Schaffhauser Nachrichten
von Robin Blanck
Seit gestern Abend ist die Schaffhauser Politlandschaft um eine Partei reicher: In der Sternwarte Schaffhausen wurde die Grünliberale Partei Schaffhausen als 19. Schweizer Sektion gegründet. Die Partei will sich als sachorientierte Alternative zwischen den Blöcken positionieren und Ökologie mit wirtschaftlichen und sozialen Anliegen verbinden. Dabei kann die Partei bereits bei der Gründung eine Reihe von Mandaten im Kantonsrat und in den Gemeinden vorweisen, welche die Inhaber als ÖBS-Mitglieder erobert haben. Und es sollen noch mehr werden: Die frisch konstituierte Partei unter der Co-Leitung von Regula Widmer und Ueli Böhni hat sogleich Katrin Bernath als Kandidatin für den anstehenden Stadtratswahlkampf nominiert: Bernath will für die GLP einen Sitz der Stadt-Exekutive erobern, nachdem Thomas Feurer – ebenfalls GLP-Neumitglied – seinen vorzeitigen Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben hat.
Grussworte der Mutterpartei überbrachte GLP-Nationalrätin Tiana Moser, die darauf hinwies, dass die Wahlerfolge der vergangenen Jahre nicht selbstverständlich, sondern das Resultat harter politischer Arbeit seien. Diese müsse breit abgestützt sein: «Wir können aber nur gemeinsam erfolgreich sein», betonte Moser. (rob)
Den rund zwei Dutzend Gründungsmitgliedern, die gestern zur Parteigründung schritten, merkte man die 1200 Lichtjahre nicht an, die sie zuvor hinter sich gebracht hatten – zugegebenermassen nur im Planterium der Sternwarte Schaffhausen. Bei Heinz Rether, Kantonsrat der neuen GLP-Sektion Schaffhausen, hat der virtueller Ausflug aber Demut ausgelöst: «Ich hoffe, dass wir das auch auf unseren Weg mitnehmen können», wandte er sich an die Anwesenden. Tiana Moser, Nationalrätin der GLP Zürich, betonte die Schönheit und Symbolkraft der Sternwarte, eines Ortes, der einen innehalten lässt. Dann war es aber mit der Demut und dem Innehalten vorbei, und die basisdemokratische Arbeit begann: Die Parteistatuten wurden von der Versammlung einstimmig gutgeheissen, ebenso unbestritten war die Zusammensetzung des neuen Vorstands, der fast mehr Mitglieder hat als die Partei derzeit, «vorläufig», sagte Rether und erntete damit einen Lacher. Die Geschicke der Partei übertrugen die Anwesenden dem Co-Präsidium bestehend aus Ueli Böhni (Stein am Rhein) und Kantonsrätin Regula Widmer (Beringen). Böhni blickte zurück auf die Entstehung der GLP Schaffhausen, die auf eine interne Debatte in der ÖBS vor drei Jahren zurückgeht: Damals wurde die Frage aufgeworfen, ob man sich mehr Richtung Grüne Partei oder zur GLP hin bewegen solle. Die ÖBS entschied sich für die Grünen, die stärker GLP-Sympathisierenden bereiteten die Gründung der Sektion vor. Diese will sich nun als «kritische, konstruktive Kraft» (Böhni) in der Schaffhauser Politik einbringen, statt Grabenkämpfen solle Sachpolitik betrieben werden. Wie Widmer feststellte, handle es sich nicht einfach um einen Zusammenschluss von ehemaligen ÖBS-Mitgliedern: «Es sind auch junge Menschen da, die bisher noch nicht politisch aktiv waren», sagte Böhni. Aber natürlich finden sich unter den Gründungsmitgliedern auch altbekannte ÖBS-Namen: Bernhard Egli und Hansueli Bernath, dazu auch René Schmidt. Aller Demut zum Trotz ging es danach gleich mit dem Griff nach den Sternen weiter: Noch ehe die Tinte auf dem Gründungspapier trocken war, nominierte die GLP Katrin Bernath als Kandidatin im Stadtratswahlgang vom 28. September.
**GLP Schaffhausen**
Der Vorstand der Partei
Ueli Böhni, Regula Widmer (Co-Präsidium), Kurt Wirz (Kassier), Dani Spitz (Aktuar), Philippe Schultheiss (Medien), Bernhard Egli, Raphi Kräuchi, Katrin Bernath, Maria Härvelid, Patrick Müntener, Christoph Hak, Martin Weder. (r.)

Nationalrätin Tiana Moser (l.) überbrachte die Grüsse der Mutterpartei an die Sektion Schaffhausen, die von Regula Widmer und Ueli Böhni präsidiert wird. Mit Katrin Bernath (r.) will die Partei in der Stadt mitregieren.
Bild B. + E. Bührer