Schaffhauser Nachrichten
Thomas Güntert
«In zehn Jahren werden in Neunkirch autonome Autos herumfahren», sagt Hans-Georg Bächtold (Bild) voraus. Sein Sohn sei Physiker, und der meine, dass es bereits in fünf Jahren so weit sei, dass selbst fahrende Autos per Smartphone geordert werden und die Menschen von A nach B bringen. «Was bequem, billig und einfach ist, setzt sich immer durch», so Bächtold am Mittwochabend in seinem Vortrag vor knapp 40 Interessierten an der Volkshochschule Klettgau in Neunkirch.
«Die Digitalisierung wird die Zukunft bestimmen», betonte der in Osterfingen aufgewachsene Geschäftsführer des Schweizer Ingenieur- und Architektenverbands. Er zeigte in seiner Präsentation zwei eindrückliche Bilder mit Menschen auf dem Petersplatz: Die Menschenmenge, als Papst Benedikt im Jahr 2005 gewählt wurde, und das gleiche Bild bei der Wahl von Papst Franziskus im Jahr 2013, das ein einziges Lichtermeer von hochgestreckten Smartphonen zeigt. Bächtold wollte damit demonstrieren, wie rasant eine Entwicklung gehen kann.
Die Bevölkerungszahl wird in der Schweiz seiner Meinung nach auf über zehn Millionen anwachsen, und die Überalterung wird zunehmen. Da die Kinder früh ausziehen und die Leute länger im Haus bleiben, wird der Bedarf an Wohnfläche steigen. Die Lebensformen werden sich ändern. Viele Menschen werden künftig vernetzt von zu Hause aus arbeiten. «Man braucht multifunktionelle Siedlungen und nonterritoriale Arbeitsplätze», prophezeite Bächtold.
Den Klettgau mit seiner idyllischen Landschaft, den malerischen Dörfern und dem vorzüglichen Wein bezeichnete er als eine Freizeitlandschaft mit einer sehr guten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Er gab allerdings zu bedenken, dass man bei den Entwicklungsmöglichkeiten die Grenzlage berücksichtigen müsse. «Die grenzüberschreitende Raumentwicklung funktioniert nicht», betonte Bächtold. Bestes Beispiel ist die Elektrifizierung der Eisenbahn, die an der Landesgrenze aufhört.
**Mehr Licht in Neunkircher Häusern**
Bächtold stellte fest, dass es im Kanton Schaffhausen viel zu viele Bauzonen gibt und es künftig eine Verdichtung nach innen geben wird. In der Schweiz wurden ein Viertel der Bauten ausserhalb der Bauzonen erstellt. «Die Zukunft wird so aussehen, wie wir sie gestalten», betonte der Referent. Die Entwicklung im Dorf muss sich verändern, da mit der Zersiedelung der Reiz der schönen Landschaft verloren geht. Gebäude, wo die Geschäfte im Parterre leer stehen, sind auch in den Obergeschossen nicht mehr attraktiv und machen den Ortskern uninteressant. «Den langen, tiefen Häusern in Neunkirch fehlt das Licht», so Bächtold. Die Gebäudeformen müssen sich verändern, wobei sich ökonomische, ökologische, gesellschaftliche und gestalterische Aspekte in den Vordergrund drängen. «Diese Entwicklung muss man jetzt angehen und dabei offen für Neues sein.»