Geschichte neu erlebbar gemacht

Schaffhauser Nachrichten, Inland
Eveline Rutz

Das Landesmuseum Zürich verfügt über einen immensen Fundus. Zurzeit sind es rund 820 000 Objekte; aus Schenkungen und Ankäufen kommen laufend neue hinzu. Auf 2400 Quadratmetern Fläche wird nun ein Bruchteil davon neu inszeniert. Entsprechend herausfordernd waren deren Auswahl und Präsentation.
Rund 850 Objekte geben in der neuen Dauerausstellung «Galerie Sammlungen» einen Einblick in die wertvolle Bestände. Dicht reihen sie sich aneinander und machen so stilistische, formale und technische Entwicklungen innerhalb einer Gattung deutlich. Gezeigt werden vor allem kunsthandwerkliche Erzeugnisse, wie etwa die Möbelstücke im ersten Raum im Erdgeschoss. Der historische Rückblick beginnt bei einer Truhe aus dem 14. Jahrhundert, reicht von einer repräsentativen Kommode (1740) über einen einfachen Gartenstuhl (1939) bis hin zum industriell gefertigten Serviertrolley der Swissair. «Wir wollen einen Querschnitt zeigen», sagt Kuratorin Christine Keller. Nach demselben Prinzip sind Keramik-, Gold- und Glasarbeiten, aber auch Fotografien, Glasmalereien, Altäre, Textilien und Schuhe ausgestellt. Einzelexponate wie ein kostbares Fussreliquiar aus dem Basler Münsterschatz (1450) oder der berühmte St. Galler Globus (1594) setzen sich davon ab.

**Wissen spielerisch vermittelt**
Rund 1000 Zeitzeugnisse bilden die Grundlage der zweiten neuen Dauerausstellung «Geschichte Schweiz». Sie gehen bis auf die Steinzeit zurück und sind in folgende vier Themenbereiche geordnet: «Niemand war schon immer da» (Migrationsgeschichte), «Glaube, Fleiss und Ordnung» (Religionsgeschichte), «Durch Konflikt zur Konkordanz» (Politikgeschichte) und «Die Schweiz wird im Ausland reich» (Wirtschaftsgeschichte). Die thematische Gliederung erleichtert die Besucherführung und schafft spannende Bezüge zur Gegenwart. Zahlreiche Medienstationen ermöglichen einen spielerischen Zugang zu den Informationen. Der Betrachter kann sich beispielsweise einem Einbürgerungstest unterziehen oder über ein Memory an Informationen gelangen. In der Sammlung werden etwa die symbolträchtigen Motive eines Bildteppichs aus dem Jahre 1480 Schritt für Schritt erklärt und einzeln beleuchtet. Der Betrachter erfährt so einiges mehr, als er zu lesen bereit gewesen wäre.

**Jeder Raum eine eigene Welt**
Bereichert wird das Ausstellungserlebnis zudem durch die atmosphärische Präsentation. Jeder Raum entfaltet einen eigenen auf die Exponate abgestimmten Ausdruck. In Violett und Gold gehalten ist etwa jener Saal, der sich der Religionsgeschichte widmet. Die Fenster sind mit farbigen Papierstreifen abgedeckt und schaffen so eine sakrale Stimmung. «Wir zeigen eine Sicht von heute», sagt Tristan Kobler vom Zürcher Büro Holzer Kobler Architekturen. Die Kulissen versuchen nicht den Stil des 1898 erbauten Gebäudes zu imitieren, sondern lehnen sich mit einer modernen Sprache daran an. Die aufwendigen Sanierungsarbeiten haben vier Jahre gedauert und rund 50 Millionen Franken gekostet. Neben der Statik wurden die klimatischen Bedingungen und der Brandschutz verbessert. Die Sanierung ist Teil eines Gesamtprojektes, das 2016 abgeschlossen werden soll.

Siehe Anlässe; Geschichte der Schweiz; Führung durch das Landesmuseum; Samstag, 22. August 2009