Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler
Die Kantonsschule ist für jeden Schüler ein prägender Ort. Manche finden hier ihre erste grosse Liebe. Andere stellen die Weichen für ihre berufliche Zukunft. Für Matthias Frick war seine Zeit an der Kantonsschule Schaffhausen wesentlich für seine politische Entwicklung. Deshalb hat der Regierungsratskandidat der Alternativen Liste die Schule als Anfangspunkt unserer kleinen Reise durch die Region gewählt. Sie soll uns an Orte führen, die wichtige Wegmarken für ihn sind.
«Ich bin schon vor der Kanti politisiert gewesen», sagt Frick, als wir uns auf ein Mäuerchen mit Blick auf die Stadt setzen. «Aber hier wurden mir die Augen geöffnet für Zusammenhänge auf der Welt, die ich vorher nicht gesehen hatte.» Besonders der Geografielehrer, Herr Jud, hatte es dem Schüler angetan. Die Umwelt war im Unterricht ein Thema, die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens. «Ich erkannte, wie wichtig Ökologie und Nachhaltigkeit sind», sagt Frick. «Erstaunt war ich nur, dass das nicht alle in meiner Klasse so sahen wie ich.»
**Scaphusia: Frick v/o Labor**
Während der Kantizeit trat er auch der Mittelschulverbindung Scaphusia bei. Ein Linker in einer Verbindung? «Die Scaphusia ist apolitisch», sagt Frick. «Viele Mitglieder sind aber politisch engagiert, auch in der Linken.» Florian Keller, wie Frick ein Gründungsmitglied der Alternativen Liste, ist ein Farbenbruder – und zusammen sitzen sie im Kantonsrat. In der Scaphusia erhielt Frick den Vulgo «Labor». «Arbeit, Mühe», übersetzt er. «Das passt gut zu mir. Ich kann in meiner Freizeit nicht nichts machen, bei mir muss immer etwas laufen.» Seit 2006 studiert Frick Geschichte und Politologie an der Universität Zürich. Zu 40 Prozent arbeitet er im Staatsarchiv (siehe auch Kasten oben rechts). Die Saat für Fricks politisches und ökologisches Engagement wurde in seiner Familie ausgebracht. Die Mutter hat jeweils Fair-Trade-Produkte gekauft, der Vater war in der Gewerkschaft VPOD aktiv und kandidierte mehrmals auf der SP-Liste. «Er nahm mich an 1.-Mai-Umzüge mit, auf dem Rücken trug er eine batteriebetriebene Sirene», erinnert sich Frick. Sein vielleicht erstes politisches Erlebnis waren die Demonstrationen im Zusammenhang mit der GSoA-Initiative gegen den Kauf neuer Kampfflugzeuge. Das war 1993, er war damals acht Jahre alt. Heute ist Frick sowohl im VPOD wie auch in der GSoA Mitglied. Wir nehmen die S-Bahn nach Hüntwangen-Wil. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sei für den Kanton Schaffhausen zentral, sagt der GA-Besitzer. Ihn stört aber, dass Strassen und öffentlicher Verkehr gleichberechtigt ausgebaut werden sollen. Nachhaltig sei das nicht. Der ÖV müsse viel stärker gefördert werden. Vom Perron aus sieht man in der Ferne die Bauarbeiten für den Ausbau auf Doppelspur. Sind wir deshalb hier? «Ja, aber nicht nur», sagt Frick. Von Hüntwangen-Wil aus nimmt er jeweils den Zug nach Zürich, wo er studiert und unter der Woche lebt. Das machen viele Pendler aus dem Klettgau so. Die meisten fahren mit dem Auto zum Bahnhof. Auch Matthias Frick. Den Ausbau des ÖV zu fördern und gleichzeitig Auto zu fahren, ist für ihn kein Widerspruch. Er sieht das pragmatisch: «Die Fahrt mit dem Zug via Schaffhausen dauert anderthalbmal so lang und ist nur einmal in der Stunde möglich.» Wenn der Halbstundentakt komme, werde er mit Sicherheit häufiger den Zug nehmen. Oder, wie er schelmisch anfügt, «wenn es einen Eisenbahntunnel zwischen Erzingen und Hüntwangen gäbe». Auf dem Parkplatz des Bahnhofs steht ein VW Passat, Baujahr 1991. «Der hat 402 000 Kilometer», sagt Frick nicht ohne Stolz, «und verbraucht 7 Liter auf 100 Kilometer». Wir fahren über den Berg nach Trasadingen zu seinem Elternhaus. In Trasadingen ist Frick aufgewachsen, hier ist seine Heimat. «Ich bin kein Nationalpatriot», sagt er. «Aber ein Lokalpatriot.» Kann er sich auch vorstellen, in Trasadingen politisch tätig zu werden, ein Gemeinderatsamt zu übernehmen? «Das ist derzeit kein Thema. Der jetzige Gemeinderat macht seine Sache sehr gut.» Frick öffnet das Garagentor. Auf einer Hebebühne steht das Skelett eines Volvo Amazon, Baujahr 1968. Er hat das Coupé in Deutschland gekauft, für 200 Euro, und eigenhändig von der deutschen Grenze nach Trasadingen geschoben. Jetzt restauriert er den Wagen. Auch das ist eine Form von Nachhaltigkeit.
**Realistische Erwartungen**
Wir gehen zum Bahnhof Trasadingen. Bald kommt der Zug zurück nach Schaffhausen. Würde Matthias Frick in den Regierungsrat gewählt, würde sein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Wird es so weit kommen? «Bei den letzten Wahlen waren die Bürgerlichen zerstritten, die SP führte eine grosse Kampagne mit einem sehr guten Kandidaten. Und trotzdem wurde der FDP-Vertreter gewählt», sagt Frick. «Jetzt stehen FDP und SVP Schulter an Schulter, und der einzige Gegner ist ein 25-jähriger Student von der Alternativen Liste. Es wird schwierig werden.»
**Matthias Frick Student und Kantonsrat**
Persönliches. Matthias Frick, Jahrgang 1985, wuchs in Trasadingen auf und besuchte in Schaffhausen die Kantonsschule. Nach einem Zwischenjahr begann er 2006 an der Universität Zürich ein Studium der Geschichte und der Politologie. Frick arbeitet als Werkstudent mit einem Teilzeitpensum im Staatsarchiv Zürich in der Aktenerschliessung. Frick ist Mitglied der Gewerkschaft VPOD, der GSoA, von Klar! Schaffhausen, des VCS, der Scaphusia und von Pro Specie Rara. Politisches. Matthias Frick wurde bereits im Elternhaus politisiert. Er ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste und wurde im Herbst 2008 für den Wahlkreis Klettgau in den Kantonsrat gewählt. Frick setzt sich speziell für die Verkehrs- und Energiepolitik ein und engagiert sich in den entsprechenden Spezialkommissionen des Kantonsrats.