Schaffhauser Nachrichten
Mark Liebenberg
Einen Weidling für alle – das hatten sich die Jungsozialisten gewünscht. In einer Volksmotion forderten sie die Stadt auf, ein «Weidlingssharing» anzubieten. Dafür solle die Stadt zwei der motorlosen Stocherkähne erwerben und über die Verwaltungspolizei an alle interessierten Personen vermieten. Und zwar für 20 Franken pro Tag für Jugendliche unter 25, für den doppelten Betrag für Personen über 25 Jahren. Die Ausgangslage, so Beat Steinacher (SP) sei, dass man heute gegen 30 Jahre Wartezeit für einen Weidlingsplatz am Rhein rechnen müsse. «Es ist klar, das ein Aufwandüberschuss resultieren würde», sagte Steinacher. Die Kosten seien aber vertretbar und sinnvoll, wenn man sie mit andere Ausgaben wie etwa Sportanlagen vergleiche. Sukkurs erhielten die Jungsozialisten auch von Iren Eichenberger (ÖBS). Weidlingsfahren sei ein Kulturgut, es handle sich also auch um eine Kulturfördermassnahme. Peter Möller (SP) plädierte ebenfalls für die Volksmotion – Detailfragen könnten fantasievoll gelöst werden, etwa in Zusammenarbeit mit dem Pontonierverein.
Dass der Teufel aber meist im Detail stochert respektive steckt, legte Stadträtin Jeanette Storrer dar. Die Anschaffungskosten für zwei Weidlinge bezifferte Storrer auf rund 30 000 Franken, dazu kämen Unterhaltskosten, Betreuungs- und Verwaltungsaufwand in unbekannter Höhe. Bootsvermietung und -bewirtschaftung sowie das Anbieten eines Einführungskurses, wie die Motion ebenfalls forderte, gehöre nicht gerade zu den Kernaufgaben der Stadt. Die bürgerliche Seite im Rat betonte, diese Mehrausgaben seien schwer vermittelbar, gebe es doch bereits heute unzählige Fahrgemeinschaften auf privater Basis sowie private Bootsvermieter. «Väterchen Staat sollte wirklich nur anbieten, was Must-Have ist», meinte Georg Merz (ÖBS). Jeder könne beim Pontonierverein das Weidlingsfahren erlernen, befand auch Beat Brunner (EDU). Walter Hotz (parteilos) hatte für die jungen Sozialisten gar den Rat übrig: «Zeigen Sie einmal selbst Initiative, statt alles dem Staat zu übertragen.»