Schaffhauser Nachrichten
von Pascal Schwyn
«Überhaupt nicht.» So lautete die Antwort von Roberto Di Matteo auf die Frage von Moderator Martin Schläpfer, inwiefern ihn der Gewinn der Champions League 2012 verändert habe. «Ich habe immer noch dieselbe Frau und gehe auch immer noch in die gleichen Restaurants», schmunzelte Di Matteo. Klar, sei es ein Höhepunkt gewesen. «Aber hoffentlich erst der Anfang einer langen Karriere.» Die rund 180 Gäste, neben Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Sport auch Schülerinnen und Schüler der Handelsschule KV und der Kantonsschule, lauschten gestern Abend den Worten des redegewandten Duos – neben Roberto Di Matteo erschien nämlich auch sein Weggefährte Rolf Fringer. Beide waren von der Handelsschulverbindung Commercia zur 8. Wirtschaftsdebatte eingeladen worden. Idee dieser Veranstaltung ist es, einen Gedankenaustausch zu schaffen und es den jungen Menschen zu ermöglichen, Kontakte zu knüpfen. Und nun wurden für diese Diskussionsrunde erstmals Gäste aus der Welt des Sports eingeladen. «Wir sind sehr stolz, dass Roberto Di Matteo, die derzeit wohl berühmteste Persönlichkeit aus Schaffhausen, hier bei uns ist», freute sich Alexander Schlehan, Präsident des Altherren-Verbandes.
**Schaffhausen in Verzug**
Die Wege der beiden Gäste kreuzten sich erstmals 1987 in Schaffhausen. Ein Jahr später standen sie im Cupfinal: «Ein gewisser Roli Frei hatte damals in der 73. Minute eine sehr gute Idee und brachte mich für Rolf Fringer ins Spiel», scherzte Di Matteo. Für den heute 43-Jährigen war es die erste grosse Erfahrung als Spieler, Fringer wechselte danach auf die Trainerbank. Und er schenkte Di Matteo sein Vertrauen, installierte ihn als Libero: «Roberto konnte das Spiel sehr gut lesen und hat die Nase dafür gehabt, ein Spiel von der Defensive heraus einzufädeln. Er war schon damals ein Stratege», berichtete Fringer. Di Matteo verfolgt auch heute noch die Wege seines ersten Clubs: «Sie spielten eine gute Saison, leider reichte es nicht zum Aufstieg.» Aber die Challenge League sei schon das richtige Niveau, die Super League sei ein Level zu hoch für Schaffhausen. Auch die Stadionfrage wurde zum Thema: «Es wäre schon mal an der Zeit, ein neues Stadion zu bauen. Schade, ist Schaffhausen bei dieser Sache etwas in Verzug», meinte Di Matteo.
**Gemütlich mit Abramowitsch**
Es waren vor allem die Anekdoten aus vergangener Zeit, welche die Gäste zum Schmunzeln – aber auch zum Nachdenken – brachten. So zum Beispiel, als Di Matteo erzählte, dass er früher jeden Donnerstagabend Cervelats und Bratwürste verkauft habe und danach eine Metzgerlehre anfing. Nach zwei Wochen war allerdings bereits wieder Schluss. «Für meinen Vater war dies ein Bruch der Ehre, er hatte sich sehr geschämt», verriet der spätere KV-Absolvent. Als es dann ums harte Fussballgeschäft ging – sowohl Fringer als auch Di Matteo wurden bei ihren letzten Clubs entlassen –, wurde die Vergangenheit beiseitegelegt. Moderator Schläpfer sprach die teilweise fehlende Transparenz und den zunehmenden Einfluss branchenfremder Investoren im Milliardengeschäft Fussball an. «Ich sehe das nicht nur negativ. Es wird ja auch versucht, mit dem Financial Fairplay etwas dagegen zu unternehmen. Erst kürzlich wurde ja Manchester City bestraft», argumentierte Di Matteo. Gegen Ende der Veranstaltung wurde er dann gefragt, was für ein Typ denn Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch sei. «Er ist eigentlich ein sehr netter Mensch, mit dem ich auch ausserhalb des Fussballs zu tun hatte. Wir gingen ab und zu gemütlich essen», erzählte Di Matteo, der im November 2012 von Abramowitsch entlassen worden ist. Er sei halt der Chef und der Eigentümer, und er treffe die Entscheidungen. «Davon darf man sich aber nicht allzu sehr deprimieren lassen.» Der Vertrag mit Chelsea läuft im Juni aus – Di Matteo wäre also wieder verfügbar als Trainer. Zuletzt wurde spekuliert, dass er zu Frankfurt in die Bundesliga wechselt. Dazu äusserte sich Di Matteo natürlich nicht explizit: «Einige Offerten sind da, und jetzt gilt es, abzuwägen. Aber ich würde gerne ein interessantes Projekt übernehmen.» Zum Ende gabs noch Porträts für Referent und Gast: Roberto Di Matteo erhielt eine von Bruno Ritter entworfene Tafel, die an der Hauptfassade des KV aufgehängt wird. Und die Schlange stehenden Schülerinnen und Schüler ein Foto mit dem geduldigen Champions-League-Sieger. Dieser schloss auch gestern eine Rückkehr nach Schaffhausen nicht aus. Auch wenn das unerfreuliche Gründe hätte: «Es wäre schon mein Wunsch, wenn es irgendwann einmal so weit ist, in Schaffhausen auf dem Waldfriedhof beerdigt zu werden. Hier, wo ich geboren bin.» Er sei halt ein ganz bodenständiger Typ, meinte Fringer. Hat ihn der Gewinn der Champions League verändert? Überhaupt nicht …