Schaffhauser Nachrichten
(us)
Die Fussballweltmeisterschaft ist definitiv vorbei, die Mannschaftsräume in den Trainingslagern dürften mittlerweile ebenso leer sein wie die letzten Flaschen Trainings-Lager (vgl. Genossen vom 2. Juni, «Fussball und Bier»). Doch der Sommer ist noch nicht vorüber, auch wenn er sich zwischendurch mal abmeldet, um dann mit verstärkter Wucht und Hitze wieder einzufahren. Wer Sommer sagt, denkt an Durst, wer Durst sagt, denkt an Bier. Eine Bieridee der besonderen Art hatten die Falken-Brauer, schon bevor der Sommer und die Fussball-WM begonnen hatten: Sie füllten ihre Spezialbiere in Bügelfläschchen mit 33 cl Inhalt – den naturtrüben, bernsteinfarbenen Eidgenoss, das ebenfalls trübe, frische Stammhausbier 1895, dessen Rezept in einem sonst leeren Tresor gefunden wurde und das an ein Zwickelbier erinnert, den Schwarzen Falken und seit Neustem auch den Edelfalken.
Besonders der Eidgenoss dürfte in den Tagen rund um den 1. August Hochsaison haben bei allen, die ihre Vaterlandsliebe mit einem kräftigen Zug zeigen wollen. Da trifft es sich gut, dass dieses Bier tatsächlich zu hundert Prozent aus Schweizer Braugerste gebraut wird, wie Zdzislaw Urbanczyk, der stellvertretende Braumeister bei Falken, bestätigt: «Wir schicken die Braugerste von Schaffhauser Bauern wie Felix Ruh in Buch zum Mälzen nach Deutschland und bekommen sie danach wieder zurück. In unserem Braumeisterbund wird aber gegenwärtig darüber diskutiert, in der Schweiz wieder eine Mälzerei in Betrieb zu nehmen.»
«Die Idee, Braugerste anzubauen, hatte unsere älteste Tochter Martina vor vier Jahren. Sie sprach mit dem damaligen Braumeister von Falken, Oskar Dommen», erzählen Claudia und Felix Ruh. «Auch sein Nachfolger, Michael Hanreich, war sofort dafür, und so liefern wir jetzt schon zum vierten Mal Schaffhauser Braugerste für Schaffhauser Bier.» – Was beim Wein als kontrollierte Herkunftsbezeichnung (AOC) schon lange selbstverständlich ist, hat Falken also auch beim Bier eingeführt.
Hier ist der Name ebenfalls Programm: Im Restaurant El Sombrero an der Webergasse in Schaffhausen hängen die gleichnamigen, reich mit Silberfäden bestickten Schattenspender in Leuchtfarben an den Wänden, und giftbunte Miniponchos sind als Tischsets ausgelegt. Auch dem stumpfsten Gringo muss hier noch vor dem ersten Blick in die Speisekarte dämmern, dass er in einer mexikanischen Cantina gelandet ist. Für 20 Franken wird hier über Mittag ein prächtiges Bastelkit als Fingerfood für das Kind im Manne angeboten: Fajitas. Das Fleisch liegt brutzelnd in der Gusseisenplatte, die Begleitung sind schwarze Bohnen, hellgrüne Guacamole, fein geschnittener Salat und ein Joghurtdip. Diese Komponenten legt man auf die mitgelieferten handtellergrossen Tortillas, schlägt von der Seite einen kleinen Boden ein und rollt das Ganze zu einem Päckchen, das aussieht wie eine essbareZigarre oder Mexikos Antwort auf die vietnamesische Herbstrolle. Ein idealer Imbissplatz für Väter und Söhne, wenn Mama nicht kocht oder die Fingerfarben ausgegangen sind.