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28. Juli 2016 | Forscher lassen Bier aus Urin brauen

Schaffhauser Nachrichten
Arne Verliefde

Unter dem Motto «Pinkeln für die Wissenschaft» haben belgische Wissenschaftler rund 1000 Liter Urin gesammelt. Daraus waren mit einer speziellen Anlage Stickstoff, Kalium und Phosphor gefiltert und rund 950 Liter Trinkwasser gewonnen worden. Nach der Prüfung durch staatliche Labors soll das Wasser zum Brauen eines Spezialbieres genutzt werden.
Die Forscher hätten Besucher eines Festivals gebeten, in ein spezielles Pissoir zu pinkeln, wie Wasserexperte Arne Verliefde von der Universität Gent gestern der Nachrichtenagentur DPA erklärte. Die Wissenschaftler testeten dabei ein Verfahren, um Düngerstoffe und Trinkwasser aus Urin zu filtern.

**Biertradition**
Hauptziel des Projektes ist es, billigen Dünger für Entwicklungsländer herzustellen. Das Pinkelbier soll Vorurteile überwinden, sagte Verliefde. «Ich weiss, dass viele das eklig finden.» Dabei sind doch gerade die Belgier für ihre Biertradition bekannt – und jetzt ein Bier aus Urin? «Hier machen wir aber Witze, dass die Niederländer das schon seit Jahrhunderten tun», sagte Verliefde.

**«Leckeres Bierchen»**
Trinkwasser aus Urin sei geschmacksneutral und schadstofffrei. Gemeinsam mit der Genter Stadtbrauerei «De Wilde Brouwers» (Die wilden Brauer) haben die Forscher bereits aus geklärtem Abwasser Bier gebraut. «Das ist ein leckeres Bierchen», sagt der Wasserexperte.

**Tests bei Fussballspielen**
Das Filterverfahren der Belgier soll in Entwicklungsländern eingesetzt werden. «Bauern dort haben oft keinen Zugang zu billigem Dünger», erklärte Verliefde. Aus 1000 Liter Urin könne man genug Dünger gewinnen, um 135 Kilogramm Mais zu produzieren. Um schnell eine grosse Menge Urin zu sammeln, sollten die Anlagen auf Festivals, bei Fussballspielen oder an Flughäfen aufgestellt werden.
An sich ist es technisch schon länger möglich, aus Urin Trinkwasser zu gewinnen, um beispielsweise Astronauten auf einer Raumstation zu versorgen.(dpa)

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21. Juli 2016 | Flashmob, Hobbit-Dorf und «Harry Potter» am Kantifest

Schaffhauser Nachrichten
Tito Valchera

Was haben «Harry Potter», «Herr der Ringe» und «Grease» gemeinsam? Sie alle werden Gegenstand des nächsten Kantifestes vom 23. September sein. Für das Fest haben die Schulklassen das Motto «Film» ausgewählt. Sämtliche Projekte, die für das Kantifest geplant sind, haben sich danach zu richten: die Musik, die Dekoration, das ­Essen und die Getränke wie auch die Attraktionen und Spiele. In der Vorbereitungsphase des Fests hat die Kantonsschule Schaffhausen erstmals einen Projektwettbewerb lanciert. Am Wettbewerb haben zehn Schulklassen teilgenommen und in ihren Portfolios das jeweilige Projekt beschrieben und visualisiert. Gestern hat das OK des Kantifests in der Aula die Preise für die Siegerprojekte überreicht.

**Stündlicher Flashmob**
«Nach der Sichtung der eingegangenen Projekte hätten alle einen Preis verdient», sagte OK-Chefin Vreni Winzeler. Mit «Grease» (Klassen 1mb/2sb), «Herr der Ringe» (Klassen 1sa/1sb) und «Harry Potter» (Klassen 1nb/2ma) wurden drei gleichwertige Siegerprojekte ohne Rangliste ausgewählt. Sie erhielten jeweils 500 Franken Preisgeld. «Die drei Portfolios bestechen durch Sorgfalt in der Ausführung und durch originelle Ideen», sagte Winzeler. Die Jury, bestehend aus dem OK Kantifest, hatte Idee, Konzept und Originalität, aber auch die Durchführbarkeit sowie den effizienten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen bewertet. Bei «Grease» wird stündlich ein Flashmob im Lichthof des Neubaus geboten. Dazu haben einige Schüler die Tanzchoreografie professionell eingeübt, und Schülerinnen mit Rollschuhen und Bauchläden kurven herum. «Herr der Ringe» trumpft mit einem Hobbit-Dorf samt Spieleparcours auf. Die Besucher werden dabei von Hobbits, Elfen und Konsorten betreut. Bei «Harry Potter» sind eine Liveband, ein Quiz und eine Zugfahrt mit Endlosschleife vorgesehen.

**Projektgemeinschaften gebildet**
Wichtig für Winzeler: «Verschiedene Klassen haben sich zu Projektgemeinschaften zusammengeschlossen, um das aktive Miteinander zu üben.» Die drei Siegerprojekte könnten noch einen weiteren Preis gewinnen. Am Kantifest wird eine externe Jury alle Projektteilnehmer erneut bewerten – und Preise dafür vergeben, wie gut die Klassen ihre Konzepte umgesetzt haben.



An der Preisverleihung des Kantifest-Wettbewerbs waren in der Aula die folgenden Gewinner anwesend (v. l.): Noëlle Roth, ­Julia Rieser (beide Klasse 2ma); Kathrin Wolter und Louisa Stocker (beide Klasse 1mb); Remo Bosshard, Valeria Huber und Flavia Grossenbacher (alle Klasse 2sb).
Bild Tito Valchera

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5. Juli 2016 | Abstimmungspropaganda oder ein harmloses Mail?

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Titelseite
Ein internes Mail der Kantonsschule Schaffhausen wird zum Politikum. Kantonsrat Andreas Gnädinger (SVP, Siblingen) wirft der Schulleitung vor, sich mit einem Mail an alle Mitarbeiter in den Abstimmungskampf um die Einführung von kostenpflichtigen Freifächern an der Kanti eingemischt und sogar gewissen Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt zu haben. Der Rektor der Kantonsschule, Pasquale Comi, weist die Vorwürfe zurück. Die Schulleitung habe in keiner Weise dazu aufgefordert, sich gegen die Sparmassnahmen zu äussern.(zge)


Die Abstimmungen vom Wochenende sind vorbei, das Schaffhauservolk hat fünf Massnahmen aus dem Entlastungsprogramm 2014 abgelehnt. Darunter war auch der Vorschlag, dass gewisse Freifächer an der Kantonsschule künftig kostenpflichtig sein sollten.
Diese Vorlage beschäftigt die Politik nun erneut. Es geht dabei aber nicht um die inhaltliche Frage, sondern darum, ob an der Kantonschule unstatthafte politische Werbung gemacht worden ist. Kantonsrat Andreas Gnädinger (SVP, Siblingen) schreibt in einer Kleinen Anfrage, dass die Schulleitung der Kantonsschule in einer offiziellen Mitteilung an alle Mitarbeiter zur Opposition gegen die Sparmassnahmen im Bildungsbereich aufgerufen habe.

**«Nicht akzeptabel»**
Gnädinger zitiert dazu einen Abschnitt aus dem besagten Mail (siehe Kasten «Im Wortlaut). «Eine Einmischung der Schulleitung in den Abstimmungskampf ist meines Erachtens nicht akzeptabel», schreibt Gnädinger. Dies vor allem dann, wenn auch noch Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt werde, sich mit ihrer Unterschrift aktiv am Abstimmungskampf zu beteiligen.
Gnädinger will nun von der Regierung wissen, wie sie die Situation einschätze. Unter anderem fragt er, ob es der Regierungsrat für legitim erachte, wenn sich die Kantonsschule in den Abstimmungskampf gegen das Entlastungspaket einbringe, und er will wissen, was die Regierung davon halte, dass im Lehrerzimmer Plakate gegen die Sparvorlage gelagert und ausgegeben worden seien.
Generell fragt er, in welchem Rahmen sich Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in ihrer offiziellen Stellung an Abstimmungskämpfen beteiligen dürften.
Eigentlich liegt der Ball, also die Kleine Anfrage, nun bei der Regierung, und es ist an ihr, sie zu beantworten. Kantonsschulrektor Pasquale Comi wollte die Vorwürfe aber nicht einfach auf sich sitzen lassen. «Die Schulleitung der Kantonsschule hat in keiner Weise aufgefordert, sich gegen die Sparmassnahmen zu äussern», schrieb er gestern in einem Mail an die SN. Doch was hat es dann mit der offiziellen Mitteilung auf sich?
Comi erklärt auf Nachfrage, dass es sich dabei um ein allgemeines Informationsmail handle und dass neben der Schulleitung auch Dritte Mitteilungen auf diesem Weg streuen könnten. Dort gebe es etwa auch Meldungen der Kita oder der Informatik oder auch mal ein Dankeschön eines Lehrers für ein Geschenk zum Jubiläum. «Früher wären solche Informationen einfach an ein Anschlagbrett gehängt worden, heute werden sie eben per Mail verschickt», sagt er. Es sei völlig falsch, zu glauben, die Schulleitung stecke hinter dem Aufruf. «Die Schulleitung hat ja diese Entlastungsvorschläge eingebracht», sagt Comi. «Wir könnten sie ja nun sicher nicht bekämpfen.»

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23. Juni 2016 | Falken mit wiederverschliessbarer Dose

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

Die Idee einer Bierdose, die sich wie eine Mineralwasserflasche nach dem ersten Öffnen wieder dicht verschliessen lässt, spaltet Konsumentinnen und Konsumenten in zwei Lager – bei einer nicht repräsentativen Spontanumfrage reichten die Reaktionen denn auch von «Bieridee» bis «genial».
Die Schaffhauser Brauerei Falken ist jedenfalls davon überzeugt, dass der Markt ein Bier in wiederverschliessbaren Dosen annehmen wird, wie Falken-CEO Markus Höfler im Gespräch mit den SN versichert. Ende Juli werde Falken schweizweit ein naturtrübes Spezialbier namens «Hülse» in der wiederverschliessbaren Halbliterdose auf den Markt bringen. Den Verschluss aus Kunststoff habe Falken nicht selbst entwickelt, so Höfler, den kaufe man von einem deutschen Unternehmen zu. Dieses habe Erfahrung mit dem System und liefere grosse Stückzahlen an Brauereien in Osteuropa und Russland. Höfler: «Die Brauerei Falken ist jedoch die erste und bislang einzige Brauerei in der Schweiz, die den Deckel mit diesem speziellen Verschluss auf ihrer Dosenabfüllanlage verarbeiten kann.»
Was aber, wenn diese Innovation floppt? Höfler gibt sich zuversichtlich: «Wir haben das System zwei Detailhandelsketten vorgestellt, die in der Schweiz operieren, und diese haben bei uns ihre Bestellungen platziert. Dementsprechend produzieren wir.» Der Mehrpreis des Spezialverschlusses – Höfler nennt keine konkreten Zahlen – sei kein Hindernis für den kommerziellen Erfolg: «Weil die ‹Hülse› ein Spezialbier in einer wiederverschliessbaren Dose ist, kann man den Preis nicht direkt mit dem anderer Biere vergleichen.» Auch was einen möglichen Eintrag von Bakterien durch das Trinken aus der Dose angeht, hat Höfler keine Bedenken. Das System sei auch nach dem Wiederverschliessen dicht. Und was ist mit Recycling, wenn der Kunststoffverschluss mit in die Alusammlung wandert? Die wiederverschliessbare Bierdose bleibe uneingeschränkt rezyklierbar, bestätigt Höfler.



Ein Verschluss aus Kunststoff ermöglicht nach dem ersten Öffnen ein dichtes Wiederverschliessen der angebrochenen Bierdose. Auch bei mehrmaligem Öffnen soll der Inhalt länger frisch bleiben. Im Bild ein Vorserienmuster.
Bild Rolf Fehlmann

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3. Juni 2016 | Das grosse Finale vor der Maturaprüfung

Schaffhauser Nachrichten
Anna-Barbara Winzeler

Köche, Fischer, Bauern, Bäcker ­– am Donnerstagmorgen zogen die Arbeiter scharenweise durch Schaffhausen. Angeführt wurden sie von Soldaten in Uniform und Guerillakämpfern. Ist in Schaffhausen die Revolution ausgebrochen?
Nur ein wenig: Die offizielle letzte Schulwoche der Maturanden stand dieses Jahr unter dem eher heiklen Thema «Diktatur». Gestern stand das «Finale 2016» an, früher bekannt unter dem Namen «Maturstreich»: Die jüngeren Mitschüler durften sich als das arbeitende Volk verkleiden, und schon bewegte sich die gesamte Schülerschaft der Kantonsschule in Richtung Kammgarn. Dort wurde zuerst der Diktator (dargestellt von Fabian Bolli) von der Revolution gestürzt. Im Anschluss folgten ein Wochenrückblick und Auszeichnungen besonderer Maturanden: Wer ist die fröhlichste Schülerin? Wer hatte die meisten Absenzen? Wer den grössten Bizeps? Und als krönenden Abschluss gab’s einen Sketch der Lehrer und der Schulleitung zum Thema Macht. Da wurden die Pausen gestrichen, das Kantifest ins St. Johann verlegt und die Projektwoche in die Weihnachtsferien. Auch hier musste es die Revolution richten.
Nach dem wilden Finale folgt nun die Matura, die Reifeprüfung. Statt gegen das System wird nun nur noch mit dem Lernstoff gekämpft. Rektor Pasquale Comi wünschte den Maturanden in der Schlussrede «viel Glück und Erfolg».



Wasser und Mehl als Waffen: Die Maturanden der Kantonsschule machten bei der Inszenierung ihrer Willkürherrschaft keine halben Sachen.
Bild Anna-Barbara Winzeler

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28. Mai 2016 | Barack Obama, die Tomoffel und 3-D

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

Wenn Jugendliche ausgezeichnet werden, bewegt das vor allem auch die Eltern. Ein «Wow» entfuhr auch Regina Ackermann-Müller, als bekannt gegeben wurde, dass die Maturaarbeit ihrer Tochter ausgezeichnet werden würde. Carla Müller hat über «Les bisses», historische Wasserleitungen im Wallis, geschrieben. Sie gehört zu den acht Glücklichen, die am Donnerstagabend in der Kantonsschule Schaffhausen mit einer Urkunde und 500 Franken belohnt wurden. Insgesamt waren 16 von 136 Absolventen nominiert. Doch wie Prorektor Detlef Roth erklärte: «Alle nominierten Schüler haben gewonnen an Erkenntnis und an Freude, die ihnen die Arbeit gemacht hat.» Die Prämierung sei nur das Sahnehäubchen auf einer bereits leckeren Torte. Den Nominierten gratuliere er von Herzen. Auch Rektor Pasquale Comi erklärte: «Das Niveau ist sehr hoch.»

**Inspiriert von der Grossmutter**
Nach so viel Lob für die jungen Frauen und Männer ging es dann an die Verkündung der prämierten Maturaarbeiten. So mancher Schüler rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl herum. Im Bereich Sprache wurden Julia Hoff und Thomas Leu mit dem Preis der Schaffhauser Buchhandlung Fass und dem Preis von «hofer.kick architekten» ausgezeichnet. Julia Hoff hat über den «Treck von Jestetten» eine Erzählung verfasst. Inspiriert wurde sie von ihrer Grossmutter, die von der Räumung dieses Gebietes nach dem Zweiten Weltkrieg betroffen war. Leu setzte sich mit «A New Era – An Analysis of the Presidency of Barack Obama» auseinander. Architekt Urs Kick hielt die Laudatio auf die beiden.

**Ein Legomännchen im Kurzvideo**
Im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften überzeugten Carla Müller und Lea Klauser. Sie erhielten den Preis des Historischen Vereins Schaffhausen, überreicht von Peter Scheck. Er zeigte sich vor allem von Klausers Arbeit «Das Schweizerische Initiativrecht – Ein Fall für eine Revision?» überrascht. «Dass man sich in so jungen Jahren mit Staatsrecht auseinandersetzt, gehört nicht zum Normalfall.»
Ninja Moor mit dem Thema «Wasserparameter in der Aquaristik» und Sarah Gschwend mit «Urban Gardening und die Tomoffel – Ein Vergleich von herkömmlichen Tomaten- und Kartoffelpflanzen und der Tomoffel» nahmen freudig den Preis der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen entgegen. Jakob Walter durfte die jungen Frauen auszeichnen. Im Bereich Kunst und Sport wurde der Preis von den Schaffhauser Platzbanken vergeben: Markus Landolt von der Migros Bank gratulierte Janik Lobsiger und Jonas Bolliger. Letzterer hat mit seiner Tanzaufführung, die er auf Film festgehalten hat, die Jury begeistert. Thema: «Wie das Leben klingt – Leben ist Rhythmus, Bewegung und Tanz». Lobsiger beschäftigte sich mit der «Produktion einer 3-D-Animation mit Motion Tracking». In dem Kurzvideo dreht sich alles um ein Legomännchen.
Untermalt mit Musik wurde der Abend von Lehrer Peter Marti und den Schülerinnen Lara Noemi Weisshaupt und Mahela Stamm. Zum Ausklang gab es einen Apéro auf der Terrasse.

**Ausgezeichnet: Die nominierten und die prämierten Maturaarbeiten 2016**

*Kunst und Sport*

· Prämierte Arbeit: Jonas Bolliger: Wie das Leben klingt – Leben ist Rhythmus, Bewegung und Tanz
· Prämierte Arbeit: Janik Lobsiger: Produktion einer 3-D-Animation mit Motion Tracking
· Deborah Kipfer: Jessy ist einfach anders: eine Bildergeschichte – Die positiven Seiten eines AD(H)S-Kindes

*Geistes- und Sozialwissenschaften*

· Prämierte Arbeit: Carla Müller: Les bisses – un voyage de découverte
· Sophie Schäfer: Les Grands Travaux der 5. Republik – Funktion, Bedeutung und Akzeptanz der Pariser Bauten unter präsidialem Einfluss
· Prämierte Arbeit: Lea Klauser: Das Schweizerische Initiativrecht – Ein Fall für eine Revision?
· Stefanie Bruder: Knabenmusik Schaffhausen – Ein Verein im Wandel der Zeit
· Cédric Kupferschmid: Soldatenweg Hemishofen – Ein Konflikt zwischen Bikern, Wanderern und Jägern
· Lukas Dütsch: Kanti-Fonds – Wie Schülerinnen und Schüler der Kanti Schaffhausen gemeinsam investieren könnten
· Niklaus: Fair-Trade-Shirts für Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler

*Sprachen*

· Lia Budowski: «Am Ende der Welt» – Theorie und Theater
· Prämierte Arbeit: Thomas Leu: A New Era – An Analysis of the Presidency of Barack Obama
· Prämierte Arbeit: Julia Hoff: Der Treck von Jestetten – Eine Erzählung

*Naturwissenschaften und Mathematik*

· Noah Näf: Bau eines digitalen pH- und Temperaturmessgerätes
· Prämierte Arbeit: Sarah Gschwend: Urban Gardening und die Tomoffel – Ein Vergleich von herkömmlichen Tomaten- und Kartoffelpflanzen und der Tomoffel
· Prämierte Arbeit: Ninja Moor: Wasserparameter in der Aquaristik



Haben sich für die Verleihung in Schale geworfen: Die Maturaarbeiten dieser Schüler waren nominiert, doch nur acht davon gingen am Abend mit einem Preis nach Hause.
Bild Luisa Kehl

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24. Mai 2016 | Unternehmergeist als ein Weg aus der Krise

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

Ein Jubiläum der besonderen Art feierte gestern Abend im Haberhauskeller die Handelsschulverbindung Commercia Schaffhausen, und mit ihr rund 180 junge, aber auch ältere Interessierte: Die zehnte Ausgabe der Commercia-Wirtschaftsdebatte kreiste um die Frage, ob wir angesichts der zahlreichen Krisen der letzten zehn Jahre Angst vor der Zukunft haben und letztlich um unseren Wohlstand bangen müssten.
Unter der Leitung von Moderator Martin Schläpfer (Leiter Direktion Wirtschaftspolitik des Migros-Genossenschafts-Bundes) debattierten diese Frage fünf Exponenten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik: Giorgio Behr (Schaffhauser Unternehmer), Konrad Hummler (Publizist und ehemaliger Bankier), Oswald Grübel (ehemaliger CEO der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS), Serge Gaillard (Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung) sowie Rudolf Strahm (ehemaliger Preisüberwacher). Dass nicht nur Herren gesetzteren Alters die Debatte verfolgten, sondern auch Schülerinnen und Schüler des KV und der Kantonsschule, ist laut Marcel Schönenberger, Präsident des Commercia-Altherrenverbandes, «eine Besonderheit, auf die wir als Organisatoren immer grossen Wert legen».
Zu Beginn kreiste die Diskussion um die Frage, ob nach der Finanz- und Bankenkrise die Banken wieder fit seien, um ihre Funktion im Dienste der Weltwirtschaft wahrzunehmen. Die Banken hätten zugunsten der Sicherheit ein Korsett angelegt bekommen, diagnostizierte Grübel; darum werde die Wirtschaft lange Zeit nicht wachsen. Die Banken seien durch die Regulierung zwar stabiler geworden, aber nicht besser, ergänzte Hummler; und Behr fragte: «Wie kann jemand fit sein, wenn er sich nicht bewegen kann?» Die Schweiz laufe derweil Gefahr, die Zukunft des Werkplatzes zu verpassen. Und Gaillard meinte, die Finanzbranche habe durch ihr riskantes Verhalten die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht. Da sei es nachvollziehbar, dass das Pendel jetzt auf die andere Seite ausschlage. Strahm sagte, es dauere mindestens zehn Jahre, um den Schaden aus der Finanz- und Bankenkrise zu heilen. Schmerzhaft für die Schweiz sei die Erkenntnis gewesen, dass sie kein Sonderfall mehr sei, sondern globale Spielregeln übernehmen müsse. Dennoch war die Debatte über weite Strecken von trotzigem Optimismus geprägt: Obwohl der Franken gegenüber dem Euro um 20 Prozent aufgewertet worden sei, brächen die Schweizer Industrieexporte nicht ein, sondern stagnierten bloss, bemerkte Gaillard. Und auf den kritischen Einwand aus dem Publikum, die Schweizer seien doch eigentlich für ihren Wohlstand selber verantwortlich, sagte Grübel: «Der Rest der Welt tut etwas gegen Ihren Wohlstand – aber Sie selbst müssen sich fragen, wie Sie diesen Wohlstand halten können.» Letztlich müsse man selber für Veränderungen arbeiten, forderte Hummler; Behr wiederum bezeichnete die Tendenz vieler Spezialisten zum freischaffenden Arbeiten als Chance, sein Schicksal seiber in die Hand zu nehmen: «Das ist ein ganz konkreter Ansatz.»


**Commercia Schaffhausen: Die Verbindung der Kaufleute pflegt eine bald 100jährige Tradition**

«Commercio et amicitiae» («dem Handel und der Freundschaft») – so lautet die Devise der 1918 gegründeten Verbindung für angehende Kaufleute. Die Verbindung zählt heute 105 Mitglieder im Altherrenverband und vereinigt Absolventen der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins sowie anderer kaufmännischer Lehranstalten. Stammlokal der Commercianer ist das Restaurant Adler in Schaffhausen.
Die Commercia Schaffhausen bezweckt die fachliche und allgemeine Aus- und Weiterbildung, die Schulung rhetorischer Fertigkeit und guter Umgangsformen sowie die Förderung einer besonderen Freundschaft unter den Mitgliedern. Weiter wird die Vermittlung kameradschaftlicher Kontakte zu Angehörigen anderer Verbindungen, insbesondere im Schosse des Bremgartenkartells, gefördert.(ple)



Die Debatte kam in Fahrt, als sich Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm (r.) mit dem Schaffhauser Unternehmer Giorgio Behr (3. v. l.) fetzte. Der Publizist und Ex-Bankier Konrad Hummler (l.), Oswald Grübel (2. v. l.), Ex-CEO von CS und UBS, sowie Serge Gaillard (2. v. r.), Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, folgten dem Schlagabtausch gespannt. Moderator Martin Schläpfer (3. v. r.), Leiter Direktion Wirtschaftspolitik des Migros-Genossenschafts-Bundes, liess Strahm und Behr ausreden.
Bild Bruno Bührer

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21. Mai 2016 | Wein und Wohnen in der «Tanne»

Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

Auf der alten Registrierkasse in der Weinstube des Hotels Tanne im Herzen der Stadt Schaffhausen liegt eine feine Staubschicht. Das Tageslicht schielt durch die alten Fenster und wirft fahles Licht auf die hölzernen Tische und Stühle. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. «Es sieht noch aus wie zu Fräulein Zimmermanns Zeiten», sagt Baureferent Raphaël Rohner, am Stammtisch in der Ecke sitzend. Und wirklich, man hat das Gefühl, jeden Moment werde die ehemalige Wirtin und Besitzerin des Hotels mit einem Glas Wein in der Hand die steile Treppe vom Weinkeller heraufsteigen und es zusammen mit einer ihrer berühmten kalten Platten auftischen. Doch seit Jahren beherrscht Stille die Räumlichkeiten. Das soll sich aber bald ändern. «Die ‹Tanne› ist ein wichtiges Projekt für uns, und wir wollen sie wieder zum Leben erwecken», sagt Finanzreferent Daniel Preisig. Noch zu Lebzeiten vermachte Fräulein Zimmermann die Liegenschaft der Stadt Schaffhausen – unter einer Bedingung: «Die Weinstube muss integral erhalten bleiben», erläutert Preisig die damals getroffene Abmachung.

**Wiedereröffnung im Herbst 2018**
Passiert ist jedoch seit März 2011 wenig. Damals schenkte Margrit Zimmermann im stolzen Alter von 93 Jahren zum letzten Mal ein Glas Wein aus, bevor sie sich zur Ruhe setzte und schliesslich im Frühjahr 2014 verstarb. Derzeit arbeitet der Stadtrat eine Vorlage für die Sanierung aus, die noch diesen Sommer dem Grossen Stadtrat vorgelegt werden soll. Geplantes Investitionsvolumen: drei Millionen Franken. «Im Herbst 2018 soll der Wein wieder fliessen», sagt Preisig. In den unteren Geschossen sei eine sanfte Sanierung geplant, erklärt Urs Wildberger, Projektleiter im städtischen Hochbauamt. Das heisst, die Weinstube wird auch nach der Sanierung noch von jedem ehemaligen Gast sogleich wiedererkannt werden. «Es soll das Bijou bleiben, das es bereits jetzt ist», so Rohner.

**Hotelschild wird restauriert**
Auch das Inventar bleibe erhalten, sagt Roger Düring, Abteilungsleiter Immobilien bei der Stadt. Zusammen mit der Denkmalpflege habe man ein ausführliches Inventar erstellen lassen. Deshalb zieren kleine Aufkleber mit Nummern einen Grossteil der Gegenstände im Gebäude. «So kommt anschliessend alles wieder an seinen angestammten Platz», sagt Düring. Das betrifft übrigens auch das alte «Hotel Tanne»-Schild über dem Eingang. «Das müssen wir retten, sonst geht es kaputt», so Düring. Deshalb werde es demnächst abmontiert und einem Kunstschlosser zur Restaurierung übergeben. Nach der Sanierung wird es wieder aufgehängt. «Man muss keine Angst haben, dass künftig ein Leuchtschild am Hotel prangen wird», sagt Wildberger lachend.
In den oberen Geschossen der «Tanne» sei eine grössere Umnutzung geplant, erklärt Preisig. «Vorstellbar ist eine hotelnahe Nutzung der Räumlichkeiten», sagt er. Schliesslich sei die «Tanne» ein Hotel gewesen, und man wolle möglichst nahe an der ursprünglichen Nutzung bleiben. Deshalb prüfe man im zweiten Stock und im Mansardengeschoss sogenannte «Service-Appartements», also Zimmer, die etwa von Geschäftsleuten für mehrere Wochen gemietet werden können. Der erste Stock der Liegenschaft wird als Pufferzone dienen. Dort könnten etwa eine Lounge oder auch Büroräumlichkeiten entstehen, sagt Rohner. «Die Ansprüche an die Akustik sind heute höher, weshalb im ersten Stock keine Zimmer möglich sind», sagt er. Denn die Wände und die Decken sind dünn. Der Boden knarrt bei jedem Schritt, und durch die Wände hört man jedes Wort, das im Nebenraum gesprochen wird. Nach der Sanierung werde das im zweiten Stock und im Mansardengeschoss aber nicht mehr der Fall sein, da der Umbau so gestaltet werde, dass die Zimmer den heutigen Ansprüchen genügen, sagt Wildberger.
Auch im lauschigen Hinterhof wird es Änderungen geben. So wird die unansehnliche Doppelgarage abgerissen, um den Hof zu vergrössern. «An warmen Sommertagen kann man dann draussen im Schatten sein Glas Wein geniessen», so Rohner. Zudem wird auch die alte Remise im Hof umgebaut. Geplant sind dort im Erdgeschoss die sanitären Anlagen der Weinstube und ein Lager. Im Dachgeschoss der Remise sind zwei moderne Studios denkbar.

**Pächter wird Weinstube führen**
Bereits jetzt ist klar, dass die Stadt die Weinstube nicht selbst betreiben wird. «Wir werden sie verpachten», sagt Preisig. Erste Interessenten hätten schon bei der Stadt angeklopft. Das Konzept der Beiz soll im Vergleich zu früher nicht gross geändert werden. «Es soll eine Weinstube bleiben und sicher keine Pizzeria werden», sagt Wildberger. Noch seien aber nicht alle Details ausgearbeitet, so Preisig. Eines wird sich aber sicher ändern: «Die ‹Tanne› wird in Zukunft wie heute üblich ein Nichtraucherlokal sein», betont Rohner. Gequalmt werden müsse dann draussen.


**Peter Hartmeier «Eine der schönsten Beizen der ganzen Schweiz»**

Einer, der die «Tanne» bestens kennt, ist Peter Hartmeier. Der ehemalige Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» war dort bis zum Schluss Stamm- gast. In den letzten Jahren als Wirtin öffnete Fräulein Zimmermann die «Tanne» nur noch am Samstagmorgen – wo drei Stammtische erhalten blieben, wie Hartmeier erzählt. Am «Runden» sass eine Gruppe älterer Frauen. Am langen Tisch in der Mitte «honorige Männer». «Dieser Tisch war auch als 14/18-Tisch bekannt», sagt Hartmeier. Dies, weil jemand einmal spasseshalber behauptete, die Männer dort hätten im Ersten Weltkrieg die Grenze bewacht. Am letzten Tisch, in der hinteren Ecke, trafen sich die «Jungen». «Dazu gehörten neben mir etwa der Kunstmaler Erwin Gloor, die Journalistin Bea Hauser, die Lehrerin Ev Haeny oder auch der ehemalige Ständerat Kurt Schüle», erzählt er. Bei einem Halben Rot- oder Weisswein sei dann im verqualmten Lokal über Welt-, Kultur- und Lokalpolitik diskutiert worden. «Zuweilen auch laut und hitzig.» Fräulein Zimmermann stand meistens hinter dem Tresen und beobachtete das Geschehen aus der Distanz. «Sie hat sich nie in die Diskussionen eingemischt», so Hartmeier. Seltene Male habe sie eine trockene oder spitze Bemerkung von sich gegeben – mehr aber nicht.
Dass die Weinstube im Sinne von Fräulein Zimmermann erhalten bleibt, freut ihn. «Die ‹Tanne› ist schliesslich eine der schönsten Beizen der ganzen Schweiz», sagt Hartmeier. Für die Zukunft wünscht er sich, dass Menschen unterschiedlicher politischer Couleur an den Tischen zusammensitzen und debattieren werden – wie das früher der Fall gewesen sei. Er selber werde sicher wieder regelmässig ins Lokal gehen. Und dort mit Freunden aus dem In- und Ausland bei einem Glas Wein zusammensitzen.
(psc)


**Hotel Tanne: So soll es nun weitergehen**

Vorlage
Im Sommer soll die Vorlage dem Parlament präsentiert werden – und dann 2017 mit der Sanierung begonnen werden.

Kosten
Das Investitionsvolumen beträgt drei Millionen Franken. Über eine Million davon sind gebundene Ausgaben, deshalb kann der Grosse Stadtrat abschliessend über die Vorlage entscheiden.

Eröffnung
Im Herbst 2018 soll die Weinstube voraussichtlich wiedereröffnet werden. (psc)



Das Gästebuchund die braune Kasse auf dem Tresen des Hotels Tanne haben bereits etwas Staub angesetzt. Seit Jahren liegt die historische Liegenschaft in der Schaffhauser Altstadt brach – was sich aber bald ändern soll. Bei einem Rundgang durch das Gebäude haben Roger Düring, Abteilungsleiter Immobilien bei der Stadt, Urs Wildberger, städtischer Projektleiter Hochbau, Finanzreferent Daniel Preisig (v. l.) und Bau­referent Raphaël Rohner (nicht im Bild) erklärt, wie die «Tanne» künftig genutzt werden soll. Ziel ist, im Herbst 2018 die Weinstube wieder zu eröffnen. Bis dahin sind umfassende Sanierungsarbeiten nötig, die insgesamt rund drei Millionen Franken kosten werden.
Bilder Selwyn Hoffmann



Urs Wildberger, Roger Düring und Daniel Preisig (v. l.) in Fräulein Zimmermanns ehemaligem Schlafgemach. Dieses werde dem künftigen Pächter der «Tanne» überlassen, der es dann etwa als Büro nutzen könne, erklärt Düring.



Schmucke Details wie etwa das Wandbild im ersten Stock bleiben erhalten.



Urs Wildberger, Roger Düring, Daniel Preisig und Raphaël Rohner (v. l.) informieren am Stammtisch in der alten Weinstube über den geplanten Umbau der «Tanne».

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19. Mai 2016 | «Mir ist wichtig, dass sich die Leute hier zu Hause fühlen»

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

**Kopf der Woche: Roland Bosshard von der «Hopfenstube» in Schaffhausen rüstet sich für die Sommersaison**

Es macht einen guten Eindruck, wenn der Wirt seine Gäste so gut kennt, dass er sie mit dem Vornamen begrüssen kann. «Hallo, Sylvia», Roland Bosshard schüttelt einer älteren Dame die Hand. Sie lacht und lässt sich in einem der Korbstühle vor der «Hopfenstube» auf dem Herrenacker in Schaffhausen nieder. Ein Rosensträusschen steht auf dem Tisch. Den Kaffee kann man jetzt wieder draussen geniessen. Bosshard ist in seinem Element.
Ein kurzes Gespräch hier, ein paar Worte da. Der 27-Jährige nimmt sich Zeit. Ein echter Wirt eben, der anscheinend immer gute Laune hat. Für Bosshard ein Teil seines Konzepts.
«Mir ist wichtig, dass sich die Leute hier zu Hause fühlen, dass sich keiner komisch vorkommt», sagt er. Vor allem für die Stammgäste sei immer ein Platz frei. «Wo sonst sitzen noch vier Generationen an einem Tisch und philosophieren?» So, wie es in einer Beiz eben sein soll! Und wenn sich einer der Gäste Fischstäbchen wünsche, dann gebe es eben am nächsten Tag Fischstäbchen mit Rahmspinat. Bosshard: «Wir kochen wie bei Mama zu Hause.»
Wenn er in Fahrt kommt, redet Bosshard gern. Er hat aber auch seine ruhigen Momente: In einer Pause setzt er sich selbst in einen der Korbstühle, lehnt sich zurück, zündet eine Marlboro an. In seiner Beiz darf man auch drinnen rauchen. Die Hemdsärmel sind nach oben geschlagen, am linken Oberarm zeigt sich eine Tätowierung. Wenn Bosshard lacht – das tut er oft –, werden markante Schneidezähne sichtbar. Er hat dann was von einem Lausbuben.

**Dem Lehrmeister getrotzt**
Tatsächlich hatte er als Kind schon einen recht starken Willen. «Wenn ich mit meinen Eltern an einem schönen Ort Urlaub machte, wollte ich immer nur in die Küche des Hotels schauen», erzählt er. Eine Kochlehre nach der Schule lag da nahe. «Ich hab allerdings abgebrochen, weil ich einen bösen Lehrmeister hatte. Der hat mir die Arbeit verdorben», sagt Bosshard. Also absolvierte er die Handelsschule, um dann doch wieder in der Gastronomie zu landen. Mit gerade 21 Jahren betrieb er in Zürich mit vier Freunden einen Nachtclub. Bosshard zückt sein Handy, zeigt ein Foto. An einem Tisch sitzt unter anderem US-Schauspieler Samuel Jackson. «Wir haben es als Einzige in der Schweiz geschafft, zehn Hollywoodstars auf einmal zu bewirten.» Nach drei Jahren suchte Bosshard jedoch eine neue Herausforderung in Schaffhausen.
Seine Eltern leben hier. «Statt Stars und Sternchen bediene ich jetzt meine Oma», sagt er. Die 92-Jährige lese oft ihre Zeitung in der «Hopfenstube». Das Familiäre ist Bosshard heute wichtiger als Party all night long.


**Zur Person**
Alter: Seit gestern 27
Zivilstand: Ledig
Wohnort: Neuhausen
Hobbys: Fussballschauen, Reisen
Aktuelle Lektüre: Teletext am Abend vor dem Einschlafen



Wenn die «Hopfenstube» gut gefüllt ist, freut sich besonders der Betreiber Roland Bosshard.
Bild Maria Gerhard

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18. Mai 2016 | «D Johanne» feiert ihr Wiegenfest in Gottmadingen

Schaffhauser Nachrichten
(jcg)

Johanna Pfleghaar ist vielen als «d Johanne vom «Waldheim» Büsingen» bekannt. Heute Mittwoch darf sie im Gottmadinger Altenpflegeheim St. Hildegard, wo sie seit einiger Zeit lebt, ihren 103. Geburtstag feiern. Es geht ihr dem Alter entsprechend gut. Sie kann immer noch an Aktivitäten des Heims teilnehmen und ist regelmässig in dessen Café anzutreffen. Auch gönnt sie sich jeden Abend vor dem Schlafengehen immer noch ein Fläschchen Bier.
Mit ihren vielen Verwandten, die vor allem aus dem Raum Überlingen stammen, hat Johanna Pfleghaar ihr hohes Wiegenfest bereits am Pfingstmontag gefeiert, und zwar an der Stätte ihres langjährigen Wirkens, im Büsinger «Waldheim». Im St.-Hildegard-Heim wird heute nur noch in kleinem Rahmen gefeiert, mit einer fröhlichen Kaffeerunde über Mittag, zu dem ihre Tischgenossen und das Café-Team eingeladen sind.

**«Bekannt dank ihrer Geselligkeit»**
Die 1913 Geborene hat beide Weltkriege selbst miterlebt und weiss immer noch gern vieles von früher zu erzählen – etwa wie sie ihren langen Schulweg stets auf Schusters Rappen absolviert hat. «Nicht nur für Büsingen, sondern für die ganze Gegend ist Johanna Pfleghaar eine bekannte Persönlichkeit», sagt der Büsinger alt Bürgermeister Gunnar Lang. «Vor allem dank ihrer Geselligkeit.»


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30. April 2016 | Bierkonsumenten den Hopfen näherbringen

Schaffhauser Nachrichten
Mark Gasser

Die Biertrinker näher zu «ihrem» Bier und Hopfen bringen, das sie konsumieren: Diese Devise liess die Unterstammheimer Hopfentropfen GmbH zwei neue Angebote schaffen.
Fast jede Woche habe er Anfragen von Kunden aus der ganzen Schweiz erhalten, die eine Aktie zeichnen wollten, sagte Geschäftsinhaber Markus Reutimann. Und wer ihn kennt, der ahnt, dass da bereits die nächste Idee bei ihm schlummerte. Der umtriebige Urheber von Events wie der Bierolympiade auf dem Hopfenbetrieb, dem Stammer Bierfestival und dem Wettbewerb um den «schönsten Bierbauch» wusste auch dieses Bedürfnis zu bedienen. «Ich klärte mit der Lokalbank und mit Rechtsanwälten ab, die bestätigten: Ich kann die Plauschaktie anbieten», erzählte Reutimann gestern vor Medienvertretern und Neo-Aktionären.
So kam es, dass nun mit dem gestrigen Tag des Bieres die ersten drei Aktien à 1000 Franken veräussert wurden. Der Clou: Die «Dividende» beträgt jährlich 20 Franken (2 Prozent), welche in Form von Gutscheinen für Produkte auf dem Hopfenbetrieb ausgezahlt werden. Höhepunkt ist am Samstag nach dem Samichlaustag die Plauschgeneralversammlung mit Einblick in die Bierherstellung sowie einem üppigen Aktionärsdinner. Dabei wird der Warengutschein von 20 Franken verteilt. «Viele fanden es eine coole Idee: Die Aktien eignen sich auch als Geschenk, etwa für Konfirmanden», so Reutimann.
Mit der zweiten Idee des Ehepaars Reutimann haben bereits Winzer in der Region erfolgreich experimentiert: der Patenschaft einer Hopfenpflanze (statt einer Rebe). Mit einer solchen wird während fünf oder zehn Jahren für 300 oder 500 Franken die aufwendige Pflege des Hopfengartens unterstützt. Entlang des Pfades stehen die beschrifteten Pflanzen, deren Urkunde den Paten zugeschickt werden. «Auf Facebook dokumentieren wir auch das Wachstum der Pflanzen», so Reutimann. Und beim gemeinsamen Suchen werde der ganzen Familie der Hopfen nähergebracht. Mit einem Wort: nachhaltiger Agrotourismus mit reutimannscher Handschrift.

#Allgemeines

29. April 2016 | «Wir brauchen keine Einzelroboter»

Schaffhauser Nachrichten
Sophie Boldog

**Strengere Maturprüfungen: Christian Amsler ist skeptisch**
(Frontseite)

Schweizer Hochschulen klagen über schlechte Deutsch- und Mathekenntnisse. Anfang dieser ­Woche hat Bildungsminister Johann Schneider-Ammann strengere Maturitätsprüfungen gefordert, bei denen das Kompensieren von schlechten Noten in Mathematik und der Erstsprache erschwert werden soll. Der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler steht dieser Verschärfung kritisch gegenüber: «Die alleinige Fokussierung auf diese zwei Fächer finde ich nicht die richtige Richtung», sagt er. Vielmehr sollten die angehenden ­Studierenden individuell und besser auf das Hochschulstudium vorbereitet und darin unterstützt werden. Dazu habe die Konferenz der kantonalen ­Erziehungsdirektoren (EDK) bereits verschiedene Projekte am Laufen. ­Studienabbrüche und -wechsel sollen so eingedämmt werden.
(sbo)


**Interview**
*Erziehungsdirektor Christian Amsler über die Verschärfung der Maturität*

*Was denken Sie über die Verschärfung der Matura in den Kernfächern Mathematik und der Erstsprache?*
Zuerst muss ich ­sagen, dass ich es begrüsse, dass der nationale Bildungsminister mitdiskutiert. Die Grundaussage ist sicherlich diskussionswürdig und auch prüfenswert. Im Detail habe ich da aber schon gewisse Vorbehalte.

*In welcher Hinsicht?*
Die Matura hat eine relativ breite Allgemeinbildung abzudecken. Die Studierfähigkeit in verschiedensten Disziplinen ist also ein klares Ziel. Dass man sich nur auf zwei Teildisziplinen fokussiert und ausschliesslich dort einen Schwerpunkt setzt, empfinde ich daher nur bedingt geschickt. Mit der Aussage allein kann ich daher nicht viel anfangen.

*Die zwei Hauptfächer sollen nicht mehr mit guten Noten in Musik oder Sport kompensiert werden dürfen. ­Finden Sie das einen fairen Ansatz?*
Der Kritikpunkt von Johann Schneider-Ammann ist ja, dass Maturanden zu leicht kompensieren können. Ich finde es wichtig, dass man den herangehenden Studenten zeigt, dass sie in jedes Fach investieren müssen. Und ­dabei nicht in einem Bereich nach­lassen, nur weil diese schlechte Note ­sowieso kompensiert werden kann. Das Gymnasium hat klar den Anspruch auf eine breite humanistische Bildung, die alle Disziplinen umfasst. Diese Breite empfinde ich als sehr wichtig, sie sollte auch nicht ohne Grund aufgegeben werden. Wir brauchen keine Einzelroboter nur in einem Bereich, plakativ gesagt. Der Ansatz von Bundesrat Schneider-Ammann ist schon richtig, aber ich möchte dagegen ankämpfen, dass man zu stark allein auf zwei Bereiche fokussiert.

*Wieso?*
Es ist sofort eine Wertung da. Man sagt ganz eingeschränkt, dass die zwei Fächer Deutsch und Mathematik die wichtigsten sind. Beides sind Kernfächer, ja, aber es muss auch für Schüler gewährleistet sein, eine Universität besuchen zu dürfen, die in anderen Bereichen stark sind. Nur weil jemand beispielsweise in Mathematik schwach ist, wäre es unfair, diesen Schüler vom Studium auszuschliessen. Die alleinige Fokussierung auf diese zwei Fächer finde ich daher nicht die richtige Richtung.

*Was wäre dann die richtige Richtung?*
Dass Schüler, die in bestimmten Bereichen Mühe haben, speziell ­gefördert werden. Da gibt es verschiedene Ansatzpunkte, beispielsweise den klassischen Nachhilfeunterricht. Die jungen Leute müssen aber wie gesagt auch selber investieren. In der schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) laufen zudem auch Teilprojekte unter dem Namen «Gymnasiale Maturität: Langfristige Sicherung des prüfungsfreien Hochschulzugangs», mit denen wir den richtigen Weg anpeilen.

*Welche Ziele haben diese Teilprojekte?*
Durch Studien und Laufbahnberatung, durch Verbesserung der Kommunikation zwischen der Gymnasial- und der Hochschulwelt und durch definierte basale fachliche Studienkompetenzen sollen die häufigen Studienabbrüche und -wechsel eingedämmt werden. Wenn man nämlich die jungen Schulabgänger während des Gymnasiums besser vorbereiten und unterstützen würde, wäre es eher gewährleistet, dass die Maturanden für den gewählten Studiengang auch wirklich geeignet und bei ihrer Studienwahl sicherer sind.

*Fühlen sich Kantischüler in diesem Thema alleingelassen?*
Das höre ich immer wieder, und genau hier könnte man mehr tun. Denn es gibt viele junge Leute, die noch nicht genau wissen, was sie studieren wollen. Eine gute Unterstützung und Beratung der angehenden Studenten halte ich für wichtig und sinnvoll.

*Weshalb fordert Schneider-Ammann eine Verschärfung, wenn die EDK ja bereits Verbesserung in diesen Bereichen anstrebt?*
Vielleicht liegt es daran, dass im Ausland, vor allem in Asien, Ausnahmetalente im Wirtschafts- und Forschungsgebiet besonders gefördert ­werden. Wir müssen aber auch Sorge tragen, dass hier zum Beispiel Mathe­genies nicht zu kurz kommen und die Schweiz in diesen Bereichen nicht ­zurückfällt.

*Schneider-Ammann will lieber ­weniger, dafür gute Maturanden. Wie stehen Sie dazu?*
Nicht zu viele finde ich schon auch richtig. Gute und ein hohes Niveau ebenfalls. In der Romandie ist die Maturitätsquote beispielsweise viel höher als bei uns in Schaffhausen. Dazu muss man aber auch sagen, dass dort das Maturitätsniveau tiefer ist.

*Wie sieht es hier in Schaffhausen aus?*
So, wie wir in Schaffhausen unterwegs sind, ist es sehr gut! Die ­Maturitätsquote liegt hier bei etwa 15 Prozent. Von der ETH und den Unis bekommen wir immer hervorragende Rückmeldungen, dass wir ein sehr ­hohes Niveau an unserer Kantonsschule haben. Aber auch schweizweit, mit dem Ausland verglichen, haben wir wirklich gut ausgebildete Maturanden, davon bin ich überzeugt. Von daher finde ich nicht, dass wir künstlich unsere Maturitätsquote runterschrauben müssen. Wir sind gut aufgestellt, dies gilt es zu bewahren!


**Strengere Matura**
Worum geht es

Hochschulen klagen
Zu viele Maturanden erreichen in der Erstsprache und in Mathematik kein angemessenes Hochschulniveau.

Das Departement
für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)will die Maturitätsprüfungen schweizweit harmonisieren, und es soll schwieriger werden, ungenügende Mathe- und Deutsch­noten mit guten Leistungen in anderen Fächern zu kompensieren.

Vorgehen
WBF und Erziehungs­direktorenkonferenz wollen die Forderungen zur Verschärfung der Maturität überprüfen.


30.04.2016
Schaffhauser Nachrichten

**Wider die Uni-Untauglichkeit**
Mark Liebenberg

Bei den Maturitätsprüfungen sollen Mathe und die Erstsprache stärker gewichtet werden als bis anhin. Diese Forderung erhob Bildungsminister Johann Schneider-Ammann. Das entspringt nicht einer magistralen Laune nach mehr Strenge, sondern einem echten Problem: Schweizer Hochschulrektoren klagen, dass viele Maturanden das mathematische und das sprachliche Rüstzeug für ein Hochschulstudium nicht mehr mitbrächten.
Universitäten und Bildungspolitiker begrüssen es, dass die Schrauben fester angezogen werden sollen. Muss nun also an der Maturprüfung strenger selektioniert werden? Man muss anders fragen: Ist es fair, junge Menschen mit der Illusion an die Uni zu entlassen, fit für ein Hochschulstudium zu sein, wenn sie bisher ungenügende Noten in Schlüsselfächern mit guten Leistungen in Sport oder Musik relativ einfach kompensieren konnten?
Nein, ist es nicht. Es ist deshalb erfreulich zu hören, wenn etwa an der Kantonsschule Schaffhausen die Hochschultauglichkeit der Kantonsschüler mit mehr Nachhilfeangeboten und verbesserter Studienwahlberatung gefördert wird. Denn auch darin dürfte Einigkeit bestehen: Niemand will Zulassungsprüfungen an den Hochschulen.
Natürlich kann man fragen, wozu ein Schüler, der Literatur und Theater studieren will, Differenzialrechnen beherrschen sollte. Doch was ist die Matur? Ein Reifezeugnis. Dazu gehört auch, Dinge zu meistern, die einen weniger interessieren ­­­– genügende Leistungen genügen. Mit dem dualen Bildungssystem gibt es zudem eine ganze Palette von Ausbildungswegen, die ebenfalls von einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss führen können.

#Allgemeines

25. April 2016 | Braukunst kennt keine Krise

Migros Magazin Nr. 17
von Reto E. Wild

«Braukunst kennt keine Krise» als pdf

#Allgemeines

18. April 2016 | Den deutschen Brauern droht ein Kater

Schaffhauser Nachrichten
Roland Losch

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser – gut ausgewogen machen allein diese vier Zutaten ein schmackhaftes Bier aus. Diese Brauerweisheit geht auf das deutsche Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 zurück. Zu seinem 500. Geburtstag machen die Brauer ein grosses Fass auf – selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zum Festakt in Ingolstadt am 22. April erwartet.
Zwar machen die jüngsten Zahlen Mut: Der Bierabsatz stieg 2015 leicht, es gab wieder mehr Brauereien und Beschäftigte, die Vielfalt ist grösser denn je. Und nicht zuletzt die bevorstehende Fussball-Europameisterschaft lässt die Brauereien auf einen grossen Schluck hoffen.

**Deutsche trinken weniger Bier**
Aber der Branche droht ein mächtiger Kater. Denn nüchtern betrachtet kämpft sie gegen den Trend. 1976 tranken die Bundesbürger im Durchschnitt 151 Liter Bier, heute sind es noch 106 Liter.
Jürgen-Michael Gottinger, Branchenexperte bei der Münchner Unternehmensberatung W&P, schaut auf die alternde Bevölkerung, die gesellschaftlichen Trends und rechnet mit einem weiteren deutlichen Rückgang bis 2025:
«Eine Katastrophe für die deutschen
Brauereien.»

**Kampf um Marktanteile**
Schon heute liefern sich die Braukonzerne einen erbitterten Preiskampf. Ihre Pilsbiere schmecken den meisten Biertrinkern, sind aber nur noch schwer zu unterscheiden – da greifen die meisten Käufer zum billigeren Angebot. «Heute wird jede vierte
Flasche Bier über Aktionen verkauft», sagt Gottinger. Und dieser Anteil steige jedes Jahr um ein Prozent.
Eine Brauerei kann so zwar kurzfristig ihre vollen Lager leeren. Aber sie erobert keine Marktanteile, sondern schmälert vielmehr ihren Gewinn, weil auch die Stammkunden lieber auf die nächste Aktion warten. Und manchmal untergräbt es auch den Wert einer Marke. «Gewinner ist der Verbraucher. Er bekommt sein Lieblingsbier billiger», sagt der Unternehmensberater.
Auch viele mittelständischen Brauereien haben dem Preisdruck
nicht standgehalten und mussten aufgeben, wie Lothar Ebbertz sagt, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes. Andere dagegen sind mit einer regionalen Ausrichtung und konsequenter Markenpflege erfolgreich – «authentisch, präsent vor Ort, mit
tadelloser Qualität» können sie auch höhere Preise durchsetzen: «Sie werden als Spezialität wahrgenommen.»

**Mikrobrauereien im Trend**
Gottinger nennt als Beispiele hierfür das Münchner Augustiner oder das Tegernseer. «Originelle regionale Marken sind im Trend.» Auch Flensburger ist so im hart umkämpften Pils-Markt erfolgreich unterwegs: Die Brauerei konnte ihren Absatz im vergangenen Jahr um acht Prozent steigern. «Flens hat viel mit Emotion zu
tun», sagte Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus. Die Flasche mit dem Bügelverschluss, die norddeutsche Identität, aber auch der herbe Geschmack trügen dazu bei.
Dass die Zahl der Brauereien in Deutschland im vergangenen Jahr um weitere 31 auf 1388 stieg, liegt an neuen Gasthof- und Mikrobrauereien – sie produzieren keine 1000 Hektoliter im Jahr, machen aber inzwischen die Hälfte aller Brauereien aus.
Beflügelt wurde die Entwicklung von Craft Beer, meist hopfenbetont-fruchtigen Sorten, die mit ganz neuen Aromen spielen und viele Biertrinker neugierig gemacht haben. Dafür sind Feinschmecker dann auch bereit, zwei Euro pro Flasche zu zahlen. Mit einem Marktanteil im Promillebereich spielen Craft-Biere aber bisher keine grosse Rolle.

**Alkoholfreies Bier boomt**
Viel wichtiger ist ein anderer Trend: «Alkoholfreies Bier brummt wie der Teufel», sagt Ebbertz. Laut Deutschem Brauerbund wuchs der Marktanteil im vergangenen Jahr weiter kräftig auf 5,6 Prozent. Brauereien bewerben ihre Alkoholfreien heute als Lifestyle-Getränke, kalorienarm, gesund, als isotonische Getränke für
Sportler.
Denn die Deutschen achten mehr auf Gesundheit und Fitness – da hat es die Flasche Pils mit 430 Kilokalorien und fünf Prozent Alkohol schwerer. «Früher war jedes vierte Getränk ein Bier – heute ist Mineralwasser der Durstlöscher. Bier und Limo verlieren», sagt Gottinger. «Wo früher ein Stammtisch war, ist heute ein Fitnessstudio. Die Freizeit wird anders verbracht. Auch im Chatroom gibt keiner eine Saalrunde aus», sagt Ebbertz. Am Arbeitsplatz wird ebenfalls volle Leistungsfähigkeit erwartet – ein Bier zum Mittagessen in der Kantine ist in den allermeisten Unternehmen längst passé. Da passt es ins Bild, dass die Stadt Berlin über ein Alkoholverbot diskutiert.

**Wachstum weltweit**
Weltweit wächst der Bierkonsum dagegen. China und Brasilien sind riesige Märkte und produzieren selbst weit mehr Bier als Deutschland. Und im internationalen Geschäft dominieren Braugiganten wie AB-Inbev und SABMiller, die aktuell eine Megafusion im Wert von rund 100 Milliarden Euro festzurren, oder Heineken. Selbst die grössten deutschen Braukonzerne wie Radeberger oder Oettinger sind im Vergleich nur Zwerge. Vor allem Belgier und Niederländer seien weltweit auf Einkaufstour gewesen, als sich die Deutschen auf ihren rasant wachsenden heimischen Markt konzentriert hätten, erklärt Ebbertz. Jetzt sei der Kuchen weitgehend verteilt.
(dpa)

**1516**
*Eines bayerischen Herzogs Verfügung*

Das Reinheitsgebot des Bieres wurde 1516 von Herzog Wilhelm IV. von Bayern verfügt. Es gilt als das weltweit älteste Lebensmittelgesetz der Welt. «Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen», heisst es in dem Gebot von 1516. «Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.»
Frühe Vorschriften zu Qualität und Preis des Bieres wurden bereits im 12. Jahrhundert erlassen. Eine Festlegung auf Wasser, Malz und Hopfen als Rohstoffe erfolgte für München 1487 durch Herzog Albrecht IV. von Bayern.
Als Vorläufer des Reinheitsgebots gilt unter anderem eine «Biersatzordnung», die Herzog Georg den Reichen 1493 für das damals von ihm regierte Teilherzogtum Niederbayern erliess. Albrechts Sohn Wilhelm IV. dehnte 1516 das Reinheitsgebot auf ganz Bayern aus. 1906 wurde es zum Reichsgesetz und galt somit für ganz Deutschland.
(dpa)

**Reinheitsgebot**
*Nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe dürfen rein*

Nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 dürfen zum Bierbrauen nur Wasser, Gerste und Hopfen verwendet werden. Ausserdem wird Hefe zum Gären
gebraucht. Die heutigen Zutaten im Überblick:

**MALZ**
wird je nach Biersorte aus Gerste oder Weizen gewonnen. Das Getreide wird mit Wasser vermengt, damit es keimt. Danach wird das Grünmalz ähnlich dem Rösten von Kaffee in der Darre getrocknet. Es gibt mehr als 40 Sorten wie helles und dunkles Malz, Rauch- oder Caramelmalz.

**HOPFEN**
sorgt für den mehr oder weniger bitteren Geschmack des Bieres. Zudem beeinflusst er die Schaumkrone und erhöht die Haltbarkeit. Es gibt Bitter- und Aromahopfen. Der Braumeister kann aus über 200 Sorten auswählen. Meist nimmt er mehrere Sorten für einen Sud. In der Hallertau, zwischen München und Nürnberg, liegt das grösste Hopfenanbaugebiet der Welt.

**WASSER**
ist der Hauptbestandteil jedes Biers. Seine Mineralstoffe beeinflussen den Geschmack. So wird das malzig-süsse Münchner Dunkelbier mit hartem Wasser gebraut. Das feinherbe Pils hingegen braucht weiches, kalkarmes Wasser. Laut der Trinkwasserverordnung sind die Anforderungen an Brauwasser höher als die an Trinkwasser.

**HEFE**
verwandelt bei der Gärung den Malzzucker in Alkohol, Kohlensäure und Wärme. Die Hefe prägt auch das Aroma des Biers massgeblich mit. Es gibt 200 Hefestämme. Brauer unterscheiden zwischen obergärigen Hefen für Weizen- und untergärigen für Gerstenmalz. Untergärige Hefen sinken an den Boden der Flüssigkeit, obergärige Hefen steigen auf.
(dpa)

#Allgemeines

17. April 2016 | Bier ist unser Gegengift – 500 Jahre Reinheitsgebot

NZZ am Sonntag, Wissen
von Gunther Hirschfelder

«500 Jahre Reinheitsgebot» als pdf

#Allgemeines

7. April 2016 | Die Kantone ziehen die Schraube an

Schaffhauser Nachrichten
Lukas Leuzinger

Wer die Matura bestanden hat, der darf an einer Schweizer Universität oder ETH studieren. Dieser Grundsatz gilt heute im Schweizer Hochschul­bildungssystem. Eine Aufnahme­prüfung gibt es – ausser für das Medizinstudium – nicht.
Allerdings wurde in jüngerer Zeit vor allem vonseiten der Hochschulen Kritik laut, das Niveau der Matura sei zu tief. Tatsächlich gab eine landesweite Evaluation aus dem Jahr 2007 – neuere Erhebungen gibt es nicht – Anlass zu Bedenken. Knapp ein Viertel der Gymnasiasten hatte eine ungenügende Mathematiknote im Maturazeugnis. Betrachtet man nur die schriftliche Abschlussprüfung, waren sogar 41 Prozent der Maturanden ungenügend. Bei der Erstsprache (Deutsch in der Deutschschweiz, Französisch in der Westschweiz) schrieb jeder fünfte Schüler eine ungenügende Note. Durch die Matura fällt deswegen kaum jemand, weil ungenügende Noten durch genügende in anderen Fächern ausgeglichen werden können. Doch reichen diese Mathematik- und Sprachkenntnisse für ein Studium an einer Hochschule?

**Bruchrechnen und Schreiben**
Auch der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) bereitet das Niveau der Maturanden in manchen Fächern Sorgen. Sie hat deshalb den seit 1994 bestehenden Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen ergänzt, wie sie gestern mitteilte. Das Papier, das als Grundlage für die kantonalen Lehrpläne dient, listet die Kompetenzen in Mathematik und Erstsprache genauer auf, die Maturanden bis zum Ende ihrer Mittelschulzeit erlangen sollen. Die Schüler sollen etwa Bruchrechnen können, den Satz des Pythagoras beherrschen oder «argumentativ schlüssige und angemessen verknüpfte Texte formulieren können».
Grundlage für die Ergänzungen ist eine Untersuchung des Erziehungswissenschafters Franz Eberle von der Universität Zürich. Eberle und sein Team befragten Studenten verschiedener Fachrichtungen und Universitäten dazu, welche Fähigkeiten in Mathematik und Erstsprache sie im ersten Studienjahr häufig brauchten. Darauf aufbauend erarbeiteten die Wissenschafter einen Katalog von Kompetenzen, die «in vielen Studienrichtungen» vonnöten sind.

**«Es braucht Grundkenntnisse»**
Im Gespräch betont Eberle, es gehe nicht darum, mehr Mathematiker und Germanisten hervorzubringen. «Wer eine ungenügende Note in Mathe- matik hat, wird wahrscheinlich nicht Mathematik studieren. Aber auch wenn er Psychologie studiert, braucht er gewisse mathematische Grundkenntnisse.» Das Gleiche gelte für die ­Sprache. Der Erziehungswissenschafter ergänzt, dass die mathema­tischen Anforderungen in den Sozialwissenschaften, aber auch in den Wirtschaftswissenschaften tendenziell zugenommen hätten. Eberle, der auch die Evaluation der gymnasialen Ausbildung durchgeführt hat, betont aber, dass das Niveau der Matura grundsätzlich zufriedenstellend sei.
Neben der Ergänzung des Rahmenlehrplans haben die Erziehungsdirektoren eine Reihe von Empfehlungen an die Kantone beschlossen. Beispielsweise sollen sie die Maturaprüfungen zwischen den einzelnen Kantonsschulen harmonisieren. Weiter soll der Dialog zwischen Gymnasien und Hochschulen verstärkt und die Studien- und Laufbahnberatung an den Mittelschulen verbessert werden. Ob diese Massnahmen fruchten, wird sich schon bald zeigen: Die EDK und der Bund planen eine neuerliche landesweite Evaluation der Matura. Der genaue Zeitpunkt ist aber noch offen.
Bei den Gymnasien stösst die Ergänzung des Rahmenlehrplans auf grundsätzlich positives Echo. «Dieses Vorgehen ist sinnvoll – und gut schweizerisch», sagte Marc König. Er ist Rektor der St. Galler Kantonsschule am Burggraben und Präsident der Konferenz der Schweizerischen Gymnasialrektoren. Die Schulen seien in der Lage, sicherzustellen, dass die Gymnasiasten die geforderten Kompetenzen erwerben. Zentral ist für König, dass der prüfungsfreie Zugang zu den Hochschulen gewährleistet bleibt.

**«Nicht die einzigen Kompetenzen»**
Auch bei den Hochschulen zeigt man sich zufrieden. Man begrüsse die Klärung der Kompetenzen in Mathematik und Erstsprache, erklärte Martina Weiss vom Verband Swissuniversities. Allerdings seien sie nicht die einzigen massgeblichen Kompetenzen für die Studierfähigkeit. Ihr Erwerb dürfe «nicht auf Kosten anderer im Rahmen der Allgemeinbildung zu erwerbender Kompetenzen erfolgen».

#Allgemeines

7. März 2016 | Als die Saite riss, riss Elias Winzeler die Show mit Singen

Schaffhauser Nachrichten
Ronny Bien

Wie jedes Jahr, so präsentierten sich auch in diesem Jahr 27 musikalische Kantischüler/-innen mit einem Konzertabend der Öffentlichkeit. Es spielten fünf Combos aller Altersklassen. Dieses Konzert ist vor allem für die grössten Nachwuchstalente eine optimale Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dazu gehört zweifelsfrei der junge Saxofonist Tobia Ochsner, der einen souveränen Auftritt absolvierte. Improvisieren musste in der Folge Bandsänger Elias Winzeler, dem während des Songs «I’m So Excited» eine Saite an der elektrischen Gitarre riss, sodass er auf eine akustische ohne Gitarrengurt umsatteln musste. Dafür überraschte er mit einer überwältigenden Gesangseinlage beim Amy-Winehouse-Klassiker «You Know I’m No Good». Elias Winzelers Stimme hat grosses Potenzial für die Zukunft.

**Funkige Breakdance-Einlage**
Zu jedem Song präsentierte Pianist Janosch Bohner zur Erheiterung des Publikums einen Hut aus seiner Kollektion, was nebst seinen Fähigkeiten an den Tasten zu seinem Markenzeichen werden könnte. Seine Vielseitigkeit unterstrich Noah Näf, der zuerst in einer Band am Schlagzeug mitwirkte, bevor er in der folgenden Musikgruppe Cajon, Congas und Trompete spielte.
Dass Preveen Panakkal (Voc), Maurice Storrer (Sax), Lorenzo Persi (Git), Marek Stahel (Key), Shardad Ghazi Wakili (Bass) und Jonas Bolliger (Dr) gut eingespielt sind, war schnell zu erkennen. Diese sieben haben sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Der krönende Abschluss folgte während des Hits «Uptown Funk» von Bruno Mars, als Jonas Bolliger eine Breakdance-Einlage zum Besten gab.

**Sprungbrett in die lokale Szene**
Baumeisterin dieser jährlichen Konzertreihen ist Christiane Mathé. Unter ihrer Leitung wachsen die jungen Musikerinnen und Musiker im Gesang oder an ihren Instrumenten und sammeln wertvolle Erfahrungen, von denen sie später in einer eigenen Band profitieren können. In der Schaffhauser Musikszene etablieren sich regelmässig jüngere Bands und sorgen für frischen Wind. Die Motivation der jungen Talente, von der Kantiaula aus die regionalen Bühnen zu erklimmen, ist dem entsprechend gross.

#Allgemeines

7. März 2016 | Bildnerische Kreativität ohne Grenzen

Schaffhauser Nachrichten
Anne Gross

Bilderbücher, Kurzfilme, Fotografien und viele weitere Projekte haben die Maturandinnen, Maturanden und die Fachmittelschulabsolventinnen und -absolventen über ein ganzes Jahr beschäftigt. Die Ergebnisse dieser intensiven Arbeit stellten sie im Zusammenhang mit ihren Präsentationen an einer kleinen Ausstellung im Erweiterungsbau der Kantonschule Schaffhausen vor. «Es ist erstaunlich, in wie viele verschiedene Richtungen die Projekte gehen», so Corina Rauer,Kuratorin des Kunstvereins Schaffhausen.Deborah Kipferhat mit ihren Zeichnungen ein Bilderbuch erstellt, das die Geschichte eines ADHS-Kindes erzählt. «Es war mir sehr wichtig, mal eine andere, positive Seite dieses Themas zu zeigen», so Kipfer. Man vergesse nämlich manchmal, wie fantasievoll und unglaublich intelligent diese Kinder oft seien.Luisa Riccianalysierte in ihrer Arbeit den Bedeutungswandel von Porträts im Laufe der Zeit. Dabei war sie selber überrascht, wie viel überlegter sie beim Fotografieren mit der analogen Kamera vorging. «Ich gehöre ja eigentlich zur Selfie- und Snap-Chat-Generation, wo man einfach mal abdrückt, ohne gross zu zögern», sagt Ricci. ­Camill Sennehat eine fächerübergreifende Arbeit in den Fächern Deutsch und Bildnerisches Gestalten eingereicht, und es entstand dabei ein ganzes Buch. «Es war eine riesige Arbeit Dennoch bin ich mit dem Endergebnis zufrieden.» Damit die künstlerischen Begabungen der jungen Menschen weiterhin unterstützt werden, erhalten die Schüler, die ihre Maturarbeit im Fach Bildnerisches Gestalten eingereicht haben, die Mitgliedschaft im Kunstverein und damit die Möglichkeit, sich an Exkursionen, Ausstellungen und vielen weiteren Veranstaltungen des Vereins zu beteiligen.

Legende



Luisa Ricci stellt nach der Maturarbeitspräsentation ihre Arbeit «Vom analogen Porträt zum digitalen Selfie» vor.
Bilder Selwyn Hoffmann



Andrina Kipfer (rechts) bestaunt die Maturarbeit ihrer Schwester Deborah Kipfer: ein Bilderbuch mit ihren Zeichnungen.



Der Maturand Janik Lobsiger hat eine 3-D-Animation mit Motion-Tracking produziert und einen Kurzfilm daraus gemacht.



Eliane Gigon war Austauschschülerin an der Kanti Schaffhausen und stellt mit ihrem Freund Antoine Woeffray ihre Arbeit vor.



Camill Senne hat in den Fächern Deutsch und Bildnerisches ­Gestalten gearbeitet: Eine Geschichte und Bilder entstanden.



Miro Felix betrachtet mit der Lehrerin Katrin Fischer das Ergebnis seiner digitalen Bildmanipulation mit dem Munot.



Corina Rauer, Kuratorin des Kunstvereins, vor Michael Werners Visualisierung von Herman Hesses «Klein und Wagner».

#Allgemeines

5. März 2016 | So einzigartig wie das Munotglöggli

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Wer am Lindli flaniert, an den vertäuten Weidlingen vorbei, erkennt wohl auf den ersten Blick, dass das eine Idylle ist. Und merkt auf den zweiten Blick, dass nicht alle Boote ­Motoren haben. Warum ist das so?
Wenn der Spaziergänger dann erfährt, dass hinter der augenfälligen Enthaltsamkeit eine behördliche Regelung steht, mag er das, je nach Gusto, für eine vernünftige Sache halten oder als eine unzulässige Beschneidung des Gebrauchs eines persönlichen Besitzes, nämlich des Bootes, ansehen. Und ist damit am wunden Punkt angekommen: Nicht alle Weidlingsbesitzer dürfen ihr Gefährt mit Motorkraft bewegen.
Und im Sommer dann würde dem Spaziergänger auffallen, dass das ­offenbar einige auch gar nicht wollen, denn sie ziehen den Weidling an einem Seil flussaufwärts, steigen beim Restaurant Rheinhalde ins Boot und bewegen dieses dann mit einem Stachel, den sie in regelmässigem Abstand auf dem Flussgrund absetzen und sich daran abstossen, weiter flussaufwärts. Das ist jetzt die reine Idylle. Typisch für den Rhein zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein, ein regionales Wahrzeichen wie die Bölletünne und so einzigartig wie das Munotglöggli.

**Zahlreiche Motorverbote**
Wo sonst gibt es eine 50:50-Regelung? Vielleicht an einem kleinen See? Das Beispiel des Greifensees im Kanton Zürich zeigt, dass es dort zwar eine Kursschifffahrt in bescheidenem Umfang gibt, dass daneben aber überhaupt keine motorisierten Privatboote erlaubt sind. Auch auf den Fliessgewässern im Kanton Zürich, wie der Töss, ist das Fahren mit Motorbooten nicht erlaubt. Die Töss etwa sei im Sommer ein Paradies für «Gummiböötler», heisst es bei der für solche Fragen zuständigen Seepolizei Oberrieden. Auch auf der Limmat gibt es im Sommer ausser dem Pontonierfahrverein Schlieren nur Gummiboote, aber keine Motorboote, mit Ausnahmen für die Polizei, die Feuerwehr und die Boote der Kraftwerke am Fluss. Einzig im Hafenbereich der Stadt Zürich darf die Limmat, sofern man eine Sonderbewilligung hat, mit einem Motorboot befahren werden.
Daniel Fasnacht vom Amt für Umwelt des Kantons Solothurn sagt auf Anfrage, dass es an der Aare verschiedene Anbindezonen und dort dann auch Bootsstege gebe, an denen vier bis fünf Boote festgemacht seien. Das seien in der Regel alles motorisierte Fischerboote. In Solothurn gibt es demzufolge auch nichts, was im Entferntesten an eine 50:50-Regelung ­erinnert. Ausserdem sei das Aareufer mit grossen Blocksteinen befestigt, naturbelassene Uferabschnitte gebe es nur wenige.
Damit ist auch gesagt, dass die topografischen Gegebenheiten, wie sie in Schaffhausen herrschen, mit einem ab der Stadtgrenze rheinaufwärts praktisch unverbauten Ufer, ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal des Flusses zwischen der Munotstadt und Stein am Rhein sind. Nicht zuletzt deshalb kann ja die hiesige Schifffahrtsgesellschaft mit der «schönsten Flussfahrt Europas» um Passagiere werben.
Das Stacheln ist eine meditative Angelegenheit. Man muss sich konzentrieren, es braucht Kraft, Geschick und Ausdauer, um den Weidling zwischen Ufer und den Pfahlreihen mit den vertäuten Booten – solche Pfahlreihen werden die Stachler praktisch bis zur Diessenhofer Brücke begleiten – so zu bewegen, dass man nicht dauernd irgendwo anstösst. Beim Stacheln wird man zeitlos, es ist ein Stresskiller sondergleichen.

**Stacheln am Rhein in freier Natur**
Wirklich völlig einzigartig, so was? Nicht ganz. In Tübingen beispielsweise gibt es vergleichbar gebaute Stocherboote. Sie werden auch ähnlich bewegt, allerdings lediglich auf einem kleinen, gestauten Abschnitt des Neckars auf Stadtgebiet zwischen zwei Wehren. Motoren sind dort zwar verboten, aber eine vergleichbare Idylle? Nein. Am Rhein zwischen Schaffhausen und Stein kann man anlanden, Feuer machen, baden. Sich nach dem anstrengenden Stacheln abkühlen. Es ist still, und klar: Es macht einen Unterschied, ob nacheinander fünf Stachelweidlinge an einem vorbeifahren oder fünf Weidlinge mit Motoren.
Seit wann fährt man eigentlich zum Vergnügen mit Weidlingen auf dem Rhein? «Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts», sagt Stadtarchivar Peter Scheck. Es sei zuerst ein Privileg der Städter gewesen. «Die Studentenverbindung Scaphusia fuhr schon um 1880 mit einem Weidling auf dem Rhein.» Bald trat auch die Polizei auf den Plan. Sie hat ab 1923 Bootskontrollen durchgeführt.
Damals war die Lindli-Promenade nicht ganz 30 Jahre alt. Sie war 1894 angelegt und bepflanzt worden, «zu einer Zeit, wo man das Spazieren entdeckte», wie Peter Scheck sagte.

**Mehr Plätze dank Lindli-Promenade**
1940 gab es zur Lindli-Promenade auch kritische Stimmen: Sie sei alles andere als naturnah, und die Bäume würden, weil sie zu eng stünden, die freie Sicht auf den Rhein behindern. In den frühen 1960er-Jahren wurde die Lindli-Promenade dann in ihrer heutigen Länge bis zur Landesgrenze beim Restaurant Rheinhalde aufgeschüttet. Nicht zuletzt, damit die Stadt mehr Bootsliegeplätze anbieten konnte.
Die Weidlinge übrigens sind ein weit verbreiteter und sehr alter Bootstyp, unabhängig davon, ob sie ge­stachelt oder mit einem Verbrennungs- oder einem Elektromotor bewegt werden.


**Die 50:50-Regelung – Wie es kam, dass die Stadt Schaffhausen die Zahl der Bootsmotoren beschränkte**

Die sogenannte 50:50-Regelung besagt, dass an den Bootspfählen auf dem ­Hoheitsgebiet der Stadt Schaffhausen nicht mehr als 50 Prozent der Boote, meist Weidlinge, von einem Motor ­angetrieben sein dürfen.
Wie es zur 50:50-Regelung kam, ist schriftlich nachzulesen in der Maturaarbeit, die Hanna Engelhart unter dem Titel «Bootspfähle am Lindli» im Jahre 2014 verfasst hat. In dieser Arbeit wird aufgezeigt, wie es 1974 Streit um eine vom Stadtrat erlassene Gebührener­höhung gab. Für Boote mit Motor sollte dreimal so viel Pfahlmiete bezahlt ­werden, mutmassliches, nicht explizit deklariertes Motiv: Schutz der Rheinlandschaft. Der Wassersport-Verband protestierte dagegen und bekam vor Obergericht recht. «Der zunehmende Motorbootverkehr ging damals vor ­allem den Weidlingsstachlern und den Kanuten auf die Nerven», sagt René Uhlmann, Präsident der Aktion Rhy, die zu jener Zeit gegen eine Autobahnbrücke, die über den Schaaren hätte führen sollen, protestierte. Die Aktion Rhy wurde auch gegen die Motorboote aktiv, zumal die Schaffhauser Regierung zögerte, motorlose Boote auf dem Rhein tatsächlich zu bevorzugen. «Am Sonntag konnte man als Weidlingsstachler ja nicht mehr auf den Rhein, weil die Motorboote herum­sausten», so Uhlmann.
1976 trat die Internationale Bodensee-Verordnung in Kraft, die Geschwindigkeitsbegrenzungen vorschrieb. ­Dennoch kam es 1981 zur ersten Protestaktion gegen Motorboote auf dem Rhein, die nächste ein Jahr später und weitere folgten. 1986 beschloss der Stadtrat dann: «Bei der Zuteilung der Bootsliegeplätze sind in erster ­Linie Bewerber zu berücksichtigen, welche sich unterschriftlich verpflichten, auf einen Bootsmotor zu verzichten. Diese Regelung gilt so lange, bis der Motorboot­bestand auf die Hälfte aller städtischen Bootsliegeplätze reduziert ist.»

**Motorboot-Club blitzte ab**
Der sogenannten 50:50-Regelung ­erwuchs bald ­Widerstand vom Motorboot-Club. Allerdings blitzten seine Vertreter 1988 vor Obergericht ab. «Das allgemeine Interesse, mithilfe von Motorkraft möglichst mühelos flussaufwärts zu gelangen, ist jedenfalls dem öffentlichen Interesse an einer ­Reduktion der Liegeplätze für Motorboote und des Motorbootsverkehrs unterzuordnen», hiess es in der Begründung. An diesem Verdikt dürfte sich aus der Sicht der Naturschutzorganisationen wie auch der Aktion Rhy bis heute nichts geändert haben. Sie haben sich folglich zu einer Phalanx zusammengeschlossen und wollen den Stadtrat dazu bringen, auf den Entscheid zurückzukommen und die 50:50-Regelung nicht aufzuheben.
Auch in Feuerthalen-Langwiesen, wo es zwischen der Schaffhauser Rheinbrücke bis fast hinauf zum Paradies rund 130 Bootsplätze gibt, für die die Konzession des Kantons Schaffhausen gilt, war bis zum Inkrafttreten des neuen Schaffhauser Richtplans 2003 die 50:50-Regelung wirksam. «Diese Parität haben wir indes nie ­erreicht», so Bausekretär Robert Schwarzer. «Bei uns ist das Verhältnis heute etwa zwei Drittel zu einem Drittel zugunsten motorisierter Boote.» ­Allerdings würde die Gemeinde bei der Vergabe von Pfosten immer noch Bootsbesitzer bevorzugen, die ihr ­Gefährt ohne Motor betreiben.
Ausser diesen Plätzen gibt es auf dem Gebiet der Gemeinde noch rund 40 Liegeplätze, für die die Konzession des Kantons Zürich gilt. «Und bei diesen Plätzen», so Robert Schwarzer, «gibt es überhaupt keine Beschränkung, was die Motorisierung betrifft.»(Wü.)


**Bootsplätze am Rhein – Von Schaffhausen bis zum See**

Schaffhausen
Zwischen dem ­Rosentalgässchen und dem Restaurant Rheinhalde gibt es 278 Bootsplätze. Davon vergibt die Stadt 238 Plätze.

Feuerthalen-Langwiesen
Hier gibt es 170 Bootsplätze. Auch ohne 50:50-Reglung werden Besitzer von motorlosen Booten bevorzugt.

Paradies
Auf dem Gemeindegebiet von Schlatt gibt es beim Paradies rund 30 Pfähle. Keine Beschränkungen für Motoren.

Büsingen
Büsinger Bootsplätze gibt es nur für Büsinger. Keine Beschränkung für Motoren.

Dörflingen
Die Gemeinde Dörflingen hat 40 Bootsliegeplätze, motorlose Boote werden bevorzugt.

Diessenhofen
Hier gibt es 75 Plätze, davon 18 für die Fischerzunft, und keine 50:50-Regelung.

Stein am Rhein
Die Stadt hat 177 Bootsplätze mit öffentlichem Zugang, 61 Plätze auf privatem Grund und 20 Gastplätze. Alle Boote dürfen Motoren haben.(Wü.)

#Allgemeines

22. Februar 2016 | Ergebnisse der Abschlussklassen

Schaffhauser Nachrichten
Anna Rosenwasser

Für die einen war es bloss Ausnahmeunterricht an einem Samstagmorgen, für die anderen ein Hauch schulische Nostalgie: Die Kantonsschule Schaffhausen lud vergangenes Wochenende zum Besuchsmorgen. Im Anschluss fand das Alumnitreffen in den Räumlichkeiten der Mensa statt: Ehemalige Schülerinnen und Schüler, die vergangenen Sommer abschlossen, hatten sich hierfür anmelden können. Ein ­gutes Zeichen: Es erschienen mehr Personen als angemeldet. Es sei das vielleicht «spannendste Alumnitreffen» seit längerer Zeit, soRektor Pasquale Comi.Während nämlich während der vergangenen Jahre die Matur- und Fachmittelschul-Abschlussjahrgänge 2011 bis 2014 vom Institut für Bildungsforschung befragt worden waren, kamen die diesjährigen Anwesenden in den Genuss der bisherigen Ergebnisse. Comi fasste Antworten und Tendenzen der Befragungen zusammen und zeigte sich erfreut über die grosse Zufriedenheit der ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die das Schaffhauser Kurzzeitgymnasium nicht nur allgemein, sondern auch im Hinblick auf Sonderveranstaltungen, die Vorbereitung aufs Studium und ihren Ausbildungsstand im Durchschnitt hoch einschätzen. Kritik äusserten die Befragten im Hinblick auf die uneinheitlichen Anforderungen – hier wurden mittlerweile entsprechende Massnahmen getroffen –, das Wahlfachangebot und die Unterschiede zwischen FMS und Maturschule.
Am Ende dieser kurzen Zusammenfassung folgten kaum Fragen der anwesenden Alumni. «Uns betrifft das ja kaum mehr», begründeten etwa Mirusche Suboska, Roger Thöni und Paloma Porfido. Andere erkannten kritische Gedanken in der Zusammenfassung wieder: «Wir konnten Lob und Kritik nachvollziehen», fanden etwa David Marxen, Divya Maliakal und Katharina Kuhn,«die Fächerverteilung im naturwissenschaftlichen Profil hat schon eine Rolle gespielt.» Ausschliesslich positiv ist dafür der Grund für die Anwesenheit von Kaltrina Nuhiu und Céline Spengler: Die beiden FMS-Schülerinnen, die momentan beide ein Praktikum absolvieren, vermissen die Schule.
Künftig wird die Kantonsschule aus Kostengründen die Umfragen verdichten und im Haus mit einer bereits erfolgreich genutzten Software durchführen. Der Jahrgang 2016 soll der erste davon betroffene Abschlussjahrgang sein.


«Die Umfrage ist lange her – und betrifft uns kaum mehr», sagen Mirusche Suboska, Roger Thöni und Paloma Porfido.


Begrüssten die neuen Alumni: Detlef Roth (Prorektor Profil S), Pasquale Comi (Rektor) und Georg Keller (Prorektor Profil M).


Kaltrina Nuhiu und Céline Spengler aus der FMS machen aktuell je ein Praktikum und vermissen die Schule.


Können präsentierte Kritik nachvollziehen: David Marxen, Divya Maliakal und Katharina Kuhn.


Vergnügtes Wiedersehen: Ein halbes Jahr nach dem Abschluss trafen sich einige der Schaffhauser Maturandinnen und Maturanden wieder – erst für den Besuchsmorgen, danach für das Alumnitreffen.
Bilder Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

13. Februar 2016 | Die Mundart verliert ihre Eigenheiten

Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Wenn am nächsten Samstag in Otto Uehlingers Geburtsort Neunkirch anlässlich seines 100. Geburtstags eine Gedenkfeier stattfindet, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der verdienstvolle Mundartautor heute weitgehend vergessen ist. Seine Bücher findet man am ehesten noch in Brockenstuben oder hier und dort antiquarisch in einer Buchhandlung.
Christoph Landolt, Mitarbeiter beim Schweizerischen Idiotikon in ­Zürich, kann denn auch keine allgemeine Welle der Mundartliteratur erkennen – und das trotz eines Gross­erfolgs wie «Dr Goalie bin ig» von Pedro Lenz. «Was das Literarische betrifft», sagt Landolt, «ist die Mundart in der Schweiz praktisch gestorben. Auch die, die Erfolg haben, sind letztlich völlig isolierte Figuren.» Zwischen 1900 und 1950 sei das anders gewesen. Da habe es die sogenannte Heimatschutzliteratur gegeben, auch mit vielen Laien­theatern. Im Kanton Schaffhausen war etwa die Wilchingerin Ruth Blum in Mundart für die Bühne aktiv. Dann, so Landolt weiter, seien in den 1960er-Jahren die Berner Troubadoure gekommen. Auch diese Tradition hat bekanntlich Schaffhauser Ableger: Dieter Wiesmann und, seit Neustem, Christoph Bürgin.
Einer noch neueren Strömung, näm- lich der Slam-Poetry, gehört ­Gabriel Vetter, geboren 1983, an. Er sagt: «Ich bin in Beggingen mit Mundartsprüchen und -witzen aufgewachsen. In Beggingen definierte man sich sehr über den eigenen Dialekt. Die Sprache war also immer auch als Merkmal und Kultur spürbar. Ich würde sogar sagen: Der ‹Mundartdichter›, der mich am meisten geprägt hat, war und ist der Begginger Dialekt mitsamt seinen Geschichten. Wundervoll!»
Eine andere Erfahrung hat der gut 60jährige Neunkircher Lehrer Beat De Ventura gemacht, der bei der Feier am kommenden Samstag die Gedenktafel für Otto Uehlinger enthüllen wird. «In der dritten Sekundarklasse nehme ich den Dialekt durch», berichtet er. «Das ist freiwillig. Vor zehn Jahren gab es noch Siblinger Schüler, die sagten: ‹Ich gang haam, mir tot s Baa wee.› Aber heute ist die alte Mundart flächen­deckend verschwunden. Einzelne von den Höfen reden vielleicht noch so, aber allgemein ist ihnen die Internetsprache wichtiger, als sich ‹haamet­vobunde› auszudrücken.»

**Wenn das urbane Zentrum fehlt**
Mundartforscher Christoph Lan­dolt bestätigt diesen Befund. «Es ist eindeutig, dass die Dialekte verflachen. In Schaffhausen ging man wie in St. Gallen auch bereits im frühen 19. Jahrhundert etwa von ‹Laatere› zu ‹Läitere› über. Das heisst, wenn eine Sprache kein urbanes Zentrum hat, wird sie zur Bauernsprache, und wer aufsteigen will, legt dieses Bäurische ab.»
Auch Gabriel Vetter lebt aber nicht mehr auf dem Dorf. Er kann in der Mundart slammen oder die Schriftsprache mit Mundart pfeffern. Dass die Ostschweizer gegenüber den Bernern im Hintertreffen seien, sieht er nicht. Im Gegenteil: «In der Slamszene war die Ostschweiz bis vor Kurzem eigentlich eine regelrechte Übermacht.»
Die Unterschiede in den Mund­arten und die Veränderungen durch die Sprachentwicklung würden in der Schweiz praktisch nicht erforscht, bedauert Landolt – und das sei doch erstaunlich in einem Land, wo die Mundart einen so grossen Stellenwert habe. Aber in der Schweiz sei es eben selbstverständlich, Mundart zu sprechen. Das sei lange überall so gewesen. Denn dass man sich in der Schriftsprache unterhalte, sei eine sehr junge Erscheinung.»


**Dichter, Mundartautor und Komponist Otto Uehlinger**

*«Nääne uf de ganze Wält redt me esoo, we miir redet»*

Heute, am 13. Februar, könnte Otto Uehlinger seinen 100. Geburtstag feiern, wäre er nicht bereits im Jahre 2004 gestorben. Was er der Bevölkerung des Kantons Schaffhausen hinterlassen hat, ist indes zum Teil Volksgut und damit in einem gewissen Sinn unvergänglich geworden. So etwa das «Randelied», neben Dieter Wiesmanns «Bloos e chliini Stadt», die bekannteste Schaffhauser Hymne. Mit dem Refrain «Wär wett i de Stube hocke / du bisch doch no z jung dezue / De Rucksack an Puggel / uf d Socke / Mir haued s in Rande ue» drückt das Lied auf unvergleichliche Weise die Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben, aus.
Alfred Richli, der Mentor des Schaffhauser Wörterbuches, nennt Otto Uehlinger den «populärsten Mundartautor». Er sei populärer als Albert Bächtold, der viel mehr vom Leser verlangt habe. Uehlinger habe dadurch eine Breitenwirkung gehabt, die dem Schaffhauser Mundart-«Olympier» Bächtold versagt geblieben sei. Allerdings habe Uehlinger nicht Bächtolds langen Atem gehabt. Vielmehr sei Uehlinger, so Richli, seinem Übernamen «Stürmer» gerecht geworden: «Kurzer Anlauf, grosse Wirkung und alles bedienen, was die Leute liebten, samt tiefer Tragik, Trauer, Heiterkeit.» So seien kurze Geschichten entstanden – wie sie in den Bänden «Am Trottefüür» aus dem Jahre 1970 sowie «Bim Häidebomm» aus dem Jahre 1979 gesammelt sind. Der rasche Erfolg, den der Autor angestrebt habe, sei ihm auch zuteil geworden, sagt Richli.
Otto Uehlinger schrieb und komponierte übrigens nicht nur das «Randelied», sondern auch das «Reiatlied» sowie das Büsingerlied «Am Rii dihaam» – Werke, die bei ihm bestellt worden waren. Richli: «Diese Lieder prägten sich den Menschen tief ein, weil sie sentimental waren und rhythmisch lebendig.»

**Ein Spracherzieher**
Otto Uehlinger war allerdings nicht nur Mundartautor, sondern er wollte die Mundart den Leuten nahebringen. Er stellte zu diesem Zweck zwei kleine Bändchen zusammen – «Schafuuser Mundaart» und «No meh Schafuuser Mundaart», die 1983 und 1986 von der Kantonalbank herausgegeben wurden, eine gute Resonanz fanden und als Vorläufer des aktuellen «Wörterbuchs der Schaffhauser Mundart» gelten können.
Aufgewachsen war Uehlinger im Restaurant «Zum Hirschen» in Neunkirch. Später zog er nach Osterfingen und war als Lehrer zuerst dort und dann in Schaffhausen tätig, wo er nach seiner Pensionierung als Zivilstandsbeamter wirkte. Er war ausserdem von 1961 bis 1974 Munotvater und genoss daher starke öffentliche Präsenz.
Im Expojahr 1964 wurde sein Gedicht «De Bückiträger» in eine kleine Anthologie mit sieben Schaffhauser Dichtern aufgenommen. Und im Band «Schweizer Dialekte» schrieb Uehlinger 1965: «Üüseri Mundaart ghöört üüs ganz elaage. Nääne uf de ganze Wält redt me esoo, we miir redet. Und kann Mänsch cha üüs die Schprooch ewäg nää, will si i üüs inne ischt wie s Läbe.»
Nun, die Sprache ist wie das Leben pausenlosem Wandel unterworfen. «Otto Uehlinger wollte die Mundart als ernst zu nehmendes Ausdrucksmittel mit Humor populär machen, und das ist ihm auch gelungen», sagt Richli, denn: «Das Spracherzieherische pflegte er wie kein Zweiter.»
(Wü.)


**Schaffhauser Literatur**

*Drei Autoren und ihre Mundartwerke*

Die Schaffhauser Mundartliteratur hat eine reiche Tradition. Wie umfangreich sie einst war, lässt sich auf www.idiotikon.ch inzwischen auch im Internet nachlesen. Aktuell macht nurmehr die Slam-Poetry-Szene von sich reden. Im Folgenden drei völlig unterschiedliche Beispiele von Schaffhauser Mundartautoren:

Albert Bächtold
lebte von 1891 bis 1981. Der Klettgauer schuf ein mehrbändiges autobiografisches Werk, das in seiner Art in der gesamten Deutschschweizer Mundartliteratur einzigartig und weitgehend von hohem literarischem Rang ist. Dies gilt insbesondere für den zweibändigen Roman «Pjotr Iwanowitsch», der derzeit von einer aus Kiew gebürtigen Übersetzerin ins Russische übertragen wird.

Blanka Chiozza-Surbeck
wurde 1920 in Oberhallau geboren und starb 2007. Statt Medizin ­studieren zu können, wuchs sie ins «Rebwerk» hinein und arbeitete später in der Zucker­bäckerei Ermatinger als Verkäuferin. Erst 1995 wurde ihr Hauptwerk «Es ­Mareili» im Meier Buchverlag Schaffhausen, der auch das Werk von Albert Bächtold betreut, heraus- gegeben. Im «Mareili» erzählt Blanka Chiozza-­Surbeck ihre Kindheit.

Gabriel Vetter
wurde 1983 geboren und wuchs in Beggingen auf. «Den Liedermacher Dieter Wiesmann habe ich als Apotheker meiner Mutter wahr- genommen», sagt er, «und mit Albert Bächtold kam ich erst durch den Film ‹Z Kiew redt me Mundaart› in Kontakt. Am meisten hat mich Markus Werner beeinflusst: Bei ihm lernte ich, dass Mundartausdrücke einen Satz träfer oder lakonischer machen können.»
(Wü.)


**Otto Uehlinger Festakt zu Ehren des Dichters**

Feier
Am nächsten Samstag um 14 Uhr wird in Neunkirch am Haus «zum Hirschen», wo Otto Uehlinger als Sohn des Wirte- ehepaars aufwuchs, eine Gedenktafel enthüllt. Der Neunkircher Lehrer Beat De Ventura wird beim Festakt als Otto Uehlinger ver- kleidet auftreten und Texte lesen. Danach gibt es einen Umtrunk.

Stationen
Otto Uehlinger ver- liess in jungen Jahren Neunkirch, wurde Lehrer in Osterfingen und später in Schaffhausen. Ausserdem wirkte er als Zivilstandsbeamter und war von 1961 bis 1974 Munotvater.

Bücher
Heute sind die Bücher von Otto Uehlinger nicht mehr ohne Weiteres greifbar. Dies gilt auch für «Am Trottefüür» und «Bim Häidebomm», die heitere und besinnliche Kurzgeschichten enthalten. Die Stimme des Dichters ist zu hören auf www.mundartschaffhausen.ch.
(Wü.)

#Allgemeines

12. Dezember 2015 | Trotz schwierigem Umfeld mit Jahresergebnis zufrieden

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

369 Falken-Aktionäre fanden gestern Abend den Weg an die ordentliche Generalversammlung der Schaffhauser Traditionsbrauerei im «Park Casino». Unter den geschätzt gut 400 Anwesenden befanden sich Vertreter der nationalen, kantonalen und städtischen Politik sowie Spitzenvertreter der Schaffhauser Wirtschaft.
Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei, machte in seiner Begrüssung keinen Hehl daraus, dass die Bremsspuren des Frankenschocks noch längere Zeit nachwirken werden. Zusammen mit der Unsicherheit auf politischer Ebene – Stichworte Masseneinwanderungs-Initiative und bilaterale Verträge – und dem Einkaufstourismus ennet der Grenze treffe dies den Grenzkanton Schaffhausen noch stärker als andere Regionen. Moersen stellte in diesem Zusammenhang «einen Schwund an Loyalität» fest, «der einen mit Sorge und Unverständnis» erfülle. Falken ihrerseits bekenne sich zu Schaffhausen, versicherte Moersen: «Wir verdienen unser Geld in dieser Region, und entsprechend werden wir es auch in dieser Region und in der Schweiz wieder ausgeben.» Als aktuelles Beispiel für diese Haltung erwähnte Moersen das im Bau befindliche Gär- und Tanklager, in welches Falken fünf Millionen Franken investiert: «Alle den Bau betreffenden Aufträge haben wir an Schaffhauser Unternehmen vergeben.» Die Brauerei Falken habe im abgelaufenen Braujahr 2014/15 ein «ansprechendes Jahresergebnis» erwirtschaftet, so Moersen: «Das lässt es zu, die im Berichtsjahr getätigten Investitionen voll abzuschreiben.» Dass die Brauerei Falken «ein glaubwürdiger und verlässlicher Parter» und «ein sicherer Wert in der Wirtschaftsregion Schaffhausen» sei, habe sie auch «dem Durst und der Markentreue» ihrer Aktionäre zu verdanken.
Nachdem Falken-CEO Markus Höfler das abgelaufene Braujahr hatte Revue passieren lassen, arbeitete die Generalversammlung die statutarischen Geschäfte zügig und ohne Diskussion ab: So wurden Jahresbericht und -rechnung genehmigt, den Mitgliedern des Verwaltungsrates Entlastung erteilt und über die Verwendung des Bilanzgewinns von 0,637 Mio. Franken entschieden: 0,337 Mio. werden auf die neue Rechnung vorgetragen, 0,15 Mio. der freien Reserve zugewiesen und 0,15 Mio. als Dividende ausgeschüttet. Die BDO AG in St. Gallen erhielt für ein weiteres Jahr das Mandat als Revisionsstelle.
Den krönenden Schlusspunkt des offiziellen Teils setzte der Kiffer Fredi Hinz, die Kultfigur des Schweizer Komikers Viktor Giacobbo. «Weisst du, es ist einfach immer wichtig, was du nimmst», lautete die Botschaft des Drögelers, der sich als «Unternehmer im Betäubungsmittelbereich» versteht und sich somit auf Augenhöhe sieht mit nationalen und Schaffhauser Wirtschafts- und Politgrössen – an denen es gestern Abend im «Park Casino» wahrlich nicht mangelte …


**«Der 15. Januar hat dieses Jahr geprägt»**
*Preisdruck im Detailhandel, Ru?ckgang in der Gastronomie – aber auch weitere Erfolge mit vielversprechenden Spezialitäten: Das Bierjahr 2014/15 hat Falken ganz schön gefordert.*

Interview Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei Falken
von Rolf Fehlmann

*Was bleibt in der Rückschau vom Bierjahr
2014/ 2015?*
Im abgelaufenen Braujahr hatten wir grosse Herausforderungen zu bewältigen. Dennoch hatten wir aufgrund der mittlerweile eingespielten Abläufe in unserem Dosenkompetenzzentrum (die Abfüllanlage, Red.) die Möglichkeit, uns wieder vermehrt um die Entwicklung neuer Produkte und Verpackungen zu kümmern. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen.

*Wie hat sich die Aufgabe des Euro-Mindestkurses ausgewirkt?*
Der Nationalbankentscheid vom 15. Januar hat das Jahr geprägt. Der Einkaufstourismus nahm noch einmal neue Dimensionen an, und der Preisdruck des Detailhandels war äusserst intensiv, weil dieser sehr stark preisgesteuert ist. Der Handel hat Preisforderungen an uns gestellt, denen wir aber nicht nachgegeben haben. Darauf sind wir stolz. Wir haben vielmehr unsere Strategie weiterverfolgt, die wir bereits im Vorjahr mit unseren Bügelflaschen eingeleitet hatten, nämlich uns von der Masse abzuheben. Das war auch in der Rückschau der einzig richtige Weg.

*Weshalb?*
Wenn im Detailhandel der Wettbewerb ausschliesslich über den Preis läuft, haben Sie als kleine Brauerei kaum eine Chance, preislich mit den Grossen der Branche gleichzuziehen. Entsprechend muss unser Fokus auch weiterhin auf Spezialitäten liegen. Auch wenn der aktuelle Anteil noch klein ist – 80 Prozent unserer Produktion sind nach wie vor Lagerbier – sind wir vom Potenzial der Spezialitäten überzeugt.

*Wie steht es mit der Präsenz von Falken in der Gastronomie?*
Dort ist Falken traditionellsehr stark, weil wir dort schon in der Vergangenheit Wachstum generieren konnten. Leider ist die Gastronomie zugunsten des Detailhandels weiter stark rückläufig.

*In der Schweiz schiessen kleine Brauereien wie Pilze aus dem Boden, und alle kommen mit Spezialitäten.*
Diese kleinen Brauereien mit ihren Spezialitäten tun der Schweizer Bierlandschaft enorm gut. Spezialitäten helfen, die Einstellungen der Konsumenten gegenüber dem Bier zu ändern, und das ist gut so. Die Schweiz hat einen grossen Nachholbedarf, wenn es um Bierkultur geht.

*Es gibt Restaurants wie den «Güterhof», für den Sie ein eigenes Bier herstellen. Dort wird dem Gast als Erstes ein Güterhofbier angeboten, wenn er ein Bier bestellt. Warum machen das andere Restaurants mit Falkenspezialitäten nicht ebenso?*
Im «Güterhof» bestellen die Gäste mittlerweile nicht «eine Stange», sondern «ein Güterhofbier». Wir sind dabei, unsere Gastronomen zu sensibilisieren – auch wenn es darum geht, ausländische Gäste zu bedienen. Diese bevorzugen meistens ein «local beer». Hinzu kommt, dass Spezialitäten nicht über den Preis verkauft werden und somit auch nicht dem direkten Vergleich mit dem Detailhandel ausgesetzt sind.

*«Adam & Eva» ist Ihre neuste Spezialität. Können Sie diese über unsere Region hinaus verkaufen?*
Ja. Wir hatten «Adam & Eva» erst im Frühjahr 2015 auf den Markt gebracht, weil wir Neu- und Weiterentwicklungen parallel zu unserem Tagesgeschäft bewältigen müssen. April 2015 war aber definitiv zu spät, um eine flächendeckende Distribution noch in diesem Jahr zu erreichen.

*Wie sind Sie mit «Adam & Eva» für 2016 unterwegs?*
In der Schweiz setzen wir mit dem Produkt voll auf Swissness. In den Gesprächen mit dem Detailhandel zeigen sich sehr positive Signale. Äusserst erfreulich ist auch die Nachfrage aus dem Ausland. Wir werden Anfang 2016 die ersten Gespräche mit potenziellen Partnern führen. Darum haben wir die Wort-Bild-Marke «Adam & Eva» als Biermischgetränk für die Schweiz, für Deutschland und Österreich urheberrechtlich schützen lassen.

*Sie wollen ein Biermischgetränk aus dem Hochpreisland Schweiz in die Eurozone exportieren?*
Ja – wenn wir den Preis bekommen, den wir haben müssen. Der Konsument ist durchaus bereit, diesen zu zahlen, weil «Adam & Eva» eine Spezialität ist, die er sonst nirgends findet. Und gerade der deutsche Konsument liebt Biermischgetränke.

*Wie sieht die Bilanz Ihres Dosenkompetenzzentrums aus, das Sie vor drei Jahren in Betrieb genommen haben?*
Niemand hat diesen Erfolg erwartet. Das erste Jahr war aber ein Lehrjahr, das unseren Mitarbeitenden enorm viel abverlangt hat. 2015 sind wir bei einer Kapazität von gut zehn Millionen Dosen im Jahr – zum Vergleich: 2014 hatten wir 14,8 Millionen Dosen. Die Differenz entspricht ungefähr der Kapazität der Abfüllanlage der Appenzeller Brauerei Locher, welche dieses Jahr in Betrieb ging. Zehn Millionen Dosen pro Jahr können wir im Normalbetrieb sehr gut bewältigen. Das gibt uns wieder Luft für die Entwicklung von Spezialitäten und lässt uns Raum für zusätzliche Projekte.

*Für Ihr neuestes Projekt, das Tanklager, sind die Investitionen ja noch grösser als für das Dosenkompetenzzentrum.*
Das ist so. Wir investieren fünf Millionen Franken in neue Gär- und Lagertanks und sind so wieder auf dem aktuellsten Stand der Technik. Diese Investition zeugt auch von unserem Willen, unsere Selbständigkeit hier in Schaffhausen weiterzuführen. Bei der Vergabe der Aufträge haben wir übrigens ausschliesslich auf Unternehmen aus Schaffhausen gesetzt. Wir sehen es als unsere Pflicht an, das verdiente Geld wieder in unserer Region zu investieren.

#Allgemeines

28. November 2015 | Die Platzsituation ist wirklich prekär

Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

Bereits beim Betreten des Ergänzungsbaus der Kantonsschule Schaffhausen kann man die Pommesfrites riechen, welche kurz zuvor von Hunderten von Schülern in der Mensa genossen wurden. «Heute gab es Schnipo», sagt Peter Spörndli, seit sieben Jahren Küchenchef der Mensa. Diese feierte in dieser Woche ihr zehnjähriges Bestehen, weshalb die Schüler täglich ein Wunschmenü bestimmen durften.

**Von der Baracke zum Speisesaal**
Essen konnte man an der Kanti, schon bevor es die heutige Mensa gab. Wo heute der Ergänzungsbau steht, stand nach der Jahrtausendwende eine rote Baracke, die damals als Mensa diente. «Pro Tag wurden dort etwa 20 Mahlzeiten verkauft», erinnert sich Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule. «Es ist wie Tag und Nacht, wenn man die heutige Mensa mit derjenigen in der Baracke vergleicht», sagt er. Und zwar nicht nur, was den Komfort des modernen Speisesaals angehe, sondern vor allem bezogen auf die Essensqualität. «Wir werden hier heute täglich verwöhnt», so Comi. Pro Tag gibt es Pasta mit drei verschiedenen Saucen, ein Vegimenü, einen Tagesteller mit Fleisch sowie ein grosses Salatbuffet. Das breite Angebot ist möglich, weil mit Spörndli ein erfahrener Koch in der Küche steht, der viel Wert auf Abwechslung auf dem Teller und frisch zubereitete Mahlzeiten legt. Ob Gemüse rüsten oder Kartoffeln zu Stock pürieren, was selber gemacht werden kann, wird auch direkt in der Küche zubereitet. Fertigprodukte finden nur selten den Weg in die Mensaküche.
In dieser arbeiten neben Spörndli und seinem dreiköpfigen Fachfrauenteam auch gegen 20 Personen aus dem Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramm der Stiftung Impuls, die wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. «Das ist schon eine grosse Herausforderung», sagt der Küchenchef. Doch habe er sich gezielt für eine soziale Aufgabe entschieden, als er sich 2007 auf die Stelle bewarb. «Nach 15 Jahren als Koch auf Kreuzfahrtschiffen habe ich kulinarisch alles erreicht, was ich mir wünschte», sagt er. Deshalb habe er bewusst eine neue Herausforderung gesucht, die über das Kochen hinausgehe. «Ich profitiere hier sehr von meiner Arbeit auf See», so Spörndli. Auf den Schiffen habe das Küchenteam teilweise aus über 25 verschiedenen Nationalitäten bestanden, weshalb er bald gelernt habe, Integrationsarbeit zu leisten. Erfreut ist Spörndli besonders vom Umgang der Kantischüler mit seinen Mitarbeitern. «Da ist viel Verständnis vorhanden, zum Beispiel wenn es mal etwas länger dauert beim Anstehen», sagt er.

**Essen auf den Treppenstufen**
Bei der grossen Nachfrage komme es nicht selten vor, dass die Schüler bis ins Foyer hinaus anstehen müssten. Das Platzproblem existiert schon seit Tag eins. «Damals rechnete man mit etwa 80 Mahlzeiten täglich und wurde völlig überrannt», erinnert sich Roland Gasser, Geschäftsführer der Stiftung Impuls. Es hatte zu wenig Geschirr, ein zu kleines Vorratslager und vor allem zu wenig Sitzplätze. «Letzterer Punkt ist auch heute noch so», sagt Comi. An schönen Sommertagen könne man auf den Vorplätzen zusätzliche Sitzgelegenheiten bereitstellen, bei schlechtem oder kaltem Wetter gehe das aber nicht. «Die Schüler sitzen dann überall, um zu essen, da es in der Mensa schlicht zu wenig Sitzplätze hat», sagt Spörndli. «Die Platzsituation ist wirklich prekär», betont Comi. Deshalb brauche es einen Anbau, sobald dies die Kantonsfinanzen zulassen würden. «Möglich wäre, einen Wintergarten über den Vorplatz der Mensa zu bauen», sagt er. Dieser wäre wohl die kostengünstigste Variante – und man könne ihn bei schönem Wetter öffnen.



Seit sieben Jahren der Chef in der Kanti-Mensa: Peter Spörndli (r.) legt viel Wert darauf, dass die Menüs täglich frisch zubereitet werden und Abwechslung auf dem Teller geboten wird.
Bild Selwyn Hoffmann

#Allgemeines

17. November 2015 | Falken leicht unter Vorjahr

Schaffhauser Nachrichten
Rolf Fehlmann

Gestern haben die Schweizer Bierbrauer ihre Zahlen für das Braujahr 2014/15 veröffentlicht. Während der Schweizer Biermarkt gemäss Angaben des Schweizer Brauerei-Verbandes um 0,1 Prozent gewachsen ist, blieb der Bierabsatz der Schaffhauser Brauerei Falken gesamthaft betrachtet leicht unter demjenigen des Vorjahres, wie Falken-CEO Markus Höfler gegenüber den SN sagte. Dennoch blicke Falken zuversichtlich in die Zukunft und sei als Unternehmen richtig aufgestellt, betonte er. Umsatzzahlen gibt die Brauerei mit der Einladung zur Generalversammlung bekannt.

**Spuren des Frankenschocks**
Drei Faktoren hätten den Absatz von Falkenbier im Braujahr 2014/15 massgeblich beeinflusst, so Höfler. Zum einen die unmittelbare Nähe Schaffhausens zur deutschen Grenze und der damit verbundene Einkaufstourismus: «Seit dem Frankenschock spüren wir das noch deutlicher.» Zweitens der – auch schweizweit zu verzeichnende – Volumenrückgang in der Gastronomie – ein Absatzkanal, in welchem Falken laut Höfler traditionell sehr stark ist. Schliesslich der gemäss Höfler äusserst hohe Margendruck im Detailhandel, wo Brauereien zwar grosse Volumina absetzen, aber mit kleiner Marge auskommen müssen.
Die Brauerei, so Höfler, profitiere von dem auch schweizweit anhaltenden Trend zu Spezialitäten mit höherer Marge. Diese trügen allerdings gesamtschweizerisch erst gut 20 Prozent zum Absatzvolumen bei: «Darum sind sie noch nicht in der Lage, den Volumenverlust beim Lagerbier zu kompensieren.» Letzteres werde heute ausschliesslich über den Preis verkauft.

**Wirte und Gäste sensibilisieren**
Dennoch sieht Falken gerade in der Gastronomie ein grosses Potenzial für Spezialitäten: «Noch ist Lagerbier das am meisten ausgeschenkte Bier in der Gastronomie, aber beim Konsumenten steigt das Bewusstsein für Spezialitätenbiere.» Die Gastronomen hätten es aber durchaus in der Hand, mehr Spezialitäten zu verkaufen, so Höfler: «Dazu müssen sie allerdings ihr Personal und ihre Gäste sensibilisieren.» Im Schaffhauser Restaurant Güterhof beispielsweise werde dem Gast das – von Falken stammende – «Güterhof»-Bier als Alternative angeboten: «Entsprechend gut ist heute die Nachfrage.» Gerade gegenüber Touristen könnten Gastronomen punkten, wenn sie auf ­regionale Spezialitäten hinweisen würden, ist Höfler überzeugt.

**Sorgen wegen neuer Verordnungen**
Höfler stimmt in die Kritik ein, welche gestern der Schweizer Brauerei-Verband an den neuen Verordnungen im Lebensmittelrecht übte. Diese Anpassungen ans europäische Recht sind derzeit in der Vernehmlassung. Laut dem Verband droht den Brauern hier neues Ungemach. Höfler: «Warnhinweise müssen landesweit dreisprachig angebracht werden, die Herkunfts­deklaration wird deutlich komplizierter, und die Übergangsfristen sind kurz.»

**Zuversicht für 2016**
«Generell positiv» bewertet Höfler hingegen den Ausblick der Brauerei Falken auf das kommende Jahr. So werde etwa das «Trainingslager»-Bier zur Fussball-EM 2016 wieder schweizweit verfügbar sein. Und auch die «sehr gut aufgenommene» Spezialität «Adam und Eva» werde jetzt «im Detailhandel ein Thema werden – auch im Ausland», so Höfler.


**Schweizer Bierkonsum: Kaum mehr Volumen**

Vor europaweit sinkendem Bierkonsum wuchs der Schweizer Biermarkt 2014/15 um 0,1 Prozent. Der Anteil des Schweizer Bieres stieg von 73,2 auf 74,4 Prozent. Die Bierimporte verringerten sich um 4,4 Prozent. Insgesamt wurden in der Schweiz rund 3,5 Millionen Hektoliter Bier gebraut (+1,8 Prozent). Aus dem Ausland eingeführt wurden 1,2 Millionen Hektoliter, wie der Schweizer Brauereiverband mitteilte. Ihm gehören 17 Brauereien an, die für 96 Prozent der Schweizer Bierproduktion stehen. (sda)

#Allgemeines

10. November 2015 | Kanti sammelt für Flüchtlinge im Kanton Schaffhausen

Schaffhauser Nachrichten
(rom/r.)

Rund 300 Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Kanti Schaffhausen sind am Donnerstag im Rahmen eines Sponsorenlaufs für Flüchtlinge in der Region gerannt. Die beiden Kantilehrerinnen Barbara Surbeck und Helen von Burg hatten den Sponsorenlauf, an dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf freiwilliger Basis ihre Solidarität mit den Flüchtlingen in der Region kund­taten organisiert. «Wir wollten nicht mehr einfach nur zusehen, wir wollten aktiv etwas gegen die Not der Flüchtlinge beitragen», so die beiden Organisatorinnen. Der Aufruf fand Anklang und breite Unterstützung: «Ein Grossteil der Schule hat sich als Läufer oder Sponsoren am Anlass beteiligt», so Surbeck nach dem Lauf. Zahlreiche Lehrpersonen zum Beispiel sind selber mitgelaufen, andere haben ihre Klassen gesponsert. Der Sponsorenlauf wurde auch von der Schulleitung unterstützt. Kantirektor Pasquale Comi schätzte einerseits die Initiative der Lehrpersonen, dachte andererseits aber vor allem auch an die Schüler: «Gerade für unsere Jugendlichen ist es wichtig, die Betroffenheit in eine konkrete Handlung zu überführen. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen auch anhand solch bescheidener Taten merken, dass es besser ist, sich einzu­setzen und zu handeln, als untätig in Ohnmacht zu erstarren.»

**Fünfstelliger Betrag erwartet**
Die Organisatoren gehen davon aus, dass der Sponsorenlauf einen fünfstelligen Frankenbetrag einbringen wird. Der Erlös wird in den gemein­samen Fonds der Institutionen Integres und des Kantonalen Sozialamtes fliessen.

#Allgemeines

15. Oktober 2015 | Experimente an der Kanti

Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

Es brodelt an der Kanti. Allerdings nicht im Lehrerzimmer, sondern in den Laboren. An drei Tagen bietet der Zentralkurs für Chemie­lehrer zahlreichen Lehrpersonen aus der ganzen Schweiz ein breites Angebot an Workshops. In diesen zeigen Chemielehrpersonen ihren Lehrer­kollegen Beispiele für spannende Unterrichtsthemen und Experimente. «Die Lehrer können voneinander lernen», sagt Thomas Stamm, Prorektor an der Kantonsschule und ebenfalls Chemielehrer. Dies sei eine Bereicherung für den Unterricht. An der Kanti sind ausserdem Lehrmittel für die ­Chemiestunden ausgestellt. Von ­Büchern, Filmen und Folien über ­Modelle bis hin zu Laboreinrichtungen gibt es an der Ausstellung alles, was das Chemielehrerherz begehrt.

**Philosophischer Beginn**
Der Kurs wurde gestern Morgen in der Aula der Kantonsschule eröffnet. Nach der Begrüssung der Lehrer durch den Rektor Pasquale Comi und einer kurzen Eröffnungsrede von Erziehungsrat Christian Amsler wurde die Chemie-Fachschaft der Kanti, welche den Event organisiert hatte, vorgestellt. Anschliessend hielt Prof. Dr. Ernst Peter Fischer aus Heidelberg einen philosophischen Vortrag zu seinem kürzlich erschienenen Buch «Die Verzauberung der Welt». Die Wissenschaft entzaubere die Welt nicht, sondern vertiefe deren Geheimnisse, so Fischer. Jede Antwort werfe nämlich wieder neue Fragen auf. Warum aber nach Antworten suchen, wenn sich daraus nur neue Fragen ergeben? Dazu zitiert Fischer aus Bertolt Brechts Theaterstück «Das Leben des Galilei»: «Das einzige Ziel der Wissenschaft besteht darin, die Bedingungen der menschlichen Existenz zu erleichtern.»

**Mehr Teilnehmer als sonst**
Der Kurs wird vom Verein der Schweizer Naturwissenschaftslehrer (VSN) veranstaltet. Er findet alle drei Jahre – dieses Jahr das erste Mal in Schaffhausen – statt. Der Vorschlag, diesen Kurs in Schaffhausen durchzuführen, kam vor anderthalb Jahren von Chemielehrer Martin Schwarz. «Vor allem seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der Event dieses Mal an der Kantonsschule Schaffhausen stattfindet», sagt Stamm. Der Prorektor ist zufrieden mit der Veranstaltung. «Es haben sich 123 Lehrpersonen angemeldet», so Stamm. Normalerweise werden an diesem Kurs nur zwischen 80 und 100 Teilnehmer erwartet. «Die Lehrer kommen nicht nur aus der Schweiz, es sind sogar einzelne Personen aus Belgien, Deutschland, Österreich und Frankreich angereist», freut sich Stamm.

#Allgemeines

14. Oktober 2015 | Elefantenhochzeit unter Bierbrauern

Schaffhauser Nachrichten
Reuters

Die zwei grössten Bierkonzerne erzielten nach einem Tauziehen seit Mitte September eine Einigung über ein Zusammengehen. Anheuser-Busch Inbev mit Sitz in Belgien zahle 44 Pfund pro Aktie des britischen Herstellers SABMiller teilten die Konzerne gestern mit. Das Bar-Angebot entspreche einem Aufschlag von etwa 50 Prozent auf den Schlusskurs von SABMiller am 14. September. Als Alternative bietet AB Inbev ein gemischtes Angebot mit Bargeld und Aktien an und lockt damit Grossaktionäre mit einer Beteiligung am fusionierten Konzern.
Anheuser-Busch hatte zuletzt am Montag ein nachgebessertes Angebot von 43,50 Pfund vorgelegt und für die Übernahme insgesamt 70 Milliarden Pfund geboten. Mit dem neuen Angebot ist SABMiller 71,2 Milliarden Pfund (knapp 105 Milliarden Franken) wert. SABMiller teilte mit, grundsätzlich mit der Übernahme einverstanden zu sein, bat sich aber zugleich eine Verlängerung der Frist für das bindende Gebot des Konkurrenten um zwei Wochen aus. Die neue Frist für das verbindliche Angebot läuft nun bis zum 28. Oktober. Es sei vereinbart worden, dass AB ­Inbev drei Milliarden Dollar an SABMiller zahlen müsse, falls das Geschäft doch nicht zustande komme.

**Neue Dimension im Biermarkt**
Mit der Übernahme entsteht ein Brauriese neuer Dimension: Weltweit wird künftig etwa jedes dritte Bier aus den Braukesseln des fusionierten Konzerns kommen. In anderen Worten: Der globale Marktanteil kommt auf 30 Prozent zu liegen. Zugleich ist der Deal weltweit der grösste in diesem Jahr und eine der grössten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte. Aus dem Hause AB Inbev kommen Biere wie Budweiser, Corona, Stella Artois oder Franziskaner. Der Konzern war 2008 aus der Fusion der belgischbrasilianischen Inbev-Gruppe mit dem US-Braukonzern Anheuser-Busch entstanden. SABMiller verkauft unter anderem Pilsner Urquell, Miller und Grolsch.

**EU-Kommission schweigt vorerst**
Ob die Behörden der Fusion ihren Segen geben werden, steht noch aus. Die EU-Kommission wollte die Megafusion der Bierriesen nicht kommentieren. Es liege bislang keine Anmeldung zur Genehmigung vor, teilte das Büro von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf Anfrage mit. Die Unternehmen müssten jetzt prüfen, ob sie ihr Vorhaben in Brüssel anzumelden hätten.
Die Fusion dürfte allerdings schon aufgrund ihrer Grössenordnung auf dem Tisch der EU-Kommission als oberster Kartellbehörde Europas landen. Bei solch grossen Zusammenschlüssen ist es üblicherweise so, dass die Konzerne Firmenteile verkaufen oder bestimmte Märkte aufgeben müssen, um grünes Licht aus Brüssel zu ­erhalten.
Der Druck in der Branche ist gross: In den Industrieländern geht der Bierdurst allmählich zurück, nur durch Zukäufe kommen die grossen Unternehmen noch zu bedeutendem Wachstum. Verändertes Konsumverhalten und eine breitere Angebotspalette belasten die grossen Standardsorte. Unter anderem bieten die Konzerne daher auch verstärkt Mischgetränke und Nischensorten an. SABMiller ist neben Afrika auch im asiatischpazifischen Raum stark, AB Inbev in Mittel- und Südamerika.

**Ein Aktionär aus Rapperswil-Jona**
Weder AB Inbev noch SABMiller haben Brauereien in der Schweiz. Dafür brauen hier mit Heineken die Weltnummer drei und mit Carlsberg die Nummer vier. Den Niederländern gehören hierzulande unter anderem Eichhof und Calanda. Carlsberg braut Feldschlösschen. Heineken und Carlsberg könnten von der Riesenhochzeit profitieren, wenn der neue Biergigant Geschäftsbereiche aufgeben muss.


**Jorge Lemann – Der grösste Einzelaktionär von Anheuser-Busch Inbev wohnt in der Schweiz**

sda

Die Gigantenhochzeit von Anheuser-Busch Inbev mit SABMiller rückt den zurückgezogen lebenden schweizerischbrasilianischen Doppelbürger Jorge Lemann in den Fokus. Der grösste Einzelaktionär von AB Inbev wohnt in Rapperswil-Jona SG. Der Milliardär hält gemäss «Financial Times» vom Juni über seine brasilianische Investitionsgesellschaft 3G 12,5 Prozent an AB Inbev.
Lemann besass in Brasilien die Brauerei Brahma. Diese schloss er mit der Lokalkonkurrentin Antarctica zu AmBev zusammen. AmBev fusionierte in der Folge mit der belgischen Interbrew zu Inbev. 2008 gelang mit der Übernahme von Anheuser-Busch der Schritt zur Weltmarktführung. Neben dem Engagement im Biergeschäft und anderen Bereichen kontrolliert Lemanns 3G Burger King. Er bewerkstelligte mit dem US-Investor Warren Buffet zusammen die Fusion der Lebensmittelriesen Heinz und Kraft.
Der Investor verlegte seinen Wohnsitz nach einem Attentatsversuch auf seine Kinder aus Brasilien an den Zürichsee. In seiner Jugend nahm Lemann sowohl für die Schweiz als auch für Brasilien am Davis-Cup im Tennis teil. Sein Vater war aus dem Emmental nach Brasilien ausgewandert und begründete dort im Bankwesen und im Kakaogeschäft das Familienvermögen.


**«Kaum Folgen für die Schweiz»**
Nachgefragt
Interview mit Markus Höfler, CEO der Brauerei ­Falken von Zeno Geisseler

Der grösste Bierbrauer der Welt, Anheuser-Busch Inbev, übernimmt für über 100 Milliarden Franken die Nummer zwei der Branche, SABMiller. ­Markus Höfler, CEO der Brauerei ­Falken, sagt, wie dieser Schritt aus ­seiner Sicht einzuschätzen ist.

*Welche Auswirkungen hat diese Megafusion auf die Schweiz?*
So gut wie keine. In der Schweiz ist die grosse Konsolidierungwelle schon länger vorbei, bei uns dominieren Carlsberg und Heineken den Markt. Bei dem jüngsten Zusammenschluss ging es meines Erachtens vor allem darum, wachsende Märkte in Asien und Afrika zu sichern. In der Schweiz sehen wir eher eine Gegen­bewegung zu den Grossfusionen: Kleine und kleinste Brauereien sind stark im Kommen, es gibt im ganzen Land ja rund 500 Produzenten.

*Können sich kleine Player wie Falken dem Trend zur Grösse entziehen?*
Ja, indem wir innovativ bleiben, nicht jeden Trend mitmachen und nicht einfach Volumen bolzen. Mit Lagerbier, mit dem man einfach den Durst löscht, verdient man heute nichts mehr. Wir setzen auf Bierspezialitäten und auf Genuss und kommen damit am Markt sehr gut an. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir unsere Unabhängigkeit bewahren werden, und investieren deshalb fünf Millionen Franken in unsere Brauerei.


17.10.2015
**Tanz der Biergiganten**
von Zeno Geisseler

In der Bierbranche bahnt sich ein gewaltiger Zusammenschluss an: AB InBev, der weltgrösste Bierbrauer, ist daran, für über 100 Milliarden Dollar die Nummer zwei, SABMiller, zu schlucken. Stimmen die Kartellbehörden dem Deal zu, wird das neue Unternehmen künftig jedes dritte Bier weltweit verkaufen und Traditionsmarken wie Becks, Budweiser, Corona, Grolsch, Franziskaner, Löwenbräu, Stella Artois und Pilsner Urquell vereinen. Zusammen beschäftigen die beiden Bierriesen heute über 200 000 Menschen.

**Die Grossfusion ist der nächste Schritt einer langen Entwicklung**
Fusionen und Übernahmen sind in der Bierbranche nichts Neues. Dies zeigt sich schon an den auffälligen Namen der beiden Unternehmen. AB InBev entstand 2008, als die belgische InBev die amerikanische Anheuser-Busch kaufte. InBev wiederum war erst vier Jahre davor aus dem Zusammenschluss der belgischen Interbrew mit der brasilianischen AmBev hervorgegangen. AmBev und Interbrew waren ihrerseits Produkte früherer Übernahmen. SABMiller ist in der heutigen Form ebenfalls eine junge Gesellschaft: Sie entstand erst 2002 aus der Fusion der südafrikanischen South African Breweries und der US-Gruppe Miller, 2011 kam dann noch die australische Foster’s dazu.
Angesichts dieser Unternehmenshochzeiten in der Vergangenheit ist die jüngste Megafusion der Nummer 1 und der Nummer 2 nur der nächste konsequente Schritt einer Entwicklung, die sich seit Jahrzehnten abzeichnet. Gross ist gut, grösser ist besser, lautet offensichtlich die Devise, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Noch im Juni sprachen die Märkte davon, dass sich AB InBev den Spirituosengiganten Diageo (Johnnie Walker, Guinness) einverleiben könnte, und jetzt mutmasst der «Economist», dass AB InBev insgeheim den prestigeträchtigsten Namen der Getränkewelt überhaupt ins Auge gefasst hat: Coca-Cola. Zuerst einmal wird der Konzern aber den Kauf von SABMiller verdauen. Ob dieser ein Erfolg war, steht sowieso noch in den Sternen. Längstens nicht alle Unternehmenszusammenschlüsse funktionieren; nach der Hochzeitsnacht, das wissen zum Beispiel Daimler und Chrysler, folgen oft die Kopfschmerzen.

**Weniger Auswahl und höhere Preise für die Konsumenten**
Wer profitiert im Idealfall von der Bierfusion? «Unser Traum ist es», schreibt AB InBev auf ihrer Website, «das beste Bierunternehmen der Welt zu sein, das Menschen für eine bessere Welt zusammenbringt!» Das hört sich ganz nett an, aber Grosskonzerne sind natürlich keine Hilfswerke. Wessen Welt vor allem verbessert werden soll, ist klar: die der Aktionäre. Die Konsumenten hingegen müssen wohl eher mit höheren Preisen und einem kleineren Angebot rechnen. Es ist ja das Ziel von Fusionen, die Marktmacht auszubauen und sich auf die profitabelsten Produkte zu konzentrieren. An den Mitarbeitern wird der Merger ebenfalls nicht spurlos vorübergehen. Effizienzgewinne und Arbeitsplatzverluste sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Wo es früher zwei Hauptquartiere gab, braucht es künftig nur noch eines. Schon als InBev Anheuser-Busch übernahm, gingen laut «Wall Street Journal» 1400 Jobs verloren.
Für den Schweizer Biermarkt wird sich hingegen nicht viel ändern. Hierzulande ist die Marktbereinigung längst schon vorbei, und die Nummern 3 und 4 auf dem weltweiten Biermarkt, Heineken und Carlsberg, sind die dominanten Player in der Schweiz. In ihren Händen befinden sich Traditionsmarken wie Feldschlösschen (Carlsberg) oder Calanda (Heineken). SABMiller und AB InBev hingegen halten in der Schweiz keine Brauereien, und so wird es wohl auch bleiben: Der Biermarkt in der westlichen Welt stagniert seit Langem, die Erträge sprudeln in Asien und in Afrika.

**Lieber klein, mein und fein als gross, anonym und beliebig**
Der Drang, wenn nicht Zwang, zur Grösse der Riesen birgt auch Chancen für die ganz Kleinen, von einer Falkenbrauerei in Schaffhausen bis hin zum winzigen Gässli-Bräu aus Buch. Viele Konsumenten haben Bieren abgeschworen, die global präsent sind und doch immer gleich schmecken, meistens also nach nichts. Spannender sind die Bierspezialitäten aus der Region, interessanter sind Biere mit Charakter, die von Leuten gebraut wurden, die man noch kennt. Bier von hier, das ist Heimat abgefüllt in Flaschen, und dieses Gefühl kann man nicht kaufen. Auch nicht für 100 Milliarden Dollar.
Wenn Bierkonzerne fusionieren, dann ist der Erfolg ungewiss. Für Kleine eröffnen sich aber neue Chancen.

#Allgemeines

13. Oktober 2015 | Bootsfahrer schlagen einen Pflock ein

Schaffhauser Nachrichten
Robin Blanck

Noch wartet man auf den Vorschlag des Stadtrates in Sachen Bootsplätze, doch bereits jetzt sorgt das Thema für Diskussionen: So steht eine Aufhebung der Ausgleichsregel, welche bisher ein Gleichgewicht zwischen motorbetriebenen und motorlosen Booten an den städtischen Liegeplätzen verlangt, zur Debatte, nachdem entsprechende Bestrebungen aus dem Parlament laufen. Zudem denkt die Stadt darüber nach, eine Vererbung von Liegeplätzen – sprich: Pfosten – künftig nur noch zwischen Ehepartnern, nicht aber vom Vater auf die Nachkommen zuzulassen (siehe auch SN vom 3. 9.). Fragt man bei Schaffhauser Freizeitkapitänen nach, wird deutlich, dass vorab bei der Motorfrage die Meinungen auseinandergehen.

**Gleichgewicht erhalten**
Hans Bendel, Weidlingsurgestein, will an der Ausgleichsregel festhalten: «Auf dem Rhein sind bereits genügend Motorboote unterwegs», sagt er – und freut sich darüber, dass vermehrt wieder junge Stachler anzutreffen seien.
Dass bereits heute zu viele Motorboote auf dem Rhein verkehrten, findet auch Stachler Rolf Baumann, «die Ausgleichsregel muss deshalb unbedingt erhalten bleiben», sagt er, der sich vor allem an den stark motorisierten Schlauchbooten stört, welche viel Lärm und Wellenschlag verursachen würden. «Solange es Leute gibt, die einen Stachelweidling benützen wollen, sollte man diese bei der Pfostenvergabe bevorzugen», ist René Uhlmann, Stachler und Pionier der «Aktion Rhy», überzeugt. Auch moderne Motoren würden Lärm und Wellen verursachen – und einfach stören: «Jeder Motor weniger ist besser», sagt Uhlmann.
Anders sieht das erwartungsgemäss Kurt A. Bürki, Präsident des Bootsclubs Schaffhausen (BCSH): Eingeführt habe man die Ausgleichsregel mit dem Zweck, ein Gleichgewicht zwischen Stachelweidlingen und Motorbooten zu schaffen, «dieses Ziel ist erreicht, folglich muss die Regel aufgehoben werden». In der Vergangenheit habe man bestimmte Motortypen verboten, sodass heute vor allem modernere und sauberere Aggregate eingesetzt würden, «es gibt also keinen Grund mehr, über ‹schmutzige Motoren› zu schimpfen», findet Bürki.

**Weitergabe nicht einschränken**
Während man sich in diesem Punkt uneinig ist, sieht das bei der Frage der Pfostenweitergabe ganz anders aus: Alle Befragten sprechen sich gegen die Idee aus, die Vererbung einzuschränken und eine Weitergabe nur noch unter Ehepartnern zu erlauben.
Für Hans Bendel wäre eine solche Regelung zu strikt, weil die Kinder oft von ihren Eltern mit dem Weidlingsfahren auf dem Rhein vertraut gemacht würden und entsprechend stark mit dieser Freizeitbeschäftigung verbunden seien: «Ich würde mir eine lockerere, individuellere Lösung wünschen», sagt Bendel.
Baumann sieht bei einer eingeschränkten Weitergabe ein anderes Problem, das ihn selber direkt betrifft: Seit 40 Jahren ist er mit seiner Partnerin zusammen, verheiratet ist das Paar aber nicht – hier würde sich die Frage stellen, wie damit zu verfahren wäre. Baumann glaubt indes, dass es andere Möglichkeiten gäbe: «Wenn einer wirklich auf den Rhein will, findet sich in der Regel jemand für eine Weidlingsgemeinschaft», sagt Baumann. Er, der selber 29 Jahre auf der Warteliste war, teilt sich den Weidling mit zwei anderen Parteien, «das funktioniert sehr gut», sagt er. Ein Verbot der Weitergabe an die Nachkommen schätzt René Uhlmann als «unnötig» ein: Dass der Pfosten vom Vater an den Sohn käme, sei eine «steinalte Tradition», darüber hinaus teilt er die Meinung Baumanns: «Wer sich um den Zugang zu einem Weidling in einer Gruppe bemüht, schafft das auch.» Vehement spricht sich zudem auch der Bootsclub-Präsident gegen die eingeschränkte Weitergabe aus, «das ist Unsinn und kommt einer Enteignung gleich», sagt Bürki. Denn: «Wenn man den Pfosten plötzlich abgeben muss, kann man seinen Weidling auch gleich versenken.» Er hat eine andere Idee zur Verkürzung der Warteliste: «Man muss nur schauen, welche Schiffe gepflegt und benutzt werden und welche vernachlässigt und voller Wasser sind.» Will heissen: Wer das Boot und damit den Liegeplatz nicht nutzt, soll den Pfosten verlieren.

**Obolus spaltet die Front**
Und dann gibt es da noch den finanziellen Ansatz zur Verkürzung der Warteliste, auch das erwägt der zuständige Stadtrat Simon Stocker: Für den Verbleib auf der Liste wird ein jähr­licher Obolus erhoben. Hans Bendel lehnt das nicht grundsätzlich ab, Rolf Baumann und René Uhlmann könnten sich mit einer solchen Regelung ebenfalls anfreunden. Nur bei Bürki stösst auch dieser Ansatz auf Widerspruch: «Wieso sollte ich für etwas bezahlen, was ich nicht habe?» Er schlägt eine Alternative vor: «Ich manchen Gemeinden bleiben nur die auf der Liste, die ihr Gesuch jedes Jahr erneuern.»

#Allgemeines

30. September 2015 | Sache … Sächeli

Schaffhauser Nachrichten

· Steigt man in Schaffhausen von der Bachstrasse den Pfarrweg zur Kantonsschule hoch, kommt man bei der Kanti an zwei Skulpturen vorbei. Bei einer davon, sie zeigt einen stilisierten Vogel oder einen Flügel, ­haben wir gut versteckt einen interessanten Aufkleber entdeckt. «KSH Bitte stehen lassen» steht dort unter einem diagonalen Strich (siehe Bild). Ob da wohl jemand befürchtet, der Flügel müsse dem umstrittenen Jünglingstorso ins Archiv folgen? Die Figur stammt laut einer Plakette von Ueli Schoop in Zürich und ist ein Geschenk des Altherrenverbands der «Schaphusia» aus dem Jahr 1968. (zge)

· 2015 ist das Jahr der Jubiläen: 925 Jahre Beringen, 777 Jahre Büttenhardt, 925 Jahre Büsingen … Ganz im Stillen hat indes Barzheim sein 777-Jahr-Jubiläum begangen. 1238 wurde das Dorf zusammen mit Büttenhardt und Lohn nämlich in einer von der Kirche in Diessenhofen ausgestellten Urkunde zum ersten Mal erwähnt. Gefeiert wurde diese Schnapszahl nicht etwa mit einem Volksfest, sondern lediglich mit einem Kutschenausflug nach Gennersbrunn, den der einzige Verein im Dorf, der Ortsverein Im no Baarze, organisiert hatte. (jcg)

· Beim «Kaminfeuergespräch» dreier SP-Sektionen auf Schloss Laufen bedankte sich Werner Bächtold, Präsident der SP des Kantons Schaffhausen, bei der Moderatorin Dominique Späth auf seine Art. Späth, die Tochter von Kantonsrat Markus Späth, kandidiert, wie der prominente Gast und ehemalige Diplomat und Botschafter in Berlin Tim Guldimann, auf der Zürcher SP-Nationalratsliste. «Frau/Mann, Land/Stadt, jung, kämpferisch und älter, diplomatisch: Das wäre eigentlich die ideale Kombination für den Nationalrat», scherzte Bächtold. Allerdings hat wohl einzig Guldimann (auf der SP-Liste als Nummer 10 von 35 gesetzt) Erfolgsaussichten, gewählt zu werden. (M.G.)

· Ein bekannterSchauspielermit Schaffhauser Wurzeln ist gestern 103 Jahre alt geworden: Lukas Ammann («Graf Yoster gibt sich die Ehre», «Dällebach Kari»). Dem «Blick» verriet Ammann, dass er bis auf ein paar Probleme mit der Bandscheibe noch sehr fit sei. «Ich fahre ­sogar noch Auto», sagte er. Ammann ist Mitglied der Schaffhauser Zunft zum Rüden. (zge)

· Hochbetrieb im Fäsenstaubpark, wo das Playmobil ein Spielland der unbegrenzten Möglichkeiten bietet. Wer sich im Park umsieht, merkt, dass in Richtung des Johannes-von-Müller-Denkmals die alte schwarze und etwas klapprige Handpumpe diesen Sommer ersetzt wurde durch eine moderne Chromstahlpumpe in Form eines Rades. Schön. Und im Steinbett, in dem das Wasser hinunterfliesst in das Auffangbecken, wurden kleine Dämme eingebaut mit Klappen, um das von der Pumpe geförderte Wasser zu stauen. Mindestens theoretisch ist das möglich. Aber die Klappen sind nicht dicht, das Wasser fliesst auch, wenn sie geschlossen sind. Schade um die massiven Konstruktionen der Klappen, die, weil sie nicht funktionieren, unnütz sind. Wie erklär ich’s meinem Kinde? (Wü.)

· Zurück ist die vergoldete Jesusfigur, die 2014 beim Wegkreuz Ilgenpark Ramsen gestohlen wurde. Allerdings ist es nicht der original Heiland. Der bleibt verschollen. Ilgenpark-Leiter Olaf Rühlemannhat sich indes um Ersatz bemüht und eine Bronzefigur bei Kirchenschmuckherstellern in Bayern besorgt. Nun ist das Kreuz wieder komplett und bleibt es hoffentlich auch. (efr.)

#Allgemeines

23. September 2015 | Der nackte Jüngling ist weg

Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

Den meisten Schülern der Kantonsschule wird es bereits aufgefallen sein: Die Skulptur «Männlicher Torso» von Karl Geiser, die seit bald 50 Jahren im Lichthof aufgestellt war, ist seit den Sommerferien verschwunden. Sie wurde entfernt, nachdem ein Lehrer auf die Pädophilie des Künstlers Karl Geiser aufmerksam gemacht hatte. Beim «Männlichen Torso» handelt es sich um die Abbildung eines nackten Jungen. «Kunst eines pädophilen Künstlers in einer Schule kann problematisch sein. Wir wussten noch nicht, wie wir damit umgehen», begründet der Rektor der Kantonsschule, Pasquale Comi, die Entfernung der Skulptur, welche jetzt im Archiv der Kanti steht.

**Amsler lobt den Künstler**
Erst von den SN erfuhr Erziehungsdirektor Christian Amsler von der Entfernung der Skulptur. Er lobt den Künstler in den höchsten Tönen: Geiser sei einer der bedeutendsten Schweizer Künstler überhaupt, sagt er. «Im Lexikon des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft wurde er mit vier Sternen bewertet.» Ob die Entfernung der Skulptur angemessen war, das werde er «in Ruhe mit dem Rektorat der Kantonsschule besprechen», so Amsler. Im Übrigen «wurden und werden Kunstwerke in Kantonsbesitz aufgrund ihres künstlerischen Werts angekauft und nicht wegen der Persönlichkeit des Künstlers oder der Künstlerin», sagte er.
Die Figur wurde der Kantonsschule anlässlich der Einweihung des Förderer-Neubaus 1967 von der Georg Fischer AG überreicht. Der Künstler Karl Geiser war zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre tot. Er beging 1957 Suizid.
Die durch die Abwesenheit der Skulptur angeregte Diskussion möchte die Kanti laut Comi nutzen, um den Unterschied zwischen Künstler und Kunstwerk – auch ganz allgemein – zu thematisieren. Zudem biete der am ehemaligen Standort der Skulptur frei gewordene Platz Raum für gestalterische Eingriffe und künstlerische Interventionen. Es sei der einzige Ort, der solche Eingriffe erlaube, ohne die dominante Architektur des Fördererbaus zu stören. Ob der Torso definitiv aus der Schule verschwindet oder ob er seinen Platz im Mittelpunkt des Fördererbaus irgendwann zurückerhält, ist noch nicht entschieden.
Ganz verschwunden aus der Öffentlichkeit ist Geiser trotz der Aktion bei der Kanti dennoch nicht: Weiterhin im Freien stehen zwei Davidskulpturen beim Museum zu Allerheiligen.



So präsentierte sich der umstrittene Torso noch bis vor Kurzem im Lichthof der Kantonsschule.
Bild Bruno Bührer


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
lbb

**Karl Geiser – Woher der Pädophilievorwurf kommt**

Ein «pädophiler Künstler» sei er, meint die Schulleitung der Kantonsschule Schaffhausen: In keiner Dokumentation sind die sexuellen Neigungen des Künstlers Karl Geiser (1898–1957) deutlicher herausgearbeitet als im Dokumentarfilm «Geysir und Goliath» (2010) des Zürcher Filmemachers Alexander J. Seiler. «Geiser machte aus seinen erotischen Vorlieben keinen Hehl», sagt der 87jährige Filmer gegenüber den SN. Er lässt in seinem Film den exzentrischen Zeichner, Bildhauer und Fotografen Geiser aus den Nachlassbriefen lesen. So berichtet der Künstler von seinem Werkaufenthalt in Paris 1927 prahlend von seinen Affären, etwa mit einer «Negerin» und «Araberknaben». Die Briefe waren an die grosse unerfüllte Liebe seines Lebens gerichtet: Sasha Morgenthaler, die Frau seines Mäzens. 1929 wird er verhaftet und muss für acht Tage ins Bezirksgefängnis Zürich: Ihm wird eine sexuelle Beziehung zu einem 18-Jährigen vorgeworfen. Geiser arbeitete stets mit Modellen – nackte Männer und Frauen aller Altersgruppen gaben sich in seinem Atelier in Zürich-Letten die Klinke in die Hand. «Das Atelier war für ihn auch der Raum der Liebe», so Seiler. «Mit den wenigen, aber umso wichtigeren Frauen seines Lebens wie mit den Knaben und Jünglingen, deren Schönheit er früh und immer heftiger verfiel.» Zwei der wichtigsten Werke Geisers, je eine Gruppe von nackten jungen Männern und Frauen aus dem Jahr 1938, steht übrigens noch heute in Bern – vor dem Haupteingang des städtischen Gymnasiums Kirchenfeld.



Exzentrisches Liebesleben: der Künstler Karl Geiser (Aufnahme von 1938).
Bild zvg


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
lbb

**Um demontierte Skulptur ist eine Kunstdebatte entbrannt**

*Die Demontage einer Bronze­figur in der Kanti wegen der pädophilen Neigung ihres Erschaffers Karl Geiser (1898–1957) löst Diskussionen aus.*

Die Kantonsschule Schaffhausen steht hinter ihrem Entscheid, die Skulptur «Jünglingstorso» des Schweizer Bildhauers Karl Geiser von ihrem Platz im Lichthof im Neubau der Schule zu verbannen. Zuerst wolle man eine vertiefte Diskussion über Kunst und Künstler im Unterricht lancieren, erklären Rektor Pasquale Comi und sein Vorgänger Urs Saxer. Mit dem Thema Pädophilie müsse man heute anders umgehen als in den Jahren, wo die ­Figur installiert worden sei. Nach Regierungsrat Christian Amsler äussert sich jetzt auch ein früherer Kantonsschullehrer zum Vorgehen der Schulleitung. Und der Kunstkurator des Museums zu Allerheiligen wies auf die hohe Bedeutung Geisers in der Kunstwelt hin, von dem zwei sehr bedeutende Werke beim Münster stehen. Derweil wird klar, wieso der Vorwurf der Pädophilie gegen den Künstler erhoben wird.


24.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Flavio Razzino und Marc Liebenberg

**Entfernung einer Skulptur wirft Fragen auf**

*Die Entfernung der Figur «Jünglingstorso» des Künstlers Karl Geiser (1898–1957) wegen pädophiler Neigungen ihres Erschaffers sorgt für Verwunderung.*

Die Bronzeskulptur «Jünglingstorso» des bedeutenden Bildhauers Karl Geiser (1898–1957) wurde in den Sommerferien vom Lichthof der Kantonsschule Schaffhausen entfernt, nachdem ein Lehrer Anfang Jahr die Schulleitung darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Künstler eine pädophile Neigung gehabt haben soll (siehe SN von gestern). Den Entscheid verteidigt der damalige Rektor Urs Saxer gegenüber den SN: «Die Frage ist durchaus berechtigt, wie man sich zu so einem Kunstwerk stellen soll.» Immerhin, so Saxer, sei für das Thema Pädophilie heute eine grössere Sensibilität vorhanden als noch vor 50 Jahren, als die Statue, als Schenkung von GF, im Neubau aufgestellt wurde. «Heute haben wir ein Gesetz, welches in Fällen von Kindesmissbrauch lebenslange Berufsverbote vorsieht.» Deshalb habe man einen Diskurs über Kunst und Künstler anregen wollen. Entfernt worden sei der Jüngling im vergangenen Juli.
Pasquale Comi, seit 1. August dieses Jahres Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, sagt: «Das war wahrscheinlich nicht ganz glücklich, aber im Nachhinein ist man immer klüger.» Denn jetzt werde eine wichtige Debatte über Kunst von umstrittenen Künstlern öffentlich geführt, «obwohl wir dar­über zuerst in der Schule hätten diskutieren wollen», so Comi. Bereits sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die derzeit ein Konzept für dieses vertiefte Nachdenken über Kunst entwickle. Nach den Herbstferien soll es losgehen.

**Geisers Spuren in Schaffhausen**
Dass die Figur weg ist, fiel jedoch schnell auf – kein Wunder, handelt es sich bei ihrem Schöpfer doch um einen Künstler, der in Schaffhausen unübersehbare Spuren hinterliess. Nicht nur in der Stadt Zürich beim Helvetiaplatz (Arbeiterdenkmal) oder bei der Walche (Löwen) stehen seine Skulpturen; Walther Bringolf – der mit dem Bildhauer persönlich und politisch befreundet war – bat den bereits berühmten Künstler 1946, ein Denkmal für die Bombardierung Schaffhausens am 1. April 1944 zu schaffen. Geisers Vorschlag gewann unter sechs weiteren Beiträgen – zur Ausführung gelangte das Denkmal jedoch nie. Am 4. Juli 1959 wurden auf Veranlassung Bringolfs aber zwei in Bronze gegossene David-Figuren von Karl Geiser in Schaffhausen enthüllt. Die eine, die Freiheit verkörpernde Fassung, zeigt David nackt und steht im Kräutergarten zu Allerheiligen, die andere, in Hirtenknabenart mit einer Hose bekleidet, fand an der Nordfassade des Münsters ihren Platz.
Zusammen mit diesen überlebensgrossen Arbeiten besitzt das Museum zu Allerheiligen fünf Geiser-Werke, wie Kunstkurator Matthias Fischer bestätigt. Zu den beiden Davids kommen ein Jünglingstorso «Heiri», das Modell für das Bombardierungsdenkmal und ein weiteres Artefakt. «Diese Arbeiten befinden sich im Depot», sagt Fischer. Die Entfernung des «Nackten Jünglings» mag er nicht kommentieren. Er sagt nur: «Das zeigt mir nur, dass Kunst in verschiedenen Zeiten unterschiedlich bewertet wird.»
Mit grosser Verwunderung hat auch der langjährige frühere Lehrer für bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule, Edi Schwyn, von der Demontage des Jünglings erfahren: «Ich finde das an den Haaren herbeigezogen», kommentiert der pensionierte Lehrer das Vorgehen seiner Berufskollegen. Die Figur sei ihm seit seiner eigenen Schulzeit vertraut – im Fach Zeichnen hat sie seinen Schülern als Modell gedient. «Meiner Meinung nach hat die Figur nicht im Entferntesten etwas mit Erotik und Sexualität zu tun», so Schwyn. Von den Pädophilie-Vorwürfen gegenüber Geiser habe er bisher keine Kenntnis gehabt. «Ich bin aber der Meinung, dass man so etwas doch nicht einfach auf das Werk eines Künstlers übertragen kann!»
Die Debatte haben die Verantwortlichen mit der Entfernung des nackten Jünglings lanciert. Gut möglich ist jedenfalls, dass die Bronzeskulptur bald wieder im Lichthof der Kantonsschule Schaffhausen steht. «Ich kann mir das gut vorstellen, auch weil wir das Thema Kunst umstrittener Künstler nun in den Klassen, aber auch im Lehrerzimmer diskutieren», sagt Comi.



Erregte Anstoss: Nackter Jüngling aus Bronze im Lichthof der Kanti.
Archivbild SN



Karl Geisers überlebensgrosse David-Statuen: «Freiheits»-David im Kräutergarten des Klosters Allerheiligen und …



… David beim Münster Schaffhausen. Es sind Schlüsselwerke im Spätwerk des Bildhauers.
Bilder Selwyn Hoffmann


25.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
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**Kantonsschule wird heftig kritisiert**

*Bronzeskulptur*

Für Irritationen hat die diese Woche bekannt gewordene Entfernung einer Bronzeskulptur des renommierten Schweizer Bildhauers Karl Geiser aus dem Lichthof des Neubaus der Kantonsschule Schaffhausen gesorgt. Jetzt äussern sich Kunstsachverständige und Kulturschaffende über die Demontage des «Jünglings­torsos» nach fast 50 Jahren wegen der angeblichen Pädophilie ihres Erschaffers – und die Akteure aus der Kunstszene kritisieren die Schulleitung scharf. Für Katharina Epprecht, Direktorin des Museums zu Allerheiligen, ist die Entfernung der Figur «kaum nachvollziehbar», obwohl die zugrunde liegende Fragestellung durchaus legitim sei. Roger Ballmer vom Kunstverein meint, man müsste die Figur nicht aus der Öffentlichkeit entfernen, um sich differenziert darüber zu unterhalten. Die Kunsthistorikerin Tina Grütter findet die Argumentation schlicht «lächerlich». Und die beiden unter anderem mit bildhauerischen Arbeiten bekannt gewordenen Künstler Vincenzo Baviera und Bruno Ritter machen ihrem Ärger Luft. Derweil werden Erinnerungen wach an den letzten Kunstskandal in Schaffhausen im Jahre 1989.


25.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi und Marc Liebenberg

**«Diskussion am völlig falschen Objekt»**

*Kopfschütteln löst bei Sachverständigen und Kunstschaffenden die Entfernung des «Jünglingstorsos» an der Kantonsschule aus.*

Die diese Woche bekannt gewordene Demontage der Skulptur «Jünglingstorso» des Bildhauers Karl Geiser begründet die Schulleitung mit den pädophilen Neigungen des bereits seit 58 Jahren toten Künstlers (siehe SN von gestern). Man wolle jetzt an der Schule eine Debatte darüber anregen, versprach Mitte der Woche Rektor ­Pasquale Comi. Gestern haben sich nun auch Vertreter der Schaffhauser Kunstszene in die Debatte eingebracht.
Um eine legitime Fragestellung handle es sich durchaus, meint Katharina Epprecht, seit Anfang des Monats Direktorin des Museums zu Allerheiligen. «Das Verhältnis zwischen der Person des Künstlers und seinem Werk könnte Anlass für eine wichtige und ­relevante Disskussion sein.» Man müsse dabei aber unbedingt der grundsätzlichen Eigenständigkeit des Kunstwerks gerecht werden.
Mit der Entfernung der Skulptur aus der Öffentlichkeit – dieser «kaum nachvollziehbaren Aktion» – torpediere die Kantonsschule jedoch im Grunde gerade das, worauf es ihr anscheinend ankomme. «Das Resultat der Auseinandersetzung mit dem Werk und seinem Urheber hat man mit der Demontage im Grunde bereits vorweggenommen. So ist die Disskussion am völlig falschen Ende aufgehängt – und am falschen Objekt», sagt Epprecht. Sie sehe denn auch nicht den geringsten Anlass, die beiden im Besitz des ­Museums befindlichen David-Skulpturen Geisers im Kräutergarten und beim Münster Schaffhausen in irgendeiner Weise dem öffentlichen Raum zu entziehen.

**Suche nach dem «pädophilen Blick»**
Sexualität führe in der Kunst zu vielen Missverständnissen, sagt Kunstvereinspräsident Roger Ballmer. «Wenn man nach einem ‹pädophilen Blick› von Künstlern in der Kunst sucht wird man fast in allen Gattungen und Epochen fündig.» Von der Renaissance bis in die Postmoderne malten und fotografierten Künstler nackte Kinder, oftmals in eindeutig lasziven Posen. Im vorliegenden Fall sei es erst einmal geboten, das Werk konsequent vom Künstler zu trennen, relevant sei einzig die Darstellung. «Die Grenze des Zeigbaren liegt meiner Meinung nach dort, wo Kinder sexualisiert, in lasziven Posen gezeigt werden.» Das sei bei ­Geisers Werk eindeutig nicht der Fall. «Wenn man eine solche Diskussion ernsthaft hätte führen wollen, dann hätte dies auch ohne Entfernung der Skulptur stattfinden können», sagt Ballmer.
Für die Kunsthistorikerin Tina Grütter, einstige Kuratorin der Kunstabteilung am «Allerheiligen», ist die Vermischung von Biografie und Werk eines Künstlers alles andere als gut. «Ein Werk kann sich doch weit über Persönliches hinausheben, und gerade schwierige biografische Gegeben­heiten können die Inspiration sein, dies erst in Kunst zu verwandeln», meint sie. Rembrandt zum Beispiel soll als Mensch sehr unangenehm gewesen sein. «Da dürfte man seine Kunst nicht mehr anschauen, wenn man nur noch Arbeiten, von moralisch sauberen Künstlern möchte.» Sie verweist auch auf die alten griechischen Skulpturen, die in der Kunstgeschichte unbestritten als hochwertig dastehen. «Wohl die meisten davon haben Künstler geschaffen, die sich an Jungenkörpern erfreut haben», sagt sie.

**Tina Grütter: Debatte lächerlich**
Grütter stört es, dass man heute viele Werke nur noch unter sexuellen Aspekten betrachtet und die künstlerische Qualität sekundär wird. «Karl ­Geiser hat seinen Platz in der schweizerischen Kunstgeschichte.» Er habe sich bei aller Stilisierung stets an die Natur gehalten und sei nicht ins ­Abstrakte gegangen, meint Grütter. Das sei mit ein Grund, weshalb die ­Modelle für Geiser eine wichtige Rolle spielten. «Wenn man Geiser aus so ­wenig stichhaltigen Gründen entfernt, dann müsste man auch Werke von ­Gubler wegtun.» Im Übrigen wisse man zu wenig über die Beweggründe und die Inspiration Geisers. Grütter hält die Debatte jedenfalls für lächerlich. «Wenn man so argumentiert, dann ­dürfen bald nur noch bigotte Leute und Moralapostel Kunst machen.»

**«Viele Museen müssten schliessen»**
Vincenzo Baviera, freischaffender Bildhauer in Beggingen, hat sich intensiv mit Karl Geiser befasst und lernte bei dessen Schüler Felix Kohn in ­Zürich, der nach Geisers Selbstmord sein Atelier übernommen hatte. «Klar, Karl Geiser stand offen zu seinen Neigungen, er hat sie aber eben auch als Problem wahrgenommen und darunter gelitten», sagt Baviera. Dass sich der Künstler jemals etwas Schlimmes zuschulden hat kommen lassen, bezweifelt er. «Wenn man jedes Kunstwerk nach den Unzulänglichkeiten seines Urhebers bewerten möchte», glaubt ­Baviera, «dann müsste man ganz viele Museen schliessen.» Zur Entfernung von Geisers Skulptur an der Kantonsschule meint er nur: «Das war wohl eine reine Panikhandlung vor lauterpolitical correctness, es geht aber an der Sache komplett vorbei.»
Bruno Ritter, im Bergell lebender Maler und Bildhauer aus Schaffhausen, ärgert sich über die Schulleitung ebenfalls sehr: «Dass eine so undifferenzierte Behauptung eines Lehrers dazu führt, dass eine Kommission einberufen wird, ist wirklich fasnachtsreif und disqualifiziert die Verantwort­lichen.» Das Problem liege also kaum bei Geiser und seiner Skulptur.

**Kunstskandal 1989 Als Herr Puls nicht ausstellen durfte**
Es ist nicht das erste Mal, dass man sich in Schaffhausen über einen Künstler aufregt: Schon lange vor der «Causa Geiser» hatte die Stadt einen «Kunstskandal. Es war im Jahre 1989, als die Ausstellung des österreichischen Künstlers Erwin Puls, die am 17. August in der Kammgarn eröffnet werden sollte, verboten wurde. Am Ruder war damals der sozialdemokratische Stadtpräsident Max Hess. Er und der gesamte Stadtrat seien einmütig zum Schluss gekommen, die städtische Liegenschaft Kammgarn nicht für die Puls-Schau zur Verfügung zu stellen, meldeten die SN am 17. August 1989: «Grund für diesen Entscheid sind pornografische Fotos sowie ein Videofilm mit pornografischen Szenen, die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden sollten.» Und weiter: «Der Entscheid des Stadtrates war unumgänglich, und unter Zeitdruck waren wir zu raschem Handeln gezwungen», betonten damals Hess und Baureferent ­Marcel Wenger. Sie begründeten den Entscheid damit, dass die Behörde im Vorfeld nicht über den Inhalt der Ausstellung, organisiert von der Kammgarn-Koordinationsgruppe ­(Kakoo) ­informiert worden sei. Erst kurz vor Eröffnung der Schau des Wiener ­Aktionskünstlers habe sich der Stadtrat in corpore vor Ort bei eine Führung ein Bild machen können. Einzelne Teile der Ausstellung empfand er «eindeutig als Pornografie», was Puls – der im Jahr 2003 verstarb – überhaupt nicht in Abrede stellte. Er bediene sich der Mittel der Pornografie, um zu zeigen, wie die Gesellschaft funktioniere, sagte er damals. Auf den Vorschlag, etwa ein Drittel aller Exponate zurückzuziehen, um die Ausstellung dennoch zeigen zu können, waren Puls und die Veranstalter nicht eingegangen. Der Stadtrat verbot also die Schau, auch wenn er einräumte, Kunst benötige einen grossen Freiraum, aber man habe der Öffentlichkeit gegenüber eine Verantwortung. Enttäuscht zeigten sich die Organisatoren, denen bewusst war, dass es sich um eine «brisante Ausstellung» handelte. Genau aus diesem Grund aber wäre der Künstler in den Ausstellungsräumen stets präsent gewesen, um die Diskussion mit den Besuchern zu führen. Diese kam dann nur ausserhalb zustande und wurde zum Stadtgespräch darüber, wo Kunst aufhört und Pornografie beginnt.



Kann man Werk und Künstler trennen? Walther Bringolf 1961 bei der Einweihung des Männertorsos «Heiri» von Karl Geiser im Museum.
Archivbild B. + E. Bührer


**Sotheby’s und Co. Karl Geisers Arbeiten tauchen regelmässig auf dem Kunstmarkt auf**

Karl Geisers Werke sind Stammgäste vor allem in Schweizer Auktionen. So wurde 2012 ein «Jüngling Akt» bei Christie’s in Zürich für 9600 Franken verkauft. Die Figur sieht der Bronze von der Kantonsschule Schaffhausen sehr ähnlich, im Gegensatz zu diesem lebensgrossen Werk war der bei ­Christie’s verkaufte Jüngling aber nur 44 Zentimeter hoch. 2011 bot Sotheby’s in Zürich eine 61 Zentimeter grosse Büste einer jungen Frau und zwei Grafiken für 6000 bis 8000 Franken an, das Los fand aber keinen Käufer. 2004 verkaufte Sotheby’s eine 55 Zentimeter hohe Büste einer «Frau mit Tuch» für 10 030 Franken. Deutlich günstiger, für um die 100 Franken, angeboten wurden Radierungen aus Serien, etwa «Drei nackte Jungen am Strand» aus einer Auflage von 40 Stück. (Auktion für moderne Kunst, 2009, Auktionshaus Michael Zeller).(zge)


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Eduard Schwyn

**Die Schwelle zum Erwachsenwerden**

*Im Mittelpunkt der Debatte über die entfernte Geiser-Skulptur an der Kantonsschule steht das Verhältnis: Leben in der realen Welt – Ausdrucksgestaltung in der Welt der Kunst.*

Da stand jemand nackt da, im Zentrum des schulöffentlichen Raums der Kantonsschule Schaffhausen. Der da entblösst stand, ist nicht aus Fleisch und Blut. Der leicht erhöht auf einem Sockel stehende Jüngling wurde in Bronze gegossen, ist daher unbeweglich, erscheint in seiner Haltung wie im Moment erstarrt. Das eigentliche Original wurde vom Künstler Karl Geiser (1898–1957) Schicht um Schicht mit dem Werkstoff Gips gebildet und später als plastische Vorlage für den Abguss genommen. Während fünfzig Jahren stand die Skulptur an ihrem Ort im Lichthof des Förderer-Gebäudes, nun wurde sie unverhofft entfernt. Die Begründung für diesen Schritt: Nicht die Nacktheit der Figur, vielmehr das dahinter liegende schiere Wissen um die angeblich pädophile Neigung des Künstlers erregte öffentliches Ärgernis seitens der Schulleitung.
Frontal stehende Jünglingsfiguren haben in der Kunstgeschichte eine weit zurückreichende Tradition. Die Abbildung rechts zeigt eine berühmte griechischarchaische Jünglingsskulptur, nämlich den nach seinem Fundort benannten Kuros von Anavyssos (552 v. Chr.). Wir kennen weder den Namen des Künstlers, noch haben wir Kenntnis darüber, ob er sein Leben den damals geltenden Verhaltensnormen entsprechend in moralischer Rechtschaffenheit gelebt hat oder nicht …
Was von ihm für uns erhalten geblieben ist, ist einzig und allein die von ihm aus Stein gebildete Skulptur. Diese Jünglingsfigur ist eine von mehreren, in ähnlicher Haltung und Wirkungsabsicht gestalteten Figuren aus dieser frühen Zeit. Es wird angenommen, dass diese Figuren in der Zeit ihrer Entstehung das Ideal des gereiften Jünglings verkörperten. Diese Figuren treten uns nicht düster und sich als aggressiv gebärdende Krieger entgegen, im Gegenteil, sie öffnen sich dem Betrachter mit einem leisen Lächeln. In einer ähnlichen Haltung erlebe ich die angesprochene Skulptur von Geiser, sie ist in ihrem körpersprachlichen Ausdruck und ihrer zutiefst menschlich warmen Ausstrahlung unmittelbar zugänglich.
Kunstwerke sind immer auch ein Teil der Lebenswirklichkeit ihres Schöpfers, sind Ausdruck des momentanen Daseins eines Menschen. Anlass für den schöpferischen Akt ist wohl immer die Verwurzelung in subjektiver Betroffenheit. Darin eingeschlossen sind auch erotische Impulse, der Trieb des Eros und die Sehnsucht nach seiner Erfüllung. Zusammen auch mit dem polaren Todestrieb sind sie Energien des Gestaltungsaktes, in dem Bewusstes und Unbewusstes, äussere und innere Realität unauflöslich ineinander verwoben sind. Im künstlerischen Tun, in der Literatur wie in der bildenden Kunst können auch sublime Energien als Ersatzhandlungen in der Gestaltung ausgelebt werden und zur Lebensbewältigung des Kunstschaffenden beitragen. Hoffnungen, Sehnsüchte und unerfüllte Wünsche können ins Werk einfliessen und anschaulich manifest, allenfalls von der Gesellschaft im Kunstwerk auch akzeptiert werden. Sollte die sexuelle Neigung des Gestalters jener jetzt in den Fokus einer Debatte geratenen Jünglingsfigur in sein Werk eingeflossen und dort ablesbar sein, nähme die Diskussion einen wesentlich anderen Verlauf. Dies vor allem, weil die Figur im öffentlichen Raum steht.
Nicht etwa die geäusserte Kritik der pädophilen Neigung des Künstlers, sondern deren Übertragung auf sein geschaffenes Werk ist für mich im Anblick dieser Figur unhaltbar.
Dieses Ansinnen vermag der Figur in ihrer würdevoll strahlenden Schlichtheit nichts anzuhaben. Sie ist vollendeter Ausdruck einer Vergegenwärtigung: der junge Mensch an der Schwelle zum Erwachsenwerden. An seinem angestammten Ort bringt dieses Werk menschliche Wärme in die kühle Atmosphäre des Lichthofs.
Durch die Rücknahme ihres Entscheids verliert die Schulleitung keineswegs ihr Gesicht, im Gegenteil: Sie gewinnt an Profil.

*Eduard Schwyn(*1948) ist Kunstpädagoge und war von 1973 bis 2013 Lehrer für bildnerische Gestaltung an der Kantonsschule Schaffhausen. Er war 1985 Co-Gründer des Vereins Bildender Künstler Schaffhausen und arbeitet heute als Kunstschaffender.*



Weit zurückreichende Tradition: Kuros von Anavyssos (552 v. Chr.).
Bild zvg


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Silvio Crola

**Kunst als Stein des Anstosses?**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Während 35 Jahren meines Berufslebens bin ich täglich am Bronze-Jüngling im Lichthof der Kanti vorbeigegangen und habe mich stets gefreut, wie überzeugend diese Statue im Kontext dieses Raumes ihren Platz einnimmt. Eine Verbindung mit der angeblichen Pädophilie ihres Schöpfers Karl Geiser wäre mir nie und nimmer in den Sinn gekommen. Was jetzt als Argument für ihre Entfernung angeführt wird, wirft kein gutes Licht auf die kulturfeindliche Geisteshaltung der selbst ernannten Sittenwächter. Die Entfernung dieses Kunstwerkes ist aber auch eine Respektlosigkeit gegenüber den Donatoren und dem Architekten W. M. Förderer. Ich hoffe, dass der Erziehungsdirektor Christian Amsler mit seinen vernünftigen Argumenten die Schulleitung dazu bewegen kann, die unsinnige Massnahme rückgängig zu machen. Der Bronze-Jüngling gehört unverzüglich wieder an seinen ­angestammten Platz!

26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Walter Seiler

**O tempora, o mores**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Nach fast 50 Jahren friedlicher und weitgehend unbeachteter Existenz an der altehrwürdigen Kanti ist die Skulptur eines nackten Jünglings des renommierten und vermeintlich pädophilen Künstlers Geiser von seinem Standort entfernt worden. Ich möchte mich im Namen einer alternden Mutter (92), die in den 60er-Jahren ihre vier Kinder völlig verantwortungslos dem Anblick dieser Skulptur ausgesetzt hatte, bedanken für diesen raren Heiterkeitsanfall, den diese Aktion bei ihr ausgelöst hat.

26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Eduard Looser

**Kontraproduktive Skandalisierung**
*Zu «Diskussion am völlig falschen Objekt», SN vom 25. 9.*

Die Diskussion über die Entfernung des nackten Bübleins beziehungsweise über die Pädophilie des Künstlers gehört in die Kantonsschule. Es gibt dort genügend Leute, junge und alte, die sich aus den verschiedensten Blickwinkeln mit den aufgeworfenen Fragen befassen können. Der Skandalisierungseifer ist kontraproduktiv und nimmt der Kanti ein Thema aus der Hand, dessen Bearbeitung sogar ­locker in den Bildungszielen der Institution Platz hat. Da kommt es dann nicht darauf an, ob die Skulptur auf dem Lichthof oder im Archiv steht. Zudem kommt noch, dass in unserer Gesellschaft Pädophilie keine Quantité négligeable ist, wie man im Zusammenhang mit den Vorwürfen beispielsweise an Priestern sieht. Also kann man die Diskussion ruhig auch echt zulassen, ausser man macht darin einen Unterschied zwischen Priestern und Künstlern.


26.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

**Geisers Demontage**

Während fast 50 Jahren zierte der «Jünglingstorso» von Karl Geiser den Lichthof der Schaffhauser Kantonsschule. Nun ist der Bronzebub ins Archiv verbannt worden, wegen der pädophilen Neigungen seines seit beinahe 60 Jahren toten Erschaffers. Dieser hatte zeitlebens immer wieder offen über seine sexuelle Orientierung gesprochen, sie wurde in Ausstellungen seiner Werke auch thematisiert. An der Kanti hat nun ein Lehrer ebenfalls Geisers Vergangenheit aufgedeckt und Alarm geschlagen, und die Schulleitung hat sein Werk, es zeigt einen nackten Jungen ohne Arme, entfernen lassen. Temporär, wie sie sagt.

**Werk und Erschaffer zu trennen, ist nicht immer so einfach**
Es war eine Handlung, für die man auf den ersten Blick schon ein gewisses Verständnis aufbringen kann. Ein Bildnis eines unbekleideten Kindes! Erschaffen von einem pädophilen Künstler! Ausgestellt in einer Schule! Das geht doch nicht!
Oder etwa doch? Unbestritten scheint unter den Fachverständigen, dass man Werk und Künstler trennen müsse. Die Arbeit müsse auch für sich alleine bestehen. Dies ist natürlich umso einfacher, je älter ein Werk ist und je weniger man vom Künstler weiss. Schwieriger wird es hingegen, wenn die Biografie eines Künstlers dessen Werk weit überstrahlt. Die Aquarelle eines österreichischen Malers aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert wirken auch harmlos, bis man erfährt, dass der Künstler Adolf Hitler heisst.
Bei Geisers Werk wird die jüngste Debatte um seine sexuellen Vorlieben eine Zeit lang kaum von seinen Arbeiten zu trennen sein. Wer erfährt, dass Geiser sich zu Knaben hingezogen fühlte, betrachtet seine zahlreichen Standbilder, Zeichnungen und Fotografien von nackten Kindern möglicherweise ganz anders. Und wer sich gar getraut, Geisers Werke trotz dieses Ballasts zu sammeln, zu schätzen, ­zugänglich zu machen oder zu verteidigen, gerät schnell in den Verdacht, dessen Pädophilie zu verharmlosen oder insgeheim sogar gutzuheissen.
Das ist natürlich Quatsch. Es ist doch ein Zeichen einer freien Gesellschaft, Kunst mit all ihren Abgründen, Widersprüchen und Widerlichkeiten zu ertragen, eben auch dann, wenn man mit dem Künstler selbst nicht einverstanden ist oder ihn sogar verabscheut.
Oder wäre es etwa besser, man würde nur noch moralisch und ethisch einwandfreie Werke sammeln und ausstellen, die von ebenso moralisch und ethisch einwandfreien Künstlern erschaffen worden wären? Wer bestimmt dann, was «reine Kunst» ist und welche Künstler genehm sind? Irgendein Komitee oder eine Akademie? Oder etwa die Politik? Das geht, aber nur in totalitären Staaten wie Nazideutschland. Dort wurde «entartete», also politisch nicht korrekte Kunst gebrandmarkt, verboten und verbrannt.
Würde man Kunst nur noch nach strengen ethischen Kriterien beurteilen, dann müssten viele Museen gleich schliessen. Nicht nur wegen allfälliger nackter Kinder. Das Elfenbein, aus dem jahrhundertealte asiatische Götterstatuen geschnitzt sind, stammt nicht unbedingt von Lieferanten, die das Internationale Artenschutzabkommen unterzeichnet haben. Und unter welchen Umständen Gold und Edelsteine in antiken Preziosen geschürft wurden, will man lieber auch nicht so genau wissen.

**Warum wird genau der Gegenstand entfernt, über den man reden will?**
Bei Geisers Jüngling stellen sich noch weitere Fragen. Die Statue ist ­integraler Teil des Baus, Architekt Förderer platzierte sie persönlich. Steht es dem Lehrkörper grundsätzlich eigentlich zu, nach eigenem Gutdünken und ohne Absprache mit der Gebäudebesitzerin am Bau Veränderungen vorzunehmen? Darf eine Lehrerin, der die blanken Betonwände im Förderer-Bau auf die Nerven gehen, auch mal rasch zum Pinsel greifen? Wohl kaum.
Und wieso entfernt man eigentlich genau den Gegenstand, über den man, wie die Lehrer bezeugen, eine Diskussion führen will? Dies, nachdem der nackte Jüngling fast ein halbes Jahrhundert an seinem Platz gestanden hatte, ohne dass Tausende von traumatisierten Maturandinnen und Maturanden von dieser Schule abgingen?
Diskussionen über Kunst sind schön und gut, aber als ersten Schritt sollte die Kanti jetzt vor allem eines tun: Geisers Jüngling schleunigst aus dem Archiv holen und wieder in den Lichthof stellen.


30.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Ursula Frey

**Der Jüngling kann im Archiv bleiben**
*Zu «Geisers Demontage», SN vom 26. 9.*

Wenn ich die Statue des jungen Mannes anschaue, fällt mir auf, dass er keine Hände und keine Unterarme hat. Das bedeutet, dass er nicht handeln kann, zur Untätigkeit gezwungen ist und dass er wehrlos ist. Dies sind Eigenschaften, die wir jungen Menschen gerade nicht wünschen! Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass die Statue im Archiv bleiben kann. Sie könnte auch im Museum ausgestellt werden. Für die Kantonsschule wünschte ich mir ein lebensbejahenderes Kunstwerk. Vielleicht findet sich eines von einem zeitgenössischen Schaffhauser Künstler?

30.9.2015
Schaffhauser Nachrichten
Leserbrief von Klaus Unger

**Sofortige Relozierung des «Jünglingstorsos»**
*Zu «Geisers Demontage», SN vom 26. 9.*

Arme Kantonsschule. Läufst Gefahr, Opfer pädophiler Übergriffe zu werden durch eine Jünglingsskulptur, die keine Hände hat, und durch ihren längst verstorbenen Gestalter und machst dich, bedauer- und ärgerlicherweise auch für einen ehemaligen Lehrer, lächerlich in der ganzen Schweiz und anderswo durch einen Akt, der von unglaublicher Borniertheit, Anmassung und vor allem von Unverständnis zeugt, was das Verhältnis von Künstler und Werk angeht.
Wenn der Lebenswandel eines bildenden Künstlers, Schriftstellers, Komponisten etc. bestimmend für sein Werk wäre, das heisst für dessen Beurteilung und Wertung im Sinne engstirniger Sittenwächter, dann müssten zahllose Werke aus dem öffentlichen Raum, der öffentlichen Darbietung und insbesondere aus dem Kanon der Kantonsschullektüren schnellstens entfernt werden.
Mit anderen Worten: Bei der aufgeklärten und wissensfundierten Wahrnehmung und Beurteilung von ernst zu nehmender Kunst ist das Leben des Künstlers schon längst Nebensache, es sei denn, es muss die fehlende Sub­stanz des Werks ersetzen. Hingegen ist es ein zentrales Qualitätsmerkmal, in welchem Masse der Künstler jenseits seiner individuellen Biografie eine allgemeingültige menschliche und artistische Wirklichkeit zu schaffen vermag.
Daher braucht es jetzt an der Kantonsschule keine Diskussion über das Verhältnis von Künstler und Werk, sondern die sofortige Relozierung der Skulptur an den angestammten Ort, zumal ihr dieser vom Architekten mit Bedacht zugewiesen wurde. Auch ihm gegenüber ist die «Verwahrung» der Skulptur eine Respektlosigkeit.


3.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
**SMS-Umfrage**

Das Ergebnis:
«Jünglingstorso»: Soll die Skulptur wieder in der Kanti aufgestellt werden?
Ja81 %
Nein19 %
Klare Aussage: Die Umfrageteil­nehmer wünschen sich, dass die ­Kantonsschule Karl Geisers Jünglings-Skulptur wieder ausstellt.


7.10.2015
Leserbrief von Erwin auf der Maur

**Es kommt auf den Betrachter an**
Zur SMS-Umfrage über Karl Geisers Jünglingstorso, SN vom 3.10.

Die SN-Umfrage hat mit 81:19 ergeben, dass der unbekleidete Jüngling wieder in der Kanti aufzustellen sei. Wer sich immer noch daran stossen könnte, müsste beantragen, dem holden Knaben sein Glied abzunehmen. Er steht ohnehin ohne Hände da. Oder ein Tüchlein an der besagten Stelle wäre hilfreich.
Der Schaffhauser Kantonsrat hatte vor einem halben Jahrhundert eine neue Wasserversorgung in der Nähe von Tengen-Blumenfeld besichtigt. Dort musste auch ein künstlerischer Schmuck her. In der Reservoirstation hat man die Statue eines hübschen Mädchens aufgestellt. Sie stand auf einem Sockel über dem Brunnen. Für das Wasserlassen wäre jedoch eine männliche Figur geeigneter gewesen. Die weise Lösung wurde gefunden: Weil vom kritischen Ort der jungen Maid das Wasser an den Beinen entlang hinuntergelaufen wäre, hat man den Ausfluss aus der Statue an den kleinen Finger verlegt. Gut so!
Heute sagt man etwa der katholischen Kirche nach, sie sei prüde. Wer sich die herrlichen Barockkirchen in Deutschland und in der Schweiz ­anschaut, trifft viele Nackedeis an: Putten und unbekleidete Engelchen zieren Altäre und Deckengemälde. Weder betende Nonnen noch fromme Gläubige stossen sich daran. Prüde Besucher in Rom müssten in der Sixtinischen Kapelle und in den Vatikanischen Museen ihr Auge schliessen. Es kommt darauf an, in welcher Gesinnung Kunstwerke den Besucher er­götzen.


20.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

**Der «Jüngling» ist noch nicht zurück**

*Die Entfernung einer Bronzeskulptur aus dem Lichthof der Schaffhauser Kantonsschule sorgte für hitzige Diskussionen. Zum Schulstart fehlt der «Jünglingstorso» jetzt aber immer noch.*

Die Herbstferien sind zu Ende, und die Kantonsschüler sitzen wieder in ihren Bänken. Nur einer ist nicht zurückgekommen; der Sockel im Lichthof der Kanti, auf dem sich seit fast 50 Jahren der «Jünglingstorso» des Künstlers Karl Geiser befand, bleibt leer. Dort, wo einst die Bronzestatue stand, sitzen in der grossen Pause nun Schülerinnen und Schüler und geniessen ihr Pausenbrot.
Der «Jünglingstorso» wurde der Kantonsschule Schaffhausen 1967 anlässlich der Einweihung des Förderer-Baus von der Georg Fischer AG geschenkt. Nachdem die Bronzeskulptur fast 50 Jahre lang den Lichthof der Kanti geziert hatte, wurde sie in den Sommerferien von der Schulleitung entfernt. Begründet wurde die Aktion mit der angeblichen Pädophilie des renommierten Schweizer Bildhauers Karl Geiser (1898–1957). Als die SN auf das Fehlen der Statue aufmerksam machten, entbrannte in der Stadt Schaffhausen eine heftige Debatte. Während manche Leute das Vorgehen der Schulleitung verstehen, sind sich die Kunstverständigen der Region ­einig: Kunstwerk und Künstler müsse man voneinander trennen können, die Statue gehöre zurück an ihren Platz.
Derselben Meinung sind anscheinend auch andere Schaffhauser. Bei einer SMS-Umfrage wollten 81 Prozent der Teilnehmer die Statue wieder an ihrem alten Platz ausgestellt wissen.

**«Nächste Woche wird entschieden»**
Bei den Kantischülern löst das Fehlen der Skulptur unterschiedliche Reaktionen aus. Manche sind mit der Entfernung der Statue einverstanden, manche vermissen den nackten Jüngling, und wieder anderen ist das Thema anscheinend völlig egal.

**Doch wie geht es weiter mit dem «Jünglingstorso»? Darf er irgendwann wieder zurück auf seinen Sockel?**
Was mit der Bronzeskulptur geschieht, ist noch ungewiss. Kanti-Rektor Pasquale Comi sagt, dass die Angelegenheit vorerst in Ruhe mit der Lehrerschaft, der Schulleitung und dem Erziehungsdepartement besprochen werden müsse. Das sollte im Verlauf der nächsten Woche geschehen. Und bis über das weitere Vorgehen in der Causa «Jünglingstorso» nicht entschieden ist, will sich Comi zum Thema nicht mehr äussern. «Ich habe schon meine Ideen», sagt er. Es gehe aber nicht allein um seine Vorstellungen.

**Rückkehr wahrscheinlich**
Geäussert hat sich der Rektor gegenüber den SN aber eigentlich bereits vor den Herbstferien. Damals sagte er, dass er sich eine Rückkehr der Bronzeskulptur an ihren ­ursprünglichen Platz gut vorstellen könne. Erziehungsdirektor Christian Amsler hatte, als er von der Entfernung der Statue erfahren hatte, äusserst positiv über den Künstler Geiser gesprochen. Ausserdem war er der Meinung, dass es bei einem Kunstwerk auf dessen künstlerischen Wert und nicht auf die Persönlichkeit des Künstlers ankomme. Es scheint also sehr wahrscheinlich, dass der «Jünglingstorso» bald wieder abgestaubt und in neuem Glanze im Lichthof ausgestellt wird.


29.10.2015
Schaffhauser Nachrichten
Pascal Schmidlin

**Karl Geisers Statue «Franz» wird wieder aufgestellt**

* Kantonsschule*

«Ich habe fertig», sagt Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen zur Diskussion rund um die Jünglingsstatue «Franz» von Karl Geiser gegenüber den SN. Diese fand gestern ihren Abschluss mit dem Entscheid, dass ab Montag, dem 9. November, «Franz» wieder an alter Stätte aufgestellt wird. Die Kantonsschule teilte dies gestern in einer Medienmitteilung mit. Die Skulptur wurde über die Sommerferien von ihrem Standort im Lichthof des Kantonsschule-Neubaus entfernt und ins Archiv verschoben (die SN berichteten).
Die Entfernung der Statue hatte unter Kunstkennern Kopfschütteln ausgelöst. Man müsse das Objekt vom Künstler trennen, lautete der Tenor unter den Kritikern der Aktion. «Die Statue wurde aufgrund der durchaus ernst zu nehmenden Problematik, der belegten Pädophilie des Künstlers in Verbindung mit dem Gegenstand, dem Standort der Skulptur und der veränderten gesellschaftlichen Wahrnehmung der Problematik, entfernt, wenn auch etwas voreilig», heisst es in der Mitteilung.

**Diskussion erwünscht**
Das Objekt «Franz» – der Knabe hiess übrigens wirklich so – zeige einen unsicheren, wehrlosen und zerbrechlichen Jüngling ohne Arme und werfe viele Fragen auf, so Comi. Etwa, ob er für die unvollendeten Menschen auf dem Weg zur Reife stehe oder eine Etappe in der persönlichen Verarbeitung der pädophilen Neigung des Künstlers darstelle. «Wir haben intern viele Diskussionen über diese Fragen geführt», schreibt Comi in der Medienmitteilung. Die beteiligten Personen seien ausnahmslos zum Schluss gekommen, dass man – da die hohe künstlerische Qualität der Skulptur feststeht und im Grundsatz von der Person des Künstlers zu trennen ist – diese Fragen in Zukunft im Wissen um Geisers Biografie und in Anwesenheit der Statue stellen und diskutieren werde. «Die Lehrer finden es wichtig, dass diese Diskussion geführt wird und dass sie am Objekt geführt werden kann», sagt Comi.
Deshalb wird ab übernächstem Montag die Bronzeskulptur wieder an ihrem angestammten Platz im Lichthof der Kantonsschule stehen.


10.11.2015
Schaffhauser Nachrichten
Damian Schmid

**Der Bronzejüngling «Franz» kehrt zurück in altem Glanz**

*Für Wirbel gesorgt hat die Entfernung einer Skulptur an der Kanti. Jetzt steht der Jüngling wieder im Lichthof.*

«Franz» ist wieder zurück an seinem alten Platz im Neubau der Kanti. Unscheinbar wie eh und je steht er da auf seinem Sockel, und nichts erinnert mehr an die Aufregung, für die der Bronzeknabe – oder die Entfernung ebenjenes – in den letzten Monaten gesorgt hat. «Ich habe noch nicht einmal gemerkt, dass ‹Franz› wieder hier ist», sagt die Kantonsschülerin Annina Stoll. Viel stärker aufgefallen sei ihr das Fehlen der Skulptur seit den Sommerferien. Vithya Shangar, ebenfalls Kantonsschülerin, findet es gut, dass «Franz» wieder da ist. «Er gehört einfach zur Kanti dazu», findet sie.

**Diskussion entfacht**
Aufgrund von Vorwürfen der Pädophilie gegenüber dem Schweizer Bildhauer Karl Geiser (1898–1957) war die Jünglingsfigur in den Sommerferien provisorisch entfernt worden. Die Demontage der Skulptur wollte die Schulleitung nutzen, um eine Diskussion über Künstler und Kunstwerk anzuregen. Dabei hatten sie allerdings kaum damit gerechnet, dass die Entfernung des Jünglingstorsos auch ausserhalb der Kanti zu kontroversen Diskussionen führen würde. Kunstverständige aus der Region waren sich einig: «Franz» gehöre zurück an seinen alten Platz, denn die Kunst müsse vom Künstler getrennt werden. Nach den Herbstferien entschied die Schul­leitung dann, in Absprache mit dem Erziehungsdepartement, den Jüngling wieder im Lichthof der Kanti aufzu­stellen.