Schaffhauser Mappe Magazin 1/2013
Max Ruh
Geboren wurde Otto Jaag im Jahre 1900. Er wuchs zusammen mit zwei Brüdern in Beringen auf. Unter grossen Opfern ermöglichten die Eltern den intelligenten Knaben den Besuch der Kantonsschule. Der Wissenschaftler Ernst Kehlhofer begeisterte Otto Jaag für die Botanik. Weil für ein Studium das Geld fehlte, liess er sich als Lehrer ausbilden. Er unterrichtete während dreieinhalb Jahren an der Primarschule Beringen. Ein von zwei Gönnerfamilien zur Verfügung gestelltes Darlehen ermöglichte Otto Jaag dann aber ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Genf, das er mit einer Dissertation über die Biologie des Algenpartners in der Flechtensymbiose mit Erfolg abschloss.
An der ETH Zürich fand er 1929 eine Anstellung als erster Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut, wechselte aber nach drei Jahren an das Institut für spezielle Botanik. Hier entwickelte er bis zu seiner Ernennung 1952 zum Direktor der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) eine überaus erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit, die in vielen Publikationen ihren Niederschlag fand. Er habilitierte sich auf dem Gebiet der Hydrobiologie und Kryptogamenkunde und wurde 1941 zum Titular- und 1946 zum ausserordentlichen, 1963 zum ordentlichen Professor der ETH ernannt. 1937 führte ihn eine einjährige Forschungsreise nach dem damaligen Niederländisch-Indien.
Während der Kriegsjahre konzentrierten sich die wissenschaftlichen Arbeiten Otto Jaags speziell auf die Untersuchungen des Seegrundes der Schweizer Seen. Er wies den bedenklichen biologischen Zustand mancher Gewässer nach und legte damit die Basis für seinen über drei Jahrzehnte währenden Einsatz zugunsten des Wasserschutzes. Sein bevorzugtes Untersuchungsgebiet waren für ihn Rhein, Unter- und Bodensee. Als begnadeter Lehrer vermochte er seine Studenten auf unzähligen Exkursionen zu begeistern. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass 1949 eine Schweizerische Vereinigung für Gewässerschutz gegründet wurde, der Vertreter der Wissenschaft, der Wassserwirtschaft, der Hygiene und der Fischerei angehörten. Jaag stellte sich die Aufgabe, die Behörden und die Bevölkerung aufzuklären und sie von der Unerlässlichkeit eines allgemeinen Gewässerschutzes zu überzeugen. Unermüdlich warb er in unzähligen Vorträgen und Diskussionen überall für den wenig populären, weil kostspieligen Gewässerschutz.
Im Jahre 1948 wurden ihm die Organisation und die Durchführung des XI. Internationalen Kongresses für theoretische und angewandte Limnologie in Zürich übertragen. Der Kongress wurde zu einem vollen Erfolg. Jaag gründete und leitete viele Jahre die Föderation des europäischen Gewässerschutzes. Es war der Beginn seiner Expertentätigkeit in vielen internationalen Organisationen, vor allem in der Weltgesundheitsorganisation. 1955 wurde er Mitbegründer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Müllforschung, deren Präsident er bis 1970 war.
Der Bund beauftragte im Jahre 1952 eine unter seinem Vorsitz stehende ausserparlamentarische Kommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfs zu einem Verfassungsartikel und einem Bundesgesetz über den Gewässerschutz. 1953 stimmte das Schweizervolk dem Verfassungsartikel mit 81,4 Prozent zu, was weitgehend der Aufklärungsarbeit von Otto laag zu verdanken war.
Mit grossem Einsatz bemühte er sich um die Einrichtung einer Stiftung der Wirtschaft zur Förderung des Gewässerschutzes in der Schweiz, gedacht als eine Einrichtung zur Ergänzung der Aktionen der öffentlichen Hand. Gegründet wurde sie im Januar 1962. Zu den Aufgaben der Stiftung gehörte eine breit gefächerte Aufklärungsarbeit mittels populärer Artikel über das Wesen des Gewässerschutzes in all seinen Aspekten. Es wurden aber auch Stipendien an ETH-Studenten zum Weiterstudium in den USA gesprochen.
Nach seiner Ernennung zum Direktor des Eawag baute er das Institut zu einem international renommierten Zentrum aus, an dem Limnologen in Theorie und Praxis in Dübendorf und im Seeforschungslaboratorium in Kastanienbaum ausgebildet werden.
Sein Wirken, seine wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen erfuhren unzählige in- und ausländische Würdigungen und Ehrungen. Otto Jaag verstarb 1978 in Zürich.

Otto Jaag (1900-1978) setzte sich zeitlebens Für den Gewässerschutz ein.
Bild: Stadtarchiv Schaffhausen