Schaffhauser Nachrichten, Region
Tanja Bircher
Mit dem Wort Ferien assoziiert man Nichtstun, schlafen, ausgehen, reisen und relaxen – aber sicher nicht arbeiten. Dennoch tun dies viele Schüler und Studierende, um ihr Erspartes aufzustocken oder eben um sich anschliessend einige der oben erwähnten Aktivitäten leisten zu können. Bojana Milosevic ist eine von ihnen. Sie arbeitet während vier Wochen bei der Brauerei Falken. «Meine Hauptaufgabe ist es, das Leergut zu sortieren», sagt die 19-jährige Schaffhauserin. Der Tag beginnt um 6.45 Uhr und dauert bis um halb fünf. «Während der ersten Tage hatte ich Muskelkater», gibt Milosevic zu. Es sei harte Arbeit. Das Leergut kommt am Morgen an, «alles durcheinander», sagt sie. Sie sortiert dann die richtigen Flaschen in die richtigen Harasse. Wenn ein Harass voll ist, kommt er auf eine Palette, und wenn diese voll ist, wird sie mit der sogenannten Ameise nach draussen transportiert. «Mein tägliches Highlight ist, wenn ich eine Palette gefüllt habe und sie rausbringen kann», sagt Milosevic und lacht. Bei diesem Job freue man sich über Kleinigkeiten, die einem im Alltag gar nicht auffallen würden.
**Für Reisen und Konto**
Bojana Milosevic hat bereits letztes Jahr bei der Brauerei Falken einen Ferienjob angenommen. «Es hat mir gefallen, und ich verdiene gut», sagt sie: 20 Franken pro Stunde und das während vier Wochen. «Ich komme etwa auf 3000 Franken.» Vor Kurzem hat Milosevic die Matura abgeschlossen und will sich jetzt «ein bisschen etwas dazuverdienen – für eine Reise und das Sparkonto.» Im September beginnt sie mit dem Publizistik-Studium. Milosevic empfindet die Arbeit im Lager als willkommene Abwechslung. «Es ist mal etwas anderes, als immer über den Büchern zu grübeln», sagt sie. Jeden Morgen früh aufzustehen und den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, sei allerdings gewöhnungsbedürftig.
**Absagen von allen Seiten**
Das gelte auch für die Umgangsformen der Männer. «Ich bin eine der wenigen Frauen im Lager und die Sprache unter den Jungs nicht gewöhnt», sagt sie. Von Respektlosigkeit will sie jedoch nichts wissen. Man behandle sie sehr anständig, es sei einfach ein anderes Klima. Milosevic hatte sich an verschiedenen Orten mit der Anfrage für einen Ferienjob gemeldet. Doch es hagelte Absagen. Restaurants suchen nur Serviceangestellte mit Erfahrung. «Aber wie soll man Erfahrung sammeln, wenn man nirgends eine Chance bekommt?» McDonalds bietet keine Ferienjobs an, Manor auch nicht, die Post und viele andere Firmen nur vereinzelt (siehe Kasten).
**Rarität: Wenige Firmen bieten Schülern und Studenten die Möglichkeit, in den Ferien zu arbeiten**
**Migros** «In diesem Sommer haben wir in Schaffhausen die spezielle Situation, dass die Filiale in der Vorstadt während der Sommermonate zwecks Umbau geschlossen ist. Die Mitarbeitenden arbeiten zu einem wesentlichen Teil in den weiteren Filialen der Region, wodurch wir in diesem Sommer ausnahmsweise keine Ferienjobs vergeben können», sagt Andreas Bühler, Leiter Kommunikation, Kulturprozent und Sponsoring.
**Coop** «Coop bietet auf Anfrage immer wieder Ferienjobs an. Das Angebot ist abhängig von Kapazitätsengpässen und kurzfristigen Ausfällen. Offiziell ausgeschriebene Stellen für die Sommerferien gibt es keine. Die Anfragen der Jobsuchenden werden individuell und situativ behandelt. Die Jobs richten sich in erster Linie an Schüler und Studenten mit einem Mindestalter von 15 Jahren. Weitere Voraussetzungen sind, engagiert, zuverlässig und flexibel zu sein. Bei den Ferienjobs handelt es sich vor allem um Arbeiten in der Verkaufsstelle (Regale auffüllen, Bedienung an der Kasse bei Einsätzen von mindestens drei Wochen) oder in der Logistik (Kommissionierung). In der Verkaufsstelle am Fronwagplatz in Schaffhausen arbeiten diesen Sommer mehrere Aushilfskräfte», so Markus Brunner, stellvertretender Leiter PR und Sponsoring Ostschweiz.
**Georg Fischer** «Am Standort Schaffhausen bieten wir nur sehr vereinzelt Ferienjobs an. Diese werden normalerweise ausschliesslich an die Kinder von Mitarbeitenden vergeben. Die Arten der Arbeiten sind unterschiedlich, das hängt vom Interesse des Schülers, aber auch vom Arbeitsanfall in einzelnen Abteilungen ab», sagt Beat Römer, Leiter Externe Kommunikation.
**Post** «Wir bieten nur vereinzelt Ferienjobs an. Das hat mit der Automatisierung und Spezialisierung in vielen Bereichen zu tun. Um die Schüler einzuarbeiten, reicht die Zeit meist nicht. Ausserdem ist im Sommer das Volumen der Zustellung und Sortierung sehr tief», so Mediensprecher Bernhard Bürki. (tab)