Schaffhauser Nachrichten
von Mark Schiesser
«Alles für das Inventar erfassen und mit Nummern versehen», so lautete Anfang der Woche der Auftrag an die Spezialisten in Uniform mit weissen Handschuhen. Während im Rathaus die Mitarbeiter der Verwaltung ihren üblichen Geschäften nachgingen, hielt der Kulturgüterschutz Schaffhausen seinen Wiederholungskurs in Stein am Rhein respektive am selben Ort im riesigen Estrich und im «Steinbock», dem angrenzenden Gebäude hinter dem Rathaus, ab.
**Vor der Rathausrenovation**
Dort, wo seit mehr als 50 Jahren Kulturgüter, Schenkungen und historisches Material in Form von Akten, Büchern, Drucksachen und Bildern provisorisch untergebracht wurden. Wie zum Beispiel das Porträt des Steiner Chirurgen Rudolf Ulrich Krönlein († 26. 10. 1910), dessen Bürgerrecht immerhin auf sechs Generationen zurückführt. «Im Zuge der bevorstehenden Rathausrenovation muss alles geräumt und in ein Zwischendepot verschoben werden», erklärte Roman Sigg, Steiner Stadtarchivar und Einsatzleiter Kulturgüterschutz. Wie auch er hatten schon seine Vorgänger den Auftrag, herauszufinden, was mit der «Sammlung gelehrter Werke um die Jahrhundertwende» und den weiteren Gütern geschehen sollte. Der Zivilschutzeinsatz war ein erster Schritt, denn einiges konnte bisher in der Datenbank des Stadtarchivs noch nicht erfasst werden, und selbst der Steiner Stadtarchivar wurde überrascht von einigen Trouvaillen. Bereits Mitte der Woche zeigte sich anhand der bereits verpackten Bilder und gefüllten Kisten, welch ein Berg an Arbeit es zusammen mit Offizier Daniel Schmid vom Schaffhauser Amt für Militär und Zivilschutz und weiteren Zivilschutzpflichtigen zu bewältigen galt. Allein der Büchernachlass des 1911 verstorbenen Historikers Johannes Meyer mit unzähligen Schriftstücken und die Bibliothek Van Vleuten mit Tagebüchern, Akten und Fotoalben – er war Professor für germanisches Recht in Lausanne, interessierte sich für nordische Rechtsgeschichte und Philologie und hat der Stadt auch eine wertvolle Münzsammlung hinterlassen – füllten Seiten auf der Inventarliste. Die im Umgang mit Fotoausrüstung, wassergeschädigten Archivalien und dem richtigen Vorgehen bei der Inventarisierung ausgebildeten Spezialisten hatten alle Hände voll zu tun. Buch für Buch wurde auf einer Liste mit Autor und Kurztitel erfasst und nummeriert. Die zum Teil wertvollen Gemälde und Bilder wurden fotografiert, ebenfalls erfasst, sicher verpackt und alles zusammen konnte abtransportiert werden. Dies als Ziel des Kulturgüterschutzes, dafür zu sorgen, dass das kulturelle Erbe in bewaffneten Konflikten und in Katastrophenfällen möglichst unversehrt erhalten werden kann. Stadtarchivar Roman Sigg zeigte sich gestern zufrieden: «Meine Kollegen haben gute Arbeit geleistet. Über 50 volle Umzugskartons und zahlreiche gut verpackte Bilder und Gemälde sind nun in einem Schutzraum sicher zwischengelagert.» Und auch im Fall der beiden Bibliotheken zeichne sich in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur und dem Klostermusem St. Georgen eine Lösung ab.

Roman Sigg mit einem Porträt von Rudolf Krönlein
Bild Mark Schiesser