Wer selber Bier braut, tut’s mit Ernst

Schaffhauser Nachrichten, Region
Alfred Wüger

«Wenn es nicht schäumt, dann schäumt es nicht, dann nützt es auch nichts, wenn man das Bier aus einem halben Meter Höhe ins Glas giesst.» Das erste Kriterium auf dem Bewertungsblatt der «Swiss Homebrewing Society», das es auszufüllen gilt, ist der Schaum. Und der zu testende Gerstensaft von der wunderschönen Farbe dunklen Bernsteins, der in den Gläsern schimmert, weist tatsächlich keinerlei Schaumkrone auf. Der Geruch könnte als «unauffällig» bezeichnet werden, der Geschmack hingegen als «stiltreu gut», die Bittere als «leicht abweichend», die Rezenz … «Was ist das?» Urs Meier gegenüber weiss es: «Das ist das Prickeln auf der Zunge, das von der Kohlensäure kommt. Das Gegenteil wäre schal.» Nein, schal ist dieses Bier gar nicht: «Stilnähe recht genau» wird angekreuzt – und dann zusammenzählen für den Gesamteindruck: 24 Punkte. Möglich wären 45.
Auf den Tischen überall Körbchen mit Brotwürfeln, wie beim Degustieren von Wein. «Es ist schwieriger, Bier zu degustieren als Wein», sagt Urs Meier, «denn das Bier kann man nicht einfach ausspucken, weil man sonst die Rezenz nicht mehr spürt.» Die, wenn auch kleinen, Gläser zur Gänze leeren darf man allerdings auch nicht, denn sonst …

**Steuern zahlt, wer Bier verkauft**
Während im Saal des Hotels Promenade die rund dreissig Personen – ganz wenige Frauen sind da – die besten drei Biere in jeder der acht Kategorien erküren, unterhalten wir uns im Nebenraum, wo der von den Teilnehmenden selbst gebraute Gerstensaft in mehreren Kühlschränken lagert, mit Rolf Gnädinger. Natürlich braut er, von Beruf Finanzer, auch selber. «Wir verkaufen auch von unserm Bier», sagt er, «im Party-Service-Stil.» Auf diese Verkäufe ist eine Biersteuer – es gilt die Selbstdeklaration – zu entrichten, sie beträgt 10 bis 20 Rappen pro Liter. «Wie kamen Sie zu Ihrem Hobby?» Zuerst sei die Freude am Bier gewesen, sagt Rolf Gnädinger, und dann sei er «aus Zufall» bei einem Anlass auf ein Buch gestossen und habe es versucht. Hopfen, Malz, Hefe, Wasser braucht man. Kaufen können die Hobbybrauer die Zutaten bei Anbietern, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben.

**Wer braut, braucht Zeit**
«Und wieso brauen Sie selber?» – «Wieso macht man eigene Gomfi?», fragt Beat Joss zurück. «Es macht Spass», sagt er. Seine Frau ist auch anwesend. «Ich habe durch meinen Mann gelernt, das Bier zu lieben», sagt sie. «Mir genügt es, beim Brauen zu helfen.» Christoph Eichenberger gar kam erst über das Brauen zum Biertrinken. Es gibt eben unter den Mitgliedern der Swiss Homebrewing Society viele Tüftler. Wie hatte Urs Meier gesagt? «Aus den gleichen Ausgangsstoffen kann ich, je nach ihrer Behandlung, ganz unterschiedliche Biere brauen.» Und obwohl man, so Beat Joss, «ein Einsteiger-Set für 150 Franken» bekommt, sollte gut überlegen, wer sich eins anschafft, denn die Arbeit ist sehr zeitaufwendig. Ueli Schläpfer, der Präsident der Swiss Homebrewing Society, ein Mann mit exorbitant gezwirbeltem Schnurrbart, dessen Enden auf beiden Seiten steil nach oben stehen, hat denn auch – er ist Offsetdrucker von Beruf – kein anderes Hobby. Klar könne man, während das Bier koche, im Garten etwas erledigen, aber: «Ein Sud gibt mehrere Stunden, ein Doppelsud fast einen Tag Arbeit.» Einige ziehen das Bier in Flaschen ab – «weil es einfacher ist» –, andere bevorzugen Fässer.

**Eine Urkunde für die Besten**
«Was bekommt der Sieger?» Rolf Gnädiger wiegelt ab: «Es gibt heute keinen Pokal für die Besten, sondern eine Urkunde. Wichtiger für uns ist der Austausch von Erfahrungen und sind die persönlichen Begegnungen.»