Hopfen und Malz verloren

Neue Zürcher Zeitung
Erich Aschwanden

Einem Grossteil der in Massen eingewanderten Deutschen kann man nicht vorwerfen, sie hätten sich hierzulande nicht um die Integration bemüht. Insbesondere der Swiss German Club, gemäss eigenem Anspruch «das exklusive, binationale Netzwerk Schweiz Deutschland», hat sich in den vergangenen Jahren verdient gemacht um die erwünschte Völkerverständigung.
Was haben die eifrigen Vereinsverantwortlichen nicht alles unternommen, um die wissbegierigen Zuzüger aus dem grossen Kanton mit den kleinen Kantonen und ihren Eigenheiten vertraut zu machen: Eine anspruchsvolle Wanderung zum Grossen Aletschgletscher durfte im abwechslungsreichen Programm ebenso wenig fehlen wie Segeln auf dem Vierwaldstättersee oder die Besichtigung und Degustation der Willisauer Ringli mit anschliessendem Fondueplausch. Schweizerischer kann man seine Aktivitäten fast nicht gestalten.
Und nach der mühseligen Phase der Assimilation erreicht uns nun diese Nachricht. Für Mitte August lädt der Swiss German Club seine Mitglieder zu einem zweitägigen Bierbrauseminar ein. Der Anlass findet nicht etwa in einer ureidgenössisch verankerten Brauerei wie Feldschlösschen oder Eichhof statt, wo Bier nach dem dänischen und niederländischen Reinheitsgebot gebraut wird. Nein, bei Gampertbräu im bayrischen Weissenbrunn sollen die Interessenten ihr Hobbybrauer-Diplom erwerben. Ausgerechnet in Bayern! Als ob man diesen Namen schon je im Zusammenhang mit der edlen Braukunst gehört hätte.
Gebraut wird also in heimischen Gefilden, trinken wollen die ehrenwerten Mitglieder des Swiss German Club den selbstgebrauten Gerstensaft dann allerdings erst in schweizerischen Gefilden an einem nachfolgenden Anlass, wie es in der Einladung heisst. Es fragt sich allerdings, ob unsere Gäste nach der glückstrunkenen und bierseligen Heimkehr überhaupt wieder zurück in die Schweiz kommen wollen. Irgendwie scheint in dieser deutsch-schweizerischen Beziehung Hopfen und Malz verloren zu sein.