Schaffhauser Nachrichten, Region
Christoph Merki
Entspannung pur in der ersten Klasse des «Vol de Nuit» nach Rom. Verdient geniesst Beat Schnurrenberger die am Fenster vorbeiziehenden Wolken und das erfrischend sprudelnde Cüpli im originalen Flugzeugsitz. Im vierten Stock des Neubaus kommt fast schon das Gefühl grenzenloser Freiheit auf. Charmant bewirtet von Larissa Scheuermeier und Stephanie Baumann, geniessen ebenso Charlotte Ackermann und Bettina Schlick den halbstündigen Flug. «Wir bekommen wahnsinnig feines Essen», loben sie die Boardküche der Klasse 2mc. Ganz so idyllisch zeigt sich das Kantifest aber nicht überall. Vielmehr erwartet die Besucher, vielfach ehemalige Schüler, ein internationales Kunterbunt. Nicht nur die zum Teil liebevoll gebastelte Dekoration, auch die angebotenen kulinarischen Köstlichkeiten lassen die Gäste an verschiedenen Destinationen des Globus innehalten. Ein Hingucker sicherlich der original englische Doppelstockbus – mit Guinnessausschank, versteht sich.
**Ein Schnupf auf die alten Zeiten**
Um Kundschaft werbend, lässt sich die männliche Gilde der Klasse 3na etwas einfallen. Animierend tanzen sie für ihre Karaokebar. Für viele Besucher jedoch weckt der Gang auf den Emmersberg vor allem alte Erinnerungen. «Ich habe wie früher den Einer-Bus genommen und bin die Treppe hinauf zur Kanti gelaufen», zeigt sich Marco Torsello fast schon nostalgisch. Auch sei es interessant, die eigenen Schüler wieder zu treffen und von ihren Zukunftsplänen zu erfahren. Überschwänglicher die Reunion der letzten 5wa. Als hätten sie erst gestern noch die Schulbank gedrückt, darf ebenso ein Schnupftabak auf die alten Zeiten nicht fehlen. «Es ist super, hier werden alte Erinnerungen wach», strahlt Nicole Schnetzler. Ein Erlebnis ist der alle vier Jahre stattfindende Festanlass in den Mauern des Wissens aber auch für die Schüler selbst. «Die Zusammenarbeit ist grossartig», lobt Lehrerin Susanne Bernhard, «die Schüler geben vollen Einsatz.» Mit frischem Sushi und asiatischer Zimmerausstattung kommen so auch die Liebhaber fernöstlicher Gaumenfreuden auf ihre Kosten.
**Börsenspiele um Getränkepreise**
Ideenreich ebenso die «Wall Street Bar», welche die Preise der Drinks der Nachfrage anpasste. Gute Broker konnten sich so zwar nichts Bares ergattern, wohl aber mehr Prozente zu tieferen Preisen. Leckere Muffins und verführerische Kuchen laden bei der Klasse 3fa zum Verweilen im Wunderland von Alice ein. Beliebt bei den frühen Besuchern ist vor allem das asiatische Restaurant. Mit Bami Goreng und Nasi Goreng – auch als Take Away erhältlich – stärken sich viele Besucher vor dem Erkunden der 27 dekorierten Zimmer. Nebst kulinarischen Höhenflügen lohnt sich ebenso ein Innehalten in der Aula. Konzerte von Jazz über Blues bis hin zu Vokalensembles verwöhnen die Festbesucher auch mit akustischen Leckerbissen. Eigentlich reicht die Zeit gar nicht aus, um die vielen Eindrücke und Begegnungen wirklich geniessen zu können. Dennoch sind sich die meisten einig: Ein Kantifest ist jedes Mal wieder ein Highlight.
**Erinnerungsträchtige Schauplätze Ehemalige Schülerinnen und Schüler denken an kleine Anekdoten zurück**
**Tagsüber Malheure, nachts auf der Munotwiese**
Mit dem voll beladenen Tablett in der Mensa hat man sich das Horroszenario vielleicht schon einmal ausgemalt: Was, wenn man das Mittagessen aus Versehen fallen lässt? Hannah Kwasnicki ist diese Art von Malheur in einer originellen Variante geschehen. «Damals war ich ein so genanntes Gmües, also eine Erstklässlerin», erzählt sie. «Auf dem Tablett befand sich unter anderem eine Fantaflasche, die mir runterfiel. Auf dem Boden ging der Verschluss genau so fest auf, dass die gelbe Flüssigkeit rausspritzte. Die Flasche begann sich dadurch zu drehen, spritzte und schäumte – eine Riesensauerei. Einige begannen zu klatschen. Mir aber war es megapeinlich, vor allem als Erstklässlerin! Also hab ich einfach so getan, als wäre nichts passiert. Die Erinnerung an dieses peinliche Erlebnis in der Mensa bleibt bis heute.»
Ein Erlebnis auf der Munotwiese hatte Miriam Barner. Freunde der ehemaligen Kantischülerin feierten ihren Schulabschluss; zur After-Party ging es auf die Munotwiese. «Wir haben spontan dort übernachtet, etwa zwanzig Leute», erinnert sich Barner, die damals noch nicht zu den Abschliessenden gehörte. «Einige von uns, darunter ich, mussten am nächsten Tag direkt in die Schule. Im Unterricht bin ich eingeschlafen.»
Lehrer Urs Walter bringt vor allem mit der Turnhalle Denkwürdiges in Verbindung. «Unser Sportlehrer begrüsste uns jeweils mit der Frage: Wollt ihr Fussball, Volleyball oder Unihockey? Andere Spiele gab es nicht zur Auswahl», schildert Walter. Fünf Jahre lang musste sich die Klasse zwischen den drei Möglichkeiten entscheiden. «Am Morgen wählten wir gern Volleyball, dann mussten wir danach nicht duschen. Zur Mittagszeit, wenn wir uns bewegen wollten, wählten wir Fussball. Erst wenn’s draussen richtig heiss war, entschied sich unser Lehrer für Abwechslung: Dann mussten wir unter der Sommersonne auf der Tartanbahn rennen.»
Die beiden Exkantischülerinnen Anna-Lena Rusch und Jonna Tschannen verbinden mit einem Schulzimmer im Neubau ungewöhnliche Perspektiven. «Unsere Deutschstunden fanden in einem Raum statt, der den Blick über ganz Schaffhausen zuliess», erzählen Rusch und Tschannen. «In der Pause spielten wir ein Spiel, das wir ‹Schaffhausen auf dem Kopf› nannten: Hierfür lehnten wir uns rücklings auf den Fensterrahmen und besahen uns die Stadt aus dieser Perspektive. Das machte wach, war amüsant und gab uns wieder Energie für die nächste Deutschstunde.» Umso trauriger waren die beiden beim Besuch es Zimmers am diesjährigen Kantifest: Das erinnerungsträchtige Deutschzimmer wurde zu einem Kopierraum umfunktioniert.

Herzliche Umarmungen zur Begrüssung vor dem original englischen Doppelstockbus auf dem Pausenplatz im Kantiareal auf dem Emmersberg.

Beat Schnurrenberger lässt sich von den zwei Stewardessen Larissa Scheuermeier (r.) und Stephanie Baumann auf dem Flug nach Rom kulinarisch verwöhnen.

Mit charmantem Lächeln und imposantem Sombrero bewirten Naomi Dünki und Aleyna Ekinci (r.) von der 2mb die Gäste in mexikanischer Manier.
Bilder Selwyn Hoffmann