Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Robin Blanck
Altersgerechtes Wohnen ist – die Demografie befiehlt es – ein Bedürfnis: Das soll es nun an schönster Lage auch auf dem Emmersberg geben, denn die Künzle-Stiftung will in der ehemaligen Künzle-Villa vier Alterswohnungen einrichten und auf dem benachbarten Grundstück weitere elf Wohneinheiten in einem Neubau erstellen. Gestern wurde das Baugesuch eingereicht; wenn es zu keinen Verzögerungen kommt, könnten die Gebäude im Herbst 2011 bezogen werden.
**Anspruchsvolle Gestaltung**
Wie Kurt Baader, Präsident der Künzle-Stiftung, erläuterte, sei die Idee durchaus nicht neu: Als vor fünf Jahren klar war, dass das Künzle-Heim saniert werden müsste, wollte die Stiftung die Arbeiten angehen und zugleich Alterswohnungen erstellen. Damals kam die Stadt zu einem anderen Ergebnis: Die Stiftung sollte das Land im Baurecht zur Verfügung stellen, die Stadt würde dann bauen. So geschah es auch, der entsprechende Kredit wurde vom Volk gutgeheissen, im Herbst sollte Eröffnung gefeiert werden. Das Wohnungsprojekt wurde damals zurückgestellt, inzwischen ist aber weitergearbeitet worden: Aus einem Wettbewerb ging das Schaffhauser Architekturbüro Bergamini/Néma als Sieger hervor. «Besonders an diesem Projekt ist die Aufteilung auf eine Jugendstilvilla und einen Neubau», sagt Pierre Néma, «das verlangt nach einer besonders guten Gestaltung – auch was die Umgebung anbelangt.» Der Neubau im Minergiestandard wartet mit ähnlichen Detaillösungen auf wie der Bretterhof an der Schifflände, der ebenfalls von Bergamini/Néma stammt: grosse Fenster, Betongurte als Gliederungselemente. Der Bau weist nur drei Geschosse auf und passt sich so den umstehenden Einfamilienhäusern an.
**Schonender Umgang**
Die Umbauarbeiten im Herrenhaus werden in Abstimmung mit der Denkmalpflege realisiert und sollen den ursprünglichen Charakter der Jugendstilvilla wiederherstellen. Geplant ist eine Wohnung im Erdgeschoss, zwei im 1. Stock und schliesslich eine im Dachgeschoss. Das Raumangebot umfasst Wohneinheiten mit zwischen 70 und 90 Quadratmetern, die provisorischen Mietpreise beginnen bei 1100 für die kleinsten und enden bei 2400 Franken für die grössten Wohnungen. Beide Gebäude werden von einer gemeinsamen Pelletsanlage beheizt, die Warmwasseraufbereitung erfolgt über eine Solaranlage auf dem Dach. Nicht erhöht wurde – trotz des Baus von 15 zusätzlichen Wohnungen – die Anzahl Parkplätze auf dem Areal: Noch immer stehen nur fünf Felder zur Verfügung, allerdings werden diese vor den Neubau verschoben. Eine Aufstockung hat auch dem Wunsch der Anwohnerschaft entsprochen, zumal bereits jetzt Parkplatzknappheit auf der Strasse herrscht. Aber: «Diesbezüglich musste ein Kompromiss mit der Stadtbildkommission und weiteren Beteiligten gefunden werden», sagt Baader, «auch mir wären mehr Parklätze lieber gewesen.» Als «perfekte Ergänzung zum Künzle-Heim» begrüsste Urs Hunziker, Heimreferent der Stadt und zugleich Vizepräsident der Künzle-Stiftung, das Projekt. Die künftigen Mieter könnten sich vom geplanten Quartierdienstleistungszentrum unterstützen lassen. Weil Altersvorsorge als Stiftungszweck klar definiert wird, stellt sich die Frage, ab welchem Alter man denn Mieter werden kann: «Eine schwierige Frage», sagt Kurt Baader und verspricht: «Wir werden das grosszügig handhaben.»
**Stiftung**
*Das Vermögen des Kammgarn-Direktors*
Im Jahr 1905 hat Jakob Huldrich Künzle, Direktor der Kammgarnspinnereien Schaffhausen und Derendingen, die Villa Solitude erbauen lassen und den Umschwung mit Zukäufen ergänzt. Für seine Söhne Hans und Richard erstellte er separate Häuser auf dem Areal. 1955, nach dem Tod von Hans Künzle, gründete sein Bruder Pfarrer Richard Künzle die gleichnamige Stiftung. Als Stiftungszweck wird die Altersvorsorge festgelegt, aus dem Vermögen das Künzle-Heim gebaut. (rob)