Sönke Bandixen neuer Stadtpräsident

Datum
26.09.2016

Titel
Sönke Bandixen neuer Stadtpräsident

Kurztext
Spannend bis zum Schluss war der Wahlkampf um das Stadtpräsidium von Stein am Rhein. Am Sonntag über­flügelte der Parteilose Sönke Bandixen den Grün­liberalen Ueli Böhni um 183 Stimmen und wird damit Nachfolger von Claudia Eimer.

Text
Schaffhauser Nachrichten
Alfred Wüger

Die Steiner Stadtpräsidentenwahl ist entschieden: Mit 183 Stimmen überflügelte der parteilose Sönke Bandixen, ein Quereinsteiger aus der Wirtschaft ohne jede Erfahrung in einer politischen Behörde, den amtierenden Stadtrat und Schulreferenten Ueli Böhni von der Grünliberalen Partei.
Bis man das aber erfuhr, musste man sich am Sonntag im Steiner Rathaus gedulden. Angekündigt gewesen war das Resultat auf 13.30 Uhr, verlesen wurde es indes erst kurz nach 15 Uhr: Es hatte grössere Verzögerungen beim Zählen der Stimmzettel der Wahlen in die Schulbehörde, in den Stadtrat und eben fürs Stadtpräsidium gegeben. Die noch bis Ende des Jahres amtierende Steiner Stadtpräsidentin Claudia Eimer bat alle Kandidatinnen und Kandidaten zu sich ins Büro, um ihnen dort die Resultate im stillen Kämmerchen zu verkünden, ehe sie sie öffentlich verlas.

**70 Prozent Stimmbeteiligung**
Dann kamen die beiden Kontrahenten Ueli Böhni und Sönke Ban­dixen aus dem Büro von Claudia Eimer: Ueli Böhni huschte ein Lächeln übers Gesicht, Sönke Bandixen wirkte ernst, verzog keine Miene. Die Stimmbeteiligung habe bei 70 Prozent gelegen, sagte Claudia Eimer, 1524 Stimmzettel – bei 2176 Stimmberechtigten – seien eingelegt worden. «130 waren leer, 3 ungültig, 1391 gültig», sagte die Stadtpräsidentin und dann: «Stimmen haben erhalten: Sönke Bandixen 760, Ueli Böhni 577.» Auf Vereinzelte entfielen 54 Stimmen.
Der Sieger nahm strahlend einen Blumenstrauss in Empfang. «Im Moment bin ich überwältigt», sagte Ban­dixen, «und freue mich, dass ich mit meiner Arbeit das Verhältnis, das am Anfang 40 zu 60 zugunsten von Ueli Böhni stand, zu meinen Gunsten umdrehen konnte.»
Draussen vor dem Rathaus, im Kreise seiner Familie, wiederholte er sein politisches Credo: «Ich bin angetreten als Steiner Bub, ich bin liberal und unabhängig, und diese Unabhängigkeit ist ein Vorteil gewesen. Die Steiner Wählerinnen und Wähler haben mir einen Auftrag erteilt, diese Unabhängigkeit in die Politik einzubringen.»

**Bandixen entäuscht von der FDP**
Seine Wahl sei eine klare Absage an das politische Establishment. «Die bürgerliche Phalanx wurde gesprengt.» Es genüge nicht mehr, einfach bürgerlich zu sein, und dabei sei er eigentlich ein Vorzeigebürgerlicher, aber: «Von der FDP bin ich schwer enttäuscht. Sie hat bis jetzt den Kontakt zu mir weder gefunden noch gesucht.» Er werde es als Stadtpräsident vermeiden, sich einer Fraktion anzunähern, sagte Bandixen weiter. «Ich will die Sachpolitik in die Mitte stellen.» Im Übrigen glaube er, dass die Zusammenarbeit mit dem neuen Stadtrat gut funktionieren werde. «Wir sind drei Neue und zwei Bisherige und wollen die Weichenstellung Richtung Neubeginn mit einer klar strukturierten Agenda schaffen.»
Ueli Böhni trug die Niederlage mit Fassung. Für ihn sei die Arbeit als Politiker damit vorbei, sagte er, auch wenn er nicht ausschliessen mochte, wieder einmal als Einwohnerrat zu kandidieren.

Stadtratswahl Markus Oderbolz von der Pro Stein überlegt sich, ob er die Wahl annehmen will.

Bei den Stadtratswahlen in Stein am Rhein wurden sämtliche Kandidaten gewählt. Dabei schwang die parteilose Karin Sigristweit obenaus. Bei einem ­absoluten Mehr von 423 Stimmen vereinigte sie 855 Stimmen auf sich und konnte damit an ihren Wahlerfolg vom letzten November anknüpfen. Angesichts der schwierigen Botschaft zur Finanzlage, die sie zu vermitteln hatte, sei ihr Ergebnis sehr erfreulich, meinte sie. Es gelte auch weiterhin, die Finanzen nicht aus den Augen zu verlieren. «Ich hoffe, dass die mit Ueli Böhni aufgegleisten Projekte weiterhin so tatkräftig vorangetrieben werden.»

Auf dem letzten Platz landete derweil Baureferent Markus Oderbolzvon der Pro Stein, vor vier Jahren noch mit dem besten Resultat gewählt. Er zeigte sich entsprechend enttäuscht – in erster Linie allerdings über die Nichtwahl von Ueli Böhni als Stadtpräsident. Er bedauerte, dass die gute Arbeit im Stadtrat von den Stimmbürgern nicht anerkannt und geschätzt worden sei, und vor allem, dass sie so jetzt nicht fortgesetzt werden könne. «Es wird sich weisen, wie der neue Stadtpräsident mit den Kolleginnen und Kollegen umgehen wird, deren Arbeit er in den letzten Wochen ja sehr stark infrage stellte», so Oderbolz, der sich angesichts des Resultats überlegt, ob er die Wahl überhaupt annehmen will. «Man ist kein guter Verantwortungsträger, wenn man sich auf alles einlässt.»

Über ein gutes Wahlresultat konnte sich Corinne Ullmann(SVP) freuen, sie ­erzielte 582 Stimmen. Man müsse nun abwarten, wie die Referate verteilt ­würden, meinte sie. Der neue Stadtrat werde seine Arbeit unter den neuen Vorzeichen machen müssen. Gleichzeitig bedauerte sie die Nichtwahl Böhnis. Das sei ein Schaden für die Schule.

Mit 494 Stimmen wurde Thomas Schnarwilervon der CVP in den Stadtrat gewählt. Auch er zeigte sich angesichts des Resultats zufrieden. Die Arbeit werde sicher nicht einfach werden, meinte er. Die Bürger erwarteten oft Resultate innert kurzer Zeit, während es in der täglichen politischen Arbeit oft mehr Zeit brauche.

Noch etwas fiel bei den Stadtratswahlen auf. Einerseits wurden 238 Stimmen für Ueli Böhni abgegeben, der dafür gar nicht zur Verfügung stand. Dann entfielen 733 Stimmen auf Vereinzelte. Das mag wohl auch Ausdruck sein für den erbitterten Wahlkampf in den vergangenen Wochen.

**Hitz Ruppel neu in Schulbehörde**
In der Schulbehörde waren mit Christoph Frei und Monica Hofer Lobato zwei Rücktritte zu verzeichnen. Auch hier gab es keine Kampfwahl, da die ­Anzahl der Kandidierenden mit der Anzahl Sitze übereinstimmte. Neu wurden Nicole Hitz Ruppel mit 498 Stimmen und Rudolf Vetterli mit 543 Stimmen gewählt. Bestätigt wurden Carla Rossi mit 593 Stimmen, Angele Wheeler Maier mit 613 Stimmen und Marc Lüthi mit 576 Stimmen. Auch hier war mit 354 Stimmen ein relativ grosser Anteil an Vereinzelten festzustellen. Das absolute Mehr lag bei 60 Prozent. (U.J.)


*Kommentar*

**Ein schwieriger Neubeginn**

Die Wahl des neuen Stadt­präsidenten von Stein am Rhein hatte die Gemüter erhitzt. Zunächst war alles so klar gewesen: Die Bürgerlichen hatten Ueli Böhni auf den Schild gehoben, einen alteingesessenen Steiner, einen angesehenen Arzt und zupackenden grünliberalen Stadtrat und Schulreferenten. Alles schien klar, bis Sönke Bandixen auf den Plan trat. Ebenfalls ein alteingesessener Steiner, allerdings ein Mann der Wirtschaft, ein Manager ohne jede Erfahrung in der Politik. Was soll denn das? Diese Frage mag sich mancher gestellt haben, und Bandixen schätzte im Juni gegenüber dieser Zeitung seine Chancen mit 60 zu 40 zugunsten von Ueli Böhni ein, sagte aber: «Ich traue mir zu, das zu kehren.» Und das hat er geschafft. Dass das möglich wurde, hat zum einen seinen Grund in der Tatsache, dass die bürgerliche Phalanx, die Ueli Böhni unterstützte, zerbrach. Das geschah wohl nicht zuletzt deshalb, weil es Sönke Bandixen mit seiner forschen Art gelang, Bürgerliche davon zu überzeugen, dass mit ihm ein Kurswechsel eher möglich sei als mit einem amtierenden Stadtrat, der sich in den Präsidentensessel schwingen möchte. Das Schlagwort «unabhängig» mag dazu nicht ­unwesentlich beigetragen haben. Unterschwelliger Unmut, ein latenter Wunsch nach einem starken Mann, einem Macher von aussen, mögen dazu geführt ­haben, dass nun Sönke Bandixen ins Amt gewählt worden ist. Es war eine Wahl zwischen zwei Charakteren: hier der besonnene, aber zuweilen etwas farblos auftretende Ueli Böhni, da der kämperische und ­entschlossener wirkende und leidenschaftlich debattierende Feuerkopf Sönke Bandixen. Dieser muss nun allerdings Besonnenheit an den Tag ­legen und den Stadtrat so zusammenschweissen, dass am 1. Januar 2017 tatsächlich die versprochene klare und neue Linie anfangen kann.