Ein Rucksack für die «Helden» der Berge

Schaffhauser Nachrichten
Saskia Baumgartner

Die Idee, einen neuen Rucksack zu entwickeln, kam David Freitag in der Freizeit. Der Schaffhauser ist gerne in den Bergen, hat auch schon einige Viertausender bestiegen. Dabei hat er sich jedoch immer wieder eine bessere Ausrüstung gewünscht. «Für fortgeschrittene Bergsteiger gibt es kaum spezielles Equipment», sagt er. Als besonders störend habe er empfunden, dass man bei einem herkömmlichen Rucksack kaum an dessen Inhalt gelangt, ohne ihn komplett von den Schultern zu nehmen. Höchst unpraktisch – vor allem wenn man gerade an einer steilen Wand zugange ist und sich zumindest mit einer Hand festhalten muss.
Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste suchte der Produkte-Designer nach einer Lösung. Das Ergebnis, der Rucksack «Caturix», wurde vor zwei Wochen mit dem James Dyson Award ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Erfinderwettbewerb für Jungdesigner. Freitag hatte sich gegen knapp 30 Konkurrenten durchsetzen können. Was ist an dem Rucksack nun so besonders? Anstelle der üblichen parallel verlaufenden zwei Rucksackträger setzte Freitag ein Träger-Kreuz ein. Vier Träger – jeweils zwei von oben und zwei von unten – laufen in der Mitte der Brust zusammen. Verschlossen werden sie hier mittels eines Systems, dass dem der Autogurte ähnelt. Wenn man an den Inhalt des Rucksacks gelangen will, öffnet man zwei diagonal verlaufende Träger. Der Rucksack lässt sich dadurch wie eine Umhängetasche verwenden und mit einer Hand nach vorne ziehen. Auch der Reissverschluss lässt sich mit einer Hand öffnen und man gelangt zum Inhalt des Rucksacks. Eine Vorrichtung verhindert, dass alle vier Gurte gleichzeitig geöffnet werden können und der Rucksack im schlimmsten Fall in die Tiefe stürzt. Der Rucksack lässt sich auch wieder einhändig verschliessen.

**Der Verschluss als Herzstück**
Nebst dem Trägerkreuz und dem Verschluss, «dem Herzstück» von Freitags Rucksack, gibt es noch ein paar weitere raffinierte Eigenschaften. So etwa die Möglichkeit, einen Eispickel per Magnet am Rucksack festzumachen und diesen unkompliziert und schnell zur Hand zu haben. David Freitag gab seinem Rucksack den Namen «Caturix», nach einem helvetischen Gott des Krieges. «Ein Bergsteiger hat ja schon etwas von einem Helden», sagt Freitag schmunzelnd. Der Designer hat den «Caturix» selbst genäht. Bislang gibt es nur diesen einen Prototypen. Um zu erreichen, dass der Rucksack in den Handel kommt, müsste man den neuen Verschluss in Serie herstellen können. «Ich denke, dazu wären etwa 150 000 bis 200 000 Franken nötig», sagt Freitag. Finanziert werden könnte dies etwa durch einen der bekannten Bergsport-Ausrüster. Freitag kann sich zwar vorstellen, in Zukunft mit einem grösseren Konzern zusammenzuarbeiten. Zunächst will er jedoch noch selbst etwas an dem Verschluss feilen. «Ich hinterfrage immer alles, und ich glaube, dass es vielleicht eine Lösung gibt, die noch etwas besser ist», sagt Freitag. Die Jury des schweizerischen James-Dyson-Wettbewerbs hat David Freitag jedoch noch mit dem aktuellen Verschluss überzeugt. Der «Caturix» ist auch noch im Rennen des internationalen Wettbewerbs, an dem rund 90 Erfinder teilnehmen. Der Gewinner wird am 6. November bekannt gegeben.





David Freitag demonstriert die Idee des «Caturix» – durch das Öffnen zweier diagonaler Träger (der Verschluss ist orange) lässt sich der Rucksack wie eine Umhängetasche verwenden. Auf diese Weise benötigt man nur eine Hand, um an das Innere des Rucksacks zu gelangen – was gerade für Bergsteiger sehr praktisch ist.
Bilder Selwyn Hoffmann