Neue «Swissness»-Regeln bedrohen Biere

Schaffhauser Nachrichten
(rf./sda)

Schweizer Bier besteht zu über 90 Prozent aus Schweizer Wasser. Trotzdem müssen hiesige Brauereien befürchten, dass sie ihren Gerstensaft bald nicht mehr als Schweizer Produkt verkaufen können: Der Bundesrat will nämlich Trinkwasser nicht als Schweizer Rohstoff zur «Swissness»-Berechnung zulassen, sondern bloss Quell- und Mineralwasser. Bei den restlichen Rohstoffen wie Hopfen und Malz liegt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz bei nahezu null.
Denjenigen Brauereien, welche dannzumal die «Swissness»-Vorgaben nicht erfüllen, ist nicht nur die Verwendung der Marke «Schweiz» untersagt; sie dürften auch ihre Verankerung in der Region nicht länger vermarkten. Von der Regelung betroffen wären unzählige kleinere und mittelgrosse Bierproduzenten, die ihr Wasser vom öffentlichen Netz beziehen.

**Schaffhauser Wasser**
Brauerei-Falken-CEO Markus Höfler gibt sich gegenüber den SN zuversichtlich: «Wir brauen unser Bier mit Schaffhauser Wasser – wir haben eine eigene Quelle.» Ausserdem sei die erwähnte Regelung ja noch keineswegs beschlossene Sache: «Ich denke, das Parlament wird diese Absicht des Bundesrates noch korrigieren.»

**Qualität vor Herkunft**
Die Brauerei Falken definiere sich nicht in erster Linie über «Swissness», sagt Höfler, «sondern über die Qualität und die Vielfalt unserer Produkte. Darum ist ‹Swissness› für mich auch nicht das Hauptargument.» Damit sei das Unternehmen bis jetzt gut gefahren, «und daran ändert sich nichts. Das wird vom Kunden auch so akzeptiert.»

**«Eidgenoss» ist geschützt**
Ausser beim «Eidgenoss» findet der Konsument nirgends ein Schweizerkreuz auf Falken-Produkten. «Dieses Schweizerkreuz kann man aber auch mit dem Namen in Verbindung bringen», sagt Höfler. «Den Namen ‹Eidgenoss. Ein Schluck Heimat› haben wir übrigens markenrechtlich beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum schützen lassen.»

**Flexibilität ist gefragt**
Würde diese Regelung wider Erwarten doch in Kraft treten, so wäre das laut Höfler «für die Brauerei Falken ungünstig und unangenehm», aber es wäre keine existenzielle Bedrohung. «Wir als Unternehmen müssen in allem, was wir tun, so flexibel sein, dass wir mit derartigen Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen umgehen können.»


**Braujahr 2013/14**
Dank Abfüllstrasse ein gutes Jahr für Falken

In der Schweiz sei im abgelaufenen Braujahr 2013/14 wieder mehr Bier getrunken worden, teilte der Schweizer Brauerei-Verband gestern mit. Das Marktvolumen wuchs um 1,4 Prozent auf gut 4,64 Millionen Hektoliter Bier. Das sind rund 57 Liter pro Kopf.
Auch für die Schaffhauser Brauerei Falken war der Bierkonsum 2014 «stabil auf tiefem Niveau», wie CEO Markus Höfler sagte: «Bis Anfang Sommer waren wir sehr gut unterwegs. Das schlechte Wetter im Juli und August hat uns dann aber schmerzhafte Rückgänge beschert.» Insgesamt ist der Bierabsatz von Falken laut Höfler 2014 stabil geblieben.
Nehme man hingegen das Ergebnis des Dosenkompetenzzentrums hinzu, werte Falken das Jahr 2014 als positiv. Man sei dank der Abfüllstrasse für Dosen gewachsen: «Im ersten Betriebsjahr hatten wir vier Millionen Dosen geplant, aber neun Millionen abgefüllt. 2014 werden wir auf 14,8 Millionen kommen.» Alles in allem war 2014 für die Brauerei «ein gutes Jahr», so Höfler. Das stimme Falken optimistisch für die Zukunft.
Der Inlandausstoss der Schweizer Brauereien nahm im abgelaufenen Braujahr leicht zu. Er betrug knapp 3,4 Millionen Hektoliter.