Schaffhauser Nachrichten, Region
Adrian Schumacher
Geht es nach dem Willen des Ständerats, dürfte das Rauchen in öffentlich zugänglichen Innenräumen – nebst Bars und Restaurants also auch am Arbeitsplatz – landesweit grundsätzlich schon bald untersagt sein. Arbeitgeber könnten ihren Angestellten den Griff zur Zigarette in speziellen Raucherzimmern sowie an Einzelarbeitsplätzen gestatten, sofern diese abgetrennt, besonders gekennzeichnet und mit einer ausreichenden Belüftung versehen sind. Zudem dürften die Kantone noch restriktivere Regeln erlassen, falls sie dies wollen. So wie etwa der Kanton Genf, wo vor kurzem auch Raucherräume verboten worden sind.
Raucherkabine im Lehrerzimmer
Abgesehen von der Gastronomie ist das Rauchen am Arbeitsplatz in Schaffhausen Sache des Arbeitgebers. Der entsprechende Spielraum wird indes unterschiedlich genutzt. Der Grosskonzern Unilever schickt die Raucher seiner rund 700-köpfigen Belegschaft in Thayngen an die frische Luft, wenn diese ihrem Laster frönen wollen. Dort stehen Aschenbecher parat, wie die Medienbeauftragte Anne Zwyssig ausführt. Unilever beteiligt sich auch an der Kampagne «Arbeitsplatz rauchfrei» des Bundesamtes für Gesundheit. Ähnlich verfährt die Cilag AG, die schon seit 1996 ein Nichtraucherunternehmen ist. Auch dort müssen die Raucher nach draussen. Freiheitlich ist das Rauchen in der öffentlichen Verwaltung geregelt. So existieren für die Stadt keine schriftlichen Erlasse, wie Stadtschreiber Christian Schneider erklärt. Der Stadtrat habe lediglich die mündliche Weisung herausgegeben, dass in Räumen mit Publikumsverkehr und an Arbeitsplätzen, wo mehrere Mitarbeiter im gleichen Raum arbeiten, nicht geraucht werden soll.
Geradezu antizyklisch zur hitzigen Raucherdiskussion auf Bundesebene verhält sich die Kantonsschule Schaffhausen: Für die rund zehn Prozent Raucher unter den Lehrern gibt es seit August 2007 eine offene Raucherkabine im Lehrerzimmer. Diese arbeitet so zuverlässig, dass die Nichtraucher am angrenzenden Bartisch nicht vom Qualm ihrer Kollegen belästigt werden. Vor zwei Jahren sei das Thema Rauchen an der Lehrerkonferenz diskutiert worden. Dabei hätte sich die Mehrheit gegen ein Rauchverbot im Lehrerzimmer ausgesprochen, sagt Rektor Urs Saxer. Da sich eine Minderheit durch den Rauch belästigt gefühlt habe, habe man über die Anschaffung der Kabine diskutiert. Nach einer vierwöchigen Probephase seien alle, auch die anfänglich zum Teil skeptischen Raucher, überzeugt gewesen. Doch hat die Eintracht auch ihren Preis: Für die geleaste Raucherkabine wendet die Schule jährlich 10 000 Franken aus dem Budget auf. Saxer kontert die entsprechende Kritik mit dem Verweis auf seine Verantwortung als Arbeitgeber. «Für die Lehrer ist der gegenseitige Austausch sehr wichtig. Hätte ich das Rauchen im Lehrerzimmer verboten, wäre zwangsläufig irgendwo draussen ein zweiter Treff entstanden, was die Kommunikation erschwert hätte.» So gesehen sei die Raucherkabine auch eine Investition in die Nichtraucher, die im übrigen mit der Erziehungsdirektorin Rosmarie Widmer Gysel abgesprochen worden sei. Schüler dürfen vor der Schule in einem klar bezeichneten Rechteck rauchen, so Saxer. «Die Kantonsschule nimmt ihren pädagogischen Auftrag ihnen gegenüber wahr.» Gegenüber den Lehrern existiere ein solcher nicht.
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