Politik, eine Familienangelegenheit

Schaffhauser Nachrichten, Region
Robin Blanck

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wenige mächtige Familien «ratsfähig» waren und damit überhaupt Zugang zur politischen Macht hatten. Die hart erkämpften demokratischen Strukturen ermöglichen es heute, dass die Mitbestimmung auf viele, von den Stimmberechtigten gewählte Schultern verteilt wird.

**Zweimal FDP, einmal Jungfreisinn**
Aber natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Stimmberechtigten einzelnen Familien mehr Einfluss einräumen: In der Stadt Schaffhausen etwa hat derzeit keine andere Familie so viel politische Mitbestimmung wie die Familie Hauser. Mit Vater Thomas Hauser und Mutter Katrin Hauser hält die Familie zwei Sitze im Grossen Stadtrat für die FDP. Der 25-jährige Sohn Res Hauser ist nach einem Rücktritt ebenfalls in den Grossen Stadtrat nachgerückt, allerdings für den Jungfreisinn. Das heisst: Zumindest auf dem Papier vereinigt die Familie ein Zwölftel oder 8,3 Prozent der Stimmen des Grossen Stadtrates – nicht eingerechnet ist das Kantonsratsmandat, das Vater Thomas auch in der kommenden Legislatur innehat. Weil Res Hauser aber Mitglied der bürgerlich-liberalen Fraktion ist und damit nicht in derselben Fraktion wie die Eltern sitzt, wird nicht immer gleich abgestimmt. «Es gibt schon viele Diskussionen, aber wir respektieren die Meinung der anderen – das ist für mich die Hauptsache», sagt Katrin Hauser-Lauber. Zudem bleibe man bei solchen Debatten nicht stur, «diese Gespräche erweitern den Horizont», sagt die dreifache Mutter. Wenn es um Grundsatzfragen geht, dann wird auch mal länger diskutiert, und oft wird dabei auch mit dem Ursprung der FDP als liberaler Kraft argumentiert: «Da kann es schon sein, dass ich zugunsten der Partei vielleicht etwas zurückhaltender bin», sagt Hauser-Lauber und betont, «aber bei Themen, die mir am Herzen liegen, gebe ich nicht nach.» So etwa bei der Rhybadi-Vorlage, welche sie und der Sohn ablehnten, der Vater aber unterstützte. Zuweilen nehmen die politischen Debatten auch zu viel Platz ein, «da müssen wir manchmal die Politik einfach beiseitelegen», sagt Hauser-Lauber. Die Politisierung der Jungen (auch die Tochter hat für den Kantonsrat kandidiert) hat über die Gespräche der Eltern stattgefunden, klassisch, beim Mittagessen. Dass Vater, Mutter und Sohn im Stadtparlament sitzen, wurde miteinander schon öfter diskutiert, als problematisch wurde diese Situation aber nicht eingeschätzt. Und: Ja, man wähle sich gegenseitig, «wir wählen alle, die wir mögen und für fähig halten – dazu gehört halt auch die Familie.»

**SP und zweimal Juso**
Einen ganz ähnlichen Einfluss dürfte das Elternhaus auch bei der Familie Fürer gehabt haben: An den Abstimmungssonntagen durften die Kinder Seraina (22) und Casimir (18) zu Hause keinen Lärm machen, denn die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde am Radio mitverfolgt. An diesen Umstand haben sich aber nicht etwa die Eltern erinnert, die der Meinung waren, dass politische Debatten nicht besonders oft stattgefunden hätten, sondern die Kinder: «Das mit dem ruhig sein, haben sie uns kürzlich erzählt, als wir auf die Politisierung zu sprechen kamen», erinnert sich Vater Urs Fürer, der bereits für die SP im Grossen Stadtrat sitzt und erneut kandidiert. Gleichzeitig treten diesmal aber auch seine beiden Kinder an, dies allerdings auf der Liste der Jungsozialisten. Tochter Seraina sogar auf dem 1. Listenplatz; aber weil sie bereits für die kommenden vier Jahre in den Kantonsrat gewählt wurde, würde sie die Wahl aus zeitlichen Gründen nicht annehmen. Denn zu tun hat die Studentin genug, immerhin sitzt sie in der Geschäftsleitung der Juso Schweiz. Für Politik zu interessieren begann sich die Tochter noch bevor die Eltern aktiv politisierten, «ich erinnere mich noch, wie sie mit vierzehn Jahren zwei Tragtaschen voller Ordner heimbrachte und sagte: Ich bin Präsidentin der Juso.» Zuerst hat er ihr davon abgeraten, «doch sie hat sich nicht abbringen lassen. Mit drei Mitgliedern hat sie angefangen und die Partei wieder hochgebracht», sagt der Vater nicht ohne Stolz. Über die Schwester sei dann auch der jüngere Bruder in Kontakt mit der Politik gekommen und konnte sich dafür begeistern, er rangiert auf dem dritten Listenplatz. Obwohl die Juso letztlich für die SP bei den Wählern durchaus zur Konkurrenz werden könnten, sieht Urs Fürer die Situation gelassen: Egal, ob SP, Juso oder AL, politisch finde man sich. Fürer: «Ich bin einfach froh, dass meine Kinder nicht beim Jungfreisinn oder bei der Jungen SVP sind, denn damit hätte ich schon Mühe.»


**Familienangelegenheit Eine kleine SN-Wahlserie**

Am 28. Oktober wählen die Stimmberechtigten der Stadt Schaffhausen den Grossen Stadtrat für die kommenden vier Jahre. Unter den 209 für die 36 Sitze Antretenden finden sich auffällig viele Kandidatinnen und Kandidaten, die jeweils miteinander verwandt sind. Das haben die SN zum Anlass genommen, in einer kleinen Serie vor den Wahlen verschiedene Politikerfamilien der Stadt vorzustellen. Den Auftakt machen wir heute mit den beiden Familien Hauser und Fürer, die bereits mehrere politische Ämter halten. (rob)



Liberalem Gedankengut verpflichtet: Während Vater Thomas und Mutter Katrin Hauser der FDP angehören, politisiert Sohn Res für den Jungfreisinn.
Bild Simon Brühlmann