Schaffhauser Nachrichten
Claudia Härdi
Gestern Morgen wurde der Schaffhauser Peter Scheck mit 50 von 52 gültigen Stimmen in das höchste Amt des Kantonsratspräsidenten gewählt. Ebenfalls unbestritten war die Wahl des Regierungspräsidenten. Ernst Landolt erhielt 56 von 57 gültigen Stimmen und übernimmt damit die Führung der Regierung. Mit den beiden Politikern Peter Scheck und Ernst Landolt werden die zwei wichtigsten Ämter im Kanton im neuen Jahr von der SVP besetzt. Sie lösen zwei FDP-Politiker, Kantonsratspräsident Martin Kessler und Regierungspräsident Christian Amsler, ab.
Für Kessler sei gestern ein spannendes Jahr als Kantonsratspräsident zu Ende gegangen, wie er gegenüber den SN sagte. In Erinnerung geblieben ist ihm vor allem eine seiner ersten Sitzungen, die er zu leiten hatte. Traktandiert gewesen sei die Strukturreform des Kantons. «Diese Sitzung war meine grösste Herausforderung als Ratspräsident», sagt Kessler, der sich nun darauf freut, im Kantonsrat wieder zur Sache mitreden zu können. Auf Peter Scheck (SVP Schaffhausen) könnten im nächsten Jahr ebenfalls ein paar Herausforderungen warten. Der Kantonsrat hat noch einige kontroverse Themen zu diskutieren. So zum Beispiel das neuste Sparprogramm. Bis anhin hat Scheck als Fraktionspräsident das Wort für seine Partei geführt. An den nächsten Ratssitzungen wird er sich als Ratspräsident mit seinen Meinungen zurückhalten müssen. Erben wird Schecks Amt als Fraktionspräsident Andreas Gnädinger aus Siblingen.
Nebst der Wahl des Kantonsratspräsidenten und des Regierungspräsidenten wurden gestern auch zwei Vizepräsidenten gewählt. Die SP hat im vergangenen Jahr Walter Vogelsanger auf die Präsidentenlaufbahn geschickt. Er erhielt 48 von 53 gültigen Stimmen und wird 2015 neuer Erster Vizepräsident. Das Amt des Zweiten Vizepräsidenten ging an die FDP, vertreten durch Thomas Hauser, der 47 von 50 gültigen Stimmen erhielt. Stimmenzähler im neuen politischen Jahr werden Till Aders (AL, Schaffhausen) und Rainer Schmidig (EVP, Schaffhausen). Beide sind mit einem deutlichen Mehr gewählt worden. Wenn alles wie geplant läuft, wird Vogelsanger im Jahr 2016 Präsident des Kantonsrats werden und Hauser im Jahr 2017. Nach alter Tradition wurde der höchste Mann im Kanton nach der Ratsarbeit mit Chäschüechli und Wein gefeiert. Zur grossen Feier (mehr zur Wahlfeier: siehe unten) lud Scheck ins Casino in Schaffhausen ein.
**Kantonsrat**
Rücktritt von Di Ronco und Keller
Christian Di Ronco (CVP, Neuhausen am Rheinfall) tritt per Ende Jahr aus dem Kantonsrat zurück. Seine Nachfolge ist noch offen. Ebenfalls aus dem Rat verabschiedet wurde Florian Keller (AL, Schaffhausen). Susi Stühlinger, (AL, Schaffhausen) tritt aus der Gesundheitskommission zurück und wird voraussichtlich für Florian Keller in die Geschäftsprüfungskommission wechseln. (ch)
**Viel Bier und träfe Sprüche an der Wahlfeier**
*Zusammen mit Peter Scheck haben über 120 Gäste seine Wahl gefeiert, natürlich mit den obligaten Produktionen.*
Von Zeno Geisseler
Peter Scheck, der neue Kantonsratspräsident, ist kein Kostverächter. Bier und schnelle, offene Wagen sind die Präferenzen des Schaffhauser SVP-Politikers, jedenfalls wenn man die gestrige Wahlfeier im Park Casino zum Massstab nimmt. Immer wieder tauchten diese beiden Punkte in den Reden, Produktionen und Geschenken auf. Mit rund 120 Personen, darunter zwei Drittel des Kantonsrats, die Kantons- und Stadtregierung, Vertretern der Wirtschaft, der Gerichte, der Scaphusia (eine Dreierdelegation im Vollwichs war anwesend) und weiteren Freunden und Bekannten feierte Scheck einen wunderbaren Abend, organisiert von Kantonsratskollege Thomas Hauser. Auch die Polizeimusik spielte auf. Das Motto des Abends war «PS feiern wir», wobei «PS» ebenso für «Peter Scheck» stand wie für «Pferdestärke» oder «Post Scriptum».
Zu den Klängen des Studentenliedes «Gaudeamus Igitur», gesungen von allen Anwesenden, schritt Scheck (v/o Fino in der Scaphusia) auf die Bühne und begrüsste die Gäste, garniert mit launigen Sprüchen wie diesem: «Thomas Hauser ist der Typ Mensch, von dem mich meine Mutter in der Jugend immer gewarnt hat», sagte er. «Mittlerweile sind wir gute Freunde geworden.» Dann war der Ball beim abtretenden Regierungspräsidenten Christian Amsler, der Scheck schon seit seiner Zeit als Zugführer im Füs Bat 61 kennt. Amsler überreichte die obligaten Weine aus dem Staatskeller und übergab dann auch ein Geschenk an den neuen Regierungspräsidenten Ernst Landolt: ein Rebbürdeli, das er seinerzeit von Rosmarie Widmer Gysel erhalten hatte.
Auch Stadtpräsident Thomas Feurer, der Chef von Peter Scheck, der Stadtarchivar ist, gab einige Anekdoten zum Besten. So habe Scheck sich lange Zeit geweigert, bei einem neuen Arbeitszeiterfassungssystem mitzumachen. «Nach zwei Jahren kam dann die Personalabteilung zu mir», erzählte Feurer, «und sagte, Scheck habe 5000 Minusstunden.»
Dann folgten die Produktionen, wobei neben Zauberer Lorios vor allem die SP-Kantonsräte Jürg Tanner und Daniel Fischer mit einer bayrischen Nummer für viele Lacher sorgten – natürlich durften einige humorvolle Spitzen gegen die Bürgerlichen nicht fehlen, wie ein angebliches Schreiben von Finanzdirektorin Rosmarie Widmer Gysel an die Versicherung: «Liebe Mobiliar, wir sind abgebrannt, jetzt möchten wir gerne einen Schadensfall geltend machen.» Oder diesen: «Wir haben ein Schleudertrauma vom starken Kopfschütteln beim Lesen des Entlastungsprogramms 2014.»
Serviert wurde zum Apéro Stadtwein (spendiert von der Stadt Schaffhausen), danach gab es einen Tomaten-Mozzarella-Salat, zum Hauptgang dann Tessinerbraten mit Risotto und Ratatouille, dazu ein Osterfinger Badwy 2012 und zum Dessert Tiramisù.

Der frisch gewählte Regierungspräsident Ernst Landolt (SVP; links) und Peter Scheck (SVP), der 2015 die Leitung des Kantonsrats übernehmen wird, gratulieren einander zur Wahl. Rechts der scheidende Ratspräsident Martin Kessler.
Bild Eric Bührer