Gönner und Zugewandte der Kantonsschule Schaffhausen

Bulletin der Kantonsschule Schaffhausen, Nr. 33
Alessio Procopio v/o Azzurro

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden nach dem Vorbild von Studentenverbindungen in der ganzen Schweiz Mittelschulverbindungen. Die Mitglieder kennzeichnen sich durch das Tragen der Verbindungsfarben, im Falle der Scaphusia! blau-weiss-blau, und durch das Verwenden eines «Cerevis», eines Rufnamens, dessen Verleihung den Beginn eines neuen Lebensabschnitts symbolisiert.
Die Scaphusia! ist eine der ältesten Mittelschulverbindungen der Schweiz. Gegründet 1858, kann sie auf eine lange und reiche Geschichte zurückblicken und findet bis heute ihre Mitglieder. Sie war stets ein fester Bestandteil der Kantonsschule, auch wenn das Verhältnis nicht immer ohne Spannungen war. Zwei Mal wurde die Scaphusia! von der Schule suspendiert. Umso mehr wissen die heute aktiven Scaphusianer das gute Verhältnis zur Schulleitung zu schätzen.
Die Aktivitas setzt sich heute aus fünf Kantonsschülern verschiedener Klassen zusammen. Dazu kommen drei Maturanden. Dieser Kreis ist im historischen Vergleich eher klein, aber wir haben guten Grund zur Annahme, dass dieser Kreis bald wachsen wird.
Unter Aktivitas versteht man die Scaphusianer, die noch die Kantonsschule besuchen. Sie wählen aus den eigenen Reihen einen Vorstand, der für die Organisation der Anlässe, für die Kassenführung und für das Gewinnen neuer Mitglieder zuständig ist. Der Vorstand setzt sich heute zusammen aus:
Leo Häggi v/o Simba (Präsident): Sein Hobby ist die Knabenmusik.
Alessio Procopio v/o Azzurro (Aktuar): Sein Hobby ist die Fischerei.
Tobias Sulzberger v/o Quell (Quästor): Im Rahmen der Maturité bilingue absolvierte er im vergangenen Schuljahr einen Austausch in Lausanne.
Die Aktiven sind der Garant für das Fortbestehen der Verbindung und haben eine grosse Verantwortung zu tragen. Der Präsident stellt das Quartalsprogramm zusammen, das auch für künftige Scaphusianer, sogenannte Spefuxen, sowie auch für die «Alten Herren» möglichst attraktiv sein muss. Der Aktuar koordiniert die Spefuxenwerbung, die den Nachwuchs der Schaphusia! sicherstellen soll. Der Quästor stellt die Quoten (Rechnungen) aus, nicht nur für die Aktiven, sondern auch für die Altherrenschaft. Die Gesamtheit der Burschen und Fuxen hauchen den Anlässen Leben ein.
Zusammen mit «Alten Herren», ehemaligen Kantonsschülern, die der Verbindung ein Leben lang angehören, trifft sich die Aktivitas jeden Samstag in der «Bude» im Restaurant Falken zu einem geselligen
Abend. Am Ablauf zeigt sich die Bedeutung der Devise der Scaphusia! «litteris et amicitiae» (der Wissenschaft und Freundschaft gewidmet):
Der erste Teil dient der wissenschaftlichen oder kulturellen Horizonterweiterung. Konkret handelt es sich dabei vor allem um Vorträge oder Museums- und Theaterbesuche. Hier können wir auf den reichen Wissens- und Erfahrungsschatz der «Alten Herren» zurückgreifen: Viele nehmen gerne die Gelegenheit wahr, anderen Scaphusianern aus ihrem Berufs- oder Studiengebiet ein besonders spannendes Thema näherzubringen.
In jüngster Vergangenheit begeisterte zum Beispiel Eugen Haltiner v/o Chanel mit einem öffentlichen Vortrag über seine Arbeit als Präsident der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, weitere Höhepunkte waren der Besuch des Theaters «Stuffed Puppet Theatre» in der Kammgarn sowie die Führung durch das Landesmuseum von unserem Farbenbruder Felix Schwank v/o Schärbe.
Auch in naher Zukunft erwarten uns spannende Anlässe wie der Vortrag des Kantonsschullehrers Martin Ramsauer über Myanmar (ehemals Burma). Geplant sind auch verschiedene Stämme auf dem Weidling der Scaphusia! sowie ein Weidlingskurs für Spefuxen. Zudem sind wir im Sommer traditionellerweise zu Gast an den Munotbällen.
Der zweite Teil eines Abends in der Scaphusia! ist der Geselligkeit gewidmet. Hier lassen wir den Abend beim Bier ausklingen und feiern nach einem studentischen «Comment». Dies bietet Gelegenheit, mit Vertretern anderer Studienrichtungen, Berufen und Generationen in Kontakt zu kommen, neue Freundschaften zu knüpfen und bestehende zu vertiefen. Gerade der Austausch mit älteren Semestern ist besonders wertvoll und bietet die heutzutage seltene Gelegenheit, Freundschaften zu schliessen, die Generationen überwinden.
Den Verbindungen wird oft vorgeworfen, es gehe allen Mitgliedern lediglich um Alkoholexzesse. Wir sind zweifellos keine Kinder von Traurigkeit, im 1. Akt des Abends werden allerdings generell keine Getränke ausgeschenkt, im 2. Akt kann jeder selber bestimmen, ob und wie viel er trinkt.
Wer einmal einen Abend mit der Scaphusia! erlebt hat, erkennt, was die Scaphusia! ausmacht: Kulturelle Beiträge, der Kontakt zwischen den Generationen und Freundschaften, die ein Leben lang erhalten bleiben!


**Glossar**
Altherr: Am Weihnachtscommers nach bestandener Matur werden Burschen in den Altherrenverband aufgenommen.
Bursche: Nach dem Fuxentum wechselt man ins Burschentum hinüber, dem man in der Regel bis zur Matur angehört.
Cerevis: Name, den man nach Eintritt in die Scaphusia! erhält, der ein Mitglied in verschiedenen Hinsichten charakterisiert. Bestes Beispiel ist der Cerevis Klex von Herrman Rohrschach, der den Rohrschachtest entwickelt hat.
Comment: Hat den Zweck die Ordnung am Biertische aufrecht zu erhalten und die Fidelität der Scaphusianer zu erhöhen.
Fuxe: Nach dem Eintritt in die Scaphusia! ist jeder Neue in der Regel 2 Semester lang Fuxe.
Spefuxe: Ein Schüler der Kantonsschule, der die Scaphusia! besucht.