Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler
Es ist schon erstaunlich, an welchen Orten in Schaffhausen überall gesungen wird. Bei der Feier letzte Woche zu Ehren des neuen Kantonsratspräsidenten Peter Scheck stimmte die ganze Festgemeinde das studentische «Gaudeamus Igitur» an, eine Reverenz an Schecks (v/o Fino) Zeit in der Scaphusia. «Lasst uns also fröhlich sein» war auch das Motto an der Generalversammlung der Brauerei Falken, wo der volle Park-Casino- Saal das traditionelle «Schützenliesl» erdonnern liess.
Gesungen wird jetzt dann auch wieder im kleinen Familienkreis: «O du fröhliche», «Stille Nacht» und der Evergreen «O Tannenbaum», das vielleicht schrägste Weihnachtslied überhaupt. Die Geburt Jesu kommt darin nicht vor, dafür in der leider nur selten gesungenen Urfassung ein von der Liebe enttäuschter Jüngling: «O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte»; «Der Bach im Tal, der Bach im Tal, ist deiner Falschheit Spiegel.» Das Schöne am Singen ist, dass keiner es können muss, jedenfalls nicht unter Familien und Freunden. Nicht jeder ist ein kleiner Pavarotti, nicht jede eine Callas, aber das ist an der Brauerei-GV, in der Studentenverbindung, in der Schule oder unter dem Christbaum egal. Singen verbindet, Singen stiftet Identität, Singen schafft eine feierliche Atmosphäre und Geborgenheit. Dies wussten schon die roten und die braunen Volksverführer zu nutzen («Internationale», «Horst-Wessel-Lied»), aber die extremistischen Töne halten sich in «Kling, Glöckchen, klingelingeling» dann zum Glück doch in engen Grenzen. Also: Jauchzet und frohlocket, so wie alle Jahre wieder. Und wer den Text nicht mehr kennt, der halte in den SN Ausschau: Wie immer drucken wir die schönsten Weihnachtslieder ab. Frohe Festtage!