36 Pfostenbesitzern droht der Entzug

Schaffhauser Nachrichten
von Robin Blanck

Meist kurz vor Ostern geht es los: An zwei bis drei Wochenenden wird geschliffen, gebürstet, gemalt, dann kommen die Weidlinge ins Wasser an den Pfosten. Für 36 Personen mit einem Liegeplatz auf Stadtgebiet könnte sich diese Frage künftig nicht mehr stellen: Denkbar ist, dass ihnen der Pfosten entzogen wird. Grund: Derzeit läuft wie bereits berichtet die Vernehmlassung für die Umsetzung des Postulats «Mehr Rhein für Schaffhausen». Der Stadtrat präsentiert dabei verschiedene Vorschläge, die an einem Treffen mit interessierten Kreisen am meisten Akzeptanz erhielten, unter anderem die Bevorzugung von Kantonsbewohnern bei der Vergabe der so heiss begehrten Pfosten. Im Fragebogen heisst es zu diesem Punkt: «Bei der Pfostenvergabe werden Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Kanton Schaffhausen bevorzugt. Auswärtigen oder Weggezogenen wird der Pfosten entzogen, beziehungsweise diese haben kein Anrecht auf einen Pfosten.»

**Regelung bereits erprobt**
Wie die Verwaltungspolizei auf Anfrage erklärt, finden sich unter den 278 Inhabern eines Liegeplatzes 36 (13 Prozent) mit ausserkantonalem Wohnsitz, wobei sowohl Zürcher Gemeinden aus der näheren Umgebung auftauchen als auch Adressen in der Romandie, im Bündnerland oder in der Innerschweiz. «Diese Regelung wurde in Büsingen, in Stein am Rhein und weiteren Gemeinden am Bodensee eingeführt», sagt Simon Stocker, der als Sicherheitsreferent für diesen Bereich zuständig ist. Für die betroffenen Bootsbesitzer würde das den Verlust des Pfostens bedeuten – «hier wäre eine Übergangsfrist von mehreren Jahren denkbar», sagt Stocker, dem bewusst ist, dass eine Rückforderung ein vergleichsweise starker Eingriff wäre, weshalb er den Weg über eine Vernehmlassung gewählt hat. Das Reglement über die Vergabe der Liegeplätze könnte der Stadtrat grundsätzlich in eigener Kompetenz anpassen, dennoch möchte er zuerst die Stellungnahmen der betroffenen Kreise zu diesem heiklen Vorgehen einholen. Diskutiert worden sei eine Beschränkung des Anwärterkreises auf Einwohner der Stadt Schaffhausen, davon ist man aber rasch wieder abgekommen, zumal das Schaffhauser Obergericht eine solche Regelung 1988 in einem zentralen Urteil zum Pfosten-Streit aus dem Reglement gestrichen hatte. Die Einwohnerbevorzugung hätte sicher auch starken Einfluss auf die Länge der Wartelisten und damit die Wartezeit: 118 Personen, die auf einen Liegeplatz für ihr Wasserfahrzeug warten, würden unabhängig vom derzeitigen Listenplatz auf einen Schlag gestrichen und die Länge der Warteliste würde von aktuell 638 Personen auf 520 schrumpfen. Nebst Anpassungen am Reglement wurden auch andere Ideen eingebracht, etwa die Schaffung einer dritten Reihe von Pfosten oder eines Weidlingshafens. «Diesen Vorschlägen stehen entweder rechtliche oder finanzielle Probleme entgegen», gibt Stocker zu bedenken. Er ruft die Grundidee nochmals in Erinnerung: «Wir wollen die Benützung der einzelnen Pfosten respektive der dort angebundenen Weidlinge erhöhen.»

**Rasche Verbesserung**
Die Frage der Erblichkeit wurde in den Debatten ebenfalls tangiert, «daran wollten wir noch nicht rütteln», sagt Stocker, zumal es Familien gebe, welche ihren Weidling schon seit Generationen intensiv nutzten, und ein strenges Verbot der Pfostenweitergabe innerhalb der Familie einen schweren Eingriff dargestellt hätte. «Wir wollten zuerst dort ansetzen, wo eine schnelle Verbesserung der Situation erzielt werden kann», sagt Stocker. Aber die Regelung werde man im Gesamtstadtrat nochmals besprechen müssen. Jetzt sind aber zuerst die zur Vernehmlassung eingeladenen Gruppen dran und müssen sich bis Ende März zu den Ideen äussern.


**Mehr Rhein: Das Postulat Hardmeier**

Im November 2012 wurde vom Grossen Stadtrat ein Postulat mit dem Titel «Mehr Rhein für Schaffhausen» von Till Hardmeier (JFSH) überwiesen, um den langen Wartezeiten auf Pfosten respektive der eingeschränkten Zugänglichkeit des Rheins mit Wasserfahrzeugen entgegenzuwirken. Ab Juli 2013 wurde als erste Massnahme ein Weidling zur Miete angeboten. Im August fand ein Treffen der interessierten Kreise mit der Stadt statt, dabei kristallisierten sich mehrere Ideen heraus, die nun in einer Vernehmlassung genauer geprüft werden. Zur Stellungnahme eingeladen wurden der Boots-Club, die Pontoniere Schaffhausen, der Kanu-Club, der Fischereiverein Schaffhausen und die Parteien. (rob)