Jungunternehmer für eine Woche

Schaffhauser Nachrichten
Jeannette Vogel

Minuten vor den Generalversammlungen ging es hoch her: «Typisch Mann», rief eine weibliche Stimme, «die Regie funktioniert», eine männliche, «keine leeren Stühle in der ersten Reihe», tönte es von weiter vorne.
Rund 60 Kantonsschüler aus dem naturwissenschaftlichen und altsprachlichen Bereich sowie einige Berufslernende schlüpften während einer Woche im Klostergut Paradies in die Rolle von Unternehmensleitern. «Unsere Wirtschaftswoche ist ein Glücksfall, da sie von der IVS, der Industrie- & Wirtschafts-Vereinigung Schaffhausen, unterstützt wird», sagte Thomas Stamm, Prorektor der Kantonsschule Schaffhausen, und: «Ich bin von der Teamleistung beeindruckt.» Mit Unterstützung eines computerbasierten Lehrkonzeptes erhielten die Schüler einen praxisnahen Einblick in die Geschäftsführung. Vier Firmen beschäftigten sich mit dem Thema Sitzmöbel. Andere Unternehmen befassten sich mit Produkten wie etwa Turnschuhen. Klassenlehrer Thomas Pfenniger fasste das Ziel der Wirtschaftswoche wie folgt zusammen: «Wir wollten die Teilnehmer coachen und herausfordern.»

**Im Stuhl-Business tätige Firmen**
Pünktlich um 13 Uhr begannen die Generalversammlungen. Unter den Anwesenden befanden sich auch Erziehungsdirektor Christian Amsler und Thomas Imobersteg vom Vorstand der IVS. Die vier im Stuhl-Business tätigen Aktiengesellschaften hatten je 15 Minuten Zeit.
Eines war allen Präsentationen gemeinsam – sie boten nebst Zahlen und Fakten auch gute Unterhaltung. Die «Sit AG» fing zügig mit ihrem Werbeslogan «Sitz immer trendy» an. Gefolgt von der «My Chair AG», deren CEO sagte: «Wir haben uns früh von der Konkurrenz abgehoben.» Souverän stellte er dann das Nachhaltigkeitskonzept des Unternehmens vor. Der Finanzchef kam danach zum Zuge und sagte den Aktionären, dass er die Mitarbeiter mit hohen Löhnen zufriedenstelle. Er fand auch erklärende Worte für den wechselhaften Geschäftsgang; «Wir haben unsere Fehlentscheidungen erst ausgebadet und dann ausgebügelt.»
Die Firma «Comfychair» kam ebenfalls rasch zur Sache: «Natürlich haben wir Verluste gemacht, denn die Produktionskosten waren höher als unsere Verkaufspreise.» Die Aktiengesellschaft habe sich dann wieder fangen können – auch dank aktiven Werbemassnahmen, wie etwa einem öffentlichen Probesitzen.
Die einzige der vier Firmen, die voll auf Swissness setzte und daher einen schweizerdeutschen Name trug, war die «Vierbei AG». Das Unternehmen bewarb seinen Stuhl als «unschlagbares Gesamtpaket für stilsichere Leute». Es musste nur einmal einen Mitarbeiter entlassen: «Die Person hat sich unmöglich aufgeführt.» Der Personalzuständige brachte es dann auf den Punkt, als er sagte: «Die Mitarbeiter liegen uns am Herzen, auch wenn sie nur virtuell sind.»
Nach den Präsentationen gab es Beifall, und Lehrer Marco Neuhaus sagte: «Das war so gut, es hätte mich fast vom Stuhl gehauen», und doppelte dann augenzwinkernd nach: «Für jede schlechte Grafik gab es eine gute Antwort.» Christian Amsler war beeindruckt von den Jungunternehmern – durch ihre innovativen Geschäftsideen und die positiven Aussichten fühlten sich die Aktionäre gut aufgehoben, auch kritische Fragen seien unterhaltsam und kompetent beantwortet worden. Amsler gab den zukünftigen Wirtschaftskapitänen auf den Weg: «Seid auch mal emotional.»
Thomas Stamm dankte den Teilnehmern für ihr fünftägiges Engagement und sagte: «Ihr seid die beste Werbung für unsere Wirtschaftswoche.» Er fügte hinzu: «Keine Angst, euer Ruf ist intakt, niemand hat euch als Streber bezeichnet.»