Schaffhauser Nachrichten, Stadt Schaffhausen
Simon Brühlmann
Eine gewisse Neugier erschien berechtigt: Was wird uns hier erwarten? Schon vorab war bekannt, dass das Stück «Der Schicklgruber» die letzten Tage Adolf Hitlers zum Thema hatte, welche auch den Inhalt des deutschen Kinofilms «Der Untergang» gebildet hatten. Doch nun wollte Neville Tranters «Stuffed Puppet Theatre» diese abgründigen Szenen mit Handpuppen darbieten – und obendrein auch noch in englischer Sprache. Kann das gut gehen?
Tranter ist einer der grossen internationalen Meister des Puppentheaters, und so hatte er das Publikum bereits in seinen Bann gezogen, noch ehe die Aufführung richtig begann. Als er sich (in seiner Uniform als Hitlers Adjudant) stumm auf die Bühne stellt, wird es still im Publikum. Tranter braucht nicht zu sprechen oder zu gestikulieren, sein Blick allein genügt – sein langes Zaudern, bevor der Puppenspieler eine der gruseligen Nazifiguren in die Hände nimmt –, um eine einzigartige Spannung zu erzeugen. Diese Spannung wird an zentralen Stellen durch Bühnenlicht und schauerliche Musik intensiviert; alles genau aufeinander abgestimmt. So gehen beispielsweise das Luftwaffenlied, das Goehring singt, und das «Lied vom Tod» durch Mark und Bein – schauerlich und doch erschreckend schön. Die Musik wird nie zum blossen Beiwerk: Aus den Lautsprechern ist neben kratziger Swingmusik auch eine englische Version von Marlene Dietrichs «Lily Marleen» zu hören. Und beim leitmotivisch eingesetzten «Der Mond ist aufgegangen» betont Tranter die düstere Seite des Liedtextes, die Todesthematik, die man bei diesem Lied oftmals vergisst. Andererseits kommt auch das Heitere nicht zu kurz. Schlag auf Schlag kommen die Zoten, die sich mit Schwerpunkt auf Hitlers Gesundheitsfanatismus und auf «Fröilein» Brauns Geilheit (infolge Hitlers sexuellen Desinteresses) konzentrieren. Das ist manchmal köstlich, doch häufig steht die Klischiertheit des Skripts hinter der Subtilität von Tranters Ausdrucksmöglichkeiten zurück. «You piece of Scheisse!» beschimpft Hitler etwa Goehring. Kaum subtiler ist bei an- derer Gelegenheit Goehring selbst: «I have to drop my Lombs!», er müsse nun dringend kacken. Insgesamt waren die Zuschauer hell begeistert. Tranter und das perfekt eingespielte Team im Hintergrund: Sie hatten den herzhaften Applaus verdient. Dass Tranters «Stuffed Puppet Theatre» die Schaffhauser überhaupt mit einer Aufführung beehrte, ist übrigens die Leistung der Organisatoren vom Theater «Schauwerk» – dies sei hiermit verdankt.