«Mir ist wichtig, dass sich die Leute hier zu Hause fühlen»

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

**Kopf der Woche: Roland Bosshard von der «Hopfenstube» in Schaffhausen rüstet sich für die Sommersaison**

Es macht einen guten Eindruck, wenn der Wirt seine Gäste so gut kennt, dass er sie mit dem Vornamen begrüssen kann. «Hallo, Sylvia», Roland Bosshard schüttelt einer älteren Dame die Hand. Sie lacht und lässt sich in einem der Korbstühle vor der «Hopfenstube» auf dem Herrenacker in Schaffhausen nieder. Ein Rosensträusschen steht auf dem Tisch. Den Kaffee kann man jetzt wieder draussen geniessen. Bosshard ist in seinem Element.
Ein kurzes Gespräch hier, ein paar Worte da. Der 27-Jährige nimmt sich Zeit. Ein echter Wirt eben, der anscheinend immer gute Laune hat. Für Bosshard ein Teil seines Konzepts.
«Mir ist wichtig, dass sich die Leute hier zu Hause fühlen, dass sich keiner komisch vorkommt», sagt er. Vor allem für die Stammgäste sei immer ein Platz frei. «Wo sonst sitzen noch vier Generationen an einem Tisch und philosophieren?» So, wie es in einer Beiz eben sein soll! Und wenn sich einer der Gäste Fischstäbchen wünsche, dann gebe es eben am nächsten Tag Fischstäbchen mit Rahmspinat. Bosshard: «Wir kochen wie bei Mama zu Hause.»
Wenn er in Fahrt kommt, redet Bosshard gern. Er hat aber auch seine ruhigen Momente: In einer Pause setzt er sich selbst in einen der Korbstühle, lehnt sich zurück, zündet eine Marlboro an. In seiner Beiz darf man auch drinnen rauchen. Die Hemdsärmel sind nach oben geschlagen, am linken Oberarm zeigt sich eine Tätowierung. Wenn Bosshard lacht – das tut er oft –, werden markante Schneidezähne sichtbar. Er hat dann was von einem Lausbuben.

**Dem Lehrmeister getrotzt**
Tatsächlich hatte er als Kind schon einen recht starken Willen. «Wenn ich mit meinen Eltern an einem schönen Ort Urlaub machte, wollte ich immer nur in die Küche des Hotels schauen», erzählt er. Eine Kochlehre nach der Schule lag da nahe. «Ich hab allerdings abgebrochen, weil ich einen bösen Lehrmeister hatte. Der hat mir die Arbeit verdorben», sagt Bosshard. Also absolvierte er die Handelsschule, um dann doch wieder in der Gastronomie zu landen. Mit gerade 21 Jahren betrieb er in Zürich mit vier Freunden einen Nachtclub. Bosshard zückt sein Handy, zeigt ein Foto. An einem Tisch sitzt unter anderem US-Schauspieler Samuel Jackson. «Wir haben es als Einzige in der Schweiz geschafft, zehn Hollywoodstars auf einmal zu bewirten.» Nach drei Jahren suchte Bosshard jedoch eine neue Herausforderung in Schaffhausen.
Seine Eltern leben hier. «Statt Stars und Sternchen bediene ich jetzt meine Oma», sagt er. Die 92-Jährige lese oft ihre Zeitung in der «Hopfenstube». Das Familiäre ist Bosshard heute wichtiger als Party all night long.


**Zur Person**
Alter: Seit gestern 27
Zivilstand: Ledig
Wohnort: Neuhausen
Hobbys: Fussballschauen, Reisen
Aktuelle Lektüre: Teletext am Abend vor dem Einschlafen



Wenn die «Hopfenstube» gut gefüllt ist, freut sich besonders der Betreiber Roland Bosshard.
Bild Maria Gerhard