Kein Wahlsieger: In Stein gibt es einen zweiten Wahlgang

Schaffhauser Nachrichten
Edith Fritschi

Gross war die Spannung gestern Nachmittag im Steiner Rathaus, als die amtierende Stadtpräsidentin Claudia Eimer das Resultat mitteilte. «Ich mache es alphabetisch», sagte sie, und das liess nichts Gutes erahnen. Tatsächlich hat es keiner der beiden Kandidaten geschafft. Mit einem denkbar knappen Ergebnis liegen beide unter dem absoluten Mehr. Ueli Böhni (GLP) hat 567 Stimmen ­erhalten; sein Kontrahent Sönke Ban­dixen (parteilos) 551. Das absolute Mehr lag bei 656 Stimmen, die Wahlbeteiligung betrug 68 Prozent. Von den 1312 eingelegten Stimmen entfielen 135 auf Stadtpräsidentin Claudia ­Eimer und 59 auf Vereinzelte. Der ­Vorsprung von Ueli Böhni auf Sönke Bandixen beträgt gerade mal 16 Stimmen.

**Böhni ändert seine Strategie**
«Natürlich habe ich mir eine Entscheidung im ersten Wahlgang gewünscht, aber ich habe immer einen zweiten Wahlgang erwartet, falls viele Solidaritätsstimmen für die abtretende Stadtpräsidentin abgegeben werden», sagte Ueli Böhni. Doch dass Sönke Bandixen fast gleichauf mit ihm liegt, hätte er eher nicht gedacht. Im zweiten Wahlgang werde er nur noch für das Stadtpräsidium und nicht mehr als Stadtrat kandidieren, denn das schaffe Verwirrung. «Ich will nicht zum Spielball für die gleichzeitig stattfindenden Stadtratswahlen werden – ich will nicht, dass umstrittene Stadtratskandidaten als Argument gegen meine Wahl als Stadtpräsident herhalten müssen, um mich im Stadtrat behalten zu können», so Böhni gestern.
Überrascht zeigte sich auch Sönke Bandixen, der erst ankam, als das Resultat schon verkündet worden war. Er sei erstaunt, dass der Stimmenunterschied zwischen Böhni und ihm so gering sei. Immerhin habe Böhni alle bürgerlichen Parteien hinter sich gehabt, und er selbst sei quasi im Alleingang durchgestartet. Er sei froh und dankbar für die Stimmen. Der zweite Wahlgang werde nun sicher eine spannende Sache. Ban­dixen kündigte an, dass er wohl nicht ganz passiv bleiben werde in den nächsten vier Wochen, sondern versuchen wolle, die Wähler weiter zu überzeugen.
Sehr überrascht zeigte sich Ueli Wehrli (SVP) vom bürgerlichen Wahlkomitee, wollte sich aber weiter nicht zum Ergebnis äussern. «Wir werden die Lage besprechen», sagte er. Ähnlich klang es auch bei Christian Flück, Co-Präsident der Pro Stein. «Das ist äusserst bedenklich», sagte er. «Da müssen wir genauer analysieren, was da schieflief und ob unsere Wahlstrategie richtig war.» Man werde sich bei einem Treffen der Parteipräsidenten nun wohl nächste Schritte überlegen.
Einen Sieger gab es dann aber doch noch in Stein am Rhein: Schulpräsident Ruedi Rüttimann (SP) wurde glanzvoll, mit 842 von 971 abgegebenen Stimmen, im Amt bestätigt. Das absolute Mehr betrug dabei 486 Stimmen. «Mit so einem Ergebnis habe ich überhaupt nicht gerechnet», sagte er strahlend.


**Kommentar**

**Eine Schlappe für die bürgerliche Wahlallianz**
Nun ist alles offen: Die Steiner tun sich offenbar schwer mit einem neuen Stadtpräsidenten. Über 100 Stimmbürger haben sich mit der abtretenden Präsidentin solidarisiert und ihr die Stimme gegeben. Für die beiden Kandidaten, die eigentlich ins Amt wollen, hat es nicht gereicht. Sie müssen nochmals antreten, und am 25. September wird sich zeigen, wohin das Pendel ausschlägt.
Dass beide offiziellen Bewerber nochmals dabei sein werden, sowohl Ueli Böhni als auch Sönke Bandixen, daran liessen sie gestern keinen Zweifel. Es kann durchaus sein, dass in den nächsten vier Wochen mit härteren Bandagen gekämpft wird als bisher; dass vielleicht gar ein Podium zustande kommt, ein Duell, das es bisher nur auf Flugblättern oder in Leserbriefspalten gab.
Eine Schlappe ist das gestrige Ergebnis für die bürgerliche Wahl­koalition allemal. Obwohl von der SVP bis zur GLP alle bürgerlichen Parteien Ueli Böhni unterstützt haben, der im Ort bestens bekannt ist und der dort wohnt, hat er auf seinen Konkurrenten, der zwar in Stein aufgewachsen ist, aber seit Langem woanders wohnt, nur 16 Stimmen Vorsprung herausgeholt. Da muss man sich überlegen, was schiefgelaufen ist. War man sich zu sicher? Oder wurde Böhni als Joker gesehen, der, wenn er nicht Stadtpräsident wird, weiterhin im Stadtrat bleiben wird? Das hat Bandixen für sich von vornherein ausgeschlossen. Für ihn gilt die Devise: Stadtpräsidium oder gar nichts. Nun hat Böhni seine Strategie geändert und setzt auch nur noch aufs Stadtpräsidium.
Man darf gespannt sein, was in den nächsten vier Wochen passiert und wohin am 25. September die Stimmen gehen werden, die gestern Claudia Eimer erhalten hat. Als Solidaritätsstimmen nützen sie nichts; es geht darum, wer in Stein künftig an der Spitze stehen soll.



Liegen nur 16 Stimmen auseinander, doch gewählt ist keiner: Sönke Bandixen (l.), der gerade das Wahlergebnis studiert, und Ueli Böhni.
Bild Edith Fritschi