#Notizen zu Namen

29. März 1966 | Dr. Hugo von Ziegler

Schaffhauser Nachrichten
Ernst Steinemann

In seinem Heim zum Weissturngut an der Stokarbergstrasse verschied am 25. März, für Angehörige und Freunde unerwartet, Dr. Hugo von Ziegler an einem Schlaganfall. Obschon er in der Oeffentlichkeit wenig hervortrat und unseres Wissens auch nie weder ein kantonales noch ein städtisches Amt bekleidete, verdient er doch, dass seiner ehrend gedacht wird.
Dr. Hugo von Ziegler entstammte einem Zweig des alten städtischen Geschlechtes der Ziegler, der im Jahre 1717 durch Kai ser Karl VI. geadelt worden ist und dem Stand Schaffhausen im Laufe seiner Geschichte tüchtige Magistraten und Offiziere gestellt hat. Es zeugt für seine vornehme Gesinnung, dass er nie auf die Verdienste seiner Vorfahren pochte, sondern der Ueberzeugung huldigte, dass jede Generation nur das ist, wozu sie sich selbst emporarbeitet.
Dr. Hugo von Ziegler wurde am 8. Februar 1890 in Schaffhausen geboren, durchlief die humanistische Abteilung der Kantonsschule und promovierte in Berlin zum Dr. iur. Im Jahre 1921 vermählte er sich mit Fräulein Schindler von Mollis, einer ihn mit grosser Treue umhegenden Person, und eröffnete in der Vorstadt das unter seinem Namen bekanntgewordene Bankgeschäft von Ziegler, das er vor wenigen Wochen altershalber liquidierte. Im heissen Sommer 1911 bestand er mit seinen teilweise noch jetzt lebenden Schaffhauser Kameraden die Offiziersschule in Zürich und diente dann in der dritten Division, wo er als fahrender Mitrailleur bis zum Rang des Majors aufstieg.
Wer die Freude und das Glück hatte, die Bekanntschaft von Zieglers zu machen, lernte in ihm einen sehr bescheidenen, von allem Dünkel freien Menschen kennen, der ein Schaffhauser war durch und durch und die alten städtischen Familien und deren Geschichte kannte wie kaum ein Historiker vom Fach Daneben gehörte seine grosse Liebe dem Garten seines Hauses, in welchem es keine Pflanze, weder Blume noch Strauch gab, deren deutschen und lateinischen Namen er nicht kannte. Sein grosses Können und Wissen lag jedoch auf dem Gebiet der Kunstgeschichte. Hier war er Autorität. So bereitete er als wohl bester Kenner Lindtmayers im Jahre 1952 gemeinsam mit Dr. Steiner die Daniel-Lindtmayer-Ausstellung vor und bearbeitete mit grösster Sachkenntnis den vielbeachteten Katalog. Mit derselben Hingabe warf er sich auch auf die Sammlung von Schaffhauser Altsilber und erlebte noch in den letzten Tagen die Freude, einen zweiten Zunftbecher des in alle Winde zerstreuten Tafelgeschirrs der Wohladelichen Gesellschaft zun Kaufleuten erwerben zu können. Mit der jüngst verstorbenen Dora Rittmeyer zählte er zu den besten Kennern der schweizerischen Silber- und Goldschmiedearbeiten.
Von den alten Familien, die einst der Stadt das Gepräge gaben, verschwindet eine nach der andern. Ihre Nachkommen ziehen weg und suchen anderwärts ihr Auskommen. Die Bevölkerungsstruktur ist in einem gewaltigen Umbruch begriffen. So nimmt mit Dr. Hugo von Ziegler ebenfalls der letzte Vertreter seines Geschlechtes von der Stadt Abschied. Wir wissen, dass wir uns diesem Wandel zu beugen haben. Und so nehmen wir Abschied von Dr. Hugo von Ziegler als von einem Menschen, dem der christliche Glaube seiner Vater Kraft und Trost war und der in seiner süllen Art durch seine Sammeltätigkeit der Heimat mit allen Fasern seines Wesens verbunden war.