Falken mit neuer Abfüllstrasse für Dosenbier

Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Rolf Fehlmann

Dieser Druck auf den roten Startknopf sei «ein Highlight» seiner Karriere, sagte Verwaltungsratspräsident Jürg P. Spahn gestern anlässlich der Eröffnung der neuen Abfüllstrasse für Dosenbier.

**Lohnfüllung für Brauereien**
Das symbolische Betätigen des Startknopfes markiert nicht nur die Inbetriebnahme ihres neuen Dosenkompetenzzentrums (wie Falken die Abfüllanlage offiziell bezeichnet) – die Schaffhauser Brauerei macht gleichzeitig einen wichtigen Schritt in ein Tätigkeitsfeld, das den Schweizer Biermarkt beeinflussen wird: «Dieses Dosenkompetenzzentrum steht im Lohnauftrag auch anderen unabhängigen schweizerischen Brauereien offen», sagte Spahn. Damit sei das Unternehmen in der Lage, eine steigende Nachfrage abzudecken, erläuterte er. Die Nachfrage nach Dosenbier sei nämlich «mit zweistelligen Zuwachsraten pro Jahr» gewachsen; und fast alle grösseren Brauereien seien auf diesen Zug aufgesprungen, auch Falken. Weil jedoch alle Abfüllanlagen für Dosenbier in der Schweiz von global agierenden Konzernen weitestgehend für deren eigenen Bedarf betrieben würden, seien die meisten unabhängigen Brauereien «mangels Abfüllmöglichkeiten im Inland gezwungen, ihre in der Schweiz gebrauten Biere im nahen Ausland in Dosen abfüllen zu lassen, zum Beispiel im süddeutschen Raum», so Spahn. Auslöser für den Gedanken, das Lohnfüllgeschäft als weiteres strategisches Standbein der Brauerei Falken auszubauen, war ausgerechnet der Wegfall des grossen Lohnfüllkunden Thurella, der 2010 seinen Betrieb einstellte. Mit ihrem Schritt ins Lohnfüllgeschäft mit Dosenbier für unabhängige Brauereien verschafft Falken diesen jetzt die Möglichkeit, ihre gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der Schweizer Landesgrenzen zu betreiben: «Swissness wird immer wichtiger, auch im Bewusstsein der Konsumenten», ist Spahn überzeugt, und darum strahle diese neue Anlage weit über die Region Schaffhausen hinaus: «Dieses Dosenkompetenzzentrum bringt Umsätze aus dem Ausland in die Schweiz zurück, es sichert Arbeitsplätze und zeichnet die Brauerei Falken als zukunftsgerichtetes Unternehmen aus.» Lediglich neun Monate nach dem Entscheid des Verwaltungsrates, die Anlage zu realisieren, laufe diese, und man habe alle gesteckten Ziele erreicht, berichtete Philipp Moersen, Vizepräsident des Verwaltungsrates. Im Zusammenhang mit dem Projekt habe man zusätzlich je eine Lehrstelle geschaffen für einen Logistiker und einen Lebensmitteltechnologen; und bei der Vergabe der Arbeiten für die bauliche Erweiterung seien, «wo immer möglich, Firmen aus der Region berücksichtigt worden». Von den sieben spezialisierten Lieferfirmen, die Komponenten für das Dosenkompetenzzentrum geliefert haben, stammen deren sechs ebenfalls aus der Schweiz. Noch bevor gestern der erste Dosen-Sixpack die Abfüllstrasse verliess, war die Auslastung der neuen Anlage bereits weit ins Jahr 2013 hinein gesichert: «Die Abfüllung von zehn Millionen Dosen ist bereits durch Verträge zugesagt, und weitere stehen kurz vor dem Abschluss», sagte Moersen.


**Dosenbier-Abfüllstrasse 15 000 Dosen pro Stunde in allen gängigen Grössen**

Das neue Dosenkompetenzzentrum der Brauerei Falken ist die einzige Abfüllstrasse für Dosenbier in der Schweiz, die nicht von den beiden Konzernen Heineken und Carlsberg betrieben wird und den unabhängigen Brauereien für das Abfüllen von Dosenbier zur Verfügung steht. Die technischen Daten der neuen Anlage sind beeindruckend: Unter Volllast kann sie 15 000 Dosen pro Stunde abfüllen. Während des Abfüllvorganges nehme das Bier höchstens 0,04 mg/l Sauerstoff auf, was äusserst wenig sei und ein Merkmal für die hohe Qualität darstelle, wie Falken betont. Neben den verbreiteten 50-cl- und 33-cl-Dosen können auch die kleineren 25-cl-«Slim Can»-Dosen befüllt werden. Auf der Anlage lassen sich 25 verschiedene Verpackungseinheiten verarbeiten; besonders gefragt ist die Fähigkeit, die Dosen in Schrumpffolie einzuschweissen, statt sie in Karton zu verpacken. (rf.)