#Notizen zu Namen

15. August 2017 | «Mit Wehrli-Wösch weisch, wat häsch!»

Schaffhauser Nachrichten
Michael E. Dreher

Dieser Slogan warb jahrzehntelang für das renommierte Textilgeschäft Wehrli an der Ecke Vordergasse 77 und Rathausbogen, wo heute die Buchhandlung Thalia ihr Schaffhauser Domizil hat. Das etwas sentimentale Lied: «Die alten Strassen noch, die alten Häuser noch, die alten Freunde aber sind nicht mehr …», könnte für Schaffhausen lauten «… die alten Geschäfte aber sind nicht mehr.» Der Wandel ist offensichtlich und tief greifend. Der Arme-Leute-Laden Migros, bis 1956 am Fronwagplatz 25 domiziliert, ist längst zum Universalanbieter auf höchster Qualitäts-(und Luxus-)Stufe geworden; Baumärkte, Supermärkte, Gigamärkte sowie der Wegfall vieler Zollschranken haben den Detailhandel in Verbindung mit dem Internet in einer Weise umgekrempelt, wie sich das nur sehr weitsichtige Unternehmer mit USA-Bezug – Trendsetter – vorstellen konnten. Einige Schaffhauser Traditionsfirmen wie etwa die Konditoreien Rohr und Reber, die ehemalige Bäckerei Aschinger an der Oberstadt oder die Zuckerbäckerei Ermatinger sind zwar noch am alten Ort, wenn auch in anderen Händen. Immerhin wird der «Falken» – Stammhaus der Brauerei – nach wie vor und erfolgreich an der Vorstadt 5 geführt, der Zeit zum Trotz.
Auch die angesehene Firma Wehrli gehörte zu den Schaffhauser Spezialgeschäften, die bis in die frühen 1960er-Jahre für ihre Inserate ein bienen- wabenförmiges Logo verwendeten. In jeder «Wabe» waren die andern Spezialgeschäfte eingetragen, wie Sauter (Radio TV), Stierlin (Eisenwaren), Wehrli (Textil), Reinfried (Teppiche), Hablützel (Leder), Bodmer (Spielwaren), Rauch (Mode), Werner (Pelze) und so weiter. Jedes Inserat eines Spezialgeschäfts warb so gleichzeitig für alle andern. So hatten die Schaffhauser Detaillisten schon vor Jahrzehnten mit diesem Werbeauftritt eine Art von Corporate Identity, lange bevor dieser Begriff etabliert war oder an der Hochschule St. Gallen gelehrt wurde.
Ein wegweisender Entscheid für die Zukunft der Altstadtgeschäfte war 1969 die Gründung der Pro City. Paul Pflügl (Tabak Forster) und Eugen Wehrli hatten massgebend zur Formierung dieser Vereinigung für eine lebendige Altstadt beigetragen. Aus dem ehemaligen Detaillistenverband entwickelte sich eine jahrzehntelange und bis heute erfolgreiche Zusammenarbeit, welche auch die Warenhäuser einbezieht.
Zu diesen engagierten Exponenten des in der traditionellen Form untergegangenen Schaffhauser Detailhandels gehörte viele Jahre der Unternehmer Eugen Wehrli, ein Geschäftsherr und Gentleman alter Schule.
Er ist am 1. Juni kurz vor seinem 98. Geburtstag gestorben. Ich kannte ihn seit meinem fünften Lebensjahr, als er mich aus dem Lift in seinem Geschäftshaus befreite, wohin sich das aufgeweckte Kind zwecks Erprobung des mechanischen Aufstiegs begeben hatte, jedoch den Lift nicht mehr unter Kontrolle brachte. Das Geschrei im Schacht war weitherum hörbar, die Befreiung aus dem Lift wurde als Lebensrettung empfunden.

**Freundschaften fürs Leben**
Eugen Wehrli besuchte die Kantonsschule, wo er 1936 der Traditionsverbindung Scaphusia beigetreten war. Man kann füglich sagen, dass er in diesem Lebensbund jahrzehntelange Freundschaften fand. Er pflegte diese auch mit jüngeren Jahrgängen, weshalb er trotz seines hohen Alters nicht vereinsamte. Da sein Elternhaus an der Vordergasse «Zum gelben Horn» heisst, wurde ihm – etwas schlicht – der Vulgo «Hörnli» verliehen. Mit diesem Verbindungsnamen hatte er in Schaffhausen auch weit über die Scaphusia hinaus Verkehrsgeltung.
Obwohl meine Mama Dauerkundin bei Wehrli-Wösch war, kannte ich ihn zunächst nur von flüchtigen Ladenkontakten. Nach meinem Beitritt zur Scaphusia sah ich ihn 1962 erstmals in unseren Farben Blau-Weiss-Blau. Ich fragte angenehm überrascht, ob er auch in der Scaphusia sei, was ja eigentlich zu sehen war. Er antwortete: «Ja, offensichtlich, und von heute an bin ich für dich der Hörnli.» So bot ein Alter Herr und der Erste aus der Welt der etablierten Erwachsenen einem Fuxen das Du an, was damals alles andere als selbstverständlich war.
Aus dieser Geste wurde eine lebenslange Verbundenheit. Wenn ich autofrei in Schaffhausen war, kamen wir immer mal wieder in seiner Wohnung im «Kronenhof» bei einer Flasche Weissem zusammen und diskutierten die Welt von gestern mit den damaligen Exponenten des Raums Schaffhausen. Trotz seiner Zugehörigkeit zur reiferen Jugend war er geistig hervorragend präsent und erzählte interessante Geschichten über seine Zeitgenossen aus Handel und Politik, die längst die Fähre über den Jordan bestiegen hatten. Und wie immer beim Verfassen von Nekrologen tauchen auch jetzt die vielen hervorragenden Persönlichkeiten aus Scaphusia, FDP und Schaffhauser Wirtschaft vor dem geistigen Auge auf, die für uns als Scaphusianer und Studenten wie auch danach mit Rat und Tat da waren, wenn wir ein Anliegen hatten – heute Verpflichtung, es ihnen gleichzutun.
So verbleiben viele gute Erinnerungen an Eugen Wehrli, Freund Hörnli, und das ist, was zählt. Am 4. Juli wurde ihm in voll besetzter St.-Anna-Kapelle mit dem «Gaudeamus igitur» die letzte Ehre erwiesen. Fiducit!


#Notizen zu Namen

12. August 2017 | Natürliche Autorität machte ihn zur Vaterfigur

Schaffhauser Nachrichten

**Nachruf Alt Stadtpräsident Felix Schwank**

Mit Felix Schwank verliert unsere Stadt eine markante Persönlichkeit, die sich während einer langen politischen Laufbahn mit Herzblut für Schaffhausen eingesetzt und auch nach dem Rücktritt aus der aktiven Politik bis ins hohe Alter weiterhin rege am Geschehen unserer Stadt ­Anteil genommen hat.
Felix Schwank war in Romanshorn aufgewachsen und hatte dort die Schulen besucht, bis sein Vater Ende der 30er-Jahre als Postverwalter nach Schaffhausen gewählt wurde. Nach der 1942 bestandenen Maturität leistete ­Felix Schwank längere Zeit Militärdienst. Gegen Kriegsende nahm er an der Universität Zürich das Studium der Rechtswissenschaften auf, welches er im Herbst 1949 mit dem Doktorat abschloss. Nach dem Rücktritt von Verhörrichter Wilhelm Votsch wurde er im Herbst 1951 zum wohl jüngsten Verhörrichter in der Geschichte der Schaffhauser Justiz gewählt. Wenige Jahre später wurde er bereits Staatsanwalt.
Im Jahre 1951 heiratete Felix Schwank Ruth Suter. Ihrer Ehe entsprossen zwei Kinder. Die Wahl zum Stadtschulrat 1956, den er 1959 ein Jahr lang präsidierte, war für den jungen Familienvater ein erster Schritt in die Politik. 1960 wurde der damals erst 38-Jährige in den Schaffhauser Stadtrat gewählt, wo er schnell mit Walther Bringolf zu harmonieren begann. Nach acht Jahren Stadtrat wählten ihn die Schaffhauser – den Schaffhauserinnen war ­damals ja das Wählen und Abstimmen noch verwehrt – zu ihrem Stadtpräsidenten.
20 Jahre blieb Felix Schwank im Amt, unbestritten, wenn auch nicht immer von allen gleichermassen geliebt. Felix Schwank setzte mit einer neuen Bauordnung und der verkehrsfreien Innenstadt wichtige Akzente in der Stadtentwicklung Schaffhausens. Ferner förderte er kulturelle Institutionen wie das Museum zu Allerheiligen, das Stadttheater, Bibliotheken und das Stadtarchiv.

**Hartnäckig, aber respektvoll**
Durch seine klaren Vorstellungen und seinen Willen, zu gestalten statt zu verwalten, prägte er die Stadt während zweier Jahrzehnte. Mit besonderer Hingabe widmete er sich der Förderung von Kunst und Kultur und im Besonderen der Förderung neuer künstlerischer Richtungen. Durch seine natürliche Autorität wie auch durch seine persönliche Ausstrahlung war Felix Schwank zu einer Vaterfigur, zu einem Stadtvater, geworden. Seine Amtszeit ging deshalb auch als «Ära Schwank» in die Geschichte ein. Felix Schwank gehörte nicht zu jenen Politikern, die unauffällig im Strom schwimmen. Er vertrat stets seine eigene Meinung, fand aber auch immer Ansatzpunkte zu vermitteln. Er konnte ein recht unbequemer und hartnäckiger Gesprächspartner sein; doch gaben seine Standpunkte immer wieder zu Diskussionen Anlass, die stets respektvoll und auf demokratische Weise geführt wurden. Die demokratische Ausmarchung von Kontroversen lag ihm sehr am Herzen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, darf mit Anerkennung festgestellt werden, dass Felix Schwank in einer Zeit des raschen Wandels ganz wesentlich zur Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Stadt beigetragen hat.
Nach seinem Rücktritt aus der Politik wollte er eigentlich loslassen, sich seinen vielen sonstigen Interessen widmen, lesen, schreiben, jedenfalls nicht mehr politisieren. Aber so einfach war das nicht, er konnte nicht aus seiner Haut. So wies er in regelmässigen Abständen immer wieder darauf hin, wenn er politische Kurzsichtigkeit oder einfältige Entscheide ortete. «Unverstand» ärgerte ihn. Er war überzeugt, dass, wer die Gegenwart verstehen und gestalten wolle, auch Sinn für Kontinuität haben müsse. Diese historische Verantwortung wurde in seinen Augen von den Politikern und den «ewigen Umorganisierern» oft zu wenig ernst genommen. Dabei, so argumentierte er, dürfe der «Blick in den Rückspiegel», in die Vergangenheit nicht fehlen! In den 1990er-Jahren schrieb er mehrere Bücher, die Erinnerungen zum Inhalt haben. Auch in den «Schaffhauser Nachrichten» erschienen immer wieder Reminiszenzen aus seinem Leben, aus seiner vielseitigen Tätigkeit, in denen seine Ehefrau Ruth eine wichtige Rolle spielte. Für vergangene Ereignisse konnte er sich stets auf seine Tagebuchnotizen verlassen, die er sorgsam aufbewahrte.
Felix Schwank hatte gesundheitlich auch im hohen Alter kaum Probleme, auch im Geist war er jung geblieben. Nur sein Gehör machte ihm zu schaffen. Es war traurig, als er, naturverbunden, wie er stets war, eines Tages sagen musste, «auf einmal hörte ich im Wald die Vögel nicht mehr, plötzlich war es totenstill». Trotzdem wusste er auch damit umzugehen und verfolgte bis in die letzten Tage seines Lebens das Geschehen nah und fern.
Schaffhausen verliert mit Felix Schwank eine bedeutende Persönlichkeit. Der Stadtrat gedenkt seiner in grosser Dankbarkeit und entbietet den Angehörigen sein aufrichtiges Beileid.

Peter Neukomm, Stadtpräsident


**Felix Schwank: Geprägt vom weiten Horizont des Sees**

Felix Schwank zog 1936 von Romanshorn nach Schaffhausen um, wo sein Vater eine Stelle als Postverwalter antrat. Im 1994 erschienenen Buch «Sonnenohr» schildert er im ersten Kapitel diesen Umzug. Eintritt in die Lateinklasse der Realschule, nach einem Jahr Übertritt in die Kantonsschule. Schule empfand der junge Felix oft als Freiheitsberaubung. Zurechtfinden in der neuen Umgebung der Stadt war für den Seebuben nicht einfach. «Ich vermisste den weiten Horizont See, seine Farbe, seinen Duft.» Der Rhein war ein Teilersatz. Rauschen wie ein See konnte der Rhein am Moserdamm, wo die Weite aber vom Cholfirst begrenzt wird. Ich konnte ihn gut verstehen. Mit dem Bürgerort Altnau verbinde auch ich die Weite des Sees.
Weitblick und Orientierung fand mein Vater in der Kultur, der Natur, mit der Familie auf Bergwanderungen. Gesetzte Ziele halfen, Kräfte zu mobilisieren. Schon früh wurde mir klar, dass er keine halben Sachen mochte. So etwa, wenn ich bei Diktatverbesserungen flickte oder Tintenkleckse im Reinheft hinterliess.
Für makellose Reinschrift bewunderte ich später die Stadtrats-Hüttenbucheinträge von alt Stadtschreiber Hans Müller. Die Stadtratshütte ob Lieblosen war ein Ort, wo ich meinen Vater im Kreise anderer Stadtratsfamilien, fernab der Politik und doch politiknah, erfahren konnte. Die Hütte bot Raum zu Begegnungen quer zu politischen Bindungen. Prägend waren auch die Auftritte des Herrn Präsidenten, Walther Bringolf, an diesem Ort. Seine Erzählungen faszinierten die Runde und im späteren Jugendalter auch mich. Ich erahnte, dass Weitblick und Politik keine Gegensätze sein müssen. Visionen für die Zukunft dieser Stadt können verbinden. Das taten sie, begünstigt durch den wirtschaftlichen Boom der 60er-Jahre. Es war eine Zeit, wo führungsstarke Exekutiven gefragt waren.
Mein Vater trug in sich die Flamme der Freiheit, neben seiner Abneigung für halbe Sachen. Diese Flamme offenbarte er uns Kindern beim Geschichtenerzählen. Eine weitere Öffentlichkeit spürte sie in seinen Reden, Texten und seinen Büchern. Die Forderung «Macht aus dem Staat Gurkensalat» der autonomen Jugendbewegung der 1980er-Jahre konnte ihn, den Konzilianten, auf die Palme bringen. «Ihr wisst nicht, was ihr tut, mit solchen Forderungen zu sympathisieren», redete er mir mit Nachdruck ins Gewissen. Weder er noch ich ahnten 1980, dass ein Staat, der Leistungen im Rechtsrahmen wirksam erbringt, einmal «von oben» bedroht sein könnte: durch Laisserfaire in Finanzmärkten, durch supranational organisierte Raubritterzüge auf Vermögen und Steuereinnahmen.

**Deals waren nicht seine Sache**
Die Flamme der Freiheit hat in der Politik keinen leichten Stand, auch in einer Kleinstadt nicht. Um sie und seine Handlungsfreiheit zu schützen, wirkte mein Vater oft unnahbar, ja stur. Als arrogant hatte ich ihn nie erlebt. Kompromisse ja, aber bitte keine Deals nach dem Prinzip «Gibst du mir die Wurst, lösch ich dir den Durst». Er wusste, dass es bei Letzteren immer Dritte gibt, welche einen Preis bezahlen. Er hatte in schwierigen Kantonsschul- und Studienjahren nach dem Tod seiner Mutter selbst erfahren, was es bedeutet, einen solchen Preis zu bezahlen. Über Verletzungen der Seele spricht ein Politiker selten. Mein Vater suchte nach der Pensionierung dazu den Weg der Annäherung über die Bücher mit biografischer Strickleiter «Verdunkelte Tante» und «Sonnenohr». Und er freute sich über Besuche und Gespräche mit Freunden auf der Terrasse an der Randenstrasse. Mit ihm ist ein Freund der Stadt und ein Kind seiner Zeit von uns gegangen.

Othmar Schwank, Rüdlingen



Felix Schwank (1922–2017).
Bild B. + E. Bührer

#Alt-Scaphusia

8. August 2017 | Felix Schwank olim Fit

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Felix Schwank olim Fit
Dr. iur.
Generation 1940
1922-2017

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier findet am 17. August 2017 um 14 Uhr im Münster zu Allerheiligen in Schaffhausen statt.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 23. August 2017, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Allgemeines

25. Juli 2017 | Schäumig!

Coopzeitung Nr. 30
Martin Zimmerli

Shame on you, Journalist, schäme dich, du mit deinen Klischees! Zum Beispiel dem Klischee eines Braumeisters: um die sechzig, Rauschebart, hochgekrempelte Hemds-ärmel, Lederschurz, Body-Mass-Index 30+. Und dann kommt Zdzislaw Koltun daher, 37 Jahre jung, gestylter Dreitagebart, T-Shirt, Jeans und Figur eines Langstreckenläufers. Mit den überkommenen Vorstellungen konfrontiert, lächelt er schelmisch: «Ich kenne sie, es ist nicht das erste Mal.»
Geboren im polnischen Teil Oberschlesiens (daher der vermeintlich zungenbrecherische Vorname – dabei muss man für die korrekte Aussprache lediglich die beiden ersten Buchstaben weglassen und das W durch ein V ersetzen), aufgewachsen in Bayern, Lehre als Bierbrauer, Bundeswehr und Wanderjahre durch mehrere Länder und Getränkebereiche, kam Koltun 2013 zur Brauerei Falken in Schaffhausen. «Die Firma befand sich gerade in einem Generationenwechsel», erzählt er, der bald darauf vom Zweiten zum Ersten Braumeister aufstieg, im Organigramm «Leiter Produktion & Technik, Mitglied der Geschäftsleitung» genannt. Doch aus Titeln macht sich der Chefbrauer nicht viel. «Wenn es darauf ankommt, machen bei uns alle alles», sagt er, das sei der Betriebsphilosophie geschuldet. Da greife auch der CEO mal zum Wasserschlauch und spritze den Boden sauber.
«Ein Schluck Heimat» lautet der Werbeslogan der 1799 gegründeten Brauerei Falken. Sie hat 56 Angestellte, und die tun alles, um den Spagat zwischen Tradition und Innovation zu meistern. Was wiederum nicht zuletzt der Job des Braumeisters ist. «Wir müssen unsere traditionellen Kunden pflegen», sagt Koltun, «müssen aber mit Neukreationen auch den Nagel der Zeit treffen.» Dafür stellt er sich schon mal einen Tag lang in einen Laden oder setzt sich in eine Bar, beobachtet die Kundschaft und spricht sie auf ihr Kaufverhalten an. Und er degustiert sich durch die Angebote der Konkurrenz – «auch um meine Sensorik zu schärfen», wie er augenzwinkernd erklärt.

**Selbstständigkeit als oberstes Ziel**
Und die Resultate seiner Feldforschung? «Statt 0,5-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss machen wir heute solche mit 0,33 Litern.» Das entspreche dem aktuellen Trinkverhalten, vorab im Bereich der Spezialbiere wie Eidgenoss, Stammhaus oder Schwarzer Falke. Dann entwickelte Koltun mit seinen Leuten ein Biermischgetränk mit Äpfeln, das vor allem bei der Damenwelt gut ankommen soll. Und der neuste Coup ist ein Bier mit dem Namen «Hülse», ein geschmacklich austariertes Lagerbier. Noch trendiger und innovativer als das Bier selber sind dessen Verpackungen: einerseits die 100-prozentig wiederverschliess- und recycelbare Halbliterdose, andererseits die 0,33-Liter-Flasche, beide in edlem Mattschwarz, gestylt mit Studenten der Hochschule Luzern. Dazu gehört ein edler Trinkbecher im selben Look.
Solcherlei Innovationen sind es, die der Brauerei Falken AG ihre Selbstständigkeit sichern sollen. Im Moment spricht nichts gegen das Gelingen dieses Vorhabens: Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien des Landes.



Braumeister Zdzislaw Koltun mit einem Teil des Falken-Sortiments

#Notizen zu Namen

6. Juli 2017 | «Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld …»

Schaffhauser Nachrichten
Martin Schweizer

Die Terrasse hoch oben an der Lahnhalde ist reich bepflanzt. Rosen blühen, bei klarer Sicht sieht man weit über die Stadt hinaus bis zu den Alpen. Wenn es nicht gerade Katzen hagelt, empfängt der Gastgeber seine Besucher gewöhnlich in einer schattigen Sitzecke. Kein Wein heute, nur Wasser, es ist heiss. Felix Schwank steht kurz vor seinem 95. Geburtstag, der vom Tod seines Freundes und ehemaligen Stadtratskollegen Jörg Aellig überschattet wird.
Alles dreht sich an diesem Nachmittag um Jörg. Viel geredet wird nicht. Der ehemalige Stadtpräsident hat die Nachricht eben erfahren und ist, entgegen seiner Gepflogenheit, einsilbig. Und bestürzt, seine Miene verrät es, obschon man in den letzten Tagen mit dem Schlimmsten rechnen musste. Felix Schwank hatte seinen Freund und Weggefährten noch vor wenigen Tagen im Kantonsspital besucht. Er schien wieder «zwäg» und fast wie in alten Zeiten etwas aufmüpfig, sicher durfte man aber nicht sein.

**Stille im Wald**
Schwank und Aellig pflegten auch nach ihrem Abschied aus der aktiven Politik einen vergleichsweise engen Kontakt; sie tauschten sich aus, schrieben einander Briefe, aus den Ferien Ansichtskarten. Verabredeten sich zu einem Essen oder telefonierten, was allerdings je länger, je schwieriger wurde. Das Gehör. Schon vor Jahren sagte Felix Schwank: «Weisst du, auf einmal hörte ich im Wald die Vögel nicht mehr» – plötzlich war es totenstill. Traurig. Längst hat sich Schwank zwar arrangiert, bewundernswert klaglos. Doch inzwischen funktioniert sein Gehör überhaupt nicht mehr. Gespräche mit Felix Schwank sind, mit oder ohne Stöpselchen in den Ohren, lautmalerische Seiltänze, an ein klassisches Interview ist nicht mehr zu denken. Trotzdem, trotz der Beschwernis: Was der Meister mit seinen 95 Lenzen denkt und sagt, über Politisches, über Privates, ist und bleibt interessant. Und stockt das Gespräch, schaut man sich für einen Augenblick stumm und vielleicht etwas betreten an – um dann lachend die Anspannung zu lösen und nochmals von vorn zu beginnen.

**Die Patriarchen**
Alles auf Anfang! Heute gibt es allerdings nichts zu lachen, wir verabreden uns auf einen andern Tag. Zu Jörg Aellig und dessen Amtszeit sagt Schwank nur noch, bevor er den Gast in das Bähnchen entlässt, das an der Hanglage zu seiner Wohnung heraufund hinunterzuckelt: «Vor der jeweiligen Arbeit im Stadthaus gab es unter uns oft heftige Auseinandersetzungen. Aber am Ende war alles gut, Jörg und ich waren als Team stark und wussten, es konnte sich einer auf den andern verlassen.»
Ein Understatement, natürlich, denn das Duo Aellig/Schwank schrieb Lokalgeschichte. War in vieler Beziehung aussergewöhnlich und entscheidend für die relativ harmonische Entwicklung der Stadt. Beide ernteten in ihrer langjährigen gemeinsamen Tätigkeit gewiss nicht immer Beifall, die Herren waren auch unbequem, konnten «anecken» und mit ihrem «patriarchalisch oder autoritär wirkenden Stil den Unwillen auf sich ziehen», wie die «Schaffhauser Nachrichten» 1988, am Ende der legendären Ära, notierten.

**«Ich bin kein Greis»**
Felix Schwank, der gross gewachsene Mann mit immer noch intaktem Gedächtnis, gehört zur raffinierteren Sorte – zu jenen ausgefuchsten Politikern, die auf unbequeme Fragen gar nicht erst eingehen. Darum darf man keine Entgegnung auf den angeblichen «patriarchalischen Stil» erwarten. Stattdessen schaut der Chef ins Grüne und erklärt übergangslos, wieso er den Stock bei unserer Begrüssung nicht benutzt habe. Der Einsatz des eigentlich vernünftigen Hilfsmittels wäre seiner Meinung nach durchaus nötig, weil er, Schwank, vor Kurzem im Wohnzimmer unglücklich «gstügelet», lies: gestürzt, sei. Er vergesse den Stock aber häufig, offenbar weil er sich «unterschwellig» einrede: «Ich bin doch kein Greis!»
Ist er nicht, ein Greis, aber mit 95 doch in einem biblischen Alter. Test anderntags bei einem erneuten Anlauf zu einer kreativen Plauderei auf der Terrasse, mit einem Zitat der Hauptperson: «Es gibt kein Leben ohne Politik, es sei denn, man drücke sich davor oder verstehe Politik falsch, nämlich als das, was Sache der andern ist, der Politiker. In einer Demokratie ist jeder Politiker, jeder erwachsene Mensch als Bürgerin oder Bürger in Pflicht genommen.» Prompt jetzt die Antwort: Das mit der Politik könne «jeder halten, wie er wolle». Er, Schwank, habe es hingegen immer vorgezogen, «selbst zu politisieren statt mit mir politisieren zu lassen». Zusatzfrage: Gilt das auch für die lokale Politik – mit ihrer oft beschränkten Wirkung? Das «Beschränkte », bitte schön, will der Senior «überhört» haben, auch in der kleinsten Gemeinde sei «gute Politik» gefragt, die durchaus Wirkung entfalte.
Einverstanden, nächste Frage: Hat Felix Schwank noch Kontakt zu aktiven Politikern, zu freisinnigen Parteifreunden? Da er an Parteiversammlungen kein Wort mehr verstehe, habe er sich «dispensiert». Den Jahresbeitrag bezahle er, Mitglied der FDP seit 1950, aber nach wie vor, und zwar pünktlich. Etwas unvermittelt fügt Schwank hinzu, er habe ein gutes Verhältnis zu seinem jungen Kollegen Neukomm, wörtlich: «Wir können miteinander über alles reden, graue Eminenz bin ich aber nicht.» Die ehemaligen Vorgänger des Stadtpräsidenten, Hess, Wenger, Feurer, schätzt er genauso. Öffentlich äussert sich Felix Schwank aber nicht – nicht mehr – zur städtischen oder kantonalen Politik. So viel lässt sich aber immerhin sagen: Er mag es durchaus, mit den Mannen «seiner Wahl» hin und wieder Tacheles zu reden. Meistens geschieht das per Briefpost.

**Ruth im Mittelpunkt**
Themawechsel: Seit sechs Jahren, nach dem Tod seiner geliebten und in der Öffentlichkeit hoch geschätzten Ehefrau Ruth, lebt Felix Schwank allein in einer relativ grossen Wohnung. Fühlt er sich einsam? Kurze Pause. Dann holt er aus, spricht lange und berührend über Ruth: «Ich hätte bei Weitem nicht das leisten können, was zu leisten war, ohne meine Frau … Mir blieb wenig Zeit für das Familiäre. Da war Ruth der Mittelpunkt. Sie hatte auch die Gabe, mit allen Leuten zurechtzukommen, sei es der Lord of Westminster oder jemand vom Gartenverein.» Es gebe immer wieder Momente, «wo ich die Nähe meiner Frau noch heute stark spüre». Im Übrigen seien da auch sein Bruder, seine Kinder Marianne, Othmar. Die Enkel, Besuche von Freunden und Bekannten, kurzum: «Nein, allein gelassen bin ich nicht!»
Schön. Man glaubt es ihm ganz einfach, fragt sich insgeheim aber dennoch: Darf man einem Politiker eigentlich alles abnehmen? Stimmt es, dass neulich in der Dämmerung ein Fuchs über die Terrasse schlich? Wie kam der Schlaumeier da rauf? «Weiss nicht.» Und wie steht es mit der Behauptung, er, Schwank, könne gut kochen? «Ich, gut kochen? Das ist ein Missverständnis. Mein Problem ist, dass ich das essen muss, was aus meiner Pfanne kommt!» Dagegen der Haushalt: waschen, bügeln, staubsaugen, übersteige seine Möglichkeiten, sagt Schwank und nennt mit grossem Respekt Frau Richter, eine geduldige und liebenswürdige Frau, die seit Jahrzehnten mit der Familie Schwank befreundet ist und, einmal in der Woche, noch immer an der Lahnhalde zum Rechten sieht.

**Die Feder weggelegt**
Felix Schwank werkelt auch im hohen Alter oft und ausdauernd auf der Terrasse in seinem üppig wuchernden Garten. Schneidet Rosen, wässert, läuft mit dem Spaten herum. Nach getaner Arbeit setzt er sich gern in einen Sessel, liest die Zeitung, schreibt. Schwank ist ja auch Schriftsteller. Drei inzwischen vergriffene Bücher sind weit herum bekannt, das «Sonnenohr», die «Verdunkelte Tante», «Der Prophet und die Rauchwürste». Daneben erschienen mehr als 200 vergnügliche und nachdenkliche Erzählungen in den «Schaffhauser Nachrichten». Und im Bibliothekszimmer bewahrt er seine Tagebücher auf, die hier auszugsweise einmal publiziert wurden. Berühmt schliesslich seine kalligrafischen, schwungvoll mit dem Füllfederhalter verfassten Briefe. Aber schreiben, für die Zeitung, wie früher? Nein, da habe er «die Feder weggelegt». Die digitale Welt, meint er, «ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Sie ist zwar da und für die Zukunft wichtig. Doch weil ich zu ihr keinen Zugang habe, ist mein Weltbild inzwischen einseitig und offensichtlich fehlerhaft.» Manche Leute, mahnt er, blieben da heutzutage zurück und könnten unter der neuen Technik «den Boden unter den Füssen verlieren».
Felix Schwank liest dafür viel, sehr viel, und das täglich, neben Zeitungen und Zeitschriften Buch um Buch, Historisches, Biografien, Belletristik. Vor dem Einschlafen im Bett noch einen Krimi, Donna Leon, Agatha Christie. Schweizer Literatur? «Dürrenmatt ist mir näher als Frisch, über allen steht bei mir aber Gottfried Keller.» Allein die Gedichte, «hohe Kunst der Lyrik», zum Beispiel das «Abendlied»:

«Doch noch wandl’ ich
auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden
Gestirn gesellt …»

Anno Domini habe er in Zürich «als Pendler studiert», die Stadt aber «lieb gewonnen» über Kurt Guggenheims «Alles in Allem». Den Enkeln sage er jeweils, das «grossartigste Buch» sei die Bibel. «Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott …» Was gibt es «Bewegenderes als die ersten Sätze aus dem Johannes-Evangelium»?.

**Ein liberaler Geist**
Zurück zum Homo politicus. Es würde interessieren, wie sein Verhältnis zu Walther Bringolf war. Von 1961 bis 1968, also während Bringolfs Präsidialzeit, leitete der nachmalige Stadtpräsident Schwank das städtische Finanz- und Schulreferat. Kann er sich an die Anfänge, an die Sechzigerjahre erinnern? «Ja, klar. Die Zeit möchte ich nicht missen, Bringolf war ein grosser Schaffer und, wo er Vertrauen gefasst hatte, ein guter Kollege », sagt Schwank. Und um ihn, um Felix Schwank, geht es bei einer sehr träfen Würdigung von Norbert Neininger, dem ehemaligen Verleger und Chefredaktor dieser Zeitung, der mit einem Grusswort schon vor fünf Jahren etwas vom politischen Charakter des Jubilars vorweggenommen hat. Er bezeichnete Schwank als «zutiefst liberalen Geist, freisinnig im Denken und Handeln». Und als unvergleichliche Persönlichkeit mit «vorbildlichem Stil» und grossen Verdiensten für die Stadt.
Felix also doch ein Mann ohne Fehl und Tadel? Hat er, in all den zum Teil turbulenten Jahren, alles comme il faut gemacht, politisch, privat? «Was Norbert Neininger seinerzeit über mich geschrieben hat, ehrt mich», sagt der Geehrte, aber auch und selbstkritisch: «Wer tätig ist, macht Fehler. Davor war auch ich nicht gefeit. Die meisten Fehler lassen sich korrigieren. Nur muss man es tun.» Und was, überhaupt, ist letztlich wichtig, wesentlich im Leben? Antwort eines schon ziemlich Abgeklärten: «Je höher man steigt, desto wichtiger wird es zu wissen, dass es einen Höchsten gibt.»
Es kommt in den besten Familien vor, dass der Vater am Küchentisch immer die gleichen Heldentaten auftischt, Militär vorneweg. Das soll bei unserem Gespräch nicht passieren, weshalb wir gleich selber aus dem Repertoire von Felix Schwank schöpfen, der über die angebliche Weisheit des Alters einmal sinnierte: «Dass man von Altersweisheit spricht, hat damit zu tun, dass der Mensch Zeit braucht, um weise zu werden … Das Sehen muss zum Schauen werden, wie beim Sonnenuntergang, der ja auch mehr ist als ein naturwissenschaftliches Phänomen. Weisheit gedeiht am ehesten in der Beschaulichkeit. Man ist den letzten Dingen nahe, auf die der Weise zugeht und über die man eigentlich nicht mehr reden kann.»
Ein schöner Sommerabend kündigt sich auf der Terrasse an – zeitgleich mit den von Felix Schwank nochmals mit vernehmlicher Stimme vorgetragenen Zeilen aus Gottfried Kellers «Abendlied», das wir alle kennen und gleichwohl immer wieder innig mithören und mitfühlen:

«Trinkt, o Augen,
was die Wimper hält,
Von dem goldnen
Überfluss der Welt!»

Punkt. Und dann gilt’s: Herzliche Gratulation, lieber Felix, zum 95. Geburtstag! Kräftiger Händedruck. Und zum Abschied doch noch einen Rosé. Wir erheben das Glas, auch im Gedenken an unseren gemeinsamen verstorbenen Freund.


**Weiter Horizont und kulturelles Engagement**

*Von wenigen Freunden und Weggefährten wollten wir zum 95. Geburtstag von Felix Schwank wissen, möglichst kurz und bündig, wie sie die Amtszeit des Stadtpräsidenten a. D., ausser Dienst, heute beurteilen.*

Viele sind’s. Viele Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt reihen sich heute Donnerstag unter die Gratulanten. 95 Jahre. Und noch in beneidenswert guter Verfassung, geistig, körperlich. Fast drei Jahrzehnte und noch unter Walther Bringolf sass der Jubilar im Stadthaus. Hat engagiert und mit starker öffentlicher Präsenz politisiert, Weichen gestellt. Vorausschauend, zum Wohl der Stadt. Im historischen Lexikon der Schweiz steht dazu: «Felix Schwank setzte unter anderem mit einer neuen Bauordnung und der verkehrsfreien Innenstadt wichtige Akzente bei der Stadtentwicklung und förderte kulturelle Institutionen und Initiativen. In den 1990er-Jahren schrieb er mehrere Bücher, die Erinnerungen und Anekdoten zum Inhalt haben. »
In die Freude über den heutigen Tag mischt sich Dankbarkeit für die erbrachten Leistungen – und wohl auch ein bisschen Nostalgie. Sehnsucht nach der «guten alten Zeit» erwärmt das Herz, auch wenn früher nicht immer alles so rosig war, wie man sich dies rückblickend vorstellen mag. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen.
Dabei, nicht ganz überraschend, wird der Mann mit der Fliege mit Elogen geradezu eingedeckt. Fast nur eitel Sonnenschein.

**Peter Neukomm**, zum Beispiel. Er ortet Gemeinsamkeiten, beide hätten sie einen ähnlichen beruflichen Werdegang, «Felix Schwank ist auch studierter Jurist und wirkte vor seiner politischen Karriere als Stadtrat wie ich als Verhörrichter und Staatsanwalt». Die wirklich schöne Pointe aber folgt noch: «Felix Schwank ist auf den Tag genau 40 Jahre vor mir – ebenfalls im Sternzeichen Krebs – geboren.» Dann Neukomms Lobeshymne: «Für sein langjähriges, erfolgreiches Wirken als Stadtratsmitglied ab 1961 und als Stadtpräsident von 1969 bis 1988 bringe ich ihm grossen Respekt und Wertschätzung entgegen. Unter seiner Ägide wurde die Altstadt 1972 als eine der ersten Schweizer Innenstädte autofrei. Zudem war auch ihm das kulturelle Engagement der öffentlichen Hand sehr wichtig, weil er wusste, dass dies die Qualität einer Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort spürbar positiv beeinflussen kann.» Und weiter: Ihm, Felix Schwank, sei es wesentlich zu verdanken, dass «mit den Hallen für Neue Kunst über mehrere Jahrzehnte eine der weltweit wichtigsten Sammlung zeitgenössischer Kunst in Schaffhausen ausgestellt werden konnte, denn er hatte deren grosses Potenzial schon früh erkannt».

**Kurt Amsler**, ehemals Regierungsrat und danach Direktor der Kantonalbank, lernte Felix Schwank in jungen Jahren durch die Verbindung Scaphusia kennen. Er beeindruckte ihn «durch seine Eloquenz», wirkte damals auf den jungen Amsler aber «etwas abgehoben ». Längst vorbei. Schon während ihrer politischen Tätigkeit in der Stadt und im Kanton sind sich nähergekommen. Heute, im Alter, «fühlen wir uns», so Amsler, «freundschaftlich verbunden », auch dank der Nachbarschaft an der Lahnhalde. Felix glänze immer noch «durch vielfältige Interessen und durch sein beeindruckendes Wissen», kurz und gut: «Die Altersmilde hat uns beide eingeholt, und wir freuen uns auf jede Begegnung.»

Von einer bereichernden Zusammenarbeit spricht **Tina Grütter**, Konservatorin von 1986 bis 2001 im «Allerheiligen ». Felix Schwank war für sie als Stadtpräsident und Museumsreferent die «ideale Persönlichkeit, mit seinem kulturellen Wissen und seiner Intelligenz die Bedeutung des Museums zu erkennen und öffentlich zu vertreten». Kamen irgendwelche Parlamentarier, vom Gemeinderat bis zum Bundesrat, nach Schaffhausen, so veranlasste er, dass sie durch das Museum geführt wurden. Schwank war sehr interessiert und neugierig. Manchmal, erinnert sich Grütter, tauchte er kurz vor der Eröffnung einer Ausstellung unvermittelt im Wechselsaal auf und konnte sich auch kritische Bemerkungen nicht verkneifen, etwa im Stil von: «Mue da gschpässig Bild unbedingt a dere Wand hange?»

Kunst und Kultur standen in jenen Jahren auch für **Arthur Ulmer** im Vordergrund. Zuständig damals in der städtischen Verwaltung für das Personal und hoch motiviert in Bezug auf Kulturbelange wie das Internationale Bachfest und das Stadttheater, erlebte er dabei Felix Schwank als einen äusserst «grosszügigen und zukunftsorientierten Chef von absoluter Zuverlässigkeit ».

**Charles Gysel** wiederum, ein im besten Sinne politisches Urgestein, meint überschwänglich: «Ich habe Felix als Stadtpräsidenten und als Kantonsrat erlebt. Wenn er im Kantonsrat das Wort ergriff, referierte er messerscharf und grundsätzlich. Er war eine sehr belesene Persönlichkeit, was er mit Zitaten immer wieder untermauerte. Und man hat ihm gern zugehört. Wenn er das Wort verlangte, hatte er auch etwas zu sagen, brillant in der Wortwahl und rhetorisch hervorragend. Politisch Andersdenkenden sagte er, was Sache sei – aus seiner Sicht natürlich –, aber stets die Contenance wahrend.» Und, so der Wilchinger und ehemalige Bankdirektor: «Mit Felix Schwank habe ich mich auch in der Förderung von Kunst und Kultur verstanden, zum Beispiel in Bezug auf die Hallen. Bei persönlichen Begegnungen, bei einem Glas Wein, war er zudem ein spannender und witziger Unterhalter.».

Ähnlich erinnert sich **Marcel Wenger**. Felix Schwank habe Schaffhausen in der Kultur und im Rahmen der Schweizer Städte wie kaum jemand zuvor «strategisch bewusst positioniert». Das war laut Wenger «nie einfach in einem Kanton, der auf die Beherrschung der Landschaft durch die Stadt im ‹ancien régime› völlig überreagiert hat und auch heute noch zu viele Gelegenheiten wahrnimmt, die Stadt nicht als urbane Realität, sondern als Konkurrenz zum Kanton zu verstehen». Für Schwank waren dagegen «Augenhöhe und gelebter Föderalismus wichtige Eckpfeiler seines Stadtverständnisses ». Nicht immer habe das einstige Stadtoberhaupt darauf eine positive Rückmeldung erhalten, dabei zeigten «die Irrtümer bei der Zusammenlegung der Polizei oder die massiv gestiegenen Kosten für die Stadt nach der Fusion der Tiefbauämter, wie wichtig eine urbane Hauptstadtkultur in der Politik für Schaffhausen ist».

**Thomas Feurer**, wie Wenger ehemals Stadtpräsident, sagt, gefühlvoll wie eh und je: «So weit wie die Aussicht von seiner Terrasse ist der Horizont des Jubilars. Treffen mit Felix Schwank sind deshalb auch heute noch eindrücklich und ein grosses Vergnügen. In meiner Jugendzeit war er mein langjähriger Stadtpräsident, hoch geachtet, ein wenig gefürchtet und nicht immer auf meiner Linie.» Aber, so Feurer: «Ich bin dankbar, dass ich als einer seiner Nachfolger durch ihn verstanden habe, was dieses Amt ausmacht: Respekt vor den Menschen, Respekt vor der Natur und Respekt vor allen schöpferischen Kräften. Respekt macht mehr Eindruck als Lärm und bringt auch unterschiedliche Anliegen zusammen.».

Das Schlussbouquet kommt von **Martin Schläpfer**, Redaktor der SN zwischen 1977 und 1985 und in der Redaktion unter anderem für die städtische Politik verantwortlich. Schläpfer bringt die damalige zum Teil heisse politische Phase so auf den Punkt: «Als Nachfolger des monumentalen Walther Bringolf gelang es Felix Schwank, den Ruf der renommierten Kulturstadt Schaffhausen noch zu mehren. Im Nachgang zur 68er-Bewegung hielt er die an die Macht drängelnden jungen Linken erstaunlich gut in Schach – dank rhetorischer Schärfe, grosser Menschenkenntnis und feinem Gespür für neue gesellschaftliche Strömungen. Zusammen mit Baureferent Jörg Aellig, seinem kongenialen Mitstreiter, nutzte er die Aufbruchstimmung jener Jahre mit Entschlossenheit und setzte städtebauliche Akzente, die weit über die engen Grenzen Schaffhausens beachtet wurden.» (-zer)


**Zur Person**
*Felix Schwank, alt Stadtpräsident*

Felix Schwank, Dr. iur., von Altnau. Matura in Schaffhausen. Nach Studien an der Universität Zürich unter anderem Verhörrichter, Staatsanwalt, dann Stadtschulrat. Von 1961 bis 1968 städtischer Finanz- und Schulreferent, 1967 bis 1989 Kantonsrat, 1969 bis 1988 Schaffhauser Stadtpräsident. Mitglied der FDP. Buchautor, Zeitungskolumnist. Stiftungsrat der Carl Oechslin-Stiftung.



Jubilar Felix Schwank in seinem geliebten Rosengarten.
Bild B. + E. Bührer



Magistraten beim Kunstgenuss: Felix Schwank und sein Vorgänger Walther Bringolf.
Bild B. + E. Bührer



Ein historisch einmaliges Gruppenbild, entstanden an der diesjährigen Generalversammlung der Kraftwerk Schaffhausen AG vom 16. März 2017 im Park Casino: Da der Stadtpräsident von Amtes wegen VR-Präsident ist, sind traditionell immer auch die ehemaligen Stadtpräsidenten eingeladen. Felix Schwank war nach vielen Jahren wieder einmal dabei. Zufälligerweise kamen neben dem amtierenden auch alle übrigen ehemaligen Stadtpräsidenten, sodass die Gruppe komplett war. Von links nach rechts: Peter Neukomm, Max Hess, Marcel Wenger, Felix Schwank, Thomas Feurer.
Bild zvg

#Notizen zu Namen

6. Juli 2017 | Selbstbewusst hinaus in die Welt

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

Ein Abend, an den die über 130 jungen Frauen und Männer wohl noch lange denken werden: Feierlich wurden ihnen in der Kirche St. Johann in Schaffhausen ihre Zeugnisse für die bestandene Matura und Fachmatura übergeben. Dafür hatten sich zahlreich Eltern, Geschwister, Grosseltern und Freunde eingefunden, fast alle Bänke waren voll besetzt. «Ihr habt einen Meilenstein erreicht!», rief Regierungsrat und Erziehungsdirektor Christian Amsler der Menge von der Bühne aus zu. Die Welt stünde den jungen Menschen nun offen. Allerdings gelte es in Zukunft, noch einige Prü­fungen zu meistern, doch: «Was Sie ­gelernt haben, gehört Ihnen ganz ­allein, dass kann Ihnen niemand mehr weg-­nehmen.» Als selbstbewusste Schaffhauser sollen laut Amsler die Absolventen auftreten. Gleichzeitig ermutigte er sie auch, politische Verantwortung zu übernehmen. «Ob in diesem oder einem anderen Kanton oder für die ­gesamte Schweiz.»
Die eigentliche Maturarede in diesem Jahr hielt jedoch der Radiojournalist Alexander Blunschi, der selbst im Jahr 2000 an der Kantonsschule seine Matura gemacht hatte. Um den jungen Frauen und Männern zu vermitteln, was das damals für Zeiten waren, erklärte er gut gelaunt und unter einigen Lachern: «Wir waren 22 in der Klasse, und nur einer hatte ein Handy, auf dem man gerade mal 50 Nummern speichern konnte.» Facebook habe es noch nicht gegeben; wenn man Tratsch und Klatsch habe austauschen wollen, sei man ans Lindli gegangen. «Und die Kennenlern-App Tinder hiess bei uns noch Kammgarn.» Anschliessend gab er ­ihnen einen guten Ratschlag mit auf den Weg: «Natürlich müsst ihr auch Geld verdienen, aber sucht euch etwas, das ihr gerne macht.» Und sollte sich die Arbeit als nicht erfüllend erweisen, sollten die jungen Menschen auch nicht davor zurückscheuen weiterzugehen: «Denn ihr seid für euer Glück verantwortlich, und das Einzige, was ihr nicht werden sollt, ist verbittert und zynisch.» Ausserdem riet er ihnen eindringlich, den Kontakt untereinander nicht zu verlieren.

**Gelungenes Musikprogramm**
Für das feierliche Rahmenprogramm hatte die Kantonsschule anscheinend alles aufgeboten: Ob das Trompetenensemble, das Streicher­ensemble, das Vokalensemble oder die Jazz-Workshop-Band – sie alle zeigten ihr Können auf gelungene Weise. Doch vor allem der Kammerchor mit fast hundert Sängerinnen und Sängern begeisterte mit «Circle of Life» und «We are the World». Was die Zukunft nun für viele Absolventen der Kanti bringen wird, zeichnete sich wohl mit der Wahl des letzten Liedes ab: Beim Studentenlied «Gaudeamus igitur» («Lasst uns also fröhlich sein») durften schliesslich alle Kirchenbesucher mitsingen.


**Abschluss 2017**
**Die erfolgreichen Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen**

**Musisch-neusprachliches Gymnasium**

Klasse 4ma
*Klassenlehrerin: Suzanne Koradi*

Julian Alvarez, Lohn; Kritsada Aree, Stetten; Frederik Duer, Stetten; Selina Frauenfelder, Flurlingen; Giulia Geier, Thayngen; Corinne Gutknecht, Opfertshofen; Carole Häner, Flurlingen; Johanna Junger, Stein am Rhein; Sereina Landolt, Uhwiesen; Valerie Lenhard, Thayngen; Christian Locher, Schaffhausen; Emanuel Mauch, Flurlingen; Sara Mihic, Schaffhausen; Nevin Oeztürk, Schaffhausen; Debora Riesen, Schaffhausen; Lara Schäffeler, Stein am Rhein; Gianna Schmid, Schaffhausen; Leonie Schmitz, Stein am Rhein; Tiziana Schreiber, Feuerthalen; Gloria Stoll, Osterfingen; Nadja Stübi, Neuhausen am Rheinfall; Simona Volpe, Schaffhausen.

Klasse 4mb
*Klassenlehrer: Roger Staub*

Luise Egestorff, Neuhausen am Rheinfall; Marine Eggli, Schleitheim; Anna Ehlebracht, Dachsen; Linda Gasser, Hallau; Melina Gasser, Wilchingen; Monika Grabski, Beringen; Charles Graham, Schaffhausen; Joachim Jirat, Neuhausen am Rheinfall; Valerie Keller, Beringen; Zora Lanz, Hallau; Leon Marti, Schaffhausen; Robert Matic, Beringen; Irma Omlin, Schaffhausen; Tina Ott, Schaffhausen; Helen Rosenast, Schaffhausen; Seraina Schmed, Schaffhausen; Lina Schurter, Gächlingen; Lieneke Smolders, Schaffhausen; Nino Storrer, Schaffhausen; Jana Weidmann, Schaffhausen; Camille Zbinden, Trasadingen.

**Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium**

Klasse 4na
*Klassenlehrer: Dr. Wolfgang Behschnitt*

Saro Aellig, Dörflingen; Jonas Brütsch, Uhwiesen; Linda Bültemann, Schaffhausen; Corinne Eichholzer, Schaffhausen; Jelena Krizic, Schaffhausen; Nadja Meister, Schaffhausen; Yannis Möckli, Schlatt; Noah Nolè, Neuhausen am Rheinfall; Philip Novak, Stetten; Selina Passafaro, Thayngen; Dennis Sala, Schaffhausen; Johannes Schäfer, Schaffhausen; Jeremy Schenkel, Stein am Rhein; Raphael Schweri, Schlatt; Simon Stamm, Thayngen; Jakob Suter, Bargen; Oliver Vogt, Neuhausen am Rheinfall; Lars Waldvogel, Stein am Rhein; Jonas Wolter, Schaffhausen.

Klasse 4nb
*Klassenlehrer: Peter Rüegg*

Manuel Adassery, Schaffhausen; Selina Aeschlimann, Beringen; Dominik Bohl, Schaffhausen; Muhammed Dogan, Schaffhausen; Nadine Engeler, Schaffhausen; Dominic Fehr, Buchberg; Bogdan Gadzhylov, Schaffhausen; Birger Gross, Beringen; Elias Huber, Beggingen; Valentin Huber, Löhningen; Kevin Illi, Schaffhausen; Gian Klingler, Hallau; Michael Koch, Schaffhausen; Roman Mattoscio, Schaffhausen; Marco Schlatter, Schaffhausen; Anna Schmitt, Hallau; Rafael Sonderegger, Schaffhausen; Frederic Su, Gailingen; Daniel Walter, Beringen; Michael Wanner, Hemmental.

**Sprachlich-altsprachliches Gymnasium**

Klasse 4sa
*Klassenlehrerin: Silvia Nogradi*

Claudio De Rosa, Schaffhausen; Diego Di Santo, Thayngen; Tim Hetzer, Schaffhausen; Theresa Illmer, Schaffhausen; Jennifer Kaninke, Löhningen; Helen Kuhn, Schaffhausen; Seraina Letta, Schaffhausen; Mischa Pfeiffer, Schaffhausen; Yannick Schmuki, Schaffhausen; Lynette Weber, Schaffhausen; Björn Wegberg, Langwiesen; Noemi Zähner, Neuhausen am Rheinfall.

Klasse 4sb
*Klassenlehrerin: Alessandra Palumbo*

Dolker Angotsang, Schaffhausen; Kesang Angotsang, Schaffhausen; Stella Bettini, Beringen; Megan Blandford, Stetten; Giulia Bollinger, Feuerthalen, Ronja Bollinger, Beringen; Chiara Cesaretti, Neuhausen am Rheinfall; Nadine de Breet, Feuer- thalen; Michael Erni, Wilchingen; Dean Gasser, Schaffhausen; Arbijosa Kukleci, Neuhausen am Rheinfall; Pia Leu, Schaffhausen; Dhanya Maliakal, Schaffhausen; Fabienne Ritzmann, Schaffhausen; Linus-Bertil Schmid, Schaffhausen; Annina Stoll, Flur­lingen; Maurice Storrer, Lohn; Lorenz Strologo, Schaffhausen; Maurus Van der Haegen, Schaffhausen; Marc Wanner, Schaffhausen.

**Fachmaturität mit Praxisjahr**

Klasse 4fma
*Klassenlehrer: Boris Bänziger*

Anja Burri, Löhningen; Alina Fürpass, Lohn; Prisca Gasser, Hallau; Jasmin Holderegger, Wilchingen; Teodora Koscica, Schaffhausen; Angela Liberato, Beringen; Vincent Ruppli, Schaffhausen; Jasmin Scherrer, Osterfingen; Vanessa Schlatter, Schaffhausen; Sara Stamm, Schleitheim; Laila Tahiri, Schaffhausen; Lin Zimmermann, Dachsen.

**Fachmaturität Pädagogik**

Klasse 4fmp
*Klassenlehrer: Boris Bänziger*

Leandra De Nardo, Löhningen; Sarah Graf, Ramsen; Emma Krattiger, Beringen; Stella Miori, Neunkirch; Olivia Morath, Schaffhausen; Perla Paradiso, Schaffhausen; Larissa Schmocker, Thayngen; Thi Khanh Ly Tran, Schaffhausen; Nicole Welz, Thayngen.

Legende



Der Anerkennungspreis der Verbindung Munot für die beste Maturaprüfung wurde Linus-Bertil Schmid von Richard Ronner überreicht.
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

5. Juli 2017 | Grenzsteine erzählen Geschichten

Zürcher Oberländer
Ursula Binggeli, sfd

Es gab einmal eine Zeit, da nahm man in gewissen Gegenden beim Setzen eines neuen Grenzsteins stets die Jungmannschaft mit aufs Feld. Die Schaufeln flogen, das Loch wurde tiefer und tiefer – und kurz bevor der grosse Grenzstein hineingestellt wurde, deponierte man darin ein geheimes, kleines Objekt aus Ton, Keramik oder Glas, den sogenannten Zeugenstein.
Diesem war eine wichtige Aufgabe zugedacht: Er sollte später bei Grenzstreitigkeiten die ursprüngliche Platzierung des Marchsteins markieren. Dann wurde noch ein Bub an beiden Beinen gepackt und ohne viel Federlesen kopfvoran für kurze Zeit ins Loch gehängt; wieder draussen, gab es einen zünftigen “Chlapf hinter d Ohre”. Das Prozedere sollte dafür sorgen, dass der Bub die Lage des Marchsteins sein Leben lang nicht vergass und dieses Wissen in die Zukunft tragen konnte.

**Vergessenes Dasein**
“Grenzsteine erzählen Geschichten”, sagt Christian Birchmeier. Dass sich manche von ihnen historisch belegen lassen, fasziniert ihn immer wieder von Neuem. Der 65-jährige Geograf und Militärhistoriker verbringt jede Woche mehrere Stunden im Staatsarchiv Schaffhausen und widmet sich dort mit Akribie der Erforschung der alten March- und Zeugensteine in seinem Heimat- und Wohnkanton.
Ein paar Grenzsteine sind heute in Lokalmuseen zu besichtigen. Das älteste noch erhaltene Exemplar befindet sich im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen – es datiert von 1535. Andere sind zum Ausflugsziel für historisch Interessierte geworden, so etwa der “Schwarze Stein”, der am weitesten nördlich gelegene Grenzstein der Schweiz: Über ihn haben die Schaffhauser einst vom Gericht mit Verbannung belegte Personen aus dem Land gejagt.
“Ein Grossteil der Steine befindet sich aber verstreut und versteckt in der Landschaft und fristet ein einsames, vergessenes Dasein”, sagt Christian Birchmeier. Gerade kürzlich hat er wieder einen von ihnen gefunden, auf dem Randen, dem Höhenzug im Norden des Kantons – stark überwuchert, die Jahreszahl jedoch noch erkennbar: 1643.

**Schachtel um Schachtel**
Weitere Entdeckungsreisen im Freien sind im Moment nicht angesagt, weil Christian Birchmeier zuerst in monatelanger Arbeit die unzähligen Schachteln durchforsten will, die ihm der Staatsarchivar bereitgestellt hat: Vergilbte Gemeinderechnungen, mit aufwendigen Siegeln versehene March- und Bannbeschriebe, abgefasst in zum Teil nur schwer entzifferbarer Handschrift.
In allen von ihnen können sich Hinweise auf Grenzsteine finden; meistens handelt es sich dann um minutiöse Beschreibungen. Weil Grenzsteinsetzungen stets eine Sache der Obrigkeit waren, wurden sie entsprechend dokumentiert.
Akten durchsehen, Listen anfertigen, Kategorien anlegen, Überblick schaffen – so umschreibt Christian Birchmeier sein Vorgehen. Systematisch, geduldig, neugierig. “Jede Schachtel ist für mich wie eine Wundertüte: Ich öffne die Schleife, die sie zusammenhält, hebe den Deckel und gucke gespannt hinein.”
In den stillen Stunden im altehrwürdigen Lesesaal des Staatsarchivs blättert Christian Birchmeier langsam Seite um Seite um, “immer voll Ehrfurcht vor der Arbeit der damaligen Feldmesser”, und freut sich, wenn er – wie etwa in einem Bannbeschrieb von 1656, dem Jahr, in dem Schaffhausen einem süddeutschen Grafen das Klettgau abkaufte – aufs Mal Angaben zu vielen neu gesetzten Marchsteinen finden kann, “alle genauestens kartografiert”.
Zwar interessiert sich Christian Birchmeier dabei primär für Hinweise auf Zeugensteine, aber er kann sich auch ob anderer Funde begeistern. Unvergesslich bleibt etwa der Moment, als er in einer Schachtel mit Plänen und Bannbeschrieben auf Holzmodelle von Grenzsteinen aus dem Jahr 1657 stiess, jedes etwa 15 cm hoch. “Ein Highlight.”
Aber mehrheitlich gleiche seine Forschungstätigkeit dem berühmten Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, sagt er. Und fügt an: “Setzen Sie Ihren Bericht doch unter den Titel: Freizeitbeschäftigungen eines pensionierten Schulmeisters.”

**Ziel: ein Buch**
Christian Birchmeier ist seit 40 Jahren als Lehrer tätig, zuerst an der Kantons-, danach an der Berufsschule. Seit 25 Jahren nehme er keine Arbeit mehr mit nach Hause, sagt er. “Da habe ich konsequent Grenzen setzen müssen; nur so habe ich mir genügend Freiraum für alles andere schaffen können.”
Nun freut er sich auf den Sommer – Ende Schuljahr 16/17 geht er in Rente und wird noch mehr Zeit haben, seine vielfältigen Interessen und Aktivitäten zu pflegen: die Philatelie, den Aufbau und Unterhalt von Archiven wie demjenigen des Männerchors Stein am Rhein, den Hüttenwartjob in der SAC-Hütte Hasenbuck auf dem Randen, das Verfassen lokalhistorischer Zeitungsartikel – und natürlich die Grenz- und Zeugensteinforschung.
Anders als im Nachbarkanton Zürich, wo Grenzsteine von Amtes wegen inventarisiert werden, und anders als im nahen Deutschland, wo sie als Kleindenkmäler gelten und entsprechend öffentliche Zuwendung geniessen, kümmere sich in Schaffhausen niemand gross um sie, sagt Christian Birchmeier. “Nun mache das halt ich – auf eigene Faust. Soviel ich weiss, bin ich der Einzige im Kanton.” Seine Erkenntnisse will er, wenn die letzte Archivschachtel durchgesehen und die anschliessende Feldarbeit dann ebenfalls abgeschlossen ist, in einem Buch festhalten.

**Grenzbetrachtungen**
Woher rührt sein grosses Interesse am Thema Grenzmarkierungen? Als Geograf sei ihm diese Materie halt vertraut, sagt Christian Birchmeier. Und sicher spiele es eine Rolle, dass er in Schaffhausen gross geworden sei und schon früh erfahren habe, dass eine Grenze die Welt in hüben und drüben teile.
Prägend waren später dann die zwei Jahre, in denen er als Angehöriger der neutralen Überwachungskommission für den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea Teil der ältesten friedensstiftenden Mission der Schweizer Armee war. “Ich war ein junger Mann damals, und in Korea zu erleben, was eine hermetisch geschlossene Grenze bedeutet, hat mich zutiefst beeindruckt.”
Manchmal kommt Christian Birchmeier ob all dem ins Philosophieren. Er ist überzeugt, dass es Grenzen braucht, zwischen Ländern, zwischen Menschen. Anders sei ein gutes Zusammenleben nicht denkbar – da ist er sich ganz sicher. “Aber die Grenzen müssen durchlässig sein.”
So ist er denn an einem schönen Sommertag gerne mit seinem Weidling auf dem Rhein unterwegs, der die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz bildet, und lässt sich von der Strömung genüsslich zwischen den beiden Ländern hin und her treiben.



Christian Birchmeier verbringt jede Woche mehrere Stunden im Staatsarchiv Schaffhausen
Bild: Keystone

#Allgemeines

30. Juni 2017 | Eine Flasche Pisner gefällig?

Neue Zürcher Zeitung
Rudolf Hermann, Stockholm

Nein, es ist kein Druckfehler, die neueste dänische Bier-Kreation heisst tatsächlich so: Pisner. Und ja, wenn sich beim Wortklang eine vielleicht etwas unangenehme Assoziation einstellt, dann ist das durchaus beabsichtigt. Pisner nämlich ist in einem Land, das sich als Pionier betrachtet bei der «zirkulären Wirtschaft», der Wiederverwertung von Abfällen zu neuen Rohstoffen in einem möglichst geschlossenen Kreislauf, die Verwirklichung dieses Prinzips bis in die letzte Konsequenz.

**Der Kreislauf des Biers**
Aber schön der Reihe nach. Zum Sommeranfang findet jeweils am westlichen Rand des Grossraums Kopenhagen das Roskilde-Festival statt, Dänemarks grösstes Rockfestival, das regelmässig bekannte Namen und über hunderttausend Besucher anzieht. Weil es auch in Dänemark manchmal heiss ist im Sommer, wird viel Bier getrunken (es wird auch getrunken, wenn es nicht so heiss ist). Was die Besucher an Flüssigkeit nicht ausschwitzen, müssen sie auf andere Art wieder loswerden. Im vorletzten Jahr liess die dänische Landwirtschafts- und Lebensmittelbehörde am Festival 54 000 Liter Urin von den Besuchern auffangen, um ihn zu Dünger verwerten zu lassen. Nun gab sie ihn an die interessierte Bevölkerung zurück – in Form von Bier.
Natürlich aber indem der am Roskilde-Festival eingesammelte Dünger-Rohstoff dazu verwendet wurde, dem Wachstum der elf Tonnen Gerste nachzuhelfen, aus denen die Kopenhagener Bio-Boutique-Brauerei Nörrebro Bryghus nun ihr Pisner herstellt. Das neue Bier wurde am Dienstag vor dem Haus Axelborg, dem Sitz der Landwirtschafts- und Lebensmittelbehörde, der Öffentlichkeit vorgestellt.

**«Mutiges Marken-Experiment»**
Mit der Aktion wolle man eine junge Zielgruppe auf Fragen der Rezyklierung und Weiterverwertung aufmerksam machen, sagte eine Sprecherin der Behörde gegenüber der Internet-Publikation «The Local», die über das Ereignis berichtete. «Wenn du nicht weisst, was Rezyklierung ist, dann kannst du hier ein bisschen davon kosten», hiess es auf einem grossen Banner am Stand vor dem Haus Axelborg, wo am Dienstag während dreier Stunden das Bier gratis an die Passanten verteilt wurde.
Das Amt kaufte Nörrebro Bryghus die gesamte Pisner-Produktion von rund 60 000 Flaschen ab und will das Bier nun mit Grossverteilern unter die Leute bringen – mit der Original-Bezeichnung. «Ein mutiges Marken-Experiment», befand Henrik Vang, der Chef der Brauerei. Das Publikum reagiere gespalten, doch sei es immer gut, zu den Kunden ehrlich zu sein.

#Allgemeines

18. Juni 2017 | Schreibwettbewerb der Stiftung «Scaphusia-Preis» 2017

Kantonsschule Schaffhausen, Online

Am 9. Juni 2017 fand an der Kantonsschule die Preisvergabe des alle zwei Jahre ausgeschriebenen Wettbewerbs der Stiftung «Scaphusia-Preis» statt.
Die Teilnehmer am diesjährigen Schreibwettwettbewerb mussten eine Kurzgeschichte, einen Sketch oder einen Dialog zum Thema Missverständnis(-se) verfassen.
16 Beiträge wurden eingereicht. Erfreulich ist die Tatsache, dass sich Schülerinnen und Schüler aller Stufen (1. – 4. Klasse) und aller Profile (musisch-sprachlich, naturwissenschaftlich, sprachlich-altsprachlich, FMS) am Wettbewerb beteiligten.
Die Texte wurden von Alexander Wanner gesammelt und anonym an die Jury (Susanne Bernhard, Edith Fritschi, Norbert Hauser, Detlef Roth, Reinhard Nowak) weitergeleitet. Die Jury kannte also keine Namen, als sie die Texte las und beurteilte.

Dies sind die Preisträger und ihre Texte:

1. Rang (1000 Franken in bar): Louise Roos (2sb) mit dem Text
Eine eigene Zeile für die Null

2. Rang (600 Franken in bar): Nils Kessler (3sa) mit dem Text
Weltenbrand

3. Rang (300 Franken in bar): Pascale Pfeiffer (1sa) mit dem Text
Ein einfacher Abend

#Allgemeines

15. Juni 2017 | Der Gewinner-Text des Scaphusia-Preises 2017: Eine eigene Zeile für die Null

Schaffhauser AZ
Louise Roos

«Und dieses Handy ist für dich. Somit können wir immer in Kontakt stehen und du kannst sogar mal Cindy in der Schule anrufen. Es hat extra grosse Tasten und ist einfach zu handhaben. Wie gefällt es dir?» Sie sitzt da und starrt auf das Natel. Ein Mobiltelefon. Ein Seniorenhandy. Überdimensionierte Tasten, für jede Zahl eine. Vier Zeilen, zwölf Tasten mit zehn Zahlen und zwei weiteren Symbolen. In der zweituntersten Zeile rechts die Neun, unten in der Mitte die Null. Eine eigene Zeile für die Null, ein neuer Abschnitt, eine eigene Epoche, eine neue Welt. Schon wieder.
Ihr Blick schweift zu den Besuchern. Zwei davon hantieren selbst wild mit ihren Geräten. Sie sind ganz in Gedanken versunken, so weit weg. Gross, diese Handys, geradezu monströs und wie viel Platz sie einnehmen. Der Bildschirm, der beim Berühren gewisser Tasten auf leuchtet, irritiert sie. Ich bin es nicht gewohnt, das ist nicht meine Zeit.
«Danke, ich werde davon gewiss Gebrauch machen.» Ihre Mundwinkel ziehen sich hoch. Einer der Besucher löst seinen Blick vom Handy und geht auf sie zu. «Für dich, eine Lektüre. Ich habe es in einem Buchgeschäft gefunden und mir gedacht, dass es dir gefallen könnte. Du liest ja gerne und oft.» Die Besucherin lächelt. Wie hübsch das ihr bekannte Gesicht doch geworden ist, so gutmütig und reif, so erwachsen. Wie war noch mal ihr Name? Sie sucht, durchkämmt ihr Gedächtnis. Eine Nebelwand tut sich vor ihr auf, sobald sie einen Gedanken zu packen versucht. Begann der Name mit einem S? Und weiter ging es mit … Weg, der Name ist einfach verschwunden im Nichts. Sie kämpft, versucht verzweifelt, ihn wieder zu finden. Falten graben sich in ihre Stirn, Schweiss auf ihren Handf lächen. Dann, Erleichterung: Auf dem Einband des Werkes steht «Von deiner Tochter Sonja». Sie seufzt, blickt auf das Cover der ihr gegebenen Lektüre. Sie liest «die Bücherdiebin», ein Buch, das vom Zweiten Weltkrieg handelt. 1939–1945, so weit weg. «Es ist ein Thema, das dich beschäftigt, wie wir alle wissen, und soll dich dazu animieren, mehr von damals zu erzählen.» «Ja, erzähl doch bitte!», rufen mehrere Stimmen aus. Die Telefone werden zur Seite gelegt, man rutscht ein wenig näher. Sechs neugierige Augenpaare richten sich auf sie. Mustern ihr Gesicht eindringlich, ihr ordentlich zurechtfrisiertes Haar, ihre weisse, fast schon durchsichtig schimmernde Haut, ihre blauen Augen, die hinter dicken, runden, Brillengläsern tief in den Augenhöhlen liegen. Schliesslich fixieren sie ihren Mund und warten. Liegen ihre Haare richtig? Sehen sie die vielen kleinen Falten um ihren Mund? Sind die Ringe unter den Augen zu auffällig? Sie weiss es nicht. Ihre Besucher gaffen und fiebern ihren Worten entgegen.
«An einem Mittwoch hat meine Mutter mir ein schneeweisses Kleid mit Rüschen gekauft», sie sieht alles genau vor sich, kann sich sogar noch an das Parfum ihrer Mutter erinnern. Ganz dezent nach Maiglöckchen duftend, niemals aufdringlich.
Schweigen. Verwirrt schauen sich die Besucher an. Verständnislosigkeit. «Und weiter? Wie war das, als die Bomben fielen?» «Was hast du erlebt?» «Wie war das auf der Flucht?» Fragen über Fragen artikulieren kleine und grosse Mäuler. Bedecken sie, drohen sie zu erdrücken. Es sind jedes Mal die gleichen Fragen, immer dieselbe Geschichte fordernd. Aus ihrem Mund dringt kein Ton. Nicht dieses Mal. Nicht schon wieder dieselben Begebenheiten. Sie schweigt.
Schliesslich erstirbt der Fragef luss. Man lauscht auf die alte, laut tickende Wanduhr und betrachtet eingehend und mit ungewöhnlich grossem Interesse die schwarze Stehlampe neben dem grau melierten Sessel, in welchem sie nachmittags zu sitzen pf legt. «Schön hast du es dir hier eingerichtet.» «Das war… Marina.» «Sie heisst Monika», eine berichtigende Stimme. «Ach ja, …, richtig. Monika schaut immer nach dem Rechten. Manchmal dekoriert sie mein Zimmer.» «Wie reizend. Ist der Blumenstrauss von ihr? Maya, kannst du mir verraten, wie viele Rosen in der Vase stehen?» «Hilf mit», bedeutet die Kleine ihr und setzt sich auf ihren Schoss. Warme Kinderbeine auf ihrem Kleid. Rosige Wangen und ein allzu bekannter Kinderduft. Zu lange haben sie sich nicht mehr gesehen.
Mit ausgestrecktem Zeigefinger und sich leise bewegenden Lippen zeigen sie beide auf jede einzelne Blume und zählen. Viele sind es. Sie verzählt sich, versucht es erneut. Auch die Kleine hat ihre Schwierigkeiten. Balsam für die Seele, Verbundenheit, Verständnis.
«Es sind neun!», schreit die Kleine mit einem Mal und reckt stolz das Näschen in die Luft.
Neun. Neun Rosen, hallt es durch ihren Kopf. Neun skrupellos beendete Leben, neun einzelne Epochen, neun Jahrzehnte. Nummer neun, auf ihrem Mobiltelefon in der zweituntersten Spalte rechts zu finden. Beklemmung.
«Cindy, nun ist dein Geschenk an der Reihe.»
Eine Papierrolle wird in ihren Schoss gelegt. Ihre blauen Augen strahlen und schauen unstet auf das von Kinderhand gebastelte Geschenk. Ihre Hände machen sich an der Schleife zu schaffen, nesteln, zittern, versuchen, kämpfen. Resignieren. Es gelingt ihr nicht. «Warte, ich helfe dir. In deinem Alter könnte ich das auch nicht mehr, solch eine enge Schleife lösen.» Freundliche Worte, die mit einem erzürnten Blick von ihr gestraft werden. Unverständnis zeichnet sich auf den Gesichtern der Besucher ab. Doch sie lässt ihn gewähren, den der mit einem Griff die Schleife zu lösen vermag.
Der Blick auf das Geschenk. Tränen der Rührung in ihren Augen. Ein leises Schluchzen, Freude. Erinnerungen werden wach. «Weisst du noch, Cindy, wie wir gemeinsam Mensch ärgere dich nicht gespielt haben?», fragt sie, auf den Lippen ein Lächeln. «Natürlich. Viele Nachmittage sassen wir an deinem Wohnzimmertisch und haben dabei Apfelkuchen gegessen.» Sie sehnt sich danach. «Oder wie wir mit dem Ball gespielt haben», sie schwelgt in der Vergangenheit, geniesst. «Auf dem Bild habe ich dich aber mit deinem Rollator gemalt. Schau.» Cindy deutet auf das Geschenk. «Psst, darüber sollst du doch nicht so reden!», zischt eine Stimme. Cindys Blick zu Boden.
Ihre Finger verkrampfen sich. «Stimmt, das Ballspielen kann ich nicht mehr», sie versucht ein Lächeln. Ein Kloss im Hals. «Das ist auch nicht gravierend, solange du überhaupt noch mit uns nach draussen kommen kannst.» Die Besucher lachen sich gelöst an. Wieso versteht sie niemand?
Schweigen. Eingehende Betrachtung der Stehlampe.
«Wie wäre es, wenn wir nun unsere Nummern in dein Handy programmieren und dir zeigen, wie man damit umgeht?» «Können wir das nicht ein anderes Mal machen? Lasst uns lieber noch etwas reden», wehrt sie ab. «Aber du wolltest doch so dringend mit uns in Kontakt, ‹up to date› bleiben. Dafür ja auch das Handy!» «Ich», sie weiss nicht, wie sie es sagen soll. Das elektronische Monstrum mit den vielen Symbolen als Bindeglied zweier Welten. «Ich möchte gerne mit euch einen Tee trinken und mich unterhalten.» Sie begreifen nicht. Angesäuerte Blicke. Die alte Wanduhr läutet. «Es ist schon fünf Uhr. Die lange Fahrt nach Hause wird uns einiges an Zeit kosten.» «Durch den Abendverkehr sowieso», stimmt ein anderer zu. Man bückt sich und umarmt sie. «Geniesse noch den Abend», «Gönne dir etwas Feines zu essen» und «Lass den Tag gemütlich ausklingen», rät man ihr. Sie klammert sich an den Klang der Stimmen, spürt und riecht jeden einzelnen, sagt adieu.
Die Besucher verlassen das Heim. «Mama, hat sie sich über unseren Besuch überhaupt gefreut? Und über mein Geschenk? Sie hat sich gar nicht bedankt.» «Liebes, das Handy war das wichtige Geschenk. Darüber hat sie sich gefreut.»
Das Fenster ihres Zimmers steht offen. Sie hat alles gehört. Will schreien, will klä-ren, will sich für das Präsent, das sie zu Tränen gerührt hat, bedanken, will berichtigen. Ihr Hals schnürt sich zu, die Worte bleiben stecken. Das Dröhnen eines Motors. Es ist zu spät.
Sie sinkt in ihren Stuhl zurück, starrt auf den Blumenstrauss. Neun Blumen. Daneben ihr neues Handy. Unberührt, unverstanden, eine andere Welt. Die Null ganz unten. Eine eigene Zeile für die Null. Ein Jahrzehnt mehr. Schon wieder.


**Die Autorin**
Die 16-jährige Louise Roos ist Zweitklässlerin im altsprachlichen Profil der Kantonsschule.
Mit ihrem Text setzte sie sich gegen 15 Mitbewerber durch und gewann den mit 1000 Franken dotierten Scaphusia-Preis.
Der Anerkennungspreis geht auf das Legat eines Alten Herrn der Mittelschulverbindung Scaphusia zurück und zeichnet regelmässig Schülerinnen und Schüler für besondere Leistungen in verschiedenen Disziplinen aus.

#Allgemeines

15. Juni 2017 | Ein schönes, unvergessliches Fest

Schaffhauser Nachrichten
Clio Zubler

Der Maturball ist ein Ereignis, das man wohl nicht so schnell vergisst. Die jungen Frauen und Männer feiern an diesem Abend trotz der bevorstehenden Abschlussprüfungen und geniessen den gemeinsamen Abend.
Martina Stettler und Chiara Cesaretti organisierten den Anlass, der am Samstag stattfand, gemeinsam mit Melina Bienz, Joelle Gansser, Claudio de Roasa, Irma Omlin, Frederic Su, Corinne Eichholzer, Carole Häner und Nevin Öztürk. «Es war eine Herausforderung, an all die kleinen Sachen zu denken, die geplant werden mussten», sagte Stettler. Seit September sei das OK mit der Planung des Balles mit dem Motto «Mit Stil ins Ziel» beschäftigt gewesen. «Ich freue mich nun aufs Essen und die Musik», meinte Cesaretti.
Für Lara Gansser war es eine besondere Ehre, ihre Schwester Joelle begleiten zu dürfen. «Ich brauchte lang, um ein Kleid zu finden», erzählte diese.
Einen neuen Anzug kaufte auch Sandro Holderegger extra auf den Anlass. Seine Freundin Corinne Eichholzer war im OK für die Finanzen zuständig: «Es war viel Arbeit, hat aber auch Spass gemacht.»
Bereits zum zweiten Mal besuchte Andrea Tanner den Maturball. Ihre Kollegin Tina Ott hatte ihr Kleid schnell gefunden. «Ich trage sogar hohe Schuhe, die bequem sind», sagte sie.
Kantonsschullehrer Markus Werner meinte: «Ich bin fast jedes Jahr hier, die Schüler erwarten das.» Christoph Roost, ebenfalls Lehrer, war zum ersten Mal am Maturball und fotografierte im Auftrag der Schule zusammen mit Mahela Stamm die Schüler. Stamm tat das bereits im vergangenen Jahr, sie liebe es, zu fotografieren. «Am Anfang schauen die Leute auf den Fotos jeweils ein wenig anders aus als am Ende des Abends», sagte sie schmunzelnd.



In den prächtigsten Kleidern: Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen trafen die Maturanden vor dem Park Casino ein.
Bilder Selwyn Hoffmann



Ladies in red: Chiara Cesaretti und Martina Stettler haben mit weiteren acht Personen den diesjährigen Maturball organisiert.



Joelle Gansser (rechts) brachte als Begleitung ihre Schwester Lara mit.



Corinne Eichholzer und Sandro Holderegger geniessen den besonderen Abend miteinander.



Frederic Su und Rafael Sonderegger waren gespannt darauf, wie ihre Klassenkameraden gekleidet sein würden.



Andrea Tanner begleitete ihre Kollegin Tina Ott. Die beiden waren sehr edel gekleidet.



In eleganter Zweisamkeit: Luca Miozzari und Freundin Noemi Zähner.

#Notizen zu Namen

13. Juni 2017 | Eine Tour d’Horizon mit viel Esprit

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Der Autor stand an der Tür und begrüsste viele alte Bekannte. Alle wollten zur Lesung an diesem strahlenden Sonntagvormittag, und so schleppten Elisabeth Schraut, Kulturverantwortliche der Windler-Stiftung, und ihre Assistentin Verena Nussbauer die noch verfügbaren Stühle herbei.
«Felix Graf den Steinern vorzustellen, hiesse Eulen nach Athen tragen», sagte Schraut in ihren einführenden Worten. Der Sohn von alt Stadtpräsident und Ständerat Koni Graf ist erst vor Kurzem wieder nach Stein am Rhein gezogen. In seinen Texten ist der Ort mit viel Geschichte und Geschichten jedoch stets präsent.
Mit der Vorstellung seines dritten, wieder in Tagebuchform geschriebenen – aber weit über ein Tagebuch hinausreichenden – Büchleins machte sich der Autor selbst ein Geschenk, denn er konnte am Sonntag just an seinem 62. Geburtstag lesen. Und so waren denn auch Familienmitglieder, Freunde und Bekannte da – und Verleger Georg Freivogel, in dessen Edition «vogelfrei» das Büchlein erschienen war. Sie genossen den unterhaltsamen Vormittag mit dem «Vielbelesenen, Vielwisser, Humanisten, Chronisten, Sprachbegeisterten und Weinliebhaber», wie Schraut Felix Graf bezeichnete.
Der Autor las dann nicht nur aus seinem Werk, sondern lieferte – wie es wohl die meisten erwartet hatten – begleitende Anekdoten und Anmerkungen, garniert mit viel Esprit und Begeisterung. Er schmückte die Geschichten im Buch aus und sorgte mit Bonmots für Erheiterung. «Man fährt in der Regel nicht schlecht mit Autoritäten, wenn man sie einfach verkleinert», meinte er über eine entsprechenden Passage im Büchlein, das von Steiner Originalen ebenso erzählt, wie es aus der Familiengeschichte plaudert.
Aber «Schnur und Zeichen» geht weit über das Persönliche hinaus, wenn Graf über philosophische Grundfragen reflektiert oder detailkundige Reiseberichte von den Rändern Europas liefert, versetzt mit kunsthistorischen Streiflichtern. Eine erhellende Tour d’Horizon, die Geist und Gemüt anregt. Natürlich fehlte der Apéro mit regionalem Wein nicht, und kaum jemand verliess den Saal, ohne sich mit Graf zu unterhalten oder das Werk am Büchertisch zu erwerben.



Autor Felix Graf (l.) signiert sein Buch «Schnur und Zeichen» für Dichter Bruno Epple von der Höri.
Bild Edith Fritschi

#Allgemeines

10. Juni 2017 | Ausgezeichnete Missverständnisse

Schaffhauser Nachrichten
Martin Edlin

Das Missverständnis war vorgegeben… Und zwar als Thema für einen Schreibwettbewerb, den die vor 16 Jahren dank eines Legats eines Altherrn der Verbindung Scaphusia ins Leben gerufene Stiftung Scaphusia-Preis für Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule ausgeschrieben hatte. Unmissverständlich dagegen die Vorgaben: Die Texte – Kurzgeschichte, Dialog oder Sketch – mussten auf zwei bis vier Seiten Platz finden, ausserhalb des Unterrichts entstehen und vollumfänglich von den Jugendlichen selbst verfasst werden. Sechzehn Arbeiten wurden eingereicht, und eine fünfköpfige Jury (Kanti-Deutschlehrerin Susanne Bernhard Gross, SN-Feuilletonredaktorin Edith Fritschi, Übersetzer, Lektor und Literat Norbert Hauser, Schriftsetzer, Schriftsteller und Autor Reinhard Nowak und Deutschlehrer und Prorektor Detlef Roth) erkor die drei Gewinner, die gestern an einer kleinen Feier ein Preisgeld von tausend, sechshundert und dreihundert Franken in Empfang nehmen durften.
Um es mit den Worten von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner vorwegzunehmen: Erfreulich, dass sich Schülerinnen und Schüler aller Kanti-Klassen und aller -Profile am Schreibwettbewerb beteiligten und mit ihren Texten, allein schon was die Titel anbelangt, viel Originalität erkennen liessen. Den drei prämierten Arbeiten – sie wurden an der Feier von Reinhard Nowak vorgelesen – darf jedoch noch mehr zugesprochen werden: Sie verraten literarisches Talent, das sich – bei aller Unterschiedlichkeit – sowohl in den subtil genutzten Möglichkeiten der Sprache, in den ersonnenen Handlungen als auch in der Umsetzung des Themas «Missverständnis» zeigte. So schrieb Nils Kessler (Klasse 3sa) unter dem Titel «Weltenbrand» eine mit dem zweiten Preis bedachte fantastischsurreale Geschichte voller humoriger Szenen über den chronologischen Ablauf eines Grossbrandes… Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt» hätte als musikalischer Vorspann dazu dienen können.
Den dritten Preis erschrieb sich Pas­cale Pfeiffer (Klasse 1sa) mit der Kurzgeschichte «Ein einfacher Abend», eine wie mit kleinen, detailverliebten Pinselstrichen gemalte Erzählung von einem Mädchen, das mitten in der Grossstadt – der genaue Ort entpuppt sich als Missverständnis zwischen seinen Eltern – von seinem Vater abgeholt werden sollte. Die atmosphärische Dichte des Textes ist berührend.
Schliesslich die Wettbewerbsgewinnerin Louise Roos (Klasse 2sb): Sie erzählt in «Eine eigene Zeile für die Null» vom Umgang der Familie mit der neunzigjährigen demenzkranken Oma. «Ein sehr, sehr einfühlsamer Text» (so Norbert Hauser in seiner Laudatio), der den scheiternden Brückenschlag – in Form eines altersgerechten Handys – zwischen einer die Welt nicht mehr verstehenden Frau und der sie deshalb missverstehenden Mitmenschen ausleuchtet, in der Intensität packend und beklemmend zugleich.



Für ihre Texte erhielten Nils Kessler, Pascale Pfeiffer und Louise Roos (v. l. n. r.) von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner die Scaphusia-Preise.
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

8. Juni 2017 | Herr der Geschichten

Schaffhauser AZ
Marlon Rusch

*Felix Graf ist kaum zu bremsen. Gesprächspartner überrollt er mal wie ein Güterzug mit der Fülle seiner Gedanken und schlägt dann urplötzlich thematische Haken wie ein junger Hase. Sich von ihm berieseln zu lassen, ist wie eine Massage fürs Gehirn.
Der Menschenfreund hat einen Tisch im Rothen Ochsen reserviert, wo einst sein Urgrossonkel gewirtet hatte und auch auf den Wandmalereien verewigt wurde. Die Episode wird in seinem neuen Buch beschrieben, das Anlass ist für dieses Treffen in Stein am Rhein. Graf bestellt Kaffee und legt los, ohne Punkt und Komma. Fragen hätte das Interview nicht gebraucht.*

*Felix Graf, in Ihrem neuen Buch springen Sie von Exponaten, die Sie im Landesmuseum kuratieren, in die Kulturgeschichte, weiter in die eigene Familiengeschichte und wieder zurück. Ihre Ausführungen sind mal sehr persönlich, dann wieder völlig abstrakt. Im Klappentext schreiben Sie von einer Spurensuche. Was für Spuren suchen Sie?*
Felix Graf Meine eigenen. Spuren, die in die Geschichte und in die Vorgeschichte zurückreichen.

*Zu welchem Zweck?*
All meine Schilderungen und Reflexionen umkreisen im Grunde genommen die Sinnfrage. Aber ich schreibe auch einfach sehr gern. Der rote Faden ist mein Alltag, es ist aber ein stark gedankliches Tagebuch. Letztlich dient die ganze Schreiberei im Gebrauchstagebuch und im literarischen Tagebuch der Selbstvergewisserung.

*Am 29. Januar 2017 schrieben Sie: «So richtig fündig werde ich eigentlich erst, seit ich nicht mehr suche.»*
Das ist wohl eine Alterserscheinung.

*Was finden Sie jetzt, da Sie nicht mehr suchen?
Geschichten. Während des sogenannten Studiums an der Uni recherchiert man nach den Regeln der Kunst. Man schreibt Seminararbeiten, sitzt in den Bibliotheken, führt Gespräche, muss unglaubliche Mengen an Quellen durchforsten und findet meist nichts. Das kann wahnsinnig frustrierend sein. Meine Erfahrung sagt: Was ich gar nicht gesucht habe, ist viel interessanter. Sei es in der Zentralbibliothek oder im Gespräch. Es ist wie beim Kleiderkaufen: Man braucht eine Hose, findet aber einen super Tschopen. Ich erlebe das so im wissenschaftlichen Arbeiten im Museum: Die guten Objekte für die Sammlung, die finde ich nicht, wenn ich sie gezielt suche. Sondern wenn ich per Zufall darüber stolpere. Die guten Ideen für Ausstellungen habe ich ganz sicher nicht im Büro, sondern beim Spazieren. Und die Zusammenhänge sehe ich in der Sauna.

*Am besten würde man sich gar nicht mehr ins Büro schleppen?*
Am besten hält man sich möglichst weit davon entfernt.

*Sie sprechen von Alterserscheinung. Man könnte es wohl auch reiche Erfahrung nennen. Dennoch ist Ihr drittes Tagebuch das letzte seiner Art.*
Ja, diese Form von Schreiben, literarisches Tagebuch, berufsbegleitend, sehr persönlich, eigene Emotionen, Überlegungen, Familiengeschichte, Ortsgeschichte… Das ist jetzt abgeschlossen.

*Endet das literarische Tagebuch, weil Ihre Arbeit im Landesmuseum endet?*
Ja, und nach fast 30 Jahren im Landesmuseum ist das Büchlein auch eine Art Abschiedsgeschenk an meine vielen Kolleginnen und Kollegen.

*Warum gehen Sie in Pension? Sie sind erst 62.*
Ich habe es einfach gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich ein halbes Jahr nach Portugal gehe und dort ein portugiesische Tagebuch schreibe. Eine Einführung in die portugiesische Literatur. Oder dasselbe mit der griechischen Welt. Die interessiert mich auch besonders. Sprache, Kultur, Kunstgeschichte, Kulturgeschichte. Auch spannend wären Erzählungen mit Stein am Rhein im Zentrum. Und ich will mich auf die Inhalte konzentrieren. Noch den einen oder andern Forschungsbeitrag schreiben. Und den Menschen etwas zeigen, was niemand mehr weiss.

*Ist das der eigentliche Zweck Ihres Schaffens?*
Die Schrift als Brücke über den Fluss des Vergessens. Natürlich ist das Vergessen für mich ein Thema und das Schreiben ist ein Mittel gegen das Vergessen. Ich will noch ein paar Dinge festhalten, damit sie nicht verschwinden. Dinge, die so nur ich sagen kann.

*Dinge aus Ihrem Leben.*
Ich habe schon als Bub in Stein am Rhein Führungen gemacht. Habe Touristen mit nach Hause genommen und ihnen alles gezeigt. Die Eltern haben jeweils nur gesagt, die Schlafzimmer seien tabu. So hat es angefangen. Der Vater war Ständerat und Stadtpräsident, hat selbst auch Führungen gemacht. Das habe ich wohl von ihm. Die 50er-, 60er-Jahre in Stein am Rhein, das Quartier mit diesen ehemaligen Privatiers-Villen, die Chrischona-Kapelle nebendran, das Arbeiterquartier: Diese Leute gibt es nicht mehr, diese Gärten gibt es nicht mehr, das ist bereits eine versunkene Welt. Bevor man es merkt, ist die Welt, in der man aufgewachsen ist, verschwunden, und man fragt sich, ob das alles überhaupt je stattgefunden hat. Es war eine so reiche Welt an dieser Wagenhauserstrasse und oben in dieser Bergtrotte, auch sinnlich, mit dem Weinbau, den Reben. Ein paar Tausend Liter gärender Wein im Keller, Stampfen vor und nach der Schule und nachts, Berufsfischerei auf dem Rhein mit den Onkeln, ein offenes Haus, wo es permanent Besuch gab. Manche Leute kamen einfach mittag essen und sind wieder gegangen, kamen einen Schnaps trinken und sind wieder gegangen. Viele Politiker waren da, es war wahnsinnig farbig. Was sie geredet haben, war interessant. In dieser Welt bin ich aufgewachsen. Mittlerweile bin ich der einzige, der sich daran erinnern und das auch schildern kann.

*War das der Grund, kürzlich wieder nach Stein am Rhein zu ziehen? Dass Sie noch näher dran sind?*
Das wäre der einzige Grund gewesen, es nicht zu tun. Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr darüber schreiben kann, wenn ich die Distanz nicht mehr habe. Dass die Quelle versiegt. Das Gegenteil ist passiert! Es gab einen neuen Schub, hat angefangen zu sprudeln. Familiengeschichte. Es sind einige richtige Steiner Kapitel entstanden.

*Es ist immer der Blick zurück. Sie sagen, Stein am Rhein sei prädestiniert für den Blick zurück. Ist das auch eine Flucht vor dem, was sich ändert?*
Mein Fokus liegt, altershalber, auf dem, was sich nicht verändert. Dinge, die immer gleich sind, finde ich viel wertvoller als Dinge, die sich schnell wandeln. Ich glaube an den Sinn der fast schon rituellen Wiederholung. In einem Restaurant, wo ich schon als Kind gegessen habe, beispielsweise im Schiff in Mammern, bestelle ich wie seit jeher Güggeli und vorher gebackene Chretzer. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Kontinuität.

*Sie schrieben am 5. Juni 2016 über den Abstimmungssonntag: «Grundloses Einkommen und Freibier für alle von links, plakative Hetze und digitaler Klamauk von rechts: Ich halte die Entbürgerlichung unserer Welt für ein grosses Übel.» Das ist mehr als Sentimentalität. Das ist Kritik an der Gegenwart.*
Ja natürlich, eine massive Kritik! Ich bin der Meinung, dass alles aus dem Ruder läuft. All diese Fehlentwicklungen, die meistens in Amerika beginnen und bei uns blind adaptiert werden, diese unsinnige Ökonomisierung von allem und jedem, da hat ja ein regelrechter zerebraler Mutationsprozess eingesetzt. Ich sehe keinerlei Anzeichen, dass irgendwie Vernunft oder Bereitschaft zu Sachpolitik und Zusammensitzen einsetzt.

*Kann man dem entgegenwirken, indem man sich auf bessere Zeiten besinnt?*
Ich glaube nicht. Das läuft einfach. Was ich tue, ist erzählen. Und was ich erzähle, ist das Gegenteil von dem, was heute läuft. Die Haltung, das Weltbild. Diese Texte, so verschiedene Themen sie behandeln, sind eingebunden in einem erzählerischen Ganzen. Man kann sie als Plädoyer für den Humanismus lesen. Für ein tiefes Wohlwollen dem Menschen gegenüber. Anders als das negative Menschenbild, das mit der amerikanischen Betriebswirtschaft über die HSG in der Schweiz eingesickert ist. Das Gegenüber ist ein Feind, der dich über den Tisch ziehen will. Es ist das Gegenteil von dem, was an der humanistischen Abteilung der Kantonsschule vermittelt worden ist. Lug und Trug beginnen sich gegenüber Treu und Glauben durchzusetzen. Ich kann mir da nur an den Kopf fassen. Die Antwort auf Ihre Frage ist eigentlich dieses Büchlein. Ich glaube, mir ist die schriftliche Synthese gelungen von dem, was ich gemacht habe im Leben, was mich interessiert und wofür ich einstehe.



Fotos: Peter Pfister



Hier ein Schwatz, da ein Schwatz. Hier vor dem Rothen Ochsen mit der ehemaligen Stadtpräsidentin Claudia Eimer.


#Notizen zu Namen

8. Juni 2017 | Er erkundet alles, was ihn bewegt

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

«Museen sind keine Abstellräume, sondern Ausgangspunkte», notiert Felix Graf am 20. Februar 2017 in seinem Büchlein. Ein kurzer Satz, der in seiner Knappheit sehr viel aussagt über den Autor, der seit 27 Jahren Funktionen und mit grosser Begeisterung. Das gilt auch für alles andere, was er tut, zum Beispiel die Renovation und den Umbau des «Weissen Adlers» in Stein am Rhein. Als Zunftmeister der Zunft zum Kleeblatt hat er das ambitiöse und rund 1, 7 Millionen Franken teure Projekt mitinitiiert, geplant und von Anfang an begleitet. «Wir wollen das Haus öffnen», sagt er. Damit auch andere etwas davon haben.
Der «Weisse Adler» kommt auch in Felix Grafs Büchlein «Schnur und Zeichen» vor, ebenso das Haus daneben, der «Adler». Graf schreibt und reflektiert über die Wandgemälde von Alois Carigiet an der Fassade, macht sich Gedanken, wie er sie in die Schau im Landesmuseum integrieren kann. Und es gelingt ihm wie vieles andere auch. Da werden Fäden zwischen Stein am Rhein und Zürich und dem Bündnerland geknüpft, und letztlich kommt alles irgendwie zusammen.
Ausgangspunkt für diese spezielle Art des Tagebuchs, für das die brasilianische Form der «Crónica» Pate gestanden hat, ist Grafs kuratorische Tätigkeit. Sie taucht immer wieder auf in «Schnur und Zeichen», wo er sich aufmacht, alles zu erkunden, was ihn bewegt. Das ist die Gegend um Stein am Rhein und den Untersee, es sind die Grenzen Europas, Portugal und Griechenland, wo er über die Philosophie der Antike ebenso nachdenkt wie über die Gegenwart. «Das ist das Schöne an der «Crónica», schwärmt er. «Da hat einfach alles Platz»: Tagebuchnotizen, Literarisches, kunsthistorische Streiflichter, Reflexionen über das Sein, die Philosophie – kurz: alles verbindet sich mit allem. Erhabenes steht neben Banalem, macht Sinn, verbindet und befruchtet sich gegenseitig.

**Gesucht und gefunden**
Geschrieben hat er schon immer gerne, und seit gut 30 Jahren Tagebuch: Am Anfang waren es reine Tätigkeit im Landesmuseum. Irgendwann sind die Notate immer mehr zur literarischen Form geworden; dann, als er sich die portugiesische Sprache aneignete und seine Sprachlehrerin ihn mit dem Genre der «Crónica» vertraut machte. «Es war, als hätte ich genau nach so etwas gesucht und es damit gefunden», sagt er.
So entstand, beinah wie von selbst, 2012 sein erstes Büchlein «Land der Dinge», 2014 folgte «Fluss und Zeit» und nun «Schnur und Zeichen». Über sechs Jahre hat er diese speziellen Tagebücher geschrieben. «Damit hat sich für mich die Form des Tagebuchs erschöpft.» Denn das Buch, das am Sonntag in Stein am Rhein vorgestellt wird – an seinem Geburtstag notabene –, ist sowohl für ihn als auch für Freunde und Bekannte eine Art Abschiedsgeschenk. Felix Graf geht in Pension und will sich künftig auf andere literarische Formen, auf die Forschung und auf das Zunftprojekt «Weisser Adler» konzentrieren.

**Ausgefeilte Formulierungen**
«Schnur und Zeichen» ist auch eine Art Begleitbuch zu einer imaginären Ausstellung», meint er. «Die Dauerausstellung im Musée sentimental meiner selbst.» Das sei ihm jetzt gerade in den Sinn gekommen, freut sich Graf, genauso wie er sich übers Formulieren der Gedanken im Büchlein freut, über die umtreiben und die er in einer schönen, poetisch klaren Sprache und mit ausgefeilten Formulierungen darlegt, stets treffend, aber nie hochtrabend. Dafür manchmal mit Humor, wenn er über die wohlgeformte Töpferin Louise Rudolf schreibt, die einst Mannequin bei «Seiden-Grieder» war und gern fotografierte, und wo er, der faszinierte Bub, auf dem Weg zum Volg gern vorbeiging. Der stinkende Hai Man erfährt Geschichten vom stinkenden Hai beim alten Stemmler in Schaffhausen oder vom letzten Burggraf, dem leutseligen Gastwirt Jakob Graf, der Behörden und kirchliche Kreise auf die Schippe nahm und den Abschied seines Esels verkündete. «Ja», sagt der Autor, «es ist auch ein Büchlein für die Steiner, die sich an die alten Geschichten erinnern wollen.» Man begegnet Originalen aus der Gegend, und längst Vergessenes wird wieder zugänglich.

**Immer tiefer in die Bilder hinein**
Im Lauf der Zeit sind Felix Graf die Bilder, Bildbetrachtungen, überhaupt die Kunstgeschichte wichtiger geworden. «Da bin ich immer tiefer hineingekommen», sagt er, der Wanderer, der gern geografische Gegenden und geistige Gebiete erkundet. Neben der familiären und persönlichen Spurensuche lässt er sich durch Landschaften treiben oder über den See mit seinem Kajak, er reist nach Athen und erwandert Portugal, und unweigerlich sind sie da, im Zug, im Hotelsessel oder im Schopf. «Zuerst im Kopf, ich notiere die Sachen erst später», sagt er. Dann seien sie wie ausgereift. Dabei ist da und dort eine Art Aphorismen entstanden: «Die schönsten Früchte aus dem Garten der Menschheit sind zweifellos die Wörter», schreibt er etwa am 31. Dezember 2016. «Bei den Wörtern handelt es sich um Hülsenfrüchte. Klar. Sie brauchen einen gewissen Schutz. Nur: Hors-sol-Anbau und digitale Düngung lassen die nichtssagenden Hülsen immer dicker und die inhaltlichen Kerne immer dünner werden.» Wie wahr …


**Felix Graf – Vernissage und Lesung im Literaturboot**

Felix Graf, geboren 1955 in Stein am Rhein, ist Gräzist und Althistoriker. Er arbeitet seit 27 Jahren im Schweizerischen Nationalmuseum: Unter anderem als wissenschaftlicher Bibliothekar, Ausstellungskurator, Leiter des Museums Bärengasse , interimistischer operativer Leiter des Landesmuseums Zürich und Kurator für Druckgrafik. Zudem publiziert er Zeitungs- und Fachartikel.
Mit «Schnur und Zeichen» liegt sein drittes literarisches Tagebuch vor. Zuvor erschienen «Land der Dinge» und «Fluss und Zeit».
«Schnur und Zeichen» ist in der «edition vogelfrei» in einer Auflage von 700 Exemplaren erschienen. Felix Graf wohnt mit seiner Frau Ingrid Kunz Graf seit Anfang Jahr wieder in Stein am Rhein, wo er aufgewachsen ist. Davor lebte er in Schaffhausen.
Am Sonntag, 11. Juni, um 11.15 Uhr findet im Windler-Saal Stein am Rhein die Buchpremiere mit Lesung von «Schnur und Zeichen» statt. Am 18. Juni liest Graf im 11-Uhr-Literaturboot Neuhausen, Treffpunkt ist beim Schlössli Wörth. (efr.)


**«Schnur und Zeichen» Erinnerungen, Fotos und Notate zu Ausstellungen**

Sein neues Tagebuch «Schnur und Zeichen», das der Steiner Felix Graf vorlegt, erinnert mit seiner Aufmachung und der französischen Broschur ein wenig an einen Ausstellungskatalog oder einen Wanderführer. Beides ist so intendiert. Auch die sorgfältig ausgearbeiteten Anhänge und Legenden sind ganz bewusst so gemacht. Anders als in seinen früheren Büchern sind auch die Illustrationen und die alten Fotos ein wesentlicher Bestandteil des Büchleins, das so als ein kleines Gesamtkunstwerk daherkommt. Schliesslich enthält es neben persönlichen Reminiszenzen und Erinnerungen zahlreiche grundlegende Überlegungen zu Ausstellungen und Exponaten, die Graf in den letzten Jahren beschäftigt haben. Dabei stellt er auch meist einen Bezug zu seiner Heimat Stein am Rhein her. «Schnur und Zeichen» enthält Notate aus dem Zeitraum zwischen August 2014 und Februar 2017 an den Schauplätzen Schaffhausen, Stein, Höri, dem Rio Lima in Nordportugal und Athen. Der Titel «Schnur und Zeichen» ist ein Zitat aus dem Gedicht «Herrentisch» von Erwin Jaeckle. Dem Herrentisch widmet Graf einen anderthalbseitigen Eintrag in seinem Buch. Er beschreibt eine Winterwanderung von Stein aus über die Ergeten und Oberwald zum Herrentisch auf der alten Route – und mit Jaeckles Gedicht im Ohr. Der Herrentisch liegt an der Grenze hoch über dem Hegau: «Hier wird für Herren getischt / unter Eichen / wechselt der Fuchs verwischt / Schnur und Zeichen» heisst es. Von jenem Punkt aus, meint Graf, meine man, in die Weite einer anderen Welt zu blicken. (efr.)


#Allgemeines

3. Juni 2017 | Der Streich, der keiner war

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Es ist haargenau zehn Jahre her, seit Monika Burgener in einem Leserbrief fragte, was eigentlich vom «guten alten Maturastreich» noch übrig sei. Damals war es offenbar verboten, sich zum Maturastreich zu verkleiden. Ein Burkaverbot ante verbum sozusagen. In diesem Jahr müssen wir von einem «sogenannten Maturastreich» reden, denn es ist doch bei Weitem kein Streich, wenn Maturandinnen und Maturanden mit dem auf «Bahn frei» gestellten Signal der Schulleitung nach dem Drehbuch eines Hollywoodstreifens auf der Munotwiese einen Sportevent mit Wasserpistolen organisieren. Dass der Anlass lustig war, soll hier nicht bestritten werden. Aber unter einem Streich versteht man gemeinhin etwas anderes, nämlich die kreative Überschreitung einer verordneten Grenze. Könnte es sein, dass bei den jungen Menschen zurzeit gar kein Bedürfnis besteht, wider den Stachel zu löcken? Diese Frage muss in diesem Zusammenhang gestellt werden, denn man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die jungen Menschen heute einen überaus angepassten Eindruck machen. Angepasst woran? Gibt es eine Angst, den eigenen Platz im Leben nur dann zu finden, wenn man jedes Anecken vermeidet? Gibt es eine Furcht davor, bei Auffälligkeiten nicht mehr im Rennen um einen lukrativen Job zu sein? Eine Angst davor, aus dem gesellschaftlichen Netz zu fallen?
Im heutigen Zeitalter des ­«Anything goes» stellt man fest: Nein, nichts geht mehr. Provokationen, so sie denn als solche gemeint sind, laufen ins Leere. Welche Grenzen überschreiten? Welche Tabus brechen? Der Mainstream ist über die Ufer getreten und deckt alles zu. Und das Erstaunlichste daran: Die Jugend lässt sich das gefallen. Wo ist der rebellische Geist? Wo die Sehnsucht nach dem Meer und wo das Samenkorn, das nicht unter alledem erstickt?

#Alt-Scaphusia

3. Juni 2017 | Eugen Wehrli olim Hörnli

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Eugen Wehrli olim Hörnli
Kaufmann
Generation 1936
1919-2017

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Abdankung wird am Dienstag, 4. Juli 2017, um 11.00 Uhr in der St. Anna-Kapelle des Klosters Allerheiligen stattfinden.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 16. August 2017, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Allgemeines

31. Mai 2017 | Spiel, Sport und Spass am letzten Kantischultag

Schaffhauser Nachrichten
Tito Valchera

Hunderte verkleidete junge Menschen, teilweise mit Wasserpistolen und Wasserkübeln ausgerüstet, tummelten sich gestern auf der Wiese der Munot-Sportanlage. Sie folgten den Anweisungen von Nino Storrer. Er hatte zusammen mit anderen Schülern den diesjährigen Maturastreich an der Kantonsschule Schaffhausen organisiert.
Ein abgestecktes Spielfeld mit Hindernissen, Gymnastikbällen, Trampolinen, Wasserrutschen und Slackline stand für die Schüler bereit. Das Motto lautete «Die Tribute von Panem» nach der gleichnamigen Hollywoodproduktion. Dieser Science-Fiction-Film spielt in der Nation Panem mit ihrer Hauptstadt Kapitol und zwölf Distrikten. Jedes Jahr treten je ein junges Paar als Distriktvertreter, sogenannte Tribute, an den «Hunger Games» in einem Schaukampf um Leben und Tod gegeneinander an.

**«Es war megacool»**
Am Montag bestimmten die Maturanden die Tribute aus den jüngeren Klassen. Eine davon war Natascha Stamm aus der Klasse 3sa: «Es war anstrengend, aber megacool», sagte sie nach ihrem Einsatz. Sie hatte sich gerade mit den anderen Tributen auf der Wiese einen Kampf um den Tagessieg geliefert. Das Ziel dabei: den anderen die Luftballone wegzureissen.
Auch ihre Klassenkolleginnen waren begeistert: «Es war für uns der bisher grösste Maturstreich, und alles war sehr gut organisiert.» Auch Lehrpersonen wurden als Tribute bestimmt und machten beim Schaukampf mit. So der Geografielehrer Sascha Kardaetz. «Ich finde den Maturastreich grundsätzlich gut, und er macht auch Spass, solange ein gesundes Mass eingehalten wird», sagte er.
Die Maturanden waren an ihren Wasserpistolen erkennbar. Eine davon trug Domenik Grbic aus der Abschlussklasse 3Fb. «Es ist super, etwas zu machen, was nicht mit dem Schulunterricht zu tun hat – in diesem Fall können wir andere Schüler nass machen.»
Dieses Jahr gab es erstmals einen verkürzten Maturastreich an der Kanti Schaffhausen. «Der Militärdienst wurde vorverlegt, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten», erklärte Kantirektor Pasquale Comi. So beginnen die Maturaprüfungen bereits heute Mittwoch. Das Zeitfenster für den Maturastreich beschränkte sich auf Montag und Dienstag. Comi lobte den diesjährigen Anlass: «Dieser Jahrgang amüsiert sich nicht auf Kosten der anderen, jüngeren Schüler, sondern gemeinsam mit ihnen.» Storrer zumindest hatte sichtlich Spass am Streich. «Es war chaotisch, aber das ist normal, wenn Schüler etwas organisieren.»



Auf der Munotwiese lieferten sich Kantischüler gestern einen feuchtfröhlichen Wettkampf – angefeuert von ihren Mitschülern am Spielfeldrand.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

20. Mai 2017 | Vielfältige und hervorragende Arbeiten

Schaffhauser Nachrichten
Clio Zubler

Eine Maturaarbeit zu schreiben, ist eine Herausforderung und eine wertvolle Erfahrung für die jungen Erwachsenen. Auch dieses Jahr wurden die besten der 117 eingereichten Maturaarbeiten der Kantonsschule Schaffhausen zur Prämierung vorgeschlagen. Am Donnerstagabend wurden von den 18 nominierten Arbeiten acht prämiert. Christian Amsler, Vorsteher des Erziehungsdepartements, betonte in seinem Grusswort jedoch: «Es spielt keine Rolle, ob Sie die Goldmedaille gewinnen, Sie alle hätten sie verdient.»
In diesem Jahr gab es keine Nominierung im sprachlichen Bereich, dafür zum ersten Mal zwei prämierte Arbeiten im Bereich Technik und Wirtschaft. Die Preise dafür stiftet die Industrie- & Wirtschafts-Vereinigung Schaffhausen IVS. Deren Vertreter Frank Wentzler überreichte den beiden Gewinnern Leon Marti und Simon Stamm die begehrten, mit 500 Franken dotierten Preise. Marti hatte eine eigene Musikbox konstruiert und gebaut. Stamm suchte eine Lösung für Plastikabfall, den man mit ferromagnetischen Materialen wie Eisen magnetisch machen und so besser sammeln beziehungsweise entsorgen könnte.

**Skeptiker mit Arbeit überzeugt**
Jonas Brütsch wurde im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften prämiert. Er hatte untersucht, ob man eine OL-Karte auch touristisch nutzen kann. «Sie haben mich, einen grossen Skeptiker, mit ihrer Arbeit überzeugt», sagte Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen. Charles Graham durfte von Scheck ebenfalls einen Preis entgegennehmen. Seine Arbeit befasste sich mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Brexits.
Jana Weidmann wurde von Jakob Walter, Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen, gelobt: Er nannte sie «eine Forscherin mit unvoreingenommener, objektiver und kritischer Haltung ». Sie hatte in ihrer Arbeit untersucht, ob mikrowellenerwärmtes Essen schädlich für Menschen sei. Jonas Wolter, ebenfalls im Bereich «Naturwissenschaften und Mathematik» prämiert, hatte einen digitalen Lernbegleiter aufgrund der Lernforschung entwickelt. Markus Landolt überreichte als Vertreter der Schaffhauser Platzbanken die Preise im Bereich Kunst, aus dem Sport gab es keine nominierte Arbeit. Besonders überzeugt hatte Dolker Angotsang mit einem Animationsfilm basierend auf persönlichen Erinnerungen an ihre Flucht aus dem Tibet. «Sie lebt erst seit einigen Jahren bei uns, um so beeindruckender ist die sprachliche Leistung», sagte Landolt. Ronja Bollingers Arbeit über die Mode der Frau und wie sich diese mit der Zeit ändert, wurde ebenfalls prämiert.

**Hervorragende Leistung**
*Die diesjährigen nominierten und prämierten Maturaarbeiten*

**Geistes- und Sozialwissenschaften**
· Prämierte Arbeit: Jonas Brütsch: Touristische Nutzung einer OL-Karte «Rheinfall» 1)
· Prämierte Arbeit: Charles Graham: Brexit – a reflection on the first 60 days
· Arbijosa Kukleci: Ein halbes Volk auf der Flucht. Was Miloševic´s Versuch einer ethnischen Säuberung für Hunderttausende Albaner bedeutete – illustriert am Beispiel der Familie Kukleci
· Fabienne Ritzmann: Frauenstimmrecht – Und wie weiter?
· Björn Wegberg: Die Terrormiliz Islamischer Staat, Ziele und Strategien im Nahen Osten

**Naturwissenschaften, Mathematik**
· Bogdan Gadzhylov: Entwicklung einer Organizer-App für Android mithilfe von Android Studio
· Emanuel Mauch: Bestandesaufnahme des Ökosystems Uhwieser Weiher
· Yannis Möckli: Parrondo’s Paradoxon
· Simon Stamm: Ferromagnetischer Kunststoff und Mikroplastik 1)
· Prämierte Arbeit: Jana Weidmann: Mikrowellenerwärmte Nahrung – Die Frage nach einer potenziellen schädlichen Auswirkung auf den menschlichen Organismus
· Prämierte Arbeit: Jonas Wolter: Entwicklung eines digitalen Lernbegleiters

**Kunst und Sport**
· Prämierte Arbeit: Dolker Angotsang: Ein Animationsfilm
· Prämierte Arbeit: Ronja Bollinger: Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart – Die Mode der Frau im Wandel der Zeit
· Lorenz Strologo: Komposition und musikalische Experimente zum Kurzanimationsfilm «An Object at Rest»
· Simona Volpe: «Alles ist ein Gleichgewicht über dem Wahnsinn», eine persönliche Reise durch DADA

**Technik und Wirtschaft**
· Jonas Brütsch: Touristische Nutzung einer OL-Karte «Rheinfall» 1)
· Prämierte Arbeit: Leon Marti: Bau einer mobilen Lautsprecher-Box
· Seraina Schmed: Benetton, wo liegen die Grenzen der Werbung?
· Noah Nolè: Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses auf die Schaffhauser Wirtschaft
· Prämierte Arbeit: Simon Stamm: Ferromagnetischer Kunststoff und Mikroplastik* 1)

1)
Manche Namen erscheinen aufgrund verschiedener Auswahlverfahren in zwei Bereichen.



Charles Graham durfte von Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen einen Preis für seine Maturaarbeit mit dem Titel «Brexit – a reflection on the first 60 days» entgegennehmen.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

27. April 2017 | Handwerk: Volle Craft voraus

Coopzeitung 17-2017
Carole Gröflin

Craft Beer ist derzeit in aller Munde. Nicht nur das Wort, sondern auch der damit gemeinte Gerstensaft. Craft bedeutet Handwerk, dieses steht beim Brauen ungewöhnlicher Bierstile wieder im Fokus. Die Bewegung begann zwar vor rund 40 Jahren in Amerika. Inspiration holten sich die Amis allerdings viel früher in der Alten Welt. In Europa erlebten die mit faden Industriebieren übersättigten Gäste ihr sensorisches Bierwunder: Pils aus Deutschland, britische Ales und Klosterbiere aus Belgien. Als US-Präsident Jimmy Carter dann 1978 das Heimbrau-Verbot aufhob, wurde um die Wette experimentiert.
Gemäss dem amerikanischen Brauereiverband gilt für Craft-Beer-Brauer folgender Grundsatz: klein, unabhängig und traditionell. Wobei besonders ersterer Punkt aus Schweizer Sicht relativ ist. Die Brewers Association geht bei 7 Millionen Hektolitern noch von einer Kleinbrauerei aus ? im Jahr 2015 wurden von der Schweizer Bevölkerung 4,6 Millionen Hektoliter Bier konsumiert.
Auch Philip Bucher wurde auf Reisen mit dem Craft-Beer-Virus infiziert. «Die Auswahl dort ist berauschend. Die Schweizer hinken den Amerikanern rund 15 Jahre hinterher», sagt der Geschäftsführer der Doppelleu Brauwerkstatt. Neben dem gleichnamigen Bier stellen er und sein 35-köpfiges Team in Winterthur auch die Chopfab-Biere her. Die Brauerei legte 2012 los, die Palette umfasst heute 14 obergärige Sorten. Bei obergärigem Bier wird die Hefe während des Brauvorgangs vom entstehenden Kohlendioxid nach oben gedrückt. Im Gegensatz dazu sinkt die Hefe bei untergärigem Bier – etwa Lager – während der Gärung nach unten.

**Begriff Craft im Volksmund hip**
Als Bucher loslegte, war alles noch sehr hemdsärmelig: Während vier Jahren wurde die Brauerei laufend erneuert und erweitert, sie glich zeitweilig einer Baustelle. Seit Dezember 2016 ist nun die neue Anlage mit einer Kapazität von 100?000 Hektolitern in Betrieb. Kann nun auf Schweizer Niveau noch von Craft Beer die Rede sein? «Natürlich!», sagt er postwendend. Im Volksmund sei der Begriff zwar hip, «doch verstehen die wenigsten, was damit wirklich gemeint ist.»
Für Bucher geht es bei Craft Beer nicht um die Grösse der Brauerei, vielmehr sei es die Philosophie dahinter. Geschmacklich müsse etwa eine breite Vielfalt angestrebt werden, die Nase und der Gaumen immer wieder überraschen. «Zudem müssen immer neue Kombinationen versucht werden», sagt der 42-Jährige. So sollen neue Rezepturen nicht gescheut werden: «Ein Bier aus vier oder fünf Spezialmalzen kann toll werden, und im Zusammenspiel mit modernen Hopfensorten sogar noch besser.» Für das «Craft Beer»-Logo auf seinen Flaschen wurde er bereits von anderen Brauereien angefragt. «Dabei geht es weniger darum, dass dies draufsteht; sondern dass Herzblut und Innovation drinstecken.

**Lager bleibt Liebling**
Mit Feldschlösschen hat im Frühjahr ein grosser Akteur sein Sortiment erweitert: Dunkel, Hopfen und Weizen heissen die drei Neuzugänge. Mit dem Weizen wird erstmals seit über 100 Jahren ein obergäriges Bier produziert, sattelt Feldschlösschen nun auch auf Craft Beer um? «Feldschlösschen hatte schon immer Spezialitätenbiere im Angebot, aber rund 80 Prozent der Schweizer trinken nach wie vor gerne Lagerbier», sagt Gaby Gerber, Diplom-Biersommelière und Leiterin Kommunikation bei Feldschlösschen. Die Zahl sei in den letzten Jahren konstant geblieben. Weizen, Pale Ales, Stouts und dergleichen werden gemäss Gerber nach wie vor von einem kleinen Kreis genossen. Aber: «Unsere drei neuen Biere haben einen sehr guten Start hingelegt», erläutert die 44-Jährige. Dass Lagerbier-Trinker nur noch auf sogenanntes Spezialitätenbier wechseln, hält Gerber für unwahrscheinlich: «Wir investieren in die Vielfalt des Angebots, nehmen Trends auf und möchten mit unseren neuen Bieren alle Biertrinker ansprechen.» Die Brauerei Valaisanne, 1972 von Feldschlösschen übernommen, stellt mit dem Pale Ale und dem Weizen Ämrich weitere Spezialitätenbiere her.

**Frauen und Weintrinker als Ziel**
Ein noch zu wenig erschlossener Markt ist sowohl für Feldschlösschen als auch Doppelleu jener der Frauen. «Es ist schon seit vielen Jahren salonfähig, dass Frauen in der Bar ein Bier bestellen», weiss Gerber. Sie war damals 2011 die erste Frau, die die Ausbildung zur Biersommelière gemacht hat. In den letzten Jahren sei ein Kult daraus geworden. «Unser Braufrisch spricht viele Biertrinkerinnen an», sagt Gerber.
Ähnlich sieht dies Philip Bucher von Doppelleu: «Die Branche hat in den letzten Jahren Weinliebhaber und Frauen vernachlässigt.» Doppelleu habe es in den letzten Jahren geschafft, bei diesen zwei Kundengruppen zu punkten. Gerade das Pale Ale «Trüeb» sei ein sanftes Bier, das sich als «Einstieg in die Craft-Beer-Welt eignet». Bucher: «Obwohl es herb ist, habe ich noch nie gehört, dass dieses Bier beim weiblichen Geschlecht nicht gut ankommt.» Dementsprechend lautet auch seine Prognose für die Biertrends: «Pale Ale und India Pale Ale ? kurz: IPA ? werden weiterhin gerne getrunken.»
Pale Ale wird mit hellem Malz gebraut und hat ein hopfiges Fruchtaroma. Das IPA ist etwas schwerer. Denn es wurde speziell für den Export nach Indien entwickelt: Damit das Bier auch nach Ankunft geniessbar war, war ein höherer Alkohol- und Hopfengehalt nötig. In Indien sollte das Bier mit Wasser verdünnt werden – heute wird es unverdünnt genossen.
Pale Ale wird mit hellem Malz gebraut und hat ein hopfiges Fruchtaroma. Das IPA ist etwas schwerer. Denn es wurde speziell für den Export nach Indien entwickelt: Damit das Bier auch nach Ankunft geniessbar war, war ein höherer Alkohol- und Hopfengehalt nötig. In Indien sollte das Bier mit Wasser verdünnt werden – heute wird es unverdünnt genossen.


**Tipp Kochbuch**

Wer mit Craft-Bieren gerne in der Küche experimentieren will, dem sei der Griff zu folgendem Buch empfohlen:

Craft Beer Kochbuch. Von Stevan Paul, Torsten Goffin und Daniela Haug. Brandstätter Verlag, 2015.

#Allgemeines

26. April 2017 | Tanzkurs des Munotvereins

Cha Cha Cha, Tango, Walzer, Jive, Discofox.

8 Abende vom 4.5.-22.6. jeweils von 20.00-21.30 Uhr in der Bach-Turnhalle Schaffhausen.

Programm

#Notizen zu Namen

20. April 2017 | So tickt der neue Chef der Schaffhauser SP

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Die Schaffhauser SP vollzieht derzeit einen Generationenwandel. Mit Daniel Meyer hat die Partei vor zwei Wochen einen Präsidenten gewählt, der nicht einmal halb so alt ist wie sein Vorgänger. Ausserhalb Hallaus, wo der 31jährige Maschinenbauingenieur im Gemeinderat sitzt, kennt man Meyer allerdings kaum. Eine Notlösung sei er dennoch nicht, sagt Meyer im SN-Interview. «Hätte man mir die Aufgabe nicht zugetraut, hätte man mich nicht angefragt und am Parteitag auch nicht gewählt.
Ideologisch sieht er sich nicht als linken Hardliner, auch wenn er seine politische Karriere seinerzeit in der AL startete. Für seine Partei hat er einen klaren Auftrag: «Wir müssen uns schlicht besser vermarkten.» Und: Die Schaffhauser SP soll jünger werden – und moderner.


**«Ich bin nicht der Weltverbesserer per se»**

*Nur halb so alt wie sein Vorgänger ist Daniel Meyer, der neue Präsident der Schaffhauser SP. Jetzt will er die zweitgrösste Partei des Kantons umfassend modernisieren und verjüngen.*

InterviewDaniel Meyer, neuer Präsident der Schaffhauser SP

*Sie sind neuer Präsident der Schaffhauser SP, der zweitgrössten Partei im Kanton. Das ist eine grosse Verantwortung. Wie gehen Sie damit um?*
Die grosse Verantwortung war der Grund, weshalb ich nicht von Anfang an zusagte. Die Anfrage gärte seit dem letzten Winter in mir. Soll ich das auf mich nehmen? Will ich mich exponieren? Ich kam zu dem Schluss, ja, ich wage es. Ich sehe es als Chance, für mich wie für meine Partei.

*Welche Überlegungen stellten Sie an?*
Die Arbeit im Gemeinderat von Hallau gefällt mir, aber der Wirkungskreis dieses Mandats hört irgendwo hinter der Engi auf. Jetzt sah ich eine Gelegenheit, den Sprung auf das kantonale Parkett zu wagen. Dass gleich der Stuhl des Präsidiums frei geworden ist, war vielleicht Zufall. Ich hätte mich auch mit einem gewöhnlichen Vorstandsmandat zufriedengegeben. Aber ich finde, man muss die Chance packen, die man bekommt.

*Sie sind jung und links, eigentlich ein klassischer Fall für die AL, der Sie früher auch angehörten. Warum jetzt die SP?*
Ich wollte eine gemässigtere Politik machen. Gefallen hat mir auch die Ausstrahlung der SP als nationale Partei. Die AL ist ja vor allem im Lokalen engagiert. Und vielleicht war der Übertritt auch eine Emanzipation von einer Zeit, die vergangen ist. Meine AL-Zeit liegt schon länger zurück.

*Sie sind Alter Herr der Mittelschulverbindung Scaphusia. Es fällt auf, dass sich mehrere Scaphusianer in Ihrem Alter politisch stark engagiert haben. In der AL die Kantonsräte Matthias Frick und Till Aders, früher auch ­Florian Keller, aber auch ein Marcel Montanari von den Jungfreisinnigen. Und Sie stehen jetzt der SP vor. Weshalb ist Ihre Generation so politisch?*
Schwierig zu ­sagen. Mir fehlt die Aussensicht, ich war ja auch Teil dieser engagierten Gruppe. Wir haben immer viele Diskussionen geführt, da sind auch die Fetzen geflogen. Vielleicht kann man es demografisch erklären? Unsere Generation füllt das Vakuum, das die Babyboomer hinterlassen haben. In der Scaphusia hat übrigens ein Vertreter meiner Generation jetzt auch das Altherrenpräsidium übernommen. Es gibt also Parallelen zur Stabübergabe von Alt zu Jung auf der politischen Ebene.

*Ihr Cerevis in der Scaphusia lautet «Scholle». Wie der Fisch oder wie der Boden?*
Definitiv wie der Boden. Das Klettgauerische ist in mir, man hört es mir ja auch an. Diese Verbundenheit ist mir wichtig.

*Über Politik zu diskutieren, ist das eine. Etwas anderes ist es, aktiv in die Politik einzusteigen. Was gab für Sie den Ausschlag?*
Ich war und bin mit gewissen Zuständen und Umständen nicht zufrieden. Ich will etwas verändern, ich glaube, da geht es mir wie jeder Politikerin oder jedem Politiker. Sie sind ­bestrebt, eine Veränderung herbeizuführen.

*Mit welchen Zuständen und Umständen sind Sie nicht zufrieden?*
Es macht mir Sorgen, dass der Sozialstaat an allen Ecken und Enden abgebaut wird, etwa bei der Arbeits­losenversicherung. Auf kantonaler Ebene sollen Grossaktionäre ihre ungerechtfertigten Privi­legien behalten, was wir mit unserer Initiative bekämpfen. In mir gibt es auch eine grüne Komponente, ich bin ein grosser Fan des öffentlichen Verkehrs, obwohl ich auch ein Auto habe.

*Bei Ihren Auftritten hat man den Eindruck, dass sie weniger ideologisch als pragmatisch denken und handeln. Hat das etwas?*
Ja, durchaus. Ich bin nicht der Weltverbesserer per se, was aber nicht heisst, dass ich nicht kämpfe.

*Wofür?*
Zum Beispiel dafür, dass der gewöhnliche Angestellte auch eine Stimme hat und nicht nur die Vertreter der Hochfinanz.

*Aber das Problem ist doch, dass der gewöhnliche Angestellte heutzutage SVP wählt?*
Ja, aber uns gibt es auch. Wir decken mehr Anliegen ab, als manchmal wahrgenommen wird.

*Wer hat Sie politisch geprägt? Das Elternhaus?*
Weniger. Mein Vater war zwar Gewerkschafter, aber für Politik interessierte ich mich erst ab der Kanti. Als ich dem Stimmrechtsalter näher rückte, wuchs auch das Interesse mitzureden.

*Und woher kommt das linke Element?*
Die Gerechtigkeit und der Ausgleich sind zentral für mich. Und es geht auch um das Verhältnis zum Staat: Der Staat ist für mich nicht der Gegner, sondern letztlich etwas Gemeinsames von uns allen. Wir als ­Bevölkerung prägen den Staat.

*Wo stehen Sie im linken Parteispektrum?*
Kommt darauf an. Bei Themen, die klar als links gelten, wie Steuerfragen oder Energie, bin ich ganz auf Parteilinie. Aber ich sehe mich sicher nicht als linken Hardliner, auch wenn ich eine Vergangenheit in der AL habe.

*Wo weichen Sie von der Parteilinie ab?*
Der Ausreisser ist die Sicherheitspolitik, dort entspricht meine Haltung nicht ganz dem Parteibuch. Ich bin ein Verfechter der Miliz­armee, und im Militär bin ich Offizier.

*Offizier und SP-Präsident, wie geht das ­zusammen?*
Sehr gut! Wir haben in der Schweiz eine Milizarmee, und ich bin der Meinung, dass diese Milizarmee einen Querschnitt unserer Bevölkerung repräsentieren soll. Unsere Bevölkerung ist zu einem anständigen Anteil auch links. Ich repräsentiere als linker Offizier diesen Teil der Bevölkerung, und das ist aus meiner Sicht für eine staatstragende Partei wie die SP in Ordnung. Ich stehe dazu, dass ich Offizier bin, das habe ich auch in der SP nie verheimlicht. Im Militärdienst selbst spielt das Parteibuch übrigens keine Rolle, da ist die fachliche Qualifikation gefragt und das Erfüllen des dienst­lichen Auftrags.

*Die «schaffhauser az» schrieb, der Meyer sei als SP-Präsident eine Notlösung, ein «No Name aus der Provinz». Wahre Worte oder wüste Beleidigung?*
Der «No Name» ist aktuell sicher noch wahr, aber ich arbeite daran. Die «Notlösung» ist eine Beleidigung. Ich stehe für die Erneuerung der Partei, für einen Schritt nach vorne, und ich bin unverbraucht. Das ist doch kein Notfallkonzept! Hätte man mir die Aufgabe nicht zugetraut, hätte man mich nicht angefragt und am Parteitag auch nicht gewählt.

*Ein Parteipräsident sollte auch Mitglied des Kantonsrats sein, heisst es. Sie sind nicht im Parlament. Ist das ein Problem?*
Na ja, FDP-Präsident Marcel Sonderegger ist ja auch nicht im Kantonsrat, und Pentti Aellig von der SVP war es lange Zeit nicht. Ich selbst fände es für die Partei und für mich gut, und ich arbeite daran. Mein Ziel ist es, längerfristig Einsitz zu nehmen.

*Parteipräsidenten sind wie Fussballtrainer: Man erwartet von ihnen Erfolge, sonst sind sie wieder weg.*
Klar, wenn wir nur noch verlieren sollten, müsste man sich fragen, ob ich der Richtige bin. Das wird sich weisen. Abstimmungen gewinnen heisst auch, eine Politik zu machen, die mehrheitsfähig ist. Wenn wir das schaffen und dem Volk zum Beispiel klarmachen können, dass der Spardruck nicht das allein selig Machende ist, dann kommt es gut.

*Da reicht es aber nicht, wenn Sie nur die linken Wählerinnen und Wähler ansprechen, oder?*
Logisch. Man braucht mehr als 50 Prozent, um eine Abstimmung zu gewinnen, und wir sind aktuell im Kanton eine 22-Prozent-Partei. Ex­treme Forderungen liegen mir weniger. Das kommt auch aus meiner Arbeit in der Exekutive. Wir müssen einen Konsens finden, mit dem alle leben können.

*Der SP-Präsident ist ein Mann, der SP-Regierungsrat ist ein Mann, der SP-Stadtpräsident ist ein Mann: Hat die SP ein Frauenproblem?*
Nein, ein Problem nicht. In der SP sind Frauen hochwillkommen, wir bieten viele Chancen. Aber es stimmt, in den Exekutiven und in der Parteileitung sind sie in der Minderheit. Dies hat auch damit zu tun, dass linke Frauen in meinem Alter in der AL sind.

*Wo sehen Sie die SP in fünf bis zehn Jahren?*
Ich will den Erfolgskurs der letzten zwei Jahre fortsetzen. Wir haben Wähler und Abstimmungen gewonnen. Ein ganz zentraler Auftrag ist weiter die Verjüngung der Partei. Wir brauchen mehr junge Leute, die auch bereit sind, im Vorstand mitzuarbeiten. Die Schaffhauser SP soll jünger werden und moderner. Sie soll auch medial präsenter werden – wie es übrigens die Bündner SP bereits vollzogen hat. Wir machen schon viel, die Basis ist da. Aber wir müssen noch mehr nach dem Sprichwort «Tue Gutes und sprich darüber» handeln. Wir als SP müssen uns schlicht besser vermarkten.


**Daniel Meyer: Zur Person**

Alter: 31
Beruf: Maschinenbauingenieur FH
Zivilstand: ledig
Militär: Major, Nachrichtenoffizier im Ristl Bat 21
Hobbys: Politik, Segeln, Skifahren
Politische Tätigkeiten: Gemeinderat Hallau, Präsident der SP des Kantons Schaffhausen


#Notizen zu Namen

17. April 2017 | Ein Hallauer ist neuer SP-Präsident

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Die Schaffhauser SP hat einen neuen Präsidenten: Die Delegierten haben gestern Abend Daniel Meyer (31) aus Hallau zum Nachfolger von Werner Bächtold (63) gewählt.
Dass Meyer den wichtigsten Posten der Schaffhauser Linken übernehmen würde, wussten gestern zu Beginn der Versammlung im Schaffhauser «Güterhof» nicht einmal die Delegierten. Die Parteileitung machte bis zuletzt ein Geheimnis daraus, wen die Findungskommission, bestehend aus Regierungsrat Walter Vogelsanger und SP-Stadt-Präsidentin Monika Lacher, zur Wahl vorschlagen würde.
Vogelsanger lüftete schliesslich den Schleier und stellte Meyer vor. Er stammt ursprünglich aus Wilchingen, er wohnt jetzt aber in Hallau, wo er seit 2013 auch für die SP im Gemeinderat sitzt. Dort leitet er das Sozialreferat. Meyer ist ausgebildeter Maschinen­ingenieur und arbeitet bei den SBB. «Daniel ist ein sehr zuverlässiger und belastbarer Parteikämpfer», sagte Vogelsanger, der auch verriet, dass Meyer einst bei ihm zur Schule gegangen sei.

**«Unter der Schallgrenze geblieben»**
Nach dieser Vorstellung wurden der Bewerber und die Presse vor die Tür gebeten. Die Delegierten mussten aber nicht lange diskutieren. Schon nach wenigen Minuten brauste Applaus auf im Saal, und Meyer, der neue SP-Präsident, wurde hereingeholt.
Bei seiner Antrittsrede machte er keinen Hehl daraus, dass er in der SP und auch ausserhalb noch nicht sehr bekannt sei. «Auf kantonaler Ebene bin ich bis jetzt immer unter der Schallgrenze geblieben», sagte er. Er räumte auch ein, dass seine Sympathien früher bei einer anderen linken Gruppierung gelegen hatten: bei der Alternativen Liste. «Meine Kanti-Generation war praktisch gleichzusetzen mit dem Gründungsdatum der AL», sagte Meyer. Er selbst sei eines der ersten AL-Mitglieder gewesen. «Irgendwo in einer Kiste habe ich den Mitgliederausweis noch, es ist die Nummer elf.»
Aber das sei 2003 gewesen, seither sei viel passiert. Der Entscheid für die SP sei am 1.-Mai-Umzug 2009 gefallen. «Ich war auf der Suche nach einer politischen Heimat, und damals fand ich sie in der SP.» Mit der AL verstehe er sich nach wie vor gut, «aber bei der SP ist die Schnittmenge mit meinen Überzeugungen am grössten».
Für die SP wünsche er sich, dass sie auch in Zukunft für Jüngere interessant sei. Dabei denke er insbesondere an junge Frauen, sagte Meyer. Für die Partei gelte es nun, eine Diskussion zu führen, wie sie sich in der Parteienlandschaft positionieren wolle und wie sie ihren Anteil halten und ausbauen könne.
Die SP hat neben den Wahlen gestern auch noch ihre Parolen für die kommenden kantonalen Abstimmungen gefasst. Sie empfiehlt sowohl für ihre eigene Volksinitiative «Keine Steuergeschenke an Grossaktionäre» wie auch für die Zusammenlegung der Friedensrichterämter ein Ja.



Vorgänger und Nachfolger: Werner Bächtold (links) hat gestern das SP-Präsidium an Daniel Meyer übergeben. Meyer hat sich in der SP unter anderem als Gemeinderat von Hallau einen Namen gemacht.
Bild Zeno Geisseler

#Allgemeines

13. April 2017 | 2[x-3(2- x)] = 5(x + 1)-3(x + 1). Wie lautet x?

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Was ist ein anderes Wort für «misstrauisch»? Wie sagt man «nette Freundin» auf Französisch? Was ist im Satz «Homines doctae saepe legunt» falsch? Und wie hoch ist der Gewinn für einen Skateboard-Händler, wenn er seinen Zulieferer wechselt? – Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich derzeit genau 282 Schaffhauser Sekschüler: Ab heute beginnen die Aufnahmeprüfungen für die Kantonsschule, also für die Maturitätsschule und für die Fachmittelschule.
Los geht es heute Freitagmorgen mit Deutsch, am Nachmittag folgen dann Französisch und – für das sprachlichaltsprachliche Profil – Latein. Morgen Samstag und am Montag gilt es schliesslich, in Mathematik zu zeigen, was man gelernt hat.

**«Grosse Aussagekraft»**
Andere Fächer, etwa Englisch oder Geschichte, werden nicht geprüft. Aber wieso eigentlich nicht? «Deutsch, Französisch und Mathematik sind exemplarisch und haben eine grosse prognostische Aussagekraft», sagt der Rektor der Kantonsschule, Pasquale Comi.
Anders gesagt: Wer in diesen Fächern Mühe hat, der dürfte auch sonst Schwierigkeiten haben, die Kantonsschule zu bestehen. Oder positiv formuliert: Wer in einer Fremdsprache gut ist, dürfte auch mit einer anderen Fremdsprache gut zurechtkommen, und wer sein mathematisches Werkzeug beherrscht, ist auch für Fächer wie Physik und Chemie gewappnet.
«Geprüft», sagt Comi, «wird ausschliesslich regulärer Unterrichtsstoff der Sekundarschule.» Das, was abgefragt wird, ist den 15- bis 17jährigen Kandidatinnen und Kandidaten also schon einmal im Unterricht begegnet. Zudem gibt es an den Sekundarschulen spezielle Unterrichtsgefässe zur Vorbereitung.
Auch in der Prüfung selbst sind die Schülerinnen und Schüler nicht ganz auf sich gestellt. Gewisse Hilfsmittel sind erlaubt, so etwa ein wissenschaftlicher Taschenrechner für die Mathematikaufgaben. Und beim Deutschaufsatz darf der Duden, Band 1, auf dem Tisch stehen. Wer hingegen mit anderen Hilfsmitteln erwischt wird, wird von der Prüfung ausgeschlossen.

**Sieben von zehn kommen durch**
Die langjährige Erfahrung zeigt, dass die Prüfung zwar anspruchsvoll, aber machbar ist: Die Kantonsschule veröffentlicht jeweils die Erfolgs- quote, und diese bewegt sich bei etwa 70 Prozent.
Wie steht es mit Ihnen? Würden Sie die Prüfung bestehen? Wir haben aus alten Aufnahmeprüfungen einige Fragen für Sie vorbereitet. Viel Erfolg!

**«Frisch gedopt ist halb gewonnen»:
Diese Fragen aus vier Fächern stammen aus früheren Aufnahmeprüfungen für die Kanti**

Wer in die Kantonsschule eintreten will, muss zuvor eine Aufnahmeprüfung bestehen. Sie besteht aus drei Fächern: Deutsch, Französisch und Mathematik. Für das S-Profil kommt noch Latein dazu. Hier eine Auswahl von Prüfungsfragen aus früheren Jahren. Ausser solchen Fragen gibt es auch noch Texte, die gelesen und interpretiert werden müssen, in Französisch wird zudem auch das Hörverständnis geprüft. Die Fragen sind für 15- bis 17jährige Sekschüler gedacht.

**Deutsch**

1. Die folgenden Sprichwörter wurden verändert. Wie lauten sie richtig?

·Wie man sich fettet, so riecht man.

·Aller Umfang ist schwer.

·Wer flucht, der findet.

·Wo Rauch ist, ist auch ein Raucher.

·Alter nützt bei Torheit nicht.·?Frisch gedopt ist halb gewonnen.

2. Der «Affe» hat sich in all diesen Wörtern versteckt. Finde sie heraus.

·?_ _ _ A F F E (Eine Art Krug)

·?_ _ A F F E _ _ _ (gehört zur Ausrüstung eines Kunstmalers)

·?_ _ _ _ _ A F F E _ _ _ _ _ (Qualität, Art und Weise)

·? _ _ A F F E _ _ (Eine Wunde, die genäht werden muss, ist …(Partizip I)

·?_ _ A F F E _ _ _ (Gruppenwettlauf)

3. Ersetzedas kursiv gedruckte Wortdurch ein in den Zusammenhang passendes Synonym und passe es grammatikalisch richtig an:

·Sie sieht ihn misstrauisch an.

·Wenn Hilde sich nicht immer so einmischen würde.

·… haben sie dagesessen mit ihren starren Gesichtern.

4. Verändere den gegebenen Begriff in einen Ausdruck der gleichen Wortfamilie. Die Wortart soll dabei gemäss Vorgabe geändert werden. Bei Nomen schreibst du den Artikel dazu. Nominalisierungen und Partizipien zählen nicht! Beispiele: fahren (Nomen) => Die Fahrt; klingen (Adjektiv) => klangvoll.

·denken (Nomen) =>

·schliesslich (Nomen) =>

·geduldig (Verb) =>

·laufen (Adjektiv) =>

5. Welches Wort passt nicht in die Reihe?
·mürbe, elastisch, spröde, brüchig, splitterig

·ungeschickt, linkisch, unbeholfen, umständlich, ungehorsam

·vergüten, ersetzen, vergelten, beschwichtigen, entschädigen

·Abneigung, Ausrede, Ausflucht, Vorwand, Notlüge

**Französisch**

1. Vervollständige die folgenden Sätze mit einem passenden Ausdruck

·C’est un grand problème; il faut trouver … .

·Si je ne fais pas mes devoirs, mon professeur va me … .

·Au cinéma, Nathalie ne voit rien parce qu’elle a oublié … .

·J’aime bien la géographie ; c’est … préférée.

·L’athlète est blessé ; il ne peut pas … tournoi (nicht aller !).

·Mon frère a 16 ans et ne va pas à l’école cantonale ; il est … . (Il travaille dans un garage pour être mécanicien plus tard.)

2. Übersetze. Gib wo nötig das Geschlecht ( m / f ) und beim Adjektiv auch die weibliche Form an.

·das Abenteuer

·leicht [Gewicht]

·vergleichen

·die Reise

·la détente

·avancer

3. Vervollständige den Text, falls nötig, mit den richtigen Präpositionen. Streiche die Lücke, falls es keine Präposition braucht:

Marc fête son anniversaire … été, … juillet. … le matin, il se lève … six heures et il va … la salle de bains et se prépare … aller … l’école. Puis, il cherche … son sac. Où estce qu’il est? (Unter) … le lit , (hinter) … la caisse ou … la chambre … Pascal? Il veut demander … sa mère mais elle n’est pas … la maison. Alors, il va … les voisins, mais ils sont … vacances. Il est triste, parce que son portemonnaie est … le sac et il veut acheter un gâteau … la boulangerie [neben] … l’école. Oh non, il va arriver … gâteau et ses copains ne vont pas être contents!

**Mathematik**

1. Löse die Gleichung nach x auf. Gib das Resultat als ganze Zahl oder als gekürzten Bruch an.

·2[x ? 3(2 ? x)] = 5(x + 1) ? 3(x + 1)

2. Nach allgemeingültigen Regeln muss ein Fussballfeld zwischen 90 und 120 Meter lang sein. Das ist auch in Fantasiland so. Dort gibt es aber drei verschiedene Längenmasseinheiten: Ein Xoul entspricht 30 cm, eine Yecke ist gleich 84 cm, und ein Zessi misst 105 cm. Die Länge eines Fussballfeldes in Fantasiland muss in allen drei Einheiten durch eine natürliche Zahl ausgedrückt werden können. Wie lang (gemessen in Metern und Zentimetern) muss ein Fussballfeld in Fantasiland mindestens sein?

3. Ein Verkäufer von Skateboards setzt diese aus den Einzelteilen Brett, Rädersatz und Zubehör zusammen. Bisher hat er diese Teile zu folgenden Preisen eingekauft: das Brett für 42 Franken, den Rädersatz für 9.20 Franken und das Zubehör für 21 Franken. Sein Gewinn entspricht 39,2 Prozent des Verkaufspreises. Nun wechselt er seinen Zulieferer. Dadurch muss er für das Brett 15 Prozent weniger ausgeben, den Rädersatz erhält er neu für 7.20 Franken, und für das Zubehör muss er 15 Prozent mehr bezahlen.

Den Verkaufspreis lässt er unverändert. Wie gross ist nun der Gewinn des Verkäufers in Prozenten des Verkaufspreises?

4. Aus einem Quadrat der Seitenlänge a wird die schraffierte Fläche F gemäss unten stehender Figur ausgeschnitten.

·Stelle eine Formel auf, mit der sich der Flächeninhalt von F aus a und x berechnen lässt.

·?Sei nun a = 12 cm. Bestimme x durch Probieren mit dem Taschenrechner (bis auf Millimeter genau) so, dass F möglichst genau den halben Flächeninhalt des ganzen Quadrates ausmacht.

5. Holzhändler Huber fährt mit 16 Tonnen Brennholz zum Brennholzmarkt. Es gibt Brennholz in zwei verschiedenen Qualitäten. Eine Tonne der besseren Qualität kostet 400 Franken, und für eine Tonne der normalen Qualität bezahlt man 350 Franken. Abends fährt Herr Huber mit 3,9 Tonnen nicht verkauftem Brennholz und 4500 Franken Einnahmen nach Hause.

·Es sei x die von Herrn Huber verkaufte Menge Brennholz der besseren Qualität in Tonnen. Stelle eine Gleichung für x auf und löse sie.

**Latein**

1. Bilde von den Substantiventimor,consiliumundvictoriafolgende Formen: Akk. Sg., Abl. Sg. und Gen. Pl.!

2. Nenne das Gegenteil folgender Wörter:

·pater

·scribere

·laetus

·clamare

·currere

·nemo

·respondere

·sine

3. Übersetze!
·Hodie multi homines Romam veniunt, nam in Colosseo pugnas gladiatorum clarorum expectant. Gladiatores non modo ex Italia, sed etiam e terris aliis veniunt, quod cuncti gloriae cupidi sunt.

**Kantiprüfung: Die Lösungen**

**Deutsch**

Aufgabe 1:
·Wie man sich bettet, so liegt man.

·Aller Anfang ist schwer.

·Frisch gewagt ist halb gewonnen.

·Wer sucht, der findet.

·Wo Rauch ist, ist auch ein Feuer.

·Alter schützt vor Torheit nicht.

Aufgabe 2:
·Karaffe·Staffelei·Gaffer

·Beschaffenheit·klaffend

·Staffette

Aufgabe 3:
·argwöhnisch, kritisch, skeptisch, ungläubig, zweifelnd, prüfend.

·dreinreden, intervenieren, sich einmengen.

·Aufregung, Eile, Gehetze, Hast, Hetzerei, Angst, Stress, Panik

·unbeweglichen, steinernen, versteinerten, emotionslosen, gefühllosen, leblosen, steifen, gefrorenen, teilnahmslosen, regungslosen, ausdruckslosen

Aufgabe 4:
·der Gedanke/ Andacht / Gedächtnis / Denkmal / Andenken

·der Schluss / Schlussfolgerung / Be-/Entschluss / Schloss

·sich gedulden, dulden

·läuferisch, läufig, geläufig, laufstark, lauffreudig.

Aufgabe 5:
·elastisch·ungehorsam

·beschwichtigen·Abneigung

**Französisch**

Aufgabe 1:
·une solution·me gronder

·ses/les lunettes.·ma matière

·au tournoi·(un) apprenti

Aufgabe 2:
·l’aventure (f.)·léger, -ère

·comparer·le voyage

·die Entspannung, die Erholung

·vorrücken, vorwärtskommen

Aufgabe 3:
·Marc fête son anniversaire en été, en juillet. X le matin, il se lève à six heures et il va dans la salle de bains et se prépare pour aller à l’école. Puis, il cherche X son sac. Où estce qu’il est? Sous le lit, derrière la caisse ou dans la chambre de Pascal? Il veut demander à sa mère mais elle n’est pas à la maison. Alors, il va chez les voisins, mais ils sont en vacances. Il est triste, parce que son portemonnaie est dans le sac et il veut acheter un gâteau à/dans la boulangerie près de / à côté de l’école. Oh non, il va arriver sans gâteau et ses copains ne vont pas être contents!

**Mathematik**

Aufgabe 1:
·x=7/3

Aufgabe 2:
·92 m 40 cm

Aufgabe 3:
·43.54 Prozent

Aufgabe 4:
·F = 3ax ? 2x²
·Für x = 2,3 cm erhält man den besten Wert.

Aufgabe 5:
·x = 5,3

(Die kompletten Lösungswege können hier mangels Platz nicht angegeben werden, sie finden sich aber online.)

**Latein**

Aufgabe 1:
·timor, timorem, timore, timorum ·consilium, consilio, consiliorum ·victoriam, victoria, victoriarum

Aufgabe 2:
·mater, filius·legere ·maestus, miser·tacere ·stare·cuncti·rogare·cum

Aufgabe 3:
·«Heute kommen viele Leute nach Rom, denn sie erwarten im Kolosseum die Kämpfe berühmter Gladiatoren. Die Gladiatoren kommen nicht nur aus Italien, sondern auch aus anderen Ländern, weil alle nach Ruhm begierig sind.»

#Notizen zu Namen

4. April 2017 | Zwei neue Richter gewählt

Schaffhauser Nachrichten
lbb

Als Ersatz für die auf Ende Juni 2017 zurücktretende Oberrichterin Marlis Pfeiffer hat das Schaffhauser Kan- tonsparlament gestern den aus dem Zürcher Oberland stammenden Oliver Herrmann (geb. 1982) mit einem 50-Prozent-Pensum gewählt. Herrmann war seit 2014 Ersatzrichter am Bezirksgericht Zürich und wird weiter zur Hälfte als Gerichtsschreiber am Bundesverwaltungs- gericht arbeiten. Die Wahlvorbereitungskommission hatte Herrmann aus fünf Bewerbungen ausgewählt. Der Rat wählte ihn mit 58 von 58 gültigen Stimmen.
Das Schaffhauser Kantonsgericht muss per Gesetz über mindestens drei Ersatzmitglieder verfügen. Mit der Wahl von Andreas Textor zum ordentlichen Kantonsrichter fehlt ein solches. Der Rat hat gestern den Juristen Philipp Zumbühl (geb. 1986) zum Ersatzrichter des Kantonsgerichts gewählt. Zumbühl ist in Dörflingen aufgewachsen und hat im Dezember 2016 sein Anwaltspatent gemacht. Ein Ersatzrichter übernimmt die Aufgaben eines Einzelrichters oder ist mitwirkender Richter in einer Kammer. Zumbühl erreichte 57 von 57 gültigen Stimmen.

#Allgemeines

18. März 2017 | Konflikte sind vorprogrammiert

Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg

Schülerinnen und Schüler an Schweizer Gymnasien sollen «ein fundiertes Verständnis der Hintergründe der Informationsgesellschaft entwickeln». Diese Forderung hat die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) aufgestellt. Gymnasiasten sollen die Grundzüge von Programmiersprachen kennen, die technischen Hintergründe von Computernetzwerken verstehen und die Sicherheitsaspekte der digitalen Kommunikation einschätzen können. Im Vorschlag der EDK würde Informatik an Maturitätsschulen entweder zu einem Grundlagenfach oder zu einem obligatorischen Fach erklärt. Diese Idee hat die EDK jetzt in die Anhörung in den Kantonen geschickt. Sind die Signale positiv, soll als Nächstes das Schweizer Maturitätsreglement dahingehend angepasst werden.

**Weiter Weg bis zum Maturafach**
«Ich bin ein klarer Verfechter davon, dass sich die Schule ganz generell der digitalen Herausforderung stellen muss», sagt Christian Amsler, der als Schaffhauser Bildungsdirektor und Mitglied in der EDK zu den treibenden Kräften hinter der Idee eines Informatikobligatoriums auf Gymnasialstufe gehört. «Gerade auch weiterführende Tertiärinstitute wie die ETH machen Druck, dass man hier forcieren muss und dass zum Beispiel auch das Programmieren einen höheren Stellenwert haben muss.» Bereits in der Entwicklung des Lehrplans 21 für die Volksschule habe man besonderes Augenmerk auf diese Diskussion im Kontext einer sich immer stärker digitalisierenden Schul- und Berufswelt gelegt.
Nun sei die Debatte eben auch am Gymnasium angekommen, wo jetzt die Bewertung des Fachs und die Stundendotation zur Disposition steht. «Klar, neue Fächer haben es immer schwer», räumt Amsler ein, «aus Stundendotationsgründen und aus finanziellen Gründen. Der Weg zu einem Maturafach wird noch weit sein.»

**Stärkung der Mint-Fächer**
Von der Schaffhauser Erziehungsdirektion zur Stellungnahme aufgefordert ist auch der Rektor der Kantonsschule Schaffhausen. Pasquale Comi steht der Idee grundsätzlich offen gegenüber, wie er gegenüber den SN sagt. «Die Stärkung der sogenannten Mint-Fächer – also von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie – entspricht dem Zeitgeist», sagt er. Auch die ETH und die Wirtschaftsverbände lägen den Gymnasialrektoren deswegen in den Ohren. Bezüglich der Umsetzung setzt Comi indes noch Fragezeichen: «Völlig offen ist, in welchem Rahmen und auf Kosten welcher anderen Lerninhalte dies geschehen könnte.»
Heute schon kommt jeder Kantonsschüler mit dem Fach Informatik wenigstens einmal in Berührung. Während des zweiten Semesters wird Informatik als Bestandteil des Grundlagenfachs Mathematik in zwei Wochenlektionen unterrichtet. Schüler lernen etwa die Funktionsweise von Algorithmen und den Aufbau komplexer Programme aus einfachen Bausteinen kennen. Das Fach wird geprüft und benotet.
Ab dem dritten Semester kann man an der Kanti Informatik als Freifach belegen, und zwar für eine zweijährige Dauer im Umfang von drei Wochenlektionen. Dort wird eine Programmiersprache erlernt, und dynamische und interaktive Webanwendungen werden programmiert. Im Schnitt zwischen 15 und 20 Schülerinnen und Schüler wählen das Fach pro Jahrgang, der durchschnittlich 130 Schüler zählt. Vier von fünf Schüler sind männlich.

**Eher keine Maturanote**
Das geplante Obligatorium, erklärt Comi, könnte entweder umgesetzt werden, indem man ein neues Grundlagenfach Informatik schaffe, das gleichberechtigt neben Mathematik, Deutsch oder Französisch stehe und direkt maturrelevant wäre. Oder aber, indem man es als neues obligatorisches Fach definiere, das von allen besucht werden müsse und das promotionswirksam sei, aber nicht als Maturanote einfliesse – ausser ein Schüler wähle es als Frei- oder Schwerpunktfach, so wie heute das Fach Recht und Wirtschaft.
Comi sieht eher Letzteres als realistisch: «Man kann den Kanon der Grundlagenfächer nicht beliebig erweitern, ohne dass man die Gewichtung einzelner davon zu verwässern beginnt», ist er überzeugt.
Aber auch wenn Informatik ein obligatorisches Fach würde, stelle sich die Frage, auf Kosten welcher anderer Fächer es eingeführt werden solle: auf Kosten ähnlicher Fächer im Mint-Bereich oder auf Kosten von sozial- und geisteswissenschaftlichen? «Hier sind Konflikte vorprogrammiert», sagt der Kantirektor.

#Allgemeines

17. März 2017 | Es soll wieder ein Treffpunkt für die Steiner werden

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Seit Oktober war der «Rothe Ochsen» in Stein am Rhein geschlossen. Inhaberin Katharina Keller wollte das Lokal, das bis dahin verpachtet war, selbst übernehmen. Allerdings nicht als Wirtin an der Front, sondern im Hintergrund. Als Geschäftsführer hat sie Oussama Moukrim eingestellt. Moukrim war sechs Jahre lang in der Bordgastronomie der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein tätig und kennt das Metier bestens. «Er hat sein Serviceteam mitgebracht, es ist bestens aufeinander eingespielt», sagt Keller. «Das sorgt für eine gute ­Atmosphäre.» Denn die Platzverhältnisse, speziell in der Küche des «Rothen Ochsen», sind eng. Deshalb wollen Keller und ihr Partner Peter Lagler, die für das Konzept verantwortlich zeichnen, nur ein kleines, ausgewähltes Speiseangebot führen und vor allem die Einheimischen ansprechen.
Die kamen am Mittwochnachmittag zur Wiedereröffnung zuhauf: Man traf sich zu einem Schwätzchen und einem Glas Wein, dazu servierten Moukrim und sein Team diverse Snacks, die einen Vorgeschmack auf das künftige Angebot gaben.
«Wir möchten täglich ein selbst gekochtes Menü anbieten, das hier zubereitet wird», sagt Keller. Auf der Karte sind Wurst- und Käseplättli, wie es sich für eine Weinstube gehört; es gibt Kutteln, Käsefondue, Salatkreationen, Haus­toast, Sandwiches oder «Bölletünne». Nicht alles ist selbst gemacht, sondern kommt aus Steiner Geschäften wie der Metzgerei Villiger. «Natürlich sind bei uns auch Touristen willkommen», sagt Keller. In erster Linie aber liegt es ihr am Herzen, dass die Steiner im «Ro­then Ochsen» mit seiner bewegten Geschichte wieder einen Treffpunkt haben, wo sie sich in einer schönen Umgebung austauschen können. Das schien am Wiedereröffungstag auf Gegenliebe zu stossen. Drinnen waren alle Plätze besetzt, und auch draussen hatten sich Nachbarn und Gwundrige zum Apéro versammelt, Moukrim und seinem Team jedenfalls ging die Arbeit nicht aus, alle wurden freundlich begrüsst und bewirtet.
In der Vorsaison wird der «Rothe Ochsen» täglich ausser Montag und Dienstag von 10 bis 22 Uhr offen sein; am Sonntag bis 17 Uhr. In der Haupt­saison ist die Weinstube sieben Tage in der Woche offen. Und punkto Sperrstunde will man flexibel sein. Sollten Vereine oder Gruppen erst später am Abend kommen, wird nicht stur um 22 Uhr geschlossen. «Da richten wir uns schon nach den Gästen», sagt Moukrim.



Es herrscht wieder Leben im «Rothen Ochsen». Oussama Moukrim und sein Team hoffen als Gastgeber auch auf viele Stammgäste aus dem Städtli.
Bild Edith Fritschi

#Allgemeines

3. März 2017 | Auch Bootsführer sollen pusten

Schaffhauser Nachrichten
sda

Wie bei Autofahrern genügt künftig auch bei Bootsführern ein Atem­alkoholtest, um einen zu hohen Pegel nachzuweisen. Das hat der Nationalrat gestern beschlossen. Heute ist eine Blutprobe nötig. Die Rechtsgrundlage für beweissichere Atemalkoholproben ist Teil des revidierten Binnenschifffahrtsgesetzes. Der Ständerat hatte die Vorlage im Dezember gutgeheissen.
Kern ist ein neues System der Sicherheitsaufsicht. Bisher wurden Schiffe umfassend getestet, bevor sie zugelassen wurden. Künftig muss der Gesuchsteller nachweisen, dass ein Schiff sicher ist, und der zuständigen Behörde die erforderlichen Unterlagen vorlegen. Geprüft werden jene Teile, die besonders sicherheitsrelevant sind. Damit wird das Verfahren an jenes angeglichen, das für Eisenbahnen und Seilbahnen gilt. Für die Schifffahrtsunternehmen rechnet der Bundesrat mit moderaten Mehrkosten für den ­Sicherheitsnachweis.
Ziel ist die Entlastung der Verwaltung. Es gebe neue Arten von Schiffen, beispielsweise Solarschiffe, sagte Kommissionssprecher Kurt Fluri (FDP/SO). Es sei nicht sinnvoll, die Verwaltung die Kompetenzen aufbauen zu lassen, die für die Prüfung notwendig wären.
Die SVP lehnte das Gesetz ab. Es gebe im Bereich der Schifffahrt keine Probleme, sagte Walter Wobmann (SVP/SO). Bei den Datenbanken gehe es nur um die Überwachung der Schifffahrt, ein Alkoholgrenzwert sei bereits im Gesetz festgelegt. Laut Wobmann braucht es das Gesetz daher nicht. «Das ist eine Aufblähung für gar nichts», sagte er. Die Mehrheit war aber anderer Meinung und trat auf das Gesetz ein.

**Keine zentralen Register**
Der Ständerat hatte einige Änderungen an der Vorlage des Bundesrats beschlossen, die der Nationalrat nun übernommen hat. Gestrichen wurde die Rechtsgrundlage für die Einrichtung von zentralen Datenbanken über Schiffe, Halter, Fahrberechtigungen und Administrativ- oder Strafverfahren. Laut Fluri wären die zentralen Datenbanken auf Begehren der Kantone eingeführt worden. Er erinnerte an das Subsidiaritätsprinzip in der Bundesverfassung: Es sei ein Leichtes für die Kantone, sich in einem Konkordat zu einigen und die Register auf kantonaler Ebene einzuführen, sagte er.
Die Linke setzte sich für die Datenbanken ein. Ein Register werde nur geschaffen, wenn die Kantone das wollten, sagte Thomas Hardegger (SP/ZH). «Es gibt keinen Grund, diese Option zu verhindern.» Register unterstützten die Vollzugsorgane und sorgten so für mehr Sicherheit auf Gewässern. Die Mehrheit lehnte das aber mit 134 zu ­­ 52 Stimmen ab.
Die Räte änderten die Vorlage in einem weiteren Punkt: Bootsführer sollen erst ab dem vollendeten 75. Altersjahr und nicht schon ab dem 70. ihre Fahreignung ärztlich untersuchen lassen müssen. Die Gesamtabstimmung endete mit 124 zu 62 Stimmen. Die Gegenstimmen kamen von der SVP. Mit einer Differenz bei den Voraussetzungen für die Erteilung des Führerausweises geht die Vorlage zurück an den Ständerat.
Das Binnenschifffahrtsgesetz gilt für sämtliche Fahrzeuge oder Geräte, die auf oder unter der Wasseroberfläche bewegt werden. Für kleinere Schlauch- oder Strandboote gelten aber Ausnahmen.

#Notizen zu Namen

28. Februar 2017 | «Es ist eine grosse Hürde für Kantonsschüler»

Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg

*Herr Comi, 110 Maturaarbeiten wurden an der Kantonsschule Schaffhausen dieses Jahr abgenommen. Wie würden Sie den Lerneffekt der selbständigen Arbeit beschreiben?*
Diese Arbeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen, die Kantonsschüler im Laufe der Gymnasialzeit erwerben können. Nach wissenschaftlichen Massstäben selbständig eine Arbeit erstellen ist eine grosse Hürde für die meisten Schüler. Sie stehen vor einem riesigen Berg und müssen lernen, nicht zu verzweifeln, sondern systematisch und fokussiert an ein Thema heranzugehen. Klar, wir geben alle Unterstützung, aber es sind die Schüler, die Motivation und Fleiss an den Tag legen müssen.

*Auffallend ist die Themenbreite. Täuscht der Eindruck. oder ist man offener geworden, auch hinsichtlich den sogenannten Life Sciences?*
Das stimmt, Themen wie Gesundheit, Ernährung, Medizin sind zunehmend gefragt. In der Themenwahl sind die Maturanden frei und unabhängig vom gewählten Profil, und das ist ganz entscheidend. Übrigens ist dieses Jahr mit 31 Arbeiten der mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Bereich – die sogenannten MINT-Fächer – sehr gut vertreten, darauf können wir stolz sein. Die Maturanden sollen ihr Thema selber wählen, und es freut mich auch, dass viele mit der Zeit, in der sie leben, gehen. Ausserdem gibt es einige brandaktuelle Phänomene wie etwa Terrorismus, Brexit, Einkaufstourismus, die aufgegriffen werden. Und auch in regionalen Themen können Maturanden immer wieder einen spannenden Beitrag leisten, etwa zur Lokalgeschichte.

*Wie kann man diese doch sehr unterschiedlichen Arbeiten vergleichen und bewerten?*
Die Benotung erfolgt durch einen betreuenden Lehrer und einen Co-Referenten. Etwa ein Viertel der Note bezieht sich auf den Arbeitsprozess selber, und ein besonderes Gewicht liegt auf der Präsentation der Arbeit, die vor Publikum stattfindet. Entscheidend ist immer, wie die Fragestellung bearbeitet wurde.

*Wie steht die Kantonsschule derzeit bezüglich Maturandenquote da, und wie viele Schüler nehmen ein Hochschulstudium auf?*
Unsere gymnasiale Maturitätsquote liegt seit vielen Jahren mit 15 bis 17 Prozent klar unter dem nationalen Durchschnitt, dafür ist sie bei der Berufsmatur höher als im Landesdurchschnitt. So gleicht sich das aus. Im letzten Jahr haben rund zwei Drittel angegeben, ein ETH- oder Hochschulstudium beginnen zu wollen. Knapp 20 Prozent wollten an einer Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule studieren.

*Der Königsweg mit gymnasialer Matur und Hochschulstudium ist also kein Auslaufmodell?*
Nein. Aber interessant ist, dass sich vor rund 15 Jahren das Geschlechterverhältnis gedreht hat. Heute liegt die Frauenquote an der Kantonsschule bei etwa zwei Dritteln. Wieso das so ist, ist schwer zu sagen. Es gibt die Hypothese, dass es die Volksschule sprachlich begabten Schülern einfacher macht, gute Noten und damit einen Übertritt ins Gymnasium zu erreichen.

Neulich konnte man lesen, dass die Armee immer weniger diensttaugliche Maturanden findet. Sind die Kantonsschüler zu schlapp fürs Militär?*
Das denke ich ganz und gar nicht. Unsere Schüler sind fit, es gibt nach wie vor drei Sportstunden pro Woche. Aber es trifft zu, dass für viele Maturanden der Militärdienst nicht mehr die auch karrieretechnische Anziehungskraft hat wie früher. Ich denke, die Armee müsste die Kompatibilität von Studium und Militärdienst verbessern, um attraktiver zu werden, zum Beispiel mit Ausbildungsgutscheinen. Daran arbeitet man ja.



Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen .
Bild Mark Liebenberg


**Eine Herausforderung für das Schaffhauser Gewerbe**

*Der Einkaufstourismus nach Deutschland ist weit verbreitet in Schaffhausen. Julian Alvarez befasst sich in seiner Maturaarbeit mit den Folgen.*

Von Clio Zubler

Julian Alvarez ist selbst Einkaufstourist und kauft mit seiner Familie immer wieder mal in Deutschland ein. «Ich wollte mehr über die Auswirkungen des Einkauftourismus wissen», sagt der Kantonsschüler. So widmete er seine Maturaarbeit dem Thema. «In meiner Arbeit zeige ich auf, wieso die Leute nach Deutschland gehen und was die Folgen fürs Schaffhauser Gewerbe sind», sagt Alvarez. Er konzentriert sich in seiner Maturaarbeit auf die Lebensmittel- und Modebranche. In einem aufwendigen Theorieteil klärt er vorab den Begriff des Einkaufstourismus, setzt sich mit dem Kaufverhalten der Konsumenten auseinander und erläutert die Einfuhrbestimmungen.

Im zweiten Teil der Arbeit beschreibt er die Gründe für den Einkaufstourismus in der Region. Herausgefunden hat er diese, indem er fünfzig Leute befragt hat. «Ich habe Passanten einmal auf dem Fronwagplatz angesprochen und einmal vor dem Herblingermarkt», erklärt Alvarez. «Es war sehr mühsam und zeitaufwendig, die Umfrage auszuwerten», sagt er. Es zeigte sich, dass der grosse Preisunterschied zwischen der Schweiz und Deutschland tatsächlich der wichtigste Grund ist, um im Ausland einkaufen zu gehen.

**Vollkostenrechnung**
Alvarez erstellte auch eine Vollkostenrechnung für den Einkauf in Deutschland und vergleicht die Preise der Warenkörbe inklusive der Anfahrtskosten und etwaigen Einfuhrzöllen. Den grössten Preisunterschied gebe es in der Lebensmittelbranche zwischen Coop und Lidl, ganze 65 Prozent sind es. «Das war wirklich überraschend», meint Alvarez. «Die Qualität ist aber auch nicht dieselbe.»

**Neue Sichtweisen**
Alvarez’ Ziel war es, neue Sichtweisen auf den Einkaufstourismus und auch Lösungen für das Schaffhauser Gewerbe aufzuzeigen. Der grösste Gewinner der Situation sei der sparende fallen die Auswirkungen des Einkaufstourismus eher klein aus», Gewerbe wegen des Einkaufstourismus fünf bis zehn Prozent der Einnahmen fehlen, gebe es auch ein paar gute Seiten. So müssen die Geschäfte innovativ bleiben und sich vom ausländischen Angebot differenzieren, wie er in seiner Arbeit schreibt. «Die beste Lösung ist meiner Meinung nach, das Schaffhauser Gewerbe den Kunden näherzubringen», sagt der Maturand. Beispielsweise könnte man den Kunden mit einer App zeigen, welche Geschäfte es hier gibt.


**Zur Person**
Julian Alvarez

*Alter*
17 Jahre

*Wohnort*
Lohn

*Nach der Matura*
Militär, dann Wirtschaftsstudium

*Titel der Maturraarbeit*
Einfluss des Einkaufstourismus nach Deutschland auf das SH-Gewerbe

*Fachbereich*
Wirtschaft und Recht.



Julian Alvarez inmitten der Schaffhauser Altstadt. Der wichtigste Grund, um ins Ausland
einkaufen zu gehen, sind anscheinend die grossen Preisunterschiede.
Bild Clio Zubler

#Notizen zu Namen

24. Februar 2017 | Ott macht Platz für frische Kräfte

Schaffhauser Nachrichten
Daniel Jung

Die «Schaffhauser AZ» hat eine neue Chefredaktion. Seit diesem Monat wird die Arbeiterzeitung von den beiden 29jährigen Journalisten Mattias Greuter und Marlon Rusch geleitet. Die beiden gehören zu einem Team von insgesamt sechs Journalistinnen und Journalisten, die alle zwischen 26 und 31 Jahre alt sind und je im 60-Prozent-Pensum für die AZ schreiben.
«Mit 66 Jahren bin ich langsam ein alter Knabe», sagt Bernhard Ott, der zuvor die redaktionelle Leitung innehatte. «Es wurde Zeit für den Wechsel.» Nun habe die junge Crew die Chance, die Zeitung ohne den Einfluss der älteren Generation weiterzuführen.

**Abkehr vom Tagesjournalismus**
«Die Jungen sind viel radikaler im Verständnis, was es heisst, eine Wochenzeitung zu machen», sagt Ott über seine Nachfolger. Der älteren Garde der AZ sei es nie ganz gelungen, die Gepflogenheiten des Tagesjournalismus abzulegen. Die AZ war bis 1997 eine Tageszeitung. Nach einer kurzen Zwischenphase mit drei Ausgaben pro Woche wurde sie 1998 zum Wochenblatt – aus finanziellen Gründen. Die deutliche Abkehr von Veranstaltungen und Pressekonferenzen habe der AZ gutgetan, ist Ott überzeugt.
«Wir wollen mehr recherchieren und mit jedem unserer Texte eine Geschichte erzählen», sagt Marlon Rusch zu seinen journalistischen Zielen. Für die zwei jungen Chefs hat sich im Alltag aber nicht allzu viel geändert. «Wir sitzen immer noch am selben Ort wie vorher», sagt Rusch. Gegen aussen hin würden sie wohl vermehrt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Schwierige Entscheide würden aber wie bisher von der ganzen Redaktion gemeinsam gefällt. So wurde auch die Entscheidung, wer die Führungsrolle übernehmen soll, im Kollektiv gefällt. Im jungen Team sind Rusch und Greuter am längsten dabei.

**Vom Chef zum freien Mitarbeiter**
Ott bleibt weiterhin als Verlagsleiter verantwortlich für die kommerziellen Belange der AZ Verlags AG. Hiermit hat er eine schwierige Aufgabe. «Die AZ ist ein Defizitgeschäft», sagt er. Aktuell hat die AZ eine verkaufte Auflage von rund 2000 Stück. Ohne Spenden könnte sie nicht überleben. Rund 15 Prozent der Einnahmen stammen derzeit von Sponsoren. Dazu ­gehören die rund 150 Mitglieder des Gönnervereins sowie fünf grössere Einzelsponsoren. Die restlichen Einnahmen stammen etwa je zur Hälfte aus der Werbung und den Abo-Erlösen. «Früher kamen einmal rund 70 Prozent der Einnahmen von den Inseraten», sagt Ott.
Als Geschäftsführer ist Ott unter anderem für die Lohnadministration, die Bereitstellung der Daten für die ­externe Buchhaltung und die Pflege der Abonnenten zuständig. Weiterhin nimmt er auch an Redaktionssitzungen teil, sitzt aber nicht mehr am Kopf des Tischs. Als freier Mitarbeiter wird er auch künftig für die AZ schreiben, speziell über Themen der Schaff­hauser Geschichte oder Wirtschaft.
Ott stammt aus einem katholischen, bürgerlichen Haushalt. «Es war für viele Leute aus meiner Generation auch eine Abgrenzung zu den eigenen Eltern, bei der SP mitzumachen», sagt er. Ähnliche Prozesse gebe es auch heute noch: Die Entstehung der Alternativen Liste in Schaffhausen, als zweite linke Kraft, habe ebenfalls viel mit persönlichen Biografien zu tun – mit Kindern aus SP-Haushalten, die ­etwas Eigenes aufbauen wollten. Dass die Schaffhauser Linke heute gespalten ist, macht Ott keine Sorgen. «Die AL kann mit ihrer Oppositionsrolle Leute abholen, welche die SP zu stark als Teil des Systems sehen.» Ott hat schon ­geschrieben, dass er langfristig eine Fusion von SP und AL erwartet. «Das muss aber selber wachsen», sagt er.

**Grosses Jubiläum**
Die «Schaffhauser AZ» war 1918 gegründet worden. Im nächsten Jahr feiert sie ihr 100-Jahr-Jubiläum. Dafür ist unter anderem ein Jubiläumsbuch geplant, das vom Historiker Adrian ­Knoepfli verfasst wird. Knoepfli hat bereits über die Geschichte der Alusuisse, der GF oder des Elektrizitätswerks des Kantons Schaffhausen geschrieben. ­Warum schreibt der ­Historiker Ott das Buch nicht selbst? «Hans-Jürg und ich wollten, dass es jemand von aussen schreibt», sagt er – der früherer SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr ist Verwaltungsratspräsident der AZ Verlags AG. In den 100 Jahren habe die AZ auch einige ­«Irrungen und Wirrungen» durchgemacht, sagt Ott. «Dafür ist ein kühler Blick von aussen nötig.»
Warum gibt es die AZ heute noch – während die anderen als sozialdemokratische Parteiblätter gegründeten Arbeiterzeitungen der Schweiz verschwunden sind? «Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass Schaffhausen ein vergleichsweise geschlossener Raum mit übersichtlichen Verhältnissen ist», sagt Ott. Andererseits habe die bürgerliche Ausrichtung der «Schaffhauser Nachrichten» auf der linken Seite stets Raum gelassen. «Und heute haben wir den Vorteil, eine Wochenzeitung zu sein», sagt Ott.
In den wirtschaftlich brenzligen Situationen sei es stets die überzeugte Fangemeinde der AZ gewesen, welche das Überleben ermöglichte. Im Jahr 1996 etwa hatte die Zeitung massive ­Finanzprobleme. Damals wurde die alte Unionsdruckerei in eine Verlags- und eine Immobilienfirma aufgeteilt sowie das Druckerei-Geschäft verkauft. Der UD Immobilien AG gehören drei Liegenschaften zwischen «Platz» und Webergasse. Ott ist sich bewusst, dass die Existenz der Zeitung weiter vom wirtschaftlichen Erfolg abhängt. «Wenn das Geld nicht reicht, dann kann man machen, was will», sagt er.
Zuletzt konnte die AZ gemäss Ott aber eine leicht Zunahme der Abonnenten feststellen – seit Januar 2016 um rund 3 Prozent. Er ist überzeugt, dass dies mit der neuen journalistischen Ausrichtung zu tun hat.

**«Zum Glück nicht entlassen»**
Auch von der SP habe sich die AZ stärker emanzipiert. «Bis vor 25 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass jemand für die AZ schreibt, der nicht in der SP ist», sagt Ott. Heute ist von den sechs Redaktoren nur einer bei einer Partei – Matthias Greuter war schon auf Wahllisten der AL. Ott weist aber darauf hin, dass er selbst als 28jähriger Journalist in der AZ einmal den damaligen SP-Regierungsrat Paul Harnisch zum Rücktritt aufgefordert hatte – wegen einer Revision des Polizeigesetzes. «Ich wurde damals zum Glück nicht entlassen», sagt er.



«Exekutivpolitiker wollen die Zeitung als Werbetrommel nutzen», sagt Bernhard Ott, Verlagsleiter der «Schaffhauser AZ». Die Rolle der Zeitung sei jedoch eine andere.
Bild Selwyn Hoffmann