#Allgemeines

14. Mai 2011 | Die faszinierende Welt der Chemie

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Am frühen Morgen des 1. November 1986 heulten im Grossraum Basel die Alarmsirenen: In einer Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz in Schweizerhalle war ein Brand ausgebrochen, der dadurch verursachte dichte Rauch veranlasste die Behörden, eine mehrstündige Ausgangssperre zu erlassen. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand, das Löschwasser floss anschliessend in den nahe gelegenen Rhein und löste dort ein Fischsterben aus. Seither war immer wieder vom «Chemieunfall» in Schweizerhalle die Rede. Warum eigentlich, fragt sich nicht nur der Chemiker Daniel Leu: «Wenn ein Flugzeug abstürzt, spricht man doch auch nicht von einem Physikunfall.»

Beitrag zur Welterkenntnis
Ereignisse wie in Schweizerhalle haben der Chemie zu einem schlechten Image verholfen, ein Image, das sie nicht verdient, denn an den Unfällen war nicht sie, sondern menschliches Versagen schuld. Sie spielt ganz im Gegenteil in verschiedenen Lebensbereichen eine wichtige Rolle, denken wir nur etwa an die Rolle der Chemie bei der Entwicklung von neuen Medikamenten. Für Daniel Leu, der die Konsultationsfirma Leu&Partner betreibt und im kantonalen Umweltschutzamt für den Bereich «Radioaktive Abfälle» verantwortlich ist, ist Chemie noch viel mehr: «Sie hat einen philosophischen Beitrag zur Welterkenntnis geleistet.» Dank dem Periodensystem der chemischen Elemente konnte die Natur in ihre Einzelteile zerlegt werden. Neue Kombinationen wurden möglich, Materialien konnten analysiert und zum Beispiel Lebensmittel und Gewässer auf Bestandteile kontrolliert werden, die dort nicht hineingehören.

Wichtiger Teil der Wirtschaft
Leu ist nicht der Einzige, der sich am schlechten Image der Chemie stört. Da die UNO das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Chemie ausgerufen hat und sich die Verleihung des Nobelpreises für Chemie an Marie Curie, die die Elemente Radium und Polonium entdeckt hat, dieses Jahr zum hundertsten Male jährt, regte Kurt Seiler, Kantonschemiker und Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen, an, in Schaffhausen einen Tag der Chemie zu organisieren. Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, und so wird heute in der Kantonsschule der Schaffhauser Tag der Chemie durchgeführt, der von Daniel Leu organisiert und von diversen hier ansässigen Chemiefirmen aktiv unterstützt wird. Letztere bilden einen bedeutenden Teil der Schaffhauser Wirtschaft: So ist etwa die Cilag AG mit ihren rund 1000 Arbeitsplätzen der grösste private Arbeitgeber in der Region Schaffhausen. Diese Firmen haben zudem ein vitales Interesse daran, dass sich der Ruf der Chemie bessert. Zurzeit entscheiden sich zu wenige Jugendliche für ein naturwissenschaftliches Studium im Allgemeinen und ein Chemiestudium im Speziellen und fehlen deshalb den Firmen als Arbeitskräfte. Daher richtet sich der Tag der Chemie zwar an die gesamte Öffentlichkeit, möchte aber besonders bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die faszinierende Welt der Chemie wecken. Das soll mit einem breit gefächerten Programm geschehen (siehe Spalte auf dieser Seite); in diesem wird auch versucht, auf kritische Fragen zur Chemie einzugehen und sie zu beantworten.


**Interviews von Erwin Künzi**

**«Antworten liefert oft nur die Chemie»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Kurt Seiler: In der Forschung hat mich die Entwicklung von konkreten Produkten fasziniert. Wie ein Architekt konnte ich neue Moleküle kreieren, herstellen und anschliessend in Sensoren austesten. Es war der praktische Nutzen, der mich anspornte. Dass einige dieser Produkte den Weg auf den Markt gefunden haben, bedeutete zusätzliche Motivation. Heute hilft mir die Chemie, Vorgänge in der Umwelt zu verstehen: Weshalb findet man Antiklopfmittel im Wasser? Wie bildet sich Feinstaub in der Luft? Welche Substanzen sind gefährlich? Antworten sind oftmals nur dank der Chemie zu finden.

*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Seiler: Die spannendsten und wichtigsten Prozesse laufen auf der chemischen Ebene ab. Chemisches Verständnis wird uns helfen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

**«Spass am logischen Denken»**
*Was fasziniert Sie persönlich an der Chemie?*
Simone Hörtner: Ganz besonders gefällt mir an der Chemie die Mischung aus Handwerk und Kopfarbeit, denn beide Komponenten sind entscheidend für erfolgreiches Arbeiten. Weiter begeistert es mich, dass durch chemisches Verständnis und geeignete Analysemethoden die molekulare Struktur eines Stoffes «ersichtlich» wird.
*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Hörtner: Ich kann ein Chemiestudium beziehungsweise eine Lehre als Chemielaborant oder Chemielaborantin allen jungen Leuten empfehlen, die gerne Probleme lösen, sich für Naturwissenschaften und Technik interessieren, gerne exakt arbeiten sowie Spass an logischem Denken haben.

**«Das logischste aller Fächer»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Thomas Stamm: Für mich war Chemie bestimmt das logischste aller Fächer. Diesen Eindruck einer logischen und zugleich schönen Naturwissenschaft verdanke ich nicht zuletzt einer engagierten Chemielehrerin (merci, Madame Curie!) und einem begabten Chemielehrer, die mir Erklärungen aufzeigten für Phänomene, die ich aus dem Alltag und meinem Chemiebaukasten kannte.
*Warum sollen junge Leute Chemie studieren?*
Stamm: Chemie ist für jene, die gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, die wie ich verstehen wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, aber auch einfach staunen können über Natur- und Alltagsphänomene, eine spannende und höchst anregende Angelegenheit. Und wer einen Beitrag zur Lösung von vielen Gesellschaftsherausforderungen leisten möchte: Studiert Chemie!

**«Chemie ist extrem vielseitig»**
*Was fasziniert Sie an der Chemie?*
Adrian Thaler: Die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Nahrungsmittel, die wir essen, die Materialien, die uns umgeben, alles ist Chemie. Es ist die Stoffvielfalt, die mich fasziniert und die es dem Chemiker ermöglicht, bekannte Stoffe in neue umzuwandeln, die völlig andere Eigenschaften aufweisen und in der Landwirtschaft, Medizin, Industrie und in vielen anderen Bereichen angewandt werden können.
*Warum soll man Chemie studieren?*
Thaler: Die Tatsache, dass die Chemie bei praktisch allen grossen technologischen Herausforderungen eine zentrale Rolle spielt, sollte junge Leute motivieren, Chemie zu studieren und aktiv zur Lösung der anstehenden Probleme beizutragen. Chemie ist extrem vielseitig und bietet besonders in Verbindung mit anderen Wissenschaften ein unerschöpfliches Feld für entdeckungsfreudige junge Forscher.


**Schaffhauser Tag der Chemie**
Das Programm

Zeit und Ort
Der Schaffhauser Tag der Chemie findet heute von 10 bis 16 Uhr in der Kantonsschule Schaffhausen statt. Er steht der interessierten Öffentlichkeit offen. Angeboten werden Demonstrationen, Experimente und Ausstellungen. Es gibt betreute Mitmach-Experimente für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Vorträge und Filme. Vertreten sind neben der Kantonsschule verschiedene Chemiefirmen, das Interkantonale Labor Schaffhausen und die Naturforschende Gesellschaft.

Offizieller Teil
Dieser beginnt um 11 Uhr in der Aula des Altbaus mit Ansprachen von Regierungsrat Christian Amsler, Stadtpräsident Thomas Feurer und Marcus Cajakob von der Wirtschaftsförderung. Im Anschluss befragt Stefan Balduzzi Prof. Dr. Gerd Folkers zum Thema «Chemie – eine Wissenschaft ringt um ihr Image». «Chemische» Slam Poetry von Simon Chen, Musik und ein Apéro beschliessen diesen Teil.

Nobelpreisträger
Um 15 Uhr spricht in der Aula des Altbaus Nobelpreisträger Prof. Dr. Richard Ernst zum Thema «Mein Weg zur Chemie und darüber hinaus».

Kurzvorträge I
Im Raum 325 im Altbau finden folgende Kurzvorträge statt: 10 und 14 Uhr: Urs Weibel: Von der Sexparty bis zum Schafott, alles drin beim Ölkäfer. 10.30 und 13.30 Uhr: Ruth Böni: Spinat & Co. in der Turbo-Version – Chemiker als Gemüsetuner. 13 und 14.30 Uhr: Simone Hörtner: Kleider machen Leute – und verpackte Wirkstoffe bessere Medikamente.

Kurzvorträge II
Im Raum 326 des Altbaus finden folgende Kurzvorträge statt: 10 und 13 Uhr: Pirmin Ulmann: Die Sonne im Tank – Organische Solarzellen und Lithiumionen-Batterien. 10.30 und 13.30 Uhr: Erich Hammer: Der beste Chemiker ist die Natur.

Kurzvorträge III und Show
Im Raum 223 des Altbaus finden folgende Kurzvorträge statt: 10.30 Uhr: Jonas Bosshard: Die selbst reinigende Glasscheibe. 13.30 und 14.30 Uhr: Lisa Hartmeier: Röntgenkontrastmittel – wohin fliesst das? 10, 13 und 14 Uhr: Thomas Stamm: Die Show des Chemielehrers.

Demonstrationen
Trüb Emulsions Chemie: Imprägnierung von Papier. Heisssiegeln von Jogurthbechern. Entstehung einer Emulsion live. Kantonsschule: Stahlgiessen – Nuggets zum Mitnehmen, mit Rainer Steiger. Kantonales Labor: Lebensmittel und Aromen; GC-Sniffer: Sauber sniffen. Destillation von Aromen: Erst Dampf ablassen, dann Aroma fassen. Soxhlet-Extraktion: Willst du’s kompakt, nimm den Extrakt. Molekularküche: Die Küche als Chemielabor. Caramel: Zuckersüsse Chemie. «Kaviar»: Mal als fruchtige Delikatesse. Kochen mit flüssigem Stickstoff: Von Jogurth auf Glace in 8 Sekunden und Pralinen aus der Eiszeit.

Firmen
Folgende Firmen sind mit einem Stand vertreten: Merck & Cie, Cilag AG, Trüb Emulsions Chemie, BASF

Wettbewerb
Die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen führt einen Wettbewerb mit einer Preissumme von 5000 Franken durch.

Festwirtschaft
In der Mensa gibt es Grillspezialitäten, Würste, Salate, Snacks, alkoholfreie Getränke, Kaffee, Bier, Wein.

#Notizen zu Namen

14. Mai 2011 | Alex Plüss bestreitet in dieser Saison keine Wettkämpfe

Schaffhauser Nachrichten
(r.)

Für die Spitzenruderer im Ruderclub Schaffhausen kommt es, wie das Trainer Roland Altenburger vor dem Saisonstart angedeutet hat, zu einer schwierigen Saison 2011. Alex Plüss, der eine von zwei U-19-Weltmeistern von 2010, hat sich entschieden, in dieser Saison keine Wettkämpfe zu bestreiten. Seine im Frühjahr aufgebrochene Rückenverletzung ist auf dem Weg der Besserung, er zieht aber einen sorgfältigen muskulären Aufbau – durch die verletzungsbedingte Passivität entstandene Defizite – einem sofortigen Wiedereinstieg ins SRV-Nationalkader vor. Für den RC Schaffhausen heisst dies auch, dass ein Club-Grossboot für die Schweizer Meisterschaften auf dem Rotsee ins Wasser fällt. Und die Ambitionen von Alex Plüss auf ein Olympiaticket 2012 sind vorerst sistiert. Sein Co-Weltmeister im Vierer mit Steuermann, Markus Kessler, muss sich daher als Riemenruderer umorientieren.

Der dritte RCS-Spitzenruderer, David Aregger, wird sich auf den Einer konzentrieren. Aregger hat sich mit seinem 2. Platz zuletzt an der Regatta Essen in einem Einer-Elitefeld von 17 Booten die Teilnahme am Worldcup München verdient. Er verzichtet wegen der Schule auf das SRV-Vorbereitungscamp in Varese und bereitet sich in Schaffhausen und auf dem Untersee unter Betreuung des Clubtrainers auf diesen wichtigen Wettkampf vor. Das Trainingspensum wird auf zwei bis drei Einheiten pro Tag gesteigert.

#Allgemeines

13. Mai 2011 | Beim Thema Bier ist heute jeder ein Experte

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Mark Schiesser

Ist jemand, der über Bier schreibt und keinen Bierbauch hat, überhaupt kompetent? Ja, wenn man sich dafür als Historiker ein Jahr lang Zeit nimmt, akribisch recherchiert und auch die Branche in der Geschichte verankert.
Während im Restaurant Falken die Gäste genussvoll ihre «Stange» konsumieren, bekommt man oben in der Lounge eine interessante Lektion zum Thema Gerstensaft. «Mit der Bezeichnung Stange ist lediglich die Glasform, nicht aber der Inhalt näher bezeichnet», erklärt Matthias Wiesmann, Zürcher Wirtschaftshistoriker mit Schaffhauser Wurzeln, und weist darauf hin, dass emanzipierte Biertrinkerinnen und -trinker zuerst nach der Biermarke oder deren Spezialitäten fragen sollten. Vor zwei Jahren fasste er den Entschluss, nach der Lizenziatsarbeit über Aufstieg und (Zer-)Fall der Brauerei Hürlimann einen Überblick über die Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz zu verfassen. «Ich wollte Wissenswertes mit Witzigem kombinieren. Das Buch sollte nicht streng wissenschaftlich sein, sondern auch Spass machen», erklärt der «Göttibueb» von Liedermacher Dieter Wiesmann. Ausserdem habe er herausgefunden, dass es nichts über diese Branche gibt. «Bei meinen Recherchen bin ich auch überall auf offene Ohren gestossen, denn beim Thema Bier ist heute jeder ein Experte.» In kleinen eingeschobenen Geschichten zeigt Wiesmann auch erstaunliche Begebenheiten und wissenswerte Details: von Bierdeckelsammlern, Felsenkellern, Eisgalgen, Kartellen und Familienunternehmen. Und auch Arnold Oechslins Werbeplakate oder besser Kunstwerke für die Brauerei Falken haben zur Freude von Grafiker Peter G. Ulmer, einem langjährigen Freund der Familie, ihren Platz im Buch gefunden. «Ich bin stolz, in dieser Branche arbeiten zu dürfen», freute sich Markus Höfler, Falken-Marketingverantwortlicher und Mitglied der Geschäftsleitung, beim Durchblättern. «Schliesslich sind auch wir seit 1799 ein Teil der Bierkultur.» Das reich illustrierte Buch ist ein etwas anderer Genuss, und das nicht nur für Liebhaber des Nationalgetränkes, bei dem man nur sagen kann: na dann, Prost!



Matthias Wiesmann Bier und wir. Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums der Schweiz, Hier + Jetzt Verlag, April 2011, 260 Seiten mit über 200 Abbildungen, 58 Franken.

#Notizen zu Namen

11. Mai 2011 | Ein einfühlsamer Seelsorger

Schaffhauser Nachrichten, Region
Dilgion Merz

Pfarrer Willi Helg ist in Diessenhofen 1933 geboren worden und dort aufgewachsen. Nach dem Besuch der Kantonsschule Schaffhausen liess er sich als Theologe an den Universitäten von Zürich, Göttingen, Paris und Basel ausrüsten. 1961 wurde er von der Zwingligemeinde Schaffhausen zum Pfarrer gewählt. Im Haus am Mattenweg fand er mit seiner Frau Hedi Bollinger und den Kindern Barbara, Ursula und Martin einen starken Lebensmittelpunkt. Hier blieb er verwurzelt, von hier aus zogen sich weite Kreise. Dabei war das Evangelium für ihn zentral. Tief greifende Erlebnisse – so auch der Tod seines jüngeren Bruders Martin mit nur 25 Jahren – machten ihn zu einem einfühlsamen Seelsorger. Schön und bereichernd war die Zusammenarbeit mit seinem Freund und Studienkollegen Georg Stamm im wachsenden Quartier bis 1977. Waren auch die Wechsel in diesem Pfarramt nachher häufiger, die gute Zusammenarbeit blieb. Neben dem professionellen Team war die grosse Schar Freiwilliger der Kern der lebendigen Gemeinde. Auch die ökumenischen Kontakte waren intensiv: Gottesdienste wurden gestaltet, und gelegentlich wurde die Strasse zwischen St. Peter und Zwingli zur belebten Kirchgasse. Willi Helg zog diesen Kreis weiter in der Gründung der Schaffhauser Bettagsaktion 1968, die er während über dreissig Jahren betreute. Zusammen mit seiner Frau gründete und begleitete er den Verein «Freunde des Schulzentrums Les Gazelles in Kinshasa». Ein Aufenthalt im Kongo vermittelte ihm vertiefende Einblicke in seine Arbeit.
1985 bis 1993 weitete sich sein Einsatz nochmals aus durch die Mitarbeit im Kirchenrat. Er, der jede Unterrichtsstunde sorgfältig vorbereitete und auch im Stadtschulrat mitarbeitete, betreute gerne das Ressort des kirchlichen Unterrichts. Mit der ihm eigenen ruhigen Zähigkeit erwirkte er die kantonsweite Einführung des kirchlichen Drittklassunterrichts. 1995 trat er vom Pfarramt zurück. Abgefedert wurde dieser Schritt durch die Weiterführung des Öme-Sekretariats. Dann wurde sein Lebenskreis enger durch die fortschreitende Parkinsonkrankheit. Die letzte Station eines reichen Lebensweges war das Altersheim Steig. Er wusste sich treu begleitet und unterstützt durch seine Frau, seine Familie und seine Freunde. Am Osterdienstag ist Willi Helg in die Weite der grenzenlosen Geborgenheit in der Liebe Gottes heimgerufen worden.


#Notizen zu Namen

4. Mai 2011 | Kantonsrat: Neuer SVP-Fraktionschef

Schaffhauser Nachrichten, Region
(r.)

Die SVP-Fraktion im Kantonsrat hat einen neuen Fraktionspräsidenten: Kantonsrat Peter Scheck aus Schaffhausen. Er hat per 1. Mai Kantonsrat Hans Schwaninger, Guntmadingen, ersetzt. Dieser befindet sich auf Präsidentenlaufbahn. Peter Scheck, Jahrgang 1956, ist Dr. phil. und Stadtarchivar der Stadt Schaffhausen.


#Notizen zu Namen

2. Mai 2011 | Schaffhauser erfolgreich bei Jugend forscht

Schaffhauser Nachrichten, Region
Nora Cetin

Es herrscht reger Betrieb am Freitagnachmittag in der Haupthalle der ETH Zürich. An 64 Ständen zeigen junge Forscher aus der ganzen Schweiz ihre Projekte. Unter den Ausstellern sind auch zwei junge Herren aus dem Kanton Schaffhausen: Alessio Procopio und Timothy Odermatt. Ihre Projekte sind ganz unterschiedlich. Odermatts Arbeit trägt den Titel: «Rauchstopp bei Jugendlichen, Vergleichsstudie bei Kantons- und Berufsschülern», diejenige von Procopio «Schlupfrate von Äschen (Thymallus thymallus, L.) in Abhängigkeit vom Alter der Muttertiere». So verschieden die Themen der beiden Schüler auch sind, einiges haben ihre Arbeiten doch gemeinsam. Beide Projekte sind nicht nur für Jugend forscht entstanden, sondern gleichzeitig auch die Maturaarbeiten an der Kanti. Dort wurden die Arbeiten bereits bewertet; für beide gab es eine Sechs. Auch beim nationalen Wettbewerb Jugend forscht gab es eine Vorbewertung; nur Arbeiten mit den Prädikaten Gut, Sehr Gut und Ausgezeichnet werden hier gezeigt. Was die Projekte von Odermatt und Procopio auch verbindet, ist, dass das persönliche Interesse spürbar und der grosse Aufwand, der hinter diesen Arbeiten steckt, sichtbar sind.

**Grundstein für Äschenforschung**
«Ich bin passionierter Fischer», erzählt Alessio Procopio. Mittlerweile hat er schon einige Übung im Fragenbeantworten, 13 Experten seien am Morgen vorbeigekommen und hätten sich nach seinem Projekt erkundigt. Zum Thema seiner Arbeit sei er eher durch Zufall gekommen. «Im Oktober 2009 haben wir am Rheinfall Forellen eingesetzt. Mit dabei war auch der damalige Fischereiaufseher Jakob Walter», erzählt Procopio. Walter habe im erzählt, dass immer mehr zweijährige Fische, die noch gar nicht geschlechtsreif sein dürften, laichen würden, die Schlupfrate aber durchschnittlich gesunken sei. «Der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Tatsachen gibt, wollte ich nachgehen. Denn in der Literatur habe ich keine Antworten gefunden», erklärt Procopio. Mit seinem Versuch konnte er beweisen, dass die Schlupfrate bei Eiern von zweijährigen Muttertieren um 27 Prozent tiefer ist als bei jenen von älteren Tieren. «Ich habe mit meiner Arbeit einen Grundstein für die weitere Erforschung der Äsche gelegt», sagt Alessio Procopio, der Sekundarlehrer werden möchte.

**Auf dem Weg zum Nichtraucher**
«Es war echt schwierig, genügend Probanden für meine Rauchstoppstudie zu finden», erzählt Timothy Odermatt. Schliesslich hatte er 16 Berufsschüler, die an der Studie teilnehmen wollten, von der Kanti hatte sich niemand gemeldet. «Die Probanden nahmen an einem Rauchstoppseminar teil, bekamen Placebonikotinkaugummis, und ihre Daten wurden mehrmals aufgenommen», erzählt Odermatt. Enttäuscht ist er, dass so viele während der Studie abgesprungen sind. «Am Schluss waren es nur noch acht, aber einer hat es tatsächlich geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören», sagt er, der im Herbst mit seinem Pharmaziestudium beginnen wird. Einen Sonderpreis haben Procopio und Odermatt nicht bekommen, aber auf ein Sehr Gut und ein Ausgezeichnet können sie beide stolz sein.


#Alt-Scaphusia

29. April 2011 | Willi Helg olim Nathan

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Willi Helg olim Nathan
Pfarrer
Generation 1952

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Der Totensalamander findet am Mittwoch, 15. Juni 2011 um 20.00 Uhr in der Bude statt.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 6. Mai 2011, um 14.30 Uhr in der Zwinglikirche Schaffhausen statt.

#Allgemeines

28. April 2011 | Herzinfakt und Schlaganfall erkennen

herzinfakt_und_schlaganfall_erkennen.pdf

PAGITZ Mary, OSR.
Pflegedienstleitung
Chirurgische Univ. Kliniken
Anichstr. 35
6020 Innsbruck

#Allgemeines

23. April 2011 | Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Tages-Anzeiger, Analyse
ges

«Wer nicht raucht, lebt nicht länger; es fühlt sich bloss länger an.» Wer hat das schon wieder gesagt? War es George Bernard Shaw? Die Lakonik, die Eleganz, die gestaffelte Pointe: Alles würde zu ihm passen. Aber Shaw, der sich als Ire auch bei den Folgen des Alkoholismus auskannte und zudem Vegetarier war, fand das Rauchen ebenso ungesund wie das Trinken und redete zeitlebens dagegen an.
Er hatte ja recht. Trinken macht blöd und Rauchen tot. Aber das hat sich inzwischen herumgesprochen. Heute werden Alkohol- und andere Drogenprobleme immer früher, häufiger und lauter beschworen. Und nicht nur das: Es werden der Probleme immer mehr.

**Rausch, Ekstase, Osterbraten**
Denn wie eine grosse neue Studie zeigt, kann schon wenig Alkohol dem Körper schaden (TA vom 14. April). Man bekommt zwar weniger schnell einen Herzinfarkt, dafür riskiert man viele Sorten Krebs. Und was nicht Krebs erzeugt, macht dumpf (Fernsehen), depressiv (Ecstasy) oder einsam (Internet). Das gute Essen ist sowieso schlecht. Rausch, Ekstase und Osterbraten: Alles Gute ist ungesund, ausser Sex – und der ist dreckig, wenn man ihn ernst nimmt.
Das Problem liegt auch nicht mehr daran, was krankmacht, sondern wie das Krankmachende bekämpft wird. Gesundheitsvorsorge, Präventionsgesetz, vorbeugende Massnahmen, aufklärende Beratung, Vorbildfunktion, kostensenkendes Früherkennen, zielgerichtete Verhaltensänderung, Entzug, aushalten, Nein sagen, trockenbleiben, abgewöhnen, masshalten: Das klingt alles so mürb, so frömmlerisch vertrocknet, dass man gleich wieder zur Flasche greift. Aus dem Vokabular der Vorbeuger schrillt der Verzichtston der Religiösen, die zwar das Leben preisen, aber die Freude daran vermiesen. Dabei ist gerade die Lebensfreude ein Wort, das die Präventiven besonders gerne brauchen. Nur klingt es bei ihnen weder nach dem einen noch nach dem anderen.

**Der Himmel – so grau**
Wenn aber die Lebensfreude so verschrumpelt daherkommt, wenn sie ripscht wie Filz, schmeckt wie Kreide und aussieht wie Mutter Teresa: Dann fragt man sich, was an dieser Freude froh macht. Wenn eine Sucht die Hölle ist, warum ist der Himmel dann so langweilig? Und warum haben die Gesunden so wenig Humor? Wer das Internet nach Süchtigen absucht, wird mit Witz aus zwei Jahrtausenden belohnt. Wer nach den Gesunden fragt, bekommt Magersüchtige in Weiss. Jede Prävention aber, deren Botschaft nach dem Gegenteil ihrer Absicht klingt, muss scheitern; sie hat es nicht anders verdient.
«Es fühlt sich bloss länger an»: Das hat übrigens nicht Shaw gesagt, sondern Freud. Clement Freud, Sohn des Ernst, Bruder des Lucian, Enkel des Sigmund. 1924 in Berlin geboren und von seinen Eltern rechtzeitig nach England gebracht. Dortselbst als Sportjournalist, Restaurantbetreiber, Radiomann, Parlamentarier, Koch, Raucher, Weinkenner, Satiriker, Ehemann und fünffacher Familienvater aktiv. Warum er immer fetter werde, fragte ihn ein Freund. «Weil deine Frau jedes Mal für mich kocht, wenn ich mit ihr schlafe.» Clement Freud starb vor zwei Jahren; er wurde 84 Jahre alt.

#Notizen zu Namen

16. April 2011 | U-19-Ruder-Weltmeister sind Nachwuchsteam des Jahres

Schaffhauser Nachrichten
(si)

Die Preise wurden den jungen Sportlerinnen und Sportlern an einer Gala auf Schloss Lenzburg überreicht. Zum 30. Mal ehrte die Sporthilfe die grössten Talente des vergangenen Jahres. Insgesamt schütte die Stiftung an diesem Abend 77 000 Franken an Fördergeldern aus.

Reto Schmidiger und Fanny Smith, die von einer Fachjury gewählt wurden, erhielten die Siegerschecks von je 12 000 Franken aus den Händen der Olympiasieger Didier Défago respektive Tanja Frieden. In einer Internetabstimmung wurde Schmidiger zudem zum Publikumsliebling erkoren, er darf im Herbst deshalb am legendären Super-10-Kampf der Sporthilfe teilnehmen. Schmidiger und Smith folgen auf Lukas Grunder (Schiessen) und Denise Feierabend (Ski alpin). Der Curler Ralph Stöckli überreichte dann den fünf Ruderern mit den beiden Schaffhausern Markus Kessler und Alex Plüss den Preis im Wert von 15 000 Franken. Mit der ersten goldenen Auszeichnung seit 17 Jahren gelang den Ruderern an der Junioren-U-19-WM in Tschechien im letzten Sommer ein historischer Medaillengewinn. Marco Brechbühl (Buchrain/Steuermann), Markus Kessler (Langwiesen), Augustin Maillefer (Renens), Louis Margot (Colombier) und Alex Plüss (Schaffhausen) liessen der Konkurrenz in der Kategorie «Vierer mit Steuermann» keine Chance.

**Über 100 Millionen seit 1982**
Seit der ersten Verleihung im Jahr 1982 (Kunstturner Sepp Zellweger) etablierte sich der Nachwuchspreis der Sporthilfe als bedeutendste Auszeichnung im Schweizer Nachwuchssport. Seit ihrer Gründung 1970 unterstützte die Sporthilfe den Schweizer Sport mit rund 100 Millionen Franken.

Lenzburg. Nachwuchspreis der Sporthilfe 2010. Preisträger. Bester Nachwuchsathlet: Reto Schmidiger (Ski alpin). – Beste Nachwuchsathletin: Fanny Smith (Skicross). – Bestes Nachwuchsteam: Junioren-Vierer mit Steuermann (Rudern). – Publikumsliebling: Schmidiger. – Nachwuchstrainer: Ryan Baumann (Ski alpin), Manfred Beckmann (Fechten), Jean Lagier (Schwimmen), Werner Mogg (Fussball), Domenico Rossi (Kunstturnen), Adrian Rothenbühler (Leichtathletik).

#Allgemeines

14. April 2011 | Ein Gläschen in Unehren

Tages-Anzeiger, Wissen
Felix Straumann

Zu viel Alkohol ist ungesund, das weiss jeder. Dass selbst moderater Konsum Krebs begünstigt, überrascht hingegen. Doch zu genau diesem Schluss kommt nun ein internationales Forscherteam, nachdem es die Daten von mehr als 360 000 Personen aus acht europäischen Ländern ausgewertet hat («British Medical Journal online»).
Demnach ist Alkoholkonsum für jeden 10.Krebsfall bei Männern und jeden 33. bei Frauen verantwortlich. Die Mehrzahl dieser alkoholbedingten Erkrankungen ist zwar gemäss Studie auf übermässiges Trinken zurückzuführen. Doch selbst weniger als ein bis zwei Glas Bier, Wein oder Schnaps pro Tag kann die Entstehung gewisser Krebsarten fördern. Das Risiko überwiegt dabei laut den Forschern selbst den möglichen Nutzen für Herz und Kreislauf, wie er vor allem beim Wein aufgrund von verschiedenen Studien seit einiger Zeit angenommen wird.
Die Krebsarten, die schon länger mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht werden, betreffen die Leber und den oberen Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Kehlkopf). Neu hinzu gekommen sind vor wenigen Jahren Brust und Darm. Die jetzt von den Wissenschaftlern berechneten alkoholbedingten Anteile sind dabei vergleichbar mit Ergebnissen von ähnlichen Untersuchungen. Die relativ tiefen Werte bei Brust- und Darmkrebs fallen dabei in absoluten Zahlen stark ins Gewicht, da sie zu den häufigsten Krebsarten gehören. Brustkrebs ist bei Frauen gemäss Studie gar der häufigste Krebs aufgrund von Alkoholkonsum.

**Trinkempfehlungen überprüft**
«Studien zeigen schon länger, dass Alkohol Krebs auslöst – das Ausmass wird jedoch erst seit ein paar Jahren klar», sagt Manuela Bergmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Die nun publizierte Studie fand im Rahmen der seit 1994 laufenden Europäischen Ernährungsstudie Epic (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) statt und ist für Europa die detaillierteste Analyse zum Thema. Das Krebsrisiko berechneten die Wissenschaftler aus den Angaben zu Alkoholkonsum in Befragungen und dem Auftreten von Krebsfällen unter den Studienteilnehmern aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Italien, den Niederlanden und Spanien.
Neben der Häufigkeit von alkoholbedingtem Krebs untersuchten die Wissenschaftler, was heutige Trinkempfehlungen für das Krebsrisiko bedeuten. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) beispielsweise hält für gesunde Frauen 10 Gramm Alkohol pro Tag für gesundheitsverträglich, bei Männern 20 Gramm. Für Frauen entspricht dies 2,5 Deziliter Bier oder 1 Deziliter Wein, für Männer dem Doppelten.
Zwar zeigte sich, dass die meisten alkoholbedingten Krebsfälle mit übermässigem Konsum in Beziehung stehen (18 von 100 Krebsfällen bei Männern, 4 von 100 bei Frauen). Doch auch wer sich an die Empfehlungen hält, hat ein gewisses Risiko, wegen Alkoholkonsums an Krebs zu erkranken (3 von 100 Krebserkrankungen bei Männern, 1 von 100 bei Frauen). «Im Hinblick auf das Krebsrisiko gibt es keinen sicheren Grenzwert für den Alkoholkonsum», sagt Bergmann. Zwar seien die Risikowerte bei moderatem Trinken für den Einzelnen nicht besonders hoch, auf die ganze Bevölkerung gerechnet, betreffe es jedoch viele Menschen. In der Schweiz ist demnach mit rund 800 Krebsneuerkrankungen jährlich zu rechnen.
Interessant ist der Vergleich des Krebsrisikos mit den propagierten positiven Effekten von Alkohol. So zeigen verschiedene Studien, dass sich ein moderater Konsum positiv auf Lebenserwartung und Herz und Kreislauf auswirkt. Beispielsweise erschien vor wenigen Wochen im gleichen Fachblatt «British Medical Journal» eine Übersichtsstudie, die solche Effekte im Vergleich zu Nietrinkern fand. Im Fall von Wein ist auch die Rede vom «French Paradox», der Beobachtung, dass Franzosen trotz (oder eben: wegen) Alkoholkonsums länger leben als andere Europäer.
Die Autoren der Epic-Studie sind allerdings der Meinung, dass, wenn das Krebsrisiko und die positiven Herz-Kreislauf-Effekte einander gegenübergestellt werden, «der Nettoeffekt von Alkohol schädlich ist», auch bei niedrigen Mengen. «Alkohol sollte für die Herz-Kreislauf-Prävention oder zur generellen Verlängerung der Lebenserwartung nicht empfohlen werden», schreiben sie in ihrem Paper.

**WHO korrigiert Berichte**
Bergmann zweifelt grundsätzlich an den Studien, die bei moderatem Alkoholkonsum einen Präventionseffekt zeigen. «Moderate Trinker verfügen wahrscheinlich über andere gesundheitsfördernde Eigenschaften, die diese Studien verfälschen», glaubt die deutsche Wissenschaftlerin. Sie vermutet, dass diese Menschen in allen Bereichen moderater leben und deshalb gesünder sind. Zudem sind sie laut Bergmann häufig höher gebildet und sozial besser gestellt als der Durchschnitt. Auf der anderen Seite hat die Vergleichsgruppe der Nichttrinker möglicherweise Merkmale, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken, etwa eine zu rigide Lebensweise oder eine überwundene oder versteckte Alkoholsucht.
Mit ihrer Skepsis steht Bergmann nicht allein. So hat die Weltgesundheitsorganisation WHO diesen Februar in ihrem Statusbericht zur Alkoholproblematik die Bedeutung der Herz-Kreislauf-Prävention deutlich nach unten korrigiert im Vergleich zum Vorgängerbericht von 2004.
Das Thema Alkohol ist eine Gratwanderung zwischen Gesundheit und Lebenslust, das sieht auch Bergmann so. Für sie ist deshalb auch klar, dass es keinen Sinn hat, in Europa Abstinenz zu fordern. Bergmann: «Wir sind schon froh, wenn sich die Leute beim Trinken an die heutigen Empfehlungen halten.»
Na Prost: Schon das berühmte Glas Wein am Tag erhöht laut einer neuen Studie das Krebsrisiko.

#Allgemeines

9. April 2011 | Schon wenig Alkohol kann Krebsrisiko steigern

Schaffhauser Nachrichten, Von Tag zu Tag
(dpa)

Eine eben veröffentlichte europäische Untersuchung weist darauf hin, dass schon kleine Mengen regelmässig konsumierten Alkohols die Gefahr von Krebs deutlich erhöhen. «Unsere Daten zeigen, dass viele Krebserkrankungen hätten vermieden werden können, wenn der Alkoholkonsum auf zwei Getränke täglich bei Männern und ein Getränk täglich bei Frauen beschränkt worden wäre. Das sind die Empfehlungen vieler Gesundheitsorganisationen», erläutern die Autoren der Studie. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des «British Medical Journal». Die Grenzmenge liegt demnach bei 24 Gramm Alkohol pro Tag für Männer und 12 Gramm für Frauen. Das entspricht etwa eineinhalb Flaschen Bier für Männer und einem kleinen Glas Weisswein für Frauen.
360 000 Probanden nehmen teil
Laut Studie ist derzeit jede zehnte Krebserkrankung bei Männern und eine von 33 bei Frauen durch Alkoholkonsum zumindest begünstigt. Dabei geht es um bösartige Tumore in der Mund- und Rachenhöhle, an den Stimmbändern und in der Speiseröhre sowie um Darm- und Leberkrebs. Die Untersuchung ist Teil einer Langzeitstudie in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs (European Prospective Investigation of Cancer). Daran nehmen etwa 360 000 Probanden aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Grossbritannien, den Niederlanden, Griechenland und Dänemark teil. Die Studie war in den 1990er-Jahren begonnen worden. «Die Menschen trinken heute sogar noch mehr, und das könnte dazu führen, dass noch mehr alkoholbedingte Krebserkrankungen auftauchen», sagte Autorin Naomi Allen von der Universität Oxford.

#Notizen zu Namen

6. April 2011 | James Bond auf Violoncelli

Arnold Sigg

Eine wahre Entdeckung am diesjährigen Kantikonzert war Omar Stefaner am Klavier. Er riss mit seiner unverkrampften, virtuosen Wiedergabe des «Rondo capriccioso, op. 14» von Felix Mendelssohn-Bartholdy nämlich die gegen fünfzig Zuhörer fast von den Stühlen. Sensationell die rasanten Wechsel der Tempi, die rauschenden Akkorde, das souveräne Spiel. Ein Name, den man sich merken muss, denn er ist nach eigenen Aussagen ernsthaft gewillt, nach der Kantonsschule Musik zu studieren. Ihm stand Raphael Ruch mit seinem «Blue Rondo à la Turk» von Dave Brubeck, einem amerikanischen Jazzpianisten und Komponisten, nicht viel nach. Mit schmissigen Jazz-Elementen und jugendlichem Feuer meisterte er souverän seinen Part am Flügel. Wie auch Lukas Stamm mit der impressionistischen Klavierstudie «La cathédrale engloutie» von Claude Debussy, vom Vortragenden beeindruckend subtil und sinnlich dargeboten.

**Ansprechend abwechslungsreich**
Wie jedes Jahr stellten sich die Schüler der Musiklehrer an der Kantonsschule in einer Art Vortragsübung dem Publikum, das mehrheitlich aus Eltern und Grosseltern der auftretenden Schüler zusammensetzt war. Insgesamt 19 Musikschüler – solo oder in Gruppen – präsentierten sich an diesem Abend dem Publikum. Und zwar mit einem ansprechenden abwechslungsreichen Programm zeitgenössischer Musik bis hin zu Komponisten aus Barock, Klassik und Romantik. Festlich und erhaben wurde das Konzert eröffnet mit der dreisätzigen «Sonatina for Trumpets» mit dem Trompetenensemble Jonas Freitag, Andreas Zulauf, David Bollinger, Alexander Nakamura und Florian Näf unter Mitwirkung ihres Lehrers Vaclav Medlik. Mit dem Zauber der Harfe konfrontierte Anna Eaton die Zuhörer mit Kompositionen von Francois-Joseph Nadermann (1773–1835) und Marcel Fournier. Und Stefan Böhni brachte das Publikum mit klassischem Schlagzeug durch das Werk «Solo for Classical Drums» von Eckhard Kopetzki zum Wippen. Gekonnt und virtuos meisterte Flor Stammer das anspruchsvolle «Prélude» aus der Suite Nr. 2 für Viola solo, BWV 1008. Sogar der Komponist Johann Sebastian Bach hätte die hellste Freude daran gezeigt.

**Jazziges Gitarrensolo**
Allein aus Lust am schönen Spiel hat Wolfgang Amadeus Mozart im Freundeskreis sein Divertimento Nr. 3, KV 439 b, komponiert. So klang es denn auch, als die zwei Klarinettistenschüler Lukas Zulauf und Céline Uehlinger mit ihrem Lehrer Ricardo Gatzmann daraus beschwingt das liebliche «Menuetto» bliesen. Variationen einer einprägsamen Melodie mit Namen «Romanza» brachte das Gitarrenduo Armin Adjarpasic und Florian Bolliger angenehm zu Gehör, und nachfolgend brillierte Florian Bolliger allein mit seiner Gitarre, jazzig wie auch gestisch, mit «Superstition» von S. Wonder/ A. Rafferty. Dafür heimste er denn auch enthusiastischen Applaus ein. Musik aus James-Bond-Filmen in einer Bearbeitung für Violoncelli und Klavier war der krönende Konzertabschluss. Lupenrein, mit samtig schimmerndem Klang und mit jugendlichem Elan, serviert von den Cellistinnen Salome Gilg, Alexandra Kohler, Anja Walther sowie J. Gebrehgziabher am Klavier.

#Notizen zu Namen

22. März 2011 | CC Schaffhausen ist der neue Meister

Schaffhauser Nachrichten, Regionalsport
Martin Hottinger

Der CC Schaffhausen schlug die Mannschaft von Beat Aebi. In der Tabelle stand damit ein grosser Vorsprung von vier Punkten auf das zweitklassierte Team. Die Meister-Mannschaft von Skip Samie Witzig hat sich erst im letzten Herbst für diese Saison formiert. Vom CC City wechselten Roman Ehrat, Benjamin Weidmann und Samie Witzig in den CC Schaffhausen und bildeten dort zusammen mit Oliver Zurin und Matthias Sallenbach ein neues Team, welches auf Anhieb harmonierte. In den neun Ligaspielen verlor man nur eine Partie, und auch in der Clubmeisterschaft des CC Schaffhausen ist das Team auf bestem Weg, den Clubmeistertitel zu holen. Interessant ist, dass die beiden Mannschaften mit dem tiefsten Altersdurchschnitt der A-Liga die ersten beiden Plätze belegen.
Den zweiten Rang erreichte die Mannschaft von Pascal Lehrbaumer trotz einer Niederlage gegen das City-Team von Stefan Naef, welches sich dadurch die Ligazugehörigkeit sicherte. Die Titelverteidiger mit Skip Markus Keller verloren das letzte Spiel gegen Martin Hottinger und blieben dadurch auf dem dritten Rang. Die Aufsteiger müssen nach nur einem Jahr Ligazugehörigkeit wieder absteigen: Nach dem bereits feststehenden Team von Martin Wittwer traf es nun auch noch die Mannschaft von Beat Aebi. Schade war, dass der Direktkampf gegen Ulrich Witzig aus terminlichen Gründen nicht mehr ausgetragen werden und der Abstieg damit nicht auf dem Eis ausgespielt werden konnte.

**Liga B: Vetterli schafft Aufstieg**
Thomas Anhoeck gewann das Nachtragsspiel gegen die Mannschaft von Armand Zurin, welche die letzten Spiele verletzungsbedingt ohne ihren Skip austragen musste. Das letzte Spiel gegen Julian Schneckenburger wurde vom Zurin-Team knapp gewonnen und damit der Aufstieg trotzdem sichergestellt. Daraus folgte, dass der zweite Aufstiegsplatz im Direktkampf zwischen den Teams von Jürg Vetterli und Thomas Anhoeck vergeben wurde. Das Vetterli-Team spielte sehr stark und schaffte den Wiederaufstieg nach zwei Jahren in der B-Liga. Im Abstiegsbereich entschieden wie vorausgesehen die Ends. Die Teams mit sieben Punkten verloren ihre Spiele. Ein End weniger auf dem Konto entschied schliesslich, dass das Team von Jacques Steiner die Mannschaft von Peter Maier in die C-Liga begleiten muss und sich Peter Hagen retten konnte.

**Liga C: Spannung um Zweiten**
Das Team von Heinz Weber stand bereits als Aufsteiger fest. Auch hier gab es einen Direktkampf um den zweiten Aufstiegsplatz: Peter Sieber entschied die Partie gegen Urs Agosti klar für sich und kann nach vier Jahren Unterbruch wieder in der B-Liga spielen. Der eine Absteiger stand mit der Mannschaft von Arnold Frey bereits fest. Der zweite Absteiger wurde im Spiel zwischen den beiden City-Teams von Markus Senn und Stephan Kuhn ermittelt. Markus Senn landete einen Kantersieg, und Stephan Kuhn muss nach einer Saison wieder absteigen.

**Liga D: Ziemlich ausgeglichen**
Angela Casellini verspielte in den letzten Partien die Möglichkeiten für den Aufstieg. Unter anderem im Spiel gegen Peter Toggenburger, welcher dadurch einen der Aufstiegsplätze erreichte. D-Meister und damit erster Aufsteiger ist das favorisierte Team von Manuel Dubs, welches in der zweiten Saisonhälfte immer besser in Fahrt kam. Insgesamt war die D-Liga ziemlich ausgeglichen – ein erstaunliches Fazit, spielen doch hier viele Mannschaften mit Curlern, welche diesen Sport noch nicht lange ausüben.

#Notizen zu Namen

17. März 2011 | Personalien

Schaffhauser Nachrichten, Region

Der Regierungsrat hat unter bester Verdankung der geleisteten Dienste vom Rücktritt von lic. iur. Kurt Gehring, Departementssekretär des Departementes des Innern, per 31. Dezember 2011 Kenntnis genommen. Dies teilt die Staatskanzlei mit. Kurt Gehring geht Ende Jahr vorzeitig in Pension.

#Allgemeines

15. März 2011 | Schwarze Null statt eines schwarzen Lochs

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Schon länger sorgen die fünf Restaurantbetriebe im Besitz der Stadt (Theaterrestaurant, «Altes Schützenhaus», «Alter Emmersberg», Park Casino, Weinstube zum kleinen Käfig) für Diskussionen: Häufige Pächterwechsel, geringe Erträge und ein wachsender Investitionsbedarf liessen immer wieder die Frage auftauchen, ob die öffentliche Hand an ihren Lokalen festhalten soll oder nicht. Mit einer jetzt an das Parlament überwiesenen Vorlage zeigt der Stadtrat auf, wie es in Zukunft mit seinen Gastrobetrieben weitergehen soll. Fazit: In das Gros wird investiert, ein Betrieb soll im Baurecht abgegeben werden.

**Schwarze Null mit fünf Betrieben**
Die fünf Betriebe und die dafür notwendigen Investitionen sollen die Stadt nichts kosten: Das ist das von Baureferent Peter Käppler formulierte Ziel. Um das zu erreichen, untersuchte ein externer Experte die Lokale im Auftrag der Stadt: 50 000 Franken hat dieses nicht öffentliche «Gastronomiekonzept» gekostet. In drei Betriebe soll investiert werden: Das Theaterrestaurant sieht der Stadtrat als Ergänzungsbetrieb zum Stadttheater an und will dieses attraktive Lokal an zentraler Lage behalten. Aber: In den letzten Jahren war der Umsatz zu tief, das soll sich jetzt ändern – nach Investitionen von 230 000 Franken. Deutlich mehr Geld will der Stadtrat für das Park Casino in die Hand nehmen: Die Umsätze des Betriebes mit herrlicher Parkanlage sind stabil, dennoch will die Stadt das Casino als Kongressstandort neu positionieren. Im kommenden Jahr sollen 250 000 Franken, 2014 ebenso viel und 2016 weitere 800 000 Franken in den Betrieb fliessen, macht total 1,3 Millionen Franken. Das «Alte Schützenhaus» schliesslich gehört wie die beiden anderen genannten Lokale zu den «Restaurants mit hoher Bedeutung». Im Jahr 2013 will die Stadt für bauliche Massnahmen rund 1,1 Millionen Franken einsetzen, 2015 140 000 Franken und 2018 nochmals 390 000 Franken. Unter dem Strich: 1,6 Millionen. Insgesamt belaufen sich damit die Investitionen auf 3,1 Millionen. Die heutigen Mindesteinnahmen für die Stadt setzen sich zusammen aus den Umsatzbeteiligungen respektive der Fixmiete: Das Theaterrestaurant bringt ab dem dritten Jahr mindestens 78 000 Franken (Sockelmiete und Umsatzbeteiligung), das Park Casino 50 000 Franken (Umsatzbeteiligung), das «Alte Schützenhaus» 75 000 (Umsatzbeteiligung) und die Weinstube 12 000 Franken (Fixmiete). Dazu kommt noch der Baurechtszins vom «Alten Emmersberg», sodass unter dem Strich Einnahmen von mindestens 235 000 Franken an die Stadt fliessen. Die Stadt rechnet damit, dass diese Mindestbeträge durch gute Leistungen übertroffen werden können und die Restaurants so jährlich rund 270 000 Franken abwerfen.

**«Emma» als Baurecht**
Als entbehrlich betrachtet wird der «Alte Emmersberg»: Die Pachterträge sind «stetig sinkend», der Investitionsbedarf hingegen gross. Nur: Die unumgänglich gewordene Sanierung (innen und aussen) würde mit 1,6 Mio. Franken zu Buche schlagen – Geld, das die Stadt derzeit nicht hat. Gleichwohl will die Stadt den leer stehenden Betrieb, der bis zur Fertigstellung des Künzle-Heim-Neubaus als Heimküche diente, als Quartierrestaurant erhalten: Deshalb soll die «Emma», wie das Lokal auch liebevoll genannt wird, bis im Sommer 2011 mit einer entsprechenden Auflage an einen Baurechtsnehmer abgegeben werden. Der zu erwartende jährliche Baurechtszins wird mit 20 000 Franken beziffert. Im Kern der Anstrengungen steht das Ziel, die Rentabilität langfristig zu steigern. Gleichzeitig aber agiert die Stadt in der Restaurant-Frage auch nach der von ihr formulierten Immo-Strategie: Die Stadt behält Gastrobetriebe, sofern deren Lage strategisch wichtig ist und sie damit Einfluss auf die Quartier- und Stadtentwicklung nehmen kann. Abzuwarten bleibt, wie der Grosse Stadtrat auf die Vorschläge reagiert: Jüngst hat der Stadtrat im Parlament harsche Kritik für mehrere Immobilienvorlagen einstecken müssen.

**Theaterrestaurant Investieren**
Das repräsentative Restaurant im Herzen der Schaffhauser Altstadt ist betrieblich eng verflochten mit dem Stadttheater. Das Lokal ist bekannt für seine Qualität und verfügt über eine Terrasse. Die Pachterträge waren in den letzten Jahren zu tief. Massnahmen: Die Stadt will Unterhaltsarbeiten in der Küche und Verbesserungen im Eingangsbereich realisieren, dazu die Restaurant- und Gartenmöbel erneuern. Kosten: 230 000 Franken.

**Park Casino Relaunch**
Wichtiges Lokal für Veranstaltungen und Tagungen in einem umfangreichen Grundstück in der Freihaltezone. Das bekannte Lokal weist stabile Umsatzzahlen auf, es mangelt aber an Parkplätzen, das Foyer muss aufgewertet werden, die Abläufe sind nicht optimal. Massnahmen: Das Casino wird als Kongressstandort neu lanciert, infrastrukturelle Anpassungen und Aufwertungen werden realisiert. Kosten: 1,3 Millionen Franken bis 2016.

**Altes Schützenhaus Investieren**
Der Betrieb auf der Breite ist Lokal für Vereine und Parteien und «somit im öffentlichen Interesse». Als Stärke hebt die Stadt die Akzeptanz, die heterogene Kundschaft und die Erreichbarkeit hervor, negativ bewertet werden der Zustand bezüglich Infrastruktur und der bauliche Zustand. Der Umsatz war bisher leicht steigend. Massnahmen: Umfangreiche Sanierungsarbeiten im ganzen Gebäude bis 2018. Kosten: 1,6 Millionen Franken.

**Zum kleinen Käfig Erhalten**
Das Lokal liegt in einem städtischen Gebäude in der Fussgängerzone und damit an guter Lage, gleichwohl wird es als «nicht von öffentlichem Interesse» taxiert. Als Schwäche gelten das Erscheinungsbild sowie der bauliche und infrastrukturelle Zustand. Verpachtet ist es für eine Fixmiete. Massnahme: Bis zu einem möglichen Verkauf des ganzen Hauses soll das Lokal erhalten bleiben, nur der ordentliche Gebäude- und Geräteunterhalt wird durchgeführt.

#Allgemeines

8. März 2011 | Das letzte Glas in der alten «Tanne»

Schaffhauser Nachrichten, Schaffhausen / Neuhausen
Martin Schweizer

Die über Schaffhausen hinaus bekannte und beliebte Wirtsstube war seit bald fünfzehn Jahren nur noch am Samstagvormittag, ab halb zehn bis zwölf Uhr, geöffnet. Ein Stammgast, meist Albert Ineichen, holte jeweils den Wein aus dem Keller, Fräulein Zimmermann machte den Service – bis, ja, bis am vergangenen Samstag, als den Gästen ohne Vorwarnung mitgeteilt wurde, dass die Wirtschaft fortan definitiv geschlossen bleiben würde.

**Alles hat ein Ende**
Es musste eines Tages so kommen, Margrit Zimmermann, die sich bis heute gern altmodisch mit «Fräulein» anreden lässt, hat Beschwerden; sie ist nicht mehr so gelenkig und so flott auf den Beinen wie einst im Mai, was in ihrem Alter nicht wirklich verwundern kann. Trotzdem zeigten sich die meisten Gäste, die treuen und die sporadisch auftauchenden, überrascht und konsterniert, dass nun alles ein Ende haben soll.
Eine «Hiobsbotschaft» seis gewesen, sagte ein Gast und sprach aus, was wohl viele Besucher des schlichten und irgendwie zeitlos wirkenden Lokals dachten. Man gewöhnt sich eben an regelmässige Zusammenkünfte mit vertrauten Gesichtern, an gesellige Stammtische, die manchmal den Charakter von Ritualen bekommen. Das Bedauern über die Schliessung der «Tanne» war deshalb gross, wie auch Fotograf Rolf Wessendorf am Samstag beim letzten Glas feststellen konnte.

**Kein Rummel um Person**
Er hat die «Tanne» und ihre Gäste über Jahre hinweg begleitet und porträtiert. Ein langjähriger Gast und Freund der Gastgeberin war auch Ernst Rahm-Kunz, der gestern am Telefon von allzu grosser Publizität abriet, Margrit Zimmermann schätze den Rummel um ihre Person nicht. Tatsächlich ist die bald 93-jährige Wirtin bekannt als eine bescheidene, zurückhaltende und zugleich liebenswürdige Person, die nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen wollte. Andererseits ist die von der Familie Zimmermann seit 1912 geführte «Tanne» in Schaffhausen mittlerweile eine Institution, die man nicht übersehen kann – und nicht ignorieren darf, zumal die Stadt Schaffhausen eine Option auf die altehrwürdige Liegenschaft hat.

**Kleine Leibrente**
Laut einem bereits 1998 abgeschlossenen Vertrag wird die Stadt Besitzerin der «Tanne», sobald Margrit Zimmermann, die keine erbberechtigte Nachkommen hat, das Haus verlässt – eine grosszügige Geste. Die Stadt hat sich im Gegenzug verpflichtet, Fräulein Zimmermann eine kleine Leibrente auszurichten. Eine weitere Klausel besagt, dass die Einwohnergemeinde das «historische Cachet» des Hauses auch nach der Schliessung des Restaurants erhalten muss.

**Nicht ins Altersheim**
Wie das geschehen soll, ist offen – und muss im Moment auch nicht entschieden werden. Denn Gewährsleute wollen wissen, dass Fräulein Zimmermann noch keineswegs beabsichtigt, ins Altersheim zu ziehen. Vorläufig wohnt sie weiterhin an der Tanne, und das, so ist zu hoffen, noch lange über ihren jetzt erlangten und wohlverdienten Ruhestand hinaus.



Nicht nur die Stammgäste waren treu, auch sie hielt ihren Gästen über Jahre und Jahrzehnte die Treue: Fräulein Zimmermann, die bescheidene und liebenswürdige Wirtin der «Tanne», die am Samstag das letzte Glas ausschenkte.
Archivbild Bruno Bührer

#Allgemeines

7. März 2011 | “weggeschaut”

Die Beiträge des Kurzfilmwettbewerbs der Stiftung “Scaphusia-Preis” “weggeschaut” sind nun auf den Internetseiten der Kantonsschule Schaffhausen verfügbar: http://kanti.ch/Weggeschaut.10183.0.html.

Siehe auch den Bericht im “Litteris et Amicitiae” 1-2011.

#Notizen zu Namen

3. März 2011 | Dr. David R. Wenger v/o Verus

Verus unterrichtet seit dem 1. Januar 2011 an der deutschsprachigen Andrássy-Universität (http://www.andrassyuni.eu) in Budapest Völkerrecht, Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie.
Scaphusianische Studenten der Rechtswissenschaften sind herzlich eingeladen, bei ihm im Rahmen des Erasmus-Programms einige Austausch-Semester zu verbringen.
Die Universität bietet auch einen LL.M.-Lehrgang an.
Weitere Informationen finden sich unter Website der Universität.

Dr. David R. Wenger, LL.M.
Professur für Völkerrecht und Öffentliches Recht
Andrássy Universität, Budapest

Dr. Wenger, geboren 1974, studierte Theologie und Rechtswissenschaften an den Universitäten von Zürich, Freiburg i.Ue. und Rom, war Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins und arbeitete von 2002 bis 2004 als Assistent am Lehrstuhl für Zivilrecht und allgemeine Einführung der Universität Freiburg i.Ue. Als Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds verbrachte er einen Forschungsaufenthalt am Max Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und absolvierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main ein LL.M.-Studium. Er publizierte zum Öffentlichen Recht, zur Rechtsphilosophie und politischen Philosophie, versah im Wintersemester 2007 an der Universität Freiburg i.Ue. einen Lehrauftrag zur Rechtsetzungslehre und promovierte 2010 daselbst über «Idealismus und Recht». Zuletzt beriet Dr. Wenger als wissenschaftlicher Mitarbeiter Abgeordnete des schweizerischen Bundesparlaments in den Kommissionen für Staatspolitik, Aussenpolitik und Rechtsfragen. Seit dem Sommersemester 2011 unterrichtet Dr. Wenger an der Andrássy Universität Budapest.

Forschungsschwerpunkte:
Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Öffentlichen Recht, in der Staatstheorie und Rechtsphilosophie.

#Allgemeines

3. März 2011 | Nachgefragt

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Interview: Erwin Künzi

Am letzten Samstag hat die Kantonsschule Schaffhausen im Rahmen des Alumnitags als erste Schule in der Schweiz alle, die vor einem Jahr bei ihr die Maturitätsprüfung abgelegt hatten, eingeladen und erhob per Fragebogen ihre Erfahrungen an der Schule (siehe SN vom 28. Februar). Aus diesem Anlass erklärte Rektor Urs Saxer: «Wir haben die teuersten Maturanden der Schweiz.»

*Urs Saxer, wie kommen Sie zu dieser Aussage?*
Saxer: Im jüngsten Bildungsbericht 2010 wird der Kanton Schaffhausen mit den höchsten durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler im Gymnasium aufgeführt (Zahlen 2005), nämlich mit rund 25000 Franken pro Jahr. Das heisst, im Jahr 2005 haben wir auf der «Inputseite» von allen Kantonen in der Schweiz am meisten in unsere Kantonsschüler investiert.

*Was sind die Gründe dafür, dass Schaffhausen diesen Spitzenplatz belegt?*
Saxer: Die Differenzen zwischen dem «teuersten» Kanton (Schaffhausen) und dem «billigsten» (Waadt) sind enorm (60 Prozent der Durchschnittskosten) und lassen sich – gemäss den Autoren des Bildungsberichts – auch nicht einfach erklären. Es stehen verschiedene Vermutungen im Raum, der einzige Faktor in einem messbaren Zusammenhang mit den Ausgaben ist die Zahl der Lektionen pro Jahr. Und hier ist der Kanton Schaffhausen auch Spitzenreiter: Mit knapp 1500 Lektionen pro Jahr erhalten die Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule am meisten Unterrichtszeit geboten.

*Leiten Sie aus diesem Spitzenbetrag einen Handlungsbedarf ab?*
Saxer: Aus meiner Sicht besteht permanenter Handlungsbedarf in dem Sinne, dass man die Ergebnisse dieser Investitionen («Outputseite») genau im Auge behalten muss. Und das ist nicht ganz einfach. Wir bemühen uns im Rahmen unserer Alumnitage, die Erfahrungen unserer Abgängerinnen und Abgänger einzuholen. Dazu haben wir mit den Autoren des Bildungsberichts 2010 eine Längsschnittbefragung ausgearbeitet. Dabei wollen wir Rückmeldungen zu den erworbenen Kompetenzen an der Kantonsschule Schaffhausen und deren Stellenwert in weiterführenden Ausbildungsgängen ermitteln, um Rückschlüsse auf Qualität, Angemessenheit und Effizienz unseres Unterrichts ziehen zu können. Entscheidend ist schliesslich das Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wir wollen bei den Leistungen zu den Besten gehören.

#Notizen zu Namen

3. März 2011 | Panathlonpreis an Plüss / Kessler

Schaffhauser Nachrichten
(pd)

Der Panathlon-Club Schaffhausen verleiht traditionsgemäss den Panathlonpreis an erfolgreiche Sportler aus der Region an einem öffentlichen Anlass im Park Casino, der am Donnerstagabend ab 19 Uhr stattfindet. Diese grosse Ehre kommt diesmal den Ruder-Juniorenweltmeistern Alex Plüss und Markus Kessler zu. Die Auszeichnung ist nicht unverdient, an den Trials des Schweizerischen Ruderverbandes (SRV) waren sie beste Junioren und wurden zusammen mit zwei Romands in einem SRV-Vierer-Projekt auf die WM vorbereitet. In München fand der erste erfolgreiche Einsatz der SRV-Crew statt. Die beiden Athleten des Ruderclubs Schaffhausen blieben in der Saison 2010 im U-19-Zweier ohne Steuermann in der Saison ungeschlagen und brachten den U-19-SM-Titel nach Schaffhausen.

An der internationalen Regatta Bled (Sln) konnten sie im Zweier o. Stm. sowie im SRV-Vierer o. Stm. drei Siege feiern. Nationalcoach Simon Cox setzte mit den schweren und «langen» Athleten für die WM in Roudnice bei Prag (Tsch) auf die Karte Vierer mit Stm. Mit Erfolg, denn in allen Rennen, vom Vorlauf über den Halbfinal, blieb das Schweizer Quartett ungeschlagen und startete im Final als Favorit. Weder die Deutschen noch die Briten als Titelverteidiger, beides Boote aus grossen Rudernationen, hatten das Finale erreicht. Vom Start weg setzte sich das Boot aus der Schweiz im Rennen um Gold an die Spitze und ruderte vor Italien und Australien, Neuseeland, USA und der Ukraine einen souveränen Sieg heraus. Nach 16 Jahren Durststrecke wieder eine Goldmedaille für den Schweizer Rudersport.

#Allgemeines

28. Februar 2011 | Die Schaffhauser Kanti geht neue Wege

Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite
Alfred Wüger

«Wir haben die teuersten Maturanden der Schweiz», sagte Urs Saxer in seiner Begrüssung der jungen Frauen und Männer, die vor knapp einem Jahr die Maturitätsprüfung abgelegt haben, «aber wir bieten auch mit Abstand am meisten Unterrichtsstunden an.» Und das sei gut so, denn: «Je mehr Lektionen, desto besser die PISA-Werte.» Dennoch könne die Kanti nicht einfach weitermachen wie bisher, denn im Umgang mit Bildungspolitikern brauche es handfeste Argumente. Deshalb die Befragung Ehemaliger. Die Schaffhauser Kanti ist schweizweit die erste Schule, die das tut. Ziel: «Wir wollen euch fragen, was wir besser machen können. Ihr könnt das am besten beurteilen.» Und dann sassen die Ehemaligen in ihren ehemaligen Schulzimmern und füllten den Fragebogen aus. Anabel Da Pra, angehende Religionswissenschaftlerin: «Wir tragen Verantwortung für kommende Schülergenerationen.» Johanna Mattern und Carola Schabert, die zurzeit im Service arbeitet, pflichten bei. Ohne grosse Motivation füllen Leonie Eaton und die künftigen Medizinstudierenden Aline Bürgin und Gianluca Di Deo den Fragebogen aus: «Dieser Alumni-Tag ist wie eine Klassenzusammenkunft, die wir nicht selber organisieren mussten.» Christoph Werner findet den Fragebogen gut. «Es hat bis jetzt noch nie jemand gefragt, wie wir die Schule finden.» Die Naturwissenschaften seien sehr gut aufgestellt, finden Andri Weber und auch der Biochemiestudent Jonas Fischer. Die Wahl der Studienrichtung hänge von den schulischen Fähigkeiten, der familiären Herkunft, dem sozialen Umfeld, persönlichen Motiven sowie allenfalls einer Kosten-Nutzen-Rechnung ab, hatte Urs Saxer gesagt, der selber auch einmal die Studienrichtung gewechselt hat. Und Prorektor Thomas Stamm: «Der Druck auf die Schule darf uns nicht einengen.» Eine umfassende Bildung ist eben nur in Freiheit möglich.

#Notizen zu Namen

24. Februar 2011 | AL tritt mit Susi Stühlinger und Till Aders an

Schaffhauser Nachrichten, Region
(ek)

Die Alternative Liste Schaffhausen (AL) wird bei den Nationalratswahlen am 23. Oktober mit einer eigenen Liste antreten. Das hat die AL-Mitgliederversammlung am Montag beschlossen. Auf der ersten Linie der Liste steht Susi Stühlinger, auf der zweiten Till Aders.
Susi Stühlinger (Jahrgang 1985) ist als Journalistin bei der «Schaffhauser AZ» tätig und absolviert zurzeit die Diplomausbildung Journalismus am Medienausbildungs-Zentrum (MAZ) in Luzern. Sie ist im Schaffhauser Kulturleben aktiv, so als Mitinitiantin des Schaffhauser Jungdichterwettstreits und als Poetry-Slam-Autorin. Till Aders (1987) studiert Geografie an der Universität Zürich und Kartografie an der ETH, ebenfalls in Zürich. Nebenbei ar-beitet er als Velokurier. Aders präsidiert seit zwei Jahren die AL. Er schreibt im AL-Parteiorgan «Lappi tue dAuge uf» und ist Delegierter des Schaffhauser Gewerkschaftsbundes für den VPOD.

Listenverbindung mit SP
«Die Kandidatur soll das links-grüne Lager stärken und mithelfen, einen starken Gegenpol zur bürgerlichen Umverteilungspolitik im Interesse der Reichen und Superreichen zu setzen.» heisst es in einer Mitteilung der AL. Diese hat sich als Minimalziel einen Wähleranteil von über 5 Prozent gesetzt, betrachtet aber 8 Prozent als erreichbar. Nach eigenen Angaben steht ihr nach heutigem Stand ein Wahlkampfbudget von rund 11000 Franken zur Verfügung. Bereits beschlossen ist, erklärte AL-Wahlkampfleiter Andi Kunz gegenüber den Schaffhauser Nachrichten, eine Listenverbindung mit der Liste der Sozialdemokratischen Partei. Auf dieser kandidieren Nationalrat Hans-Jürg Fehr und SP-Kantonalpräsidentin und Kantonsrätin Martina Munz.

#Notizen zu Namen

23. Februar 2011 | Hausgemachte Energie mit Biss

Schaffhauser Nachrichten, Kultur
Diana Zucca

In anderen Teilen der Schweiz entfalten feenhafte Popblumen ihre Blüten, mischen bärtige Mundart-Rapper einen breitbandkompatiblen Cocktail. Im Nordosten hingegen fliegen die Fetzen. Seit den Achtzigerjahren pflegt die Munotstadt eine saubere Punk- und Garage-Kultur, die sich nicht etwa auf ihren Lorbeeren ausruht, sondern stets gesunden Nachwuchs produziert. Zum Beispiel Plain Zest. Der Sound der vier jungen Schaffhauser sitzt wie eine Ohrfeige. Fletscht die Zähne und beisst wie grüner Meerrettich. Der Titel ihres Ende Februar erscheinenden zweiten Albums «We hungry» ist Programm. Wer hungrig ist, ist wütend, und Wut brandet einem vom ersten Riff bis zum letzten Akkord entgegen. Kompromisslos wird drauflos gebrettert. Plain Zest verplempern ihre Zeit nicht damit, an Arrangements rumzufeilen oder Soli auszubauen. Geschönt wird nichts, dafür tight gespielt und authentischer Druck aufgebaut. Die Songs sind kurz und schmerzlos. Die Riffs kantenscharf. Man hört förmlich das Board über den Asphalt knallen. In einem Affenzahn davonsausen. Derweil der Wutschrei des Skaters durch die Gassen hallt.

**Neue Selbstsicherheit**
Angebrüllt wird, wogegen in diesem Genre angebrüllt werden muss; gegen Vereinnahmung, Fremdbestimmung, tödliche Routine (repetition kills and I don’t want to die), gegen Verdummung (what’s in your head, beside that crap?), sinnlosen Hass. Diesem setzen die Jungs ihren Biss und Schwung entgegen (keep your hate, we got the zest). Und auch die Lebensfreude, die der Begriff «Zest» beinhaltet, schimmert durch in der für eine Schaffhauser Band fast unumgänglichen Reminiszenz an ihren geliebten Fluss. Ansonsten werden auf «We hungry» im Millisekundentakt Phrasierungen über die Riffs gespuckt. Zehn ganze Songs lang. Remo Furger ist ein starker Sänger, der problemlos dem Druck der Band standhält und mit Verve und Charakter führt. Markant ist auch das wuchtige, dennoch bewegliche Schlagzeug Gregor Spitzers, seit der Gründung 2004 mit dabei. Überzeugende Saitenarbeit leisten wiederum Furger am Bass sowie Alexander Norring und Elia Schneider an den Gitarren, mit wohlwollender Unterstützung der Altväter Marshall und Hiwatt. Den mitreissenden, rauen Charme dieser Band bestimmen jedoch nicht die einzelnen, virtuosen Elemente, sondern deren Verschmelzung zu einem energiegeladenen Motor. Im Vergleich zum 2008 erschienenen Erstling «Balls Full of Explosives» besitzt «We hungry» mehr Tiefe. Die Band ist selbstsicherer und aussagekräftiger geworden, bricht Strophe-Refrain-Muster auf, spielt mit Rhythmuswechseln, zeigt Konturen. Obwohl die Einflüsse von Bands wie Black Flag, Good Riddance und den Peacocks hörbar sind, sind Plain Zest eine eigenständige Band. Eine Band, die Punk nicht nur als Pose, sondern als Lebenshaltung versteht. «We hungry» ist der ideale Soundtrack für Leute, die hungrig und wütend sind und es bleiben wollen.

Plain Zest «We hungry» Eigenvertrieb, erscheint Ende Februar, 2011 (myspace.com/plainzest).


Jung, hungrig und wütend: Die Schaffhauser Band Plain Zest legt mit «We hungry» ihr zweites Album vor.
Bild pd

#Allgemeines

22. Februar 2011 | Schweizer Bierbrauer unter Druck

Schaffhauser Nachrichten, Wirtschaft
Reto Wäckerli

Rheinfelden Feldschlösschen hat eigentlich keinen Grund zum Klagen. Beinahe jedes zweite Bier, das in der Schweiz getrunken wird, reifte in einem Gärtank des Schweizer Marktführers. Und doch herrscht leichte Katerstimmung: Der Bierumsatz in Franken ging letztes Jahr um 1,7 Prozent zurück; die verkaufte Menge in Litern reduzierte sich um 0,3 Prozent. Detailliertere Zahlen veröffentlicht das Tochterunternehmen des dänischen Carlsberg-Konzerns nicht. Ähnlich durchzogen tönt es bei Heineken Switzerland, der Nummer zwei im Schweizer Markt: Der Umsatz mit den drei Kernmarken Eichhof, Calanda und Haldengut war laut einer Sprecherin leicht rückläufig; besser gelaufen sei hingegen der Verkauf der Sorten Heineken, Ittinger Klosterbräu sowie Desperados.
Die Katerstimmung bei den beiden Marktführern überrascht. Denn insgesamt wurde 2010 in der Schweiz volumenmässig ein Prozent mehr Bier verkauft als im Vorjahr. Allerdings konnten die einheimischen Brauereien – und dazu zählen auch die Schweizer Tochtergesellschaften der globalen Giganten Carlsberg und Heineken – 0,5 Prozent weniger Bier absetzen. Der Import von ausländischem Bier nahm hingegen um 6,7 Prozent zu. Mittlerweile kommt jedes fünfte Bier, das in der Schweiz getrunken wird, aus dem Ausland. Vor zehn Jahren war es erst jedes siebte. «Das macht uns zu schaffen», sagt Feldschlösschen-Sprecher Markus Werner. Bei Feldschlösschen erklärt man sich die Zunahme der Importe unter anderem mit den Überkapazitäten bei den deutschen Brauereien. «Um ihre Anlagen auszulasten, brauen sie eine zu grosse Menge – und setzen diese dann zu einem tiefen Preis in der Schweiz ab», sagt Werner. «Über 50 Prozent des importierten Biers ist Dosenbier – also vielfach Billigbier», sagt auch Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands. Dieses Bier werde vor allem über den Detailhandel verkauft, der als Absatzkanal immer wichtiger werde. «Dort folgt Tiefpreisaktion auf Tiefpreisaktion.»

**Der Stammtisch stirbt aus**
In den Restaurants, die traditionellerweise Schweizer Gerstensaft ausschenken, werde hingegen weniger Bier verkauft. «Die Rauchverbote und die angespannte Wirtschaftslage zeigen Wirkung», sagt Kreber. Unter Druck sei das Schweizer Bier aber auch, weil die Generation der Stammtisch-Biertrinker am Aussterben sei. Hinzu kämen die Einwanderer: «Es kann ihnen niemand verübeln, dass sie auch in der Schweiz ihr bisheriges Lieblingsgetränk aus der Heimat trinken wollen.» Dieser Prozess werde von den Detailhändlern unterstützt, indem sie etwa Bier aus dem Balkan importierten. Die Schweizer Brauer hoffen, dass sich das Blatt wendet: Ein Vorteil sei, dass in der Schweiz seit einem Jahr TV-Werbung für Bier geschaltet werden dürfe. «Das war für uns bis anhin ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland, die im deutschen Fernsehen vor jeder Sportsendung auf ihre Produkte hinweisen konnte.» Ausserdem verweist Marcel Kreber auf «die stattliche Biervielfalt» in der Schweiz. Die 16 Brauereien, die beim Brauerei-Verband Mitglied seien, hätten über 300 verschiedene Biermarken im Sortiment. «Diese Vielfalt gilt es zu entdecken.» Denn eines ist für Kreber keine Frage: Der Rückgang des Schweizer Biers gegenüber dem ausländischen habe nichts mit der mangelnden Qualität des einheimischen Gerstensafts zu tun: «Unsere Braukultur hat Tradition.»

#Allgemeines

22. Februar 2011 | Kopieren/einfügen an der Kanti

Schaffhauser Nachrichten, Region
Daniel Jung

Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der bei seiner Doktorarbeit mehrere Textteile undeklariert übernommen haben soll, wird derzeit wieder intensiv über Plagiarismus diskutiert – wenn Verfasser von wissenschaftlichen Texten Ideen und Formulierungen übernehmen, ohne die Quelle anzugeben. Wir haben uns erkundigt, wie das Berufsbildungszentrum (BBZ) und die Kantonsschule damit umgehen.
«In einer Schule wie der unseren wird mit nichts anderem gearbeitet, als mit geistigem Eigentum von anderen», erklärte Ernst Schläpfer, Rektor des BBZ. Schläpfer geht davon aus, dass abgekupferte Passagen in Arbeiten regelmässig vorkommen, sieht dies jedoch auch als Teil des Lernprozesses. Schlimm sei es, wenn ganze Seiten oder Kapitel ohne Quellenangabe verwendet würden. Solch grosse Abschnitte seien aber oft relativ leicht erkennbar, weil sie sich sprachlich vom Rest abheben. Falls im Internet abrufbar, liessen sich solche Teile auch relativ einfach von der Lehrperson bestimmen. «In solchen Fällen gibt es Notenabzug oder – das finde ich weit empfehlenswerter – sogar die Rückweisung der Arbeit», so Schläpfer. Speziell heikel ist die Frage des Plagiats bei der Matura-Arbeit zum Abschluss der Kantonsschule, weil Aufwand und Anspruch hoch sind. In Paragraf 30 der Promotions- und Maturitätsverordnung heisst es: «Schülerinnen und Schüler, denen ein Plagiat oder die Verwendung unerlaubter Hilfsmittel nachgewiesen wird, werden nicht zur Maturitätsprüfung zugelassen.» An der Kanti gab es seit Einführung der Matura-Arbeit vor zehn Jahren bisher aber nur einen konkreten Plagiatsvorwurf. Obwohl dieser vom Schüler abgestritten wurde, konnte das Plagiat nach dem Einreichen der Arbeit nachgewiesen werden. «In diesem Fall wurde der Schüler aufgrund der expliziten Lüge von der Kantonsschule ausgeschlossen», erklärte Rektor Urs Saxer. Wie die Zeitung «Sonntag» berichtete, verwenden immer mehr Gymnasien eine Anti-Plagiats-Software zur Überprüfung von Matura-Arbeiten, etwa in den Kantonen Zürich und Thurgau. Angesichts der intensiven Betreuung an der Kanti Schaffhausen seien solche technischen Mittel in Schaffhausen aber nicht nötig, findet Saxer: «Aufgrund unseres Betreuungskonzepts drängt sich ein Einsatz einer entsprechenden Software aus meiner Sicht nicht auf», erklärte der Kanti-Rektor. So verzichtet die Schule bei der Bewertung von Matura-Arbeiten auf eine standardisierte elektronische Kontrolle. «Diese Arbeiten werden sehr eng betreut», erklärte Saxer. Durch die regelmässigen Zwischenbesprechungen sei die Entstehung der Arbeiten gut einsehbar. «Insofern können wir bereits während des Entstehungsprozesses allfällige Passagen, welche vermutlich nicht korrekt zitiert werden, direkt ansprechen», so Saxer.

#Notizen zu Namen

22. Februar 2011 | Neues zu Namen

Schaffhauser Bock

Felix Graf aus Schaffhausen, Kurator im Landesmueseum in Zürich, plauderte am Donnerstag während eines Referates in Stein am Rhein aus dem Nähkästchen. Er ist Mitglied einer Gruppe die im Auftrag des Stiftungsrates der Jakob-und-Emma-Windler-Stiftung eine Expertise über das in Stein am Rhein umstrittene Spielzeugmuseum erstellt. Graf erwähnte, dass man als neuen Standort die «Obere Stube» vorgeschlagen habe. Diese ist im Besitz von Charles Balsiger.

#Notizen zu Namen

22. Februar 2011 | Die Krux mit der «Hamolstellung» – Landesmuseen besitzen rund 400 Objekte aus Stein am Rhein

Schaffhauser Bock
Peter Spirig

Am Donnerstag konnte Brigitte Flum namens der Volkshochschule Stein am Rhein (VHS) zahlreiche Gäste im Steiner Jakob-und-Emma-Windler-Saal begrüssen. Sie wurden eingeladen einen Blick auf Steiner Objekte in den Landesmuseen zu werfen. Dass dies möglich wurde ist Christian Birchmeier zu verdanken. Dieser hatte die Idee Felix Graf einzuladen. Er ist Kurator und Mitglied der Geschäftsleitung der schweizerischen Landesmuseen. Felix Graf freute sich darüber, einige Steiner Kostbarkeiten, die sich im Besitz der Museen befinden, auf der Leinwand präsentieren zu können. Freude auch, weil er den Vortrag in jener Stadt halten konnte,in der er aufgewachsen ist. Zudem darum, weil er unter den Zuhörern ihm bekannte Gesichter entdeckte. Gleich zu Beginn erwähnte er, dass die Steiner zum Besuch des Zürcher Landesmuseums eingeladen sind – auch die VHS.

**Steiner Kabinettscheibe**
Rund vierhundert Objekte des Landesmuseums stammen aus Stein am Rhein. Darunter der erste Skischuh mit Schnallen. Hergestellt wurde er in der Schuhfabrik Henke. Im Besitz der Landesmuseen unter anderem auch ein Küchenschrank, ein Altarbild und eine Grabplatte aus Stein am Rhein. Unter den weiteren Perlen ein Plakat mit einer Frau in «Hamolstellung». Bei «Hamol» handelte es sich um eine Sonnenschutzcrème, die in Stein am Rhein erfunden wurde. Zu sehen ist eine Frau mit brauner Haut und Bikini. Das Plakat wurde in den Fünfzigerjahren vielerorts als unmoralisch taxiert. Im Landesmuseum befindet sich auch eine Kabinettscheibe die für Stein am Rhein angefertigt wurde.

**Erste Dietiker-Stühle**
Unter den Besonderheiten zudem das Design der ersten Stühle der Firma Dietiker. Sie stammen von Edlef Bandixen der selbst in den Zuschauerreihen sass. Noch aber sucht Felix Graf einige Sachen. So ein Hamol-Fläschchen mit Inhalt und das Dietiker-Stuhl-Modell «Saffa». Es ist ein Klassiker der Fünfzigerjahre. Gesucht werden zudem die Modelle «Rey» und «Santo». Auch Zuhörer Karl Hirrlinger gab bekannt, etwas zu suchen. Dem Protokoll habe er entnommen, dass dem Landesmuseeum leihweise eine Steiner Tracht übergeben wurde. Zurück gegeben wurde sie bisher nicht. Felix Graf versprach, sich der Sache anzunehmen.



Felix Graf präsentiert den ersten Skischuh mit Schnallen – hergestellt in der Steiner Schuhfabrik Henke.
Bild: Peter Spirig

#Notizen zu Namen

19. Februar 2011 | Von Hamol bis zum Abendmahlbild

Schaffhauser Nachrichten
Mark Schiesser

820 000 Objekte umfasst die Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums. Rund 400 davon weisen einen direkten Bezug zu Stein am Rhein auf, vom Küchenschrank aus dem 17. Jahrhundert bis hin zum Henke-Schnallenskischuh. Die Tatsache, dass das Landesmuseum in Zürich zum meist besuchten historischen Museum der Schweiz gehört, hat man vielleicht schon irgendwo gelesen oder gehört. Dass dieses zahlreiche helvetische Errungenschaften mit direktem Bezug zu Stein am Rhein beherbergt, war manchem erst nach dem von der Volkshochschule Stein am Rhein organisierten Vortrag mit dem Kurator des Landesmuseums Zürich, Felix Graf, klar.

Steiner Errungenschaften
Der in Stein am Rhein aufgewachsene und in Schaffhausen beheimatete Referent konnte am Donnerstag die meisten der zahlreichen Besucher persönlich und mit Namen begrüssen. Nach einer einführenden Erklärung über die Aufgabe des Schweizerischen Landesmuseums, unter dessen Dach die vier Museen Landesmuseum Zürich, Château de Prangins, das Forum Schweizer Geschichte Schwyz sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint sind, konnte Felix Graf bereits den ersten Bezug zu Stein am Rhein herstellen. In einer 1889 erschienenen Broschüre machte der Steiner Bürger Ferdinand Vetter, Professor für Germanistik an der Universität Bern, auf die heikle Verwendung des Begriffes «national» in Bezug auf das Landesmuseum aufmerksam. Schon damals hatte das Landesmuseum Zürich die Funktion des Schweizerischen Nationalmuseums. Als besonders schönes Beispiel einer «helvetischen Errungenschaft» entpuppte sich das Sonnenschutzmittel Hamol auf dem ersten Werbeplakat aus dem Jahre 1951. Aus einer anderen Zeit stammt die Grabplatte eines 1386 in Sempach gefallenen «Herrn von Klingen». «Sie gehört zu den Topsammelstücken des Nationalmuseums und gilt als hervorragendes und wichtiges Bilddokument eines Ritters in der Zeit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts», erklärte Felix Graf. Die Tatsache, dass Stein im 15. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der Hafnerei war und die Dietiker AG als erste Fabrik in der Schweiz im grossen Stil Designerstühle industriell fertigte – als Beispiel gilt der Bankstuhl von Willi Guhl –, trug zum spannenden Einblick ins Landesmuseum bei. Das Abendmahlbild, eine frühzeitliche Wappenscheibe, oder die Kassettendecke aus dem «Mittleren Hof» sind weitere historische Streiflichter, die man beim nächsten Besuch im Landesmuseum bestimmt näher betrachten wird.

*Landesmuseum Zürich Der Stand der Dinge Das 1898 nach Plänen von Gustav Gull erbaute Schweizerische Landesmuseum in Zürich wird saniert und erneuert. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 241 Millionen Franken. Davon entfallen 111 Millionen auf einen geplanten Erweiterungsbau. Am 13. Februar hat das Stimmvolk einem kantonalen Beitrag von 20 Millionen Franken zugestimmt.*

Felix Graf, der Kurator mit Steiner Wurzeln, wies in seinem Vortrag unter anderem auf die Wichtigkeit eines zeitgemässen und zukunftsorientierten Museums- und Ausstellungsbetriebes hin.



Auch Christoph Buff und Edlef Bandixen genossen das spannende Referat von Kurator Felix Graf (von links).
Bild Mark Schiesser

#Notizen zu Namen

18. Februar 2011 | Viel Herzblut ins Museum gesteckt

Schaffhauser Nachrichten, Klettgau / Reiat
Hans-Caspar Ryser

Wie für so viele Gegenstände und Zeugen vergangener Zeiten, welche er liebevoll gehegt, gepflegt und ausgestellt hat, sei die Zeit als Museumsverwalter für ihn nun endgültig abgelaufen. In all den Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit habe er nun genug für die Allgemeinheit geleistet.
So resümiert ein etwas nachdenklicher Hans Wäschle, seit dem Jahr 2000 engagierter Museumsverwalter von Beringen, die Beweggründe für seinen Rücktritt. Mit 69 Jahren habe er zudem ein Alter erreicht, wo man ohne schlechtes Gewissen etwas kürzertreten könne.

**Aus Interesse an der Geschichte**
Bereits während seiner Zeit als Reallehrer habe er stets ein grosses Interesse an lokalhistorischen Zusammenhängen und der Archäologie gehabt. Aus dieser Affinität für die Ortsgeschichte heraus habe er damals im Jahr 2000 spontan zugesagt, als Rita Rahm, Schwiegertochter des Museumsgründers Ewald Rahm, ihn um Unterstützung im Ortsmuseum bat. Als er dann im Jahr 2002 zum Ortsmuseumsverwalter und Museumsführer ernannt worden sei, habe er den Bettel beinahe hingeschmissen, nachdem ihm eröffnet worden war, dass das Museum zum Bersten voll und keine Erweiterung möglich sei.

**Etwas aufbauen statt verwalten**
Erst als der Museumsverein die Gelegenheit erhielt, das Nachbargebäude ebenfalls zu Museumszwecken zu nutzen, sah Wäschle die Stunde gekommen, etwas Neues aufzubauen, statt nur Bestehendes zu verwalten, auch wenn seine ehrenamtliche Funktion so umschrieben war. Und mit Eifer machte er sich daran, das umfangreiche Sammelgut thematisch gegliedert auszustellen und gleichzeitig mit dem Museumsverein zusammen ein Konzept für Sonderausstellungen zu bestimmten Themen auszuarbeiten. In der Folge entstanden Sonderausstellungen zu so unterschiedlichen Themen wie Fasnachtsmasken, Radios aus der Pionierzeit, das Schleitheimer Tram, die Beringer Wirtshäuser, spezielle Hobbys oder Bilder von einheimischen Künstlern. Diese Sonderausstellungen waren gemäss Wäschle in doppelter Hinsicht ein Erfolg: Einerseits liessen sich damit die Ausstellungsgüter zu bestimmten Themen ausbauen, andererseits vervielfachten sich jeweils die Besucherzahlen in Jahren mit attraktiven Sonderausstellungen. So sei beispielsweise im Jahr der Sonderausstellung mit dem Schleitheimer Tram die Rekordzahl von 2000 Besuchern erreicht worden. Im vergangenen Jahr besuchten 754 Personen das Ortsmuseum. Obwohl er seit seinem Rücktritt nicht mehr involviert sei, habe er da-von Kenntnis, dass der Museumsverein in Kontakt mit der DB sei, um die Möglichkeiten einer allfälligen Jubiläumsausstellung abzuklären.


**Ortsmuseum Beringen Entstehung, Entwicklung**

Geschichte
Die Gründung des Ortsmuseums von Beringen geht auf das Jahr 1985 zurück. Doch bereits seit 1928 sammelte der damalige Oberstufenlehrer Ewald Rahm mit seinen Schülern historische Gegenstände aus der Gemeinde.
Ausstellungsgut
Das im Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert der Edlen Hün von Beringen untergebrachte Ortsmuseum beschränkt sich bewusst auf die Kulturgeschichte von Beringen, Löhningen und Guntmadingen. In der 1995 restaurierten Zehntenscheune nebenan sind alte landwirtschaftliche Maschinen und bäuerliches Gerät ausgestellt. Zudem ist im Dachgeschoss ein zusätzlicher Ausstellungsraum untergebracht, und im Erdgeschoss befindet sich ein Archiv.



Besonders stolz ist Museumsverwalter Wäschle unter anderem auch auf die Ausstellung mit Gerätschaften aus der Bronzezeit.
Bild Hans-Caspar Ryser