Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck
Schon länger sorgen die fünf Restaurantbetriebe im Besitz der Stadt (Theaterrestaurant, «Altes Schützenhaus», «Alter Emmersberg», Park Casino, Weinstube zum kleinen Käfig) für Diskussionen: Häufige Pächterwechsel, geringe Erträge und ein wachsender Investitionsbedarf liessen immer wieder die Frage auftauchen, ob die öffentliche Hand an ihren Lokalen festhalten soll oder nicht. Mit einer jetzt an das Parlament überwiesenen Vorlage zeigt der Stadtrat auf, wie es in Zukunft mit seinen Gastrobetrieben weitergehen soll. Fazit: In das Gros wird investiert, ein Betrieb soll im Baurecht abgegeben werden.
**Schwarze Null mit fünf Betrieben**
Die fünf Betriebe und die dafür notwendigen Investitionen sollen die Stadt nichts kosten: Das ist das von Baureferent Peter Käppler formulierte Ziel. Um das zu erreichen, untersuchte ein externer Experte die Lokale im Auftrag der Stadt: 50 000 Franken hat dieses nicht öffentliche «Gastronomiekonzept» gekostet. In drei Betriebe soll investiert werden: Das Theaterrestaurant sieht der Stadtrat als Ergänzungsbetrieb zum Stadttheater an und will dieses attraktive Lokal an zentraler Lage behalten. Aber: In den letzten Jahren war der Umsatz zu tief, das soll sich jetzt ändern – nach Investitionen von 230 000 Franken. Deutlich mehr Geld will der Stadtrat für das Park Casino in die Hand nehmen: Die Umsätze des Betriebes mit herrlicher Parkanlage sind stabil, dennoch will die Stadt das Casino als Kongressstandort neu positionieren. Im kommenden Jahr sollen 250 000 Franken, 2014 ebenso viel und 2016 weitere 800 000 Franken in den Betrieb fliessen, macht total 1,3 Millionen Franken. Das «Alte Schützenhaus» schliesslich gehört wie die beiden anderen genannten Lokale zu den «Restaurants mit hoher Bedeutung». Im Jahr 2013 will die Stadt für bauliche Massnahmen rund 1,1 Millionen Franken einsetzen, 2015 140 000 Franken und 2018 nochmals 390 000 Franken. Unter dem Strich: 1,6 Millionen. Insgesamt belaufen sich damit die Investitionen auf 3,1 Millionen. Die heutigen Mindesteinnahmen für die Stadt setzen sich zusammen aus den Umsatzbeteiligungen respektive der Fixmiete: Das Theaterrestaurant bringt ab dem dritten Jahr mindestens 78 000 Franken (Sockelmiete und Umsatzbeteiligung), das Park Casino 50 000 Franken (Umsatzbeteiligung), das «Alte Schützenhaus» 75 000 (Umsatzbeteiligung) und die Weinstube 12 000 Franken (Fixmiete). Dazu kommt noch der Baurechtszins vom «Alten Emmersberg», sodass unter dem Strich Einnahmen von mindestens 235 000 Franken an die Stadt fliessen. Die Stadt rechnet damit, dass diese Mindestbeträge durch gute Leistungen übertroffen werden können und die Restaurants so jährlich rund 270 000 Franken abwerfen.
**«Emma» als Baurecht**
Als entbehrlich betrachtet wird der «Alte Emmersberg»: Die Pachterträge sind «stetig sinkend», der Investitionsbedarf hingegen gross. Nur: Die unumgänglich gewordene Sanierung (innen und aussen) würde mit 1,6 Mio. Franken zu Buche schlagen – Geld, das die Stadt derzeit nicht hat. Gleichwohl will die Stadt den leer stehenden Betrieb, der bis zur Fertigstellung des Künzle-Heim-Neubaus als Heimküche diente, als Quartierrestaurant erhalten: Deshalb soll die «Emma», wie das Lokal auch liebevoll genannt wird, bis im Sommer 2011 mit einer entsprechenden Auflage an einen Baurechtsnehmer abgegeben werden. Der zu erwartende jährliche Baurechtszins wird mit 20 000 Franken beziffert. Im Kern der Anstrengungen steht das Ziel, die Rentabilität langfristig zu steigern. Gleichzeitig aber agiert die Stadt in der Restaurant-Frage auch nach der von ihr formulierten Immo-Strategie: Die Stadt behält Gastrobetriebe, sofern deren Lage strategisch wichtig ist und sie damit Einfluss auf die Quartier- und Stadtentwicklung nehmen kann. Abzuwarten bleibt, wie der Grosse Stadtrat auf die Vorschläge reagiert: Jüngst hat der Stadtrat im Parlament harsche Kritik für mehrere Immobilienvorlagen einstecken müssen.
**Theaterrestaurant Investieren**
Das repräsentative Restaurant im Herzen der Schaffhauser Altstadt ist betrieblich eng verflochten mit dem Stadttheater. Das Lokal ist bekannt für seine Qualität und verfügt über eine Terrasse. Die Pachterträge waren in den letzten Jahren zu tief. Massnahmen: Die Stadt will Unterhaltsarbeiten in der Küche und Verbesserungen im Eingangsbereich realisieren, dazu die Restaurant- und Gartenmöbel erneuern. Kosten: 230 000 Franken.
**Park Casino Relaunch**
Wichtiges Lokal für Veranstaltungen und Tagungen in einem umfangreichen Grundstück in der Freihaltezone. Das bekannte Lokal weist stabile Umsatzzahlen auf, es mangelt aber an Parkplätzen, das Foyer muss aufgewertet werden, die Abläufe sind nicht optimal. Massnahmen: Das Casino wird als Kongressstandort neu lanciert, infrastrukturelle Anpassungen und Aufwertungen werden realisiert. Kosten: 1,3 Millionen Franken bis 2016.
**Altes Schützenhaus Investieren**
Der Betrieb auf der Breite ist Lokal für Vereine und Parteien und «somit im öffentlichen Interesse». Als Stärke hebt die Stadt die Akzeptanz, die heterogene Kundschaft und die Erreichbarkeit hervor, negativ bewertet werden der Zustand bezüglich Infrastruktur und der bauliche Zustand. Der Umsatz war bisher leicht steigend. Massnahmen: Umfangreiche Sanierungsarbeiten im ganzen Gebäude bis 2018. Kosten: 1,6 Millionen Franken.
**Zum kleinen Käfig Erhalten**
Das Lokal liegt in einem städtischen Gebäude in der Fussgängerzone und damit an guter Lage, gleichwohl wird es als «nicht von öffentlichem Interesse» taxiert. Als Schwäche gelten das Erscheinungsbild sowie der bauliche und infrastrukturelle Zustand. Verpachtet ist es für eine Fixmiete. Massnahme: Bis zu einem möglichen Verkauf des ganzen Hauses soll das Lokal erhalten bleiben, nur der ordentliche Gebäude- und Geräteunterhalt wird durchgeführt.