Schaffhauser Nachrichten
(cm)
Auch wenn den Jägern von einigen Tierschützern mordlüsterne Absichten unterstellt werden, an der diesjährigen Generalversammlung im Hombergerhaus am Freitag zeigte sich die Gemeinschaft von einer ganz anderen Seite. Den Frauen und Männern liegt die Natur am Herzen, sie sorgen sich um die Biodiversität und ein ausgeglichenes ökologisches Gleichgewicht. Ebenfalls wird mit dem gezielten Abschuss von zum Beispiel Wildschweinen versucht, Landschäden zu verhindern. Dennoch kam im vergangenen Jahr eine Rekordsumme an Schäden zusammen. Rund 111 000 Franken betrug die Schätzung, wie der für die Jagd zuständige Departementssekretär, Andreas Vögeli, verriet. Verantwortlich für die zusammengekommene Summe ist der Präsident der Wildschaden-Schätzungskommission, Markus Gysel: «Bei uns sind 200 Schadensmeldungen eingegangen, davon wurden 194 entschädigt.» Dies, obschon mit 626 Stück geschossenem Schwarzwild mehr als Doppelte geschossen wurde als im Jahr zuvor. Insgesamt liefen den Jägern ebenfalls 1400 Stück Rehwild und 145 Stück Sikawild vor den Lauf. Diese Tiere würden in grosser Menge vor allem dem Forst Sorgen bereiten, indem sie frische Sprossen fressen würden. Jedoch bestätigte auch Kantonsförster Bruno Schmid die gute Zusammenarbeit zwischen Forst und Jagd im Kanton Schaffhausen.
Vögeli informierte auch über die neue Regelung betreffend den Treffsicherheitsnachweis, welcher jeder Jäger jährlich zu erlangen hat. Erst mit diesem Nachweis kann beim zuständigen Amt ein Jagdpass bezogen werden. Für Diskussionsstoff sorgt momentan die Anwendung von Nachtsichtzielgeräten, welche auf der Basis eines Restlichtverstärkers funktionieren. Während einige Jäger glauben, damit den Tieren eine reelle Fluchtchance zu verwehren, sind andere fest überzeugt, damit genauere Treffer erzielen zu können. Jedoch redet das Gesetz Klartext. Laut Bundesgesetz ist deren Einsatz nämlich verboten, nur in Ausnahmefällen können die Kantone einzelne Bewilligungen ausstellen. Wie dies nun in Schaffhausen gehandhabt werden solle, sei noch in Abklärung, wie Vögeli erklärte.
**Nachwuchs auf Kurs**
Die Versammlung stand aber auch ganz im Zeichen des scheidenden Präsidenten Dani Leu. Für die viele Arbeit in den letzten Jahren dankte Stadtrat Peter Neukomm mit dem neuen Schaffhauser Pin, und Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf als oberste Jagdherrin im Kanton lobte Leu als guten Mediator. Um Worte war auch der Präsident des Fischereiverbandes, Alfred Springmann, nicht verlegen: «Dani hat viel gemacht, ich danke dir für die geleistete Arbeit.» Gemeint hat er auch das Bestreben, die Jagd zusammen mit anderen Partnern der Öffentlichkeit näher zu bringen. Als Ersatz für Leu wählte die Versammlung einstimmig Silvio Lorenzetti. Weiter wurde Ernst Peter Gloor zum neuen Vizepräsidenten und Lukas Niedermann als neues Vorstandsmitglied gewählt. Erfreulicherweise sei in Schaffhausen der Nachwuchs kein Problem, freute sich Dani Leu und konnte mit Samuel Gründler, Beat Hartmann, Roman Lapierre, Alan Lüthi, Benjamin Merk, Kilian Ott, Sandro Schawalder und Oliver Truninger acht erfolgreichen Prüfungsabsolventen den Zinnbecher überreichen. Mit grossem Applaus wurde der ehemalige Obmann Hundewesen, Karl-Heinz Gysel, in den Stand der Ehrenmitglieder erhoben. Als letzte Amtshandlung liess es sich Leu nicht nehmen, auf dem Saxofon die Jagdhymne «Zum Aser» zu blasen und Werbung für die Jagdhornbläsergruppe zu betreiben, eines seiner grossen Anliegen, wie er betonte.
**Wo das Jagdfieber heftig grassiert**
*Vom Prüfling bis zum erfahrenen Schützen standen die Schaffhauser Jäger an der GV für ihr Hobby ein.*
Von Christoph Merki
Meist unsichtbar, die Büchse am Anschlag und dem nächsten Tier auflauernd, setzen sich die Jäger für die Natur ein. Betreffend das Auflauern kann Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf zwar kein Jägerlatein zum Besten geben: «Aber ich war auch schon als Treiberin im Einsatz, das war schweisstreibend.» Zu den jüngeren Gästen gehörte Nathalie Homberger. Als Frau stach sie aus der eher männerdominierten Gesellschaft heraus. Neue Ideen möchte Lukas Niedermann in den Vorstand einbringen: «Ich freue mich, für meine Leidenschaft einen Beitrag im Rahmen der Vorstandsarbeit erbringen zu können.»
Eigentlich haben Christa Gasser und Sandra Werda mit dem Jagen und Schiessen nicht viel am Hut. Als aktive Mitglieder der Jagdhornbläser Munot haben die Musikerinnen einfach Freude an der Jagdmusik, als Treiberinnen seien sie jedoch auch schon im Wald herumgerannt. Peter Fuchs kennt das Metier genau, ist er doch seit 22 Jahren als Jäger unterwegs. Naturschutz und Jäger müssen sich einander allem nicht unbedingt feindlich gesinnt sein. Dies bestätigte ebenso die Anwesenheit von Raphael Zahner als Vertreter von Pro Natura Schaffhausen: «Ich wollte mal einen Einblick ins Jagdgeschehen bekommen und erfahren, was JagdSchaffhausen das Jahr hindurch so macht.» Der Meinungsaustausch und mit ihrer Stimme etwas zu bewegen, waren die Gründe für den Besuch der Generalversammlung von Mario Ehrat und Peter Schwaninger der Jagdgesellschaft Neunkirch. Da er Forstwart gelernt hat und Bauer ist, wollte Kilian Ott auch die Seite der Jäger kennenlernen und bekam an der GV zur bestandenen Prüfung den Zinnbecher. Verschmitzt zog Herbert Winzeler mit Blick auf die verstärkte Reglementierung der Jagd nach der Versammlung Fazit: «Je gescheiter man werden will, desto dümmer kommt es raus.»

Präsidial vereint zeigte sich die Jagddirektorin, Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf (M.), mit dem neu gewählten Präsidenten von JagdSchaffhausen, Silvio Lorenzetti (r.), und dem neuen Vize, Ernst Peter Gloor.

Sie gelten als Jungspunds in der Schaffhauser Jagdszene: Die Prüflinge Marco Rieser (l.) und Andi Hunziker.
Bilder Simon Brühlmann