#Allgemeines

19. November 2013 | Billigbierimporte und Wetterpech

Schaffhauser Nachrichten
rf.

Zürich In der Schweiz ist im Braujahr 2012/13 weniger Bier getrunken worden. Der Gesamtkonsum nahm um 0,9 Prozent auf 457,97 Millionen Liter ab. Das lag laut dem Schweizer Brauerei-Verband vor allem am nasskalten Frühling. Stark gesunken ist die inländische Bierproduktion. Der Inlandausstoss der Brauereien in der Schweiz fiel um 4,1 Prozent auf 338,6 Millionen Liter. Ihr Marktanteil schrumpfte damit von 76,3 auf 73,9 Prozent, wie der Schweizer Brauerei-Verband gestern mitteilte.
Ausländisches Bier ist weiter auf dem Vormarsch: Die Bierimporte nahmen um satte 9,1 Prozent zu. Im Vorjahr hatte das Plus bereits 4,1 Prozent betragen. Erhöht wurden die Einfuhren dadurch, dass Coop sein Prix-Garantie-Bier nicht mehr bei Calanda, sondern in Deutschland brauen lässt, wie der Detailhändler bestätigt.

**Vor allem aus Deutschland**
Generell werde vor allem Billigbier importiert, zum grössten Teil in Dosen oder Einwegflaschen, sagte Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands, gestern vor den Medien in Zürich. Gut die Hälfte der Importe stamme aus Deutschland, weitere wichtige Herkunftsländer sind Portugal und Frankreich. Der Kostendruck in Produktion und Vertrieb sei nach wie vor hoch und der Einkaufstourismus angesichts der anhaltenden Euroschwäche ungebrochen.

**Zu Hause statt am Stammtisch**
Erschwerend komme hinzu, dass die Stammtischkultur an vielen Orten nicht mehr wie früher gepflegt werde. Daran hätten die Rauchverbote einen nicht zu unterschätzenden Anteil. «Die Tendenz weg von der Gastronomie hin zum Heimkonsum hat sich abermals bestätigt», erklärte Kreber. Davon profitiere der Detailhandel. Auch das Ausbleiben von Touristen aus «bieraffinen Ländern» wie Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien belastete. Hinzu kam der nasskalte Frühling, der die Nachfrage bremste. Denn Bierkonsum und Temperaturverlauf stimmten «frappant überein», sagte Kreber.

**Pro-Kopf-Konsum ziemlich stabil**
Mit den Ergebnissen können die Schweizer Brauer nicht zufrieden sein, wie Verbandspräsident Markus Zemp festhielt. Es müsse aber relativiert werden, dass der Bierkonsum nach dem drastischen Einbruch in den 1990er-Jahren seit 2003 um 6,5 Prozent zugenommen habe. Der Pro-Kopf-Konsum sei relativ stabil bei 56 bis 57 Litern. Je nach definitiven Zahlen zum Bevölkerungswachstum werde er 2012/13 bei 56,8 bis 57 Litern liegen. Im Vorjahr waren es 57,3 Liter.

**Der Einfluss der Politik**
Neben dem Wetter und der Wirtschaftslage habe die Politik einen grossen Einfluss, sagte Zemp. Der Verband wehrt sich gegen Mindestpreise und Verkaufsverbotszeiten, wie sie im Rahmen der Revision des Alkoholgesetzes diskutiert werden. Schliesslich werde so wenig Alkohol konsumiert wie seit den 1950er-Jahren nicht, sagte Zemp. «Es liegt somit kein alkoholpolitischer Notstand vor.» Er habe keine Freude an jugendlichen Rauschtrinkern; das Problem solle aber nicht mit unspezifischen Massnahmen, welche die Allgemeinheit träfen, angegangen werden. Dem 1877 gegründeten Branchenverband gehören heute 16 Unternehmen mit 18 Braustätten an, die nahezu 97 Prozent der inländischen Bierproduktion abdecken und einen Umsatz von rund 1 Milliarde Franken erzielen. Dominiert wird der Markt von Carlsberg (Feldschlösschen, Cardinal) und Heineken (Eichhof, Calanda).

**Falken: Spürt Trend, ist aber «nicht unzufrieden»**

Auch die Schaffhauser Brauerei Falken bekommt die Trends zu spüren, welche der Schweizer Brauerei-Verband gestern beschrieben hat (siehe Hauptartikel). Dies bestätigte der CEO der Brauerei Falken AG, Markus Höfler, auf Anfrage der SN.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das vom 1. Oktober bis 30. September dauert, habe Falken den nasskalten Sommer ebenso gespürt wie den Einkaufstourismus, «der in unserer Grenzregion sehr stark ist», sagte Höfler. Faktoren wie etwa den durch Rauchverbote akzentuierten Trend weg vom Stammtisch hin zum Küchentisch spüre auch Falken. Dennoch sei die Brauerei «nicht unzufrieden» mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr: «Wir machen unseren Umsatz schwergewichtig in der Gastronomie und gewichten Marge höher als Umsatz.» Auch die vor einem Jahr eingeweihte Abfüllanlage für Dosenbier habe «bereits zum Ergebnis beigetragen», so Höfler. Genaue Zahlen gibt Falken erst an ihrer Generalversammlung am 13. Dezember bekannt.

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9. Oktober 2013 | «Falken»-Wirt Tomislav Babic spannt mit Hombergerhaus zusammen

Schaffhauser Nachrichten; Region
von Mark Liebenberg

Anfang Oktober sind das öffentliche Restaurant, das Catering und das Betriebsrestaurant der Georg Fischer AG im traditionsreichen «Hombergerhaus» an der Ebnatstrasse von der SC Catering AG an die RTM Hotel & Restaurant von «Falken»-Wirt Tomislav Babic (Bild) übergegangen. Der seit Mitte 2010 im Ebnat waltende Geschäftsführer Christian Strassgschwandtner wird im «Hombergerhaus» jedoch als Geschäftsführer weiterbeschäftigt. So solle die Kontinuität gewährleistet werden, teilten gestern die Vermieterin, die Georg-Fischer-Stiftung «Hombergerhaus» und die beiden Gastrounternehmer mit. Die RTM-Gruppe, welche bereits die Brasserie Falken in der Altstadt und das «Bahnhofbuffet» führt, werde alle bisherigen Angestellten im «Hombergerhaus» übernehmen, teilt Babic auf Anfrage der SN mit. Entlassungen werde es keine geben.

**«Wir wollen die Nase vorn haben»**
«Es wird für Einzelkämpfer immer schwieriger», sagt Strassgschwandtner gegenüber den SN. Die Pläne für ein Zusammengehen seiner Firma SC Catering mit der RTM-Gruppe seien schon einige Zeit gereift. Synergien sieht der Herr im «Hombergerhaus» vorab im Personalbereich, aber auch im Einkauf. «Für die Kunden ändert sich nichts», fügt er an. Das Know-how seines Teams bleibe erhalten, und die Ansprechpersonen seien die gleichen. Vorteile sieht er vor allem im gemeinsamen Personalpool der beiden Unternehmen. Die RTM-Gruppe wird damit eines der grössten Gastrounternehmen der Region. Sie hält Anteile am «Bahnhofbuffet» und an einem Backpacker-Hotel in Romanshorn. «Das «Hombergerhaus» ist in der Lage, Caterings für bis zu 1700 Personen zu machen und ist damit der grösste Caterer in der Stadt», sagt Babic. «Wir wollen den Kunden in erster Linie eine grössere Flexibilität bei der Planung ihrer Anlässe geben – vom Geburtstag über die Hochzeit bis zur Generalversammlung. Das können wir dadurch, dass wir auch in der City präsent sind.» Babics RTM-Gruppe hatte sich schon vor fünf Jahren für das «Hombergerhaus» beworben. «Die Kunden haben bisher nur beschränkt wahrgenommen, dass es im «Hombergerhaus» erstens ein normales A-la-carte-Angebot gibt und dass zweitens eine grosse Zahl Parkplätze zur Verfügung stehen», sagt Babic. Dort bestehe Ausbaupotenzial. Ausbaufähig seien ausserdem der Bankettbereich im Hause und das Catering ausser Haus. Strassgschwandtner: «Da wollen wir künftig in der Region die Nase vorn haben.»

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30. Juli 2013 | Der Alkoholkonsum in der Schweiz sinkt weiter

Schaffhauser Nachrichten
(sda)

Jede Bewohnerin und jeder Bewohner trank 2012 im Schnitt umgerechnet 8,4 Liter reinen Alkohol. 2011 waren es 8,5 Liter gewesen. Der Stand des Alkoholkonsums liegt heute so tief wie zuletzt Anfang der Fünfzigerjahre, wie die Eidgenössische Alkoholverwaltung am Montag mitteilte. Zum Vergleich: In den Achtzigerjahren trank die Bevölkerung pro Kopf jährlich umgerechnet rund 11 Liter reinen Alkohol. Das ist rund ein Drittel mehr als heute.

**Vor allem der Weinkonsum sinkt**
In Wein- und Biermengen ausgedrückt, bedeutet der Rückgang um einen Deziliter, dass pro Kopf rund ein Liter weniger Wein und ein halber Liter weniger Bier getrunken wird pro Jahr. Durch die durchschnittliche Kehle flossen somit 36 Liter Wein und 56,5 Liter Bier. Wegen des höheren Alkoholgehalts ist die Abnahme fast ausschliesslich auf den geringeren Weinkonsum zurückzuführen. Bei den Spirituosen gab es dagegen praktisch keine Veränderung: Der Durchschnittskonsum beläuft sich auf 3,9 Liter, was 1,6 Liter reinen Alkohols entspricht. In den vergangenen zehn Jahren blieb die Entwicklung bei den Schnäpsen konstant.

**250 000 Personen alkoholsüchtig**
Auch wenn der Alkoholkonsum insgesamt abnimmt, gilt das nicht für alle Teile der Bevölkerung, wie die Alkoholverwaltung zu bedenken gibt. Der Alkoholkonsum einzelner Bevölkerungsgruppen sei nach wie vor problematisch. Rund 250 000 Personen gelten nach groben Schätzungen des Bundes aus dem Jahr 2010 als alkoholabhängig – das sind ungefähr drei Prozent der Bevölkerung.

**«Risikoreiches» Trinken verbreitet**
Allerdings zeigen laut dem Suchtmonitoring des Bundesamtes für Gesundheit fast 20 Prozent der Bevölkerung «episodisch risikoreichen Konsum». Das heisst, sie trinken mindestens einmal monatlich vier (Frauen) bis fünf (Männer) alkoholische Getränke auf einmal.

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20. Juli 2013 | Alkohol auf dem Rhein: Noch gelten 0,8 Promille

Schaffhauser Nachrichten
zge

Auf der Strasse gelten in der ganzen Schweiz die gleichen Verkehrsregeln und Strafen. Auf dem Wasser hingegen gibt es viele unterschiedliche Regelungen – auch, was den Alkohol angeht. Auf gewissen Gewässern gibt es heute nicht einmal klare Promillegrenzen. Nun soll schweizweit einheitlich auf dem Wasser ein Grenzwert von 0,5 Promille gelten, analog zum Strassenverkehr.
Die Regelung, sie soll ab 2014 in Kraft treten, hat für einigen Unmut gesorgt. Umstritten ist nicht die Promillegrenze an sich, sondern, wer dieser unterstellt ist. Einerseits gilt der Grenzwert unter Umständen für alle Leute auf einem Gefährt, andererseits ist laut den Gegnern der Verordnung nicht klar definiert, für welche Art von Fahrzeugen die Regeln gelten. Sie fürchten, dass auch Freizeitkapitäne in Gummibooten belangt werden können. Auf dem Bodensee und dem Rhein bis zur Feuerthalerbrücke in Schaffhausen ist klar geregelt, wie viel man intus haben darf: Führer von Fracht- und Kursschiffen maximal 0,1 Promille, alle anderen 0,8 Promille. Dies geht aus der sogenannten Bodenseeschifffahrts-Ordnung (VSO) aus dem Jahr 1976 hervor. Diese Grenze ist recht hoch: Ein 70 Kilo schwerer Mann kann innert zwei Stunden über einen Liter Bier trinken. Unklar ist allerdings, welche Freizeitnutzer des Rheins unter die Regelung fallen. Die VSO definiert ein Fahrzeug sehr breit als «Binnenschiffe, einschliesslich Boote und Fähren, andere zur Fortbewegung bestimmte Schwimmkörper sowie schwimmende Geräte». Legt man diesen Passus eng aus, dann fällt so ziemlich jedes Boot und Brett in die Regelung. In der Praxis aber ist es nicht so, dass die Schaffhauser Polizei Freizeitkapitäne en masse ins Röhrchen blasen lässt. «Dafür hätten wir gar keine Kapazität», sagt Mediensprecherin Anja Schudel. «Für uns ist allgemein die Sicherheit auf dem Rhein ein grosses Thema», sagt sie. «Alkohol ist nur ein Teil davon. Wichtig ist zum Beispiel auch, dass die Ausrüstung komplett ist. Und wir überprüfen, ob die Bootsführer die entsprechenden Ausweise vorweisen können.» In den letzten zwei Jahren habe es keine einzige Verzeigung wegen zu viel Alkohols gegeben. Dies heisst aber nicht, dass es einen Freipass für Blaufahrten auf dem Rhein gibt: Wenn einer bei einer Kontrolle oder gar einem Unfall eine Fahne hat, dann wird gemessen. Offen bleibt an dieser Stelle, was die Konsequenzen für betrunkene Bootsführer sind: Wie hoch die Strafe ist und ob eine Bootsfahrt mit zu viel Alkohol dazu führen kann, dass einem der Führerschein für die Strasse entzogen wird. Die Staatsanwaltschaft Schaffhausen konnte wegen Überlastung zu diesen Fragen keine Stellung nehmen.

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10. Juni 2013 | Über 1000 Leute haben die Brauerei Falken besucht

Schaffhauser Nachrichten
Von Zeno Geisseler

Bei schönstem Wetter hat die Schaffhauser Brauerei Falken am Samstag zum Tag der offenen Tür eingeladen. Etwas über 1000 Personen nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Traditionsbetriebs zu blicken. «Das sind zwar nicht ganz so viele gewesen, wie wir erwartet hatten», sagte Hans-Peter Schneider, Leiter Marketing & Verkauf, «dafür waren die, die gekommen waren, hell begeistert und stellten viele Fragen.»
Im Mittelpunkt des Anlasses stand das neue Dosenkompetenzzentrum, welches Ende November 2012 eröffnet worden war und als modernste Dosenabfüllanlage Europas gilt. 15 000 Dosen können pro Stunde auf der Anlage abgefüllt werden – neben Falken nutzen auch andere unabhängige Schweizer Brauereien die Anlage. Auf einem Rundgang konnten die Besucher hautnah erleben, wie das Bier in die Dosen kommt. Auch andere Teile der Brauerei standen den Besuchern offen, so das Sudhaus, das kleine, aber feine betriebseigene Museum und das Lager. Am Schluss des Rundgangs wartete eine gemütliche Festbeiz mit Livemusik. Für jede Besucherin und jeden Besucher gab es eine Wurst und ein Getränk auf Kosten des Hauses.

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7. Juni 2013 | Kreuzfahrt und Schiffsuntergang

Schaffhauser Nachrichten
von Anne Gross

Mallorca, Madagaskar und China waren die drei Stationen, an denen das Kreuzfahrtschiff «Costa Kantia» diese Woche haltmachte. Von Montag bis Mittwoch wurde je ein anderes Land bereist. Passend zu den verschiedenen Destinationen wurde das Schulhaus dekoriert und das Essen in der Mensa dem jeweiligen Land angepasst.
Der eigentliche Höhepunkt der Woche fand aber gestern Vormittag statt, am letzten offiziellen Schultag der Maturandinnen und Maturanden vor den Prüfungen: der Maturstreich. Der letzte Tag auf der «Costa Kantia» wurde mit einem Galaanlass gefeiert. Dabei mussten sich auch die jüngeren Schüler beweisen. Ob bei einem Rettungsrennen rund um die Turnhalle oder beim Inszenieren einer einfallsreichen Bildergeschichte, die Zweit- und Drittklässler gaben sich grosse Mühe. Erstklässler wurden dieses Jahr geschont und konnten sich entspannt zurücklehnen. Wie jedes Jahr wurden auch gestern wieder besonders auffällige Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Kategorien nominiert. Das goldene Paar, der goldene Hipster, die goldenen Barbie und Ken und der goldene «wanna-be» wurden durch lautstarken Applaus von den anwesenden Schülern aus den Nominierten erkoren. Hinter dem Spass und der grossen Show steckt jedoch eine Menge Arbeit. Ein zehnköpfiges Organisationskomitee plante die letzte Schulwoche schon Monate im Voraus. Der Maturand Jann Schwaniger bereut die investierte Zeit aber auf keinen Fall: «Klar, wir standen diese Woche jeden Morgen schon um halb sieben in der Schule und mussten noch vieles vorbereiten», sagt er. «Aber der Aufwand hat sich definitiv gelohnt, auch wenn dabei das Lernen für die Prüfungen diese Woche etwas zu kurz kam», so der Maturand. Auch Rektor Urs Saxer ist sehr zufrieden mit dem diesjährigen Maturstreich: «Ich appelliere immer an die Abschlussklassen, dass die letzte Schulwoche auch ein wenig Tiefgang haben soll», so Saxer. «Diese Jahr bin ich von der Idee und der Umsetzung des Themas begeistert», sagt er. Mit dem abschliessenden Untergang der «Costa Kantia» war der ganze Streich dann aber auch schon wieder vorbei, und die Maturanden gingen nach Hause, um sich vor den heute beginnenden Prüfungen noch zu erholen.



In der Munotturnhalle versammelten sich Schüler und Lehrer zahlreich, um den letzten Schultag der Maturanden mitzuerleben. Bild Selwyn Hoffmann



Schnelle Rettungsaktion: Die Drittklässler gaben beim Wettrennen in der Munothalle alles. Bild Selwyn Hoffmann



Einfallsreiche Verkleidungen: Demian Schlatter als Matrose und Sibylle Müller als Putzfrau auf der «Costa Kantia». Bild Anne Gross

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1. Juni 2013 | «Alle haben eine Goldmedaille verdient»

Schaffhauser Nachrichten
von Anne Gross

«Sie haben es in die Champions League geschafft», lobte Erziehungsdirektor Christian Amsler die 21 Maturandinnen und Maturanden, deren Arbeiten dieses Jahr der Jury zur Prämierung vorgeschlagen wurden.
Für Amsler war klar: «Sie haben alle eine Goldmedaille verdient.» Acht Maturaarbeiten wurden prämiert und mit jeweils 500 Franken Preisgeld belohnt (siehe unten). Gespendet wurden die Preise von der Buchhandlung Fass, hofer.kick Architekten, von der Naturforschenden Gesellschaft, vom Historischen Verein und von den Schaffhauser Platzbanken. Etwa 120 Personen, unter denen vor allem die stolzen Eltern und die nicht minder stolzen betreuenden Lehrpersonen waren, kamen am Donnerstagabend in die Kantonsschule Schaffhausen, um der Verleihung beizuwohnen.
Die Maturaarbeit sei für jeden Maturanden eine arbeitsintensive Zeit, in der man so manches Jammer- und Motivationstal überwinden müsse, um ans Ziel zu kommen, sagte Amsler weiter.

**Der Spitzenreiter Geschichte**
Dieses Jahr wurden 130 Arbeiten eingereicht und bewertet. Auch die 21 Arbeiten, die zur Prämierung vorgeschlagen, waren schon im Voraus von den betreuenden Lehrpersonen beurteilt und mit Bestnoten ausgezeichnet worden. Seit letztem Jahr zählt diese Note auch als vollwertige Note im Maturazeugnis.
Wie schon in den Jahren zuvor wurden die meisten Arbeiten im Fach Geschichte eingereicht. Aber es gäbe dieses Jahr einen neuen, erfreulichen zweiten Platz, sagte der Prorektor Thomas Stamm: die Fremdsprachen.

**Die nominierten und die prämierten Maturaarbeiten**

Fachbereich Sprachen
Tobias Urech: Altsprachlicher Unterricht in der Literatur *
Lukas Pfeiffer: The Norman Influence on the English Vocabulary *
Ursina Storrer: Sesselrücken. Eine Erzählung
Katja Meier: Emilie. Eine Erzählung

Fachbereich Geistes- und Sozialwissenschaften
Julia Müller: Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika. Ein Vorbild für die Vergangenheitsbewältigung nach Konflikten in anderen Ländern?
Johannes Stamm: Flüchtlinge an der Schaffhauser Grenze zur Zeit des 3. Reiches
Jann Schwaninger: Wen wir wählen. Eine Annäherung an die Schaffhauser Politikerinnen und Politiker
Lukas Hächler: Der englische Langbogen. Einsatz des Lang- bogens während des Hundertjährigen Krieges
Lea Germann: Das Leben von Hans Jakob Fehr. Das unkonventionelle Leben eines Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert, der auch fern der Heimat seine Spuren hinterliess *
Lukas Schwendener: Jugend und soziale Netzwerke
Melania Klaiber: David gegen Goliath. Mögliche Lehren für die Schweiz aus dem Konflikt um die nachrichtenlosen Konten Ende der Neunzigerjahre mit den USA *
Stephanie Wichmann: Die Nachfrage nach Kindertagesstätten in Schaffhausen

Fachbereich Naturwissenschaften und Mathematik
Lisa Krattiger: Leben mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit
Julia Zechner: Katarakt durch veränderte Gene? Untersuchungen von kataraktauslösenden Mutationen auf dem Gen SLC16A12
Dominique Vogt: Giftpflanzen im heimischen Garten. Wie gross ist der Wissensstand der Bevölkerung und welche Gefahr geht von ihnen aus? *
Fabian Fischer: Die Entwicklung eines Android-Apps für die Kantonsschule Schaffhausen. Persönlicher Stundenplan mit Fach, Zeit, Raum, Lehrkraft und Notizfunktion
Denis Pfeifer: Lautsprecher – Lautsprecherbau, Frequenzweiche, Stehende Wellen
Matthias Stähle: Der Apfel in der Zeit. Die Reife als Extremalproblem *

Fachbereich Kunst und Sport Xenia Ritzmann: Faszination Theatersport
Nina Haug: Klangfarben des Klaviers. Verschiedene Anschlagarten und ihr Einfluss auf die Klangfarben *
Vera Bühl: Amygdala. Darstellung von Emotionen im Film *

(* Prämierte Arbeiten)

**Nina Haug** beschäftigte sich mit einem musikalischen Thema, das aber einen hoch physikalischen Hintergrund hat: In ihrer Arbeit «Klangfarben des Klaviers» untersuchte sie die verschiedenen Anschlagarten und deren Einfluss auf die Klangfarbe des Klaviers. Die Arbeit schrieb sie im Fach Physik und wurde von der Jury in der Kategorie Kunst ausgezeichnet.

**Lea Germann** rekonstruierte anhand von Briefen und Urkunden das unkonventionelle Leben eines Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert. Dank eines umfangreichen Familienarchivs und den Erzählungen ihres Grossvaters gelang es ihr, aus den alten Schriften das Leben ihres Vorfahren Hans Jakob Fehr nachzuvollziehen und darzustellen.

**Lukas Pfeiffer** schrieb seine Maturaarbeit in englischer Sprache. «The Norman Influence on the English Vocabulary» ist eine Arbeit über die französische Sprache, die in der Vergangenheit und bis heute einen grossen Einfluss auf das englische Vokabular hatte. Dies untersuchte Pfeiffer an drei verschiedenen Wortfeldern.

**Matthias Stähle** isst gerne Äpfel. Deshalb untersuchte er im Rahmen seiner Maturaarbeit den idealen Reifeprozess verschiedener Äpfel. Anhand einer Formel, die er selbst austüftelte, fand er die ideale Ernte- und Esszeit verschiedener Apfelsorten heraus. Dank Stähles Arbeit «Der Apfel in der Zeit», weiss man nun, wann welche Äpfel essreif sind.

**Tobias Urech** befasste sich mit der Darstellung des altsprachlichen Unterrichts in der Literatur. Er untersuchte die Werke grosser Schriftsteller, wie zum Beispiel diejenigen von Thomas Mann. Dabei kam der altsprachliche Unterricht, den die grossen Literaten und Mächtigen genossen, mal besser und mal schlechter weg.

**Vera Bühl** drehte den Film «Amygdala». Darin setzte sie sich, wie auch schon berühmte Filmemacher wie Alfred Hitchcock, mit der Darstellung von Emotionen im Film auseinander. Einerseits versuchte sie, die Angst filmisch darzustellen, und anderseits sollte die Angst auch beim Zuschauer geweckt werden.

**Melania Klaiber** «David und Goliath» ist der Titel von Klaibers Arbeit. Sie untersuchte darin die möglichen Lehren für die Schweiz aus dem Konflikt mit der USA um die nachrichtenlosen Konten Ende der Neunzigerjahre. Dabei sprach sie mit verschiedenen Professoren, mit einem Bankvertreter der CS und einem Anwalt, der bei den Konflikten beteiligt war.

**Dominique Vogts** Thema heisst «Giftpflanzen im heimischen Garten – Wie gross ist der Wissensstand der Bevölkerung und welche Gefahr geht von ihnen aus?». Dabei untersuchte sie unter anderem auch, wie gut die Gärtnereien ihre Kunde über die Gefahren der verschiedenen Pflanzen informieren.

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13. Mai 2013 | Ein märchenhafter Abschlussball

Schaffhauser Nachrichten
Anne Gross

Dieses Jahr war alles ein bisschen anders. Denn zum ersten Mal feierten die Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen ihren Abschlussball nicht wie in den vergangenen Jahren im Park Casino Schaffhausen, sondern im alten, ehrwürdigen Schloss Laufen über dem tosenden Rheinfall.
Gegen sechs Uhr abends trafen die ersten Paare ein, schritten über den roten Teppich, vorbei an der Eingangskontrolle hinein in den Festsaal des Schlosses, der in einem festlichen Purpur leuchtete. Der Maturball ist für die meisten Abschlussklässler ein wichtiger Anlass in ihrem letzten Schuljahr. Ob die Wahl des Kleides oder des Anzuges, die passende Frisur und vor allem die richtige Begleitung, alles muss an diesem Abend stimmen und, wie das diesjährige Motto «Fairytale» versprach, märchenhaft sein.
Ob gelb, rot, blau, lang oder kurz, die Maturandinnen überraschten mit einer Vielfalt an Kleidern. Auch die Herren des Abends konnten sich in ihren eleganten Anzügen sehen lassen. Nach dem Apéro stand ein grosses Buffet bereit. Neben Salat wurden drei verschiedene Hauptgänge und ein vielfältiges Dessertbuffet serviert.
Nach dem Essen wurde die Musik lauter, die Gespräche wurden weniger, und die Tanzbegeisterten unter den Maturandinnen und Maturanden zog es auf die Tanzfläche. Denn einige von ihnen hatten zuvor wochenlang einen Tanzkurs besucht, um zu Foxtrott und Cha-Cha-Cha das Tanzbein schwingen zu können. Auch die anwesenden Lehrer liessen es sich nicht nehmen und tanzten ausgelassen. Gegen vier Uhr früh verliessen auch die letzten Gäste das märchenhafte Schloss und zogen weiter in die Stadt oder, müde vom gelungenen Abend, nach Hause ins Bett, denn schon bald stehen die grossen Prüfungen an.

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30. April 2013 | Kantonsschüler zu Gast bei der Zeitung

Schaffhauser Nachrichten
von Anne Gross

Keine lautstarken Diskussionen, wie man es von den täglichen Redaktionssitzungen des Teams der «Schaffhauser Nachrichten» gewohnt ist, sind beim Betreten des Schulungsraumes an der Vordergasse zu hören. Eher ein zurückhaltendes Flüstern, das von leisem Tastaturschreiben sogar noch übertönt wird.
Die acht Kantischüler halten sich noch etwas zurück. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Projektwoche der Kantonsschule Schaffhausen sind sie diese Woche bei den SN und schnuppern in den Journalistenarbeitsalltag hinein. Untätig bleiben sie dabei nicht. In einer Beilage der SN werden Ende Woche ihre Artikel zum Thema «Generation iPhone» erscheinen.
Regine Frey, Deutschlehrerin an der Kantonsschule Schaffhausen, ist die Initiatorin des Projektes und schon zum fünften Mal mit ihren Schülern im Rahmen der Projektwoche in der Redaktion der «Schaffhauser Nachrichten». «Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass wir das Thema schon vorgegeben haben. Zuvor hatte ich die Themenwahl immer den Schülern überlassen, oder wir haben uns gemeinsam auf etwas geeinigt», sagt Frey. Die Deutschlehrer Anja Kükenbrink und Wolfgang Behschnitt unterstützen Frey dieses Jahr zum ersten Mal. «Ich war natürlich sofort begeistert von diesem Projekt», sagt Kükenbrink. «Das intensive Schaffen an Text und Sprache fasziniert mich von Berufs wegen sowieso, aber in diesem journalistischen Umfeld ist es natürlich doppelt spannend», sagt Behschnitt. Die drei Lehrer haben sich schon vor den Frühlingsferien mit den teilnehmenden Schülern und Sandro Stoll, dem stellvertretenden Chefredaktor der SN, getroffen und schon einiges vorbereitet. So hat das Interview mit dem Zürcher Hochschulprofessor für Angewandte Psychologie, Daniel Süss, schon stattgefunden.
Die Schülerin Christiane von Stegmann hat zum Projektthema «Generation iPhone» einen Selbstversuch durchgeführt: eine Woche ohne Facebook und ohne Smartphone. Für einige sicher eine unvorstellbare Vorstellung, nicht so für Christiane. «Als Herr Stoll diesen Vorschlag gebracht hat, dachte ich mir, das versuche ich mal», sagt von Stegmann. Eigentlich sei es gar nicht so schlimm gewesen, sagt die Schülerin. «Ich hatte plötzlich viel mehr Zeit für alles», sagt sie. Die Hausaufgaben seien ohne Handy auch schneller erledigt gewesen, erinnert sie sich.
Bei der ersten, fast eineinhalbstündigen Sitzung am Montagnachmittag blühten die Schüler im Gespräch mit Sandro Stoll richtiggehend auf.
Die verschiedenen Artikel wurden von den jeweiligen Gruppen vorgestellt, und der Profi machte Verbesserungsvorschläge gab und journalistische Tipps. Auch Stoll selbst konnte sich fast nicht mehr von den Schülern losreissen. «Das war jetzt wirklich sehr spannend für mich», bemerkt der gestandene Journalist.

**Ein vielfältiges Angebot**
Nicht zu vergessen sind die andern laufenden Projekte. Auch dieses Jahr wird den Schülern wieder eine Vielzahl von Projekten vorgeschlagen.
22 Projekte wurden von den Lehrern vorbereitet, 18 davon kamen zustande. Wer ein bisschen weiter wegwollte als «nur» bis in die SN­Redaktion, hatte die Möglichkeit dazu. Ob eine Reise nach Barcelona im Rahmen des Schwerpunktfaches Spanisch oder in London der englischen Literatur auf der Spur sein, Rom entdecken oder im Oberengadin die Natur erforschen, das alles ist möglich. Aber auch die Projekte in Schaffhausen waren begehrt.
Die Technikwoche, die schon zum fünften Mal stattfindet, wird von Prorektor Georg Keller angeboten. «Eines der Highlights dieser Woche ist sicher der Besuch bei dem Grosskonzern Bosch, wo die Schüler praktische Eindrücke sammeln können, die sie dann in den Workshops anwenden müssen», sagt Keller.

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19. April 2013 | Wegen 2 Schülern 200 000 Franken gespart

Schaffhauser Nachrichten, Region
von Bodo Lamparsky

Der Einbruch von 25 Prozent in nur zwei Jahren bei den Anmeldungen hatte es vermuten lassen: Auch die Zahl der definitiv in die Probezeit der Maturitätsschule aufgenommenen Schüler hat stark abgenommen – gegenüber 2011 um 22,6 Prozent. Zugleich liegt die Erfolgsquote der Gymi-Anwärter mit 43 Prozent dieses Jahr eher am unteren Rand der üblichen Bandbreite. «Das zeigt, dass die Aufnahmeprüfungen trotz tieferen Anmeldezahlen nicht etwa leichter waren, sondern dass wir das bisherige Anspruchsniveau behalten haben», sagt Kanti-Rektor Urs Saxer. Die gymnasiale Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen wird damit bei unterdurchschnittlich tiefen 16,2 Prozent verharren (Schweiz: 20 Prozent). Mit 19 Prozent weist Schaffhausen hingegen die landesweit höchste Berufsmaturitätsquote auf.
Insgesamt haben 137 Jugendliche den Sprung ans Gymnasium geschafft, 40 weniger als noch vor zwei Jahren. Das füllt je zwei Klassen der musisch-neusprachlichen Ausrichtung (Typus M), der naturwissenschaftlich-mathematischen Ausrichtung (Typus N) und der sprachlich-altsprachlichen Ausrichtung (Typus S), total also sechs Klassen, eine weniger als bisher.

**Die Mädchen sind schuld**
Verantwortlich dafür sind die Mädchen. Der von ihnen klar favorisierte Typus M ist mit einem Minus von über 25 Prozent am stärksten von den rückläufigen Zahlen betroffen. Hier werden nun eine 27er- und eine 26er-Klasse gebildet. Bei nur zwei Schülern mehr hätte es weiterhin für eine dritte Klasse gereicht: Im Kanton Schaffhausen wird ab einem Schülerbestand von 28 eine zusätzliche Klasse gebildet. «Eine Klasse weniger heisst 200 000 Franken Lehrerlöhne weniger», sagt Urs Saxer. 36 bis 38 Wochenlektionen fallen nun weg. Betroffen davon sind die Lehrbeauftragten. Über alle Fachschaften hinweg müssen sie ihre Pensen reduzieren. Aber selbst wenn man jetzt eine Klasse mehr gebildet hätte: Bei derart knappen Verhältnissen wären drei Klassen auf das zweite Schuljahr hin sowieso auf zwei zusammengelegt worden, da 10 bis 20 Prozent der Erstklässler die Probezeit erfahrungsgemäss nicht bestehen. Die abnehmenden Schülerzahlen haben Urs Saxer zunächst zwar «schon beunruhigt». Richtig Sorgen macht er sich aber noch nicht – obwohl die Kurve doch klar nach unten zeigt und sich die wirklich geburtenschwachen Jahrgänge erst in drei Jahren bemerkbar machen werden.

**Latein bleibt gefragt**
Neben dem Typus M hat auch der mathematisch-naturwissenschaftliche Lehrgang im Zwei-Jahres-Vergleich einen Aderlass hinnehmen müssen. Der Mädchenschwund fällt hier besonders krass aus. Zuletzt konnte sich der überwiegend von den Burschen gewählte Typus N aber einigermassen halten, was den Kanti-Rektor freut: Schliesslich werde diese Fachrichtung in Schaffhausen «speziell gefördert». Im letzten Jahr sogar wieder leicht hinzugewonnen hat das sprachlich-altsprachliche Ausbildungsprofil mit Latein als Grundlagenfach. Auch dieser Zuwachs geht allein auf das Konto der Jungs. Das Latein verdankt seine vergleichsweise starke Stellung der Vorbildung an der Sekundarschule: Wer in den Typus S eintreten will, muss es dort als Freifach belegt haben. Ausserdem ist es dann Bestandteil der Aufnahmeprüfung. Mit der Wahl von Latein an der Maturitätsschule lässt sich das «Kleine Latinum» vermeiden – ein häufig unterschätzter Kurs, den etwa die Uni Zürich während der ersten zwei Studiensemester anbietet. Ein Abschluss in Latein ist in Zürich nach wie vor Voraussetzung für die Zulassung zu einer Vielzahl von Studienrichtungen wie etwa Germanistik, Sprachen, Geschichte oder Philosophie. Ausser den drei gymnasialen Lehrgängen kann an der Kanti Schaffhausen auch eine Fachmittelschule besucht werden, die den Zugang zu den Fachhochschulen ermöglicht. Hier halten sich die Schülerzahlen über die Jahre hinweg sehr konstant. Zulieferer der Kanti sind 25 Sekundarschulen, nämlich 19 aus dem Kanton Schaffhausen, 3 (Feuerthalen, Uhwiesen und Marthalen) aus dem Kanton Zürich, 1 (Diessenhofen) aus dem Kanton Thurgau sowie das Lernstudio Winterthur und die Rudolf-Steiner-Schule. Aus Deutschland ist dieses Jahr kein Schüler dabei. Ein Graben zwischen Stadt und Land lässt sich bei der Herkunft der Schüler kaum nachweisen.


**Schulabgänger**

*Der Amtsleiter rätselt über die Zahlren der Kanti*

Auf gut 18 Prozent hat eine Prognose des Bundes den Rückgang der Schulabgänger im Kanton Schaffhausen für die zehn Jahre zwischen 2010 und 2020 veranschlagt. Das ist weit entfernt vom Einbruch der Anmeldungen wie auch der definitiven Übertritte ans Gymnasium von 20 bis 25 Prozent in den zwei Jahren seit 2011. Rolf Dietrich, Abteilungsleiter im kantonalen Berufsbildungsamt, hatte sich daher schon bei der Bekanntgabe der Gymi-Anmeldungen über die stark rückläufigen Zahlen der Kantonsschule gewundert. Denn in der Berufsbildung sehe das Bild nicht so aus: Die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge folge jeweils der Zahl der Schulabgänger nach der 9. Klasse und schwanke niemals in diesem Ausmass. «Wir haben nirgends eine vergleichbare Entwicklung», sagt Rolf Dietrich – auch wenn sich manche Betriebe beklagten, dass es schwieriger geworden sei, anspruchsvolle Lehrstellen zu besetzen. Er kann sich den Rückgang an der Kantonsschule nicht erklären. Allein der Hinweis auf die geburtenschwachen Jahrgänge gebe keine ausreichende Begründung dafür her. (la)



Seit 2011 nimmt die Zahl der Eintritte in die Kantonsschule Schaffhausen ab. (Grün: musisch-neusprachliches Profil. Rot: mathematisch-naturwissenschaftliches Profil. Blau: sprachlich-altsprachliches Profil. Gelb: Fachmittelschule.)
Grafik PD

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27. März 2013 | 7 Rundgänge durch die Geschichte

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Das Haus an der Frauengasse 9 in der Schaffhauser Altstadt unterscheidet sich nicht gross von den anderen Häusern in dieser Gasse. Nichts, ausser dem Namen der Gasse, deutet darauf hin, dass sich dort im 15. und im 16. Jahrhundert das städtische Bordell befand. Besitzerin des Freudenhauses war die Stadt Schaffhausen, die es jeweils an einen Frauenwirt oder eine Frauenwirtin verpachtete. 1452 war die Frauenwirtin eine gewisse Els von Mellingen, die der Stadt jährlich eine Pacht von 24 Pfund bezahlte. 1480 wurde für den Frauenwirt eine besondere Ordnung erlassen, die vor allem dem Schutz der Prostituierten diente. So musste er ihnen Essen, bestehend aus Suppe, Fleisch und Gemüse, zu einem festgelegten Preis abgeben, den Wein musste er den Frauen und ihren Freiern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen. Besonders eifrige Bordellgänger waren Priester und Mönche, was lange Zeit geduldet wurde. Erst im 16. Jahrhundert, mit der Reformation, erhielt der Weibel der Stadt den Auftrag, geistlichen Bordellbesuchern, wenn er sie erwischte, die Kleider zu konfiszieren.

**Lücke schliessen**
Diese und ähnliche erstaunliche Fakten, die auch den meisten Einheimischen unbekannt sein dürften, finden sich im Führer «Historische Stadtrundgänge Schaffhausen», den der Historische Verein des Kantons Schaffhausen soeben veröffentlicht hat. Auf 124 Seiten werden Stadtrundgänge zu 7 verschiedenen Themenbereichen angeboten (siehe auch Kasten auf dieser Seite). Auf einem Stadtplan sind die diversen Stationen der Rundgänge verzeichnet, die mit zahlreichen Fotografien illustriert sind. Als Einstieg dient eine kurze Geschichte der Stadt Schaffhausen. «Mit diesem Führer möchte der Historische Verein eine Lücke schliessen und einen Beitrag zum Stadtmarketing leisten», erklärte Britta Leise, Präsidentin des Historischen Vereins, gestern bei der Präsentation des Führers im Haus der Wirtschaft in Schaffhausen. Der Führer dient auch als Band 86 der «Schaffhauser Beiträge zur Geschichte», die vom Historischen Verein jährlich publiziert werden.
Dank Sponsoren konnte auch eine englische Version des Führers («Schaffhausen Seven Walks Through History») produziert werden. Diese wird im Sommer an einer speziellen Veranstaltung für Englischsprachige, sogenannte Expats, die in und um Schaffhausen arbeiten, vorgestellt werden. Beide Versionen sind für jeweils 9.90 Fr. im Buchhandel sowie bei Schaffhauserland Tourismus erhältlich. Übrigens: Am Haus Frauengasse 9 kommt man beim Rundgang «Henker, Hexen, Huren» vorbei.

**Historischer Stadtführer**
Die 7 Rundgänge
Seelenheil und Gottesfurcht *Kurt Bänteli*
Wasserkraft und Pioniergeist *Hans Ulrich Wipf*
Henker, Hexen, Huren *Britta Leise*
Macht und Politik, Erker und Fassaden *Roland E. Hofer*
Salz, Wein und Getreide *Markus Furrer*
Die wehrhafte Stadt *Peter Scheck*
Ohne Wasser kein Leben *Maya Orbann*



Die Autorinnen und Autoren der «Historischen Stadtrundgänge Schaffhausen»: Kurt Bänteli, Hans Ulrich Wipf, Markus Furrer,
Peter Scheck, Roland E. Hofer, Britta Leise und Maya Orbann (von links).
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

26. März 2013 | Hier braucht es viele fleissige Hände

Schaffhauser Nachrichten
Margrith Pfister-Kübler

Mammern «Dies ist eine Arbeit, für die man viele Hände braucht», sagt Revierförster Meinrad Hugentobler und zeigt in die Steilhänge hinein, wo die Mitglieder des Lions Clubs Insel Werd und deren Familienangehörige sich behände bewegen. Sie hacken Stauden um, holzen ab, damit das Wurzelwerk kräftiger wird und so der Hang durch die vermehrte Wurzelbildung gesichert wird. Revierförster Hugentobler kommt mit der Motorsäge zu Hilfe, wo nötig, und sorgt für den sachgerechten Ablauf. Die Clubmitglieder ziehen das Geäst den Hang hinunter, säubern so, dass Licht und Wärme wieder auf den Boden kommen. «Das ist an diesem Burghügel besonders wichtig. Es ist ein Trockenstandort, wo wärmeliebende Pflanzen und Reptilien leben, die besondere Aufmerksamkeit fordern», betont der Revierförster und lenkt den Blick auf mächtige Eichen. «Auch diese Eichen kommen wieder besser zur Geltung, und die Ruine Neuburg ist jetzt gut zu sehen, wenn all das Gesträuch rundherum weg ist.» Das Abholzen stärke die Wurzeln und sei ein gutes System gegen Erosion, ergänzt Hugentobler.

**Auch die Chefärztin holzt mit**
Die Arbeit in den steilen Hängen macht allen sichtlich Spass. Hugentobler beurteilt das praktische Können der Lions-Club-Werd-Leute als einzigartig, im Handumdrehen entholzen sie im mehrstündigen Einsatz die steilen Hänge. Hansjörg Brem, Chef Amt für Archäologie Thurgau: «Wir vom Kanton und die Gemeinde Mammern sind zuständig für die Erhaltung der Burg und den Burghügel. Nicht Bargeld ist das Problem, sondern helfende Hände zu finden, die anpacken können.» Selbst Chefärztin Annemarie Fleisch Marx von der Klinik Schloss Mammern und ihr Mann Architekt Achim Marx holzen, als sei dies ihr Job. Alle Beteiligten erweisen sich als universell einsetzbar. Zur Belohnung für den ehrenamtlichen Einsatz gibt es Würste vom Lagerfeuer und Tranksame für alle Aktiven.



Grosser Arbeitseinsatz zur Hangsicherung: Mitglieder des Lions Clubs Insel Werd im steil abfallenden Gelände unterhalb der Ruine Neuburg.
Bild Margrith Pfister-Kübler

#Allgemeines

21. März 2013 | Die Suche nach der richtigen Quote

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

Die Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen beträgt, schaut man nur die Kantonsschule an, 16,2 Prozent. Das liegt unter dem schweizerischen Durchschnitt der gymnasialen Maturitätsquote von 20 Prozent. Heisst das, dass die Schaffhauser Jugendlichen dümmer sind als ihre Altersgenossen in der übrigen Schweiz? Oder ist der Zugang zur Kantonsschule schwieriger als in anderen Kantonen? Was braucht es, damit diese Quote steigt? Soll sie überhaupt steigen? Mit diesen und weiteren Fragen befasste sich Stefan Wolter in seinem Referat «Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?», das er am Dienstagabend in der Kantonsschule auf Einladung des Kantivereins hielt. Wolter ist Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung und damit oberster Schweizer Bildungsforscher, zudem aber auch noch Professor am Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern sowie Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie, ebenfalls an der Universität Bern.

**Der kulturelle «Röstigraben»**
Gleich zu Beginn machte Wolter klar, dass er die im Referatstitel gestellte Frage nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten könne. Warum das so ist, führte er im Folgenden aus. Er präsentierte die Resultate verschiedener Forschungen und Umfragen zum Thema Maturitätsquote. So zeigte sich etwa, dass sich diese in der Schweiz in den letzten Jahren verdoppelt hat, nicht zuletzt darum, weil die Mädchen aufgeholt haben. Das Verhältnis unter den Kantonen hingegen blieb gleich: Die mit den hohen Quoten haben diese weiterhin, die mit den niedrigen auch. Was sind die Gründe für die Unterschiede, warum kommt Genf auf 30 und Schaffhausen nur auf 16,2 Prozent? «Hier wirken die Kultur- und Sprachunterschiede als zentrifugale Kräfte, wir haben einen ‹Röstigraben›», meinte Wolter. Für Kantone mit hoher Maturitätsquote, vor allem auch für den Kanton Genf, schälte Wolter unter anderem diese Merkmale heraus: Es besuchen mehr Jugendliche das Gymnasium, die von der Leistung her nicht dorthin gehören; da es keine Aufnahmeprüfung gibt (ihre Abschaffung wird im Kanton Zürich aktuell rege diskutiert), können sozioökonomische Faktoren eine wichtigere Rolle bei der Aufnahme ins Gymnasium spielen (mit anderen Worten: Kinder reicher Eltern haben, unbesehen von ihren Leistungen, bessere Chancen, ins Gymnasium zu kommen); in Genf schliessen über 50 Prozent, die das Gymnasium beginnen, dieses nicht ab; in der Westschweiz sind die Maturanden ein bis zwei Jahre älter als in der Deutschschweiz. Wolter präsentierte weitere interessante Vergleiche und Zahlen, auch mit anderen Ländern, zum Verhältnis Maturanden-Akademiker sowie Gymnasium–Berufsbildung. Und wie beantwortete er die Frage, die am Anfang seines Referats stand? «Es gibt nicht nur eine richtige Quote», meinte er. Die Bildungspolitik müsse sich aber zwei Fragen stellen. Erstens: Will man eine Schrotflintenpolitik wie in Genf mit seiner hohen Quote, aber einer geringeren Treffsicherheit, oder die Hochpräzisionsgewehrpolitik wie in Schaffhausen, mit einer niedrigeren Quote, aber höherer Treffsicherheit? Zweitens: Was geschieht mit dem Hochschulsystem mit seinem freien Zugang und niedrigen Studiengebühren, wenn alle Kantone ihre Maturitätsquote erhöhen wollen? «Gewisse Kantone missbrauchen das System, indem sie zu viele Maturanden produzieren und so das bisherige Hochschulsystem gefährden», erklärte Wolter. Seinem differenzierten Referat folgte eine angeregte Diskussion, die bei einem Apéro ihre Fortsetzung fand.

#Allgemeines

19. März 2013 | Die Kanti muss mit rückläufigen Schülerzahlen rechnen

Schaffhauser Nachrichten
Bodo Lamparsky

Alles spricht vom Run aufs Gymnasium. Doch im Kanton Schaffhausen melden sich immer weniger 15-Jährige dafür an. Wollten 2011 noch 303 Jugendliche an die Kantonsschule, sind es dieses Jahr nur noch 229 (SN vom Samstag). Ist die Matur also gar nicht mehr so gefragt? Kanti-Rektor Urs Saxer verneint. «Es geht nach wie vor der leistungsstärkste Drittel der Sekundarschüler an die Gymi-Aufnahmeprüfung.» Den Rückgang der Zahlen führt er auf die demografische Entwicklung zurück. Im Klartext: 2013 gibt es einfach weniger 15-Jährige als früher.
Bilden die Anmeldungen fürs Gymi effektiv die Schaffhauser Altersstruktur ab, muss sich die Kantonsschule auf eine längere Durststrecke einstellen: Nochmals richtig eingebrochen sind die Geburtenzahlen im Kanton mit dem Jahrgang 2001 – um sich danach nur ganz langsam zu erholen. Der Schülerschwund werde sich «sicher verschärfen», sagt denn auch Erziehungsdirektor Christian Amsler (FDP). Erst in den jetzigen Kindergärten ziehe der Bestand wieder an. Von einem «massiven Rückgang» sei auch die Berufsbildung betroffen. Lehrstellen blieben erstmals unbesetzt. Amsler: «Das macht vor allem dem Handwerk Sorgen.»

**Lehrbeauftragte als Puffer**
Für Kanti-Rektor Urs Saxer präsentiert sich die Lage gleichwohl «noch nicht dramatisch». Von vier Jahrgängen werde jetzt einer ersetzt. Und dieser zähle voraussichtlich ein Viertel weniger Schüler. Unter dem Strich verliere die Schule somit höchstens einen Sechzehntel ihres Bestands. Und bleibt es in der Maturitätsschule bei sieben – mutmasslich etwas kleineren – Einstiegsklassen, ändert sich für die Beschäftigung des Lehrkörpers gar nichts.
Sollte jedoch eine Klasse gestrichen werden, würden das die Lehrbeauftragten zu spüren bekommen: Jeweils nur befristet angestellt, müssten sie «die Pufferfunktion übernehmen», wie Urs Saxer sagt. Es wären dann 36 Wochenlektionen weniger zu verteilen. Folglich würden die Pensen sinken, wobei 24 Wochenlektionen einer 100-Prozent-Anstellung entsprechen. Probleme bei der Rekrutierung von Lehrkräften erwartet der Kanti-Rektor deshalb aber nicht. Schwierig zu finden seien heute einzig Physik- und Mathematiklehrer. An ihnen herrsche landesweit ein Mangel.
Die rückläufigen Schülerzahlen einfach durch eine höhere Erfolgsquote an den Prüfungen auszugleichen, scheint an der Kantonsschule kein Thema zu sein. Obwohl die Lehrkräfte dies über Prüfungsstoff und Notenschlüssel theoretisch in der Hand hätten. Zwischen 40 und 60 Prozent der Angemeldeten bestehen in Schaffhausen jeweils die Aufnahmeprüfung. Und eine Anweisung der Politik, die – eher tiefe – Maturitätsquote von 16,2 Prozent zu erhöhen, habe er keine, sagt Urs Saxer. Auch wenn Erziehungsdirektor Christian Amsler die Quote persönlich gerne «etwas höher» sähe.

#Allgemeines

19. März 2013 | Der Klimawandel bringt neue Rebsorten

Schaffhauser Nachrichten
Anne Gross

*Abschlussarbeiten 2013 – Teil III:*
**Victoria Graf untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Schaffhauser Rebberge**

Für einen Laien mag der Titel «Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Rebbau im Kanton Schaffhausen» der Maturarbeit der 19-jährigen Maturandin Victoria Graf befremdend tönen. Was hat denn der Klimawandel mit dem Anbau von Reben zu tun? Sehr viel, sagt Graf. Es gebe sowohl positive wie auch negative Folgen für den Rebbau in der Region. Zum einen habe das wärmere Klima der letzten Jahre Einfluss auf die Auswahl der Rebsorten. Die Rebbauern sagen, dass sie durch die Klimaerwärmung immer mediterranere Sorten pflanzen könnten und die Auswahl generell vielseitiger geworden sei. Zum anderen aber wirke sich die Klimaveränderung negativ auf den Gesundheitszustand der Reben aus. In den letzten zehn Jahren seien die Erkrankungen erheblich gestiegen. Ungeziefer, das aufgrund der wärmeren Bedingungen auch bei uns Lebensraum bekomme, mache sich in den Rebbergen breit. Auch die immer extremer werdenden Schwankungen des Wetters seien ein grosses Problem. Starke Niederschläge wie Hagel oder lange Trockenphasen hätten Einfluss auf das Gedeihen der Reben.
Doch wie kommt eine junge Frau, die selbst gar keinen Wein trinkt, auf dieses Thema? Der Vater der Maturandin ist Rebbauer in Stein am Rhein. Für Victoria, die im Betrieb ihres Vaters seit frühster Kindheit mithilft, war schon lange klar, dass sie sich im Rahmen ihrer Maturarbeit intensiv mit dem Rebbau im Kanton Schaffhausen beschäftigen möchte. Als im Geografieunterricht die Klimaerwärmung besprochen wurde, war Victoria «gefesselt» von diesem Thema: Sie wollte daher die Klimaerwärmung mit dem Rebbau in Verbindung bringen. Mithilfe eines Fragebogens, den sie an dreissig Rebbauern der Region verschickte, und mit drei Interviews trug Graf die wichtigsten Informationen zusammen. Das Ergebnis ihrer Überlegungen und Recherchen ist ein siebzig Seiten starkes Werk. Graf hofft, mit ihrer Arbeit der Problematik Klimawandel mit der Verbindung zum Rebbau wieder einen neuen Anstoss gegeben zu haben. Ein regionales Thema, wie der Rebbau gepaart mit der globalen Thematik Klimawandel , könnte für neuen Diskussionsstoff sorgen. Denn sobald die Menschen direkt von diesen Problemen, die der Klimawandel mit sich bringt, betroffen sind, beginnen sie darüber nachzudenken.

Alter 19 Wohnort Stein am Rhein Nach der Matur Militärdienst Titel der Maturarbeit Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Rebbau im Kanton Schaffhausen Fachbereich Geografie

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16. März 2013 | «Ich halte das für reine Polemik»

Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi

**Interview mit Urs Saxer, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, zur Maturitätsquote im Kanton Schaffhausen**

*Urs Saxer, die Wirtschaft auch im Kanton Schaffhausen beklagt einen Mangel an Fachkräften, an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Im Gegensatz dazu beginnen viele Jugendliche, die die Kantonsschule absolviert haben, ein Studium, das diesen Bedürfnissen der Wirtschaft nicht entgegenkommt. Läuft da etwas schief?*
Aus Sicht der Jugendlichen läuft es gar nicht so schief: Um die Jugendlichen wird heute vermehrt geworben; es findet ein Wettbewerb um die klugen Köpfe statt. Und da müssen sich alle Nachfrager vermehrt anstrengen.

*Warum ist das so?*
Das hat vor allem demografische Gründe. Schauen wir uns ein paar Zahlen an: 2009 hatten wir im Kanton Schaffhausen in der 2. Klasse von Sekundar- und Realschule 816 Jugendliche, 2013 sind es noch 692. Das ist ein Rückgang von gegen 20 Prozent, und diesen spüren alle grösseren Bildungsinstitutionen, in der Berufsbildung wie bei den allgemein bildenden Schulen.

*Wie macht er sich bei der Kantonsschule bemerkbar?*
Nehmen Sie die Anmeldungen für unsere Aufnahmeprüfung, die Anfang April stattfindet: Waren es 2011 noch 303 Jugendliche, die in die Kantonsschule wollten, sank diese Zahl 2012 auf 268, aktuell sind es 229. Um auf Ihre erste Frage zurückzukommen: Für die 15-Jährigen läuft es gut, denn sie werden umworben. Schief läuft es aber für die Unternehmen, weil sie teilweise Mühe haben, Lehrlinge zu finden, und für mich als Rektor der Kantonsschule, weil ich wegen sinkender Schülerzahlen weniger Lehrkräfte beschäftigen kann.

*Es gibt also weniger Maturanden und damit weniger Studierende. Wählen diese wenigstens Studienrichtungen, die von der Wirtschaft gefragt sind, oder gibt es zu viele, die nachher Mühe haben, eine Arbeitsstelle zu finden?*
Da muss man sich fragen: Welche Leute braucht die Gesellschaft? Braucht sie vor allem Ingenieure oder nicht auch kritische Geisteswissenschaftler? Im Übrigen halte ich das Gerede von der Akademikerarbeitslosigkeit für reine Polemik; die Jobaussichten sind gut. Es geht doch darum, was ein Jugendlicher will, was sein berufliches Ziel ist im Leben. Viele verzichten zum Beispiel für einen interessanten Job auf das grosse Geld. Jeder muss selber entscheiden, was ihn glücklich macht.

*Und welche Rolle spielt dabei die Kantonsschule?*
Bei der Ausbildung der Jugendlichen haben wir zwei Ziele: Wir wollen sie studierfähig machen und ihnen die vertiefte Gesellschaftsreife vermitteln.

*«Vertiefte Gesellschaftsreife»: Was heisst das genau?*
Wir wollen sie auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft vorbereiten. Wir vermitteln auch Inhalte, die nicht primär für ein Ingenieurstudium nötig sind, die aber dem Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft dienen.

*Und wie finden Sie heraus, ob Sie diese Ziele erreicht haben, und wie es bei Ihren ehemaligen Maturanden nach der Kantonsschule weitergegangen ist?*
Wir sind sehr daran interessiert, was unsere Schüler nach der Matura machen. Deshalb führen wir unter der Leitung von Professor Stefan Wolter eine wissenschaftliche Ehemaligenbefragung durch, die schon vor der Matura beginnt, ein Jahr nach der Matura wiederholt und bis sieben Jahre nach der Matura durchgeführt wird. Wir sind mit den Maturanden des Jahrgangs 2011 gestartet, und wir streben eine Rücklaufquote von 100 Prozent an. Uns interessieren auch diejenigen, die kein Studium begonnen haben; das sind immerhin zwischen 30 und 40 Prozent. Was machen die? In welchen Bereichen sind sie tätig? Sind sie mit ihrer Stellung in der Gesellschaft zufrieden?

*Ich komme auf die zwei Ziele zurück, die Sie für die Kantonsschule formuliert haben. Das ist gut und recht, aber die Wünsche der Wirtschaft können Sie ja auch nicht ignorieren.*
Uns ist nicht gleichgültig, was die Wirtschaft sagt, wenn sie mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler fordert. Darum haben wir diverse Massnahmen ergriffen. So haben wir den Laborunterricht ausgebaut, auch wenn dieser durch das Sparprogramm ESH3 teilweise wieder reduziert wurde. Wir haben zusammen mit dem Wibilea, dem Ausbildungszentrum für Berufe der Elektro- und Maschinenindustrie sowie des Formenbaus, eine Technikwoche sowie Automations-Workshops durchgeführt. Unsere Schüler können in Schaffhauser Betrieben Orientierungspraktika absolvieren, in denen sie Naturwissenschaftler bei der Arbeit erleben. Und jeder Schüler, der sich – und das gilt jetzt für alle Gebiete – auszeichnet, wird unter dem Motto «Leistung wird belohnt» in der Schule gefeiert.

*Regierungsrat Christian Amsler, seit Anfang Jahr Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz Deutschschweiz, möchte die naturwissenschaftlichen Studienrichtungen aber noch ganz anders fördern: Er hat angeregt, einen Numerus clausus für Geisteswissenschaften einzuführen. Was halten Sie davon?*
Ich habe diesen Denkanstoss gerne aufgenommen, habe aber eine klare Meinung: Ich bin grundsätzlich gegen einen Numerus clausus für Studienrichtungen, denn der Studierende, und nicht das System, sollte über die Studienrichtung entscheiden. Was man aber tun kann, ist, Anreize setzen und die Rahmenbedingungen verbessern. Aber jeder sollte weiterhin die Möglichkeit haben, zum Beispiel Theologie zu studieren, wenn er das möchte.

*Wohin geht denn über die letzten Jahre gesehen der Trend bei der Studienwahl?*
Die Diskussionen über die fehlenden Ingenieure und Naturwissenschaftler haben durchaus Auswirkungen auf die Maturanden gehabt. Dazu wieder einige Zahlen: 2010 gaben 15 Prozent an, ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen zu wollen; 2011 waren es 21 Prozent und im letzten Jahr 23 Prozent.

*Am Dienstag, 19. März, spricht Stefan Wolter auf Einladung des Kantivereins über «Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?» (siehe Kasten). Warum gerade dieses Thema?*
2012 hatten wir eine gymnasiale Maturitätsquote von 16,2 Prozent, bei einem schweizerischen Durchschnitt von 20 Prozent. Nimmt man die Berufsmaturität dazu, beträgt die Quote 35,2 Prozent (Schweiz: 33 Prozent). Für mich ist das, auch durch die Rückmeldungen, die ich habe, eine angemessene Quote. Ist es aber auch die richtige? Diese Frage müssen zum einen die beantworten, die nach dem Studium eine Existenz aufbauen wollen, zum anderen die Gesellschaft, die sich auch fragen muss, wie viel Geld sie in welche Studienrichtungen investieren will. Entscheidend sind aber für mich die Direktbetroffenen: Wurden sie von der Kantonsschule gut ausgebildet oder nicht? Die oben erwähnte Befragung dient nicht zuletzt dazu herauszufinden, welche Anpassungen es noch braucht.

*Was erwarten Sie vom Vortrag von Stefan Wolter?*
Ich möchte anhand von konkreten Beispielen wissen, wie andere Kantone und Länder mit diesen Fragen umgehen. Auch möchte ich Antworten auf die Frage, ob wir zu viele Akademiker ausbilden und wie das in Ländern wie Italien und Kanada, die voll auf die Akademisierung gesetzt haben, aussieht. Und natürlich Antworten auf die Frage, die über allem steht: Sind wir in der Schweiz bei der Ausbildung unserer Jugend auf dem richtigen Weg?

*Thema* **Hat der Kanton Schaffhausen die richtige Maturitätsquote?**
*Referent* Stefan Wolter ist Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, Professor am Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern und unter anderem Präsident der Expertengruppe Berufsbildung der OECD in Paris.
*Termin* Dienstag, 19. März, 19.30 Uhr
*Ort* Kantonsschule Schaffhausen.
Im Anschluss an den Vortrag wird ein Apéro offeriert.

#Allgemeines

9. März 2013 | Jetzt kann das Dosenbier vom Band rollen

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Bei der Brauerei Falken steht seit Ende November 2012 die erste und einzige Abfüllanlage für Dosenbier in der Schweiz, die unabhängigen Brauereien für deren Abfüllungen zur Verfügung steht. Damit ist Falken in der Lage, eine Nachfrage abzudecken, die jährlich zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Bisher mussten nämlich unabhängige Schweizer Brauereien mangels Abfüllmöglichkeiten in der Schweiz ihre Biere im nahen Ausland in Dosen abfüllen lassen. Dies, weil alle anderen Abfüllanlagen für Dosenbier in der Schweiz von globalen Konzernen für deren eigenen Bedarf betrieben werden. Diese Abfüllumsätze in die Schweiz zurückzuholen ist ein erklärtes Ziel der Schaffhauser Brauerei.

**Zusätzliche Überprüfung**
«Seit der Inbetriebnahme am 26. November haben wir die Abfüllstrasse schrittweise hochgefahren», berichtet Philipp Moersen, seit Dezember 2012 neuer Verwaltungsratspräsident der Brauerei. «Wir haben die Mitarbeitenden geschult, die Abläufe feinjustiert und die Anlageteile abgenommen.» Ausserdem wurde die Anlage unter dem Aspekt der Lebensmittelsicherheit zusätzlich überprüft – als Bierherstellerin ist die Brauerei nämlich freiwillig nach dem «International Food Standard» (IFS) zertifiziert. «Unabhängige Auditoren überprüfen einmal im Jahr, ob Qualität, Abläufe und Logistik die Anforderungen erfüllen», sagt Moersen. Zusätzlich zu diesem regulären Audit musste die Brauerei ein IFS-Zwischenaudit bestehen, weil die Dosenabfüllstrasse die bestehenden Anlagen erweitert.

**Für den Ansturm gerüstet**
Nach Testabfüllungen in Blankodosen (die im Getränkemarkt übrigens ein Verkaufsrenner waren) und ersten Abfüllungen im Auftrag anderer Brauereien sei die Einschwingphase jetzt so weit fortgeschritten, «dass wir gut gerüstet sind, um saisonal höhere Abfüllkapazitäten zu bewältigen», sagt Moersen. Weil in der warmen Jahreszeit mehr Bier getrunken wird, erwartet er die grössten Abfüllvolumina in diesem Jahr für die Monate März bis September: «Für diese Periode sind wir bereits besser ausgelastet als budgetiert», sagt er. Weil die Abfüllstrasse für Dosenbier die Kapazität der gesamten Produktionsanlage erweitere, werde auch die logistische Herausforderung «sehr gross», sagt Moersen. «Zusätzlich zur bisherigen Menge an Flaschen füllen wir zwischen Mai und August rund 70 Prozent unserer Jahresmenge an Dosen ab und brauen daneben unser Biersortiment – alles zur gleichen Zeit.»
Inbetriebnahme


**Dosenkompetenzzentrum**
**Alternative zum Ausland**
*Inbetriebnahme* Die Brauerei Falken hat Ende November 2012 ihre neue Abfüllanlage für Dosenbier in Betrieb genommen. Dieses sogenannte Dosenkompetenzzentrum ist die einzige Anlage in der Schweiz, die es unabhängigen Brauereien ermöglicht, ihr Bier im Inland in Dosen abfüllen zu lassen. Die Abfüllstrasse befüllt 15 000 Dosen pro Stunde und kann neben den populären 50-cl- und 33-cl-Dosen auch 25-cl-«Slim Cans» verarbeiten. Für das laufende Jahr hat Falken bereits vertragliche Zusagen für das Abfüllen von mindestens zehn Millionen Dosen.
*Innovationssonderpreis* Ende Februar 2013 erhielt die Brauerei Falken «für ihren Mut und ihren Innovationsgeist» (Laudatio) den IVS-Innovationssonderpreis der Schaffhauser Platzbanken.

#Allgemeines

5. März 2013 | Bubentraum und Weltrekord

Schaffhauser Nachrichten
(chm)

Pure Leidenschaft erfüllt den Raum, wenn Carlo Schmid von seiner Weltumrundung als 22-jähriger Pilot unter der Flagge von Unicef erzählt. Anlässlich eines Stammes der Studentenverbindungen Commercia Schaffhausen und der Scaphusia Schaffhausen am Freitagabend wurde der junge Weltrekordhalter in die Studentenstube im Restaurant Falken eingeladen.
Mit 11 Jahren flog er das erste Mal in einem Segelflugzeug, mit 15 Jahren hat Schmid das Segelflugzeugbrevet gemacht. Zu dieser Zeit wurde auch die Idee geboren, als jüngster Pilot alleine in einem Flugzeug die Welt zu umrunden und so nebenbei auch sogleich einen Eintrag ins «Guinnessbuch der Rekorde» zu erreichen. «Wir haben uns sieben Jahre vorbereitet und viele Neins akzeptieren müssen», erinnert sich Schmid, «es wurde sogar eigens ein Song kreiert, ‹Zäme um d Welt›, welcher von Fabian Frauenfelder produziert wurde.» Trotz aller Widrigkeiten hob die Cesna sodann im vergangenen Jahr für eine 80 Tage lange Reise vom Militärflugplatz Dübendorf ab. Speziell dabei die Flugzeugkennung mit HB-RTW, angelehnt an das Projekt Round the World.

**Ein kritischer Moment**
Jedoch sollte die über 40 000 Kilometer lange Reise noch einige Herausforderungen bereithalten. In Riad waren es ein Sandsturm und Temperaturen bis 47 Grad und in Indien die Bürokratie, welche Schmid zu schaffen machte. Doch auch ein Absturz der Bordelektronik stellte ihn auf eine harte Probe. Bis das System nach 20 Minuten wieder hinaufgefahren war, musste er mit analogen Instrumenten versuchen, auf Kurs zu bleiben: «Das war ein kritischer Moment.» Ein spezielles Erlebnis war ebenso die Flugstrecke von Nagpur nach Kalkutta. Obschon der indische Wetterbericht strahlendes Wetter vorausgesagt hatte, flog Carlo Schmid vor Kalkutta in ein monsunartiges Unwetter: «Da wurde mir als Pilot aufgrund der Turbulenzen das erste Mal schlecht.» Aber auch von schönen Momenten – wie im russischen Anachir – konnte Schmid erzählen. Weil die Überfluggenehmigung auf sich warten liess, hatte er Zeit, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, arbeitete sogar einen Tag für Igor und half ihm, Alteisen vom Hafen in die Lagerhalle zu transportieren.

**Begleitet vom PC-7-Team**
Noch kurz vor dem Ziel in New York drohte das Projekt jedoch zu scheitern. Bei der vom Bazl vorgeschriebenen Kontrolle nach jeweils 50 Betriebsstunden wurden Abnützungen an Teilen der Turbine festgestellt. Die Prognose: Reparaturzeit sechs bis sieben Monate. Doch die Mechaniker liessen sich von Schmids Herzblut für das Projekt anstecken. Dank Ersatzteilen aus einer anderen Turbine und der Flexibilität aller involvierten Personen konnte Carlo Schmid als jüngster Weltumrunder nach 80 Tagen wieder in heimatliche Lüfte einfliegen. Begleitet vom PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe landete der Weltrekordhalter sodann wieder sicher in Dübendorf. «Es ist recht beeindruckend, dass eine solche Tour alleine bewältigt wurde», sagte der Berufspilot Fabian Fusina, der so die Leistung des jungen Fliegers anerkannte.



Pilot Carlo Schmid (rechts) bei seinem Referat vor den Studentenverbindungen Commercia und Scaphusia.
Bild Christoph Merli

#Allgemeines

4. März 2013 | Musikspektakel an der Kantonsschule

Schaffhauser Nachrichten
Julian Schärer

Für das Bandkonzert, das an der Kantonsschule schon zu einer gewissen Tradition geworden ist, hat sich Leiterin Christiane Mathé einmal mehr einiges einfallen lassen. Das diesjährige Programm umfasste Interpretationen von insgesamt 16 Songs, die von fünf Bands aller Altersstufen während der letzten Monate fleissig eingeübt wurden. Jazz, Rock, Pop, neuere Lieder oder grosse Hits der Musikgeschichte.
Eingeläutet wurde der Abend in der Aula durch «Hard Day’s Night» von den Beatles, vorgetragen von der jüngsten Band. Dem sechsköpfigen Ensemble war zu Beginn die Nervosität noch sichtlich anzumerken, doch bereits mit dem darauf folgenden «All I Have to Do Is Dream» der Everly Brothers hatte sich die Aufregung gelegt – den Newcomern gelang eine spürbare Steigerung. Nachdem auch «Hit the Road Jack» mit einem Applaus belohnt worden war, stand der Auftritt der zweiten Band an. Diese brachte mit den 2011 erschienen «We Are Young» von Fun und «Long Way» von 77 Bombay Street neue, moderne Elemente ein. Insbesondere der Einsatz einer Trompete verlieh den Interpretationen zusätzlichen Pepp. Gleich im Anschluss war die Bühne frei für das grösste Ensemble des Abends – zu acht wurde gleich mit einem absoluten Evergreen losgelegt, «Hotel California» der Eagles. In Anbetracht des jugendlichen Bandalters war das Zusammenspiel erstaunlich ausgefeilt. Das Kunststück, ein ansonsten schon derart ermüdend oft gehörtes Lied nochmals in jeder Hinsicht bühnentauglich zu machen, gelang vorzüglich. Hervorzuheben sind auch die gesanglichen Leistungen der beiden Vocals Cindy Manser und Jan Scheuermeier, die beim umgehend folgenden «I’ve Got You Under My Skin» von Cole Porter sogar noch einen drauflegten und eine starke Performance zeigten. Stings «Englishman in New York» wurde dann erst recht zur Kür für die nunmehr als Solistin agierende Cindy – ihre bereits so ausgereift anmutende und facettenreiche Stimme sorgte für einen ersten Höhepunkt des Abends. Mit der vierten Band kam danach ein Instrumental-Quartett zum Einsatz, das mit Stücken von Wes Montgomery, Earle Hagen und Lee Ritenour richtiggehend ein Jazzfeeling aufkommen liess: Nichts Überhastetes, kein Vocal oder Head-Gitarrist, der das Rampenlicht auf sich zu ziehen versucht hätte. Im Gegenteil, man hätte sich zuweilen gewünscht, dass der eine oder andere noch etwas mutiger, energischer aufgetreten wäre. Fulminant war dann der Einstieg der letzten Band: Lukas Heieck am Keyboard und Bassist Linus Zimmermann deuteten sogleich an, wie viel Talent in diesem Ensemble steckt. Gitarrist Jonas Brugger überzeugte mit filigranen, technisch sauberen Soli – was von den Anwesenden spontan mit einem Applaus belohnt wurde. Derweil harmonierten Roger Thöni am Sax und Samuel Grand an der Trompete klanglich hervorragend, dank Drummer Enso Aellig zusätzlich mit fetten Beats garniert. Komplettiert wurde das Septett durch Solist Amon Rether, der vor dem abschliessenden «I Got You» von James Brown lässig-locker ein wenig mit dem Publikum plauderte und dann eine fantastische Show abzog. Seine Darbietung war indes schon beinahe tourneewürdig und setzte als Highlight des Abends einen würdigen Schlusspunkt.



Das jüngste Ensemble mit (v.l.) Janosch Bohner, Noah Näf, Nina Della Pietra, Alex Plüss, Lisa Näf und (nicht im Bild) Dominic Nakamura.
Bild Bruno Bührer

#Allgemeines

22. Januar 2013 | Schülerbesuch aus Spanien

Schaffhauser Nachrichten, Region
(fep)

Gestern Nachmittag hiess Urs Saxer rund ein Dutzend neue Schüler aus Alicante an der Kantonsschule Schaffhausen willkommen. In seiner Begrüssung betonte er, dass zentraler Punkt dieses Projekts der Austausch und der Kontakt mit Schülern und Schülerinnen aus Spanien und der Schweiz sei. «Woran es in der Welt besonders fehlt, ist Völkerverständigung», sagte Urs Saxer und dafür würden sich besonders in der Schweiz viele Möglichkeiten bieten. So solle der Austausch auch nicht bloss touristischer Natur sein, sondern das ermöglichen, wofür Reisen an sich steht: Den Horizont erweitern, neue Kulturen kennenlernen und Gespräche und Austausch ermöglichen. Rosa Maria Silva, Spanischlehrerin an der Kantonsschule, ging vertieft auf die Ziele dieses Programms ein. Diese seien nicht nur der Spracherwerb, sondern es soll ein reges Gespräch stattfinden und zudem solle aber auch die Möglichkeit gegeben werden, sich über Ängste und Befürchtungen auszutauschen. Eine «totale Immersion» in eine neue und fremde Kultur sei das Ziel.
Während der Projektwoche hatten die Schüler der Spanischklasse aus Schaffhausen selbst die Möglichkeit, dieses Eintauchen während einer Woche in Alicante umzusetzen. Auf diese Weise lernten die Schaffhauser, Kultur, Essen und Sprache in einem authentischen Umfeld kennen und lieben. Nun sind die Schüler aus Spanien dran, eine Woche in der zugeschneiten Schweiz zu verbringen. Dabei werden sie an der Kanti vor allem die verschiedenen Fremdsprachenlektionen und die Sportstunden besuchen. Denn keiner der spanischen Schüler kann bisher deutsch. Dass die Schüler nun ebenfalls eine Woche hier in der Schweiz verbringen können, ist aufgrund der Krise keine Selbstverständlichkeit.

**Krise auch in Spaniens Schulen**
Denn die Krise in Spanien geht vor allem auf Kosten der jungen Generation. Auf die Frage, wie sich die momentane Lage auf den Schulalltag auswirke und wie sie mit den Nöten und Ängsten umgingen, berichteten Esteban Chirino und Sara Ripoll, beide Schüler aus Alicante, dass an spanischen Schulen schon keine Kopien mehr im Unterricht verteilt würden, die Trams nicht mehr fahren und es oft zu Strom- und Wasserausfällen käme. «Die Lebensqualität ist allgemein einfach besser in der Schweiz», fügte Sara Ripoll noch hinzu. Nur die Menschen seien hier in der Schweiz oft viel zurückhaltender und ruhiger als in Spanien. Beide berichteten weiter, dass sie vorhätten, später einmal auszuwandern, wie es viele weitere hochqualifizierte Hochschulabgänger Spaniens derzeit tun.


Schüler aus Spanien und der Schweiz toben im Schnee.
Bild Felix Palm

#Allgemeines

17. Januar 2013 | Ihr Gespür für Bier

Schweizer Familie, 3-2013
Jost Auf der Maur

Über die nebelverhangenen Gerstenfelder streichen Krähen und suchen im winterlichen Weiss nach verlorenen Körnern. Topfeben sind die Böden hier beidseits des Rheins auf Höhe von Weite SG und Ruggell (FL), fruchtbar und schwarz ist die Erde. Doch viel finden die Vögel nicht, die grosse Ernte der Sommergerste ist längst eingebracht und ins nahe Rebstein SG transportiert worden zur Alten Landstrasse. Da wird seit über 120 Jahren aus Gerste Bier gebraut: Sonnenbräu. Eduard Graf war der Erste. Im Wirtshaus zur Sonne zauberte der stämmige Landwirt und Politiker sein eigenes Bier. Ein nahrhaftes Dunkles. Als er sah, wie erfreulich das Resultat ausgefallen war, liess er im «Rheintaler Boten» am 30. Mai 1891 ein Inserat einrücken und verkündete frohgemut: «Von heute an Bier-Ausschank.»
Claudia Graf dreht sich um auf ihrem Stuhl und zeigt auf das Bild ihres Ururgrossvaters, der mit der Würde seiner Zeit ins moderne Büro der Sonnenbräu-Chefin blickt. «Er war Schützenhauptmann in der Armee und hatte die Brau-Anlage seinem Dienstkameraden Oberst Rohrer abkaufen können», erzählt Claudia Graf. Sie kennt die Geschichte der Sonnenbräu – es ist ihre Familiengeschichte. «Rohrer hatte in Buchs selber eine Brauerei und wollte vergrössern.»
Allein im St. Galler Rheintal habe es damals 34 Brauereien gegeben. Wo sind sie geblieben? Ausgetrunken, verschwunden, vergessen, auch das Rohrer-Bier aus Buchs SG. «Wir sind noch da», sagt Claudia Graf. Da ist kein Triumph in ihrer Stimme, sie weiss um die hohen Wogen, durch die auch ihr Unternehmen hat segeln müssen. Nach dem Ersten Weltkrieg etwa hatten die Banken die Kredite gestrichen. Sonnenbräu stand vor dem Untergang, zumal der Gründer 1918 verstorben war – die beiden Söhne blieben ohne Reserven zurück. Doch da war noch deren Mutter Annette Graf, gescheit und streng. Sie wusste in ihrer Verwandtschaft Geld frei zu machen; von da an mussten die Söhne ihr jeden Abend den Geschäftsgang rapportieren. Annette hatte den Betrieb gerettet. In Rebstein ging die Sonne wieder auf.

**Über drei Millionen Liter**
«Heute geht es uns gut», sagt Claudia Graf. «Den Grundstein zum Erfolg haben meine Vorfahren gelegt, sie hatten ein Gespür für Bier, ein sicheres Auge für die Qualität. Das hat den Ruf früh gefestigt. Das sprach sich herum, das ist geblieben.»
27 Jahre alt ist Claudia Graf. Fünfzig Namen stehen auf der Lohnliste von Sonnenbräu. Die Produktion ist bei 3200000 Litern angelangt. Die kleine Sonnenbräu hat sich als Spezialitätenbrauerei auf dem umkämpften Markt etabliert. Im November 2012 hat Claudia Graf zwei Millionen Franken für den modernsten Füll-Automaten der Schweiz, eine Flaschenwaschanlage und die automatische Reinigungsmaschine investiert, unter Fachleuten als CIP (Cleaning in Place) bekannt. Ein kerngesundes Unternehmen also. Der Ururgrossvater wäre stolz.
Von den drei «Brauerei-Töchtern», wie die Leute Claudia Graf und ihre Schwestern in Rebstein während der Schulzeit genannt haben, schien jedoch keine dem gängigen Bild einer Braumeisterin zu entsprechen. Zumal sie keine Kerle sind mit baumdicken Oberarmen, rot glänzenden Gesichtern und Lederschurz. Claudia Graf hat eine Lehre als Bankkauffrau hinter sich. Ihre beiden Schwestern sind Pflegefachfrauen. Wer sollte die Brauerei übernehmen? Die Eltern haben nie irgendeine Anspielung gemacht, ob denn nicht die eine, ja, vielleicht ein Interesse an der Brauerei haben könnte. Keine Anspielung, kein Druck, aber auch keine voreilige Nachfolgeregelung.
«Als Kind habe ich mehr gespürt denn gewusst, dass die Brauerei etwas Grosses ist und Bedeutung hat.» Claudia Graf ist vom Stuhl aufgestanden, geht nun voran und führt treppauf in den Brauereiturm, wo im Silo das Gerstenmalz auf seinen Einsatz wartet. Hier wird es entstaubt, gereinigt, geschrotet, dann fällt das Malz in die Tiefe, in die Sudpfanne, und freut sich auf das Bad in 9400 Litern reinem Wasser. Claudia Graf tätschelt die massiv gebaute Schrotmaschine, «von Bühler, Uzwil», sagt sie. «Jahrgang 1938, läuft immer noch klaglos.» Mit 16, erzählt sie, habe sie gemerkt, wie ein Wunsch in ihr Form gewann: «Ich wollte nicht einfach eine Ausbildung machen, um dann zu heiraten und daheimzubleiben.» Sie wirft ihr blondes langes Haar über die Schulter – ihre Augen haben dieselbe Stellung, den gleichen Verlauf der Brauen wie die ihres Ururgrossvaters. «Ich wollte etwas unternehmen, bewegen, etwas unter die Leute bringen.» Und just vor ihrer Nase: die Brauerei, ein Familienbesitz. Allein, sie getraute sich vorerst nicht, den Eltern von ihrem Traum zu erzählen. Zumal es ja fast ganz an Vorbildern fehlt – Margherita Fuchs von Mannstein bei der Brauerei Forst in Meran ist in Europa eine der Ausnahmen.

**Eine kluge Abmachung**
Kurz vor Abschluss der Berufsmatura weihte Claudia Graf ihre Mutter dann doch in ihren Berufswunsch ein. So gross die Freude der Eltern, so schnell ging es nun voran: Praktika in der Sonnenbräu, dann ein Jahr lang bei vier ähnlich grossen Schweizer Brauereien. «Dort habe ich von den Mitarbeitenden viel gelernt. Ich war ja eine von ihnen. Wichtig war mir auch, was sie über die Vorgesetzten sagten.» Danach die Ausbildung zur Braumeisterin bei der Münchner Handwerkskammer. Und ein weiteres Jahr für den Abschluss in Getränkebetriebswirtschaft. Im April 2012 übergab Claudia Grafs Vater ihr offiziell den Betrieb.
Vom Brauereiturm herabgestiegen, steht die Leiterin der Sonnenbräu inzwischen im Sudhaus, wo die Sudpfannen sich gemütlich wölben, kupfern schimmern. Ein sinnlicher Ort, dabei blitzblank wie alles hier. Zwei Stunden badet das Gerstenmalz im stufenweise wärmer werdenden Wasser. So gehts in den Läuterbottich. Die Flüssigkeit klärt sich, kommt zurück in die Pfanne, um bei 98 Grad gekocht zu werden. Dann erst darf der brave Hopfen auch mit ins Bad. «Die Sudpfannen sind innen mit Edelstahl ausgekleidet», erklärt die Chefin. «Aber weil es die Tradition verlangt, sind sie aussen aus Kupfer. Gehört zur Imagepflege.»
Als Claudia Graf am ersten Tag ins Büro kam, um ihre Arbeit als Geschäftsleiterin aufzunehmen, liess ihr Vater sie eine Abmachung unterschreiben. Darin heisst es, sie könne nach einem fahr ihre Aufgabe zurückgeben, ohne dass sie eine Erklärung abzugeben brauche. «Zuerst bin ich darüber erschrocken», sagt Claudia Graf: «Traute er mir die Fähigkeiten nun doch nicht ganz zu? Aber dann habe ich gemerkt, welche Grosszügigkeit darin steckt, wie befreiend das wirkte, wie klug diese Geste an mich ist.» Keine Minute habe sie den grossen Schritt seither bereut. Claudia Graf ist in die Fussstapfen ihrer Ururgrossmutter Annette getreten, hat das Unternehmen zwar nicht vor dem Ruin retten müssen, aber sie hat für die Familie die Frage der Nachfolge beantwortet. Und damit auch die Ungewissheit von den Mitarbeitenden genommen.
Nach dem Kochen wird die Flüssigkeit, jetzt heisst sie Würze, in den «Whirlpool» eingespült, damit die trägeren Stoffe wie geronnene Eiweisse, Hopfenreste und Gerstenkornspelzen sich in der Mitte zu einem handballgrossen «Trubkegel» sammeln. Die klaren 9400 Liter Würze aber ziehen darauf weiter in den Schonkocher, verlieren da unedle Geschmacksstoffe, und schliesslich gehts nach rund sieben Stunden ab durch den Kühler in die grossen Tanks im Gärkeller: sieben Tage Tanz mit der befreundeten Hefe. Alkohol entsteht, Kohlensäure. Bier. Das darf dann endlich schlafen gehen, ganze zehn Wochen, bei null Grad. Danach ist es bereit für den grossen Durst.
Claudia Graf ist Präsidentin des Gewerbevereins Rebstein und Mitglied der Freisinnigen Partei, ganz in der Tradition der Familie. Sie hat während ihrer fahre im Ausland gemerkt, dass Rebstein ihre Heimat ist, sie kocht gern mit Freunden, mag Pasta, liebt Schokolade, liest gern – Liebesromane von Nora Roberts – eine ganz normale junge Frau mit einer grossen Leidenschaft: die Brauerei.
Sie sagt: «Mein Grossvater genoss grossen Respekt bei den Mitarbeitenden,
ebenso mein Vater. Und ich, ich habe auch keine Probleme. Ob alle hinter mir stehen, weist sich vielleicht erst in schwierigeren Zeiten.» Der Unterschied zu ihrem Vater sei wohl der: «Ich bin strenger.» Ende des Jahres habe sie erstmals Qualifikationsgespräche durchgeführt. «Ich glaube, dass Menschen klar formulierte Aufgaben möchten.» Die ihre hat ihr das Leben aufgeschrieben.



Das Erbe des Ururgrossvaters: Claudia Graf und Sonnenbräu-Gründer Eduard Graf.
Foto Philipp Rohner

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7. Januar 2013 | Feines Gespür für ein herbes Getränk

Migros-Magazin, Portrait
Almut Berger

Wer hats erfunden? Die Mesopotamierinnen — mit Betonung auf -innen —, vor rund 7000 Jahren und als Nebenprodukt der Brotbäckerei. Auch später waren Bier und Frau kein Widerspruch: So erhielt im Mittelalter die Braut als Mitgift einen Braukessel, und statt zum Kaffeekränzchen luden Frauen ihre Nachbarinnen zum «Bierkränzchen» ein. Selbst der erste wissenschaftliche Bericht darüber, was der Hopfen im Bier bewirkt, wurde von einer Frau verfasst, der Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen.
Heute liegt das Hopfen- und-Malz-Geschäft mehrheitlich in Männerhand. Von den 489 steuerpflichtigen Inlandbrauereien der Schweiz werden gerade mal zwei von Frauen geleitet, hiesige Braumeisterinnen gibt es sogar nur eine. Auch die Abnehmer des Gerstensafts sind in erster Linie männlich: Von den 4,63 Millionen Hektolitern, die im letzten Braujahr konsumiert worden waren, rannen bloss 14 Prozent durch weibliche Kehlen. Fazit: Frauen mögen einfach kein Bier. Falsch, sagt Claudia Graf, Chefin der Sonnenbräu AG in Rebstein SG. Sie ortet vielmehr «eine Art Rollenverteilung» in den Köpfen von Herrn und Frau Schweizer: Während er ein grosses Bier trinke, halte sie sich an einem Glas Wein oder einem Cüpli fest, oder, wenn es hochkomme, auch mal an einem «Herrgöttli». Falsch, sagt auch Diana Fry, Biersommelière aus Neerach ZH. Viele Frauen hätten einfach noch nicht das passende Bier gefunden. Während sie in Kursen Interessierten die Produkte unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien näherbringt, macht sich Bierliebhaberin Monika Saxer aus Zürich übers Internet für ihre Leidenschaft stark: Auf ihrer Website, Bierwandern, serviert sie Tourenvorschläge, an deren Ende jeweils ein lokales Bier steht.

www.bier.ch
www.bierig.ch

**Claudia Graf, Bierbrauerin: Den Platz behauptet**

«Vor 20 Jahren dachte man, dass nur Grossbrauereien gutes Bier machen können.» Braumeisterin Claudia Graf beweist das Gegenteil.
Nach fünf Wochen Maschinenstillstand hat die Rheintaler Spezialitätenbrauerei soeben wieder ihre Produktion aufgenommen. Entsprechend viel um die Ohren hat Sonnenbräu-Chefin Claudia Graf (27). Grund für die Zwangspause war die Sanierung der Abfüllerei. Zwei Millionen Franken haben die neue Flaschenwaschmaschine und die Abfüllanlage gekostet. Heute können in Rebstein SG 13’000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden, 5000 mehr als bisher, wie die Brauerin stolz erklärt. «Damit verfügen wir über die modernste Abfüllanlage der Schweiz, ein grosser Schritt zur Erhaltung unserer Eigenständigkeit.»
Eigenständig zu bleiben, den Platz zwischen den Grossen wie Schützengarten in St. Gallen oder Locher in Appenzell zu behaupten, so lautet das Mantra von Claudia Graf. Sie hat im April die Leitung der Sonnenbräu von ihrem Vater Arnold übernommen und setzt damit eine Tradition fort, die 1891 von ihrem Ur-Ur-Grossvater Eduard Graf, Landwirt, Gemeinderatsschreiber und Ammann von Rebstein, mit der Gasthausbrauerei Zur Sonne begründet worden war. Lange schien es, als wäre nach der vierten Generation Grafscher Brauer Schluss. Während ihre beiden Schwestern Pflegeberufe ergriffen, machte Claudia Graf erst einmal eine Banklehre. Dass sie dann doch noch in den Familienbetrieb einstieg, habe ihre Eltern wohl am meisten überrascht, wie sie sagt. Praktika in diversen Schweizer Brauereien folgte die Ausbildung zur Braumeisterin und Getränkebetriebswirtin in München. «Spätestens dann ist der — nicht wirklich ernst gemeinte — familieninterne Ruf nach einem Bierbrauer-Schwiegersohn verstummt.»
Die 27-Jährige ist nicht nur die jüngste Geschäftsführerin einer Schweizer Brauerei, sondern auch die einzige Braumeisterin der Schweiz. Damit ist sie eine doppelte Exotin in einem Geschäft, das von Männern geprägt wird, auch als Konsumenten. Und hier sieht sie ihre Chance: Sozusagen als erste Tat hat sie mit Diva ein süssliches Wein-Bier-Mischgetränk entwickelt. Mit dem will Claudia Graf Frauen Bier und natürlich auch ihr weiteres Sortiment schmackhaft machen. Dieses besteht aus 19 Biersorten. Produziert wird die jährliche Produktion von 3,2 Millionen Litern von 45 Mitarbeiter.
Ursprünglich standen im Rheintal 34 lokale Brauereien, überlebt hat nur Sonnenbräu. Dass das so bleibt, darauf stösst Claudia Graf an — mit einem grossen Weizengold aus eigenem Sud notabene.

www.sonnenbräu.ch

**Monika Saxer, Bierwanderin: Der schönste Durst**

Monika Saxer (59) hat zwei Leidenschaften: Wandern und Bier. Darum legt sie ihre Touren jeweils möglichst so, dass die müde Wanderin am Ende eine traditionsreiche Gasthausbrauerei, eine Beiz mit lokalem Bierausschank, erreicht. Zumal es, wie sie sagt, vom Wandern den schönsten Durst gibt.
Auf ihrer selbst gestalteten Homepage stellt die kaufmännische Angestellte aus Zürich «all die Oasen in der Wüste der grossen Bierkonzerne» vor, die sie erwandert hat. 73 Touren quer durch die Schweiz sind es bisher, von A wie Allschwil BL mit Ziel Basler Schifflände, wo es im Restaurant Lällekönig alle Basler Biere im Offenausschank gibt, bis Z wie Zürichberg, wo nach zwei Stunden Marsch die Gasthausbrauerei Linde Oberstrass mit einem eigenen «Huusbier» lockt. Auf der Website befinden sich aber auch fünf Tourenvorschläge für Deutschland und sogar einer für das klassische Weinland Frankreich — «alles Feriensouvenirs».
Die Bierwanderin ertüftelt ihre Routen jeweils zuerst mithilfe des Tourenplaners auf der Website von Schweiz mobil, der ihr Distanzen und Höhenmeter frei Haus liefert, bevor sie in die Wanderschuhe steigt. Unterwegs macht sie sich dann laufend Notizen. «Häufig fotografiere ich auch die Wegweiser. Das hilft mir zu Hause, eine verständliche Wegbeschreibung zu verfassen», sagt sie.
Viele ihrer Wanderziele hat die Bierwanderin dem «Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien» des Eidgenössischen Finanzdepartements entnommen. Manchmal wird sie aber auch direkt von lokalen Bierproduzenten angegangen. «Als ich eine Wanderung mit Ziel Luzerner Rathausbrauerei aufgeschaltet habe, hat sich kurz darauf eine weitere lokale Brauerei gemeldet.» Und eine Brauerei aus Basel habe kürzlich gleich selbst einen Wandervorschlag gemailt. Diesen und das dazugehörende Bier wird die Bierwanderin demnächst im Selbstversuch testen. Ein besonderes Augenmerk wird sie dabei wie immer darauf richten, ob die Wanderung mit dem öffentlichen Verkehr machbar ist. «Denn», so sagt sie mit einem Schmunzeln, «da kann man sich auch mal noch ein zweites Bier gönnen.»

www.bierwandern.ch

**Diana Fry, Biersommelière: Von Lager bis Stout**

Baarer Erdmandli, Appenzeller Hanfblüte, Felsenauer Bärni – Diana Fry (36) stutzt: «Das Bärni kenn ich noch nicht», sagt sie und zückt ihren Bierfächer. Dieser umfasst Beschreibungen von 34 Bierstilen – geordnet nach deren typischen Farben – vom hellgelben Lager bis zum fast schwarzen Stout. «Für ein Spezli sehr dunkel», murmelt sie und nimmt einen ersten Schluck. Ihr Fazit: sehr caramelig mit einem Hang zum Malzgeschmack im Abgang.
«Sehr caramelig mit einem Hang zum Malzgeschmack im Abgang»: Diana Fry verkostet das dunkle Bärni von der Berner Brauerei Felsenau.
Über 100 Schweizer Biersorten gibts in der Brasserie Fédéral im Zürcher Hauptbahnhof. Die meisten hat Diana Fry schon verkostet. Die Neeracherin gehört zu den ersten drei Frauen, die 2011 den Lehrgang von Gastrosuisse zum Biersommelier absolviert haben. Bier zu verkosten sei ähnlich anspruchsvoll wie Wein, sagt sie. Geurteilt wird nach Aussehen (Schaum, Körper, Farbe), Aroma (Malz, Hopfen, Hefe) sowie Gaumen (Körper, Textur, Kohlensäure, Abgang). Anders als Wein wird Bier nicht ausgespuckt: «Runterschlucken und gleich durch die Nase ausatmen, erst dann schmeckt man das retronasale Aroma.»
Ihre Affinität zum Gerstensaft entdeckte die heutige Marketingmanagerin als Flight Attendant bei der Swissair. «Die Piloten tranken oft am Zielort zur Entspannung noch ein Bier in der Hotelbar.» Und da ihr Wein nie wirklich zugesagt habe, habe sie mitgezogen. Seither weiss sie, dass deutsches Weizenbier häufig bananig, viele belgische Biere eher säuerlich und tschechisches Pils nach Butterguetsli schmecken. Und dass die Amerikaner Bier sogar mit Rüebli verschneiden – übrigens «erstaunlich gut» –, während die Norweger auch mal Zitronengras in den Sud geben.
Diana Fry trinkt nicht nur gern Bier – am liebsten herbe, dunkle Sorten wie das englische Stout –, sie vermittelt ihr Wissen auch in Degustationsseminaren. Dass hier der Frauenanteil merklich zugenommen hat, freut sie besonders. «Gerade Frauen verbinden Bier häufig mit Massenbesäufnissen oder Bierbäuchen.» Das werde dem hochwertigen Naturprodukt jedoch in keinerlei Weise gerecht. Mit der Gründung eines Biernetzwerks geht die Bierliebhaberin jetzt noch einen Schritt weiter: Unter der Marke Cerevisia, lateinisch für Bier, will sie Akteure und Liebhaber des Schweizer Biers zusammenführen: Brauereien, Restaurants, Bier-Sommeliers, aber auch Produzenten von Biernebenprodukten wie Bierwürsten, Bierkäse oder auch Bierpflegeprodukten.
Dass sie Letztere mit an Bord holen will, ist nur logisch: Diana Fry experimentiert ebenfalls gern mit Bier: Gerade erst hat sie Weizenbier zu einem Gelee eingekocht, das super zu Käse passe. Und momentan tüftelt sie an einem Rezept für Glühbier. «Malziges dunkles Bier funktioniert am besten», so viel weiss sie schon.

www.beer-ambassador.ch
www.cerevisia.ch

Bilder: Ornella Cacace

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24. Dezember 2012 | Verbindendes Weihnachtstreffen

Schaffhauser Nachrichten, Die andere Seite
Anna Rosenwasser

«Ein frohes Lied aus heitrer Brust macht froh den Lebensgang», klang es am vergangenen Samstagabend aus mehreren Dutzend Männerkehlen. Im Rahmen des traditionellen Weihnachtscommers unternahm die Mittelschulverbindung Scaphusia einen Fackelumzug, der beim Restaurant La Piazza begann, in einer Schlaufe über den Fronwagplatz führte und im Restaurant Falken endete.
Zu diesem Anlass waren die Aktiven genauso geladen wie die sogenannten Altherren der Scaphusia, zu denen etwa der ehemalige St.-Johann-Pfarrer Paulus Bachmann (v/o Diogen) zählt. Auch er war in den Dreierreihen zu finden, in denen die Mitglieder der Scaphusia singend durch die Stadt zogen. Mitgesungen haben auch Reto [Peter; korr. scaphusiaonline] Tobler (v/o Quarz), Robert Weber (v/o Haba) und Tim Schriber (v/o Zeus). Vier Lieder sind es, die beim Fackel-Cortège gesungen werden; damit für das Singen aller vier Zeit bleibt, dreht die beachtliche Männertruppe eine Extrarunde auf dem Fronwagplatz. Dabei beginnt schon so manches generationenübergreifendes Treffen, so auch bei Leo Häggi (v/o Simba) und Alex Streit (v/o Laser). Bereits am Nachmittag begann der Anlass mit der jährlichen Generalversammlung der Mittelschulverbindung. Im Anschluss folgte das Abendessen in diversen Lokalen; der Fackelumzug bildete einen Höhepunkt, dem das Beisammensein im Erdgeschoss des Restaurants Falken folgte. Mit dabei an diesem Fest waren auch Andreas Wüscher (v/o Codex) und Andreas Hauser (v/o Drossel), Christian Birchmeier (v/o Zäckli), Hansueli Birchmeier (v/o Safran) und Peter Sommerauer (v/o Trüffel) sowie Felix Graf (v/o Schärbe), Altherren-Präsident Ueli Böhni (v/o Süüle) und Frank Seiler (v/o Aurel). Wie’s im ersten der vier Lieder so schön heisst: «Wo ein Herz voll Freude schlägt, da ist die Zeit noch gut.»


Der Fackel-Cortège führte vom Restaurant La Piazza über den Fronwagplatz – mit einer Outdoor-Extrarunde – zum «Falken».


Feierten den Weihnachtscommers: Andreas Wüscher (v/o Codex) und Andreas Hauser (v/o Drossel).


Reto [Peter; korr. scaphusiaonline] Tobler (v/o Quarz), Robert Weber (v/o Haba) und Tim Schriber (v/o Zeus) zünden ihre Fackeln an [v.r.n.l.; korr. scaphusiaonline].


Leo Häggi (v/o Simba) und Alex Streit (v/o Laser) am Fackelumzug: Geladen waren Aktive wie auch Altherren.


Nimmt Teil an der Fackel-Cortège: Paulus Bachmann (v/o Diogen), ehemaliger Pfarrer des St. Johann.


Mit von der Partie: Christian Birchmeier (v/o Zäckli) [mitte; korr. scaphusiaonline], Hansueli Birchmeier (v/o Safran) [links; korr. scaphusiaonline] und Peter Sommerauer (v/o Trüffel).


Felix Graf (v/o Schärbe), Altherren-Präsident Ueli Böhni (v/o Süüle) und Frank Seiler (v/o Aurel ) am Commers.

Bilder: Selwyn Hoffmann

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18. Dezember 2012 | Wie Jugendliche in der DDR aufwuchsen

Schaffhauser Nachrichten, Region
Zeno Geisseler

Mit der DDR verbindet man die Mauer, Trabis, Honecker. Sascha Kardaetz denkt bei diesen drei Buchstaben aber noch an etwas ganz anderes: an seine Kindheit und Jugend. Kardaetz, Lehrer für Geografie an der Kantonsschule Schaffhausen, ist in Ostberlin aufgewachsen. 1989, als die Mauer fiel, war er 14 Jahre alt.
Am letzten Freitag sprach er auf Einladung der Mittelschulverbindung Scaphusia darüber, wie es war, in der DDR gross zu werden. Zuerst zeichnete Kardaetz die historischen Linien nach, die überhaupt zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik geführt hatten – also die Niederlage Nazideutschlands im Zweiten Weltkrieg und die Aufteilung des besetzten Landes und Berlins nach Zonen. Dann führte er die rund 30 Zuhörer durch diverse Themengebiete, immer mit einem Bezug zu seiner Kindheit und Jugend. Zum Beispiel, was es hiess, in einer Planwirtschaft aufzuwachsen: «Es herrschte Mangel an allem. Wenn es aber mal was gab, dann gab es das für alle.» Einmal sei seine Mutter ganz aufgeregt nach Hause gekommen und habe erzählt, dass es Schuhe mit Klettverschlüssen gebe. Sie seien sofort raus und hätten ein Paar für ihn gekauft. «Als ich am nächsten Tag zur Schule kam, hatten alle anderen die genau gleichen Schuhe.» Am liebsten hätten sie Westkleider getragen, doch diese waren für die meisten Leute unerreichbar. «Wir haben uns stattdessen einen Puma auf die T-Shirts gemalt. Oder drei Streifen auf die Turnschuhe.» Wie Adidas-Schuhe und Puma-Leibchen aussahen, habe man bestens gewusst – aus dem Westfernsehen.

**Westschokoriegel**
Ab und zu gab es in Kardaetz’ Familie auch echte Produkte von jenseits des «antifaschistischen Schutzwalls», wie die Mauer damals genannt wurde: «Mein Grossvater brachte mir von Westreisen immer «Mars»-Riegel mit. Ich war wohl das einzige Kind im Osten, das keine ‹Mars› mehr sehen konnte.» Mit Bildern, mit Videos und mit Musik führte Kardaetz die Scaphusianer und deren Gäste durch den ostdeutschen Alltag. «Die Partei griff in alle Bereiche des Lebens ein», sagte er. Sogar die Länge der Haare oder der Röcke sei vorgegeben gewesen. «Die Partei hatte einen Allmachts-anspruch. Sie war gottgleich.» Kardaetz unterlegte dies mit dem «Lied der Partei». Refrain: «Die Partei, die Partei, die hat immer recht.» Als er in die Schule kam, wurde Kardaetz Mitglied der Jungpioniere, der politischen Jugendorganisation des Landes (siehe auch «Gruppenplan» im Kasten). Er machte nicht aus Überzeugung mit: «Offiziell war die Mitgliedschaft freiwillig, doch wer nicht mitmachte, riskierte etwa, später keinen Studienplatz zu bekommen.»

**Keine «Ostalgie»**
Damals seien sie auf ihre Uniform mit dem besonderen Halstuch auch stolz gewesen, und die «Pioniernachmittage» hätten durchaus auch Spass gemacht, erzählte Kardaetz. Er machte aber deutlich, dass er mit der «Ostalgie», dem Sehnen nach den Zuständen in der DDR, überhaupt nichts anfangen könne, auch wenn nicht alles schlecht gewesen sei. Verglichen mit anderen Ländern im Ostblock, etwa Rumänien, hätten sie es noch gut gehabt. Aber letztlich sei die DDR nur eines gewesen: eine totalitäre Diktatur.


**Gruppenplan
Klasse 1a 1985/86**

**September** Wir lernen uns kennen. Fröhliche Spiele im Hort.
**Oktober** Lustiges Drachensteigen.
**November** Wir lernen unser Halstuch kennen.
**Dezember** Wir werden Jungpioniere. Weihnächtliche Stunde. Paket an unseren Patensoldaten Lutz.
**Januar** Winterliche Sportspiele.
**Februar** Lustiges Faschingstreiben mit unseren Paten.
**März** Wir gratulieren unseren Muttis.
**April** Unser Bestes zum XI. Parteitag: Ernst Thälmann – unser Vorbild.
**Mai** Wett- und Kreisspiele.
**Juni** Fröhliches Lernfest. Wir feiern unseren Tag.
**Juli** Wir verabschieden uns von allen, die uns besonders im ersten Jahr halfen.



Sascha Kardaetz mit Bildern von Produkten aus der DDR.
Bild: Zeno Geisseler

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8. Dezember 2012 | Abschied für eine Legende

Schaffhauser Nachrichten. Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Zwei Drittel des Schweizer Biermarktes seien in den Händen der grossen Konzerne, sagte der scheidende «Falken»-Verwaltungsratspräsident Jürg P. Spahn in seinem Jahresbericht, und trotzdem erlebe die Schweiz mit 354 einheimischen Brauereien eine Bierrenaissance. Mit 57,5 Litern pro Kopf liege der Bierkonsum in der Schweiz allerdings deutlich hinter Spitzenreitern wie Tschechien (160 Liter) und Deutschland (107 Liter). Für die Brauerei Falken gelte es, «den Multis die Stirn zu bieten», sich mit Spezialitäten zu profilieren und regional verwurzelt zu bleiben: Falken-Bier sei nicht nur «ein Schluck Heimat» – das Unternehmen sei auch ein sicherer Wert, der Zuversicht ausstrahle und das Vertrauen in die Region stärke. Dafür gebühre den Mitarbeitenden wie den Aktionären gleichermassen Dank.
«Bier braut Heimat», kalauerte auch «Falken»-Geschäftsführer Markus Höfler, der in seinem Jahresrückblick unter anderem die baulichen Veränderungen erwähnte – Abbruch der Mälzerei, Erweiterungsbau für das Dosenkompetenzzentrum – und dies mit einem emotionalen Video dokumentierte. Das Geschäftsergebnis bezeichnete er als «insgesamt befriedigend», und er zeigte die Anstrengungen des Unternehmens auf, um die rückläufige Absatzentwicklung in der Gastronomie mit verstärkten Aktivitäten abzufedern, um «Falken»-Spezialitäten wie zum Beispiel den «Eidgenoss» auch überregional im Handel zu verankern. Frenetischen Applaus erntete Jürg P. Spahn nach Abschluss aller statutarischen Geschäfte mit seiner legendären «Derniere» in Versform – da bekamen Banker und Bundesräte in brillant geschliffener Sprache ebenso ihr Fett ab wie Sport, Wahlen und Busse in Schaffhausen. In seiner Laudatio blickte Ständerat Hannes Germann auf die Ära Spahn zurück und würdigte ihn als grosses Vorbild in Bezug auf Korrektheit und Sprache – die jungen Männer der Studentenverbindung Scaphusia hätten sich damals als treffsicher erwiesen, als sie Spahn den Verbindungsnamen «Niveau» gaben. Philipp Moersen schliesslich war es vergönnt, seinen Vorgänger in den noblen Orden «Ad Gloriam Cerevisiae» («Zur Ehre des Bieres») aufzunehmen – wahrlich ein würdiger Abschied für eine Legende.


**Falken-Aktie**
Rund 11 000 Franken pro Stück muss man derzeit auslegen

Falken nicht nur im Kühlschrank, sondern auch im Depot zu haben, möchten nicht wenige – nur schon wegen der legendären Generalversammlungen: «Wir können bei uns feststellen, dass die Nachfrage vor der GV jeweils steigt», sagt Martin Vogel, Chef der Schaffhauser Kantonalbank. Interessenten stammten meist aus der Region oder hätten einen Bezug zu Schaffhausen.
Der Investmentgedanke steht nicht im Vordergrund. Falken sei eine Liebhaber-Aktie, sagt Vogel. Nicht der finanzielle, sondern der emotionale Wert zählt also, doch auch der hat seinen Preis: Laut KB stehen die Aktien zurzeit bei rund 11 000 Franken. Allerdings wird der Titel nur selten und nur ausserbörslich gehandelt. «Die Nachfrage ist gross, das Angebot ist klein», sagt Vogel. Der Preis habe sich im Verlauf des Jahres eher seitwärts bewegt. Insgesamt gibt es 1800 Stammaktien und 1200 Prioritätsaktien. Prioritäts-aktien haben generell bei der Ausschüttung des Gewinnes ein Vorrecht, die beiden Typen kosten jedoch etwa gleich viel. Die Mehrheit der 3000 Aktien ist in Familienbesitz. (zge)


**Brauerei Falken**
Zahlen und Fakten für 2011/12

Gesamtertrag 20512414 Fr.
Total Aufwand 20177200 Fr.
Sachaufwand 11016909 Fr.
Personalaufwand 5004543 Fr.
Reingewinn 335214 Fr.
Dividende 50 Fr. brutto
Anzahl Mitarbeitende 55
Verwaltungsrat bis 2012 Jürg P. Spahn (Präsident), Philipp Moersen (Vize), Ronald Forster (Mitglied)
Verwaltungsrat ab 2013 Philipp Moersen (Präsident), Ronald Forster (Vize), Markus Höfler (Delegierter), René Zeier (Mitglied)

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5. Dezember 2012 | Zwischen 40 Jahren und der Ewigkeit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Nicht die tiefen Temperaturen dieser Tage, sondern auch die lange Warteliste für einen Weidlingspfosten lassen vielen Rhein-Fans das Blut in den Adern gefrieren. Den Inhabern wird von der Stadt eine Sondernutzung gewährt (siehe Artikel unten), künftig sollen aber mehr Personen in den Genuss einer Rheinfahrt kommen, weil der Stadtrat wie bereits gemeldet verschiedene Möglichkeiten prüft, um die Wartezeit zu verkürzen (siehe SN vom 14. November). Im Fokus stehen dürfte dabei unter anderem die Erblichkeit der Liegeplätze. Betrachtet man andere Gemeinden mit Rheinanstoss, wird klar, dass es beträchtliche Unterschiede gibt: Die Gemeinde Feuerthalen etwa hat keine Vorschrift für die Weitergabe eines Pfosten, in der Praxis existiert aber eine Regelung. Möglich ist eine Weitergabe nur innerhalb einer Haltergemeinschaft, wenn diese zehn Jahre Bestand hatte. Das heisst: Wenn beispielsweise ein Mitglied einer dreiköpfigen Haltergemeinschaft die Gruppe verlässt, kann ein anderes Mitglied den Pfosten nur übernehmen, wenn dieses schon seit zehn Jahren mit dabei ist. Das gilt auch für die Vererbung innerhalb der Familie: Eine Haltergemeinschaft zwischen den Familienangehörigen ist Pflicht für die Vererbung. Aber: Angeregt durch die Debatte im Grossen Stadtrat, denkt man im Gemeinderat über eine Revision des Reglements nach, wie der Feuerthaler Bausekretär Robert Schwarzer auf Anfrage der SN erklärt. Die Warteliste in Feuerthalen ist gemäss Auskunft von Schwarzer überblickbar, dies nicht zuletzt, weil bereits vor Jahren eine Wartelistengebühr eingeführt wurde: Jedes Jahr stellt die Gemeinde den auf der Warteliste verzeichneten Personen eine Rechnung über zehn Franken, gleichzeitig wird der Angeschriebene darüber informiert, auf welcher Position er sich befindet. «Das hat die Warteliste von etwa 200 auf gegen 80 reduziert», erinnert sich Schwarzer.
Die Bootsliegeplätze in Stein am Rhein werden von der Steiner Stadtpolizei verwaltet, die entsprechende Verordnung enthält keine Angaben zur Weitergabe innerhalb der Familie. Bei einem Todesfall in der Familie kann der Platz auf den Ehepartner übergehen, wie auf Anfrage erklärt wird. Im Übrigen habe die Warteliste Priorität: «In 99 Prozent der Fälle erfolgt die Weitergabe nach der Warteliste», sagt Stadtpolizist Beat Hirschi. Einen Vererbungsautomatismus gibt es gemäss Hirschi nicht, ausgeschlossen ist eine direkte Weitergabe aber nicht: «Weil die meisten sich schon früh auf die Warteliste setzen lassen, kann manchmal ein Pfosten übernommen werden, weil der Nachkomme ganz oben auf der Liste steht», sagt Hirschi. Wie die Gemeinde die Vergabe in Zukunft regeln wird, muss sich erst noch weisen, denn auch in Stein am Rhein wird an einer neuen Regelung gearbeitet, in der unter anderem die Höhe der geltenden Gebühren angepasst werden könnte – inhaltlich will man sich aber derzeit noch nicht äussern. Die Gemeinde Schlatt unterhält Bootsliegeplätze im Altparadies, eine Vererbung ist gemäss Gemeinderat Hans Möckli aber nicht erlaubt. «Wir hatten deswegen schon Streitfälle, unsere Regelung ist aber bestätigt worden», sagt Möckli. Wird ein Pfosten frei, hat der Nächste auf der Warteliste Anrecht auf den Platz.

**40 Jahre plus Verlängerung**
Einige Kilometer rheinaufwärts regelt seit 2002 eine Verordnung die Vergabe der Diessenhofer Bootsplätze. Zentral: Die Konzessionsdauer ist auf 40 Jahre beschränkt, wobei «bei begründeten Ausnahmefällen» eine Verlängerung um 10 Jahre gewährt werden kann. «Bisher gab es noch keinen solchen Fall», sagt Armin Jungi, Stadtschreiber von Diessenhofen. Deshalb sei auch nicht klar, wie der Stadtrat diese Regelung tatsächlich auslegen würde. Stirbt der Inhaber eines Diessenhofer Pfostens, geht der Platz längstens fünf Jahre an den überlebenden Ehegatten oder einen in Diessenhofen wohnenden direkten Nachkommen über. Auch in Diessenhofen wird eine Wartelistegebühr erhoben: 20 Franken beim Eintrag und danach jeweils alle 5 Jahre. Zwischen 60 und 70 Leute seien aktuell auf der Warteliste, «die Wartezeit beträgt Grössenordnung 25 Jahre», sagt Jungi. Nicht ausgeschlossen ist auch in Diessenhofen, dass das geltende Reglement in den kommenden Jahren von den Behörden nochmals einer Überarbeitung unterzogen wird – ein Abgleich mit den Reglementen anderer Gemeinden und vielleicht auch eine Anpassung der Gebühren könnten Gegenstand der Revision sein. In Wagenhausen ist ein Übertrag des Bootsliegeplatzes auf Ehepartner, Konkubinatspartner respektive Partner in eingetragener Partnerschaft oder direkte Nachkommen beim Tod oder schwerer Invalidität des Platzinhabers erlaubt, ähnlich ist die Situation in Rheinau: Grundsätzlich geht es nach der Warteliste, eine Vererbung beim Todesfall des Inhabers an Ehepartner oder Kinder ist aber erlaubt, denn diese Möglichkeit sei in der vom Kanton Zürich erlassenen «Verordnung über das Stationieren von Schiffen» explizit enthalten.


**Nachgefragt Marisa Miguel, Rechtsdienst Bau**
«Den Benützern wird eine Sondernutzung eingeräumt»

Mieten die Pfosteninhaber ihre Pfosten von der Stadt? Und gibt es einen Vertrag zwischen der Stadt und dem jeweili- gen Inhaber? Wir sprachen mit Marisa Miguel über diese Punkte.

*Welche Form von rechtlichem Verhältnis geht die Stadt mit den Inhabern eines Weidlingspfostens ein?*
Marisa Miguel: Beim Rhein handelt es sich um eine öffentliche Sache im Gemeingebrauch. Gebrauchsrechte an öffentlichen Sachen im Gemeingebrauch werden grundsätzlich nicht über privatrechtliche Verträge geregelt, sondern über Bewilligungen. Dem Benützer eines Weidlingspfostens wird eine sogenannte Sondernutzung eingeräumt. Die Vergabe von Bootsliegeplätzen wird in der Stadt Schaffhausen im Reglement über die Benützung der Bootsliegeplätze geregelt. Ein ähnliches Beispiel wäre die gebührenpflichtige Bewilligung für den Betrieb eines Boulevardcafés auf dem öffentlichen Grund. Beim Weidlingspfosten handelt es sich allerdings nicht um einen gesteigerten Gemeingebrauch wie bei den Cafés: Weil der entsprechende Platz am Pfosten nicht gleichzeitig auch von jemand anderem benutzt werden kann, muss das als Sondernutzung betrachtet werden.

*Ohne Vertrag wäre damit die Stadt theoretisch auch berechtigt, die Pfosten jederzeit zurückzufordern?*
So einfach ist es nicht: Man müsste zuerst prüfen, ob bei der Einräumung einer Sondernutzung ein «wohlerworbenes Recht» entsteht. Im Falle der Nutzung von Weidlingspfosten in der Stadt Schaffhausen ist dies aber nicht der Fall, weil sich dies nicht aus dem Reglement ableiten lässt. Das besagte Reglement sieht vor, dass die Verwaltungspolizei berechtigt ist, das Gebrauchsrecht jederzeit sofort und entschädigungslos aufzuheben, sofern die Gebühr nicht fristgemäss entrichtet oder die Verpflichtungen aufgrund des Reglements nicht erfüllt werden.

*Es gibt also keinen Vertrag, und ein «wohlerworbenes Recht» ist ein Pfosten auch nicht. Wie und ab wann könnte die Stadt nach einer Anpassung des Reglements – etwa im Sinne einer Befristung oder eines Verbots der Weitergabe – diese neuen Regeln in Kraft setzen?*
Das ist eine Frage des intertemporalen Rechts. Das angepasste Reglement müsste eine Bestimmung enthalten, die klar regelt, wie sich das neue Recht zu bestehenden Sachverhalten verhält und ab wann es in Kraft tritt. Klar ist, dass auf neue Vergaben von Bootsliegeplätzen dann auch das neue Reglement Anwendung finden würde. Die Antwort auf die Frage, auf welche Sachverhalte das alte Recht noch anzuwenden wäre, hängt aber vor allem davon ab, wie das Interesse des Betroffenen am Schutz des Vertrauens in die Weitergeltung des bisherigen Rechts gewichtet wird. Denn die Anwendung des neuen Rechts könnte eine Verletzung des Vertrauensschutzprinzips, eines Grundprinzips des Verwaltungsrechts, darstellen. Insbesondere dann, wenn die Betroffenen im Vertrauen auf die Weitergeltung des bisherigen Rechts Dispositionen getroffen haben, die sich ohne Nachteil nicht wieder rückgängig machen liessen. Beispiel: Wenn ein Betroffener kurz vor Inkrafttreten des neuen Reglements einen neuen Weidling gekauft hat. Die Betroffenen haben Anspruch auf eine angemessene Übergangsregelung.

*Würde ein Verbot der Weitergabe vor oder nach der nächsten Weitergabe in Kraft treten? Bisher konnten die Inhaber davon ausgehen, dass eine Weitergabe möglich sei …*
Diese Frage müsste von den Übergangsbestimmungen des neuen Reglements beantwortet werden. Für einen neuen Nutzer, dem das Nutzungsrecht weitergegeben wurde, müsste ein Verbot der Weitergabe gelten, da der neue Nutzer keinen Vertrauensschutz geniesst. Ein Verbot der Weitergabe für die bisherigen Inhaber würde meines Erachtens mit dem Vertrauensschutzprinzip kollidieren. Man müsste eine Interessenabwägung zwischen dem Interesse an der richtigen Anwendung des neuen Rechts und dem Vertrauensschutzprinzip machen.

*Welche Rechte an einem solchen Pfosten können Inhaber überhaupt geltend machen?*
Gegen Bezahlung der Benützungsgebühr hat ein Inhaber das Recht, den Bootsliegeplatz ausschliesslich zu nutzen. Er hat kein Eigentum daran, aber ein Nutzungsrecht, das ihm von der Stadt eingeräumt wurde.

Interview Robin Blanck


**Einwohner zuerst**
Ein umstrittenes Recht für die eigenen Bürger

Nebst Regelungen zur Weitergabe führen verschiedene Reglemente auch eine Einwohnerbevorzugung auf: Laut der Wagenhauser Ordnung sollen «in erster Linie» Einwohner der Gemeinde einen Platz bekommen, maximal zwei Fünftel können Campingplatzmietern zur Verfügung gestellt werden. Die Diessenhofer Ordnung legt fest, dass nur Personen mit Wohnsitz in der Gemeinde einen Platz erhalten, ganz ähnlich ist es in Schlatt, dort werden aber – wenn die Platzverhältnisse es zulassen – auch Auswärtige zugelassen. Solche Einwohnerbevorzugungen sind auch in verschiedenen anderen Gemeinden vorhanden, rechtlich stehen sie aber auf wackligen Füssen: Das frühere Reglement der Stadt Schaffhausen enthielt ebenfalls einen solchen Artikel, 1988 war dieser aber nebst anderen Gegenstand einer abstrakten Normenkontrolle durch das Schaffhauser Obergericht: Der Artikel wurde aus dem Reglement gekippt, weil er die Rechtsgleichheit verletzte. (rob)

#Allgemeines

30. November 2012 | Die Leere in den Naturwissenschaften

Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Anna Rosenwasser

Im Rahmen von «ETH unterwegs» wurde die Kantonsschule Schaffhausen am Mittwoch und Donnerstag von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich besucht. Die Studienorientierung, die mit Aktionstagen durch diverse Schweizer Mittelschulen tourt, hat zum Ziel, die «Lust auf Naturwissenschaften und Technik» zu wecken – und selbstverständlich auch für ein Studium an der ETH zu werben.

**Illuster besetztes Podium**
Während am Mittwochnachmittag eine Chemie-Experimentalvorlesung stattfand und am Donnerstag Vorträge über Nanopartikel bis hin zu Origami gehalten wurden, fand am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle ein Inputreferat zum Thema Ingenieurmangel in der Schweiz statt. Die Veranstaltung «Wo bleiben die Ingenieure?» war öffentlich und beinhaltete auch eine Podiumsdiskussion unter der Moderation von Wissenschaftsjournalist Felix Würsten. Dazu war mit Thomas Vogel, Prorektor der ETH und Bauingenieur, Erziehungsdirektor Christian Amsler, Thomas Metzler, Geschäftsführer der Georg Fischer Wavin AG, Monika Walther, Geschäftsführerin der Siftung kihz, sowie Kantirektor Urs Saxer eine illustre Gästeschar zur Diskussionsrunde geladen worden. Das Inputreferat zum Thema hielt Thomas Vogel. Der Referent beleuchtete für das «nicht allzu zahlreich erschienene, aber umso interessiertere Publikum» das Schweizer Bildungssystem. Vogel erläuterte nicht nur kurz die fünf Departemente der ETH, sondern auch aktuelle Entwicklungen. Während die Informatik momentan «eher durchzogen» sei, boome der Studiengang des Maschineningenieurs, so Vogel. Der ETH-Prorektor forderte ausserdem klar eine angemessene Honorierung, damit Ingenieurinnen und Ingenieure nicht abwanderten. Dazu zeigte Vogel Zahlen aus dem Kanton Zürich. «Dass die Frauen weniger verdienen», was auf der Grafik klar erkennbar war, «das ist einfach so.» Die Frauen waren denn, wenn auch im Titel der Veranstaltung nicht erkennbar, ein zentrales Thema der Diskussion. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern sind; so seien in Lehrpositionen und Professuren zu wenig weibliche Vorbilder enthalten.

**Es fehlt an**
Nicht nur mangelt es dem Schweizer Ingenieurwesen an Frauen – es mangelt der Schweiz auch an Ingenieuren. «Es fehlen Leute, die bahnbrechende Produkte entwickeln», hielt Thomas Metzler fest, Geschäftsführer der Georg Fischer Wavin AG. 80 Prozent ihrer Ingenieure stammen aus dem Ausland. Daraufhin wurde eine Erhöhung der Maturandenquote dis-kutiert. Diesem «zweischneidigen Schwert» hielt Kantonsschulrektor Urs Saxer entgegen, dass in der Kanti Ingenieurswissenschaften prominent gefördert würden. Regierungsrat Christian Amsler fand, dass ohnehin viel früher angesetzt werden müsse, etwa in Eltern-Kind-Aktivitäten rund um die Naturwissenschaften. Als grösstes Anliegen äusserten Walther und Saxer das Umdenken bei Rollenmodellen. Zum Abschluss versicherte Metzler dem ETH-Prorektor, sie würden gerne ETH-Ingenieurinnen und Ingenieure einstellen, «wenn es denn hätte!»

#Allgemeines

27. November 2012 | Falken mit neuer Abfüllstrasse für Dosenbier

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Dieser Druck auf den roten Startknopf sei «ein Highlight» seiner Karriere, sagte Verwaltungsratspräsident Jürg P. Spahn gestern anlässlich der Eröffnung der neuen Abfüllstrasse für Dosenbier.

**Lohnfüllung für Brauereien**
Das symbolische Betätigen des Startknopfes markiert nicht nur die Inbetriebnahme ihres neuen Dosenkompetenzzentrums (wie Falken die Abfüllanlage offiziell bezeichnet) – die Schaffhauser Brauerei macht gleichzeitig einen wichtigen Schritt in ein Tätigkeitsfeld, das den Schweizer Biermarkt beeinflussen wird: «Dieses Dosenkompetenzzentrum steht im Lohnauftrag auch anderen unabhängigen schweizerischen Brauereien offen», sagte Spahn. Damit sei das Unternehmen in der Lage, eine steigende Nachfrage abzudecken, erläuterte er. Die Nachfrage nach Dosenbier sei nämlich «mit zweistelligen Zuwachsraten pro Jahr» gewachsen; und fast alle grösseren Brauereien seien auf diesen Zug aufgesprungen, auch Falken. Weil jedoch alle Abfüllanlagen für Dosenbier in der Schweiz von global agierenden Konzernen weitestgehend für deren eigenen Bedarf betrieben würden, seien die meisten unabhängigen Brauereien «mangels Abfüllmöglichkeiten im Inland gezwungen, ihre in der Schweiz gebrauten Biere im nahen Ausland in Dosen abfüllen zu lassen, zum Beispiel im süddeutschen Raum», so Spahn. Auslöser für den Gedanken, das Lohnfüllgeschäft als weiteres strategisches Standbein der Brauerei Falken auszubauen, war ausgerechnet der Wegfall des grossen Lohnfüllkunden Thurella, der 2010 seinen Betrieb einstellte. Mit ihrem Schritt ins Lohnfüllgeschäft mit Dosenbier für unabhängige Brauereien verschafft Falken diesen jetzt die Möglichkeit, ihre gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der Schweizer Landesgrenzen zu betreiben: «Swissness wird immer wichtiger, auch im Bewusstsein der Konsumenten», ist Spahn überzeugt, und darum strahle diese neue Anlage weit über die Region Schaffhausen hinaus: «Dieses Dosenkompetenzzentrum bringt Umsätze aus dem Ausland in die Schweiz zurück, es sichert Arbeitsplätze und zeichnet die Brauerei Falken als zukunftsgerichtetes Unternehmen aus.» Lediglich neun Monate nach dem Entscheid des Verwaltungsrates, die Anlage zu realisieren, laufe diese, und man habe alle gesteckten Ziele erreicht, berichtete Philipp Moersen, Vizepräsident des Verwaltungsrates. Im Zusammenhang mit dem Projekt habe man zusätzlich je eine Lehrstelle geschaffen für einen Logistiker und einen Lebensmitteltechnologen; und bei der Vergabe der Arbeiten für die bauliche Erweiterung seien, «wo immer möglich, Firmen aus der Region berücksichtigt worden». Von den sieben spezialisierten Lieferfirmen, die Komponenten für das Dosenkompetenzzentrum geliefert haben, stammen deren sechs ebenfalls aus der Schweiz. Noch bevor gestern der erste Dosen-Sixpack die Abfüllstrasse verliess, war die Auslastung der neuen Anlage bereits weit ins Jahr 2013 hinein gesichert: «Die Abfüllung von zehn Millionen Dosen ist bereits durch Verträge zugesagt, und weitere stehen kurz vor dem Abschluss», sagte Moersen.


**Dosenbier-Abfüllstrasse 15 000 Dosen pro Stunde in allen gängigen Grössen**

Das neue Dosenkompetenzzentrum der Brauerei Falken ist die einzige Abfüllstrasse für Dosenbier in der Schweiz, die nicht von den beiden Konzernen Heineken und Carlsberg betrieben wird und den unabhängigen Brauereien für das Abfüllen von Dosenbier zur Verfügung steht. Die technischen Daten der neuen Anlage sind beeindruckend: Unter Volllast kann sie 15 000 Dosen pro Stunde abfüllen. Während des Abfüllvorganges nehme das Bier höchstens 0,04 mg/l Sauerstoff auf, was äusserst wenig sei und ein Merkmal für die hohe Qualität darstelle, wie Falken betont. Neben den verbreiteten 50-cl- und 33-cl-Dosen können auch die kleineren 25-cl-«Slim Can»-Dosen befüllt werden. Auf der Anlage lassen sich 25 verschiedene Verpackungseinheiten verarbeiten; besonders gefragt ist die Fähigkeit, die Dosen in Schrumpffolie einzuschweissen, statt sie in Karton zu verpacken. (rf.)

#Allgemeines

27. November 2012 | Meilenstein in der Firmengeschichte der Brauerei Falken: Falken füllt neu auch Dosen ab

Schaffhauser Bock
von Daniel Thüler

Der grosse Stolz des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung der Brauerei Falken AG war deutlich spürbar an der gestrigen offiziellen Einweihung des neuen Dosenkompetenzzentrums («Es ist ein Meilenstein in der Firmengeschichte»): Hier kann die Schaffhauser Brauerei künftig pro Stunde 15 000 50-cl- oder 33-cl-Dosen abfüllen, und nach einer späteren Erweiterung auch 25-cl-Slim-Cans (bekannt durch «Red Bull»). «Es gibt nur zwei weitere Dosenabfüllanlagen in der Schweiz», erklärt VR-Präsident Jürg P. Spahn. «Und diese sind in festen Händen von ausländischen Grossbrauereien, die nicht mit kleineren zusammenarbeiten wollen. Unabhängige Schweizer Brauereien waren deshalb bisher gezwungen, ihr Bier jenseits der Grenze abfüllen zu lassen – dem schaffen wir nun Abhilfe.» Gerade beim lokalen Bezug der Biere, dem zunehmenden Absatz von Dosenbier und dem grösseren Bewusstsein der Konsumenten für «swissness» sei dies enorm wichtig. Das hätten auch die anderen Brauereien erkannt: «Die Nachfrage ist bereits deutlich höher als wir erwartet haben.»

**Verlust wird zur Chance**
Am Anfang des neuen Dosenkompetenzzentrums stand der Verlust eines wichtigen Kunden. «Nebst der Produktion unserer Falken-Biere und dem Getränkehandel sind wir auch zu einer guten Adresse für Lohnfüllungen für andere Brauereien und Produzenten nichtalkoholischer Getränke geworden», erklärt Spahn. «Im Herbst 2010 wurde Thurella geschlossen, wodurch wir einen wichtigen Partner im Bereich Lohnfüllungen verloren haben.» Statt den Verlust nicht einfach mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen, wollte der Verwaltungsrat ihn mindestens kompensieren. «Die Geschäftsleitung suchte nach Alternativen», so Jürg P. Spahn, «mit dem Ziel, die freigewordenen Kapazitäten wieder auszulasten, auch um die Arbeitsplätze zu erhalten und längerfristig zu sichern. So kam der Gedanke zum Ausbau des Lohnfüllgeschäftes als weiteres strategisches Standbein der Brauerei Falken.» Bier in Dosen verzeichne zurzeit zweistellige Zuwachsraten pro Jahr. Wie Falken-Geschäftsleiter Markus Höfler sagt, werde am eigenen Sortiment deshalb nicht geschraubt – Bier aus Flaschen habe für Falken nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Geplantes Volumen übertroffen Wie Philipp Moersen sagte, seien für den Bau möglichst Firmen aus der Region berücksichtigt worden. «Am 5. Juni 2012 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, nun sind wir bereits fertig», erklärt er. «Parallel zum Bau haben wir mit potenziellen Lohnfüllpartnern die vorbesprochenen Verträge abgeschlossen, und so können wir heute mit Stolz festhalten, dass wir die ursprünglich geplanten Anfangsvolumen weit übertroffen haben und weitere Verträge kurz vor dem Abschluss stehen.» Ein positiver Aspekt sei auch, dass eine zusätzliche Lehrstelle für einen Lebensmitteltechnologen sowie eine Lehrstelle für einen Logistiker geschaffen werden konnten.

#Allgemeines

21. November 2012 | Das lange Warten auf einen Pfosten

Schaffhauser Nachrichten, Front, Region
Robin Blanck

Über 600 Personen warten derzeit auf einen der begehrten Weidlingspfosten: Darunter sind nicht nur Schaffhauser, sondern auch Personen aus der ganzen Schweiz und anderen Ländern. Geführt wird die legendäre Warteliste von der Verwaltungspolizei. Die Interessenten auf den vordersten Plätzen haben sich Anfang der 70er-Jahre auf die Liste setzen lassen, entsprechend älter sind auch sie geworden, wenn sie demnächst einen Pfosten erhalten: Der Erste auf der Liste für Weidlinge ohne Motor ist heute 63 Jahre alt, der Erste auf der Warteliste für Motorboote 75 Jahre.


**Einen Pfosten gibt es meist erst ab 60**

Weidlingsenthusiast F. muss sich noch etwas gedulden, dennoch ist er jetzt da, wo Hunderte andere auch sein möchten: auf Platz 1 der Warteliste für einen Bootsliegeplatz. Das bedeutet: F. erhält den nächsten Pfosten zugesprochen, der frei wird. Im Jahr 1981, im Alter von 32 Jahren, hat er sich mit dem Vermerk «ohne Motor» auf die Liste setzen lassen. Nun, nach 31 Jahren Wartezeit und im Alter von 63 Jahren, ist der Pfosten in greifbare Nähe gerückt. Weil seit 1986 ein Ausgleich zwischen motorbetriebenen und motorlosen Weidlingen vorgeschrieben ist und noch immer ein kleines Übergewicht von Motorbooten besteht, wurden seither nur Pfosten an Besitzer motorloser Weidlinge vergeben. Deshalb ist die Wartezeit dort kürzer als auf der Warteliste der Personen mit Motorboot: Der Interessent, der ganz oben auf der Motorbootliste steht, wartet seit 1971, seither sind 41 Jahre vergangen. Damals war der Mann 34-jährig, seinen eigenen Weidlingspfosten bekommt er also frühestens im Alter von 75 Jahren.

**Älteste Interessenten sind 79**
Das sind keine Einzelfälle, auf der «Warteliste mit und ohne Motor.xls», wie die Datei auf dem Computer der städtischen Verwaltungspolizei heisst, gibt es dafür zahlreiche Beispiele: Auch auf nachfolgenden Plätzen warten Interessenten, die sich in der ersten Hälfte der 70er-Jahre für einen Pfosten vormerken liessen. Die ältesten Wartenden haben Jahrgang 1933, jene auf der Motorbootliste sind meist deutlich vor 1950 geboren worden. Das illustriert das Problem: Die 276 Pfosten sind heiss begehrt, aber weil pro Jahr nur gerade vier Wechsel stattfinden, muss man sich gedulden. Auf die Liste setzen lassen kann man sich heute im Alter von 16 Jahren, betrachtet man die Wartezeit von gegen 40 Jahren, erhält ein Interessent seinen Pfosten kurz vor dem 60. Altersjahr. Vermutlich dürfte die effektive Wartezeit aber noch höher liegen, zumal die Liste dauernd wächst: 2011 kamen 25 Personen neu auf die Liste, 2012 waren es bisher 18, der letzte Neuzugang datiert vom 7. November. Drei Wartelisten gibt es: eine für Personen, die ein Wassergefährt ohne Motor besitzen (188 Personen), für jene, die eine motorbetriebenes Boot haben (180 Personen), und für solche, die sich beide Möglichkeiten offenhalten (251). Macht zusammen 619 Personen, wobei manche sich gleich auf mehreren Listen eingetragen haben, sodass die Zahl der Wartenden leicht tiefer sein dürfte.

**Nicht alle sind noch interessiert**
Allerdings ist nicht bei allen auf der Liste klar, ob das Interesse auch weiterhin vorhanden ist: Wird schriftlich Verzicht erklärt oder ist eine Person verstorben, wird die Liste angepasst. Bleibt das aus oder wird auch auf schriftliche Nachfrage nicht geantwortet, bleibt der Interessent auf der Liste.

**Weitergabe an Nachkommen**
Dass es nur wenig Wechsel gibt, hat einerseits mit dem Umstand zu tun, dass Pfosten selten freiwillig zurückgegeben werden, andererseits mit den geltenden Regelungen: Gemäss heutiger Praxis ist es erlaubt, den Liegeplatz an direkte Nachkommen weiterzugeben, wenn diese auch auf der Warteliste stehen. Zwingend nötig ist ein Platz auf der Liste aber nicht: Wenn die Nachkommen sich bereit erklären, dem Ausgleichspassus im Reglement Folge zu leisten, ist eine Weitergabe «ausnahmsweise» erlaubt. Konkret heisst das: Als Nachkomme eines Inhabers mit Motorweidling müsste man sich derzeit bereit erklären, bei der Übernahme auf den Motor zu verzichten. Das gilt natürlich nur bis zum Gleichstand zwischen motorlosen und motorbetriebenen Booten, danach wäre eine Vererbung unter Beibehaltung der Antriebsart möglich.

**Interessenten aus den USA**
Einem rascheren Wechsel steht auch die Regelung entgegen, welche es ausdrücklich erlaubt, den Pfosten auch nach dem Wegzug aus Schaffhausen zu behalten. Das hat auch Folgen für die Interessenten: Auf der Warteliste finden sich Adressen aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Norddeutschland oder den USA. «In der Regel handelt es sich um Personen aus Schaffhausen, die weggezogen sind», sagt Alois Sidler, Chef der Verwaltungspolizei.

**Stadtrat kann Reglement anpassen**
Um die Wartezeit zu verkürzen, hat der Grosse Stadtrat am vergangenen Dienstag ein Postulat von Till Hardmeier (siehe SN vom 14. November) überwiesen, das vom Stadtrat entsprechende Massnahmen verlangt. Wichtig dabei: Beschränkt sich der Stadtrat auf eine Änderung des «Reglements über die Benützung der Bootsliegeplätze», liegt die Umsetzung allein in der Kompetenz der städtischen Exekutive. Eine befristetes Nutzungsrecht oder auch das Verbot, die Pfosten an Nachkommen zu vererben – beides Ansätze, die für erheblichen Aufruhr sorgen dürften –, müssten nicht durch den Grossen Stadtrat oder das Stimmvolk genehmigt werden. Der Stadtrat ist nur dazu verpflichtet, dem Grossen Stadtrat Bericht zu erstatten. Der Rat seinerseits könnte die Abschreibung des Postulats ablehnen, mehr aber nicht. Die Betroffenen könnten sich gegen die Änderung des Reglements mit individuellen Rechtsmitteln zur Wehr setzen oder eine abstrakte Normenkontrolle durch das Obergericht verlangen. Anders sähe es aus, wenn der Stadtrat beispielsweise eine dritte Reihe Bootspfähle einschlagen wollte: Das würde wahrscheinlich aufgrund der Finanzkompetenzen dazu führen, dass das Stadtparlament befragt werden müsste.

**Stichproben bei Haltern**
Damit nach Möglichkeit Missbrauch verhindert wird – etwas, dass jemand den Pfosten eines Verstorbenen einfach übernimmt oder Pfosten verbotenerweise untervermietet werden –, macht die Verwaltungspolizei Stichproben: Es wird überprüft, wer die Gebühren für den Pfosten begleicht und auf wen der Weidling zugelassen ist. Werden Unstimmigkeiten festgestellt, tritt man in Kontakt mit dem Halter. «Das meiste kommt an den Tag, wenn wir die Rechnungen verschicken», sagt Sidler. Wird ein Weidling vernachlässigt, etwa indem man eindringendes Wasser nicht mehr schöpft, kontaktiert die Verwaltungspolizei den Halter. Bei wiederholter Vernachlässigung wird der Entzug des Pfostens angedroht. Der Entzug kann unverzüglich erfolgen, wenn die Pflichten nicht eingehalten werden oder die Gebühren nicht entrichtet werden. «Droht der Entzug, wird in der Regel rasch reagiert», sagt Sidler.