«Ich kann ein gesundes Unternehmen übergeben»

Schaffhauser Nachrichten. Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Nach 29 Jahren im Dienst der Brauerei Falken scheidet der Schaffhauser Wirtschaftsanwalt Jürg P. Spahn aus dem Verwaltungsrat aus, dem er seit 1983 angehört und den er seit 1993 präsidiert hatte.
In den ersten Jahren seines Mandats als Verwaltungsrat hätten sich die Schweizer Brauereien noch in der wohlgeordneten Welt des Bierkartells bewegt, erinnert er sich, doch ab den Neunzigerjahren, während seiner ersten Jahre als Präsident des Verwaltungsrates, nachdem das Kartell gefallen war, begannen die Kräfte des freien Marktes zu spielen: Bis dahin «nie in Frage stehende Lieferverträge mit Restaurants wurden im Zuge eines verschärften Wettbewerbs plötzlich zum Spielball der Konkurrenz, es gab keinen ‹Heimatschutz› mehr, und die bis anhin stabilen Preise kamen massiv unter Druck.» So musste sich auch die Brauerei Falken auf die veränderte Situation im Biermarkt einstellen: Eine Welle von Brauerei-Übernahmen führte zu einer Konzentration der inländischen Marktteilnehmer, während gleichzeitig grosse internationale Player in die Schweiz drängten.
In der Folge führte Spahn einen Veränderungsprozess mit dem Ziel, das Unternehmen fit zu machen für den liberalisierten Biermarkt. Die wichtigsten Massnahmen betrafen den Produktionsbetrieb, den Ausbau der Marktpräsenz und die Kultur der Führung. «Bei der Brauerei haben wir den Betrieb produktiver gemacht und die Rentabilität des Getränkehandels gesteigert.» Neben einem neuen Erscheinungsbild habe «Falken» sein Absatzgebiet auch in Richtung des Grossraumes Zürich ausgeweitet: «Dieser liegt weniger nahe an der Landesgrenze und verfügt über zusätzliche Kaufkraft.» Die Einführung eines neuen Rechnungswesens als Steuerungs- und Führungsinstrument «verschaffte uns Klarheit darüber, wo wir Geld verdienen und wo nicht. So konnten wir unsere Mittel am richtigen Ort investieren, zum Beispiel in das kürzlich eröffnete Dosenkompetenzzentrum.» Im Bereich der Führung schliesslich sei es darum gegangen, ein Umfeld zu schaffen, welches «dem Management die gestalterischen Freiräume gibt, damit es erfolgreich sein kann.»
Die grösste Herausforderung seiner fast dreissigjährigen Mandatszeit sei gewesen, die Brauerei Falken als selbständiges, unabhängiges und eigenständiges Unternehmen zu erhalten: «Dass wir das geschafft haben, ist für mich eine grosse Befriedigung. Entscheidend für unseren langfristigen Erfolg war, dass wir als Unternehmen unsere Möglichkeiten und Grenzen realistisch einschätzten; und dass wir innerhalb dieser Grenzen agiert haben, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.» Heute, bei seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat, könne er seinem Nachfolger «ein vitales, wirtschaftlich gesundes Unternehmen mit Substanz» übergeben, welches Raum biete für neue, zukünftige Projekte: «Das Haus ist bestellt.»