Arnold Oechslin, der fast Vergessene

Schaffhauser Nachrichten, Region
Martin Schweizer

Für die in beschränkter Auflage vorab für die Mitglieder des Schweizerischen Ex Libris Club gedruckte Broschüre zeichnet Stadtbibliothekar René Specht verantwortlich, der sich bereits früher intensiv mit dem Schaffhauser Künstler (1885–1960) befasst hat. Dass das sorgfältig erstellte und mit einer Werkliste versehene Heft im Jubiläumsjahr der «Schaffhauser Nachrichten» erscheint, ist ein Zufall – ein bemerkenswerter: Arnold Oechslin ist verwandt mit Carl Oechslin (C. O.), Verleger und Chefredaktor dieser Zeitung bis 1971; einige der Radierungen, von denen ab den Kupferplatten jeweils bis 150 Abzüge gemacht wurden, beziehen sich auf ihn oder auf Angehörige der Familien Oechslin/Meier.
In der Jahresgabe des Ex Libris Club sind 60 und damit alle zurzeit noch auffindbaren Exlibris von Oechslin abgebildet. Ein Exlibris ist – oder war – ein speziell angefertigtes Blatt Papier auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels, auf dem der Name des Bucheigentümers stand, verbunden oft mit einem allegorischen Motiv. Im Falle von Arnold Oechslin kann man sagen: Es sind bei ihm in der Regel humorvolle oder karikierende Exlibris mit persönlichem Touch. Meist entstanden die Blätter im Auftrag der hier ansässigen Buchbesitzer. Arnold Oechslin ist den Schaffhausern allerdings weniger geläufig als Exlibriskünstler denn als Gestalter von Wein- und Bieretiketten, Plakaten, Inseraten sowie von Wandmalereien wie im Schaffhauser Staatskeller. Und noch bekannter ist Oechslin für den Lappi-Mann am Schwabentor. Bei der Renovation des Schwabentors im Jahre 1933/35 entschied sich der Stadtrat aus vier Einsendungen für den Entwurf von Arnold Oechslin; der Bildhauer Martin Oechslin meisselte die Vorlage dann in Stein. Der nachgerade weltberühmte und beherzigenswerte Spruch «Lappi tue d’Auge uf» geht auf eine russische Inschrift zurück, die ursprünglich im 19. Jahrhundert auf dem Gut «Charlottenfels» angebracht wurde. Eingebunden in feste Strukturen, etwa die einer Werbeagentur, hätte sich Oechslin nach Ansicht von René Specht «möglicherweise zu einem bedeutenden Schweizer Grafiker der Zwischenkriegszeit entwickeln können.» Er brachte es auf dem Gebiet der Gestaltung zu «beachtlicher Meisterschaft», verstand sich aber eigentlich als Maler. Doch in dieser Disziplin reüssierte er nicht. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich weitgehend mit Gelegenheitsarbeiten, neben Etiketten etwa von Einladungskarten oder Karikaturen für Fasnachtszeitungen. Geboren wurde Arnold Oechslin 1885 in Schaffhausen als Sohn des Seilfabrikanten Carl Caspar Oechslin und der Anna Barbara Oechslin. Er war das achte von zwölf Kindern, von denen sechs früh starben. Arnold absolvierte eine Lehre als Bildhauer, liess sich danach an Akademien in Nürnberg und Berlin weiter ausbilden, in grafischen Techniken und in der Landschaftsmalerei. 1914 heiratete er in Berlin Albertine Wilhelmine Grundner. Sohn Albert Arnold (1914–1994) wurde bekannt als Bühnenbildner und nannte sich, zur Unterscheidung vom Vater, Ary. 1917 kehrte Arnold Oechslin nach Schaffhausen zurück, wohnte im Haus «zum Peyerhof» an der Vordergasse 43, unterrichtete Zeichnen an der Pestalozzischule und Modellieren an der Gewerbeschule. Zeitweise gehörte er dem Vorstand des Munotvereins an und war zuständig für Dekorationen. Im Dezember 1940 übersiedelte Oechslin nach Berlin und blieb dort mit kurzem Unterbruch bis Kriegsende. Warum er dort ausharrte, ist unklar. Als möglichen Beweggrund erwähnt Biograf Specht den Umstand, dass Sohn Ary damals an verschiedenen deutschen Theatern arbeitete und seine Frau in Berlin vermutlich Verwandte hatte. Naheliegend sind auch gewisse Sympathien zu Nazideutschland; die «Schaffhauser Nachrichten» widmeten Arnold Oechslin jedenfalls keinen Nachruf, obwohl Carl Oechslin, der damalige Besitzer und Chefredaktor der SN, sein Neffe war. Während der Künstler Arnold Oechslin zwischen den beiden Weltkriegen in Schaffhausen «gesellschaftlich gut verankert war», hat man seinen Weggang nach Deutschland offenbar nicht überall goutiert. Er wurde nach seiner Rückkehr 1946 in die alte Heimat einsam, seine künstlerische Arbeit litt. Bis zu seinem Tod im Herbst 1960 lebte Oechslin wieder in der Munotstadt, zuletzt im städtischen Altersheim. Laut Todesanzeige starb er «nach langem schweren Leiden.»

Die Jahresgabe kann man beziehen bei anna.stiefel@hispeed.ch.



**Arnold Oechslin Maler, Grafiker, Karikaturist Porträt**
Von Arnold Oechslin (1885–1960) sind kaum Aufnahmen bekannt, gut porträtierte aber Albert Merckling (1895–1958) den Künstler auf einer (undatierten) Zeichnung. Oechslin selbst konnte von seiner Malerei nicht leben, verdiente für sich und seine Familie den Lebensunterhalt vor allem mit Gebrauchsgrafik, wo er es zu einer allseits anerkannten Meisterschaft brachte.



Eduard Gubler, Chefredaktor bis 1927



Fritz Hartmeier, Hausarzt des Künstlers



Heinrich Meier, genannt «Rundum», als Jäger



Carl Oechslin (1916-1971), Verleger und Chefredaktor des «Intelligenzblattes»



Mimmi, Schwester des Künstlers



Bundesrichter Jakob Hablützel um 1930



Arnold Oechslin als Kunstmaler



Arnold Oechslin beherrschte wie kein Zweiter die Kunst der Etikettenmalerei



Vor allem in der Zwischenkriegszeit schuf Arnold Oechslin immer wieder Wein- und Bieretiketten. Es waren für ihn, der sich als Maler verstand, Gelegenheitsarbeiten



Das Museum zu Allerheiligen besitzt einige Ölbilder von Oechslin, umfangreicher sind Bestände der farbenfrohen und oft witzigen druckgrafischen Erzeugnisse



Eine leicht verwegene Etikette, entstanden mitten im Ersten Weltkrieg


Bilder zvg