsverbot an der Kanti

Schaffhauser Nachrichten, Region
Gabriel Vetter

In den letzten Jahren war es an der Kanti Schaffhausen zu so etwas wie einer moderneren Tradition geworden: Die jeweiligen Viertklässler – die angehenden Kanti-Absolventen also – durften den Abschied von ihrem Gymnasium in der allerletzten Schulwoche durch das Tragen von mehr oder weniger einfallsreichen Kostümen auch visuell verarbeiten. Und das sollte auch dieses Jahr nicht anders sein. An die 150 Maturandinnen und Maturanden, die in den kommenden Tagen über ihren schriftlichen Abschlussprüfungen schwitzen werden, liefen gestern Montag verkleidet in ihren Bildungstempel ein. Die einen als farbenfrohe Hippies, die anderen als mit Krawatte und Anzug geschmückte Kapitalisten und ein paar Vereinzelte als Turnbändel tragende Sportsgeister.
Ein bisschen Sozialkritik hier, ein wenig Schulkritik da eben. Eigentlich gar nichts Besonderes. Doch die Kanti bekam dann doch noch eine winzige Note Demonstrations-Thrill à la G 8: Die Aktion wurde von Seiten der Schulleitung kurzfristig aufgelöst, und die 150 kostümierten Schülerinnen und Schüler wurden mit einem Unterrichtsverbot belegt. Sogar die Lehrerinnen und Lehrer wurden von Rektor Urs Saxer persönlich angehalten, keinen Unterricht mit kostümierten Maturanden durchzuführen. Lernverbot als Konsequenz für ein bisschen «Verkleiderlis» – wie kam es so weit?

Kein normaler Unterricht möglich
Rektor Urs Saxer, der für das harte Durchgreifen verantwortlich zeichnet, rechtfertigte sich gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» mit der Erklärung, Kostüme und Verkleidungen aller Art könnten den Unterricht stören. «Wenn eine ganze Klasse als Hippies verkleidet im Schulzimmer hockt, dann ist ein normaler Unterricht gar nicht mehr möglich», sagte Saxer. Anch sollen vereinzelte Räucherstäbchen angezündet worden sein, sagte Saxer. In einer E-Mail, die der Rektor noch gestern Nachmittag an alle Schüler, Lehrer und Mitarbeiter des Gymnasiums geschickt hatte, erklärte Urs Saxer sein striktes Vorgehen folgendermassen: «Eine ‹Verkleidungswoche› ist für mich ein Zeichen an die Lehrkräfte und an die ganze Schule, dass der normale Unterricht für die Abschlussklassen grundsätzlich abgeschlossen ist und jetzt noch einige fröhliche Tage bis zum Beginn der Abschlussprüfungen folgen. Ein solches Zeichen kann ich nicht unterstützen.»
Nun ist es juristisch zumindest heikel, Schüler, oder wie in diesem Falle, ganze Klassenverbände auf Grund von Fröhlichkeit und Bekleidung von der Schule zu verweisen. Saxer stützt sich auf die Schulordnung der Kanti, die besagt, dass auf dem Schulareal alles zu unterlassen sei, was den Unterricht stören könnte. Diesen Zusammenhang wollen die betroffenen Maturanden nicht verstehen. Die Ansicht, eine Krawatte, ein Batikhemd oder eine PACE-Fahne könne den Unterricht und damit den Schulbetrieb existenziell untergraben, mutet auch den Maturanden Matthias Meier seltsam an. «Wir haben nicht böswillig den Unterricht gestört. Unsere Aktivitäten, ein kleiner Demonstrationszug und ein Sit-in auf dem Pausenplatz, fanden nur während der Pausenzeit statt», sagte Meier.

Keine Konsequenzen
Just bei diesen Aktionen seien sie aber. wie es den Maturanden am Dienstag bei einer Sitzung mit dem Rektorat angedroht worden war, der Schule verwiesen worden. Einige der Maturanden meinten auch, dass es fraglich sei, Anzug tragende Schüler vom Areal wegweisen zu dürfen, während sich deren Rektor selbst stets fein geschalt präsentiere.
Um Krawatte oder Batikhemd gehe es Saxer, wie er sagt, aber gar nicht. Für ihn sei es einfach inakzeptabel, wenn Abschlussfestivitäten wie ein Matürastreich über eine ganze Woche ausgedehnt würden. Mit ernsten Konsequenzen wie unentschuldigten Absenzen oder gar Auswirkungen auf die Maturanote haben die Maturanden nicht zu rechnen. Letztere haben für heute weitere Aktionen angekündigt.


Schüler, Hippies, Anarchisten? Die Maturanden wurden nach dem friedlichen Sit-in des Schulareals verwiesen.
Bild: Samuel Hampl

#Notizen zu Namen

29. Mai 2007 | Lt Fesch

FR 25.05.2007: Johannes J. Brunner v/o Fesch (x) wurde nach bestandener Offiziersausbildung bei der Pz/Art OS 22 in Spiez feierlich zum Leutnant der Aufklärung befördert.
Ein richtiger gelber Aufklärer mehr in der S! Herzliche Gratulation und nun viel Erfolg an der HSG!
Dem Vernehmen nach lässt Fesch die Haare jetzt wieder wachsen, um die Rütli-Feier am 1. August besuchen zu können.

#Notizen zu Namen

26. Mai 2007 | Alternative Liste: Florian Keller kandidiert für die Wahl als Ständerat

Schaffhauser Nachrichten, Region
W.J

Die Mitglieder der Alternativen Liste Schaffhausen (ALS) haben an ihrer Versammlung vom vergangenen Donnerstag Florian Keller (Bild) für die am 21. Oktober dieses Jahres stattfindende Wahl in den Ständerat nominiert.
«Nachdem die Sozialdemokratische Partei mit nur einer Kandidatin für den Ständerat kandidieren wird, hat sich für die Vertreter der Alternativen Liste Schaffhausen die Möglichkeit eröffnet, das Kandidatenfeld mit einer eigenen Kandidatur zu ergänzen», heisst es in einer gestern von den «Alternativen» verbreiteten Mitteilung. Mit einer Kandidatur für den Ständerat sorge die ALS dafür, dass auch politisch links stehende Schaffhauserinnen und Schaffhauser beide Linien auf dem Wahlzettel füllen können.
Florian Keller ist 23 Jahre alt. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Alternativen Liste und wurde im Herbst 2004 als Vertreter des Wahlkreises Schaffhausen in den Kantonsrat gewählt. Florian Keller ist neben seinem Studium der Jurisprudenz an der Universität Bern als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund tätig. Er gehört ausserdem zu den Promotoren der jüngsten Lehrstellen-Initiative der ALS.
Neben der Nomination von Florian Keller als Kandidat für den Ständerat beschlossen die Mitglieder der Alternativen Liste ausserdem die Nein-Parole zu der am 17. Juni zur Abstimmung gelangenden fünften Revision der Invalidenversicherung. Der einstimmigen Beschlussfassung ging eine Einführung von Gastreferentin Iren Eichenberger voraus.

#Notizen zu Namen

23. Mai 2007 | Lehrstelleninitiative

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

AL-Kantonsrat Florian Keller und AL-Grossstadtrat Christoph Lenz waren sichtlich zufrieden, als sie die 1189 beglaubigten Unterschriften an Staatsschreiber Reto Dubach überreichen konnten. 1000 wären für das Zustandekommen nötig gewesen. «Wir hatten eine gute Resonanz beim Sammeln der Unterschriften», sagte Keller. «Und das, obwohl wir über die Wintermonate unterwegs waren, in denen es schwerer ist, Leute auf der Strasse anzusprechen», fügte Lenz bei. Und darum geht es: Die Initianten wollen ein Gesetz, welches sämtliche Schaffhauser Betriebe mit Angestellten dazu verpflichtet, einen Anteil der Lohnsumme – im Initiativtext wird der Maximalwert von einem Promille genannt – in einen kantonalen Berufsbildungsfonds einzuzahlen. Aus diesem Fonds sollen Administrativkosten der Ausbildungsbetriebe gedeckt werden: Davon versprechen sich die Initianten eine Attraktivierung der Ausbildung und eine erhöhte Bereitschaft, Lehrlinge auszubilden – was wiederum zu einer Reduktion der Jugendarbeitslosigkeit beitragen würde.

Kantonsrat am Zug
Wie es mit der Initiative nun weitergeht, muss gemäss Staatsschreiber Reto Dubach der Kantonsrat entscheiden: Entweder gibt der Rat eine Abstimmungsempfehlung ab und legt das Geschäft direkt dem Volk vor, oder das Kantonsparlament will einen Gegenvorschlag ausarbeiten. Zeitlich verzögert würde der Volksentscheid durch die Formulierung eines Gegenvorschlages, denn dafür kann sich das Parlament 18 Monate Zeit lassen.


Kantonsrat Florian Keller (r.) und Grossstadtrat Christoph Lenz (l.) bei der Übergabe der beglaubigten Unterschriften an Staatsschreiber Reto Dubach.
Bild: Robin Blanck

#Allgemeines

21. Mai 2007 | Charme und Klasse am Abschlussball

Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite
Hermann-Luc Hardmeier

«Jetzt geniessen wir den Abend», freute sich Anja Cambensy vom sechsköpfigen Organisatoren-Team. Seit Wochen waren sie am Rotieren, um für die 250 Gäste einen unvergesslichen Abend zu gestalten. Die Absolventen in spe wurden zunächst mit einem Apéro und Jazz-Cocktail-Musik empfangen. Danach sorgten zwei DJ für Ball- und Partymusik. Zuerst etwas verhalten, doch dann immer tanzwütiger werdend, stürmten die elegant gekleideten Herrschaften das Parkett und zeigten, was sie im Tanzkurs gelernt hatten. Unter den Gästen befanden sich auch einige Lehrer wie Alex und Siegried Wanner, Unika Weidmann und Etienne Prodolliet, welche den Cha-Cha-Cha schon seit Jahren im Blut haben. Ein Augenschmaus waren wie immer die Kleider der Absolventen. Sandro Scalco trug eine traditionelle Fliege, während etwa Dominik Stamm auf violette Krawatte und violettes Hemd setzte. Matthias Meyer hingegen hatte sich im Kleiderverleih einen schelmischen Dirigenten-Frack ausgeliehen mit Nadelstreifen und stilvoller Taschenuhr. Mehr Spielraum hatten die Damen: Larissa Zengerling trug ein himmelblaues Abendkleid, und eine Dame hatte sich aufwendig ein gelbes Tuch in die Haare geflochten. Ein besonderes Lob gehört Charmeur Roman Sauzet ausgesprochen; er hatte seiner Freundin für den Abschlussball ein sehr chices Collier geschenkt. Kurz vor Mitternacht kürte das OK-Team den Ballkönig Christian Hunziker und die Ballkönigin Astrid Herrmann. Mit Krönchen und roter Robe durften sie sodann ein royales Tänzchen wagen. Der Abschlussball war wie jedes Jahr ein voller Erfolg, und die Stimmung war «hammermässig», wie es eine Organisatorin ausdrückte. So leicht wie ein englischer Walzer werden hoffentlich auch die bevorstehenden Prüfungen übers Parkett gehen.


250 Kantonsschul- und DMS-Absolventen feierten im Park Casino Schaffhausen ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden.


Ball-Veteranen: Siegrid und Alexander Wanner vertraten die Lehrerschaft souverän auf der Tanzfläche.
Bilder: Hermann-Luc Hardmeier

#Allgemeines

16. Mai 2007 | Gleichstellungsbüro für Frauen verlangt

Schaffhauser Bock, Bock-Splitter
Thomas Hauser

Es ist ja kaum zu glauben, dass sich in der heutigen Zeit noch Mitglieder des Kantonsrates nach einem Gleichstellungsbüro erkundigen und sich für die Realisierung eines solchen Projektes stark machen, weil sie feststellen, dass in einem Verwaltungsrat einer kantonalen Institution nur Herren Einsftz nehmen. Frauen, die etwas auf sich geben und ihre Fähigkeiten kennen, machen und machten ihren Weg ohne Gleichstellungsbüro. Diejenigen Damen, die ich aus Beruf, Politik und Bekanntenkreisen kenne, haben ihre Ziele ohne Büro für Gleichstellungsfragen erreicht. Und alles gleichstellen wird man nie können. Auch mit dem verlangten Büro wird der Aftherrenverband der Scaphusia keine Damen aufnehmen. Auch in den Männerchören wird man in nächster Zeit keine weiblichen Stimmen ausfindig machen können. Dass sich jetzt aber der Regierungsrat in zeitaufwändiger Arbeit mit der Beantwortung einer entsprechenden Interpellation beschäftigen muss, finde ich lächerlich und den Steuerzahlern vis à vis ein Affront.

#Notizen zu Namen

8. Mai 2007 | Emotionale letzte SIG-Generalversammlung; «Ich bereue die Kandidatur nicht»

Schaffhauser Nachrichten, Region
Hans-Caspar Ryser

Lag es am bereits mehrheitlich vollzogenen Verkauf der SIG an die
neuseeländische Rank-Gruppe, oder war es die fehlende Information, dass auch Aktionäre, die ihre Aktien Rank bereits zum Verkauf «angedient» hatten, ebenfalls abstimmungsberechtigt waren? Auf alle Fälle ging die gestrige letzte Generalversammlung der SIG-Holding AG in der Industriehalle 1 am Hauptsitz in Neuhausen mit einer rekordtiefen Beteiligung von lediglich 237 Aktionären über die Bühne. Beim Eintreffen der Aktionäre war immer wieder der Satz zu hören: «Nun führen wir eine traurige Geschichte zu Ende.» Dass die Aktionäre dabei nicht schlecht verdienten, blieb dabei jedoch mehrheitlich unerwähnt.

Alle Traktanden genehmigt
Eingangs schilderte Verwaltungsratspräsident Lambert Leisewitz nochmals die Hinter- und Beweggründe, welche zum Verkauf der SIG an die neuseeländische Rank-Gruppe geführt hatten. Bei der anschliessenden Behandlung der Geschäfte gingen bereits beim ersten Traktandum, der Statutenänderung zur Aufhebung der Vinkulierungsbestimmungen und Stimmrechtsbeschränkungen zu Gunsten der Rank-Gruppe als Käuferin von SIG, erstmals die Emotionen hoch. Den Reigen der Wortmeldungen und Vorstösse eröffnete Ewin Somm, früherer Verwaltungsratspräsident der SIG. Er bezeichnete diese letzte Generalversammlung als Farce, da ja bezüglich des Verkaufs der SIG längst schon alles gelaufen sei. Zudem wollte er sich versichern, dass es bei der Bank, welche die Übernahme der SIG begleitete, mit rechten Dingen zu- und herging. Im Weiteren verstehe er nicht, dass das Management für seine Verkaufsanstrengungen als Teil seiner Aufgabe fürstliche Prämien erhalten habe, während die Mitarbeitenden leer ausgingen. Sekundiert wurde Somm anschliessend von Thomas Minder, welcher zu einem Rundumschlag gegen die Incentivezahlungen an das Management ausholte und eine Erklärung zu den geleisteten Prämien und Auszahlungen an das Management verlangte. Kantonsratspräsident Matthias Freivogel appellierte anschliessend an die Verantwortung der neuen Eigentümern bezüglich Firmenhauptsitz und Mitarbeitende. Der Aufhebung der Vinkulierungsbestimmungen als einer der von Rank gestellten Bedingungen zur Übernahme wurde dann schliesslich trotzdem mit grossem Mehr entsprochen.
Auch der von CEO Rolf-Dieter Rademacher präsentierte Jahresbericht inklusive Konzernrechnung wurde mit grossem Mehr von der Versammlung genehmigt.

Mitarbeiter am Gewinn beteiligen
Beim Traktandum zur Verwendung des Bilanzgewinns schlug Edwin Somm in einem Gegenvorschlag vor, statt den Gewinn von 31,1 Millionen Franken auf neue Rechnung zu übertragen, sollten davon 6,5 Millionen Franken an die Mitarbeitenden ausbezahlt werden, um damit ein Zeichen für ihre geleistete Arbeit unter erschwerten Bedingungen zu setzen. Der Verwaltungsrat zeigte sich von diesem Gegenvorschlag überrascht, nahm ihn aber dann doch entgegen. Bevor es jedoch zur Abstimmung darüber kam, verlangte er eine «Auszeit» wie bei einem Eishockeymatch, um mit seinen Anwälten und Rechtsberatern darüber zu beraten.
Nach beschlossener Nein-Parole lehnte dann die Versammlung den Gegenvorschlag mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 77,2 Prozent gegenüber einem 22,6-Prozent-Ja-Stimmen-Anteil ab. Praktisch diskussionslos passierte das Traktandum zur Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung für das Geschäftsjahr 2006.

Kein lokaler Verwaltungsrat
Beim Traktandum «Verwaltungsratswahlen» lehnte die Versammlung es ab, Martin Frey als lokales Verwaltungsratsmitglied in den neu zu bestellenden Verwaltungsrat aufzunehmen. Dies, nachdem bereits die Rank-Gruppe den Vorschlag von Martin Frey abgelehnt hatte. Als neuer Verwaltungsratspräsident gewählt wurde Thomas Degnan von der Rank-Gruppe. Auch der nicht anwesende Graeme Hart, Mehrheitseigentümer der Rank-Gruppe, Rolf-Dieter Rademacher und Jakob Höhn wurden neu in das Aufsichtsgremium gewählt.
Abschliessend hob der neu gewählte Verwaltungsratspräsident Degnan nochmals die Vorteile des Zusammengehens von Rank und SIG hervor und gab seiner Freude Ausdruck, mit den 4000 SIG-Mitarbeitenden die Erfolgsstory des Unternehmens fortschreiben zu können.

**«Ich bereue die Kandidatur nicht»**

Der Schaffhauser Wirtschaftsanwalt Martin Frey stellte an der gestrigen Generalversammlung den Antrag zur Zuwahl seiner Person in den neuen Verwaltungsrat. Er wollte die Stimme der Region im neuen Verwaltungsrat vertreten. Der Antrag wurde mit 77 Prozent der Stimmen abgelehnt.

*Herr Frey, Sie wurden klar nicht gewählt. Wo waren die Leute, welche die Faust im Sack machen?*
Die Generalversammlung war eine Farce, denn 90 Prozent der Stimmen waren durch die Rank-Gruppe und den unabhängigen Stimmrechtsverwalter vordefiniert. Die meisten Aktionäre sind aus Frust und Unkenntnis über ihre Rechte überhaupt nicht gekommen. Normalerweise waren an der GV jeweils 600 Leute da, gestern waren es nur 237.

*Sind Sie enttäuscht?*
Nein, ich bin sehr zurfrieden und bereue nichts. Ich habe das bestmögliche Resultat erreicht. Vor allem bin ich aber dankbar für all die anderen Votanten, die sich Luft gemacht haben.

*Rank übernimmt das SIG-Management und spricht sich für den Standort Neuhausen aus. Kann man das nicht als Zeichen der Kontinuität werten?*
Diese Botschaft hör ich gern, allerdings fehlt mir etwas der Glaube. Ich bin aber froh, dass der neueVerwaltungsratspräsident Degnän da war, der bei mir einen guten Eindruck hinterliess. Es hat mich gefreut, daso er sich explizit zum Standort Neuhausen geäussert und auch Bezug genommen hat auf die Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Gemeinde Neuhausen.

#Notizen zu Namen

7. Mai 2007 | Steinchen im Mosaik der Rank bewahren

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Doris Kleck

Heute geht ein Stück Schaffhauser Industriegeschichte zu Ende. 154 Jahre ist es her, dass die Gründerväter Friedrich Peyer im Hof, Heinrich Moser und Conrad Neher die «Schweizerische Waggons-Fabrik bei Schaffhausen» gründeten. Man wollte sich die Wasserkraft des Rheinfalls zu Nutze machen. Das erklärt das Kuriosum, dass die ersten Eisenbahnwagen mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert werden mussten, weil keine Gleisanschlüsse zum Werkgelände führten. Die Gründung der SIG erfolgte aber nicht nach dem damaligen Schema F für Unternehmensgründungen: Die SIG war nie ein eigentlicher Handwerksbetrieb, der stetig wuchs. Im Gegenteil, die Gründerväter fuhren im grossen Stile ein: Von Beginn weg arbeitete die SIG mit einer Belegschaft von rund 150 Mann. Die SIG war eine richtige Fabrik. Ein wichtiger Arbeitgeber. Und der Stolz der Schaffhauser Bevölkerung.

Region Schaffhausen vertreten
An diesem Punkt setzt die Geschichte des Schaffhauser Wirtschaftanwaltes Martin Frey ein. Kürzlich habe ihn ein ehemaliger SIG-Mitarbeiter gefragt, ob er wisse was SIG heisse. Nein, nicht «Schweizerische Industrie-Gesellschaft», klärte ihn der Mitarbeiter auf. Stattdessen? «Si Isch Gsii». Der Verlust der Eigenständigkeit und das Aufgehen in der neuseeländischen Rank-Gruppe errege die Gemüter in der Region Schaffhausen, meint Frey. Sorge für Unsicherheit. All diesen Leuten, welche die Faust im Sack machen, will der Anwalt seine Stimme geben. An der heutigen Generalversammlung will er sich deshalb zur Wahl in den Verwaltungsrat stellen. Er ist der Meinung, dass das Lokalkolorit auch unter der neuen Führung der Rank-Gruppe im Verwaltungsrat vetreten sein sollte. Er sieht sich als Bindeglied zwischen der Region Schaffhausen und der SIG Holding. Und er will sich dafür einsetzen, dass der Sitz der SIG Holding in Neuhausen ebenso wie die Arbeitsplätze erhalten bleiben – wenn nicht sogar ausgebaut werden. Sein Vorgehen gründet ein Stück weit auch auf seiner Irritation über den Kanton und die Wirtschaftsförderung, die den Verkauf als Fait accompli hingenommen haben. Notwendig war der Verkauf seiner Ansicht nach keineswegs. Auch in einer globalisierten Welt könne eine Unternehmung ihre Eigenständigkeit bewahren, wenn sie es wolle. Doch jetzt will er aus der Situation das Beste machen: «Das bin ich auch meinen Vorfahren schuldig.»
Denn Martin Freys Jugend war eng mit der SIG verknüpft. Schon sein Urgrossonkel Hermann Frey amtete zwischen 1898 und 1927 als Verwaltungsratspräsident. Anschliessend führten Grossvater Oscar und Vater Rene Frey das Unternehmen bis 1975. Seine erste Erinnerung an die SIG? «Das war 1957, als die SIG den Auftrag der Schweizer Armee für das Sturmgewehr bekam. Da knallten die Korken im Haus. Doch als Sechsjähriger realisierte ich nicht genau, was der Grund war, der mich am Schlafen hinderte.» Mit der Herstellung von Waffen begann die SIG bereits 1860. Das Waffengeschäft diente als zweites Standbein neben dem Waggonbau, um sich gegen Krisen in einer Branche abzusichern. Das Konzept der Diversifikation hatte damals gerade seine Gültigkeit. So stieg die SIG 1906 auch in den Markt für Verpackungsmaschinen ein. Automobile, Elektrofahrzeuge und Pressluftwerkzeuge hatte sie ebenso im Angebot. Und Viehenthäuter. Martin Frey erinnert sich, wie er einmal von der Geschäftsleitung ins Schlachthaus abdelegiert wurde, um die Funktionalität des Viehenthäuters zu überprüfen. Den Blick auf die Kuh, die mit dem Bolzen erlegt und hernach enthäutet wurde, wollten sich die Chefs ersparen.

Einkaufstour mit Boutellier
Es war Roman Boutellier, CEO von 1999 bis 2004, der bei Martin Frey die Erinnerung an diese Anekdote wieder weckte. Denn Boutellier sagte an einer GV zur Rechtfertigung der neuen Fokussierungsstrategie aufs Verpackungsgeschäft: «Stellen Sie sich mal vor, die SIG hat gar einmal Viehenthäuter hergestellt.» Der St. Galler Professor Boutellier wusste aus den Lehrbüchern, dass die Zeit der Diversifikation vorbei war. Die Konzentration auf die Kernkompetenzen war angesagt. Die SIG stiess den Schienenfahrzeugbau und das Waffengeschäft ab.
Das war im Jahr 2000. Doch die eigentliche Zäsur in der SIG-Geschichte fand bereits 1989 statt, auch wenn man dies damals nicht unbedingt als solche erkannte. Noch unter der Leitung von Ulrich Dätwyler stieg die SIG mit dem Kauf der deutschen Papier- und Klebstoffwerke Linnich GmbH (PKL) in das Geschäft mit Verpackungen von flüssigen Lebensmitteln ein. Milch, Saft, Suppen oder Saucen zum Beispiel. «Mit dieser Akquisition wurde aus der überschaubaren Firma ein europäischer Konzern», meint Martin Frey heute. 1998 wird die PKL in SIG Combibloc umbenannt. Und die SIG Combibloc ist heute die weit wichtigere der zwei noch verbliebenen Divisionen: Combibloc erzielte im letzten Jahr einen Betriebsgewinn von 104 Millionen Euro, die Sparte SIG Beverages (Kunststoffflaschen) wies eine Million Euro als Betriebsgewinn aus.
Im Prinzip wurde aus der SIG mit dem Kauf der PKL ein deutscher Konzern. Bei- den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der SIG 2003 meinte denn auch Boutellier: «Das Unternehmen identifiziert sich nicht mehr mit Neuhausen, sondern mit der Marke SIG.» Der Ausspruch hat aber nicht nur damit zu tun, dass die Zahl der Mitarbeiter in Neuhausen seit 1991 von 2500 auf 250 geschrumpft ist, sondern auch damit, dass die SIG unter Roman Boutellier fleissig auf Einkaustour ging. «Boutellier verfolgte eine Hunter-Strategie, die offensichtlich falsch war», meint Martin Frey heute. HambaFilltec, Alfa und Simonazzi sind Beispiele von Firmen, die im Jubiläumsbuch der SIG noch in den höchsten Tönen als Neuakquisitionen gelobt, kurze Zeit später aber wieder abgestossen wurden. Dass die Bereinigung des Konzernportfolios mit hohen Kosten verbunden war, versteht sich von selbst.

Verkauf der SIG Pack
Unter dem «Gesundschrumpfungsprozess», der mit der Fokussierung auf die Verpackung für Flüssigkeiten einherging, verkaufte die SIG auch die in Beringen ansässige SIG Pack. Diese Division stellte Verpackungsmaschinen für Stück- und Schüttgüter her und beschäftigte weltweit 1750 Mitarbeiter, davon 700 im Werk Beringen. Die Ankündigung kam ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2003, das unter dem Motto «Gemeinsam in die Zukunft» stand, und schlug in der Region hohe Wellen. Martin Frey bezeichnet diesen Verkauf an den Bosch-Konzern als «Todesstoss» für die SIG. Weshalb? «Das war für mich ein Schritt zu viel in Richtung Fokussierung», sagt der Schaffhauser, der aber auch hinzufügt, dass die Konzentration auf das Verpackungsgeschäft grundsätzlich richtig gewesen sei. Er argumentiert allerdings, dass sich die SIG heute mit einer übermächtigen Konkurrentin messen muss: Tetra Pak hat im Bereich der Verpackungen für Flüssigkeiten eine klare marktbeherrschende Stellung inne. Deshalb beurteilt er die eindimensionale Fokussierung auf die Flüssigkeiten als eine Gefahr für die SIG: «Die SIG hat sich damit selbst zum perfekten Übernahmekandidaten gemacht.»

Ruhe kehrt hoffentlich wieder ein
Und der Rest der Geschichte ist ja hinlänglich bekannt. Die SIG wird vom Schweizer Aktienmarkt verschwinden. Ihre Zukunft liegt in der Hand der neuseeländischen Rank-Gruppe. Martin Frey rechnet nicht damit, dass er in den Verwaltungsrat gewählt wird.
Doch was wäre wenn? Die Fokussierung sei jetzt natürlich durchgezogen, daran könne er nichts mehr rütteln, sagt Frey. Schliesslich wisse er aber auch nicht, wie die SIG innerhalb der Rank-Gruppe positioniert sein werde: «Vielleicht passt ja die SIG wie ein Mosaiksteinchen in die Rank-Gruppe. Dann geht es darum, das Mosaiksteinchen innerhalb der Gruppe in Neuhausen zu bewahren.» Oder vielleicht gar auszubauen. Nach der Abwehrschlacht gegen Tito Tettamantis Sterling und dem Bieterkampf mit Elopak und Rank sind jetzt immerhin wieder die Kräfte frei, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das operative Geschäft.


Martin Frey will in den Verwaltungsrat der SIG, damit auch die Region Schaffhausen vertreten ist.
Bild: Doris Kleck

#Allgemeines

28. April 2007 | Bologna-Reform zeigt klare Konturen

Schaffhauser Nachrichten, Inland
Hans Wicki

Hatten die Studierenden in den Siebziger- und Achtzigerjahren – zumindest in einigen Fakultäten – ihren Lehrplan noch weit gehend nach eigenem Gutdünken zusammenstellen können, so ändert die Bologna-Reform nun Grundlegendes. Die Studienzeiten wurden gekürzt, die Programme in eine klare Struktur gegossen, das Studieren wird zur harten Arbeit. Dies zumindest auf dem Papier.

Fächerangebot bleibt breit
In der Realität müssen sich ein Anfänger, eine Anfängerin bereits weit gehend im Klaren darüber sein, wie ihr Studienweg aussehen soll. Dafür bietet ihnen die Universität Zürich im Internet ein breit gefächertes Angebot und weist auch die Richtung zum Erfolg. Zudem bieten einzelne Fakultäten ein Assessment-Jahr an, das Aufschluss darüber gibt, ob die gewählte Richtung die richtige ist.
Für Andreas Fischer, Prorektor der Geistes- und Sozialwissenschaften, kommt die neue Form der Verschulung den Studierenden entgegen, da sie jeweils genau wissen, wo sie stehen. Uni-Rektor Hans Weder gab jedoch zu, dass in den nächsten Jahren die Optimierung weitergehen muss. Immerhin handle es sich hier um die grösste Studienreform der Uni Zürich seit ihrer Gründung 1833.
Die 1999 beschlossene Reform ist in Zürich in fünf der sieben Fakultäten realisiert; die Medizinische und die Vet-Suisse-Fakultät beginnen diesen Herbst; die Umsetzung dürfte 2010 abgeschlossen sein.
Von den rund 23 900 Studierenden sind jetzt bereits deren 5000 in den entsprechend angelegten Studienrichtungen, wobei Fischer betonte, dass die Studierenden von der Vielzahl von neuen Kombinations- und Wahlmöglichkeiten profitierten, zumal die Uni Zürich im Gegensatz zu Basel nicht auf selten gewählte Fächer verzichte. Allein in der Philosophischen Fakultät besteht die Möglichkeit, aus 42 Haupt- und 84 Nebenfächern eine Kombination zu erstellen. Um in der globalisierten Welt dabei zu sein, baut die Uni ihr internationales Netz weiter aus.

Umstellung Die Fakultäten passen ihre Strukturen laufend an
Um ihren Studierenden im Rahmen des Bologna-Prozesses mehr zur Seite zu stehen, wendet die Leitung der Uni Zürich gegen 13 Millionen Franken auf; dazu gehört vor allem ein Ausbau der Professorenzahl, um die Betreuung der Studierenden zu verbessern. Dem Uni-Finanzchef Stefan Schnyder schwebt ein Zielwert von 60 Studierenden pro Professor vor, ein Wert, der vor allem in den Geisteswissenschaften noch lange nicht erreicht ist. Als Erste haben die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (im Wintersemester 2004/2005) auf Bologna umgestellt. Die Theologische, die Rechtswissenschaftliche sowie die Philosophische Fakultät folgten ein Jahr später. Das Lizenziat wird durch die an angelsächsischen Universitäten vergebenen Bachelor und Master ersetzt. Als letzte Fakultäten folgen im Herbst die Medizinische und die Vet-Suisse-Fakultät. Reformiert wird auch die Doktoratsstufe. Zwar bleibt die Dissertation, sie kann aber ab 2008 durch andere Kompetenzen ergänzt werden.

#Allgemeines

28. April 2007 | Jubiläumsprojekt Publikationen

Mitteilungsblatt für Scaphusianer «Litteris et Amicitiae»
Nr. 114, 28. Jahrgang, 2 – 07, 28. April 2007

Jubiläumsprojekt Publikationen

Die Projektgruppe dankt an dieser Stelle wiederum allen Sponsoren, die einen Beitrag geleistet haben, bestens! Noch ist allerdings das Sponsoringziel nicht erreicht. Wir sind weiterhin auf Beiträge angewiesen. Wer einen solchen leisten möchte, ist eingeladen, dies auf das Konto:
Alt-Scaphusia, Sparkonto Nr. 566.282-4 703
Rubrik Festschrift Clearing 782
IBAN Nr. CH7800782005662824703 (Schaffhauser Kantonalbank)
zu tun. Vielen Dank!
Auskünfte erteilt gerne der Gesamtprojektleiter (P 052 624 87 07 oder G 052 632 73 68).
Im Namen der Projektgruppe Publikationsprojekte
Roland E. Hofer v/o Ortho


Auf dem Beringer Randenturm
Bummel der Aktivitas am 25. August 1936
Heinz Vogelsanger v/o Chlöpf, Alfred Specht v/o Rüebli, Oskar Wanner v/o Strick, Hanns Deggeller v/o Forsch, Willi Rüedi v/o Gockel (hinten v.l.); Kurt Georg Bächtold v/o Spitz (vorne)


Familienabend 1944
Aufführung von Georg Büchners «Leonce und Lena»
Hans Schenker v/o Pfau (links) als Valerio und René Benes v/o Quax als Leonce


Fussballmatch Aktivitas-AH im Verbindungsjahr 1953/54
Helmut Groner v/o Romeo, Peter Keller v/o Top, Willi Helg v/o Nathan, Gerhard Iten v/o Glotz, Hans Stihl v/o Hengst, John P. Naegeli v/o Bison, Fredi Ehrat v/o Pablo, Peter Uhlmann v/o Sprudel (hinten v.l.); Jürg Zimmermann v/o Pfuus, Martin Schmuziger v/o Pendel, Beat Kratzer v/o Schläck, Paul Streckeisen v/o Cato (vorne v.l.)


Weihnachtscommers 1973


24. August 1978
120 Jahre Scaphusia
Scaphusia-Chor unter der Leitung von Hans Neukomm v/o Büsi
Markus Werdenberg v/o Flaus, Kurt Gehring v/o Proper, Ueli Böhni v/o Süüle, Hans Wanner v/o Ohm, Rudolf Oechslin v/o Tank, Hansjürg Gfeller v/o Gral, Stefan Klaiber v/o Zirkel, Michael Singer v/o Cortex (v.l.)


27. August 1983
125 Jahre Scaphusia, Festcommers
«Ein Scaphusianer im Himmel»
Eduard Ulrich v/o Pfiff (links) und Peter Schudel v/o Mufti


28. August 1983
125 Jahre Scaphusia, Steiner-Tag
Frühschoppen auf dem Rathausplatz in Stein am Rhein


Steiner-Stamm am 20.6.1997
Rolf Mattes v/o Hassan, Willi Richli v/o Häpf, Gubler v/o Stift (T), Peter Hauser v/o Star (V), Stierlin v/o Schwoof (V) (v.l)


Fuxenspritze der Generation 1997 am 2. Mai 1998
Fuxenlauf beim ersten Posten
Simon Thoma v/o Schwung, Marco Zeltner v/o Duro, Lorenz Textor v/o Idefix (v.l.)


Wintersemesterbummel am 22. Januar 2000 durch den Klettgau
Zahm, Arcan, Wolke, Mufti, Moses, Hassan, Pauke, Figaro, Hit, Vox, Laser, Drill, Zaggi, Strubel, Lumen, Nemo, Wirbel (v.l)

#Allgemeines

19. April 2007 | Widerstand gegen den Liftstandort

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Der geplante Einbau eines Liftes in der Kantonsschule Schaffhausen sorgt für Aufregung: Erstaunen über das Bauvorhaben direkt vor der Tür der Aula im ersten Stock des Altbautraktes macht sich bei Nutzern des Raumes breit. Nur gerade 140 Zentimeter werden nach Fertigstellung zwischen der Aulatür und dem Liftschacht liegen. Aber vielleicht kommt es ja gar nicht so weit, denn wie Nachfragen der SN nun ergeben haben, regt sich auch in der Lehrerschaft der Kantonsschule Widerstand gegen das Vorhaben. 60 Lehrerinnen und Lehrer haben eine Petition unterschrieben, welche gegen den Bau des Liftes am umstrittenen Standort gerichtet ist. Aufgezogen wurde die Unterschriftensammlung von den drei Kantilehrern Eduard Schwyn, Hans-Rudolf Dütsch und Hugo Litmanowitsch. Die Unterschriftensammlung richtet sich nicht gegen die behindertengerechte Erschliessung des Altbaus, «dagegen kann niemand etwas haben», sagt Schwyn. Aber der Standort löst bei Gegnern des Vorhabens Kopfschütteln aus. «Das wäre ein unglaublicher Eingriff in die 107-jährige Geschichte dieses Hauses», sagt Schwyn.

Fünf Varianten
Gemäss Schwyn seien fünf Varianten für den Liftbau verglichen worden: Zwei Aussenlift-Varianten, eine gleich neben der Aula, wo jetzt noch Büros sind, dann der Einbau eines Treppenliftes (wie es ihn im Kanti-Neubau schon seit 17 Jahren gibt) und die nun gewählte Variante unmittelbar vor der Aulatür. «Diese fünfte Variante, die aus Kostengründen ausgewählt wurde, finden wir unakzeptabel Besonders nachdem die Aula erst gerade für eine Million Franken renoviert wurde». Anfangs hätten nur Aufkleber am Boden den Standort des Liftes markiert, deshalb haben die Gegner sich kurzerhand Stangen aus dem Turngeräteraum geholt und diese aufgestellt. «Da waren die Unterschriften schnell zusammen», sagt Schwyn. Statt der vorliegenden Variante wäre den Gegnern ein Treppenlift oder die Variante neben der Aula lieber.
Wie Thomas Stamm, Prorektor der Kantonsschule, erklärt, sei der Anstoss zum Liftbau aus dem kantonalen Hochbauamt gekommen, das die Umbauarbeiten in Namen des Kantons vornimmt. Das grundsätzliche Ziel sei es, auch den Altbau für Rollstuhlfahrer zugängig zu machen. Das werde so auch von der Schulleitung mitgetragen-Der Lift soll künftig aber auch Gästen und Lehrern, die Mühe mit Treppensteigen haben, und für Materialtransporte zur Verfügung stehen. Die Aussage der Gegnerschaft, wonach gehbehinderte Schüler durch eine geschickte Schulraumplanung in ebenerdigen Räumen unterrichtet werden könnten, weist Stamm zurück: «Das geht gerade bei jenen Fächern, in denen Instrumente benötigt werden, nicht, denn diese Ausrüstung befindet sich in den oberen Etagen.» Dass es sich beim Liftprojekt um einen «Eingriff» handelt, versteht die Schulleitung, trotzdem: «Für uns steht der funktionale Aspekt im Vordergrund.» Zudem sei der Liftschacht vor der Aula teilweise verglast, was die Erscheinung abmildere. Auf die Frage, weshalb die andere Variante neben der Aula nicht weiterverfolgt worden sei, erklärt Stamm: «Das wurde durchgerechnet und hat sich als sehr teuer erwiesen. Die Baukosten würden sich auf über 600 000 Franken belaufen, noch nicht darin eingerechnet sind die Aufwendungen für den Ersatz der wegfallenden Räumlichkeiten», so Stamm, «solche-Ausgaben kann man nicht verantworten.» Die nun gewählte Variante koste mit 410 000 Franken deutlich weniger und sei deshalb vorzuziehen. Die Option einer aussenliegenden Liftanlage habe sich schnell erledigt, weil damit das Erscheinungsbild des Gebäudes zu stark verändert worden wäre.
Wie Kantonsbaumeisterin Katharina Müller erklärt, betrachte das Bauamt die nun losgetretene Auseinandersetzung als «schulinternen Konflikt». Die Planung habe stets in Absprache mit den Nutzern – der Schulleitung – stattgefunden, die entsprechende Baueingabe sei auch von der Schulleitung mitunterschrieben worden. Wenn die Schule nun einen anderen Lift will, so muss sie dies kundtun, «aber beim jetzigen Stand der Planung würde damit viel Geld in den Sand gesetzt», sagt Müller. Die teuere Variante sei nicht weiterverfolgt worden, weil diese den Baukredit zu stark belastet hätte. Ein Treppenlift wäre zwar billiger gewesen, hätte aber gemäss Müller das Geländer verunstaltet.

Sicherheitsaspekte
Neben ästhetischen Mängeln führen die Gegner auch Sicherheitsgründe ins Feld: «Ich habe starke Zweifel daran, dass die für 180 Plätze zugelassene Aula innert nützlicher Frist geräumt werden kann, wenn man direkt vor dem Eingang ein solches Hindernis errichtet», sagt Schwyn. Doch die Experten der Feuerpolizei sind im Rahmen ihrer Abklärungen zu einem anderen Ergebnis gekommen: Der geplante Lift erfüllt die gesetzlichen Bestimmungen, einzig die Garderoben auf beiden Seiten der Doppeltür müssen angepasst werden. Wie es weitergeht, wird sich weisen: «Ich bin bereit, sachlich gegen diesen Standort zu argumentieren», sagt Schwyn. Die Petition liegt jetzt beim Vorsteher des Baudepartements, Regierungsrat Hans-Peter Lenherr.

Der Standort: Die roten Punkte markieren die Ecken des geplanten Liftschachtes vor dem Eingang der Aula.
Bild: Robin Blanck.

#Allgemeines

13. April 2007 | Restaurant Hohenklingen: Christoph Saredi will Ausflügler, Wanderer und Gourmets verwöhnen

Schaffhauser Nachrichten, Stein am Rhein
E. F.

Noch ist das Restaurant auf dem Hohenklingen nicht fertig, aber der Wirt und Pächter ist bereits ausgesucht. Aus einer grossen Anzahl von Bewerbungen hat sich Christoph Saredi mit einem Konzept durchgesetzt, das den Stadtrat und Stadtpräsident Franz Hostettmann überzeugte. Der neue Wirt Christoph Saredi ist gelernter Koch und derzeit noch als Küchenfachlehrer an der Gastroschule Belvoirpark in Zürich tätig. «Ich habe mir mit dieser neuen Aufgabe einen Traum erfüllt», freut sich der junge Mann, der das Restaurant auf dem Hohenklingen mit gut einem Dutzend Angestellten führen will. Sein Konzept ist es, für fast jeden Geschmack etwas anzubieten. Einfache kalte Teller zu vernünftigen Preisen. Es soll familienfreundlich sein, betont er. Deshalb wird man auch eine Schüssel Salat bestellen können, dazu gibts Währschaftes wie Würste. Doch auch verwöhnte Gaumen will der künftige Wirt berücksichtigen. Vor allem im A-la-Carte-Bereich wird es ausgefallene Speisen geben. Die Preise siedelt er im mittleren Segment an, will Wanderer und Velofahrer ebenso ansprechen wie Leute, die sich zum gepflegten Menü oder Bankett treffen möchten. Saredi, der aus Herzogenbuchsee stammt, kennt Stein am Rhein durch verwandtschaftliche Bande, da sein Onkel dort wohnt. Schon als Kind habe er die Gegend gemocht, meint er, und es freue ihn, dass er hier tätig werden könne. Auch Stadtpräsident Hostettmann zeigte sich von der Wahl des Wirts überzeugt. Er wird jetzt in die Planung der gastronomischen Infrastruktur miteinbezogen. In Zürich ist er bis Juli tätig, danach beginnen für ihn die Vorarbeiten für die Eröffnung am 15. September.

Christoph Saredi wird das Restaurant auf dem Hohenklingen führen und dort für jeden Geschmack und jedes Portemonnaie etwas bieten.
Foto: Edith Fritschi.

#Allgemeines

11. April 2007 | Unis stellen akademisches Jahr um

Schaffhauser Nachrichten, Inland
Karen Schärer

Lange bildeten die Schweizer Universitäten das Schlusslicht innerhalb Europas – zumindest in Bezug auf den Semesterbeginn: Erst Ende Oktober füllten sich jeweils die Gänge wieder mit Studierenden. Neu beginnt das akademische Jahr an allen Schweizer Hochschulen fünf Wochen früher – von Mitte September bis Weihnachten und von Mitte Februar bis Ende Mai.
Die Schweizer Universitäten brauchten ganze 100 Jahre, bis sie sich zur Vereinheitlichung durchringen konnten: 1904 wurde die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) gegründet; das erste Traktandum war die Einführung von einheitlichen Semesterdaten. 2004 haben sich die Universitäten schliesslich geeinigt.
Die Harmonisierung ist ein gewichtiger Schritt in Richtung gemeinsame Hochschullandschaft Schweiz und die erfolgreiche Umsetzung der Bologna-Richtlinien. In diesem Punkt hat die Schweiz damit die übrigen europäischen Länder gar überholt. Denn diese beraten noch, wie sie die Bologna-Vorgaben umsetzen wollen, wie Johanna Ziberi, Stabsmitarbeiterin bei der Crus, erläutert: «Wir haben mit dieser Reform in Europa gepunktet.» Die anderen europäischen Länder würden sich nun bei ihren Beratungen an den Reformen der Schweiz orientieren.
Die neue Situation mag ein Fortschritt sein; für einzelne Fächer, in denen in länderübergreifenden Netzwerken gearbeitet wird, wird die Situation aber komplizierter: Die Abteilung für Nordische Philologie an der Uni Basel etwa bietet gemeinsam mit der Universität Freiburg (im Breisgau) Veranstaltungen an. Diese internationale Zusammenarbeit wird künftig schwierig. Im Frühlingssemester 2008 beispielsweise überschneiden sich die Vorlesungszeiten in Basel und Freiburg nur noch während fünf Wochen.

Militär nimmt Rücksicht
Starke Überschneidungen gibt es künftig auch zwischen Rekrutenschule und Semester. In einem Zwischenbericht stellte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) im Dezember 2005 fest: «In der Armee musste die Erkenntnis Platz greifen, dass sich das Hauptinteresse der Hochschulen auf eurokompatible Studiengänge ausrichtet und die Abstimmung mit der militärischen Ausbildung nachgeordnet und nur so weit möglich angestrebt wird.» Deshalb hat sich nun das Militär den Hochschulen angepasst: Zum einen wird ab diesem Sommer die Rekrutenschule eine Woche früher beginnen. Zum anderen können die Rekruten die RS nach der Grundausbildung – just zum Zeitpunkt des Seinesterbeginns – unterbrechen. Die fehlenden Wochen müssen sie im Folgejahr leisten. Die Möglichkeit der «Fraktionierung» besteht seit 2004. Philippe Zahno, Kommunikationschef der Abteilung Verteidigung im VBS, sagt, bisher profitierten rund zehn Prozent, also jeweils 1500 bis 1600, der Rekruten, von dieser Möglichkeit.
Mehr Schwierigkeiten könnte das Zusammenfallen von Schulferien und Semester bringen: Neben Sport- und Frühlingsferien überschneiden sich künftig auch die Herbstferien mit der Vorlesungszeit. Studierende und Dozierende mit schulpflichtigen Kindern werden damit in der Wahl der Wochen für die Familienferien eingeschränkt. Ob die geänderten Semesterdaten auch Auswirkungen haben auf Schulsportlager, in denen gerne auf die Unterstützung von Studierenden als Leiter gezählt wird? Daniela Renner, Verantwortliche bei der Sektion Sport des Kantons Aargau, sagt dazu: «Die Sportferien sind auch heute schon ein Engpass, weil dann am meisten Lager stattfinden.» Dieser Engpass könnte sich künftig verschärfen: Nicht nur die Semesterverschiebung, auch die strikteren Bologna-Studienrichtlinien machen es für Studenten schwieriger, sich in Lagern zu engagieren. Man habe eine Wunschvorstellung, sagt Renner: «Schön wäre, wenn Studenten, insbesondere angehende Lehrkräfte, für Einsätze mit Jugendlichen freigestellt würden, wie es an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz der Fall ist.»

#Allgemeines

4. April 2007 | Bräuchte Job im englischsprachigen Raum…

Hallo zusammen,
da ich in diesem Jahr ausbildungsbedingt noch einen Monat einen individuellen Sprachaufenthalt in irgendeinem englischsprachigen Land absolvieren muss, hab ich gedacht, ich frag mal, ob irgendjemand irgendwelche nützlichen Connections hat.
Das Gute daran ist, dass ich dort machen kann, was ich will, d.h. ich muss nicht unbedingt eine teure Schule besuchen, sondern kann auch einen Monat lang arbeiten, was die ganze Angelegenheit natürlich finanziell begünstigen kann.
Falls also irgendjemand irgendjemanden kennt, der mir einen Job für einen Monat in England, Australien, Kanada, Amerika, Irland, Südafrika, Jamaica oder wo auch immer verschaffen könnte, wäre das für mich von grossem Nutzen.

Das ganze müsste sich zwischen dem 16. Juli und dem 19. August dieses Jahres abspielen.

Mit besten Farbengrüssen
euer Looping

#Notizen zu Namen

2. April 2007 | «Me mo au öppis tue für siis Glück»

Es war, um das vorwegzunehmen, ein grosses Fest: rund 200 geladene Gäste waren der Einladung von Peter Uehlinger gefolgt, gemeinsam mit ihm den runden Geburtstag zu feiern. Während des Apéros spielte der Musikverein Neunkirch auf, und als dann «Happy Birthday» intoniert wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen: das Geburtstagskind wurde mit Standing Ovations geehrt.

«Viele der Geburtstaggrüsse, die ich erhielt, haben mich zwar eher an einen Nachruf erinnert», meinte der Jubilar in seiner pointierten Ansprache nach der Vorspeise. Er könne auf eine schöne und glückliche Zeit zurückblicken, meinte er weiter und fügte bestimmt hinzu: «Me mo au öppis tue defür.» Zuoberst stehe für ihn das intakte Familienleben, wo Vertrauen und Zuwendung die wichtigste Rolle spielten; dafür (und auch für die Organisation des Festes) dankte er seiner Frau Lotti sowie seinen Kindern Irene und Peter sichtlich gerührt; sein Dank galt auch den zahlreichen Freundschaften, die er in seinem ganzen Leben habe erfahren dürfen.
Freundschaften, die vor vielen Jahren schon bei den Pfadfindern geschlossen wurden, dann auch bei der Kantonverbindung Scaphusia; einen ganz wichtigen Stellenwert nimmt auch die «Ehrengilde» des Munotvereins ein, von der zahlreiche Mitglieder erschienen waren, worunter die Alt-Munotväter Hans Mäder und Kurt Baader. Gekommen war auch eine Delegation der Polittprominenz, unter vielen anderen etwa die Alt-Regierungsräte Ernst Neukomm und Kurt Amsler, Alt-Ständerat Ernst Steiner und Felix Bolli, damaliger Nachfolger Uehlingers, und auch der jetzige Staatschreiber Reto Dubach durfte natürlich nicht fehlen.

Jubilar Peter Uehlinger richtet das Wort an «seine» Gemeinde, währenddem seine Enkelinnen fleissig fotografieren.

Alt-Regierungsrat Kurt Amsler mit Gattin Cornelia: Er hat mit Peter Uehlinger in der Regierung zusammengearbeitet.

Dorothee und Felix Bolli lassen sich von Sarah bedienen; Bolli war seinerzeit der Nachfolger Uehlingers als Staatsschreiber.

Peter Uehlinger, Sohn des Jubilars und Organisator, mit seinen Kindern Laura, Sarah und Simon.

Peter Rudischhauser mit Gattin Claudia; er ist der Göttibueb von Peter Uehlinger.

#Notizen zu Namen

31. März 2007 | Nicht alles muss so sein wie früher

Schaffhauser Nachrichten, Region
Martin Schweizer

«Mir alte Chlaus», sagte er und schaut kurz aus dem Fenster auf einen mächtigen Baum. Auf eine Trauerbuche. Doch melancholisch oder gar traurig ist die Atmosphäre an diesem Nachmittag mitnichten. Draussen scheint die Sonne, der Frühling naht, die Stimmung ist gut. Und mit seinem schlohweissen Haarschopf wirkt unser sympathischer Gastgeber gelassen und heiter, sogar etwas weise, altersweise.
Auf dem Sofa in der Wohnstube sitzt auch Lotti, seine um Jahre jüngere Frau, die ab und zu sanft in das Geschehen eingreift. Sie muss dem Herrn Gemahl allerdings nie wirklich auf die Sprünge helfen. Denn Peter Uehlinger, der morgen Sonntag seinen 80. Geburtstag feiern kann, verfügt über ein absolut intaktes Erinnerungsvermögen und ist ein hervorragende Erzähler. Man hört ihn gern zu. Und er strahlt noch immer jene Ruhe und Sicherheit aus, die ihn schon als amtierender Staatsschreiber auszeichneten: So strub es manchmal auch her und zu gehen mochte, Peter Uehlinger behielt den Überblick und verlor nie die Nerven. Das war nicht immer einfach, zumal schon in den ersten Jahren seiner Tätigkeit sehr unterschiedliche Charaktere in der Regierung sassen, Ernst Lieb, Robert Schärrer, Franz Fischer, Hermann Wanner, Erwin Hofer, Ernst Neukomm, Paul Harnisch, Kurt Waldvogel, Bernhard Stamm, Kurt Amsler.
Über alles gesehen machte ihm die Arbeit als engster Mitarbeiter und Rechtsberater des Regierungsrates aber sichtlich Spass, und als vor 15 Jahren der Ruhestand näher rückte, klagte er, der Abschied aus der Staatskanzlei falle ihm mit jedem Tag schwerer. Heute, im Rückblick, sieht er das etwas anders, denn er kann, zusammen mit seiner Ehefrau, den Ruhestand sehr wohl geniessen. Er reist viel, besucht Museen, geht an Konzerte, vertieft sich in Bücher, vorzugsweise in Krimis, Donna Leon, Mankell und Co.
Nach wie vor verfolgt er zwar auch die kleine und grosse Politik, doch mischt er sich nicht mehr ein: Jetzt seien die jungen am Zug, und keineswegs alles müsse heute so laufen wie früher, meint er. Die junge Generation sei durchaus in der Lage, ihr Leben selbst zu gestalten.
Seine Zeit aber als Staatsschreiber, 21 Jahren waren es, erfüllte ihn voll und ganz, da besteht überhaupt kein Zweifel, auch wenn ihm der Beruf und sein Amt damals noch eine ganze Latte zusätzlicher Verpflichtungen aufgebürdeten. Peter Uehlinger, kein Stubenhocker, war auf den verschiedensten Gebieten, vor allem natürlich juristischen, ein gefragter Experte und darum häufig auf Achse. Immer wieder stand er auch seinem Heimatort zu Diensten, so als Verwaltungsrat der Spar- und Leihkasse oder als OK-Präsident des 1993 in Neunkirch durchgeführten kantonalen Musikfestes.
Die oft recht anspruchsvollen Aufgaben haben ihn gefordert, der Einsatz in der Öffentlichkeit passte jedoch wie angegossen zu ihm, denn, so sagt er, «ich bin ja von Natur aus eine Gesellschaftsmensch». Es sei damals auch immer wieder mal lustig und unterhaltsam gewesen, weniger hektisch als heute; man habe bei Anlässen viele Leute kennen gelernt und sich dabei gleich noch kulinarisch und önologisch weitergebildet…
Um «sieben Ecken herum» sind alle Uehlinger aus näherer und weiterer Umgebung irgendwie miteinander verwandt. Doch abgesehen von seiner grossen Familie samt Anhang hat Peter Uehlinger im Laufe der Zeit ein schier unglaublich dichtes Beziehungsnetz geknüpft, das er seit seiner Pensionierung und trotz Rückenleiden vermutlich besser den je pflegt. Regelmässig trifft er sich mit ehemaligen Mitgliedern der Regierung, mit Chefbeamten, mit der Scaphusia, mit Freunden und Kollegen aus dem Munotverein, dem Touring Club.
So trocken wie das Thema seiner vor einem halben Jahrhundert verfassten Dissertation («Die Veranlagung der direkten Steuern nach dem Rechte des Kantons Schaffhausen unter besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Revisionsbestrebungen») läuft es im Kreise seiner Freunde allerdings kaum je ab, und so wird es gewiss auch morgen sein: Zweihundert Gäste werden zu Ehren von Peter Uehlinger in der Städtlihalle erwartet, die Nüüchilcherer Musik wird seinem Ehrenmitglied den Marsch blasen, und wir freuen uns, dem grossen Meister schon heute von Herzen gratulieren zu dürfen.


Geniesst den Ruhestand seit 15 Jahren in vollen Zügen: Peter Uehlinger, ehemaliger Staatsschreiber, hier in seinem Haus im Klettgau.
Foto: Bruno Bührer.

**Regierungsrat. Auch das war für den ehemaligen Staatsschreiber einst die Frage – wenn auch nur kurz.**
-zer.
Er war dank seiner Kompetenz unbestritten das sechste Mitglied im an sich fünfköpfigen Regierungskollegium. Beraten, mitreden an Sitzungen, ohne allerdings wirklich mitzubestimmen, hiess das konkret für den im Laufe der Jahre mit allen Dossiers vertrauten Juristen Peter Uehlinger.
Als der von links bis rechts hoch geschätzte Staatsschreiber nach 21 Jahren altersbedingt aufhörte, gestand er darum freimütig: Gerne hätte er manchmal «etwas mehr Gewicht» ins regierungsrätliche Gremium eingebracht, konnte es aber auf Grund seiner Funktion nicht, was durchaus «ab und zu gewurmt» habe. Einmal wäre er auch fast Regierungsrat geworden. Es war vor genau 35 Jahren, 1972. Kaum als Staatsschreiber gewählt, wurde er als Mitglied der SVP von einer Ortssektion als Regierungsratskandidat vorgeschlagen. In einer Ausmarkung der Bezirkspartei Klettgau unterlag er indes Kurt Waldvogel, dem späteren und allzu früh verstorbenen Regierungsrat und Nachfolger von Franz Fischer. Interessant aber: In der folgenden Kampfwahl zwischen Kurt Waldvogel und Fritz Friedli wurde Peter Uehlinger gegen seinen Willen und als «Kandidat der letzten Stunde» doch noch portiert, und zwar von einer dem Touring Club nahe stehenden Gruppierung. Er erhielt einige Tausend Stimmen und wurde in späteren Jahren immer wieder mal als Regierungsratskandidat ins Spiel gebracht. Peter Uehlinger blieb aber der sechste Mann – zu seinem Vorteil, wie er schon damals stets beteuerte. Und heute kann ers nicht genug betonen: «Ich habe als Staatsschreiber sehr schöne und sehr spannende Zeiten erlebt.»


Ab 1957 war Peter Uehlinger Sekretär der Staatskanzlei; 1971, als diese Aufnahme entstand, wurde er Staatsschreiber des Kantons Schaffhausen.
Foto: B. + E. Bührer.

#Notizen zu Namen

27. März 2007 | Neuer Verwaltungsratspräsident

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft

An der Generalversammlung der Clientis Ersparniskasse Schaffhausen wurde Rechtsanwalt Jürg P. Spahn, Schaffhausen, bisher Vizepräsident, an Stelle des aus dem Verwaltungsrat ausscheidenden Kurt Peyer zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Zum neuen Vizepräsidenten ernannt wurde Ständerat Hannes Germann. Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde Carlo Klaiber. Die Generalversammlung hat im Weiteren allen Anträgen des Verwaltungsrates zugestimmt. Angesichts des Rekordergebnisses 2006 wurde die Dividende von 15 auf 20 Prozent erhöht. Die gemeinnützige Hülfsgesellschaft Schaffhausen erhält einen erhöhten Beitrag von 75 000 Franken.


Carlo Klaiber (Plato Fortunae), Jürg P. Spahn und Ständerat Hannes Germann (v.l.).
Foto: Hans-Caspar Ryser.

#Notizen zu Namen

26. März 2007 | Mit Elan in die neue Museumssaison

Schaffhauser Nachrichten, Region
René Uhlmann

Es herrschte Hochbetrieb am Samstag auf dem Gelände des Zeughauses auf der Breite, und das Rattern alter Motoren sowie die dazugehörigen Abgasgerüche erfüllten die kalte Luft. Es war, wieder einmal, ein so genannter Arbeitstag, wo es darum ging, die «eingewinterten» Fahrzeuge für die neue Saison parat zu machen und auch die anderen Teile der vielfältigen Ausstellung sozusagen zu entstauben. Denn bereits am kommenden Samstag ist das Museum heuer zum ersten Mal wieder geöffnet. Insgesamt siebenmal, jeweils am ersten Samstag des Monats.

Erfolgreiches Vereinsjahr
Martin Huber, Präsident des Vereins, konnte am Samstag auf ein erfolgreiches Vereinsjahr zurückblicken. 276 Mitglieder sind heute dabei, von denen im vergangenen Jahr rund 80 neue hinzukamen. Rund 2000 Besucher hatte das Museum zu verzeichnen, allein am Eröffnungstag der Sonderausstellung «Die Kadetten in Schaffhausen» kamen 500 Interessierte. Zudem konnte das Museum weiter ausgebaut werden: 16 weitere Fahrzeuge erstand der Verein, der gerade noch erfolgreich verhindern konnte, dass diese historisch wertvollen Objekte zur Steigerung gebracht wurden.
Transportunternehmer aus Schaffhausen haben dann diese Fracht in einem Konvoi von acht Lastenzügen mit Anhängern in einem Tag von Thun nach Schaffhausen überführt. «Natürlich sind diese Gefährte noch fahrtauglich, aber, dieser Weg wäre doch wohl etwas zu weit gewesen», meint Huber.

Ein weiterer Panzer…
Und zum schon vorhandenen Panzer 68/88 kam, allerdings leihweise, ein Panzerjäger G13 dazu. Dagegen schenkte die Armee dem Museum einen 12-Zentimeter-Minenwerfer, Modell 1987/92, und die 7,5 Zentimeter-Kanone 1903/40 wurden von Fachleuten aus dem Kreis des Vereins restauriert. Auch die Sammlung Karl Bauert, die in einem eigenen Trakt im Zeughaus untergebracht ist, wurde durch eine wertvolle Gewehrsammlung und andere einzelne Gegenstände erweitert.

… und 160 Musikinstrumente
Schliesslich gibt es noch die Sammlung von Jürg Zimmermann (v/o Pfuus): 160 Musikinstrumente hat er zusammengetragen, dazu auch einige Exemplare aus dem Ausland. Die «Sammlung Zeughaus» wurde im vergangenen Jahr vervollständigt: In den ursprünglichen Räumen ist jetzt das vorhandene Material aus früheren Zeiten sozusagen vorschriftsgemäss eingelagert. An einer Medienkonferenz ,vom Samstag zeigte sich Martin Huber darüber erfreut, dass das Interesse am Schaffhauser Museum weit über die Region hinausgeht. So war Divisionär Werner Bläuenstein, Chef Logistik der Schweizer Armee, auf eigenen Wunsch zu Besuch in Schaffhausen, und was er sah, habe ihn begeistert. «Er hat», so Huber, «Bereitschaft gezeigt, uns zu unterstützen, wir sind also in Bern wahrgenommen worden.»
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen dieses Jahres steht die Ausstellung «200 Jahre Kantonale Offiziersgesellschaft Schaffhausen», die vom 29. Juni bis zum 1. Juli dauert und durch eine weitere Ausstellung, nämlich «Armee gestern» ergänzt wird, die man bis zum 9. Juli besuchen kann. Dabei sollen vor allem «im Gelände» bestimmte Situationen und Konstellationen aus früheren Zeiten nachgestellt werden.

«Standort sichern»
Ganz offensichtlich ist die Dynamik des «Museums im Zeughaus» ungebrochen; so will der Vorstand (im Zusammenhang mit dem «PASS»-Projekt) die «Standort- und Wachstumsmöglichkeiten langfristig sichern».


Christian Birchmeier beim Studium von Dienstvorschriften – auch diese werden gesammelt, und zwar möglichst lückenlos. Einige Laufmeter sind schon im Zeughaus.
Foto: René Uhlmann.

#Aktivitas

26. März 2007 | Die neuen Fuxen

Die Scaphusia begrüsst die neuen Fuxen

ganz herzlich in der Scaphusia und wünscht ihnen eine schöne und unterhaltsame Aktivzeit!
Willkommen!

#Notizen zu Namen

24. März 2007 | Lücke in der modernen Zahnmedizin geschlossen

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
J.K.

Röntgenuntersuchungen sind aus der zahnärztlichen Praxis nicht wegzudenken. Die neuste Technologie steht jetzt auch in der Nordostschweiz zur Verfügung. Die implantologisch tätigen Schaffhauser Zahnärzte Thomas Müller und Cristiano Persi sowie die ebenfalls ortsansässigen Kieferorthopäden Marcel Cucu und Roland Schaffner haben an der Moserstrasse 27 das Volumentomografie-Zentrum Schaffhausen eröffnet. Die digitale Volumentomografie (VT) ist ein radiologisches Verfahren, das gegenüber der Computertomografie (CT) zahlreiche Vorteile hat, wie die vier Gründer am gestrigen Tag der offenen Tür, der heute Samstag wiederholt wird, erklärten.

Enorme Strahlenreduktion
So liefert die digitale VT in kürzester Zeit eine exakte radiologische Darstellung des gesamten Kiefer-Gesichts-Bereiches in allen drei Dimensionen. Dabei werden. mit einer einzigen Aufnahme alle nur erdenklichen Ansichten und Bildschnitte gewonnen. Hinzu kommt eine deutliche Reduktion der Strahlenbelastung, diese liegt bis zu 95 Prozent unter derjenigen der konventionellen CT. Und im Gegensatz zur CT befindet sich der Patient, die Patientin nicht in einer geschlossenen Röhre, sondern auf einem offenen Behandlungstisch; wobei die Aufnahmezeit nur 36 Sekunden dauert. «So lange können selbst Kinder stillhalten», unterstrich Marcel Cucu.

Auch für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
«Dank der neuen Technologie erhöht sich nicht nur die Sicherheit in der Diagnostik, sondern es lassen sich auch High-Tech-Anwendungen in der Kieferorthopädie und der zahnärztlichen Implantologie realisieren», sagte Thomas Müller. Und dank der Zusammenarbeit mit der Radiologieabteilung des Kantonsspitals erschliesse sich diese Röntgenanwendung, auch den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten sowie den Hausärzten der Region. Indem die Gründer des Röntgenzentrums die neue Technologie auch interessierten Fachkreisen zur Verfügung stellen, werde im Grossraum Schaffhausen eine Lücke in der modernen Zahnmedizin geschlossen, sind sie überzeugt.


Thomas Müller, Christiano Persi, Roland Schaffner und Marcel Cucu (v.l.) bieten mit ihrem Volumentomografen eine neue Dienstleistung an.
Foto: Renè Uhlmann.

#Notizen zu Namen

14. März 2007 | Revolutionäres unterm Schweinsleder

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

«Wir haben fast ein ganzes Spiel», sagt Peter Scheck und zeigt die Bögen mit den 92 spätmittelalterlichen Spielkarten her, die bereits für nationale Aufmerksamkeit gesorgt haben. Zum Vorschein gekommen sind die Karten, als im vergangenen Winter der Schweinsleder-Einband eines Abgabenverzeichnisses aus dem 16. Jahrhundert restauriert wurde. Gebunden wurde das Verzeichnis des Schaffhauser Spendamtes – eine Art mittelalterliche Sozialhilfe für Arme – zwischen 1526 und 1550, wie Martin Cordes, Stellvertreter des Stadtarchivs, in seinem zum Thema verfassten Artikel darlegt. Weil es damals noch keinen Karton gab und Papier teuer war, nutzte man bereits vorhandenes Material, das nicht mehr gebraucht wurde, für die Herstellung der steiferen Umschläge: So kamen die Spielkarten in den Einband. Die Karten dürften im frühen 16. Jahrhundert entstanden sein, eine genaue Datierung ist jedoch laut Cordes kaum möglich.
Etwas kleiner als die heutigen Spielkarten sind sie, und auch etwas weicher. Nach weit über 400 Jahren sind die Farben Rot, Gelb und Grün zwar verblasst, dennoch lassen sich die Motive noch problemlos identifizieren. Schilten, Schellen, Eicheln, Rosen, in Varianten vom König bis zum nicht mehr gebräuchlichen Dreier. Auch dem Laien fällt auf: Die Bilddarstellungen auf den Karten haben sich über die Jahrhunderte nur unwesentlich verändert. Der Schellen-Unter trägt bereits seine Narrenkappe, ebenso in seiner Grundform vorhanden war bereits damals das Banner, dessen Kartenwert schon im 16. Jahrhundert zehn Punkte betrug, wie die unten links aufgedruckte römische 10 – «X» – erkennen lässt. Überdeutlich wird die Ähnlichkeit dann beim Rosen-Ass, das bereits seine charakteristische Form angenommen hatte.

Umkehr der Verhältnisse
Allerdings wurde mit den Karten nicht im heutigen Sinn gejasst, denn diese Art des Kartenspiels fand erst im auslaufenden 18. Jahrhundert den Weg von Holland zu uns. Wie im 16. Jahrhundert mit den Karten gespielt wurde, ist nicht bekannt. Interessant: «Damals wurde jene Karte, die wir heute als Ass kennen, als «Daus» bezeichnet», sagt Stadtarchivar Peter Scheck – daher auch der Überraschungsausruf «Ei der Daus!». Diese Karte mit dem Punktwert zwei galt als schlechteste Karte. Dass genau diese im Rahmen des Spiels dann zu solcher Macht avancierte und sogar die Kraft hatte, den König zu schlagen, wurde von der hochwohlgeborenen Obrigkeit gar nicht gerne gesehen. Denn das kam einer Umkehr des Verhältnisses zwischen Herren und Untertanen gleich, und genau davor fürchteten sich die Oberen: «Wenn der Schwächste den König schlägt, dann haftet dem etwas Revolutionäres an», sagt Scheck, «auch deshalb wurde das Kartenspiel verboten.»
Das älteste uns bekannte Spielkartenverbot in der Stadt Schaffhausen stammt aus dem Jahr 1389, ob die Verwendung der 92 nun wieder zum Vorschein gekommenen Karten im Zusammenhang mit reformatorischen Vorstellungen von Zucht und Ordnung zu sehen ist, bleibt gemäss Scheck Spekulation. Als sicher kann hingegen gelten, dass die Untertanen sich nicht strikt an die Auflagen hielten: Im Rechnungsbuch der «Gesellschaft zun Kaufleuten», in dem Ein- und Ausgaben vermerkt wurden, findet sich im Jahr 1488 der Eintrag, dass «1 Schilling 6 heller um 6 kartenspil» ausgegeben wurden.
Laut Martin Cordes hatte sich die Stadt Basel in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einem «Zentrum der Spielkartenherstellung» entwickelt. Auch die jetzt in Schaffhausen gefundenen Karten dürften auf einen Basler Urtypp zurückgehen, wie die Verwendung des Basler Stabes auf einigen der Schilten-Karten, und auch des Zeichens der Basler Safranzunft vermuten lasse.

Aus der Werkstatt von Lorenz Bell
Zudem konnte über diesen Fund das Wissen über Lorenz Bell, den wohl wichtigsten Schaffhauser Buchbinder des frühen 16. Jahrhunderts, gewonnen werden, welcher den Einband gefertigt und noch weitere Arbeiten hinterlassen hat.
Zu bewundern sind Abbildungen der Karten im Schaukasten des Stadtarchivs (im Durchgang zum Fronwagplatz), ausserdem wurden die wichtigsten Fakten in einem farbig illustrierten Büchlein zusammengefasst, das man für fünf Franken beim Stadtarchiv beziehen kann.


Stadtarchivar Peter Scheck mit den in Schutzhüllen verstauten Karten. Auf dem Tisch stehend das nun restaurierte Buch, in dessen Einband die Karten steckten.
Foto: Bruno Bührer.

#Notizen zu Namen

7. März 2007 | Der «Bock» ist dabei

Schaffhauser Bock, Die Letzte
Ursula Litmanovitsch

Am letzten Samstag konnte das regionale Musiklabel «Bad Karma Records» im Kulturzentrum Kammgarn den offiziellen Release feiern. In bester Laune, aber ohne übertriebene Spielereien, begrüssten die Labelgründer Michi Seelhofer, Raphael Schemel und Philipp Streit das Publikum, bevor man gleich mit dem Hauptthema des Abends startete: Der Musik. Eröffnet wurde der feierliche Anlass mit rockigen Klängen der regionalen Band «The Brevers», bestehend aus Simon Thoma. Felix Meisterhans, Tobias Wuest und Patrick Bosshard. Trotz der erschwerten Bedingung, einen solchen Event zu eröffnen, meisterten es «The Brevers» mit Bravour und konnten das stetig wachsende Publikum sofort mitreissen. In der gut besuchten Kammgarn wurde der Abend mit der Schaffhauser Metal-Band «What The Hell», bestehend aus Labelinhaber Michi Seelhofer, Michael Fanni, Markus Dossenbach und Matthias Frey für Fans der härteren Musik fortgesetzt. Die Band präsentierte noch in einer kurzen Showeinlage mit Wunderkerzen ihr Album «Have a Seat», welches bei der eigenen Plattentaufe noch nicht fertig produziert war. Nach einem Schluck Champagner ging es dann bereits wieder mit dem letzten Act, der Cover-Punkband «Don Dan and the Gangbangs». Nach den Konzerten konnte das Publikum noch mit DJ Franse Urmel die letzten Energien rausfeiern. Unter den über 600 Gästen befanden sich auch viele weitere regionale Musiker wie Marco Serraino von «Voice of Silence» oder Jonas Demmerle von «Down End Rest».


The Brevers: Felix Meisterhans, Tobias Wuest, Simon Thoma, Patrik Bosshard (v.l.).

#Notizen zu Namen

3. März 2007 | Museumsverein will für noch mehr Zug sorgen

Schaffhauser Nachrichten, Region
tg

Das Aperogebäck nach der Generalversammlung wurde fast ein wenig knapp. Es waren deutlich über 60 Teilnehmer gekommen: Damit hatte der Vorstand nun wirklich nicht zu rechnen gewagt. In den letzten Jahren sind, sicher auch motiviert durch den damit verbundenen Gratiseintritt ins Museum, etliche neue Mitglieder zum Museumsverein Schaffhausen gestossen und haben damit für zusätzlichen Schwung gesorgt. Allerdings stagniert auf Grund der Altersstruktur die Mitgliederzahl bei rund 500 Personen, immer mehr davon in der Partner-Kategorie. Mit einer gross angelegten Mitgliederwerbeaktion will der Verein nun aber diesen Frühling die Basis verbreitern. In seinem Jahresbericht betonte Präsident Andreas Schiendorfer zudem, dass man die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Museum intensivieren wolle, beispielsweise im Hinblick auf die nächste Museumsnacht im September.

Gesamter Vorstand bestätigt
Der gesamte Vorstand wurde für eine weitere Amtsperiode bestätigt, mit Ausnahme von Hanspeter Böhni, der altershalber seinen Rücktritt erklärt hatte. In seiner Laudatio führte Gérard Seiterle die kulturellen Verdienste Böhnis auf; die natürlich weit über den Museumsverein hinausgehen und insbesondere den Kantonalen Heimatschutz und das Wohnmuseum Lindwurm in Stein am Rhein betreffen. Für seine Verdienste wurde Böhni von der Versammlung zum Ehrenmitglied ernannt.
Demgegenüber musste der Verein letztes Jahr von Ehrenmitglied Agathon Aerni Abschied nehmen, der sich von Bern aus als Historiker und Sammler intensiv mit Schaffhausen befasst hatte. Als Doyen des Berner Diplomatenkorps war der langjährige Auslandschweizer ausgesprochen gut vernetzt und liess, wie Andreas Schiendorfer weiter ausführte, die Munotstadt immer wieder von seinen Beziehungen profitieren. Ein wesentlicher Teil seiner Scaphusiana-Akten befindet sich im Stadtarchiv, das Museum besitzt etliche Plakate.

Blick hinter die Kulissen
Museumsdirektor Roger Fayet liess die Zuhörer einen – mindestens geistigen – Blick hinter die Kulissen des Museums zu Allerheiligen nehmen und wies beispielsweise darauf hin, dass die erste Teileröffnung der neu gestalteten Stadtgeschichte bereits im kommenden Oktober erfolgen wird. Daniel Grütter, Konservator der Historischen Abteilung, der als Delegierter des Museums im Vorstand des Museumsvereins sitzt, präsentierte verschiedene Schenkungen, welche der Museumsverein im Laufe der Jahrzehnte getätigt hat. Dank einem grosszügigen Legat unmittelbar nach dem Weltkrieg konnte der Verein dem Museum neun wertvolle Glasgemälde schenken. Später waren es unter anderem landwirtschaftliche Objekte – als sich in den Sechzigerjahren noch kaum jemand für deren Erhaltung einsetzte – oder Puppenstuben. Die neuste Schenkung betrifft eine Modelleisenbahn aus der Sammlung von Peter Bührer, welcher als Kassier eine positive Rechnung vorlegen konnte.

Affinität zur Eisenbahn
Der Museumsverein hat seit Jahren eine Affinität zur Eisenbahn. Schon früher war dem Museum eine Modelleisenbahn geschenkt worden. Und grössere Anstrengungen waren seinerzeit unternommen worden, um das Stationsgebäude in Löhningen und eine alte Werklokomotive der SIG zu erhalten. Der Museumsverein fühlt sich daher prädestiniert, für noch mehr kulturellen Zug zu sorgen.

#Allgemeines

2. März 2007 | «Die beste Lüge ist immer die Wahrheit»

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Hans-Caspar Ryser

«Karriere ist nicht planbar, aber man kann Grundlagen dazu schaffen», so lautete das Thema, mit welchem sich Giorgio Behr gestern im voll besetzten Kulturklub des Haberhauses in Schaffhausen den Fragen der Schüler von Kantonsschule und KV stellte.
Behr ist denn auch einer, der es wissen muss, wie man Karriere macht. Zurzeit gibt es in der Wirtschaftsregion Schaffhausen und darüber hinaus wohl keine andere Wirtschaftspersönlichkeit, die über eine derart breit gefächerte Karriere und damit auch über so viel Macht und Einfluss verfügt wie er. Die Homepage der Familie Behr vermittelt unter Links einen Überblick über seine umfassenden Engagements. Diese reichen von Bank am Bellevue, BBC Gruppe (Behr, Bircher, Cellpack), BDS Treuhand AG über ETH Zürich, Universität St. Gallen, dann Saurer, Henkel und Hilti bis zu Industrievereinigung und Kadetten Schaffhausen. Gerade über den Sportlink fand der engagierte Unternehmer sehr schnell den richtigen Draht zu den Schülern.
So nahm er nach der Einführung durch Jürg Weber, Präsident des Altherrenverbandes, den Ball schnell auf und startete zu einem wahren rhetorischen Feuerwerk durch. Den Einstieg machte er mit einem prägnanten Abriss zu seiner Karriere und was für Erfolg oder Nichterfolg ausschlaggebend war. Dabei betonte er, dass verschiedenste Wege zum Erfolg führen können, es brauche bei weitem nicht immer die akademische Laufbahn dazu. Als viel bedeutender erachtet er den schnellen Praxiseinstieg nach oder gar während der Ausbildung. Dabei lobte er die heutige Möglichkeit der Fachhochschule, die beides verbindet. Berufsbegleitend absolvierte Behr das Wirtschaftsprüferdiplom. Er habe auch immer wieder die Karriererichtung gewechselt, besonders wenn er spürte das er am «Kreis auflief», wie es im Handball so schön heisst. Eigenständig Entscheide Treffen hat für Behr immer viel bedeutet. So hat er sich nach verschiedenen Tätigkeiten unter anderem bei Hesta und Luwa war 1984 selbstständig gemacht und die BDS Unternehmensberatungsgruppe in Schaffhausen und Zürich aufgebaut. «Ich wollte nicht mein Leben lang den anderen stets nur gute Ratschläge geben, ohne sie selbst umzusetzen», beschrieb er einen der Gründe für seinen Wechsel ins Unternehmertum. Zu Beginn der Neunzigerjahre richtete er die in Beringen domizilierte Bircher-Gruppe neu aus und gründete die überregionale BBC Behr Cellpack Gruppe, der er heute noch als Verwaltungsratspräsident vorsteht. Die erforderlichen Eigenschaften eines Unternehmers umriss er mit: Wille, Disziplin, Neugier, Mut und Passion. Dabei dürfe man sich selbst die Latte jedoch nicht zu hoch legen. Und die beste Lüge sei immer die Wahrheit.

Erfolgreiches Unternehmertum
Die Erfolgsfaktoren für ein gutes Unternehmertum knüpfte Behr an die Thesen: Teamwork mit klarer Führung und klaren Entscheiden; ein ausgewogener Wechsel zwischen Kontrolle und Gas geben; einfach und funktionell, Erfolge gemeinsam feiern; unterlassen statt unternehmen; klare Ziele und Werte vorgeben; zum eigenen Erfolg stehen.
Nach einer von KV Lehrling Dominik Jost gehaltenen kurzen Konterrede stellte sich Behr dann den von Martin Schläpfer moderierten Fragen von Schülern sowie aus dem Publikum. Dabei wurde nicht geschont. Behr nahm diese Herausforderung mit sportlichen Geist an und setzte auch immer wieder zu Konterangriffen an.

#Notizen zu Namen

22. Februar 2007 | Persönlichkeit wichtiger als Richtung

Schaffhauser Nachrichten, Bildung
Karl Hotz

Kürzlich zeigte die ETH Schülerinnen und Schülern der Schaffhauser Kantonsschule, was an der Eidgenössischen Technischen Hochschule alles studiert werden kann und weshalb Naturwissenschaft so faszinierend sein kann. Im Rahmen dieser Informationstage wurde an einem Podiumsgespräch auch über die Anforderungen diskutiert, die Studium und Beruf heute stellen. Unter der Leitung von Rektor Urs Saxer diskutierten dabei Kurt Löhle (Leiter UBS Schaffhausen), Robert Sala (Leiter Alcan Neuhausen), der Maturand Till Aders, ETH-Professor Mario Fontana und Walter Bernath, der Leiter des Berufsinformationszentrums Schaffhausen.
Die beiden Praktiker Löhle und Sala waren sich dabei auf eine Frage Saxers nach den Anforderungen im heutigen Berufsleben hin einig, dass die gewählte Fachrichtung eher zweitrangig sei. Persönlichkeit, Wille und Motivation stünden im Vordergrund. Bei Banken, so Löhle, arbeiteten durchaus auch Leute, die anderes studiert hätten als Betriebswirtschaft oder Rechtswissenschaft. In speziellen Programmen von 18 bis 24 Monaten Dauer würden sie auf ihre Aufgaben vorbereitet. Themen wie Sozialkompetenz, Charisma oder Motivation stünden dabei sehr weit vorne.
Mario Fontana meinte, am wichtigsten seien Neugier und Begeisterung. «Ein bisschen Neigung muss man natürlich auch mitbringen», meinte er scherzhaft. Und natürlich müsse man sich in einem Studium gelegentlich auch durchbeissen. Doch das sei an der ETH mit ihren klar strukturierten Studiengängen oft fast einfacher als an der Universität. «Unterschätzen Sie die Schwierigkeiten eines geisteswissenschaftlichen Studiums mit seinem breiten Spektrum und den entsprechend vielen Möglichkeiten nicht», gab er den etwa 40 oder 50 Schülerinnen und Schülern in der Aula mit auf den Weg. Eine Aussage, die Walter Bernath unterstrich: «Ein Studium an der Universität braucht oft mehr Selbstdisziplin.» Die Durchfallquoten an der ETH seien denn, über alles gesehen, auch nicht höher als an den Universitäten.
Auch Till Aders warnte davor, mögliche Berufsaussichten oder gar den möglichen Verdienst als Richtschnur für die Studienwahl zu nehmen. Er sei sicher, dass Neigung und Interesse unabdingbar für den Studienerfolg seien.

Mangel könnte ein Problem werden
«Ja», so lautete die kurze und bündige Antwort von Robert Sala auf eine weitere Frage Saxers, ob denn ein Mangel an Ingenieuren bestehe. Einen möglichen Grund dafür sah er in der mangelnden Reputation dieser Berufe in breiten Kreisen. «Ingenieur zu werden, gilt bei den Jungen nicht gerade als sexy», meint er pointiert.
Fontana war überzeugt, dass sich diese Lücke über kurz oder lang als problematisch erweisen könnte. Aller Globalisierung zum Trotz brauche es Fachkompetenz vor Ort. «Eine neue Rheinbrücke können Sie zwar notfalls in China planen lassen, aber für den Bau mit all seinen unvorhersehbaren Schwierigkeiten werden sie immer lokale Fachkompetenz brauchen.» Er habe jedenfalls, so fügte er leicht maliziös ist an, noch nie einen Manager gesehen, der eine Brücke bauen könne. Und Sala ergänzte: «Ich habe schon etliche Ingenieure gesehen, die noch Betriebswirtschaft gelernt haben – aber das Gegenteil ist noch nie begegnet.»
Er glaube nicht, dass das mangelnde Interesse fast an Naturwissenschaften an den Löhnen liege, meinte Kurt Löhle auf eine entsprechende Frage. Und Sala ergänzte, man sollte die Höhe eines Lohnes nicht so wichtig nehmen – in einem Beruf, der einem langweilig sei, könne ein hoher Lohn diesen Mangel auf die Dauer auch nicht kompensieren.

Den Rucksack gut füllen
Schließlich wollte Urs Saxer noch wissen, welchen Tipp denn die Praktiker auf der Bühne den Schülerinnen und Schülern im Saal mitgeben könnten. «Folgen sie ihren Neigungen», meinte dazu Walter Bernard ganz prägnant. Und wichtig sei es zudem, die Spritzigkeit zu behalten, auf diesem heutigen Berufsleben immer mehr ankomme. Auch Löhle meinte: «Folgen sie Ihrem Herzen.» Wichtig sei es zu dem, sich nicht einzuengen, sondern so breit wie möglich abzustützen. «Füllen sie Ihren Rucksack. Dass ist die grosse Chancen der Ausbildung.»
«Das Leben zerfällt in drei Drittel«, meinte Mario Fontana fast etwas philosophisch. «Einen Drittel verschlafen wir, ein Drittel ist der Arbeit gewidmet und das letzte Drittel dem Leben.» Nur wenn jedes der drei Drittel Spass mache, sei das Leben ausgefüllt. Man solle deshalb sein Studium möglichst breit anlegen, um für möglichst viele Möglichkeiten gerüstet zu sein. Robert Sala war im Prinzip damit einverstanden, mahnte aber auch dazu, Grenzen zu setzen. Man könne sich auch verzetteln. Aber Grenzen setzen heisse nicht, keine Vielfalt zu haben. So bedauere er es beispielsweise, im Hinblick auf eine kommende Aufgabe in Frankreich, sich relativ früh auf Chemie spezialisiert zu haben. «In der Kantonsschule hätte ich Französisch sicher leichter gelernt als heute», konstatierte er schmunzelnd.


Mario Fontana, Till Aders und Urs Saxer.
Foto: Karl Hotz.