Schaffhauser Nachrichten
Saskia Baumgartner
Lag die Frauenquote bei den in der Probezeit eingetretenen Maturitätsschülern im Jahr 2013 noch bei 48 Prozent (siehe SN vom 29. April 2013), ist diese 2014 wieder stark angestiegen. Von den 158 jungen Menschen, welche die Aufnahmeprüfung in diesem Jahr bestanden haben, sind 98 weiblich und 60 männlich. Die Frauen machen somit 62 Prozent aus.
Urs Saxer, Rektor der Kantonsschule, vermutet, dass die unterschiedlichen Werte der letzten beiden Jahre vor allem auch mit den verhältnismässig tiefen Schülerzahlen zu tun haben. Dadurch würden sich schneller Ausreisser nach oben oder unten ergeben. «Ich vermute ausserdem, dass der Peergroup-Effekt mitspielt», so Saxer. Sprich: Junge Menschen machen die Wahl ihres Ausbildungswegs von ihren Freundinnen oder Freunden abhängig.
**Mehr Naturwissenschaftlerinnen**
Betrachtet man die diesjährige Geschlechterverteilung bei den einzelnen Ausbildungsprofilen M, N oder S (siehe Informationen am Ende des Artikels), fallen besonders die Zahlen des Profils N, der naturwissenschaftlich-mathematischen Ausbildung, ins Auge. Insgesamt 58 Schüler werden hier in die 1. Klasse eintreten. 24 von ihnen sind Frauen, das entspricht einem Anteil von 41 Prozent. In den letzten fünf Jahren war die Frauenquote noch nie so hoch. Urs Saxer wünscht sich, dass sich diese Entwicklung – mehr Frauen im Profil N – weiter fortsetzt. Auch generell sei dieses Ausbildungsprofil sehr wichtig. «Es heisst ja immer, dass uns die Ingenieure fehlen», sagt er. Der Rektor hofft, dass Schaffhauser Projekte wie etwa das von der Industrie- & Wirtschafts-Vereinigung Schaffhausen ins Leben gerufene «Go Tec» künftig Früchte tragen. Dieses Projekt richtet sich an jüngere Schulkinder, soll das Interesse an der Technik wecken und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
**13 Prozent mehr Schüler**
Lässt man die Geschlechterverteilung einmal aussen vor und betrachtet die Gesamtzahl an Schülern, fällt auf, dass diese 2014 wieder angestiegen ist. Hat es 2013 einen Einbruch gegeben und lag die Zahl an erfolgreichen Prüflingen nur bei 137, sind es in diesem Jahr 158 Schüler, welche in die Maturitätsschule aufgenommen werden. Das entspricht einer Zunahme von 13 Prozent. Grund dafür ist sicher auch, dass 2014 mehr Kanti-Anwärter die Prüfung bestanden haben. 50 Prozent der Jugendlichen waren erfolgreich. Zum Vergleich: 2013 lag die Erfolgsquote nur bei 43 Prozent. War die Prüfung dieses Mal leichter? «Das kann man nicht sagen», erklärt Saxer. Die Lehrer hätten die Prüfung auf jeden Fall nicht anders als üblich bewertet, erklärt der Rektor. Saxer hält die Anzahl an erfolgreichen Prüflingen auch nicht unbedingt für entscheidend. Wichtiger sei die Zahl der verbleibenden Schüler, welche die Probezeit überstehen. «In der Probezeit liegt die Durchfallquote noch einmal bei 10 bis 15 Prozent», so Saxer.
**FMS: konstante Zahlen**
Neben der Maturitätsschule wird an der Kantonsschule Schaffhau- sen ausserdem die Fachmittelschule (FMS) angeboten. Auch wenn die Anzahl an Schülern, welche sich für diese Schule entscheiden, kleiner ist, halten sich die Werte hier relativ konstant. So haben in diesem Jahr 35 Jugendliche die Prüfung bestanden (2013: 39). Der Frauenanteil war mit 29 Bewerbern im Gegensatz zu den 6 männlichen sehr hoch, doch auch das ist an der FMS üblich (2013: 33 Frauen und 6 Männer).
**Kantonsschule: Die verschiedenen Ausbildungsprofile**
**Die Maturitätsschule** (Kanti) dauert vier Jahre und führt zur Maturität. Es gibt verschiedene Ausbildungsprofile, welche den Einstieg in bestimmte Studien begünstigen.
**Ausbildungsprofil M** (musisch-sprachlich): Schwerpunktfächer dieses Lehrgangs sind Kunstfächer, Altgriechisch oder moderne Fremdsprachen.
**Ausbildungsprofil N** (naturwissenschaftlich-mathematisch): Schwerpunktfächer sind Naturwissenschaften oder Wirtschaft und Recht.
**Ausbildungsprofil S** (sprachlich-altsprachlich mit Latein): Schwerpunktfächer sind Altgriechisch oder moderne Fremdsprachen.
**Die Fachmittelschule (FMS)* dauert in der Regel drei Jahre. Der Abschluss
**Fachmittelschulausweis** berechtigt zum Studium an einer Höheren Fachschule (FH). Nach dem 3. Jahr kann ein einjähriges Praktikum im Bereich Gesundheit, Naturwissenschaften, Soziales und Kommunikation oder ein 4. Ausbildungsjahr im Bereich Pädagogik angeschlossen werden. Dadurch wird die Fachmaturität erlangt.

Im August machen sich 158 neue Maturitäts- und 35 Fachmittelschüler auf den Weg zur Kantonsschule.
Bild Selwyn Hoffmann

Nach dem Einbruch im letzten Jahr erholen sind die Schülerzahlen wieder. 2014 sind sie ungefähr auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2012.
Grafik SN